Mr. «S. Tv«»t«»g, Mat t8«S. v. JahrgAVg. Die «Narbltkge? Zeitung" erscheint jeden Sonntag, Mittwoch nnd Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl., halbjährig 8 fl., vierteljährig 1 fl. b0 kr', für Zustellung ins Hauß monatlich 10 tr. — mit Postversendung: ganzjährig S st., halbjährig 4 fl., vierteljährig Z fl. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mtt 10, bei zweimaliger mit IS, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, wozu für jedesmalige Einschaltung S0 kr. Znseraten'Siempelgebühr kommen. Abonnements-Eintadung. Bei Beginn deS neuen Monates machen wir die freundliche Einladung znr Pränumeration. /iir Marburg mmatlich S« kr., »tt Zufttlmig i«'« Ha« KV kr.. «U P«ft>trs»»d>ug vinMjährig i! ß, haldjahrig 4 ß., gaazjiitzrig » Die Ad«t«tstratioa der „Marburger Zur Geschichte des Tages. Seit dem Anfang unseres Jahrhunderts haben in Oesterreich und in Deutschland noch nie so großartige Truppenbewegungen statt» gefunden, wie gegenwärtig. Viele Städte gleichen in Folge der antom« Menden Truppenmaffen von den verschiedensten Waffengattungen einem großen Transporthause. Und jetzt, nathdrm Alles zum Schlagen fertig, nachdem in Oesterreich die Hälfte der 1ö0 Millionen österreichischer Staats-noten bereits durch die Rüstungen verschlungen ist. sollte es plötzlich „Ge. wehr bei guß" machen? Wie man in Wien über den Kongreß denkt, geht am besten ans der Aeußerung einks Staatsmannes hervor: „Oester« reich wird auf dem Kongreffe um kein Haar schlimmer stehen, wenn es schon 16 Schlachten verloren hat." Ueber die preußischen Rüstungen liegen folgende Rachrichten vor: Aus der Eisenbahnstrecke Köln Wetzlar find 167 Extrazüge sür Trup-Pen des 7. und 8. Armeekorps angesagt. Ein Theil des 7. Armeekorps soll unter Benützung der weftphälischen Bahnen bis Betzdorf befördett »nd von dort der Fußmarsch nach Wetzlar dirigirt werden. — Es ist nun auch der Befehl gekommen, daß aus den nicht zu Festungsbesatzungen bestimmten Landwehrbaraillonen des 7. und 8 Armeekorps ein Reserve, korps von zirka 20.000 Mann bei Siegen aufgestellt werden soll. — In Wetzlar und Äeaen werden große Magazine angelegt und in Betreff ber erforderlichen Lieferungen in diesen Tagen in Köln und Koblenz Berträae abgeschlossen. 3n Berlin find während der letzten Tage wichtige Beschlüsse in Betreff der Aufstellung der Armee gefaßt und die nöthiaen Befehle an die Truppen sofort erlassen worden. Demnach sollen im Sinne einer streng einzuhaltenden Bertheidignng vorläufig vier Armeen kouzentritt werden. Ueber die Kriegsrüstungen wird aus Stuttaart geschrieben: Seit einiger Zeit kommen täglich preußische oder baierische Militärabthei' lungen hier durch. Preußische von und nach Hohenzollern. baierische in der HiN' und Herbewegung zwischen der Rheinpfalz und den übrigen baiertschen Provinzen. Hohenzollern scheint von allem, was irgend Werth-voll an Regierungseigenthum vorhanden ist. gänzlich geräumt werden zu wollen, als stehe ihm das Schicksal bevor, vom Heinde besetzt zu werden. ReflierungSkaffen, Geschütze, sonstige militärische Borräthe. alles wird in großer Eile fortgeschafft und theils nach dem Rhein, theils nach Bran-denbnrg gebracht. — In Hohenzollern ist die Mißstimmung gegen Bis-marck aufs höchste gestiegen: viele Wehrpflichtige wandern aus, besonders nach der Schweiz, um der Rothwendigkeit zu entgehen, für das verhaßte System fich schlagen zu muffen. Wie die republikanisch italien ische Partei über den Krieg mit Oesterreich denkt, erhellt aus einem Briefe, welchen Mazzini am 9. d. M. an den Direktor des „Dovere" aeschrieben und dessen Hauptinhalt fich in den Sätzen zusammenfassen läßt: „Das Land muß darauf bestehen, daß es zum Kriege komme; der Krieg muß ein aus' schließlich italienischer sein; keine Allianz mit Preußen, oder wenn fie be-reits abgeschloffen ist. Geheimhaltung derselben, gleichwie eines Fehlers; die natürlichen Alltanzen Italiens müffen mit den Völkern sein, die mit Gewalt an den Wagen Oesterreichs gespannt und nach Wiedererlangung ihrer Freiheit begierig find; der Krieg muß in des Wortes voller Bedeutung ein nationaler sein und von der Armee und von Freiwilligen in unbeschränkter Zahl geführt werden; keine «abedachte und eigenmächtige Beschränkung der Freiheit." Der langsame Fortschritt der italienischen Rüstnn Der Statthalter. Bon z. I Bon Kulm im Aargau sührt ein schmaler, steiniger Weg über den Berg nach dem Ruederthale. In langsamer Steigung windet er sich dem Walde entlang, durch ein enges, schluchtartiges Seitenthälchcn. in dessen liefe hie und da ei» spitzfirstges. strohbedecktes Hüuslein steht, zwischen alten Bäumen versteckt, als ob es seine Armseligkett auch da draußen in der Einsamkeit noch verbergen müßte. Droben am Ende dieses Thälchens tritt der Vsad, bevor er sich in das hochstämmige Tann verliert, auf eine freie, weitschauende Lichtung, von der das ganze Hauptthal von Gränichkn a» bis an die waldigen Höhen gegen Münster zn überblickt wird. Gerade gegenüber in der Tiefe steht die Kirche und erscheint mit ihrer Umgebung von der Höhe herabgesehen so nahe, daß ein scharfes Auge die kleinen Leichensteine und Rosensträuche ans dem Kirchhofe zählen kann. ^Ebnat" ^ßt diese kleine freundliche Hochebene, und man würde meinen, das ivilde Treibe» »nd Ungemach des Thales dürften nicht in diese stille Einsamkeit hinaufsteigen. we»n nicht ein verwittertes Gemäuer, das dem Wege ent» lang mit Brombeergesträuch nnd Schlinggras überwachsen ist. andeutete, daß auch hier schon Unglück »»d Zerstörung gehaust hätten. Bor wenige» Jahre» noch stieg vom Dorfe nach dem Ebnat hinauf fast jede« Abend ei« alter Mann, den ganze« Sommer lang, bis der Gchnee die Wege deckte. Seine hohe Gestalt war von den Iahren gebtugt »»d oft blieb er. Athem holend, ans seinen Stock gestützt, stehen, um mit trübem Blicke den Weg zn bemeffen. den er noch zn gehe» halte. Die ^te. die a»f dem Felde am Wege arbeiteten, grüßten den Alte» mit E^erbiet»»g und schante» ihm müßig »ach, bis er langsam hinter einer oder am Waldrande verschwnnden war. ^Der nlte Statthalter geht anch »icht mehr lange in s Ebnat," sagte »ß0hl das Ei»e. „er muß »ach dem Kirchhose trotz semes Veldes."—„Ich ^anbe. er geht lieber dahi». als MM»ch«r arme Bettelma»».- meinte ei» U«d^. »»d dan» wendete stch das Gespräch gewöhnlich ans de» Trost aller Armen, nämlich, daß Geld und Gut allein daS Menschenleben nicht glücklich machen können. Mancher alte Mann blieb noch eine Weile fin-nend an seine Hacke gelehnt stehen nnd dachte an Dinge, die er als Knabe und Iün^ing erlebt, und an Menschen, die er gekannt und die schon lange den Weg nach dem Kirchhof gegangen waren. Der Statthalter hat diesen lchten Weg nun auch zurückgelegt. Die kleine Bank, die er sich aus dem iibnat unter einem breitästigen Birnbäume hatte Herrichten lassen und Von der er so ost nach dem Kirchhofe des Dorfes hinuntergeschaut, ist bereits morsch zusammengefallen und bald auch wird das Andenken an den alten Mann mit den Wenigen, die ihn noch in jungen Iahren gekannt haben, vergessen sein. Ich will deswegen hier auszeichnen, was ich von diesen Wenigen über ihn und seine Schicksale erfahren habe. Droben auf dem Ebnat stand ehemals da. wo jetzt nur noch der verfallene Mauerrest fichtbar ist. ein sauberes, nettes HauS, das mit seinen blanken Fenstern im Morgen- und Abendscheine gar freundlich in s Thal herniederleuchtete. Es war daS väterliche Haus des Statthalters, oder wie man ihn damals uoch nannte, des EbncN <^hristian. Christian war zu der Zeit, in der die Erzählung beginnt, etwa 24 Jahre alt und regierte schon seit dem Tode des BaterS mit Meisterhand den kleinen Berghof. Mit seinen Altersgenossen, den „Nachibuben" im Dorfe kam er wenig zusammen; er ging am Sonntage vom „Trüll-platze" *) weg gewöhnlich wieder geraden Weges nach Hause, wo eS ibm wohler war. da droben in seiner grünen Einsamkeit, als im Gelärme des WirthShauseS. Man wußte deshalb wenig mehr von ihm zu sagen, als daß er ein stiller, fteibiger Bursche sei. und noch — daß er einer der schön-sten Bursche sei im ganzen Kulmerthale. DaS Letztere sprach nun gerade sliemand auS. aber mavcheS Mägdlein dachte daran mit unruhigem Herz-klopfen, wenn Ehristian am Sonntag Vormittag in die Kirche kam. oder am Nachmittage mit dem Gewehr im Ar« aus den Trüllplatz zog. Darum war auch das offenkundige Geheimniß bis jetzt dem Jüngling selbst verborgen geblieben. Sagte die Mutter etiva einmal zu ihm: „i^hristian, du solltest nun doch bald anS Heirathen denken; ich werde alt und mag Die Milize» wurden da«al» alle Sonntage dorfwtis« eineLereirt oder „De-trüllt-' nur selten, etwa eismai i» Jahre, fand ein größerer Aufammenzug e»ner g««-ze« Uhalschaft statt. Die «Narbltkge? Zeitung" erscheint jeden Sonntag, Mittwoch nnd Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl., halbjährig 8 fl., vierteljährig 1 fl. b0 kr', für Zustellung ins Hauß monatlich 10 tr. — mit Postversendung: ganzjährig S st., halbjährig 4 fl., vierteljährig Z fl. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mtt 10, bei zweimaliger mit IS, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, wozu für jedesmalige Einschaltung S0 kr. Znseraten'Siempelgebühr kommen. gen scheint in Verlin sehr unanacuehm bi rührt zu haben, da sowohl der preußische Gesandte in Florenz. Freih.rr von Usedom, als auch dcr preu-tische Militärbevollmächtigte in Italien. Major von Burg, augcwies^tl wurden, die Regierung Viktor Eptanuels zu drängen, ih^ Rüstimgeu zu beschleunigen, da leicht der Fall eintreten könne, daß Preußen die kriege-rische Aktion schon jetzt beginnen müsse, in welchem Falle man natürlich auf die gleichzeitige Mitwirkung Italiens zu rechnen hätte. Welchen Werth Gras Bismarck auf diese gleichzeitige Mitwirkung Italiens setzt, geht am besten daraus hervor, daß die preußische Regierung, welche sich bisher hartnäckig weigerte, einen weitern Vorschuß auf die für seine Kriegs-leistung und Hilfe bewilligten Gelder zu geben, mit einem Male von den finanziellen Verlegenheiten Italiens benachrichtigt, sich bereit erklärt hat. weitere 50 Millionen Franken vorzustrecken, mit der ausdrücklichen Bedingung jedoch, daß dieselben lediglich zur Beschleunigung der Rüstungen verwendet werden sollen. Die italienische Regierung hat sich nun bereit willig gezeigt, diese Bedingung ^u^ erfülle», und da namentlich ihr Ar lilleriepark. beziehungsweise ^ie Bespannung desselben, sehr mangelhaft ist, so hat dieselbe zwölf Offiziere der Kavallerie und Artillerie behufs des Be-darfeS von Pferden in alle Weltgegenden entsendet. 3m Lande selbtt werden alle nur halbwegS tauglichen Pferde angekauft und oft unmäßige Preise für dieselben bezahlt. So hat die Remonteninspektion in Mailand 2l10 Stück, meist herrschaftliche Pferde, angekauft und für dieselben 200,000 Franken bezahlt, so daß also ein Pferd allein die Regierung aegen 1000 Fr. kostet. Trotz der unsäglichsten Anstrengungen dürfte eS Italien jedoch unmöglich sein, vor Monatsfrist den Angriff auf Benetien wagen zu dürfen, und General Govone wurde neuerdings in aller Eile nach Berlin entsendet, um die preußische Megierung über die Lage Italiens genau zu informiren. und man knnn stch in nächster Zeit auf eine Ber-schleppung der Kriegsfrage gefaßt machen. Napoleon bemüht sich, im Einverständnisse mit Preußen. Oester-reich außer Verbindung zu setzen, und strebt dieS durch Gründung eineS ReutralitätSbundeS zwischen den deutschen Mittclstaaten. der Schweiz. Belgien und den Niederlanden zu erreichen. — Die französtsche Regierung scheint eine bedeutende Seemacht im Mittelmeere konzentriren zu wollen. Man wird die unverfängliche Form einer UebungSfahrt des Panzerge-schwaderS wählen, daS unter de la Ronciöre von Cherbourg nach Toulon abgehen und sich dort mit dem UebungSgeschwader unter Gneydon vereini-gen soll, um etwa im jonischen Meere sich in nützlichen Manövern zu versuchen. Es wird viel von dem Bestehen eines türkischrussischen Allianzvertrags gesprochen. Ein derartiger Bertrag scheint jedoch, wie die Dinge stehen, des Guten zu viel zu sein, da eS sich gegenwärtig lediglich darum handelt, die Wahrung der Rechte der Pforte von den Romanen zu erzwingen. waS die Türkei ohne jede fremde Hilfe durchzu-führen im Stande wäre. Es liegt daher die Annahme näher, daß die Türkei von der Politik Rußlands neuerdings hinterS Licht geführt wird. — Aus der Moldau wird berichtet, daß die russische Macht längS deS PruthS in den letzten Tagen auf 150.000 Mann angewachsen, und daß man bereits alle Anstalten zum Brückenlegen und Pontovbau getroffen, um auf die erste Nachricht von dem Einmärsche der Türken m Romanien gleichzeitig den Pruth zu überschreiten. Während dieftr doppelten Bese-tzung von Romanien wird Rußland nicht lange auf eiNtn Vorwand war-ten müssen, um seine freundlichen Beziehungen zu der Türkei (falls solche in der That bestehen) auf irgend eine Weise kündigen zu können und die Operationen der 150 bis 200,000 Mann gleichzeitig mit den vorberei« teteu Bewegungen in den slavischen Provinzen der Türkei zu beginnen. Man kann jetzt schon mit Bestimmtheit annehmen, daß die h. Pforte ihre nicht mehr so nachkommen." antwortete er fast verwundert: „Multer, wie kannst du so reden; so lange du da bist, brauch' ich keine Frau." — Aber auch ihm sollte daS Stündlein schlagen. Eines Sonntags predigte der Pfarrer mit heiligem Eifer von den Pflichten getreuer Unterthanen gegen ihre gnädige Obrigkeit. Er schilderte, wie nun des Himmels schwere Hand über Frankreich liege mit Krieg nnd blutiger Verheerung, weil daS rebellische Volk an des Königs gcweihetem Haupte sich versüudigt habe, und drohte mi! dem nämlichen Gerichte, wenn seine Kirchgenossen wagen würden, gegen die gnädigen Herren von Bern und ihre Vögte zu murren, wie das schon hie und da von Ruchlosen geschlhen solle. Christian kamen diese Worte verivunderlich vor; er hatte in seinem Leben noch nie daran gedacht, sich gegen di'N Nntervogt *) oder den Trüllmeister aufzulehnen, und dieS waren so ziemlich die einzigen obrigkeitlichen Personen, die ihm bekannt waren. Er schlug die Augen auf. um zu sehen, ob dem Pfarrer auch Ernst »ei mit seinem Zorn und Eiser. Aber sein Blick erhob stch nicht ganz zur Kanzel — er blieb unterwegs an einem andern Gegenstande haften, bis sich daS Auge lang-sam wieder senkte und daS ganze Gesicbt von einer tiefen Purpurröthe übergössen wurde. Christian gerade gegenüber unter der Kanzel saß UntervogtS RöSchen. Aber w»e war das nur? — Er hatte daS Mädchen schon tausend und tausend Mal gesehen und doch dieses lichte braune Augenpaar, den stillen Ernst über dem sinnigen Gesichtchen. daS freundliche Lächeln um die rc'sen-rothen Lippen und — er wußte selbst nicht Alles waS — noch nie be-merkt. Da mußte eine gewaltige Aenderung vorgegangen sein. Röschen schaute ihn gerade an und es war. als ob in seinen Augen die Frage geschrieben stände: „Nicht lvahr, Christidn. du könntest meinem Vater, dem Untervogte, kein Leids thun. wie die Franzosen ihrem Könige? — Mir zu lieb thatest du'S nicht — ich weiß es." Gewiß, diese Frage l^S Christian in den Augen der Tochter deS llntervogts und er wollte noch weiter lesen in dem aufgeschlagenen, wundersam rätlisel!)aften Bücke; aber Röschen schloß dasselbe mit dem dunkeln Seidcnschleier seiner Wimpern tief erröthend zu. Christian fühlte, wie sich die Glutb von Röschens Wangen über die Dlk Gebiet? der meisten damcitigen schweizeriscbkn ..Stände" waren ln ^^and-»ogteieu ei»getlieilt. Untervog» !?leß der erste Ae»einde.Porstei,er elner ländlichen Ge-»«wb«. Allianz mit Rußland mit dem Verluste der Donaufürstenthümer ivird einbüßen müssen. Im besten Falle würde sodann ein neuer fremder Fürst, wenn es nöthig sein sollte, auch mittelst einer allgemeinen Abstim-mung gelvählt werden, aber gewiß nicht ein solcher, der die LehenSherr-lichkeit der Türkei anzuerkennen bereit «väre. Ein Leuchtenberg wird eS wahrscheinlich sein, welchen die Romanen „auS freiem Willen" werden wählen müssen. Auf freier Bahn. Marburg. 26. Mai. Die Gegner der Verfassung wollen auf der freien Bahn, welche die Regierung am 20. September durch einstweilige Außerkrastsetz«»a der ReichSverfassung cröffnet hat. lvieder eine bedeutende Ärecke zurücklegen. Wie der „Telegraph" einem slavischen Blatte — wenn wir nicht irren, dem „Slovenee" — entnimmt, haben „slovenische Patrioten der Steier-mark" vor Knrzem eine Versammlung abgehalten und folgende Beschlüsse gefaßt: .,1. Es sei ein Zentral-Wahlkomitv für die slovenische Steiermark zu begründen, welches seine Unterausschüsse in allen slovenische» Wahlbezirken des Landes hätte. 2. ES sei zur Belehrung deS slovenischcn Volkes in Steiermark über seine national-politische Lage die parlamentarische Thätig-keit der beiden slovenischen Mitglieder deS Grazer Landtages, Dr. 'Raz. lag und Hermann, in einem volkSthümlich geschriebenen Büchlein darzulegen nnd die Schrift möglichst zn verbreiten. — Zu letzterem Zwecke wurden bereits 110 sl. gezeichnet. 3. ES sei eine von möglichst Bielen unterschriebene Petition an Se. Majestät zu schicken, da die slovenische Nation vom steierischen Landtage ihr Recht zu erhalten nie hoffen könne. Die Punkte dieser Petition sind: Aenderung der LandtagS-Wahlordnung betreffs der slovenischen Südsteiermark ; eS möge der steierische Landes-auöschuß in einen deutschen und einen slovenischen getheilt. oder in den« selben wenigstens zwei Slovenen gewählt werden; für Südsteiermark sei eine Statthalterei Abtheilung zu errichten; eS sei die flovenische Sprache in der slovenischcn Untersteiermark als dle Amtssprache zu erklären. 4. Es sei bei der demnächstigen Konstituirung von BeurkSvertretungen in Steiermark dafür zu sorgen, daß in dieselben möglichst viele Slovenen gewählt werden. 5. ES solle für die Slovenen eine südsteierische Land-wirthschaftS Gesellschaft uud ein Verein für Obst- und Weinzucht begrün« det werden." Wir halten diesen „Patrioten" gegenüber mit unbeugsamer Entschlossenheit zur Verfassung. Mögen unsere Gegner »ur Vorbereitung auf die nächsten Wahlen jede Thätigkeit entfalten, die Verfassung und Gesetz erlauben, mögen sie für ihre Partei Anhänger werben durch Rede und Schrift, mögen sie ihre Stamm- und Parteigenossen über daS Wirte« und die Pläne der Ab^ieordneten belehren: sie haben daS Recht dazu, haben als Partei sogar die Pflicht. Wir verargen eS ihnen nicht, wenn sie sür ihre Ziele thun. ivaS wir für die unseren nicht lassen dürfen: wir fordern nichts, als Kampf mit gleichen, mit ehrlichen Waffen — daS Recht und die Wahrheit milssen dann siegen. Da wir aber auf dem Boden der Verfassung stehen, so rufen wir den „Patrioten" zu: WaS Ihr auch verlangen mögt: Aenderung der Wahlordnung u. s. w. — Ihr dürft eS nur verfassungSgemäß erstreben. Die Wahlordnung — der Himmel weiß, wie ftiefmütterlich unsere demokratischen Grundsätze von ihr behandelt lverden — die ZWahlordnung kann nur dann geändert werden, wenn der nach derselben gewählte Landtag eS beschließt und der Kaiser als Herzog der Steiermark durch seine Genehmigung den Beschluß zum Gesetz erhebt. Wir «vollen da» seinigen ergoß, wie der Widerschein der Morgenröthe. Er wagte nicht mehr aufzuschauen und saß still andächtig, alS ob er !>ie Predigt, von der er doch kein Wort mehr hörte, tief zu Herzen nähme. Auf dem Heimwege wendete er sich bei der Ecke, wo der W^ nach dem Ebnat von der Straße ablenkt, plötzlich um. Drüben stand Möschen unter seiner Hmsthüre und hatte ihm nachgeschaut. Als er droben einsam am Waldrande dahinging, blieb er halberschrocken stehen; er meinte. eS habe une Stimme auS dem Walde heraus-gerufen. Errötheud, fast wieder wie in der Kirche, besann er sich, daß er. ohne daran zu denken, laut vor sich hin gesungen habe und die Stimme im Walde blas daS Echo seines LiedeS gewesen sei. Lange schaute er sinnend aus daS Thal hinunter. daS eben seinen fröhlichsten FrühlingS-schmuck angethan hatte. Es däuchte ihm. als Hütten die Bäume noch nie so duftend geblüht und der blaue Himmel noch nie so milden Sonnen-schein über die Erde gebreitet ; daS aufwachende Herz schwoll in süßbe-klommener Ahnung, und laut auf jauchzte er in den Wald hinein, daß der Widerhall von den fernen Höhen zurücktönte. Der Nachmittag brachte ein bunteS. lustiges Leben in'S Dorf. Es war heute der erste Maisonntag deS IahreS 1797. und nach alte« Herkommen versammelte sich die dienstpflichtige Mannschaft auS den benachbarten Dörfern deS ThaleS auf dem Bärenplatze in Kulm, um mit Wehr und Waffen die Musterung ^ineS OberosfizierS zu passiren. Bon allen Seiten rilckten die Trüllmeister mit ihren Schaaren heran und mit helle« Pfeifen und Trommeln und fliegenden Fähnlein ging der Zug taS Dorf auswärts nach dem Musterplatze. Christian marschirtc alS Flügelmann bei den Grenadieren im ersten Gliede. Cr hatte zwar seine Wasfen schon gestern in Ordnung gebracht; aber heute nach der Kirche war er nochmals daran l^cgangen und Muskete und Bajonnet glänzten und funkelten. alS wären sie soeben auS der Hand deS ZeugschmiedS gekomme«. Die Uni-form l)oti seine schlanke Gestalt, daß sie noch um Vieles größer schien als gcwöt)nllch und umschloß die kräftigen Glieder so straff, wie die glatte Rinde den Stamm einer jungen Buche. AlS der Zug an deS UnlervogtS Hause, unter dessen Thüre Röschen mit einer Schaar schaulustiger Mädchen stand, vorübermarschirte. schaute Christian so keck hinüber. alS ob er nun erst wüßte, dcß jede« Auge mit Wohlgefallen auf ihm imheu müsse. Und lvar dem nicht so? Hatte Rösche« ihm «icht erröthe«d «nd lächelnd zuge»ickt 7 — We»ißsteuS glaubte l)ie< ei»e schelmische Kamerädi« Stimmrecht für alle ^großjährigen, unbescholtenen Staatsbürger erriugen; aber nie werdeij wir einer einseitigen Aenderunl^ der Wahlordnunji. nie einem Verfassungsbrüche das Wort reden. Die Verfassung ist das höchste GeseK des Landes: der Ehrenname „Patriot" — Vaterlandsfteund — ge-bührt nur Jenem, ivelcher vicses Gesetz achtet. Die Berfafsuns,spartei des Unterlandes, zu lvclcher Deutsche und Slovenen gehören, stimmt für die Aenderung der Wahlordnung im freiheitlichen Sinne und nur auf der faffungsmaßigem Wege. Die Bollsversammluug, die unmittelbar nach Schluß deS Abgeordnetentages in Frankfurt abgehalten wurde, war nach einem Berichte der „N. Fr. Presse" von 3V00 Tbeilnehmern besucht und verlief in bester parlamentarischer Ord-nung. Den Vorsitz führte bekanntlich Kolb auS Speier. der Veteran der PfÄzer Liberalen. Den ersten Satz der Resolution: „Gegen die friedenS-brecherische Politik der preußischen Regierung ist der bewaffnete Wider-stand Deutschlands geboten; Neutralität ist Feigheit oder Verrath" —-begründete Trabert auS Hanau, welcher den Störer des Bundesfriedens mit allen Mitteln niedergeschlagett wissen will, und Bebel auS Leipzig, welcher als Arbeiter des Landes spricht, das diese Krists m«hr zu fürchten habe, als ein anderes. Preußen liab«? jetzt dasselbe gewollt, waS es itn stebenjährigen Kriege gethan. nämlich Sachsen nehmen und auf dessen Kosten den Krieg führen, wenn es nicht zeitig genug daran verhindert worden wäre. Die Begründung des Absatzes 2: „SchleSwig-Holstein ist sofort auf Trunv des bestehenden Rechtes als selbstständiger Staat zu konsti-tuiren; ohneiveiters ist die holstein'sche Stimme am Bunde wieder in Kraft zu se^n und daS holstein'sche Kontingent zu bilden" — übernahmen Redakteur May aus Altona und Riepen aus Kiel. Ersterer meinte, daß im „Saalbau" weise Erwägungen gefaßt worden wären, an denen, nach Hamlet, drei Viertel Weisheit und ein Viertel Falschheit sei. Schleswig» Holstein sei schon einmal von den deutschen Regierungen verrathen wo?-den; einen solchen Verrath nun auch vom deutschen Volke zu erleben, wäre gräßlich. Riepcn erklärte, daß die Holsteiner den Angreifer, und das sei jetzt Preußen, an der Seite Oesterreichs aus den Kopf schlagen würden, ohne daß sie sich an Oesterreich verschacherten. Wenn das deutsche Volk sich nicht aufraffe, so werde Preußen im Norden und Oesterreich im Süden nehmen, was ihm beliebte, dann trete ein vollständiger Dualis-mus ein. und die beiden Rivalen würden sich abermals und so lange schlagen, bis einer von «hnen vernichtet am Boden liege und das Ausland dtN Läwenantheil davontrage. Zur Begründung des Absatzes 3: „Der preußische ParlamentSvorjchlag ist unbedingt zu verwerfen; nur eine koustituirende, mit der nöthigen Macht ausgestattete VolkSvertretun,^ Gesammt'Deutschlands kann über die Verfassung des Vaterlandes endgiltig entscheiden" — sprach zuerst Dr. Grün aus Frankfurt, welcher geschenkte Freiheit als keine bezeichnete und sagte, daß Bismarck mit dem Edelsten, was die deutsche Kultur kenne, mit den deutschen Arbeitern, gespielt habe. Diese wüßten aber wohl, was sie zu thun l)ätten. denn sie seien die Vor-Hut der deutschen Freiheit. Sodann Dr. Ladendorff aus der Schweiz, lvelcher einen republikanischen Gruß brachte und als Programm der Zukunft die deutsche Republik empfahl. (Donnerndes Bravo.) Absatz 4: „Wir verlangen von den Regierungen die Herstellung der Grundrechte des deutschen Volkes und die gesetzliche Einführung der allgemeinen Volksbewaffnung" — wurde von Neust aus Zürich und K. Mayer aus Stutt-gart begründet. Letzterer wünschte die stchenden Heere deshalb nicht mehr, um keine Söldner zu haben, welche auf den Wink versassungSbrüchiger Minister gegen ihre Brüder vorgehen. Alle Volksvertretungen müßten bemerkt zu haben. „Der Christian aus dem Ebnat ist doch der Schönste." sagte fie neckisch; „wenn ich so eine reiche Tochter wäre, wie Untervogts Röschen, den wollt' ich zum Manne haben und wenn ein ganzes Fuder Junker von Bern kämen Herr Jeses! nur nicht so böse, Röschen — feuerroth bist du." „Du bist doch immer die »vüsteste." sagte Röschen, in s Haus zurückspringend, halbböje. daß seine geheimsten Gedanken errathen waren und doch wieder froh, daß ein Anderes ausgesprochen, was eS sich selbst noch, nicht deutlich gestanden hatte. Jetzt erst wurde ihm recht klar, was bisher im tiefsten Grunde seines Herzens geschlummert l)atte. Am Abend, nachdem die Musterung vorbei ivar. ging Christian nicht tvie gewöhnlich seinen Weg nach dem Ebnat. Arm in Arm zog er mit seinen Waffengefährten nach dem Wirthshanse zum Bärtn und half mit kräftiger Stimme daS Lied singen: Z'Bern bim Bäre Hand sie chüele Wi. Die junae Soldate sitzen Alle dabi. Aber auch beim Büren in Kulm war kühler Wein zu finden und heute an jungen Soldate» und tanzlustigen Mädchen daselbst ebenfall» kein Mangel. Kaum hatten die Pfeifer ihren Dusst gelöscht und schon saßen fie droben in der Tanzstube auf einem Gerüste, auf idrrn Qnerpfeiftn statt der kri^erischen Märsche die lustigen Walzerivllsen probirend. Die sried-lichen Paare reihten sich, nach dem Beginne deS Vergnügens verlangend, den Saal entlang und zimperlich zierten sich die Mädchen, die noch keinen Tänzer j^efunden; aber noch war der Major, der heute Musterung abgehalten und dem nach altem Brauche der erste Tanz gehörte, nicht er-schienen. Um so besser war die Gelegenheit, von ihm sprechen und ihn beur-tzheilen zu können. „Ein Schöner sei er." hieß eS; „aber cin Stolzer, wie sie noch keinen gesehen; da sei der Junker Dießbach von Liebegg, der mit ihm gekommen, die l^iutere ^-Leutseligkeit dagc>^eii. Er sitze so hochmüthig auf feiuem schwarzen Rosse droben, als vb ihu der Herrgott expreß hinaufgesetzt, und die Soldaten habe er kaum angucken mögen. Freilich Hab' er's nicht nöthi^j; j^rausam vornehm müsse cr sein und ein Vetter des gnädigen Herrn Landvogt aus Lenzburg — er zclg's aber tiuch. daß er so lange ivartru lasse." Unter den jungen Soldaten im Bären war Einer der die Ankunft des MajorS noch sehnlicher erwatttte als alle Andern, denen die Tanzluft verkürzt wurde. Und dieser Eiue war Chrtstian. Der Major war im die allgemeine Volksbewaffnung verlangen. Jetzt sei daS Eisen heiß und das deutsche Volk svlle wacker auf den Amboß schlagen. Für den ö. Ab-satz: „Die Versammlung fordert daS Volk in allen einzelnen deutschen Staaten dringend auf. angesichts der jetzigen Gefahr und Roth überall in Stadt und Land in politische Vereine z»tsammenzutreten" — sprachen Hausmann von Stuttgart. Dr. Lerchenau und Arbeiter Welker von Frankfurt. Dieser empfahl den Arbeitern, keiner Partei anzugehören, son-der» eine eigene Partei zu bildcn. — Hierauf wurde zur Abstimmung geschritten und die Resolutionen einstimmig angenommen. — Schließlich wählte man ein zwölfgliedriges Komite ^ebel, Eichelsdörfer aus Baden. K. Grün. Gögg aus Baden. Kolb. Dr. Morgenstein aus Fürth, K. Mayer aus Stuttgart, v. Neergaard aus Kiel. A. Röckel von Frankfurt. G. Struve. Trabert von Hanau und Krämer aus Doos), das ein Programm entwerfen und dieses in den respektiven Heimaten Volksversammlungen zur Annahme empsehlen soll. 3n diesen Volksversammlungen sollen dann Delegirte gewählt werden, welche nach Frankfurt kommen und einen ständigen Ausschuß bilden sollen. Marburger Berichte. (Körperverletzung mit nacherfolgtem Tod.) Karl laecus in Wolfsthal, dessen wir zweimal schon erwähnt, ist doch in olge eines Schlages gestorben. Er kam ziemlich spät in der Nacht vor das Haus, in welchem Joseph Ogrisegg als Knecht diente. Als er. von diesem wegen seines Lärmens zur Ruhe verwiesen, daß Messer zog und stechen wollte, ergriff der lebensgefährlich Bedrohte einen Prügel und versetzte dem Gegner einen Schlag auf den Kopf. Ogrisegg erzählte dies seinen Hausleuten und Nachbarn: gerichtlich angezeigt und verhört, bekannte er die That. die er im Zustande der Nothwehr verübt. (E i n Land esungl ück.) Die Hoffnung, welche uns der kühle Mai noch gelassen, hat der letzte Reif zum größten Theile vernichtet. Die Saaten und Feldfrüchte haben sehr gelitten — am schwerste« getroffen find aber die Weingärten: in der Ebene und in den Niederungen ist alles verbrannt und nur die höchsten Lagen sind mehr oder weniger verschont geblieben. Die lautesten Klagen hört man aus Windisch-Bühelu: den geringsten Schaden soll Pickern haben. Zwei Drittel deS ganzen Ertrages sind untviderbringlich verloren und was dies zn bedeuten hat. iveiß Jeder, wenn er berechnet, daß die untere Steiermark S6.0V0 Joch Rebengründe zählt und daß ohne diesen Reif, den verderblichsten seit fünfzig Iahren. die heurige Weinernte wahrscheinlich eine der besten geworden iväre. Da nun dieses Un^Mck bei lveitem größer und nachhaltiger ist, als ein Hagelschlag, so wäre im Interesse der Betroffenen den Gemeinde-Vertretungen zu tmpfel,len daß sie allgemein und rasch den Schaden ermitteln und die zuständige Behörde um einen Nachlaß der Steuern ersuchen. ' (Ausder e v ang e l isch en G em e i n d e.) In der Versammlung des südösterreichischen Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftnng. die am Donnerstag in der hiesigen protestantischen Kirche abgehalten wurde, erschienen die Vertreter von Triest (die Herren: Dr. Buschbeck. Pfarrer und Stellvertreter des Superintendenten. Lloyd Direktor Schröder, die Kaufleute Curths und AleLander), von Görz (Herr Pfarrer Schwarz), von Laibach (Herr Pfarrer Schack). von Cilli (Freiherr von Bruck und der Gutsbesitzer Herr von Mcurer). Marburg ivar durch die Herren: Pfarrer Schroll und Kaufmann Reuter vertreten. Als Gast war Herr Dr. Leidenfrost von Graz zugegen. Die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Schack, die Eröffnungsrede Herr Dr. Buschbeck, das Schlußwort sprach Herr Psarrer Schroll: sämmtliche Reden waren nach Inhalt und Form Hause des Untervogts, Röschen daheim und noch nicht auf dem Tanz- platze erschienet!--der arme Jüngling! Er sollte am ersten Tage seiner Liebe nicht nur ihre Lust, er sollte auch schon all' ihre Qualen empfinden. Endlich kam der Major über den Platz dahergeschritten; aber — es flimmerte vor Christians Augen, als ob plötzlich das Licht des Himmels auslöschen ivollte — an seinem Arme ging Röschen, des Untervogts Röschen. Der erste Gedanke, der bei diesem Anblicke Christian durch den Kopf fuhr, rief: ..fort, fort über alle Berge, daß du sie nie wiederfiehst." Ee beugte sich vor. als ob er einen gewaltigen Anlauf nehmen wolle; aber die Füße versagten ihren Dienst; er blieb wie gebannt an die Mauer gelehnt stehen und schaute verworren, gedankenlos dem Paare nach, das, kaum den Boden berührend, durch den Saal dahinflog. Christian kam erst wieder zu sich selber, als ihn Jemand bei der Hand faßte. Er fuhr erschrocken auf — es war nur Röschens neckische Kameradin. „Hör' du." sagte sie. drn Finger zu einer lächelnden Drohung erhebend, „mach' mir keine so Augen nach dem Major hin — der könnt's übel nehmen, du glotzest ihn ja an, als ob dn ihn beißen wolltest." Christian fuhr mit der flachen Hand über sein Gesicht, wie wenn er'S verbergen ivollte. Cr wußte nicht, was sagen, und doch dränqte der Schmerz der seine Brust durchwühlte, nach Mittheilung. Das Mädchen hatte Mitleiden mit dcm Armen und suchte ihn nicht länger zu quäle». „Christian." sagte es. „mach' käu so einsaitig Gesicht und paß auf, was ich dir zu sagen habe. Röschen geht nach dem dritten Tanze nach Hause, unter dein Borgeben. Etwas Vergessen zu haben; dann sollst du nute» p lffen und sie zum Tanze nehmen, bevor wieder so ein Großhans kommt. Verstehst du, Traumkaspar? — das hat mir Röschen ausgetragen." Christian Verstant' Alles recht gut; atier wirklich sah er aus wie der TraumkaSpar, der nach der Erzählung am hellen Tage träumend, aber mit offenen Augen umhergeht. Es war ilzm auch, als ob er träume; er hörte nicht mehr die Pfeifen der Musikantm, noä» das trappelnde Oe-rausch der Tanzenden; er hörte nur, wie s in seinem Innern klang »»d jubilirte: Röscheil, Röschen hat deine geheimsten Gedanken errathen und bat verstanden, was dir iveh thut. Hall luja! Röschen liebt dich. — (Fortsetzung folgt.) Wahn Meisterwerke. An Hilfsgeldern hatte der Berein 1200 fl. gesam« melt; davon wurde« zwei Drittel — 800 st. — dem Wiener Hanpwerein zutttanut; 100 st. der Gemeinde Marburg; je 50 st. bekommmen Lai« dach. Lilli, Klaaenfurt. Polom in Mähren, eine Gemeinde in Talizien und Sitten in oer Schweiz. DaS Kirchenopfer betrug 64 fl. welche die Gemeinde Naßwald in Ober-Oefterreich erhält. Herr Stettner. Kaufmann und Borsteher der reformirten Gemeinde in Trieft, widmete ein Gejchent von ü0 fl. der hiesigen Gemeinde. Die nächste Hauptversammlung deS Zweigvereins wird in Cilli stattfinden... Nach dem Schlüte der Berhand-lungen wurde von den A^eordntten und den Mitgliel>ern des hiesigen PresbyterinmS ein gemeinschaftliches Mahl im Kasino einaenommcn. die Eisenbahnbrucke besichtigt, ein Spaziergang auf den deutschen Kalvarien« berg gemacht und zulegt ein Stündlein in der Pickardie fröhlich verlebt. Die meisten Abgeordneten verreisten noch Abends, die übrigen am nächsten Morgen. Bemischte Rachrichte«. (Kaffeverbrauch.) Der jährliche Bedarf an Kaffee ia Europa allein beläuft stch gegenwärtig auf ö'/s Mill. Str.. welche einen Werth von 22Ü Mill. Gulden reprafentiren und den Staatskassen jährlich 4S MtlI. Gulden an Zoll einbringen. Noch im Jahre 1629 verbrauchte man in Europa nur IV. Mill. Ztr. Kaffee (Gewe, bliche Buchführ un g.) Gewerbelehrer Th. Berger, welcher stch durch ftinen gewerblichen Unterricht um die Wortbildung und SelbststänÄgkeit junger Handwerker und Mädchen so vielfache Berdienste erworben, läßt soeben bei Kling in Tuttlingen ein äußerst praktisches Büch-lein: Die Ordnung des Geschäftsbetriebs auf dem Papier, umfassend: Geschäftsgründung. Geschäftsführung. Geschäftsabschluß, erscheinen, welches au»er diesem noch alle gewerbl. Papiere. Rechnu^en, Wechsel, grachtbriefe u. s. w. genau beschrieben und erklärt enthält. Die bis ^t in Rücksicht genommenen GeschÄte find folgende: 1) Roth- und Weißgerber. 2) ^chmacher, Stticker. Baumwollen, und Leineweber. 3) geuerarbeiter, als Grob-, Zeug-, Messer-, Nagel, und Kupferschmiede. Zmngießer. glasch. ner, Mechaniker. Gürtler. Glockengießer :e. 4) Schreiner. Glaser. S) Gold, und Silberarbeiter. 6) Handschuhmacher. 7) Bortenmacher. 8) Hutmacher. 9) Müller und Mehlhändler. 10) Bierbrauer und Wirthe. 11) Färber. 12) Schneider und Kleidtrhändler. 13) Schuhmacher. 14) Sattler unl> Tapezierer. IS) Zimmermann und Holzhändter. 16) Buch- binder. 17) Seifensieder. IS) Drechsler und Schirmmacher. 19) Metz, ger. 20) Maurer und Steinhauer. 21) Uhrmacher. 22) Küfer oder Böttcher. /Gas oder Petroleum.) Bei eiuer Untersuchung der Frage: Ist Gasbeleuchtung billiger als Petroleumbeleuchtung, kommt Stadtrath Bondin in Mainz zu folgenden Ergebnissen ; Wer nur so viel Licht braucht, als etwa zur Beleuchtung eines kleinen Arbeitstisches nöthig ist, verschafft sich dies weit billiger mit Petroleum. Argandbrenner und Zuggläser sind nämlich bei kleineren Gasflammen durchaus unzweckmäßig und unanwend-bar. Für ein stärkeres Licht, etwa ein solches, wie eine gewöhnliche GaS. Straßenlaterne eS auSgibt. stellen GaS und Petroleum sich ziemlich gleich hoch. Auch hier ist beim Gase die offene Schnittbrennerflamme die zweck» mäßigste; nur darf man. wenn man dabei arbeiten und das Licht auf der Hand haben will, nicht unterlassen, einen Schirm über derselben anzu. bringen. Verlangt man dagegen ein noch stärkeres Licht von 20 oder mehr Wachskerzen, so wird dieser Zweck bei weitem billiger durch Gas, unter Anwendung eines Argandbrenners und — nach Umständen — eines entsprechenden Schirmes, erreicht. Die häustg angewandten matt geschlif. fenen Glaskugeln um die Lichtflamme bieten zwar die Annehmlichkeit einer gleichmäßigen, das Auge nirgends blendenden Helle im ganzen Zi«. mer. verschlucken aber einen sehr bedeutenden Theil des vorhandenen Lichts und machen das Lesen oder die Verrichtung sonstiger feiner Arbeiten fast zur Unmöglichkeit. (Freizügigkeit der gelehrten Berufsart en.) Es ist mit Recht seit Untergang des deutschen Reiches als einer der größten Uebelstünde empfunden worden, daß nicht einmal Aerzte und Lehrer frei von einem Lande in das andere ziehen können, ohne stch von Neue« einer Prüfung zu unterwerfen. Die tüchtigsten Kräfte versauern dadurch in kleinen Städten oder Ländern, und der deutsche Bundestag welcher eigentlich berufen gewesen wäre, wenigstens in mechanischer Beziehuug so viel als möglich Einheit herzustellen, hat nicht einmal auf diesem Felde auch nur das geringste geleistet. Die Noth bringt aber auch hier oft zu Stand, was böser Wille- bisher verhindert. Wie in der Schweiz zwischen den einzelnen Kantonen Uebereinkommen wegen freier Ueberfiedelnng von Aerzten. Lehrern, Geistlichen und Technikern bestehen, fo fängt «an jetzt auch in Deutschland an. der Vernunft mehr Gehör ^ schenken. KürAich ist u. A. zwischen Sachsen und Rudolstadt ein Bertrag abgeschlossen worden, wonach Apotheker von einem Laude in dem andern keine neue Prüfung mehr zu bestehen brauchen. Teleqraphischer Wiener Cour» vom 26. Mai. Keebitaktien........1SS.S0 London.........12b.b0 «Uber.........1S6.— K. K. «ünz.Dukaten .... ö.v7 «etalliaues.....S6.Sb 5'/, Uational'Inlehen.... 61.7b ISmkr StaatS-Anlehen . . . 70.S0 Vankaktien.......Sö0.-^ Teschafttberichte. «aebura. 26. Mai. twochenmarktsbericht.) Weizen fl. ö.SS. »orn fl. ».4k. «eei^ fl. S.90, Hafer fl. S.60, Kukurutz fl. S.16, Heiden fl. 2.90. Hirsebrein ß. 4.S0, ^dSpftl fl. 1.S0 pr. Netzen. Rindfleisch 20 tr.. »atbileisch IS kr.. Schwein, «etich juna 22 er. pe. Pfund. Holz 18-' fl. a.ö0. detto weich fl. 2.40 pr. »laster. Holz, kohlen hart fl. 0.60, detto weich N. 0.48 pr. Netzen. Heu fl. 1.80, Sttoh, Lager- fl. 1.b0, Streu, fl. 1.^ pr. Centner. Vettau, 2b. Mai. (wochenmarktsbericht.) Weizen fl. 4.S0, Korn fl.8.b0. Gerste fl. 0.—, Hafer fl. 0.-^ «uturutz fl. 8.S0, Heiven ft. 2.80. Hirsebrein fl. 4.40, Urd^fel fl. 0.— pr. Metzen. Rindfleisch 18, Kalbfleisch ohne öuwage 16. Schweinfletsch iung 16 ir. pr. Pf. Holz 36" hart fl. 8.-, detto «eich fl. 6.- pr.«»after. Holzkohlen hart fl. 0.40, detto weich fl. 0.80 pr. Metze«. Heu fl. 1.1b, Stroh, Lager, fl. 1.10, Streu, fl. o.so pr. Centner. _ Angekommene in Marburg. vo« ZV. bi« z«. m-t. .ErzHerz. Johann." Die Herren: walz. Af«., Wien. SelinschM »arger, «ettan. Leitner, «fm., «raz. «resko. «gent, Trieft, wannisch, N. Hauptm.. «ölkermartt. Hegoau». N. Hauptm.. »lagenfurt. Scharf, eo. Pfarrer. Laibach. Dr. Leidenfrost, ev. Pfarrer. Graz. Dr. vuschdet. ev. Pfarrer. Zriest. Keldbacher. Outßbes., »raz. Schloß, werkf. d. Lloyd. Trieft. Iaksche. Lehrer. Cilli. Heroder. »fm.. Trieft. „Stadt Wien." Die Herren: Preschern, Landeßaer..«ath, »lagenfurt. Hlawut:, Ik. General.Uuditor, Wien. Locher. «rchiteN, Sürich. Schnitzer, ll. Postbeamter, Graz. Dr. »otzmuth. «dvotat. Graz. Plochl, «otariats.»onzipient. «thofen. — Die Frauen: waaner, vberstabSarztent-Sattin, Graz. Parazolli. »r»eg»kommiss..Vattin, Verona, «olk u. Mankowski. Private, Wien. ^ ^ .Schwarz. Adler." Die Herren: v. «eichart, GutSbes., Tirol. Ritter, »f«.. Graz, iaßeager. Uhrmacher, Steinbof. Verger, Masthinist. Lemberg.^Preytzl, »utßbes.. St. Vinzenz. Mere, kk. Lieut.. Graz. Riedl. Beamter, «adtersburg. T«rivger, N. Ober-lteut.» »laaeufurt. Bracher, Müllermst., »rainbura. Obfanter, »fm.. Ungarn, »arnera. Handelßreis.. Agram. — Frau Probst, Gutßbes., Lieboch. « ^ .Stadt Mer an." Die Herren: »Sck, Prwat. Wien. v. Calo. Gutßbes., Votzen. waitisch. Gastwirth, Leoben. Dahner. Privat. Leipzia. »ühnelt, tt. Rittn^ister, Graz. Graf ». Gir»eii. GutSbef.. aus Rußland. Moriz, Profesior, Graz. Stage, Schlossermst., Vreslau. — Fräul. Rutter, Erzieherin, »lagenfurt. _____ Verstorbene in Marburg. »« 28. Mai: »arolina Groblscheag. 2» S., «u»»hrung. — Otto Hackl. vahn->rbeiterß.»i»d. 7 M.. Fraisen. — Gottfried Oehme. Tischler. 7S I.. «ntltästung. — «» 24.: l^an Maria Marttnetz. SchneiderSftau. 41 S.. Sehrsteber. — Am 2S : Zakob Zwath, Heber, 62 Sahre. «uSzehrung.__ Marie Hmmeyer, Miriirg, Hauptplatz, Eck der Drasgaffe Rr. 8V, empfiehlt sich zur Erzeugung aller Gattungen ^WetHwäsche, aa«zer »RsAattRUgeR, Step-»ETeie«, iperre»» und DM«eRHe«be« leNeßer von lü kr. bis ft. l.so.Lßr ssiide Arbeit wird ßßrRNtirt und kann durch Benützung von drei Räh«Osedt»e» aus der »eltberttz»le« «erikenischei von »tzeeier K jede« Aiftrsß auf das ZchnÄe tffetltlzire,. . ^ ^ ^ Auch find alle Gattungen Heere»-He«de« von 90 kr. bis ß. 5. sowie von 60 kr. bis fl. 2 am Lager. _(192 204 ^ Oer Kr Ilontnss ävv 88. Itlai I»ut »vz^issts k'GwiIiv»>^d«uck uvtvrdlvidt di» »uk H^eiteren. IZMG Nr. 1374. Kundmachmg. (203 Nach Artikel II des Allerhöchst santtionirten Gesetzes vo« 18. März 1866, womit für die Stadt Marburg ein Gemeindestatnt erlassen wird, ist die Bestellung der neuen Gemeindevertretung unverzüglich zu Vera», lasten. — In dieser Folge werden nach g 16 der Wahlordnung die in drei Wahlkörper untertheilten Wählerliste« sämmtlicher Wahlberechtigten der Stadwemeinde Marburg vom 15. Mai bis 6. Juni 1866 zur Tiustcht der Gemeindemitglieder in der Gemeindekanzlei anstiegen, und es find allfällige Einwendungen gegen das Weglaffen oder unrichtige Eintragen eines Wahlberechtigten eines oder des andern Wahlkörpers, so wie über. Haupt alle auf die Zusammenstellung der Wählerlisten Bezug habenden Beschwerden vom 6. Juni angefangen bis längstens 1ö. Juni 1866 bei dem Gemeindevorstande anzubringen, indem auf später eingebrachte Be. schwerden keine Rückficht genommen werden könnte. Gemeindevorstehung Marburg den 15. Mai 1866. Der Bürgermeister: Audreas Tappeiner. Gin Lehrjunge o«» solidem Haust, wo möglich der flavischt« Spracht michtiq, softltich« Aufnahm« in der Sptztni-, Mat«rial- u. gakbw«ann4andl»»g soi) von Josef Gchretz» l0l«rh«»g. Krisch geschSpft»« landsch. Rohilscher 8auerbrunn in Seitel'. Halb- und Maß Bonteillen, sowie anch in ganzen Kisten empfiehlt zur geneigten Abnahme hochachtungsvoll 197) Hauptplatz «r. SS. Zu vermiethen ist sogleich ein hübsch meublirtes. billiges Zimmer für einen Herr«. Auskunft im Eomptoir dieses Blattes. (198 Eisenbahn-Fahrordnung für Marburg. «ach «ie>: «ach Trieft: «bfahtt: S Uhr 19 Min. Früh. »bfahrt: 8 Uhe IS Min. Fish. S Utzr 4» Mi». Uh-nd«. 9 nje 2 Mt». «ends. »ach «illach: «bfahrt: 9 Uhr FrSH. Eilzug verkehrt von Wie» »ach lriest und »o» trieft »ach Wie» Die«ftMg. Donnerstag und Sa«ftag. U»ch Wie»: »«ch Trleft.' »hsahrt: Z Uhe »6 Mi». Mittag». «dfichrt: 1 Uhe SZ Mi» Mittag». V««»t»OeUicher Nedattenr: Fra»z Wiesttzaler. 2. «. St. a. Vrme »nb Geri»g »»» Gdiaed Sanschitz in «aeb«rg.