Dezember. 5. Kriegsnnmmer (Soldatennnmmer). Zwölfter Jahrgang. 1915. Folge 144. (Seite 3473 bl» 3504.) —> Blätter für den Abteilungsunterricht. tHonatschrift zur Förderung des österr. Sdiulwesens. (Schriftleiter: Dr. Rudolf Peerz.) o o o o o o Inhalt: Seite 1. Franz Hellmer.................................... 3473 2. ?!............................................... 3474 3. Ernst Moritz Arndt über die Völker des heutigen Vierverbandes ..................................... . 3476 4. Die Sicherung des endgültigen Sieges .... 3479 5. Der Pädagogische Gedanke als Sieger.............. 3479 6. Heldengräber................................., . 3481 7. Bilder aus der großen Zeit des Weltkrieges . . 3482 8. Sieg des Optimismus.............................. 3483 9. Zwei Schnitter................................... 3483 10. Die weiße Taube von Mont61imar.................. 3484 11. Ein Schulchristbaum............................. 3488 12. Weihnachtszuruf an die Leser der „Blätter“ . . 3489 13. Der letzte Brief von unserem treuen Mitglied«: F. Hellmer....................................... 3490 14. Kampfruf........................................ 3490 15. Ein Stoß Feldpostkarten......................... 3491 16. Vierter Ausweis über die zweite Kriegskrone der „Blätter“............................................. 3494 17. Kriegsbriefkasten............................... 3494 18. Talaufwärts durch den Krieg..................... 3496 19. Polack-Ecke..................................... 3497 20. Soldatenbüchlein für die österreichisch-ungarische Armee................................................. 3498 21. Der Sieg des Volkstums und der Kultur . . . 3504 Verlag der Blätter für den Abteilungeunterricht in Laibach. — Druck von J. Pavlicek In Qottschee. Jährlicher Bezugspreis 6 K (6 Mk, 7 Frk.). Für Lehrbefähigungsprüfungen empfohlen: Lehrbuch der Psychologie von k. k. Professor F. Schindler. (Verlag 0. Gollmann, Troppau.) 207 Seiten, 42 Textfiguren, 1913; eleg. Leinenband K 4. Urteile. Blätter f. d. Abt.-U.: Eine ganz ausgezeichnete Erklärung für den psychophysischen Verlauf der Geistesphänomene. — Angenehme instruktive Art. — Wissenschaftliche Fundierung der Beispiele. Päd. Jahresbericht (Dr. E. Meumann): Unter den elementaren Lehrbüchern der Psychologie gebührt dem Lehrbuche von Sch. eine besondere Stelle. — Sucht zu gunsten der Wissenschaft freizuhalten von autoritativen Traditionen. Schles. Schulbl.: Gliederung und Sprache lassen an Vollkommenheit und edlem Schwünge nichts missen. — Wärme des Tones vereint mit Durchsichtigkeit der Darstellung. Kärntner Schulbl. 1913: Nicht bloß L.-B.-A. und Prüfungskandidaten, sondern allen Kollegen empfohlen. — Vorzügliches Mittel zur mühelosen, angenehmen Auffrischung. Schaffende Arbeit und Kunst 1914: Das Lehrbuch ist sehr zu begrüßen. Es berücksichtigt die Errungenschaften der modernen Psychologie. — Wird vortreffliche Dienste leisten. österr. 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Poflfpatf. 91t. 58,218. 1 y ? unterricht In Laibach". Handschriften und Bücher an die Tchrlstleltung der Blätter für den AbtellungSunlerrtcht in MlcS (Böhmen). Österreichs Franz Hellmer starb an BauchtpphuS im Krankenhaus« zu Sarnlt-gorne (Ostgallzicn) und wurde dortselbst begraben. Eln einfaches Holzkrcuz trägt die Inschrift: „Er war ein braver Soldat." — H. rückte am 28. Juli 1914 zum Ersatzinfanterie-Regimente Nr. 85 ein, ging am 18. September 1914 ins Feld, wurde der Sanität zugetciit, rückte zum Titular-Feidwebel vor und erhielt erst vor kurzem eine SanitätS-AuSzeichnung. Mm 18. August d. I. erkrankt« er im Schützengraben. Obwohl sich ein Freund, dessen Abgang er In dem Briese auf Seite 3490 dieser Folge der „Bl." bedauert, seiner annahm, so war er doch nicht mehr zu rette». Er wurde au» dem Seuchenherde gezogen, zu spät. — LebcnSgang: Geboren am 28. November 1884 in Krukanitz (Böhmen); Besuch der Volksschule in Pernharz, der Bürgerschule in Tcpl, der k. k. Lehrerbildungsanstalt tu Mic»; Reifeprüfung mit Auszeichnung, desgleichen 1905 die LehrbefähigungSprllfung und 1912 die Prüfung aus Violin. — AnstcllungSorte: Wranow bei Pilsen, Trpist, Pernharz (prov. Schulleiter), Tuschkau (Dors), Supplent an der k. I. übungsschule in Mlcs, Lehrer in Trpist. Würdigung: „Hellmer! Wir wollten au» Dir, der Du in der Arbeit für Schule und Volk ein seltene» Talent verraten, Im Umgange einen starken, kristallklaren Charakter gezeigt, als Genoß ein Herz voll lauterster Freundschaft ausgetan hattest, einen Führer formen, aus daß Du unser Vermächtnis hehütet hättest und gemehrt. Das Vaterland hat Dich als Opfer gefordert. Ein schweres Opfer! Wir müssen c» verschmerzen im Anblick der hohen Sache, die uns zu allem Ertragen verpflichtet. Aber wir werde» Dir in der Lehrerschaft et» Denkmal errichten, das an Wirkung einen Teil von der erhofften lebendigen Tat auöstrahle» und der Jungmannschaft ein Ideal von Männlichkeit und Treue werden wird. — Die „Bl.", z» denen Du so treu gestanden, ste bleibeniDeine Heimat auch iibcrS Grab hin«»»." — Lehrerhelden in dem Großen Kriege 1914-15. ?! „Volksschullehrer?! Die Hube ich in mein l)erj geschlossen." General v. pliisfotv. In einem Lazarett war es. General v. plüsforo ging von Bett zu Bett und spendete Trost. Da kam er auch zu einem Schwerverwundeten. „Was ist der Mann im Zivil?" — „„Volksschullehrer, Herr General!"" — Und nun folgte der inhaltsschwere Satz: „Volksschullehrer?! Die habe ich in mein Herz geschlossen." . . . Welche Zartheit der Empfindung hat der Berichterstatter in die Zeichensetzung gelegt I — ?! — Der General fragt sein Gewissen, sinnt, ist entzückt, hört einen Strom hochgehender Gefühle in seinem Inneren rauschen, . . . gleitet jedoch allsogleich in tiefen Ernst über, da er der blutenden Helden aus unserem Stande gedenkt, da er die zahlreichen (Opfer überschaut und wohl auch die zukünftige Sendung unseres Amtes erwägt. All dies äußert sich in den glücklich gewählten Satzzeichen. Indes, wir wollen nicht bei der sprachlichen Feinheit verweilen, so verlohnend es wäre, einmal aufzudecken, wieviel Seele in einer sinnvollen Interpunktion liegt, sondern dem Gedankenzuge des Generals nachgehen und ihn womöglich auf unsere Gefilde zu bringen trachten. — „Warum", so muß sich jeder fragen, der noch nicht von unseren Braven gehört hat, „mag wohl der Kommandeur gerade die Lehrer ins Herz geschlossen haben?" Die $tage wird von dem, der den Krieg nicht sah, bloß nach der Seite der außerordentlichen Tapferkeit beantwortet werden; sein Blick fällt auf die augenscheinlichen Ereignisse, fein berechnender Geist zählt aus den Listen der Ausgezeichneten die einzelnen Stände und forscht bei den Heimkehrenden nach dem äußeren Ehrenzeichen. Das allein wird den General v. Plüskow nicht zu dem Ausspruche bestimmt haben. In ihm ward es vor allem klar, daß der Lehrer als (Offizier und als Wann beispielgebend focht und darum die Nassen mit sich fortriß; der Schul m ei st er war zum Löwen geworden. (Ob er nun im Gewühle rang oder auf Posten stand oder im Lazarett wirkte oder die Kanzleiarbeit versah oder im Train marschierte oder das Auto lenkte oder den Draht von Stellung zu Stellung spannte oder in der Patrouille kroch: immer zeigte er Gewissenhaftigkeit und strenge Pflichterfüllung. Konnte es nun noch schwerfallen, den Schluß von der allgemeinen Erscheinung, die uns bei dem durch die Neue Schule gegangenen Geschlechts Leistungen von ungeahnter, niegekannter Größe zeigte, auf die allgemeine Ursache dieser gewaltigen Wirkung zu ziehen? Wenn hier der Neister das Höchste schafft und daneben der Schüler es ihm gleichtut: Wer war da wohl der treibende Faktor? Die militärische Schulung allein hätte das, was aus dem tiefsten Schachte des menschlichen Wollens kam, niemals in dieser gigantischen Entfaltung wecken können. Kräfte, die so mächtig und so nachhaltig hervorquellen, müssen vom ersten Tage des Erdenwallens an gepflegt worden sein; das, was später hinzutritt, ist zwar eine nach innen wirkende Schale — Abhärtung, Disziplin, militärischer Schwung — aber nimmer das Sichimmerwiederneuende, Ewigschaffende, Ursprüngliche. Jie tiefsten Wurzeln der großen Jat des Weltkrieges liegen in der deutschen Aamilie und in der deutschen Schule. — Mit dieser Betrachtung sind auch jene berichtigt, die alles Wollen mit dem Erkennen in ursächlichen Zusammenhang zu bringen sich bestreben. Ich gebe zu, daß die „Sache" dem Wollen in seiner ersten Regung Halt und Richtung gibt; allein würde es dabei verbleiben, würde bloß die Vorstellung das Treibende sein, es stünde übel um unsere Tat im Feld. Da war weder der Blick auf die grause oder die glückliche Zukunft noch der Befehl noch der zerstörende Feind u. a. mehr maßgebend, sondern, was die Sehnen spannte und die Fäuste ballte und Hunger und Kälte ertragen half, das war etwas Unbewußtes, Ungelöstes, Ungewolltes im Sinne der gegenständlichen Begründung — das war das Ich, wie es 3475 aus Familie und Schule hervorgegangen, die pestalozzifche Kraft des Wassens. Und die hatte der geistvolle General erschaut .. . Aber noch mehr. In seiner Seele enthüllte der Anblick des schwerverletzten Volks« schullehrers ein bedeutungsvolles Bild von der Zukunft des Vaterlandes. Der da mit dem Tode rang, erschien dem General als Kräger des großen Staatsgcdankens, wie er zurzeit den Schlachtfeldern entsteigt. Was so herrlich in Wirkung trat, erheischt umso größere Pflege, auf daß es bei kommenden Ereignissen sich verdoppele; denn nur zu klar haben es die Feinde erschaut. Sie werden es sich zueigen machen wie die neueste Form des Geschützes und die neueste chemische Erfindung. Also ist cs Pflicht des Urinhabers, auf dem Gebiete noch Tüchtigeres zu leisten, um den Vorsprung zu wahren. Demnach werden Schule und Lehrer das Schlagwort für die deutsche Militärverwaltung, ja ein Verbindungsstück von geistiger zu wehrhafter Ausbildung sein müssen. Ich habe es einem unserer Heerführer, als er die Tüchtigkeit der Lehrersoldaten pries, ohne Helfl gesagt: „Und darin, Exzellenz, kann unserer Kriegsbehörde der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie sich bisnun zu wenig um die Volksschule gekümmert hat. Das Kind gehört zunächst dem Staate und dieser hinwiederum hat zuvörderst auf seine Sicherung bedacht zu sein. Also nmß der, dem die Verteidigung obliegt, Nachsehen, wie seine zukünftigen Soldaten von unten auf gebildet werden!" —Der General nickte und meinte: „Es wird geschehen \“,— Nichts anderes liegt in dem Satze des Herrn v. plüskow. Und doch noch mehr! Unsere Heerführer sind nicht nur gewiegte Taktiker, sondern auch weitausschauende Politiker. Wer es anders vermeint, hat noch nicht Gelegenheit gehabt, mit ihnen abseits von der großen (Öffentlichkeit, in einem stillen Winkel unbelauscht, zu plaudern. In der traulichen Ecke oder droben im Berge auf einer einsamen Bank hörte ich, indes die Geschosse sangen, zuweilen Reden, die mir den Berufspolitiker in lächerlicher Winzigkeit erscheinen ließen. Hier sprach nicht die Zeitungsphrase, nicht die parteisophistik, sondern der gesunde, unbeeinflußte Geist eines abseitsstehenden Zuschauers. Und was in unseren Militärs so tatvoll webt und alles umspinnt, das ist der eherne Gedanke an das ganze große Vaterland. Wir, die wir im parteigezänke gediehen und von Parteiblättchen genährt werden, drehen uns in einem kleinen Kreise. Wehe, wenn unser Blick auf weitere Gebiete fiele! Schon das andere Idiom wird uns verübelt. Der Soldatpolitiker nimmt indes das Vaterland, seine ganze Geschichte, seine Stellung im Staatengefüge, seine Zukunft als Ganzes. Dadurch wird diese Politik großzügig, der Zeit, die mit weitem Schritt die Well durchmißt, angepaßt. — Die Ausschau von dieser Warte nun zeigt in Österreich mehr denn im Deutschen Reiche, daß der Volksschullehrer, der sich im Kriege als Führer und im Frieden durch feine Wirkung auf die zukünftigen Soldaten als staatserhaltender Faktor allerersten Ranges erwiesen hat, nunmehr, da man an die engere Fügung der Reichsteile bedacht ist und ein unauflösbares, starkes Vaterland schmieden will, jener werktätige Genoß sein wird, der den Staatsgedanken in den äußersten und den innersten Winkeln wahrt und festigt. Kiue pertrauensperfon der Uegierung, der von keiner anderen Seite öeeinffnßte Vertreter der Staatsidee, der Patriot in lauterster Gestaltung — das wird der Wolksschulleßrer von jehtaö werden müssen, soss asses, was im Werden ist, nicht Kloß als Wart geschichtliche Bedeutung erlangen, sondern auch als Kat den liefen Sinn der pragmatischen Sanktion zeigen. Dazu ist aber nötig, daß man den Mann, dem eine so hehre Aufgabe zugeteilt wird, der Lebensnot entrücke, völlig unabhängig mache, ihn in den Staatskörper einbeziehe, damit er mit offenem Herzen die Seele des Reiches in sich aufnehmen und in voller Kraft auswirken laste! 3»«rj. Ernst Moritz Arndt über die Völker des heutigen Vierverbandes. (Schluß.) Minder herb, auch nicht so scharf zugespitzt, so trotzig im Absprechen alles Guten ist das Urteil, das wir bei Arndt über die Russen lesen. Aber auch in dem Abschnitte, der von diesem Riesenvolk, das zu Arndts Zeit schon „in Europa beinahe über die Hälfte des Weltteils“ herrschte, handelt, geht des Dichters ganze Seele bei der Schilderung mit. Er nennt die Russen mit Schlözer eine „große Nation“; „ein Name,“ sagt er, „den ihnen kein Volk streitig machen kann, so lange man die Größe des Leibes meint.“ „Aber,“ fährt er fort, „es gibt verschiedene Größenmaße und mehr als eine europäische Nation mit wohl vereinter Kraft würde selbst von diesem ungeheueren Koloß nichts zu fürchten haben. Mißt man vollends mit geistigem Maß und nach den Verdiensten und Arbeiten eines Volkes für die ganze Menschheit, so wiegen manche Völkchen auf einem Flächeninhalt von 500 bis 1000 Quadratmeilen ebenso schwer als bis jetzt die Russen. Was sie einst für Nordasien werden könnten, das sind sie noch lange nicht. Doch die große Nation sollen sie heißen mit eben dem Recht wie die Franzosen, denn seit hundert Jahren haben sie sich brav geschlagen und trefflich ihre Grenzen gerundet. .. Rußland hat die nachteiligste Lage von allen europäischen Ländern. Will man auch annehmen, der Teil Polens, den es jetzt besetzt hat, dürfe zu seinen Grenzen gehören und werde auch künftig dazu gehören, so hat doch das Land für seinen weiten Umfang zu wenig Meer und also zu schwere Verbindung mit fremden Völkern und mit fremder Bildung. Das Eismeer ist dem Schiffer fast unzugänglich, die Ostsee und das Schwarze Meer sind den mittleren Provinzen weit entlegen, vor dem Schwarzen Meer liegen auch die Steppen, doch fließen große Ströme dahin. Aber wie verschlossen ist dieser Weg! Denn sobald Rußland über die Dardanellen wird gebieten wollen, wird dieser Staat sterben. Das Schlimmste aber ist die Natur des Landes, die nördlich und östlich nie die Kultur des übrigen Europa erlaubt. Der Ural und seine Grenzen werden ewig geistigen Tod haben; kein freudiges Bürgerleben, kein frisches Reiben der Kräfte — und des Drucks von außen bedarf der Mensch und das Volk, daß sie nicht einschlafen und träumen. Schon sind die Grenzen zu weit. Rußland kann vielleicht weiter dringen und herrschen, aber jeder Schritt vorwärts ist ein Schritt dem politischen Tode näher. Konstantinopels und Kleinasiens Eroberung durch die Russen, die möglich, aber nicht leicht ist, würde das jetzige Rußland klein machen ... Und die geistige Bildung? Die Ersten und Weisesten des Volkes treiben es gewaltig fort, aber das Höchste und Menschliche wird nicht durch zufälliges Treiben, es wächst aus einem freieren Keim. Auch hier sind der Hindernisse unendliche ... Über den Charakter eines Volkes urteilen ist das Schwerste. Man tut den Russen wohl nicht Unrecht, wenn man sie nicht zu den edelsten Völkern Europens zählt. Schon ihre Entstehung macht es erklärlich, daß sie es nicht sind. Es mag gut sein, daß zwei, drei Völker sich zuweilen zu einem mischen, aber daß aus zehn oder zwanzig verschiedenen Völkern endlich eine große und treffliche Nation zusammengemischt sei, kann keine Geschichte bezeugen; wohl aber weiß sie, daß edle Völker auf diesem Wege ausarteten ... Schon die ersten Skandinavier, die Stifter und Eroberer, des Volkes, zwangen aus der Masse von fünf, sechs Völkerschaften das eine Volk zusammen, welches, vielleicht nach ihnen genannt, künftig die Russen hieß; aber später die mongolischen Stürme und Überschwemmungen — welch ein häßliches, gemeines Volk überströmte da die Nation oder vielmehr welche Sintflut von Völkern, welche sie aus dem äußersten Osten mit sich trieben I Wer nicht glaubt, daß von diesen viel Blut in Rußland geblieben und mit den früheren Stämmen zusammengeflossen ist, der kennt weder Gesichter noch Geschichten." Arndt erinnert weiter an das strenge Urteil Friedrichs II. über die Russen. Dieser berufene Kenner von Menschen und Völkern habe sich geäußert: „Der Charakter der russischen Nation ist eine Mischung von Mißtrauen und Schlauheit; faul, aber eigennützig, haben sie die Gewandtheit zum Kopieren, aber nicht das Genie der Erfindung.“ Diesem Ausspruch stimmt der Verfasser des „Geistes der Zeit“ nicht ohne weiters zu. „Was anfangs nicht im Menschen war,“ meint er, „wird durch Gewohnheit von Jahrhundert zu Jahrhundert endlich mitgeboren und ein Volk bekommt einen Sinn, welchen der Mensch von Natur nicht hat... Ich habe viele Russen gesehen, und zwar gemeinen Schlages, denn nach prinzlichen, magnatischen Aristokraten muß man keine Nation richten, ln den Gesichtern der meisten ist etwas Mattes und Totes, was nicht allein den Knecht bezeichnet. Es ist Mangel der Naturfülle in den Physiognomien. Stolzen Ausdruck, freien Sinn konnte der lange knechtische Zustand, der doch immer noch fortdauert, aus den Gesichtern noch auslöschen ... Nein, es ist hier alles kleinlich und beschränkt von Natur; gewöhnlich ein rundes Köpfchen, selten eine hohe Stirn, die Augen klein, die Nase fein, der Mund hübsch, aber ohne Fülle, und ebenso das Kinn ... Das Volk ist im höchsten Grade talentvoll und im Nachmachen und Lernen läßt es wohl alle ändern Europäer 3477 zurück. Wer aber so leicht Fremdes lernt, beweist, daß er nicht viel eignen Instinkt hat. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Russe die fremdeste Sprache bis auf die kleinsten Unterschiede und Schattierungen des Sinnes und der Töne faßt... Im geschäftigen Leben kann man nichts Listigeres und Gewandteres sehen als die Russen, wenn sie nur irgend eine Abschleifung erhalten haben ... Auffallend aber liegt der Charakter der Schlauigkeit und Verschmitztheit im Auge; es ist darin ein beweglicher und schlüpfriger Glanz, der vielleicht orientalisch ist, den ich aber im auffallenden Grade auch an manchem Finnen bemerkt habe, denn auch das sind verschlagene Gesellen ... Es ist doch Mut und Tapferkeit in dem Volke und wo die sind, da sind auch die Anlagen zu allen Tugenden. Lange Knechtschaft, die noch nicht ganz vertilgt werden kann, konnte hier wohl viel Schlechtes erzeugen, klimatische und zufällige Wirkungen mancher Art kommen dazu. Die Vergangenheit und Gegenwart beweist oft für die Zukunft nichts und wir dürfen nicht Vorurteilen, was bei den Enkeln geschehen kann.“ Auch die Italiener verfallen bei Arndt nicht einer unbedingt verwerfenden Kritik. Im Mittelpunkte der Charakteristik dieses Volkes steht wieder ein Wort Montesquieus, das bei Arndt in allerlei Wendungen wiederkehrt: „Eine freie Nation kann einen Befreier haben, eine unterjochte bekommt nur einen ändern Unterdrücker.“ „Frei zu sein,“ sagt er, „taugen die Italiener nicht, aber 16 Millionen Menschen können ein Volk werden unter einem Herrn und durch Ordnung und Zucht könnte ein besserer Stamm für die Zukunft erwachsen ... Die Italiener waren einst herrlich. Hier ist der Kampfplatz, wo die übrigen Völker Europens ihr dankbares Gesicht wenden und beten müssen. Hier ist Rafael, Michel Angelo, Leonardo und Allegri geboren, hier hat Dante und Ariosto gesungen, hier ging den verfinsterten Europäern das Licht der Wissenschaft auf und das Pfaffentum fiel. Friedrich II. von Hohenstaufen, Kosmus der Alte, Andreas Doria, Pescara, Alexander von Parma, Montecucculi, Prinz Eugen, Nikolaus und Sixtus die Fünften, Kolumbus, Galilei, Filanghieri — welche Namen genialischer und gewaltiger Menschen! Und ein Land, das Solches erzeugen konnte, sollte auf immer zur Schmach verdammt sein? Die Natur behauptet ihre ewigen Rechte, ihre Wirkungen und Zeugungen sind bleibend, wenn der Mensch sie nur frei läßt... Die lustige und schwärmerische Gestalt der lieblichen Natur floß einst wie ein goldener Strom durch die schöne Kunst und das kräftige Leben der Väter. Welche idealische Geistigkeit voll üppigen sinnlichen Lebenssaftes liegt in den Taten und Werken dieses Volkes! Wie vollgestaltet, wie lebendig, wie klar ist alles! Doch liegt hinter den meisten ein gewisser sündlicher Reiz, eine unbewußte Verdorbenheit, welche die Lebenshaltung eines solchen Klimas freilich trägt, wodurch aber das Gefühl des treuen und wahren Nordländers leicht verwundet wird. Was sind die Trefflichen geworden unter der Knechtschaft der Fremden? Sie sind erniedrigt, schlecht und entartet, aber so sehr nicht, als sie der Unverstand und die Unbehülflichkeit des Nordländers oft gemacht haben ... Von Weisen und Helden darf man bei einem solchen Volke kaum sprechen. Aber es sind noch die alten Menschen voll Naturkraft, Genialität, sprudelndem Witz und Talent. Der fremde Wanderer sieht sie mit Verwunderung und Mitleid. Hier, wo alles verrucht und giftig wird, was sich nicht sinnlich kräftig entwickeln darf, wirkt die edelste Kraft endlich am verderblichsten. Kastraten und Beutelschneider werden, die als Künstler und Staatsmänner hätten glänzen können, und manche verlorene Natur eines Sprechers und Befreiers der Menschheit, eines edlen Feldherrn mordet in roher Banditenfreiheit in den Wäldern des Apennin und des Ätna. Die Flamme muß an das Leben, wenn man sie auch mit ganzen Meeren verschüttet. O, ich kann die Italiener verteidigen, und wenn alle es verdammen, ich wundere mich, daß ein so unglückliches Volk noch nicht schlechter ist.“ Soweit die Hauptgedanken Arndts, die hier unmittelbar in ihrer ersten Fassung wiedergegeben sind. Verschiedene Leser werden über der Lektüre verschiedene Gedanken denken; aber beachtenswert sind diese weitausschauenden Kritiken über die uns heute feindlich gegenüber stehenden Nationen auf jeden Fall. Selbst in den leidenschaftlichsten Stimmungsausbrüchen wird man wohlerwogene ethische Real- und Erfahrungsurteile finden, die in freien Linien, aber nirgends weit über dem Boden der Wirklichkeit hinschweben. Kein Deutscher, dem Volk und Vaterland am Herzen liegen, sollte dem machtvollen und gedankenträchtigen Buche des alten Arndt heute sein Interesse versagen. Aber noch etwas anderes, was im Anschlüsse an die aus dem „Geist der Zeit“ ausgehobenen Stellen hier ausgesprochen werden soll, ist dies: Arndt soll in unseren Tagen überhaupt mehr in die Hand genommen und gelesen werden. Und da stünde die weitere Frage auf: Von welchen Prosaschriften des großen Vaterlandssängers müßte heute ein volksbewußter Deutscher zum mindesten Kenntnis haben? — Ich denke da zunächst an einige Flugschriften aus den Jahren 1812—1814, die zu unserem heutigen Weltkriege immerhin in eine engere Gedankenbeziehung zu bringen sind und dem modernen Leser bei der Gliederung, Formung und Objektivierung der eigenen großen Erlebnisse des Tages dienlich sein können. Es sind dies: 1.) Der „Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann“, gewöhnlich kurz „Soldatenkatechismus“ genannt; 2.) „Was bedeutet Landsturm und Landwehr?“-, 3478 3.) „Das preußische Volk und Heer im Jahre 1813“; 4.) „Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze.“ Wenn die ersten beiden Flugschriften, an die markige Sprache Luthers gemahnend, in die Werdezeit einer Einrichtung, die für die Heere der verbündeten Zentralmächte so unendliche Wichtigkeit erlangt hat, zurückversetzen und zugleich die patriotischen Aufgaben des Kriegsmannes darlegen, spiegelt die dritte Schrift: „Das preußische Volk und Heer“ die Begeisterung wider, die nach dem bei Leipzig errungenen Siege alle Deutschen ergriffen hatte. Arndt, der bekanntlich seiner Geburt nach kein Preuße war, stimmte hier einen großartigen Hymnus auf den Volksstamm der Preußen an und mußte sich schon von einem österreichischen Kritiker seiner Zeit den Vorwurf gefallen lassen, daß er etwas einseitig geurteilt habe. Indes das verschlägt uns heute nichts. Die begeisterte Darstellung packt in unseren Tagen gewiß jeden Deutschen in Nord und Süd und darum verdiente es die Flugschrift, die uns die preußische Tüchtigkeit des Jahres 1813 auf dem Untergründe einer trüben Vergangenheit in kräftigen Strichen vorführt und mit einer Mahnung an Preußens König und die anderen deutschen Fürsten schließt, dem Geiste der Zeit freien Lauf zu lassen, gerade in unseren Tagen recht viele Leser, besonders auch unter der Jugend und unter unserem tapferen Kriegsvolke, zu finden. Oder sagt der von den Blutsbrüdern aus allen Landen deutscher Zunge geführte Heldenkampf von heute nicht Ja und Amen zu dem warmherzigen Gebote im Soldatenkatechismus, das da heißt: „Ihr sollt einander lieb und wert haben wie Brüder, alle die in deutscher Zunge reden, von der Ostsee bis zu den Alpen und von der Nordsee bis zum Niemenfluß, daß hinfort nicht mehr gehöret werde Österreich und Preußen, Bayern und Tirol, Sachsen und Westfalen, sondern Deutschland, deutsche Ehre, deutsche Freiheit, deutsche Tugend der allgemeine Klang sei und die Losung?“ — Die im Jahre 1814 erschienene Schrift „Der Rhein, Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze“, eine Abhandlung, die Arndt selbst zu seinen bestgelungenen gerechnet haben soll, zeigt uns den Dichter wieder als den alten Streiter, der mit den Waffen des Geistes die nationalen Güter verficht. Besorgt und erzürnt verteidigt er Deutschlands Ansprüche auf die linke Rheinseite und fordert, daß Frankreich bis zur Sprachgrenze zurückgedrängt werde. Von den angeführten Flugschriften sind die Schrift von der Landwehr und der Soldatenkatechismus in ihrer schlichten Sprache für den einfachen Mann berechnet und stellen keine besonderen Anforderungen an geschichtliche Kenntnisse; die beiden letztgenannten setzen allerdings eine etwas gereiftere Auffassungs- und Denkfähigkeit und eine gewisse Vertrautheit mit der Geschichte der Napoleonischen Zeit voraus. Jedenfalls sind alle die angeführten Arndt sehen Prosaschriften in der gegenwärtigen herrlich-großen und gewaltigen Zeit, da die ungeheure Kraft des deutschen Volkes bis zum ragenden Hochgipfel ihrer Entwicklung geschwellt ist, ein guter, gesunder und förderlicher Lesestoff für jung und alt. Die mannhaften Gedanken des natursinnigen, glaubensinnigen und volkskundigen Rhapsoden der vaterländischen Ehre, dem ein Strahl von Schillers hohem Geiste die Seele erleuchtete, werden ins graue Sorgeneinerlei des Tages sicher die hellen Perlen reiner Lust und völkischer Erhebung säen. Um meinen Wünschen nach mehr Pflege des alten Arndt auch einige Stütze zu bieten, führe ich von handlichen und billigen Ausgaben seiner kleinen Prosaschriften noch einige an. Unter dem Titel „Kleine Schriften von E. M. Arndt“ sind unter den von Jonas bei Oehmigke in Berlin herausgegebenen Volksschriften 1895 die Landsturm-Schrift und die Schrift vom preußischen Volk und Heer, ferner zwei schöne Kapitel aus dem Soldatenkatechismus abgedruckt worden. Das Büchlein kostet nur 40 Pf. Die Schrift vom Rhein ist im Bibliographischen Institut für 10 Pf. zu haben. Die bei Dürr in Leipzig 1908 erschienene „Auslese aus Arndts Prosaschriften“ von Rud. Müller enthält u. a. einen Abschnitt aus dem 3. Teil des „Geistes der Zeit“, einige Kapitel aus dem Soldatenkatechismus und die Flugschriften „Das preußische Volk und Heer“ und „Was bedeutet Landsturm und Landwehr?“ Auch in dem Bändchen „Die Befreiung 1813—1814—1815“. Urkunden, Berichte, Briefe mit geschichtlichen Verbindungen von Tim Klein. Ebenhausen bei München 1913, Verlag Langewiesche, einer prächtigen Sammlung von Urkunden deutscher Not, deutschen Zornes und deutscher Größe, einem Büchlein, das nur den einen Ehrgeiz hat, die Wahrheit, und nur eine Liebe: das Vaterland, finden sich treffliche Goldkörner Arndt scher Prosa aus dem Soldatenkatechismus, aus der Schrift vom Rhein und den übrigen genannten Flugschriften. Der Segen, den ich mir von der Lektüre dieser Arndt-Büchlein verspreche, die das Beste enthalten, was ein deutsches Herz deutschen Herzen zu sagen hat, und die Geheimnisse einer längst zur Ruhe gekommenen deutschen Dichterseele mit unheimlich lebendiger Gewalt aufleuchten lassen, dürfte kein geringer sein. Sind es doch Töne, die in jeder deutschen Brust ein Echo wecken, und Worte, die jedes Leben der Denkenden unter uns mächtig bereichern können. Flor. Hintner. 3479 Zur Sicherung des endgültigen Sieges. Aus der Marienbader Rede von Dr. Rudolf Peerz „Die gegenwärtigen sozial-politischen Aufgaben der Lehrerschaft." (Verlag des Marienbader Bezirkslehrervcreines. Preis 40 h.) . . . Neben den Aufgaben, die unsere Standesbrüder im Feld sv glänzend gelöst haben, die wir in ihrer Vollendung als Begeisternngsstrom über die nachrückenden Truppen rauschen lassen, die wir gelegentlich der Elternabende erledigen, indem wir das große Ereignis in den Zusammenhang der historischen Tatsachen stellen, indem wir mit dem Blick auf kommende Zeiten geeignete Erziehungsmaßnahmen treffen und damit ein kraftoolles, pflichttreues Geschlecht bilden, gehört auch die militärische Schulung aller, die noch daheim blieben und noch kriechen und die Büchse spannen können. Wissen wir, wie der große Waffeugang endet, wie lange er noch dauert, ob er nicht noch unsere äußersten Kräfte braucht, ob es nicht zum Volkskriege, in dem jeder mitmarschiert, kommt? Wie gut, wenn wir für eine solche Zeit unser Massenheer bereithalten I Heischt die Not nicht den letzten Mann, umso besser; doch schädlich war es sodann sicherlich nicht, daß wir auch ihn noch gerüstet haben. Wenn aber der Kaiser immer tiefer greift, wenn die Generalmusterung erfolgt und zum Generalsturm des Reiches gerufen wird, so rüden wir unsere Dvrfkompagnie ins Feld und führen sie dem Obersten Kriegsherrn in Reih' und Glied vor. Die Einrichtung, die ich damit im Sinne habe, besteht darin, daß allsvnntüglich nach dem Gottesdienste die männliche Jugend vom 14. bis 20. Lebensjahre sich zu einem militärischen Exerzieren einfinde. Wenn dabei nichts weiter erarbeitet wird, als daß der soldatische Sinn seine Pflege erhält und Rechtsum und Linksum in die Knochen kommen, so ist das schon nicht bedeutungslos. Bedenken Sie bloß, wie rasch zurzeit die militärische Ausbildung abgewickelt werden muß, wie dankbar uns also der Kaiser ist, wenn wir dem Nachschub ein paar Grundbegriffe und ein bißchen Beweglichkeit mitgeben 1 Und wie mit der Uniform in die jungen Leute mit einemmale ein neuer Geist einzieht, so ist es bei dem Kommando des Dorfosfiziers, des Lehrers. Ob man nun gedient hat oder nicht, soviel steckt in jedem, daß er sich an die Spitze des bunten Korps, das dermalen auch bis zum 60. Jahre greifen kann, stelle und dem erwähnten Zweck seine Sonntagsrast opfere. Kommt der Friede, ehe wir das Letzte Aufgebot in die Front führen, umso besser; aber wir verwahren dann das als bleibendes Verdienst für uns, dem Vaterlande nicht allein unser Herzblut geweiht, die Begeisterung geliehen und die Hilfe für die Verlassenen geboten, sondern auch ein Heer bereitgehalten zu haben, das in sch werft er Zeit nachgerückt wäre. Ja, wenn alle Genossen das Volk mobilisieren und militärisch schulen, werden die Großen im Rate der Krone aushorchen und erkennen, welch ein bedeutsamer Faktor die Lehrerschaft ist und wieviel Staatskraft in ihren Händen liegt. Was wir auf solche Weise boten, ist dann vollendetster Patriotismus der Tat. (Donnernder Beifall.) ____________ Der Pädagogische Gedanke als Sieger. Von Prof. Dr. Eduard Burger in Innsbruck. (Erstdruck.) Wir haben der großen Zeit ins Gesicht gesehen und es ihr mit flammendem Zorn auf unser ehrliches Schwert zugeschworen: wir werden, wir müssen siegen, weil wir siegen wollen. Durchhalten! ist die Sprache des Heldenmutes derer im Felde, ist die Sprache des Opfersinnes derer daheim. Durchhalten bis zum unausbleiblichen, endgültigen Siege! Kündet leuchtende Morgenröte im Osten bereits aufgehende Verheißung? Wir müssen, wir werden siegen! Denn wo der Deutsche steht, kämpfen Stärke und Zucht, Freiheit und Gesetzlichkeit, Hingabe und Pflicht, Unterordnung und Selbständigkeit, Bildung und Sittung, helfen als Treugenossen die Sprößlinge einer jahrhundertalten, zu lebensvoller Innerlichkeit gesteigerten Nationalerziehung. Der pädagogische Gedanke ist heute der Schlachtengott, der den Sieg verleiht. Jena für Preußen, Königgrätz für Österreich sind Warnungstafeln der Mißachtung des Pädagogischen Gedankens, Denkmale der Ehrung sind Sedan und der glorreiche Weltkrieg vor allem, in welchem zum erstenmal auch das österreichische Reichs-Volksschulgesetz seine Feuerprobe besteht. Wider Willen und überstürzten Eifers huldigen dem Pädagogischen Gedanken nun selbst die Feinde; doch nimmermehr vermögen in Monaten sie zu erreichen, wozu deutsche Tüchtigkeit in Jahrzehnten gereift ist. 3480 Wahrheit und Klarheit ist der Fundamentalsatz alles Denkens und hohe Worte, hinter denen keine klaren Vorstellungen stehen, dienen leicht der eigenen Berauschung und der Täuschung anderer. Daher ist nicht überflüssig die Frage: Was ist der Pädagogische Gedanke? Der Pädagogische Gedanke ist die in die Tat umgesetzte Macht der Erziehung, Erziehung im weitesten Sinne verstanden. Also nicht lediglich auf die Volksschule, sondern ebensowohl auf die Mittelschule und ganz besonders auf die Hochschule kommt es an. Daneben dürfen als Erziehungsfaktoren Natur und Gesellschaft, Familie und Überlieferung keineswegs übersehen werden. Nur so erklärt sich der merkwürdige Umstand, daß manche österreichischen Regimenter, deren Angehörige in größerer Zahl sich nicht allzu weit vom Analphabetum entfernen, zu den besten Truppen der Armee zählen. Freilich die denselben Gebieten entstammenden Reserveoffiziere liefern den Beweis, daß eine gediegene Schulbildung die Leistungsfähigkeit noch ganz ansehnlich zu steigern vermag. Gerade solche Beispiele wirken aufklärend dort, wohin unsere Stimme sonst selten dringt, und wir Lehrer — so dürfen wir hoffen — werden nach dem Kriege in den leitenden Militärkreisen die stärksten Bundesgenossen für eine großzügige Erziehungsreform finden. (Anfänge hiezu sind bereits fühlbar. D. Sch.) Schon heute steht fest: nicht nur zu unserer Behauptung im Kriege hat es des Pädagogischen Gedankens bedurft, sondern noch mehr benötigen wir sein beim Wiederaufbau und Neubau, bei der Erfüllung der dem mitteleuropäischen Staatenbunde gesteckten großen Kulturaufgaben der Zukunft. Ist ja doch das dem Pädagogischen Gedanken eigentümliche Reich mehr der Friede als der Krieg und für diesen, den großen Wertzerstörer, müht er sich überwiegend als Kraftaufspeicherer. Von dem Wirken des Pädagogischen Gedankens in der kommenden Friedenszeit läßt sich in mehrfacher Hinsicht Sieghaftes erwarten. Zunächst handelt es sich um das Verhältnis des einzelnen zum Pädagogischen Gedanken. Erziehung heißt Weckung und Fruchtbarmachung von Kräften, heißt Entwicklung und Aufwärtsbewegung, heißt Anstrebung des Ideals individueller Vollkommenheit, Persönlichkeit genannt, Ertüchtigung des Körpers ist das eine, Ertüchtigung des Geistes ist das andere und hier wiederum nicht überwiegend oder gar ausschließlich Willensbildung, wie uns manche Neuesten einreden wollen, sondern neben der Bildung des Interessenehmens steht gleichberechtigt die Bildung des Vorstellens und des Urteilens. Übrigens ist eine Trennung weder theoretisch noch praktisch möglich, denn jedes Wollen ist auf ein etwas gerichtet und dieses etwas ist eben ein Vorgestelltes und ein Beurteiltes. Zudem wollen wir das bekannte normative Dreigestirn nicht missen: Sittlichkeit als Idealität des Interessenehmens, Wahrheit als Idealität des Urteilens, Schönheit als Idealität des Vorstellens. „Willensschule“ ist ein tönendes Schlagwort, von dem sich nur der Nicht-Psychologe blenden läßt. Pflegstätte jenes gesunden pädagogischen Individualismus, der echte Menschenbildung bezweckt und auch die scheinbare Antithese des pädagogischen Sozialismus zur wundersamen Einheit sich vermählt, ist die Arbeitsschule, die Schule der Selbsttätigkeit, der Spontaneität. Sie ist die unserem kulturellen Gefüge entsprechende Form der Erziehungsschule und zugleich die pädagogische Nutzanwendung aus den Erfahrungen des Weltkrieges. Zuzweit erklärt sich der Pädagogische Gedanke als Wirkungsfeld die Nation. Hier ist das Problem in das Gebiet des politischen Lebens gerückt; der Nation als historisch-ethnischer Individualität tritt der aus dem Zusammenleben der Nationen hervorgegangene Gesamtstaat gegenüber. Für den Deutschen in Österreich löst sich der Zwiespalt leicht. Der Deutsche ist an der Wiege des Donaustaates gestanden, zu allen Zeiten ist er in kultureller, politischer, wirtschaftlicher Beziehung sein festester Kitt gewesen und im blutigen Völkerringen der Gegenwart hat er, ohne Unterschied der politischen Parteischattierung, gern und freudig sein Treuopfer für die Dynastie dargebracht. Anderseits ist die Einsicht in die Interessengemeinschaft der beiden Zentralstaaten gewachsen, die Überzeugung von der Wichtigkeit, ja Notwendigkeit der Existenz und Stärke des einen für den ändern. Österreich zumal hat die weltgeschichtliche Sendung, seine verschiedenen Völkerschaften durch deutsches Edelmetall zu legieren und für die Verbreitung der mitteleuropäischen Kultur als tragfähiges Brückenstück auf dem Wege nach dem Orient zu dienen. Die deutsche Nationalschule, welche aus dem Vollbesitze der nationalen Güter schöpft und sie in lebendige Kraft überführt, ist in diesem Sinne eine wahrhaft österreichische Schule. Und unsere Slawen etwa? Die besten, nicht die lautesten von ihnen, haben es schon längst erkannt, sie gehören uns zu und sind in ihrem Wesen nicht asiatischem Moskowitertum, sondern dem mitteleuropäischen Kulturkreise zueigen. „Slawisch sprechende Deutsche“ hat ein russischer Kenner die Tschechen genannt und für die Westslawen als Ganzes mag die Bezeichnung Germano-slawen nicht unpassend sein. Von deutscher Toleranz erzählt die Blüte ihres völkischen Lebens, zu der sie nimmer gelangt wären, wenn nicht der deutsche Nährquell die heimatliche Scholle fruchtend berieselt hätte. Die gemeinsame Not hat die Völker Österreichs zusammengeschweißt und was der Krieg geschaffen, soll der Friede nicht brechen. Mehr als bisher muß die Schule ein Instrument der Völkerversöhnung sein, geben dem Volke, was des Volkes ist, gewähren dem Staate, was er für sein Gedeihen zu fordern berechtigt ist. Mit der deutschen Staatssprache wird das Problem der utra-quistischen Schule lebendig, ein Problem, das zwar einzelnen begnadeten Praktikern im besonderen Falle keine unüberwindlichen Schwierigkeiten bereitet hat, für dessen wissenschaftliche Lösung aber beinahe noch alles zu tun übrig bleibt. Zudritt richtet der Pädagogische Gedanke sein Augenmerk auf den Staat selber. Ein Staat ohne politische Eigenart erhält sich nur durch die Stetigkeit seiner Einrichtungen, durch das Beharrungsvermögen, das auch ihm wie anderen Dingen zukommt; Erschütterungen, welche diese Einrichtungen zerstören, bedingen seine Auflösung. Ist Österreich ein solcher Staat von heute auf morgen? Der gegenwärtige Weltkrieg hat es verneint. Österreich ist eine auf Interessengemeinschaft gegründete geographische, geschichtliche, politische Individualität, ein Organismus, der nicht nur die Entwicklung der kleinen mitteleuropäischen Völkerschaften und deren Nutzbarmachung für die deutsche Kultur gewährleistet, sondern der auch berufen sein kann, das vorbildliche Beispiel des nachbarlichen Nebeneinander- und friedlichen Ineinanderlebens der drei europäischen Hauptrassen: Germanen, Lateiner, Slawen zu liefern. Auch das hat der Krieg gelehrt und wir wollen im Frieden diese köstliche Erkenntnis niemals mehr entbehren. Überdrüssig bis über die Ohren sind wir geworden des parlamentarischen Gezänks um den Nachtwächter von Leitomischl, des Emporbauschens von Anliegen des eigenen Ich und der Partei zu Interessen des Staates, des argwöhnischen Mäkelns und Raunzens über alles und jedes, womit man kritiklos auch dem genialsten Baumeister in den Arm fällt. Wir müssen und werden über die Fährnisse der inneren Politik hinwegkommen, wenn die Auswirkung aller Kräfte, wie sie der Krieg gezeigt hat, auch bei der von den neuen Aufgaben und Zwecken geforderten Ausgestaltung der staatlichen Organisation anhält. Staatsbürgerliche Gesinnung ist vonnöten, damit wir nicht wieder in den gemächlichen Trott des Alltags verfallen und im Fortwursteln der politischen Weisheit letzten Schluß erblicken. Staatsbürgerliche Gesinnung ist das Ergebnis staatsbürgerlicher Erziehung, an der schon die Jugend ihren Anteil nehmen soll. Staatsbürgerliche Erziehung kann jede Schule vermitteln, weil sich jede zur Arbeitsgemeinschaft wandeln läßt. Wird aber — nach gewissen Erfahrungen ist der Zweifel berechtigt — die von autonomen Körperschaften verwaltete Schule auch überall staatsbürgerliche Erziehung leisten, leisten wollen? Wie die Verhältnisse in Österreich liegen, ist die Staatsschule der sicherste Hort der staatsbürgerlichen Erziehung. Nicht die Staatsschule, welche lediglich den Lehrer als Staatsbeamten aufweist, sondern die Staatsschule, die von Behörden gehegt und gepflegt wird, in welchen durch den pflichtbewußten Staatsbeamten als stärksten Machtfaktor das Staatsinteresse dominiert. Laßt uns fest sein in der Treue, halten wir sie unentwegt dem Pädagogischen Gedanken! Er hat uns durch den großen Krieg in Ehren geleitet, er wird einen der gebrachten Opfer würdigen Frieden bereiten helfen. Die Lehrerschaft zumal ist auserwählt, restlos in seinem Dienste aufzugehen. Ihr wird frohe Botschaft zuteil. Nicht als ob für sie nun eine Zeit goldenen Mammons anbrechen könnte; auch die Schule wird zunächst mit geringen Mitteln die höchstmögliche Leistung anstreben müssen und die Übertragung des ökonomischen Wirtschaftsprinzips auf das pädagogische Gebiet ist vielleicht das dringendste pädagogische Problem unserer Tage. Aber nach diesen Tagen folgen andere, glänzende, die von unsterblichem Ruhme den Nachfahren berichten: Die große Zeit fand ein großes Geschlecht und zu den Größten von allen gehörte die deutsche Lehrerschaft. Heldengräber. (Erstdruck.) Der Heimat fern in einem fremden Haus, Du weißt nicht, wo es ihm gebaut ist worden, Ruhen Freund und Feind, von dumpfen Schlachtakkorden Gewiegt, vom letzten Kampf in Frieden aus. Du fragst, ob niemand Schmuck den Toten gab? So heilig schön kann nur ein Gott gestalten: Es thront ein unsichtbares Händefalten Als ewige Krone auf der Helden Grab. Hans Polaczek. ißtlbcr aus der grosien Zeit des Weltkrieges. 1. Die Musterung der Akten. Der kritische Tag, da die 43—50jährigen vor die Kommission rücken sollten, mar gekommen. Gestern gab es noch eine „Juchzpwbe", denn die Alten wollten es den Jungen gleichtun; allein im Verlauf der Jahre mar ihnen so manches, was zu einem rechten Aufmarsch gehört, abhanden gekommen. Also mies besagte Probe einen Besuch ans wie keine der Veranstaltungen des Ortes (eines Städtchens hinterwärts in einer Landesecke). Und gejauchzt wurde mit und ohne Virtuosität bis in die Morgenstunden hinein, so daß für den Schlaf, in dem doch jeder von kommendem Heldentume träumen wollte, wenig Zeit übrigblieb. Um 7 Uhr morgens sollte ja wieder alles im Prvbezimmer sein, auf daß vor dem Zuge zur Musterung noch ein begeisternder Schluck gemacht werde. Punkt 3A 8 Uhr ertönte das Sammlungssignal. Wie das den angehenden Rekruten in die Beine fuhr I Im Nu waren sie in Reih' und Glied. Voran die Ortsmusik, dann der Kommandant, ein Beamter, und nun die lange Reihe der neuen Vaterlandsverteidiger. Hei, war das ein Fest fürs Städtle! Neben dem Arbeiter der Beamte, neben dem Gemeindedicner der Lehrer — alles in gleichem Schritt. So langte die Kompagnie vor dem Hause an, in dem sich die Militärkominissivn versammelt hatte. Haiti Linksum, Front!" Da stand sie, die Säule, wie die des kleinen Hans in der Spielstube. Der Kommandant: „Meine Herren! Wir sind vor dem Hause, in dem über unser Schicksal entschieden werden soll, angelangt. Das Vaterland ist in Not, der Kaiser ruft uns, die Alten. Freuen wir uns, wenn er uns brauchen kann; stehen wir nicht zurück hinter unseren Söhnen, die nun länger als ein Jahr im Felde sind I Jeder von uns ertrage die Entscheidung, die da droben in dem Saale über uns gefällt wird, mit Ruhe! Lassen Sie uns, ehe wir das Haus betreten, des Obersten Kriegsherrn gedenken, indem wir die Vvlkshpmne singen!" Aus 200 Kehlen brausende Klänge; darauf Hüteschwenken, ein Hurra — und verschlungen hatte das breite Tor die Wackeren. — Die Musterung war vorüber. Schier die Hälfte trug an der Brust den Knopf mit den Initialen des Kaisers. Kein trauriger Blick, kein Klagelaut, kein Bedauern; nur Freude, nur Stolz, nur Zuversicht, wohin das Auge sah. Der Nachmittag versammelte alle, die morgens nusgezogen waren, beim Lichtbildner; die große Zeit sollte festgehalten werden. Voran die „Tauglichen" auf einer langen Diele, im Hintergründe, stehend, die „Krüppel": das war die Ordnung. Natürlich hatte jeder, den das Sträußle schmückte, eine Heldenmiene aufgesetzt. Einer war zu spät gekommen. Das grämte ihn, denn in dem Bilde, das die schwerste Zeit, die das Vaterland durchlebt, anzeigen soll und darum Kindern und Enkeln teuer sein wird, wollte er nicht fehlen; also ließ er auf eigene Kosten eine Neuaufnahme besorgen. — Was nach diesem Schauspiel folgte, stellte ein wohlgeordnetes Programm dar: Nachmittags — ein Konzert, abends — eine Rede und verschiedene Vorträge, mitternachts — Beendigung der Tagesordnung im Kaffechause. Besonders anregend gestaltete sich der zweite Teil. Ein aus dem Kriege gekommener Kamerad gab seine Erlebnisse zum besten. Ungeschminkt, so ganz natürlich sprach er von der Größe und Heiligkeit des Kampfes und der Machtentfaltung des Vaterlandes. Aus seinen Worten klangen Stolz und feste Hoffnung. Ein Schulmann trug mit tiefer Empfindung ein Heldengedicht vor, ein Mann aus dem Volke pries den innigen Zusammenhalt der gebildeten Kreise mit den übrigen Ständen, ein anderer der Behaltenen sprach auf den Kaiser — ein Begeisterungssturm löste den anderen ab. Schließlich wurde zum Aufmarsch geblasen. Die Wirtin mußte die Küche öffnen und alles, was nicht niet- und nagelfest war, dem Kapellmeister zur Verfügung stellen. Es verdroß sie nicht. „Der Krieg will Opfer!" So sprach sie und ließ alles geschehen. Der eine der Ausgemusterten erhielt zwei Blechdeckel, der zweite zwei Kochlöffel, um auf die Trommel (einen Sessel, der dem Vordermanne auf den Rücken gebunden wurde) zu schlagen, ein dritter die Blechschüssel mit allerlei klirrendem Kleingeschirr, der vierte den Trichter als Trompete, der fünfte den Mörser als Läutewerk usw. Unter der Begleitung dieses sonderbaren Orchesters spielte die Musik den Radetzkymarsch, marschierend durch das Städtle. — „Ja, die Alten, die treiben's ja toller wie die Jungen!" So ging es von Mund zu Mund. Der Philister murrte und krittelte, der Einsichtige jedoch freute sich ob der Begeisterung, mit der das Ereignis des Tages gefeiert wurde. Man wird in fernen Zeiten nicht wenig staunen, daß Männer, die sich mit einemmale von Haus und Hof, von Weib und Kind und — Enkel losgerissen sehen, dem Dienste für Kaiser und Vaterland zu- jubelten und sich in tolle Launen ergingen, indes bei den Feinden der eiserne Befehl nur Groll und Feigheit begegnete. — Dem Ausmarsch mit dem Instrumentarium der Küche folgte ein Fackelzug mit — Zündhölzchen. Jeder der Teilnehmer erhielt eine Schachtel zugestellt. Dann mußte er ständig zwei Lichter aufzeigen. In der dunklen Nacht ein prächtiges Bild! Vor dem Denkmale wurde haltgemacht und das Kaiserlied gesungen. Eine Rede löste das „Heil dir im Siegerkranz I" und die „Wacht am Rhein" aus. Wie ein Oekan ergossen sich die Sangeswellen über den Platz, auf dem sich um mitternächtlicher Stunde die Bewohnerschaft versammelt hatte. Als die Morgenglocken klangen, schlenderte mancher erst heim, nicht mehr als friedlicher Bürger, sondern als Soldat des Kaisers. — Mag das helle Bild in jene Tage leuchten, da die Waffen ruhen, und kommenden Geschlechtern künden, mit welcher Hingabe die die große Zeit begriffen, die an ein halbes Jahrhundert Jahre gezählt und sich nicht mehr fern von dem Grabe wähnten. Das waren Österreichs Söhne in dem gewaltigen Ringen um Österreichs Bestand. — Der Sieg des Optimismus. (Erstdruck.) Im politischen Leben wie im Streben der Parteien, in allem und jedem, ist es der von einer gesunden Organisation getragene Optimismus, welcher den Sieg davon trägt. Kurz vor einer Entscheidung und der letzten notwendigen Kraftprobe tritt selbst bei der besten Organisation oft eine Entspannung der Kräfte, eine Mutlosigkeit ein, die im letzten Augenblicke alles verderben kann. Wenn da nicht der gesunde Optimismus den Willen stählt und die Tat gebiert, so geht oft die Frucht jahrelanger mühseliger Arbeit verloren. Die Mutlosigkeit gibt sich selber auf. Wenn wir sagen: »Wir müssen siegen I“, so wollen wir keinen Augenblick dem Gedanken Raum geben, daß es anders sein könnte, und wir tun recht daran. Mit männlicher Kraft und festem Vertrauen sieghaft dem Ziele entgegenschauen! Prof. Karl Glöckner. Zwei Schnitter. (Erstdruck.) Weit schwingt der Schnitter seine Sense, Die er in sichern Händen hält, Und rauschend sinken hin die Halme, Bis niederliegt das ganze Feld. Dann bindet emsig er zu Garben, Was er mit starkem Hieb gemäht, Und freut zufrieden sich des Segens, Den er vor Monden ausgesät. Und einen anderen Schnitter sah’ ich Auf einem anderen Felde geh’n Und langsam schreitend, unentrinnbar, Des Hasses blutige Saaten mäh’n. Und fluchen höre ich und stöhnen Und schluchzen, wo die Sense geht, Weh aber, tausendfaches Weh Auf sie, die diese Saat gesät! M. Offner. Die weiße Taube von Montdlimar. Von Ed. Buxbaum. Ein rötlichgelbes Licht — das war der erste Eindruck, den der Schwerverwundete hatte, als er nach tagelanger Bewußtlosigkeit die Augen öffnete. Ein rötlichgelbes Licht — seine Seele schwamm einige Augenblicke in diesem gelben Ozean von Unbegrenztheit, bis ein stechendes Schmerzen einer Felsenklippe gleich aus demselben tauchte, — es mußte ihm ein stöhnender Schmerzenslaut entfahren sein — wie eine weiße Taube schwebte über ihm ein freundliches Frauenantlitz voll Mitleid, Milde und Frieden. Ein süßer, kühler Trank löschte die Glut seines lechzenden Gaumens, dann tauchte seine Seele wieder unter in dem unermeßlichen, trägen Ozean des gelben Lichtes, das fahl und fahler wurde und in Dämmergrau und Finsternis sich verlor. Der Schwerverwundete entschlummerte. An seinem Lager stapd Schwester Wunnibalda. Zu Häupten des Bettes war von der Hand des Sanitätsgehilfen geschrieben: Marcel Austin ... Sie hätte dieses Namens nicht bedurft, um ihn zu erkennen. Was der Verband freiließ von seinem Haupte, genügte: Eine hohe, schmale Stirne, dunkle, hochgeschwungene Brauen, darunter die tiefen braunen Augen, die jetzt in Fieberglut flackerten, das schmale, blaßbraune Gesicht, umrahmt von einem zarten, dunklen Vollbarte, im vorstehenden Kinn zur Spitze auslaufend. Wunnibalda betrachtete ihren Pflegling mit einer Ruhe und Aufmerksamkeit, wie etwa der Arzt die Atemzüge des schlummernden Kranken belauscht. Die runde Uhr über der Tür tickte wie der Pulsschlag der Zeit, das schlichte Kruzifix umspielte der letzte Strahl der untergehenden Sonne und durch das geöffnete Fenster floß von der gegenüberliegenden Waldwand würzige Abendkühle in das kleine, freundliche Gemach. Wunnibalda trat vom Lager weg an das Fenster und blickte in das Licht der sinkenden Sonne. Bis die Schatten an den Talwänden hinaufhuschten, blieb sie so stehen, dann trat sie nochmals an das Lager und glitt auf unhörbaren Sohlen aus dem Gemache. Das gedämpfte Licht der elektrischen Lampe lag wie silberner Mondenschein über dem Lager des verwundeten Kriegers, als er gegen Mitternacht das Auge abermals öffnete. Wie ein in der Wüste Verirrter tastete er in seinem Bewußtsein nach Anhaltspunkten für sein Ich, als ob er sich selber verloren hätte und suchen müßte und er fand sich nicht. Aber schon schwebte die weiße Taube auf leisem Fittich heran und der Friede strömte von ihrer Gegenwart in seine kranke, verwaiste Seele. Sie weiß es nicht, sie ahnt nicht, welchen Zauber ihr Wesen auf den Zustand seiner Seele ausübt. Sie hat ja das hundertmal und tausendmal erlebt, daß die Kranken ruhig werden, wenn sie erscheint und den labenden Becher reicht. Für ihn aber, obwohl er sie nicht kennt, ist ihre Erscheinung die Spenderin neuen Lebens, nicht nur weil sie ihn gesundpflegt, weil sich sein erwachendes Bewußtsein an ihrer Erscheinung belebt. So vergehen Tage und Tage und endlich ist der Kranke so weit, daß die Brücke hergestellt ist zwischen seinem jetzigen Sein und seinen letzten furchtbaren Erlebnissen. Bei einem der verzweiflungstollen Angriffe in den Argonnen war er verwundet worden und als Bewußtloser in deutsche Gefangenschaft geraten. Er weiß noch vom Sturmsignal, von dem rasenden Hinstürmen gegen den Waldrand, woher die Gewehrsalven knatterten, die Maschinengewehre bellten, er sieht an seiner Seite noch den Capitain zusammenbrechen, er weiß noch, wie er, den Tod vor den Augen, den Degen hochschwingend, seinen zagenden Mannschaften zurief: „Allons enfantsl De la patrie . . .“ Dann weiß er nichts bis zum ersten Erwachen im Feldspitale. Jetzt ist es ihm bewußt, daß er als kriegsgefangener Offizier nach seiner vollen Herstellung in einem Internierungslager wird untergebracht werden, um vielleicht monatelang auf seine Heimkehr warten zu müssen. Aber was bedeutet das alles in dem Augenblicke, wo seine Seele voll ist von einem Eindrücke. Über seinem Leben schwebt die weiße Taube Wunnibalda und er zermartert sein Gehirn, wo er diese friedvollen, blauen Frauenaugen schon einmal auf sich ruhen gefühlt, wo er dieses zarte Weißrot ihrer Wangen mit den Augen getrunken und diese lieblich tönende Stimme in seine Seele klingen fühlte. Diese einzige Stimme und diese einzige Sprache, die er bewunderte und schätzte, höher fast als seine Muttersprache. Wiederholt suchte er bei Wunnibalda Anknüpfungen herzustellen, aber je mehr er genas, desto höher flog die weiße Taube über seinem Haupte, die über den heißen Wangen des Fiebernden mit fächelndem Fittich vorbeigeschwebt war. Da gab ihm dy Zufall einen wegweisenden Wink. Als Wunnibalda ihm wieder einmal die Schale reichte, streifte der weite Ärmel des Habits etwas über das Handgelenk hinauf. Da sah er eine etwa fingerlange weiße Narbe vom Knöchel aufwärts — blitzschnell taucht ein Bild in seiner 3485 Seele auf: zwei Kinder, ein etwa fünfjähriges Mädchen, ein siebenjähriger Knabe, in Begleitung einer jungen Dame, werden an einem Gartentor von einer Dogge gestellt. Die Dame sucht das drohende Tier zu vertreiben und wird von dem Hunde am Handgelenke erfaßt — in dem Augenblicke saust sein schwerer Stock auf den Kopf der grimmigen Bestie, daß sie taumelnd zusammenbricht. „Mademoiselle Ilde, un revoir, notre revoir“, und der Franzose sah der deutschen Ordensschwester mit einem Ausdrucke in das Gesicht, in welchem Freude, Beschämung und schüchterne Hoffnung wechselvoll sich spiegelten. Sein Auge hängt saugend an der ihm längst lieben Erscheinung, während sie in seltsamer Ruhe auf ihn niederblickt. Sie hat es nicht gefühlt, daß er ihre Hand in der seinen hält. — Einen Augenblick war sie versunken in den Blütenmai ihres Lebens — da fühlt sie seine heißen Lippen auf ihrer Hand, zusammenzuckend reißt sie ihren Arm los und enteilt seinem Lager. Nun war sie ihm wohl für immer entschwebt, die weiße Taube von Montelimar. Montelimar, ja dort war es gewesen, wo er mit der heißen Fieberglut seiner Liebe das Herz des deutschen Mädchens erschlossen hatte, um in dasselbe den bitteren Gifttropfen der Untreue, des Mißtrauens gegen Menschen fallen zu lassen, einem giftigen Wurme gleich. — Eine tiefe Verachtung seiner selbst, ein Ekel überfiel ihn. Nun wird sie auch nie mehr an seinem Lager erscheinen. Aber sie mußte ihn ja sofort erkannt haben. Die Hoffnung dämmerte in ihm auf, daß sie sich seiner besonders angenommen, daß sie für ihn mehr getan, als ihre Pflicht war. Wenn nicht Liebe, so werde sie doch Mitleid für ihn haben — wenn sie nur einmal noch wiederkäme — aber wahnsinnige Gedanken! Warum sollte sie nicht wieder an sein Lager treten? Er wollte sich in dieser Hoffnung einwiegen und baute indes selig an den Erinnerungsbildern ihres kurzen, so kurzen und schönen Traumes von Montelimar. Wie war das Mädchen mit seinen tiefen blauen Augen vertrauensvoll an ihm gehangen wie an einem Gotte. Bei jedem Kusse hatte er gefühlt: Du Großer, Du Starker, Du bist mein Glückbringer, mein Ritter, mein Siegfried, der um mich durch die Waberlohe geht. Was diese Deutschen doch für ein Volk sind! Alle, alle, die er kennen gelernt hatte, mußte er hassen, weil er sie sonst hätte verehren müssen. Aber seine weiße Taube, wie konnte er sie hassen, lieber wahnsinnig lieben und wenn sie auch Klostermauern und Habit bergen — sie, die er als einen Teil seiner selbst empfand. — Seid ihr Deutschen groß im Dichten und Erträumen stärkender Idealbilder, so sind wir Franzosen noch größer in der Gabe der alles zergliedernden Seelenanalyse. Diese blonde Blauäugige hätte dir mit ihrer Liebe beinahe etwas vom deutschen Nationalcharakter suggeriert. War das nicht die unbequeme Fessel, die ich . .. Die kleinen, graziösen Französinnen küssen lachend und scherzend, als wollten sie sagen: heute dich, morgen den! An der Freude hat jeder sein Teil, der mir den Tribut der Huldigung zollt. Die deutschen Mädchen beten, wenn sie küssen 1 Seine weiße Taube von Montelimar war ein eigensinniges Wesen, eine unbewußte Erzieherin wie jede liebende deutsche Jungfrau, sie führt den bärenhaften Recken am Nasenring und Gängelbande ihrer Frömmigkeit und ihres starrköpfigen Idealglaubens. — Ja, diese Fähigkeit zu glauben, diese Kraft, sozusagen das Unwirkliche vorauszufixieren — diese Kraft — einmal hatte er sie gehabt, das war in den schönen Tagen von Montelimar. Am Gitter jenes Gartens, wo er ihr das Leben rettete, waren sie gestanden, als sie von ihm schied. „Au revoir, ma douce seulel“ „Auf Wiedersehen!“ — Dann hatte sie sich gewendet und hatte nicht mehr umgeblickt. Entschlossen schritt sie über die Kieswege der Promenade in eine Welt der Enttäuschung. Unwillig warf er sich auf die andere Seite. Seit jenen Tagen war ihm etwas abhanden gekommen, er wußte selbst nicht, was er war, als ob man ihm einen kostbaren Juwel gegen eine wertlose Nachahmung vertauscht hätte, als er von ihr lange keine Nachricht erhalten hatte und ihn die Bande der Madame de Liotard wie ein giftig Unkraut umstrickten und er sich eines Tages in gräßlicher Klarheit sagen mußte: In dir ist nichts mehr vorhanden als das Trachten, den Genuß zum höchsten Raffinement zu treiben, immer neue Moden und Methoden desselben zu erfinden. Seine großen Ziele und Pläne waren darüber vergessen, seine Kraft und Jugend vergeudet, seine Lebensstellung nur zur Not gerettet. Als der große Krieg ausbrach, war er erster Buchhalter in einem kleineren Fabriksetablissement der Provinz und rückte als Reserveleutnant ein zu den Fahnen des Vaterlandes. Indes im Kopfe Marcel Austins diese marternden Gedanken ihr Spiel trieben, stand Schwester Wunnibalda im Betzimmer des Lazarettes. In das Gemüt der deutschen Ordensschwester war dieses 3486 Erkennen hineingefahren wie ein Windhauch in das Blattwerk eines Baumes. Über die ganze Krone zittert und vibriert es, ohne daß ein Zweiglein sich regte. Die Wurzeln stehen fest. Wunnibalda sieht ruhig und klar. Vor zehn Jahren hatte sie den liebenswürdigen Franzosen kennen und lieben gelernt, als sie als deutsche Erzieherin in Frankreich weilte. Die schwere Krankheit ihrer Mutter hatte ihre Rückkehr in das Elternhaus notwendig erscheinen lassen. Ihre gute Mutter war gestorben und als der Vater bald darauf eine zweite Frau heimführte, damit die jüngeren Geschwister eine treue Hand fühlten, wie er sagte, war sie als Novize in das Kloster gegangen und empfing zwei Jahre darauf den Schleier. Von Marcel Austin hatte sie nichts mehr gehört. Zwei schwere Enttäuschungen hatten sie dorthin gebracht, wo sie sich selber fand, indem sie sich ganz aufgab. In ruhiger Sachlichkeit, als ob sie das alles nichts anginge, führte sie sich die Situation vor Augen und fast fand sie es lächerlich, vor die Oberin hinzutreten mit der Eröffnung, daß sie in dem Gemache des französischen Reserveleutnants Marcel Austin den Dienst als Pflegerin nicht mehr versehen könne. Sie stellte sich vor, wie sie ihm gegenübertreten würde, wenn er sie jetzt riefe. Sie erinnerte sich seines leidenschaftlichen Benehmens ... — und wenn sie recht gewissenhaft forschte, fand sie doch noch immer etwas wie einen winzigen Rest jenes einst übermächtigen Gefühles, da sie noch ein unerfahrenes, junges Mädchen war. Wie die untergehende Sonne ein letztes Goldleuchten über die Landschaft wirft, so ging von jenen fernen, fernen Tagen im Süden ein seltsamer Schimmer selbst über den düsteren Habit der Ordensschwester. Sie zauderte in ihrem Entschlüsse, doch fand sie sich bald. Wo von dir gar nichts spricht und nur das reine Gebot, dort ist dein Weg. Die Oberin gewährt ihre Bitte, sie findet den Grund vollkommen stichhältig und Wunnibalda verrichtet nun ihren Dienst im gegenüberliegenden Trakte. Seit einigen Tagen ist eine Ruhe und ein Friede in ihr, der wie Schalmeienton in ihrer Seele klingt. So vergingen Tage und Wochen. An dem Franzosen zehrte die Sehnsucht. Jeden Tag sah er als ein beharrlich Hoffender um jene Zeit unverwandt zur Tür, da die Schwester nachsehen kam. Von Stunde zu Stunde hoffte er und bildete sich ein, wenn wieder die Tür aufginge, dann mußte sie ein-treten. Ja, die wahnsinnigsten Phantasien entwarf seine kranke Seele: Eines Tages werde sie ein-treten, ohne Habit, mit dem lieben goldblonden Scheitel, die holde Taube von Montelimar. Aber sie kam nicht. Um keinen Preis hätte er ihre Nachfolgerin in das Geheimnis eingeweiht und sie nach Wunnibalda gefragt. Das sollte die letzte Karte sein, wenn er sie vor seiner Abreise nicht mehr sollte sehen können. Und diese Zeit kam bald. Eines Tages erklärte der zur Visite kommende Arzt, daß Austin so weit hergestellt sei, daß er in das Offiziers-Konzentrationslager abtransportiert werden könne. Wo dasselbe lag, die landschaftlichen, klimatischen Verhältnisse daselbst, das war in dem Augenblicke für Marcel Austin ganz Nebensache, ein Gedanke beherrschte ihn ganz: Wunnibalda noch einmal, nur ein einzigmal zu sprechen. Nun mußte die letzte Karte ausgespielt werden. Schwester Praxedes ersuchte er, daß sie es ihm möglich mache, sich bei Schwester Wunnibalda zu verabschieden, er schulde ihr so großen Dank, sie sei sozusagen seine Lebensretterin, sie wolle ihm diese Bitte nicht abschlagen. Wunnibalda sagte mit Einwilligung ihrer Ordensoberin zu und im ländlichen Garten des Lazarettes fanden sie den geeigneten Platz. Hier war ihnen die Ungestörtheit trotz der Gegenwart vieler Zeugen sicher und niemand sah etwas Aulfälliges darin, daß ein Pflegling mit einer Schwester lustwandelte. Wunnibalda trat dem ungeduldig Harrenden mit echter Unbefangenheit gegenüber. Freundlich sprach sie zu ihm: „Also ist es Ernst, Monsieur Austin, ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Genesung ...“ „Schwester“, brachte er gepreßt hervor, „Sie wünschen Giück, da ich fort muß von hier? Schwester, warum sind Sie mir entfloh’n?“ „Weil es für einen Genesenden nicht vorteilhaft ist, sich Gemütsaufregungen hinzugeben, zu denen ich leider, ohne zu wollen, Anlaß geben mußte. Ich habe Sie am ersten Tage erkannt, Monsieur Austin, durch mein Zutun hätten Sie nie erfahren, wer Schwester Wunnibalda ist.“ Er blieb stehen und sah sie mit seinen hungernden Augen an: „Also ist alleg für mich in Ihnen erstorben, Fräulein . ..“ „Schwester Wunnibalda,“ verbesserte sie ihn. „Monsieur, was ist Liebe? Was Sie so nennen? Ich war einmal ein kleines Mädchen, das mit Puppen spielte. Sie hatten vielleicht einmal eine Leidenschaft für einen schönen Helm und ein Schaukelpferd“ — sie fuhr mit der Hand über den Rand des weißen Habitschirmes, als wollte sie Spinnfäden, die dort hangen geblieben waren, abstreifen. „Das sind Bilder einer untergegangenen Welt“, fuhr sie fort. „Wunnibalda, Sie gehen als eine Tote unter Lebendigen 1“ „Oder als eine Lebende unter Toten!" „Wenn Sie also etwas von dem mir unfaßbaren Leben besitzen, das, wie ich sehe, jung und stark macht, gleichmütig und erhaben, o so erbarmen Sie sich meiner, vergessen Sie nicht, daß wir uns einst alles waren I Schenken Sie mir Ihr Leben, daß auch ich desselben genieße! Wir wollen gebrochene Burgen bauen!“ „Bemerken Sie gar nicht, Herr Austin, wie wenig ritterlich Sie handeln? Nur Ihrem Zustande verzeihe ich es, daß Sie ein zweitesmal, wie soll ich es ausdrücken, ohne Ihnen wehzutun, unsanft, ohne meines Wohles zu gedenken, in mein Leben greifen? Einer unserer großen Erzieher sagt: „Das Kind fragt: Was bekomme ich. Der Mann: Was gebe ich.“ „Verstehen sie das? Vergessen Sie nicht, Herr Austin, daß Sie Offizier eines feindlichen Staates sind, daß ich Ordensschwester bin — die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben. Werden Sie erst hart, lernen Sie erst, sich selbst aufzugeben, dann stören Sie, wenn Sie es noch vermögen, den Seelenfrieden einer deutschen Ordensschwester!“ Sie hatte die letzten Worte hart hingeworfen, daß sie wie ein Schlag an sein Ohr prallten. Sie malte ihm mit kurzen, kargen Strichen jenes verabscheuungswürdige Bild seiner selbst, das ihm nach den Tagen des Erkennens immer wieder aufgestiegen war. Er sah das Egoistische, Kleine seiner sogenannten Liebe ein und stand wie ein Kind vor seinem zürnenden Vater, er, der Offizier des feindlichen Staates. Da dachte er an die deutschen Heerführer und die deutschen Siege. Ob wohl unter diesen blonden, blauäugigen Barbaren auch solche sind wie er? Die Treue, sagen sie, sei eine Eigenart, die man nur in Deutschland fände? Er hatte oft darüber gespöttelt und sie bornierte Dickköpfigkeit, Mangel an Anpassungsfähigkeit, Gehirnstarrkrampf geheißen. Ob nicht diese Treue im weitesten Sinne des Wortes die letzte Erklärung für die glänzenden Siege der Deutschen bilde? Ohne es zu wissen, hatte er seine Worte gesprochen und er merkte dies erst, als sie erwiderte: „Ich wünsche nur, daß Ihre Nation dies erkennen möchte, Ihre verführte Nation. Alle unsere Gegner waren schon geschlagen, als der Krieg begann. Sie alle dienen dem Materialismus. Der Deutsche, dessen Geistesrichtung seit jeher dem Überirdischen zugetan war, hat am meisten vom echten Christentum in sich aufgenommen, darum ist seiner der Sieg, er erkämpft ihn mit jenen Waffen, mit denen die Apostel die Welt eroberten: mit Wahrheit, Glauben und Opfermut. Wir wissen zu sterben, ihr bloß zu leben, bei uns ist die Idee alles, bei euch das Einzelwesen!“ Sie hatte mit Begeisterung gesprochen, daß das zarte Pfirsichblütenrot ihrer Wangen glühte und das Blau ihrer Augen dunkler wurde. Er ging schweigend an ihrer Seite, er blieb stehen und atmete schwer. „Monsieur Austin, es ist Zeit, daß wir Abschied nehmen I“ „Ja“, sagte er tonlos und schritt dem Hause zu. Also auch auf dieser Linie geschlagen, dachte er. „Und sonst geben Sie mir gar nichts, gar nichts mit in das unbestimmte Leben?“ „O ja, Monsieur Austin, denken Sie, daß das blonde Mädchen von Montßlimar lange tot ist und daß für Ihr Wohl betet die Schwester Wunnibalda.“ Der mächtige Rosenkranz an ihrer Seite raschelte. Sie standen an der Pforte. „Ich danke Ihnen, Schwester Wunnibalda.“ Er wollte nach ihrer Hand langen, aber sie hatte nach Nonnenart die Hände gegenseitig in den weiten Habitärmeln geborgen, neigte sich leicht und senkte den Kopf so tief, daß der Schirmrand des Ordenskleides ihr Auge beschattete. Taumelnd schritt der Franzose über die Gänge des Lazarettes und wie im Fiebertraum war ihm zu Mute, als hörte er zwischen den Klängen der Marseillaise die erschütternden, dumpfen Akkorde des deutschen Trauermarsches von Beethoven. Ein Schulchristbaum. (Erzählung von Lehrer K. Stumpfoll in Wels, O.-Ü.) Es war an einem Sonntag Nachmittag. Der Winter hatte hellglänzende Schneekristalle über die Fluren gebreitet. Auf den Dächern und Bäumen lag die gleiche, wohlabgewogene Last, ja selbst am Fensterbrett machte sich ein dicker Schneewulst Platz. Pick, pick klopften die bittenden Vogl ein an die Fenster eines Wohnzimmers, in dem ein alter Schulmeister lebte. Die Voglein kannten ihn schon. Freilich, im Sommer, da gingen sie gleichgültig an dem Alten vorbei; doch jetzt können sie schön bitten und sind für jedes Körnlein dankbar, das ihnen aus liebreicher Hand gereicht wird, 0, der Alte kennt diese Flattergeister' und kann ihnen nicht böse sein. Doch heute klopfen die Vöglein schon gut fünf Minuten und der alte Schulmeister sitzt immer noch fest und unbeweglich beim Schreibtische, den Kopf mit der Hand stützend. Er blättert in der alten Schulchronik nach rückwärts bis zu jenem roten Strich, den er vor gut 10 Jahren machte. „Mit heutigem Tage übergebe ich die Schulgeschäfte dem neuernannten Leiter dieser Schule, während ich selbst in den Ruhestand trete . . ., am 1. Jänner 1004.“ So stand dort geschrieben. Schwer wurde ihm dazumal der Abschied von der liebgewordenen Jugend. Viele Jahre sind seit jener Stunde vergangen. Der große Weltkrieg ist unterdessen ausgebrochen und hat alle bestehenden Verhältnisse geändert. Zum alten Schulmeister ist man wieder bitten gekommen, daß er für den eingerückten Lehrer den Schuldienst übernehmen möge. Er sagte zu, der gute Alte — er kannte sie ja. Noch auf der gleichen Seite der Schulchronik stand zu lesen: Schulchristbaum. Ja, es war das letzte, leuchtende Tannenbäumchen, mit dem er noch den Kindern große Freude machte. Da auf einmal erwachte der Alte aus seinem Sinnen, denn die kleinen Quälgeister dort beim Fenster hörten nicht auf zu picken. Nun, da nahm der gute Vogelfreund eine Handvoll Hanfkörner und streute sie zum Fensterbrett. Dem Alten gefiel der Übermut der Kleinen. Dann ging er zum Schreibtisch und schlug die Schulchronik mit einem ordentlichen Klapser zu. Ein Schulchristbaum muß heuer wieder in der Klasse stehen, das war sein Entschluß. Schon am nächsten Tage fragte er die Kinder, wer heuer einen Weihnachtsbaum bekomme. Viele Händlein flatterten freudig in die Höhe, doch auch manches arme Kind sah man stille sitzen. „Nun Mariechen, warum bekommst du heuer keinen (Jhristbaum ?“ „Herr Lehrer, der Vater ist weit fort mit den Soldaten in den Krieg. Die Mutter sagt immer, daß wir jetzt recht arm seien.“ So wehmütig klang des Kindes Antwort. Der alte Schulmeister, der kein Kind traurig sehen wollte, schoß mit seiner Rede dem Mariechen in die Erzählung, als wollte er aller Traurigkeit und Not einen plötzlichen Damm setzen: „Liebe Kinder, heuer soll für alle ein Christbaum leuchten, hier im Schulzimmer.“ Wie ein Sonnenstrahl wirkten diese Worte und verklärt vor Freude sahen die Kinder zum alten Lehrer auf, an dem sie fortan mit doppelter Liebe hingen. Der Unterricht war beendet, die Kinder gingen nach Hause. Da sah ihnen gern der alte Lehrer nach. „Franzi, wie hoch glaubst du, daß unser Schulchristbaum wird?“ „Nun, so hoch kann er schon werden.“ „Der Herr Lehrer wird doch nicht auf die Lichter und Zuckersachen vergessen.“ „Geh, frage nicht so dumm, ohne die gibt es überhaupt keinen Weihnachtsbaum . . .“ So klang es von der Ferne zu den Ohren des Schulmeisters. — Doch das arme Mariechen mit dem blonden Köpfchen und den treuen Augen trippelte anscheinend teilnahmslos durch den Schnee, ganz allein. Es wohnte weit draußen in einem kleinen, einsamen Waldhäuschen. Eine große Tanne breitete ihre Arme über das niedrige Strohdach. Viel Schnee lag heute auf den Zweigen und das hoffnungsvolle Grün leuchtete nur spärlich hervor. Ein nährendes Bächlein zieht beim Häuschen vorbei. Eine starke Eisdecke hat es in Fessel geschlagen und nur schwaches Murmeln dringt aus verborgenen Tiefen. Längs dieses Baches geht das Kind tagaus tagein zur Kirche und zur Schule und wieder nach Hause. So lebenslustig und frisch das Mädchen sonst zur Mutter gelaufen kam, so arm und krank schlich es heute in die Stube. Die Mutter brachte es sogleich ins Bett, denn das Kind hatte heftiges Fieber. Der Krankheitszustand verschlimmerte sich. Da kam der so sehr ersehnte Weihnachtstag. Mariechen war schwer krank. Im Fieber phantasierte das Kind vom Schulchristbaum, der heute in der Klasse stand. Tränen standen ihm in den Augen und schmerzlich neigte es das heiße Köpfchen zur Mutter hin und bat wenigstens um einen kleinen Christbaum. Der Mutter ward schwer ums Herz. Ja, die Not, die bittere Not! Auf einmal verklärte sich das schmerzliche Gesichtchen und innig sprach das Kind: »Lieber Himmelvater, so schenke du die Freude mir; führe mich zum Christbaum!“ — Die letzten Worte waren schon gebrochen. Die Mutter drückte dem Kinde die Sterbekerze in die Hand. „Aaali . . sprach das sterbende Mariechen. Und während sich ein glückseliges Lächeln über sein Gesichtchen legte, entflog das Seelchen zum Himmel. Den schönsten Christbaum hat es geschaut. — * Im Schulhause stand das flimmernde Tannenbäumchen und die freudigen Kinder konnten sich nicht satt sehen. Der greise Schulmeister, der sich wie ein alter Weidenstrunk inmitten blühender Blumen ausnahm, fühlte sich wieder jung. — „Bitte, Herr Lehrer, das schöne Kerzchen dort oben ist schon verlöscht, schade!“ sprach plötzlich ein gewecktes Knäblein. „Ja, dieses Lichtlein leuchtet nicht mehr —.“ Eine Träne trat in das liebevolle Auge des Alten. „Mariechen, armes Mariechen . . .“ Weihnachtszuruf an die Leser der „Lt.". Zum zweitenmale Kriegsweihnachten I Soll uns der Gedanke mit Bangen erfüllen? Keineswegs! Große Dinge zeigt uns der Blick ins Neue Jahr; der Osten, von dem aus das Licht in unsere Lande kam, tut sich auf, ein langgefühlter Druck löst sich von der Seele, wir gehen der Sonne, einer goldenen Zukunft entgegen. Das ins Volk zu tragen, ist unsere heilige Pflicht, damit der einfache Mann erkenne, wozu neue Opfer nötig sind. Es ist falsch, zu meine«, nur die, die mit Wehr und Waffen im Felde sichen, erhalten den Krieg und bedeuten des Reiches Stütze — nein, auch die Tapfern daheim, die neue Quellen öffnen, neuen Mut entfachen, den Willen zum Durchhalten stählen, sind Kämpfer für die hohe Sache. In dieser Erkenntnis hat die Militärverwaltung viele der eingerückten Lehrer rückbeurlaubt; es ist ihr daran gelegen, daß die Bildung des Volkes nicht allzu großen Schaden leide und es nicht an Männern fehle, die hinter der Front führend wirken. Nun ist es an uns, das Vertrauen vollauf zu rechtfertigen. — Wie? Fürs erste lassen wir alle methodischen Verkünstelungen beiseite und bestreben uns, den tatsächlichen greifbaren Erfolg aufzuzeigen. Ich habe wiederholt böse Worte über mangelhafte positive Kenntnisse gehört. Den Vorwnrf müssen wir durch die Tat mildern. Daß nicht wir, sondern jene, die uns heute nach dieser, morgen nach jener Seite zerrten, schuld an der etwa unzureichenden geistigen Ausrüstung sind, muß nicht erst gesagt werden. Wehren wir Verbildungsagenten ab und arbeiten wir aus unserem Empfinden und Erwägen heraus I Fürs zweite obliegt es uns, Klarheit ins Volk zu tragen. Besonders die, die im Feld fochten und nun daheim sind, sollen als Apostel vor die Gemeinde treten! Unser Vaterland steht mächtig da, groß, wie es sich selbst der Freund nicht gedacht hat. Diese Tatsache verleiht Mut und Kraft. Wer aus eingetretenen Geschehnissen anderer Art Schlüsse auf das große Ganze zieht, ist ein Zerstörer unseres Glücks, ein schlimmer Feind im Inneren. Sparen wir die Kritik, wenn sie etwa berechtigt wäre, für die Zeit des Friedens auf! Jetzt heißt es, Hoffnung wecken, Zuversicht, starkes Wollen I — Wir Lehrer haben in diesem Kriege schon Großes geleistet; noch Größeres steht uns bevor: Wo sich die Klage meldet, wollen wir Trost spenden und den Trotz rufen; wo falsche Propheten das Volk betören, sollen wir unerbittlich die Peitsche schwingen; wo Blindheit herrscht, sollen wir mit der Fackel der Erkenntnis hineinleuchten. Mit diesem Zuruf grüße ich alle, die zu uns und dem Vaterlande stehen. Wenn das Christkindlein herniederschwebt, will ich den Braven im Schützengraben erzählen, wie treu die Genossen daheim für die heilige Sache wirken. — ^eerz. 3490 Der letzte Brief von unserem treuen Mitgliede F. Hellmer. (Ergänzung zu dem Titelbilde.) Im Felde, am 10. Juli 1915. Vereintester Herr Doktor! Innigen Dank für Deinen Brief und die zwei Hefte, in die ich mich leider noch nicht vertiefen konnte, weil mich der Dienst den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Was unser Vordringen in dem von den Russen hartnäckig verteidigten Gebirgsteile unserer Monarchie betrifft, so habe ich ja meiner Befriedigung darüber schon in dem letzten Briefe Ausdruck verliehen und ich muß auch heute trotz der furchtbarsten seelischen Eindrücke, trotz der selbst für einen alten Kriegsmann ungeahnten Schrecknisse sagen, daß es eine hohe Genugtuung gewährt, wenn die sprichwörtliche russische Dampfwalze genötigt ist, ihren Lenkern zum Trotz den Krebsgang zu nehmen. — Dein Entschluß, ins Kriegspressequartier zu reisen, ist um so freudiger zu begrüßen, als man mit Sicherheit darauf rechnen kann, daß Du auch dort verstreutes Saatgut für wichtige Reformen auf dem Gebiete des Schulwesens erspähen und sammeln wirst. Die Verheißung, auch mich — vorausgesetzt, daß ich glücklich heimkehren darf — in den Kreis Deiner Neuerungen zu ziehen, hat mich mit Freude und Stolz erfüllt. Unter Deiner Leitung wäre es gewiß möglich, auch aus meinen Erinnerungen einige Tropfen nutzbaren Elexiers abzuziehen, denn ich habe bisher kaum eine Gelegenheit versäumt, den Erscheinungen und Bedürfnissen dieser großen Zeit betrachtend nachzuspüren; und wenn ich der Schulstube auch schon lange und weit entrückt bin, so sah ich mich doch immer wieder beim Erscheinen der „Bl.“ veranlaßt, mich in meinen eigentlichen Wirkungskreis zurückzuversetzen; zudem zeigt sich im Reden und Handeln der großen Kinder deutlich genug, was in der Schule versäumt wurde — und wer wollte, da ein unerhörter Weltbrand seine Feuergarben aussendet, nicht auch in sich gehen und sich selbst prüfen: Was habe ich selbst versäumt und was hat man mir vorenthalten V Sieh, ich finde Deine Idee, das politische Verständnis der zur Reifeerklärung berufenen Jünglinge an der Hand hervorragender, zeitgemäßer Leitartikel zu bilden, so fortschrittlich, daß ich die neugebackenen Amtsbrüder um die vortreffliche Anregung aufrichtig beneide. Ganz einwandfrei ist wohl auch diese Methode nicht, weil sie gewisse Fähigkeiten voraussetzt, die sicherlich bei vielen Zöglingen nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind; aber der Mehrzahl dürfte sie zu größtem Nutz und Frommen gereichen und das hebt sie ohne Zweifel Uber jeden alten Zopf hoch empor. — Bitte, zürne nicht, da ich mich erdreiste, zu kritisieren, doch würde ich es nicht wagen, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Du ein ehrlicher Freund der freien Meinungsäußerung bist. Übrigens setzt die neue Methode noch eine Tugend voraus, die nicht jedem tief ins Herz gegraben ist — die Bescheidenheit, die den jungen Lehrer vor der Gefahr bewahrt, seine Politik überall und oft zur Unzeit auszukramen. Allein, wer wollte den Konflikt übersehen, der darin ruht, daß einesteils der 19jährige Jüngling reif erklärt werden soll, während anderseits die Zeit zur durchgreifenden Ausbildung so karg bemessen ist? — Vor einigen Tagen hat mich ein herber Schlag getroffen, indem sich mein innigverehrter Chef veranlaßt sah, einen Krankenurlaub zu nehmen. Es wird wohl ziemlich lange dauern, bis ich die alte Arbeitsfreudigkeit wieder erlangt habe. Allein „verschmerzen werd’ ich diesen Schlag, das weiß ich, denn was verschmerzt nicht der Mensch!?“ Schließlich wünsche ich Dir recht heitere und genußreiche Ferientage und verbleibe in alter Treue Dein dankschuldiger F. Hellmer. Kampfruf. (Erstdruck.) Stark in Kampf und Not, Treu bis in den Tod, Menschlich auch im Krieg: So wird uns der Sieg. K. C. Rothe. 3491 Ein Stoß Feldpostkarten. (Betrachtungen eines Lehrerbildners.) Während ich all die Karten aus dem Felde prüfe, fällt mein Blick auf viele liebe Namen, tauchen vor mir all die blonden, braunen und schwarzen Köpfe auf und frohe, lachende Augen, auch manch ein verträumtes darunter, selten aber eins, das einmal ungut — war. Da ich suche, zwingen liebe Bilder Auge, Hand und Ilerz zum Verweilen, Bilder auch von solchen, die trotz ihrer neunzehn oder zwanzig Jahre heute schon nicht mehr sind, denen man die Nägel in den Sarg schlug, dieweil ihr Kopf noch Träume zu bergen schien. Und auch mich trifft „ein Zuruf von drüben“. — Liederklang wird in mir wach, ein Bergwind will mir über den Scheitel streichen: Ja, das war die Abituria 1913! Fünfundvierzig fröhliche Gesellen und ich mittendrunterdrin. Die Anstaltsklasse und ein Direktor, der Herz und Hand frohen Studienfahrten nicht verschließt, hatten eine dreitägige Wanderung ins heilige Land Tirol ermöglicht. Nassereith und Telfs, Innsbruck und Mittenwaldbahn; Friihschoppen-„konzert“ beim Breinößel: „Die Herren blieben am Itheine stehn“ — zweimal mußten wir tias singen. Dann eine Huldigung vor Hofers Denkmal, strammer Marschtritt durch Innsbrucks alte Gassen, dazu die Klänge des „guten Kameraden“. „Die Voglein im Walde, Die sangen so wunderschön“ . . . Aber das hat euch fünfundvierzig keines gesungen, daß zwei Jahre später sieben von euch der Rasen decken soll von Saarburg und Badonviller, von Arras und Lille. — Das war aber nur ein Jahrgang. Seit 1910 steht unsere prächtige Anstalt — die fünfte Abituria ist in diesen Tagen von uns gegangen und von den vierzehnhundert bayrischen Seminaristen sind 744 ins Feld gerückt, davon 592 als Kriegsfreiwillige. Ein gutes Dutzend Offiziere hat unsere Anstalt allein schon dem Heer gegeben; unwillkürlich denke ich der Worte des Provinzialschulrates in einer mitteldeutschen Stadt an den „Kommandierenden“: „Exzellenz, hätte man seinerzeit die Lehrer anders behandelt, dann hätte Deutschland 30.000 Reserveoffiziere mehr.“ Exzellenz nickt. Exzellenz hätte besser antworten können: „Herr Provinzialschulrat, hätte man der Lehrerbildung eher in den Sattel geholfen, dann hätten die Lehrer in der Armee auch äußerlich eine andere Rolle spielen können.“ Doch fort mit solchen Gedanken! Vom Krieg will ich schreiben und gerate in die Plackereien des Friedensgezeters; vom Krieg will ich schreiben und von dem, was er auf meinem Schreibtisch an Karten und Briefen zusammengeweht hat von Westen her, immer von Westen her. Wer zählt die Waffengattungen, Armeeabteilungen, Sonderkommandos, die Feldpostanstalten, denen all diese Zeugen treuen Gedenkens entflattert sind. Schwere Reiter und Infanterie, Pioniere, Feld- und Fußartillerie kommen da zusammen und manch einer ist uns auch noch zu Gesicht gekommen: was doch der Ernste Stunde und Feldgrau, Helm und Säbel ein Menschenantlitz wandeln können! Jubelnd zogen sie alle aus, aber durch die Zeilen der ersten Nachrichten aus dem Feld weht ein Hauch des Schreckens: Die Greuel des Krieges haben das den trotzigen Mund lügenstrafende weiche Herz mit hartem Griff gepackt und geschüttelt. „Wir haben seit unserm Ausmarsch schon schwere Tage durchlebt, Tage, an denen beim Morgengrauen die Kriegsmusik einsetzte und erst beim Dämmern der Dunkelheit abbrach; dazu Nächte: bei schlechtestem Wetter im Freien in den Mantel gehüllt und das Gewehr im Arm“, so Ende August einer, der sich später bei einem Nachtangriff das Eiserne Kreuz geholt hat und noch später beim Morgengrauen — den Tod. „Bis jetzt ist es mir immer noch gut gegangen,“ läßt sich ein anderer vernehmen, „und meine Freude und die Begeisterung, mit der ich hinauszog, haben sich nicht verringert. Wohl kann ich von Schlachten und Stürmen nicht erzählen wie meine älteren Kameraden; aber doch hab’ ich schon manches gesehen und erlebt, woran man sich in der Heimat keinen Begriff macht.“ Dazwischen eine Stimme: „Ich komme nicht dazu, die Schönheiten der septemberlichen Vogesen zu genießen; ich weiß nur, daß wir mitten drin stehen und alles vernichten, was uns auf unserm Weg gegen Westen lästig erscheint. Der Krieg ist das Schrecklichste.“ Eine Nachricht meldet: „Meine Aufgabe ist, im Operations- und Etappengebiet die Fabriken zu durchsuchen nach Kriegsrohstoffen, sie zu beschlagnahmen und den Abtransport einzuleiten. Es handelt sich dabei um Düngemittel, Leinsamen, Ölkuchen, Benzol, Benzin, Petroleum, Kautschuk, Wolle, Panzerplatten, Kupfer, Zink, Messing, Zucker. Das ist der moderne Krieg: Vernichtung des Gegners auch auf wirtschaftlichem Gebiet.“ 3492 Was für Greuel junge Leute sehen mußten, vor denen doch die Schule verhüllt hatte, was erst dem kühleren Blick des reifenden Mannes taugt, das mag aus folgenden Zeilen hervorgehen: „Die Tage von Trouville, Ceres und Nancy, der 17. November namentlich, sind mit blutigen Lettern in die Geschichte unseres Regiments geschrieben. Das Gefecht' bei Spada vergesse ich niemals. Denn dort liegen viele unserer braven Kameraden begraben. Dort mußten wir auch Zusehen, wie die Franzosen unsere verwundeten Kameraden ins Feuer warfen. Dort fanden wir einen vom 10. Regiment mit ausgestochenen Augen an einen Baum gebunden. Wir waren darüber ungeheuer empört und verlangten, blutige Rache zu nehmen.“ Die Rache ereilte die rothosigen Kulturträger auch; wie, das wollen wir uns ersparen. Angesichts von so viel Schrecklichem und Häßlichem mag es tröstlich klingen, wie sich trotz allem wieder der leichte Sinn der Jugend und ihr Ilumor durchringt. Zeigt mir da einer seine Verwundung an: „Die Herren Engländer konnten es nicht sehen, daß ich einen Klemmer trug, und darum schossen sie ihn mir herunter. Gerade über der Nase haben sie mich an die Stirn getroffen. Sie haben sich an der Güte eines altbayrischen Schädels getäuscht: außer Kopfweh macht mir die Sache nichts und ich denke bald wieder im Dienst zu stehen.“ Das war derselbe, der mir kurz vorher versichert hatte, er bekomme den Spektakel beim Abexerzieren satt, trotzdem er zum Gefreiten befördert worden sei, wollte er lieber unter meiner Leitung „Deutsche und astronomische Schulaufgaben“ schreiben. In einem fein säuberlich mit Bleistift gekritzelten Brief finde ich die Versicherung, daß ein Schützengraben weder ein Klubsessel noch ein Paradiesbett sei, und ein dritter beruhigt mich durch die Mitteilung, sein gesundheitlicher Zustand sei glänzend wie niemals zuvor. Er habe stets Appetit für drei und einen recht gesunden Schlaf, „der sich besonders bei Nachtwächtergeschäften recht auffällig bemerkbar macht.“ (Na du, fest steht und treu . . . ??) Ein junger Schwerer Reiter äußert schwere Bedenken über das am Weihnachtsabend verzapfte schwere Bier, „das fast zu reichlich floß — oder können die Schweren Reiter nichts mehr vertragen?“ Ja, ja, wie er räuspert, wie er spuckt ... Im übrigen schlagen Briefe aus der Weihnachtszeit auch andere Töne an: „Wir haben gestern Christabend gefeiert, deutsch gefeiert mit Baum, Lichtern und Süßigkeiten. Die Festlichkeit war einfach, aber schön und feierlich. Die Franzosen, in deren „Häusern“ wir wohnen, sahen zu, wie die deutschen Soldaten mit kindlicher Einfalt den Baum ansteckten. Die Franzosen sind kein e Barbaren. — Soeben hab’ ich von nachts 11—1 Uhr Posten gebrannt. Die Nacht ist heute zum erstenmal winterlich kalt. Sogar der sonst unbezähmbare Schmutz ist etwas gefroren. An diese Wache werd’ ich noch oft denken. Die Natur war ruhig und feierlich, sternklar und mondhell. Von fern her klangen Glocken, aber nur leise, leise — wie Friedensgerüchte. Die Front entlang schweigen Orgelton und Glockenklang. Drüben am Schloßpark von Maricourt stiegen und fielen Leuchtkugeln. Man hätte an eine festliche Illumination denken können.“ Übrigens „die Franzosen sind keine Barbaren“ — wie muß das ins Ohr derer klingen, die uns Barbaren nennen! Ein solcher — es war mein mxrchenxre1 — schreibt unterm 7. Jänner: „Vor meinem Auszug ins Feld noch ein herzliches Lebewohl! Nun hat’s ein Ende mit den Märchen, jetzt kommt die Wirklichkeit. Aber ich glaube, auch im Schützengraben wird mancher Märchenzauber weben.“ — Glück zu, du — Gott sei’s gedankt — Unverbesserlicher! Ein anderer „Barbar“ fragt mich mittenhinein zwischen Berichten von Tod und Elend alles Ernstes, ob diese und jene Kennzeichen an dieser und jener Kirche mehr für Barock oder Rokoko sprächen; ein weiterer bedauert, daß ich nicht mit ihm im „Reiche des Löwen von Flandern“ weilen und nach Herzenslust — alte Kirchen auf mich wirken lassen könne. Ein unzertrennliches Paar dieser Barbarengattung schildert mir, wie sie im Schützengraben geologische Studien anstellen über Geschiebe- und Gehängelehm, Lößkendel, Uber kreidigen Untergrund und seine Einwirkung auf das verflixte stagnierende Wasser und während ich diese Zeilen niederschreibe, fliegt mir eine Karte aus dem Feld postfrisch vor die Feder: Cominlo, 27. Februar 1915. „Dankbarst empfind’ ich hier im Feld die Segnungen Ihres Unterrichts. Nachts auf Posten blick’ ich gern zum Sternenhimmel und tagsüber kann ich im Schützengraben Erdschichten studieren, x.'. . .“ 1 mxrchenxre (mhd.) Märchenerfinder und -erzähler. Daß Schützengrabenstudien manchmal „tiefer“ führen können, als mancher „Forscher“ beabsichtigt, davon weiß ein wackerer Seminarist und Kanonier ein Lied zu singen: „Kürzlich befand ich mich in einer fatalen Situation. Ich war an einer besonders tiefen Stelle bis zu den Schenkeln eingesunken und konnte aus eigenen Kräften nicht mehr loskommen. Eine geschlagene Stunde mußte ich in der Stellung verharren, bis zwei Pioniere kamen und mich frei machten. Zum guten Trost geht es den Franzosen auch nicht besser. Ich hab’ sie selbst schon öfter beobachtet, wie sie mit ihren Spaten Schlamm aus den Schützengräben werfen.“ „Barbaren“art verrät sieh nicht zuletzt auch in der Weise, wie unser braver Nachwuchs seiner Schule und seiner Lehrer gedenkt. „Ich weiß, daß mich die Glück- und Segenswünsche meiner hochgeschätzten Herren Lehrer begleiten und fühle ständig neuen Mut in mir. Sie sollen sieh in mir nicht getäuscht haben,“ läßt sich einer vernehmen. Ein anderer äußert sich: „Die Erinnerung an die schönen Stunden, in denen ich Ihren Unterricht genoß, führen mich dazu, ein paar Zeilen des aufrichtigen Dankes zu schreiben.“ Ein dritter: „Vor dem Tod im Feld schrecken wir nicht zurück; gilt es doch zu sterben für Vaterland und Heimat, für Vaterhaus, Eltern, Geschwister und Freunde. Der letzte Augenblick aber soll mich nicht überraschen, bevor ich gestanden habe, daß ich meine Lehrer achtete und liebte und in ihnen Menschen sah, deren Höhe zu erreichen ich mich stets bestrebte.“ Das schon erwähnte Dios-kurenpaar versichert: „Unser beider Gedanken schweifen oft zurück an die liebgewonnene Stelle unserer Ausbildung.“ Eine andere Karte meldet: „Sitze eben in guter Unterhaltung mit mehreren Kollegen aus dem Schwabenlande in meinem Unterstand. Und da wir eben so manche Erinnerung an die Seminarzeit gegenseitig zum besten geben, gedenke ich auch Ihrer in Dankbarkeit.“ „Das Paket der K. Lehrerbildungsanstalt hab’ ich erhalten,“ beginnt ein Dankbrief an den Direktor, geschrieben im Unterstand einundeinehalbe Stunde nw. von St. Miliiel; „wieder durfte ich die große Freude erleben, daß die Anstalt, an der ich unvergeßliche Stunden und Tage voll Sonnenschein erlebte, ihre Schüler nicht vergessen hat. Das gibt mir wieder Mut in diesen schweren Tagen. Ich weiß nicht, in welcher Weise ich Ihnen, hochgeehrter Herr Direktor, meinen Dank abstatten soll. Ich glaube, es am besten so zu halten, daß ich stets eingedenk bin, ein Schüler der Lehrerbildungsanstalt Pasing zu sein.“ Zum Schluß noch ein Geständnis: einer der angehenden „Barbaren“ hat sich doch eines Verbrechens schuldig gemacht, aber eines — poetischen, geliefert am 28. Februar 1915: Rast. Hei! Rasten nach wildem Kampfgewtihl, Die Flint’ in die Ecke gestellt! Hinaus in den lachenden Frühlingstag, Gott grüß dich, du schöne Welt! Wie rauschen die Wälder, die lieben doch, Nur schnell einen Stab geborgt. Ich bring’ ihn durch helle Lieder ein, Mein Wald du, sei unbesorgt! Hinaus in die Wälder, das rauscht so froh! Nur tief in die Wälder hinein! Die wenigen Stunden verfliegen schnell Und da soll es — ruhig sein. (Ist Barbarenart überall so? War sie immer so?) Seminarlehrer A. Striehsl in Pasing bei München. 4. Ausweis über die zweite Kriegskrone der „Bl.“. L. Hummel, Obi. in Qrünau 3. — Lehrkörper d. Knabenschule in Skotschau 1. — A. Eilnbcrger, Obi. in Rohrendorf 1. — V. Pollam, Schll. in Wigo di Fassa 1. — J. Schober, Schll. in Liebesdorf 1. — J. Hein, Schll. in Hirschberg 1. — P. Popper, Lehrerin in Eggendorf 1. — A. Fritz, Lehrer in Aich I. — H. Dostal, Schll. in Pinkante 2. — J. Raschauer, Schll. in Rohling 1. — J. Michatsch, Lehrer in Aspang 1. — M. Hechenbichler, Obi. in Hofkirchen 1. — F. Kopec, Lehrer in Braunau 1. — F. Scheibenreif, Obi. in Süßenbach 1. — J. Holoda, Obi. in Groß-Steurowitz, 1. — U. Steska, Lehrerin in Store 1. — St. Wolf, B. Sch. Insp. in Troppau 1. — G. Mathe, Lehrer in Traismauer 1. — A. Pohl, Schll. in Limbach 2. — Ortsschulrat in Möderbrugg 2. — G. Mayer, Obi. in Köstendorf 1. — E. Zelesnik, Obi. in Alt-Ruppersdorf 1. — J. Pothorn, Schll. in Großmaul 1. — Volksschule in Zameäko 1. — Volksschule in Modriach 1. — M. Kaller, Lehrerin in Neulengbach 1. — Schulleitung in Puchen au 1. — R. Winter, Lehrer in Ruppersdorf 1. — K. Pawlowski, Fachl. in Skotschau 3 80. — W. Fischer, Prof. in Mies 2. — J. Gobiirsch, Lehrer in St. Katharina, B. 2. — K. Wunderlich, Obi. i. R. in Asch 2. — Deutsche Volksschule in Wal.-Meseritsch 1. — Julie Rotier, Lehrerin in Pinkante I. — Schulleitung in Ebenthal, N.-Ö. 1. — Fr. Steffan, Obi. in Briesen 1. — Schulleitung in Bruck, O.-Ö. I. — H. Wilezek, Schll. in Innsbruck 1. — Barmherzige Schwestern in Lochau 2. — Ortsschulrat in Elixhausen 1. — H. Schobel, Lehrerin in Höchst 1. — E. Körner, Schll. in Kurlupp 1. — N. Tiefenbach, Obi. in Zaisa 1. — E. Heubusch, Lehrer in Wartberg 1. — F. Tremel, B. Sch. Insp. in Oeblarn 1. — H. Knapp, Lehrerin in Langenlois 2. — W. Schuster, B. Sch. Insp. in Marienbad 1. — Mädchenschule in Haid I. — A. Blaschke, Obi. in Niederluhwe I. — Th. Ruß, Lehrerin in Hainersdorf 1. — F. Ludwig, Prof. und k. k. B. Sch. Insp. in Warnsdorf 1. — A. Rath, Obi. in Labuch I. — E. Hermann, Lehrer in Nieder-Lindewiese 1. — I. Thuma, B. Sch. Insp. in Adelsberg I. — A. Herold, städt. Lehrer in Wien 3 80. — I. Domes, Lehrer in Müglitz 1. — E. Schober, Lehrerin in Fieberbrunn 1. — W. Krombholz, Obi. in Groß-Grünau 1. — A. Dulgheriu, Obi. in Kaczyka 1. — H. Knirsch, Schll. in Schlock 1. — St. Fischer, Obi. in Töstitz 1. — F. Kopetz, Obi. in Alberndorf 1. — R. Winter, Lehrer in Ruppersdorf I. — I. Seidl, Lehrer in Obergrund 1. — J. Proksch, Bürgerschullehrer in Laa 1. — A. Kunz, Direktor in Königshof 1 80. — St. Richter, Schuldirektor in Brüsan 1. — J. Rotter, Lehrer in Schildern 2. — M. Schinko, Lehrerin in Alt-Melon 2. — St. Holub, Oberlehrer in Hermanseifen 2. — Ortsschulrat Kraßnitz I. — Zweiglehrerverein in Eferding-Aschach 1. — Schulleitung Enzersfeld 1. — A. Fiala, Lehrer in Oberalm I. — J. Horn, Lehrer in Traiskirchen 1. Bisheriges Ergebnis der zweiten Kriegskrone K 425-40. Innigen Dank mit der Bitte um weitere Spenden I D. Sch. Kricgsbrlcfkasttn. Der Krieg Hai ein gigantisches Maß. Unter seine Spanne kann nichts Gewöhnliches, nichts Unscheinbares, am wenigsten das, was man schulmeisterliche Kleinkrämerei nennt, fallen. Groß ist er in seinem Geschehen, groß in der Wirkung und groß auch in den Gedanken, die er zeugt. Wir werden den Blick-punkt in Fernen rücken und das Gesichtsfeld weiten müssen, wollen wir alles überschauen, was der Krieg erschlossen hat. Ich war sonst ein Freund der schmerzlosen Übergänge, der allmählichen Entwicklung; aber das hat sich geändert, seit die Zeit so ganz anders, so gewaltig schreitet. Wer heute Neuerungen mit Leise-treterei betreibt und Zugeständnisse nach rechts und nach links macht, lebt in einer Welt, die war, aber wohl kaum wiederkehren wird. Jetzt gilt es, in hohem Schwung das zu Überwinden, was uns in der vollen Auswirkung unserer Pläne bisnun hemmte; jetzt gilt nur der kühne Flug ins Große. Das Kleine schält sich von selbst heraus. Also winkt uns eine Arbeit im weiten Maßstabe des Krieges, eine Arbeit für eine bedeutungsvolle Zukunft unseres Standes und unseres Vaterlandes. Ich habe aus der Fülle von Eindrücken und Besprechungen bereits einige feste Linien gezogen und bin nicht gesonnen, zuzuwarten, bis die Waffen ruhen und etwa süße Schlafsucht nach dem schweren Tage Menschen und Ideen befällt, sondern werde jetzt, da noch der Kampf tost, da noch Frische und Größe die Geister umfangen hält, das Werk beginnen. Wer will ihm seine Kraft leihen, wer will in irgendeiner Weise an dem Neubau schaffen, wer will für sich ins Alter das Verdienst hinüberretten, in den Zeiten der Umwälzung mitgewirkt zu haben? Wenn der Enkel einmal fragt: „Großvater, wie hast du den Weltkrieg miterlebt?" soll wenigstens die eine Antwort folgen: „Ich habe daheim all mein Gut und all mein Sinnen eingesetzt." — Lehrer A. 5$. in K. (Steiermark): Ob ich die Kritik schiefnehme? Niemals, wenn sie sachlich und vornehm ist! Ob Sie im Recht sind oder ich, darüber soll sich jeder Leser selbst klar werden. — Sie fragen, ob bei einem Briese an einen im Range Höher-stehenden die Schlußformel „Ergebenst" genügt? Nein! „Ergebenst" ist das Letzte, wenn man sonst nichts zu setzen weiß. Wenn Sie einer abschütteln will, schreibt er kurz „Ergebenst". Mit einer Garnitur versehen, klingt es allerdings anders. — Lehrer H. in JL: So mich jemand ob meiner Ideale für Stand und Amt verhöhnt, so ist er entweder einer, der im Sumpfe steckt und nichts mehr kennt als Krötendust und Krötensang, oder ein Neiding, dem es die Seele zerfrißt, weil er in der Welt so gar nichts bedeutet. Grämen Sie sich doch nicht ob des Packs! Gehen Sie Ihre Wege und lassen Sie die Armen im Geiste in dem Gisthauch glücklich sei»! — An meinen Schüler It. in S.: Hab' ich es Ihnen doch immer gepredigt: „Antichrist geht herum und will die Jungmannschast zum Nichtstun verführen." Weisen Sie dem Elenden die Tür! — Als ISeihnachtsgave empfehle ich Kleyers „Pftb. Edelsteine ans Polacks Brosamen" in Goldschnitt (Verlag Prügel in Ansbach, Bayern. Preis 3 K.) — Direktor K. in I*.: Mit meinen Feldpost-Nummern bat es eben einen Hake», weil ich die Kommandcn wechsele. Am besten ist es, Sie schreiben nach Mies. Dort weiß man, wo ich augenblicklich stecke. — Schilt. K. St. in Z. (Hirak): Lesesrüchte aus Schriften, die der Zeit entsprechen, sind willkommen. Liebesgesäusel u. dgl. — Papierkorb. — Höf. Sch. in K.r Ihr Brief hat mir eine seltene Idylle entrollt: Das herzliche Einvernehmen zwischen dem Vorgesetzten und den Untergebene». Sie loben den Junge», den wir Ihnen sandten, und beneiden ihn nicht. Wo sind all die ändern Ober-, die solche Selbstzucht üben! Gar oft muß das Talent schweigen, weil der Höhere den Glanz nicht duldet. — Lehrer K. II. in I>.: Aus Ihrer Zuschrift: „Durch eine harte Schule bin ich bescheiden und einsichtsvoll geworden. Ich begreife, daß nicht alles, was man cinschickt, brauchbar sein kann, ist ja doch die Brauchbarkeit für eine Zeitschrift auch etwas sehr Relatives. Die Zeit, da ich davon träumte, ein großer Dichter zu werden, ist lang vorüber. Man muß zufrieden sein, wenn man kann, was man soll. Damit will ich aber nicht sagen, daß alles Streben in mir erstorben sei. Ich halte mich an den Luxus semper virens: Immergrün, hart und zäh. Äußerliches drängt mich mehr zum Schreiben." — Lehrer K. H. in A.; Daran erkenne ich es, daß Sie mein Schüler waren, weil Sie der Ruf zu den Waffen nicht schreckte, sondern in Ihrem Eifer hob. Wären Memmen unter meiner Hand gediehen, ich legte die Kelle weg und ließe mich begraben. — Kvnngsschnllehrcr A. St. in Men: Wieso der Krieg gerade die Besten wegrcißt? Weil sie die Gewissenbastigkeit in den Kampf treibt. Der Pflichtvergessene duckt sich und drückt sich; ihn trifft keine Kugel. — „Hllerreichs Issustrierle Zeitung" (Wien 6, Barnabitcngaffc 7 a) hat durch den Krieg an Ausstattung bedeutend gewonnen, so daß sie den besten Bilderzeitschristen beigezählt werden darf. Unter Berufung auf die Bl. ein Probestück kommen lassen! — IZezirksschuNnspektor Dr. K. ZS.: Wie, Sie, ein Inspektor, wagen es zornig zu sein?! Ei ja, Sie hängen ja nicht an dem Gnadenzipsel von Parteibonzen. Recht so! Dreschen Sie einmal tüchtig drein! Allerdings werden Sie dann nicht mehr lange den „Herrn von . . ." spielen. — An den Mitschüler A. H. in A.: Unser 25. Gedenken an die Reifeprüfung wollen wir nach dem Kriege feiern. Da mögen dann die alten Zeiten ausleben und neue Spangen »ns aneinanderschließen ! — Druckfehler sind bei dem Arbeitermangel und im Hinblicke darauf, daß mich mancher Bürstenabzug nicht erreicht, unvermeidlich. Nach dem Kriege soll wieder der Stist sorglich walten! — An die „Züricher Zeitung": Sie fragen: „Ist ein ewiger Friede möglich? Darauf antworte ich mit Nein. So meinte es auch einer der Generale, mit dem ich den Gegenstand besprach. Im Menschen webt der Krieg; von Zeit zu Zeit bricht er stch Bahn. Sowie sich im Einzelnen die Spannung als Tat auslöst, oft als starke Regung, so äußert sich bei den Völkern die Expansion als Aktivität mit gewaltigem Ausschlag. Dann ist Krieg. — Hin Schulchristvanm (Vergl. hiezu die Erzählung auf S. 3488!) sollte heuer allerorts erstehen und die Gemeinde versammeln. Erstens hilft er sparen, zweitens weht er inniges Fühlen von Brust zu Brust. Eine Vortragsordnung für eine Volks- und Weihnachtsfeier enthält in eingehender Darstellung Folge 132 (Dezember 1914) aus Seite 3148 unserer „Bl.". Möge es niemand versäumen, das, was dort Punkt für Punkt aufgesührt ist, zur Tat werden zu lassen! — 19101 Wie soll uns das neue Jahr finden? Stark, einig, voll Zuversicht und voll Arbeitsfreude! Unsere „Bl." werden hiezu den sortschwingenden Unterton bieten. Wir marschieren im Sturmschritt der Zeit. Was sich uns hemmend in den Weg stellt, wird niedergelreten. „Freie Bahn für freie Ideen!" das ist Losung. Ich habe es bereits einmal angekündigt: Nach dem blutigen äußeren Kriege kommt der innere Kampf, das unerbittliche Zerschlagen der alten Formen, in denen kein Inhalt liegt. Die Drohnen im Staate müssen vernichtet, die gehätschelten Liebkinder, die eine sorgende Hand aus wichtige Posten gebracht, in Stellen geschoben werden, denen ihre schwache Kraft entspricht, Einrichtungen, auf denen der Staub eines Jahrhunderts liegt, in das Rarilütenkabinctt befördert und Gedanken, die der Krieg frei-gemacht hat, rasch vorgeschoben werden, weil sonst die Starren und Geistlos-Geschäftigen kommen, um sie entweder zu stauen oder zu verfälschen. Unsere „Bl." haben es übernommen, diesen Kampf, der persönlich einen Troß von Gegnern zeugt, zu führen. Wir scheuen nicht das Gekläff der Ergrimmten, nicht ihr Geschoß, nicht die Minen, die sie jetzt schon legen, sondern ziehen mit frischem Mut ins Feld wie der Tapfere an des Reiches Grenzen. „Sieg oder Tod!" das sei auch unsere Parole I Ein Österreich-Ungarn, in dem nur die wirkliche Arbeit gewertet und unbehindert der neue Geist gepflegt wird, ein Österreich-Ungarn, das sich der Heldenzeit auch im Frieden würdig zeigt, ein Österreich-Ungarn, das ans dem Weltmärkte ein großes Zelt anfschlägt, ein einiges, großes, starkes Vaterland wollen wir erkämpfen! Wer die Falschen und Feilen nicht fürchtet, trete ein und fechte mit! Die Memmen und die, die andere streiten lassen, ohne selbst einen Finger zu rühren, mögen fernbleiben! In unserem Trupp gilt nur der viel, der was wagt und die Furcht nicht kennt. — Talaufwärts durch den Krieg. 3. Aahrt in den Krieg. Mien lag noch im Schlafe, als ich aus« fuhr in den Krieg. Der Zufall brachte mich in die Gesellschaft eines hochstehenden Adeligen. Da ich so gar nichts vorn Vorrecht der Geburt verspürte, begrüßte ich das Zusammentreffen. Ansonsten rede ich im Eisenbahnwagen wenig, Mozu auch? Mein Gegenüber ist ja vorsichtig und ergeht sich darum bloß auf alltäglichen Gefilden; darüber läuft mir der Ausblick davon. Zwar habe ich den Katzensteg über den Semmering schon hundertmal durchfahren; allein es lockt mich immer wieder ans Fenster, immer wieder erfüllt mich Staunen über die menschliche Kraft und die Mächtigkeit des begleitenden Geländes. Mein vornehmer Begleiter stieg aus. Ich dachte nach, was alles er aus der rauhen Kehle gesprochen: „Unsere Volksschule betreibt einerseits zuviel Spielerei und greift anderseits zu weit hinaus." Das hatte den Begüterten veranlaßt, feine Kinder daheim unterrichten zu lassen. „Die Lehrer »erkünsteln, was an sich so natürlich ist. Das Leben wächst zu wenig in die Schule." — Ein hartes Urteil. Der es aussprach, war einmal Bezirkshauptmann, also Vorsitzender des Bezirksschulrates, ein Schulvorstand. Mie, wenn viele seines Standes so urteilen? Mir sind gewohnt, dagegen Stellung zu nehmen, eine „Resolution" in die Melt zu schicken. Ändert sie die Note? (Dder wäre es nicht geraten, aus der Kritik die zutreffenden Stücke zu suchen und zu besehen? — Eine gesprächige Mama, die mit ihrem Jüngsten zu dem verwundeten Altesten reiste, schnitt den Faden meiner Träume ab. Sie wollte Auskunft über den Stand der Kriegsereignisse und über eine mögliche Voraussicht. Hatte wirklich der höhere Zweck mir ein höheres Aussehen verliehen, daß sie'in mir den Kriegsmann erkannte? Geschmeichelt ob der Diagnose ließ ich den Redestrom geduldig über mich rauschen. Mer nie mit einem redereichen Meide in einem Abteil Stunden verbringe» mußte, der kennt euch nicht, ihr — höllischen Mächte. Ärger kann doch ein Trommelfeuer auch nicht sein I Endlich, endlich entglitt die Holde in strömendem Regen unserer Klause. 3ch war gerettet. Mir staken noch mitten in den steirischen Bergen — und schon hieß es: „Gefangene Italiener rollen ein." Ja, da waren sie, die ein Ränkeschmied zu Lug und List geschweißt! Arme Gesellen, bedauernswerte Gestalten! Gleich daneben stand eine Reihe von Magen, voll beladen mit Kanonen aus dem eroberten Iwangorod. Mas mußte da in die Seele der Gefangenen schleichen, als sie die todbringenden Rohre, bestimmt für ihre Genossen, sahen I Eine Dame warf den schweigsamen Kanonieren s K hinüber, zeigte das Geldstück jedoch vorerst allen Anwesenden, damit ihr Patriotismus recht bewertet werde. Diese prahlsucht mit den heiligsten Gefühlen! — Die ersten Boten des Krieges ließen sich nicht allzu grausig an. Zwar stierten die schwarzen Rohre grinsend in die Luft und man konnte sich so recht den Jammer ausmalen, den sie bringen; allein sie waren ja gegen Süden, gegen de» elenden Meuchelmörder gerichtet. Also reiste ich frohgemut nach ihrem Zeiger weiter. Mir krochen über einen hohen Hang hinan. Drunten lag, vom Regen frisch getüncht, ein weites, weites Tal. Die Berge stiegen wie Majestäten herab und schäumende Bäche stürzten durch die Falten ihres Mantels. Ich ließ den Blick durch die Furche ziehen und sprach versonnen zu mir: „(D selig, o selig, ein Unterlehrer zu fein! Dort droben, wo die Berge zueinanderlaufen, liegt ein niedlich Städtlein; in dem Hab' ich zwei schöne Jahre, Jahre der Jugend, verlebt. Damals gab es Krieg mit besorgten Vätern, denen schöne Töchter geboren, und mit ängst- 3497 lichen Vorgesetzten, denen jede Regung des Neunzehnjährigen Sünde war. Ja, wüßten die, die uns in der Zeit eines frischauf» wallenden Innenlebens in den Panzer des männlichen Ernstes zwängen, daß sie uns die Jugend, einen unwiederbringlichen Schatz, rauben, sie hätten Erbarmen. So aber greifen sie hart hinein in ein quellendes Herz und sengen es aus und brennen es aus. Ich grolle ihnen nicht, war ich doch damals stark genug gewesen, die Fesseln zu sprengen, sondern sandte ihnen einen Trcugruß hinauf durch die Runse. — Unser Eisenroß ächzte über die Lehne und hatte endlich die Höhe erklommen. Nun konnte der Blick in die Ferne schweifen. Dort also, dort im weiten Blau, donnern die Geschütze, dort wütet der Kampf! Dorthin geht mein Sehnen. Am liebsten wäre ich schnurstracks weitergesahren. Allein es galt, den Sohn eines lieben Bekannte» aufzusuchen. Der brave Junge hatte sich freiwillig zum Kriegsdienste gemeldet und lag da rechts in einem Nest. Ich traf ihn just beim Unterrichte. Ein eigenartiges Schulzimmer, eine eigenartige Methode! Auf dem Dachboden eines alten Schlosses lagerte eine Schar von etwa 200 Feldgrauen und horchte auf das U)ort des Erklärers — und des Himmels Wolken sahen durch die Dachluken herein. Di? Methode? Sie war gut, ja sie war besser als manche, die durch die Übungsschule geglitten. Der Feldwebel hatte eben das Gewehr zerlegt, Teil für Teil besprochen und dann wieder alles aneinandergesügt. Als er das Werk vollendet zeigen konnte, sprach er also: „Kommen Sie, Einjähriger N., und machen es nun Sie einmal vor I" Wenn man unsere Zöglinge gleich vom Beginn so schulte, man ersparte viele Hospitationen und Lektionen und viel unnütze Worte und vollbeschriebene Papiere. Ja, der gesunde Sinn, würde der doch wieder einmal herrschen! — Nach der geschilderten Vorführung geleitete mich mein Schützling in den Kreis seiner Freunde. Wie nicht anders zu erwarten war, hatte der Zwang sich in tolle Fröhlichkeit gelöst. Ich schwelgte gern in ihren Wellen; allein als sie zu hoch gingen, drang es mir schmerzlich durch den Sinn, daß unsere Blüte so früh von dem Reif der Zote getroffen wird. Die Alten unter den Eingerückten scheuten sich nicht, angesichts der Kinder im Flaum die häßlichsten Kasernhosgewächse aufzudecken. Diese Grausamkeit! Der Haupt« mann, mit dem ich über meinen jungen Freund sprach, lobte an ihm den strammen soldatischen Sinn und wertete den über alles. Das gefiel mir. Auch wir sollten den echten Lehrergeist über schulmeisterliche Mätzchen heben und vor allem preisen. Was nützt der Handgriff, wenn es an der Durchdringung fehlt! — Die Nacht brach ein. Ich rollte weiter. Als ich an der Grenze angelangt war, über die hinaus kein feindlicher Fuß den Boden betreten darf, gurgelte was hinter den Bergen hervor. Der Schaffner, den ich fragend angesehen, sagte gleichgültig: „Heute scheint der Walische wieder viel Pulver übrig zu haben!" — Also in der Kriegszone I Was wird der neue Tag bringen?. . . (ZVirb fortgesetzt.) Polack-Ccke. 4. Wer zuviel redet, der macht sich und die Kinder müde. Brosamen II., S. 80. 3498 Sol'datenöüchl'ein für die österreichifch-ungarilche Armee.' Soldaten im Feld! Dies Büchlein ist ans dein dankbaren Herzen des Volkes geschrieben. Ich habe alles, was den Mann in der Heimat bewegt, was im zarten Frauengeinüte für Euch, Ihr Braven, schlummert, was vom Kinde bis zum Greis alle erfüllt, abgehorcht und sende es Euch nun als Gruß hinaus in den Kamps. Aber noch mehr: Ich breite den Krieg, wie er kam, wie er ward und wie er nun ist, vor Erich aus. Ihr seid ja nicht Soldaten wie die des russischen Zaren aus dem fernen Osten oder wie die Farbigen der Feinde im Westen, daß Ihr kämpfet, ohne zu wissen, wofür uitb bis zu welchem Ziele. Euch soll der Gedanke an die wahren Ursachen des Weltkrieges und sein Ende zu hohen Taten begeistern. Dann schlägt das Schwert doppelt tief, dann trifft die Kugel doppelt scharf. Ein Stück von dem großen Feldherrn, der die Massen lenkt und den Sieg schon im Plane erblickt, wohnt in Euch, auch in dem Mann ohne Sterne. Es war wohl bisher auch so; sonst wäre nicht jeder Österreicher, jeder Ungar ein Held gewesen. Allein, da der Krieg eine neue, wohl die letzte Wendung nimmt, mvget Ihr einmal das ganze große Schauspiel übersehen. Das „Soldatenbüchlein" ist ein Bote, der belehrt, der Kunde und Grüße aus der Heimat bringt, der Euch zu neuem Hcldenmutc entflammt und mit Segenswünschen in den Kampf geleitet. Verwahrt ihn wohl; er wird Euch stärken, schützen und in fernen Tagen an eine große Zeit erinnern! — Weerz. 1. Warum es zum Kriege kam. Jeder Mensch hat einmal im Leben eine schwere Krankheit zu überstehen. Sie steckt vielleicht schon lange Zeit in ihm, ohne daß er es weiß. Wenn sie dann ausbricht, sagt der Betroffene: „Hält' ich mich nur nicht verkühlt!" oder: „Ei, wahrscheinlich habe ich was Unrechtes gegessen!" oder: „Vielleicht hat mir der Verdruß geschadet!" Und so sinnt der Kranke hin und her, ohne darauf zu kommen, daß sich das Leiden schon lange vorbereitet hat. Auch mancher Arzt blickt nicht weiter zurück und verschreibt darum nur Medizinen, die für den Augenblick betäuben, aber nicht das Grundübel heilen. Das ist ein schlechter Arzt. So und nicht anders steht es mit dein gegenwärtigen Kriege. Das, was die meisten Menschen als seine Ursache betrachten, ist bloß der Ausbruch der bösen Krankheit, die die Volker befallen hat. Sie steckte schon lange in ihnen. Der kluge Arzt, d. i. der Staatsmann, kannte sie längst und wußte, daß sie nicht abzuwenden sei. Das Grundübel war derart, daß kein Medikament helfen konnte, nämlich das: der Engländer konnte es schon seit vielen Jahren nicht vertragen, daß der deutsche Handel immer weiter um sich griff. Deutschland war eben nach dein siegreichen Kriege von 1870/71 in der Industrie so mächtig geworden, daß es .nicht allein das eigene Land vollauf versorgen, sondern auch aus dem Weltmärkte viel verkaufen konnte. Und deutsche Erzeugnisse erwarb jeder gern, weil sie gut und dabei billiger waren als so manche Schundware des Engländers und des Franzosen. Da steckten nun die zwei die Köpfe zusammen sowie die unredlichen Händler in einem Orte, denen ein neuer Kaufmann das Geschäft verdirbt, und berieten, wie sie sich den Konkurrenten vom Halse schaffen könnten. Sv begann die böse Krankheit, die wir Krieg nennen. — Weil nun die beiden Freunde wußten, daß Deutschland an uns einen erprobten Kampfgenossen besitzt, so wagten sie es nicht, loszu-schlagen, sondern sahen sich um Spießgesellen um. Sie hatten bald einen gesunden: Rußland. Dem plumpen Bären warfen sie zunächst blin- 1 Im Vorjahre sandten wir unseren Braven die „Grüße an unsre tapfere Armee" in die Schützengräben der Karpathen; heuer soll das Soldatenbüchlein in Tausenden von Stücken den Schritt des Siegers beflügeln. Damit die Daheimgebliebenen mitjubeln,- geben wir den Text hier wieder- Er wird vielleicht den Geist, der uns umweht, auch in die Schule bringen können. kende Goldstücke zu und machten ihm weis: „Schau, du bist vom Welthandel ganz abgeschlossen! Droben sperrt dir das Eismeer den Weg, drunten sitzt der Türke am Tor, au den Dardanellen. Komm mit, schlag mit, wir bezahlen den Spaß I Der Wächter am Bosporus kann aber nur bezwungen werden, wenn sein Beschützer, der Österreicher, vernichtet ist. Und mit dem kannst du leicht fertig werden. Schick deine Millivnenheere gegen ihn und du überrennst ihn in wenig Wochen!" — Das schmeichelte dem Russen und kam ihm just gelegen, denn Konstantinvpel, die schöne Stadt am Goldenen Hirni, die Dardanellen, die Ausfahrt ins Mittelländische Meer, in die Welt, wo die reichen Bodenschätze des weiten Reiches abgesetzt werden sollen, ei, das waren gar verlockende Dinge! — Wie wäre es aber sodann uns ergangen? Selbst wenn Rußland sich schnurstracks gegen die Türkei gewendet hätte, was zuvor schon dreimal geschehen war, hätten wir wie sonst jedesmal zu den Waffen greifen müssen. Fürs erste wären wir ja »ach der Besiegung der Osmanen von Rußland nach zwei Seiten hin eingeschlvssen worden, fürs zweite wäre unser ganzer Handel und damit die ganze vsterr.-ungnr. Industrie zugrunde gegangen. Wohin hätten wir noch Waren verkaufen können? Nach Deutschland? Es ist durch eigene Erzeugnisse versorgt. Nach der Schweiz? Dort steht es ebenso. Nach Italien? Der Welsche hat kein Geld, kein Manneswort. Mit dem kann man nicht handeln. Das hat er ja mit seinem schändlichen Vertragsbrüche bewiesen. Also blieb uns nur noch der Balkan offen. Und den wollte nun Rußland besetzen. Hätten wir ruhig zuge-sehen, so wäre das so gewesen, als ob wir uns beim Herannahen einer Krankheit in den Sarg legen und auf unfern Tod warten würden, anstatt alles aufzubieten, wieder gesund zu werden. So hieß es denn: Kämpfen oder sterben! Hätte Deutschland den Frieden um jeden Preis erkaufen wollen, so hätte es seine Schiffe verbrennen oder in den Grund bohren müssen, damit der Engländer nicht mehr um den Profit auf dem Weltmärkte Sorge haben sollte; hätte Österreich-Ungarn den Bären im Östen zufriedenstellen wollen, so hätte es ihm den Weg nach Konstantinvpel freilassen und ihm obendrein ein paar tüchtige Brocken (Galizien und etwa auch noch Ungarn) zuwerfen müssen. Zu-guterletzt wäre der Italiener, wie er es ja dann später zeigte, auch noch gekommen, um aus unserem geliebten Baterlande ein paar Länder zu reißen. Das gleiche hatte der Franzose mit Deutschland vor. Kurz, die drei Kaiserreiche: Österreich-Ungarn, Deutschland und die Türkei wären zerstückelt oder wenigstens derart geschwächt worden, daß sie langsam hätten dahinsiechen müssen. — Der Russe dachte übrigens ernstlich daran, so recht nach Art wilder Eroberer uns von Haus und Hof zu jagen und dafür seine Leute aus Asien in unserer Heimat anzusiedeln. Daher ließ er zu Anfang des Krieges Tausende und Abertausende von Familien mit Sack und Pack hinter dem Heere einherziehen. Sie sollten die neuen Ansiedler für das eroberte Gebiet sein. Was wäre da aus uns geworden! Wohin hätten wir uns wenden sollen? Wo hätten wir eine neue Heimat gefunden? — Aus allem wird klar, daß der Krieg unabwendbar war. Die Bevrohlen, um die sich die Schlinge des Verrates immer enger legte, mußten darum bloß darauf bedacht sein, wie ihm am besten zu begegnen märe. Mit dem Jahre 1917 wollten die Verbündeten: England, Frankreich, Rußland (und wohl auch das schnöde Italien) losschtagen; bis dahin wären sie nämlich vollends gerüstet gewesen. So lange dursten wir nicht warten. Anderseits konnten wir nicht den Anfang machen, denn dann hätte es geheißen: „Seht nur, seht, Deutschland und Österreich-Ungarn haben den Frieden gestört!" — Aber, als das ruchlose Mördervolk im Süden sich an den kaiserlichen Prinzen, unfern Erzherzog.Thronfolger, vergriff, da konnten wir nicht länger zögern, zunächst einmal den Buben, der uns zwei kostbare Leben vernichtet hatte und der ja den bösen Anstiftern als Sturmbock diente, zu züchtigen. Unser weitblickender Monarch wußte in seiner Voraussicht recht gut, daß damit ein Weltbrand ausflammen werde; aber er konnte nicht anders: Die ruchlose Tat mußte geahndet und das Netz der Feinde aufgedeckt werden, che es zu spät war. „Ich bin mir der Tragweite meines Entschlusses bewußt." So sprach damals der gute Kaiser zu seinem Volke. Und wie er es in seiner Weisheit ahnte, so ist es gekommen: Ein Kampf von ungeheuerer Größe entbrannte; aber Gott war mit uns, der Gott, den unser Landesvater im Herzen trägt und im Gebete preist. — 2. Wie sich der Krieg entwickelt 1)at. Die Feinde hatten so gerechnet: Wir Engländer schließen die Mittelstaaten, d. i. Deutschland und Österreich-Ungarn, mit unseren zahlreiche» Schiffen von aller Welt ab, so daß sie von auswärts keine Lebensmittel beziehen können und daher langsam verhungern müssen. Edle Menschen, nicht wahr? — Du, Franzmann, 3500 marschierst, vereint mit unfern Truppen, quer über Belgien nach Deutschland hinein und du, mächtiges Rußland, überschwemmst mit deinen Soldaten Ostpreußen und Galizien. In Berlin und Wien gibt es zum Schlüsse ein Stelldichein ; dort werden wir die Beute verteilen. Fein ausgesonnen, gelt? — Es kam anders. Deutschland, das die Absicht der Gegner kannte, brach ohne viel Gerede in Belgien ein. Wohl fragte es sich vorerst bei der Regierung des Landes an, ob sie den Durchzug gegen eine hohe Entschädigung gestatte. Als sie es ablehnte und es klar wurde, daß Belgien mit Frankreich und England unter einer Decke spielte, konnte unser hoher Verbündeter nicht erst warten, bis das feindliche Heer an Deutschlands Tore rückte, sondern kam ihm zuvor. Wie Kartenhäuser zerflogen die belgischen Festungen, die den Weg verrammelten, vor den Krupp- und Skodamörsern. Ja, draußen auf den Schlachtfeldern in Flandern und vor den Mauern von Namur, Lille und Antwerpen hat der österreichische Aar die Flügel mächtig gespreitet; da ist die Welt in diesem großen Kriege zum erstenmale das Staunen über unsere brave Artillerie und die Taten unserer tapferen Fußtruppen angegangen. Aber es sollte sich noch steigern. Als die russische Welle heranbrauste, da warf ihr unser Vaterland die offene Brust entgegen; wie an einem Fels staute sie sich mit Donnern. Indes konnten Deutschlands Heere über den Boden Belgiens hinweg und in Frankreich eindringen und so den Kriegsschauplatz in das Land des Feindes verlegen. Dafür mußten wir Galizien preisgeben, denn trotz des größten Heldenmutes, den je die Welt gesehen, konnten wir der fünffachen Übermacht nicht standhalten. Doch an der Karpathenwand, da wurde ein kräftiges Haiti gerufen. Hier erwarteten wir die Millionen mit der Losung: „Über diese Mauer herein darf kein Feind in unser Haus einbrechen." Nicht nur an den Toren, sondern auch auf den Zinnen wurde den harten Winter hindurch Wache gehalten. Mancher von Euch, Ihr Wackern, ist dabei gewesen und hat trotz Sturm und Kälte Tag und Nacht treu ausgeharrt, den Boden der Heimat zu schützen. Der Karpathenwinter 1914/15, das ist ein Abschnitt in der Weltgeschichte, den nicht Jahrtausende verwehen können. — Mit dumpfem Groll rüttelte der Feind immer wieder an den Türen — vergeblich; sie waren versperrt, versperrt mit unfern Kanonen und Truppen. So oft.er auch in blindem Zorn den Durchbruch wagte, immer wieder prallte er zurück sowie der falsche ehemalige Bundesgenosse an der Wand der Alpen. — Im Ost- preußenlande, wo den russischen Armeen der Weg offen stand, ließ der deutsche Heerführer die Haufen vorerst ein wenig herein, um sie sodann in die Masurischen Sümpfe zu treiben und dort zu ertränken. Doch, was hals'sl Das ungeheure Reich des Zaren ist ja unerschöpflich. Heere verschwanden, Heere kamen und immer dräuender wurde die Not. Da ersannen die Lenker unserer Armeen einen Kriegsplan, nach dem die Übermacht des Feindes gebrochen werden mußte. Und in der Tat 1 Mit einem Ruck wurde am 2. Mai 1915 bei Gorlice das russische Heer auseinandergerissen und in große Verwirrung gebracht. Da es dem Gegner zudem an Munition mangelte, konnten unsere Geschütze ohne viel Widerstand gute Arbeit verrichten. Der Bär lernte das Laufen und trollte sich weit, weit in seine Sümpfe hinein. Wie im Herbste 1914 die Festungen in Belgien, so stürzten jetzt die seinen vor den deutschen und österreich.-ung. Mörsern. Ha, das war ein Jagen und Jauchzen hinter den wilden Haufen I Wer es mitgemacht hat, mag es sich zur Ehre anrechnen, an der größten Verfolgung, die je die Welt erlebt, teilgenommen zu haben. Diese Siege grämten einen sehr, der sich unser „Freund" nannte, im geheimen aber unser größter Feind war, den Italiener. Ihn schmerzten noch die Schläge, die wir ihm anno 1848/49, 1859 und 1866 zugeteilt hatten, als er sich vermaß, uns anzugreifen. Zudem befürchtete er, daß nach der Besiegung Rußlands Oesterreich-Ungarn zu mächtig werden würde, so daß er sich die ihm von England zugedachte Beute nicht ohneweiters nehmen könnte. Und allein etwas zu erringen, ei, das ist der Welsche nicht gewohnt, das hat er niemals vermocht. Also glaubte er den Zeitpunkt gekommen, den schon seit langem verborgenen Dolch zu zücken und uns hinterrücks anzufallen. „Im schönen Lenz und den Sommer über," so dachte er, „werden meine Truppen das Kampieren im Freien schon ertragen; na, und im Herbst, da bin ich schon in Wien, da gehört halb Oesterreich mir und ich kann als Sieger wieder in meine Heimat zurückkehren I" Ach, wenn es mit all dieser Rechnerei nur auch in Wirklichkeit immer klappte 1 Das traf beim Italiener ebenso wenig zu wie bei seinen Spießgesellen. Über Nacht waren unsere Alpentore vernagelt und verrammelt wie im Winter die Zufahrten in den Karpathen; am Jsonzo, wo eine breite Lücke den Einbruch möglich gemacht hätte, war auf einmal, wie vom Himmel herabgelassen, ein Massenlager zu bemerken; und draußen auf dem Meere wurde es lebendig wie in einem Teiche, wenn der Hecht zu spüren ist. Unsere 3501 Schiffe fuhren an italienische Städte heran, schossen militärische Gebäude in Brand und beförderten einige feindliche Panzerkreuzer hinab zum Meeresgründe. Wer daran denkt, darf den Namen Egon v. L e r ch nicht unausge-sprochen lassen! — Auch aus den Lüften flog mancher Gruß auf den Ehrlosen herab, kurz: Er sah nicht wenig verdutzt darein, als alles, ja gar alles anders kam, als er sich ausge-dacht hatte. Ich, der ich diese Zeilen schreibe, bin selbst an der italienischen Front von Stellung zu Stellung gewandert und habe mit Stolz und Bewunderung gesehen, wie groß, wie mächtig sich unser Vaterland in den Kämpfen gegen den Verräter zeigt. Gott grüße Euch, Jh/ Braven, Ihr Treuen auf der Felsenhöh' und drunten am Strand des Meeres I An Euerer Wacht zerschellt jeder Sturm. — 3. And wie es dann weiter kam. Der Anstifter des Weltkrieges, der falsche Engländer, der ja alles, was er sein Eigen nennt, mit lauter Lug und Trug zusammengerafft hat, hat bereits inehr denn tausend Schiffe verloren, denn wo er sich auch auf dem Meere zeigt, rasch, ehe er sich besonnen, ist ein deutsches Unterseeboot da, um ihm eine zischende Gabe zuzusenden. Da der „Held" selbst nicht in den Kampf zieht, sondern seine wilden Völker aus fernen Ländern ins Feuer schickt, so hat er zulande den Krieg zwar noch nicht sehr gespürt; aber es beginnt ihm dennoch gruselig zu werden und dies vor allem deshalb, weil er befürchtet, daß ihm unsere und Deutschlands Truppen sowie die der Türkei den Weg bei Ägypten vorüber verstellen könnten. — Der von England beschwatzte Franzmann, in dem die Lust ja niemals erlöscht war, das in den Jahren 1870 und 1871 verlorene Elsaß-Lothringen zurückzugewinnen und womöglich als Zins noch ein gut Stück Deutschland diesseits des Rheins mitzunehmen, liegt zerschmettert auf dem Boden. Wohl versuchte er es zu wiederholtenmalen, die deutsche Front, die weit vorgerückt in seinem Lande steht, nach dem Muster von Gvrlice zu durchbrechen. Es gelang nicht. — Das Gleiche probiert der Russe, dem Japan Kanonen und Munition geschickt hat. Umsonst, umsonst! Starr wie eine Felswand stehen unsere und Deutschlands Grenzarmeen. — Und der kleine Gernegroß im Süden, der Italiener? Der rennt sich den Schädel wund und kriegt vor lauter Kälte und Regen den Schnupfen. So also umgibt uns ein fester Wall nach allen Seiten. Darum konnten wir nach der einen hin, u. zw. gegen Serbien, marschieren. Das Volk der Mörder mußte vernichtet, das unglückselige Land erobert werden nicht allein zur Sühne für die ruchlose Tat an unserem Edelblut, sondern auch deshalb, damit wir den Weg zu unserem zweiten Verbündeten, dem Türken, freibekommen. Ha, an den Dardanellen mußte auch so manches Heer zerschellen! Da es Rußland an Pulver und Blei gebrach, wollten die Engländer und die Fron-zosen den schmalen Rachen zum Schwarzen Meere erobern, um dem in Not geratenen Genossen zu helfen. Hei, da gab es aber eine Wacht zu bezwingen wie für den Italiener in den Dolomiten und vor dem Karst! Jeder Sturm mißlang. Nur eines tröstete die Enttäuschten: Der Türke hat nicht Fabriken für Munition wie seine Freunde; er kann also aus die Dauer doch nicht widerstehen; seine Verbündeten aber sind durch Serbien und Bulgarien von ihm abgeschlossen. Also sitzt er in der Mausefalle wie Rußland. — Wieder eine falsche Rechnung! Mit einem kühnen Ruck wird Serbien erschüttert, Belgrad fällt, die anderen Donaufestungen fallen, bald flattern österreichisch-ungarische und deutsche Fahnen auf den Trümmern. Da stößt von der ändern Seite Bulgarien, dem auch ein ähnliches Schicksal wie unserem Vaterlande zugcdacht war, zu uns; die Heere reichen sich die Hand, der Weg nach der Türkei ist frei, der Weg von der Nordsee bis hin gegen Indien. Hu, das fährt dem Engländer in die Glieder! Indien, Aegypten, diese Worte gellen ihm wie Todesrufe in die Ohren. — Wie es noch werden wird, indes diese Zeilen durch die Presse laufen — wer weiß es? Aber soviel steht fest: Unterliegen können wir nicht mehr. Was der Feind an Land von uns in Besitz hat, ist nicht der Rede wert; was aber wir und Deutschland als erobertes Gebiet aufweisen, ist ein Reich für sich. Mögen auch die Feinde aus allen Ländern Hilfe erhalten und mit Worten großtun, das ändert an der Sache nichts. Wir siegen weniger mit dem Munde, sondern mehr mit dem Schwerte. Darum sind wir obenan und das, was folgt, ist bloß noch ein Nachtrag zu dem großen Schauspiele, dem wir mit Recht den Namen „Weltkrieg" geben, denn die ganze Welt hat sich gegen uns erhoben. Die Treue, das Gottvcrlrauen, das gute Recht, sie haben gesiegt. — 4. Wie es wohl kommen wird. Unsere Feinde prahlen zwar gewaltig, daß sie zu guterletzt doch siegen werden. Das müssen sie wohl sagen, denn sonst bricht der Sturm im eigenen Lande los. Übrigens wer nimmt sich den Mund immer am meisten voll? Der nichts leisten kann. Und welche Hunde bellen am meisten? Die nicht beißen. So und nicht anders steht es mit unfern Gegnern. Sollten wir ihnen da nicht die Hand zum Frieden reichen oder die uns dargebotene erfassen? Nein! Es ginge uns so wie dem, der dem bösen Nachbar voreilig verzieh und dann von ihm plötzlich wieder angesallen wurde. Die seinen Genossen England-Frankreich-Rnßland und die von ihnen bezahlten Gesellen griffen eines Tages wieder zum Schwerte und versuchten in einer Zeit, da wir uns der glücklichen Ruhe hingeben würden, uns hinterrücks zu fassen. Wollen wir ans Jahrzehnte hinaus unser Heim sichern, so müssen wir die Gegner derart schwächen, daß sie sich nicht so leicht wieder erheben können, und soviel Land an uns nehmen, daß wir für jede Gefahr gerüstet sind. Darum liegt noch ein Stück blutiger Arbeit vor uns. Wollten wir es liegen lassen, so gliche das einem Hausbau, bei dem die Grundmauern flehen, aber das Dach fehlt. Kann uns ein solches Gebäude nützen? — Und dann noch ein anderes: Der Krieg hat Geld, unendlich viel Geld gekostet. Freilich haben wir unsere Goldstücke nicht nach Amerika verfrachtet wie England und Frankreich; allein vieles, was nachgcschafft werden muß, ist in Flammen aufgegangen oder liegt auf dem Grunde des Meeres. Es ist für alle Zeiten verloren. Wer wird es ersetzen? Der Feind, der an allem schuld ist, muß es bezahlen. Dazu können wir ihn erst dann zwingen, wenn er ganz und gar zuboden gestreckt ist. — Und noch etwas: Das, was uns wirtschaftlich zwang, dem Russen jedesmal, wenn er es unternahm, die Türkei zu vernichten, zu» zurusen: „Hand weg!", das muß uns nun, da das Tor nach dem Osten aufgerissen ist, umso mehr veranlassen, auszuharren, bis der Handelsweg nach jenen Ländern, in denen wir unsere Waren absetzen können, gänzlich frei und für alle Zeiten gesichert ist. Wir kämpfen daher für die Freiheit der Türkei, unfern besten Kunden, damit der Wohlstand wieder in unser Vaterland einkehre, damit wir uns nicht nur eines langen Friedens, sondern auch eines sorgenlosen Lebens freuen können. Was nützte uns ein Daheim in ständiger Angst und in täglicher Not! Bloß der Kleinmütige und der, dessen Blick nicht über die Nasenspitze reicht, würde sagen: „Ach, wenn nur der Krieg einmal ein Ende hätte, mag es dann so oder so kommen!" Wer so spricht, denkt nicht an seine Zukunft und nicht an die seiner Kinder und Kindeskinder. Wann das Schwert wieder in die Scheide gesteckt werden kann, das weiß am besten der, der für uns alle sorgt, dessen Weisheit alles zum Besten ordnet: unser guter Kaiser. Wenn er also zum erneuten Kampfe ruft, so muß der Kampf eben sein und da murre niemand, da zage niemand. —• Aus dem Feuerschein der Kanonenblitze steigt ein neues Österreich-Ungarn empor, eine goldene Zukunft tut sich vor unfern Augen auf, ein herrlicher Morgen verkündet einen segen-reichen Tag. — 5. Die Drveit der Dayeimgeölievenen. Nicht alle hat das Geschick ausersehen, für das teure Vaterland das Leben einzusetzen. Doch die nicht das Schwert führen, verrichten daheim große Arbeit für den Krieg. Sie bringen die nötigen Mittel auf, sie pflegen die Verwundeten, sie sorgen für die verlassenen Familien, sie halten alles bereit, um die zurück-kehrenden Kämpfer vor der Not zu bewahren. Viel herrliche Taten sind darum auch hinter der Front zu verzeichnen. — Die Kriegsanleihen haben geradezu Wunder der Opferwilligkeit gezeigt. Mehr als 10 Milliarden Kronen, eine kaum zu fassende Summe Geldes, hat unser Vaterland bisher für den Krieg aufgebracht. Manch altes Mütterchen hat seinen letzten Sparpfennig zur Kriegskasse getragen, mancher Bauer Haus und Hof mit Schulden belehnt, um dem Kaiser Geld zu geben, mancher Fabriksherr seine Millionen herausgegeben, mancher, der sonst nicht zu erweichen mar, seinen Schrein geöffnet, mancher kleine Beamte eine Ratenzahlung übernommen und manches Schulkind seine Büchse entleert. Ja, das sind auch Heldentaten im Dienste des kämpfenden Vaterlandes! — Geld braucht man nicht nur zur Beschaffung der Munition, sondern auch zur Ernährung der Soldaten und zur Unterstützung von Freunden. Wären wir arm gewesen, es hätte viel mehr Blut fließe« müssen; denn dann hätte es an guten Geschützen und an guten Helfern gemangelt. England wollte uns mit den „Silbernen Kugeln", d. i. mit Geld, niederringen; es ist ihm nicht geglückt. Das danken wir denen, die daheim für die Kriegsanleihen warben. — Großartiges hat die Vereinigung „Rotes Kreuz" geleistet. Mancher von Euch, Ihr Wackern im Feld, wird die gepriesen haben, die sich dem schweren und gefahrvollen Dienste der Verwundetenpflege widmen. Ja, es gehört viel Heldenmut und Liebe dazu, hinter dem Kampfgewühle die Verletzten aufzulesen, sie aus dem Kugelregen zu tragen und dann im Lazarett zu pflegen. Wer dieses Amt übernimmt, muß mit dem Leben abschließen; denn ist es nicht das Geschoß des Feindes, das den Tod bringen kann, so ist es die tückische Seuche. Wenn ich von ihr spreche, muß ich der Wissenschaft, vor allem der ärztlichen Kunst, gedenken. Sie hat uns den Sieg erringen Helsen. Während im Lager der Feinde Tausende durch tückische Krankheiten hinweggerafft wurden, sind bei uns infolge der guten Maßnahmen im Verhältnis weit weniger Opfer zu beklagen. Wieviel Familienväter werden dadurch wieder ihren Lieben zurückgegeben werden! — Erhebend und rührend steht vor uns weiter die Sorge um die Frauen und Kinder der Ein gerückten. Nicht allein, daß der Staat allsögleich Untcrstützungsgeldcr bewilligte, bildeten sich auch zahlreiche Vereine, die es sich zur Pflicht gemacht haben, von den Familien der Kämpfer die Sorge abzuwenden. Die schwache Mutter findet in der Heimat nicht nur eine Stütze bei der Erziehung der Kinder, sondern auch Rat und Trost, wo sie ihn braucht. In jedem Dorfe ist jemand bestellt, der den Vater ersetzt. — Und sollte einer draußen im Feld das Gefühl haben, daß er seine Lieben nicht Wiedersehen werde, so kann er mit dem Bewußtsein hinüberschlummern, daß für die Hinterbliebenen reichlich gesorgt ist, daß die Mutter einen Anwalt zur Seite hat, der die Lebensnot abwendet, der die Kinder zu einem ehrlichen Berufe führt. — Aber auch für Euch, die Ihr mit einem Gebrechen behaftet, heimkehrt, ist gesorgt. Der Staat und mehrere Vereine sind damit beschäftigt, Euch verloren gegangene Glieder zu ersetzen, Euere Leiden zu heilen und Euch zu einer Arbeit zu bringen, die Ihr trotz des Gebrechens noch leicht verrichten könnt, die Euern Lebensunterhalt deckt. Es liegen schon Listen bereit und jeder kann sich nach Belieben einen Posten wählen. So hat denn die Sorge der Daheimgebliebenen vom Schlnchtfelde bis zur friedlichen Tätigkeit alles auss beste vorbereitet. Ihr werdet, wenn auch nur noch ein Fünkchen Leben in Euch glüht, dem Tode entrissen, gepflegt, der Gesundung zugeführt, vor Not bewahrt und schließlich auf eine Stelle gebracht, wo ihr wieder Euern Mann stellen könnt. Und fehlt dem einen ein Bein, dem ändern ein Arm, dem dritten ein Auge — das ist kein allzugroßes Unglück, wohl aber eine Auszeichnung besonderer Art, denn sie sagt: „Der Mann hat für das Vaterland geblutet!" Verzaget nicht, wenn der Frost Euere Glieder schüttelt, wenn die Kanonen brüllen, wenn die Kugel saust — daheim sorgen Tausende und Abertausende guter Menschen, daheim sorgt der Vater der Völker, der Kaiser, für Euch und Euere Lieben! — 6. Kevet vor der Schlacht. Sater im Kimmel, die Stunde naht, da ich für Kaiser und Reich, für Rafft und Kamilic mein Leften wagen soll. Laß mich stark fein, Sn Lenker der Heschicke! Sieh, der Aeind ist kommen, um uns das Henerste zu rauften, unser hcrrlickes, unser ge-licfttes Saterland! Sieh, der Kcind ist kommen, um uns von Sans und Kos zu jagen, um uns hinaus in die Mot zu stoßen! Sich, der Ilcind ist kommen, um uns das kostftarste Kleinod, unsere Religion, Seine Loftpreisnng, die Ließe zu Sir, aus dem Kerzen zu reißen! Laß es nicht geschehen, Sater im Kimmel, zu dem voll Anftrnnst mein Heftet steigt, zu dem die Ritten meines Weißes, meiner Kinder dringen! Hryöre unser Iileycn! Rüste mich mit Mut und Stärke für den Kamps und laß mich heil zurückkehrcn zu meine« Ließen! Soch ist anders Sein Ratschluß, ftestimmst Su mich als Weihcopscr für die Rettung des Reiches, es sei, ich murre nicht, ich sterfte für eine große Sache, für mein schönes Saterland und für den Hütigsten aller Kerrscher, für meinen gelickten Kaiser. After um eines Bitte ich Sich dann, Sater im Kimmel: Laß mein Brechendes Auge die Klucht der Icindc sehen und Bescheide unserem Kecrc den Sieg! Sann weiß ich meine Ließen in sicherer Kut, daun weiß ich, daß Sn groß und glücklich Bist, Su mein herrliches Saterland! — Sas Korn erschallt, die Schwerter klirren, schon rollt der Sonner üftcr das Hestlde. Wohlan denn in den Kamps! Kür Hott, Kaiser und Saterland! Ach will nicht zagen, nicht weichen! Schütze mich, Sater im Kimmel! Sem Kaiser meinen Hruß, einen Hruß an die teure Keimat und an Huch, Ahr Ließen! Kurra, aus zum Kamps, zum Sieg! 7. Hievet nach der Schlacht. Hs war ein schwerer Hranm, ein heißer Kamps. Hott, ich danke Sir, daß Sn mich hast nicht sterßen lassen. Manch teuerer Kamerad kehrt nie wieder. Sn hast ihn zu Sir genommen. Laß ihn die Kreuden des Kimmcls sehen, er hat sie verdient! Mich aftcr laß danken sür Seinen Schuh, für Seine Hnadc! Kat auch der Blutige Streit mir eine Wunde geßracht, ich will den Schmerz ertragen. Hute Menschen werden sie heilen und ich kann wieder zurückkehren zu meinen Ließe». Aür den Kaiser und das Saterland trage ich gerne das Hcftrechen. Hs soll mich an die schwerste Stunde des Lcftens erinnern und an den Sank, den ich Sir schulde. Welcher Stolz wird meine Rrust durchströmen, wenn ich das Saterland ans dem gewaltigsten aller Kriege siegreich hervorgehen sehe, wenn ich mir sagen kann: „Auch ich war daftei, als um Pich, Au teures Österreich, Au herrliches Mngarland, gerungen wurde!" Wie bin ich glücklich, die große Zeit erlebt und in dem Streit mitgcfochten zu haben! — Aür Hott, Kaiser und Vaterland zog ich in den Kamps, für Hott, Kaiser und Vaterland will ich nun leben! — 8. Ausktang. Der Krieg fordert Opfer an Gut und Blut. Er ist das Furchtbarste, was Menschen kennen, das Großartigste, er ist das, was das Schicksal von Völkern bestimmt. In dem gewaltigen Streite, der uns aufgedrängt wurde, weil man uns vernichten wollte, war das Recht auf unserer Seite; darum mußte auch der Sieg aus unserer Seite sein. Zwar ist er noch nicht vollendet, aber im Werde», fest besiegelt. Wir durchmessen mit Donnerschritt den Erdball und bestimmen den Gang der Dinge. Ha, wie schwellt das die Brust, wie begeistert das zu neuen Taten I Die Brut ins Herz getroffen, die Bollwerke der Feinde in Scherben geschlagen, der österreichisch-ungarische Aar über weite Ländergebiete getragen und nun mit dem Schwerte in der Hand hinab zum Lande, in dem unser Heiland gelebt und gelitten, — das ist das Heilige, das Große der Zeit. Ferne Jahrhunderte werden unfern Heldenmut, unsere Taten preisen. In jenen Tagen wird man noch erzählen, wie in dem Weltkriege der Greis zur Flinte griff und hinauf zur Alpenzinne kroch, wie der Mann Weib und Kind verließ und sich willig in Reih' und Glied stellte, wie der Jüngling sich dem Arm der Braut entriß, wie der, der kaum dem Flaum der Knabenjahre entwachsen war, als Freiwilliger in des Kaisers Dienste trat, wie Frauen höchsten Standes, mit der Schürze angetan, im Spitale Leid tilgten und Wunden pflegten, wie Prinzessinnen mit der Sammelbüchse von Haus zu Haus, von Tisch zu Tisch gingen, wie Fürst und Bauer, Beamter und Arbeiter im Spenden von Liebesgaben für die Braven im Feld wetteiferten, wie Mädchen Labung boten, wie vornehme Frauen am Kochherd standen, wie jeder Tag neue Heldentaten zeugte, wie der Geist des edeln Samariters durch die Welt giug. Ja, nun wird das Kind in der Schule nicht mehr von Helden der Vorzeit und denen fremder Völker lernen, sondern vom F., vom K., vom M., dem Sohne der Heimat, der sein Blut in dem Weltkriege für das Vaterland vergoß. Droben in den Bergen sind die Runsen, in denen Ihr mit der Büchse in der Hand Wache steht, Denkmäler, die in Jahrhunderte hinaus von Euerer Treue künden. Der Wanderer, der über das Gestein klettert, wird in stiller Ehrfurcht vor deu Schützengräben stehen bleiben. So lebt Euer Andenken, Ihr Treuen, die Ihr im Kampfe fielet oder ruhmbekränzt nach Hause kommt, für alle Zeiten fort. In die Herzen des Volkes ist Euer Name eingetragen und jeder wird ihn mit Ehrfurcht und mit Dank nennen. Von Geschlecht zu Geschlecht wird sich die Kunde von Euerem Heldenmute vererben; das Kind wird mühsam die Buchstaben von dem Lesestücke zusammenklauben, in dem von Euch erzählt ist; der Jüngling wird mit Schwung die Lieder hinausschmettern, die Euere Taten preisen; der Mann wird voll Stolz in den Büchern lesen, die unsere Zeit festhalten, und der Greis mit Zittern der horchenden Schar verkünden: „Ja, das war eine große, eine herrliche Zeit!" — Der Sieg des Volkstums und der Kultur. (Erstdruck.) Ein Kulturvolk, wie das deutsche, weiß den Preis zu schätzen, um den es zu ringen hat. Es ist nicht der dumpfe Instinkt, der die Massen bewegt, nicht der wütende Fanatismus, der blind drein schlägt, noch die kalte Berechnung, die zur Vernichtung eines Konkurrenten drängt; es ist das ganze einige, edelbegeisterte Volk, das aufgestanden ist mit seinem Bundesgenossen, die Kulturgüter zu schützen: den heimischen Herd, das geistige und technische und kaufmännische und künstlerische Deutschland. Der „Barbar“ dringt als Held und Kulturbringer in feindliches Land. Das Schwert schlägt drein und macht die Bahn frei für deutsche Art und deutsche Tat! Georg Stiehler. ...—M Herausgeber und uerantivortllcher Schriftleiter: Rudolf Peer». — Druck von Josef Pavlicek ln Gottschee. 75 Auszeichnungen 1 Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! L. ft C. Hardtmnths I fl fl I I M #1 «I m 114> 1* L'AC'Hardtmnths Kohinoor I I . H9I (lTm || Farbstifte ..Zeichenstifte L- öl U» I IUI IIIIIIIIIII ...Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN IX. Budweis In Böhmen. Farbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. Lehnerts Zeichenlehrgang iiiiiiimiiiiiiiimiiiiHiiiiiitiiiiiiiiiinimiiiiiiiiiiiiiniiimiiiiiiiiniiniiiifimmmmuiNiiiiiiiiiiiiTijniiimiimmiiMi Kein Vorlagen werk, sondern eine Einführung in den Geist des neuzeitlichen Zeichenunterrichtes, der alle Unterrichtsfächer in naturgemäßer Weise verbindet. Der , .inderfüm-liche Stoff stellt die heimafl. 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