Mbncher Zeitung. Nr. 1W. Piänumerationsprcis: Im Comptoir ganzj. fi. i l, halbj. si. 5.5N. ssiir die Züstellun,; ius Hau« palbi.üclr. Mit drrPust ga»;j.fi. l->, yalbj.sl. ?.5,ft. Montag, 14. Mai snsc»tscrl,o!!«stcmpel itbeß!». 3<>l^. 1886. Ämtlicher Theil. Aer Iustizministcr hat ciue beim Kratauer Landes-yerichte erledigte Landeögcrichtsrathöstellc dem Krciijgc-richtsrathc Julius Chitry von Frcysclöfeld ver-liehen. Da<^ Finanzministerium hat die bei der f. k. ^an» deshanptkasse in Ofcn erledigte crstc Kontroloröstcllc dcm dritten Koutrolor dieser ^andc^hauptkassc Igna; Schau» schck und die hicdnrch erledigte Kontroloröstclle dcm Koiurolor der Filiallandcslassc in Kaschau Johann Jeralla verliehen. Rm 12. Mai 1866 wurde in dcr k. t. Hof, und Staalsdrnckcrei in Wien das XVIII. Stück des Neichsgcsctzblalteö NNsgegebeN Ilüd Vfvsflldet, Dasselbe enthält unter Nr. 5>4 die Verordnung des Staalsministcrinms iin Einvernchmcu nüt dein Handels-, Justiz und Polizciministerinm vom 1. Mai i,^!6<>, belresfend die Verwendung von Giftfarbcn und gesundheitsschädlichen Präparaten bei verschiedenen Gebrauchgegenständen nnd deu Perlaiif derselben, — giltiq für Böhmen, das lonibardisch-venetiauische Königreich, Dal^ matien, Galizicn mitKrnfan, Oesterreich unter nnd ob der Enus, Salzburg, Eteiermark, Kärnten, Krain nnd die Vnkowinci, Mähren, Schlesien, Tirol, Vorarlberg, Oörz und Gradisea, Istrien nnd die Stadt Trieft mit ihrem Gebiete; ^ir. 5,5) den Erlas; des Finan^ninisterinmß vom M. Mai I?tt6 über das Verbot der Aussnhr voil Waffen, Waffeubcstand-lheilrn nnd Mnnilionsgegenständen über die Grenzen gegen FrcmdiItalien, die Sch>vei;, den Zollverein nnd die See; ^r. 5>«; den Erlas; des Finanzministeriums vom 10. Mai !«, die Asscntiruna, von Freiwilligen ohne die gesetzliche achtjährige Kapitulation, l'loö mit der Dicnst-l>crpftichtung für die Dancr des Bedarfes, nntcr den hier bcigedrnckteu Abstimmungen allcrgnädigst zn gestatten geruht. Indcm dic^ in Folge dcö Erlasses dcs k. k. Staats-wmistcriums vom 10. d. M., Nr. ^0l>7, zur allgemeinen Kmntnis; gebracht wird, wird anbei zugleich ein Nnszn« aus den wesentlichen dicöfälligcu Bestilumnnarn als Anhang mit dein Bcmcrlcu dcigcgcben, daß dic Assen-^Nlng der Freiwilligen vom l l. d. Hl. angefangen tag-uch V^'r« uud Nachmittags in ^ailiach in der Ncoi« !°riat^kanzlci dcs k. l. ÜrgällzungS-Aezirles (Petcrö-Vor-ftadt ^tr. 5)5) stattfinden wird. Laibach, am N. Mai 18ttN. Der k. k. Staalhaltcr: Freiherr v. Vach m. ^. Auszug nns den Schilmmmgeu für dic Assentirung von Freiwilligen in das Heer ohne die gesetzliche achtjährige Kapitulation, blos mit der Dicnstcsucrpftichtnng sin- dic Dalier dc« Bedarfes Für dic Dauer dcü Bedarfes lann nnt eigener Wahl des Truppcnkörpcrs Iederniann frciwillig in das Heer eintreten, welcher den nnter §. 2 dcs Hccrcs-Er-gnnzungs-Gefttzes enthaltenen Bedingungen entspricht. Diese Bedingungen werden fiir solche Freiwillige nnr in so weit abgeändert, daß das Äiiniinalmaß der Körpergröße vhnr Rücksicht auf das Alter mit 5'^ Wiener Zoll bestimmt wird. Die C'rgäuznngs.Bczirkskonnnandcli können derlei Freiwillige für alle Truppen und Armccanslaltcn nssen-tiren; jedoch sind sie bezüglich der Hiavaleric nnr auf dic Asscntirung solcher Freiwilligen bcschräntt, welche in der Naualeric als Chargen gedient habcn und sich dar-iibcr ausweisen. Diejenigen Freiwilligen, welche in der Armee gedient habcn (uom Feldwebel, Wachtmeister :c. abwärtö), treten mit dcin Tage ihrer Ässcutirnng in jene Chnrge, mil welcher sie aus der Armee cntlasscu wurden, wenn sie sich mit legalen Dokumenten darüber ausweisen. Diese Dolumcutc sind den Assentlistcn anzuschließen. Jedem Freiwilligen ist nach vollzogener Ässcntirnng das Handgeld auszubezahlen, u. z.: »)Icdcm, von dcm cs nachgewiesen ist, daß er als Feld« wcbcl oder in cincr äquiparircndcn Charge mit guter Couduitc nnd Verwendbarkeit in der Armee gedient hat, mit fünfundzwanzig (25) Gnldcn, !>) jedem, der nachweisbar als Führer oder Korporal tadellos in der Armee gedient hat, mit zwanzig (20) Gnldcn, c) jedem, dcr in der Armcc überhaupt gcdicnt und den Anspruch cms dab Höhcrc Handgeld von 25 und 20 Gulden nicht hat, mit fünfzehn (15) Gnldcn, l!) allen sonstigenFiciwilligen mitzchn(l0) Guldenö. W. Iüugliugc dcr gcdildclcn Sländc töimcn als Ka-dctcn anf die Dauer dcS Bedarfes mit Nachsicht der Kadetcnprnfnna. und dcr Cinttittölax,! asscntirt werden, ! wenn sic mittelst Schulznignisscn nüchlueisen, daß sie jene Schnlkctlnluisse besitzen, welche für die Kadcten-Allfnahmsprüfung uorgcschricbcil sind. Cbcnso tonnen Bcamtc dcr laudcOfürstlichcn Behörden als Kadeten anf dic Dauer des Bedarfes mit Nachficht dcr Prüfnng und dcr Einlriltötaxc asfcnlirt wcrdcn, wenn sie sich mit dcr Zustimmung ihrer Bo hürdc ansmciscn. Den Tnippcnkommandanlcn wird zur Pflicht gemacht, bei vorkommenden Äcfürdernngcn zur Acsctzung erledigter Chargenstellen die Freiwilligen, welche sich hiezu qualifizircn, besonders zu berücksichtigen. Heute wird iu deutschem und zugleich slovcilischcm Textc ausgegeben und versendet: Gesetz' und Vcrordnungs-Blatt für das Hcr> zogthum Krain. V. Stuck. Jahrgang 1800. Inhalts-Uebersicht: 6. Gesetz, wirlsam für das Herzogthmn Krain, betreffend die Katcgorisirnng der nicht ärarischen ösientlichen Straßen und Wege. Vom t. k. Ncdaltioilöbltreau des Gesetz- und Verordnungsblattes für Krcmi. Laibach, den 14. Mai 1866. Nichtamtlicher Theil. Laibach, 14. Mai. I>, dem uns leider unmittelbar bevorstehenden Kriege mit Preußen bildet sicherlich cincn wichtigen Faltor die Stimmnng des preußischen Volles. Die anläßlich der Einberufung dcr preußischen Reservisten vorgefallenen Szenen lassen charakteristische Streiflichter aus diese Stimmnng fallen: Ein verheirateter ^andwchrmann bringt seinen acht< jährigen Knaben mit nach Görlitz; daS Kind will sich nicht von seinem Bater trennen, es weint; da ergreift cS ein Offizier und wirft es zu Boden, so daß cS blutet. Die grsammten Landwchrmänncr erheben sich dar« anf uud müssen durch die in Görlitz stehenden Jäger mit Waffengewalt zur Ruhe gebracht werden. Solche Widcrhaarigkcit dcr Landwehr gibt sich auch anderwärts in Preußen, insonderheit in Berlin, zu erkennen. Wie sollte dieses aber anch anders sein. Sind ja doch die zu einem Theil verheirateten Landwehrmänner in den Kreis dcS Volkes zurückgekehrt, deS Volkes, dessen Rechte die Rcaiernna verhöhnt und mit Füßen tritt, die Gewalt vor Recht ergehen läßl. Und für eine solche Regierung soll das niißhandeltc Voll zu den Waffen grei-fcn, soll grgcu deutsche Vrüdcr einen Kampf kämpfen, welcher dcr ungerechteste ist, dcr je gewesen? Aber es wird in Preußen lwch schlimmer kommen. Auch in den Kreisen der Arbeiter gährt es gewaltig, denn durch die Bismarck'sche Blut- und Eisenpolitik sind schon jetzt Tausende nnd aber Tausende von Arbeitern brotlos — die Äorsig'schc Maschinenfabrik in Berlin hat deren allein tausend entlassen — so daß eine innere R c« volution nicht zn den Unmöglichkeiten gehört. Die Drachcnsaat, welche die ftrcnßischc Regierung gesäct hat, sie geht jctzt auf; sic wird bald üppig wuchern und die giftigstcu Früchte tragen. Feuilleton. Ein Held der S' tcrnallec. Roman ans dcr Gegenwart. Von Jakob Al^ovc. (Fortsetzung.) ^ Drittes Kapitel. Dcr Abenteurer. kaibach. dic Stadt deö Lichtes, hat nnr wenige enge Gassen ^szuweism nnd ist deshalb selbst gegen größere Städte bedeutend , ^ Vorteile. Enge Gassen sind bekanntlich der Schauplatz nacht., '^n Esters, sie sind Schmutzflecken dcr Städtcbilder. Es flori-! ^ darin jene dnnllen Thaten uud Slandale, die bei Tag die ?°"nc, zur Nachtzeit daö Licht scheuen. Hier sammeln obscönc vMcuitilrr nnd Dichter von Schmierdramen ihren Staff, theils z°ll da wirtlich viel Mystcrioscö geschieht, waö selten an3Taa.es-^ kommt, theils weil die, schauerlichsten Ausgeburten der Phan- ^ «aUirliäM erscheinen, wenn man dem dunllcn Bilde einen °"so dnnllcn Nahmen oder einen finstern Hintergrund gibt. . Lcubach nlsc, er;ellirt dnrch derlei Gassen nicht, obschon selbst ^.'" "uhchuigensten Spaziergänger ein paar solcher Kommunila- u«N'rgc auffallen; doch tragen selbst diese bei weitem nicht jenen icuulnhcn Charaller der Straßen Londons u. s. w. an sich, dei, ^'^^°n'":cn Menschenkindern Granen cinfliM imd sie vor c>Ucl ""l derselben abschreckt, sondern sie gewähren, wenn sie Anbl'^'^ ^"^' dennoch einen mehr oder unndcr freundlichen , Durch eine dieser Gassen beliebe nnü dcr Leser zu folgen. Wir führen ihn in eines dcr letzten Hänser drei Treppen hoch und betreten ein Dachzimmcr, welches allen an ein solches zn stellenden Anforderungen vMmmnen entspricht. Es hat nnr ein Fenster, dessen Licht dasselbe nothdilrstig beleuchtet, eiu Umstand, dcr den sporadisch vorloliimrnden Möbelstücken zu Gute kommt. Ein paar Stilhle, ein hinfälliger Tisch nnd ein zweifelhaftes Supha, daü zugleich znr Bettstatt gedient zu haben schief, bilden die ganze Ausstattung des Zimmers, daö die Anösicht iwcr die Giebel der Nachbarhäuser hinweg anf den Schloßlierg hat. Dieser mehr als einfachen, alles Schmueleö nnd jeder Arqnemlichleit baren Ein» richtuug nach zn folgern nuisttc eö eine VtnmpeNmmncr vorstellen und cher Mäusen und anderen Thieren deö Dachbodens zur Woh-nuug dicucu, als einem menschlichen Wesen, lind doch scheu wir eine menschliche Gestalt auf das Supha hingestreckt, die sich zur Aeancmlichleit nnd wegen nicht znreichender Länge des Möbels !einen invaliden Etnhl zur Unterlage der Fuße beigczoaeu. Befremdet uns schon der Aufenthalt eines Menschen in dieser Kam« mcr, so crstannen wir noch mehr, in dem nachlässig W:ögcstreckten unsern eleganten Vetannten anö der Sternallee und den angcbli-^ chen Bersulger Fannys zn rrlennen. Uie kommt der elegante! junge Mann >,u diese, Umgebung? Still, erscheint sprechen zu' wollen; vielleicht gibt er selbst dm Schlüssel deS Räthsels! „Ein verdammt miserable« Logis für einen Chevalier incincS, Schlages!" So beginnt er, sich streckend, „ich mnß in Kürze ein ^ besseres ausfindig machen, denn die Furcht, in dieser Stadt aus-geforscht zu werden, schwindet von Tag zn Tag. Ja, seit einiger Zeit ist mir daö Schicksal hart anf den Fersen, Wohin ich mich! wcude, waö ich uuiernehmc, alles mißlingt mir uud daö Glück entschlüpft gleich dem schlüpfrigen Aale, wenn ich es schon ge-! packt habe nnd festhalten zn löuncn glanbe. Es gehört wahrlich l eme stählerne Natnr dazu, umihig auszuharrm. Nun habe ich meine > letzte Angel ausgeworfen, bleibt au dieser lein Fisch hängen, dann Adieu! Dank der Mutter Natur, dic mich mit so guten lUrftcr-lichen Vorzügen ausgestattet, nnd meinen Goldvögelchen, die ich bei meinem Al^nge mitgehen lies: ,mo die mich wenigstens einstweilen zn cinem reichen Manne machen, reusfirte ich bis jetzt we? nigstenö bei den Damen, allein die goldene Quelle ist bereits dem Versiegen nahe und ich muß mich zu restaurircn trachten. Wenn dieser Wurf gelingt, dann bin ich wenigsten« bis auf weiteres geborgen." Dcr limteriellc, spclnlirende Philosoph wnrde in seinem eigenthümlichen Gedanlengangc Plötzlich dnrch ein Pochen an dcr Thüre unterbrochen, welches ihn bewog, seine bisherige Stellung zu iiu« dcru. Die Thltrc luarrle in den rostigen Angeln und Herrin trat jenes Individnnm, welche? wir dcr jungen Frau von weitem folgen gesehen. Derlei Gentlemen gibtö iu jeder Stadt; sie zählen zu jener Klasse von Zwcijüßlcrn, die um Geld alles thun, jeder« maun Treue schwörcu, dcr sie am Besten bezahlt und mitunter Dienste leisten, zu dcucn sich rechtschaffene Meuschcu nicht verwenden lassen. ES sind dies Lente von zweifelhaftem Aussehen uud uoch zweifelhafterem Nnse, deren Zahl mit der Bevölkerung und Größe der Stadt in Proportion steht. Sie sind vorzüglich geschult, zu geheimen Missionen und geben im Vetrelungssallc selten ihren Padrone ail. Sie erholen sich von allen Niederlagen erstaunlich schnell, da sie als Stadtkinder eine Katzennatur besitzen und sich uichl leicht iu'S Bockshorn jagen lassen. Unser Mann war gleichfalls ein Hidalgo dieser Sorte, cine Mißgeburt, wie die meisten dieses Schlages, dcuu nicht einmal das Gesicht war an ihm symmetrisch. Trotzdem verriethen seine lebhaften Angcn eine ungewöhnliche Beobachtungsgabe und eine» bedeutenden Scharsblick, wie er allen Spitzbuben eigen. Nach seinem Cintritte blieb cr stehen, einer Frage gewärtig. 73« Man ist gewohnt, das Wcltblatt „Times" als dcn Ausdruck der öffentlichen Mcinnng der großen Majorität deS englischen gebildeten Publikums zn bctrachtcn. Die neueste Aeußernng dieses Organs über den österreichisch-preußischen Konflikt wird daher gewiß von Vclang sein: Die „Times" sagt, dah wenn Europa wirklich von dem furchtbarcn Unglilck cincs Krieges hciingcsncht würde, dic Verantwortung hicfur lediglich Preußen nnd Italien anheimfalle', obgleich auch eine dritte Macht dann der Vorwurf treffen würde, daß durch ein einziges — bis jetzt von ihr nicht ausgesprochenes — Wort der Krieg l)ättc verhindert werden können. Es sei müssig über die Priorität der Rüstungen auf prcnßisch.italienischer oder auf österreichischer Seite zu streiten, da niemand leugnen könne, daß das Kricgsmoliv auf preußischer Seite die Eroberung der Herzogt h um er, auf italienischer die Eroberung Venedigs, und nnr anf Scitc Oesterreichs das der Selbstucr-theidignng sei. Jede von den drei Mächten versichere zwar, daß sie nicht beabsichtige, den Krieg zu beginnen, aber es liege auf der Hand, daß nnr Oesterreich cS mit dieser Versicherung aufrichtig meine. Italien wisse ebensogut, daß cS nicht von Oesterreich angegriffen werden wird, als cS seine Absicht nicht verleugnen lo'unc, das durch europäische Verträge und dnrch langjährigen Aesitz Oesterreich zugehörige Venclicn durch Waffengewalt zu gc« winnen; wie es denn auch andererseits notorisch sei, daß Oesterreich in der Hcrzoglhnmerfiagc leine anderen Pläne verfolge als solche, die mil dcn Rcchlcn der Hcr-zogthümcr nnd mit denen DentschlandS vereinbar seien, während Preußen dort eine widerrechtliche Eroberung gegen dcn Willen der Bevölkerung nnd gegen dcn Willen Dcntschlands snchc. Zu bedauern sei cö lebhaft, daß die intelligente nnd betriebsame Bcvöl» kcrnng PrcnßenS, für welche tausend, Gründe vorhanden seien, um dcn Frieden zu wünschen, zu schwach oder zu unentschlossen sei, einen Krieg zn verhindern — den die „Times" mil dem schärfsten Ausdruck bezeichnet. Bei Italien sei jcoc Mahnung vergeblich; sieden Jahre hindurch habe cS seine Kräfte erschöpft, un, eine übermäßige Armee aus dcn Beinen zn erhalten. 2iesc Rüstungen seien nnn fast bis zum Ruin des Landes ausgedehnt, nnd die Verzweifln«^ treibe eS weiter und weiter. Ueber die Rcisc dcs t. k. ^cgationsralhes Grafen Müll inen nach Wien, über welche dic vielfachsten Versionen lnrsircn, ist das „Frdbl," in dcr Lage, nach bester Qncllc Nachstehendes mittheilen zn liinncn: Graf Müllincn ist schon seit mchrcrcn Monaten im Besitz einer längeren Urlanbsbcwillignng, konnte den Uvlanb selbst jedoch nicht antreten, weil er früher dic Vcrhandlnngcn^ wegcn des Anlchcns mit dem PariserKonsortinm leitete,^ Äevor also die ganze AnlchcnS-Angelegenheit nicht vollständig erledigt war — und dies ist erst seit kurzer Zeit der Fall, da es sich anch nm dic Ueber« nähme der Tresorscheinc des W Millionen Hypothekar» Anlchcnö handelt — konnte er Paris nicht verlassen. Jetzt erst hat er seinen Urlanb angetreten. Thatsache ist, daß er, als Kurier reisend, ausführliche Berichte und wichtige Depeschen des Fürsten Mctternich an unser auswärtiges Amt mitgebracht hat; auch hat er mehr» fach mündlich dem Grafen MenSdorsf Portrag gehalten. Man wird dies indeß ganz natürlich finden, da der erste Lcgalionsrath unserer Botschaft in der Lage ist, aus eigener Anschauung über die gegenwärtige Sitnation vcr« läßliche Berichte zu erstalten, welche, zusainmengenoln» men mit den Depeschen dcS Fürsten Melternich, Gegenstand cincS Ministerlonscils wurden. Preußische Rüstungen. Dic Mobilmachung erstreckt sich nach den neuesten Maßregeln anf die ganze preußische Armee. Es werden nun bei dcn sämmtlichen Armeekorps die Bataillone deS ersten Landwchransgcbots einberufen nnd die Fcldadministlülioncn gcdildct. Dahin gehören daS Me-dizinalpcrsonalc, die Korpökricgölasse, dic Iutcndanlurcn, Feloproviantämlcr nud Fcldbäckcrcilolonncn, dic Pferde-depots, dic Korpslazarclhc, dic Feldposten, der Fcld-brückentrain, die Ponton-- und Schanzzcngtolonncu. Wie man versichert, weiden dic Nüstnngcn mit allem Nachdruck betrieben, damit dic gcsammlc Armee in kürzester Frisl schlagfcmg dastchc. Am empfindlichsten werden von der Mobilmachung die Spczialwaffcn, nämUch Artillerie und PionnicrS, be» troffen, weil namentlich für dic letzteren behufs Anfstcl« lung der AcsatzungSlommandos für dic Fcstnngcn immer gleich uns dic höhcrcn ^andwchrjahrgängc, ja bisweilen auf dic Manuschastcn zweiten Aufgebots reknrrirt werden Mllß. Neuerlich ist für dic Artillerie die Formation dcr lricgsinäßigcn Mnnitionclolonncn nud für die Ka-valeric auch die Mobilisnnug dcr DwisionSstäbc angeordnet. BiS znm AuSrückiN dcr mobilen Trnppcnthcilc soll die Infanterie dcrsclbcu lomplct mit dcr ncuen Fuß. bcllcidung (bestehend in ciuciil paar hohen Halvsticfcln, deren Schäfte zum Ucbcrziehcn über die Hosen eiuge-richtet siud, nnd einem paar Schnürfchuheu) ausgerüstet sein. Für dc,l Hnfbcschlag der Pferde sind Hufeisen von Gnßstahl init eben solchen Nägeln in Anssicht gcnom« men, deren Dancr bcrcitS dnrchschnilllich auf drci H)io-natc berechnet ist. In Glog au herrscht uicht minder reges Leben. So schreibt man am 8. d. M> von dort. Ein Theil dcr Infantcricgaruifon hat Qnarticlc in dcn nächstgclc-gcncn Dörfern bczogcn, weil iil dcr (L3tadt dnrch die fortwährend ankommenden Truppen lein Unterkommen mehr zn finden ist. Den Qnarticrwirihcn ist eine drei. nnd anch vierfache Einquurticnmg angefagt, sie trifft-von heute ab meistens zwischen 11, und 1 Uhr Nachts ein. Bei noch stärkerer Einqnarticrungsbclastung stcht die Belegung dcr Miether iu Aussicht. Die mobilen Batterien dcr ersten Fußabtheilung mcderschles. Feldartillcricrcgimentö Nr. 5, welche hicr und in den nmlicgcndcn Dörfern cinqnartnt sind, stehen seit gestern unttr dem Äcfcyl dcS itoinmandcnrs dcr '.». Division. Dcr Vcrkchr auf dcr Eisenbahn ist m>'hr als bedeutend. Nicht allein, daß E^trazngc »ach nnd von verschiedenen Richtungen den Bahnhof passircn, so Kommen auch Exlraznge lnit Trnpxcn für'dic hicsigc l Garnison an. Dic Stadt ist bereits mit Truppen so überfüllt, daß auf dcn Straßen kaum fortzukommen ist. Anf dem Eiuklcidungsplatze kam eö au dicscm Tage wieder zu Tumulten zwischen Zivil und Militär. Ein talmircndcr Bericht sagt darüber: Die Wchrmänncr nnd Reservisten waren schon in mißmnchiger Stimmung erschienen, dic sich erst ^nsl machte, als dic Frau cincs Wchrmanneö von cincm Un» tcrosfizicr dcr Linie gestoßen wurde. Dcr ^ärm nahm gröbere Dimensionen bci dcm Erscheinen des rcquirirtcu Ätilitärs an, doch daS Zureden einsichtsvoller Personen wirkte beschwichtigend, so daß daS Verlesen und Ein-rangircn ungestört vor sich gehen konnte. AuS Glaz, 7. Mai, wird geschrieben: Das Füsi-licrbalaillon dcS 4. nicdcrschlcsischcn Infanterieregiments Nr. 5l ist heute Mittags von hier wieder nach Silbcr-bcrg znrückmarschiit, nm daselbst die Augmentations-mannfchaftcn zu empfangen und sich dort kriegSmäßig auSznrüslcn. — Die vollständige Kricgsbcsatzung dcr hiesigen Fcstuug beträgt 8000 Mauu. Dieselbe wird u. a. gebildet durch die sechs ^audwchrbataillone des 22. und 23. Infantcricrcgimcnls, durch daS Füsilicr-bataillon dcS 63. Infanterieregiments, die vier Festungs-artillcrickompagnicn, cin Dctachcmeut Pionnicrs und eine Eskadron Kavalcric. — Es ucrlantct, daß an dcr Grenze cin starker Truppcncordon gezogen wird. Die königlichen Behörden machen bekannt, daß vom 7. Mai o. I. ab von 10 Uhr Abends bis zur Ncbcille dic Passage sowohl dnrch die Stadt als anch durch die änßcrcu Thorc längs des Chausscczngcs nm die Stadt gcspecrt ist nnd Aerzte, Stcncrbcanitcn und Hcbammcu nnr dann dic Thorc passircn können, wenn sie sich durch Lcgitima« tionökartcn dcr lönigl. Kommandantur ausweisen. AuS ^icgnitz, 8. Mai, meldet cin Bericht: Die Formation dcS Ersatzbataillons sür daö Köuigögrcnadier-rcgimcnt Nr. 7 beginnt mit dcm morgigen Tagc. Eine Nachricht, deren Richtigkeit wir in keiner Weise vcr« bürgen können, spricht davon, daß Priuz Friedrich Karl, als Höchsllommandircndcc in Schlesien, eventuell sein Hauptquartier nicht iu Soran, sondern hicr in ^icgnitz nehmen wird. — DaS Rcsnltat des am hiesigen Orte scit dem 5. d. begonnenen freihändigen Ankaufs von MobilmachnugSpfcrdcn kann trotz dcs Früh» jcihrSinallleS lcin güustigcs genannt werden, da bis jctzt erst vier Pferde zum Preise von 150 bis 190 Thaler angekauft worden siud. — Die dnrch einen Polizei' beamtcn erfolgte Vcrhastnng cincS Rcscroistcn, dcr fich iu cincin öffentlichen ^iokalc einige Freiheiten gegen daS Schcnlinädchcn crlanbt haltt, gab hculc zn rincm großartigen Krawalle Veranlassung. Hunderte von Reservisten nnd Personen auö dcm Zioilstande halten sich vor demPolizeiamtc gesammelt und verlangten unter Schreien und Tobcn dic Freilassung dcS Verhafteten, dic dann schließlich anch erfolgte. Dcr Haufen dcr T»multuai',tcll w>,ndc namcullich durch junge ^cutc vom Lande vcrmchrt. Auch in Görlitz habcn sich am 8. d.M. die Exzesse wiederholt, nnd zwar in einem solchen Maßstabe, daß das lousignirte Militär gegen die Bcoölkc-rung mit blanker Waffe einschreiten mußte nnd die Reservisten am Bahnhöfe eingesperrt wnrdcn. Von Poscn ans habcn bcdenlcndc Truvpcnzügc bcgi'unen und werden im Ganzen 8700 Mann Landwehr auS Star-gard und Poscn über Glogau nach Görlitz befördert. Es kommen auf der oberfchlesischcn und auf dcr Poscncr Bahn fortwährend langc Zügc gedeckter Gnlcrwageil a», wclchc init Sitzbänkcn ucrschcn wcrdcn, nm zu Truppen-trcm^porte» zn dienen, »uelchc al>f die Höhc von 20.200 Ätal'.n angesagt sind. — Es ist natürlich, daß dicft kriegerischen AuSsichtcu anf den obcrschlcfischen Hütten' bctricb bereits sehr nachthcilig einwirken. Mchrcrc Hochöfen haben bcrcils wcgcn NtangclS an Absatz und Bestellung ihren Bctticb cmgcslclll, ebenso einige Zi»k< Hütten bci Kattowitz und Äiislowitz, so daß mchrcie hundert Arbeiter brotlos geworden sind. In Hirschbcrg hat dic Zusammcnzichnng von 3i>00 Reservisten an Eincm Tagc eine crrcglc S O Weil'r, wie schlecht lönnt ihr enre Grheimniße verbergen !" Ni'der ging er eine Weile nachoenlcnd ans nnd ab, um da»" 'ortznfahren: „Mein Emissär ist, glaube ich, verschwunden. Ich muß '"'^ bemühen, zn dcr hentc gemachten Vclanntschaft Zntritt zn c>M' gen. Die Adresse weist ich, im Uebrigen verlasse ich mich ^"l auf den Zufall. Zwei Verhältnisse anf einmal sind zwar imM^ hin eine gewagte Sache, aber wenn eines nicht zum Zwecke fü^ ' so bleibt doch da? andere noch." Nach diesen im Gruude richtigen Expeltoralioueu brach" " die in Folge seiner vorigen Situation etwas derangirte To>>^ in Ordnnng, verließ die Wohnung, nnd nachdem er sich iibrrzc»^ das; sein Trabant nirgends zn sehen war, schlng er die Nicht""!1 nach dem Hanptplatze cin. Scheinbar planlos gelangte er vor das auf dcr Adresse zeichnete Haus. DaS Erste, was ihm ins Auge fiel, war »' Anschlagzettel des Inhaltes, daß im zweiten Stocke ciu Zi""" fiir eiucu soliocu, unverhciratrteu Mauu zu ucrmictheu sti» „Gau; erwünscht," jubelte er, „besser konnte cö sich "' ^ treffen. Mein bisheriges Logis hat ohnehin cin mehr als P"" tiue? Ausschcu; cS ist nur gut, daß cö zugleich iu der " ^ erbärmlichsten Gegend der Stadt gelegen ist. Trotzdem "der vi^ mehr gerade deswegen behalte ich eö bei nnd werde es alS pfangzimmer btnntzcu. Mein Spion und Botschafter so" niemale gesehen werben." (Fortsetzung folgt.)