Vereinigte Lalbacher Zettung. ^50. 64. Gedruckt mit Edlen von Kleinmayer'schen Schriften. Freytag den 11. August i8i5. Kriegsschauplatz. ^l achrlchtcn aus Paris vom 28. Iuly geben, daß Napoleon Bonapartc am Bord des Linien-Schiffes Bcllerophon, aus der ^cbcde von Torday eing?ttoffen se^>. Von seiner Ausschiffung war^ei<>e Rede, da derselbe als Gefangner der Machte die strnere Bestimmung'dcs Ortes sclnes Aufenthalts erst abzuwarten hat. (W. Z.) Tas Armee - Corps unter General Lccourbe bat sich ebenfalls an-die.Loire gezogen,^ wo auch noch die Truppen des MarschaUs Suchet und des Generals Lamarque erwartet wurden. Ein Detaschemcnt der alten Garde zog sich bey Annah »nag der Ocsterreichcr vom rechten auf das lin^e Ufer der Loire. Zu Vordeaur, Nantes , Toulouse und Angers weht noch immer die dreyfarbige Fahne^. General Clausel will sich nnr dann dem Kolnqe unterwerfen, wenn sich die Armee des Marschalls Davoust unterwerfen wird. Marseille ist r'ubig; die Linien-Truppen haben sich nach Toulon gezoaen; die Verbündeten sieben am Var; Marschall Brune, Oberbefehlshaber des Bcobachtungs-Heeres am Var, hat sein Haupt - Quartier nach V Brignoll «'s verlegt. Er hat von dieser Stadt eine Kontribuziou gefordert, und statt der dreyfarbigeu eine schwarze Fahne aufgepflanzt. In Gard hat es ernstliche Gefechte mit dem General Gylly gegeben; man schloß hierauf einen Waffenstillstand. Carpentras und fast das ganze Vaucluse - Departement hat die weisse Hahne aufgerichtet. Gegen Avignon zieht General Loverdan. (W. Z.) Frankreich. Der König von Frankreich hat am 24. Iul. zwey Verordnungen folgenden Inhalts erlassen: >. Ludwig, von Gottes Gnaden König von Frankreich und Naoarra. Allen, denen Gegenwärtiges zu Gesicht kommt, Unsern Gruß. Es ist Uus berichtet worden, daß mehrere Mitglieder des Hauses der Pairs einen Sitz in einer sogenannten Kammer der Pairs angenommen hatten, welche von dem Man-ue, der seit dem 20. März bis zu Unserer Rückkehr in Unler Reich, die Gewalt in Unsern Staaten usurpirte, ernannt und versammelt worden war. Ausser allem Zweifel konnten nnd können Pairs von Frankreich, solange sie noch nicht erblich aewordeu sind, ihren Abschied nehmen weil sie dadurch nnr über Interessen verfügen, die blos ihre Person betreffen. Es ist gleichfalls unverkennbar, daß die Annahme von Funkzionen welche un- bttewbar mit der Wurde, die man betteidit, sind,, die Abdankung dieser Würde voraussetzt oder nach sich zieht, und daß dem zu Folge die Pairs von Frankreich, welche sich in den obenbenannten Fall befinden, wirklich ihrem Rana,e entsagt haben, und in der That bon der Panschast von Frankreich entkleidet sind. In Betracht dessen haben Wir befohlen und befehlen wie folgt: Art i. Es gehören nicht mehr zu der Kammer der Pairs die nachbcnannten: Die Grafen Element-de-Ris, Colchen, Cornudet, d'Aoville, der Marschall Herzog von Danzig, die Grafen de Croir, Dedeley-h' Agier, Dejea^', Fabre de l'Aude, Gassendi, Lacepede, Latour-Maubonrg; die Herzoge vonPraslin, von Plaisance. Die Marschalle Herzoge von Elchingen, vonAlbufera, von Conegliano, von Treviso, der Grafde Bar-ral, Erzbischof von Tours, der Graf Boissy -. 'd'Anglas, der Herzog von Cadore, die Grafen de Clancaur, Casabionca, Montesquion, de Pontecoulant, Nampon, Segur, Valence, Bclliard. 2. Von der obenstchenden Verfügung können jedoch ausgenommen werden, jene von den hierbenannten, welche beweisen werden, daß sie nie in der sogenannten Kammer der Pairs, zu welcher sie berufen waren Sitz genommen haben, noch nehmen wollten; mit der Obliegenheit, diesen Beweis binnen den Monath, welcher der Bekanntmachung der gegenwartigen Verordnung folgen wird, beyzubringen. 3 Unser President des Conseils der Minister ist mit der Vollziehung der gegenwärtigen Verordnung beauftragt. Gegeben im Schlosse der Tuilleriew am 24. Julius im Jahr i8i5, Unserer Regierung im Ein und zwanzigsten. (Unterzeichnet:) - Ludwig Für den König (Uutcr:) Der Fürst v.Talleyrand. II. Ludwig, von Gottes Gnaden König Von Frankreich und von Navara. Indem Wir, durch Bestrafung eines beyspiellosen Attentats, der mit Abstufung der der Strafen und Beschränkung der Zabl der Schnldigen, das Interesse Unserer Völker, die Würde Unserer Krone und die Ruhe von . Europa mit dem, was Wir der.Gcrechtig- wt und der völligen Sicherheit aller nbnqsn Bürger obne Unterschied schuldig sinv, oer-embareu wollen, babcn Wir erklärt und erklären, verordnet und verordnen hiermit, wie folgt: Art. 1. Die Generale und Offiziere, welche den König vor dem 22. März verrathen oder welche nnt-bewaffneter Hand Frankreich und die Regierung angegriffen, und diejenigen, die sich gewaltsam der Herrschaft bemächtigt haben, sollen verhaftet, und in ihren respcktwen Divisionen vor kompcteute Kriegsgerichte gestellt werden; uemlich Ney, Labedoycre, die beyden Brüder Lal-lemand, Drouetd'Erlon, Lcfcvre-Desnouet-tes, Ameily, Braycr, Gilly, Muoton-Du-vernet, Grouchy, Cla>lzel,Laborde; Debelle, Bertrand, Drout, Cambrone, Laoalette, Rovigo. 2. Die Individuen, von denen die Nahmen folgen, nemlich: Soult, Alir, Ercelmans, Vassano, Mar-bot, Felir Lcpelletier, Voulay sde la Meur-the), Mebee, Fressinet, Thibaudcau, Ear-not, Vandamme, Lamarque (Geueral), Lo-bau, Harel, Pire, Varrere, Arnault,Pom-mereull, Regnauld (de St. Jean d'Angely) Arrighi (vou Padua), Dcjean(Sobn), Gar-rau, Real, Bouvier - Dumolard, Merlin (de Donay), Durbach, Dirat, Defernlout, Bory Saint - Vincent; ^elir Desportes ; Garnier-des - Saintes; Mellinet- ^ullin' Cluys; Courtin; Forbiu-Ianson'(dc'r älteste Sohn); LeLor^nc-Dideville; sollen bin^ nen drey Tagen dte Stadt Paris verlassen, und sich in das ^nnere von Frankreich an dte Orte begeben, welche unser Minister der allgcmemen Power> UM^ anweisen wird, wo sie unter semcr Aufsicht bleiben, bis die Äam^ mcrn über dlejenigei von ihnen, welche ent^ weder das ^oingreich verlassen, oder der Ver-folgung dcr Tribunale übergeben werden sol-len, verfugt haben wird. Diejenigen, welche sich nicht an den Ort begeben lollteu, der lhncn von Unserm Mi^ nisier der allgemeinen Polizcy angewiesen werden wlrd, sollen auf der Stelle vcrbass-tet werden. - '" 3. Die Individuen, welche vernrtfteilt werden sotten, das Königreich zu verlassen, Wllen die Freyheit behalten, ihre Güter und EtMthum bmncn Jahresfrist zu veräußern, darüber zu schalten, dä gelösten Summen aus Frankreich zu fuhren, und die Einkünfte davon während dicser Zeit nach fremden Landern zu beziehen, vorausgesetzt, daß sie Beweise ihres Gehorsams gegen die gegenwartige Verordnung liefern. 4. Die Listen aUcr jener Indlmduen, auf welche die Artikel 1 und 2 angewendet werden könnten, smd und bleiben durch dte m diesem AnW enthaltenen nahmentlichen Be-zeichnnngcn geschlossen, und können memabls, «us welchen Ursachen und unter welchem^or-wande es anch sey, ans Andere ausgedehnt werden, ausser in den Formen und tu ,>>olge der konstituz'wneUen Gesetze, welchen ausdrucklich für diesen Fall allein nur znwidergehan- G^cacbw zu ^a"s, im Schlosse der Tuil-lerien den 24. I"ly lm ^ahre 181a, uusercr Regierung im Ein und zwauzigsien. ^(Unterzeichnet:) Ludwtg. Für den Komg: Der Minister, Staats Sekretär der allgcm. Polizey, (Unterzeichnet:) der Herzog v. Otranto. Die Veranlassung zu den ruhestörenden Auftritten, welche zu Lyou vor dem Einrücken der Oesterreicher Statt hatten, war folgende : „Am i3. Iuly Abends, wo schon Ocster-reickische Offiziere in Lyon herumgingen, glaubte das Volk Anstalten in einem Hause zu einer Illumiuazion zu bemerken, drang in das Haus und verwüstete es. Um 10 Uhr zogen Soldaten und junge Leute, mit eiuem Tambour voran, durch die Strassen, und forderten die Bürger auf, die Rcdoutcn vor der Stadt vertheidigen zu helfen, statt sie übergebe« zu lassen. Fn der folgenden Nacht beschlossen /,5o Offiziere und andere Individuen, die sich in einem Kloster in geheim versammelt hatten, die Kapitulazion nicht vollziehe« zu lassen, die geräumten Rcdou-tcn wieder zu besetzen, und sich auf das äußerste zu vertbeidig.cn. Der Polizcn - Lieutenant brachte sie nur mit Mühe von ihrem Norbaben ab. Schon war in verschiedenen Quartieren der Generalmarsch geschlagen worden Der von Bonaparte eingesetzte Prcfekt Pons, verließ die Stadt^" (W. Z.) Man rechnet, daß Napoleon in den 10 Kriegsjahren den Tod eben so vieler Men- schen verursacht hat, als Minnten in denselben sind, nämlich 5,562,000. Er hat seit dem 20. März wieder 100 Tage regieret und in dieser kurzen Zeit bei 600 Millionen Franken ausgeben, und an 50,000 Mann verloren. „Der Gewandheit Fouche's verdankt man überhaupt den guten Ausgaug der eben. erfolgten Staats-Umwälzung. Man erzähls von ihm Folgendes. Als im März Bonaparte mit seinen Truppen gegen Parls anrückte, wollte der König in seiner Noth Fouche zum Polizey-Minister machen. Doch dieser, wes-cher einsah, daß es zu spät wäre, dankte dem Könige, und sagte ihm, er könne Ihrer Majestät weit besser dienen, wenn er sich für sei-uen Feind ausgäbe, und Alles zu seiner Nück-kuuft vorbereitete; er bäte ibn daher, ihm als einem Anhänger B.'s nachsetzen zu lassen. Dies geschab; am Tage vor der Abreise des Königs wurden Fouches Papiere versiegelt 5 und er selbst flüchtete sich zur Prinzessin Hor-tense, der weiland Königin von Holland. Dort wurde er beym Eiurücken von B.'s Truppen gefuuden, und zum Polizcy-Minister ernannt. In dieser Würde benahm er sich sehr klug. Iu seiucm Reden äußerte er einem großen Haß gegen die königliche Ne-gieruug; allem heimlich entzog er die Emig-rirtcn der Wuth B..s, und nahm nur gelinde Maßregeln gegen die Insurgenten. Seit der Uebcrgabe von Paris hatte er Zn-sammcnkünfte mit Wellington, und vielleicht auch mit dem Könige; er behalt seine Stelle als Polizcy-Minister, und wird gewiß eine Hauptstütze des königlichen Thrones seyn. (B. v. T.) Italien. Neapel, den i5. Iuly. Die Belagerung der Festung Gaeta, de-reu uusinuiger Kommaudant sich uoch immer dem Wuusche der Einwohner und der ganzen Nation widersetzt, wird unter der Leitung des österr. Generals von Laurund des Obersten Robinson, Kommandant'einer englischen Flottille, sowohl zu Land als zu Wasser eifrigst fortgesetzt. Die Stadt wird schon stark beschossen und mau hofft chestms das Ncsul- > tat dieser Anstrengungen. (B. v. T.) Deutschland. Die Hamburger Zeitung enthält Folgendes aus Arnheim vom 12. Fuly. Vorgestern wurden hier in einer Kutsche gefangen einge- ' Vracht der vormalige Adjutant von Bona-parle, Carnbace^es, und General Dumoulin. Gestern wurden scldigc, da sie von den niederländischen Truppen gefangen gemacht wor-dcu, nach der Festung Covocrden abgeführt. (S. Z.) Eiu deutsches Blatt schreibt: „Einige glauben, die große verbündete Armee werde Frankreich einstweilen bis zum völligen Abschlüsse der Unterhandlungen in fünfvcrschic-dcncn Abtheilungen besetzt halten, so daß England den nordwestlichen, Preussen deu nordöstlichen, Rußland den südöstlichen, und Oesterreich den südlichen Theil besetzen, die übrigen zur großen Verbindung gehörigen Armeekorps aber sich nach Lage und Verhältniß an eine und die andere dieser Hauptar-mcen anschließen, und man alsdann iu dieser Stellung entscheiden werde. So viel ist wohl als gewiß anzunehmen, daß Frankreich dießmahl nicht, wie im vorigen Jahre, als ein freundschaftlicher Staat, sondern wie ein besiegter , dem der Sieger Gesetze vorzuschreiben das Recht hat , behandelt werdeu wird, und es laßt sich mit beynahe mehr a!s Wahrscheinlichkeit voraussetzen, daß Frankreich an seinen Gränzen mehrere Provinzen verlieren wird. Es scheint, als ob es dem Moniteur scbon im Jahre 1^12 geahndet hatte, daß es einst so kommen könnte. (S. Z.) S ch w e i tz. „Noch ist der von Hüniugen nach Paris geschickte Offizier nicht zurück. Inzwischen tst es die Frage, ob diese Rückkehr der Blo-kade. ein Ende machen wird; denn man behauptet, die Alinrten forderten die Uebcrga-im eignem 3)ahmen, wogegen der Kommandant von Hüningen, so wie die von Scblett-stadt und Neu-Brei'ach, sich blos erbieten, die weiße Fahne aufzustecken. In Hüningen sollcu, nach Aussage eines herausgelassenen Bäckers Lebensrnittel auf mehr als ein Jahr für 6000 Mann vorhanden seyn, der Kom-mandunt aber kaum mehr äooo Mann haben. Nebrigens sollen die Einwohner fast noch hartnäckiger als die Garnison seyn. — Die Brücke bey Rheinweiler ist jetzt hergestellt, und es gehen dort wie hier täglich neue Truppen und Artillerie über den Nbem. Dagegen wird durch Basel eine außerordentliche Quantität Wein und andere Bedürfnisse nach Deutschland geschasst, welche die Miirtcn in Frankreich rcquirirt haben. Außerdem muß das Departement des Oberrheins an baarem Gelde 6 Millionen ^ranken , und eine Znsatz-gruudsteuer von ZoCennmen für den Franken bezahlen. Uederall, wo die Alliirtea hinkommen, werden^ die Einwohner völlig entwaffnet, und alle Kanonengießereien und Ge-wehrfabnkcn :c. zerstört." (B. v. T.) M i s c e l l e. Zu Braunschweig ist der durch mehrere Schriften bekannte geheime Etatsrath Eberhard August Wilhelm von Zimmcrmann den /,. July im ?3ten Jahre seines Alters gestorben. (S. Z./' Der Hauptort des Distriktes Badenock in Nord - Schottland heißt Inverneß. Diese ziemlich wohlgebaute Stadt liegt an der Mündung des Flußes Ncß; sie hat einen Hafen und ein befestigtes Schloß, Fort Gt. Georg genannt, welches in der Rabe d>!r Stadt, an der Spitz: von Ardcsicr gelegen ist, und in altern Zeiten häufig znr Aufbewahrung wichtiger Staatsgefangener diente. (G. Z.) Wahrend Napoleons Anfcnthalt auf der Insel Elba anßcrte sich derselbe in einer Unterredung mit dem engli'cken Kapitän Uscher: „Der Herzog von Wellington ist ein guter General." — ,,Sire, (antwortete der englische Offizier) cr ist der erste General in der Welt." „GlaubenSie? (versetzte Napoleon) Se. Herrlichkeit und ich sind noch nicht zusammengetroffen." . . . Das, erste Zusammentreffen hat in der Folge dcn Glauben Uschcr's gerechtfertigt, und Napoleon dnrch cinc derbe Lektion seinen Meister kennen gelernt. Als Davoust dem Henoae von Wellington , m dem bekannten Schreien, Napoleons Abdankung meldete, antwortete Vel-lingto^ ganz lakonisch: „Das habe ich schon vor ,5 Monathen gewnßt." Es heißt, daß bis zur gänzlichen Entrichtung der 20 Millionen Franken, welche Neapel für die Zurückgabe 1'ciner Länder an Oesterreich bezahlt, der F. M. L. Mohr mit 20,000 Mann in Neapel bleibt. Der Kir-cbenstaat hat sich zu 6 und Toskana zu vier Millionen verpflichtet. Ancona und Livor-no behalten österreichische Garnison. (K. Z.) Wechsel-Cours in Wien am 5. August 1815. Conventionsmünze von Hundert 3^8 is8 ss. Die diensttägige Zeitung wird wegen einfallendem Frauentage am Mittwoch ausgegeben werden.