Feber. Dreizehnter Jahrgang. 1916. Folge 146. (Seite 3537 bla 3564.) ' Blätter für den Abteilungsunterricht. Hlonatschrift zur Förderung des österr. Schulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) Inhalt: Seite 1. Ludwig Woidich....................................... 3537 2. Lehren aus der Front................................. 3538 3. Der deutsche Landsturm............................... 3540 4. Der österreichisch-ungarische Staatsgedanke in der Schule............................................ 3541 5. Feste Zuversicht..................................... 3542 6. Schule im Schützengraben............................. 3543 7. Der gute Kamerad..................................... 3547 8. Unser Generalstabschef............................... 3545 9. Rein und deutsch..................................... 3547 10. Zeitsprüche.......................................... 3547 11. Die braven Oberösterreicher an der Tiroler Front 3548 12. Die Tiroler Wacht in Eis und Schnee .... 3550 13. Die zehn Gebote der Kritik........................... 3552 14. Die Wechselrede...................................... 3556 15. Randbemerkungen...................................... 3558 16. Lesefrüchte.......................................... 3560 17. Lose Gedanken........................................ 3561 18. Briefkasten.......................................... 3561 19. Kleine Mitteilungen.................................. 3561 20. Talaufwärts durch den Krieg.......................... 3563 21. Polack-Ecke.......................................... 3564 o o o Verlag der Blatter für den Abteilungsunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek in Qottachee. Jährlicher Bezugapreii 6 K (6 Mk, 7 Frk.). ung Plättwäsche, Waschfrau überflüssig, da nur noch kalt abwaschbare Origlnal-Dauer-Leinenwäsche aus echtem Zephir-leinen von M, Langhammer Saaz (Böhmen) getragen wird. Die Wäsche der Zukunft! Die neue Original-Dauer-Leinenwäsche MT ist unerreicht! "W> Bester Ersatz für Plättwäsche. 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Österreichs Lehrerheldeir in dem Großen Kriege 1914-16. Ludwig Woidich Lehrer in Tepl, fiel bei einem Sturmangriffe am 20. September 1915 bei Teremno nordöstlich von Luck in Rußland als Kadettaspirant; er erlitt im Nahkampfe den Heldentod durch einen feindlichen Bajonettstich in die Brust. Aus dem Leben des Gefallenen: Am 2. November 1892 zu Killitz, Bezirk Tepl, geboren, studierte Ludwig Woidich an der Lehrerbildungsanstalt in Eger, legte daselbst am 7. Juli 1911 die Reife-, am 29. November 1913 die Lehrbesühigungsprüfung mit Auszeichnung ab. Seit Oktober 1911 wirkte er als Substitut an den Schulen in Pobitz, Tissan und Tepl. Aus seiner letzten Stellung rückte er im Herbst 1914 zum k. k. Landwehr-Jnfanterieregimente Nr. 6 nach Eger als Einjahrig-Freiwilliger ein. Würdigung: Mit unserem Amtsbruder Woidich schied ein tüchtiger, strebsamer Lehrer, ein wahrhaft deutscher, von den edelsten Hochzielen begeisterter junger Mann aus dem Leben. In dem Gedenkbuche der Volksschule Tepl heißt es von ihm: „Ludwig Woidich war als Lehrer ungemein rührig und tätig; er wirkte mit viel Erfolg in der Schule. Am liebsten besprach er pädagogisch-didaklische Schulfragen; stets war er sichtlich erfreut, wenn die Besprechungen ihm neue Anhaltspunkte boten." — Möge ihm, dem die Heimat alles war, die blutgetränkte Erde Wolhyniens leicht sein! Lehrerverein Hepl. Lehren aus der Front. Lin abschließendes Urteil, wie sich unsere Volksbildung in dein großen Kriege bewährt hat, kann und darf noch nicht ausgesprochen werden; doch einiges tritt bereits scharfumrandet hervor und muß schon jetzt zur allgemeinen Schau gestellt sein, damit es noch auf die sich in nächster Zeit abrollenden Ereignisse vorteilhaft wirke, d. H. zum Besseren gewendet werden. So lange ich denn in mein Ränzel und hole dies und jenes, was die Wanderung auf bedrohter £)öh’ oder im kampfdurchtobten Tale an pädagogischem Erlös brachte, hervor. — \.) Der mangelhafte Bericht. Unsere Soldaten bringen so schwer den Mund auf und sind im ganzen in der Erstattung eines zusammenhängenden, umfassenden, klaren Berichtes über ein Geschehnis recht unbeholfen. Vas kann für den Gang der kriegerischen Verfügungen oft verhängnisvoll werden; zum mindesten hält es auf. Der Fehler der Sprechuntüchtigkeit liegt zweifellos in der Schule. Bei uns wird viel zu viel geschrieben und viel zu viel gesprochen vonseite des — Lehrers. Laßt, junge Amtsbrüder, doch die Schüler reden und schont Euere Stimme! Zwar hat in den letzten Jahren die Sprechschule eingesetzt; allein der Großteil der Lehrerschaft hört noch immer lieber sich als die Kinder. Das ist schlimm für beide Teile! — Wie sollen nun bei einer allfälligen Umkehr die augenblicklichen Dinge noch berührt werden? Dadurch, daß wir in unseren „Soldatenkursen" (Vgl. meine Marienbader Kede1 S. ^!) Sprechübungen veranstalten. Der Sechzehn- und der Siebzehnjährige, die wir allsonntäglich oder obendrein auch einmal während der Woche an die Schnur bringen, sollen über Erlebnisse und über ad hoc gegebene Fälle berichten! So wird z. B. eine Patrouille ausgesandt — es macht unserer nachrückenden Iungmannschast viel Spaß — um zu erkunden, was im nächsten Dorfe vorgeht. Indes wird mit der übrigbleibenden Schar exerziert oder eine Marschübung durchgeführt. Kehrt nun die Patrouille zurück, so muß zunächst ihr Kommandant Bericht erstatten. Was unvollständig ist, ergänzt die Mannschaft, kurz: Man erhält durch das Zusammenwirken ein vollständiges Bild über die Lage. Im Verlaufe wird sich jeder Führer bestreben, möglichst ausführlich zu sein, auf daß ihm die Unterstellten nicht helfen müssen. — Die Methode wird auch in der Pflicht-Volksschule zu beachten sein, u. zw. mit demselben Stoff und Zweck. Das bringt Reiz und Redseligkeit. Sie wird bei gezügelter Freiheit keinesfalls in Plauderei Umschlägen. — Laut, exakt, klar sprechen lassen, nicht das Gurgeln und Lallen dulden! — 2.) Plumpheit jm Haaren und in Bewegungen. Der elastische Knix und der flinke Schritt — sie mögen den Krieg nicht entscheiden; allein sie sind gute Helfer im blutigen Streit. Das Linkische verstimmt und verlangsamt, der Trott hemmt den Gang der Dinge. Ulan hat beiunszulande auf Glattheit im Benehmen und auf rasches handeln bisnun viel zu wenig Gewicht gelegt. Selbst in Anstalten, die Lehrer ins Leben senden, sind Anstand und Sitte mit der billigen Phrase „Wir brauchen kein Gigerltum" beiseitegestellt, ja rundweg abgewiesen worden. Es steht in den Mittelschulen nicht besser. Allein dort gleicht das Leben aus; der Fachschüler hat Gelegenheit, in Familien, in Gesellschaft zu kommen. Das ist dem Lehramtszöglinge in der Regel benommen. Also tritt er ungelenk ins Leben und schickt seine Schüler ungelenk hinaus. — Auch hierin kann umgehend wenigstens zum Teil Wandel geschaffen werden. In unseren „Soldatenkursen" wird auf Strammheit, Raschheit und feine Sitte gesehen, hinaus mit dem Blei aus den Gliedern un- 1 Die gegenwärtigen sozialpolitischen Aufgaben der Lehrerschaft. — (Preis qo h. Verlag des Marienbader Bezirkslehrervereincs. Bestellungen an Lehrer A. Putrak in Marienbad.) serer Dorfburschen, hinaus mit der verletzenden Derbheit I Ls muß darob die Urwüchsigkeit keineswegs ertötet werden. Wer vermeint, mit Grobheit rette er das echte Volkstum, lebt nicht in der Welt, die uns umgibt. — Auch die militärfreie Jugend soll teilhaben an dem Lebensgut. Wir werden es ihr geben, wenn wir auf unsere Worte und Bewegungen achten. Nirgends wie in diesem Belange ist das Beispiel ausschlaggebend. (3ch habe mich trotz der großen und dringenden Aufgaben, die mir der Krieg brachte, der Arbeit unterzogen, eine aus der Eigenart unseres Standes hervorgehende diesbezügliche Anleitung zu schreiben?) 3.) Zu wenig Kygicne, zu wenig Sauberkeit und Ordnung! Ein Regimentsarzt berichtete : „Aus Gegenden, wo die Schulbildung auf ziemlicher Höhe steht, kamen Soldaten, bei denen die Seuche um 50 % weniger um sich griff als bei der analphabeten oder minder-gebildeten Mannschaft. Zudem war bei dieser selten ein klares Krankheitsbild zu gewinnen, weil entsprechende Angaben fehlten." — Das klingt wie eine harte Anklage gegen die, die zusahen, daß die Bildung nicht nach allen Seiten hin gleichmäßig ausgriff. Da man sie den einzelnen Aronländern überließ, so war sie der Tendenz politischer Parteien ausgeliefert. Weil nun der Demagoge die denkfaule Masse braucht, so war er bestrebt, alles zu vermeiden, was seine Pläne durchkreuzt hätte, d. H. er hemmte die Bildung, hemmte alles, was ihr entquillt, darunter auch den Sinn für rationelle Selbsterhaltung, wie es in den Hütten seiner Wähler aussah, ob Fixigkeit, Sauberkeit und Ordnung walteten, das alles beschäftigte ihn nicht eine Minute — ja er sah es geradezu nicht sonderlich gerne, wenn der Lehrer, sein Instrument, etwa mehr, als die Politik vertrug, tradierte. So kam es, daß der junge Mann im Schmutz gedieh, von der Hand in den Mund lebte und Maßnahmen zu seiner Erhaltung nicht kennenlernte. Nun kam der Krieg. Er brachte Lebenslagen, in denen der persönliche Entschluß gar oft entscheidet. Da fehlte es an Sinn für Hygiene, für Reinlichkeit, für peinliche Ordnung. Das brachte Schaden dem Einzelnen und der Gesamtheit. — Auch hierin werden unsere „Soldatenkurse" einigermaßen bessernd zu wirken vermögen. Der Lehrer begründe das, was wir wünschen, in der Theorie, leuchte mit blanker Praxis voran und scheue auch nicht den Besuch bei diesem oder jenem seiner Rekruten! — Und in der Schule der Kleinen? Ei, da soll unsere Forderung allsogleich mit Macht ringreifen, denn Eigenschaften müssen durch Gewöhnung zur Zweiten Natur werden, also möglichst früh angebracht sein. — q.) Sie Zote im Lied und in der Mede. Sie gedeiht im Tau des Alkohols. Ich war oft Zeuge von wüsten Gelagen. Der Soldat aus Gebieten mit hoher Schulbildung trank seinen Halben, las in der Zeitung oder plauderte gemessen; der Sohn aus öder Geisteslaudschaft warf sich in die Leidenschaft und erinnerte an das Landsknechtkorps. Wer in der Schlacht Besseres leistet, das wird nicht schwer zu entscheiden sein. Mag sein, daß der Betrunkene sich blind in das Getümmel stürzt. Allein nicht er besiegelt den bleibenden Erfolg, sondern der, der nüchtern die Dinge wägt und mit eherner Entschlossenheit, die ein unbeugsamer, aus klarer Überlegung quellender Wille führt, das Schwert zuckt. — „Sichern Sie doch unserer Mannschaft einen Stamm von echten Volksliedern, u. zw. in genauer Kenntnis der Weise und des Wortlautes, damit sie es nicht nötig habe, den inhaltslosen, sittenverderbenden Gassenhauer zu gröhlenl" Das sagte ein hochdenkender General zu mir, mit dem ich über Schule und Volk sprach. Ich nehme den Wunsch auf und gebe ihn weiter. Schon seit Jahren habe ich mich gegen die Notensingmanie in den Volksschulen und gegen all die Verkünstelungen, mit denen man unser naturfrisches Volkslied umspann, gewendet — umsonst; immer wieder gewannen Marktschreier die Oberhand i Des Lehrers Takt und Schliff. Preis 2 K. Verlag der kllätter f. d. Abt.-Unt. in Laibach. und so ist es gekommen, daß unsere Armee nicht ein einziges Lied, nicht einmal das Aaiferlied in allen Strophen, vollends beherrscht. — Tadeln wir nicht, sondern bessern wir! Im '„Loldatenkurse" wird jedesmal die Volkshymne vom Anfänge bis zum Lude gesungen, nachdem sie gründlich erklärt worden war, und eines der urkräftigen Volkslieder hinzugenommen werden. — Das gilt auch für die Volksschule. (Es ließe sich wohl noch vieles aufführen, was der Blick in die Front enthüllt; allein für diesmal mögen die vier Punkte genügen. Wenn wir alles schön und gut finden und den Arieg lediglich als das „rohe" Handwerk werten oder uns mit dem Latze trösten: „Jetzt läßt sich nichts mehr ändern I" —, so sind wir Toren oder zum mindesten nicht Patrioten, die weiter und tiefer sehen. Wann das Ringen ein Ende nimmt, wissen wir nicht; und daß es nur ein Ringen mit dem harten Stahl ist, wird doch kein Vernünftiger behaupten wollen. Also legen wir ohne Zaudern die Feile an, wo eine Ecke den glatten Lauf behindert! — ^ccrj. Der deutsche Landsturm. Mach' platz, mein Jung', der Landsturm kommt Mit eifenfeftem Schritt, Und mitten drin mit ernstem Blick Marschiert dein Vater mit. An seiner harten Kolbenfaust Erglänzt ein golden Band, Das trägt er jetzt wie ein panier Hinaus ins Feindesland. Das Ringlein durstig worden ist, will trinken rotes Blut. Die Faust will Muttern und auch dir Beschützen Ehr' und Gut. Merk' auf, mein Jung', wir fechte» nicht Für Sold um eitel Ruhm, wir schlagen nieder, was bedroht Dein Land, dein Eigentum. wir machten ganze Arbeit hier, Wir machen sie auch dort. Leb' wohl, mein Jung', grüß' Mutter mir Und sag' ihr noch ein wort. Sag': „Liebe Mutter, nur nicht bang', Der Landsturm, der räumt auf." Küsst ihr die Tränen von der wang' Und nun — mein Junge — lauf 1 Und wenn der Landsturm wiederkommt Mit eisenfestem Schritt, Dann, mitten drin, mit frohem Blick, Kommt auch dein Vater mit. ?). A. Krüger. Der österreichisch-ungarische Staatsgedanke in der Schute. Gedrängte Wiedergabe eines von Dr. Rudolf Peerz in Teschen gehaltenen Vortrages. Der gegenwärtige furchtbare Krieg und seine Begleiterscheinungen sind ein großes volks-psychvlvgisches Phänomen. Wollen wir es verstehen und aus ihm Nutzen ziehen, so müssen wir es analysieren und seinen Grundursachen nachspüren. Hiebei werden wir nur die Erscheinungen positiver Natur betrachten. Da ist es in erster Linie der Heldenmut unserer Armee, der selbst Dem Feinde Bewunderung abzwingt, und die Einmütigkeit der vielen unterschiedlichen Nationen unseres Reiches, wie sie jetzt in der Gefahr im Gegensatz zu den Boraussetzungen und Erwartungen unserer Feinde sich Dokumentiert. Und welches sind die Grundursachen dieses erhebenden Schauspiels? Oberflächliche Denker sagen, der Patriotismus oder der gesunde Instinkt, wie er seit Jahrhunderten in der österreichischen Armee und im Volke schlummert und bei Gefahr immer wieder elementar hervorbricht. Beide sind nur Momente sekundärer Natur. Der Urquell der Erscheinung liegt im Selbsterhaltungstrieb und in dem unbewußten Gefühl, daß die Völker der Monarchie voneinander abhängen und aufeinander angewiesen sind, was in den Bodenverhältnissen des Reiches seinen Grund hat. Will man den österreichischen Staatsgedanken in seiner Tiefe erfassen, sv hat man von Den geologischen Verhältnissen des Reiches auszugehen. Ist es doch der Grund und Boden, dem die Lebensmittel entsprießen, und sein Inneres, das die Rohmaterialien für unsere Industrie und Technik liefert. Die Kronländer unseres Vaterlandes haben eine verschiedene Bodengestaltung und Bodenzusammensetzung und infolge dessen verschiedene Erwerbsquellen und verschiedenen Eewerbsfleiß. Womit das eine Kronland reich gesegnet ist, das fehlt dem ändern oft ganz, und damit ist die Abhängigkeit derselben voneinander begründet. Hierüber belehrt uns die Karre Österreich-Ungarns, nur müssen wir die Monarchie als Ganzes betrachten. Dann werden wir erkennen, daß hier der Böhme nicht für sich allein bestehen kann und ebensowenig der Älpler, der Ungar, der Galizianer. Sie sind wirtschaftlich aufeinander angewiesen. Das Reich bildet mit seiner Umrahmung eine feste Burg, in die der Feind, wie es ja der gegenwärtige Krieg sv eminent erweist, nicht leicht einbrechen kann. Und diese der Verteidigung so günstigen Bodenverhältnisse sind gleichfalls ein Grund des Zusammenschlusses der Volker unseres Reiches. Die natürlichen Grund- und Bodenverhältnisse also haben seine Völker zusammengebracht und aneinandergekettet und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist seit Jahrhunderten tief in dem österreichischen Volke eingewurzelt und kann durch einzelne national-fanatische Landesverräter nicht ausgerottet werden. Doch es soll dies unbewußte Empfinden zu heller Erkenntnis werden und dafür hat die Schule zu sorgen, wenn sie anders echten Patriotismus begründen will. Sie wird allerdings ihren Unterricht ein wenig modifizieren müssen. So wurde bisher in der Geographie vielfach Kronländerpartikularismus getrieben. Nun wird man bei der Behandlung des Vaterlandes analytisch-synthetisch vergehen müssen. Österreich-Ungarn wird zunächst als Ganzes zu betrachten sein, als eine feste in sich geschloffene, zur VerteiDigung gegen äußere Feinde wohl eingerichtete Burg, für die alle Existenzbedingungen gegeben sind und der kein Schaden werden kann, wenn jeder Bürger auf seinem Platze steht und einsichtig seine Pflicht tut. Und die einzelnen Kronländer werden mit Bezug aufeinander und in ihrer Abhängigkeit voneinander und vom Ganzen zu betrachten sein: was jedes an sich leistet, was es für das Ganze bedeutet, woran es ihm fehlt, wie es durch die ändern gestützt wird und daß das Vaterland kein Kronland entbehren kann; nur so wird der künftige Bürger den richtigen Heimatstvlz, das rechte Staatsgesühl, echten Patriotismus gewinnen. Im Geschichtsunterricht werden jene geschichtlichen Momente hervorzuheben sein, welche kundtun, daß die verschiedenen Volker Österreich-Ungarns seit jeher aus innerem Bedürfnis den Zusammenschluß zu einem gemeinsamen Staatswesen gesucht und im Anschluß an die Länder der Habs-burger gefunden haben. Aus dem Streben der Völker nach einem vereinigenden gemeinsamen Mittelpunkte ergibt sich von selbst der monarchische Gedanke, indem der Kaiser als jene geheiligte Person erscheint, in der die Sorgen, Pflichten, Strebungen, Leiden und Freuden des ganzen Staates verkörpert sind und in dessen Hand das Geschick desselben liegt. Der Unterricht zeige weiter auf, wie oft schon der Feind an unserem Staatswesen gerüttelt, wie er so oft bereits durch die Tore unserer festen Burg einzubrechen versucht und wie man sich seiner zu erwehren gewußt. Nun stürmen wieder Feinde gegen unsere Tore, in einer noch nie dagewesenen Zahl; aber an der Vaterlandsliebe und Einmütigkeit der Völker und an dem Heldenmut unserer Armee werden auch diesmal ihre Pläne zuschanden werden. Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet, erscheint der gegenwärtige Krieg in einem ganz anderen Lichte. Er ist kein bloßes Blut- vergießen, er ist vielmehr aus innerer Notwendigkeit hervorgegangen, er ist ein Wirtschaftskrieg, gleichsam ein Konkurrenzkrieg zweier Handlungshäuser, von denen das eine gute, das andere schlechte Geschäfte gemacht hat, und seine letzten Ursachen sind die Grund- und Bodenverhältnisse der streitenden Reiche. — Der Naturgeschichtsunterricht wird gleichfalls auf den Reichsgedanken hinarbeiten müssen. Bei der Behandlung der Kulturpflanzen, der Zuchttiere, der Mineralien und Gesteine wird zu betonen sein, in welchem Teile der Monarchie sie mit bestem Erfolge gezogen, beziehungsweise vorgefunden werden und wo dies nicht der Fall ist. So wird die gegenseitige Abhängigkeit der Länder und Völker voneinander und die Notwendigkeit einer Volksspmbiose unter den Volksstämmen Österreichs verständlich werden. Da sich nun der Mensch stets innere, geistige Vorgänge durch äußere Zeichen zu versinnlichen sucht, so werden wir begreifen, warum uns gerade jetzt, wo uns durch den furchtbaren Krieg die gegenseitige Abhängigkeit und Zusammengehörigkeit in eindringlichster Weise zum Bewußtsein gebracht wurde, die Staatsgewalt entgegengekommen ist und uns als äußeres Zeichen dafür das neue österreichisch.ungarische Wappen geschenkt hat. Möge es nun auch in diesem Geiste Gegenstand der Behandlung sein und unser Vaterland immer nur Österreich-Ungarn geheißen werden; denn auch die Schaffung des neuen Reichswappens ist kein bloß zufälliger Einfall, es ist vielmehr das äußere Zeichen für die Erkenntnis, wie wichtig es ist, daß sich die Völker Österreichs als ein durch die Bodenverhältnisse zusammengehöriges einheitliches Ganzes fühlen. Und sollen diese Völker ein inniges Zusammenleben führen, so müssen sie im gegenseitigen Verkehr einander verstehen. Dies führt zur Einsicht nach der Notwendigkeit einer einheitlichen Staatssprache. Nicht politische und nationale, sondern rein wirtschaftliche Erwägungen sind es, welche die einheitliche Staatssprache als unbedingte Notwendigkeit erscheinen lassen. Das fühlt auch das Volk und strebt die Erlernung einer zweiten Landessprache von selbst an, soweit es durch nationale Fanatiker nicht davon abgehalten wird. Und wie die einheitliche Staatssprache zum Gedeihen eines so großen Wirtschaftsgebietes unbedingt notwendig ist, so ist eine zweite solche unbedingte Notwendigkeit eine einheitliche Bildung der Völker; diese kann nur die einheitliche Staatsschule vermitteln. Die Schule, wie sie jetzt ist, kann in ihrer Abhängigkeit von den Krvnländern, deren unterschiedlicher Finanzkraft und zufälliger Landtags-majvrität wechselt, nicht einheitlich sein. Die nationalen Skrupel, die man gegen die Einführung der Staatsschule hatte, sind nun für immer vorbei und abgetan und den natürlichen Gründen zur Einführung einer solchen wird sich niemand verschließen. Zum Schlüsse faßt der Vortragende seine Ausführungen übersichtlich zusammen, indem er betont, er sei bemüht gewesen, darzulegen, wie der österreichische Staatsgedanke seine innere Motivierung in den Bodenverhältnissen des Reiches besitzt und wie er in dem jetzigen Kriege seine äußere Manifestierung gefunden hat, und schließt mit dem Satze: „Was uns die Rettung für alle Zeiten bringen kann, das ist der Reichsgedanke." (Stenographisch ausgenommen und gedrängt wiedergegeben von Fachlehrer A. Müller.) Aeste Iuverstcht. Vorbei die schwüle, brütende Nacht, Die lange schon auf uns gelegen; Der große Morgen ist nun erwacht, Die düsteren Schatten hinwegzufegen. Du schrecklich-prächtiges Morgenrot, Du kündest Stürme, schaudernden Tod! Und doch, wir grüßen dich, Schreckenstag, Wie gräßlich auch deine Stunden seien; Den» niedersausen soll Schlag auf Schlag, Vom schlimmsten Übel uns zu befreien, Vom Untergang, den hassender Neid Bereiten will deutscher Tüchtigkeit. Und ob ringsum mag drohen der Feind, Wie nie zuvor in der Weltgeschichte, Er findet uns brüderlich fest vereint, Zu schreiten zum ernstesten Weltgerichte, Das wollen nicht kann, daß das Laster besteh' Und Tugend und Redlichkeit untergeh'. Drum zieht der Deutsche mit Zuversicht In den Kampf für seine heiligen Rechte Und fürchtet Tod und Teufel nicht, Hält keck, verwegentlich stand im Gefechte. So muß er erringen im blutigsten Krieg Doch endlich den herrlichsten deutschen Sieg. Hrnst Jiretmut. 8548 Schule im Schützengraben. (Um Verbreitung dieses Artikels in die vorgeschobenen Stellungen wird gebeten.) Als ich unlängst wieder einmal von der Front aus ins Hinterland zog, um den Gedanken der In. validenfürsorge von der Feuerlinie und aus den Spitälern in der gesicherten Zone zu tragen, einzupflanzen und zu pflegen, fand ich in der Reichshauptstadt einen Kurs für zurückgekehrte gesunde und invalide Soldaten behuss Erlernung der deutschen Sprache. Als Lehrkraft wirkte die Wiener Fachlehrerin Marianne Dorn, Ort des Unterrichtes war der Menagcsaal einer Kaserne, an Lehrbüchern waren eine Fibel, wie sie die sechsjährigen Knirpse in die Hand bekomme», ein zu dem Zwecke verfaßtes Soldaten-Lesebüchlcin, in dem über Krieg und Sieg viel Erbauliches zu finden war, und eine Anzahl von Wandbildern vorhanden. Eine große Tafel auf einem Gestelle zeigte an, daß der Raum augenblicklich der Nahrung des Geistes diente. Die geistvolle Lehrerin verstand es, in einfacher, natürlicher Art die bunt durcheinander gewürfelte Mannschaft mit den Namen der in Wirklichkeit und im Bilde vorgezeigten Gegenstände sowie mit den Buchstabenzeichen in der Fibel und endlich mit gangbaren Redensarten und Sätzen, wie sie der tägliche Verkehr heischt, be< kanntzumachen. Zum Schluffe wurde der Wortlaut der Volkshymne im Chore aufgcsagt und auch gesungen. Es war herzerquickend, mit welchem Eifer die gelehrigen Schüler — Tschechen, Italiener, Kroaten, Ungarn, Polen usw. — der Unterweisung folgten und wie rasch die ausgestreuten Körnlein Wurzel faßten. Ich trat an die Beflissenen heran und fragte sie, was sie dazu bewogen habe, einen Kurs zur Erlernung der deutschen Sprache zu erhalten. Da ich fast jeden in seinem heimatlichen Idiom ansprechen konnte, erhielt ich klare Antwort. Sie lief auf den allgemeinen Satz aus: „Wir haben im Kriege erkannt, wie notwendig die deutsche Sprach« für den Handwerker und Geschäftsmann ist und in Zukunft werden wird; darum wollen wir sie schon jetzt lernen, damit wir dann leichter unser Brot verdienen." — Kluge Leute, die das Glück hatten, eine tüchtige Lehrerin zu finden und zu besitzen, die ohne jedweden Anspruch auf Entgelt die Unterweisung übernahm. Wie ich so vor der lernbegierigen Schar stand, kam mir der Gedanke — mittlerweile ist er in einem Dolomitengraben schon zur Tat geworden —, ob es nicht am Platze und durchführbar wäre, die langen, langen Wintertage des Stellungskampfes in den Bergen und auch im ebenen Lande mit einem Unterrichte der geschilderten Art zu füllen und so einerseits die Öde zu bannen, anderseits dem Krieger auf angenehme Art ein kostbares Lebensgut in die Tasche zu stecken. Der da im Schützengraben das Szepter führt und i — u — e tradiert, muß ja nicht just ein Lehrer der Zunft sein; soviel Pädagogik steckt in jedem Menschen, 3544 daß er seinem Nächsten das, was er besitzt, in vernünftiger Weise darreicht. Hauptsache ist, daß er es gerne gibt. Wo Liebe und Kenntnis walten, stellt sich bald eine gesunde Methode ein. — Eine Vorbedingung sind Bücher und Bilder, Schreibzeug. Ei, da muß man sich Helsen können! Fibeln, d. H. die schmalen Lesebüchlein mit den Bildern bei den einzelnen Buchstaben, liefern die Verlage — ich zweifle nicht daran — für den schönen Zweck kostenfrei. Im k. k. Schulbücherverlage zu Wien, I., Schwarzenbergplatz; bei der Firma Tempsky, Wien, IV., Johann Straußgasse, bei der Firma Pichlcr'S Witwe und Sohn, Wie», V., Margarethenplatz 2, sind alte Auflagen in Fülle auf gestapelt; sie sind Makulatur geworden, nun erhalten sie wieder Leben, und Bedeutung. 'Der fürsorgliche Kommandant klopfe frischweg an; es wird ihm sicherlich bald ein Päckchen zukommen. — Bilder! Ein Ausruf in einigen Tagesblättern und die vom Christkindlein gespendeten Bilderbücher, an denen sich die Kinder bereits sattgesehen haben, wandern in die Schützengräben. — Schreibmaterialien! Man kauft eine Anzahl Schiefertafeln auf oder benützt Papiere verschiedenster Art. Ein gutgehobeltes Brett, mit Lack überstrichen, wird Tafel. So, nun kann der Unterricht beginnen! — Zeigt sich Lust hiezu — ich ersuche um Zuschriften —, so biete ich nächstens eine bis ins kleinste ausgeführte Unterrichlslektion, auf daß mein nichtberufsmäßiger Kollege im Schützengraben auf dem kürzesten und sichersten Wege sein Ziel erreiche! — Es wäre einseitig, wollte man die in Rede stehende Einrichtung lediglich auf die Erlernung der deutschen Sprache beziehen; nur das Beispiel hat sie in den Vordergrund gerückt und etwa die Erwägung, daß sie wohl in erster Linie berufen sein wird, nach dem Kriege für den Erwerb als Rüstzeug zu dienen. Sollen wir darob die tausend und tausend deutscher Krieger den Winter im schmalen Felsensalon nutzlos vertrauern lassen? Nein, das wäre Zeit- und Kraftvergeudung in einer Zeit, da ernste Vorbereitungen für den Krieg nach dem Kriege, den Wirtschaftskrieg nämlich, in Angriff genommen werden müssen. Jeder deutsche Krieger lerne in seiner Erdhöhle mindestens eine zweite Sprache, sofern dieselbe in der Monarchie verbreitet ist. Diese Erwägung führt zu einem Austausch von Person zu Person. Auch der kann platz-greifen. Behelfe für die verschiedensten Sprachen liefern die obenangesührten Verläge. Für das Ungarische ist mir zwar keine Anschrift zur Hand; man wird sich am besten an das Unterrichtsministerium in Budapest wenden und durch dessen Vermittlung sicherlich das Gewünschte erhalten. Es ist außer allem Zweifel, daß der weitausschauende Sozialpolitik^!: die Idee, die in anderer Form in Belgien bereits verwirklicht wurde, gutheißt und ehestens zur Tat führt. Ist hiezu noch Rat nötig, so bin ich zur Stelle, und zwar nicht bloß durch den schriftlichen Verkehr, sondern auch persönlich, soweit es mir räumlich ermöglicht wird. Vielleicht sitze ich bald in einem Schützengraben und locke den Laut hervor und zeige die Form und führe die Hand und lalle mit von Zeile zu Zeile. Nur frischweg zugegriffen: auch die Tage des Friedens sollen uns nicht unvorbereitet finden! Sterz. Nachbemerkung: Der vorstehende Aufsatz erschien vorerst in der „Tiroler Soldatenzeitung" und wanderte sodann durch Tagesblätter, auch durch solche des Auslandes. Der gute Kamerad.1 Ich kenn’ einen Kameraden, ’s ist Deutschlands großer Kaiser, Im Schmuck der schimmernden Wehr. Keiner ist so treu wie er. Im Frieden wie im Streite Steht er uns treu zur Seite Franz Josefs edler Freund, Der eng mit uns verbunden In gut’ und bösen Stunden Es treu und ehrlich meint. Und als der Feinde Scharen Uns fielen grimmig an, Sucht’ er nicht lang nach Worten Er stellte allerorten Getreulich seinen Mann. Schütz’, Gott, die beiden Freunde, Gib ihren Wallen Sieg! Bewahre Du vor Schaden Die guten Kameraden, Daß keiner unterlieg! Die starke Faust am Schwerte Sie schreckt der Feinde Schar. Die auf sein Wort nicht hörten Den Frieden frevelnd störten, Schlägt er nun immerdar. Um ihre Völker schlinge Noch fester Du das Band! Laß sie erblUh’n aufs Neue In alter Bundestreue Dem Feind zu Spott und Schand! Oskar Augrüner, Lehrer in St. Valentin, N.-Ö. 1 Der Schulgesang füge die Worte dem Uhlandschen Liede an! D. Sch. Unser Generalstabschef. (Eine Rede an das Bolk.) Liebe Volksgenossen! Wer von Euch Äcker und Wiesen, Wald und Weide besitzt und gerade zu bewirtschaften hat, überlegt jeden Abend, wie er nächsten Tages die Arbeiter verteilen und richtig beschäftigen werde. Graut dann der Morgen und ziehen die Leute hinaus, so gibt er jedem Gruß und Mahnung mit und sorgt den ganzen lieben Tag, daß es an nichts fehle, sorgt aber auch, daß die Arbeit verrichtet werde. Dazu ist Aufsicht nötig. Darum hält der Hausvater entweder selbst Nachschau oder schickt einen seiner Vertrauten hinaus auf die Felder und in die Wälder, daß er nachsehe und ihm berichte. — Besonders notwendig wird ein solcher Kundschafterdienst bei einer Großwirtschaft. Da kann der Besitzer unmöglich alles selbst überschauen, ja er ist nicht einmal imstande, die Arbeiter zu verteilen. Das Geschäft überläßt er einem Hausmeier oder Großknecht. Ist dieser treu und genau, so schickt er nach allen Seiten Boten, aus daß sie ihm erzählen, wie es mit der Arbeit stehe. Ja, ein Großbetrieb, etwa auch der in einem Fabriksunternehmen, das seine Maschinen an mehrere Orte verteilt hat und immer darauf bedacht sein muß, daß Ware erzeugt, verlaust, daß Rohstoff gesammelt und verarbeitet werde, kann einem Inhaber viel Kopfzerbrechen verursachen; denn stockt es an einer Stelle und bemerkt dies der Konkurrent, so beeilt er sich, gerade jenes Erzeugnis in größeren Massen herzustellen, das durch die Störung nicht gelingt. Das Geschäft erleidet einen Stoß; der Verlust kann verhängnisvoll werden. — Ein Großbetrieb ist nun auch der Krieg. Die Arbeiter sind unsere braven Soldaten, die Aufseher und Leiter unsere Feldherren, der Herr über das Ganze ist unser Kaiser, seine Sendboten sind die Erzherzoge, sein treuer Hausverwalter, der alles lenkt und überschaut, das ist der Chef des Generalstnbes, dermalen der Generaloberst Franz Conrad Freiherr von Hötzendorf. Ha, das ist ein Betrieb, da gibt es Arbeitsstellen und Arbeiter und Konkurrenten, d. H. Feinde I In Ost, Süd und West lauern sie, ob irgendwo ein Rädchen stille steht. Rasch würden sie den Mangel nützen und uns Schaden zufügen. Aber der, dem der Inhaber des gesamten Gebietes, das wir unser Vaterland nennen, Vertrauen und Rechte gegeben hat, wacht mit scharfem Aug' und läßt nirgends eine Lücke. Dazu braucht es jedoch werktätiger, tüchtiger Genossen, beim selbst kann der Fürsorgliche nicht überall sein. Nähern wir uns einmal dem Hmsie, in dem er schafft; schreiten wir durch die Gänge und blicken wir hinein in seine Arbeitsstube I — Da erhebt es sich, das mächtige Gebäude, das in Friedenszeiten Schulzwecken diente. Wir erhalten nicht vhneweiteres Einlaß; Wachtposten verlangen Bescheid, ob man das Recht habe, einzutreten und was man hier verrichten wolle. Wir weisen den Schein vor und erklären unsere Absicht: „Wir möchten mit Sr. Exzellenz, dem Generalstabschef, wichtige Dinge Besprechen!" — Die Bahn ist frei. Doch kaum sind wir über vier Stufen geschritten, ruft wieder ein Posten: „Haiti Wohin?" — Wir werden in eine Kanzlei verwiesen. Dort erhalten wir einen Zettel, der uns den Weg in die Stockwerke öffnet. — Hei, welch ein Leben I Da kommt uns ein hoher Offizier mit einem Bündel Schriften entgegen; er muß wahrscheinlich in einer Kanzlei berichten. Dort sehen wir eine Ordonnanz (Bote' für Meldungen) die Treppe hinauf, fliegen; er scheint wichtige Depeschen (Drahtnachrichen) zu bringen; in der Ecke drüben redet ein Herr, unter dessen Kinn auf einem Silberstreifen goldene Sterne funkeln, gar wichtig in eine Gruppe hinein. Aha, da gibt es etwas Neues I Wenn wir es doch hören könnten! Ehe wir noch unser Sehnen ausgesprochen, ist es auch schon befriedigt: auf einem schwarzen Brett erscheint die neueste Nachricht vom Kriegsschauplätze; der Draht hat sie soeben von den Grenzen des Reiches gebracht. — Wir sind vor dem Zimmer Seiner Exzellenz. Noch einmal werden wir nach unserem Begehr gefragt, denn mit unnützem Geschwätz darf der Mann, in dessen Hand das Geschick des Vaterlandes ruht, nicht belästigt werden. Wie wir unsere Rede vortragen, schießt ein schmächtiger General an uns vorüber, frisch wie ein Jüngling, in sich versonnen, ohne Seiten-blick. „Exzellenz Conrad" . . ., so hört man’S lispeln. Wir folgen ihm in seine Stube. Dort steht er am Fenster und liest gerade ein Telegramm. Da ist unser Hort, unser Schild I Welch eine Fülle höchster und heiligster Gefühle wallt in uns auf! Also von dieser engen Klause aus zieht der große Gedanke, der die herrlichen Siege erfocht, der uns rettete, der uns zum Bewußtsein unserer Kraft gelangen ließ, hinaus in die blutige Front; von hier aus werden Millionen gelenkt, von hier aus fliegt der Befehl an die gewaltigen Heeresmassen, an die Kämpfer im Tal und an die Helden auf den Felsenkanten I Wie groß und stark bist du, mein Vaterland, daß du von der schmalen Stube aus die mächtigen Feinde fesseln kannst I Welch wunderbares Gefüge muß hier seinen Mittelpunkt haben, wieviel Geist wird aufgewendet worden sein, um die tausend und tausend Fäden nach diesem Zimmer zu leiten und in dem Gehirne des Einen, des Großen, der dort in der Nische steht, zu vereinen I — Er wendet sich um. „Ach, guten Tag, meine Herren! Verzeihen Sie, daß ich Sie warten ließ! Leider kann ich Ihnen keinen Platz anbieten, denn, wie Sie sehen, sind alle Stühle mit Schriften belegt." — Diese Freundlichkeit, diese Milde im Ton! So mußte Eugenius, der edle Ritter, gewesen sein, so hörten wir's schon einmal aus dem Munde eines Edeln, aus dem unseres Kaisers. Wie die trauten Worte in die Seele wärmen! — Indes der hohe General auf unsere Rede erwidert, sehen wir in sein blitzendes Auge, lassen wir den Blick über sein Antlitz streichen, auf daß wir das Bild fürs Leben mitnehmen. Ja, auf dieser Stirne steht geschrieben, was hinter ihrem Panzer als Gedanke reift; in diesem Auge liegt eine Welt voll Herzlichkeit und ein Blick für Weiten; die scharfen Furchen um Mund und Kinn deuten auf Entschlossenheit und sind Spuren ernster Sorge. Für wen waltet sie? Für das teuere Vaterland, für uns alle. — Nach etwa zehn Minuten fühlen wir eine kleine weiche Hand; sie bietet uns den Abschiedsgruß. Wir werden bis zur Tür geleitet. Dort ruht die Hand, die mit einem Federstrich Armeen lenkt, nochmals in unserer Rechten. Dann sind wir wieder draußen in dem Gange, durch den sich ein geschäftiges Leben wälzt.----------- Unser Begleiter zeigt auf einen Ankömmling: „Das ist ein Kurier! Der bringt wichtige Nachrichten von einem größeren Kommando. Was sich so jeden Tag ereignet, berichtet der Draht, das wird telegraphiert; aber besondere Vorkehrungen werden durch einen eigenen Boten mitgeteilt. Nun muß er hinauf zum Feldherrn und dort Befehle abwarten. Dann braust er mit dem nächsten Schnellzuge hinaus an die Grenze." — Wir folgen ihm im Geiste. Müde von der Reise, mit verschlafenen Augen kommt er an. Der Kommandant wühlt hastig in den Schriften, die er gebracht, und gibt Anordnungen. Diese fliegen rasch über die Heeresmassen hin, hinein in die Talfurchen und hinauf bis zu den Höhen, wo ein Häuflein treue Wacht hält. So wandert das Wort des Mannes drinnen in der engen Klause hinaus bis in die äußersten Enden des Reiches. Nächsten Tages lausen schon die Berichte über den ausgesührten Befehl von den Höhenstelluttgen herab zuin Kommando, sie künden von neuen Plänen des Feindes, von dem Stande der Mannschaft, von der Verpflegung, von der Betreuung der Verwundeten und der Kranken, von dem Vorräte an Geschossen, von dem Feuer des Gegners usw. Der Kom-Mandant sichtet und berichtet entweder durch den Draht oder durch den Boten, der nunmehr seine Rückreise zur Obersten Heeresleitung antritt. — Nun, lieber Freund, kannst du dir das Netz von Verbindungen, die alle aus dem einen Punkte kommen und sich hier wieder treffen, vor Augen stellen? Kannst du ermessen, wieviel Menschen da nach dem Sinn des Einen tätig sein müssen, auf daß kein Irrtum eintrete, keine Lücke entstehe, in die der Feind sofort einbrechen würde? Ja, da steht so mancher der hohen Generale Stunde um Stunde vor einer großen Landkarte und studiert und probiert und manövriert. Gelingt ihm dann eine glückliche Gruppierung, so eilt er zum obersten Lenker und entwickelt seinen Plan. Dieser erwägt und prüft alles und trägt es dann zum Marschall, dem Armee-Oberkommandanten Erzherzog Friedrich, der in des Kaisers Namen den Feldherrnstab führt.-------- Wäre alles, was ich dir da aus eigenem Augenschein vorgeführt, nicht so fein ausgedacht und nicht so sorgsam geordnet, wäre nicht jeder der Mitarbeiter als Vollkraft auf dem Platze, wäre der, dem das Geschick des Reiches anvertraut ist, nicht förmlich ein Gottgesandter und über allem nicht immer das Vaterauge des Herrschers, des Obersten Kriegsherrn, unseres Kaisers, es stünde wohl schlimm um die große Wirtschaft, die dermalen als Krieg geführt wird. Blick dankbar und voll Vertrauen empor zu den Großen des Reiches, so sic zurzeit das Wohl unseres Vaterlandes in Händen haben; so lange sie walten, magst du ruhig schlafen und deiner Arbeit in Sicherheit nachgehen I H>«rz. 3547 Rein und deutsch! H. Zach, Lehrer in St. Margareten a. R., O.-Steiermark. Bitterernste Zeit — und gleichgültige Menschen! Klingt’s nicht wie eine Mär? Und doch — unberührt von der großen Gegenwart, die aus den ehernen Mündern der Kanonen gewaltige Geschehnisse verkündet, leben sie den Alltag! Menschen, die den Gesetzen der Zeit nicht Rechnung tragen! Wie ein gewaltiger Sturm die Fluten des Meeres vom Grunde aus auf wühlt, aufpeitscht, wie er alles vernichtet, was schwach und widerstandslos ist, so müßte dieser Völkersturm durch die Herzen und Gemüter des deutschen Volkes brausen und vernichten, was schlecht und haltlos ist. Er müßte reinigen, erfrischen! All die Dinge und Eigenheiten der von fremden Völkern übernommenen Scheinkultur mögen jenen frommen, unserem Volke bringen sie das Verderben, das Ersterben deutscher Art und Sitte, das Erschlaffen deutscher Kraft! Sie sind tropfenweise verabreichtes, langsam zersetzend wirkendes Gift! — Wo waren vor dem Weltbrande Männer, die deutsches Gut und Wesen höher hielten, wo gab es feste, freie, nie wankende deutsche Gesinnung? In Phrasen ja! Ist der Krieg nicht ein mahnender Ruf zur Umkehr? Fast erscheint es wundersam, daß nicht jeder Deutsche den Frühlingshauch köstlicher Verjüngung und innerer Reinigung verspürt, der von den Schlachtfeldern, auf denen deutsches Blut für deutsches Gut und Wesen fließt, in unsere stille Heimat weht; daß nicht jeder den Drang in sich fühlt, hinauszujubeln: „Deutsches Volk, wie stark du bist! Bewahr dir die Kraft und Größe, sei stark auch im Frieden!“ An deutschem Wesen wird die Welt genesen! Welche Größe, welche Wahrheit liegt in diesen schlichten Worten. Dann aber muß unsere Art und Sitte rein überliefert werden, als deutsche Kultur! Drum sollen und müssen wir den ehernen Mahnrufen Folge leisten, Einkehr halten, unsere höchsten Güter bewahren oder sie uns wieder erringen! Erweisen wir uns der großen Zeit würdig, schwören wir den Opfern für unsere Ehre, stets rein und deutsch zu fühlen, zu denken und zu handeln! Was wir auch tun — und scheine es auch fast belanglos — muß alt-deutscher Gesittung entsprechen, muß aufrecht, echt und wahr sein! Handeln wir so, dann bezeigen wir jenen den schönsten Dank, die für diese heiligen Güter ihres Volkes fielen. Dann aber auch — Gott gebe es! — dann, Ihr Braven, die Ihr ferne in fremder Erde ruht, war Euer Opfer nicht umsonst! — Zeit-Sprüche. 1. Man liebe den Frieden ehrlich und heiß; Doch darf man ihn lieben um jeden Preis? Ein jeder soll um das Seine rechten Und heilige Güter beschützen, verfechten. 2. Sind heilige Güter nicht heimischer Herd Und Vaterland und Ehre? Der Mensch, er hätte nicht Halt noch Wert, Wenn diese Dreiheit nicht wärel 3. Wo nicht mit Güte läßt Frieden sich machen, Da muß cs blitzen, da muß es auch krachen. 4. Selbst reinste Unschuld wird nicht steter Friede laben; Denn Schlangen gibt's, die Gift auch für den Frömmsten haben. 5. Ein stehendes Heer zu jeder Frist Weit besser als ein — laufendes ist. Hrnst Areimut. Die braven Oberösterreicher an der Tiroier Front. Wir sausen mit dem Auto am Fuß der Lehne dahin, in guter Deckung. Da flutet Heller Sonnenglanz über die gefrorene Straße; ein Seitental mündet in die breite Gasse aus. Der Chauffeur beschleunigt das Tempo. Ich drücke den Hut tiefer ins Gesicht und wende mich fragend an den Begleiter: „Was hat das plötzliche Rasen zu bedeuten?" — „ „Wir sind in eine Schußlinie geraten und müssen nun trachten, hindurchzuschlüpfen, ehe der Beobachter dort droben uns bemerkt und seine Rohre einstellt."" — Hin, hm, also im KampfgebietI — Das Auto hält. „Holla, was gibt'sl" — „„Hier wurden vor einigen Tagen die oberösterreichischen Schützen beschossen!"" — Die ArmenI Man hatte ihren Unterschlupf aufgedeckt und rasch war der Feind bereit, das Haus mit Bomben zu belegen. Gottlob, der Schade war gering. Nun waren die wackeren Schützen die Herren der Stadt. Wie dumpf die Schritte hallten, da wir durch die gepflasterten Straßen dem Standorte des Kommandos zueilten I Eine Totenstadt. Die Häuser verlassen, die Gassen leer, von Gras überwuchert, die Uhren stumm, alles wie im Märchenschlaf. Nur in einem Hause ging es geschäftig, aber dabei still, in gedämpftem Tone, her — imfKommando der oberösterreichischen Schützen. Ein frischer Junge geleitete uns die steinerne Treppe hinan, ein Siebzehnjähriger aus den Bergen der Traun. Seine Strammheit gefiel uns. Die Kommandanten waren es, mit denen uns der nächste Augenblick zusammenbrachte. Zu oberst saß an der Mittagstafel, die eben begonnen hatte, Oberstleutnant V. W., der Organisator des K. k. freiwilligen oberösterreichischen Schützen» regimentes, neben ihm Major E. G., der eifrige Anwerber, dem es gelungen war, durch Wort und Schrift das Regiment zu füllen. Die Armeeverwaltung hatte den k. u. k. Hauptmann I. Z. zugeteilt. An die Gruppe reihten sich die Offiziere des Regimentes, darunter zwei Rechtsanwälte, ein Professor, ein Wirtschastsbesitzer, ein Lehrer, ein Kaufmann, ein Ingenieur, ein Turnlehrer, ein Grundbuchsführer usw. Die Seelsorge hatten ein Geistlicher Rat und ein Kurat übernommen. Die Mannschaft wies zum großen Teil frischsprossende Jugend, aber auch viele Männer, hoch an die fünfzig, auf. Was dazwischen liegt, diente ja ohnedies im Rock 3549 des Kaisers. Ein Stück echten Heldentums, aus einem Lande, dem keine unmittelbare Gefahr dräut! Kein Wunder, daß die Fahrt der Wackern damals in den Julitagen, als sie nach der Abrichtung ins Feld rückten, einem Triumphzuge glich. Tirol, das Land, in das der Feind einzubrechen versuchte, begrüßte die treuen Kampfgenossen mit hellem Jubel, der Kommandant, Exzellenz G. d. K. Dankl, widmete ihnen Worte des höchsten Lobes, das Volk jauchzte auf, wußte es doch, daß der Streit um das teuere Heimatland ganz Österreich-Ungarn mit Macht ergriffen. — Und es gab gleich Arbeit, gleich Gelegenheit, die Begeisterung der Herbeigeeilten zu erproben. Das Ehrenbuch nennt die Namen Lafraun, Vielgereuth, Lima bi Vezzena-Bassou und viele gefährliche Stellungskämpfe und Patrouillen. Im Trommelfeuer, in Regen und Schnee, in Not und Tod hielten die braven Oberösterreicher stand; auf dem heißesten Boden, über dem der Feind in das Tal eindringen wollte, um die Hauptstadt des Trentino zu nehmen, standen die mutigen Schützen als felsenfeste Mauer. Es wurde mir von Taten erzählt, die kein Heldenbuch der Vorzeit nennt, Taten voll eiserner Treue. Diese Braven standen nun vor mir. Man hatte sie nach harten Kämpfen ins Tal gezogen, wo sie die gegen den anstürmenden Gegner in Angriff genommenen Schutzbauten vervollständigen und als erprobte Kämpen die Wacht an den Rinnsalen der Alpen gewisser übernehmen sollten. Hier sah ich sie in voller Arbeit. An dem Flusse bauten sie Dämme mit schmalen Luken, durch die die schwarzen Rohre stierten; in die breite Fläche führten sie tiefe Gänge, bald im Licht des Tages, bald unter der Erde; Drähte sperrten weithin den Weg und Zemenlkvffer, bewehrt mit Geschützen, saßen wie Polster auf der Grasfläche. Überall regte das Jungvolk eifrig die Hände, regierte der Alte, den's auch nicht zu Hause litt, die Arbeit. Wenn ich mit dem Kommandanten in eine der Stellungen kam, stand der bewegliche Knäuel, zu einer schnurgeraden Linie formiert, mit einem Ruck vor uns. Wie rasch doch stramme Zucht in die Beine kommt, wenn der rechte Ton sie weckt und Überzeugung den Willen lenkt! Droben im Hang, den die Geschütze des Feindes bestreichen können, reiht sich Festung an Festung. Klvpfl man an das eicherne Tor, so quillt ein Strom Jungblut hervor, entsprungen im Oberösterreicherlande. Eni rotwangiger Feldwebel tritt vor; in seinem Gesicht ringt noch der Flaum mit dem Barte. Der wackere Septimaner hat welsche Patrouillen in die Flucht geschlagen und wichtige Stellungen erkundet. Die große Silberne erinnert an die Tat. Nun scheidet der tapfere Junge; er will maturieren. Da wird's dem Kommandanten und den Genossen so weh im Herzen. — Ein anderer, ein Achtzehnjähriger, tritt vor; er hat mit fünf Mann ihrer 17 von den Welschen aus einem Versteck geschlagen. — Und wieder einer: Der ist mit zwei Mann Begleitung durch den Wald und durch den Draht geschlichen und hat die Befestigungsarbeiten des Feindes vernichtet. — Der Kommandant, mein Führer, schmunzelt und meint: „Anders Hab' ich's doch nicht erwartet!" — Wir schreiten im gefährlichen Gelände, auf das die Rohre des Feindes gerichtet sind, weiter. Links grüßt eine Kapelle, rechts ein verfallenes Haus; ein Brand hat es verödet. Da sind wir am Ende der Möglichkeiten, am Felsvorsprung, von dem aus man mit freiem Auge die Arbeiten des Feindes verfolgen kann. Ein lautes Wort, eine sichtbare Bewegung — und der Donner rollt nach dem Kap. Wir schleichen lispelnd durch die Lauben, ein Leutnant, ein Hochadeliger in hoher Stellung, von dem die Mannschaft erzählt, seine Kühnheit sei unvergleichlich, er krieche in der Nacht bis knapp an den Feind heran, erklärt die Stellung. Ich knipse seine Heldenschar, die sich um den Weihnachtsbauin versammelt hat, und kehre zurück. Da auf einmal Schuß auf Schuß I Die Erde erbebt, die Geschosse jauchzen durch die Abendstille, hinterrücks weint die Granate des Mörsers, den wir in der Felsenecke beschaut, das Tal widerhallt in furchtbarem Krachen — eine Artillerieschlacht. Mitten drin stehen unsere braven Oberösterreicher und harren des Angriffs ... — Kriegsberichterstatter 5>r. H*ecrz, Feldpost 93. Die Tiroler Wacht in Schnee und Lis. Der Wind strich kalt durchs Hochtal hernieder. Und doch brausten wir mit unserem Kraftwagen hinan; wir wollten die Nachkommen Andreas Hofers in ihren Höhenstellungen sehen. Mit erstarrten Gliedern kamen wir im Subrayon an, zu dem der Schützenstand auf dem gefährlichsten Grat gehört. Der Laberst, ein Recke aus alter Zeit, faß „beim wärmenden Ofen" und ließ feine Glieder, in die bei der Inspizierung in den Bergen der Frost geraten war, auftauen. Dabei schmauchte er sein Pfeifchen und bliest den bläulichen Schwaden über die vorgehaltene „Neue Freie Presse". Hei, die kriegen nun einmal tüchtige Hiebe, die frechen Serben, die mir im Vorjahre manchen Schabernack gespielt I" Ein wonniges Schmunzeln, dem eine beängstigende Rauchwolke folgte. Indes sich der ziemlich weitläufige corpus des Talgewaltigen mählich reckte, brachte uns ein warmer Tee wieder zum Leben zurück. Tee, Tee! Himmlisches Getränk in Schützengräben und auf eistgen^Höhens! Uns-floß vver'braune Saft wie ein Elixier durch^die-kalten Knochen. Beim Abendmahl wurde manch kräftiger Spruch getan und durch einen ebenso kräftigen Schluck beglichen. Man eiferte über soziale Reformen, über die Politik der Zukunft, über die Strategie im Innern. Wenn die Wellen gar hoch gingen, griff der Oberst glättend ein und ließ den Wogendrang abgleiten. Ein trefflicher Lenker im blutigen Streit und in dem der hitzigen Wortfehde! Was noch zur Ebnung nötig war, deckte die Nacht; wir krochen in unsere Behausung. — Der Morgen zog düster herauf, wie eine bleierne Wolke lag er auf dem Blachfeld. Es verdroß uns nicht; wir ließen unseren Kraftwagen den Bergweg hinauf keuchen. Mein Begleiter entwand sich der Pelzumhüllung und sagte: „Sehen Sie, auf dieser Fährte rollte im Frieden die Welt der Barone und Glücksritter." Das hob mich in meiner bleiernen Stimmung, durfte doch keiner der Herren jetzt in die Nunse des Hochtales, indes ich ihr entgegenfuhr. — Wir kamen an eine Gabelung. „Hier geht es nach dem Alpenhotel. . ., dort nach . . ." Bekannte Namen; sie klangen so seltsam, da der Krieg auf die Siedelungen herniedersah. — 3551 Je höher wir krochen, desto höher türmten sich die Schneemauern zu beiden Seiten. Plötzlich hörte die Straßenrinne auf. Wir jmußtenjsaus dem bequemen Wagen und einen grobgezimmerten Bergschlitten besteigen. Man hatte ihm eine Schutzfärbung gegeben. „Auf 21h Stunden müssen Sie sich, meine Herren, gefaßt machen!" So sprach der Kommandant des Forts, das wir passierten, und schwang sich znm Kutscher hinauf. Der Weg schreckte uns nicht. Und die 2 7a Stunden, die sich zu 3 Stunden dehnten, vergingen rasch, gab es doch so mancherlei zu erzählen, so mancherlei zu betrachten. Immer tiefer sank das Tal, durch das uns der Kraftwagen im scharfen Pfiff gebracht, immer reicher wurde der Ausblick, immer grausiger unser Gelände. „Sehen Sie, dort liegt S.I Die Leute haben es auf den Fels gesetzt, weil seinerzeit eine Silberader durchlief. Nun ist sie erschöpft und S. sollte ins Tal abgleiten." — Mitten im Schnee eine einsame Hütte. „Wovon, um Gotteswillen, leben hier die Bewohner?" — „„Bei denen ist eben immer Krieg, u. zw. der gegen die Not!"" — Wie so die Fichten dastanden mit ihren langen, langen weißen Bärten, zog Weihuachts-stimmnng uns durch den Sinn, die Weise des süßen Friedens. Und doch tobte der Krieg, der furchtbare, droben in^den Bergen.^ Ein^Donnerns! „Was war das?" — „Ach nichts! Bloß eine Lawine. Gestern wurde unter der gewaltigen Schneewalze ein Oberleutnant begraben. Seine Leute zogen ihn heraus und heute — macht er Dienst." Solche Vorbilder braucht das Volk, das zur Büchse greift und an die Grenzen eilt. Mancher würde, wenn die ungeheure Schneelast ihn betäubte, allsvgleich zntal fahren, zum Mütterchen reisen, sich Wochen hindurch pflegen und seine Treuen dem Geschicke überlassen. Von dieser Art war eben der Brave, dem wir bald hernach die Hand reichen konnten, nicht. Zwar lag noch die Wucht des Geschehnisses in seinen Zügen und der Frost krabbelte ihm durch die Glieder; aber er stand auf seinem Posten wie zuvor. Die guten Standschützen berichteten voll Wonne von der glücklichen Rettung und sahen zu ihrem Kommandanten auf wie zu einem Gottgesandten. Ja, das Vertrauen zu den Führern, das ist der Zauber, der solche Wunder schafft, wie sie der Weltkrieg bei unserer Alpen-Armee gezeigt hat. — 2300 m über dem Meere, mitten im Winter I Drüben lag ein Eismassiv im blendenden Schein der Mittagssonne, über uns wob ein dünner Schleier um das Haupt einer Majestät. In heiliger Ehrfurcht stand ich vor der nicerschauten Größe. Und wieder borniert es im Hang. Aus dem Mantel des Königs der uns umgebenden Alpenfiirsten stürzt eine Lawine in die unendliche Tiefe. Ein gigantisches Schauspiel. — Wir wenden uns von der Welt der Titanen ab und lenken in die warme Stube ein. Die Bilder, die Aufzeichnungen an der Wand: sie verraten manche Heldentat auf der Wacht zwischen Eis und Schnee und manch hohen Besuch. Ein scharfer „Bitter" bringt das fast erstorbene Lebenslicht ins Flackern. Da wir wieder schreiten können, schlüpfen wir durch die Schützengräben hindurch bis hinan an die Verhaue. Katakomben unter dem Gletschereis I Wanderer, wenn du im Frieden diesen Boden betrittst, so zieh' in Ehrfurcht und Dankbarkeit den Hut, denn hier haben menschliche Kraft und Treue das Höchste vollbracht I Die Felsengänge und ausgehämmerten Runsen im Hochgebirge, das sind Denkmäler für ewige Zeiten. — Wir folgten dem Drahtverhau. Er zog sich bis hinan zum Kamm des Gebirges. — „Dort liegen wir dem Feinde gegenüber. Erst vor einigen Tagen haben wir ihn in die Hänge geworfen. Hei, das war ein Jagen I" Der Kommandant berichtetes, als wäre nichts Sonderliches vor sich gegangen. — „Was soll die dicke eiserne Schnur?" — „„Auf ihr laufen die Eßwaren zur Gratstellung. Es war unmöglich, sich durch die Schneemassen zu graben; so spannten wir unter dem Sausen feindlicher Geschosse den Draht. Nun sind unsere Brüder auf der Höh' versorgt."" — Die „Brüder" waren herabgekvmmen; ich wollte mit ihnen sprechen, um aus ihrem Munde von den Vorgängen in der Kampfzone zu hören. Prächtige Gestalten, ein Heldenvolk, das wir uns in unsere Zeit gar nicht mehr träumen konnten, „'s ist wohl kalt auf dem Berge droben, nicht wahr?" — „„Selben woll! Aber 's muaß halt ausg'holt'n werden!"" — Wieviel schlichtes Herventnm liegt in der Antwort 1 — Ein Siebziger, der gefragt wurde, wie es den Berg heraus ging, meinte: „Nu, woll schwar; aber Drob’n bin jiazt und obi brauch i jo nit mehr z' kämma." — Andreas Hofer, du darfst stolz fei i auf deine Tiroler I — Ar. !?ecrj, Kriegsberichterstatter, Feldpost 93. Die jelju Gebote der Kritik. Es glimmt bereits an allen Enden und Ideen, die mir vormals sorglich hüteten, weil Unverstand und Starrheit sie beim ersten Glühen erstickt hätten, flammen auf als Leuchtfackeln in eine neue Zeit. Zwar fehlt es auch jetzt, da der Weltbränd wütet und seinen Schein in die kommenden Tage wirft, nicht an Finsterlingen, die als lichtscheue Masse die Fäuste ballen und jeden, der es wagt, ein Stück zur Lohe zu tragen, erwürgen möchten; allem cs ist zu spät: der Tag, der helle Tag, bricht an und kein Drohen und kein Poltern und keine Maßregel kann ihn mehr bannen. Doch die Starren, sie verzagen nicht; was ihnen nicht durch eigene Kraft gelingt, das suchen sie durch Zwietracht zu erreichen. Sie streuen giftigen Samen in die Schar der Getreue», der dem Fortschritt yulDigcnbcn, der dem Lichte Zustrebenden. Gegen dieses Mittel, das gefährlicher ist als offene Feindschalt, müssen wir gefeit sein, u. zw. dadurch, daß wir uns nicht so ohneweiters entzweie» lassen. Wer am Kampfe für die große Zukunft des Vaterlandes teilnimmt, muß vor allem viel ertragen können. Was ist indes das Opfer verkannter Bestrebungen, der ungerechten Besudelung, des absichtlichen Mißdeutens der besten Absichten, der Verunglimpfung gegen die in den Schützengräben und auf den Felsenzinncn! Wer da gleich in Wut und Kränkung zusannnenbrechen wollte, wenn die, die ihm Dankbarkeit schulden, sich auf ihn stürzen, ihn verprügeln, schmähen und mit Unflat überschütten, bleibe daheim in seiner stillen Klause, lasse sich vom Mütterchen pflegen und spreche zu sich: „Möge es nun so oder so kommen, mich beißt es nicht; ich sitze im Trockenen und lasse die ändern raufen!" — Zu diesem „Helden-tume" neige ich nicht. Auch nicht zu jenem, das ohne Schwertstreich die Dinge bessern will. Was nützte es, wenn ich zu allem, was all Schlagwort seit Jahrzehnten Prägung hat, unter Berechnung, es mir mit niemandem zu verderben, Ja und Amen sagte, in meinem Inneren aber überzeugt wäre, daß ich damit den Fortschritt aufhalte! Aber was nützte es anderseits auch wieder, so ich mich heiser schriee und doch nicht gehört oder durch einen Damm von der Menge abgeschnürt werden würdet Also muß ich darauf bedacht sein, fürs erste meinen Rücken für Schläge bereitzuhalten, fürs zweite eine klare Rede zu führen, zum dritten den Weg für eine ruhige Aussprache auszuhebcn. — In letzterer Beziehung will ich diesmal vorbereitende Arbeit verrichten, indem ich mich bemühe, die Kritik, d. H. das Für und Wider von trennenden Ideen behufs Neugestaltung unseres Schulwesens, in eine Form zu bringen, die eine leidenschaftslose Erörterung und damit ein greifbares Ergebnis verbürgt. Natürlich kann ich mich hiebei bloß an die Einsichtsvollen wenden, denen es ausschließlich um die Sache und nicht etwa um Partei- ober Eigeninteressen zu tun ist. Ich wähle die gangbare Gliederung nach Geboten, weil sie vor Breite bewahrt und eine deutliche Übersicht schafft. Es wäre im Interesse eines einheitlichen Zusammenarbeitens wünschenswert, wenn die Leitgedanken durch alle Fachblätter liefen, auf daß wir zu einer geregelten Kritik gelangen und uns nicht am Ende in dem Zeitpunkte, da große Entscheidungen gefällt werden und man uns um fertige Vorschläge fragt, nach alter Lehrcrart frischfröhlich in den Haaren liegen und der Welt das Bild kleinlichen persönlichen Zwistes und der Zerfahrenheit bieten. Ich ordne meine Darlegungen in dreifachem Drucke an; vielleicht ist dadurch die Auswahl erleichtert und wenigstens dem Fettdruck eine Ecke in den Schulzeitschriften gesichert. Will man trotz allem den müßigen, kleinlichen Zank — meinetwegen; ich halte nicht mit. Hand in Hand mit meinen Getreuen marschiere ich im festen Schritt der eisernen Zeit auf das Ziel los, das mir als Zukunst der Schule und des Vaterlandes erscheint. — * * * Für alle Einsichtigen, Selbstlosen, Wahrhaft-Fortschrittliche» schlage ich als „Völkerrecht in der Zeitungssehde" nachstehende Gebote vor: 1.) Ale Kritik sei ehrlich! D. H. Die Kritik sei Kritik, nicht Verleumdung, nicht Ehrabschneidung! — Gegenstand der Kritik ist entweder eine Sache oder eine Person, also Dinge ganz verschiedener Art. Hier kann es darum nicht ein Verquicken, sondern nur ein „Entweder-oder" geben. Ich werte ein Gedicht, ein Gemälde, einen Bau, eine Erfindung, ohne an die Person des Schöpfers zu denken; anderseits kennzeichne icb das Wesen eines Menschen und beziehe sein Handeln insoweit ein, als cs mir zur Veranschaulichung der Eigenschaften nötig erscheint. Es wird mir aber deswegen niemals beisallcn, eine Sache schlecht zu nennen, weil ihr Vertreter schlecht ist, oder sie kurzweg als gut und wertvoll zu bezeichnen, sofern dem Autor der Ruf eines braven Menschen vorausgebt. Sie wird „möglidinweise" den Nus recht- fertige»; doch unbesehen lasse ich sie deswegen auf keine» Fall. Wer es tut, handeti leichtfertig. Also strenge Scheidung vor allem bann, wenn cs die Sache gilt! — Wie wird es nun in der Regel gemacht? Man vermag einem Gedanken ans dem Wege der Logik nicht beizukommen. Ei, da saßt man die Person; man hängt ihr rasch einen Makel an. So, nun muß auch das. was der Verleumdete geschaffen hat, fallen. Wer diese Kritik ernstnimmt, begibt sich des Rechtes der freien, überlegenden Meinung; er läßt sich gängeln wie ein Kind, dem der Tisch, der Stuhl, a» den es stieß, als Bösewicht hingestellt wirb. — Wer diese Methode mit Absicht verwendet, ist ein Schelm; wer sie unwillkürlich befolgt, weil sie nun einmal gang und gäbe ist, ist zu bedauern. Man kann ihn nicht zu den Gebildeten rechnen, auch nicht den Leser, der blindlings alles nachbetet, was ihm durch die Sophislik vorgeredet wird. — 2.) Die Kritik sei offen! D.h. Der Kritiker stoße nicht unter einem Decknamen aus dem Hinterhalte, sondern trete mit offenem Visier in die Schranken! — Es ist nichts so erbärmlich, so undeuisch, >vie das Lauer» hinter dem Strauch. Wer ein Mann ist, fürchtet auch dann nicht den offenen Streit, wenn er einem Vorgesetzten gegenübersteht; er braucht ihn auch nicht zu fürchte», wenn er nobel ficht und seine Sache würdig vertritt. Es gibt zweifellos Fälle, in denen auch die vornehmste Kritik Schaden brachte; allein sie sind so vereinzelt, daß ich sie nicht zur Regel machen kann. Wenn der Mut mit einem Opfer bezahlt werden mußte, so war es meistens nicht der Mut an sich, sondern vielmehr der Ton, in dem er sich kundgab. Muß denn immer gleich das schrillste Register gezogen werden! Man lese nur einmal die Fachblätter aus dem Reichel Welch edle Sprache dort die Fehde führt! Da kann sie dann auch offen sein. — Geradezu eine Feigheit ist es, wenn man sich jemandem gegenübersieht, der sich in keiner Weise rächen könnte, und trotzdem die Maske vorgibt. Das sollten unsere Lehrerblätter einfür-allemal beschließen: Wer sich mit seinem Urteile nicht vor die Öffentlichkeit wagt, kommt nicht zum Wort. — 3.) Pie Kritik sei treu! D. H. Man übe nicht Kritik an der Sache, um die Person zu treffen oder einer ändern einen Liebesdienst zu erweisen! — Eine Umkehrung von Punkt 1. Die Sache ist heilig. Das muß festgehalten werden. Vor allem unsere Sache: die Volksbildung! Wer sie zu persönlichen Zwecken mißbraucht, versündigt sich an dem kostbarsten Gute der Menschheit. Treue gegen das, was du vertrittst, Freund, das ist etwas, was uns in den Augen der Welt hebt, uns aber auch in den Abgrund stürzen kan», wenn mir es schänden. Wofür ereiferst du dich, wenn du Kritik übst? Doch für die Sache! Du willst sie ja bessern; darum trittst du mit deinem Urteile dem eines ändern entgegen. Wenn es nun klar wird, daß du nur aus dem Grunde eine Gegenstellung einnimmst, weil du dem Vertreter der Sache persönlich schaden willst oder weil du glaubst, dein Liebesdienst werde Belohnung finden, so hast du von dem Heiligste», was wir besitzen, Verrat geübt und die Treue gegen das hohe Amt, dem du dienen sollst, von dir geworfen. — 4.) Pie Kritik stelle sich auf das tzhcma ein! D.h. sie erfasse den Begriffsinhalt dessen, was sie beleuchten will, voll! — Ach, ich mar so oft Zeuge von Beschlußfassungen, bei denen nicht ein Zehntteil der Anwesenden genau wußte, um was es sich handelte, geschweige denn bas, was der Abstimmung unterzogen wurde, auch nur annähernd aus eigenem Augenschein kennen gelernt hatte. Wie wird es in der Regel gemacht? Ein Berichter tritt ans; der wettert gegen dies oder jenes; er findet alles schlecht oder auch alles gut; der Zuhörer lauscht und harrt des Endsatzes. Da ist er. „Wer ist dafür?" Schluß! Zu einer Erörterung ist nicht Zeit, man drängt zum Ausbruche. „Also rasch, rasch! Nun der „Referent" wird es wohl wissen. Also ja, ja, ja!" — Der Beschluß ist fertig. — So mancher Leser wird sich an den Kopf greifen und bei sich murmeln: „Er hat eigentlich recht." — Aber nun stelle ich an ihn die Frage: „Amtsbruder, Lehrer der Jugend, Lehrer des Volkesl Hältst du den Vorgang unseres Standes für würdig? Wäre es nicht besser, wir verzichteten auf eine Erörterung, ehe wir sie in obiger Art betreiben?! Worüber ich urteilen soll, das muß ich vorerst einmal kennen. Es ist richtig, daß man dem Berichter Vertrauen enlgegenbringen soll und man kann es auch tun, wenn es sich um die Darstellung eines Geschehnisses, also in der eigentlichen Bedeutung um einen „Bericht" handelt; betrifft jedoch der Vortrag eine Stellungnahme zu einem fremden Urteile, so vermag der beste Wille nicht strenge Unparteilichkeit zu verbürgen. Wir können nun einmal nicht aus unserer Haut; der eine denkt über einunddieselbe Sache so, der andere anders. Wie oft kommt es nicht vor, daß der Freund zum Freunde spricht: „Alle Achtung vor deiner Ansicht; allein ich kann sie beim besten Willen nicht teilen!" Wer hat jetzt recht? — Wie kann ich aber so reden, wenn ich die Grundlage nicht kenne? Da sage ich „Ja!" aus Gefälligkeit, ohne mir darüber Rechenschaft zu geben, welch ein Unheil ich etwa angerichtet habe. — 5.) 3>te Kritik kneife ntdil aus! D. h. Die Kritik verschweige nicht absichtlich etwas, um das Ganze zu stürzen; sie trete nicht aus dem Rahmen des Thenias! — Der gröbste, aber der häufigste Fehler, der, wenn ihm eine bestimmte Absicht zugrundeliegt, zu den Abscheulichsten gehört, was ein Gebildeter begehen kann. Man reißt aus dem Gefüge einen Satz, entstellt ihn und ruft dann mit Pathos aus: „Seht, nur seht, was der Verruchte da behauptet! Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz!" Hätte der Ankläger nur einen Satz, ja nur ein Wort hinzugenommen, so wäre der Anwurf unmöglich gewesen. Aber nein, dann würde es nicht zum Skandälchen gekommen sein. Und das wollte er doch. Also formte er den Gedanken so, wie er ihn brauchte. — Wer in unseren Reihen so Kritik übt, sollte vor ein Ehrengericht gestellt und im Falle der Schuld aus den Reihen ernstdenkender Volksbildner entfernt werden. Er schädigt die Sache und die Ehre unseres Standes. Mancher, dem es zukommt, Kritik zu üben, rollt von selbst über die Linie hinaus; er hat sich dem Gegenstände nicht ausreichend gewidmet oder wird durch irgendeinen Stimmungseinfluß abgezogen. Ihm rate ich das, was ich meinen Prüfungskandidaten immer empfahl: „Lesen Sie das Thema der Prüfungsaufgabe dreimal mit Bedacht, damit sie es recht erfassen und abgrenzen!" — 6.) Ale Kritik verrate eine likare Gliederung! D. h. Die Kritik gehe dem zu bekämpfenden Urteile mit wohlüberlegter Strategie an den Leib! — Ich sehe den Kritikaster vor mir, der von der Sache, die er vertreten oder bekämpfen soll, nicht bis zum Innersten überzeugt, durchdrungen, ergriffen ist. Er wirft lose Phrasen hi», er beißt am Federstiel und wenn es gar nicht gelingen will, den Autor zu vernichten, schleudert er ein paar Beleidigungen hinein, ersinnt Verdächtigungen, Sätze mit Gedankenstrichen. Damit ivill er seine Schwäche verdecken. Der Leser spricht: „Hm, hm!" und wendet sich ab. — Wie anders mutet uns eine Erwiderung an, die einen klaren, durchsichtigen Plan verrät und ausschließlich der Sache „dient"! Man lese in unserer Wechselrede nach! Mehr denn 600 Meinungen sind seit der Gründung der „Bl." aufeinander geplatzt und selten gab es ein Herausfallen aus dem Thema, nicht ein einzigesmal eine Beleidigung. — 7.) pie Kritik fei vornehin! D. h. Die Kritik achte auch die Meinung des Gegners und bedecke sie nicht mit Unflat! — Man erzählt aus dem gegenwärtigen Kriege vieles, was den Feind im Osten in günstigem Lichte erscheinen läßt; es heißt, er sei im ganzen und großen nobel gewesen. — Und das war ein Feind auf Leben und Tod! Nun sollten wir, die wir berufen sind, als Genossen eines-unddesselben Standes, einesunddesselben Volkes, einesunddesselben Bekenntnisses nicht den Ton finden, der den Vollgebildeten vom Halbgebildeten unterscheidet? Weg mit jeder haltlosen Verdächtigung, weg mit jedem derben Ausdrucke! Man bewertet Menschen und Stände nicht allein nach ihrem Kleide, sondern auch nach der Rede, die sie im Streite führen. — Wenn ich nichts von Herbart übernehme, so doch die Theorie des Unlustgefühls. Man befindet sich mit einer Strebung in einer bestimmten Richtung; da stürzt plötzlich ein Hemmnis herein, die Bahn ist gesperrt — ich fahre aus, ich bin ergrimmt, in heftiger Unlust. Bei dem Ungebildeten, geistig und moralisch Undisziplinierten mährt der Zustand lange; nicht so bei uns. Wir mei-stern unseren Zorn durch die Einsicht und werden alsbald ruhig, besonnen. Diese Selbstzucht muß der Kritiker unter allen Umständen besitzen; sie bewahrt ihm das klare Urteil. Der Polterer ist ein schlechter Kritiker; er verträgt keinen Widerspruch, keinen Tadel. In seinem Unmut schleudert er Beleidigungen um sich und schadet damit sich und der Sache. — 3555 8.) Die Kritik sei wistenschaslNch! D. H. Die Kritik bescheide sich nicht mit gewöhnlicher Argumentation, sondern verrate Geist und Kenntnis! — Unsere derzeitige Lehrerbildung ist zwar von strenger Wissenschaftlichkeit noch weit entfernt; allein ein großer Teil der Lehrerschaft hat durch Selbststudium und durch Fortbildungskurse eine Stufe erreicht, von der aus man die Dinge anders ansieht, als dies in der Bildungszeit geschah. Im Wust von Gegenständen und in der Stoffüberfülle kann auch der beste Hauptlehrer nicht so tief greifen, wie wir es wünschen. — So nun jemand an ein Problem herantritt und es mustern will, muß er es vorerst, wie bereits erwähnt, ffn Grunde studieren, in seinen Fundamenten erfassen und in eine einschlägige Literatur stellen können. Ansonsten lasse er das Kritisieren sein! — Heutzutage haben schon die einfachsten Fragen ihr eigen Schrifttum. Auch die Einklassige mit ihren Varianten! Ich muß für mich lächeln, wenn der Gegner ungerüstet daherkommt und mit Fäusten um sich schlägt in der Meinung, der Kampf heische nicht erst künstliche Waffen. Wenn ich dem, der sein Auskommen mit hausbackener Pädagogik finden will, beispielsweise die Literatur der Ungeteilten Einklassigen aufbürden wollte, er käme nicht von der Stelle. — Also im Urgrund der Dinge die Fragen fassen und die Kritik wissenschaftlich ausbauen! Die Praxis allein ist Handwerk. — 9.) Die Kritik Seweise! D. h. Die Kritik sage entweder bestimmt: „Das ist so und nicht so aus folgenden Gründen" oder sie bescheide sich mit dem „Ich meine..." — Ha, welche Lust, wenn man seinen Gegner mit Tatsachen, die zusammengeschweißt, eine Regel geben, überführen kann! Ich würde den in Glückseligkeit umarmen, der mir klar beweisen könnte, daß die Ungeteilte Einklassige unter allen Umständen besseres leiste als die Geteilte Einklassige, auch von unsicherer Hand geführt, auch in der Not des Krieges, auch bei nicht zu beseitigenden Hindernissen und drückte den erlösenden Mann an die Brust, der mir unabänderlich fest argumentierte, daß die Arbeitslust über Nacht kommt oder die sogenannte Arbeits-Tändelschule sie verbürgt. Sogleich widerriefe ich alles, was ich diesbezüglich als Bedenken hinausgegeben habe. Aber bisher hat sich der Prophet nicht gefunden. Ich hörte nur die Wendung „Ich habe es soundso erfahren" oder ein paar Schmähworte. Das konnte meine Überzeugung nicht ins Wanken bringen. — Indes, ich wäre schließlich bescheiden und gäbe mich zufrieden, wenn jemand käme und sagte: „An sich wäre die Sache gerecht; aber die Bildungsseinde würden sie, geben wir sie auch nur stückweise frei, sofort verallgemeinern." — Auch das wäre ein Beweis. Sofern aber nichts hereinschallt als leeres Gepolter, vermag ich den Kurs nicht zu ändern. Beweise, Beweise, das ist das Geführte des Gebildeten. — 10.) Die Kritik stehe nicht im Dienste der Demagogie! D.h. Die Kritik buhle nicht um jeden Preis, auch um den der eigenen Überzeugung, um Beifall! — Wenn ich weiß, daß in einer Runde just ein bestimmtes Schlagwort Geltung hat und meine Beurteilung ohne Skrupel darauf einstelle, so bin ich zum mindesten ein Schmeichler und Heuchler. Und solch ein Sieg! Kann er den Triumphator wahrhaft erfreuen? Mich hat es immer mit Wonne durchströmt, so einer mit der Einleitung auftrat: „Ich weiß mich zwar mit der Mehrzahl der Mitglieder im Widerspruch; aber dennoch muß ich der Wahrheit die Ehre geben und sagen, daß .. ." Das ist Männlichkeit. Nur die Kreatur gibt die eigene Überzeugung preis und opfert der augenblicklichen Gunst eine heilige Sache. Pfui diesen Verrätern an unserem Gut! Wer Mut hat, stehe auf und rufe: „Schämen Sic sich, das zu behaupten, bloß um der Gunst willen; das kann nicht Ihre Meinung sein!" — * * * Wenn ich es mir herausgenommen habe, im vorstehenden zehn Gebote für eine tatsächlich nutzbrin gende Kritik auszustellen, so habe ich dies nicht dogmatisch getan, sondern aus meinem Empfinden und der-allgemein verbreiteten Meinung heraus. Es kann sohin auch diese Kritik wieder einer Kritik unterzogen werden. Soviel steht fest: Wir haben nicht Zeit, über persönliche und kleinliche Dinge zu zanken, sondern müssen dem Ernste, der gerade an unser Bildungswerk heranrückt, eine gereiste Ausfassung entgegenbringen. Sowie nun für eine parlamentarische Beratung eine Geschäftsordnung nötig ist, so werden auch für unfern Meinungsaustausch Richtlinien erforderlich werden. Wenn es mir gelungen ist, sie wenigstens zum Teil aufgedeckt zu haben, so zweifle ich nicht, daß wir alsbald zur Einstimmigkeit gelangen. Sie muß unser Ziel sein. Es wird doch angesichts der Größe des Augenblicks niemand so einfältig sein, um, von Eitelkeit geblendet, trotz zwingender Gegenbeweise um keinen Preis von seinem einmal gefaßten Urteile abzugehen. Starrheit dieser Art schreibt man ja nur dem ein- und ungebildeten Teile des Schönen Geschlechtes zu. — ?«rj. DU ttkcimimu. Zur 15. Frage: Was ist an der bestehenden Lehrerbildung zu ändern? 48. Urteil. Lehrer Leopold Stadler in Wolfpassing, Post Zeiselmauer. — Als Grund für eine wirklich gediegene pädagogische Bildung ist vor allem eine ausgiebige Vorbildung nötig u. zw. vor allem die Matura an einer Realschule. Nach dieser mindest 2 Jahre Pädagogium. Dann könnte die Befähigungsprüfung entfallen oder in anderer Form als jetzt gehalten werden („Die Kommission komme zum Lehrer!“). Mit dem Reifezeugnisse des Pädagogiums müßte das Recht zum Besuche der Hochschulen verbunden sein; so könnte jeder Lehrer die höchste Stufe erreichen, was jetzt leider unmöglich ist. Dazu müßten natürlich vor allem die Gehalte der Lehrer so sein, wie es eben die verdienen, die dem Staate das Volk — eigentlich den Staat selbst — erziehen und bilden. Einer unserer größten Lehrerfreunde, Peter Rosegger, sagt darüber im Dankschreiben an die Wiener Lehrerschaft (1913): „ .. . Staat und Volk möchten stets gedenken, was der Volksschullehrer für Reich und Menschheit bedeutet.“ Wann aber kommen die Volksvertreter, die einsichtsvoll genug sind, Roseggers Worte zu begreifen und darnach zu handeln?! — Daß neben rein wissenschaftlicher und neben theoretischer — und praktischer — pädagogischer Bildung auch die „Körperliche Erziehung“ in rechter Weise ausgestaltet werden müßte, ist selbstverständlich. — Bevor man aber an eine Umgestaltung geht, mache man zuerst Versuche; das erfordert allerdings Zeit. Aber „Gut Ding will Weile haben“ und gute Erziehung ist das Beste. 19. Frage. Militärisches Turnen oder nicht? 15. Urteil. Lehrer Franz Pöschko, D.-Reichenau. — Ganz gewiß ist das militärische Turnen in der Volksschule für des Reiches Schutz und Gedeihen nur begrüßenswert. Dem wiederholten Einwand, das militärische Turnen raube dem Kinde die Freiheit — der Turnplatz soll ein Tummelplatz für die Kinder sein — tritt die Natur des Knaben selbst entgegen. Schon die Beobachtung der Knaben beim Spiele widerlegt diese Behauptung. Auf der Wiese steht eine Reihe blondgelockter Knaben, mit dem hölzernen Säbel umgürtet. Vor ihnen der Hauptmann und kommandiert und wie stramm, es da zugeht. Nicht einer tritt aus der Reihe. Diese Beobachtungen hat man wiederholt in Bildern festgehalten und damit hat man die Eigenart der Knabenseele gezeichnet. Wer wollte da noch an dem seelischen Verlangen des Knaben nach militärischexakter Ausführung der turnerischen Übungen zweifeln? — Glauben Sie mir, die Kinder lieben alles, worin sich das taktische Empfinden recht urkräftig ausdrückt. Ich bin während meiner Tätigkeit im Lehrberufe zu der Überzeugung gelangt, daß für den Schulgesang nur Lieder passen, in denen ein rascher Takt recht markig zum Ausdrucke kommt. Solche Lieder gefallen den Kindern. Ich übte mit meinen Schülern: Ein scheckiges Pferd und ein blankes Gewehr. Anfangs dachte ich, das wird ihnen sicherlich nicht gefallen. Aber nachdem Krieg ist, muß ich es nehmen, um dem Zeitgeiste zu entsprechen. Und sieh! wie erstaunt war ich. Noch nie hatte ich solche Begeisterung gefunden, wie bei diesem Liede. Und wenn ich ihnen die Wahl lasse, welches Lied sie singen wollen, so erringt sich immer dieses den Vorzug. Einmal sagte ich: „Der Vater und die Brüder sind jetzt im Krieg. Die müssen jetzt fleißig marschieren. Da müssen auch wir das Marschieren lernen.“ Da marschierte einer hinter dem ändern — stramm, sag ich. Auch nach dem Unterrichte müssen sie habt acht stehen. Da sagte unlängst einer zum Herrn Katecheten: „Wir müssen habt acht stehen“ und lächelte dabei ganz vergnügt. Was ihm abging? Das militärische Turnen wird den Kindern viel Freude bringen. Nur muß der Lehrer auch hiebei ein entsprechend strammes Verhalten zeigen. — Das wäre weiterhin sehr nachhaltig für den Unterricht und für die Erziehung; für eine größere gespannte Aufmerksamkeit, für die Gewandtheit im Umgange und den Bewegungen, was gewiß nicht ohne vorteilhafte Rückwirkung auf die geistige Entwicklung bliebe. Denn ein rascher Körper — ein rascher Geist. Und schließlich, wem hatte der berühmte Kellner seine Erfolge zu verdanken? Nicht zum geringsten Teile seiner strammen Ordnung und Führung seiner Jugend. Alles, was er tat, geschah im Takte. Und selbst, wenn er die Kinder auf den Gang hinausführte, mußten sie paarweise marschieren wie die Soldaten. Auch Fröbel, der Schöpfer unserer Kindergärten, hat in seiner Erziehungsanstalt in Keilhau diesen Gedanken verwirklicht und erzählt von einer staunenswerten Begeisterung der Jugend. Schade 3557 nur, daß ihm der Argwohn des Volkes hemmend in den Weg trat, so daß dieses zarte, vielversprechende Pflänzchen wieder verkümmern mußte! Vielleicht wäre ein riesenstarker, mächtiger Baum erstanden, der in den früheren Kriegen und auch im heutigen Ringen reiche Früchte getragen hätte. — Leider werden wir bei diesem Vorhaben großen Schwierigkeiten entgegentreten. Denn zu diesem Zwecke muß bei jeder Schule eine Turnhalle sein. Wer wird aber die gewiß nicht geringen Kosten decken? Die Gemeinde? Da wissen schon die Herren Oberlehrer ein Wörtlein zu reden, wie’s ihnen geht, wenn sie einige Kronen für die Schule brauchen. Nachdem aber hier der Staat selbst das größte Interesse an der Verwirklichung dieses Gedankens haben muß und wird, so dürfen wir in der Beziehung auf tatkräftige Hilfe rechnen. Drum: Auf für diesen hehren patriotischen Gedanken! Er soll uns körperlich und geistig gewandte, kräftige Streiter bringen — des Vaterlandes Schutz, des Friedens Gewähr. — Si vis pacem, para bellum. 27. Frage. Welche gesetzlichen Bestimmungen sind wünschenswert, um an allen Schulen mit abnormalen Verhältnissen schlecht erzogenen Kindern die Wohltat einer körperlichen Züchtigung durch die Schule, aber außerhalb des Unterrichtes, zu verschaffen, ohne daß der Lehrer in Gefahr kommt, die Züchtigung in Fällen zu verordnen, in denen andere Erziehungsmittel wirken würden? 12. Urteil. Der Direktor der öffentlichen Jugendfürsorge in Hamburg, Dr. Johannes Petersen, schreibt in seinem Werke „Jugendfürsorge“ (Berlin 1915): „Was die körperlichen Strafen angeht, so wird man bei schulpflichtigen Knaben ohne Bedenken, wenn auch nur in denkbar beschränktestem Maße, von ihnen Gebrauch machen. Je älter der Zögling wird, desto schwieriger ist die Entscheidung. Auch dem schulentlassenen Zögling, der in seinem Wesen noch kindisch ist, der noch wie ein Kind fühlt und denkt, wird eine körperliche Strafe manchmal wohltun. Bei dem schon erwachsenen männlichen Zögling wird man tunlichst von körperlichen Strafen absehen und sie auf die Fälle beschränken, wo sie ganz unabweislich sind, namentlich in den Fällen, wo offenbar schwere Roheit und sehr ernste Gefährdung der Gesamtdisziplin vorliegen. Man wendet wohl ein, daß durch Körperstrafe kein Zögling gebessert werde und daß die Körperstrafe sowohl den Zögling als auch den, der die Strafe vollzieht, verroht. Zu dem ersten Einwand ist zu bemerken, daß Prügel an sich vielleicht keine Medizin sind, die durch eine geheimnisvolle Wirkung eine Heilung vollzieht, aber wohl erzeugen sie psychische Hemmungsvorstellungen. Durch die Strafe wird dem Zögling nachdrücklich zu Gemüte geführt, daß auf sein Vergehen eine scharfe Rückwirkung erfolgt ist. Die Erinnerung an die Züchtigung soll ihn von der Wiederholung seines Vergehens abhalten. Alle Strafen sollen Unlustgefühle erwecken, die dazu beitragen, die fehlenden oder schwachen Hemmungen im Vorstellungsleben zu erwecken oder zu verstärken. Wenn andere Unlustgefühle das nicht vermocht haben, muß als letztes die Züchtigung versucht werden. Daß die Anwendung dieses Zuchtmittels erst nach Erschöpfung aller anderen verwendbar ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Aber der gewissenhafte Erzieher wird lieber von dem Versuch der Körperstrafe Gebrauch machen, solange noch die Hoffnung einer Wirkung besteht, als die Hände resigniert in den Schoß legen. Besondere Vorsicht muß natürlich bei den psychopathisch veranlagten Jugendlichen angewendet werden. Bei vielen unter ihnen, namentlich den Epileptikern, wird, ebenso wie bei den Geisteskranken, von der Körperstrafe abzusehen sein. Bei manchen ist ihre Anwendung, wie Mönkemöller zugibt, wenn auch nicht unmittelbar nützlich, so doch auch nicht schädlich. Aber da durch die gelegentliche Anwendung der körperlichen Strafe die Herbeiführung, wenn auch nicht eines moralischen, so doch eines legalen Verhaltens begünstigt werden kann, ist davon Gebrauch zu machen, namentlich auch, weil Straflosigkeit unter Umständen die ganze Anstaltszucht in Frage stellt und jede Erziehungsarbeit unmöglich macht. Was den Vorwurf angeht, daß körperliche Strafen verrohen, so ist zu bemerken, daß an dem Zögling, der sie empfängt, in der Regel keine Verrohung zu befürchten ist. Es soll ja gerade vorhandenes rohes Verhalten dadurch gestraft werden. Wenn der Vorwurf aber gegen den Erzieher erhoben wird, der durch den Vollzug der Strafe verrohen soll, so enthält er einen schweren, unbegründeten Vorwurf gegen solche Erzieher, die schweren Herzens und mit innerem Widerstreben davon Gebrauch machen müssen. Jeder, der die Verhältnisse kennt, weiß, daß der Vollzug der Strafen in den Erziehungsanstalten keineswegs den Vollstrecker verroht. Bei weiblichen Zöglingen wird man, solange sie schulpflichtig sind, körperliche Strafen, wenn auch so selten wie möglich, anwenden dürfen und leider auch müssen. Heranwachsende Mädchen sollen nicht körperlich gestraft werden, es sei denn, daß es sich um Abwehr persönlicher körperlicher Angriffe auf das Erziehungspersonal handelt, die nicht mit anderen Mitteln abgewehrt werden können. Solche Fälle werden immer ganz vereinzelt bleiben.“ 3558 38. Frage. Was beantragen Sie hinsichtlich der Erziehung der schulentwachsenen Jugend zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre? 2. Urteil. Friedrich Walser, Oberlehrer in Steinbach a. Ziehberge. — Vieles, was die Kinder in der Schule lernten, wird infolge Vernachlässigung in den Jahren vor der Militärzeit vergessen; dies gilt besonders bei Landkindern, denen selbst die Übung im Rechnen, Lesen und Schreiben fehlt. Werden sie später selbständig, macht sich gleichwie beim Militär dies recht unangenehm fühlbar. Zugleich treten in dieser Zeit die Kinder in die sog. Flegeljahre ein, durch die sie einer besonderen Führung bedürfen. Gar mancher Verbrecher beginnt hier seine Laufbahn. In dreifacher Weise bedarf es hier der sorgenden Hand. 1.) Es muß durch Fortbildungsschulen o. dgl. eine materielle Bildung vermittelt werden. Diese hat wenigstens so zu sein, daß der Wissensstoff der Volksschule erhalten wird und sich in praktischer Anwendung findet. (Bodenständiger Unterricht.) 2.) Das Kind muß in praktischen Aufgaben für das spätere Leben gebildet werden: einfache Buchführung für Landwirtschaft, Kleingewerbe, Prozentrechnung und Steuergebarung, Holzmessung, Grundverbesserung; alles in praktischer Weise. Besuch von Musteranstalten, Fabriken usw. 3.) Erziehliche Einflußnahme: Ausbau der Wahrheitsliebe, Vaterlands- und Heimatliebe, Staatswesen, Hilfsbereitschaft (Nächstenliebe in praktischer Anwendung). Dies ließe sich durch eine Art „Schulstaat“ durchführen: Gemeinsame Arbeit, Ausflüge, Besprechung der staatlichen Einrichtungen; genaue Kenntnis der Heimat, ihrer besonderen Reize, Reich-tümer und Eigentümlichkeiten (Schutz gegen Landflucht). Militärisches Turnen, Geländekenntnis durch Übung auf demselben gelegentlich von Ausflügen. Ev. Schießübungen auf Scheiben (ausgediente Soldaten, Chargen, würden sicherlich gerne niithelfen). Habe ich hier besonders Knaben im Auge gehabt, so ließe sich in ähnlicher, für sie praktischer Weise, dies auch für Mädchen sagen. 40. Frage. Wem gehört die Jugendfürsorge: den Juristen oder uns? 1. Urteil. Friedrich Walser, Oberlehrer in Steinbach a. Ziehberge (O.-ö.). Wer hat wohl am meisten Einblick in die Familienverhältnisse? In einzelnen Fällen wohl der Jurist, der durch Gerichtsverhandlung, Hausdurchforschung u. ä. Mittel in der Hand hat, angezeigte Fälle von Kindesverwahrlosung usw. genauestens zu untersuchen. Aber dieses trifft nur in wenigen Einzelfällen zu. Für gewöhnlich hat der Lehrer viel mehr Einblick in die mißlichen Familienverhältnisse. Sieht er auch die ärgsten Verbrechen nicht so wie der Jurist — sieht er sie auch nicht unmittelbar, so kann er doch tagtäglich an den entstandenen Folgen auf die Übeltat schließen. Alle Arten von Sünden gegen die Jugend zeigen sich ihm — und da er mit den Kindern in beständiger Berührung ist, sieht er die Folgezustände von solchen Verbrechen, sieht er auch die Wirkung des guterziehlichen Einflusses der Schule. Gar mancher arme, blasse Junge, der daheim die Hölle auf Erden hat, erkennt aber auch die liebevolle Hand des Lehrers und erblickt im Lehrer seinen einzigen Freund, dem er sich anvertrauen darf. Das Schulleben wird so gar manchem Kinde der einzige Lichtpunkt in seiner Jugend. Sollte da also der Lehrer nicht in erster Linie berufen sein, der Jugendfürsorge-Organisation der beste Ratgeber zu sein? Er, der alle Fehler der Jugend weiß, der jedes Kind genau beobachtet und kennt, ist wohl der wichtigste Faktor bei dieser Organisation. Ich will aber den Juristen durchaus nicht ausschalten; auch tüchtige (nicht sogenannte moderne) Mütter gehören dazu; hat der Erzieher nicht die gesetzlichen Mittel zur Hand, dem Jungen zu helfen, kann und soll der Jurist helfen. Jedes Mitglied der Organisation sei gleichberechtigt; gilt es Erziehungsfragen, beantworte sie der Lehrer, die Mutter; gilt es Gesetz und Recht, mag der Jurist an die Spitze treten. Randbemerkungen. Zu dem Abschnitte „Des Lehrers Takt und Schliff.“ (Folge 141 der „Bl.“) Die hierüber gemachten Bemerkungen veranlassen mich, auch meine Meinung zu äußern. 1.) Glaube ich, daß an dem Papierformat wirklich nicht soviel liegt, abgesehen davon, daß man auf dem Lande „Großquart“ nicht kennt. 2.) Meine ich, solche Leute mit „zuviel“ Höflichkeit sind leicht Kriecher, Liebediener! 3559 3.) Sollte man doch glauben, (lall heutzutage im Zeichen werktätigen, praktischen Unterrichtes die Lehrerbildungsanstalten so beschaffen sein sollten, daß sie nicht nur hydraulisch das Wissen in die Köpfe der jungen Leute hineinpressen, sondern auch praktische Winke für die wichtigsten Lebenslagen zu erteilen Gelegenheit finden könnten. Dann wären auch beklexte, verkritzelte und mit zu niedrig bemessenen Anredewürtern versehene Bittbriefe (NB. auf Rosapapier!) unmöglich. Zur Frage 37. Eine Reform der Lehrbefähigungsprüfung setzt meines Erachtens die Reform der Lehrerbildungsanstalten voraus. In dieser Beziehung möchte ich den begründeten Vorschlag einstellen, die Kandidaten mit dem wirklichen Leben in den verschiedenen Schulkategorien, namentlich aber mit niederorganisierten Landschulen, bekannt zu machen. Die zukünftigen Lehrer sollen nicht nur „dressierte Übungsschulkinder“, sondern auch unentwickelte und unvorbereitete Kinder kennen lernen. Sie sollen sehen und verstehen lernen, wie man mit schwach veranlagten Kindern umgeht. — Verboten soll ihnen aber jede Kritik des Lehrers sein; denn richtige Urteile kann nur der fällen, der selbst durch eigene, langjährige Tätigkeit im selben Wirkungskreise Erfahrungen gesammelt hat, der, wie Lessing sagt, neben das, was ihm mißfällt, etwas Eigenes, Besseres stellt. Dann könnte nach meiner Ansicht in die Lehrbefähigungsprüfung die Frage Uber Fachzeitschriften und deren Vorzüge oder Mängel einbezogen werden, auch die Wahrnehmungen im Gebrauche dieses oder jenes Lehrmittels und welcher Art die Vorbereitung des Kandidaten für den Unterricht ist. Mit besonderer Strenge ist darauf zu sehen, daß der Lehrer seine Geige stimmen und die Schullieder frei spielen kann. Das scheint kleinlich, ist es aber durchaus nicht. Woher soll und wie ein Volksliederschatz geschaffen werden, wenn der Lehrer selbst nicht singen und richtig spielen kann! — Da komme ich auf die Frage 9.) nach Gesangsreformen. Von den Methoden ist keine alleinseligmachend und nur diejenige die richtige, welche der Lehrer am besten handhaben kann und mit welcher er die besten Erfolge erzielt. Wenn aber der Musik- und Gesangslehrer in der Lehrerbildungsanstalt wohl ein ausgezeichneter Musiker, ein Komponist und weiß Gott was ist, den Kandidaten aber nicht die Elemente des Gesangs-Unterrichtes beibringen kann, was nützen dann alle Gesangleitern und Wandernoten usw. usw. —! Und richtig singen und treffen soll der Kandidat lernen! Wenn das der Musiklehrer in der Lehrerbildungsanstalt nicht zuwege bringt, wie soll es dem Elementarlehrer in der Dorfschule gelingen? Zur Reform des Gesangsunterrichtes gehört auch die Festsetzung der vier obligaten Lieder für jedes Schuljahr im ganzen Reiche soweit die deutsche Sprache erklingt — und sie soll im Liede wenigstens in allen Ländern Österreichs ertönen. Darin geben uns die Ungarn ein Beispiel. In Ungarn ist in allen Schulen die ungarische Sprache obligat oder M u ß spräche. Wäre man in Österreich den Bestrebungen Kaiser Josefs gefolgt, so wäre unser Parlament keine Musterkarte nationaler Farben und Sonderinteressen und es könnte — arbeiten und nicht nur Zeit und Geld vergeuden, ohne etwas anderes geleistet zu haben als höchst fragwürdige Zeitungsberichte. Ja, wäre die deutsche Sprache Einheitssprache! — Zur Frage 12. Weshalb die Rangstufenleiter der Lehrer regeln? Hauptsache ist für die äußere Ehre und das gedeihliche Wirken, sein Leben sorgenfrei gestalten und gesunde, sonnige Lehrerwohnungen schaffen! Zur Frage 29. Mit der fortschreitenden praktischen Erfahrung wird jeder Lehrer seine Methode von selbst vereinfachen. Zur Verbesserung der Methode ist nichts so fruchtbringend als fleißiges, aufmerksames Zusehen und -hören in anderen Schulen. Früher sagte man: Fleißiges Hospitieren! Da springen nicht nur die Fehler anderer, sondern vor allem die eigenen in unsere Augen. Natürlich geschieht das nur bei jenen, die „guten Willens“ sind. Diese Lehr- und Lernbesuche sollten obligat sein oder doch freigestellt werden, so daß mindestens zweimal jährlich ein solcher Besuch an fremden Schulen ermöglicht würde. Was nützen uns alle möglichen und unmöglichen Reformvorschläge, -methoden, -bticher, wenn wir nicht sehen können, wie’s gemacht oder — auch nicht gemacht werden soll. Nicht jeder hat den Sinn des toten Buchstaben gleich lebendig erfaßt — das Beispiel aber zündet! Zur Frage 6. Es sollen weder die der Schule entwachsenen Knaben noch die Mädchen vom 14.—17. Jahre unterrichtet werden. Dagegen sollen die Knaben ihre Körperkräfte stärken, entweder in einem Turnvereine (nur muß dann Platz dafür geschaffen werden) oder in der Jugend- oder Feuerwehr vor allem Disziplin lernen! Denn gerade in diesem Alter hapert es gewaltig damit. Die Mädchen wären im Kochen und in der Hauswirtschaft zu unterweisen. Vom 17.—20. Jahre hätte im Winter abwechselnd obligatorisch ein allgemein wiederholender Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen; im 2. Wintersemester Bürgerkunde, wichtigsten Staatsgrundgesetze; im 3. Wintersemester Wiederholung und allgemeine Bildung. Für Mädchen käme im zweiten Jahre noch die Behandlung und Pflege der Kranken und Säuglinge, im dritten Jahre das Verhalten und die Pflege als werdende Mutter. Besonders die letzten zwei Gebiete halte ich für die wichtigsten und grundlegendsten zur Wehrhaft-machung des Staates. In allen Wintersemestern soll aber für Jünglinge und Mädchen der Volksgesang eifrige Pflege finden und auch für diese Fortbildungsschulen sollten iin ganzen Reiche je vier Lieder gemeinsam — neben dem heimischen Volksliede — geübt werden. Und einmal in jedem Monate sollte eine kleine Feier, ein gemütlicher Abend mit freiem Zutritte, und am Schlüsse jedes Semesters eine öffentliche Prüfung abgehalten werden, die den Zweck verfolgte, die Eltern von den Ergebnissen des Unterrichtes zu überzeugen. Zur Frage 2. Die Schulbesuch sei1 leichter ungen, Sommerbefreiungen oder wie sie heißen mögen, sind ein großes Übel für Lehrer und Schüler. Sie sollen und können dadurch beseitigt werden, daß während der Sommermonate Juni, Juli und August der Unterricht von 7 Uhr bis 1 Uhr mit den nötigen Pausen an fünf Wochentagen erteilt wird. Der Einwurf, daß dadurch nicht die „volle Stundenzahl“ erreicht wird, ist nicht berechtigt, denn was etwa in den wenigen Stunden verloren geht (scheinbar!), wird doch reichlich ersetzt, wenn die zwei Sommerhefreiungen entfallen. Über weitere Vorteile dieser Einrichtung will ich mich nicht verbreiten, denn sie sind jedem Landlehrer bekannt. Die Schulmesse könnte Sonntag eingeschaltet werden, wobei die Schulkinder das Meßlied singen müßten. Der freie Aufsatz muß schon in der Elementarklasse vorbereitet werden und kann am Schlüsse des Schuljahres, im letzten Monate, in der Form geübt werden, daß jedes Kind über einen Gegenstand des Anschauungsunterrichtes oder über einen Schulgang, oder über ein bestimmtes Ereignis, in kleinen Sätzen seine Gedanken zum Ausdrucke bringt. Ich habe es so gemacht und manchmal große Freude erlebt, ln allen Fällen habe ich aber gesehen, wo der Hebel oder der Hobel noch anzulegen ist 1 — Jos. B. Lesefrüchte. Aus dem ersten Hefte der „Flugschriften für Österreich-Ungarns Erwachen“ von Dr. Freiherr von Wieser, k. k. Hofrat, Universitätsprofessor in Wien: „Eine Verfassung ist gut, wenn der Staat durch sie seine guten, seine besten Männer an die Führung bringt.“ „Wir (Österreicher) wollen in der Welt wieder geehrt sein und wir werden durch den Krieg geehrt sein; deshalb müssen wir uns selber ehren und müssen unsere Führer ehren.“ „Die Gebundenheit an den Heimatstaat stößt die Völker in den Krieg und nicht der Haß gegen den fremden Staat oder gar der Haß gegen das fremde Volk.“ „Deutsch sein heißt, allem Menschlichen zugänglich sein; deutsch sein heißt im besten Sinne menschlich sein; der Krieg würde nicht aufbauen, er würde zerstören, wenn dies anders werden sollte.“ „Das Gefühl, das wir gegen den wortbrüchigen italienischen Staat haben, ist nicht Haß, cs ist Verachtung, eine Verachtung, in deren Abgrundtiefen selbst der Haß versinkt.“ „Wenn nach dem Kriege durch die Welt ein Ringen um nationale Gerechtigkeit geht, dann werden wir die Lehrmeister Europas sein können.“ „Achten wir Tag für Tag darauf, daß uns die Leidenschaft niemals von dem schmalen Pfade des Rechtes stoße.“ „Das Recht, das den Schwachen stark macht, macht den Starken stärker. Man sagt, in diesem Kriege werde siegen, wer die stärksten Nerven hat; ja, aber über den Nerven ist der Wille und über dem Willen das Gewissen.“ „Dieser Krieg ist ein Gottesurteil der Geschichte, in welchem Deutschland und Österreich-Ungarn eine Probe bestanden haben, die über alle Vorstellung des Möglichen geht.“ Lose Gedanken. 36.) Wiederholung. Wenn man doch die Wiederholung endlich als das nehmen würde, was sie eigentlich ist: Wieder holen, nochmals holen und abermals holen! Dabei werden Lehrer und Kinder so recht warm im Stoffe. Wieviel Verständnis geht dabei auf! Und das sollte man verabsäumen? Besonders die Wiederholung am Beginne des Schuljahres und gar die Gesamtwiederholung am Schlüsse! Wieder hole», nochmals holen und abermals holen! Und immer im Kern! Fest verknoten das Reiserbündel! Dann werden die Schüler ins Leben hinausbringen, was sie brauchen, und werden dahin gelangen, wohin sie eben gelangen sollen: zum Kern. 37.) Lehrmeister Krieg. Wir machen die Weltgeschichte mit und sind dabei schon hinaus über manche enge Grenze gekommen. Nun werden wir ausspannen zu noch weiteren Zielen. Wir waren Lehrer und werden es noch mehr sein wollen und müssen. Unsere Arbeit, eingekerkert zwischen die Mauern der Schulstube, hatte bisher keinen augenfälligen Prüfstein. Der ist im Kriege gefunden worden. Böse Nörgler können uns nicht mehr in Unruhe versetzen. Man wird jetzt wissen müssen, was Können heißt und woher es genommen wird, wenn wir auch durchaus nicht meinen, daß die Schule alles tut; aber viel, sehr viel. Es wird nicht mehr heißen dürfen: „Wozu lehrt die Schule dies und das? Doch nur zum vergessen!“ Man wird endlich verstehen müssen, daß alles, was der Lehrer durch das Hirn der Kinder führt, den Geist dort weckt und schmiedet, und daß das Lesen, Schreiben und Bechnen wohl der Kern ist, wir aber das Kind in tausend Fälle versetzen müssen, damit es geistfrei und herzfrei und armfrei werde für das Gedränge des Weltmarktes und Weltjagens. Nun kann in unsere Wegpläne nur Wertiges, Wertendes, Nerviges kommen! Eisenhart sind die Glieder derer im Felde geworden, eisenhart die Herzen und doch empfinden sie in wärmstem Pulsschlag. Weg mit jeder Verzärtelung nach innen wie nach außen! Verzärtelung hat noch keine Schlacht geschlagen weder im Menschen noch um den Menschen. Das Jahrhundert des Kindes — aber auch das der starken, selbstbewußten Menschheit ist angebrochen. Ja, wir werden viel von draußen, vom Felde, herein in unsere Schulstube nehmen müssen. Voran schreite der Sieg! W. Hampel. Briefkasten. Als Geschenk an die treuen Mitglieder unserer Arbeilsgemeinde sende ich mit Folge 146 einige Erlebnisse ins Hinterland. Da ich durch die Reihen unserer tapferen Kampfer wanderte und so manchen Standesbruder fand, auf den Mannschaft und Offiziere mit den Worten wiesen: „Ja, die Lehrer, sie haben sich im Kampfe wacker gehalten!" gedachte ich derer daheim, die stilles Heldentum verrichten, Heldentum von unvergänglichem Ruhme. Ihnen gilt der Treugrutz, den ich aus der Hand der Genossen in der Front empfangen und nun weitergebe. — Ich habe die vorliegende Folge vielfach selbst besorgt, aus daß die Gabe reich sei. Möge sie als Saatgut ausgehen, da der Frühling ins Land zieht und draußen unsere Waffe» Sieg auf Sieg erringen! Ha, es beginnt zu sprossen! Auf, Ihr Träumer, auf, Ihr Zagen: Der Lenz, be herrlichste Lenz für unser Vaterland, ist angekommen! — P. Kleine Mitteilungen. 615.) Wohltätigkeit unter Staatsaussicht. Die lange Dauer des Krieges stellt unerwartet hohe Ansprüche an die Opferwilligkeit des Publikums. Der Geldzustrom, der den Sammelstellen in den ersten Monaten so überreichlich zufloß, mag sich in der Folgezeit verringert haben, und man hat deshalb geglaubt, durch andere Mittel als nur durch freundliche Bitten die Spenden hervorlocken zu müssen. Sv ist ein förmlicher Wettbewerb zwischen den einzelnen Vereinigungen entstanden, den Spendern einen gewissen Gegenwert zu bieten. Das Rote Kreuz läßt durch die Sanitätsmannschaften für 10 Pfennige eine Anstecknadel „Eichenblatt mit Rotem Kreuz" vertreibe»; der Marinedank liefert für 1'50 Mk. ein zeichnerisch ganz un-mögliches Blatt von der Kaperfahrt der Emden als Wandschmuck und der Jnvalidendank wahrhaft schauer-liche Buntdrucke von Mitgliedern des Kaiserhauses usw. Andere an sich durchaus einwandfreie Sammel-stellen, denen man von Herzen die reichsten Mittel wünsche» kann, schicken ungeheure Massen von Ansichtskarten ober Wvhltätigkeitsmarken ans. Ist das notwendig? Muß unbedingt der Kitsch als Lockmittel diene» und sollte wirklich ein schlichter Aufruf, eine einfache Zahlkarte nicht die gleiche Wirkung erzielen? Die Überschwemmung des Publikums mit zweifelhaften „Kunst"erzeugniffen zu dem Zweck, den Wvhltätigkeitsstnn zu heben, ist von Anfang an keine glückliche Idee gewesen und hat viel dazu beigetragen' daß allerhand dunkle Privatgesellschaften sich auf dem Felde der Wohltätigkeit mithelsend betätigen konnten, wobei natürlich der eigene Vorteil und nicht das Allgemeinwohl bestimmend war. Wenn jetzt endlich diesem gemeingefährlichen Treiben gesteuert und die Kriegswohltätigkeit unter Staatsaufsicht gestellt werden soll, so war es wirklich die höchste Zeit, da das Publikum, durch Anzapfungen von allen Seiten verwirrt, schon gar nicht mehr die wahren Helfer der Wohltätigkeit von den falschen zu unterscheiden vermochte. War es doch schon so weit gekommen, daß eine „Kriegs-Jnvaliden-Hilfe Aktiengesellschaft" durch Riesenplakate und halbseitige Anzeigen (die sie sicher nicht umsonst bekommen hat) mit dem offen zugestandenen Zweck, eine Dividende von 4 v. H. dabei herauszuschlagen, Almosen sammelte. Diese Gesellschaft, die noch dazu die kostenlose Hilfe der an sich schon wahrlich genug geplagten Hauswirte in Anspruch nahm, konnte in Groß-Berlin wochenlang ungestört die Werbetrommel rühren, obwohl einige der Herren Gründer nicht einmal im Adreßbuche aufzusinden waren. Es ist nur zu begrüßen, daß die Regierung jetzt die Öffentlichkeit gegen das Heer unlauterer Wohltäter in Schutz nimmt. Das wird die Gebelust mehr fördern als die schönsten Ansichtskarten und Wandbilder. (Es wird auch in Österreich notwendig werden, die Wohltätigkcitsmanic zum Besten wirklich frucht-bringender Einrichtungen zu dämmen und vor allem die Fon de unter Staatsaufsicht zu stellen. D. Sch.) 616.) Hffui! Die Schande, die alte Affenschande, ist scheinbar nicht totzukriegen. Auch nicht durch diesen Krieg! Mag jedem Deutschen die Schamröte heiß ins Gesicht steigen, ein Gefühl aus Zorn und Ekel ihn schütteln —: die Schande erhebt frech mit geilem Grinsen ihr Haupt. Wieder muß ihr eine hohe Militärbehörde ins Gesicht leuchten. Das Stettiner Generalkommando muß sich mit folgender Bekanntmachung an die Öffentlichkeit wenden: „Es ist zur Kenntnis des stellvertretenden Generalkommandos gebracht worden, daß in gänzlich würdeloser Weise von einem Teil der weiblichen Bevölkerung im Alter von 16 bis 20 Jahren den hier in industriellen Betrieben arbeitenden französischen Gefangenen nachgelaufen wird. Dem stellvertretenden Generalkommando sind eine Anzahl Personen namhaft gemacht und die mit ihnen aufgenommenen Verhandlungen zugesandt worden. Es ist festgestellt, daß nicht nur versucht wurde, die Gefangenen durch Winken an sich zu locken, daß gegenseitiger Briefwechsel stattgefunden, sondern daß sogar den Gefangenen von einzelnen Mädchen Schiebetänze vorgeführt sind. Ein einem Gefangenen abgenommener Brief hat folgenden Wortlaut: „Werte Herren! An alle! Für zwei Briefe freundliche» Dank, freut uns sehr. Elschen, Betty und Trudchen. Grüße und Küsse an alle von uns." Das stellvertretende Generalkommando sieht im vorliegenden Falle noch einmal von der Veröffentlichung der Namen ab, wird aber unweigerlich in Zukunst dazu schreiten, um solchem schamlosen Treiben, das jeden nationalen Stolz vermissen läßt und unser Volk in den Augen der Gefangenen verächtlich machen muß, ein Ende zu machen." Es ist ja zu begrüßen, daß das Generalkommando „in Zukunft" die Namen der schmutzigen Frauenzimmer veröffentlichen „wird". Nur läßt sich das Bedauern nicht unterdrücken, daß es dies nicht schon im gegebenen Falle getan hat. Alle Hochachtung vor der ritterlichen Gesinnung unserer trefflichen Militärs, und wir wollen diesen schönen Zug bei ihnen auch nicht missen. Aber hier wird solche Gesinnung doch wohl an Objekte verschwendet, die ihrer weder würdig, noch sie zu würdigen imstande sind. Man soll Weiber dieser Geschmacksrichtung freilich nicht mit Handschuhen anfassen, oder doch nur aus Reinlichkeitsgründen und nicht mit Glacehandschuhen. Die den gefangenen Franzosen dargebotenen „Schiebetänze" und „Küsse" sind schon eine Prostitution, die sich nur noch durch Vollziehung der körperlichen überbieten ließe. Und — wer weiß — ?! Es ist auch noch sehr fraglich, ob die Veröffentlichung der Namen eine derart gefestigte Schamlosigkeit noch erschüttern würde. Sanfte Mahnungen mit dem Kolben würden jedenfalls größere Sicherheit gegen die ersehnte „Annäherung" gewähren. Auch mit der Inhaftnahme und Küchen» beschäftigung mit Kartoffelschälen und ähnlichen nützlichen Verrichtungen hat ein Kommando schon einmal erfreuliche erzieherische Erfolge gezeitigt. Sonst käme noch Fürsorgeerziehung in Frage. Die Sache hat aber noch eine andere Seite. Auch die deutsche Bevölkerung hat schließlich ein Recht daraus, daß ihr solche Verunreinigung des vaterländischen Hauses, solche Belastungsproben ihres nationalen Reinlichkeitssinnes durch eine stinkende Affenschande mit allen Mitteln erspart werden. Rücksichten auf das „Schamgefühl" einer sogenannten Weiblichkeit, die durch ihre Handlungen beweist, daß sie sich dieses Gefühles in jeder ihnen erreichbaren Weise zu entblößen brünstig und mit Erfolg bestrebt ist, können hier doch wirklich keine Rolle mehr spielen! So kann und soll auch die Veröffentlichung der Namen nur noch den Zweck haben, daß jedermann in der Lage ist, auf die nicht nur sich selbst, sondern auch die Ehre und Würde ihres Volkes preisgebenden Franzosenliebchen mit Fingern zu zeigen. Mit Fingern und mit einem „Pfui —!" Aus dem „Türmer". (Wir schließen uns dem Rufe an, denn auch bei uns in Österreich gibt es „Mädchen" und — Frauen, die, wenn auch nicht die Gefangenenlager, aber doch die Verwundetenspitälcr umschwärmen und den Krieg als Freistatt benützen. D. Sch.) Talaufwärts durch den Krieg. t 5. Pie ersten Molen des Krieges. „Habe ich die Ehre, mit Herrn Dr. p. zu sprechen?" „„Ich bitte!"" „Oberleutnant R.!" „„Dr. p.!"" ZReiti Begleiter! <£r sollte mich über militärische Einrichtungen im Verlaufe der Fahrt, zu der ich mich punkt 8 !Ihr morgens gestellt hatte, aufklären und auch vielleicht — mir dämmerte so etwas durch die Seele — überwachen. Der Gedanke verdroß mich keineswegs. Vorsicht ist eine gar gute Waffe; sie hat uns den Sieg erringen helfen. Hätte man ihrer gleich zu allem Anbeginn gedacht, es wäre uns so manche Enttäuschung erspart geblieben. — Ein Stück weit ging's auf breitet Fährte; dann kam die schmale Eisenlinie. Da lagen sie wieder, die Trümmer vom Berge, die der Koloß vor mehr denn einem halben Jahrtausend in seinem Groll von sich geschüttelt und als Felsengewirr auf den blumigen Talboden gestreut hatte.1 Ernst sah er herab auf das dampfende Rößlein, das durch seinen Schutt kroch. Die kahlen Wände widerhallten von dem pusten des Eisengauls und von — dem Donner, der aus den fernen Einschnitten dumpf heranschwoll. Der Krieg gab seine Karte ab. Rechts exerzierten Truppen; sie sollten an die Stimme der Kationen gewähnt werden wie weiland die Soldaten des Marius an den Anblick der Teutonen. Die Methode gefiel mir; sie zeugte von kluger Voraussicht. Wer im Kriege war, weiß, daß man nach einigen Tagen mit ihm Freundschaft geschlossen und darum das Gruseln verlernt hat. Daran hatte der Kommandant gedacht. — Die da im Rollen des grausigen Echos 1 vgl. Talaufwärts von Schule zu Schule. ((Eine lustige und lehrreiche Schulreife.) — Verlag der Blätter f. d. Abteilungsunterricht in Laibach, preis 3 K. aufmarschierten, sahen frisch drein, wie der junge Tag, der uns das Geleite gab; in ihren Zügen lag kein Bangen. — Da wir in die Station kamen, wo vor fH Jahren das Bäuerlein spöttisch meinte, es könne heute nicht ein Gefährte fahren, das sich Kleinbahn nennt, weil es zufuß früher ankäme/ hüpfte ein blühendes Kind mit etwa 18 Lenzen in unfern Wagen, ein Mädchen in weißem Habit mit der Binde des Roten Kreuzes. — „Wohin, verehrtes Fräulein?" „ „Nun, in den Berg hinauf, wo der Kampf tobt! Aus ihm werde ich sicherlich wieder eines der bedauernswerten Opfer zu holen haben."" And unser Gegenüber erzählte schaurige Dinge. Da sei unlängst ein rotwangiger Junge von einem Felsstück getroffen worden. Der Schlag an das Haupt hatte ihm die Besinnung geraubt. Als er gebettet im Eisenbahnabteil lag, ächzte er schwer und stöhnte immer wieder die Worte: „Gelt, du bist meine Mama? Komm Mutter und halte mich, ich gleite, ich falle." — Das gute Mädchen fand sich in die Rolle und strich dem Fiebernden über die Stirne. Das tat ihm so wohl, so unendlich wohl. Er umschlang die Engelsgestalt mit seinen starren Armen und drückte sie an sich. — „Nicht wahr, Mutter, wir sind bald in Wien?" — ,,„3a> ja, mein Sohn"" und er war im Lazarett zu ... „Ach weiter, liebes Fräulein, weiter I Berichten Sie alles, was Sie erlebt!" „„Ein andermal, meine Herren, war ein Alter aus dem Hang zu schaffen. Dem hatte das Etfen-stück das Bein zerfetzt. Wie er da auf der Bank vor mir lag, sagte er ernst: „Sehen Sic, Schwester, just in Ihren Jahren steht meine 8 vgl. „Talaufwärts von Schule zu Schule" S. 391 3564 Tochter. Das arme Kind! Der Krieg hat ihm den Bräutigam geraubt. Um mich ist es nicht schade, ich habe gelebt, ich kann ja zutalfahren. Aber meine Grete, meine gute Grete, hat von künftigem Glücke geträumt. Nun ist alles dahin I Dieser Schmerz, mein Fräulein, ist bitterer als der da drunten in den Knochen." lvieviel Elend mag der Krieg erst jenseits der Berge gebracht haben, wohin der sichere Schuß unserer braven Kämpfer zielt! Und wozu dies alles! Um der paar Quadratmeter Landes wegen? Ach nein, sondern für die Schurken, die das Steuer nicht mehr lenken konnten und darum einen künstlichen Sturm aufpeitschten, auf daß der, der sie bedrohte, rechtzeitig gedämpft werde. IDehe, wenn einmal die Kraft des ersteren versiegt und dann der zweite umso furchtbarer braust! Der See, von dessen Spiegel einst, als ich mit dem Schulränzlein durch die Lurche zog, der Morgensonnenstrahl zu mir herüberhuschte — als erster Bote in dem fremden Land — lag still da. !Vo damals Binsengras die Fläche deckte, war jetzt ein Gewirr von Baracken wahrzunehmen. Ein Kriegslager I hier standen Pferde zuhauf, dort brüllten die gehörnten Kameraden, hier eine Werkstätte, dort ein Magazin — ein Stück Dreißigjähriger Krieg. — Da schoß plötzlich was über die Straße querfeldein. Wie ein Saus war es gekommen, wie ein Saus verschwunden: eine Patrouille! hei, das war ein Tempo! — Mein Begleiter schmunzelte und sprach: „Ja, der Krieg reitet geschwind, er hat Flügel I" In der Tat, ehe ich mich fassen konnte, waren sie davon, „die roten Teufel". — Und mit Brausen waren auch wir in die Endstation gelangt. Der Expreß des Tales, neben dem mein Caro lustig hätte traben können, tat nämlich so wie die Majestätische dort am Hauptstrang. — Kaum hatte ich mich dein Wägelchen entwunden, so stand ein hochgewachsener junger Mann vor mir und sprach das Geflügelte Züort: „habe ich die Ehre, mit. . .?" — „„Ja wohl!"" — „Bitte, meinen Kraftwagen zu besteigen; ich soll Sie in den Standort des Eiappenkommandos bringen!" — Indes wir Grüße tauschten, mein trefflicher Oberleutnant und ich, donnerte es von der höh’. „Der Krieg grüßt, er will sich vornehm präsentieren." . . . (wird fortgesetzt.) Polack-Ccke. 6. Jeder Einzelne hat die StandeSehre als gemeinsames Kleinod zu wahren. Brosamen III., S. 461. Heraulgeber und nerantiv örtlicher Schriftleiter: Rudolf Veeri — Druck non Jofef Panlicek in Gottfchee 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! Franz u. Antonie = Rauch = vorm. Johann Hajek. 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