Blätter juv Förderung des Nbteilungsunterrichtes. Herausgeber: Rudolf E. Prrrr, It. It. Professor an der Lehrerbildungsanflalk in Laibach. o Die «VMIer z. F. d. Rbl.-Mnk.. erscheinen ul« Veilage zur.Mibacher schal- ... ■Iwl. o. gcifuuR» mvnaiiich. @ Nezugsgrbiilir 2 K jährlich. 'S) Einzelnummer 80 h. * "ö1*!1 Inhalt: I.) Das Schrifttum der Einklassigen. — 2.) Zur 2. Frage. — 3.) Zur 3. Frage. (Ungeteilte eiullassige Balls- oder Hdlblagsschnle?) -- 4.) Ein Beitrag zur Fortbildung von Lehrern au einklassigen Volksschulen. — b.) Die formalen Ttuseu im Abteilungs-Unterrichte. — K.) Briefkasten. «Oer rechte Lehrer wird nur durch die volle (ungeteilte eiuflaffige) Schule ausgebilhet.» Dr. Kellner. Das Schrifttum der EiuKlafftgeu. Die erste Frage ist dnrchbesprochen, nach allen Seiten gedreht und gewendet worden und wir müßten nur noch die Urteile der verschiedenen pädagogischen Schriftsteller anfügen, um die Frage endgültig abznschließe». Doch da sträubt sich die Feder: Zu den 30 Urteilen, aus welchen wir unser Ergebnis schöpften, kämen 30 andere, jedes anders geartet; wir gelangten von der Scylla in die Charybdis und verlören unser Ziel ganz ans dem Auge. Hätten wir etwa die 30 Urteile der Verfasser von Svnderschriften für die Einklassigen zur Grundlage nehmen und dann erst unser Urteil hinzutreten lassen sollen? Wer die Dinge vorurteilsfrei betrachtet, »mß den eingeschlagenen Weg billigen. Der Literat ist auf ein System, auf sein System eingeschwvren und baut es nach seiner Eigenart bis zum äußersten aus. Dünkt ihm nach etwas gut, was ein anderer vor ihm empfohlen hat, so läßt er es beiseite, um ursprünglich zu sein, um nicht als Abschreiber verschrien zu werden. Dazu kommt, daß einer, der an einem Gebäude zimmert, den sicheren Blick für fremde Arbeit allmählich verliert und für sich forthämmert, ohne den Kopf nach rechts und links zu wenden. Zur Sucht nach Ursprünglichkeit gesellt sich eigensinniges Beharren auf einer gefaßten Meinung, Abschließung und es darf uns daher nicht ivundernehmen, daß fast kein Gebäude dem ändern auch nur in den wichtigsten Teilen gleicht: Das Schrifttum der Einklassigen ist zwar ganz bedeutend angewachsen, hat aber zur Klärung wenig beigetragen, ja man kann sagen, es hat eher verwirrt, denn geläutert. Als ich vor Jahren daranging, meine Erfahrungen an Schulen mit Abteilungsunterricht zu ordnen und in ein System zu schmiegen, stieß ich mit Absicht jeden Ohrenbläser zur Seite, um frei zu sein und alles zu bieten, wie es sich von selbst ergab. Die Arbeit war längst schon unter der Presse, als ich mir die Schriftchen beschaffte, die denselben Gegenstand berührten. Wie froh war ich, sie nicht früher zu Gesicht bekommen zu haben! Sie hätten mich zum Spielball ihrer Launen gemacht. Ein einziges von den Büchern — ich will es nennen: Pfeifers -Die Theorie und Praxis der einklassigen Volksschule. — Hatte eine tiefgründige, feste Bahn und lief vielfach neben der, welche ich für mein Kind gegraben hatte. Sogleich entschloß ich mich, mit dem geistvollen Schüler Kehrs in Verbindung zu treten, um mit ihm gemeinsam eine sichere Fährte auszuheben. Allein mein Brief kam uiteröffnet zurück — mit dem Vermerke: «Adressat gestorben.------------ Mittemeile sind Büchlein über die Einklassige bei mir in reicher Zahl hereingeflogen; sie brachten viel Gutes, aber auch viel Unbrauchbares, wenigstens soweit dies unsere Verhältnisse Sammelt Gaben für das Lehrerheim im Süden und sendet sie an den Amtsbruder „Bersin in Laibach“! betrifft. Draußen im Reiche und in der Schweiz wird viel zu viel Theorie getrieben; der Kehrsche Geist, der das obengenannte Werk von Wilhelm Pfeifer durchweht, ist verschwunden; Haarspalterei, übertriebenes Zuspitzen von Fordernngen untergeordneter Bedeutung, Spitzfindigkeiten, Verkünstelnngen führen zu einem vielgestaltigen Arbeitspläne, das; einen schier die Angst überkommt. Aus dem Gewirr der vielen Meinungen, die sich bis aufs Messer bekämpfen, läßt sich nimmermehr ein 'festes Gefüge formen. Die Verhältnisse im Auslande sind wohl auch anders geartet; es mag ja diese oder jene Schrift für gewisse Gegenden Geltung haben, doch fürs Allgemeine bringt sie wenig auf. Zudem leben wir jetzt in einer Zeit, da es an allen Enden gährt; was vor 10 Jahren galt, ist nicht mehr zeitgemäß. Wir bleiben darum bei dem Vorgänge, den wir bei der ersten Frage eingehalten haben: Sammeln von Urteilen, Abwägen derselben, Entscheidung, Begründen, Znsammenfassen, Anwenden*— kurz: Wir schmieden uns selbst eine Methode. Zur 2. Frage. r. An vierklassigen Volksschulen sind die Schuljahre nach dem Lehrpläne folgenderweise zu verteilen: I. Klasse (1. Schuljahr): Bekanntlich ist die I. Klasse die schwierigste; sie braucht also den tüchtigsten Lehrer, der den Grund gut zu legen weiß, denn nur auf guter Unterlage ist ein fester und sicherer Aufbau möglich. Ein Jahr gründlicher Arbeit. Auch in der II. Klasse (2. Schuljahr) gibt es noch viel zu üben, zu richten, nachzuhelfen und so manche Lücke auszufüllen, die man in der I. Klasse gelassen hat. Ein Jahr fleißiger Arbeit. In der III. Klasse (3. und 4. Schuljahr) und IV. Klasse (b. und 6. Schuljahr) ist der Unterricht zwar vielseitiger und umfangreicher, kann aber leichter und rascher fortgeführt werden, wenn eben in der I. und II. Klasse der Unterbau festgelegt worden ist. Die Schüler besitzen bereits eine größere Redefertigkeit und somit eine gewandtere Ausdrucksweise; es kann demnach in diesen beiden Klassen der Lehrstoff für zwei Abteilungen leicht in je einem Jahre bewältigt werden. Alois Erker, Lehrer in Mitterdorf bei Gottschee. ff- In der einklassigen Volksschule mit Ganztagsunterricht sollen zu gleicher Zeit 6 Schuljahre ihrer Bildungsstufe entsprechend beschäftigt werden. Die Schuljugend erscheint daher in drei Gruppen geteilt: in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe, von denen jede zwei Abteilungen enthält, und zwar die Unterstufe 1. und 2. Schuljahr, die Mittelstufe 3. und 4. Schuljahr, die Oberstufe 5. und 6. Schuljahr. Es ergäben sich somit sechs Abteilungen. Eine strenge Trennung dieser Abteilungen findet jedoch nicht statt, denn ein Unterrichten mit sechs Abteilungen wäre nicht nur ungemein mühevoll, sondern auch für den Erfolg des Unterrichtes abträglich. Man hält daher an der Dreiteilung mit halbstündigem Unterrichtswechsel fest, so daß die Schuljugend nur in drei Abteilungen geteilt wird, von denen die erste Abteilung das 1. Schuljahr, die zweite Abteilung das 2. und 3. Schuljahr und die dritte Abteilung das 4., 5. und 6. Schuljahr umfaßt. Bei dieser Verteilung kann durch Einhaltung eines Turnusses, durch die Methode der konzentrischen Kreise sowie auch durch eine zweckentsprechende Verbindung der Abteilungen auf die einzelnen Schuljahre leicht entsprechend Rücksicht genommen werden. P. Krauland, Schulleiter in Maierle (Krain). * Diese Stufe kommt in Folge 9 zur Geltung, da wir den Stundenplan entwerfen wollen. Znr 3. Frage. (Ungeteilte einklassige Volks- oder Halbtagsschnle?) (Entgegnnng zu dein diesbezügliche» Artikel in Nr. 6.) Ich habe 1 7« Jahr in der Halbtagsschnle unterrichtet und bedauere Lehrer, Schüler und Eltern, welche in einem Orte mit einer solchen Schule wohnen.* In der Halbtagsschule sind die 2 Gruppen wie in den Klassen der zweiklassigen Volksschule verteilt, und zwar umfaßt die 1. Gruppe das 1., 2. und 3. Schuljahr und wird nachmittags unterrichtet, die 2. Gruppe das 4., 5 6., 7. und 8. Schuljahr mit vormittägigem Unterrichte. Jede Gruppe zerfällt wieder 2 Abteilungen. Das Lehrziel aus der Unterrichtssprache kann in der Obergruppe heim besten Willen nicht erreicht werden. Die 5 Sprachstunden in der Woche müssen in Stil, Sprachlehre, Rechtschreibon und Lesen auf 2 Abteilungen verteilt worden. Da kommen auf eine Abteilung in der Woche 7, Stunde Stil, 7- Stunden Sprachlehre (dieser Gegenstand soll aber das «tägliche Brot» in der Volksschule sein), 1 Stunde Rechtschreiben (beide Abteilungen zusammen) und 7» Stunde Lesen. Im Rechnen kommen auf eine Abteilung 7- Stunden. Kann da der vorgeschriebene Lehrstoff bewältigt werden? Die Realien sind auch sehr knapp bemessen. Für Erdkunde und Geschichte ist, in der Obergruppe wöchentlich 1 Stunde vorgeschrieben; die Untergruppe geht leer aus. Da sollen also in diesen wenigen Stunden vom Schulzimmer ausgehend der Schillert, der Bezirk, das Heimatland, das Vaterland etc., dann die Sagen und die Geschichte der Heimat, Geschichtsbilder und Verfassungskunde durchgenommen und wiederholt werden! Die Behandlung des Schulortes, des Bezirkes ist sehr wichtig und darf also nicht entfallen. Sie bildet ja die Grundbedingung für die Weckung der Heimats- und Vaterlandsliebe. Für die Naturkunde ist bei der Halbtagsschule in der Oberguppo wöchentlich 1 Stunde eingesetzt, und zwar 7- Stunde auf Naturgeschichte und 7- Stunde auf Naturlehre. Kann da «das Wichtigste» aus diesen Gegenständen durchgenommen werden ? In dieser Beziehung ist für die Realien in der ungeteilten einltlassigen Schule besser gesorgt. Dort sind 2 Stunden für Erdkunde und Geschichte und 2 Stunden für Naturkunde eingesetzt. Da lob’ ich mir doch die ungeteilte einklassige Schule, denn in dieser wird mehr erreicht und die zwei freien Nachmittage am Mittwoch und Samstag bleiben dem Lehrer zur Erholung. Die Halbtagsschule hat bloß Geltung als vorübergehender Notbehelf. Einen weiteren Nachteil hat dieselbe noch darin, daß die Schüler das ganze Schuljahr die Hälfte des Tages meistens ohne Aufsicht und Beschäftigung sind (die Eltern müssen eben ihrer Arbeit nachgehen). Sie verwildern und gewöhnen sich an den verderblichen Müßiggang. Die Schüler der Untergruppe kommen mit verschiedenartigen Eindrücken, welche sie am freien Vormittage erhalten haben, in die Schule. Da geht dem zerstreuten Geiste das Sammeln und das Aufmerken beim Unterrichte schon von vornherein ab, weil die Eindrücke (Spiele mit den Mitschülern, zuweilen auch leichte landwirtschaftliche Arbeiten etc.) hindernd in den Weg treten.** Soviel für heute, nächstens mehr!*** Rud. Pensler, Oberlehrer in Birken, Böhmen. * Die 83 Schüler konnten in dein kleinen Zimmer nicht untergebracht werden. Ein äußerer Grund zwang also zu der Einrichtung. Die Schriftleitung. ** Dazu noch die Ermüdung! Die Schriftleitung. *** Recht viel! Die Sache muß gründlich behandelt werden; es blenden beide Seiten. Die Schriftleitung. Ein Beitrag zur Fortbildung von Lehrern an einklassigen Volksschulen. Jene Lehrer, welche durch eiue Reihe von Jahren, vielleicht gar von Jahrzehnten in einsamen Gebirgsdörfern, oft stundenweit von größeren Orten entfernt, gewirkt haben, in Dörfern, die weder einen Arzt, noch Geistlichen beherbergen, in denen weder Bäcker noch Fleischer, weder Schuster noch Schneider wohnen, weil diese Leute von dem Ertrage ihres Handwerkes eben nicht leben könnten, jene Lehrer, welche den Postboten nur einmal wöchentlich oder noch seltener zu Gesicht bekommen, werden es begreiflich finden, wenn hie und da einmal in Kollegenkreisen der Ruf laut wird: «Lehrer N. oder M. ist verbauert und taugt nicht mehr in eine bessere Gesellschaft.» Ist es nicht erklärlich, wenn ein Lehrereinsiedler, gezwungen, auf den Umgang mit einer seiner Bildung angemessenen Gesellschaft woclien- oder monatelang zu verzichten, vielleicht von des Lebens Not und Sorge gequält, sich schließlich in besseren Gesellschaftskreisen nicht mehr heimisch fühlt? Verfasser dieses Aufsatzes, seit 25 Jahren an Schulen mit Abteilungsunterricht, seit 11 Jahren an einer einklassigen Schule tätig, will ein praktisch erprobtes Mittel bekanntgeben, das geeignet ist, dem oben angeführten Übelstande zu steuern. Wer Gelegenheit hatte, an einer einklassigen Schule, der schwierigsten Scliul-kategorie, zu wirken, wird zugeben müssen, daß man mit jedem Tage auf dem Gebiete der Methode neue Erfahrungen macht. Für den Lehrer der einklassigen Schule ist eine unausgesetzte Fortbildung in der Lehrweise geradezu unerläßlich* Obwohl der große Wert der Lehrervereinsversammlungen voll und ganz anerkannt werden muß, so kann doch wieder nicht geleugnet werden, daß in diesen Versammlungen wohl sehr wenig getan werden kann, was dem Lehrer der einklassigen Schule von besonderem Nutzen wäre.** Um daher ein einheitliches Vorgehen zu ermöglichen und die gemachten Erfahrungen gegenseitig auszutauschen, empfiehlt es sich, daß sich die Lehrer aller gleichen Kategorien eines Schulbezirkes während des Jahres öfter zu einer Beratung einfinden und dabei solche Schulfragen besprechen, die für sie von besonderem Interesse sind. Im folgenden sei auf Verhandlungsgegenstände aufmerksam gemacht, wie sie sich bei den Konferenzen der einklassigen Schulen des Schluckenauer Schulbezirkes ergaben. Derartige Zusammenkünfte fanden in dem obgenannten Bezirke seit dem Jahre 1897 statt. Die einzelnen kleinen Schulorte wurden der Reihe nach besucht, wobei dem Schulgarten, zweckentsprechenden Lehrmitteln ein Augenmerk zugewendet und über Anschaffung derselben sowie über Mitteilungen des Bezirksschulinspektors anläßlich stattgehabter Inspektionen gesprochen wurde; ebenso werden bei jeder Zusammenkunft Schülerarbeiten und die Amtsschriften einer Besichtigung unterzogen; das Beste wird herausgesucht und an den einklassigen Schulen ehetunlich eingeführt. So wurden beispielsweise sämtliche Aufsatzstoffe, welche während eines Jahres in den sechs einklassigen Schulen unseres Schulbezirkes gegeben worden waren, zusammengestellt, minder Gutes wurde ausgeschieden und so gelangten wir kostenlos in den Besitz einer Aufsatzsammlung, welche an Brauchbarkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Aus verschiedenen Zeichen werken, die teils in den Archiven der einklassigen * Das ist aber auch eine begehrenswerte Würze I Die Schristl. ** Leider war es bisher so; doch wir wollen Sorge tragen, das; man in Hinkunft auch der «Ein-klassigen- wird gedenken müssen. Die Schristl. Schulen vorhanden waren, teils von mehrkhissigen Schulen entlehnt wurden, ist für die Unterabteilung im Zeichnen (2. bis 4. Schuljahr) eine Vorlagensammlung hervorgegangen, die auch an einzelnen mchrklassigen Schulen Anwendung gefunden hat. Um sich auch der modernen Richtung im Zeichnen anzubequemen, wurde beschlossen durch ein bis zwei Jahre in der zweiten Abteilung (2. bis 4. Schuljahr) monatlich eine Freizeichnung zu machen und aus diesen Schülerarbeiten Entsprechendes für alle Schulen zu verwenden. Lehrmittel, Lehrtexte, Bibliotheksbücher, Methodenbücher u. dgl., deren Anschaffung besonders für einklassige Schulen zu empfehlen wäre, sind, wenn irgend möglich in den einzelnen Versammlungen vorzulegen und es ist über deren Verwendbarkeit zu berichten. Einige Werke seien hier namhaft gemacht: Aufsatzübungen von Vinzenz Gail, Obstbüchlein von Karl Gußmann, Zifferblatt von Thum, Sprachübungen von Bernhard Merth, Deutsche Sprachlehre von Karl Jauker, Heimatskunde von 0. Forsch, Der geschichtliche Lehrstoff von Konrad Eidam, Entwurf eines Lehrganges für modernes Zeichnen von F. Kulstrunk, u. a. m. Weitere Beratungspunkte waren: 1.) Art und Weise der Aufzeichnung der in den einzelnen Schuljahren beim Unterrichte in Benützung genommenen Lehrmittel. 2.) Einführung einheitlicher Schriftformen und Entwurf eines entsprechenden IJbungsstoffes nach folgenden Gesichtspunkten: a) Entwickelung des Buchstabens oder der Ziffer, b) Vorübung, c) Vorführung, d) fehlerhafte Formen, e) Schnellschreibübungen, f) Buchstabenverbindungen, //) Wörter mit Rücksicht auf den Sprach- und Sachunterricht, h) Stab-und Stimmreime und verschwisterte Wortpaare, i) bildliche und sprichwörtliche Redensarten und Denksprüche, j) Sätze mit Rücksicht auf den Sprach- und Sachunterricht. 3.) Wie sind die Schulversäumnisse mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse zu behandeln? 4.) Beratung über die Ausfüllung neuer Schuld ruck sorten (Klassenbücher, Verzeichnis der entlehnten Bibliotheksbücher). 5.) Entwurf eines detaillierten Arbeitsplanes für zu liefernde Schülerarbeiten während eines Schuljahres. 6.) Auswahl jener gemütbildenden Lesestücke, welche jährlich durchzunehmen sind und Angabe ihrer stilistischen und sprachlichen Verwertung. 7.) Anträge an die Bezirkslehrerkonferenz. Auswahl der einzusendenden T h e m e n für die Landeslehrerkonferenz, Stellung der Schulleiter zur Beheizungsfrage der Schullokalitäten, der Blindenunter rieht in der Volksschule. Vorlage von Suppenkonserven (Engelsuppen), Feueralarmübungen und schnelle Entleerung der Schulzimmer* (diese Übungen sind im Klassenbuche ersichtlich zu machen), Erfindung des Papieres (geschichtliches Stundenbild), Einführung des Christentums in Böhmen im Gewände der Sage und nach historischen Quellen. Ausarbeitung eines Lehrplanes für Zimmerturnen mit besonderer Berücksichtigung jener Übungen, welche in den Bänken vorgenommen werden können, nebst Zusammenstellung passender 1’umspiele. Rechte und Pflichten der Staatsbürger (Verfassungslehre), der Rechenunterricht im ersten und zweiten Schuljahre. Napoleon I. (Geschichte-stundenbi 1 d). Änderungen in der Rechtschreibung usw. Finden auf diese Weise jährlich drei bis vier derartige Versammlungen, einmal in diesem, einmal in jenem Schillerte statt, so hat der «Einklassige» für seine Fortbildung viel getan. Bald schließt sich ihm auf diesen Wanderungen auch seine Frau * Sehr beachtenswert! Die Schrift!. an, um bei dieser Gelegenheit einmal aus ihrer Alltäglichkeit herauszukommen und im Kreise gleichgesinnter Lehrersfrauen Ersatz zu finden für Unterhaltungen, die dem Städter fast allwöchentlich zu Gebote stehen, der Frau des Schulleiters einer einklassigen Schule aber meist versagt sind. Man entgegne mir nicht, auf dem Papiere nehme sich diese Anregung schön aus, in der Praxis aber sei sie wegen zu großer Entfernungen undurchführbar; eine siebenjährige Erfahrung hat gelehrt, daß solche Konferenzen nicht nur möglich, sondern durchführbar und den «Einklassigen» nicht bloß erwünscht, sondern geradezu an das Herz gewachsen sind. Entfernungen von 12 bis 14 Kilometer spielen hiebei keine Rolle, denn die Liebe zur Sache und der Wunsch, unter gleich-gesinnten Freunden einige anregende und frohe Stunden zu verleben, treibt uns hinaus. Was den Lehrern der Konkordatsschule die Kirchenfeste waren — Tage, an denen sie einige Stunden zwanglos miteinander verkehren konnten — das sind uns unsere freien Konferenzen und ich möchte sie wahrlich nicht mehr missen. Nach>vort der Schriftleitung: Wir begrüßen die Anregung auf das freudigste und bitten den Verfasser um weitere Berichte. Welche Wirkung Zusammenkünfte dieser Art haben, konnte ich in Tirol beobachten. — Dort, wo sich die Berge schlossen, wo der Saumpfad sich in die steile Lehne verlor, drinnen -am Ende der Welt», saß ein Lehrer, bei dem mancher Kollege eines Ortes draußen im geräuschvollen Leben hätte in die Schule gehen können. Er kannte alle neueren Bücher, wußte Bescheid über moderne Bestrebungen, hatte einen Stoß von Vorträgen gesammelt und mir ein Buch gezeigt, in dem sich jeder Schultag wiederspiegelte; er war Lehrer mit Leib und Seele. Als ich ihn fragte, wer ihn zu solchem Eifer angeregt und wer ihm die Mittel zur Fortbildung an die Hand gegeben habe, verwies er auf die Talkonferenzen! Nur fünf Teilnehmer zählte die Versammlung, aber — fünf Meister. Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte. Vorbemerkung : Ji» Februar d. I. veröffentlichte ich in der «Laibacher Schulzeitung» ein Gespräch, betitelt «Das Gespenst der fünf formalen Stufen». Die Schnurre schlug ein und alsbald war das Blatt vergriffen, so daß cs unserem Verwalter viel Arbeit gab, Neubestellungen höflich abzulehnen. Das ist nun ein Grund, daß die Ausführungen neuerlich im Druck erscheinen, u.zw. diesmal in den -Bl.» — Ein zweiter Grund liegt in der neuen Artikelfolge »Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte». Das gesamte Unterrichtsverfahren segelt unter dieser Flagge und es erscheint dringend geboten, den Kurs für die Landschule anzugeben; sonst gibt es Verwirrung, Mißerfolge. Nur allznleicht werden diese sodann der Idee zugeschobc», wiewohl sic schuldlos ist; sie wird beiseite gestellt, während sie, besonnen zur Geltung gebracht, wohltätig hätte wirken können. Wir wollen sie vor alledem bewahren, fassen sie daher zunächst als ganze heraus und lassen sic dann in den verschiedenen Gegenständen nach ihrer Eigenart walten. Wenn wir sie frischfröhlich in der Schnurre entführe«, wird sie auch frischfröhlich schaffen. Seit einem Jahrzehnt hatte ich mit meinem lieben Amtsbruder aus der llnterlehrerzeit nicht mehr über die Schule geplaudert, über die Schule, an der wir einst beide - er der gelviegtc Praktiker, ich der junge Himmelsstürmer, Tür an Tür gewirkt hatten. Wie oft zogen wir sonst nach dem Glockenschlage durch die enge Gasse, hinaus über Land, fortspinnend den Faden, der sich ans der Schulstube wand! Dem Himmelsstürmer lvurde es in dem Stabilem bald zu enge; er zog in die Welt; der um 20 Jahre ältere Kollege schüttelte ihm die Hand, blieb zurück, blieb im alten Geleise. Nun nach langer Zeit saßen sie wieder in demselben Stüblein, an demselben Tische lvie dereinst, da nach dem Spaziergange der Labung gedacht wurde. Der Amtsbruder war dicker geworden, aber auch antiker. Wir hatten ihm schon dereinst gesagt, er könne einer Abordnung, die wegen Gehaltserhöhung vorsprechen sollte, nicht zugezogen werden, denn sonst erreiche man das Gegenteil. Heute war die Ehrenstelle ganz aussichtslos; unser Freund glich einem Kreisel und meinte Wohl auch selbst, er brauche als Anschauungsmittel für Erdkunde nicht erst den Globus in die Schule zu schleppen, denn sein corpus ersetze jedwede Veranschaulichung. Der Witz hatte eben bei dem Männlein kein Ende; doch heute wollte er nicht sprühen. -.Wo fehlt es, Meister N.?» -Ich habe keine Lust mehr am Schulehalten, seit die neuen Methoden aufgekommen sind. Man versteht das gelehrte Zeug nicht, mit dem die Jungen in den Bezirkslehrerkonferenzen herumwerfen, weiß nicht, wie man's recht machen soll — kurzum: Man kommt sich mit all seiner Arbeit und Erfahrung als dummer Kerl vor. - Dabei schlug das sonst behagliche Schulmeisterlein auf den Tisch, daß die Gläser mit dem edlen sJtnß schier herabgekollert wären. Eine Zeitlang schwieg ich; als ich aber sah, daß sich das rundliche Gesicht wieder in regelmäßige Falten gelegt hatte, forschte ich: «Ei der tausend, was zum Beispiel verdirbt dir denn so die Lust zur Arbeit? Eine Hexerei ist doch die neue Methode nicht, eine Hexerei darf sie nicht sein, sonst ist sie schlecht. In dem Zeitalter des aufgeklärten Realismus muß alles wohlbegründet, einfach, natürlich, unmittelbar wirkend, praktisch sein. Wo fehlt es also? --Diese ver . . . fünf formalen Stufen!»» eiferte der Freund und wieder war helle Abendröte über das Antlitz geflogen, — -«wer die erfunden hat, den soll. . .!»» -Beruhige dich», warf ich ein, -er ist schon tot, leider tot; sonst würde er kommen und jene züchtigen, die seine Ideen in ein starres Gestell zwängen. Ein herrlicher Gedanke, aber schlechte Dolmetsche!» «-Herrlich nennst du den Gedanken? Herrlich mögen vielleicht dir Wörter sein, in die er sich hüllt! Unverständliches Zeug, Künstelei, Zeitvertändeln, schleppender Unterricht, leerer Formalismus — nichts anderes bringen die Stufe», wie ja schon der Name sagt.»» Mit dieser Worterklärung nahm der Amtsbrnder die Stellung des Triumphators an; in seinen Auge» war ich geschlagen. Ich tat denn auch so, als ob ich mich beugte und lenkte vom Thema ab, indem ich ein anderes Gespräch begann. Nach einer Weile nahm ich jedoch den Faden wieder auf, indem ich den Nachbar fragte, wie er denn im allgemeinen vorgehe, sobald er in der Schule etwas Neues vorführt. ««Das ist doch sehr einfach. Ich trete vor die Klasse und beginne: ,Wenn ihr recht gut ansmerket, so will ich euch heute was Neues erklären, u. zw ‘. Da spitzen sie schon die Ohren, selbst die ärgsten Schwäher sind mäuschenstill. Doch ich platze nicht sogleich mit der Neuigkeit heraus; sie sollen nur etwas zappeln. Zudem muß ich ja den alten Stoff wiederholen, damit sie dann das Neue um so besser verstehen. So, jetzt habe ich sie recht präpariert — und nun beginnt der eigentliche Unterricht. Da nehme ich eine feste Stellung ein, ziehe den Stimmstock etwas tiefer und trage das Geheimnis mit gar gewichtiger Miene vor. Mein Lieber, das wirkt, die Buben merken es, daß es sich um etwas Besonderes handelt — und hängen förmlich an meinen Lippen.»» «Nu, und jetzt bist du wohl fertig?» «-Beileibe nicht! Wohin denkst du? Ich muß mich doch überzeugen, ob sie alles wohl verstanden haben. Da und dort gibt es ja auch noch mancherlei zu erklären und richtig« zustellen. Und dann soll ich doch trachten, daß das Neue auch im Kopfe bleibt.»» -Da beginnt also dann die Fütterung mit Wissensbrocken?» - - Aber Freund, was glaubst du? Die Kinder sind doch nicht Gänse, die man stopft. Ich vergleiche das Neue mit jenen Kenntnissen, welche die Schüler bereits besitzen; weißt du, ich versehe cs förmlich mit einem Häkchen und hänge es dem Alten an. Man hat uns davon einmal etwas erzählt; es klang wie .Apperzeption'. Das ist zwar auch ein holpriges Fremdwort, welches einem die Zunge verdreht, aber es steckt 'was Richtiges drin.»» «Und wozu gibst du dir denn solche Mühe, daß alles festsitzt? Was sollen die Kinder mit den Stücken, die du in ihrem Geiste einnietest?» --Was sollen sie damit! Merkwürdige Frage! — Mir scheint, du hältst mich zum besten?! An wenden sollen sie's — hier in der Schule, gleich als Stillbeschäftignng schriftlich verwerten, später in Aufsätzen und endlich gebrauchen draußen im Leben.»» «Also fassen wir. . .» «- Richtig, richtig! Darauf hätte ich beinahe vergessen. Das .Zusammenfassen' betreibe ich nämlich im Unterrichte mich. Wenn ich sehe, daß die Schüler alles gut begriffen haben und es mit Ähnlichem und Entgegengesetztem vergleichen können, ziehe ich dann alles in einen engen Kreis, damit es gut überblickt und leicht behalten werde. Die Sache hat nämlich ihr Gutes mich »ach einer ändern Seite. 'Die Schiller werden daheim gefragt: ,Was habt ihr denn heute gelernt?' Wenn man nun nicht zusammengefaßt hat, besinnen sich die Rangen ans nichts und sagen ohne weiteres: ,Nichts!' Wie stehe ich in diesem Falle da? Die Leute glauben, ich mache tatsächlich nichts — und dabei rede ich mir doch den Hals um.»» «Das ist ein .äußerer Grund'. Aber, ich denke, es gibt mich noch einen inneren Grund. Du sagtest doch vorhin, daß dn den Schülern jedesmal ankündigst, lvas mit ihnen dnrchgenomme» werde. Wenn dn nun zusammenfassest, so werden sie sich bewußt, daß das Ziel, welches dn gesteckt hast, erreicht wurde. Das macht ihnen Freude und nährt ihr Interesse. - Der Machbar guckte wieder einmal ins Gläschen, nickte dann znstimmend — und schon glaubte ich, ihn gefangen zu haben. Doch gefehlt! Wieder erdröhnte der Tisch und wieder brauste der Akkord ans die ver. . . Stufen: ««Siehst du, so Plagt man sich, sucht den Kindern alles ans die leichteste und gründlichste Art nahezurücken und dann sitzt man in der Konferenz als verschimmelter Schulmeister von anno dazumal, von den .gelehrten' Herrlein über die Achsel angesehen! -» «Aber, Freundchen, ereifere dich doch nicht! Wenn Vater Herbart da wäre, er fiele dir um den Hals, denn dn hast mit deinem offenen Sinn seine Idee besser erklärt, als alle die Bücherhelden im Beratungssaale. Dn hast die fünf formalen Stufen schon längst in der Tasche, aber dn weißt es nicht. Morgen wollen wir sie neuerdings entwickeln und beim rechten Namen nennen; da wirst du sehen, daß die Gestalt, vor der Ihr Euch so sehr fürchtet, kein Gespenst ist.» «Es leben die formalen Stufen!» rief ich, «Vater H. hat sie dem Vater Herbart nachempfunden, ohne ein Philosoph zu sein.» Der lebendige Kreisel zwinkerte mit den kleinen Äuglein, es schien etwas hineingeflossen zu sein. War's etwa eine Frendenträne? ««Anna, zahlen! 5 Viertel! Bruder, das war methodisch getrunken — 5 .formale' Viertel! ->» Morgen Zusammenfassung — wissenschaftliche Begründung — Anwendung! So knurrte der Freund und dann pendelte er heimwärts und träumte — von den formalen Stufen! Briefkasten. B.-Sch.-J. H., dzt. in Freistndt: Schönen Dank für die Kurte aus Ihrem schönen Sommerheim! Sie sind der weiße Rabe im Lande ob der Enns. Umso größer ist das Verdienst! K. R.: Sie schreiben: -Von meinen schriftstellerischen Arbeiten und Erfolgen weiß man in . . . beinahe nichts; der Neid meiner Kollegen war ängstlich darauf bedacht, daß die hiesige Bürgerschaft nicht zuviel davon erfährt.» Glauben Sie, das sei nur bei Ihnen so? Wie viele haben schon dasselbe Lied gesungen! Über die Klässer seht man sich hinweg und freut sich, wenn die Schriften anderwärts gewürdigt, gepriesen werden. Und das trifft bei Ihnen zu. Grämen wir uns also nicht! — Lehrerverein Obcrlavanttal: Die Einladung hat mich gefreut; im nächsten Jahre werde ich gewiß Folge leisten. — Nach Alt-Ehrenberg: Wahrscheinlich, wahrscheinlich komme ich Anfang September hinauf. Vorläufig erwidere ich Ihre und der Mitnnterzeichneten Grüße. — Mitteilungen: Die sonnigen Tage haben mich eher, als ich wollte, in die Berge gelockt und so bin ich denn bereits ein gutes Stück von Schule zu Schule gewandert. Wieviel Stoff hat sich dabei ergeben! Die «Bl.» könnten ihn nicht fassen; darum werde ich ihn, sobald ich in meinem Heim angelangt bin, als Ganzes bieten. Aus dem Zuge durch Oberkrain, Kärnten, Obersteiermark und Salzburg habe ich tüchtige Brüder im Amte, treue Brüder außer dem Amte gefunden; die herzliche Aufnahme verpflichtet mich schon jetzt zu innigem Danke. — Wenn mancher Brief nicht postwendend beantwortet wurde, so möge mir das zugute gehalten werden; auf den Kreuz- und Querfahrten dauerte es oft lange, bis mich der Postbote erreichte. — In Marburg hat unser Kind «Das Lehrerheim im Süden» die Taufe erhalten. Nun wird es wachsen und kräftig werden. Gerade die Schulreife hat in mir den Gedanken wieder aufs neue angefacht; manchem tüchtigen Bernfsgenvssen war der Geleitschein für die Fahrt nach dem Süden in die Wangen geschrieben. — Diese Zeilen wandern von Villach nach Laibach; ihr Schreiber zieht indessen hinauf ins Tirolerland, ins Ländle jenseits des Arlbergs, durch Oberbayern, nach Wie». Hier schließt die Reise; die Zeit reicht nicht hin, beit ursprünglichen Plan vollends anszuführen. Gruß und Handschlag allen, die ich heuer nicht besuchen kann; Gruß und Handschlag denen, die mir das Ränzel mit Gaben füllten und Treue zur Wegzehrung mitgaben! Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter! Rudolf E. Peerz. — Druck von Jg. v. Kieiumayr & Fed. Bamberg in Laibach.