Prännmkrations-Preise: Für Laibach: Sanzjährig . . . 8 fl. 40 Ir. Halbjährig . . . 4 „ 20 „ Bierteljährig. . . 2 „ 10 „ Monatlich . . . — „ 70 „ 2)t i t der Post: Ganzjährig . . . II fl. - kr. Halbjährig . . . 5 „ 50 „ Vierteljährig. . . 2 „ 75 „ Für Zustellung in« HauS viertel- jährig 25 Ir., monatlich 9 Ir. Einzelne Nummern 6 Ir. Laibacher Tagblatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. Rr. 135. Donnerstag, 15. Juni 1871. — Morgen: Herz-Jesufest. Redaktion Bahnhosgasse Nr. 132. «ipciition uni 3nftralcn-ßurcan: Kongretzplatz ’JIt. 81 (Buchhandlung von 0. v.KleinmavrLF. Bamberg). 3nfcrlion»prtift: Für die einspaltige Petitzeile 3 lr. bei zweimaliger Einschaltung L 5 Ir. dreimal L 7 kr. Jnsertionöstempel jedesmal 30 kr. Bei größeren Onferate» und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. 4. Jahrgang. Offiziöse Doppelzüngigkeit. Wir würden die Niederlage der Verfassungspartei in der Budgetverweigerungsfrage am 7. Juni für kein so großes Uebel ausehen, wenn damit dem Schwanken derselben ein Ende gemacht, eine Klärung der Ansichten, Gewißheit über den Werth und die -Verläßlichkeit der einzelnen Truppenkörper im Entscheidungskampfe, und somit eine feste Abgrenzung der Parteien erzielt worden, wenn zwischen den Vorkämpfern der Bildung und denen der Verfinsterung einmal endgiltig die Grenzmarke gezogen wäre. Aber teider wird die von den Regierungsmännern betrie-vene Zersetzung der Parteien auch jetzt noch nicht zum Stillstand gelangen. Kaum haben die Deutschen begonnen, sich ihrer angebornen allzu großen Aengstlichkeit in etwas zu entledigen, die schärfere Hervorkehrung des nationalen Kernes zu betonen, kaum ist ihnen die Nothwendigkeit klar geworden, daß sie angesichts der strammeren Organisation der Gegner mit festem Plane und sicherem Blicke an das Werk der Einigung schreiten müssen, so sind auch schon die „Hochosfiziellen" da und rufen in die Welt hinein, alles, was von der Aktion des Ministeriums Hohenwart verlautet hat, beruhe auf eitel Irrthum, Täuschung und Verleumdung, Wir haben der Auslassungen des „Prager Abendblattes," welche zu allem Ueberfluffe auch das „Wiener Abendblatt" vollinhaltlich wiedergibt, bereits gedacht. In Prag, hart unter der Nase der Sechen, mit deren Führern seit Monaten auf dem Boden der Deklaration wegen eines Ausgleiches verhandelt wird, wirft das Regierungsorgan folgende »ragen auf: „Welcher überzeugungstreue Patriot konnte heute den Willen und Muth haben, in Oester- reich den Staatsstreich, den nackten Verfaffungs-> bruch an die Stelle des geltenden Rechts zu fetzen?1 Welcher Staatsmann mit gesunden Sinnen könnte und dürfte heute, wo sich ein mächtiges, einheitlich organisirteö Reich von 40 Millionen Deutschen an unseren Grenzen aufgerichtet hat, die so intelligente, zahlreiche und durch treue Unhänglichkeit an Kaiser und Reich seit jeher ausgezeichnete deutsche Bevölkerung in eine untergeordnete Stellung drängen wollen? Welcher ehrliche Oesterreicher dürfte heute mit gutem Gewisse» die nackte Theilung des Reiches in bloße Ländergruppen, die Auflösung desselben in eine Reihe lose aneinander gefügter Staaten als heilsam und ersprießlich anrathen ?“ Wenn diese Worte überhaupt einen L-inn haben sollen, so hat alles, was das Ministerium Hohenwart bisher geplant hat, was cs durch seine Autonomievorlage, die galizische Resolution und die beabsichtigte Ausdehnung derselben Vorrechte aus die übrigen Kronländer, welche immer darnach ein Verlangen äußer» würden, durch die Linzer Prozesse gegen die Deutschen, durch die Ausgleichsaktion abseits der Verfassung u. s. w. bezweckte, nur in der erhitzten Fantasie der Deutschen existirt, es ist alles eitel Unwahrheit, Wahnsinn, Unmöglichkeit, und wir Deutschen haben vier Monate über im Fieberwahn-sinn gelegen. Wir wollen uns obigen Fragen gegenüber nur eine Gegenfrage erlaube» : Warum hat Graf Hohenwart dies nicht öffentlich im Abgeordnetenhause erklärt? Weder von einer Adresse an die Krone, noch von einem Mißtrauensvotum, am allerwenigsten von einer Bndgetverweigerung wäre dann bei unseren lammfrommen Abgeordneten die Rede ge-i wesen. Oder umgekehrt, das lächerlich bunte Kon- glomerat von kleinen Fraktionen, die höchstens der Kitt des Ultramontanismus zusainmenhält, wäre nie zu Stande gekommen, hätte ihm nimmermehr sein Vertrauen entgegengetragen, wosern Graf Hohenwart mit einer so positiven Erklärung hervorgetreten wäre. Was kann nun ein halbwegs vernünftiger Mensch aus solcher Regierungötaktik anderes schließen, als es sei entweder auf eine großartige Täuschung des bunten föderalistisch-klerikalen Hansenö abgesehen, oder der Regierung sei die feste Organisation der Deutschen ein Dorn im Auge, sie scheue vor keinem Mittel mehr zurück, wo es gilt, die Energie ihres Widerstandes zu brechen, ihr gemeinsames Vorgehen nnd Handeln zu lähmen, die Verfafsungspartei dauernd zu spalten und zu zersetzen, um für die Reaktion ein geeignetes Feld zu bereiten. Die verschiedenen nationalen Gruppen, die dem Ministerium das lojale Oesterreicherthum neuester »Färbung aufrichten geholfen, mögen selbst flitschen, ob ihnen die von der Regierung zugemessene Rolle, als Handlanger der Klerikalen und Feudalen zu dienen, dauernd behage. Wir Deutschen lassen unS durch die falschen Vorspiegelungen und gleißiiertfchctt Redensarten von heute eben so wenig in unserer Aufgabe beirren, als durch die Verhetzungen und Verleumdungen von gestern. ______________________________ Politische Rundschau. Laibach, 15. Juni. Inland. In der Dienstagsitzung beendete das Abgeordnetenhaus die Debatte über das Budget des Ministeriums für Kultus und Unterricht. Diese l Debatte gestaltete sich zu der interessantesten in der I ganzen heurigen Sitzungsperiode namentlich durch die JeuilleLon. Nutzen insektenfressender Vögel fiir die Landwirthschast. So viel auch schon geschrieben und gepredigt worden ist über die immer mehr sich geltend machende Nothwendigkeit eines Schutzes der insektenfressenden Vögel zum Heile der Landeskultur, so wenig geschieht in der That dafür. Gerade in den-jrnigrn Kreisen, welche von den unermeßlichen Verheerungen der Pflanzen und Saaten durch die Kerb-thtere am härtesten betroffen werden, ist Gleichgiltigkeit, Gedankenlosigkeit und Voruriheil in dieser wichtigen Angelegenheit so allgemein herrschend, daß nicht oft genug darauf zurückgekommen werden kann. Zwar haben wir in Oesterreich jetzt ein treffliches, allgemein gewürdigtes Vogelschutzgesetz erhalten, allein die Durchführung desselben wird so lange eine illusorische bleiben, als nicht die gesammte Bevölkerung von seiner Wichtigkeit durchdrungen ist, so lange nicht jedermann sich zum Schützer der kleinen Freunde des Lanbwirthes und der Kultur aufwirft. Die Volksschule muß cs sich zur Aufgabe machen, dahin zu wirken, daß die weife Naturpolizei, bereit Tätigkeit kein menschliches Mittel zu ersetzen vermag, ungestört überall in vollster Macht sich entfalten «Hin; das Kind muß schon gelehrt werden, in den insektenfressenden Vögeln die unermüdlichen Verthei-1 diger des mit saurem Schweiße ans der Fnrche des Ackers entstehenden Pflanzenwachsthums zu lieben und roerth zu halten; wie man Störche und Schwalben gewissermaßen als freundliche Hausgeister zu betrachten gewohnt ist, so sollte sich diese Verehrung auf die ganze Schaar ber gefiederten Sänger erstrecken, welchen man jetzt noch so eifrig nachstellt, entweber aus bloßer Zerstörungslust ober um einen ärmlichen Sinnenkitzel zu befriebigen, ber tansenb-mal mehr kostet, als er roerth ist. Thatsachen sprechen am besten uttb prägen sich am dauerndsten ein. Welchen Nutze» aber ein einziger kleiner Vogel stiftet, das hat der Naturforscher Baldamus ttachgewiescn an einem Paar Goldhähnchen (liegulus), bekanntlich die kleinste einheimische Vogelart. Diese zwei Vögelchen verzehrten nach genauer Abzähluug täglich 1200 bis 1900 Ameiseneier oder in runder Summe 1000 Stück binnen 12 Stunden. Es wiegen aber 1000 aufgeweichte Ameisenpuppeu etwas über zwei Orient, das Goldhähnchen selbst aber wiegt nur 1 % bis 1 % Quent. Demnach verzehrt dieser Insektenfresser täglich mehr Nahrung als sein eigenes Gewicht. Rechnet man auf einen dieser Vögel täglich Loth, so macht dies im Jahre 182 '/2 Loth Futter. Nun gehen aber 20.000 Schmetterlingseier — oder nahezu ebensoviele kleine Blattläuse, Puppen und ähnliche Schmarotzer — von mittlerer Größe auf ein Loth. Demnach also würde jedes Goldhähnchen im Jahre 3,050.000 Schmetterlings-eier, Blattläuse oder ähnliche Insekten vertilgen. Die aufgeweichten Ameiseneier enthalten allerdings mehr als 50 Perzent Wasser, bie Vögelchen fraßen aber auch noch Fliegen, Stückchen von Hanfsamen u. s. w., so baß, wenn man auch bie obige Summe um bie Hälfte verringert, sie immer noch groß genug bleibt, um ben Nutzen dieser kleinen Vögel in das hellste Licht zu setzen. Der englische Natur- forscher Montague hat beobachtet, baß ein Paar Golbhähnchen 16 Stunden hindurch feilten Jungen stündlich 36 mal, in einem Tage daher 576 mal Futter zutrug. Die Goldhähnchen erziehen jährlich in zwei Brüten je 8 bis 10 Junge, wovon ein jedes täglich '/2 Quent Futter im Durchschnitt bedarf. Danach kann man sich leicht die Rechnung machen über die ungeheure Summe von schädlichen Insekten, von welchen ein gegebener Fichtenwald den Sommer über blos durch diese eine und kleinste Vogelart befreit wird, wenn man annimmt, daß auf ein Joch solchen Waldes mindestens sechs Paar mit je zwei Bruten kommen. Hoffentlich trägt der soeben in Florenz tagende Kongreß zur Berathung eines internationalen Schutzes der nützlichen Vögel dazu bei, daß die gewissenlose Vertilgung der Zugvögel während der Winterzeit in den südlichen Ländern endlich einmal durch die Strenge des Gesetzes beseitigt wird. glänzende und schwungvolle Rede des Spezialberichterstatters, des Abgeordneten Dr. Glaser. Die „Nationalen" hatten nämlich die Gelegenheit beim «schöpfe gepcickt und ihren Lieblingsplänen und Herzenswünschen Ausdruck gegeben, nicht ohne dabei einige sonderbare nationale Schrullen zu Tage zu fördern. Da ist einmal der alte Hofrath P a s c o-tini aus Triest, der sich zum Sprachrohr der Jtalianissimi gemacht und es nicht geduldig mit ansehen kann, daß in Triest neben italienischen Uii-terrichtsanstalten in Hülle und Fülle auch eine deutsche Oberrealschule existire und dem dringendsten Bedürfnisse nicht blos der zahlreichen Deutschen, sondern auch der italienischen Bevölkerung entgegenkomme. Dann ist da wieder der unvermeidliche Großsloveue Dr. Costa, der es nicht begreifen kann, wie die Regierung noch immer keine Anstalten treffe, eine flovenische Hochschule, einstweilen eine staats- und rcchtswifsenschaftliche Akademie und filososische Fakultät, in Laibach zu errichten. Der gute Doktor hat aber leider vergessen anzugeben, wie die Regierung, die sich zwar ziemlich viel zutraut, dieses Kunststück fertig bringen soll, da nichts weniger, als alle Vorbedingungen dafür fehlen. Sie müßte rein eine filososisch und wissenschaftlich anS-gebildete Sprache, slovenische Gelehrte und Univer-sitätsprosessoren, slovenische Literatur und Kultur aus dem Nichts hervorzaubern. Der Staat, der sich herbeigelasscn ihnen slovenische Schulbücher und ein slovenisches Reichsgesetzblatt zu schaffen, soll ihnen nun auch eine Literatur, Gelehrte und Hochschulen mit einem Federstrich dekretireu. (Guardate s’& poco!) Die Abgeordneten Recht) au er und Glaser unternahmen cs, die Ansprüche der Slo- Venen als das zu kennzeichnen, was sie in Wirklichkeit sind. Treffend wies ersterer nach: nicht der Umstand, daß die slovenische» Beamten und Richter die rechtswissenschaftliche» Borlesungen nicht in slo-venischer Sprache hören, sei der Grund, daß das slovenische Landvolk sich nicht leicht mit diesen verständigen könne; die Ursache liege vielmehr darin, daß das Landvolk wohl seine windische oder kraine-rische Mundart kenne, nicht aber die neuerfundene slovenische Schriftsprache, deren Literatur man, wie Gras Anton Auersperg, ein Krainer und Kenner derselben, behauptet, in einen Schnnpstuch fortzutragen vermag. Auf die hochinteressante geistreiche Rede Glasers kommen wir ausführlicher zurück. Diese meisterhafte Rede, auf die selbst die Gegner mit Aufmerksamkeit lauschten, entschied das Schicksal des Costa'schen Antrags. Er wurde abgelehut. Ebenso ward dem monströsen Antrage des ehemaligen Bach'schen Hosrathes Pascotini vom Abgeordneten Ezedik die verdiente Abfertigung. Und Wunder und Zeichen! Minister Jirecek sah sich gedrungen, sein anmuthig Czechisch-deutsch im Hause ertönen zu lassen. Daö kam so. Der Vorgänger im Amte des Herrn Jirecek, Herr Stremayr, drängte und verlangte energisch Aufklärung darüber, warum seine Universitätsvorlage zurückgezogen worden und die oft verlangten konfessionellen Gesetze noch nicht vorgelegt würden. Da endlich erhob sich der dicke Minister aus seinem bequemen Sorgenstnhle, genannt Ministerfauteuil, und hielt eine kurze Rede. Das absprechende Urtheil der öffentlichen Organe über Stremayr'S Universitätsgesetz wußte er als einzigen Grund dcr Zurücknahme anzuführeu und mußte den Spott Glasers hinnehmen: wenn die Minister auf einmal solchen Respekt vor der öffentlichen Meinung hegten, so hätten sie gar vieles zurückzuziehen, und vor allem anderen sich selbst, wäre unsere unmaßgebliche Meinung. Es ist bereits erwähnt worden, daß dcr Oberst-Hofmeister des Kaisers von Oesterreich, Fürst Hohen-lohe-Cchillingsfürst (ein Bruder des gleichnamige» Cardinals), sich nach Rom begibt, um den Papst im Namen des Kaisers zu dessen fünfundzwanzigjährigem Pontifikats-Jubiläum zu beglückwünschen. Ein Wiener Korrespondent der „Allg. Ztg." bemerkt dazu: „Wenn man sieht, wie die Klerikalen hier, wie nicht minder in Frankreich, vordrängen und Einfluß gewinnen, und bedenkt, daß augenscheinlich über Europa ein Gewitter der Reaktion anssteigt, so wird man es nicht für unwahrscheinlich halten, daß die italienische Politik Oesterreichs in nächster Zeit ciitc Wandlung erfahren dürfte. Man wird dem Papste nähertreten, dabei aber auch mit Italien auf gutem Fuße zu bleiben versuchen; ersteres werden die maßgebenden klerikalen Kreise einleiten, letzteres Graf Benst besorgen. Da sich jedoch Feuer und Wasser nicht mischen lassen, so wird dieses Doppelspiel nicht lange währen. Angesichts der zwischen Frankreich und Italien beginnenden Spannung und der Stärke der klerikalen Einflüsse scheint es nicht zweifelhaft zu sein, wohin sich die Schale neigen werde. Es dürste schon obige Mission des Fürsten Hohenlohe einen sehr handgreifliche» politischen Hintergrund haben. Dafür spricht die Wahl des Fürsten, dcr in letzter Zeit sich nicht darauf beschränkt hat, in seinem Dienstkreise thätig zu sein und den Prater zn verschönern, sondern durch Umstünde veranlaßt worden ist, auch in die innere und äußere Politik einzugreifen. Sind wir recht unterrichtet, so war der Fürst bereits einmal im Lause dieses Winters in besonderer Sendung in Rom, und die Folgen dieser Mission sollen einige römische Noten des Grasen Beust gewesen sein, die im letzten Rolhouche, das sonst über römische Angelegenheiten so gesprächig war, leider und merkwürdigerweise fehlen." „Warrens' Wochenschrift" sagt über unsere Zustände: Daö Heilmittel für die böseu Zustände wäre nur darin zu finde», daß die Parteie» in Oesterreich sich nicht nach Nationalitäten, sondern nach politischen Ucbcrzcugungen grnppiren würden. Wenn sich der konservative Ezeche dem liberalen Ezechen entgegenstellt und sich mit dem konservativen Deutschen verbindet, wenn der deutsche Fortschritts-mann dem slavischen die Hand bietet, dann wäre das wahre Oesterrcicherthnm endlich gesunden und die erste politische Bedingung zur Schaffung eines echten KonstilutionaliSmus, dessen wir bisher ent- rothen mußten, hergestellt. Leider führt uns jeder Tag weiter ab von diesem Ziele. Zur Zeit, als das Ministerium Potoifi von der politischen Bühne schied, wäre ein Kabinet Lasser, aus altbewährten Staatsdienern zusammengesetzt, vielleicht das einzige gewesen, welches im Staude gewesen wäre, sich mit der einen Hauptpartei gilt zu stellen, ohne sich mit der ändern Partei zu verfeinden. Leider hat jetzt der politische Kamps auch manche dieser nützlichen Männer unpopulär und weniger geeignet gemacht als früher, eine solche Mission zu übernehmen. Das aber steht fest, daß kein Ministerium geordnete politische Verhältnisse bei uns herzustellen vermag, welches, ob in der Minorität oder Majorität im Parlamente, die Gabe nicht besitzt, jene starren Feindschaften zu lösen, welche dazu führen, daß entweder eine Partei oder die andere sich freiwillig ihrer parlamentarischen Rechte begeben will. „Daily News" lassen sich in einer Besprechung unserer Verhältnisse hinsichtlich des Gebahrens unserer interessanten Nationalitäten folgendermaßen vernehmen: Die Nationalitäten verdienen aber wenig Simpathie, wenn sic mürrisch draußen in dcr Kälte stehen bleiben ,vollen. Auch ist es durchaus nicht ungroßrnüthig, den Polen und Ezechen zu Gemüthe zu sichre», daß dcr gesunde Menschenverstand Europas einigermaßen des Nationalitätenrnfes überdrüssig ist, besonders wen» die betreffenden Nationalitäten kindisch nnd mnthwillig genug sind, ans purem Trotz sich selbst zu schaden. Wir Engländer haben einige Erfahrung mit Nationalitäten, welche zuerst und vor allen Dingen unzufrieden sind. Sollten die Ezechen in Böhmen und die Polen in Galizien mit ruhiger Ueberlegung die heutige günstige Gelegenheit, ihre Rechte in einer Bundesmonarchie und in einem freien Staate geltend zu machen, sich entschlüpfen lassen, so dürfen sie vorn Auslände kein Mitleidcn erwarten, falls sie ein konstitutioneller Souverän dem trockenen Genüsse ihrer russischen Simpathicn und slavischen Träumereien überläßt und in Zukunft mit einem Ministerium regiert, welches das Vertrauen einer Mehrheit im Reichsparlamente genießt. Ausland. I» dem historisch denkwürdigen Ems, wo im vorigen Jahre die bekannte Szene zwischen Benedetti und dem König Wilhelm sich abspielte, wird in wenigen Tagen ein förmlicher Fürstenkongreß stattfinden. Außer dem deutschen Kaiser und verschiedenen kleinen deutschen Souveränen wird auch der Kö»ig vv» Griechenland dort erwartet. Letzterer hat bereits die Reise angetreten und für die auf mehrere Woche» berechnete Dauer seiner Abwesenheit seine Gemahlin, die Königin Olga, Nichte des russische» Kaisers, mit der Regentschaft bekleiden lassen. Der Schwerpunkt der französischen Situation liegt noch immer nicht in Paris, sondern in Versailles, und zwar sind es, nachdem die Angelegen« heit der verbannten Prinzen eine unabweisbar gewordene provisorische Regelung erfahren hat, die finanziellen Fragen, welche naturgemäß die volle Aufmerksamkeit der National-Versammluug und des Landes in Anspruch nehmen. Das Anleheu von 2500 Millionen Franken wird als dringlich votirt und wohl auch essekluirt werden; außerdem steht den Franzosen, die bisher schon eine Budgetlast von 2000 Millionen Franken zu tragen hatten, eine jährliche Vermehrung der Steuern um 463 Millionen Franken bevor. Die Protektionisten, welche durch ihre Hauptführer Thiers und Pouyer-Ouertier jetzt das Heft in Händen haben, gedenken durch Zollerhöhung auf Rohstoffe, Kolonial-Waaren rc., auch auf das in so furchtbaren Ruf gelangte Petroleum allein 200 Millionen herauszuschlagen. Es wird über die! Zweckmäßigkeit und den wirklichen Vortheil dieser so bedeutenden Beinträchtigung des Prinzips bet Handelsfreiheit jedenfalls ein tiefeinschneidender Konflikt entstehen, der zur Förderung des inneren Friedens und des materiellen Auflebens der Geschäfte schwerlich etwas beitragen wird. Zur Tagesgeschichte^ — In München haben die Führer der katholischen Aktionspartei unter dem Präsidium Döllingers beschlossen, zunächst in einer größeren Broschüre die Schäden der katholischen Kirche darzulegen, nochmals gegen das Unfehlbarkeitsdogma zu protestiren und sich für die eigentlichen Katholiken zu erklären, kirchliche Funktionen zu verrichten und Gottesdienste abzuhalten, wozu eigene Geistliche ausgestellt werden sollen. Auf politischem Gebiete soll Trennung der Schule erstrebt, das katholische Kirchenvermögen als Gemeindevermöge« erklärt werden. Der in Bälde sich konstitnirenden neuen j Gemeinde soll die Elisabethkirche in München einge-räumt werden. — In Bueuos-Ayres wurde das gelbe Fieber im Januar d. I. eingeschleppt und brach zunächst in dem vorzüglich von Italienern bewohnte» Stadttheil San Telmo aus. Dort forderte es, namentlich in den überstillten, unreinlichen Herbergen für italienische Einwanderer, zahlreiche Opfer. Nach und nach verbreitete sich die Seuche über die ganze Stadt und uahm in den Monaten März und April fine ganz unerhörte Ausdehnung an. Bis 30. April waren 26.200 Opfer gefallen, darunter 11.000 Italiener 8000 Eingeborene, 3500 Spanier, 2200 Franzosen, 600 Engländer, 300 Deutsche. Ein dortiges Blatt weist darauf hin, daß die Sterblichkeit während dieser Seuche schon 13 Prozent betragen hat, während die deutschen Armeen im ganzen Kriege gegen Frankreich nur 10 Prozent einbüßten. Letztere Zahl ist dazu noch viel zu hoch gegriffen. Die Folgen der Epidemie werden sein: die Verminderung der Volkszahl um ein Viertel, die Werthverringerung des bebauten Grundeigenthums um ein Drittel, eine große Verwirrung "" Gcschästsverkehr und große Vortheile der Provinzialbank, von der bedeutende Einlagen nicht zurückgefordert werden, weil Einleger und Erben gestorben sind. Die Todten werden in Eisenbahnzügen aus der Stadt befördert, um im Innern des Landes beerdigt zu werden. Es soll Vorkommen, daß an einem Tage mehrere solche Leichenzüge abgefertigt werden. Die Verzweiflung der Bevölkerung ist bereils so weit gestiegen, daß an eine vollständige Räumung der Stadl gedacht wird. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. — (Zum Papstjubiläum.) Die gestrige „Novice" brachte unter der Rubrik „aus Laibach" folgendes Uber die Jubiläumsfeier: „Mit Bewil- ligung der k. k. Landesregierung vom 11. d. M. wird morgen, d. t. am Donnerstag Abends in Laibach eine Beleuchtung zum Gedächlniß des Vaters der ganzen Christenheit, des Papstes PiuS IX. stattfinden. Es geziemt sich, daß ganz Laibach ohne Unterschied seine Freude kund gebe an einem Tage von so seltener Feierlichkeit, wie nie einer gewesen seit den Tagen des heiligen Petrus und vielleicht nie einer sein wird. Zeigen wir also durch die Beleuchtung, daß wir keine Gegner unserer eigenen Kirche sind." Hiezu bemerkt die heutige amtliche „Laib. Ztg." : „Ein hiesiges Blatt („Novice") kündigte gestern an, daß heute Abends anläßlich des Papstjubiläums eine Stadtbeleuchtung „in Folge Bewilligung der hohen k. k. Landesregierung" stattsinde. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß die Regierung bei der Einleitung dieser vom hiesigen katholischen Vereine beabsichtigten Stadtbeleuchtung durchaus unbetheiligt ist, und daß sie nicht m der Lage war, dieselbe zu bewilligen oder zu ver-v'e'en. Uebrigens ist es wohl selbstverständlich, daß es ie ermann freisteht, sich an dieser Manifestation zu Dethemgen oder nicht, da man seine Theilnahme an dieser kirchlichen Feier auch in anderer Weise als durch eine Beleuchtung würdig bethätigen kann." — Wir haben dem nur fo viel beizufügen: Eine Partei, welche sich nicht scheut, ihre erhabensten Feste mit offen, baren Lügen einzuleiten und die unbefangene Bevölkerung mit allerhand Blendwerk dazu zu pressen, richtet sich selbst und die Sache, wofür sie kämpft. — (ZurUnterst ützung ver Volksf chu-^«n.) In Jdria hat sich nach einer uns so eben von dort zukommenden Mittheilung ein Komitee, bestehend aus Lehrern, Beamten und Privaten, gebildet, behufs Gründung eines Vereines, der sich die Unterstützung der Volksschulen Krams zum Zwecke macht. Die diesbezüglichen Statuten sind bereits der hohen Landesregierung vorgelegt worden. — ( Ue berf chwemmu ng.) Wir erfahren, daß der Gurkfluß Weißkirche», die Gegend von Sa-mesko, Cistibreg, Merfchetfchendorf, Hrovaökibrod, UiZjamlafa, Obergomila, CadreHe, Untergomila, Drama, 2atob und Ostrog überschwemmte und die heurige «echfung an Heu und Feldfrüchten vollständig vernichtete. Auch Oer Radulabach trat am 3. d. M. in Folge der andauernden Regengüsse aus seinen Usern und beschädigte in gleicher Weise die anrainenden Grundstücke. — (Berichtigung der Mars chrouten-Karte von Kärnten und Kra in.) In der Marschrouten Karte von Kärnten und Kra in sind nachstehende Berichtigungen vorzunehmen: Die als nicht erhaltener Landweg eingezeichneie direkte Verbindung zwischen Schwarzenberg und Ober-Jdria ist nach dem Ergebnisse neuerer Erhebungen für Militiir-Jnstradi-rungen nicht mehr geeignet, daha zu streichen. Von Ober-Ptanina nach Zirkniz existirt außer der über -Warnitz (in der Marschrouten-Karte Maunz) und Ratet führenden 1°/, Meilen langen Landstraße feine für Jn|hahnmgen geeignete Verbindung. Es ist daher der mit 1.4 beschriebene Distanzstrich zwischen Ober-Plantna und Znkinz zu beseitigen. Die in der Marsch-routen-Karte nicht verzeichnete Entfernung von St. Peter nach Feistriz auf der längs des Reta - Flusses über Strusnikar und Wittigne führenden Chaussöe (Finmaner Reichsstraße) beträgt 27/8 Meilen, und zwar ist die Entfernung vom Bahnhofe St. Peter bis Strusnikar yiai von da bis Wittigne 0/z, von da bis Dornegg lR, von da bis Feistriz !/g Wieilen. Die Position der auf der Marschrouten-Karte nicht eingezeichneten Zwilchenorte Strusnikar und Wittigne wird in der nächsten ^crichtignngs-Oleate ersichtlich gemacht werden. — (Slowenische Vorträge an der Grazer Universität.) Der Finanzausschuß, welcher die Post von 3600 fl. für Abhaltung slovenischer Vorträge über die Fächer der judiziellen Staatsprüfung gestrichen, motivirt diesen Abstrich folgendermaßen: „Eingeholten Auskünften zufolge kann dieser Betrag nicht verausgabt werden, weil es an geeigneten Personen zur Abhaltung solcher Vorträge fehlt, und wird daher dieser Betrag schon aus diesem Grunde nicht zu bewilligen sein. Ganz abgesehen davon, kann es sich aber überhaupt nicht empfehlen, die sehr empfindlichen Uebelstände, an welchen mehrsprachige Anstalten unvermeidlich leiden, auf eine Universität zu übertragen, welche bisher davon verschont geblieben ist. Es ist überdies eine vollständige Täuschung, anzunehmen, es sei nothwendig, gerade Die Fächer der judiziellen Staatsprüfung in der Sprache vortragen zu lassen, welche in der Gerichtspraxis anzuwenden fein wird. Es handelt sich an der Universität darum, eine gründliche wissenschaftliche Bildung zu erlangen, und bas beste Mittel hiefür liegt im Gebrauch jener Sprache, welche den Schüler mit einem wahrhaft tüchtigen Lehrer in Verbindung bringt. Wer gründliche Kenntnisfe erlangt hat, wird sie auch in seiner Muttersprache, sofern diese überhaupt die erforderliche Entwicklung erlangt hat, anzuwenden verstehen; auch der Entwicklung dieser Sprache wird dies nützlicher sein, als wenn die sie Sprechenden eine ungenügende sachliche Bildung erlangen. Das Verhältniß, in welchem alle anderen Kultursprachen zur lateinischen und zum Theil auch zur französischen Sprache standen, beweist dies unwiderleglich. Für das praktische Bedürfniß derjenigen, welche berufen sind, in flooenijcher Sprache zu amtiren, würde daher leichter und bester dadurch gesorgt werden, daß Vorträge über flooenifchen Geschäftsstil veranstaltet werden." Gegen diese Ausführungen des Ausschusses polemisirt nun Abg. Dr. Costa in sehr weitschweifiger Weise. Anderthalb Millionen (?) Slovenen hätten das Recht, darauf zu bestehen, daß auch die Ausbildung ihrer Sprache und Literatur gewürdigt werde. Sprecher verweist auf den Aufschwung der deutschen Sprache, der nur dadurch erfolgen tonnte, daß rein deutsche Universitäten errichtet wurden und plaidirt für die Errichtung von Hochschulen in slovenischer Sprache. Redner anerkennt die Richtigkeit des vom Ausschüsse vorgebrachten Arguments, daß mehrsprachige Anstalten an sehr empfindlichen Uebelständen leiden. Auch fei die Stimmung in Graz flooenifchen Vorträgen nicht besonders hold. Er beantragte daher folgende Resolution : „Die k. k. Regierung wird aufgefotbert, die nothwendigen Schritte zur Errichtung einer rechts- und staatswissenfchastlichen forme einer filofofifchen Fatalität in Laibach mit slovenischer Sprache ehestens einzu leiten." Die filofofifche Fakultät sei deshalb dringend geboten, weil aus ihr die Mittelschullehrer hervorgehen. Aus dem Gerichtssaale. Prozeß Domenig. Fünfter Verhandlungstag. (Schluß.) Laibach, 10. Juni 1871. Sohin kommt das 5. Berhehlungsfaktnni, betreffend das Depot des Konstantin R. und Edmund W-per 46 fl., zur Sprache. Der Vorsitzende konstatirt, daß das fragliche Depot, bestehend aus zwei Jnterünsscheiuen der allgemeinen Versorgungsanstalt, bei der Haussuchung in der bei Schmidl verwahrten Kassetruhe gesunden und daß die dem Depot entsprechende Forderung im Vermögens-status verschwiegen wurde. Andreas Domenig, hierüber zur Rechtfertigung aufgefordert, gibt au, daß er sich bei R. in Wien erkundiget habe, was diese Papiere werlh seien, daß dieser ihm jedoch geantwortet habe, die Papiere feien werihlos, weil dieselben nur auf die Person lauten. \5m Jahre 1868 oder 1869 habe er die Depots seinem Schwiegervater Schmidl übergeben, damit dieser den Wohnort der beiden Schuldner ernire. Er (Domenig) habe nämlich an R. geschrieben, jedoch von demselben feine Antwort erhalten. Der Vorsitzende konstatirt die Unwahrheit dieser Angabe, da ein Brief des R. vorliegt, in welchem dieser sich wegen Auslösung des Depots an Domenig wendete und ihm das Depot selbst zum Kaufe anbot. Vors.: Wann ist dies Depot in die Kaffe bei Schmidl gekommen? Angefl.: Ich weiß nicht. Vors.: Wir wissen es doch. Es ist nämlich konstatirt, daß die Umschläge über die einzelnen Depots von ihrer Frau erst in den letzten Momenten vor der Konkurseröffnung gemacht wurden, wornach die Jnterimsfcheine erst um diese Zeit in die Kasse gekommen sind. Ferners ist ans dem Kouverte die Prolongation des Schuldscheines bis 6. Mai 1869 ersichtlich, woraus hervorgeht, daß um diese Zeit eine Sichtung der Werthpapiere vorgenommen und die beiden Jnterimsfcheine nicht als werthlos befunden wurden. A n g e k l.: Ich habe die Prolongation nicht hinauf geschrieben, für mich hatte das Depot keine» Werth. Hierauf wird das Protokoll mit Konstantin R. verlesen, aus welchem sich insbesondere ergibt, daß er von Domenig keinen Brief erhalten habe. Ebenso ergibt sich aus der Aussage des Edmund W., daß er mit Domenig in keiner Korrespondenz gestanden fei. Der Staatsanwalt erklärt hierauf, daß er in Gemäßheit des § 150 St.-P.-O. die Anklage gegen Johann Schmidl auf das Verbrechen der Mitschuld am Betrüge rücfsichtlich der Verhehlung der in der mehrerwähnten Kassetruhe Vorgefundenen Effekten ausdehne. Johann Schmidl gibt in Bezug auf dieses Faktum an, daß ihm fein Schwiegersohn lange Zeit vor AuS-bruch des Konkurses zwei Jnterimsfcheine zu dem Zwecke übergeben habe, um die Adressen der Darlehensnehmer zu eruiren. ES sei dies im Jahre 1868 geschehen, als Domenig ihm anläßlich der Reise nach Wien seine Werthpapiere übergeben habe. Da auf dem Depotumschlage statt Rothbauer Rechbauer ge« schrieben war, habe er, als er sich wegen Eruiruna des Wohnortes des Schuldners an einen Bekannten in Graz wendete, von diesem die Antwort erholten, daß ei» Oberlieutenant Rechbauer in Graz nicht bekannt fei. JRatty Perko: Haben Sie die Papiere, welche das Depot bildeten, angeschaut? A n g e f t.; Wirklich nicht. Vors.: Das Leugnen wird Ihnen wenig helfen; r nn e^Y>^ konstatirt, daß die Papiere erst in den wurden Cn DDr ^et Konkurseröffnung beseitiget Staatsanwalt; Sie behaupteten gleich anfangs, als Sie sich um die Adresse des R. erkundigten, den falschen Namen auf dem Depotumschlage gelesen zu haben. Nun ist jedoch konstatirt, daß die Embal-liruug des Depots viel später, nämlich kurze Zeit vor der Konkurseröffnung geschah. Nach Vernehmung der Emilie Domenig in Betreff dieses Faktums wird die Verhandlung abgebrochen und die Fortsetzung auf Nachmittag 4 Uhr anberaumt. I" der Nachmittagssitzung gelangen das sechste, siebente, achte, neunte, zehnte, eilfte und vierzehnte Verhandlungsfaktum zur Behandlung. Das sechste Faktum betrifft die eiserne, schon öfters erwähnte Knjse« truhe, welche im Status nicht erwähnt wurde, deren Werth jedoch Johann Schmidl selbst mit 60 fl beziffert. Andreas Domenig gibt an, daß er diese Truhe i»> Jahre 1869 wegen Unbrauchbarfeit zu seinem Schwiegervater übertragen ließ. Der Vorsitzende konstatirt, daß sich der Beschuldigte in der Untersuchung anders und widersprechend verantwortete. Johann Schmidl gibt an, daß die Kassetruhe im April 1868 zu ihm gekommen sei, er habe dieselbe nie alü sein Eigenthum angesehen. Auch riicksichllich des Johann Schmidl konstatirt der Vorsitzende, daß er sich in der Untersuchung widersprechend verantwortet habe. lieber Antrag der Staatsanwaltschaft beschließt der Gerichtshof, die Kasse schätzen zu lassen. Das siebente Faktum bezieht sich auf die Wechselforderung an Wenzel P. per 16 fl., welche Domenig in der Uebereilung in den Status aufzunehmen vergessen haben will, die jedoch vom Schuldner liquidirt wurde. Das achte Faktum betrifft die Forderung an Blas P. per 60 fl., bezüglich welcher Domenig behauptet, daß er sie deshalb nicht in dem Status ausgenommen habe, weil er sie übersah. Uebrigens sei der Schuldner durchgegangen und er habe daher die Forderung für werthlos gehalten. Der Vorsitzende konstatirt, daß der Schuldner wirklich sich aus Laibach entfernt habe. Der Konkursmasse-Verwalter Dr. v. Schrey gibt an, daß er die fragliche Forderung für die Konkursmasse sichergestellt und eingeklagt habe, und daß dieselbe werde eingebracht werden. Das neunte Faktum bezieht sich auf zwei Antheil-scheine der Laibacher Lottoessektengesellschaft im Werthe von ungefähr 500 fl., rückfichtlich welcher Domenig behauptet, daß er das Eigenthum dieser Papiere im Jahre 1869 an seine Kinder übertragen habe. Das zehnte Faktum betrifft die Verhehlung eines Antheilfcheines der Versicherungsgesellschaft „Apis" pr. 100 fl., zweier von einer hiesigen Kegelspielgesellschaft ausgestellten Anteilscheine auf ein fünftel Los des 39er Anlehens und auf 3 Windifchgrätz-Lofe, dann von 5 Koupons der Angloaktie Nr. 14883, welche Papiere bei der Haussuchung im Pakete II vorgefunden wurden. Andreas Domenig will die Aufnahme des Antheilfcheines in den Status vergessen, die Antheil-scheine der Kegelgesellschaft seinen Kindern zedirt haben und behauptet, daß die Koupons nicht sein Eigenthum seien, er jedoch den Eigenthümer derselben nicht kenne. Das eilste Faktum bezieht sich auf 2 Gresham-Polizzen pr. je 5000 fl. im Werthe von 322 fl. 14 kr., welches Faktum wir jedoch übergehen, da sich bei der Schlußverhandlung herausstellte, daß diese Polizzen bereits im Jahre 1868 an Johann Schmidt zur Deckung einer Forderung desselben zedirt wurden. Das vierzehnte Faktum endlich betrifft einen Logenmiethzins pr. 80 fl., welchen Emilie Domenig nach der Konkurseröffnung realisirte, wozu sich dieselbe nach ihrer heutigen Angabe deshalb für berechtiget hielt, weil ihr Mann die Loge beim Beginn der Theatersaison 1869 für sie gemiethet hatte. Hiemit endet der fünfte Verhandlungstag. Eingesendet. Wir machen hierdurch auf die im heutigen Blatte stehende Annonce der Herren S. Lteindecker & Comp, in Hamburg besonders aufmerksam. Es handelt sich hier um Original-Lose zu einer so reichlich mit Hauptgewinnen ausgestatteteu Verlosung, daß sich auch in unserer Gegend eine sehr lebhafte Beiheiligung voraussetzen läßt. Dieses Unternehmen verdient um so mehr das volle Vertrauen, indem die besten Staatsgarantien geboten sind und auch vorbenanntes Haus durch ein stets streng reelles Handeln und Auszahlung zahlreicher Gewinne allseits bekannt ist. Unterleibsbruchleidende werden auf die in dieser Nummer enthaltene bezügliche Annonce von G. Sturzeu-egger aufmerksam gemacht.___________________________________ Witterung. Laibach, 15. Juni. Warmer, sonniger Tag, die Normaltemperatur hat sich eingestellt. Feder- und Haufeuwolken. Schwacher Nordost. Wärme: Morgens 6 Uhr + 11.4“, Nachmittag« 2 Udr + 1H.0" R. (1870 + 21.6”; 1869 + 19.0"). Barometer im fallen 326.48"'. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 14.0°, um 0.7" unter dem Normale. Der gestrige Nieder-fchlag 0.44'". _ Der heutige Tag St. Veit ein Lostag der Bauern: tat vor Vit >er Weilt abgeblüht, So bringt er ein schön Wcinjahr mit. Regnets am Tage vor St. Vitus und Modestus, so geht die Hälfte der Trauben verloren. Rege« am St. Vititag Die Gerste nicht vertragen mag. St. Vit Bringt die Fliegen mit. Angekommene Fremde. Am 14. Juni. Elefant. Kaucii, Besitzer, Radmannsdorf. — Lauric, Besitzer, Rakek. — Swetliu, Pfarrer, Storje. — Rein-hakl, Kaufm., Leipzig. - Don,er, Ingenieur, Bodenbach. — Mally, Fabrikant, Neumarktl. — Ban, Handelsin., Venedig. — Lengyl, Kaufm., Kanifcha. — Kleinschmidt, Kaufm. Triest. Stadt Wien. Dr. Kujatti, Görz — Marian, Hausbesitzer, Baden. — Kuntara, Kaufm., Agram. Molireii. Ferdinand, Beamter, Sagor. — Jeran, Beamter, Seebach. — Majer, Privatier, Graz. — Lehrer, Aßling. Berstorbene. Den 14. I u n i. Dem Filipp Kotar, Schuhmacher, sein Kind Johanna, all 1'/, Jahr, in der Polanavorstadt Nr. 25 an der Lungenlähmung. — Anna Azmann, Jn-wohnerin, alt 79 Jahre, im Zivilspital an Altersschwäche. Gedenktafel über die am 19. Juni 1871 stattfindenden Lizitationen. 1. Feilb., Kanz'sche Real., Rakek, BG. Plauina. — 1. Feilb., Tnerdy'sche Real., Laibach, LG. Laibach. — 1. Feilb., Teran'sche Real., St. Martin, BG. Kraiuburg. — 1. Feilb., Appei'sche Real., Laibach, LG. Laibach. — 1. Feilb, Osmek'sche Real, Laibach, LG. Laibach. Erledigungen. Lehrerstelle in Neudegg. Gesuche bis Ende Juui beim k. k. Bezirksschulrath Rudolfswerth. — Uuterlehrerstelle in Tschermoschniz. Gesuche bis Ende Juni beim k. k. Bezirksschulrathe Rudolfswerth.______________ Telegrafischer Wechselkurs vom 15. Juni. 5perz. Rente österr. Papier 59.05. — 5perz. Rente österr. Silber 68.90. — 1860er Staatsanlehen 99.80. — Bankaktien 788. — Kreditaktien 290.90. - London 123.85. — Silber 121 65. — it. k. Mllnz-Dukaten 5 86'/,. — Na-poleonsd'or 9.83. Vorläufige Anzeige. Ludwig Bergheer ans Hannover gibt sich die Ehre, anznzeigen, daß er mit seinem Theater im Laufe der nächsten Woche in Laibach eintreffen und einen Ziklus von Vorstellung?,, eröffnen wird, bestehend au« dein Neuesten im Gebiete der Magie, Jiftl;, 3llu|ioti: Automaten als Schwungfeiltiinzer. Th6Stre pittoresque. als 4i;iutev(aiibfd)aft mit Schlittenfahrten, Jagdfzciien it. s. >v. Der Brand von Moskau mit dem natürlichen Einsturz der Häuser und Paläste. Proteus, der Metaniorsoseilschrank. Gedächtniß-Uebiiuzen, bekannt unter dem Titel: „Die Seherin von Prevorst," Probleme der Hellsehekunst. Hidraulifch-artesische Experimente, sogenannte Wasserkünste. Nebelbilder und Chromatropen mittelst eines Hidro-Oxigeugas-Apparates. Chromaliche-cataracta poicile mit plastische» Gruppen, beleuchtet durch das elektrische Licht. HanS Sachs' Zaubermllhle, um alte Weiber jung zu machen. Das vertikale Emporschweben einer Dame. Neuestes Experiment nach Professor Pepper«. Bergheer'S unübertroffene Original-Geistererscheinnngen in drei, jede von den audern verschiedenen Serien: 1. Der Höllenrachen, romantifch-saniastische Pantomimen mit Erscheinungen von Teufeln, Feen u. s w. 2. Die Gnomen des Nutersberg mit Erscheinungen von Gnomen, Berggeistern und Ungeheuern. 3. Leben im Traum, mit Erscheinungen von Diabletteu, Niinse», Feen, Geister- und Gespenstererscheiiinngen. Alle« Nähere seinerzeit der Anschlagzettel. (281) Zahnweh! jeder und heftigster Art beseitigt dauernd das berühmte Pariser lilTOJV, wenn kein anderes Mittel Hilft! Flk. ä 50 kr. bei Herrn Apotheker m,-Bel»lts. (127-8) jlir Untcrlcibsbrud)leiiiciiic. Die Bruchsalbe von G. Stur;euegger in Herisau, Schweiz, Hat in Folge ihrer vorzüglichen Wirksamkeit bei NnterlctbSbriichen, Muttervorfälleu und Hämorrhoiden vielseitigsten Dank geerntet. Zahlreiche Atteste bestätigen eine vollständige Heilung selbst bei veralteten Fälle». 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HO 75 111.— 139.— 240.— 98.75 99.20 89 — 89.20 141.50 142.— 138.50 139.— 91.60 91.80 96.9i) i 97.10 173 86 173 75 102.— 122.— 59 — 36.— 43 50 31.50 35.— 31.— 23.— 23.— 15.— 15.- 103.5C 124.— 60.— 37.— 44.- 32.— 37.— 31.50 24.— 24.— 17.— 15.60 103.35 103.40 103.50; 103.60 124.40 124 50 48 50 48 60 5 89 9.851 1.82» ',22 - 5.90 0.k6 1>2 122-tO Druck von Jgn. v. Kleinmayr