suni 1899. II. Jahrgang M 6. i# Äa^a^aTOTaTa^Wa^IW ^--.usg-g-bro • u ■ MMMMMiKS«' d»Y°?M.'Z°M 1 Weihe- und Nusopferungsgebet an bas göttliche Herz Jesu. V om I)L Vater vorgeschrieben für den Act der Weihe der Menschheit an das heiligste Herz Jesu.) Süßester Jesus, Erlöser des Menschengeschlechtes, blicke herab auf uns, die wir vor Deinem Altare in Demuth knien. Dein sind mir, und Dein wollen wir sein; damit wir aber mit Dir noch in innigere Verbindung treten können, sieh, so weiht sich Dir heute jeder von uns bereitwilligst Deinem heiligsten Herzen. Viele zwar haben Dich noch nie kennen gelernt; viele haben Dich verschmäht und sich über Deine Gebote hinweggesetzt. Erbarme Dich, liebreichster Jesus, beider Menschengattnngen und ziehe alle mächtig an Dein heiliges Herz! Sei, Herr, nicht nur der Beherrscher der Getreuen, die niemals von Dir sich getrennt haben, sondern auch der verlorenen Söhne, die Dich verlassen haben! Mach', dass dieselben rasch ins Vaterhaus zurückkehren, auf dass sie nicht in Elend und Entbehrung zugritnde gehen. Sei Herr und König auch jener, die entweder Irrglaube verblendet, oder Uneinigkeit getrennt hält, und raise sie zum Hort der Wahrheit und zur Einheit des Glaubens wieder zurück, damit baldigst ein Schafstall und ein Hirte werde. Sei auch endlich Herr und König derjenigen, die noch im alten Jrrwahne der Völker sich befinden, und lasse sie gnädigst aus der Finsternis zum Lichte und Reiche Gottes kommen. Gib, o Herr, Deiner Kirche gesicherte Freiheit und Wohlergehen! Gib allen Staaten Ruhe und Ordnung! Gib, dass von einem Ende der Erde bis zum anderen nur eine Stimme erschalle: Gelobt sei das göttliche Herz, durch das uns Erlösung geworden ist! Ihm sei Ruhm und Ehre in Ewigkeit. Amen. gorrefponöertg 6er G-epedition. ©tngegcingerte Gaben. (Vom 1. bis einschließlich 30. Juni). Anna Ansprenger-Wien für das Nilschiff 1 ft.; Josef Fafsa, Caplan in Jsenheim (Elsaß) z. E. d. hlst. H. 1 902.; Professor Stanonik-Graz für das Missionshaus 10 fl.; Martin Hansal, Katechet, Wien 20 fl.; Hubertine Blistaiii in Ahrweiler f. d. Ms. 7 M., Messstip 23 10 M; Familie Fisch in Rorschach (Schweiz) 14 Franks; Theodor Geiger, Seminarregens in Bamberg 70 M. Messstip.; Gräfin Hompesch, Joslowitz (Mähren) 18.60 fl.; Anna Rauscher-Wien 5 fl.; Carl Benedikt, Landesgerichtsrath, Hallein 1.50 fl ; Josef Fitzinger, Theolog, St. Polten 3 fl.; Monsignor I. von Gils, Stadtpfarrer, Köln (Lindenthal) a. Rh. 99 M. Messstip.; 1 M. Gabe; Franz Trenker, Cooperator, Gossensaß 1.50 fl.; 902arienhaus in Waldbreitbach (Neuwied) 3 M; aus der Pfarrei Mühland 2 fl.; Maria Krill in München 5 fl.; Marie Gräfin Stolberg-Wien 2 fl.; Franz Mayer, Pfarrer in Hallein 1.50 fl.; A K.-München 100 M Messstip.; von Salzburg 45.49 fl.; Gstöttner, Schlossermeister-Linz 1.50 fl.; aus der Pfarrei Mühland 2 fl.; Vollmer, Viear in Bühl (Württemberg) 20 M.; Direction des Stiftsconvictes in Melk 19 fl.; H. Neher, Pfarrverweser in Bronnen (Württemberg) 47 902.; Georg Eigner, Pfarrer in Wullendorf (92. oft.) 1.50 fl.; A. B.-Bruneck 1.50 fl.; Nngenaunt-Brixen für den Neubau 50 fl.; L. B.-Brnneck 2.50 fl.; R. P.-Wien 1 fl. Diesen und alten übrigen Wohlthätern sagen wir ein herzliches „Dergekt's Gott!“ ltitb Litten mit weitere milde Beiträge znm Alane unseres Missionshauses. Erscheint ant (Ende jeden Monats. Wr. 6. Juni 1899. II. Jahrgang. Inhalt: Zur gefälligen Beachtung. — Die mächtige Jungfrau (Gedicht). — Mariä Heimsuchung (Gedicht). — Mousignor Matthäus Kirchner. — Aus dein Leben einstiger Negersclaven. — Aus und über den Sudan. — Etwas vom Marienveroin für Afrika. Nehmet Theil am Werke des Weltapostolates. — Frohnleichnainsfeft in der Neger-colonie. — verschiedenes. t-^X a die bisherigen Wummern dieses Jahrganges vergriffen (mb, können ■ fei mir dieselben den neuen Abonnenten leider nicht nachliefern. Am . ißf tum denselben doch etwas Ganzes zn bieten, werden wir mit dieser Wammer das erste Kalbjahr schließen und mit der Juli-Wnmmer ein neues Kalbjahr beginnen. Unsere neuen Abnehmer werden also die Wummern des zweiten Kalvjahres, d. h. von Juli bis December, tun den Ureis von 75 kr. erhalten. Wir bitten alle unsere geehrten Bezieher und Leser, in ihrem Bekannten- und Jreundeskreise fitz die stete Werbreitung unserer Zeitschrift wirken zu wollen, überzeugt, dadurch eine echt christliche Sache in verdienstvoller Weise zn unterstützen und zn fördern. Da eben eine Expedition unserer Missionäre nach dem Sudan vorbereitet und in allernächster Zeit ausgeführt werden wird, so werden wir in der Lage sein, unseren Lesern sehr interessante Mittheilungen über nene Unternehmungen und neue Länder und Wölker bieten zu können. Die gegenwärtige Wnmmer wird den neneintretenden Abnehmern gratis beigegeben. MMon Seite des „Marien-Vereines für Afrika", der sich um unsere Mission in den vielen Jahren seines Bestandes große Verdienste erworben hat und eben zu neuem und regen Leben erwacht, wurde unsere Zeitschrift zum Organ gewählt. Der hochwst Herr Prälat Dr. Fr. X Pölzl, k. k. Hofrath und Unlversitütsprofessor, theilt uns dies als Vicepräses des Centralausschusses mit Schreiben aus Wien. 21. Juni 1899, mit, worin es heißt: „... Ich beehre mich, Ihnen mitzutheilen, dass Se. Eminenz Cardinal Grüscha, Liirstcrz-bifchof von Wien, als Vorsitzender des Eentralansschnsses des Marien-Verrines für Afrika zn gestatten geruhte, dass die vom Missionshause der Löhne des heiligsten Herzens Iesu in Mühland bei Lrtzren herausgegebene illustrierte Zeitschrift für Glaubensverbreitung ,Stern der Neger' sich als Grgan des Marien-Vereines für Afrika bezeichnen darf. Möge die durch das gnädige Wohlwollen Lr. Eminenz des hochwürdigsten Cardinals und Lürsterzbischofes Gruscha ausgezeichnete Zeitschrift immer weitere Verbreitung finden und das Interesse für das Mistionswerk in Afrika fördern." WM illiilhlige Jungfrau. Maria, deren Glanz scheucht alle Nächte; Und fürchterlich derlhölle steigt sie nieder; Sie gleichet einem kseere tapfrer Streiter; Scmct Michael, der Fürst, ist ihr Begleiter, „lüer ist wie Gott?" so schallt'; auf Trden wieder... Sie ihm das Ejmipt zertritt und mit dem Rumpfe Ihn schleudert Michael zum lhöllensumpfe. Bernhard Zorn, F. S. C. Batist UeimMung. Einsam zieht aus rauhen Pfaden l Gotterfüllt eilt ihr entgegen Über Berg und Hügel hin Ihre Base hocherfreut; Jene Jungfrau voll der Gnaden Dass mit Gottes reichstem lherzen Aller lhcil'geii Königin. j Sucht sie heim Maria heut! Selig jene Menschenherzen, IPo Maria kehret ein, Denn sie wird in Roth und Schmerzen Ihnen Trost und lhilse sein. Sief. IH. vockeilhuber, F. S. C. Schon ist die dunkle Nacht hereingebrochen; Gespenstern gleich die schwarzen Molken fliegen Im Sturm dahin. Die stärksten Bäume liegen Zerbrochen und zersplittert: ’s hat gesprochen Lin Gott, vor dem erzittern alle Mächte! Lr ward erzürnt, die ksölle ließ er toben! Doch huldvoll hat sich schon vom Thron erhoben lit MiflmsMßiniiik m UtiKil-Uftitß. Matthäus Airchner, Apostolischer Provicar von Lentral-Afrika 1858—186V ^l^atthäus Kirchner ward geboren zu Bamberg am 3. März 1826, machte 'SgIV wurde am 4. April 1849 zum Priester geweiht. Vom October 1849 bis October 1853 war er Hofmeister in der Familie des Grafen v. Spaur, bayerischen Gesandten am päpstlichen Hofe. Er erlebte die damals politisch stürmisch bewegten Zeiten mit, wie sie der unter Beihilfe der Gemahlin des genannten Grafen bewerkstelligten Flucht Pius IX. nach Gaeta folgten. In Rom hörte er von der vor einigen Jahren errichteten Mission von Centralafrika und fasste den Ent-schluss, sich derselben zu widmen. Er suchte sich gleich auf diesen schönen Beruf vorzubereiten und benützte die freien Stunden zu Sprachstudien. Seine Lehrer im Arabischen waren Missionspriester P. Josef G ariel aus Persien und Professor Schachwan aus Syrien. Die neueren Sprachen französisch, englisch und italienisch hatteer schon in der Heimat betrieben und spanisch in Rom gelernt. Das Somite des Marienvereines in Wien, mit dem unvergesslichen Hofrath v. Harter an der Spitze, und der für die Missionen unermüdlich thätige Ritter v. N a p o l i in Triest sorgten in aufopfernder Liebe für alle; dasselbe that in Alexandrien Herr v. Schreiner, österreichischer General-Consul, und in Kairo die Herren des österreich- IHonf. Blatfs]. Kirchner als npoft. Provicar im Jahre I860. Im Jahre 1854 rüstete X sich eine neue Expedition von Missionären nach Centralafrika. Im Juli des genannten Jahres traf Kirchner mit den Tiroler-Priestern Anton Überbacher und Franz Rainer sowie den Missionslaien K o ch, G o st n e r, Ladner, Kirchmaier und Albinger in Laibach mit dem Priester Lucas Jeranzusammen. ischen Consulates. Am 28. October erreichte die Karawane nach ziemlich beschwerlicher Reise Chartum. Kirchner übernahm die Leitung der dortigen Missionsschule.— Die Missionsberichte jener Zeiten sind voll des Lebens über sein segensreiches und eifriges Wirken als Jugenderzieher und Seelsorger in Chartum. — Im Herbst 1857 wurde Kirchner an den weißen Fluss geschickt, um die dortigen Stationen Hl. Kreuz bei den Kic'und Gondocoro bei den Bari zu visitieren und den Missionären daselbst die Aufträge des apostolischen Provicars Dr. Knoblecher zu überbringen. In seiner Begleitung waren die Missionäre aus dem Institute Mazza: Beltrame, Oliboui, Melotto, Comboni, welche in Hl. Kreuz blieben, um von dort aus geeignete Punkte auszusuchen zur Gründung weiterer Stationen. Bei seiner Rückkehr int Jahre 1858 nach Chartum vernahm Kirchner die Schreckenskunde vom Tode Knoblechers und Gostners. Eine Anzahl eifriger Glaubensboten war schon früher dem Klima erlegen. Als der Präfect der Propaganda, Cardinal Barnabo, alle diese Verluste erfuhr, äußerte er sich ganz kategorisch, dass man nach solchen Verlusten, nach so großen Opfer» und so geringem 124 Monsignor Matthäus Kirchner. Erfolge die Mission aufheben müsse. Dem Vertreter derselben, Or. Mitter-rutzner, gelang es nach energischen Vorstellungen die sofortige Aufhebung zu verhindern, und die Ernennung eines neuen Provicars anzubahnen. Sowohl die Propaganda in Rom als das Komite des Marienvereines in Wien dachten an den apostolischen Missionär Kirchner in Charttun. Er wurde nach Rom berufen. Dort machte er geltend, dass die Mission sich nicht halten könne, wenn sie nicht von einem Orden oder einer Congregation übernommen würde. Der hl. Vater-Pius IX. und Cardinal Barnabo waren derselben Ansicht. Bis dies geschehen könne, wurde Kirchner zum Apostolischen Provicar ernannt, da der von ihm vorgeschlagene Hochwürdige Or. Mitterrutzner in Brixen, den die Missionäre längst als die Providenz ihrer Mission zu betrachten gewohnt waren, die Stelle nicht annehmen konnte. Lange weigerte sich Kirchner mit aller Entschiedenheit; da man aber in Rom immer in Aussicht stellte, die Mission müsse aufhören, wenn er dieselbe nicht übernehme, so musste er zagend nachgeben. Dem neuen Apostolischen Provicar wurde auch die Bedingung gestellt, eine Centralstation an einem der Gesundheit nicht nachtheiligen Orte zu errichten, wo sich die aus Europa Kommenden acclimatisieren und die in der Mission Erkrankten erholen könnten. Bei seiner Rückkehr nach Afrika schlossen sich dem Apostolischen Provicar der Franciscaner P. Johann Duela Reinthaler aus Graz und in Kairo noch zwei junge italienische Ordensbrüder des letztern an, von welchen der eine noch vorder Abreise in Kairo starb; Kirchner selbst lag todtkrank darnieder. Aus den südlichen Stationen kam eine Trauernachricht nach der andern; in Heiligkreuz warder edle Tirolermissionär Lanz gestorben, Kaufmann war von Gondocoro zurückgekehrt, Morlang folgte ihm nach. Auf seine Bitte blieben die noch übrigen zwei Priester aus dem Institut Mazza, Beltrame und Dalbosco, in Khartum. In der Zwischenzeit wurde das von der Propaganda gewünschte Missionshaus in Schellal bei der Insel Philä, an der Grenze zwischen Oberäghpten und Nubien, gebaut, da sonst kein einziger Punkt in der Mission als Gesundheitsstation zu finden war und Said Pascha, Vicekönig von Ägypten, dazu 9 Feddan Land am Nilufer schenkte. In dieses neue Haus wurde das Chartumer Missionsinstitut verlegt und dasselbe der Leitung Dalboscos übergeben. Nachdem, wie gesagt, mehrere Missionäre gestorben und andere nach Europa zurückgekehrt waren, war das Schlimmste eingetreten, was der Provicar befürchtet hatte: eine Mission ohne Missionäre. Unter diesen Umständen hielt es Monsignor Kirchner für ersprießlich, den Plan der Übergabe der Mission an einen Orden zur Ausführung zu bringen. Zu diesem Ende gieng Kirchner nach Rom, um den Franciscanerorden für die Mission zu gewinnen. Der hl. Vater, der Cardinalpräfect der Propaganda und der General der Franciscaner P. Bernardino da Monte Franco gaben ihre Einwilligung hiezu. Am 4. September 1861 übergab die Propaganda das Vicariat den Franciscanern von Steiermark. Monsignor Kirchner kehrte, durch das mörderische Klima gebrochen an Geist und Körper, in die milde Zone seiner bayerischen Heimat zurück und brauchte dort ein Jahr zur Erholung. Nach seiner Genesung gab er sich mit dem Gedanken ab, ein Missionshaus für Afrika zu gründen, der den Beifall der österreichischen und bayerischen Bischöfe fand und es wurde auf Fulda als Ort der Gründung hingewiesen. Da ihm aber Kraft und Mittel fehlten und sein Hochwürdigster Oberhirte, Erzbischof Michael von Deinlein, wünschte, dass er in der Erzdiöcese Bamberg bleibe und wirke, so übernahm er am 24. Jänner 1863 als Regens die Leitung des Freih. von Aufseß'schen Studienseminars und die Function eines Religionsprofessors für die oberen Classen der kgl. Studienanstalt. Seit 1. März 1873 wirkt Monsignor Kirchner als Stadtpfarrer der wichtigen, 4000 Seelen zählenden Pfarrei Scheßlitz. Monsignor Matthäus Kirchner. 125 Monsignor Matthäus Kirchner, päpstlicher Geheimkämmerer, erzb. geistlicher Rath, Ritter des kais. österr. Franz Josef-Ordens, hat während der langen Jahre seines Priesterlebens in den verschiedensten Stellungen sich auf das Beste erprobt und kann auf eine ungewöhnlich vielseitige, gesegnete Wirksamkeit zurückblicken. Als Regens war er den Zöglingen ein ernster, Strenge mit väterlicher Milde paarender Vorstand, als Professor imponierte er den Studierenden durch die ihm eigene geistvoll anregende Behandlung religiöser Stoffe auf Katheder Wonsignor Wcitthüus Kirchner als iekiaer vävftl. Geheimkämmerer und qeifts. Ratb (lebte Aufnahme). unb Kanzel, wie nicht minder durch würdevolles Auftreten und seine hohe, Achtung gebietende Gestalt, was indes, wenn es galt, verständnisvolles, die Herzen eroberndes Eingehen auf studentischen Frohsinn, bei ihm keineswegs ausschloss. Die noch lebenden Zöglinge und Schüler bewahren dem geliebten Erzieher und Lehrer ihrer Jugend ein dankbares Andenken. Als Stadtpfarrer, als welcher er auch D e e a n war, wird er innig geliebt und hochgeehrt von seiner weit ausgedehnten Gemeinde Scheßlitz. Die Stadtgemeinde Scheßlitz hat ihren ausgezeichneten Seelsorger, der am DAprild.J. das goldene Priesterjubiläum feierte, zu ihrem Ehrenbürger 126 Aus bcm Sebeu einstiger Noger-Solciven. ernannt. Auch auf parlamentarischen Gebiete war Kirchner thätig, indem er bald nach Errichtung des deutschen Reiches als Mitglieb der Centrumspartei mehrere Jahre dem deutschen Reichstage angehörte. Was die Wirksamkeit Monsignor Kirchners in der Mission von Centralafrika betrifft, so legt für dieselbe das beste Zeugnis die Thatsache ab, dass nach dem Tode des Bischofs Comboni (f 10.October 1881 in Chartnm) die Missionäre und Cardinal Simeoni, Präfect der Propaganda, ihn aufforderten, in die Mission zurückzukehren und deren Leitung zu übernehmen. Krankheit und die Erklärung des Arztes, dass er nicht einmal die Beschwerden der Reise ertragen könne, bestimmten ihn jedoch, den ehrenvollen Ruf abzulehnen. Er interessiert sich jedoch stets lebhaft für alles was diese Mission betrifft, und ist bis heute ein eifriger Gönner und Wohlthäter derselben. Möge es Monsignor Kirchner durch Gottes Huld vergönnt sein, noch lange zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen zu wirken und das 60jährige diamantene Jubiläum in ähnlicher Frische des Körpers und des Geistes zu begehen, mit welcher der ehrwürdige Priestergreis im letzten seinen goldenen Jubeltag begangen hat! Diesen Wunsch flechten wir in den Kranz der Dankbarkeit und Verehrung, den wir mit diesen Zeilen vor dem dritten einstigen apostolischen Provicar von Centralafrika niederlegen. Ans bcm ftkn einstiger Neger-Seine». 3. Warraza. titf der Südseite vom abyssinischen Hochland dehnt sich die große Völkerfamilie der Galla aus. Zur Zeit der gewaltigen Völkerbewegung, welche im Anfang des 16. Jahrhunderts die ganze Mitte Afrikas ergriff, drangen sie vom Süden nach Norden vor und besetzten im Laufe der Zeit allmählig die südlichen Gebiete Abyssiniens. Jahrhunderte hindurch dauerten die Kämpfe der Abyssinier gegen die anstürmenden kriegerischen Galla, wobei Abyssinien eine Provinz nach der andern an die Feinde verlor. Anfangs Heiden, bekehrte sich ein Theil der Galla zum Islam, während ein anderer kleiner Bruchtheil, theils freiwillig, theils durch Gewalt gezwungen, die Religion Abyssiniens annahm. Der Islam macht noch heute große Fortschritte unter den Galla. Dieses Volk, das sich in eine große Anzahl kleinerer Stämme theilt, war von jeher sehr kampflustig und zählte Krieg und Raub zu seiner Beschäftigung. An Grausamkeit gegen Gefangene und besiegte Feinde werden die Galla wohl von wenigen afrikanischen Völkern übertreffen; sie verüben an ihnen die entsetzlichsten Verstümmelungen. Das Gebiet der Galla, besonders der heidnischen, war von jeher Aus betn Leben einstiger Neger-Selaven. 127 ein Hanptqnellgebiet für dm Sclavenhandel in Nordost-Afrika. In dm Kriegen der einzelnen Stämme gegen einander, den Raubzügen der Mohammedaner gegen die Heiden nnd der Abyssinier gegen feindliche Nachbarn werden jährlich ungezählte Galla hingemordet oder in Sclaverei geschleppt. Das ganze Gebiet zwischen 3° und 8° nvrdl. Breite ist ein großes Jagdrevier, wo Menschenjäger ihr Handwerk in allen Richtungen treiben und besonders dm Mädchen nachstellen, die ob ihrer körperlichen Vorzüge eine besonders gesuchte Ware bilden. Ans diesem Gebiete werden die Sclaven nach allen Himmelsrichtungen ausgeführt; sie gehen über Schon nach Zeila, über Godjam nach Metemmah in Galabat und nach Suakin am rothen Meere, nach Massauah und andern unbewachten Hafenplätzen, über Fazogl nach Messelemieh in Smnaar. Um zu zeigen, auf welche Weise die Sclaven aus dem Galla-Lande durch Abyssiuieu an das rothe Meer transportiert werden, gebe ich hier die Geschichte eines unserer Negerknabm Baraza wieder. Über fein Geburtsland, Vater und Mutter befragt, weiß Baraza keine Namen anzugeben. Er mag dem Anschein nach wohl acht bis neun Jahre alt gewesen sein, als er der Heimat und den Eltern entrissen wurde. Seine Heimat muss in einem heidnischen Galla-Stamme ziemlich weit südlich von Abyssinieu gelegen sein. Der Knabe scheint offenbar während der ausgestandenen Leiden die Namen seiner Heimat und Eltern vergessen zu haben, zumal er sehr jung geraubt wurde. Nach seiner Angabe starben die Eltern einige Jahre vor seiner Entführung. Verwandte nahmen sich seiner an. Sein Pflegevater hieß Madj; der Kleine wurde zum Viehhüteu verwendet. Mit Freuden berichtet er über seine damaligen Kameraden, von denen leider zwei durch Räuber entführt wurden. Dieses elende Los sollte ihn bald selbst ereilen- Eines Tages kehrte er allein vom Weideplätze nach Hanse zurück. Während er gedankenlos vor sich hinsah, stand plötzlich ein fremder Mann an seiner Seite nnd fragte: „Wo gehst du hin?" „Nach Hause!" antwortete der Knabe. „Komm mit mir," sagte der Fremde. Der Kleine, sich augenblicklich des Loses seiner zwei Kameraden und der Erzählungen seiner Leute über die Räuber erinnernd, ahnte sofort Schlimmes und lief unwillkürlich und schreiend zu einem nahen Regeubache, indem er in seiner Einfalt dort sich zu verstecken gedachte. Der Fremde eilte ihm nach, fasste ihn am Arme, hielt ihm den Lumpen, den er um die Lenden trug, vor den Mund, um ihn am Schreien zu verhindern und schleppte ihn ans einen Hügel in der Nähe. Als die Nacht ihr Dunkel ausgebreitet hatte, führte er ihn in seine Behausung am entgegengesetzten Abhang des Hügels. Diese Räuber haben ihre Wohnungen für derlei Fälle praktisch eingerichtet. In einer Ecke der Hütte ist ein kleiner unterirdischer Keller gegraben, worin ihre Bente verborgen wird. In einen solchen Keller musste unser Knabe wandern. Er war dort aber nicht allein, er traf bereits sechs Knaben an. Ein Wächter stand ununterbrochen am Eingang in die dunkle Behausung. Nach einigen Tagen erkrankte der Wächter und legte sich in Abwesenheit des Herrn in einer nahen Hütte nieder. Diese Gelegenheit benutzte Baraza, um aus seinem Kerker zu entfliehen. Er eilte, ohne zu wissen wohin, in die unbewohnte Wüste. Aber seine Freiheit sollte von kurzer Dauer sein. Der Herr nahm seine Flucht gewahr, ließ ihn verfolgen, einbringen, peitschen und wieder zu seinen Leidensgenosseu sperren. Bereits in der folgenden Nacht wurde er mit zwei andern Sclaven in einen nahen Ort geführt und dort für zehn Kühe verkauft. Sein neuer Herr war ein Sklavenhändler. Bisher war der Knabe in Händen von Heiden geblieben. Nach vier Tagen kam et durch Kauf an einen muselmännischen Galla, der den Sklavenhandel sein Geschäft nannte. Nach einigen Tagen sagte dieser zum Sclaven: „Komme mit mir, wir gehen in einen Nachbarort, um einige Kühe zu holen," Nichts ahnend, folgte 128 Aus dem Leben einstiger Negcr-Sclaven. der Knabe seinem Herrn. Im Orte angekommen, bemerkte Baraza nur zu bald, dass er selbst wieder gegen eine Anzahl Kühe verhandelt werden sollte. Er begann zu weinen und zu bitten, ihn doch in seine Heimat zurückzubringen. Aber der Unglückliche befand sich in den Krallen der Muselmänner, die kein Herz für sein Flehen hatten. Noch ehe er sich seines elenden Loses gänzlich bewusst wurde, war der Händler mit dem Preise verschwunden und er abermals in den Händen eines neuen Mohammedaners. Schon nach zwei Tagen brach dieser mit ihm auf nach einer nahen Ortschaft und verkaufte ihn dort an einen Eisenschmied Namens Bnba für Geld im Werte von zwölf Kühen. Dieser Schmied war der erste Händler, dessen Namen der Knabe kannte, und hier war es auch, wo er zum erstenmale von Geld reden hörte. Daraus lässt sich schließen, dass unser Baraza allmählig von seiner heidnischen Heimat im Süden mehr und mehr nach dem mohammedanischen Norden im Galla-Lande verschachert wurde. Bei Buba hatte der Knabe verschiedene Arbeiten zu verrichten, als Bi-.h hüten, Wasser holen, Korn reiben u. s. w. Nachdem er etwa ein Jahr gedient hatte, kam der Herr in Noth, er hatte durch Krankheit und Seuche mehreres Vieh verloren. Daher verkaufte er auf Drängen seiner Frau den Selaven für sieben Kühe, also mit einem Verluste von fünf Kühen an einen andern Muselmann. Doch auch dieser verkaufte ihn einerseits bereits nach wenigen Wochen wieder an den eigenen Sohn für zwei Pferde. Dieser neue Herr war Soldat im Dienste eines abyssi-nischen Statthalters und selten zu Hanse. Die Frau hatte viel Arbeit und drang in ihren Mann, für den Sclaven eine Sclav in einzuhandeln, die sie besser unterstützen könne. Es war fast ein halbes Jahr, seit Baraza in diesem Hause war. Als er eines Abends nach Hause zurückkehrte, hörte er eben, wie die Frau mit lautem Reden den Mann aufforderte, den Sclaven zu verkaufen. „Ich war sehe müde", so erzählte mir Baraza, „und setzte mich vor der Hütte nieder. Alsbald brachte mir die Herrin den Kornbrei als Abendmahl. Es war mir unmöglich, zu essen, meine. Kehle presste sich mir zusammen bei dem Gedanken, dass ich nun abermals verkauft werden sollte." Am folgenden Morgen erhielt er von seinem Herrn den Befehl, zu dessen Mutter zu gehen und in ihrem Hause zu arbeiten. Kaum war er dort angekommen, als auch der Herr erschien. Während der Knabe vor der Hütte mit Arbeit beschäftigt war, hörte er, dass im Innern sein Herr mit einem Fremden über seinen Preis verhandelte. Schnell entschlossen, entfloh er, flüchtete sich in die Wohnung eines Osficiers und bat ihn weinend um Schutz gegen einen abermaligen Verkauf. Der Officier ließ den Soldaten, bisherigen Herrn Barazas, rufen und erbot sich selbst, den Sclaven zu kaufen. Doch vergeblich, der Soldat nahm mit Gewalt den Sclaven wieder mit sich nach Hanse und verkaufte ihn, nachdem er ihn für die Flucht gezüchtast hatte, an einen mohammedanischen Sclavenhändler. Nun bekam unser Baraza wieder Leidensgefährten, zwanzig Sclaven beiderlei Geschlechts traf er bei dem neuen Herrn an. Von jetzt an erst begann der regelrechte Sclaventransport an die Küste des rothen Meeres. Die Sclaven, 21 an Zahl, marschierten zu Fuß, während die Händler Pferde ritten, an denen das Land der Galla sehr reich ist. In der Nacht waren die Sclaven durch Eisenketten an einander befestigt. Verschiedene Angebote von 1—3 Pferden für je einen Sclaven wurden von den Händlern abgewiesen. Nach langem Marsche langte die Karawane in Limmu an, einem kleinen Reiche im Quellgebiete des Didesa, südwestlich von Abyssinien; mit Kaffa, Gera, Djima bildet Limmu einen der Hauptanziehungspunkte des Südwesten für die mohammedanischen Kaufleute Abyssiniens. Von hier wird Goldstaub, der ans den westlichen Berglündern kommt, Kaffee und besonders Menschenware ausgeführt, wogegen Salz, Glasperlen u. s. w. eingeführt werden. Der Hauptmarkt in Limmu ist Koma. Dort hielt unsere Sclavenkarawane an, nicht so sehr der Rast, als des Aus bcm Leben einstiger Neger-Sclave». 129 Handels wegen. Wiederholt wurden die Sclaven auf den Markt getrieben, die verschiedenen Angebote schienen jedoch die Händler nicht zu befriedigen. Endlich, nach zwei Wochen, wurde er und ein Mädchen für je 20 Thaler verkauft; was mit seinen Leidensgenosfen geschah, weiß er nicht. : ,1 ' III 1 li! i:: i: ■ . li Ä I •iiiU It i mm mäimti Der neue Herr brachte unsern Sclaven nach Godjam, einer abhssinischen Provinz an der Biegung des Abbai nach dessen Ausfluss aus dem Tsana-See und verkaufte ihn dort für 30 Thaler. Hier kam er wieder zu einer Sclavenkarawane und wurde mit dieser nach Gondar, der Hauptstadt Abhssiniens, trans- 130 AnS beut Leben einstiger Neger-Selctven. portiert. In Abyssinien ist zwar nach dem Gesetze der Sclavenhändel den Christen strenge verboten; sie wissen jedoch das Gesetz auf mancherlei Art zn umgehen, indem sie sich bei Verkauf von Sclaven der Mohammedaner bedienen. In Gondar wohnt das Haupt aller mohammedanischen Kaufleute Abyssiniens, dort befindet sich auch das Haupt der Sclavenhändler, der den Transport der Menschenware zwischen dem Innern und der Küste vermittelt. Unser Baraza blieb in Gondar etwa 14 Tage, mit andern wurde er um den Preis von 40 Thalern wieder verkauft und einer neuen Karawane zugetheilt, die an das rothe Meer gehen und dort nach Arabien übersetzen sollte. Damals — es war im Jahre 1887 — war das Land zwischen Gondar und der Küste in Kriegszustand gegen die Italiener, die im Jahre 1885 Mcissauah besetzt hatten. Der Negus Johannes von Abyssinien fahndete auf die Sclavenkarawanen, und Banden machten die Wege unsicher. Der Transport musste daher möglichst geheim vor sich gehen. Die Karawane, welche von Gondar ab etwa 40 Sclaven beiderlei Geschlechtes zählte, war von einem christlichen und einem mohammedanischen Wegweiser geführt. Es wurde meist nur bei Nacht marschiert, bei Tage in Verstecken geruht. Der Weg über felsige Gebirge war höchst beschwerlich, mehrere Sclaven sanken vor Anstrengung nieder und wurden dem Huugertode überlassen. Nach einem Marsche von 14 Tagen erreichte man Biö Nogos, Residenz des Negus. Dort in der Nähe hielt sich die Karawane gegen drei Monate lang auf, um indes die Route nach Massauah genau auszukundschaften und allen Gefahren einer Entdeckung möglichst vorzubeugen. Der Transport wurde für die Händler immer gefährlicher, je mehr sie sich den italienischen Vorposten näherten. Wiederholtemale mussten sie Eingeborene durch Geld bestechen, um eine Denunciation zu vermeiden. Ihre Absicht war, die Sclaven abseits von Massauah geheim nach Arabien einzuschiffen. Sie schlugen ihr Lager an einem unbeobachteten Orte auf und sandten zwei aus ihrer Mitte nach Massauah, um mit ihren dortigen Agenten und Spießgesellen über die Einschiffung zu berathen, während die beiden Wegweiser sich zu den nahen Brunnen schlichen, um Wasser zu holen. Die Händler hatten offenbar große Furcht, von den Italienern entdeckt zu werden. Als Baraza das weißrothe Tuch, das er um die Lenden trug, über seinem Haupte ausbreiten wollte, um sich gegen die Sonnenstrahlen zu schützen, wurde er sofort unter einer Flut von Schimpfreden und Hieben daran gehindert, um ja nicht durch irgend ein Zeichen ihren Aufenthaltsort zu verrathen. Doch die Räuber sollten ihrer verdienten Strafe nicht entrinnen. Die beiden Wegweiser begegneten am Brunnen zwei bewaffneten Baschi-Bozuks, Negerpolizeisoldaten im italienischen Dienste. „Woher kommt ihr? fragten die Soldaten. „Aus der Umgegend", war die Antwort. „Ihr seid Lügner, euer krummes Schwert veräth euch, ihr kommt aus dem Innern!" schrien die Soldaten, banden den Beiden die Hände auf den Rücken und trieben sie mit Stockhieben vor sich her unter der Aufforderung, sie sofort zu ihrem Lagerplatz zu führen, widrigenfalls sie des Todes seien. Den beiden Gefangenen blieb nichts übrig, als die Karawane zu verrathen. Beim Ansichtigwerden der Soldaten enstand im Karawauenlager die größte Aufregung. Ein Händler suchte mit zwei Sclavenmädchen in die Berge zu entfliehen, wurde aber von den Soldaten zum Stehen gebracht durch Androhung sofortigen Erschießens. Die ganze Karawane wurde in Haft genommen. Die sechs Sclavenhändler, zwei zu zwei an den Armen zusammengekettet, mit dem schweren Gepäcke beladen, während die Sclaven frei gierigen, so begab sich der ganze Trupp nach Massauah zum Militärcommando. Die Händler waren nun die Sclaven, die Sclaven die Freien. Die Stimmung der armen Sclaven war aber nichts weniger als froh. Die Räuber und Händler hatten ihnen schreckliche Dinge über die Italiener und Weißen erzählt, die armen Geschöpfe Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. 131 fürchteten, dass sie nun einer noch schlimmeren Behandlung entgegengehen oder von den Weißen gar gefressen würden. Sie sollten sich aber gar bald vom Gegentheil überzeugen und die Lügenhaftigkeit und Niederträchtigkeit ihrer mohammedanischen Henker erkennen. Angelangt im italienischen Quartier, sahen sie sich von Officieren umgeben, die sie trösteten und ermuthigten, mit ihnen scherzten itnb sie trefflich bewirteten. Sie sahen, dass italienische Officiere und Soldaten für sie nur Worte des Mitleids und Erbarmens hatten, die Händler dagegen in Fesseln legten und mit Verachtung und Stoßen behandelten. Nachher wurden die Sclaven auf die Insel Massauah überführt und dort verpflegt, während ihre Händler der verdienten Strafe harrten. Was nun mit den Sclaven anfangen? Es war nicht möglich, sie in ihre Heimat zurückzubringen, da manche dieselbe gar nicht kannten. Das Kriegsgericht beschloss, dieselben katholischen Missionen zur Erziehung zu übergeben. Während ein Theil den französischen Lazaristen in Massauah selbst übergeben wurde, wurde der Rest unserer Mission anvertraut, nämlich zehn Knaben und sechs Mädchen. Auf Kosten der italienischen Regierung wurden letztere nach Suez gebracht und dort von uns in Empfang genommen. Nachdem Baraza mit andern Gefährten in der hl. Religion unterrichtet worden war, erhielt er mit denselben die Taufe in unserer Herz Jesu-Kirche in Kairo am 3. Juni 1888. P. A'avcr Hcyer, F. S. C. 4. Mcrvicr Zofefcr Wok. Senn man die Lebensbeschreibungen unserer Neger etwas näher betrachtet, und zugleich die merkwürdige Weise, ans die der liebe Gott sie zum Licht des Glaubens führt, ins Auge fasst, so sieht man klar, dass die vielen Ereignisse und Schicksalsschläge dieser Armen nicht einem leeren Zufall, sondern einer besonderen Fügung der göttlichen Vorsehung zuzuschreiben sind. Als Beweis lege ich dem gütigen Leser eine kurze Lebensbeschreibung einer Negerin, namens Bol, und die merkwürdigen Umstände ihrer Bekehrung vor. Bol, wie es ihre schlanke Statur andeutet, gehört dem Negerstamme der Dinka an. Im Alter von 8 Jahren war sie durch ihren Fleiß der Trost ihrer Eltern Den und Schol, die über das Fortziehen ihrer drei älteren Töchter gar sehr betrübt waren. Eines Tages wurde Bol von der Mutter in den Wald ge-fchickt, um dort Holz und Reisig zu sammeln. Auf einmal erscholl ein betäubender Höllenlärm. Von allen Seiten stürzten wilde Baggara auf das einsame Dorf heran. Mit rasender Wuth metzelten sie nieder, wer immer ihnen zu widerstehen versuchte. Die Flüchtlinge wurden gefangen, das Dorf in Flammen gesetzt, Weiber und Kinder als Sclaven fortgeschleppt. Unter letzteren befand sich unsere kleine Bol; vergebens suchte sie nach ihrem Vater, der im blutigen Kampfe erlag, vergebens nach ihrer Mutter, die in den Flammen den Tod fand. Sie warf noch einen traurigen Blick ans das in lichterlohen Flammen stehende Dorf zurück und brach in bitteres Weinen aus. Ein Baggara legte ihr, um sich von dem ungestümen Schluchzen zu befreien, einen Mundknebel an und band sie mit mehreren anderen Mädchen auf ein Kameel, und dann giengs vorwärts durch die Wüste. Die Reise war lang und schwierig. Die Sonne brannte unbarmherzig auf die schmachtenden Sclaven hernieder. Kein Tropfen Wasser kühlte ihre vertrocknete Zunge. Nur spärliches Brot reizte ihren Hunger. Wie Steine hiengen sie von den Kameelen herunter, und es wurde ihnen nicht gestattet die unbequeme Lage zu ändern. Gar viele erlagen den Strapazen der Reise und wurden dann die Beute der Hyänen 132 Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. und Schakale. Die Feder sträubt sich, andere Greuclthateu zu beschreiben. Nach einigen Wochen langte die schmachtende Karawane in Chartum an. Bol, wie sämmtliche Sclaven befand sich in erbärmlichem Zustande; sie glich mehr einem Skelet als einem lebenden Menschen. Die Baggara sahen sich deshalb genöthigt, ihre Ware besser zu halten, um Gewinn daraus ziehen zu können. Indessen lagen die Sclaven am Marktplatze und harrten mit Entsetzen auf ihre neue Bestimmung. Am bestimmten Markttage war ein außerordentliches Leben an genanntem Platze. Die Sclaven wurden vertheilt unter ihre neuen Besitzer, und Bol wurde den Selavinnen der Regierung zugezählt.*) Das Los der kleinen Bol war wohl wenig erleichtert. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein musste sie übermäßige Lasten tragen, das Getreide unter dem großen Reibsteine zermalmen ltnb viele andere harte Arbeiten verrichten. An gewissen Tagen musste sie auf den Markt der Sclaven gehen, mit der fürchterlichen Aussicht, von Wolfstatzen in die Krallen eines Tigers zu gerathen. Jedoch der liebe Gott, der selbst der Krähen nicht vergisst, wachte über Bol. Sie wurde von einem reichen Handelsmann aus Chartum gekauft, welcher sie nicht als Sclavin sondern als Gattin zu sich nahm. Welch Glück für Bol! Sie änderte nach Wunsch ihres Mannes den Namen Bol in A schia, und bewies ihrem Wohlthäter stets die aufrichtigste Treue und die aufrichtigste Dankbarkeit, sei es durch pünktliche Erfüllung ihrer Hausarbeiten, sei es durch eine zärtliche Erziehung ihrer beiden Kinder. Aber so sollte es nicht lange dauern. Im Innern des Sudan wüthete schon der Aufruhr der Mahdisten. Gar viele Dörfer hatten sich dem Mahdi unterworfen, und er hegte schon den Plan, Chartum zu erobern und es zur Hauptstadt seines Reiches zu machen. Als in Chartum die Nachricht von der Zerstörung EbObeid's und anderer Ortschaften ankam, und erzählt wurde, dass der Mahdi mit einer ungeheueren Kriegshorde auf Chartum losgehe, machte sich alles auf, um die Stadt zu verlassen. Nur Militär und wenige Familien blieben zurück. Nach wenigen Tagen lagerten die Derwische in der Nähe Chartums. Welch Entsetzen ergriff die zurückgebliebenen Bewohner! Doch der Schmerz Aschias war noch schrecklicher. Vor wenigen Tagen sah sie ihre beiden Kinder sterben; und jetzt ist sie in Gefahr, von ihrem Gatten getrennt, wieder in die Eclaverei zu gerathen und jener siegesstolzen Räuberhorde preisgegeben zu werden. Ihre Furcht bestätigte sich leider. Was sie diesmal erlitten, ist unsäglich. Ihre erste Sclaverei, wie sie selbst zu sagen pflegte, war mit dieser letzteren nicht zu vergleichen. Doch ihre starke Constitution ertrug alles. Nach wenigen Jahren wurde sie von einem ägyptischen Sclavenhändler gekauft und nach Uadi-Halfa gebracht, in der Absicht, sie dort wieder heimlich zu verkaufen; aber als einstige Sclavin der Regierung erkannt, wurde ihr Verkauf verhindert und sie sofort nach Kairo gebracht, wo sie einem egyptischen Soldaten, namens Sorur, übergeben wurde. Nach kurzer Zeit unfriedlichen Lebens führte sie der Soldat zum Gadi (Richter), wo er die Ehescheidnngserklürung abgab; dann gab er ihr ein letztes „Lebewohl!" und verschwand in der Menge des Volkes. Indessen begab sich Aschia in das der Missionscolonie in Gesira nahegelegene Dorf Eschesch, um dort ihr Unterkommen zu suchen. Es dauerte nicht lange, da kam der genannte Soldat wieder zurück, voll von Reue, sie verstoßen zu haben, und bat ein zweites-mal um ihre Hand. Aschia gewährte sie ihm, und so lebten sie einige Jahre bei-sainmen, bis der Mann fast plötzlich erblindete. Er wurde ins Militärspital gebracht, wo er nach kurzer Zeit starb. Aschia kehrte wieder in das obengenannte Negerdorf zurück. Dort wurde sie der ersten Anzeichen der Schwindsucht gewahr, die ihr langsam das Leben nehmen sollte. *) Damals war der Sclavenhandel von Seite der ägyptischen Regierung noch nicht gesetzlich abgeschafft. Aus beut Leben einstiger Neger-Sclaven. 133 Eines Tages begab sich Aschia zu unseren Missionsschwestern, um dort ein Mittel zu finden, ihren hartnäckigen Husten ztl stillen. Am Hofthor angekommen, zog sie mit starker Hand an der Glocke, als wollte sie Sturm läuten. Die Pförtnerin, die ihre Gäste kannte, öffnete der Kranken das Thor und winkte ihr, im Hofe Platz zu nehmen, sie würde sogleich mit der Arznei kommen. Kaum hatte sich die Schwester entfernt, stürzte der mächtige Haushund, der soeben sich von der Kette losgemacht, auf die Arme los und hätte sic in Stücke zerrissen, wenn nicht sofort eine Schwester herbeigelaufen und sie vom ungestümen Hauswüchter 134 Aus bent Leben einstiger Neger-Selaven. Befreit hätte. Aschia war so sehr vor Schrecken ermattet, dass die Schwestern sich genöthigt sahen, sie ans einige Tage int Krankenzimmer zn halten. Es war Fügung Gottes. Als sich Aschia von den Schwestern mit vieler Liebe und Sorgfalt behandelt sah, fasste sie den Entschluss, im Institute zu bleiben, und fieng an, mit den anderen Negerinnen den Katechismus zn lernen. Ihr gutes Talent hätte gewiss vieles zu hoffen gegeben, aber ihr Stolz war ein Hindernis für den Einfluss der göttlichen Gnade. Nach ein paar Monaten kehrte sie wieder ins Eschesch-dorf zurück. Der göttliche Samen war indessen in ihr Herz gelegt und sollte trotz der vielen Gefahren, denen sie ausgesetzt war, nicht mehr ersticken. Sie sprach mit den Negerinnen des Dorfes stets mit Ehrfurcht von der christlichen Religion, von der Liebe, mit welcher die Schwestern der Mission die Neger behandelten u. s. tu., kurz, sie war die Predigerin zugunsten des Christenthums im Dorfe. — Als hie und da Schwestern ins Dorf kamen, um Kranken Arzneien zn spenden, begleitete sie Aschia oft, und küsste das Crucifix, das sie auf der Brust tragen. Sie schickte mehrere Kranke zu den Schwestern, und diente somit mancher als Wegweiserin zum ewigen Heile. So vergiengen indessen 4 Jahre. Vorigen December, als ihr Übel schon sehr vorgerückt war, entschloss sie sich wieder ins Institut zurückzukehren. Die Schwestern ertheilten ihr nebst Arzneien auch religiösen Unterricht. Ihr Ende schien nahe zu sein; die Schwestern verdoppelten ihren Fleiß, um sie zur hl. Taufe vorzubereiten. Am 15. April erlitt die Arme eine ungemein starke Erschlaffung, die ein nahes Hinscheiden ankündigte. Aschia bat selbst die Schwester, ihr einen Pater zu rufen, der ihr die hl. Taufe spende. Welche Freude für die Schwestern! Ihre Gebete waren erhört, ihre Mühen reichlich belohnt. Nach wenigen Minuten erschien der Pater und goss über den schwarzen Kopf das Wasser der geistlichen Wiedergeburt. Maria Josefa, so wurde sie in der hl. Taufe genannt, war außer sich vor Freude und schien sich auch etwas zu erholen, so dass es leicht war, ihr in den folgenden Tagen auch die übrigens Sacramente zu ertheilen. Sie sollte aber nicht mehr lange in diesem Thränenthale leiden. Am 7. Mai abends entschlief sie sanft im Herrn, das Crucifix und den Rosenkranz in den Händen haltend. Geziert mit dem Sternenglanz der Unschuld, trat diese neugeborne Tochter-Gottes in das väterliche Reich ein, um sich die lange Ewigkeit hindurch am festlichen Hochzeitsmahle ihres himmlischen Bräutigams zu erfreuen. — Erinnere dich, glückliche Seele, sovieler Millionen Neger und Negerinnen, die noch in der Finsternis des Unglaubens und im Schatten des Todes schmachten und erlange ihnen beim Thron des Allmächtigen die große Gnade, die dir zutheil wurde, das Licht des Glaubens, die Freiheit der Söhne Gottes, und die ewige Glückseligkeit. Gesira, den 20. Juni 1899. P. Keinnch Seiner, S. d. h. K. Ins niib übet bril Sub im. Sudan ist für uns Missionäre das „gelobte Land", nach welchem wir uns trotz Entbehrungen und Mühsalen, welche uns dort erwarten werden, ßjSj/ schon seit gar langer Zeit gesehnt haben. Schon rückt die Stunde immer näher, welche den Anfang einer neuen Missionsperiode, hoffentlich einer glücklicheren als die vorhergehende, bilden wird für die geprüfte und doch noch jugendliche Mission von Central-Afrika. Der ägyptische, vor kurzem wieder eroberte Sudan, der nur einen Theil des Vicariates von Central-Afrika bildet, ist kürzlich in 18 große Bezirke oder Aus und über den Suban. 135 Provinzen eingetheilt worden, auf dass so die Verwaltung und die Herstellung geordneter Zustände besser von statten gehe. Die erste Provinz bildet Nubien mit der Stadt Assuan. Um diese Provinz streiten sich Ägypten und Sudan, denn jedes will es als die seinige betrachten. Einige Landstriche im Norden von Assuan sind fruchtbar, aber der größte Theil ist nicht bearbeitet und bebaut. Die Berberiner, Bewohner dieser Provinz, leiden an einer unheilbaren Trägheit und einem natürlichen Widerwillen gegen die Landarbeit, woher es kommt, dass sie sich nur spärlich ernähren können, besonders im Süden der Provinz, und dass ihre Mattigkeit sprichwörtlich geworden. Die zweite Provinz ist Halsn, sie erstreckt sich von Fars bisAkascheh in einer Länge von 200 Meilen. Hier findet man wenig cultivierbaren Boden, besonders um Halsa herum; aber die Dattelbäume sind sehr zahlreich und ihr Erträgnis reicht hin, die Eingebornen zu ernähren. Do ngola ist die dritte Provinz mit einer Oberfläche von 350 sfi-Meilen und in sieben Bezirke eingetheilt. Wie alle anderen Mndirien des Sudan, steht sie unter einem englischen Mudier. Sie wird als eine der fruchtbarsten Provinzen des Sudan betrachtet; sie versieht mit Datteln die ganze Gegend. Ferner sind auch ihre Bewohner rührige Leute und zeigen Neigung für die Bodencultur, weshalb man ihnen auch die nöthigen Werkzeuge dazu verschafft hat und sie durch englische Soldaten unterweisen ließ. Die Einnahmen dieser Provinz betrugen schon dieses Jahr 18.000 ägyptische Lire; in Zukunft können sie sich aber bis zu 60 000 Lire erheben. Die vierte Provinz ist Berber. An der Nordseite sind die Landstriche nicht cnltivierbar selbst bis Berber; die anderen Gegenden sind gut. Aber die Bewohner taugen nichts und wollen nicht arbeiten; es wird sie aber doch der Hunger dazu zwingen, und ihre Lage ist immer eine dürftige. Char tum, die Provinz glorreichen Namens, umfasst einen großen Theil der einer Insel ähnlichen Fläche von Chartum und das Land zwischen dem blauen und weißen Ml. Hjeher ist der Sitz des General-Gouverneurs verlegt. Gegenwärtig arbeitet man mit fieberhafter Schnelle am Baue mehrerer öffentlicher Gebäude, wie den Palast des General-Statthalters, Knabenschule u. dgl. Alle Gebäude werden nach europäischer Art hergestellt, mit großer Genauigkeit und vollkommener Übereinstimmung mit den Regeln der Hygiene, kurz wie man sie in den größten modernen Städten Europas antrifft. Von Alt-Chartum bleiben nur einige schöne Gärten, und es ist der Mühe wert, sie zu erhalten und noch wertvoller zu machen. Der General-Gouverneur hat sie fast alle gekauft, den Feddan für 18 Lire und jeden Dattelbaum zu einer Lire. Alle Handelsbewegung geht noch von Omdurman aus, der jetzigen Hauptstadt der Provinz Chartum am westlichen Ufer des weißen Nils. Der größte Theil des Handels ist in den Händen einiger Griechen, deren Unternehmungsgeist und Energie erstaunlich sind. Ihnen ist es zu verdanken, dass man in der alten Hauptstadt des Mahdi alles zum Lebensunterhalt Nöthige findet, selbst Hotels und Kaffeehäuser. Außer den Griechen wohnen noch in Omdurman Juden, Syrier und Armenier, aber in kleiner Anzahl. Sobald Chartum wieder einigermaßen wird aufgebaut sein, wird man Omdur-man zerstören, damit ja kein Andenken an die Mahdiherrschaft übrig bleibe- Es ist nicht schade darum: der Erdboden ist unfruchtbar, die Hitze glühend heiß und das Klima der Gesundheit wenig zuträglich. Trotzdem ist Omdurman noch die bevölkertste Stadt des Sudan, was sie dem Handel verdankt, dessen Mittelpunkt sie zur Zeit des Chalifats bildete. Sennaar ist die sechste Provinz; sie liegt am blauen Nil und erstreckt sich im Süden bis zur Grenze Abyssiniens. Die Regen sind dort häufig, weshalb allenthalben eine große Fruchtbarkeit anzutreffen ist. 136 Aus und über den Sudan. Unglücklicher Weise begünstigen seine Wälder die heftigen Fieber. Die ägyptisch-englische Expedition zur Verfolgung des Ahmed Fadil hat sehr darunter gelitten. Unter den Soldaten gab es 60 °/0 Kranke. Selbst die Eingebornen sind gezwungen, zu bestimmten Zeiten ihre Wohnsitze zu verlassen und weniger ungesunde Plätze aufzusuchen. Die siebente Provinz ist Faschoda, wegen derer noch vor zwei Monaten die Franzosen und Engländer sich bald in die Haare gefahren wären. Sie liegt am weißen Nil und erstreckt sich fast bis zu seinen Quellen. Diese Provinz kann ein gutes Erträgnis liefern. Viehherden finden sich überall und in gutem Stande; nur den Kameelen wird der Aufenthalt durch die Quälereien von Seite verschiedener Jnsecten verleidet. Faschoda wird von Negern bewohnt, welche mehreren Stämmen angehören; so von den Schilluk, Dinka, Nuer u. s. to. Im Handel bedienten sie sich bis jetzt anstatt des Geldes kleiner Eisenstücke; auch nach Einführung der ägyptischen Münzen ist das Eisen seiner Seltenheit wegen sehr geschätzt un'b gesucht, da es auch noch zur Verfertigung von Waffen, des einzigen Stolzes der dortigen Neger, verwendet wird. Die einzelnen Stämme werden von eigenen Königen, welche sie Makkie nennen, regiert. Die achte Provinz ist Kassala, welche die bedeutenden Landstriche von Gedaref und Gallabat umfasst. Das Ergebnis der Ernten ist beträchtlich und der Handel ziemlich lebhaft; trotzdem befinden sich die Bewohner in einem elenden Zustande; man mnsste sie bisher mit den nöthigen Sämereien versehen. Suakin mit den umliegenden Küsten- und Wüstenstrichen ist auch Provinz des Sudan geworden. Früher war die Stadt ein bedeutender Hafen und Handelsplatz, da eine Karawanenstraße sie mit Chartum verband; hoffentlich wird sie sich, nachdem der Sudan wieder geöffnet, zu ihrer früheren Bedeutung emporschwingen. Obwohl sie am Meere liegt, so kann man sie im Sommer einen Glühofen im wahren Sinne des Wortes nennen. Die central-afrikanische Mission hat dort seit langem Missionshaus, Kirche und Schule errichtet. Die übrigen Provinzen, wie Darfur, Kordofau, Wadai und die Äquatorialprovinz sind bis jetzt gar nicht oder doch unvollkommen in definitiven Besitz genommen. In diesem Sommer scheint man es vorzuhaben, mit hinreichender Stärke nach Kordofan zu marschieren, um die Macht des Chalisen vollends zu vernichten. Der Ex-Chalifa ist also noch immer im unglücklichen Kordofan mit mehr oder wenigen Parteigängern. Von diesen kommen immer von Zeit zu Zeit einige Scharen, wenn ihnen der Hunger keinen Ausweg mehr lässt, nach Omdurman oder zu den benachbarten regierungsfreundlichen Bedninenstämmen, um ihre Unterwerfung anzubieten und sich so am Leben zu erhalten. Äber auch in Omdurman selbst geht es nicht golden zu. Eine ansteckende Krankheit räumt seit einiger Zeit unter den Bewohnern sehr auf; sie beginnt mit Fieberfrost, dem bald heftige Schmerzen am Rückgrade folgen. 60 °/0 der Kranken fallen ihr zum Opfer. Besonders sind es die Neger, die von ihr ergriffen werden, während Erkranknngsfälle an dieser Seuche unter Ägyptern und Europäern sehr selten vorkommen. P. Josef Münch, F. S. C. ftwis turnt il«ritii=ltrtii! für Wik«. ^s>ns Wien erhalten wir vom Marienvereine erfreuliche Mittheilungen über Jpif den Beginn eines regeren Lebens zur Verbreitung dieses altehrwürdigen ^ Vereines, dem unsere Mission so viel verdankt. Möge die Bewegung zu Gunsten des Marienvereines eine immer weiter- und tiefgreifendere werden, damit derselbe den wachsenden Bedürfnissen der afrikanischen Mission stets erfolgreicher entgegenkommen könne. Sihung öes Wienert Aröcesctn-Ansfchusfes. Der Wiener Diöcesan-Ausschuss hielt Freitag, den 16. Juni eine Sitzung. Der Vorsitzende theilte mit, dass mit Zustimmung Sr. Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Cardinals Dr. Anton Gruscha, die Monatsschrift „Stern der Neger" zum Organ des Marien-Vereines bestimmt und für jede Pfarrgruppe auf Kosten des Vereines je ein Exemplar dieser Zeitschrift pränumeriert werde. Es wurde des weiteren besprochen, dass eine erhöhte Thätigkeit des Vereines und der Pfarrgruppen umso nothwendiger sei, als die Einnahmen des Vereines im allgemeinen zurückgegangen seien, während gerade jetzt mehr Geldmittel nothwendig seien, damit die Missionäre in größerer Zahl in das wieder zugängliche Sudangebiet vordringen können. Es wurde ferner beschlossen, an verschiedenen Orten Wanderversammlungen des Marien-Vereines zu veranstalten, um den Verein und seine Zwecke immer mehr-bekannt zu machen. IüngLinge Begeistern sich für Afrika und für 6en Warien-Werein. ^hocherfreut waren wir in Wien über die Mittheilung, dass Hochw. P. Joses Weiller F. S. C., aus seinen apostolischen Reisen vor den Gymnasial-^studenten in Melk einen Vortrag hielt, und dass sich etwa 60 Studenten aus den „Stern der Neger" pränumeriert haben. Das ist edel von diesen Studenten. Vivant! — In Wien kam vor etlichen Wochen ein 18jähriger Jüngling, welcher die Handelsschule besucht, zum Vicepräsidenten des Diöcesan-Ausschusses mit der Erklärung und Bitte, er wolle im X. Bezirke eine Pfarrgruppe des Marien-Vereines für Afrika gründen. Auf die Frage, wie er dazu komme, solches zu planen, erwiderte er, er habe am Umschlage eines kleinen Büchleins (von der Afrika-Bibliothek) eine Aufforderung gelesen, und es lasse ihm jetzt keine Ruhe, er wolle im X. Bezirke (Favoriten) diesen Verein einführen. Der Vicepräsident meinte, im X. Bezirke aber gibt es sehr viel Armut, und im X. Bezirke, der für seine 100.000 Einwohner indes nur eine einzige Kirche habe, wäre es nothwendiger Geld zu sammeln für die geplanten neuen Kirchen (für die St. Antonius-Kirche, für die St. Philomena-Kirche und für die 12 Apostel-Kirche). Trotzdem meinte der Jüngling, auf seinem Plane bestehen zu sollen. Da er Secretär des Kath. Jünglingsvereines im X. Bezirke ist, so warb er in und durch diesen und hatte nach wenigen Tagen schon 80 Mitglieder, und so wurde denn am Frohnleichnamsfeste im Gemeindehause des X. Bezirkes eine sehr ^ gut besuchte Versammlung gehalten, bei welcher der Jünglingsverein des IV. Bezirkes (Wieden) mitwirkte durch musikalisch-declamatorische Vorträge. Es meldeten sich 12 138 Nehmet Theil mit Werke des Weltapostolates. viele neue Mitglieder an. Während der Versammlung sprang auf einmal ein löjähriger Jüngling auf die Tribüne und bat den Vorsitzenden um Anweisungen, wie er es machen solle, er möchte auch eine Filiale des Marien-Vereines für Afrika anregen, und zwar im XVII. Bezirke (Hernals). Es wurden ihm die entsprechenden Weisungen gegeben. — Ist das herrlich, dieser Eifer der Jünglinge! Wenn das viele Jünglinge so machen, dann wird es gewiss vorwärts gehen mit dem Marien-Verein für Afrika! — Ihr 60 Studenten von Melk, was wäre es, wenn ihr in den Ferien — ein jeder an dem Orte seines Ferienaufenthaltes — die Gründung einer Pfarrgruppe des Marieu-Vereines für Afrika anregen und durchführen möchtet! — Die nöthigen Anweisungen hiezu (Statuten, Bittgesuche an die Behörde) stellt gerne zur Verfügung der Vicepräses des Wiener Marien-Vereines für Afrika: Domcapitular Anton Schöpfleuthner, Wien, I., Stefausplatz 6. Ilfljiiifl Theil mit Werlte its Welittitttjittlitles! vas es bisher geleistet hat, noch viel mehr leisten könnte. Es ist betrübend für ein österreichisches Herz, dass die zweiunddreißig Millionen österreichischer Katholiken hinter dem kleinen, größten-theils protestantischen Holland in einer so heiligen Sache soiveit zurückbleiben. Eine rege Theilnahme Österreichs an dem Werke des Weltapostolates wäre nach meinem Dafürhalten aitch ein vortreffllichcs Mittel zur religiösen und sittlichen Wiedergeburt unseres Vaterlandes. Es ist wahr, dass die Begeisterung für die Glaubensverbreitung schon einen gewissen Grad von religiöser Begeisterung voraussetzt, ist aber dieser vorhanden, so stärkt gerade das Werk der Glaubensverbreitung das religiöse Gefühl des Volkes ungemein. Wie ein jeder Mensch, so bekommt auch ein Reich bei seiner Entstehung eine Bestimmung und eine Aufgabe und, wenn es diese erfüllt, wird es reich und glücklich, weicht, es von derselben ab, so zerfällt es in sich selbst und geht zugrunde.. Offenbar hat aber unser Österreich von Gott die Aufgabe erhalten, die christliche Religion und Civilisation gegen Süden und Osten zu verbreiten und den Islam zurückzudrängen. Österreich ist seiner Natur und Bestimmung nach ein apostolisches Reich, und nicht umsonst führt unser Kaiser den Titel „apostolische Majestät." Darum müssen alle Österreicher sorgen, dass Österreich diese seine erhabene Aufgabe erfüllt und sich so den Segen Gottes sichert für alle Zeiten. Wie der heilige Geist, als er in Gestalt von 140 Frohnleichnamsfest in der Negercolonie. Zungen mit Psingstfeste den Aposteln erschien, irnmit ihre Aufgabe, alle Völker zu bekehren, ausdrücken wollte, so deutet auch die wunderbare Sprachenverschiedenheit -Österreichs auf seine aposto lische Aufgabe hin. Was österreichische Missionäre vermögen, das haben die Anfänge unserer Mission gezeigt, die in der neuesten Kirchengeschichte ihresgleichen suchen, ebenso der allznwenig bekannte österreichische Missionsbischof Baraga, der in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts an 50.000 Indianer getauft haben soll, gezeigt haben es die österreichischen Missionäre, Jesuiten in Zambesi und Kapuziner in Indien. Es ist aber nothwendig, dass der Missionseifer von Berufenen in dem Volke immer mehr geweckt werde, damit das ganze Österreich für die erhabene Idee des Weltapostolates aufstehe und sich so für die Kirche Gottes unendliche Verdienste erwerbe, für sich aber Gnade und Segen des Allerhöchsten. tcopois cnmrb, f. s. c. FrchilkichillmM in der ltgtrrolonit. Ge sira, den 14. Juni 1899. all den Feierlichkeiten, welche uns die katholische Kirche vor Augen führt, nimmt gewiss das hochheilige Frohnleichnamsfest einen der ersten Ij Plätze ein. Auch der Missionär im fernen Lande wendet alles auf, dieses Fest gleich der ganzen Christenheit auf das feierlichste zu begehen. Es ist allbekannt, dass die Heiden und Ungläubigen, besonders aber die Neger sehr zu all dem hinneigen, was mit den Sinnen wahrnehmbar ist, denn all ihr Leben und Treiben lässt sich in dem Worte „Genießen" zusammenfassen. Da darf der Missionär nicht versäumen, solche Gelegenheiten zu benützen, um ihnen die Größe und Heiligkeit unserer Religion darzustellen. Die geehrten Leser des „Stern der Neger" werden sich erinnern, dass das Frohnleichnamsfest im verflossenen Jahre in diesem kleinen, aber anmuthigen Fleckchen Erde — Gesira — zur allgemeinen Befriedigung gefeiert wurde. Dasselbe geschah auch Heuer wieder und ich erlaube mir, im Folgenden etwas weniges für unsere lieben Wohlthäter zn berichten. In den 3 Tagen vor dem Feste wurde stramm gearbeitet an den Vorbereitungen. Besondere Anerkennung verdienen die braven Schreiner mit ihren Lehrlingen; alle trugen und schleppten Balken und Bretter, sogar die kleinsten Krausköpfe waren vor Arbeit in Schweiß gebadet; doch niemand achtele die Mühe, da es galt, dem göttlichen Heilande einen Thron zu zimmern, auf dem er kurze Zeit sich niederlassen und weilen sollte. Es wurden drei Altäre errichtet, die mit Sträuchern und Blumen aller Art förmlich überschüttet waren. Der Weg, den die Procession nehmen sollte, war auf beiden Seiten mit Fähnchen in den verschiedensten Farben abgesteckt. Auch das kleine Negerdorf hatte sich auf das Beste herausgeputzt, au den Wohnungen hiengen Verzierungen und Bilder. Auch drei Triumphbogen waren errichtet worden und an den Pfeilern der von Rebenlanb überschatteten Straße waren zwischen frischem Grün Bilder angebracht, welche die hauptsächlichen Thaten aus dem Leben des Erlösers veranschaulichten. Am Vorabende fanden sich die Knaben und Mädchen sowie zahlreiche Erwachsene zur hl. Beichte ein, um das Fest selbst mit einer hl. Communion zu feiern, denn ohne Empfang der hl. Sacramente würde an solchen Festen dem Neger die rechte Feststimmung fehlen. Beim Grauen des Festtagsmorgens war schon alles auf den Beinen. Nach der üblichen Morgendandacht gieng es mit Musik zur nahen Kirche, wo mit 6]/a Uhr das feierliche Levitenamt statt fand. Während des hl. Opfers wurde voin Knabenchor eine lateinische Messe gesungen unter Leitung eines unserer Brüder; die Aufführung erbaute und befriedigte alle Anwesenden, wortmter einige hochw. Väter FrohnleichimmSfest in der Negercolonie. 141 und Schwestern aus Kairo und Väter einer anderen Missionsgesellschaft von eben-dorther. Nach beendigter Messe folgte die feierliche Procession in folgender Weise. Den Zug eröffnete ein Bruder im Chorrock als Kreuzträger, dem zwei Negerknaben als Leuchterträger zur Seite schritten. Ihnen schloss sich die Musikkapelle cm, welche während der Procession mehrere ernste unb erbauliche Stücke spielte, abwechselnd mit dem Sängerchor. Dann folgte die rothe Herz Jesu-Fahne, getragen von einem Neger in Begleitung. Hinter derselben schritten in zwei Reihen die Negerknaben, alle weiß gekleidet. Gar lieblich waren die kleinen Knaben und Mädchen anzusehen, welche Blumen streuten! Welche Freude und welches Glück strahlte auf 142 Verschiedenes. ihren schwarzen Gesichtchen; sie schienen sich bewusst zn fein, dass sie dem göttlichen Kinderfreund den Weg mit Blumen bahnen durften. Dann erschienen der hochwürdige Clerus, dahinter die buntgekleideten Rauchfassträger in unmittelbarer Nähe des Traghimmels, der von vier Negern getragen wurde, während andere vier als Lampenträger zur Seite schritten, alle weiß gekleidet und mit farbigen Schärpen geschmückt. Einer unserer hochwürdigen Väter trug das Hochwürdigste Gut. Gleich dahinter folgten wieder Blumensträuer, unsere ehrwürdigen Brüder mit Kerzen, eine Anzahl' von Schwestern, eine Abtheilung Negermädchen mit der Fahne der unbefleckten Empfängnis, dann wieder Schwestern, und den Schluss bildeten die verheirateten Negerinnen. Auf diese Weise bewegte sich der feierliche Zug zum ersten Altare, wo nach Aussetzung des Allerheiligsten das Tantum ergo gesungen und der Segen ertheilt wurde unter hellem Schellengeklingel und Glockengeläute. Das gleiche wiederholte sich bei den anderen Altären. Nach der Rückkehr in die Kirche wurde das feierliche Te Deum gesungen und der feierliche Schlusssegen ertheilt. Während der Procession hatten sich auch die Mohammedaner, Frauen und Kinder, versammelt und besahen sich alles mit größter Neugierde, denn nach ihren Aussagen ist dies die größte Fantasia (Festlichkeit) der Christen int Laufe des Jahres. Der liebe Gott schenke auch diesen armen Ungläubigen Licht und Gnade, damit sie die wahre Religion erkennen und annehmen. Es gibt viele unter ihnen, welche sagen, dass wir Christen ein besseres Leben führen als sie, doch ihr geräuschvolles Leben und Treiben lässt sie zu keinem Entschlüsse kommen, denn sie sind ganz in ihrem Fanatismus und Fatalismus ergraut. Zum Schluffe erwähne ich noch kurz, dass unsere zuletzt ans dem Sudan angekommenen Gefangenen sich dahin aussprachen, nie eine derartige Feier erlebt oder gesehen zn haben. Es sind dies Tröstungen für das Herz des Missionärs. Das hohe Fest ist vorüber, doch bleibt die tröstliche Überzeugung, dass alle Theil-nehmer in ihrem Glauben gestärkt worden sind. Ar. Zoliann Koliingcr, S, d. I). K. UkWkdkllkS. 3>er Wavi en in onat in pestro. stt rührendem Eifer haben auch in diesem Jahre unsre lieben Schtvarzen den Maimvnat zu Ehren der hl. Jungfrau begangen. Sie thaten 0^0 wirklich ihr Möglichstes, um dieser ihrer guten Mutter ihre kindliche Liebe zu erzeigen. Mit ganz besonderer Geschäftigkeit ordneten sie sich, sobald sie abends die Kirchenglocke läuten hörten, die sie zur Maiandacht einlud — es gieng ja zum Besuch ihrer lieben Mutter. Ein jedes der Kinder wollte aber die hl. Jungfrau noch extra auf seine Weise verehren. Die kleineren Mädchen giengen wetteifernd die schönsten Blumen erbitten, mit denen die größeren den Altar der lieben Muttergottes in der Schulstube schmückten, und alle bemühten sich, in diesem Monate Maria ein recht gutes Betragen aufweisen zu können. Manchmal, wenn eins der Kinder nicht gleich gehorchen wollte oder der Mund eines andern sich zum Weinen verzog, brauchte die Schwester nur zusagen: Was denkt die liebe Mutter Gottes wohl von dir? — und sogleich hellte sich das Gesicht auf und das Kind gehorchte. Verschiedenes. 143 Um unsere lieben Schwarzen noch mehr zur Marienverehrnng zu ermuntern, hatte ein jedes von ihnen ein Büchlein erhalten, in welchem sie abends die Anzahl der Abtödtnngen notierten, die sie am Tage für Maria gemacht hatten. Da gab es denn öfters etwas zn lachen. Schwester Fortunata, unsre liebe schwarze Mitschwester, die eine ganz ausgezeichnete Weise hat mit ihren Landsleuten umzugehen, fragte die Kinder öfters: „Wie viele Abtödtnngen habt ihr denn schon heute gemacht? — „Ich 5 bis jetzt", sagt die eine. „Was, so wenig thust du für deine Mutter? Bis zum Abend musst bu wenigstens 20 haben." „O ich habe schon 20" ruft eine andere „und ich noch viel mehr" eine dritte — und so fort; jede will im Eifer für die hl. Jungfrau die erste sein. Während der Arbeit sagten sie außer den schon üblichen Gebeten auch noch viele andere, und mit ganz besonderer Liebe übten sie die Lieder ein, die sie in der Kirche während der Andacht fangen. O wie muss ÜDZaria sich freuen, so viele Beweise der Liebe zn empfangen. Aber nicht nur unsere christlichen Mädchen, sondern mit ihnen auch ihre mohammedanischen und schismatischen Gefährtinnen sieht man vor dem Altar der lieben Mutter Gottes niederknien und beten — in der Liebe zu Ihr sind alle vereint. Als der Marien-Monat sich dem Ende nahte, wurden alle Vorkehrungen getroffen, um die Schlnssfeier so schön wie möglich zu gestalten. Die Mädchen giengen die ehrw. Mutter an, ihnen die schönsten Blumen und viele Bilder und Lichter zu geben. „Denn heute muss es sehr festlich bei uns werden", sagten sie, „heute wnss es der lieben Mutter Gottes recht sehr bei uns gefallen; wir müssen Ihr das Allerbeste geben." So fuhren sie fort zu bitten, bis sie schließlich alles erhielten, was sie wollten; es war ja für Maria. So mit allem Nöthigem versehen, schmückten sie mit Hilfe der Schwester ihre Schule, die dann beinahe einer kleinen Kapelle ähnlich sah. Doch damit noch nicht zufrieden, begannen wieder neue Bitten, dass der Hochw. P. Obere eingeladen werde und ihnen eine kleine Predigt halte. Wie die Mädchen gewünscht, geschah es. Der Hochw. P. Obere willfahrte gern ihren Bitten und wohnte dem Vortrage ihrer Gedichte und Gesänge mit Vergnügen bei. Alles bezog sich ans die liebe Mutter Gottes, zu deren Altar sie zuletzt die von ihnen gewundenen Blumenkränze niederlegten. Zum Schluss hielt ihnen der Hochw. Obere auch die gewünschte Predigt, in welcher er sie ermahnte, in der Andacht zur lieben Mutter Gottes fortzufahren. Möchte die hl. Himmelskönigin die zwar armseligen, doch aufrichtig gemeinten Huldigungen ihrer schwarzen Kinder freundlichst annehmen und sie alle einst glücklich in den Himmel geleiten! fine Mssionsschwestcr. Schöne Ieiev öes Ksvz Iefn-Iesles. ns Verona erhalten wir folgenden Bericht vom 12. Juni 1899: Der 9. Juni war ein großer Frendentag für uns Söhne des heiligsten Herzens Jesu. Vor der hl. Messe erhielt ein Postulant ans den Händen des Hochwürdigen General-Obern das hl. Ordenskleid. Während der hl. Messe legte Hochw. P. Joseph Weiller F. S. C. seine zweiten Ordensgelübde ab, worauf er sich mit Jesus in der hl. Communion vereinigte. Möge das göttliche Herz Jesu in ihm immer mehr das Feuer der göttlichen Liebe entzünden zur großem Ehre Gottes und zum Heile der armen Neger. In diesem Jahre hatten wir auch die Freude in unserer Hanskapelle einem feierlichen Pontifiealamte beizuwohnen, das von unserm Hochwürdigsten Apostolischen Viear von Centralafrika gehalten wurde, dem Hochw. P. Weiller mit 3 andern Patres und 8 Scholastikern assistierte. Zn Ehren des Hochwürdigen P. Weiller wurden im Speisesaal Gedichte in deutscher, lateinischer, französischer, arabischer und italienischer Sprache vor- 144 Verschiedenes. getragen. Der Freudentag war noch nicht vorüber. Viele Brüder beschäftigten sich damit, die Außenseite des Hauses mit Bildern, Blumen, Zweigen u. s. w. auszuschmücken, denn um 61I2 Uhr sollte der Welterlöser segnend vorüberziehen. Nach einer einstündigen Anbetung des allerheiligsten Altarssaeramentes, während welcher nach einer kurzen Predigt über die Liebe des göttlichen Herzens Jesu in diesem Saeramente die Litanei des hlst. Herzens Jesu mit dem Gebetskränzchen abgebetet wurde, folgte die Procession. Ihr schritt ein Scholastiker mit einem Kreuze, begleitet von 2 Novizen mit Leuchtern, voran. Diesen folgten die Sänger in Chorrock und mit einer Kerze in der Hand. Den Sängern folgten ein Diacon und 5 Priester, unter welchen zwei aus der Gesellschaft Jesu waren. Diesen folgten das Capitelkreuz und zwei Standarten, zwei Rauchfassträger, vier Fackelträger und der von sechs Brüdern getragene Himmel, dann das Allerheiligste, das von Msgr. Anton M. Roveggio getragen wurde, dem P. Weiller und ein anderer Pater zur Seite standen. Beim Auszuge der Procession wurde Jesus von einigen dröhnenden Flintenschüssen begrüßt. Man zog um das Haus herum und an einem Altare angelangt, gab der Apostolische Vicar den hl. Segen. Hierauf kehrte man langsam wieder in die bescheiden geschmückte Hauskapelle zurück, indem man das «Te Deum» sang, warauf der Bischof wieder mit dem Allerheiligsten den hl. Segen ertheilte. Indessen war die Sonne gesunken und die Dämmerung eingetreten, die sich allmählich in Nacht verwandelte, als noch ein Zeichen der Verehrung gegen das hlst. Herz Jesu geschehen sollte. Das war nämlich die Beleuchtung jener Seite des Hauses, die der Stadt zugewendet ist; unter andern Beleuchtungen fand auch die bengalische Beleuchtung statt. Auch wollte man einen Ballon in die Luft lassen, aber unglücklicher Weise kehrte er halbverbrannt zurück, denn der kühle Abendwind war seiner Herr geworden. Alle waren heiter und fröhlich. Möge das heiligste Herz Jesu immer mehr verherrlicht werden, und möge dieses göttliche Herz auch den armen Negern bald sich zu erkennen geben. Zolj. Mapi. Kalling, F. S. C. Negeranstalt in der Antisclavereicolonie Gesira. Auf S. 141 sehen unsere Leser die männliche Anstalt der Negercolonie, über die wir bereits oft berichtet haben. Unser Mitarbeiter P. Josef Weiller F. 8. C. war dort bekanntlich Seelsorger der Pfarre. Da auch der Hochwürdige Obere P. Franz Heymans F. S. C. zum ersten Generalcapitel nach Europa reiste, so übt augenblicklich Hochwürdiger P. Wilhelm Banholzer F. S. C. die Functionen eines Obern und Pfarrers der Negercolonie aus. Es mag manchen unserer Leser lieb sein, den Wirkungskreis dieser unserer treuen Mitarbeiter und Berichterstatter im Bilde zu sehen, und dies umsomehr, als der eine oder andere unserer obigen Mitbrüder unter unsern Lesern Bekannte besitzt. Für die Redaction ■ p. 3fnucr Geyer, F. 8. C. — Druck von A.Weger's f. b. Hofbuchdruckerei, Brixeu. Einladung zur Bestellung der illustrierten Zeitschrift für Glaubensverbreitung in Afrika herausgegeben vom Missionshaus -er „Söhne der hlst. Herzens Jesu" in Muh land lici Vrixen (Tirol). Mit Juli 1899 begann der „Stern der Neger" das zweite Halbjahr des . II. Jahrganges. Die Zeitschrift, welche am Ende jeden Monats erscheint, bringt Aufsätze und Abhandlungen über die Neger, ihre Christlichmachung und Civilisierung, sowie Besprechungen von Ereignissen, welche das ewige und zeitliche Heil, Wohl und Wehe der Neger berühren, ferner Originalbriefe, Mittheilungen und Nachrichten unserer Missionäre in Afrika, endlich die wichtigeren Begebenheiten aus unserer Congregation, sowie aus unserem Missionshause. Als Organ der „Söhne des hlst. Herzens Jesu" und ihres Missionshauses, das dem Herzen Jesu geweiht und unter den Schutz unserer Lieben Frau gestellt ist, wird der „Stern der Neger" bei seinem jedesmaligen Erscheinen das hlst. Herz Jesu und die allerseligste Gottesmutter durch irgendeinen Artikel verehren oder auch etwas zu Ehren der hl. Familie bringen, die den Boden Afrikas durch ihre Gegenwart geheiligt hat. Der erste Jahrgang 1898 brachte außer den Originalberichten aus unseren Missionsstationen, über den Gang des englisch-ägyptischen Feldzuges und den endlichen Fall von Omdurman-Chartum auch mehrere Abhandlungen von selbstständigem Werte. Es seien nur erwähnt folgende Aufsätze: Colonialpolitik und Christenthum in Afrika, Der Aberglaube im Nilthale, Die Pyramiden, Über Blutrache im Sudan, Ein orientalisches Fürstenschloss, Die Musik bei den Negern, Der Islam, Erzfeind des Christenthums, Zur Stellung der Frau in Afrika, (£mm erungen aus dem Pharaoneulande, Eine Negerhochzeit u. s. w. Den Text erläutern Abbildungen aus unseren Missionsstationen, Land und Leuten des Missionsgebietes. Die nun erfolgte Erschließung des Sudan öffnet unserer Congregation einen ungeheuren Wirkungskreis: derselbe reicht vom rothen Meere bis nach Adamaua und vom ersten Nilkatarakt bei Assuan bis an den Albert-Nyanza-See: ein Land voll Wunder und Seltenheiten in Natur-, Thier- und Pflanzenwelt, wo 40 Millionen Menschen ihr Heil erwarten. Dieses Gebiet dem liebevollen Herzen Jesu zu gewinnen, ist Aufgabe der Congregation „Söhne des hlst. Herzens". Die erweiterte Missiönsarbeit wird uns in Stand setzen, unsern Lesern eine Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, die das opferfreudige Wirken der Missionäre umfasst, und dies in einem Gebiete, das unter allen afrikanischen Ländern durch die jetzige Lage der Dinge in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt ist. Möchten sich recht viele Berufene für diese Missionscon-gregation melden! Wer sich berufen fühlt, möge sich behufs Aufnahme vertrauensvoll an den unterzeichneten Obern des Missionshauses des hlst. Herzens Jesu in Mühland bei Brircn (Tirol) wenden! Wir bitten aber auch alle, die es vermögen, durch Bestellung des „Stern der Neger" unsere heilige Sache unterstützen zu wollen. Der jährliche Preis betragt mit Postversendung 1 fl. 50 kr. Ö. W. (3 Mark); für das Halbjahr, Juli—December 75 kr. Wir bitten recht herzlich, die Bestellungen bald uns zukommen ztt lassen. Bestellungen erbittet und nimmt entgegen irr WüHkclnö bei (prtxm (Girok). P. S. X. Geyer, F. s. C. Allfilchm-iWiiWMN der Congregation der Löhne des heiligsten Herzens Jesu. Die Congregation besteht aus Ordenspriestern und Ordenslaienbrüdern. Es werden in dieselbe außer Priestern aufgenommen Studenten und Laienbrüder. Hiezu wird von der Regel erfordert: 1. Für Studenten: dass sie wenigstens 16 und nicht über 34 Jahre alt, von guter körperlicher Gesundheit, hinreichenden Fähigkeiten, gediegenem und beständigem Charakter, von habituell guter Aufführung, frei von Schulden und Familienhindernissen sind; ferner, dass sie nie in Missionen gewesen sind und nie einer anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben, dass sie den aufrichtigen Willen besitzen, Ordensleute zu werden und sich für immer der Mission zu weihen; dass sie so viele Studien gemacht haben, um regelrecht der Philosophie und Theologie sich widmen zu können, zum mindesten jedoch, dass sie die 5. Gymnasial-classe absolviert haben. 2. Für Laienbrüder: dass sie das 20. Jahr vollendet und das 30. nicht überschritten haben, feste Gesundheit und körperliche Kräftigkeit, offenen Sinn und gesunden Verstand, Kenntnis irgend einer mechanischen Kunst oder eines Handwerkes, genügenden Unterricht und Befähigung, um an Ort und Stelle fremde Sprachen zu erlernen, besitzen; dass sie von bürgerlichen und militärischen Verpflichtungen und von Seite ihrer Familien frei sind, keine Schulden oder sonst, Verpflichtungen welcher Art nur immer haben; dass sie noch nicht in Missionen gewesen sind und keiner anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben; vor allem aber, dass ihre sittliche Aufführung derart ist, dass man mit Grund Gutes von ihnen hoffen kann. Alle müssen zwei Jahre Noviziat machen, worauf sie, wenn nach dem Urtheile der Obern kein Hindernis entgegensteht, die heiligen lebenslänglichen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Die Studenten setzen dann ihre Studien für das Priesterthum fort. Beim Eintritt in die Congregation muss jeder eine bescheidene Ausstattung an Kleidung und Leibwäsche mit sich bringen und soviel Geld, als zur Rückkehr in die Heimat erforderlich ist, wenn solche aus einem triftigen Grunde sich als nöthig erweisen sollte. Nach ihrem Eintritte, seien sie Studenten oder Laien, übernimmt das Institut ihre Versorgung in allem Nöthigen, in Gesundheit und Krankheit, wie für seine Söhne. Behufs Aufnahme in die Congregation ist an den?. Rector des Miss! ons-hauses der Söhne des 5 Ist. Herzens Jes u in Mühland bei Brixen (Tirol) Folgendes einzusenden: 1. Ein Aufnahmsgesuch mit kurzer Lebensbeschreibung und der Erklärung Ordensmann und Missionär für die Neger lebenslänglich sein zu wollen; 2. das Zeugnis des Bischofs der eigenen Diöcese; 3. das Tauf- und Firmungszeugnis; 4. ein Lütenzengnis, ausgestellt vom eigenen Pfarrer; 5. ein ärztliches Gesundheitszeugnis; 6. (bei Minderjährigen) die Znstimmungserklärnng des Vaters oder Vormundes; 7. (bei Studenten) die Zeugnisse der absolvierten Gymnasialclassen, besonders der letzten; 8 (bei Laien) im Gesuche angeben, ob sie ein Handwerk verstehen. -----<=4#!^-----------