Laiblicher Tagblatt.q Redaction und Expedition: Bahuhvsgasse Nr. 15. Nr. 71. ESESSBi Freitag, LN. März 1879. — Morgen: Cyrillus. 12. Jahrg. Mit der Post: Ganzjähr. fl. 12. zeigen bis 6 Zeilen 20 kr. ° Aus dem kroatischen Lager. „Heller als sonst strahlt die Sonne des verfassungstreuen Kabinets!" So ruft die „Kroatische Post" aus, und knüpft das in deutscher Sprache in Agram erscheinende Oppositionsblatt an diesen Ruf die Bemerkung, daß die sanguinischen Hoffnungen der Slaveu auf Beseitigung des verfassungstreuen und Einsetzung eines den Nationalitäten günstiger gesinnten Ministeriums bitter getäuscht wurden. Das genannte Blatt konstatiert, daß es in Oesterreich oppositionelle Fraktionen, aber keine sestgegliederte, disciplinarisch geordnete und centra-listisch geleitete Opposition gebe. Das genannte, slavischen Tendenzen huldigende Journal gesteht zu, daß die Verfassung in Oesterreich ohne Staatsstreich nicht zu beseitigen wäre. Und was dann? Wer könnte heute eine neue Regierungsform schassen, welche den Sondergelüsten der Altczechen, Jungczechen, Slovenen, welche den Centralisten, Föderalisten, Conservativen, Radiealen, Feudalen, Reaktionären und Klerikalen vollkommen entsprechen würde? Die „Kroatische Post" gesteht zu, daß die Zustandebringung eines allen Nationen und Parteien zusagenden Regierungsstatutes eine schwerere Arbeit wäre, als seinerzeit die Schöpfung der Erde. Das genannte Agramer Blatt gesteht weiter selbst zu, daß eine Einigung aller Nationalitäten und Parteien in Oesterreich unmöglich ist. Die „Kroatische Post" tritt für Bildung einer gemeinsamen slavischen Opposition ein, die Truppen für diese Arniee würden sich finden, der Czeche würde die Erneuerung der Privilegien der „heiligen" Wenzelskrone anstreben und der Slovene die Austreibung des Dentsch-thums auf sein Banner schreiben. Das genannte Blatt gesteht weiter zu, daß Oesterreich heute nicht anders als conftitu- tiouell regiert werden könne, uud es erklärt, daß der F ö d e r a l i s m u s aus dem politischen Lexikon der „staatsrechtlichen" Opposition bereits gestrichen wurde, daß derzeit eilte föderalistische Partei nicht mehr bestehe und auch in Hinkuust nicht zum neuen Leben erwachen werde. Die römische Curie wäre wol bereit, den Föderalismus zu unterstützen, der Vatimn möchte sich gar zu gerne zum Hüter nationaler Eigenarten emporschwingen, aber die Stimme der Curie findet kein Gehör, keinen Glanben, kein Vertrauen, denn Rom war es, das einst, wie die Geschichte lehrt, Völker gegen Völker gehetzt, slavische Länder verwüstet, slavische Männer gemordet und slavische Bücher verbrannt hat. Die „Kroatische Post" sagt: „Rom und der Feudalismus kennen kein Vaterland, kennen keine Nationalität, kennen kein Völkerrecht, sie kennen nur Gläubige und Uiiterthanen. „Divide et impem!“ „Theile und herrsche.!" „Der Zweck heiligt die Mittel", — das sind die Losungsworte des klerikalen Föderalismus, uud mit den Verfechtern politischer Jesuitenmoral gehen wir Hand in Hand!" Das oftgenannte Journal empfiehlt die Schaffung einer lebensfähigen Opposition und die Ausstellung eines gemeinsamen Aktionsprogrammes in den slavischen Provinzen; der national -deutschen Politik müsse eine national-slavische entgegengestellt werden. Wir entnehmen ans den Ausführungen der „Kroatischen Post", daß es ihr in- erster Linie um die Schaffung einer Opposition gegen die Regierung und gegen das Deutfchthuni zn thnn ist. Das Agramer Blatt fordert die Slaven zur Vereinigung, zum Kampfe, zum „frischen, fröhlichen" Kampfe aus. Nun, die uns bevorstehende Action kann wahrlich recht lustig und fröhlich werden. Für heute erübrigt uns nur noch, diesen Expectora-tionen die Bemerkung anzufügen, daß mit der Jnstalliernng einer gemeinsamen slavischen Opposition gegen Regiernngssistem und Dentsch-thuni, mit der Führung eines nationalen Kampfes das von den Slaven heißersehnte goldene Zeitalter nicht anbrechen werde, sondern Positives augestrebt, Positives auf die Tagesordnung gesetzt, Positives geschaffen werden müßte, sollen Reich uuti dessen Volker eilte bessere, glücklichere Aera (?) erleben als jetzt. Phrasenreiche Opposition und erbitterter Nationalitätenkampf sind nicht die richtigen Wege, um zum gewünschten Ziele zu gelangen. Reichsrath. Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner 432. Sitzung die Artikel 1, 2, 3, 12 und 13 des Gesetzentwurfes, betreffend die Regelung des Staats-rechnungs- und Controledienstes, und nachstehenden Resolutionsantrag (Abg. Dr. Menger) an: Die Regierung wird aufgefordert, einen Gesetzentwurf zur verfassungsmäßigen Behandlung einzubringen, durch den die amtliche Stellung der Rathe des obersten Rechnungshofes, deren Entfernung, Pensionierung und Absetzung, sowie das Disciplinarversahren inbetreff derselben analog den für die Räthe des obersten Gerichtshofes bestehenden Normen geregelt wird." Ab. Pfeifer und Genossen richteten an den Finanzminister eine Interpellation, in welcher hervorgehoben wird, daß in Steiermark und Kr ain, welche Länder durch Hagel, Ueberschwem-ntuitg, Frost ohnehin in große Arnrnth gerathen seien, Realitäten und Fahrnisse um einen Spottpreis zum Execntionsverkause gebracht werden. So sei in Krain eine auf 1081 fl. bewertete Realität um 5 fl. und eine auf 1130 fl. geschätzte Realität um 2 fl. wegen Steuerrückstände nver-kauft worden. Als eine große, allgemein beunruhigende Last werde auch von der Bevölkerung das Ieuilleton. Der Verurtheilte. Skizze von L. N. (Schluß.) „Ich kroch zurück, kletterte aus das äußerste Ende des Bugspriets, wehete ein Stück von einem Segel über meinen Kops und rief so laut ich konnte. Aber alles blieb still, außer dem lauten Schlagen meines Herzens, dem Flackern des Feuers und dem Zischen des flammenden Peches. Das Schiff hatte sich jetzt mit dem Schnabel gegen den Wind gekehrt, und die entsetzliche Hitze des Rauches warnte mich, daß das Feuer sich mir schnell nähere. Ich konnte nicht länger bleiben, wo ich war; nichts blieb mir übrig, als mich den Wellen anzuvertrauen, ehe es die Pulverkammer erreichte. Ohne zu bedenken, daß ich nur einer andereil Todesart entgegeneilte, sprang ich aufs Verdeck, tappte nach einem Seile, band es um einen Hühnerkorb und ließ denselben ins Wasser hinab, schlüpfte ihm dann nach, band ihn los und stieß ihn mit den Füße» vom Schiffe ab, während ich mit dem obern Theil des Körpers daraus lehnte. Auf diese halb schwimmende Weise trieb ich mich eilte geraunte Zeit vorwärts, bis ich das Schiff in die Luft fliegen hörte. Nun hielt ich tnne, nm Athetn zu holen. Mehrere male verlor ich den Korb, den ich wieder schwimmend erreichte, um ihn mit der nächsten Welle anss neue zu verlieren. Diese wiederholten Anstrengungen beraubten mich meiner noch übrigen Kräfte: immer schwächer ward mein Halt, der Instinkt, der mich zur Erhaltung des Lebens gegen so ungeheure Bemühungen vermocht hatte, verließ mich jetzt, mein Schicksal ward mir gleichgiltig, eine betäubende Trägheit bemächtigte sich meiner Seele und meines Körpers, ein Gefühl der Schläfrigkeit kam allmählich über mich, ich fühlte keinen Schmerz, mich verlangte nur nach Schlaf, und ich war auf dem Punkt, mich demselben zu überlassen, als der Schall von Menschenstimmen mein Ohr berührte. Wie ein elektrischer Schlag brachte dies neue Stärke in jede meiner Nerven. Noch einmal erfaßte ich den Korb und gab den Ruf aus allen Kräften zurück, aber dies war nur ein cmgenblick- liches Aufglimmen, die Natur war ganz erschöpft, ich vermochte nicht mehr zu widerstehen, ich hörte auf zu kämpfen; noch einmal floß mir das Wasser um den Mund, gurgelte mir im Halse, schlug über dem Kopf zusammen. Ich fühlte, daß ich allmählich hinabsank, als mich plötzlich etwas beim Schopf faßte und auf die Oberfläche emporriß. Als ich wieder zu mir selber kam, fand ich mich von mehreren Personen umringt, welche mir sagten, ich befände mich an Bord der königlichen Brigg „Snarler", deren Boote die fliehenden Seeräuber gekapert und mich bei ihrer Rückkehr erblickt und aufgefischt hätten. Unter den Händen ihres Wundarztes erlangte ich bald mein Gesicht wieder, und als wir Halifax erreichten, war ich wieder gänzlich hergestellt. Bei meiner Heimkehr war Enthbertson schon abgesegelt, und obgleich wir beide Clydeschiffe hatten, so trafen wir doch nie zusammen in dem Hasen und sahen uns auf diese Weise nie wieder. „Es wird nun acht Jahre sein," erzählte der Kapitän weiter, „seitdem ich das Kommando des Schiffes „Severn" erhielt. Zu Cork begab ich mich unter den Schutz von Kriegsschiffen uni> im Jahre 1878 eingerichtete Institut der Steuer-executoren empfunden. Es seien Steuerrückstände von 4 fr., 4Vir 5, 9,15, 17, 27 und 29 kr. mit einer Executionsgebühr von 1 fl. 5 kr. bedroht. Die Interpellanten richten daher an den Finanzminister folgende Anfragen: „1.) Auf welchen gesetzlichen Grundlagen beruht das Institut der 'Steuerexecutoren und deren Bezüge? 2.) Ist die k. k. Finanzverwaltung geneigt, bei der Steuereintreibung auf die wirthschaftlichcn Erträguis-perioden mehr Rücksicht zu nehmen und in jener Art der Steuereintreibung eilte Erleichterung eintreten zu lassen? eventuell 3.) ist die k. k. Regierung geneigt, unter Aufhebung des Instituts der Steuerexeeutoreu ein für die Steuerträger minder kostspieliges Executiousversahren gesetzlich zn normieren? Resolutionsanträge. Dem Plenum des österreichischen Abgeordnetenhauses werden in den nächsten Sitzungen folgende Resolutionen zur Annahme empfohlen werden: 1.) Die Regierung wird aufgefordert, die für bestimmte Zwecke bewilligten Kredite unter keiner Bedingung, auch nicht provisorisch, für andere Zwecke zu verwenden, und dafür zu sorgen, daß bei Vorlage des Central-Rechnungsabschlnsses die bereits gemachten Auslagen definitiv in ihrer vollen Höhe unter jenen Posten verrechnet werden, für welche die betreffenden Kredite bewilligt wurden; ferner zu veranlassen, das vonseite des obersten Rechnungshofes alle Abweichungen gegenüber dem Voranschlage eingehend begründet werden, sowie daß dem obersten Rechnungshöfe die Nach-weifungen seitens der Verwaltungsbehörden in einem solchen Zeitpunkte geliefert werden, daß die Detailprüfuugen derselben seitens des obersten Rechnungshofes noch vor der Vorlage des Central-Rechnungsabschlusses erfolgen können. 2.) Die Regierung wird nufgefordert, in Hinkunft und ebenso nachträglich für die Jahre 1876 und 1877 eilten umfassenden Geschäftsbericht über die einzelnen im Betriebe befindlichen Staatsbahnstrecken verfassen zu lassen, und denselben mit thunlichfter Beschleunigung, sei es als integrierenden Bestandtheil des Berichtes, sei es als selbstständige Vorlage, dem Hanse zur Kenntnis zn bringen. 3.) Die Regierung wird nufgefordert, die Vereinigung der Hochschule für Bodenkultur mit der Wiener Universität oder eventuell mit der technischen Hochschule in Wien in Erwägung zu ziehen. 4.) Die Regierung wird auf gefordert, mit aller thunlichen Beschleunigung die geeigneten segelte in Gesellschaft einer großen Flotte nach Nordamerika. Wir hatten auf der ganzen Fahrt Gegenwinde, bis uns in der Nähe des Cap Breton ein fürchterlicher Sturm befiel. Die Flotte würde auseiuandergeschlagen und jedes Schiff sich selbst überlassen. Nie hatte ich einen solchen Sturm erlebt und solche lange und Helle Blitze gesehen, der Donner brüllte fürchterlich, und die Nacht war finster wie Pech. Während der zweiten Wache bemerkten wir ein Schiff gerade vor uns durch das Sicht, welches es zeigte. Wir suchten es zu vermeiden, als es auf einmal heftig auf die Seite fiel und verschwand. Kaum hatten wir uns zur Seite gewendet, um nicht auf das Wrack zu laufen, als uns ein breiter Feuerstrom dicht bei uns ein gescheitertes Schiff zeigte. Alles war vom Verdeck weggewaschen, außer einem einzigen Mann, der sich an dem Sturmgeländer festhielt. Er blickte an unserer Vorderlaterne hinaus, als wir beinahe bis zum Berühren bei ihm vorüber-rauschten. Das Licht fiel hell aus sein aufgehobenes Gesicht, und ich erkannte meinen Freund Cuthbertson. Jnstinktmäßig warf ich mich mit halbem Leibe über das Geländer hinaus, um ihn Vorkehrungen zur Errichtung einer gewerblichen Fachschule in Linz und zur Subventionierung einer Handelsschule daselbst zu treffen. 5.) Die Regierung wird aufgefordert, eine Revision des Aich ge setz es auf praktischeren Grundlagen mit thunlichfter Beschleunigung in Angriff zu nehmen. 6.) Die Regierung wird aitfgeforöert, das Gesetz vom 2. Oktober 1865 über die portofreie Benützung der Postanstalt.einer Revision im Sinne der thmilichsten Beschränkung der bestehenden Portofreiheiten zu unterziehen und einen neuen Gesetzentwurf baldmöglichst vorzulegen. 7.) Das Abgeordnetenhaus spricht über die Nichtbeachtung seiner in Bezug auf die Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen dem Staate und den G rund entlastungssoitds von Galizien und der Bukowina seit 1872 jährlich gefaßten Resolutionen feilte ernste Mißbilligung aus. 8.) Die Regierung wird aufgefordert, bei den Vorlagen des Staatsvoranschlages pro 1880 in Erwägung zu ziehen, ob nicht bet" dem ordentlichen Erfordernisse das Solarjahr als Rechnungs-Periode aitzituehtnen, und welche Unterscheidung bezüglich einer längeren Verwendnngsdaiter bei dem außerordentlichen Erfordernisse im Gesetze zu treffen sei. Tligesneuigkeileil. — Weinbaueougreß. Infolge Einladung des von dem ersten Weinbancongresse zn Marburg eingesetzten ständigen Comites versammelten sich vorgestern in Wien die Delegierten einer Anzahl landwirthschaftlicher Gesellschaften und zweckverwandter Corporatirnen Cisleithaniens zu einer Vorbesprechung, bei welcher das Verhandlnngsprogramm für den vom 22. bis 26. September b. I. in Wien abzuhaltenden zweiten Weinbaueongreß festgesetzt wurde. Wie der Obmann des Comites, Christian Graf Kiitskh, mittheilt, haben bisher znr Theil-nahme an dem Kongresse sich bereit erklärt: der niederösterreichische Landesansschnß, der Gemeinderath der Stadt Wien, der niederösterreichische Gewerbeverein, die niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer, der Klub der Land- und Forst-wirthe und die Landwirthschafts-Gescllschasten von Wien, Triest, Schlesien, Krain, Steiermark und Görz, sowie die zweite Scction der Landlvirthschafts-Gesellschast in Wie». Als Verhandlnngsgegenstände des Congresses wurden nach längerer Disenssion zehn Fragen ausgestellt. Mit dem Kongresse wird ein Wein-, eventuell auch eine Obstausstellnng verbunden sein. aus seiner gefahrvollen Lage zu reiße« und rief ihn laut beim Namen. Ich zweifle nicht, daß er die Stimme seines alten Freundes vernahm und erkannte, denn er gab eine schwache Antwort, deren Worte ich nicht zu unterscheiden vermochte; aber ich sah deutlich, wie er die Arme gegen mich öffnete, als wollte er mich ait sich drücken, und nach der Heimat hindeutete. Ich versuchte, ihm seine Zeichen zu beantworten, aber der Wind riß das Schiff fort und — wir überließen ihn seinem Schicksal. Eine Minute später zeigte mir ein anderer Blitz, wie die Spitze seines großen Mastes mitten unter dem Schaum einer ungeheuren Welle verschwand. Jetzt dachte ich wieder an sein letztes Versprechen in der Mondego-Bucht; ich hielt die Umstände zusammen, und ein Schänder überfiel mich. Ich versuchte, das Gefühl der Furcht wegzulachen, aber es gelang mir nur oberflächlich, es blieb am Boden des Herzens liegen. Die ganze Flotte kam nach dem Sturme glücklich in den Hafen, nur von dem alten „Löwen" von Port-Glasgow ward nie wieder etwas gehört. „Ein Jahr ging vorüber, als ich in einem ähnlichen Sturme und zu derselben Stunde den — Zur Handelspolitik Serbiens. Der Grazer „Tagespost" wird aus Wien geschrieben : „Wie wir hören, ist von Wien ans die bestimmte Erklärung nach Belgrad abgegangen, daß Oesterreich allerdings nicht entfernt daran denke, die freie Entschließung Serbiens betreffs der Gestaltung seiner handelspolitischen Zukunft zu beeinträchtigen, daß es aber darauf bestehen müsse und werde, daß es in nichts und durch nichts der bevorzugten Stellung präjudieiere, welche in Berlin und mit voller Zustimmung Serbiens den kommerziellen Interessen Oesterreichs zngesichert worden." — Wieder ein Attentat. Ein Extrablatt des Petersburger „Regierungsbaten" meldet unterm 25. d. M. ans Petersburg: „Als General Drentelen nachmittags itttt 1 Uhr beim Sommergarten vorüberfuhr, um sich in die Minister-rathssitznng zu begeben, holte ihn ein berittener junger Mann ein und feierte einen Revolverschuß anf ihn ab. Die Kngel ging durch beide Wagen-fenster. Der General blieb unverletzt, bewahrte die volle Geistesgegenwart und ließ den entfliehenden Verbrecher durch den Kntscher verfolgen. Der Verbrecher gewann einen Borspruug, stürzte dabei vom Pferde, ließ dasselbe im Stich und entkam mittelst Droschke." — Die „Deutsche Ztg." knüpft an diese Meldung nachstehende Bemerkungen: „Der Umstand, daß sich keine Hand regte, um den fliehenden Mörder anszuhalten, dem es zu entwischen gelang, trotzdem er auf seiner Flucht vom Pferde stürzte, ist eine sehr betrübende Erscheinung. Die Häufung von politischen Attentaten in einem Laude zeigt, daß etwas faul in seinen öffentlichen Zuständen sein muß. Ruit kennt man die Gründe, welche einzelnen Fanatikern im Reiche des Zaren die Mordwaffe in die Hand drücken. Der zarische Despotismus, die nneontrollierbare Polize iw ir t hs ch a st, die erbarmungslose Härte, mit welcher alle freiheitlichen Regungen niedergehalten werden, hat die politische Vendetta in Rußland erzeugt, und die Morde hänfen sich. Ein Reich, wo solche Zustände herrschen, wo das moralische Gefühl der Bevölkerung in solchem Maße gesunken ist, wankt in seinen Grundfesten. Es ist hohe Zeit für den Zaren, in der inner» Politik liberale Bahnen einzuschlagen." Lokal-undprovilylal-^ttgeiegenheltett. — (Iu s p e e ti ou s r e i s e.) Der kommandierende General Herr FZM. Freiherr v. Kuhn hat in Begleitung des Getteralstabschess Oberste» von Ballentsitsch eine Jnspeetionsreise nach Kraiii und dem Küsteulande angetreten. — (Majestäts verbrechen.) Wir machten uns im vorgestrigen Blatte absichtslos eines schweren Verbrechens schuldig, wir legten gelegentlich einer alten „Löwen" wieder scheitern sah. Aber die Erscheinung zeigte sich diesmal nur meinen Augen. Aus jener Reise verlor ich mein Schiff. Es bekam einen Leck, und wir hatten kaum die Boote erreicht, als es vor unfern Augen uittergiitg. Nach drei Jahren sah ich die Erscheinung wieder und scheiterte aus der Küste von Holland. Diese Nacht habe ich sie zum letzten male gesehen. Lange habe ich die verzehrende Berührung des Fingers des Schicksals empfunden; jetzt aber liegt die ganze Gewalt seiner Hand auf mir. Mein Dasein geht zu Ende, denn ich darf nicht länger mehr att der Warnung zweifeln. Und es ist besser aus einmal zu sterben, als so in beständiger Todesfurcht zu leben. O, mein Herr, bitten Sie Gott, daß Sie nie den Fluch eines Verurtheilten — das Buch des Schicksals gleichsam vor sich aufgeschlagen zu sehen, empfinden. Welch' eine Veränderung hat dies in mir, dem ehemals so leichtherzigen , munteren Seemann, hervorgebracht. Dennoch habe ich mich zuweilen ermuntert und diese Gefühle abzuschütteln gesucht und wie der reiche Mann in der Parabel zu mir selber gesprochen : „Seele, sei fröhlich, iß’, trink' und fei Lokalnotiz der dem Liquidationsverfahren unterworfenen, weiland nationalen Versicherungsbank „Slo-venijci" das Beiwort „fallit" bei, welches Wort im Schöße des Liquidationsausschusses übel ausgenommen wurde. Wir corrigieren über Ersuchen die „unglücklich gewählte" Bezeichnung „fallit" und hoffen, daß infolge dieser Correetur die Actieu der in Liquidation befindlichen Bank „Slovenija" zum Vortheile der Interessenten mindestens nm 50 Perzent steigen werden. — (Generalversammlung.) Am 29sten April l. I. findet in Laibach die fünfte ordentliche Generalversammlung der Actionäre der „Krainifchen Baugesellschaft" statt. Tagesordnung: 1.) Vortrag des Geschäftsberichtes und der Bilanz; 2.) Bericht des Revisionsansschnsses und Ertheiluug des Ab-solutoriums; 3.) Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes; 4.) Neuwahl der statutenmäßig austretenden Verwaltungsräthe; 5.) Neuwahl des Revisionsausschusses; G.) allfällige, gemäß dem § 34 der Statuten angebrachte Anträge. — (B e n efi z v orst elln n g.) Unsere Bühnenleitung beeilt sich, noch in zwölfter Stunde einigen Gesellschaftsmitgliedern Beiiefizvorstellungen zu gewähren. Heute hofft Herr Waldburger die Früchte seiner Saat einzuernten. Zu seinem Vortheile gelangt das Lustspiel „Xantippe", ein geistiges dramatisches Produkt des t k. Fregattenkapitäns Herrn R. v. Littrow, Bruder des hier stationierten k. k. FML. Herr» R. v. Littrow, zur Aufführung. — (Leichenbegängnis.) Am 25. d. M. nachmittags 3 Uhr fand in Graz nach Bericht der Grazer „Tagespost" im Beisein eines zahlreichen Publikums das feierliche Leichenbegängnis der Landeshauptmannswitwe Frau M. Aloisia Gräfin Attems statt. Eine Menge schöner Kränze zierte den Sarg, darunter ein prachtvoller, von Frau Anna Gräfin Meran der Verstorbenen als freigebigen Gönnerin des Kinderfpitales gewidmet. Unter den Trauergästen befanden sich der Statthalter Baron v. Kübeck, der Landeshauptmann Dr. v. Kaiserseld, der Bürgermeister Dr. W. Kienzl und viele Vertreter der Aristokratie. Die Familie Attems erhielt mannigfache Beweise der Theilnahme von nah und fern. — (Aus Bosnien) trifft— wie wir vernehmen — am 10. April das 6. Feldartillerie-Regiment hier ein, allwo es abgerüstet wird. Zwei schwere Batterien des Regimentes marschieren am 20. April zur Verstärkung der Klagenfurter Garnison über den Loibl dorthin ab. — (Ein A gi oz nf ch lag) wird auch vom 1. April d. I. ab bis auf weiteres für die in Silber ausgedrückten Gebühren Vonseite der Eisenbahnen nicht eingehoben. Hiedurch wird jedoch, so wie bisher, die im Zivilverkehr bestehende theilweise Erhe- munter!" Aber die Antwort klang mir mit der Stimme des Donners ins Ohr: „Du Thor, diese Nacht soll deine Seele von dir gefordert werden!" Hier unterbrach uns des Lootsen Pfeife. Der Kapitän sprang auf, um die Wache abzulösen, und ich ging zu Bett. Als ich am folgenden Morgen aufs Verdeck kam, war eine völlige Windstille eingetreten und jede Spur vom gestrigen Sturme verschwunden. Der Morgen war heiter und brachte die vorige Munterkeit bei uns zurück; ja selbst der Kapitän war fröhlicher. In einiger Entfernung von uns lag ein anderes Schiff, ebenfalls durch die Windstille festgehalten, und während wir unsere Vermuthungen über dessen Namen und Bestimmung anstellten, sahen wir ein Boot von demselben abstoßen und auf uns zurudern, welches in kurzem neben uns anlegte. Es waren Bekannte vom Kapitän und der Jungfer B., auf der Heimreise begriffen, und luden uns ein, sie zu ihrem Schiffe (dem John Campbel) zu begleiten und mit ihren weiblichen Passagieren zu speisen und des Abends zurückzukehren. Ich schlug die Einladung aus und ging hinab, um Briefe zu schreiben. Aber der Kapitän versuchte vergebens, dem muntern Mädchen die Lust auszureden, auf bung eines 15perz. Agiozuschlages im Personen-, Gepäcks- und Eilgutverkehre der k. k. priv. Südbahngesellschaft nicht berührt. — (Aus den Nachbarprovinze n.) Die Grazer Statthalterei traf wegen der bei den Pferden der aus Bosnien zurückgekehrten Privatfuhrwerke ausgetretenen Rotzkrankheit umfassende veterinärpolizeiliche Vorkehrungen. — Der Grazer Gemeinderath beschloß eine Petition an den Reichsrath um Abänderung der Paragraphe 21 und 22 des Wehrgesetzes nnd Ausdehnung des Einjährig-Freiwilligen-Jnstitutes. Die bedeutendere» Städte werden zu einem gleichen Schritte eingeladen. — Bei der am 26. d. M. in T r i e st stattgefundenen Wahl des zweiten Wahlkörpers sind die Kandidaten der „Progresso"-Partei mit 188 bis 235 von 244 abgegebenen Stimmen gewählt worden. Die Betheiligung war im Verhältnisse zu den anderen Wahlkörpern geringer, indem in diesem Wahlkörper bei 310 Personen mit der Wahllegitirnatiou ausgerüstet waren. Ernsthafte Gegenlisten waren nicht ausgestellt. — Aus Ossero wird der „Triester Ztg." geschrieben: „Im Orte Neresinje, Gemeinde Ossero im Bezirke Lnssinpiceolo, kommen in fast jedem Hause Erkrankungen vor — in manchem Hause erkrankten sogar bis drei Personen. Bei der Erkrankung stellt sich starkes Fieber ein, welches in Typhus überzugehen scheint und sodann den Tod herbeiführt. Da an dieser noch nicht klar bestimmten Krankheit fast täglich zwei Personen sterben und die Anzahl der Erkrankungen bereits 60 übersteigt, so hat cs die k. k. Bezirkshauptmannschaft für nothwendig erachtet, den Bezirksarzt und den Gemeindearzt von Ossero mit der Besichtigung der Kranken und schleunigsten Berichterstattung zu beauftragen." — (Rinderpest.) Im Verwaltuugsgebiete der kroat.-slav.-dalmat. Landesregierung find drei Ortschaften verseucht: Hernetic in der Karlstädter und Zagon und Bribir in der Fiumaner Vize-gespanschast. — (Raubmord.) Der Grazer „Tagespost" wird ans Leoben, 25. März, berichtet: „Am 23. abends wurde in der Gemeinde Hasning nächst Trosaiach auf einem Abhange des in das Krumpen-thal führenden Feldweges die Leiche eines Ermordeten aufgefuudeu, welche wol schon mehrere Wochen dort gelegen sein mochte, aber durch Strauchwerk und darauf lagernden Schnee halb verdeckt war. Die tagsdarauf aus Leoben entsendete Gerichts-konnnission fand die Leiche nur halb bekleidet und constatierte, daß der Ermordete etwa 20 Jahre alt gewesen und durch einen mit einem stumpfen Werkzeuge meuchlings auf das Hinterhaupt geführten Streich getödtet worden war. Der Streich mußte mit großer Gewalt geführt worden sein, da er die offenem Meere einen Besuch abzustatten, indem sie nicht begreifen konnte, daß bei so heiterem Wetter Gefahr drohen könne; und da er sie, welche seiner besonderen Obhnt anvertraut war, nicht allein gehen lassen konnte, so willigte er endlich ein, sie hinüber zu rudern. Ein Boot ward also hinabgelassen, sie stiegen ein und stießen ab. Im Lause des Tages waren die Schiffe ziemlich weit auseinander getrieben, ititd gegen Abend erhob sich ein starker Wind; indessen sahen wir, wie unser Boot den „John Campbel" verließ, von welchem man ihm eine Abschiedssalve nachfenerte und dann wegsegelte. Auch wir gingen unter Segel und fuhren dem Boote entgegen. Aber Stunde auf Stunde verstrich, und wir sahen kein Boot; die Nacht kam heran und mit ihr ein dicker Nebel, wir wurden unruhig, kreuzten in allen Richtungen, steckten Lichter auf, feuerten Signale, aber alles vergebens. Der Tag kam und — wir sahen keine Spur von ihm. Wir kreuzten bis beinahe gegen Abend, aber alles vergebens. Zur gehörigen Zeit kam unser Schiff in Barbados an — doch vom Boote und den Passagieren in demselben ward nie wieder gehört. Schädeldecke ganz zertrümmerte. Mehrere Umstände deuten darauf hin, daß der Unglückliche ein m i t S ch u i 11 w a r e n h a n d e l u d e r H a u s i e r e r aus Gottschee sei, der noch Ende Februar in bet Gegend von Hasning hausierend gesehen wurde, und daß er auf dem einsamen Feldwege überfallen, getödtet, feiner Waren und Oberkleidniig beraubt und dessen Leiche über den Abhang geschleudert wurde." — (Wandernde Musikkapelle.) Die ersten Orchesterkräfte vom Theater au der Wie« wurden auf besondere Anempfehlung hervorragender Wiener Miifikkapacitätcii vom Herzoge Carl in Skiern für dessen Kurort Kreuth in S3aiern für Konzerte engagiert. Diese tüchtige Kapelle unter Leitung ihres Kapellmeisters Carl Klose gedenkt die Zeit bis zu ihrem Engagementsantritte (15. Juni) mit einer Konzerttour auszufüllen, und wird auf derselben die Städte Graz, Marburg, Cilli, Pettau, Klagenfnrt, Laibach rc. berühren. — (Hochzeitsbäume.) Das Dircctoriiirn des österreichischen Reichsforstvereines hat folgenden Aufruf an Oesterreich - Ungarns Waldbesitzer und Forstwirthe gerichtet: „In allen Gauen Oesterreich-Ungarns, in allen Bemfskreiseu des weiten schönen Vaterlandes gibt sich eine mächtige Bewegung kund, um die Feier der silbernen Hochzeit unserer Laudeseltern festlich zu begehen. Wol werden die Genossen des grünen Faches unter denjenigen nicht fehlen, welche au diesem denkwürdigen Tage die Zeichen ihrer Huldigung an den Stufen des Thrones niederlegen ! Allein dem Charakter und der Bedeutung des Festes, wie auch den Traditionen unseres Faches gleich angemessen, dürste es ein würdiger Ausdruck unserer loyalen Gesinnung sein, wenn wir Forstmänner den großen Gedenktag in einer Weise beginnen, welche einerseits der Eigenart unseres Berufes, dem geräuschlosen Schaffen für kommende Generationen, andererseits aber einer in sich schönen, der Wiederbelebung werthen Volkssitte entspricht. Der österreichische Reichsforstverein erlaubt sich daher, Oesterreich-Ungarns Waldbesitzer und Forst-wirthe aufzusorderii, an passenden Stellen zur Feier des 24. April d. I. Hochzeitsbäume zu pflanzen und den Act der Pflanzung nebst allen wissenswertheu Daten in den „Forstlichen Chroniken" verzeichnen zn lassen. Der Reichsforstverein beabsichtigt seinerseits, ein eigens zu diesem Zwecke gewidmetes Gedenkbuch aufzulegen, in demselben die Hochzeitsbäume zu verzeichnen und das Verzeichnis in der Vereinsschrift zu veröffentlichen. Indem wir voraussehen, daß diese Idee den vollsten Beifall unserer Fach-geuossen findet, fordern wir, nach Rücksprache mit Mitgliedern verschiedener Forstvereine, unsere geehrten Brudervereine und alle Anhänger unseres schönen Faches auf, die gepflanzten Hochzeitsbäume im Saufe dieses Frühlings dem Sekretär des österreichischen Reichsforstvereins, Herrn Johann Urbanek. Wien, III., Ungargasse 9, unter Angabe folgender Daten gefälligst anmelden zu wollen: Land oder Provinz, Besitzer des Waldes, Benennung des Gutes, Revier, Forstort, Holzart." Zur Jmpffrage. (Fortschung.) Der mit Gewalt einquartierte fremde Gast ist nämlich ein noch viel schlimmerer Geselle, als der Hausherr selbst, und keineswegs von beiden liebeln das kleinere, wie viele Aerzte behaupten. Der Impfstoff verdankt sein Entstehen jener bekannten ekelhaften Pferdekrankheit, der sogenannten Mauke, welche sich in Form von Blattern an der Faune oder Fessel des Pserdehuses bildet. Beobachtung hat gelehrt, daß, wenn ein solches krankes Pferd in einen Kuhstall gebracht wird, sich an den Eutern der Kühe durch atmosphärische Fortpflanzung ebenfalls Blattern, sogenannte Kuhpocken bilden, bereit Inhalt nun beit vielgepriesenen Original-Impfstoff liefert. Unbegreiflich muß es dem gefunden Menschenverstände sein und bleiben, wie durch einen, mittelst verschleppter Ansteckung gewonnenen Krankheitsstoff eine andere Krankheit verhütet werden soll, ohne ein anderes Nebel dafür zn ergänzen. Freilich gibt es ein Naturgesetz, wonach das Stärkere allemal das Schwächere verdrängt und sich an die Stelle setzt. So mag denn auch wol daS Kuhpockengift, in den menschlichen Organismus übertragen, ein intensiv stärkeres Gift als das noch unentwickelte Blatterngift sein und somit das letztere vereinzelt theilweise oder ganz verdrängen; aber dafür wird jenes als stärkeres Gift seine Herrschaft, sein schlimmes Recht auf irgend eine Art zur Geltung bringen. Die gelehrten Aerzte freilich, die ein Privilegium auf alle verborgene Weisheit zu haben meinen, wissen die Sache anders und viel besser, begreifen sie folglich auch leichter, namentlich durch das Se-ciereu der an Pocken Gestorbenen. Nuu ist freilich unmittelbar durch das Impfen wol nur selten ein Kind gestorben, erwiesenermaßen aber desto mehr durch die Folgen; denn es ist Thatsache, daß durch die jetzt gebräuchliche Methode, das Jmpsgift von Kiud auf Kind fortzupflanzen, die scheußlichsten Krankheiten, namentlich Skropheln, Flechten, Beulen, ja sogar die scheußlichste aller Krankheiten, die Syphilis, vielseitig durch die Blatternimpfung übertragen wurde. In der „Allgemeinen medizinischen Centralzeitung", Stück 5, vom 18. Jänner 1854, ist der Prozeß gegen den städtischen Jmpfarzt in Köln (Rheinpreußen) mitgetheilt, durch welchen Syphilis auf Säuglinge verinipft und selbst deren Mütter davon angesteckt waren. Dasselbe findet man im Berliner „Publicisten", Zeitung für Recht und Gerichtsverfahren, Nr. 94 vom 26. November 1853. Ein Landgerichtsarzt, Dr. Hübner aus Bamberg, verimpfte im Dorfe Freienfelde, ohne sein Wissen, Syphilis auf Kinder, und' durch diese wurden Mütter und Geschwister, im ganzen neu» Personen, syphilitisch angesteckt. Ein Münchener Arzt, der erweislich mehr als ein Dutzend Kinder rechtlicher Eltern auf diese Weise syphilitisch angesteckt hatte, wurde für solche Schandthat mit Zuchthaus bestraft. Wie ich schon oben gesagt, läßt nur der große Jammer, den die in ihrem ersten epidemischen Erscheinen mörderisch wüthende Krankheit über die Menschheit brachte, und die gänzliche Rathlosigkeit, Welche sich der Völker bemächtigte, es begreiflich finden, daß man sich an einem Strohhalm zu retten versuchte, daß man die Jenner'sche Idee krampfhaft erfaßte und alles Heil von der Einimpfung eines Giftes in den Körper erwartete. Mit Recht ist in unserer Zeit ein heftiger Kampf gegen den Zwang dieser Vergiftung entbrannt, wenn auch bisher die Wogen der natürlichen Verminst noch machtlos an dem morschen Fels der Schulweisheit und der hundertjährigen Gewohnheit sich brachen. Dem Vorurteilsfreien ist es sicherlich klar, daß mau mit der Aufnahme eines Giftes dem zarten kindlichen Körper keine Wohlthat erweist. Und wenn man ferner erwägt (wie schon vorerwähnt), daß alle Epidemien bei ihrem wiederholten Erscheinen sich in ihrer Grausamkeit abzustumpfen und zu mildern pflegen, so muß es wundernehmen, daß die Pocken-krankheit trotz des Jenner'schen Giftes noch heutzutage ihre zahlreichen Opfer fordert. Daß Nichtgeimpfte durchaus nicht leichter als Geimpfte zu dieser Krankheit neigen, ist Thatsache, ebenso wie, daß noch heutzutage viele von letzteren tödtlich davon ergriffe» werden. Man hat freilich den weisen Satz aufgestellt, die Impfung schütze nur zehn Jahre lang und müsse alsdann wiederholt werden; später sollte bei dem Erscheinen jeder Pockenepidemie und dann alle zwei Jahre geimpft werden, und endlich wird euch der richtige Jmpfarzt operieren, fo oft nur irgend möglich — damit ihr nur ja recht sicher seid. Daß dabei von Arm zu Arm, von Blut zu Blut etwas Syphilis, Tnbereulosis, viele andere schlechte Stoffe und endlich besonders Skrophelsncht mit übergeleitet werden, das paßt freilich nicht in das Jmpfsistem und wird als „unwahrscheinlich" geleugnet, und doch beweisen unzählige Beispiele die Thatsache, von welcher manches einsichtsvolle Elternpaar mit tiefem Gram zu erzählen weiß. Leider müssen wir hierüber noch zur Tagesordnung übergehen, obwol inan mit klaren Augen sieht, wie Kinder, lieblich und teilt, von der Stunde der Impfung an sich in häßliche, kränkliche, welke Gestalten verwandeln; obwol bestimmt nachgewiesen werden kann, daß von dem Moment der Impfung an ganz kräftigen Kleinen der Fluch der Skrophelkrankheit, welche gleich einem häßlichen Schwamm alle Sorten von Blutunreinigkeiten in sich vereinigt, aufgeladen oder, besser gesagt, eiugeinipst worden ist. Diese Andeutungen dürften für unseren Zweck der Aufklärung, resp. Abmahnung genügen. So viel steht fest, daß die überstandenen natürlichen Blattern, sofern sie nicht mit giftigen Medieamenten behandelt werden, eine dauernde Gesundheit herbeiführen, während die Jmpfblattern im geraden Gegensätze fast regelmäßig irgend ein Siechthum, mindestens Anlagen dazu, hinterlassen, (Schluß folgt.) Monurmeilts-Emladililg. Mit 1. April 1879 beginnt ein neues Abonnement auf das „Laibacher Tagblatt". Bis Ende April 18 79: Für Laibach..............................— fl. 70 kr. Mit der Post............................ 1 fl. — kr. Bis Ende Juni 1879: Für Laibach..............................2 fl. 10 kr. Mit der Post.............................3 fl. — kr. Für Zustellung ins Hans monatlich 9 kr. SMT* Aus das „Laibacher Tagblatt" kann täglich abonniert werden, doch muß das Abonnement immer mit Schluß eines Monats ablanscn. Witterung. Laibach, 28. März Morgens trübe, dann Aufheiterung, schwacher Ost. Temperatur: morgens 7 Uhr + 1'8°, nachmittags 2 Uhr + 8-6" C. (1878 + 61" ; 1877 + 14'4" C ) Barometer im Steigen, 728 25 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Temperatur + 1-5", um 4-3° unter dem Normale; der gestrige Niederschlag 9-10 Millimeter Regen. Angekommene Fremde ani 27. März. Hotel Stadt Wie». Urbantschitsch, Höflein. — Madame Hopfner, Paris. — Hirsch, St'lng, Popper und Schreier, Kauflte., Wie». — Schiuk, Hdlsm., Sagor. — Ritter v. Koch, Oberstlient., Graz. — Meditz, Gottschee. — itlaniii, Bezirkshauptmann, Stein. Mohren. Reinfeld und Rosenberger, Kärnten. — Me» ritschnigg, Theatersekretär, Marbnrg. Verstorbene. Den 27. März. Engelbert Nanta, k. k. pensionierter Rechnungsosfieial, 85 I., Maria-Theresienstraße Nr. 16, Gehirnschlag. Den 28. März. Conrad Kone, k. k. Postexpeditor, 29 I., Petersstratze Nr. 24, Lungentuberkulose. - Cacilia Podkraischek, Handelsfrau, 24 I,, Wienerftraße Nr. 15, Lungentuberkulose. — Anna Likar, Beamtenstochter, 22 I., Florianigasse Nr. 46, Eiterungsfieber. — Felix Toni, Schlossergesellens Kind, 6 Mon., Kuhthal Nr. 2, Fraisen. Gedenktafel über die am 1. April 18 79 stattfindenden Licitationen. 3. Feilb., Peternel'sche Real., Davöe, BG. Lack. — 3. Feilb., Logar'sche Real., Oberdorf, BG. Loitsch. — 3. Feilb., Mikulettt'sche Real., Dobropolje, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Prosen'sche Real., Verbiea, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Mersnik'sche Real., Bitiuje, BG. Feistriz. — 1. Feilb., Zgur'sche Real., Podraga, BG. Wippach. — 1. Feilb., Lozej'sche Real., Orehovica, BG. Wippach. — 1. Feilb., Kete'jche Real., Dolenje, BG. Wippach. — 1. Feilb., Mervar'sche Real., St. Michael, BG. Seisenberg. — 1. Feilb., Seitartii'sche Real., Radajneselo, BG. Adelsberg. Telegramme. Wien, 27. März. Das Herrenhaus nahm die Gesetze, betreffend die Forterhebung der Steuern und die Begebung von 100 Millionen Goldrente, mt. Ministerpräsident v. Stremayr wies energisch die Vorwürfe Leo Thuns zurück, betonend, die öffentliche Meinung werde durch unmotivierte Anklagen desselben nicht erschüttert. Budapest, 27. März. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf betreffs Jnartiku-liernng des Berliner' Bertrags mit 208 gegen 154 Stimmen an. Berlin, 27. Mürz. Der Reichstag nahm einstimmig den Antrag Schnegans' auf Errichtung einer selbständigen Regierung für Elsaß-Lothringen an. Bismarck kündigte die bezügliche Vorlage noch für diese Session an. Versailles, 27. März. Die Majorität der Senatskommission ist gegen die Rückkehr der Kammern nach Paris gesinnt. Die Minister erklärten sich für die Rückkehr, wollen jedoch alle wünschenswertheil Garantien bieten. Bern, 27. März. Der Nationalrath lehnte den Beschluß des Ständeraths auf Wiedereinführung der Todesstrafe mit 65 gegen 62 Stiin-men ab. Weißnäherinnen werden sofort ausgenommen bei C. J. .ELamann, Hauptplatz. (144) 2-1 In unserer Fabrik findet ein geschickter, gut con-duisierter, verläßlich und flink arbeitender Spengler sofortige Aufnahme. Bewerber «vollen sich unter Mitbrin-gung ihrer Dokumente in unserem Comptoir persönlich aiimclbcii. (142) 2—2 Üwj. TfcknnU« Süline. Wiener Börse vom 27. März. AUflemtine Staat«- fdmfd. Papierrente Silberrente Goldrente ............ StaatSlose, 1854. . . 18(>0. . . 18Ö0(5tcl) „ 1864. . . fkuniUntlaftunfls- Obkigatioaea. Galizien............... Siebenbürgen . . . Temeser Banat . . . Ungarn ................ Geld . .. 64-30 . . 64 50 76 55 114 25 117 25 127 60 151 25 151 75 Andere öffenttntie Anteile#. Donau^Regul,-Lose ttng. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . Aelien v. Hanken. Kreditanstalt s.H.u.G.