W$WMEcridtdn6 - Preise Für Laibach: »»„»jährig . . 8 fL 40 fl. H»lt>jLhrig... 4 20 „ »tradiitrig . 2 „ 10 „ Stimotii* . . . — „ 70 „ M i l der Post: »«nzjShrig..........12 fl. H-ldjShrig.......... ö „ «irEjShrig...............3 „ Laibacher Nedacii« '■ÖJtmböfflüfH' 86t SußtUnng in» HauS ^krtelj. 85 ft., monatl. 9 kr. Amzrlur Shnranrai 6 ft. Vxprdition- & t.iitvrctciv Burcau: Cvngreßplatz Nr. S1 Handlung Dun Ign t mayr & Fed. Ban,!. Jittertilmsvreiic: Für Sie einspaltige 'l*etineiuf :'t 4 kr., bei zweimaliger Einschaltung ä 7 kr., dreimaliger ä 10 kr. Jnse: IwnÄ'Ieinvel jedcrasat *i f, Bei größeren Inseraten und öfterer Emichaltung entiere-Lender Rabatt. Anonyme Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; M-muscri-te nicht zurückgesendet. Nr. 124. Mittwoch, 3. Juni 1874. Morgen: Archnleichliam. Freirag: Bonisac. 7. Jahrgang. Die nächste Nummer erscheint des Krohnleichuainsfeftes wegen am Freitag. Wie steht es mit dem Föderalismus? Wenn auch nicht alle« geeignet ist, fröhlich zu stimmen und mit Befriedigung zu erfüllen, was die abgelaufene Session des Reichörathes zutage gefördert, so müssen wir dennoch bekennen, daß dieselbe vom großen politischen Standpunkt aus ein Ergebnis geliefert hat, welches so günstig ist, wie noch keines der vorangegangenen Sitzungsperioden, obgleich in einzelnen frühem Sessionen ungleich mehr und größeres geleistet worden. Das glückliche Ergebnis des letzten parlamentarischen Halbjahres, das wir meinen, besteht darin, daß die Verfassung des Reiches nicht mehr den Gegenstand des Streites und der Anfechtung im österreichischen Parlamente bildet; die thatsächliche Anerkennung der Verfassung hat bei den verschiedenen „Königreichen und Ländern" unverkennbare Fortschritte gemacht. Es bildete durch mehr als zwölf Jahre einen Hemmschuh unserer konstitutionellen Entwicklung, daß zumeist die Grundlage des Staates, die Verfassung, den Gegenstand der parlamentarischen • Kämpfe bildete, nicht wie es in ändern Verfaffungs-staaten der Fall ist, irgend ein Gegenstand der Verwaltung, ein Mehr oder Weniger an politischer oder kirchlicher Freiheit, eine Finanzoperation, eine volkswirthschaftliche Maßregel u. dgl. Es muß als ein großer Gewinn angeschlagen werden, daß dies bei uns in Oesterreich anders geworden und daß die letzte Reichsrathssession sich in dieser Beziehung vorteilhaft von den frühem unterschieden hat. Eigentlich hat schon die Wahlrefonn in die flavisch-söderalistische Politik der Reichsrathsgcgner Bresche gelegt, die nicht mehr ausgefüllt werden kann. Durch die birecten Wahlen trat die Idee der Staatseinheit in praktische Wirklichkeit und die Schrullen von den verschiedenen selbständigen „Königreichen und Ländern", von den „historischen Individualitäten" mit allerlei ureigenem „Staatsrecht" zerplatzten wie Seifenblasen. Seit dem Momente sind alle Declarationen und Resolutionen, mochten sie noch so imponierend auftreten, wie verschollen, alles Schmollen und Abseitsstehen, alle Passivität und Verbissenheit macht nur mehr den Eindruck des Lächerlichen, bekanntlich der ärgste Feind irgend welchen politischen Erfolges. Durch die unmittelbaren Wahlen des Volkes kommen eben Vertreter aus allen Ländern, aus allen Nationalitäten in das Reichsparla-ment, und schvn durch den Eintritt in dasselbe wird der Beweis geliefert, daß Föderalismus, Staatsrecht, passiver Widerstand u. s. tu. inhaltsleere Schlagworte geworden, mit denen man nicht mehr den geringsten Erfolg erzielen kann. Und dieser Umstand wird nachgerade die noch außen stehenden Staats-rechtsritter der Wenzelskrone zwingen, von ihrem Trotze zu lassen und den Verhältnissen Rechnung zu tragen. Zwar konnten die traurigen Paladine der staatsrechtlichen Theorie, die Herren Hohenwart, Weiß v. Starkenfels, Lienbacher, Prazak nicht umhin, auch in der jüngsten Session machmal ihren föderalistischen Schmerzen in mehr oder minder elegischen Worten Ausdruck zu geben, allein es geschah mehr um ihr Gewissen zu erleichtern, als um im Ernste einen Sturm auf das Bollwerk der Verfassung zu unternehmen. Durch den Erfolg der birecten Wahlen, der sie zwang, ihre politische Thätigkeit in bas Parlament zu verlegen, war ohnehin schon jebe Aussicht auf Durchführung föderalistischer Prinzipien zerstört worben; barum beschränkten sich bic Verfassung«* gegnerischen Parteien daraus, im Reichsrathe die Opposition von Sr. Majestät Regierung zu bilden, über auch da brachten sie es selten zu einer einheitlichen Gegnerschaft, so daß sie weder durch ihr numerisches Gewicht, noch durch irgend welchen Gewaltstreich, wie den ehemals beliebten Massenauszug aus dem Parlamente, hoffen konnten, auch nur vorübergehend bie Herren ber Situation zu werden. So haben die Dinge ihre natürliche Entwicklung genommen, die über alle föderalistische Phantas-magorien mit zermalmender Rücksichtslosigkeit hinwegschritt. Geschweige daß ein einziges der slavisch. österreichischen Völker, von denen man sammt und sonders nicht müde ward uns vorzupredigen, sie feien bereit für den Föderalismus ins Feuer zu gchen, geschweige daß ein einziges auch nur eines Haares Breite seinem Ziele näher gerückt wäre, hat Feuilleton. D e r Tabak. (Schluß.) Bei einem Feldzuge des Schah Abbas des Großen gegen die Türken wurden durch diese, obgleich denselben das Tabakrauchen bei Todesstrafe, Mt auch wirklich selbst an ihnen öfters deswegen vvÜstreckt wurde, verboten war, auch die Perser mit hem Tabak bekannt; im Anfänge des 17. Jahrhunderts verbreitete sich ber Tabak auch bei ihnen. Von Persien und Kleinasien gelangte der Tabak "ach Armenien und in die Länder des Kaukasus, Buchara, Herat, Kabul, Afghanistan. Im Anfänge des 17. Jahrhunderts wurde er durch Europäer auch nach Indien gebracht, von dort ist er nach Tibet gedrungen; um eben jene Zeit brachten ihn bie Holländer nach Java und zu ben Malaien. Die Chinesen würben burch bie Portugiesen und Holländer Ende deS IG. Jahrhunderts mit dem Tabak bekannt, unb in keinem Lanbe ist er so verbreitet alö In ihrem. Die Holländer und Portugiesen "rächten ihn auch schon im Anfänge des 17. Jahrhunderts nach Japan und dessen Dependenzien. Am spätesten ward der Tabak durch bie Europäer in Australien eingeführt, aber jetzt ist er auch bort sehr verbreitet. In bret Jahrhunberten hat sonach ber Tabak bie ganze Erbe für sich eingenommen. Der große Reiz unb mächtige Zauber, ben er ausübt, liegt in ber erregenben Wirkung des Rauchs auf den Sinn des Geruchs. Der Erregungsmittel bedarf der Mensch unter den niederschlagenden Einflüssen der Elemente, in denen er sich bewegt, den Anstrengungen, denen er sich unterzieht. Hier ist nicht von Ueberfluß, sondern von Stärkung im Kamps um bas Dasein bie Rebe. Nachhaltiger läßt sich aber kein Erregungsmittel onwenben, als ber Tabak, beim der Geruch ist, wenn auch nicht der höchste, doch der freieste Sinn, ber am schwersten übersättigt wirb. So erklärt sich seine schnelle unb allgemeine Verbreitung über ben Erdball unb seine Bedeutung für bic menschliche Gesellschaft. Wie ber Hanbel überhaupt ben Austausch ber Mittel zur Befriebigung ber menschlichen Bedürs-nisse zum Gcgenstanbe hat, so entspricht bie Allgemeinheit eines Bedürfnisses auch bern Umfange bes auf seine Befriedigung gerichteten Handels. Der Tabak wurde deshalb schon bald, nachdem die Europäer seinen Gebrauch in Amerika kennen gelernt, zu einem ber erheblichsten Artikel bcS Handels zwischen der alten und neuen Welt Er nimmt in dieser Beziehung die vierte Rangstufe nach der Baumwolle, dem Kaffee und Zucker ein. Aber nicht bloS in den Handel, auch in ben Ackerbau greift ber Tabak ein. Der größte Theil bes in Europa verbrauchten Tabaks wirb jetzt in ben europäischen Länbern erzeugt. Enblich hat bie Konsumtion bes Tabaks einen günstigen Einfluß auf bie Jnbustrie unb bie Gewerbe gehabt. Schon unter ber Republik kam man in Englanb barous, angeblich zum Schutz ber Gotonien, ben Tabaksbau im Jnlanbe zu vertreten. Dort wurde er auf das äußerste befördert (Neumann,, Amcrik. Gesch. S. 11.), derart, daß der Ackerbau darüber vernachlässigt wurde, so, baß HungerSnöthe entstanben, welche bann zu allerlei Bedrückungen ber Jnbiancr führten. Diese sollten Lebensmittel herbeischaffen. Thaten sie es nicht, so wurde ihre Habe weggenommen. Selbst bie frühere Einführung ber Negersklaverei finbet im Vortheile des Tabaksbaues ihren Grund. Ein holländisches Schiff hatte 1620 die ersten Neger gebracht, welche in Jamestown gute Preise erzielten. Um sich künftig gegen HungcrSnoth zu bewahren,, wurde ein Verhältnis der Aecker festgesetzt, weiche mit Tabak und welche mit Getreide angepflanzt werben sollten. Die Gewinnsucht hat die vorsorglich*. Norm zu ihrem Verberben außer Acht gelassen. Nur vielmehr der zahlreiche Stamm der Ruihenen ganz und rückhaltlos, die Slovenen und Dalmatiner zum großen Theile sich der Berfassungsparlei angeschlossen, während die mährischen Czechen und die polnischen Schlachzizen nur mehr als jämmerliche Gefolgschaft der verbissensten Klericalen einen Haltpunkt suchen. Diese widernatürliche Allianz mit sortschritts- und aufklärungsfeindlichen Elementen, die der Geistesfreiheit — glücklicherweise erfolglos — Hemmnisse entgegenzustellen versucht und nichts versteht als mit läppischem Behagen in den eigenen Wunden herumzuwühlen, muß sich über kurz oder lang um den letzten Rest ihres Credites, selbst als parlamentarische Opposition, bringen. So haben wir denn von dem ersten direct gewählten Parlamente den einen großen Gewinn, wir haben die Nachtgespenster, die unfern politischen Horizont trübten, verscheucht; es ist nun vor aller Welt documentiert, daß das politische System, der Föderalismus, der lange Jahre wie ein Alp auf unser junges Berfassungsleben drückte, eigentlich gar kein System ist, daß die sogenannten Föderalisten gar kein politisches Programm haben, daß sie gar keine politische Partei und daher auch politisch ferner nicht in Anschlag zu bringen sind. Wir haben somit den Boden gewonnen, auf welchem Oesterreich seine Wiedergeburt vollziehen kann; wir sind endlich nach schweren Kämpfen und Ringen dort angelangt, wo andere Staaten schon längst stehen; wir sind endlich auch thalsächlich in die Reihe der Verfassungsstaaten eingetreten; die Verfassungsurkunde wird fortan nicht blos auf dem Papiere stehen, sie wird Leben gewinnen. Freilich darf man die Hände nicht in den Schoß legen, sondern das Verjüngungswerk, soll es glücken, bedarf gewaltiger geistiger Anstrengung und der ehrlichen, aufrichtigen Arbeit aller. Politische Rundschau. Laibach, 3. Juni. Inland. Der „Volkssreund" veröffentlichte vor ein paar Tagen den Briefwechsel zwischen den drei österreichischen (Kardinalen und dem Papste. Die Erklärung, welche die Cardinäle darin namens des österreichischen Episcopats abgeben, daß sie das Gesetz über die äußern Rechtsverhältnisse der katholischen Kirche nur insoserne beobachten würden, als es in der Sache mit dem Concordate übereinstimme, deutet nicht auf Fügsamkeit, sondern klingt wie ein regelrechtes Kriegsmanifest. Es wird auch nicht lange anstehen, so werden die konfessionellen Gesetze die Feuerprobe zu bestehen haben. Nach dem Gesetze über die äußern Rechtsverhältnisse der katholischen Kirche ist für den Fall der Ver- Tabak wollte man gewinnen. Tabak war Geld; hiermit konnte man sich alles, sogar die Frauen kaufen. Es suchte nemlich die Virginia Company dem großen Mangel an Weibern in eigentümlicher Weise abzuhelsen. Sie brachte junge Mädchen und überließ sie den Ansiedlern anfänglich für 150 Pfund Tabak, wovon das Pfund zur Zeit mit 3 sli. be-z»hlt wurde. Die Kaufleute sind bei diesem Geschäft nicht immer vorsichtig gewissenhaft verfahren. So wurden mehrmals auf Befehl des Colonialraths Weibspersonen zurückgesandt, weil sie unwürdig wären zur Fortpflanzung der Einwohnerschaft Vir-giniens. Die Navigationsacte, wonach aller Handel nur mit britischen Schissen geführt werden durfte, wollte alle diese Vortheile nur dem Mutterlande zuwenden. 1676 protestierte die allgemeine Versammlung von Birginien vergeblich gegen diese Ausbeutung. Es war dies das Vorspiel der Unabhängigkeitserklärung. In Virginien wurde auch zuerst das allgemeine Stimmrecht (1651) eingeführt. Die Einkünfte aus dem Tabaksbau machten von Aufang an diese Eolonie soviel vermögend. (Neumann S. 21.) Das Tabaks-monspol, welches Spanien und Portugal ausübten, beförderte mit die Unabhängigkeitserklärung von Mexico und Brasilien. (Tiedemann S. 24 und 32). (Magazin für die Lit. des Ausl.) leihung einer geistlichen Pfründe die hiesür auSer-sehene Person der Landesbehöode anzuzeigen. Die Jnstituierung des betreffenden Geistlichen darf jedoch erst erfolgen, wenn von der Landesbehörde binnen 30 Tagen nach geschehener Anzeige keine Einwendung erhoben wird. Wie nun dem „Vaterland" aus Graz geschrieben wird, „wagen" es einige Ordinariate in Westösterreich nicht mehr, ncuernaitntc Pfarrer vor Ablauf der dreißig Tage in Eid zu nehmen. Der betreffende Eorrespondent des feudalen Blattes ist über dieses „Streichen der Segel vor der Regierung" aus das höchste ergrimmt und erklärt, daß das Erstaunen und auch die Erbitterung über die wunderbare Wendung der Dinge in einem Theile des Klerus keine geringe ist." Nach dieser Auffassung zu schließen, scheinen die Aussichten jener ultramontan föderalistischen Kampfhähne keine hoffnungsreichen zu sein, welche Eonflicte zwischen dem Staate und der Kirche in Oesterreich mit Gewalt erzwingen wollen. Die prager „Politik" hatte unlängst den Wortlaut einer Ansprache veröffentlicht, welche Pfarrer Vukelic an den Erzherzog Albrecht während dessen Jnspectionsreise in Croatien und der Militärgrenze inCarlopago hielt und in welcher Wünsche zum Ausdruck gebracht wuroen, die staatsgesährliche Tendenzen verriethen; über die Antwort des Erzherzogs ist jedoch nichts bekannt geworden. Die „Pester Eorrespondenz" will nun wissen, daß Se. k. Hoheit, trotzdem er kaum etwas croatisch versteht, bei Nennung der Länder Dalmatien, Croatien und Slavonien sich vom Redner mit allen Zeichen des Mismuths wegwendetc und ihn keiner Antwort würdigte. Der Bürgermeister entschuldigte sich damit, daß der Geistliche nur angesucht habe, den Erzherzog begrüßen zu dürfen, ohne den Inhalt seiner Änrede jemandem mitgetheilt zu haben. Wie inan aus Pest schreibt, soll der ungarische Reichstag am 25. d. geschlossen werden. Nach ossiciösen Mittheilungen legt die Regierung Gewicht daraus, daß bis dahin das Gesetz über die Mittelschulen und die Wahlreform erledigt werde. Die Sectionsberathungen über das letztere beginnen schon in zwei Tagen. Die parlamentarischen Sommerferien will das Ministerium benützen, um die Vorlagen für die Herbstsession fertig zu bringen. Die wichtigste derselben hat die Steuerreform zum Gegenstände, mit welcher sich der Finanz-minister nach einer Mitteilung der „Magyar Politika" unausgesetzt beschäftigt. Wie man dem „Pester Lloyd" aus Wien meldet, hatte Graf A n d r a f f y am 29. v M. eine lange Conserenz mit dem rumänischen Agenten, Herrn Eostasoru, deren' Gegenstand die Frage der Eisenbahnanschlüsse bildete, in welcher das Ministerium des Aeußern mit aller Wärme den Standpunkt der ungarischen Regierung unterstützt, wenn es auch den Schwierigkeiten Rechnung tragen muß, welche sich der rumänischen Regierung in der Stimmung der Kammermehrheit entgegenstellen. Nachdem die außerordentliche Session in Budapest Ende Juni geschlossen wird, sind die Aussichten aus eine parlamentarische Erledigung dieser Angelegenheit angesichts ihres heutigen Stadiums allerdings möglichst gering. Ausland. Man hatte sich bereits gewundert, daß der Bischof Martin von Paderborn, der wo möglich seine Lollegen noch an Trotz gegen die Regierung überbietet, sich so lange aus freiem Fuße befinde. Wie sich nun herausstellt, verdankt Herr Martin seine Freiheit einem nicht ganz lautern Kniffe, der eine juiistische Eontroverse herbei, geführt hat. Er kann nicht eingesperrt werden, weil ein Haftbefehl gegen ihn nicht vorliegt, und ein solcher kann trotz der rechtskräftig gewordenen Urtheile nicht ausgefertigt werden, weil die Behörden nicht darüber einig sind, ob die Verschreibung, durch die Herr Martin sein Hab und Gut seinem Bruder verkauft hat, gütig ist oder nicht, und ob der Bruder oder Herr Martin zur Deckung der Strafgelder angehalten werden soll. Die Solarien« kaffe des Kreisgerichts Paderborn hat diese Fragen zuerst in einem der Behörde günstigen Sinne entschieden und Herrn Martin gepfändet. Martins Bruder erhob gegen diese Pfändung aber eine Jn-terventionsktage und das Kreisgericht hat jetzt diese Klage für begründet erklärt. Natürlich wird nun die Salarienkaffc wieder gegen diese Entscheidung deS Kreisgerichts appellieren. Inzwischen aber lacht sich Herr Martin ins Fäustchen, schreibt schöne Abschiedsbriefe an seine getreuen Schafe und auf die Insinuationen des Oberpräsidenten höhnisch- Antworten. Fürst Bismarck hat Berlin bereits verlassen und sich zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalte nach Barzin begeben. Hiemit hat in der deutschen Reichshauptstadl de facto das politische Stilleben begonnen, welches nicht ohne einen Misslang sich einführte, indem der Bundesrath das von dem Reichstage angenommene Civilehegesetz ablehnte. An pikantem Detail fehlt es gleichwohl nicht. So wird unter anberin gemeldet, daß Fürst Putbus den Abgeordneten Lasker zu einem P i st 0 l e n b u e l l gefordert habe, welches der letztere jedoch ablehnte. Zur Kir ch en p oliti k ist ein berliner Telegramm der „Times" zu erwähnen, wonach eine Menge von schlesischen Pfarramts. Candiüaten sich geweigert habe, Pfründen von dem Fürstbischof von Breslau anzunehmen, weil sie es vermeiden wollen, wegen eines Bruches der Kirchengesetze von der Regierung verfolgt zu werden, schließlich verdient es auch angemerkt zu werben, mit welchem Eifer der ultramontan gesinnte polnische Adel in der Provinz Posen für die Sache des Don Carlos agitiert. Die Schlachzizen werden es nicht müde, Geldfammlungen für den Carlis-muß zu veranstalten und den Ruhm des „frommen" und „vom heiligen Vater gesegneten" Prätendenten bis in die ärmste Bauernhütte zu tragen. Die Einigkeit der verschiedenen Fraktionen der Rechten in der Versailler Assembler ist wieder hergestellt. Das Ministerium Cifsey hat sich das Vertrauen der Legitimisten durch seine „Energie" gegen die Republikaner in Marseille erworben. In der Negative sind Orleanislen und Legitimisten stets einig; leider haben die Gesetzentwürfe, welche die Nationalversammlung demnächst zu berathen haben wird, alle einen negativen Zweck, nemlich die Vernichtung republikanischer Freiheiten. Man darf also erwarten, daß die am Samstag dokumentierte Einigkeit noch einige Wochen anhalten wird. Bezüglich der großen Neuigkeit, daß eine neue hohenzollern'sche Candidatur für den spanischen Thron beabsichtigt werde, schreibt ein pariser Cor-respondet der „Kölnischen Zeitung", der genaue „Erkundigungen" eingezogen, wie folgt: „Es macht sich allerdings in den leitenden madrider Kreisen die Meinung geltend, man müsse zum Königthum zurückkehren; aber man denkt dabei vorläufig nur an einen Candidaten spanischen Ursprungs. Die ganze Campagne der französischen Blätter ist offenbar dem professionellen Mistraucn gegen Deutschland entsprungen und dazu bestimmt, dasselbe Mistrauen bei anderen, namentlich englischen Politikern zu erwecken." Von den Carlisten hört man sehr wenig, offenbar weil eine Menge Telegraphenleitungen von ihnen zerstört worden sind. Die Nachricht von einem für sie siegreichen Gefechte bei San @e» bastian ist jedenfalls mit Vorsicht aufzunehmen. Zur Tagesgeschichle. — lieber ein neues Heilmittel bei Lungenschwindsucht berichtet ein Corresponbe»l der medizinischen Akademie in Paris. Zwei A-rzte von der Insel Syra, die Herren Ztlloni und Para-scheva», suchen, indem sic von der Ueberzeugung au«' gingen, daß die Lungenschwindsucht ansteckend ist, nach einem Gegenmittel unter den antiseptischen (säul»»«' widrigen) Substanzen. Nach Prüfung zahlreicher Stoffe waren sie von den Resultaten überrascht, welche die Anwendung de- schwefligsaure» Natron» erzielte. Sie stellten hierauf sprcielle Versuche an, beten erstaunliche Resultate tu einem Berichte an die medizinische Gesellschaft von Athen niedergelegt sind. „Wir haben," sagen sie, „zweiunddreißig Kranke auSgewählt, deren Leiden von vier bis zu neun Monaten datieren. Neunzehn derselben waren im ersten Stadium und die AihrnungSgeräusche bei ihnen auf den oberen und mittleren Lungenlappen, sowie auf die beiden Oberflächen der linken Lunge beschränkt. Bei zehn ändern Kranken im zweiten Stadium zeigte die AnScultation (Erforschung) eine Verletzung am vordem Theile der einen Lunge, und bet vier unter diesen zehn waren die beiden Oberflächen des vbern und Mittlern Lappen von vorn und hinten angegriffen. Bei den drei Individuen des dritten Stadiums waren die Symptome schreckenerregend, und bei einem derselben fanden sich Tuberkeln (krankhafte Knoten) ersten Grades auf der Hinterfläche der Lunge. Alle diese Kranken wurden mit unter-schwefligsaurem Natron behandelt; die Dosen wechselten von 1—2 Gramm in 130 Gramm Wasser unter Zusatz von 16 Gramm aromatischem (gewürztem) Syrup gelöst, einen löffel voll alle Stunden. Nach Verlauf von acht, höchstens vierzehn Tagen hatten sich der Husten und die AuSwiirse beträchtlich gemindert; die Anfälle von Fieberschauern waren merklich geringer, die Athmung erleichtert, der Appetit kehrte zurück. Die Besserung trat verhältnismäßig schnell ein. Die Kranken bei ersten Stadiums sind in zwei Monaten geheilt worden. Die des zweiten Grades, bei welchen beide Lungen angegriffen waren, verspürten nach drei Monaten Besserung und wurden nach weiterer dreimonatlichen Behandlung thetlS geheilt, theilS traten sie in die ReconvaleScenz ein. Einer der Kranken des dritten Stadiums hat uns verlassen, die beiden anderen sind noch in Behandlung; ihr Zustand hat sich sehr ge bessert. — An« der russischen Kaiserfamilie. Die Nachricht von dem durch den Großfürsten Konstantin verübten Diebstahl bestätigt sich vollin Wtlid) sowie daß der Kaiser seinen Neffen für wahn finnig erklärt hat, „um die Ehre der Familie zu retten", wie der Czar gelegentlich seiner Abreise auf dem Bahn Hose sagte. „Leider, so schreibt man der „Hamburger Korr.* von bestunterrichteier Seite, ist dieser älteste Sohn des Großfürsten Konstantin nicht daS einzige mauvais sujet der jüngeren Hofgesellschaft; feine Vettern, die Prinzen von Leuchtenberg und von Oldenburg. haben dem Kais« bereits manche schwere Stunde bereitet. Des Thronfolgers jüngerer Bruder, Großfürf; ältyei, ist bekantlich wegen feines Verhältnisses zu Fräulein ShukowSki, der Tochter des Dichters und kaiserlichen Erziehers, auf Reifen geschickt worden; neuerdings erzählt man sich, die genannte, seit Jahren in Italien lebende Dame sei plötzlich auf rätselhafte Weise verschwunden und der Großfürst habe demge maß Aussicht auf Begnadigung und Rückkehr in die Residenz. von Fremden ins Gedächtnis, wie sie nur in den finstersten Eoncocbitezciten in Geltung waren und droht mit den fürchterlichsten Strafen gegen die Zuwiderhandelnden. So besagt der Paragraph 3 bezüglich der Spiele: „Insbesondere aber haben sich die unter» Bolksklassen und vorzüglich Gesellen und Handwerker und die Dienstleute aller Art aller Wetten, aller Gattungen Karten« und auch des Kegelspiels um Geld an allen öffentlichen Orten strengstens zu enthalten. . . . Die gegen dieses Verbot handelnden erwartet Arrest, bei wiederholter Uebertretung aber überdies körper-e Züchtigung, nach Umständen die Abschaffung oder im Falle besonderer Unverbefferlichkeit auch »och irengere Strafe.“ Man wird sonach die Aufregung begreiflich finden, welche dieser bürgermeifter-Itche Ufas, der kurzweg die durch tote Verfassung gewährleisteten Grundrechte suspendiert und die Prügel« itafe in Stern wieder einführt, Hervorgerufe» hat. ßie ich eben höre, hat die BezirkShauptmannfchaft bereits Kenntnis von der Sache und dürfte dieselbe den täglichen Utas mit seinen drakonischen Bestimmungen einfach Mieten. Denn somit könnte eS eines schöne» Tages wohl auch geschehen, daß die guten Steiner mit der Wiedereinführung der Folter, des Scheiterhaufens, der spanischen Inquisition und anderen schönen Sachen überrascht würben. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt werden, als ob die Steiner eine den gegenwärtige» Verhältnissen angepaßte Polizeivorschrift pethor-reScierten; zu der Wiedereinführung der Prügelstrafe, der Aufhebung der Gleichheit vor dem Gesetze, der Deutlichen Verkündigung des Ausnahmezustandes in Stein glauben sie denn doch weder durch ihre staatsbürgerliche noch sonstige „sittlich-religiöse" Haltung Anlaß gegeben zu haben. Mannsburg, 31. Mai. Vergangenen Donnerstag wurde die „brennende Frage" MannSbutgS, bie Angelegenheit der bewußten „großen Glocke" verhandelt, und zwar ließ das fütstbischöfliche Ordinariat die bezüglichen Erhebungen pflegen. Als fürstbischöflicher Commissär fungierte der Pfattdechaet von Stein. Es waren alle Gemeindevorstände der Pfarre Mannsburg nebst dtn Ausschüssen erschienen. Dieselben legten Verwahrung ein gegen die neuen Anordnungen des Pfarrers betreffs der „großen Glocke." Ihre Aussagen, welche in auffallendem Contrsste mit denen des Herr« Pfarrers stehen, wurden zu Protokoll gebracht nnd die Sache dem fürstbifchöflichen Ordinariate zur Entschei düng vorgelegt. Alles ist natürlich gespannt auf die endliche Lösung dieser „brennenden Frage" Mann« bürg«. ____________ — (Die Reichshilfe für die Unter kr a in er.) Der Leiter der Landesregierung, Fürst Lothar Metternich, begibt sich nächsten Sonntag nach Untertrain und zwar zunächst in die voriges Jahr von Elementarereignifsen schwer betroffenen Bezirke, die bereit« flüssig gemachten 30,000 fl. der vom Local- und Provinzial-Augekgeuhette«. Origiual-Eorres-onderrjeu. Stein, 1. Juni. (Ein UtaS unsere« Bür fltrmeijtetamteS. Die körperlicheZüchti 9«ng lebt wieder aus.) Gestern herrschte in un fetem Städtchen eine nicht gewöhnliche Aufregung, und wrnn man in ein öffentliches Locale trat, so sah man Gäste die Köpfe zusamwenstecken; einer las «in Adruck,eg Blatt vor, der Wirlh machte ein verdutztes ; man schüttelte bebentlich den Kopf, A-Srufe wurden hörbar; nach der Verlesung brach ein allge, Weiner Sturm los, man war empört, man schalt, lflRev»e" folgende' |tffermäßige Berechnung auf. Die Production in Ge-' treibe beträgt in Oesterreich-Ungarn bei einer guten Mitielernte zirca 68 */s> Millionen Metzen Weizen, 80 Roggen, 43'/, Gerste, 70 Hafer, 43 Mais, 145 Kartoffel ; überdies zwei Millionen Metzen RepS und 10 Millionen Metzen Hülsenfrvchle. Nimmt man sllr diese Artikel Preise an, wie sie bei Mittelernten in Gurrpa, in Oesterreich-Ungarn während der letzten Jahre durchschnittlich bestanden haben, so ergibt sich ein Totale von 1144 V* Millionen Gulden. Eine Mittelernte in Oesterreich-Ungarn schafft demnach um 1100 bis 1200 Millionen neue Werthe. Hievon können wir freilich nur ungefähr zehn Perzent an das Ausland abgeben, der Rest wird im Jnlande verbraucht, aber es ist eine Erfahrung im ffihlhictaftfl» leben, daß jeder neue Werthgegenstand von dem Mf-mente seiner Erzeugung an fast für den ganzen Betrag seines WertheS anderen Produclen einen Absatzweg er- tee flgn v. mrmWt'Yv *' ipcwbfrg Z l[giu|ruiuvu iu uuuuuuui UU1UU| „Hotel l^lelant*" Laibach. Der ergebenst Gefertigte erlaubt sich dem p. t. Publicum die Anzeige zu machen, daß das bisher unter der Firma: „j. Salier &, A. Knesevid“ bestandene photographische Geschäft nach Ableben des letzteren unter der Firma J. Salier fortgeführt werde. Der Unterzeichnete dankt bei dieser Gelegenheit für das ihm geschenkte Vertrauen und erlaubt sich beiznfügen, daß er stets bemüht sein wird, durch Gewinnung der tüchtigsten Arbeitskräfte die artistische Ausführung von photographischen Arbeiten in jedem Genre, als: Ausnahme im Atelier und außer dem Hause, von Gruppen, Landschaften, Thiereii, Maschinen. Jndnstricgegenstäiiden in jedem Format, Vergrößerungen bis zur Lebensgröße, Reproduktionen und Cvlvriercn in Aquarell und Anilinfarben in möglichst vollkommener Weise zur Vollendung zu bringen und dadurch das bisher genossene Vertrauen auch fernerhin zu rechtfertigen. Achtungsvoll (Hl 7 3) Josef Salier, Photograph. 000<>0<>>0<><>C-0<>0<>*<>0<>< k >"_X.~>0000-C>0< XKXXXXXXXXVXXX XX rC Peter Grasselli, Unterschischka bei Laibach, Chiacles'sches Haus. Grosses Lager guter gesunder Tisch- tmd Dessert-Weine von den gangbarsten Sorten, besonders vorzüglicher f Wiseller und Unterkrainer. (Unter einem Eimer wird nicht abgegeben.) Briefe werden nach Laibach erbeten, wo auch auf mündliche Anfragen im Hause Nr. 263, 2 Stock, am Hauptplatze (vis-ä-vis dem Rathhause) bereitwillig Auskunft ertheilt wird. (270—3) Wiener Börse vom 2. Ju«i. Staatsfonds. Sperc. Rente, öst.Pav. bto. bto. oft. in Silo. Lose von 1654 ... kose von 1860, aanzc Lose von 1860, Fünf: Prämiensch. v. 18(>4 Gründend.-Obi. StcBenBiltfl. Ungarn zn . . 6 * Aetien. Geld 69 30 74.75 P6.75 106. 109 50 131.- 71.25 74 - ünalo.Bank ...... Kreditanstalt . . . . Depositenbank . . . . • Eücompte^Anstalt . . I isranco. Bank . . . Handelsbank........... • ittatlonalbank . . . i Oesterr. allg. Bank . i Oest. Bankgesells. . . 1 Union - Bank . . . BereinSbank........... BerkehrSbank.......... I Mföld-Badn........... ; irrrl-tzudwig-Baba. . Kais. Elisaberh-Habn. , Kais. yranz-IosesSb.. I StaatSbahn . . . üüdbahn............... 127.75 218.75 126.50 855. 26.50 60.60 962.- 4u.f,0 199.- y4.~ 8.- 74.- 139.50 248.- 196.50 198 — 818.— 140. Ware I Pfandbriefe. 69.40 SQg. ost.Bod..Tredit. 74.76 97. 106.50 iio.— 132.— 72. 74.75 128. Sit*. 128.50 860.- 26 75 61. 9*3. 41.50 800 94 50 8.25 76— 140. 248.51) 197.50 199.— 318.50 140.50 dk». in 33 3, «etioa. ö.W.......... llug. Bod.-Lreditaust. 1‘riorltäts-Obl. ffranz-IosefS-Bahn . Oest.-Nordwestbahn. Siebenbürger......... Staatsbahn........... Südb.-Ges.zu 500 ffr. bto. BcnS 6 t>$t. Lose. Erebit * L. . RudolfS.L. . Weehsel (3Mou.) «ugSb. 100 fi. südd.W. Ittaeff. 100 w „ Hambnrg.............. eonbon io «f. e-tcrl. variS 100 tfranc« . Münzen. Katf.Münz.D,c»tr». 20-KrancSstüS . . . Prrutz. Safienscheine. toilbcr.............. «Selb 95.-83.50 91 10 85.25 101. 96.75 75.75 138. 108 75 95.70 .158.L0 1 12.- 93.65 93.80 54.70 111.45 44.15 5325 8.92-1.65» 105 90 Ware 95.6C 84.- 91.30' 85.75 101 25 97.— 80.-138.50 109.— 96 90 169. — 12.50 93 80 93 95 64.80 111.55 44.25 6.33» 8.93 -1.65" 1V6.1V / Telegraphischer Kursbericht am S. Juni. Papi«x-«cnte 69 45 — Silber-Rcnte 74-85 — 1860c: