Pränumerations-Preise: Für Laibach: Ganzjährig . . 8 fl. 40 kr. Halbjährig. . . 4 „ 20 „ Vierteljährig . 2 „ 10 „ Mvuailich . . . — „ 70 „ Laibacher Redactisn: Bahuhosgasse Nr. ll>2. M i l der Post: Ganzjährig................12 fl. Halbjährig................ G „ Vierteljährig ..... 3 „ Für Zustellung ins Hans viertelj. 25 fr., mvuatl. 9 kr. Einzelne Nummer» 6 kr. Nr. 6. agblait. Anonyme Mitteilungen werden nicht berücksichtigt; Manuscripte nicht zuriickgeseudet. Freitag, 9. Jänner 1874. — Morgen': Paul Eins. b'vpcdition- & Anserate»-Bnrean: Congreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung von Jgn. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg.) Jusertiousprcise: Wr die einspaltige Petitzeile iv4 fr., bei zweinializer Einschaltung i\ 7 fr., dreimaliger Ü 10 tr. JnsertiouSstemkel jedeSmal 30 fr. Bei größeren Inseraten und öfterer Einschaltung entsvre-chender Rabatt. i. Jahrgang. Vom Schwerpunkte der Nronarchie. Durch den Ausgleich mit Ungarn ist bi« einheitliche Monarchie in zwei Hälften geschieden worden, deren jede in vielen Dingen ihre eigenen Wege geht. Trotzdem haben sie viele gemeinsame Berührungspunkte und Beziehungen, die auch äußerlich in den „gemeinsamen Angelegenheiten" der Delegationen ihren Ausdruck finden und bewirken, daß die Vorgänge in dem eilten Theile von Oesterreich-Ungarn auf die Entwicklung der ändern Hälfte nicht ohne Einfluß bleiben. Ja dieser Einfluß der ändern Hälfte jenseits der Leitha machte sich seit Beginn der neuen Aera manchmal recht unangenehm fühlbar, denn er hatte seine Quelle zumeist in der Selbstüberschätzung des dort herrschenden Stammes, der Magyaren, und in der daraus folgenden, oft ins maßlose gehenden Ueberhebung ändern gegenüber. In dem Weltsystem gibt es auch Doppelsterne, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen, dessen Lage berechnet und bestimmt werden kann. Sind beide Wellkörper von gleicher Große und Bedeutung, so fällt dieser Schwerpunkt in die Mitte beider, sonst aber innerhalb des einen oder des ändern. So soll auch der Schwerpunkt des doppelsternartigen Staatssystems Oesterreichs Ungarn die letzten Jahre vollständig in dem einen der beiden Körper, in dem östlichen, gelegen gewesen sein, so überwiegend war das politische Gewicht des einen Theileö über den ändern veranschlagt worden. Wie sehr man auch die Richtigkeit dieser Thatsachen bestreiten mag, unzweifelhaft lag der Schwerpunkt der Monarchie in de» letzte» Jahren näher bei Budapest als bei Wien. Nun war der eine Körper wohl groß, es zeigte sich jedoch bald, daß er nicht im Verhältnis seiner Größe auch voll und gewichtig war; Blasen uud hohle Räume machten sich in ausfallender Weife bemerkbar. Der andere der beiden Körper zeigte sich bald als in seinem Gefüge körnig und dicht. Ohm Bild zu rede» — es hat i» der Westhülste des Reiches die herrsche»de politische Partei sich ihrer Anfgobe vollkommen gewachsen gezeigt, sie hat insbesondere seit der Durchführung der Wahlreform an Stärke gewonnen, , nicht minder an Bedeutung, und zwar in dem Grade, als ihre Gegner erlahmten und sich ihre Reihen lichteten. In Ungarn ist der Zusammenhang der herrschenden Partei erschüttert, sie hat an Kraft und Ansehen eingebüßt, nicht etwa, weil die Gegner mächtiger geworden, sondern weil im eigenen Organismus bedenkliche KrankheitS-erscheinungen zu tage getreten. In der diesseitigen Reichshälste haben die Staatsfinanzen selbst unter der Herrschaft einer beispiellosen volköwirthschaftlichen Krise keinen empfindlichen Stoß erlitten; vielmehr ist der Staat in der Lage, den gefährdeten industriellen Unternehmungen hilfreich unter die Arme zu greifen. Ungarn steht am Rande des Staats bankerottes, wofern nicht noch zur rechte» Zeit tun dige energische Hände das Ruder in die Hand nehmen und weise Beschränkung an die Stelle der Großmannssucht tritt. Vollends haben die Ereignisse vor Jahresschluß, die Ratlosigkeit der Deafpartei, ihr Unvermögen, einen Finanzminister zu finden oder überhaupt eine Regierung zu bilden, die Wagschale zugunsten der westlichen Reichshälfte beschwert und den Schwerpunkt aus feiner bisherigen Lage bedeutend verrückt. Auch bezüglich der Geschicklichkeit der ungarischen Staatsmänner dürfte sich die Ansicht nachgerade bedeutend anders gestalten, als cS bis nun der Fall war. Die ungarischen Politiker haben die Probe herzlich schlecht bestanden. Sonderbarer Weise gibt es dort eine weitverbreitete Gattung von Staatsmännern, die heute verurteilt und schlecht findet, was sie vor wenigen Jahren entweder selbst geihan oder gerathen. So lange der betreffende Mann am Ruder sich befand, war alles, was et • thA und sonst geschah, gut und vorzüglich; man überbot sich förmlich in rosenrothcn Schilderungen. Ist das Fiasco einmal fertig, so wjrd nur von begangenen großen Fehlern gesprochen, wird alles schwarz gemalt, was früher in rosigstem Lichte erglänzte. So hat es Lonyay, so Kerkapolyi, so jetzt felost Szlavy gemacht. Nichts läßt ihre Kritik unberührt, nichts ist nach ihrem Wunsche zur Ausführung gekommen: nicht die Ge-richtsovganifation, nicht die Municipalverfafsung, nicht die ändern neuen administrativen Einrichtungen. Alle hatten nach ihrem eigenen Zeugnisse die besten und vorteilhaftesten Plätte hinsichtlich der Organisation des Finanzdienstes, des Eisenbahnwesens tt. s. w.; aber niemals ist man ihren Grundsätzen der Sparsamkeit, des Maßhalteiis bei allen Begebungen, der Voraussicht gerecht geworden. Dennoch willigten die Herren als Minister in alles, mochten sie es auch als noch so zweckwidrig erkennen, keiner hatte denMuth, dem nationalen Ehauvinistnus auch nur ein Haar zu krümmen, den kostspieligen magyarischen Marotten -in Ziel zu setzen. Was wird die Geschichte einmal für ein Ur theil fällen über Staatsmänner, Politiker und Pu--blicisten, die so bar aller Voraussicht gewesen, daß sie heute Institutionen verdammen und abschaffen müssen, für die sie Millionen verausgabt, die sic noch vor kurzem als das Unerreichbare an Weisheit und Zweckmäßigkeit gepriesen; welche die Kräfte des Landes so sehr überschätzten, daß nicht etwa ein Fehlschlagen die gehegten Erwartungen, sondern ein Zufall, ein aufigcblicbener Regen dieselben vollständig zunichte machen kamt. Daß Ungarn nicht auf französischem Fuße eingerichtet, verwaltet und cetv tralifiert werden kann, daß man selbst bei den nützlichsten Unternehmungen, wie bei Eisenbahnen, ein vernünftiges Maß enthalten rittd der Gegenwart nicht mehr ausbürden sollte, als sie zu ertragen im stände ist, von der Richtigkeit dieser Grundsätze hätten die (eiteiibeti Staatsmänner ebenso vor fünf Jahren durchdrungen sein können, wie sie heute davon überzeugt sind. Die Nachwelt und die Geschichte werden kaum mit der Phrase sich zufrieden geben, daß alle das beste gewollt, zumal der Beweis schwer herzustellen sein dürfte, daß stets nur das Wohl des Vaterlandes ihr Leitstern gewesen. Wie fehl- diese unerquicklichen Verhältnisse das Land nicht nur in materiller Hinsicht, sodann auch in feinet- intern. tionalen Stellung schädigen, beweist der Umstand, daß es im Eredite des Auslandes bereits neben der Türkei rangiert, die auch nur mehr zu 9 oder 10 Perzent ein Anlehen abzuschließen im stände ist. Wie wenig gerechtfertigt demnach das Begehren der Magyaren war, den Schwerpunkt der alten Habs-burgifchett Monarchie nach Ofen zu verlegen oder ihnen die Führerrolle in die Hände zu legen, scheint nach allem dem keines Beweises mehr zn bedürfen. Politische Rundschau. Laibach, 9. Jänner. Zttlaud. Die confeffionellen Gesetze und das Gesetz über die Aushebung der Inserat e n st e u e r werden, wie wiener Blatter erfahren, gleich am ersten Tage deSWiederzufammen-trittcS des Reichsrathes von der Regierung der parlamentarischen Verhandlung unterbreitet werden. Heber ben Inhalt bieser Gesetze, namentlich der confeffionellen Entwürfe ist nichts authentisches bekannt. Es heißt, daß das Ministerium nächstens bei dem Monarchen die Genehmigung für feine Entwürfe einholen wird. Inzwischen bereiten sich die Mitglieder des Abgeordnetenhauses vor, für den Fall, als die Regierung mit ihren Vorlagen hinter den allgemeinen Erwartungen zurückbliebe, selbstständig die Initiative zu ergreifen. Für den 20. d. hat der Obmann des Klubs der Linken Dr. Pergcr eine Sitzung einberufen, in welcher der Antrag zur Erörterung gelangen soll, „daß vom Abgeorbneten-haufe sofort ein Ausschuß einzusetzen sei zur Beratung der Gesetzentwürfe, welche zur Ausfüllung der Lücken erforderlich sind, die durch die Lösung der mit dem heiligen Stuhle geschlossenen Convention in der Gesetzgebung über das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Staatsgewalt entstanden sind." An der Annahme dieses Antrages, der in seinem Wortlaute sich an eine Stelle der Thronrede anlehnt, ist im Klub der Linken nicht zu zweifeln ; aber auch die Haltung, welche die Abgeordneten beS Zentrums im AdreßauSfchusfe sowohl als in ber Abreßbebatte einnahmtn, ist eine Gewähr dafür, daß vom Zentrum Schwierigkeiten gegenüber diesem Schritte nicht zu gewärtigen sind. Zufolge einer Verständigung zwischen bett liberalen Abgeorbncten sämmtticher Grönländer wird das Ministerium alsbald nach dein Zusammentritte des Reichsrathes wegen der Schulvorgänge in Tirol interpelliert werden. Abgeordneter W i l* bauet: dürfte ber Interpellant sein. Wir haben bereits gemeldet, daß sechs a l t -L z e ch i s ch e Mitglieder des ehemaligen qechischen Dertrauensmännerklubs eine selbstständige Cau-Lidatenliste für die bevorstehenden Reichsrathswahlen vrräsfentiicht haben. Die Jungczechen haben es bisher unterlassen, auch ihrerseits eine Candidaten-!iste auszusttllen, weil sie gleichfalls gegen die Reichs-rathsbeschicknng sind und weil cs angeblich gleich-giltig sei, «wer nicht in den ReichSrath geht". Wohl veröffenilichcn aber die übrigen vier Mitglieder des bisherigen Verlrauensmännerklubs, Sladkowsky, die Brüder G r e g r und S k a r d a einen Protest, in welchem sie noch ein» mal die Genesis der Spaltung erörtern und alle Verantwortlichkeit für dieselbe auf diejenigen wälzen, Lie den „einseitigen und eigenmächtigen" Schritt der Klubspaltung und der Aufstellung einer eigenen Candidatenliste unternommen haben, „ohne das Votum und die Uebereinkunst sämmtlicher Abgeordneten, ohne die Stimmen aus einer stattlichen Anzahl von Städten und Bezirken zu berück» sichtigen." Der Einundzwanzigerausschuß des ungarischen Abgeordnetenhauses, welcher bekanntlich über die Mittel zur Rettung des Landes aus seinen finanziellen Nöthen berathen soll, hat nun richtig beschlossen, seine Verhandlungen geheim zu halten und nur die endgiltigen Resultate dm Journalen mitzutheilen. Man beruft sich auf das Beispiel des Fünfzehnercomitös der Ausgleichscom-mifsion und auf jenes der Regnicolardeputation. Diese Geheimthuerei ist aber diesmal nicht am Platze, weil der Einundzwanzigerausschuß sich spe-ciell mit den Landesinteressen befassen wird, was bei den vorerwähnten Commissionen nicht der Fall gewesen. Die heimatliche Presse hätte da wohl ein Recht, auf die Verhandlungen Einfluß zu nehmen. Koloman G h y c z y arbeitet an einem ausführlichen Elaborat, welches die Reorganisation des Staatshaushaltes, einschließlich mehrerer hie-unt verbundener Reformfragen, zum Gegenstände haben und dem Einundzwanzigeransschusfe vorgelegt werden soll. Ausland. Das preußische Abgeordnetenhaus, das nächsten Montag wieder Zusammentritt, gehl einer sehr arbeitsvollen Zeit entgegen, da man unter allen Umständen bis zur Mitte des nächsten Monats, wo der Reichstag zusammentreten soll, den beträchtlichsten Theil der Arbeiten erledigen will. Die Blätter sind einstimmig in der Klage, daß die Zeit gar zu kurz bemessen sei. Aus Bern wird geschrieben: „Auf Ansuchen des Cardinal« Antonelli hat die hiesige französische Gesandtschaft, wie sie dem Bundesralhe offiziell mitgetheilt hat, das Archiv der von dem letzteren aufgehobenen päpstlichen Nuntiatur, deren Sitz bekanntlich Luzern war, in Aufbewahrung genommen. Dieser Freundschaftsdienst icr französischen Regierung hätte an und für sich nichts auffallendes, daß aber der heilige Stuhl das Archiv überhaupt in der Schweiz läßt, deutet auf seine Absicht, die diplomatischen Beziehungen mit dem Bundesrathe bald wieder anzuknüpfen, in welcher Richtung sich die Vermittlung des Grafen Chaudordy, des neuen französischen Gesandten, dessen Ankunft dem Bun-Lesralhe jetzt bestimmt auf den 2. Jänner angesagt ist, zu gunsten RomS zunächst bemerkbar inachen dürfte." In Frankreich scheint jetzt die „Or6-mque"-Frage eine Rolle in den Tagesfragen spielen zu wollen. Osficiell wurde die NeujahrSgratula-iion im Vatican den frommen Offizieren dieses Schiffes nicht gestattet, allein »och vor dem 1. Januar haben dieselben ihre osficiösen Huldigungen dem heiligen Vater dargebracht. Italien hat das unbestrittenste Recht, gegen das Verweilen eines fremden Kriegsschiffes in seinen Gewässern zu pro-restieren; cs ist das Verweilen des „Orönoque" auf der Rhede von Civitavecchia eine internationale Unverschämtheit, die einen gravierenden, chronischen Charakter annimmt, und eS ist kaum anders anzunehmen, als daß die italienische Regierung diese unangenehme Frage auf die eine oder die andere Weise zum Austrag zu bringen suchen wird. Wie es heißt, soll man sich im Quirinal mit dem Plane beschäftigen, ein italienisches Kriegsschiff zum Schutze italienischer Staatsangehöriger vor Nizza zu stationieren. Der Fall wäre, einen so gewaltigen Sturm er auch in Frankreich erregen würde, dem des „Orenoque" analog, und darum wäre der Gedanke, auch wenn er nicht zur Ausführung gelangen sollte, wohl ersonnen. In England nimmt die a n t i k l e r i c a l e Bewegung immer größere Dimensionen an. Man meldet aus London: Zu dem Sympathie-Meeting , welches zu gunsten Deutschlands am 27. Jänner stattfinden soll, häufen sich die Gesuche um Einlaßkarten derartig, daß das Eoiuite beschlossen hat, ein zweites Meeting in Exeter-Hall abzuhalten und das Präsidium einem conseroativen Staatsmanne anzubieten. E a st e l a r veröffentlicht folgenden an das Land gerichteten Protest: „Ich protestiere mit der ganzen Energie meiner Seele wider den gegen die konstituierende Nationalversammlung begangenen Gewaltact. Mein Gewissen scheidet mich von der Demagogie, mein Gewissen und meine Ehre scheiden mich von der Situation, wie sie eben durch die Gewalt der Bajonnette geschaffen wurde." Der Staatsstreich S e r r a n o s darf für den Augenblick als gelungen betrachtet werden. Die Erhebungen der Freiwilligen von Saragossa und Valladolid zu gunsten der Cortes sind schnell unterdrückt worden. Auch der Protest Castelars, so sehr die Wort- der Entrüstung dem Charakter des Exdictators Ehre machen und den ganzen Gegensatz zwischen ihm und seinem Nachfolger kennzeichnen, wird den Gang der Dinge nicht aufhalten, nachdem sich die Armee für den Staatsstreich erklärt hat. Die weitere Entwicklung wird wesentlich von dem Gange des Krieges gegen die Carlisten abhängen. In Madrid ist keine Ruhestörung erfolgt, Dagegen kam es in Saragossa zu einem achtstündigen Kampfe zwischen dem Milita« und den „Freiwilligen der Freiheit", bei welcher das erstere die Oberhand behielt, lieber Ursprung und Tendenz des blutigen Vorfalles fehlt es noch an näheren Angaben; indessen scheinen die Aufständischen sich seit geraumer Zeit vorbereitet zu haben, indem sie sich im Besitz von Kanonen befanden, von denen sechs im Kampfe erbeutet wurden. Auch in Valladolid fanden Unruhen statt, welche laut Telegramm als beseitigt betrachtet werden können. Man brachte dieselben mit dem Gerüchte >n Verbindung, demzufolge die durch General Pavia auseinandergesprengten Cortes die Absicht gehabt, sich in Valla-dolid als Rumpfparlament zu konstituieren.___________ Zur Tagesgerichte. — Eine große Versammlung von grazer Turnern und Bürgern, einberusen von dem derzeitigen Vororte de« deulsch-österreichischen TurnkreiseS, welche unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Kienzl gehalten wurde, beschloß, im Spätsommer ein allgemeines österreichisches Turnfest in Graz abzuhalten, konstituierte sich als Comitö und wählte ein Executivcomilä, welches sofort die nölhigen Vorbereitungen treffen soll. — Testament eines Engländers. Hieronymus Lora erzählt in der „Schl. Pr." folgen, des von einem menschenscheuen, grinsenden Engländer, der einst auf der Flucht vor dem Winter nach Meran gekommen war: Er hatte sich zu Hause eine Wirth-schasierin genommen und ihr gleich beim Eintritt gesagt, sie möge ihm treu dienen, aber niemals hoffen, etwa« von ihm zu erben, weder Geld noch Werth, papiere, weder Haus noch Feld, keinen einzigen Schmuck, gegenständ, kein Silber und kein Möbel, nichts von ollem, waS'begehrenSwerih. Diese Versicherung wiederholte er mit heiligen Schwuren an jedem JahleStaze ihres Eintrittes, und ft; diente ihm mit so unnze«-niitzlger Tieue, daß er die Versicherung dreißigmal zu wiederholen hatte. Bevor ec nun Eazlanü verließ, machte er eia Testament mit zwei Bestimmungen : „Ich vermache alles, was ich besitze, meinem Hunde Caro." „Ich vermache meinen Hund Caro mit allem, was ec besitzt, meiner Wirthschasterin." Sie ist seine natürliche Ecbin, wenn er vor seinem Ableben nicht anders verfügt. — Der neueste berliner Börsewitz ist folgende- Frage- und Antwortspiel: Ein Börsemann fragt den ändern: „Wissen Sie, was der Unterschied ist zwischen Mein und Dein?" Und als der Examinierte diesen Unterschied nicht auSeinandersetzea kann, erhält er die Antwort: „Nun, wenn Sie keine« Unterschied wissen zwischen Mein und Dein, wisse« Sie dann, was Sie sind? Ein Spitzbube! — Eine Ehe ans Probe ist nur noch io Bremen möglich. Nemlich so: Jeden Donnerstag findet noch nach alter Sitte auf der sogenannten Mairie auf der allen Börse eine Copulation durch ben Senator, jetzt Albert Gröaing, statt. Die auf-gerufenen Paare versichern ihn, laß sie sich in de« heiligen Stand der Ehe begeben wollen, sie unterzeichnen das Prowkoll, empfangen einen Glückwunsch und sind Mann und Weib. Die meisten Paare verfügen sich zum Pastor, „der die Woche hat", und lassen sich ordnungsmäßig trauen. Wer dies innerhalb vier Wochen nicht thut, kann nach Verlaus eines JahreS ungeniert Hymens Fesseln abschlitteln und in die goldene Freiheit des JunggesellenlebenS zu-rücklreten. — Religiöser Schwindel. Der „Pc-lerin," der sich ganz in den Händen der französische« Episkopats befindet, veröffentlicht ein Dokument, worin angekündigt wird, daß die I u n g f r a n M a r t a vom Himmel herabgestiegen sei, um den Gläubigen anzukündigen, daß Heinrich V. 1874 zurückkehre» und die Regierung Mac MahonS keine drei Monate dauern werde. „Die von uns um 8. Dezember an-gekündigte Erscheinung/ so berichtet der „Pelerin", „hat zur bezeichnet-!, Stunde, zwischen 12 und 1 Uhr nachmittags, stattgefunden. Es waren 3- bis 4000 Personen anwesend. Ich konnte nicht in das Zimmer gelangen, aber ich kam um zwei Tage später wieder, um aus dem Munde der Hellseherin selbst die Worte der heiligen Jungfrau zu vernehmen. Die heil. Jungfrau sagt, daß wir am Vorabende einer furchtbaren politischen KrifiS stehen; sie werde kurz sein. Einen Augenblick würde eS den Anschein habe«, daß die Bösen den Sieg davontragen würden. Die heilig Jungfrau sagt ferner, daß Paris von der Krisis betroffen werden würde, und die Erscheinung dauerte 50 Minuten. Man quälte die Hellsehen^e auf tausend Acten, aber sie fühlte nicht?; ihre Verzückung konnte durch nicht« gestört werden. Der Zudrang zur Hellseherin ist wunderbar. Die bischöfliche Behörde bleibt aber in der Zurückhaltung, und zwar hauptsächlich wegen der äußerst seltsamen Enthüllungen, die sie über den großen Papst machte. Si« Gutsbesitzer des Landes, der die Hellsehende feit langer Zeit kannte, fragte in meiner Gegenwart, wie fit die Thronbesteigung Heinrichs V. im Jahre 1874 mit der siebenjährigen Regierung Mac MahonS in Einklang bringe. Man fragte sie, ob er fünf Jahre an der Gewalt bleiben werde. — Biergenossenschaften. In Mannheim hatte sich schon vor Jahren ein „Bierconvent" gebildet, welcher e» sich zur Aufgabe machte, vor schlechtem Gebräu zu warnen und gutes zu empfehle». Diese Privatpolizei hat sich jetzt wieder conftituiert und einen ersten Bericht über die Vorgefundenen Natron, Salizin, Tannin, Weidenblätter und Ouassla halligen Biere veröffentlicht. ES ist geradezu unbegreiflich, daß sich die Biertrinker nicht mehr zu Genossenschaften vereinigen wie eS in Dresden mit großem Erfolge geschehen ist, wo 200 Anhänger deS Garn» brinu«, müde der immer kleiner werdenden Gläser bei gleicher Schlechtigkeit beS Getränkes, sich zusam-inenlhalien und mittelst einer Einlage von ganzen 10 Thlr. eine eigene Bierhalle errichteten. DaS Bier bezog man da, wo eg am besten war, ober bestellte Dotierung dieses VeriageS wird dem LandeSausschusse cS sich besonder«; und das Ergebnis wvr eine Divi- " dendc von 50 pZt. — Erst Bischof, dann Zigarrenfabrikant. Durch die Zeitungen ging jüngst die Mittheilung, daß sich der humpolrtzer Kaplan Mi-kulesch consessionSloS erklärt, ein Judenmädchen geheiratet hat und Buchhalter in einer Brauerei geworden ist. Amerikanische Blätter erzählen nun ein ähnliches Beispiel großer Veränderung im Lebenslaufe eines katholischen Priesters. Zu New'Nork in der Essex, straße wohnt ein Spanier, welcher auf eigene Rechnung Zigatren fabriciert und einen einträglichen Laden damit versieht, dem seine Frau, eine schöne Mulattin, als Verkäuferin vorstehl. Beide sind Mitglieder der freien Gemeinde und ihre Kinder werden in der freien religiösen Anschauung ihrer Eitern erzogen. Der greise Zigarrenmacher war ein Bischof auf der Insel Cuba und gehörte einer der vornehmsten Familien Spaniens an. ;— Ueber die Maigefetze und ihre Folgen heißt es in einem Aufsatze Heinrich v. T r e i t s ch k e'S in den „Preußischen JahreSbitchern" : „Haben die Herren Ultramontanen denn gar nicht bedacht, was es bedeutet, in einem Aafstanbe gegen den deutschen Staat einen Polen voranzustellen? Kein deutsches Herz, das sich nicht empörte bei dem Gedanken, daß dieser Feind unserer Nation die Rechte der preußischen Katholiken zu vertreten behauptet. Seit zwei Jahren schon hat die Partei ihr Pulver verschossen, sie hat die Schatten NeroS und Diokletians so oft heraufbeschworen, daß man nicht absieht, waS ihr nach diesem fanatischen Geschrei noch übrig bleibt außer dem Straßenkampfe. Und diesen kann sie nicht wagen. Es ließ sich gar kein Mittel entsinnen, daS die Ultramontanen in den Augen unseres gesetzliebenden Volkes fc tief entwürdigen müßte, wie die offene Auflehnung gegen das Gesetz. Selbst der Heine Mann in Posen denkt mit Schrecken zurück an die verunglückten Schilderhebungen seiner adeligen Demagogen; er dankt der deutschen Regierung nicht, aber er weiß sehr wohl, was er ihr danken sollte. Er sieht Recht und Wohlstand gedeihen in seiner feit Jahrhunderten mishandelten Heimat; darum scheint es keineswegs sicher, ob man auch nur in den Straßen der Wallischei eine Zusammenrottung wagen wird, wenn nebenan auf der pvfener Dominsel die Verhaftung des rebellischen Prälaten erfolgt. Dem posener Erzbischof steht nicht mehr, wie einst dem kölner, eine absolutistische Regierung gegenüber schwankend und unsicher, ohne Rückhalt an einer durchgebildeten öffentlichen eniung. Manche überschwengliche Hoffnung, die sich einst anknüpfte an den Parlamentarismus, ist inzwischen einer nüchteneren Ausfassung gewichen' die gewaltige sittliche Macht aber, welche in ein;m wohlgeordneten conftitutionellen Königthume liegt, wirb von jedermann empfunden und geachtet. Wo'Krone u»b Lanbtaz einträchtig zusammenstehen für das Recht, da sind sie unbesiegbar." Local- und Promnzial-Angelegeuheiteu. — (Achte LanbtagSsitzung.) Beginn bet Sitznng 10 Uhr 40 Minuten. Gegenwärtig der Landeshauptmann und 30 Abgeordnete. Als R-gie-r^ngsvrrtretrr fungiert RegicrungStath Roth. Nach Verlesung des Protokolle- der vorigen Sitzung bemerkt der Abgeordnete R. v. Savinschegg, in feinem Anträge habe eS richtig zu lauten: „Herabminderung J5 ®atjp«ife" und nicht „Wiedereinführung des Die Berichtigung wird in da« Prolo-fl ""^stellt. Abgeordneter Baron ApfaUrern ent< btn 1 ,ein Ausbleiben. V-rschiedene Gesuche wer. . Jn ^itreffenden Ausschüssen zugewiesen. Ais zwei-ritbt steht auf der Tagesordnung der Be- rinn, SinanzauefchuffeS wegen Errichtung eines ondessonde dotierten slovenifchen Schulbücher-. n !3'.'JAusschuß beantragt: ber hohe Lanbtag I . .! &e*’• Der LandeSauSschuß wirb beauf- ks^^.?^?lchulbücherverlag zur Herausgabe ^-Nischen Schul- und ^sLer7 sür Mit-l», -Bürger- und Fachschulen zu errichten. 2. Zur em Betrag von 10,000 fl. ö. W. aus dem Landes« fonde al« unverzinslicher Borschuß zur Verfügung gestellt. 3. Ueber bie Erfolge dieses Schulbücherverlages ist dem Landtage jährlich mittelst des Rechenschaftsberichtes Bericht zu erstatten und über desien Gebarung detaillierte Rechnung zu legen. 4. Die Einkünfte dieses Verlages durch Verkauf der VetlagS-artikel können als Vorschuß zur HinauSgabe anderer Schul- und Uebungsbiicher im Sinne des Artikels 1, jedoch stets nur in der Art verwendet werden, daß die Forderung der LandeSfondeS an diesen Verlag die Summe von 10,000 fl. ö. W. nie übersteigt. 5. Honorare sind den Verfassern aus diesem Fonds nur ausnahmsweise und nur für solche Werke zu bewilligen, w:tchc zum Gebrauche für Fachschulen bestimmt sind, wohl aber können den Verfassern einige Freiexemplare gegeben werden. — Sind bie Kosten ber Auflage eines Werkes burch ben Verkauf von Exemplaren begfelben vollstänbig gebeckt, fo sind alle noch erübrigten Exemplare dem Verfasser derselben in das Eigellthum zu überlassen. 6) die Manuskripte sind vor ihrer Uebernahme in diesen Schulbüchervrrlag der Prüfung von geeigneten Fachmännern zu unterziehen und Habenseite Mauuscriple den Vorzug zu erhalten, für welche das k. k. Unterrichtsministerium den Verfassern Remunerationen bewilligt, oder welche der k. k LandeS-schnlrath insbesondere empfiehlt. Generaldebatte findet keine statt. An der Specialdebatte betheiligen sich die Hirten Deschmann in längerer Rede gegen Punkt 1, Costa und Z itnik dafür, Razlag für einen Abänderungsantrag zu Punkt 6, der aber fällt. Das Gesetz wird schließlich in der Fassung des Ausschusses mit Majorität angenommen, nur zu Punkt 5 statt „einige Freiexemplare" erhalt CostaS Amendement „eine angemeffe Anzahl Freiexemplare" die Majorität deS HiuseS. Wegen der langen Debatte über diesen Punkt der Tagesordnung, worüber wir morgen eingehender berichten, konnten nur 3 Punkte bet Tagesordnung erledigt werden. Die Sitzung wurde um 2 Uhr geschlossen und ber Rest bet Tagesordnung auf bie moraiqe Sitzung verschoben. — (Im Preßproze ß) unseres verantwortlichen RebactturS würben gestern und heute vormittag-ein Theil der Zeugen vernommen. Di ber Riurn unseres Blattes zu klein ist, um ben ganzen Prozeß ausführlich bringen zu können, anberfeits betfelbe je-boch von bedeutendem Interesse ist, werden wir nach Verkündigung des LhtheileS einen umfassenden Bericht als Separatbeilage bes „TagblatteS" bringen. — (Die Bütgetktänzchen) fiaben also boch statt. Gestern coustiluierte sich baS Comit6 und beschloß, der Kürze deS Earnevals hübet nur zwei Unterhaltungen zu veranstalten, und zwar am 24sten Jänner und 14. Februar. Die Familienkarle wurde mit 3 fl, die Herrenkarte mit 2 fl. für beide Kränzchen festgesetzt, und find dieselben, nach erfolgter Einladung, bei Herrn Till zu haben. — (Der Handl ungSba II), dessen Reinertrag b;{.mntlich dem Fonde des Handelskcanken und PinftonSoereineS zu gute kommt wird ebenfalls auf ber Schießstätte, und zwar am 7. Februar ftattfinben. Die Einlabungen werben ebenso wie sür die Bürget-keänzchen in Kürze jerfolgt. — (Das Feuetwehtktänzchen) wird für 1. Februar in den Localitäten der Schießstätte beabsichtigt. — (Für Pferdezüchter.) Ja diesem Monate werden Pferdelicenzen ertheilt und zwar für Hengste schwerer ptnzgauet Race. Die Commission, welche diese Licenzen ertheilt, erscheint in Laibach am 14, l. M. (Thierarzneischule in der untern Po-lana), in Stein am 17., in Krainburg am 19., in RadmannSdorf am 20. Wer also einen zur Zucht tauglichen schweren Hengst der pinz-gauct Race besitzt, der bereits 4 Iahte alt oder 5, 6 oder mehr Jahre alt, dabei schön gebaut unb ohne Fehlet ist, möge selben an einem bet oben bezeichnten Orte bis 10 Uhr vormittags zur Ansicht verführen. — (Zur Flucht PrcleSni k'S.) Die „Araber Ztg." meldet vom 2. b. M.: „Von bea Wällen der Festung erdröhnten gestern morgen» uot 5 Uhr zwei Kanonenschüsse, daS bekannte Signal, daß ein F-stungSsträfling flüchtig wurde. Wie mit nun vernehmen, waren es vier schwere, zu langjähriger Kerkerhaft vyutheilte Verbrecher, barunter, wie bereits gemelbet, P r e l e 8 n i t, beiten es auf fast wunderbare Weife gelang, au« dem streng bewachten (?) Gefängnis zu entkommen. Wochen, ja vielleicht Monate müssen zu ben Vorbereitungen zur Flucht nöthig gewesen sein, und trotz der minutiösesten Aufsicht blieben sie unbemerkt. Die Flüchtlinge sollen ihren Weg burch ben Schornstein gemacht haben, von welchem sie auf ben Will gelangten, wo sie ein lange» Messer in bie Erbe bohrten, an bas sie Leintücher befestigten, an welchen sie sich in die Graben hinab» ließen. AuS diesen wußten sie, ohne von einem Posten bemerkt zu werden, zu entkommen. Selbstverständlich wurden schnell alle Mißregeln getroffen, um der flüchtigen Verbrechet habhaft zu werben. — (Der Komiker, Herr Kiemen» Grün) beabsichtigt, wie wir erfahren, einen Gast» rollencykluS am landschaftlichen Theater zu eröffnen. Nach den uni vorliegenden Kritiken über denselben dürfen wir auf einige recht lustige Abende rechnen. Herr Grün, welcher im Vereine mit dem hier jedenfalls noch im besten Angtbenken flehenden Gaste Herta Sieben unter der Direktion BukooicS die schwierigsten komischen Partien auf daS köstlichste durchführte, Hit sich auch als Dichtet bewährt. Sein Volksstück „Die Tochter des Fabrikanten" hat bisher überall, wo eS angeführt wurde, gefallen. DaS Stück, dessen Handlung ein getreues Sittenbild der gegenwärtige» socialen Verhältnisse Wien« ist und dieselben mit scharfer Charakteristik schildert, soll, wie das „Budweiser Blatt" schreibt, ein Volksstück im wahren Sinne des Wortes sein. Sollte also Herr Grün seine Absicht burchfühten, so bürsten die Theaterfreunde Laibachs manche fröhliche Stunde im Mufentempel erleben, insbesondere wenn unsere gewiegten heimisch:« Kräfte den Gast kräftigst unterstützen. — (Zur tacket Bahnfrage.) In der Motivierung des gestern erwähnten Beschlusses de» kärntnet Landtages betreffs ber lacket Bahnftage heißt eS unter anderem: Die Dauer der Verzichtleistung der k. k. priv. Südbahngefellschift auf baS ihr nach dem Vertrage vom 23. September 1858 zustehende Prioritätsrecht läuft mit dem 31. Dezember 1873 ab und fo seht man auch berechtigt ist, anzunehmen, e« werde der kais. Regierung bereits gelungen fein, eine weitere Fristerstreckung von bet Südbahngefellschast zu erwirken, fo wenig betuhigenbe Znsichetungen sind diesfalls in die Oeffentlichkeit gedrungen und um fo gebotener wirb es scheinen, alles aufzubieteu, um, wenn schon nicht mehr in betn ursprünglich gegebenen Termine, so boch innerhalb ber etwa erstreckten Frist mit bet Angelegenheit wegen Erbauung einer von ber Sübbahn unabhängigen, nach Triest führenben Bahnlinie in Ordnung zn kommen. Dte Kronprinz Ru-dolsbahn ist durch die Inbetriebsetzung ber Bahnstrecke TatviS' yfi,-b