MMss' Waufchaliert, pokfrei. "MW Nr. 7. Erscheint am 1., 10. und 20. eines jeden Monates. 2. (17.) Äahrg. Aejugspreise: für Jugoslawien: ganzjährig 20 K, halbjährig 10 K. für Österreich: ganzjährig 26 li, halbjährig 13 K. für Amerika: 2 50 Doll. — Einzelne Nummern 70 k. Gottschee, 1. May 1920. Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zurückgestellt. — Berichte sind zu senden an die Schrifileitung. — Postsp.°Nr. 10.975- Anzeigen.Aufnahme u. -Berechnung in der Buchdruckerei. Muß das Kleingewerbe zugrunde gehen? Nur zu oft hört und liest man heutzutage die Behauptung: Dem Kleingewerbe ist nicht zu helfen, es muß naturnotwcndig zugrunde gehen; alle Rettungsversuche sind aussichtslos. Insbesondere ist es die Sozialdemokratie, die dein Kleingewerbe die Lcbensmöglichkeit abspricht. Das sozialdemo¬ kratische Erfurter Programm besagt u. a.: „Die ökonomische Entwicklung der bürgerlichen Gesell¬ schaft führt mit Naturnotwendigkeit zum Unter¬ gang des Kleinbetriebes." Und weiter: „Hand in Hand mit der Monopolisierung der Produktionsmittel geht die Verdrängung der zersplitterten Klein betriebe durch kolos¬ sale Großbetriebe, geht die Entwicklung des Werkzeuges zur Maschine, geht ein riesenhaftes Wachstum der Produktivität (Ertragsfähigkeit) der menschlichen Arbeit. Aber alle Vorteile dieser Umwandlung werden von den Kapitalisten und Großgrundbesitzern monopolisiert (für sich allein in Beschlag genommen). Für das Proletariat und die versinkenden Mittelstandschichten — Kleinbürger, Bauern — bedeutet sie wachsende Zunahme der Unsicherheit ihrer Existenz, des Elends, des Drucks, der Knechtung, der Erniedrigung, der Ausbeutung. Immer größer wird die Zahl der Proletarier, immer massenhafter die Armee der überschüssigen Arbeiter." Die Sozialdemokratie, wenigstens die nicht¬ revisionistische, sieht also das Kleingewerbe grund¬ sätzlich für verloren an und betrachtet den Mittel¬ stand als dem Siechtum geweiht, dem allmählichen, aber sichern Äbsterben überantwortet. „Die Sozial¬ demokratie", sagte der Sozialdemokrat Ledebour einmal in einer in Berlin gehaltenen Versammlung, „hat mit dem Mittelstand absolut nichts gemein und wird sich niemals dazu hergeben, die Inter¬ essen des Mittelstandes, d. h. der Handwerker, Ladenbesttzer, Klcinindustriellen usw. zu vertreten, da auch diese nur zu der Klaffe der Ausbeuter ge¬ hören. Auf irgendwelche Hilfe gegen die Passionen des Großkapitals, der Großindustrie, der Gro߬ basare (Warenhäuser), der Konsumvereine usw. hat der Mittelstand seitens der Sozialdemokratie nicht zu hoffen, sondern es wird gerade das Bc- streben sein, solche Basare, Großgeschäfte usw. im Kampfe gegen den Mittelstand zu unterstützen." Nicht der Blick auf das wirkliche Leben ist es, der die Sozialdemokratie gewissermaßen zur Todeserklärung des Kleingewerbes veranlaßt hat, sondern die graue Theorie, in die sie sich einge¬ sponnen. Steht es doch außer Zweifel, daß das wirkliche Leben und die tägliche Erfahrung ganz anders aussieht als die sozialdemokratische Theorie. Es ist ja gewiß vollkommen richtig, daß manche Kleingewerbe — wir nennen beispielsweise das Hutmachergewerbe —, die früher einmal blühtest, zugrunde gegangen sind und nicht mehr zum Leben erweckt werden können. Richtig ist cs ferner, daß noch immer in Stadt und Land ab und zu eist Kleinbetrieb eingeht, besonders wenn sein Inhaber zu wenig technische und kaufmännische Kenntnisse und Fertigkeiten besitzt und deshalb mit den An¬ forderungen der Zeit nicht mehr Schritt halten kann. Man darf aber solche Fälle nicht verall¬ gemeinern. Hören wir nur, was die Gewerbe¬ statistik besagt. Sie unterscheidet bekanntlich Klein-, Mittel- und Großbetriebe. Die Kleinbetriebe zer¬ fallen ihrerseits in Alleinbetriebe (Betriebe, in denen der Meister ohne Motor und ohne fremde Hilfskraft arbeitet) und in Gehilfenbetriebe (mit Motor, bezw. 1 bis 5 fremden Hilfspersonen). Mittelbetriebe sind Betriebs mit 6 bis 50, Gro߬ betriebe solche mit über 50 fremden Hilfskräften. In Deutschland aab es im Jahre 1882 2,882.768 Kleinbetriebe mit 4,335.822 Beschäf¬ tigten. Bis 1907 haben sich diese Kleinbetriebe nicht etwa vermindert, sondern um 241.430 Be¬ triebe, also um acht Prozent vermehrt, nämlich auf 3,124.198 Kleinbetriebe mit 5,353.576 be- beschäftigteu Personen. Allerdings sind in dem genannten Zeiträume auch manche Kleinbetriebe verschwunden und eingegangen, aber das trifft nur die Alleinbctriebe (Betriebe ohne Hilfskräfte), die übrigen Kleinbetriebe haben sogar stark zu¬ genommen, und zwar viel mehr noch al« der Bevölkerungszuwachs ausmacht. Wenn aber die Alleinbetriebe, also die minderen Betriebsformen, zugunsten der Kleinbetriebe mit fremden Hilfs¬ kräften abnehmen, so zeugt das sicherlich von großer Lebenskraft und Entwicklungsfähigkeit des Kleingewerbes. Oder ist es kein begrüßungswerter Fortschritt, wenn der Meister, der bisher allein in seinem Betriebe gearbeitet hat, sich Motoren anschafft und fremde Hilfskräfte einstellt? überdies arbeiten sich zahlreiche Kleinbetriebe zu Mittel¬ betrieben empor, also zu höheren Betriebsformen. Im früheren Oesterreich ist der gleiche Ent¬ wicklungsgang festzustellen wie in Deutschland. Es darf demnach nicht wundernehmen, wenn das Dogma vom bevorstehenden und unvermeidlichen Untergang des Kleingewerbes selbst von einem Teil der Sozialdemokratie (den Revisionisten) be¬ reits aufgegeben worden ist. So schreibt Genosse Eduard Bernstein in seinem Werke „Die Voraus¬ setzungen des Sozialismus und die Ausgabe der Sozialdemokratie"u. a.: „Nebeneinerzunehmenden Zahl von Großbetrieben sind auch bei einer ganzen Reihe von Gewerbezweigen kleinere und Mittel¬ betriebe durchaus lebensfähig. Zunächst gilt dies für verschiedene Zweige der Holz-, Leder- und Metallbearbeitung, wofür sich die kleineren und mittleren Betriebe geradeso gut wie die großen eignen. Sodann behaupten sich zahlreiche Betriebe kleinen und mitt' r m Umfangs durch die Vor¬ teile, welche der unmittelbare Verkehr mit dem Konsumenten darbietet; dies zeigt sich besonders gut bei den Bäckerei btt, die neben den Brot- und Kuchenfabriken ihr Feld behauptet haben, gilt aber ebenso für eine ganze Reihe anderer Gewerbe, wie das Hufschmiede-, Stellmacher (Wagner)-Gewerbe, die Schneiderei, Schuh¬ macherei, Sattlerei, Tischlerei, das Tape¬ zierergewerbe, die Uhrmacherei usw., wo Kundengeschäft, Reparatur und Kleinhandel viel¬ fach auskömmlichen Verdienst abwerfen. Weiterhin fördert auch der Großbetrieb selbst die kleineren und mittleren Betriebs, indem er ihnen Hilfsstoffe und Hilfsfabrikate billig zur Verfügung stellt. Schließlich verschafft auch der zunehmende Luxus¬ bedarf der Reichen und Wohlhabenden den kleineren und mittleren Betrieben Arbeitsgelegenheit; man denke bloß an die Juweleufabrikation, Feinmetall¬ verarbeitung und Kunstdruckcrei. So nehmen die Klein- und Mittelbetriebe zu und nur die Zwerg¬ betriebe gehen zurück) Es ist daher eine Ein¬ bildung, von den Großbetrieben zu erwarten, daß sie in absehbarer Zeit die kleinen und Mittelbe¬ triebe aufsaugen, wie es auch eine Träumerei ist, von den kapitalistischen Warenhäusern eine nennens¬ werte Aufsaugung der mittleren und kleineren Läden zu erwarten." Das sind richtige Ausführungen, die von der Wirklichkeit bestätigt werden. Es ist also ein Irrtum, zu glauben, daß das Kleingewerbe als solches samt und sonders dem Untergang geweiht ist; es eröffnest sich ihm im Gegenteil vielfach gute Zu- kunftsaussichteu, selbstverständlich unter der Vor¬ aussetzung, daß es nicht hinter den Anforderungen der Zeit zurückbleibt, sondern auf seine Vervoll¬ kommnung bedacht ist. Kein Gewerbetreibender darf heute auf die technischen Hilfsmittel unserer Zeil verzichten. Wer dies tut, kommt einen! vor wie einer, der neben der Eisenbahn auf dem Maul¬ tiere reitet: er kann die Konkurrenz nicht aus¬ halten. Aus Stadt und Land. Gottschee. (Ernennung.) Herr Dr. Janko Brejc ist zum Landespräsidenten von Slowe¬ nien ernannt worden. — (Die regelmäßige Rekrutierung) der Jünglinge der Geburtsjahre 1896, 1898, 1899 und 1900 findet in der Zeit vom 1. bis einschließlich 13. März 1920 statt. — (Die Umwechslung) alter Banknoten für Dinar-Kronennoten hat beim hiesigen Sieuer- amte am 23. Februar begonnen und endet am 15. März. Die Umwechslung findet täglich, mit Ausnahme von Sonntagen, von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bitz 4 Uhr nachmittags statt, und zwar für die Gemeinden: Gottschee am 23. und 24. Februar, Lienfeld und Schwar¬ zenbach am 25., Seele am 26., Mitterdorf nm 27., Malgern und Ebental am 28., Altlng am 1. März, Mosel am 2., Banjaloka am 3-, Nessel. Seite 22. Gottscheer Zeitung — Nr. 7. Jahrgang II. tal am 4., Graflinden, Unterdeutschau und Unter¬ lag am 5., Fara am 6., Rieg und Kotschen am 8., Göttenitz und Morobitz am 9., Hinterberg am 10., Suchen am 11., Ossilnitz am 12., Ober¬ gras und Briga am 13. März. Nach dem 15. März 1920 wird nicht mehr gewechselt. Die alten Banknoten zu 20, 50, 100 und 1000 X sind daher ab 16. März wertlos. Da nahezu zehn Sorten falsche 1000 X-Banknoten im Umlauf sind, werden einige Merkmale zur Aufklärung an¬ geführt. Die Farbe ist viel lichter (zitronengelb statt orange), der Adler ist verschwommen und hat bei einigen Exemplaren keine Zunge; auch sind statt vier Zehen nur drei sichtbar. Außerdem ist die Schrift unregelmäßiger als bei den echten usw. Viele Fälschungen tragen den Stempel „Kreditni zavod v Ljubljani". — (Die Jungen und die Alten.) Wie uns mitgeteilt wird, besteht in den Gottscheer Landgemeinden bei den alten Mitgliedern der Gemeindeausschüsse vielfach eine Abneigung da¬ gegen, sich bei den künftigen Gemeindewahlen wieder in den Gemcindeausschuß wählen zu lassen. Das märe in solcher Allgemeinheit für unsere Ge¬ meinden sicherlich von Nachteil. Es ist ja gewiß gut und richtig, daß auch neue Kräfte sich be¬ tätigen sollen, daß auch die Jüngeren daran kommen sollen, bei der Gemeindeverwaltung mit¬ zuraten und mitzutaten. Allein eine ganz "allge¬ meine Auswechslung der Gemeindeausschüsse wäre doch nicht das richtige. Es müssen von den älteren Mitgliedern doch wenigstens so viele bleiben, daß die Jüngeren in ihr Amt und in ihren Wirkungskreis eiugesühri werden können. Noch etwas kommt dabei in Betracht. Es könnte nämlich auch der Fall eintreten, daß. da und dort auf dem Lande ein ausschließlich oder nahezu ausschließlich aus Sozialdemokraten bestehender Gemeindeausschuß gewählt wird. Da nun die Sozialdemokraten nach ihrer Organisation von den betreffenden Zentcalorganisationen ihre Rich¬ tungslinien vorgeschrieben bekommen, wäre es leicht möglich, daß im Gemeindeausschusse die sozialdemokratische Parteisache höher gewertet und als wichtiger angesehen würde als das Wohl der Gemeinde. Das sollten alle Gutgesinnten und Besonnenen wohl bedenken und nicht aus bloßem Bequemlichkeitsdrange widerstandslos Leuten Platz machen, deren Beruf als Verwalter der Gemeinde ein sehr fraglicher ist. — (Ausschließlich slowenische „Schul- Nachrichten".) Nach einer kürzlich herabgelang¬ ten Verordnung sind von nun an auch an den deutschen Volksschulen des Gottscheer Gebietes die „Schnlnachrichtcn" (Schulzeugnisse) ausschlie߬ lich in slowenischer Sprache herauszugeben. — Eine Erleichterung der Verständigung zwischen Schule und Haus wird hiedurch nicht erzielt werden. — (Staatsaufsicht und Staatsver¬ waltung des Großgrundbesitzes.) Der Minister für Agrarreform hat iin Einvernehmen mit dem Minister für Ackerbau und dem Minister für Forste und Bergwerke eine neue Verordnung über die Staatsaufsicht und staatliche Verwaltung des Großgrundbesitzes herausgegeben. Im Sinne dieser Verordnung fallen alle Großgrundbesitze unter die Staatsaufsicht, nach Bedarf übernimmt der Staat sie auch in seine Verwaltung. Alle Großgrundbesitzer sind verpflichtet, ihre Geschäfts¬ bücher in serbokroatischer oder slowenischer Sprache zu führen. — (Die Beiträge zur Geschichte und Landeskunde von Gottschee) können bis auf weiters nicht fortgesetzt werden, weil die nötigen Geldmittel fehlen. Die Sparkasse der Stadt hatte zwar im vorigen Jahre für diesen heimatlichen Zweck den Betrag von 2000 X be¬ willigt, allein diese Post wurde behördlicherseits nicht genehmigt. Durch den Absatz der Landes¬ kunde-Hefte allein kann aber das wissenschaftliche Unternehmen finanziell nicht gedeckt werden. Marl müßte da den Preis des Heftes mindestens ver¬ doppeln (statt 4 X also 8 X), was aber den Be¬ zug der Hefte, der schon bisher ein mäßiger war, stark beeinträchtigen würde, so daß das Unter¬ nehmen zweifellos passiv würde. Es bleibt also nichts übrig als bis auf weiters die Herausgabe der Landeskunde-Hefte einzustellen, falls dem Unternehmen nicht von anderer Seite eine aus¬ reichende Unterstützung zuteil wird oder sich ein opferwilliger Mäzen findet, der für die ungedeckten Kosten auskommt. — (Tanz verbot.) Dis Landesregierung für Slowenien hat bis Ostern alle öffentlichen Tanzveranstaltungen untersagt. — (Mehr politische Einsichtl) Wir Gottscheer sollten bei der großen Schwierigkeit der politischen Lage, in der wir uns befinden, in politischer Beziehung besonders vorsichtig sein. Jene unserer Landsleute, die sich jetzt auf einmal, auf Knall und Fall, ohne rechte Überlegung der sozialdemokratischen Partei mit Haut und Haar verschrieben haben, lassen diese Vorsicht leider ganz und gar vermissen. Im künftigen Parla¬ mente in Belgrad werden nämlich die Sozialde¬ mokraten nur eine ganz kleine, unbedeutende Min¬ derheit darstcllen, da ja bekanntlich in Jugosla¬ wien das Bauerntum zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung darstcllt, was auch bei den Par¬ lamentswahlen zum Ausdruck kommen wird. Ist cs da nicht töricht, sich einer politischen Gruppe anzuschließen, die in ihrer unbedeutenden Minder¬ heit wenig Einfluß haben wird, während dadurch andere wichtige und mächtige Parteien, durch die mau eher etwas erreichen könnte, nnklugerweise abgestvßcn werden? Wir erwarten daher mit Sicherheit, daß jene von unseren Landsleuten, die sich vorübergehend zu einem falschen politischen Schritt verleiten ließen, bis zur Zeit der Wahlen in die Konstituante sich eines besseren besinnen werden. Sonst würden sie selbst schuld daran sein, wenn sich die Lage unseres Volkes bedeutend verschlech¬ terte. Der Schwache muß sich an Starke an- lchnen, nicht an Schwache. — (Die neue Wahlordnung.) „Poli¬ tika" (Belgrad) meldet: Der Minister für die Konstituante Stojan Protic bereitet einen Gesetz¬ entwurf für die Abgeordnetenwahlen vor. Dieser Gesetzentwurf wird, wie behauptet wird, Ende dieser Woche fertig sein. Es scheint, daß dieser neue Entwurf mit wenigen Aenderungcn auf der alten serbischen Wahlordnung begründet sein wird. Es wird das allgemeine Wahlrecht eiuge- führt werden. Die Gruppe des Dr. Korošec ver¬ langt, daß auch den weiblichen Personen das Wahlrecht verliehen wird. In der ersten Sitzung des Parlaments, welches auf den 1. März ein¬ berufen worden ist, wird die Regierung mit der Erledigung des Wahlordnungsgesetzes als mit dem ersten Punkte ihres Programmes vor die Volksvertreter treten. Die Gemeindewahlen werden anfangs Mai stattfinden, dis Wahlen für die Konstituante anfangs August. — (Wer schädigt den Bauer!) Wirer¬ halten folgende Zuschrift: Unter dieser Anschrift brachte das Blatt „Die Volksstimme" einen Ar¬ tikel, welcher zu sehr geeignet ist, eine irrige Auf¬ fassung der hiesigen Jagdverhältnisse in der Be¬ völkerung zu verbreiten. Auch fehlte es in diesem Artikel nicht au unsinnigen Verdrehungen und Verdächtigungen. Eine diesbezüglich auf Grund des Z 19 des Preßgesetzes eingesendete formelle Berichtigung zu diesem Artikel blieb von Seite der Redaktion der Volksstimme unveröffentlicht und unbeantwortet. Desgleichen erhielten wir auf eine vorher zugeseudete Aufklärungszuschrift keine Antwort. Man kann es getrost dem ge¬ schätzten Leserkreise überlassen, sich über die Schrift¬ leitung dieses Blattes ein entsprechendes Bild zu machen. Ein seines Benehmen ist dies auf keinen Fall. Unbeschadet weiterer Schritte nehmen wir uns mithin die Freiheit, in unserer Gottscheer Zeitung auf diese Anmücfe zurückzukommen und geben im Nachstehenden die formelle Berichtigung zu diesem Artikel genau so, wie sie der Volks- stimme zugesendet worden ist. 1.) Es ist nicht wahr, daß im Verwaltungsbezirke Gottschee für die Vertilgung von Raubtieren nichts getan wird; wahr ist jedoch nachfolgendes: Die Bezirkshaupt¬ mannschaft Gottschee hat in Würdigung diesbe¬ züglicher Klagen von Seite der hiesigen Bevöl¬ kerung den gefertigten Ausschuß ins Leben ge¬ rufen und ihn mit der Leitung der Raubtierver¬ tilgung betraut. Es wurden von den Jagdin¬ habern und den betreffenden Gemeinden Beiträge zur Schaffung eines Fondes entrichtet und sind aus diesem Fonde bereits ansehnliche Beträge für erlegte Wölfe, Wildschweine und Dachse ge¬ leistet worden. Seit einem Jahre sind im Be¬ zirke 7 Wölfe, einige Büren und anderes Raub¬ zeug in großer Anzahl vertilgt worden. Die Bezirkshauptmannschaft Gvttschee hat durch An¬ regung zu dieser Aktion sicherlich einen auch für andere Bezirkshauptmannschaften vorbildlichen Schritt getan und verdient hiefür jedenfalls den Dank der hierbezirkigen Bevölkerung. 2.) Un¬ wahr ist die Behauptung, daß hierzulande bas Gift so gewissermaßen haufenweise überall herum¬ liegt; richtig sind vielmehr folgende Angaben: . Gift ist überhaupt schwer zu bekommen. Vom Giftlegen ist kein Unglücksfall zu verzeichnen. Wenn aber gelegentlich ein Hund oder eine Katze dadurch verunglückte, so war hiebei nicht immer der Jäger schuld. Ein Rindvieh oder gar ein Kind sind jedoch nie zu Schaden gekommen. Das Eisenlegen wäre auch nach unserer Meinung weidmännischer. Es führt aber zumeist nicht zum erwünschten Ziele, weil die Eisen, auch wenn sie zu haben wären, gewöhnlich gestohlen werden. 3.) Es ist nicht wahr, daß die Beamten der hiesigen Bezirkshauptmannschaft oder gar der Herr Bezirkshauptmann selbst durch Rehschlägel bestochen werden; wahr ist jedoch, daß auch diese Herren das Wildbret, das sie essen, bezahlen müssen. Für die Ausnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich für den Raubtiervertilgungs¬ ausschuß und für die Jagdinhaber Anton Hauff jun. — (Bolschewiken und Bauern.) Auch bei uns gibt es auf dem Lande Leuts, die nicht nur ins sozialdemokratische Horn blasen, sondern sogar mit den Bolschewiken liebäugeln. Sie haben offenbar keine blasse Idee, wie die Bolschewiken in Rußland mit den Bauern umgegangen sind. Hierüber lesen wir in der Zeitschrift „Das Neue Reich" (8. Februar 1920): „Am lehrreichsten ist das Schicksal, welches Lenin und seine Truppen dem russischen Bauernstands zuteil werden lassen. Daraus können unsere Agrarier manches lernen, da sie jetzt in der Koalition sich als brave Zinn¬ soldaten und gehorsame Parlamentsknechte der Sozialdemokraten benehmen. Steuern und Kon¬ tributionen braucht der Bolschewikenstaat und ist auf den Bauernstand als Melkkuh angewiesen. Lenin hat also für jedes Dorf einen Bauernrat aus den Ärmsten, beziehungsweise aus den Ar¬ beitsscheuen gebildet; diese repartieren die Giebigkeiteu an Vieh, Getreide und Geld auf die Gemeinde, behalten die eine Hälfte für s i ch, liefern die andere Hälfte dem Staate. Zuerst wurden diese von Lenin eingesetzten Erpresser in den Dörfern geprügelt oder erschlagen. Dann aber erschienen die roten Truppen, verbrannten das Dorf, massakrierten Männer, Frauen und Kinder. Jeder Widerstand hat seither aufgehört; allerdings bauen die Landleute nur mehr das Notdürftigste an, was den Jahresbebarf der Fa¬ milie deckt. Mögen unsere Bauern nie vergessen, daß auch bei uns schon proletarische Emissäre aufs Land hinaus beordert wurden, um das Gesinde ! aufzuhetzen; auf den Bauerntagen ist darüber nicht selten Klage geführt worden." — Wenn unsere sich sozialdemokratisch gebärdenden Bauern nicht russische Erfahrungen machen wollen, sollen sie mit dem Feuer nicht spielen, sonst wird der revolutionäre Brand, in den sie hineinblasen, ihre eigenen Häuser in Flammen setzen. — (Erhöhung der Tabakpreise.) Vom 20. Februar an ist für Zigaretten- und Pfeifen¬ tabak und für Zigaretten eine neuerliche 10 bis 20 prozentige Preiserhöhung eingetreten. — (Falsche Ein- und Zweikronen¬ noten.) Es sind ziemlich viele falsche Ein- und Zweikronennvten im Umlaufe, die den Stempel „Gemeindeamt Stadt Völkermarkt" tragen. — (Die Tabakerzeugung) wird nach einem Beschlüsse unserer Monopolleitung auf 10 Millionen Kilogramm erhöht werden. — (Vorsicht beim Weg werfen von Karbid!) Man hat die Beobachtung gemacht, daß nun häufiger als früher Hühner plötzlich eingehen. Die Hühner picken nämlich Karbid¬ stückchen auf, welche achtlos weggeworfen werden. Im Magen der verendeten Hühner finden sich weiße Steinchen (Karbidrestchen), welche die Ver¬ giftung herbeiführen. Man soll also solche Karbid- stückchen nicht achtlos wegwerfen, wie dies nur zu oft geschieht. — (Schwäbisch-deutscher Kulturbund.) In jüngster Zeit ist im Banat und in der Batsch- ka der „Schwäbisch-deutsche Kulturbund" ins Leben gerufen worden, der seinen Sitz in Neusatz hat. Diessr- Bund stellt die unpolitische Zentral¬ organisation aller Schwaben im SHS-Staate dar. Er soll alle Schichten der dortigen deutschen Bevölkerung umfassen und will seinen Zweck er¬ reichen durch Gründung wirtschaftlicher und finan¬ zieller Anstalten, landwirtschaftlicher, kaufmän¬ nischer und gewerblicher Verbände sowie über¬ haupt durch Maßnahmen, welche das Wohl des Volkes zu fördern geeignet sind. Wir Gottscheer begrüßen aufs herzlichste den neugegründeten Kul¬ turbund unserer deutschen Brüder im Banat und in der Batschka und wünschen ihm bestes Gedeihen. Es ist eine Freude zu sehen, wie das deutsche Volkstum im Banat sich seines wahren Wesens nunmehr immer mehr bewußt wird und zu neuer Jahrgang II. Kraft erwacht. Wie verschieden sind doch die Schicksale der Schwaben des Banats und der Gottscheer! Die Schwaben haben früher unter der Herrschaft der Magyaren unter dem schwersten Drucke gelitten, von dem sie nun durch den Um¬ sturz im November 1918 befreit worden sind, während uns Gottscheer das entgegengesetzte Schick¬ sal traf. Uns brachte der Umsturz nicht Befreiung, sondern schwere Schicksale. Die Serben des Ba- nats haben gleich den Schwaben früher unter dem magyarischen Joch schwer gelitten; es gereicht ihnen zur Ehre, daß sie sich nicht nur selbst der neu errungenen Freiheit erfreuen wollen, sondern auch ihren ehemaligen Leideusgenossen, den Schwaben, die freie Entwicklung ohne jeden kleinlichen Nationalhaß gönnen. Die regierenden serbischen Kreise haben den Schwaben deutsche Volks- und Mittelschulen bewilligt und legen der freien kulturellen Entwicklung der Schwaben nichts in den Weg. Wir Gottscheer würden es mit freudigem Danke begrüßen, wenn nunmehr auch für uns bald die Zeit käme, wo man uns, die wir durch und durch treue Bürger des SHS- Staates sind, wieder Luft und Licht läßt, um auf unserem Boden nach unserer Eigenart frei leben zu können. — (Zur Frage der Valutaregeluug.) Vor einigen Tagen hatte sich das Gerücht ver¬ breitet, daß die bereits im Zuge befindliche Bank- notenauswechslung sistiert werde. Diese Zeitungs¬ meldung entsprach nicht der Wahrheit. Der be¬ reits begonnene Banknotenaustausch konnte von der neuen Regierung nicht mehr sistiert werden. Was die endgültige Lösung der Relation zwischen den alten und neuen Banknoten anbelangt, also ob es bei 1:4 verbleibt, wogegen aber die Bevölkerung des gesamten Kronenbersichcs des Staates die schärfste Stellung einnimmt oder ob schließlich das Verhältnis noch 3! pari (1:1) ge¬ staltet werden wird, wird hierüber das Parla¬ ment zu entscheiden haben. Es wird sich hiebei auch zeigen, ob jene Kreise und Parteien, die früher als RegierungLleute den Austausch im Verhältnis von 1:4 genehmigt oder zugelassen haben, nun aber in der Opposition auf einmal scharf dagegen auftreten, der Öffentlichkeit nur etwas vorheucheln oder ob ihr Widerstand ernst zu nehmen ist. Wenn nämlich in dem nunmehr endlich wieder einberufenen Parlament in Belgrad in der Valutafrage sämtliche Vertreter des Kronen- bereiches, also alle Abgeordneten aus Slowenien, Kroatien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina, Batschka und Banat gegen die endgültige Ein¬ wechslung der Banknoten im Verhältnisse von 1:4 stimmen, dann wird sich für den Beschluß, eine für uns günstige Änderung zutreffen und so unsere finanzielle Lage zu retten, eine erdrückende Majorität ergeben. Bleiben aber die nunmehr schmollenden Abgeordneten der jetzt in der Opposition befindlichen demokratischen und sozialdemokra¬ tischen Partei den diesbezüglichen Beratungen fern, so ist das finanzielle Verhängnis für uns alle un¬ ausweichlich. Das Volk mußte also in dieser Frage ohne Rücksicht auf die Parteistellung auf sämtliche Abgeordnete einen starken Druck ausüben, daß sie in dieser Frage alle ohne Ausnahme geschlossen für eine gerechte Lösung eintreten. Wird dies der Fall sein? Wie die Blätter melden, hat der Klub der sozialdemokratischen Abgeordneten am 23. Feb. den Beschluß gefaßt, sich an den Sitzungen des Parlamentes nicht zu beteiligen. Wenn dies wirklich der Fall ist, geben die sozialdemokratischen Abgeordneten die Interessen der Bevölkerung in der Balutafrage vollkommen preis. Was die frühere demokratisch-sozialdemokratische Regierung in der Balutafrage verfehlt hatte, das müßte jetzt durch das Parlament verbessert werden. Abgeordnete also, die sich bei der über das Vermögen der Be¬ völkerung entscheidenden Beratung und Abstimmung absenticren, würden zu Verrätern und Preisgebern unseres Bolksvermögens werden und zu Verderbern unserer wirtschaftlichen Lage. Sie würden die schwere Schuld auf sich laden, daß dem Volke drei Viertel seines Geldvermöqens weqaenommen werden. — (Die wahre Liebe ist das nicht!) In Deutschösterreich möchten die Führer der So- zialdemokratie (Dr. Bauer) anläßlich der Vermö¬ gensabgabe di^ Bauerngüter mit Zwangshypo- thcken belasten und diese Pfandbriefe sodann im Ausland absetzen. Die Bauern würden auf diese Weise auf unabsehbare Zeit Schuldner und Sklaven der Grohjuden des Westens werden. Und bei nns? Bei uns wollen sich, wie die Blätter be- rmsten, die sozialdemokratischen Abgeordneten vom Parlamente absentieren und es also ans diese Gottscheer Zeitung — Nr. 7. Weise widerspruchslos und teilnahmslos geschehen lasten, daß die Valutafrage definitiv im Ver¬ hältnis von 1:4 (ein Dinar — vier Kronen) ge¬ löst würde und wir alle einschließlich sämtlicher Bauern drei Viertel unseres Geldvermögens ein¬ büßen würden. Dabei flunkern aber die sozial, demokratischen Sendlings unseren Bauern noch immer etwas vor von ihrer Liebe zum Bauern¬ stand und von ihrer Bereitwilligkeit, den Bauern zu helfen. Es gehört wahrlich schon eine große Portion Naivität dazu, wenn es noch immer Bauern gibt, die auf diesen Leim gehen. — (Die Begleichung von Schulden an feindliche Staatsangehörige.) Die Sektion für die Durchführung der Friedensver- träge hat folgenden Akt an das Justizministerium mit dem Ersuchen gerichtet, ihn zur Darnach¬ achtung allseits zu veröffentlichen: An die Schuld¬ ner der Angehörigen feindlicher Staaten. Mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Friedensver- träge mit Deutschland, Deutschösterreich und Bul¬ garien, allenfalls auch mit Ungarn und der Türkei, wird allen Bürgern des Königreiches SHS, die auf Grund von vor dem Kriege oder während desselben abgeschlossenen Rechtsgeschäften Schuldner deutscher, bulgarischer oder türkischer Staatsangehöriger sind, weiters den Bürgern des Königreiches Serbien und des Königreiches Mon¬ tenegro, die aus den angeführten Geschäften Schuldner österreichischer oder ungarischer Staats¬ angehöriger sind, zur Kenntnis gebracht, daß das Verbot der persönlichen und direkten Begleichung der Forderungen ihrer deutschen, österreichischen, ungarischen, bulgarischen und türkischen Gläubiger auch fernerhin in Kraft bleibt. Jeder Akt, der in welcher Form immer diesem Verbot zuwider- haudelt, wird als ungültig betrachtet werden und würde zur Folge haben, daß der Schuldner Ge¬ fahr läuft, seine Schuld noch einmal an unseren Liquidator bezahlen zu müssen. Demgemäß können unsere Staatsangehörigen von ihren Schulden durch deren direkte Bezahlung an die Ange¬ hörigen feindlicher Staaten niemals befreit werden. Außerdem ist und bleibt verboten: 3) jedes Geschäft, das sich auf unter Sequester be¬ findliche Güter feindlicher Staatsangehöriger be¬ ziehen würde; b) jede Einlösung von Kupons unserer Wertpapiere, die Eigentum feindlicher Staatsangehöriger sind oder waren und deren Zahlungsfrist nach dem 1. August 1914 abge¬ laufen ist. — (Sozialdemokratie und Valuta¬ frage.) Der Vollzugsausschuß der sozialdemo¬ kratischen Partei hat vor ein paar Tagen, wie „Naprej" berichtet, u. a. auch einen Beschluß über dis Valuta gefaßt. In diesem heißt es, die Frage der Auswechslung des Geldes im Verhältnis von 1:1 oder 1:4 sei nur von nebensächlicher Bedeutung! Den Sozialdemokraten ist es also nebensächlich, wenn wir drei Viertel unseres Geld¬ vermögens verlieren. Wie können da unsere Bauern mit dieser Partei an einem Strange ziehen. — (Valutafrage und Svzialdemo- kratie.) Der Kampf um die Valuta ist noch nicht beendet, er ist im Gegenteil jetzt in das entscheidende Stadium getreten. Man wird auf Seite der Kronenintcressenten alle Kräfte anspaunen müssen, üm eine gerechte Lösung der Balutafrage herbeizuführen. Die jetzt im Zuge befindliche Auswechslung der Kronennoten mit den Krouen- dinar-Noten bedeutet nur eine provisorische Lösung dieser Frage. Die definitive Lösung der Valutafrage wird hiedurch allerdings für uns nicht günstig präjudiziert, allein eine gerechte Lösung in unserem Sinne, nämlich der definitive Aus¬ tausch im Verhältnis von 1:1 (3l pari) ist noch immer möglich. Diese Lösung wird im Parla¬ mente geschehen. Dort müssen also alle Vertreter des Kronenbereiches geschlossen für den Bankno¬ tenaustausch im Verhältnis von 1:1 stimmen. Nun hat aber der Klub der sozialdemokratischen Abgeordneten, wie die Blätter melden, beschlossen, sich an den künftigen Sitzungen des Parlaments nicht zu beteiligen. Wenn also hiedurch der Beschluß des Austausches sl pari zu Fall kommt, werden die sozialdemokratischen Abgeordneten die Schuld daran tragen, daß sämtliche Besitzer von Kronengeld um drei Viertel ihres Geld¬ vermögens verkürzt und benachteiligt sein werden. — Was sagen unsere sozialdemo¬ kratischen Bauern dazu? — (Sozialdemokratie und Bauern¬ st a n d.) Ohne bäuerliche Bevölkerung ist die So¬ zialdemokratie' verloren, selbst dann, wenn sie die gesamte industrielle Arbeiterschaft auf ihrer Seite hätte. Es ist daher begreiflich, daß die Sozial- Seite 23. demokratke die größten Anstrengungen macht, die Bauern auf ihre Seite zu bringen. „Bislang hat sie", schreibt Schubert, „freilich anstatt des freundlichen bäuerlichen Händedrucks noch ge- wöhnlich Fäuste und Dreschflegel bekommen. (Aus¬ nahmen wie in manchen Gottscheer Gemeinden bleiben eben nur mehr oder minder wunderliche Ausnahmen. D. Schriftl.) Kein Wunder; denn sie hat ja kein brauchbares Bauernprogramm, und das, welches sie hat, hängt sie vor dem Bauer nicht zum Fenster hinaus. Der Bauer aber weiß längst, daß die Sozialdemokratie für ihn nur den Bettelstab hat. Ihr ganzes Bauernprogramm be¬ steht in sieben Worten: .Überführung von Grund und Boden in Staatseigentum', und damit lockt sie keinenBauer hinter demOfen hervor; wenn Bauern zufällig in sozialdemokratische Versammlungen ge¬ raten, so verspricht ihnen der Sozireferent, nach¬ gerade auf eigene Faust, was sie nur immer gerne hören. Am Frankfurter Parteitag (1894) hieß es: ,Ein Bauernprogramm muß her, und wenn wir es aus dem Mittelpunkt der Erde holen.' Eine Agrar-Kommission wurde eingesetzt, die das Programm ansarbeiten sollte. Das war aber keine Kleinigkeit. Wollte die Sozialdemokratie dem Bauer helfen, so müßte sie sich ins eigene Fleisch schneiden. Die Kommission saß zwischen zwei Stühlen auf dem Boden. Das von ihr ausge¬ arbeitete Programm, welches dreiviertel Jahre später im .Vorwärts' erschien, schaute auch da¬ nach aus. Am Breslauer Parteitage wurde dar¬ über beraten; Genosse Schippel nannte es eine Lharlatanerie, aus den Programmen anderer Par¬ teien zusammengestohlen. . . . Sechs Monate vor¬ her verriet Bebel in der Kanitz-Kommission im Reichstage die wahren Absichten der Sozialde¬ mokratie mit dem Bauernstand: .Wenn Sie mir sagen, in zwei Jahren werde die ganze Land¬ wirtschaft kaput sein, so würde das für mich die erfreulichste Aussicht sein?... Aus dem Mangel eines Bauernprogrammes er¬ klärt sich in erster Linie die Tatsache, daß die Sozialdemokratie aus dem Lande noch wenig oder gar nicht Wurzel gefaßt hat. . . . Die Sozialde¬ mokratie könnte einzig nur dann die Bauern¬ schaft gewinnen, wenn sie für dieselbe etwas außergewöhnlich Gutes in der Tasche hätte. Sie hat aber für den Bauer nur den Bettelstab! Den reicht sie ihm hin und sagt: .Greif zu, Vetter, viel Glück auf die Reise in dm sozialistischen Zukunftsstaat!' Wie könnte sie ihm auch anders helfen, denn nach der Lehre des Juden Marx ist der Bauer ebensogut ivie der Gewerbsmann dem naturnotwendigen Untergange verfallen. . . . Wenn nirgends, so hat die materialistische Wissen¬ schaft der Sozialdemokratie mit der ökonomischen Entwicklung des bäuerlichen Grundbesitzes ein beschämendes Fiasko gemacht. Selbst den Bern¬ steintöter Bebel beschlich ein Angstgefühl, als er an einem Parteitage dis Bauernfrage gegen Bern¬ stein wohl oder übel anschneiden mußte. .Auf dem Gebiete der Landwirtschaft bestehen aller¬ dings Unklarheiten', meinte er, .weil der Staat mit seinen Hilfsmaßregeln dort die natürliche Entwicklung (d. h. den Untergang der Kleinbauern) störe.'" — (Der innere Friede im SHS- Staate.) Generaloberst Stefan Freiherr von Sarkotick, vormals Laudesches von Bosnien-Herze¬ gowina, schreibt in der Wochenschrift „Das Neue Reich" (15. Februar l. I.): „Der innere Friede im SHS-Staate kann nur auf der Plattform des Jugoslawismus und des Föderalismus Zustandekommen. Den Zsntralisten soll die bona kicke8 nicht abgesprochen werden. Aber zu ver¬ schieden sind die Stammeseigentümlichkeiten, zu verschieden die Tradition, Geschichte, Kultur und Religion der Serben, Kroaten, Slowenen und Muselmanen. Wer dies alles auf einmal begraben oder in einen Topf werfen will, der begräbt den Staat. Jenen, die über die Stammeseigentüm¬ lichkeiten gering denken, kann gesagt werden, zuerst kommt die Familie, dann der Stamm und das Volk. Der Stamm erhebt sich zunächst über den Begriff des Vaterlandes. Er ist das Primäre, erst mit der Seßhaftigkeit der Stämme erwacht ihre Liebe zur Scholle, zur Heimat, und die Be¬ reitschaft, für sie alles hinzuopfern. Hiedurch wird erst das Vaterland zum Stamm emporge¬ hoben, beide werden voneinander unzertrennlich, identisch und zu Objekten des Patriotismus, Der Serbe bleibe daher Serbe, der Kroate Kroate und der Slowene Slowene, jeder liebe seine Heimat und alle drei seien Jugoslawen und Ju¬ goslawien sei ihr gemeinsames Vaterland. Der¬ jenige, der bereit ist, seinen Stamm aufzugeben. ^eite 24. yottscheer Zeitung — Nr. 7, Jahrgang II. wird auch mit der Preisgabe seines Volkes nicht zögM umgekehrt Wird d.er ain Stamm Keß- haltende auch das Gesamtvaterland zu schützen wissen." — Generaloberst von Sarkotiö schrewi, ist d.er Opposition (die jetzt zur Regierung ge¬ langt ist. D- Schrift!.) stünden die besten Köpfe, die erfahrensten Politiker, und es wäre zu wünschen, daß ste den Sieg über die Regierung davon- tragen. — Dieser Wunsch ist nunmehr in Er¬ füllung gegangen. Hoffen wir, daß auch die Lage der Deutschen im Staate allmählich eine bessere werden wird. — (Erinnerungen) eines alten Gott- scheers vom Wundarzt Treitz. Es lebt' ein Arzt in unsrer Stadt, Um seiner zu erwähnen, Ein hilfsbereiter Freund, — nur halt' Er Haare auf den Zähnen, Der Ziska, Huß, der Svatopluk, Das waren seine Helden; Doch mußt' auch von St. Nepomuk Rühmliches er zu melden. Am Abend saß er gern beim Bier, Erging sich meist in Politik, Nur schien's ihm unerwünschte Zier, Vermied man eine Kritik. Wohlan I uliquict contra ciic, btt minus äuo! Zweie! Er fürchte keinen Augenblick, Ich bräch' ihm drob die Treue! Heraus die Meinung, frei heraus! Ich will Gehör dir schenken, Und sei sie noch so bunt und kraus. Deshalb dir nichts verdenken. Benütze wacker deinen Kopf, tzuot capita, tot sensus, Sonst halt ich dich für einen Tropf, Wie viele aus dem Zensus. Das halbe Leben ist ein Streit, Ein jeder wird gekniffen. Drum sei gerüstet alle Zeit Und laß dich nicht verblüffen! Hier schüttelt unser Treitz das Haupt Und blies vom Bier die Borte. Der Minderzahl sind hellt erlaubt Nur „Lieder ohne Worte". Aerdreng. (Feuerwehr.) Sonntag den 8. v. M. fand hier die Jahreshauptversammlung der Freiw. Feuerwehr Verdreng statt, welcher sämtliche Mitglieder beiwohnten. Es wurde die Neuwahl des gesamten Ausschusses vorgenommen. Gewählt wurden: zum Wehrhauptmann Herr Franz Hiris, Landwirt in Verderb 8; zum Wehrhauptmann- Stellvertreter Herr Matthias Jonke, Landwirt in Verdreng 1; zum Schriftführer Herr Karl Schuster, Landwirtssohn in Verdreng; zum Schriftführer. Stellvertreter Herr Matthias Jonke, Landwirt in Ober-Pockstein; zum Kassier Herr Paul Jonke, Landwirt in Verdreng; zum Kassier-Stellvertreter Herr Joses Lackner, Landwirt in Verdreng; zum Spritzenobmann Herr Johann Lackner, Landwirt in Verdreng; zum Spritzenobmann-Stellvertreter Herr Franz Schemitsch, Landwirtssohn in Ber- dreng; zum Steigerobmann Herr Johann Herbst, Zimmermann in Verdreng 22; zum Steigerob- mann'Stellvertreter Herr Peter Herbst, Zimmer¬ mann in Verdreng 22; zum Schutzmannschafts¬ obmann Herr Michael Lackner, Landwirtssohn in Verdreng; zum Schutzmannschaftsobmannstellver- ireter Herr Franz Verderber, Besitzer in Ober- Pockstein; . zum Requisitenmeister Herr Jakob Janesch, Landwirt in Verdreng; zum Requisiten- meister-Stellvertreter Hans Staudacher, Land¬ wirtssohn in Verdreng 2; zum Zugssührer Herr Johann Högler, Landwirtssohn in Verdreng; zum Zugsführer-Stellvertreter Herr Johann Jonke, Besitzer in Ober-Pockstein; zum Rottenführer Herr Johann Staudacher, Landwirtssohn in Verdreng 12; zum Rottenführer-Stellvertreter Herr Josef Gregoritsch, Landwirt in Ober-Pockstein; zum Schlauchsührer Herr Matthias Jonke, Landwirts¬ sohn in Verdreng; zum Schlauchführer-Stellver¬ treter Herr Franz Hiris, Landwirtssohn in Verderb; zum Hornisten Herr Johann Herbst, Landwirts¬ sohn in Verdreng 3; zum Hornisten-Stellvertreter Herr Rudolf Hiris, Landwirtssohn in Verderb; zum Sanitätsobmann Herr Johann Jaklitsch, Hol,Händler in Verderb; zum Sanitälsobmann- Stellvertreter Herr Leopold Schemitsch, Land¬ wirtssohn in Verdreng, und Herr Franz Ruppe, Landwirt in Untcrpoästeiu. — (Ehrung.) Bei der Jahreshauptver- sammlung der Feuerwehr wurde der bisherige Hauptmann und Gründer unserer Wehr Herr Josef Lackner, Landwirt in Verdreng Nr. 7, wegen seines verdienstvollen Wirkens sür die Feuerwehr einstimmig zum Ehrenmitgliede, bezw. zstm Ehren¬ hauptmann der Freiw. Feuerwehr Verdreng er- nannt. Dem so nach Verdienst Geehrten unsere herzlichsten Glückwünsche! — (Spende.) Für die Freiw. Feuerwehr Verdreng haben gespendet: Herr Robert Gansl- mayer, Jagdinhaber von Gottschee, 50 X; Fa¬ milie Hiris, Verderb Nr. 8, 20 X; Herr Joh. Herbst, Zimmermann in Verdreng Nr. 22, 8 X; je 3 X: Herr Matthias Jonke, Oberpocksteiy; Herr Rudolf Jaklitsch und Herr And. Jaklitsch, Verderb; je 2 X: Herr Michael Kapsch, Ober- Pockstein, und Herr Johann Jaklitsch in Verderb. Herzlichen Dank! HötterriH. (Vortrag über Sozialismus.) Am 15. v. M. wurde beim Gemeindeamts vom Ortspfarrer ein Vortrag über Sozialismus ge¬ halten, um verschiedenen Unklarheiten vorzubeugen. Der Vortrag umfaßte die Entstehung des Sozia¬ lismus (Geschichtliches), die Bestrebungen der Sozia¬ listen betreffend das Privatvermögcn, die Arbeits¬ teilung und die Obrigkeit, auch die Ursachen der Ausbreitung sozialistischer Bestrebungen und die Grundsätze derselben. Es wurde dargelegt, daß einige sozialistische Grundsätze gänzlich undurch¬ führbar sind und von den verhängnisvollsten Folgen begleitet wären. Warnende Beispiele seien Länder mit diesen Grundsätzen, nämlich einige Ge- meinden Nordamerikas, sowie jene Inseln Austra¬ liens, wo bereits ein gewisser Sozialismus bestehe, " indem sich die Gemeinde im Besitze aller Grund¬ stücke befindet. Die Folge davon war, daß sich die Bewohner der größten Trägheit Hingaben und trotz der Fruchtbarkeit des Bodens der Gefahr ausgesetzt sind, zu verhungern. Uni sich das Leben zu erhalten, wurden ste Menschenfresser. Die Be¬ teiligung am Bortrage war eine sehr rege, aber auch an Opposition und Widersprüchen fehlte es nicht. Es wurden jedoch leider keine sachlichen Einwendungen vvrgebracht, sondern Gemeinde¬ verhältnisse u. dgl. Natürlich durste der Rieger- Widen nicht fehlen, warum der nicht zurück-ge¬ geben werde. Die Anfrage aber, warum man jene Walbanteile, die dem Forstamt, und jene Hutweideanteile, die der Ortschaft Händlern ab¬ getreten wurden, nicht zurücksordere, ließ man unbeantwortet. Manche Leute gleichen hier jenem Mann mit dem Leierkasten, der nur ein Lied auf der Walze hat, das sind jene, welche bei jeder Gelegenheit den Riegcr-Widen im Munde haben. Zum Schluffe meldete sich zum Worte auch der anwesende Lehrer I. Posnik. Zu erwarten war, daß derselbe auch einiges über den Vortrag, etwas Sachliches sagen werde. Aber siehe da, welche Überraschung! Der Genannte sagte folgendes: Jene, die was leisten und arbeiten, verdienen einen Lohn, Faulenzer verdienen keinen, und zum Pfarrer gewendet, behauptete er, die Geistlichen könnten ohnehin von den vielen Meßstipendien und Meßstistungett leben, sie brauchten keine weitere Bezahlung. Lehrer Posnik mußte allen Ernstes au sein Vorleben erinnert werden, erst daraufhin mäßigte er sich in seinen Ausfällen gegen , die Geistlichen. Zum Vortrage selbst machte Lehrer P. die Bemerkung, er kenne nicht jene Inseln in Australien, wo die strenge Durchführung soziali¬ stischer Grundsätze so üble Folgen gehabt hätte. Als ihm darauf das Werk von Spirago u. a. zitiert wurde, gab sich damit Lehrer P. auch noch nicht zufrieden. Es wird deshalb dex löbl. Be¬ zirksschulrat ersucht werden müssen, dem Herrn Lehrer Posnik einen Dienstuclaub zu gewähren, zwecks einer Studienreise zu jenen Inseln Austra¬ liens, wo ein gewisser Sozialismus bereits durch¬ geführt ist, um sodann nach Aufnahme des Lokal¬ augenscheines hierüber getreu Bericht erstatten zu können. Nur ist die Befürchtung nicht vog der Hand zu weisen, eS könnte der ForschungSreisende von jenen Menschenfressern selbst auch verzehrt werden. Aber der Genannte wäre an diesen Folgen selbst schuld, denn „Konstanz liegt am Bodensee, wei's nicht glaubt, geh' hin und seh'". Stockendorf. (Ein Haus abgebrannt.) Mittwoch den 28. Jänner um 6 Uhr abends brach im Hause des Herrn Johann Maußer in Stocken¬ dorf 10 ein Feuer aus. In kurzer Zeit stand das Gebäude in Hellen Flammen. Das Heu auf dem Dachboden und die trockenen Balken in der Nähe des Ofens, die wahrscheinlich den Brand verursacht hatten, boten dem Feuer Nahrung. Nachdem kaum einige Kleidungsstücke aus dem brennenden Hause gebracht worden waren, war ein Eindringen in dasselbe nicht mehr möglich. Das Feuer hätte aber dennoch gelöscht werden können, wenn eine Feuerspritze vorhanden gewesen wäre. Das Gebäude wußte man verloren, aber auch der Schutz der Nachbarhäuser war umso j schwieriger, als das Wasser auf die Dächer ge- z tragen werden mußte. Mehrere Scheunen fingen i an zu brennen, konnten aber immer noch rechtzeitig gelöscht werden. Alle Anstrengungen wären jedoch vergeblich gewesen, wenn nicht ein günstiger Wind die Funken und die brennenden Späne von den Häusern weg über die Äcker und Wiesen getragen und so unschädlich gemacht hätte. Der Wind ge¬ reichte diesmal nicht zum Verderben, sondern zur Rettung. Nach zwei Stunden waren vom Gebäude nur noch die Mauerreste und einige verkohlte Balken übrig. Die Gefahr war vorüber und ein noch größeres Unglück abgewendet. Der vom Unglück Heimgesuchte, welcher all sein Hab und Gut verlor und in der Aufregung nicht einmal sein Geld (2000 X) bergen konnte, ist der Unterstützung sehr bedürftig. Die hochwürdigen Pfarrämter werden gebeten, einen Opsergang zu verkünden, und die Gemeindeämter, einen Betrag zum Zwecke der Unterstützung zu bewilligen. Spenden mögen an das Pfarr- oder Gemeindeamt oder an Johann Maußer in Stockcndorf 20 (Post Tschernembl) gesendet werden. Aad Ischl. (Trauung.) Am 16. Februar hat sich Fräulein Mizi Kump, Kaufmannstochter in Bad Ischl, mit Herrn Karl Semrad, Be¬ amter vom Kalkwerk Bad Ischl, vermählt. Viel Glück! Berantwortlicher Schriftleiter T. Erker. -- HrranSgeb« und B«leg« Josek Eppich. Buchdruckerei Joies Pavlieek in Gotische:. Verein der Deutschen ans Gotischer in Wien. Zitz: I., Himmelpfortgasse Ur. 3 wohin alle Zuschriften zu richten sind und Landsleute ihren Beitritt anmelden können. 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