prännmerations-Preise: Für Laibach: Ban,jährig . . . 8 fl. 40 kr. Halbjährig . . . 4 „ 20 „ Vierteljährig. . . 2 „ 10 „ Monatlich . . . — „ 70 „ M i t der Post: Ganzjährig . . . 11 fl. - kr. Halbjährig . . . 5 „ 50 „ Bierteljährig. . . 2 „ 75 „ 5ät Zustellung ins HauS viertel- jährig 25 tr., monatlich 9 kr. Einzelne Nummern 6 Ir. Larbacher Tagblatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt-, Manuskripte nicht zurückgesendet. tictinktion Bahi'.bo.sgasje Nr. i:;u. 6rtitbilion und Jnseralcn-{iiirrnii: Kongretzplay Nr. 81 (Buchhandlung von I. v.KleinmavrLF. Bamberg). Snfttlionepmfc: Für die einspaltige Petitzeile 3 kr. bei zweimaliger Einschaltung LS kr. dreimal & 7 kr. Jnsertion»ste,uxel jedeknial 30 kr. Bei größeren Inseraten und ostet« Einschaltung entsprechender Rabatt. Nr. 151. Mittwoch, 5. Juli 1871. — Morgen: Isaias Pr. 4. Jahrgang. Reservatio mentalis. Das Linzer Diözesanblatt vom 25. Juni veröffentlicht den Hergang, wie so Bischof R u d i g i e r, der früher den Religionslehrern an Mittelschulen die Eidesleistung auf die Staatsgrundgesetze nicht gestattete, den Eid nunmehr als zulässig erklären kann, und zwar ohne auch nur ein Haarbreit von seiner früheren Ueberzeugung gewichen zu sein. Der Grund zur Sinnesänderung des Bischofs liegt einzig und allein darin, daß er sich, wie sich aus den gegenseitigen Berhandlungen sonnenklar herausstellte, 'u Bezug auf die Eidesleistung vollkommen in Ueber-Einstimmung mit dem Minister I i r e £ e f befand. Der Bischof, wie gesagt, der selbst bekennt, daß ihm nunmehr ein schwerer Stein vom Herzen gefallen, veröffentlicht in feinem Diözesanblatt den ganzen Hergang, wie sich endlich zwei gleichgestimmte Seelen gefunden. Ein geistlicher Orden hatte bei der Pöniten tiarie (einer päpstlichen Verwaltungsbehörde in Rom, welcher. Absolutionen und in besonderen Gewissensfallen im Namen des Papstes Dispensationen er theilt) angefragt, ob der Eid geleistet werden könne, und die Antwort erhalten, daß er unbedingt nicht geleistet werden dürfe, wohl aber mit Beisetzung der Klausel „salvis legibus dei et ecclesiae,“ „unter Wahrung der Gesetze Gottes und der Kirche." — Zufolge einer weiteren Besprechung mit Kardinal Antonelli in Rom verbot nun der Bischof Rüdiger, da die Regierung die Ablegung des Eides unter Beifügung obiger Klausel nicht gestattete, Laien und Geistlichen die Ablegung des Eides, weil diese ja zur Anerkennung und Unterstützung von verfassungsmäßigen Gesetzen verpflichtete, die nach des Bischofs innerster Ueberzeugung gegen Gott und Kirche erlassen wurden. Die hiedurch veranlaßten Störunge» im Unterrichte bewogen den Bischof mit dem gegenwärtigen Minister Jireüek in weitere Unterhandlungen zu treten. Da zeigte es sich denn, daß der Herr Minister in dieser Frage ganz wie der Bischof denke. Bezeichnend dafür ist eine ministerielle Erklärung, welche folgende Sätze enthält: „Indem die Regierung auf dieser Forderung (daß der Diensteid für alle dazu Verpflichteten gleichlautend sei) besteht, liegt es ihr, wie sie es bereits dei einzelnen Anlässen wiederholt ausgesprochen hat, crne, Lehrern einer öffentlichen Unterrichtsanstalt, es was immer für eines Glaubensbekenntnisses, oic Verbindlichkeit aufzuerlegen, znr Schwächung des Manbens und religiösen Pflichtgefühls der Schnl-JWQcnb mitzuwirken, insbesondere aber von Katho-ukc» zu verlangen, daß sie Maßnahmen fördern, durch welche die religiöse und sittliche Erziehung der Äugend gefährdet oder verletzt würde. Eure . . . werden ans dieser Erklärung entnehmen, daß seitens der Regierung in keiner Weise beabsichtigt ist, durch die erwähnte Angelobung irgend leinand zu verhalten, wider den Ausspruch seines Gewissens zu handeln " nach" in dieser Erklärung des Ministers vollkommen enthalten ist, was die Pönitentiarie in Rom durch die Beisetzung der Klausel „unter Wahrung der Gesetze Gottes und der Kirche" Vorbehalten wisse» wollte. Sofort gestattete der Bischof die Ablegung des Eides auch ohne Beifügung der Klausel. Natürlich liegt darin die bestimmte Weisung, daß der Eid nur unter diesem stillschweigenden Vorbehalt abgelegt werden dürfe, und dem Bischof ist ein schwerer Stein vom Herzen gefallen. Wir haben also hier die nackte reservatio mentalis, d. h. den Gedankenvorbehalt, der darin besteht, daß inan den Worten, womit man etwas versichert oder verspricht, in seinen Gedanke» eine andere Bedeutung gibt, als ihnen derjenige, der sie vernimmt, ihrem natürlichen Sinne nach geben kann. Nun ist in allen Gesetzgebungen der Welt bei der Ablegung von Eiden jedwede Doppelsinnigkeit, jeder Vorbehalt, jede entgegengesetzte Auslegung verboten. So sehr mm auch ein solcher Vorbehalt, der stets eine absichtliche Verletzung der Wahrheit ist, wider alle Moral streitet, so finden ihn doch Jesuiten im weiteste» Sinne und Umfange für zulässig.__________________________________ Die Nede Gambetta's. Gambetta hat bei feiner Rückkehr nach Frankreich am 26. Juui in Bordeaux au die dortigen republikanischen Wahlkomitee'ö eine große Ansprache gerichtet, die nicht allein in dem engeren Kreise seiner Freunde einen tiefgehenden Eindruck hinterlaffen hat, sondern auch nach außen die Bedeutung eines wahrhaften p o litis ch eu P r o g r a m in eS zu erlangen berechtigt ist. Ohne uns fürs erste in eine Erörterung dieser merkwürdigen Kundgebung einzulasseu, welche uuö Gambetta in einem ganz anderen und vorteilhafteren Lichte erscheinen läßt, als während der furchtbaren und so allseitig angefochtenen Zeit seiner Diktatur, glauben wir in ihren Hauptzügen seine von der „Tribüne" in Bordeaux vollständig mitgetheilte Rede hier skizziren zu müssen. „Meine Herren und theuere Mitbürger!" begann Gambetta. „Ich wollte vor allen Dingen Ihnen, die Sie die in der republikanischen Partei hergestellte Einigung vertreten, gelegentlich der Wahlen und angesichts der schwierigen Lage, in der sich das Land befindet, ohne irgend einen persönlichen Hintergedanke», da ich i» diesem Departement nicht als Kandidat auftrete, barlegen, was ich hoffe und was ich zu Stande zu bringen wünsche. Die gegenwärtige Lage Frankreichs ist bei genauer Prüfung wohl geeignet, die tiefste Trauer einznflöße»; allein sie fordert uns zu den mannhafteste» Entschlüssen auf und verwehrt uns, entmuthigt zu sein. Waö sehen wir zur Stunde in unserem Lande? Wir sehen Männer, die vo» jeher die Demokratie geschmäht und sie aus Unwissenheit oder persönlichem Interesse gehaßt, zu ihrem Vortheile die Leichtgläubigkeit und die Panique auitbeuten, die Menschen und Dinge sisteinatisch entstellen und sich bemühen, die Exzesse der letzte» Monate der Republik zur Last zu lege», Hierauf beriet!) sich Bischof Rudigier mit »och, der sie es doch verdanke», »icht weggespült und zu Me, ander» „besonders befreundete» Bischöfe»" und i Grunde gerichtet worden zu sein." Iu,t seinem Domkapitel und fand, daß „der Sache Gambetta findet eine lehrreiche Analogie zwischen der heutigen Lage und der Lage im Mai 1870. Damals habe man das Votum Frankreichs überrumpelt, womit eö über fein Geschick verfügt; heute (ege man ihm unter anderem Namen dieselbe Frage vor, ob es nochmals abdanfeu »»d i» die alten dynastische» Geleise wieder enilenkcn solle. Zum großen Glücke habe aber doch, trotz der Exzesse und der Verbrechen, welche den Fall der Kommune bezeichnet, trotz des Bürgerkrieges und aller gegen die Republik ausgestreuteu Verleumdungen, Frankreich seine Kaltblütigkeit (?) bewahrt, wie dies die Munizipalwahlen bezeugen. Die republikanische Partei müsse nach wie vor zusammenstchen und an dem Satze festhatten: „Dem Weiseste» uud Würdigste i gebührt die Regierung." — „Darum müssen wir unsere Regierung, die Republik, halten und stützen, ohne uns über kleinliche Nüanßen zu streite». Eine Regierung, in deren Namen man Gesetze gibt, Frieden schließt, Milliarden erhebt, Recht spricht, Empörungen niederwirft, die im Stande gewesen, zehn Monarchien wegzuraffen, ist eine zu Recht bestehende Regierung, die durch ihr Handeln selbst ihr Recht und ihre Macht beweist. Diese Regierung gebietet allen Achtung, und wer sie bedroht, ist ein Aufrührer !" Darauf geht nun der Redner auf den naturgemäß veränderten Charakter der heutigen Opposition über ; sie muß drängen und kontroliren, nicht vernichten. Sie muß die bestehende Autorität, die Legalität, die Wahlen achten, ohne das Recht der Kritik und der Reform aufzugeben. Vor allem muß das Grundiibcl aller Leiden Frankreichs: die Unwissenheit, verschwinden, aus der abwechselnd Despotismus und Demagogie hervorgingen, und das einzige Mittel dagegen ist die Erziehung aller. Frankreich hat sich von anderen Völkern überflügeln lassen, die ment.,er begabt waren, als eö, aber vorwärts geschritten sind, während Frankreich zurückblieb. „Ja," ruft Gambetta aus, „man kann cs, mit den Beweise» in der Hand erhärte», daß es der niedere Grad unserer nationalen Bildung ist, welche uns solche Unglückösch!äge zugezogen. Wir sind durch Gegner geschlagen worden, welche auf ihrer Seite Voraussicht, Maimszucht und Wissenschaft hatten. Waö in letzter Auflösung beweist, daß selbst bei Konflikten der materielle» Kraft die Intelligenz es ist, welche die Oberhand behält. Und im Innern, ist es nicht die Unwissenheit, in der man die Massen verkommen ließ, welche fast unwandelbar jene Krisen, jene entsetzlichen Ausbrüche erzeugt, die im Verlause unserer Geschichte wie eine Art chronischer liebet auftauchen, derart, daß man im vorhinein das Eintreten dieser ungeheure» sozialen Stürme ankündigen könnte ?" „Oh, wir müssen uns vou der Vergangenheit losmachen. Wir müssen Frankreich wieder ans-richten. Ach! das ist der Ruf, der sich am Tage nach unseren Ungliicköschlägen alle» Kehle» entrang. Drei Monate hindurch hat man diese» geheiligten Ruf gehört, diese plötzliche Erleuchtung eines Volkes, das nicht zu Grunde gehen wollte. Man vernimmt ihn nicht mehr, diesen R»f. Heute hört man nur mehr von dmastischen Verschwörungen sprechen; es ist nur mehr die Rede davon, welcher Prätendent die Trümmer des in Gefahr befindlichen Vaterlandes an sich bringen wird. Das muß aufhören; diese skandalösen Begehrlichkeiten müssen beiseite geschafft werden, nur an Frankreich darf ferner gedacht werden. Man muß Front machen gegen die Unwissenden 1111 b die Enterbten, und ans dem allgemeinen Stimmrecht, das die Stärke durch die Zahl gewinnt, die durch die Vernunft aufgeklärte Macht schaffen. Die Revolution muß vollendet werden." Diese heute viel verlästerte» Grundsätze der Revolution will Gambctta zurücksordern uud weiter pflegen, bis die Revolution vollzogen ist, nämlich die Ausbreitung der Prinzipien der Gerechtigke t und Vernunft, die Garantie der Gerechtigkeit, der Gleichheit der Freiheit, die Herrschaft der Arbeit und die Sicherstellung der rechtmäßigen Früchte derselben. Materielle Errungenschaften hat die Revolution zum Theile gebracht, die moralischen und politischen Errungenschaften find aber im Rückstände geblieben; dieö gilt für den Arbeiter und namenllich für den Bauer. Darum sind auch die Abstimmungen und die Handlungen des Landvolkes, über die mau sich so oft beklagt, ganz logisch und natürlich. Die Bauern sind intellektuell um mehrere Jahrhunderte hinter dem aufgeklärten Theile der Bevölkerung zurück. Darum aber muß man unausgesetzt auf sie ciuwirkeu, sie heben und erziehen, und cins dem Worte Baueritthuiu und bäuerisch darf man kein Schimpfwort mache». Gäbe cs nur eine Bauern-kammer in des Wortes echter Bedeutung, eine Kammer, die nicht aus engherzigen Krautjunker», sondern aus aufgeklärten, freien Bauern besteht, die sich selber zu vertreten im Stande sind! Diese neue soziale Kraft wäre ein allgemeines Glück. Leider ist man noch lange nicht so weit, und darum muß man, um das Vaterland neuzugestalten, das Arbeitervolk moralisch emanzipiren und den Landleuten lehren, was sie der Gesellschaft schulden und was sie von ihr fordern können. Nicht allein aber soll jeder Mann denken, lesen, vernünftig urtheilen, er muß auch handeln und kämpfen können. „Neben dem Schullehrer muß der Turnlehrer und der Exerziermeister sein; unsere Kinder, unsere Soldaten, unsere Mitbürger müssen das Schwert führen, das Gewehr handhaben, weite Märsche machen, unter freiem Himmel übernachten lernen; beide Erziehungen müssen Hand in Hand gehen, will man nicht Schulgelehrte statt Patrioten heranbilden. Ja, meine Herren, wenn man uns überholt hat, weun wir diese größte Schande erlebt haben, das Frankreich Kleber's und Hoche's, zwei seiner-patriotischesten Provinzen verlieren zu sehen — jene Provinzen, die zugleich am meisten militärischen, geschäftigen, industriellen und demokratischen Geist besaßen, so müssen wir dies nur unserer sisischeu und moralischen Inferiorität znr Last legen. Heute gebietet uns das Juteresse des Vaterlandes, -keine unklugen Worte zu sprechen, unsere Lippen zu schließe» und in die Tiefe unseres Herzeus unsere Gefühle zurückzudrängen, von Grund aus dieses große Werk der nationalen Regeneration wieder anszuuehmcn, ihm alle Zeit zu widmen, um etwas Dauerhaftes zu Stande zu bringe». Braucht es dazu zehn Jahre, zwanzig Jahre, wohlan, so bestimme man diese zehn, zwanzig Jahre für diesen Zweck, aber man beginne sogleich; jedes Jahr muß man eine neue Generation vorschreiten sehen, welche stark, intelligent ist und die Wissenschaft nicht minder liebt, als das Vaterland, welche das doppelte Gefühl im Herzen trägt, daß man dem Vaterlande nur dam, gut dient, wem, man ihm mit seinem Arme und seinem Ver-stande dient."_________________________ (Schluß folgt.) Politische Rundschau. Laibach, 5. Juli. Juland. In der vorgestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der schwer heimgesuchten Stadt Tachan in Böhmen, welcher unlängst durch einen Wolkenbruch ein Schade von einer halben Million zugefügt worden, ein unverzinsliches Darlehen von 70,000 fl. auf sechs Jahre ans Staatsmitteln bewilligt. Dann wurden die Dienstbezüge der Gendarmericmannschast durch ein Gesetz erhöht und die Notariatsordnnng mit den vom Herrenhause beschlossenen Abänderungen angenommen. lieber die Fabrikation von Tendcnzlügcn berichtet daö „Neue Wiener Abendblatt:" Wir müssen noch einmal auf die peinliche Affaire zurückkomme», die sich an die Lügennachricht von der Zerstücklung Schlesiens knüpft. Einer Deputation gegenüber, die aus Schlesien zum Monarchen eilte, um ihre Besorgnisse über das ihrem engeren Vaterlande drohende Schicksal auSzudrücke», äußerte sich der Kaiser, daß jene Nachricht total erfunden sei, und zwar von Seite jener nnpatriotischen Presse, welche Unruhe nnd Aufregung unterhalte. Die Offiziösen nahmen die kaiserlichen Worte zum Anlaß, um neuerdings über die liberale deutsche Presse hcrznfallen. Es scheint also, daß man bemüht ist, die maßgebenden Kreise zu der Ansicht zu bringen, jenes Lngentelegramm sei ein Manöver der deutschen Oppositionöpresse. Man wird eö daher als einen Akt nothgedrnngener Abwehr auffassen, wenn wir uns endlich entschließen, ans Grund von verläßlichen Angaben den Ursprung des verhängniß-vollen Telegramms bekannt zu geben. Aus Prag schreibt man uns nämlich: „Ein junger Mann, Namens Andrejew G.. der in Prag die Interessen des Mos- kauer panslavistischen Komitee's zu fördern hat und sich — bis jetzt ohne Erfolg — um die Gründung einer russischen Ex- und Jmportgesellschaft bemüht, der außerdem die russische Presse mit Nachrichten ans den slavischen Ländern Oesterreichs versorgt uud das sogenannte internationale Telegrafenbureau in Prag vertritt, dieser Andrejew G ... hat sich die Nachricht von der Theilnng Schlesiens aus dein Redaktionsburcan eines czcchischen Blattes geholt und dieselbe an das „internationale Bureau" gesendet, das dam, für die weitere Verbreitung dieser Nachricht sorgte." Der Prager Korrespondent fügt hinzu, daß er bereit ist, weitere Namen zu nennen, falls der Versuch gemacht werden sollte, seine Angaben wegzuleugnen. Man sieht also, wer es eigentlich ist, der nach den Worten des Monarchen „Unruhe uud Aufregung" unterhält, auf welche Seite eigentlich der vom Monarchen erhobene Vorwurf fällt. Die neuesten Angaben über den „Ausgleich" bringt das czechische Journal „Rip." Darnach wäre das AnsgleichSergebniß folgendes: Die Landtagsei»-bernfung erfolgt im August. Auf Grund neuer Wahlordnung werden die Reichsrathswahlen vorge-nvminen. Der »cngewählte Reichsrath, dessen Beschickung die Ezechen zusagcn, wird eine Umgestaltung der Dezcmberversassnng vornehmen. Die neue Verfassung soll bedeutende Autonomie den einzelnen Ländern zngeftehen. Hohenwart hätte den ^zechen, nebst weitester Autonomie Böhmens, ein Landesministerium und die Übertragung eines Theiles der Reichsrathskompetenz aus einzelne Landtage zngesagt. Dem Hohenwart'schen Plane zufolge wird die Reichsrathskompetenz blos Zvllwcsen, Handel, Finanzen und Landwehr umfassen. Die Delegationsbeschickung geschieht direkt durch die Landtage Zisleithaniens, welche 60 Delegirte entsenden. Ausland. In München fand am 2. Jul, das Begräbuiß des Professors Zeuger statt. Der Mann hatte sich für Döllinger erklärt und war sonach dem Kirchenbanne verfallen. Es wurde ihm das kirchliche Begräbuiß verweigert, worauf der bekannte, ebenfalls mit dem Bann belegte Professor Friedrich das Bcgräbniß ganz nach katholischem Ritus vollzog und dem Verstorbenen im Beisein einer ungeheueren Menschenmenge die Grabrede hielt. Das Leicheubegäugniß hatte sich nämlich zu einer ganz außerordentlichen Demonstration der Altkatholiken gestaltet, an welcher auch die übrigen Städte theilnahmen. Nämlich ans die Nachricht von der Verweigerung des kirchlichen Begräbnisses sind ans Nürnberg, Baireuth, Würzburg, Augsburg, Speyer, Passau und Regeusbnrg Telegramme an die Führer der Münchener Altkathvlike» cingelaufen, welche dieselben auffordern, im Namen der gegen die Unfehlbarkeit des Papstes Protestireudcu Münchens und der genannten Städte neuerdings Protest gegen die Unfehlbarkeit des Papstes wie irgend einer anderen Kirchengewalt einznlegen, und an die Staatsregierung das dringende Gesuch z» bringen, daß sic nicht allein dcn ungesetzlichen Handlungen geistlicher Behörden energisch entgegeutrete, sondern aitch sobald lute möglich einen neugewählten Laiidtag einbernse, um das zwischen Staat und Kirche bestehende Verhältnis' nach allen Beziehungen durch freisinnige, jeden Gewissenszwang anschließende Gesetze auf's Neue regeln zu können. Bei dem Festbankete in Hannover am 30ten Juni, welches dem feierliche» Einzuge der Trnp-pc» folgte, beantwortete der Kronprinz des Deutsche» Reiches de» Toast des Grafe» Minister ans den Kaiser unter enthusiastischem Beifall, die Worte betonend : „Wie die Krieger in der Schlacht einig gewesen, so wolle» wir im Frieden einig sein." Aus das vo», Stadtdirektor Rasch ans den Sieger von Weißenbnrg und Wörth ausgebrachte Hoch erwiderte der Kronprinz in längerer Rede mit einem Hoch auf Stadt und Land Hannover. Hannovers Söhne hätten überall vorangestanden, wo mit deutscher Treue, Tapferkeit und deutschem Muthe die Truppen mehr als ihre Schuldigkeit gethan. Die guten Geimnuugen Hannovers seien Sr. Majestät bekannt geworden, als der König von Preußen vor zwei Jahren in Hannover gewesen. Der Deutsche Kaiser danke Hannover dafür, was eö mit und für Deutschland gethan, er vertraue, daß ein unlösliches Baud geschlungen sei, fest gegen den äußern wie gegen den innen, Feind, fest und unlöslich, weil jahrhundertelanges Bolkssehnen befriedigt worden. Dieses Band füge fest und fester, was länger vergangene und näher liegende Zeiten zu einander geführt. Das walte Gott! — Die Pariser Blätter, welche sich so sehr darüber freuten, daß die Mehrheit des Bürgervorsteher Kollegs zu Hannover einen Beitrag zu dem festlichen Empfange verweigerte, werden diese Rede des Kronprinzen schwerlich bringen. Eine Berliner Korrespondenz der „Allgemeinen Zeitung" bespricht, an die neuesten Auslassungen der ultramoutauen „Germania" anknUpsend, die Haltung der katholischen Reichstagssraktion uud drückt die Ansicht ans, durch Vorstellungen in Rom werde man schwerlich eine Aenderung in der Haltung derselben erzielen. „Es steht fest," fährt der Korrespondent fort, „daß das Verhalten der Fraktion die vollste Billigung nicht blos des Kardinals Antonelli, sondern auch des Papstes gesunden, und daß der Versuch, aus dem Umweg über Rom einen Druck auf die Partei zu üben, dieselbe nur in dem Entschlüsse bestärkt hat, fest an ihrem Programm zu halten. Man nimmt daher in unseren politischen Kreisen an, daß es denn doch ein Fehler der deutschen Bundesregierung gewesen sei, den Papst zu einer Einmischung in die politische Angelegenheiten Deutschlands zu veranlassen." Uebrigens hat die preußische Regierung gerade jetzt die schönste Gelegenheit, den Ultramontanen eine Lehre zu geben. Es handelt sich um die Entziehung des Gehaltes als Domkapitular, welche der Fürstbischof vou Breslau gegen den Professor Baltzer wegen seines Auftretens gegen die Unfehlbarkeit ausgesprochen hat, und um die Frage, ob der Fürstbischof hiezu berechtigt war. Nach der Bestätigungs-Urkunde, welche Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1846 vollzogen hat, war er es nicht, denn es heißt in derselben, daß „derselbe (Professor Baltzer) allezeit in den mit seiner Stelle rechtmäßig verbundenen Befugnissen, Ehren und Einkünften landesherrlich geschützt werden soll." Die Regierung hat also ein Recht, zu fordern, daß dem Professor Baltzer sein Gehalt als Domkapitular weiter gezahlt werde, und sie kann eventuell die sürstbischöfliche Kammer durch Sequestration der Güter dazu zwingen. Ob es der Fürstbischof so weit wird kommen lassen? Freilich darf man sich nicht verhehlen, daß die Scheu, mit welcher die Negierung den klerikalen Ansprüchen entgegentritt, ihren Ursprung in der Erinnerung an die Niederlage hat, welche die preußische Burcau-kratie vor mehr als einem Menschenalter in dem Kampfe mit dem Erzbischof von Köln erlitten hat. In Paris herrscht gegenwärtig über den großen Erfolg der neuen Anleihe wieder große Verrücktheit. „In ihrer Freude," schreibt ein Korrespondent der „Daily News," „glauben die Franzosen, daß der Tag der Rache nahe ist, und wähnen, daß „Preußen" selbst in der Stunde seines Triumfes kein solches Vertrauen auf dem Geldmärkte genießen könnte. Sie geben ihre Gefühle nicht offen zu erkennen, aber nur sehr wenige gibt cs — fügt der Korrespondent hinzu — die nicht au eine schleimige Grenzrektifizirung glauben." Das gallische Volk Ist eben unverbesserlich. Die am 3. Juli bekannten theilweisen Wahlresultate gewähre» die Zuversicht, daß 80 bis 90 von 1 l4 Gewählten der gemäßigte» republikanischen Partei angehören werden, welche die Politik Thiers' unterstützt. In Marseille wurde» gewählt: G a in -betta n»d Laurier; wahrscheinlich ist die ganze liberale Liste durchgedruugen. Im Departement Seine et Oise wurden gewühlt: Magne, Soubeyrat, Testelin, Dnvergnon, Hauranne (Sohn), Faidherbe. Im Departement Charente inferirure ist Ronher durchgefallen. Die Wahl G a m b c 11 a ’ 6 soll Herrn Thiers unendlich unangenehm sein und große Verlegenheit bereite». Auch von anderer Seite her droht Thierö eine Opposition, freilich eine solche, die man nur aufs lebhafteste begrüßen kann. 160 Abgeordnete sind zu einem freihändlerische» Klub zusammengetreten ; eine ganz unerwartet große Zahl von Anhängern gesunder handelspolitischer Grundsätze, die theilweise wohl auch nur de» allzu sonderbare» Ankündigungen des Herrn Thiers znzuschreibeu ist. Wo es noch eine unbekannte volkswirthschaftliche Wahrheit zu sein scheint, daß, um die Zollerträge zu steigern, man die Zölle nicht erhöhen, sondern Herabfetzen muß, da ist es leicht, ein freisinniger Handelspolitiker zu sein. Bei der großen Revue auf den Longchamps hat Herr Thiers vor Freude und Rührung geweint; indcß hielt ihu dieses Entzücken über seine „lieben Soldaten" nicht ab, der Armee die Theilnahme an der Abstimmung zu verbieten. Er traut offenbar der Stimmung unter den Truppen nicht und fürchtet ihre imperialistischen Neigungen. Ei» Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung" macht darauf aufmerksam, um wie viel würdiger und patriotischer die Florentiner, die jetzt aufhören, Hauptstädter zu sein, sich benehmen, als im Jahre 1865 die Türmer. Ohne Murren fügt sich Florenz darein, daß die Krone, welche ihm so wohl zu Gesichte stand, von seinem Haupte herabgenommen und auf das der majestätischen und weltberühmten Roma gefetzt wird, welche eben um ihres Weltruhmes und Weltherrscherthums willen vielleicht die allerwenigst italienische Stadt ist. Die Klerikale» sind wieder um ciue Hosfuuug armer. Das erwartete Wunder, das die Justal-urung des Königs in Rom vereiteln sollte, ist nicht öeschehen; Viktor Emanuel hat unbehelligt seinen ^wzug in die ewige Stadt gehalten uud datirt bereits von Rom aus seine Dekrete. Zur Tagesgeschichte. — In Agram tritt demnächst eine aus Mit-SUebern des Reichskriegsministeriums, des königlich ungarischen Ministeriums und der kroatisch-slavonischen Landesregierung bestehende Kommission, deren Präses Jjnnuttelbar von Sr. Majestät dem Kaiser ernannt wer-en Wird, zusammen, um über die Art und Weise zu Kathen und die bezüglichen Vorschläge zu unterbreiten, wie die besten Einkünfte aus den Verkäufen jener über-Kündigen Hölzer der kroatisch-slavonischen Grenzstaats- forste, die int Interesse einer rationellen Forstwirth-schaft verwerthet werden müssen, zu erzielen sein werden. Prinzipiell wird hiebei an der Bestimmung fest-gehalten, Baß der Erlös aus diesen Verkäufen nur zu Zwecken der Grenze, und zwar insbesondere zur Anlage von Kommunikationen, Ent- und Bewässerungsarbeiten, dann Karstaufforstungen verwendet werden soll. In ganz analoger Weise werden auch die aus den Verkäufen der überständigen Hölzer der Banaler Grenzstaatsforste zu gewinnenden Einkünfte nur mit dem Unterschiede zu verwenden sein, daß damit auch die in der Banaler Grenze nothwendigen Sandbin-vungen herzustellen kommen. — Die offizielle Bedrohung der Presse gibt dem Wiener „Oekonomist" Anlaß zu folgenden trefflichen Bemerkungen: „Was wir im Punkte der Korruption wollten, und Herr Professor Schaffte mit uns, bestand darin, daß die Negierung sich morali-sireu und, so weit ihre Befugnisse reichen, dem gottlosen Schwindel, der Käuflichkeit und Verkäuflichkeit, dem scheußlichen Raube am staatlichen wie am gesellschaftlichen Gute ein Ziel stecken möchte. Die Mora-lisiruug der Presse würde von selbst folgen, sobald es nichts mehr zu mausen gäbe, sobald eine Regierung vorhanden wäre, die es Pflicht und Ehre sein würde, in ihren Maßnahmen zu unterstützen, und deren ganze Haltung zur Achtung nöthigte, ohne daß sie das Knallpulver der „schlechten Witze" anzuzünden brauchte. Die Presse im großen Ganzen ist weit mehr Folge als Grund, weit mehr Wirkung als Ursache, weit mehr Haut als Nerv. Direkt auf die Presse wirken, das kann man höchstens durch den Dispositionsfond, der ja redlich an der Arbeit ist; aber auf die Gesellschaft Einfluß ilben und so die Presse hinter sich herziehen, das vermögen „Staatsmänner," sobald sie die Gänsefüße abgelegt haben. Und dahin zu wirken, mit allem Ernste zu wirken, dazu haben sie auch die Pflicht, wie die Gesellschaft die Pflicht hat, sie dabei mit allem Nachdrucke zu unterstützen. Mit Dekreten, Verboten, Konfiskationen und derlei Teufeleien kann man einschüchtern und sich den Ruf eines Sedlnitzky erwerben, nie aber einen moralischen Einfluß ausüben." — Die „Grazer Tagespost" bringt authentische Nachrichten über die Skandal szenen bei Gelegenheit einer Volksversammlung in Feistriz, bei welchen gehetzte Bauern und Geistliche betheiligt waren. Die Bauern, welchen Entsetzliches über den Verlust deS Glaubens vorgelogen wurde, waren mit steinbeschwerten Strümpfen und Stöcken bewaffnet, welche vor dem Beginn der Versammlung aus dem katholisch-konservativen Verein geholt worden waren. Ein Bauer ries aus: „So viel Bier Ihr in den Saal hinauf-bringt, so viel Blut wird die Stiege herabfließen." Die Behörde sieht solchen Drohungen müßig zu. — Der Redakteur der „Freiheit," Herr L. R. Zimmermann, schreibt aus Oedeubürg: „Minister Hohenwart hat die „Freiheit" ohne vorhergegangene Anklage, ohne irgendwelches richterliche Verfahren, einfach „im Verwaltungswege" als „staatsgefährlich" für ganz Zisleithanien verboten. Da 5/g der Abonnenten Zisleithanier sind, ist der Fortbestand des Blattes nicht möglich, und stelle ich es hiermit bis auf weiteres ein. Ich werde nun von Mitte Juli an monatlich zwei selbständige Broschüren schreiben, welche in der Stärke von je 32 Oktavseilen unter verschiedenen Titeln politische, soziale und religiöse Stoffe behandeln und im vorhinein nicht verboten werden können. Der Bezugspreis dieser Broschüren (einschließlich Frankozusendung) wird genau dem Abonne-mentspreise der „Freiheit" entsprechen und dabei dem Empfänger der Stempel zu 1 kr. erspart bleiben. Wer jedoch nicht gesonnen ist, seinen Abonnementsbetrag in dieser Weise zu übertragen, der wolle denselben freundlichst bis längstens 15. d. reklamiren, worauf die Rückzahlung sofort erfolgt." — Ober St. Ulrich in Gröden befindet sich die Alpe Raschötz, wohin ein Bauer von der Brixener Gegend zu Anfang des verflossenen Juni ein sehr werthvolles Pferd auf die Weide getrieben hatte. Während eines heftige» Gußregens mußte dasselbe Schutz in einem gerade unter' der Alpe gelegenen Kirchlein, das weit und breit hinausleuchtet ins Land und allen Besuchern des Grödnerthales ausgefallen ein wird, gesucht haben, indem es die Thüre entweder offen fand, oder aber es ihm gelang, dieselbe zu öffnen. Nachdem das Pferd in das Kirchlein eingedrungen war, scheint jedoch die Thüre, welche, wie man mittheilt, mittels eines Zuges aus- und zugeht, ins Schloß gefallen zu sein, und das arme Thier war in Folge dessen gefangen und nicht mehr im Stande, sich aus dieser Gefangenschaft zu befreien. Fast eine Woche lang suchte der Bauer mit ändern Leuten das Pferd, welches gar bald auf der Weide vermißt worden war, indem er die ganze Alpe durchstreifte, und als er endlich am siebente» oder achten Tage auch in das Kirchlein kam, in dessen Nähe er während des Suchen« nach dem Pferde öfter gekommen war, fand er das arme Thier in selber verendet liegen. Im Kirchlein elbst bemerkte er gleichzeitig auch arge Zerstörungen, renn die Thüre des Tabernakels war gänzlich ver-chwunde» und nur noch die Eiseubestaudtheile davon vorhanden ; die beiden Holzstatuen zu Seiten des Altars waren bis über die Hälfte abgenagt und wo sonst noch etwa« von Holz sich vorfand, war alles vom Pferde benagt worden, das seinen Hunger hiedurch zu stillen versucht haben wird, schließlich jedoch in Folge des zu lange dauernden Mangels an Nahrung umkommen mußte. — lieber die letzten Stunden der weltlichen Herrlichkeit Pius IX. schreibt ein Korrespondent der „Pall Mall Gazette" aus Rom: „Am 22. Juni ent* chloß sich aus einen Antrag der Kardinäle Catertini und Capolsi das heilige Kollegium, in den Papst zu dringen, bei Ankunft des Königs von Italien Rom zu verlassen. Der Papst weigerte sich zu gehen uud erklärte, er sei zu alt, eine neue Heimat zu gründen, und müsse bleiben, wo er sei. Pius IX. ist im Ganzen sehr niedergeschlagen, und seine Antworten vielen Deputationen gegenüber lauteten nichts weniger als zuversichtlich, obschon von allen Seiten Gaben beiströmten. Selbst ein Wunder, welches er dem Cir-colo dt San Petro in Aussicht stellte, wurde mit klagenden Worten verkündet. Einer Deputation ehemaliger päpstlichen Beamten gegenüber äußerte er auch die Ueberzeugung, daß außer auf Gott keine Hoffnung sei, und forderte sie auf, zu beten, daß er die Herzen der Feinde erweichen möge. Kardinal Antonelli sprach sich einem Hausprälaten gegenüber in ähnlichem Sinne aus, und setzte hinzu: „Keine von den Mächten hat gegen die italienischen Garantien protestirt, und es scheint gewiß, daß Italien und Deutschland ein Bünd-niß geschlossen haben." — Mit der chinesischen Post ist der Bericht über eine fürchterliche Schiffstragödie eingetroffen, die sich am Bord eines Kulischisses vor Kurzem zugetragen hat. Am 4. Mai segelte das Schiff „Don Juan" (früher die „Dolores Ugarte") mit 650 chinesischen Kulis (chinesische Auswanderer) an Bord von Macao nach Peru. Zwei Tage später, etwa 50 Meilen von der Südostküste von Hongkong entfernt, fing das Schiff Feuer und brannte Über 24 Stunden, während welcher Zeit etwa 600 der im unteren Schiffsraum befindlichen Kulis entweder verbrannten oder ertranken. Nur zirka 50 der Unglücklichen klammerten sich an einen fallenden Mast im Wasser und wurden von einer voriiberfahrenden Dschunke ausgenommen. Der Kapitän wie der größere Theil der Besatzung hatten sich bald nach dem Ausbruch des Brandes in die Boote geflüchtet und so ihre Rettung bewirkt. Lokal- und Provinzial-Ängelegenheiten. Lokal-Chronik. — (Die Alten und die Jungen.) Zwischen den Alt- und Jungslovenen tobt gegenwärtig wieder einmal zur Abwechslung ein heftiger Kampf, wie er zeitweise zwischen Alt- und Jungczechen wegen einiger Parteischattirungen zu wüthen pflegt, der aber gewöhnlich mit allgemeiner Versöhnung endet. Anlaß zum Kampfe gaben einige Artikel und Korrespondenzen des „Vaterland," welches gegenwärtig das Organ des ultramoutauen Kaplans Hurter und des nicht minder strenggläubigen Dr. Costa ist. Neulich brachte das „Vaterland" eine Grazer Korrespondenz aus der Feder des Vertreters des steierischen Slovenen Herman, welcher die Jungslovenen unreife Politiker nannte und die Ideen des „Vaterland" vertheidigte. „Slovenski Narod" antwortet ihm scharf, sagt, er begeistere sich nur für mittelalterliche Einrichtungen und schwärme für die Leibeigenschaft des Volkes. Unter ändern Vorwürfen wird ihm auch der gemacht, er habe es darauf abgesehen, den „Slovenski Narod" zu vernichten, weil er sich seinen autokratischen Gelüsten nicht fügen und seine Diktatur nicht anerkennen wolle. Schließlich droht ihm der „Narod," er werde bei den nächsten Wahlen dafür Sorge tragen, daß Herr Her-man seine Rolle als slovenischer Volksvertreter als ausgespielt betrachten dürfe. Wir aber sind der Meinung, das alles sei nur leere Spiegelfechterei; die Jungen haben noch kein Lebenszeichen von sich gegeben, daß sie sich in ihren Anschauungen im wesentlichen von den Alten unterscheiden. So lange sie im Bunde mit den Klerikalen stehen und für Den Unfehlbaren schwärmen, glaubt ihnen kein Mensch, daß sie es mit dem Interesse des Volkes ernst meinen. — (Die Linie Servola-Lack-Kühns-d o r f.) In der am 20. Januar d. I. abgehaltenen Triester Stadtrathssitzung wurde ein aus den Herren Dr. Gregorutti, Hermet, F. Mächtig, Stadler und Ballon bestehender Ausschuß ernannt, mit dem Aufträge, das Gesuch des Laibacher Konsortiums für die Linie Servola-Lack-KühnSdorf um eine» Beitrag von 8—10.000 fl. zu Den Traßirungskosten zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten. Diesen Bericht, dessen technischen Theil Herr Vallon ausarbeitete, trug der erste Vizepräsident Herr Hermet in der am 30. v. M. abgehaltenen Sitzung vor. Im Wesentlichen geht das Gutachten des Ausschusses dahin, daß die Linie Triest-Lack-KühnSdors-LaunSdorf der Predil-tinie gegenüber den Vorzug verdiene, weil sie, im Hinblick aus die Verbindung mit der Rudolfsbahn und durch dieselbe mit den nordischen Ländern und Häfen, kürzer sei, weniger Baukosten erfordere, geringere Bauzeit in Anspruch nehme, weniger Betriebskosten verursache, Elementarhindernissen minder auSgesetzt sei und, als Hauptlinie betrachtet, für fünf Abzweigungen (Prewald-Görz, Prewald-St. Peter, istrianer Bahn, Zweigbahn nach Jdria, Zweigbahn Krainburg-Strin-Möttrük-Cilli) von großer Bedeutung geeignete Anschlußpunkte darbiete. Die „Tr. Ztg." ist für die Predillinie und darum eine prinzipielle Gegnerin der Linie Servola-Lack-KühnSdorf und ist wenig erbaut darüber, daß der Triester Stadtrath einen Beitrag von 10,000 fl. zu den Traßirungskosten der genannten Linie bewilligt. Sie meint, wenn auch diese Bewilligung an achtzehn Bedingungen geknüpft werde, so machen diese zwar dem Scharfsinne derjenigen, die sie ausgesonnen, alle Ehre, können jedoch keinen Trost dafür gewähren, daß dieses Geld möglicher, ja wahrscheinlicher Weise für ein Unternehmen verwendet wird, das der kommerziellen Entwicklung des Triester Emporiums eher zum Nachtheil, als zum Vortheil gereicht. Sie fordert schließlich das unter Anregung des verstorbenen Möring entstandene Konsortium für die Predilbahn auf, aus feiner Zurückgezogenheit hervorzutreten und endlich eine thatkräftifle Wirksamkeit zu entfallen und die Folgen der Kurzsichtigkeit, womit es die Tarvis-Latbacher Bahn ins Leben rufen half, wieder gut zu macken. EtnnrscnScl. Wir machen hierdurch auf die im heutige» Blatte siebente Annonce der Herren S. BtcinDcrfcv & tz'oiiip. in Hamburg besonders ausmertjam. Es handelt sich hier mit Original-Lose zu einer jo reichlich mit Hauptgewinnen auSgeftalteten Verlosung, daß sich auch in unserer Gegend eine sehr lebhafte Belheilignng vorauösetzen laßt. Dieses Unternehmen verdient tun so mehr das volle Vertraue«, indem die besten Staat^garautien geboten sind mit auch vorbenanutks Hans durch ein stets streng reelles Handeln und Auszahlung zahlreicher Gewinne allseits bekannt ist. Angekommene Fremde. Am 4. Juli. rci€‘fnn<. Schönseld, Kaufin., Wien. — Kraluper, ii'attfm., Wien. — Stare, Mannsbnrg. — Siare, Görz. -Bettelheim, Inspektor, Wien. — Kopriviiikar, Pfarrer, Sara. — Potocnik, Ingenieur, Fiume. — Koschier, Besitzerin, Warteitberg. - Goriup, Prosecco. — Adler, Wie«. — Potoiitik, Ingenieur, Kopreiuitz. — Brayer, Graz. — Gregorii, Triest — Malitz, Wien. — Mayer, Wien. — _ Schlesinger. — Sauer, Kanischa. — Dela Torso, Utuite. — Sagare, Udine. — Ferlinz, Private, Präwald. — Rode, Hamburg. — Fürst, Billach. — Chon C., Chon I. und Caudvlini, Villach. Stadt Wien. Fallet, Ingenieur, Hof. — Adler, Kaufin , Wien. — Brauchbar, Kauft», Weißkirchen. — Wallheim, Ingenieur, Wien.______________________________ ____________________ Witterung. Laibach, 5 Juli. Heißer, sonniger Tag, vereinzelte Feder- und Hausenwolken. Warnte: Morgens 6 llhr 3.2.6", Nachmittags 2 Uhr + 20.7“ K. (1870 + 20.7"; 1869 -f 18.6"). Barometer im falle« 327.24'". Das gestrige Tagesmittel der Wärme +16.8°, um 1.7“ unter dem 92ormale. Berlosung. (Ungarische Staats : Lotterie.) Bei der am 30 Juni b. I. um 5 Ul): Nachmittag« in Ofen slall-gefuudeuen zweite» ungarische» Wohlihäügkeits - Lotterie zu Guusten der „Honved-Stiftung» wurden in der Borziehnng folgende 4 Serien gezogen, und zwar: Nr. 75 mit den Losnummer» 74001—75« 00; Nr. 235 mit den Nummer« 234001-235000; Nr. 258 mit Nummer 257001 - 2--8000 itub Nr. 273 mit Nummer 272011 bi« 273000; eine jede der in diese» 4 Serie» enthaltene» 4000 Losnummer» gewinnt je 10 Gnldcn östcrr. Währung. Bei der hierauf erfolgte» Hauplz>ch»»g wurden 338 LoSnummeru gezogen, »nd zwar fiel der Haupttreffer mit 100 000 fl. auf Nr. 164197; der zweite Treffer mit 20.000 fl. auf Ofr. 19143; je 10 000 fl. gewinnen: Nr. 103885 und 287567; je 5000 fl.: Nr. 67826 74128 96782 und 173268; je 1000 fl.: Nr. 3474 10507 80217 95486 146411 152998 167307 173853 212882 und Nr. 239929. Telegramme. Wien, 4. Juli. In der heutigen Herren-hauSsitzung waren anwesend: die Erzherzoge Karl Ludwig, Albrecht, Ernest, Rainer; die Erzbischöfe Rauscher, Schwarzenberg, Tarnoczy, Sembratowicz, der Fürstbischof Wiery, der Erzbischof von Lemberg und der Fürstbischof von Marburg. Generaldebatte über das Budget. Anton Auersperg spricht gegen die AuögleichSpolitik der Regierung, er erklärt Namens seiner Gesinnungsgenossen, daß sie mit Rücksicht auf Befriedigung des Staatshaushaltes in die Budgetberathung eingehen, hiemit jedoch kein Bertrauen für die Regierung aussprechen wollen, deren Tendenzen den wiederholt ausgesprochenen Herrenhausansichten widersprechen. Weiters sprachen Hasner, dann Ditl, welcher das Vertrauen Galiziens in die gegenwärtige Regierung ausdrückte, Kraus und Goluchowski; letzterer erklärte, er und seine zahlreichen Gesinnungsgenossen bringen der Regierung volles Bertrauen entgegen. Hierauf Schluß der Generaldebatte. Der Ministerpräsident erklärt, der Werth einer ganzen Verfassung liegt darin, daß sie den unangefochtenen Boden für die Rechtsgrundlage des Staates bildet, direkte Wahlen würden einen permanenten Widerstreit zwischen Reichs» rath und den Landtagen zur Folge haben, die Loslösung des Reichsrathes von den Landtagen wäre die ärgste Bedrohung des Bersassuiigsgeistes; er betont, daß im gegenwärtigen Momente angesichts der Weltereignisse die Hoffnung für einen friedlichen Ausgleich noch größer geworden. Allseitige Anerkennung und Befestigung der Verfassung seien das Hauptziel der Regierung. Die Hintansetzung der Deutschen sei eine unbegründete Befürchtung. Hierauf wurde der ganze Staatövoranschlag en bloc angenommen und das Finanzgesetz debatte-loS genehmigt. Die von der Kommission beantragten 25 Resolutionen wurden genehmigt. PariS, 4. Juli. Der größte Theil der Pariser Uniontsteii wurde gewählt, darunter auch Gambetta. Telegrafischer Wechselkurs vom 5. Juli 5perz. Rente österr. Papier 59.30. — 5>perz Diente österr. Silber 68.85. — 1860er Staat4a»lehen 101 20. — Bankaktien 77-1. — Kreditaktien 286.60. — London 1*3 25, — Silber 121.— •- K. k. Münz-Dukaten 5 80. — 31a« pvleonsd'or 9.81';,. Man biete dem Glücke die IIand! 950.000 M. Crt. im günstigsten Falle als höchsten Gewinn bietet die neuest** jcrogMe Gel«! - Verlosung1, welche von der liolien Regierung genehmigt und garantirt ist. Oie vorlheilliafle Einrichtung des neuen Planes ist derart, dass in den folgenden 6 Verlosungen im Laufe von wenigen Monaten «3.100 Gewinne zur sicheren Entscheidung kommen, darunter befinden sich Haupttreffer von eventuell M. Crt. 230.000, speziell aber 100-000» 30.000, 40.000, 25.000, “ ; Ü? 000’ 12 "00, 10 000, 8000, «000, i «li/,1’ 105 mal 2000, 155 mal 1000, 205 mal 500, 11.600 mal i, 110 etc. Die nächste erste Gewinnziehung dieser grossen, vom k laate garantirten Geld-Verlosung ist amtlich fest-gestellt und lindet schon am 19. und 20. Juli 1871 statt und kostet als Erneuerung hierzu 1 viertel Original-Los nur II 2, 1 ljalbes „ „ „ 4, 1 ganzes „ „ „ „ 8 gegen Einsendung des Betrages in österreichischen Uauknoten. Alle Aufträge werden sofort mit der grossten Sorgfalt ausgeführt und erhält jedermann von uns die mit dem Staatswappen versehenen Original-Lose selbst in Händen. Den Bestellungen werden die erforderlichen amtlichen Pläne grMis beigefiigt, und nach jeder Ziehung senden wir unsern Interessenten unaufgefordert amtliche Listen. Die Auszahlung der Gewinne erfolgt stets prompt linier Stilllts-Gariintic und kann durch direkte Zuwendungen oder auf Verlangen der Interessenten durch unsere Verbindungen an allen grösseren Plätzen Oesterreichs veranlasst werden. Unser Debit ist stets vom Glücke begünstigt und hatten wir erst vor kurzem wiederum unter vielen anderen bedeutenden Gewinnen 8 mal die ersten Haupttreffer in 3 Ziehungen laut oi'liziellen Beweisen erlangt und unseren Interessenten selbst ausbezahlt. (206—16) Voraussichtlich kann bei einem solchen auf der »»••«•»«»teil Bh»I» gegründeten Unternehmen überall auf eine sehr rege Betheiligung mit Bestimmtheit gerechnet werden ; man beliebe daher schon der nahen Ziehung halber alle Aufträge baldigst direkt zu richten an 8. Stcindecker & Comp., Mnk- und Wechscl-Heschäfl in Hamburg. hin- und Verkauf aller Arten Staatsobliga-tionen, Eisenbahn-Aktien und Anlehenslose. V« S. Wir danken hiedurch für das uns seither geschenkte Vertrauen und indem wir bei Beginn der neuen Verlosung zur Betheiligung einlüden, werden wir uns auch fernerhin bestreben, durch stets prompte und reelle Bedienung die volle Zufriedenheit unserer geehrten Interessenten zu erlangen. O« II. Staatsfonds. ^erc. Rente. Lü.Pav. bto. bto. oft.in Gilb ofe von 1854 . . 'ose von 1880, ganz-bose von 1860, ffünft. Präuncnsch. v. 1864 . Orundentl.-Obl. Steiermark ktärnren. ftrain u. Küstenland 5 * Ungarn . . zu 5 „ Kroat.n. Slav. 5, „ Siebenbür,,. * 5 „ Aotten. ^atisnalbank . . . Union* Bank . . . 6ret>ifanitaU ft. ü. Escourvle-Ges. Lnglo-öfterr. Lank Oen. Bodencred.-A. . Oeft Hypoth.-Bank . Stirer. Ercomvt.-Lk. Franko - Austria . . ftait. Ferd.-Viordb. Südbahn-tAeseLsS,. . ^ais. Elisabeth-Bahn Larl-Ludwig-Dahn Giebeitb. Eisenbahn . Staatsbahn. . . . Kais. yran--JosefKb.. iZünsk.-Barcser E.-B. Llföld'-Fium. Bahn . Pfandbriefe, Nation. ö.M. ör.loAb. klna. Bod.-Creditanst. Mq. oft. B od.-Credit, dto. m 3.1 rütfv Wiener Börse vom 4. Juli Selb 59.40 68 $#(: 64.- 10i.- 11*76 128.- 93.- 85.75 80 85.7) 76.50 776 |*71>0 j 28t 6 940. -i V59.20 j 260 — '40*.-U6.25 21:0 I 178.10 ! r21 5 (249.25 172 -!413.5f I201.r0 17H 5U 177.- Warc 59.50 69 10 $-4 25 101 20 113 128.25 94.- 86.— 80.50 776 — 272.— 2*8.60 946 — 259 40 *61. ao. 116.50 2)55 .78 40 m. i4.HO 172 25 414.-vj('i 75 177. 177 25 91.90 8y.30 106.25 | 86 90 Ceft. Hypotb.-Bank . Priorlt&ta-Obllg. Südb.-Ges. zu 500 ffr. dto. BonS 6pCt. •JZotbb. (100 st. LM.) Sieb.-B.(200st.ö.W.) Staatsbahn Pr. Stück StaatSb. pr. St. 1867 rirudolföb.l300fi.ö.W.) Franz.Ios. (200 st.S.) Credit 100 fl. ö. LV. . Don.-Dampfsch.-Ges zu 100 fl. -LM. . . Triester loo fl. CM. . dto. 50 st. ö.W. . Ofener . 40 ft. ö.W. Salm . „ 40 „ PaMh . * 40 „ Zlary . , 10 „ St. GenoiS^ 40 „ Windischgrätz 20 „ Lvaldftein . 20 „ Kegievich . 10 ^ Rudo'fSstifL. lOö.W. Woobaei(3 2)?r.a.) A'.rgsb. lOOst.sÜdd.W. ffraiikf.ioost. , ^ London 10 Pf. Sterl. Paris 100 Francs . aaüRten. Geld 95.— 1Ü>0; e 95 5i> 1 0 75 111.— >38.5c >39 60 H)5.£0 ICO — 89.20, 89.40 139.- 339.40 92. JO 89 60 106.50 87 £0 20-HrancSfiüü . BereinSthaler . Si'ber . . 91 30 91.50 97.— 97.10 176.20 177.— 102.— 122.— 124.— 59.— 60.— 3:}.— 35.— -53 50 44.- 82 50 33.50 £8.- t9.— 81.- 32.— 21.- 25- 24.5') 25.- 15.— 17.- 15.- 15.50 102.50 102 60 102.80 103.— 123.50 12/ 60 48.— 48 10 510 5.81 9.60 9.81 1.82 1.82* 120 50 121.— Z. ui ßtn ij)u ö, vt i e \ ii ui a 9 t V ct. 41 3 c c B-'. eger und fiir die ReLattion verantwortlich: Ottvmar Bamberg.