25> sHL^sK Pränumeratlonsprei«: Im L°mptol«gan»j. ^tz^>2^^. ^ »^^ ^l> < 3»crP°sil,i,,.,i.N.i5.dalhj.N.?.5U. ..»»lllVV^/ ^^,. "^^^rlllVll »m. 10 ll. u. s. w. I.l!eit,°n«ft«mpel jlbe,m. ,ol," H.(?V«ff. Nichtamtlicher Theil. Politische Uebersicht. Laibach, 21, December. Warrens' „Wochenschrift" sagt über eine der gc° . hässigstcn Verleumdungen, daß nämlich das deutsche Element in Oesterreich den Ausgleich nicht will: „Eine hochmüthige und gedankenlose Partei ist nicht mit dem deutschen Volte zu verwechseln. Die Deutsch Oeste» reicher nennen sich nicht blos so, sie sind im Herzen nnd . Geiste Ocstcrrcichcr geblieben. Sie haben Jahrhunderte lang, selbst unter allgemein drückenden Verhältnissen, mit den nichtdeutschcn Nationalitäten in Frieden zusammengelebt, und daher wollen sie auch heute in den Tagen der Freiheit das alte freundschaftliche Verhältniß gerne erneuern. Jedenfalls ist es die Pflicht eincS wahrhaft österreichisch gesinnten Ministeriums, den Faden der Vermittlung, Versöhnung und Annäherung nie aus der Hand zu lassen. Der NeichSrath vertritt auch jene Völker, die von ihm sich ferne halten, und das Ministerium ist gleichfalls der berufene Hüter der Interessen all' dieser Voller. Wenn aber die Deutschen Oesterreichs selbst die Geduld nicht verlieren, wie wäre es möglich, daß das Ministerium dieselbe verlöre, und nicht vielmehr alle erdenklichen Mittel aufböte, um daS Füntchcn der A'.:s-gleichsidee nicht ausgehen zu lassen?" — Diese so er» wünschte versöhnliche Stimmung hat auch in den Partei-tämpfen Krains in jüngster Zeit die Oberhand — wenigstens von liberaler Seite, gewonnen und gerade dic vom constilutioncllen Verein am verflossenen Sonntag veranstaltete VerfassuugSfeicr lieferte dafür den augenscheinlichsten Beweis, indem sich fast durch alle Toaste der lichte Faden der versöhnlichsten Stimmung, des auflichtigsten Entgegenkommens auf dem allein haltbaren Voden der Verfassung auösprach. Eine Entscheidung in der Min i sterkris is ist bis jetzt nicht erfolgt. DaS Thatsächliche haben wir im gestrigen Blatte (Telegramm) mitgetheilt. In der gestrigen Sitzung des Herrenhauses legte der Cullusministcr den in der vorigen Session Unerledigt gebliebenen Gesetzentwurf betreffs der Ehen der keiner gesetzlich anerkannten Confession ungehörigen Personen vor. Der Iustizministcr erklärte dabei, die Regierung mache die Amendcmcnts des Abgeordnetenhauses zu den ihrigen. Die Gesetze, betreffend die Fort-crhcbung der Steuern und Abgaben, dann die Bestreitung des Staatsaufwandcs in der Zeit vom 1. Jänner l bis Ende März 1870 und die Bewilligung von Steuer-frcijahrcn bei Neu-, Um- und Zubauten wurden nach den Bcschlüssc,! des Abgeordnetenhauses in zweiter und dritter Lesung angenommen. Nach der telegraphischen Meldung eineS gestrigen Wiener Blattes veröffentlicht das Pariser Journal ..Par-lement" den angeblich authentischen Wortlaut einer Depesche des Grafen Beust vom 8. December an den Grafen Wimpffen, welche sich mit dem Besuche des Kronprinzen von Preußen n, Wien, dem Präger Frieden nnd nebenbei auch mit dem, preußischen Einflüssen zugeschriebenen Widerstände Böhmens - vielleicht richtiger gesagt, der Czcchen in Böhmen beschäftigen soll. Zur Beruhigung derjenigen, welche der erwähnten Depesche irgendwelche wcilcrc Vcdeulung beilegen möchten, ist die „Wiener Abendpost" in der Lage, auf das bestimmteste versichern zu können, daß diese oder eine ähnliche Depesche des Grafen Beust nicht existirt. Das Subcomit« der Adreßcommissi on hielt Sonntag Sitzung und setzte in derselben die Discussion über die allgemeine Lage fort. Die Majorität dieses Comitös — Rechbauer, Spiegel und Grocholsli — zeigt sich zu Concessionen an die Länder-Autonomie uud zu verfassungsmäßigen Aenderungen der Verfassung geneigt , die Minorität — Kuranda und Skenc — ver« harrt dageaen auf ihrem alten Standpunkt. Wahrscheinlich wird Dr. Nechbauer mit der Abfassung der Adresse betraut werden. Gestern sollten übrigens die letzten Sitzungen bei» der Häuser vor bcn Weihnachtsferien stattfinden. Der Adreßausschuß soll am 7. oder 9. Jänner, der Buo-getausschuß am 12. und der Reichsrath am 17. Jänner zusammentreten und unmittelbar darauf die Berathung der Adresse in Angriff nehmen. Aus Prag wird telegraphisch mitgetheilt, daß in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag „Tausende" (??) von Placaten an den Straßenecken aufgeklebt gefunden wurden. Der Inhalt derselben war ein Aufruf zum gemeinsamen Sturze der gegenwirtiaen Regierung und ;ur raschen Unterstützung der „dalmatinischen Brüder" mit Waffen. Von Ludwig Ritter v. Oppenheimer ist in Prag eine Broschüre: ..Nach den Wahlen" erschienen. Der Verfasser geht von dem Satze aus, daß der heutige Zustand der Dinge in Oesterreich ..unerträglich und unhaltbar" sei, daß aber auch die Aufhebung oder Si> stirung der Verfassung gleichbedeutend sei ..mit dem Zerfalle der Monarchie, mil unfcrcm Volkswirthschaft, lichen und finanziellen Ruin." Solle das System, solle die Verfassung, ja solle das Reich gerettet werden, so bedürfe es einer „entschiedenen und energischen Initiative, sei es zur Wiederherstellung der compromittirten und verletzten Macht der Regierung, sei es zur Annäherung an die in der Opposition befindlichen Slaven der diesseitigen Neichshälfte" - Diese Initiative weist der Verfasser dem Rcichörath zu. Wir werden diese wichtige Tageserscheinung aus« führlich besprechen. Vom Concil werden weitere Details über die unter den Bischöfen sich bildende Opposition gernel« dct. Anlaß zu dcrfclben sollen die in Form einer ae< druckten Bulle mitgetheilten Gcstimmunqen der Geschäfts« ordnung gegeben haben. Bischof Dupaülop soll nach Angabe deß lömischln Korrespondenten der „Times" in dieser Richtung eine sehr rührige Thätiateit entwickeln und von einer bedeutenden Anzahl seiner Am>sbrüder die Zustimmung zu einem Angriff gegen dicsc summarische Geschäftsordnung und insbesondere gec,en die Zusammensetzung der Congregation, welche das Mittelglied bilden soll, dieselbe zu handhaben, neucidin^s ausgewirkt haben. Trotz des Geheimnisses, in welche? sich die vl)>läufigen Besprechungen nothwendiger W'isc hüllen müssen — versichert der Correspondent weilelhm — fei aller Grund zu der Annahme vo> Handen, daß eine Ucbcrei,lu!>ft erzielt war, in der Sitzung vom 10. die Endgiltigkcit dcr päpstlichen Bestimmungen in Frage zu stellen und Modifications» zu beantragen. So habe denn in dieser eigentlich für Formalitäten und Ernennung einer Commission behufs Untersuchung über die Ent. schuldigungSgründc der nicht erschienenen Bischöfe bestimmten Sitzung ein Prälat von hohem Range da« Wort genommen und einige Bemerkungen zu Gunsten einer anderen Zusammensetzung der oben erwähnten Congregation gemacht, fei indessen von den prüsidirenden Cardinallegaten zur Ortmunu, gerufen und dahin be« schieden worden, der Papst habe sich Über diesen Punkt bereits erklärt und es sei niemand competent, sich gegen diesen von ih:n gefaßten Beschluß aufzulehnen, und der Intlrpellant babe sich schweigend vor der genannten Be« stimmung zu beugen. Der Correspondent der „Pal Mall Gazelle" er« zählt, die orientalischen Bischöfe feien sehr arm, ärmer als viele italienische Prälaten und gezwungen, ihre AuS> aaben nach ihren Mitteln einzurichten. Bei diesen Mitgliedern dcr Kirchcnuersammlung sehe man überhaupt die Extreme vereinigt, indem derselbe Mann, der noch vor einer Stunde im glänzendsten Schmuck und mit schimmernden Juwelen erschienen sei, im Kaffeehause sich nach Kräften bemühe, etwas von dem Preise eine: Tasse Kaffee abzudingen. Als Contrast deutet dcr Bcrichter. stattcr auf die spanischen Bischöfe, die die Millionäre des Concils seien. Nach ihnen könne man die Ameri« kaner erwähnen. Dcr Erzbischof von Ncw>Iork sei mit einem unlimitirtcn Crcditbiicf anf Suada, Flammi und Comp. eingetroffen und auch die übrigen Bifchöfc aus Amerika seien bis zu 100.000 bis 150.000 FrcS. jeder accreditirt. Am 19. December hat dcr Papst 600 Franzosen im Vatican empfangen. Auf eine an ihn gerichtete An« „Dauer" und „Landwirt!)!"* ' II. Lästert mcht die Zeit, die reiric! Schmabt Ihr sie. so schmäht Ihr Euch! Denn e« ist die Zeit dem wcchcu, unbeschriebnen Blatte gleich. DaS Papier ist ohne Male!, doch die Schrift darauf seid Ihr! Wenu die Schrift mm nicht erbaulich, ei, watt laim daö Blatt dafür? Aliaslasius GrUu. Niemand wird leugnen, daß der Gewinn, den Grund und Boden fclbst bei mühesamstcr und verständiger Bearbeitung gewährt, unter allcu Umständen ein sehr tnäßiger bleibt, und daß vom ..Reichwcrdcn über Nacht" «ben nic die Rede sein tann. Klemmüthige Folgerungen, basircnd auf die Wahrheit dicseS unumstößlichen Satzes, durch dessen bitterste Conscqucuzcn unser heimatlicher Grundbesitz sich leider häufig durchzuwinden hat, bewirk-len in den letzten zwei Jahrzehnten — seit dcr Capita-usirung und Flüssigmachung der früheren Urbars-Nentcn burch Gruudcntlastungspapicie. möchte ich fast behaupten "^ unter vielen vcrmöglichercn Landwirthen eine aus-"ahmsweise Abirrnng von dcr ln-« vivtMi ihrer Väter, ?enigstcus rücksichtlich dcr Art und Weise, wie dicsc Men Geld- und Grundbesitz zu couseroiren gewohnt waren. — Ueber jenen morschen Tanzboden, den man M Vgl. Nr. 27«. Börse nennt, mit den theilweise zugeflossenen FondS eine Polonaise zu versuchen, allerhand jener kleiner oder größeren Papierchen einzuwechseln in Form von StaatS-und sonstigen Loscffectcn, Actien, Prioritäten diverser Emissionen und dergl., deren Titelvignetten schon in Gestalt mythologischer kleinerer Gottheiten Fortuna's Füllhorn über den Kühnen ausschütten oder als pausbäckige Engel mit reizendem Zukunftslächeln, weifenden Fingers auf endlose Zahlenreihen großer Loosgcwinnstc. hoher Dividenden, Prämien und andercr goldenen Versprechen den Schüchternen zum Ankauf enthusiasmirten — das AlleS erschien in den Tagen der Mirös und Pereirc's vcrführcrifch und verzeihlich! Unter günstigeren Chancen durch Wiederverkauf einen Gewinn zu bergen oder doch auf Hausse oder Baisse oum privil^io zu hazardiren--------du lieber Gott!: ^halb zog es ihn, halb sank er hin"! — Die in der Periode 1855—65 rasch einander folgenden Mißernten, die Zerfahrenheit dcr politischen innern und äußeren Zustände mit den enorm wachsenden Bedürfnissen ^lia« Stcueranforderungen des Staates trugen zu einer allgemeinen Entiuuthigung und folgerichtigen Boden-Entwerthung nicht wenig bei. Manchem allzusehr Verzagenden (allzu Kurzsichtigen müßce ich ihn wohl nennen), der die verschiedenen Stcncr-titcl untcrcinandcrwarf, erschien es nahezu raisonnablcr. seinen Barbesitz in Rcmplaccments niederzulegen, deren Vclastungsfähigkeit bis zu einer gcwissen Grenze, ausgedrückt z. B. in einer „unwiderruflich uncrhöhbaren Couftousteuer" von so und so viel Proccnt «x ulttoio normirt war, während dem trüben Blicke des Besitzers liegender Gründe schou des Tages Schrecknisse aufzu» tauchen begannen, an welchem von dem katastralmäßigen Neinertrage des Grundstückes, der vor noch nicht langer Zeit mit 17"/<, directer Grundsteuer belastet gewesen, besten Falles noch „ebensoviel" als verfügbarer Rest „verbleiben" würde: eine Zuschlagö-Progressions-Berech-nung, die um so kläglicher, als weder diese noch irgend eine andere Ziffer begrenzt erschien, sobald die lwt-aut unabweisbaren Bedürfnisse einer neuen, von innen oder außen hercinragcnden Calamität darüber hinaus Anforderungen an die Opferfählgkeil des Einzelnen stellen würden; nicht zu gedenken all' der schlimmen Wirkungen elementarer Factoren. denen der Grundbesitz immer auS« gesetzt bleibt, die aber den clasfiftcirtcn Reinertrag auch ohne des Nehmers oder Gebers Dazuthun so häufig rein illusorisch macheu. Und leider! dem Wortlaut des Gesetzes gemäß lassen sich wenig Anhaltöpunktc finden, die die zunächst berufenen Erclutiv-Organe berechtigen. die in solchen Fällen zu Ucberbürdungen gewordenen Lasten abzuschreiben oder erträglicher zu machen. Ich führe hier u. A. nur an, die constanten Kranlheitcn einzelnerKnollengewüchfe (Kartoffeln z. B.); Grand und Rost; Lagerungen; anhaltende Niederschlage in der Getreideblüthe mit denen wir in einzelnen Thälern des Landes, namentlich dort, wo für die Ableitung stagnuendcr Gewässer noch nichts geschehen, besonders reichlich gesegnet sind, so daß z. B. dcr in Unterlrain als zweite Frucht angebaute Buch« weiden oder Haiden, seit mehr als einem Decenium mißrät!); ferner dcr sogenannte ..Wurmfraß" dcr periodisch aber constant die Wiesenträuter« und Wurzelfrüchte einzelner Landeöthcilc verheert; auch die seit einigen Jahren schon nahezu ausnahmslos einfallenden 2146 spräche entwickelte er dic Bedeutung des Weihnachtsfestes. Er sagte: Gott lehrte Demnth und der Stolz ist der Feind des Menschen nnd der Urheber der Revolution. Schließlich segnete der Papst die Versammlung, worauf diese in lang anhaltende Acclamation«! ausbrach. Die „Agcnce Haves" berichtet aus Rom: Cardinal Peutini ist gestorben. Hicourch sind 1(i Cardinalshüte erledigt. Man versichert, der Papst werde während der Dauer des Concils keinen Cardinal ernennen. In Betreff des in letzter Zeit so oft ventilirten Unfchlbarteitsdogmas dürfte folgende Mittheilung interessircn: Cardinal Schwarzenberg wurde zum Papst gerufen nnd demerktc diesem, wie zweckmäßig es wäre, wenn das Concil sich nicht mit der Unfehlbarkeit befaßte. Pins IX. antwortete ihm, nach dem „Univcrs," Folgendes: „Ich Johann Maria Mastai, ich glaube an die Unfehlbarkeit. Als Papst habe ich vom Concile nichts zu fordern. Der heilige Geist wird es erleuchten. Nur erinnere ich Sie, daß vor Dcfinirung des Dogmas von der unbefleckten Empfängniß die Opftortunitüts»Frage von zwei oder drei Bischöfen aufgeworfen wurde. Sie wissen, was geschehen ist." In Paris ist noch leine Entscheidung in der Ministerfrage erfolgt. Es circnliren immer wieder neue Ministerlistcn. thatsächlich hat sich aber in der Situation noch nichts geändert. Nach der „Indep. belge" stünde fest. daß das Cabinet Forcade in Auflösung be-griffcn sei und Olliuicr immer noch entschieden sich weigere, auf eine Combination mit Forcade einzugehen. In Irland scheinen bocchesische Zustände einzutreten. Telegraphisch wird von cincm neuen Waffenraubc berichtet, der die Räuber von einer bisher unbekannten Seite zeigt. Wir hören, daß vier Männer bei Nacht in das Wohnhaus eines Mr. O'Connor in der Kings County einbrachen. Es scheint, daß sic zuerst an die Thüre klopften, woraus die Gattin des Hausbesitzers öffnete. Sic wurde im Hausgangc von einem der Eindringlinge festgehalten, während die drei anderen in ihr Schlafzimmer gingen und zwei Flinten fortnahmen. Sie schleppten O'Connor selbst darauf aus dem Hause und schnitten ihm die Nase ab. In der Zwischenzeit war übrigens die Nachbarschaft allarmirt worden und ein Mr. Bailey mit seinen beiden Söhnen kam herbei und erwischte einen von den Räubern. — In Londonderry gehen die Wogen der Bewegung zwischen Katholiken und OranMen hoch. Die Regierung hat Trnppen zusammengezogen und starke Abtheilungen von Polizcisoldatcn sind ebenfalls zur Stelle. Eingeschritten wird uur dann, wenn die Verhältnisse es fordern sollten. Die Genos-seuschaft der Apprentice Boys (ein orangistischer Verein, der von den Lehrbuben, ans denen cr dem Namen nach beacht, nichts »mhr als die Streitlust beibehalten hat) veröffentlicht cine Proclamation, in der erklärt wird, das angekündigte Programm solle ausgeführt, daS Gesetz aber nicht übertreten werden. Wenn ein Angriff erfolge, so solle kein Widerstand geleistet und der Regierung die Verantwortlichkeit überlassen werden. Die Throncanoidatur deS Herzogs von Genua ist nun mehr officicll aufgegeben. Der „Politica" zufolge hat der spanische Gesandte in Florenz seine Regierung benachrichtigt, König Victor Emanuel habe ihm ausdrücklich erklärt, es sei nicht daran zu denken, daß der Herzog von Genua deu spanischen Throu besteigen sollte. Eine Wahldcbattc im gesclMbenden Körper. Der französische gesetzgebende Körpcr ist noch immer mit Wahlprüfungeu beschäftigt. Daß cS hiebet nn sehr lebhaften Episoden nicht mangelt, dafür liefern die ttle« graphischen Berichte über die Sitzungen der Kammer unzweifelhafte Beweise. Zu einer höchst leidenschaftlichen Discussion führte die Prüfung reS Herrn Calvet Rog» niat (Neaierungscaudidat). Herr Estancelin hattc bei dieser Gelegenheit schonungslos die Wahlumtriebc der Rcgicruug: !. Absetzung eines Friedensrichters, 2. Sen-dnng cineS vertraulichen Briefes an alle Schullchrcr, worin der Unterpräfect von Millon sie auffordert, den Regiclungöcandidaten in jeder Weise zu umerstützcn, seine Gegner und vorzüglich die Pfarrer zu überwachen nnd alle die Opposition gravircuden Worte uud Haud' lungeu ncnau aufzuzeichnen u»d ihm zu hinterbringen — aufgedlckc. Der Redner knüpfte an die Aufzahlung dieser Thatsachen seh, unbequeme Fragen an die Regierung. Fast drohend nist cr — wir folgen hier dein »nil dramatischer Lebendigkeit schildernden Sitzungsbericht — aus : Steigt Ihnen nicht die Schamröthe >>'S Gesicht, wenn Sie die Männer dcs UnterrichlS iuPolizeiagenlcn nnd Denuncianten verwandelt sehen? (Sehr gnt! links.) Künftig hat man sich also un den Pulizci-Pläfcctcn und nicht an den UnterrichtSixinister für die Pcnsioncu uud Unterstützungen dcr Schullchrcr zu wcndcu? Dcr Schul-lchrer ist uichl mcbr Schullehrer, sondern Gemeindc-spion? (Lärm.) Ich stelle die directe Frage an den Herrn Minister des Innern: Geziemt cS sich, Männer, die sich solche Wahlumtricbc zu Schulden lommcn lassen, an dcr Spitze der Verwaltung zu behalten, und ist dieser Unlcr-Pläfcct noch im Amt? Herr o. Foicadc: Die Regierung antwortet uur in dem ihr ^ccignct scheinen-den Momente. So lautet die Mc parlamentarische Regel, Herr Estancclin: Wenn man nicht verlebe» ist, antwortet man kurz und gleich. (Sehr qut! links.) In vielen Gcmciudcu rissen die Schullchrcr die Au> schlüge der Oppositions-Candidatcu ab oder bedrohten die Familien, ihre Kinder nicht mcl)r uuculgclllich zum Unteiricht zuzulassen. Ja, die Verwaltung stieg bis zum Druck auf die Lehrerinnen hinunter. Vou den Gescheuten, von den Wohlthaten, dic Herr Calu.t um sich ausstreute, will ich nicht sprechen. Denn wenn man dies einen Wahlgebrauch nennen kann, so trägt wenigstens das Geld dcr Steuerpflichtigen nichts dazu bei. In mehreren Cautcmcu werden die Friedens, richtcr geradezu Wahlmäklcr. Aber das Hauptwahl-manövcr dcr letzten Stunde ist eiu Anschlagzettel, iu dem mau versichert, zwei der drei Concurrcntcn deS Herrn Calvct hätten sich zlnückgczogen und es bliebe nur noch die Wahl übrig zwischen der Legitimität und dem Kaiserreich, zwischen der Freiheit uud der Wiedereinsetzung der Privilegien, zwischen dem Adel uud dem Volte. Ich frage den Herrn Minister deS Innern, ob er durch seine Zustimmung zu dergleichen Verfahren seine von ihm so oft betonte Freisinnigleit beweisen will. Die Gelegenheit ist da. Ihre Handlungen mit Ihren Erklärungen in Einklang zn bringen. Sie brauchen nur gegen Vorgänge, die Sie bedauerlich finden, ohne sic aber zu bedauern, einzuschreiten. (Lärm.) Thun Sie eS nicht, so glaubt man Ihnen nicht. Herr v. Forcade: Sprechen Sie in Ihrem Namen! Das Land glaubt uns. Herr Estancclin: Nach dem trauri. gen Schauspiel einer Negierung, deren Haudluugcn in stetem Widerspruch mit ihren Worten stehen, frage ich die Kammer: Können Sie diese Wahl bestätigen? Hoffentlich nicht. Doch, doch, Sie werden sie bestätigen. DaS Rechts- system der Kammer steht in dieser Beziehung so fest und ist so bekannt, daß ich mit einigen meiner Freunde vor ein paar Tagen Lust hattc, ihr vorzuschlagen, daß sie, um Zeit zu gewinnen, alle noch bestrittencu Wahlen in Bausch und Bogen bestätige. (Wüthender Lärm. Zur> Ordnung)! Herr Vcndrc: DaS ist eine Bcschimpfnng der Kammer! Herr Andr6 (du Gard): Ich protestire im Namen aller meiner noch nicht bestätigten Colleger,. (Viele Stimmen: Zur Ordnung)! Der Präsident: Lassen Sie den Redner sich erklären. Herr Estancelin. Nach meiner Ueberzeugung stimmt die Kammer immer ^ nach ihrem Gewissen, aber iu Wahlangclcgcuhcitcn hat sie ein sehr weites. (Tumult. Zur Ordnung!) Mehrere Stimmen: DaS ist cinc neue Beschimpfung! Der Prä' sident. Verschlimmern Sie nicht noch, was Sie zuvor sagten. Herr Eslaucelin: Es scheint mir, darin liegt nichts Beleidigendes, zu sagen: Jedermann hier stimmt nach seinem Gewissen. Von vielen Seiten: Nehmen Sic Ihre Worlc zurück! Zur Ordnung ! Herr Eslaucelin : Welch Worte? Der Präsident: Sie wissen das schon. Da Sie aber weder zurücknehmen noch erklären, muß ich Sie zur Ordnung rufen. Herr GuyatMontpayrouj,-: Dann können Sie uns gleich Alle zur Ordnung rufen! Nach einer Sclbstvcrthcidigung des Herrn Caluet-Rogniat verlangt Herr Estancclin noch einmal cinc Erklärung von der Regierung über die Circulare des Untcr-Präfccten und des Friedensrichters. Herr Ncgicrungscommissär Mignerct antwortet, der Untcrpräfect sei um eine Clasfe dcgradirt worden und dcr Friedensrichter von Saint-, Curcnt hätte nur seine Bürgerpflicht gethan. Herr Estancelin: Sie entehren die Justiz! Herr Mignerct: Die öffentliche Meinung bestätigt Ihr Urtheil nicht! Herr Crcmieur: Die Friedensrichter sind jetzt nur noch ^ Wahlmäkler. Statt daS moralische Ansehen dieser populären und wahrhaft großartigen Gerichte zu hcbcn, hat die Regierung Alles gethan, um sie zu beschmutzen. (Lärm. Zur Abstimmung!) Nichts wird uns hindern, ans allen den schmachvollen Thatsachen, die täglich hier aufgedeckt werden, die Moral zn ziehen. Iustizmiuistcr Herr Duvcrgicr: Ich protcstirc auf das Feierlichste gegen diese Verallgemeinerung. Welch'mehr als sonderbares Verfahren, aus einer taoclnswcrthen Thatsache eine allgemeine Theorie der Niederträchtigkeit herleiten zu wollen. Und selbst das Circular des Friedensrichters, wenn cs auch zu weit geht, kann weder die Cassiruug des Richters uoch die der Wahl rechtfertigen. (Lebhafter Beifall. Schluß! Zur Abstimmuug.) Die Wahl deS Herrn Calvet-Rogniat wird natürlich bestätigt. Eagesnemsskeitm. — (Iust i zmin ist e rialverordnung.) AuS Anlaß eines besonderen Falles ist der Zweifel rege geworden, ob die Gerichte bei der Eiutreibuug des Ersatzes der vorschußweise aus dem Iustizfonds bestrittencu Verpflcgö-koste» für Kinder, welche im Falle der Verhaftung ihrer Eltern bei diesen in der Haft belassen werden, sich, wcnn die Eltern mittellos sind, auch noch fernerhin nach den Bcstimmungeu der Münsterialerlässe vom 21. August 1857 und vom 25. Februar I860 zu beuehlueu, sonach bei Abgang zur Zahlung berufener Verwandten uud Gemeiuden den Ersatz vom Findel-, beziehungsweise Landesfonds in Anspruch zu nehmen haben. Da es sich hier offeubar um ciucn Gea/nstaud der Armenversorgung handelt, welcher seither durch daS Gesetz vom 3. December 1863 geregell wurde, und tz 22 dieses Gesetzes dcr Laudesgesetzgebung anheimgibt, Einrichtungen zu treffen, durch welche deu Gemeinden die ihnen obliegende Verpflichtung der Armenver- vcidcrblichen Frühfröste, welche den Ertrag der Obst' ernte auf eiu Minimum beschränkt haben; der Mangel an fließendem Wasser an vielen Orten; der Mangel an Arbeitskräften, wodurch die Production um'S Doppelte häufig vcrthcuert wird; kurz, so mauche andere Zwi« scheusüllc, deren mißlichen Folgen wir für dir Zukunft in uoch yrößcrm Maßstabe entgegenzusehen haben, blicken wir auf die fortschreitende Veruichtuna der Waldungen auf das Fallen des Temperatur-Mittels, also auch der Vodenwärme — —» BiS noch vor wenig Jahren — man ließ es sich auch immer ohne besonderen Widerspruch gesagt sein — belehrten und tröstete« uns geistvolle Rcfercuten mit passenden WciShcitSsprüchei, landwirlhschaftlichcr Theorie, leider aber auf dem Felde praktischer, örtlicher und lli» malischer Forderungen unseres Landes entschiedene Fremd« linge, daß das alles nur ..Zufall." nicht ..Norm" sei, und bewiesen haarscharf, daß. wenn nächstens „dies und jenes" geschehen, wozu man bereits „die Initiative zu ergreifen begonnen habe," auch „jenes und dieses sich wiedtr anders — besserer" gestalten würde. Leider geschah nicht „dieses, noch jcncS," und so andächtig wir geglaubt, trotzdem wir so wenig übcrzcnat waren, so verließen wir uns doch darauf, und trugen als Resultat schließlich von neuem unter dcr Rubrik „Soll" das Dc» ficit eineS Jahres ein! AuS behaglichen vicr Wänden, hübsch durch ciue halbe Stunde Häuscruumasse von Wald und Flur entfernt, war die Aufgabe, den conservative!, Flachländer dcr Provinz zu beruhigen, nicht schwer. UebrigenS «geschah ihm schon recht," sagt LiboriuS. Wer hieß jene schwarzsehenden Träumer „Wahrschcin-lichleitsbecechnuugel!" machen? Wer erlaubte ihnen, zu vergessen, daß es nicht allein süß und ehrenvoll sei, in offener Feldschlacht zu fallen für's Vaterland, sondern, daß auch jeder gute Patriot und Familienvater aus deu heroischesten Motiven verpflichtet sei, sich dem Wohli dcr Gesammtheit, der rsi pudlioüß aufzuopfern? Eigenthümliches Kennzeichen der Richtung unserer Zeit! Die Führer dcr Massen, die Suuerlatoren des ,,V0I populi" Haben unler allerlei modernen Titeln, worunter ich Beispiels halber daS Wort „Nationalität«. berechtiguna.cn" zähle, den alten Gibelspruch: „Geben ist seliaer, denn Nehmen," auf den Kopf gestellt, setzen die Opferfreudiatcit des eiuzclnen Individuums aber in un» ermüdliche Contribution. Spanien liebäugelt mit Portugal; Frankreich gedenkt sehnsuchtsvoll der Rheingrcn-zcn; Preußen ist commo tmiMiri; bei aesmidem Appetit (Folge deS kälteren Klima vermuthlich!) und baut an den Brücken über den Main, nebcndei mit gewohntem Dünkel überzeugt, daß „einige" kleinere Bissen ihm be« sondere VerdanuuMeschwrrden nicht verursachen würden; Italien glaubt sich auf der Etappe nach „Rom," welches „urdi ot orbi" stiu „Hu08 ogo" zuruft. — Rußlaud brütet über dem apokryphe» oder factifch vorhandenen Testamente PelcrS I., fischt im Trüben im Osten und Süden — ich meine ganz natürlich aus „Hiuterindien" zu! — und Slovenien in 8iis. Nun! dem wären einige da und dort gut siluirtcn Fleckchen Erbe gar uicht ungeleu.cn, damit dem rasch gegohrencn Teige noch ctwaS mehr „Cousisieutcs" zuaesetzt werden löuntt.! Kurz, alles einiat sich im Compactircn, Unio-niren. Arronoiren, Complcriren, Annectiren, überhaupt im Conjugiren ähnlicher Indefinitive, unter denen bündig zusammengefaßt, leider Gottes ! noch immer einzelne alle „Zöpfe" das moderne „Raubritlerthum" sich vorzustellen gestatten! — ^.in8i 8oi t'-il! Was die Neuzeit „als unter Umständen berechtigt" hingehen läßt, das wird den Söhnen der Väter oft genug mit Hohn und Spott vorgehalten nnd man vergißt im Uebermaß der Zärtlichkeit nie, bei jeder Verai»' lassung doppelte Kritik zu üben, obschon Publicus keine Gelegenheit versäumt, die Ursachen und die Gründe da« zu als für unser fortgeschrittenes Jahrhundert ganz „werthlos und beseitigt" zu declariren! Aber: O murret nicht! Nur lernen sollet ihr „vergessen!" Dankbarkeit ist ein sehr schöner Begriff, Grund dazu im Uebermaße vorhanden! Wer bezweifelt noch, daß durch die Capitalisirung der Reuten, durch alle Scrvi' tutS- und sonstigen Entlastungen die VcrwaltungSarbci ten für den Großgrundbesitz sich bedeutend vcrminder und vereinfacht haben? Einige hundert oder tausend Iocl Wald — was liegt daran -- ob für jährliche 16 bi< 30 fl. Revenüen 6—10.000 fl. Capitalswcrlhc in dc» AequivaleutSrachen hineingeworfen wurden! Noch ciM Jahre vor der Entlastung verkaufte z. B. ein Groß' grundbcfitzer 50 Joch überständigen Hochwald von einel größeren Parcclle vou einigen 100 Joch zn durchschnitt' lich 80 fl. laut Contract. — WaS lag daran, daß da^ selbe nun bei der Regulirung nnr mit 30 fl. in Reck nuna gebracht wurde? Wer trug Schuld an dem Ml' luste? Warum verkaufte er nicht damals als er cS leicht tonnte, die Parcelle u 80 fl. per Joch? Warum wollte cr für seine Kinder sparen? — — Und heute ^ heute nach 5 Jahren steht wahrscheinlich schon kein StalN'N mehr von den Tausenden von Abgetretenen von 1", ^ 2 Fuß Durchmesser!! ..DaS" ist das Erbtheil der 2147 sorgung erleichtert wird, hienach also auf diesem Gebiete nach der Verschiedenheit der Länder auch verschiedene Bestimmungen zur Geltung kommen werden — so hat das Iustizministerium im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern zur Vereinfachung und Abkürzung des Geschäftsganges verordnet, daß die Gerichte sich fortau in allen Fällen, in denen es sich um die Hereinbringung der Ver-pflegskosten für Kinder mittelloser Gefangenen handelt und in welchen die Erhebungen über das Vorhandensein zur Zahlung berufener Verwandten erfogloö geblieben sind — an die der betreffenden Zuständigkeitsgemeinde vorgesetzte politische Behörde zu dem Ende zu wenden haben, damit die Vergütung nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen über die Armenversorgung hereingebracht werde. Hie-von wurden sämmtliche Oberlandesgerichtspräsidicn zur eigenen Wissenschaft und Darnachachtuug so wie zur weiteren Verständigung und Anweisung der unterstehenden Gerichte mit dem Bemerken in Kenntniß gesetzt, daß das Ministerium des Inucrn unter Einem an die politischen Behörden die entsprechenden Weisungen erlassen habe. — (Eisenbahnunfall.) Der Triester Eilzug Nr. 1 erlitt am 17. d. zwischen Semmering und Vrei-tenstein einen Achsenbrnch, entgleiste in einem Tunnel und konnte erst mit einer Hilfsmaschine aus Mürzzuschlag, die den Eilzug nach Scmmering zurückgezogen, nach fast zweistündiger Verspätung um 9 Uhr Abends weiterfahren. Ein weiterer Unfall kam nicht vor. — (Clcricale Verhältnisse in Tirol.) Tirol und Vorarlberg mit 509 Quadratmcilen und 850.000 Einwohnern hat 2720 Sccularcleriler, 1224 Mönche und 1032 Nonnen. Es hat mehr Nonnen als die beiden Krön-ländcr Böhmen und Galizien zusammen. In relativer Beziehung tommt Tirol kein anderes Kronland bezüglich der Zahl seines Clerus nahe. In Tirol kommt auf 210 Einwohner ein Cleriker und rechnet man die Nonnen dazu, auf 160 Einwohner eine Pcrfon geistlichen Standes. — (Wohnungspreise in Nom.) Als Beispiel der fabelhaften Preise, welche dermalen in Nom gefordert werden, theilt man in einem Schreiben mit, daß ein un-garifcher Kirchenfürst für eine Wohnung vou sechs Zim. mern im dritten Stock in einer ziemlich entlegenen Straße für sechs Monate 12.000 Fr. zahlen muß und zwar ohne Möbel, welche andere 11.000 Fr. gekostet haben. — (Aus Paris) wird geschrieben: Ein reicher Speculant, der enorme Summen Geldes mit den Expropriationen des Herrn Haußmcmn gewonnen, wurde vor einigen Tagen gewahr, daß in seiner Easse 600.000 Francs fehlen. Er ließ feinen Eassicr, der ein Mann von 70 Jahren ist, vor sich kommen. Bei den ersten Worten seines Principals antwortete der Eassier, der feit ungefähr 20 Jahren in seinen Diensten steht, daß er die 600.000 Francs eingesteckt habe; tr betrachte sie als sein legitimes Hab und Gut, da er jeden Tag die fruchtbringenden und klugen Speculationen feines Herrn aufgezeichnet habe. Die ge-fchriebenen Beweise, daß er auf diefe Summe Anspruch habe, besitze er, und habe sie in Sicherheit gebracht. Der Principal machte ein ganz verblüfftes Gesicht. Da feine Geschäfte keineswegs auf sehr ehrbare Weise gemacht worden waren und sogar sehr hochgestellte Persönlichkeiten compro-mittirt werden konnten, so mußte der Spcculant fchweigen und es gestatten, daß sein Eassier sich mit 30.000 Francs Rente zurückzog. Man erstaunt darüber, daß es in der letzten Zeit so viele Spitzbuben unter den Eassieren gibt. Natürlich! Sie folgen dein Beispiele ihrer Principale. — (Affaire Traup mann.) Die Antlagekammcr des Pariser Appcllhofö hat in dem Proceß Traupmann ihren Entschluß gefaßt. Traupmann ist angeklagt: 1) Johann Kink mittelst giftiger Substanzen getödtet zu haben; 2) einen Diebstahl an Johann Kinck oder dessen Erben begangen zu haben, indem er eine Summe Geldes, eine Uhr und andere Gegenstände aus dem Eigenthum des Opfers an sich nahm; 3) Quittungen im Namen Kincks, namentlich über die untcr dessen Adresse auf der Post von Gueb-willer liegenden 5500 Francs gefälscht zu haben; 4) freiwillig und mit Vorbedacht in der Nacht vom 17. bis zum 18. September Gustav Kinck, und 5) freiwillig und mit Vorbedacht in der Nacht vom 19. bis zum 20. September Frau Kinck und fünf ihrer Kinder getödtet zu haben. Der Angeklagte ist gestern unter starker Bedeckung von Mazas nach der Conciergcrie gebracht worden. Der Proceß gegen Traupmann wird am 28., 29. und 30. d. M. zur Verhandlung kommen. Gestern Abends wurde ihm das Ver-weisungscrkenntniß mitgetheilt, und heute Nachmittags um 2 Uhr erhielt er Kenntniß von der Anklageschrift. Diese ist äußerst lang, wohl eine der längsten, welche je angefertigt wurden. Die Gerichlsschreiber verbrachten einen Theil der Nacht mit der Abschrift des Exemplares für den Mörder. Um halb 4 Uhr begab sich der Präsident der Assisen zu Traupmann, nm dessen Verhör vorzunehmen. Derselbe hat bis jetzt seine vollständige Rnhe bewahrt. In Mazas war er während der letzten Tage ganz lustig und amusirte sich, als er während des starken Schucefalls, den wir vor einigen Tagen hatten, im Gefängnisse promenirte, damit, daß er nach seinen Mitgefangenen mit Schneeballen warf. Diese vertheidigten sich, und man hätte glauben könne», daß Ulan es mit naiven Schuljungen zu thun habe. — (Eine Akademie für Journalisten.) In Dorchester, England, hat ein Herr Vallace Eysc eine Akademie für Zeitungsschreiber gegründet. Nach dem Pro-spectnö müssen sich die jungen ^eute zu einem dreijährigen Eursus verbinden; auch ist eine besondere Elasse für Zei-tungöbesitzer und Verleger eingerichtet. Die lilerarische Kritik, die Berichterstattung, der ' Leitartikel, da« Annoncenwesen, die Verbreitung, die Manipulationen des Betriebs — für alles dies hat die Akademie besondere Lehrer. — (Weibliche Aerzte.) Auf der Universität Edinburg sind nun die Vorbereitungen zur Aufnahme weiblicher Studenten beendigt. Die Damen follen in besonderen Classen unterwiesen werden, fo daß jeder Professor einen doppelten VorlesungscursuS abhält: einen für die männlichen, den anderen für die weiblichen Studenten. Fünf Damen haben sich bereits zu dem ImmalriculationSeramen gemeldet. In London gibt es schon einen Verein weiblicher Aerzte, deren Präsident der Earl of Shaftesbury ist, und der die folgenden Zwecke anstrebt: Ausdehnung der Verwendung genügend gebildeter Frauen bei der Geburtshilfe und bei Frauen- und Kinderkrankheiten, sowie Beschaffung der Gelegenheit für gebildete Frauen, sich in der Geburtshilfe und den nöthige« Zweigen der Medicin theoretisch und praktisch auszubilden. Um dieses ausführen zu können, wurde schon vor etwa fünf Jahren eine ..Medicinische Schule für Damen" errichtet, in welcher seither 82 Frauen ihre Ausbildung erhielten. Die Mehrzahl von ihnen hat sich als Aerzte niedergelassen und macht recht gute Geschäfte. — (Größe eines Wallfifches.) Der Dampfer „Euphrates" war am 12. December auf ein großen Wall' fisch gerannt. Der Stoß war so stark gewesen, daß das Schiff vorne einige Fuß aus dem Wasser gehoben uud auf einige Minuten dessen Fortgang gehindert wurde, obwohl man zur Zeit mit der Schnelligkeit von zehn Knoten per Stunde dampfte. Während das Schiff über den Wallfifch wegging, wurde es auf dem Mcktheil noch einmal gehoben, ohne jedoch bedeutenden Schaden zn erleiden. — (Erdbeben.) Man meldet aus der Türlei: Die Stadt Oula im Aidiucr Vilajet in Kleinasien, ist nach drei heftigen Erdstößen von der Erdoberfläche ver« schwunden. Di? Einwohner rettete» nur ihr nacktes Leben. Zwei andere Städte, Marmaritza und Mulla sind durch das Erdbeben halb zerstört worden. — (Eine Seeschlange.) Wie amerikanische Blätter melden, ist seit langer Zeit wieder einmal die Seeschlange gesehen worden, und zwar diesmal nicht allein, sondern in Gesellschaft eines jungen Sprößlings. Den bei< den gräulichen Ungethümen begegnete am 23. November im 38.16 Breiten- und 74.09 Längengrade die amerilauifchc Barke „Scottisch Bride," deren Capita« folgenden Bericht über die seltfame Begegnung erstattet: „Ich saß gerade zu Tische, als der zweite Steuermann mich aufs Deck rief. Hier stand die gesammte Schiffsmannschaft und blickte mit furchterfüllten Gesichtern in das Meer. Ich gesellte mich zu ihnen und mein Auge fah ein Schauspiel, das ich nie vergesse» werde. Ungefähr vier Fuß vom Schiff lag das Ungeheuer, nicht weit davon ein kleineres Exem, plar derselben Gattung. Die Mutterschlange war ungefähr 25 Fuß laug und verhältnißmäßig dick, ihr Kopf sehr groß und platt, an jeder Seite desselben am äußersten Rande zwei giftig blickende, hellfunkelnde Augen, gräßlich anzuschauen. Ihr Rücken, krokodilartig bedeckt mit drei Zoll langen Schuppen, welche ineinanderlaufend einen undurch, dringliche« Panzer bildeten; ihr fürchterlich aussehender Unterleib von schwärzlich gelber Farbe. Die junge Schlange war nur wenige Fuß lang, glich aber in Gestalt und Farbe genau ihrer Mutter. Ich gab Befehl, ein Boot hinabzu» lassen, um das Ungeheuer anzugreifen, aber ehe die Matrosen ans Werk gingen, verschwanden Beide, Kopf nach unten, im Wasser. Bald darauf stellte sich zur Bestürzung der Mannschaft ein Sturm ein. Während der folgenden. Nacht wagte sich kein Matrose ohne Laterne auf Deck, aus Furcht, das gräßliche Ungethüm mit feinem Begleiter möge sich zeigen. I o c a l e s. — (Der Herr Landespräsident Conrad v. Eybcöfcld) hat feinen Veitritt als Mitglied des coustituliouellen Vereins in einem Schreibe« an den Herrn Vereinsobmann Defchmann erklärt, worin er der jüngsten Verfasfungsfeier des Verins mit Anerkennung erwähnt. — (Bei der Ergänzungswahl der Cafino-Direction) am Sonntage wurde« zu Ausschüssen die Herren Dr. Schrey, Rcgicrungsrath Laschan, Albert Sa-massa, Dr. Recher, Dr. Pfefferer, Baron Schweiger, Dr. Stöckl, v. Gariboldi und Finanzfecretär Ertl, dann als Ersatzmänner die Herren Dr. Rudolf, Dr. Leitmeier und Ferdinand Mahr gewählt. Als Vlachtrass zur Verfassuugsfeier bringen wir nachstehend den vollen Wortlaut des von Dr. Kecsbacher bei dem Constitutionsfeste gesprochenen Toastes: Verehrte Versammlung! Der Mensch hat zwei Arten von Eigenschaften. Die eine verdankt er seinem eigenen Fleiße, seinem eigenen Streben — Bildung und Wissen; die andere dem Zufalle — Nationalität, der Ort der Wiege. Man follte denken, auf erstere legt er allen, auf letztere keinen Werth. Und doch ist oft gerade das Gegentheil der Fall. Die Erklärung hiefür liegt in der Doppelnatur des Menschen. Es liegt in der Menscheunatur ein Drang, mit allem Althergebrachten zu brechen, alle Schranken, die sich seinem Denkkreis entgegenstellen, zu durchbrechen, es ist dieser Drang der Freiheitsdrang, welcher sich in politischer Richtung zum Kinder des „Unterdrückers" und des „Unterdrückten!" __Schon recht, sagt Liborius. Wir brauchen bald kcinc Distrikts noch sonst — Förster mehr — wenigstens in dem nord-öst- und westlichen Landesthcilc! höchstens eine vergrößerte „Forstwiederbewaldungs-Commission für ganz Krain. Von des Besitzes Lasten entlastet sind so viele Glllck» liche des Patronats-Nechtes berechtigt geblieben! O! Geben ist süßer als Nehmen — mein Lieb', „was" willst du noch „mehr?" Und darum--------thuen wir, wie wir gewohnt, unsere Schuldigkeit; zahlen wir, was «ir ..müssen." Vor allem aber bleiben wir „gut Freund" mit den regierenden Hochwürdigcn, damit wir sicher sind, daß ..irgendwo" der Lohn für stilles Ausharren uns nicht entgehe. Sagt doch der hl. Ehrisostumus schon: die Kirche ist stärker als selbst der Himmel. Und an einem andern Olle I,üren wir: Viele sind berufen, aber wenige aus-erwählt." Und da "wir nun einmal wissen, man sagt es uns ja oft genug, daß wir nicht zu den letzteren gehören, so stellen wir uns wenigstens in deren Nähe! Um wie viel schlimmer aber stände cS um das geschäftliche und gcsellisic ^bcn auf dem Lande, hätten nickt die Verständigen das schon lange selbst herausgefühlt. Und da kommt mir unwillkürlich ein alter Vers nus einem Stammbuchc ins Gedächtniß: ja fo sollte es sein: Himmel und Erde — sie werden vergehen, Doch „unsere" Freundschaft — sie wird bestehen'. Literatur. Der „Ocsterreichische Oelonomist" vom 11. December schreibt: Zeitung«-Verzeichniß und Insertions-Tarif der Annoncen-Erpedition von Haasenstein und Vogler. 10. Auflage. Wien, Frankfurt a. M., Genf, Hamburg, Zürich, Bafel, Leipzig, Berlin, Stuttgart, Bres< lau, Cöln, St. Gallen. Ein literarisches Erzeugniß mit nicht weniger als 12 Verlagsorten da erhält allerdings Ben Akiba Unrecht, denn das ist in der That „noch nicht dagewesen." — Und dennoch ist die Verlags - Firma berechtigt, ihrem Erzeugnisse, bei dem sie (glückliches Verhältniß!) gleichzeitig Autor und Verleger ist, diesen kosmopolitischen Eharatter aufzuprägen, denn die „Literatur" der Haasenstein und Vogler erstreckt sich "ber die ganze Welt, und jene 12 Verlagsorte sind nur die vorläufigen Centralpunlte, von denen aus die betreffenden Artikel durch alle Eontineute und Über die Wasser hinaus verlangt und gesucht werden; es wird sicherlich »icht lange dauern, und andere neue werden sich jenen 12 anreihen. Wer eine Vorstellung von der Bedeutung des Begriffes ..Theilung der Arbeit" und eine Anschauung von der Wirkung eines anscheinend so untergeordneten Geschäftsbetriebes wie ein „Inseraten - Bureau" gewinnen will, der muß sich diesen einige und sechszig Seilen starken, mit der feinsten Nonpareille-Schrift gedruckten Geschäfts - Catalog ansehen, der viel mehr als ein geschäftliches, der geradezu ein wissenfchaftlich-statistisches Interesse hat. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir behaupten, daß alle Zeitungen und Zeitschriften der ganzen Welt, fofcrn sie Inserate aufnehmen, in diesem Geschäfts - Catalog« ihre richtige Stelle finden, daß man bei jeder erfährt, wo sie zu Hause ist, wieviel sie Austage hat, wie oft sie erfcheint und unter welchen Bedingungen man inferiren kann. Welcher außerordentliche Vortheil für einen Producenten oder. Erfinder in Simmering, Potsdam oder Burtehude. in jedem Augenblicke zu wissen, ob und in welchem Organe in Iowa, Capstadt oder Singapore er seine Sachen anzukündigen und wieviel er dafür zu entrichten hat. Ganz neu und eine Art von geschäftlicher Genialität bekundend sind die im Anhange der Schrift beigegebenen „Uebersicht«, karten" von allen Theilen Deutfchlands, Oesterreichs. der Schweiz und Frankreichs, d. h. so zu saqen Inferaten-Nayonskarten, auf denen alle Orte, in welchem Inferate aufnehmende Blätter erscheinen, verzeichnet sind und nach ihrem Inseraten.Wirlungölreise, gewissermaßen geographisch abgegrenzt, eingesehen werden tonnen. AlleS in Allem ist das Schristchen der Herren Haasenstein und Vogler ein literarisches Product, das man mit ungleich größerem Vergnügen und ungleich größerem Nutzen durchblättern kann, als viele unserer goldschnittigen Literatur.Erzcugnisse. Wir können das Gesagte mit gutem Gewissen bestätigen und der Wahrheit gemäß bezeugen, daß die m der Vorrede der Schrift eröffneten Aussichten und die gemachten Ver. sprechungen (auch ein Unterschied gegen so manche Vorreden großer und tleiner Werle) wirtlich auch erfüllt wer« den. Und wen» wir das thun, und ganz gegen unsere Gewohnheit für ein Geschäfts-Untcrnehmen offen Reclame machen, fo vollziehen wir damit einfach nur einen Act der Dankbarkeit, da wir die Reellität, Umsicht und Cou-lance der genannten Verlags-Firma aus eigener Erfahrung zu fchätzen Gelegenheit gehabt haben. 2149 Kosmopolitiömus und im Exlreme selbst zum Nihilismus steigert. Der andere Drang im Menschen knüpft ihn an das Althergebrachte, an den gewohnten Kreis seiner Umgebung, an das Gefühl der Gemeinsamkeit der Interessen. Diese Erscheinung steigert sich in politischer Richtung zum Nationalilätenprincip, im letzten Extreme zum Nationali-tä'tenhaß, indem mau sich au den engen Kreis der gewohnten Umgebung so innig anhängt, daß man sich darüber entfernteren Kreisen feindlich gegenüberstellt. Eine gesunde Mischung des Freiheitsdranges mit der Macht der Oewohnheit, mit dem Gefühle der Gemeinsamkeit der Interessen erzeugt das edelste der Gefühle, das je ein Menschenherz beseelt, das Vate rl andsgefühl. (Bravo!) Dieses Gefühl ist es, welches den Schweizer an seine in verschwenderischer Laune der Natur reich ausgestattete Schweiz so gut kettet, wie den Niederländer an sein Flachland, den Kraincr an sein Kr a in. (Bravo!) Außer dieser psychologischen Erklärung, warum der Krainer sein Heimatland liebt, hat derselbe aber auch ein ganz specielles Borrecht, sein Vaterland zu lieben. Ist Krain nicht ein von der Natur iu verschwenderischer Pracht ausgestattetes Land? Im Norden die Felsluppen mit den grüuenden Hochthälern und den blauen Nlpenseen; im Süden das wellenrciche Rebenland mit den saftig grünen Wiesen und den goldigen Saatfeldern; im Westen der unterirdische Wuuderbau eiuer versteinerten Märchenwelt, und im Herzen das «weiße Laibach" in seiner Felszackenumrahnmng auf grünendem Plan? (Lebhaftes Bravo.) Ist das Volt von Krain nicht aufgeweckt und bildungsfähig? (Bravo!) Hat Kraiu nicht eine thatenreiche Geschichte? Ich will nicht in das Gebiet der Sage greifen, welche in unseren Gegenden selbst das goldene Vließ suchen ließ, ich verweise auf die Zeit der Türtentriege; war Krain nicht durch lange Jahre ein Bollwerk der Civilisation und des Christenthums, ein Bollwerk gegen die morgenländische Barbarei? (Stürmisches Bravo.) Meine Herren! Der dies Loblied auf Ihr schönes Heimatland anstimmt, ist ein Vertreter der fremden Ferse. (Heiterkeit.) Ich entstamme einem Lande, welches von der Natur ebenfall« reich bedacht ist, soll ich da auch als Fremder nicht Augen haben für die Schönheit Ihres Landes? (Bravo!) Man wirft uns Fremden vor, daß wir kein Herz und keine Liebe für das Volt haben. Ich Protestire im Namen aller Fremden in Krain gegen diesen Amvurf, der Fremde, der im Lande Gastfreundschaft, ja noch mehr, Freundschaft genießt, der all' fein Streben scineö Berufes dem Lande widmet, der hat sich das Necht erworben, lein Fremder mehr zu sein. (Stürmische Zurufe.) Hat sich doch jüngst ein hiesiges Blatt sogar darüber aufgehalten, daß ein Fremder im Lande an der Save Strohhüte siechten läßt (Heiterkeit), da derfelbe als Fremder kein Herz und keine Liebe für das Volt haben tonne. (Heiterkeit.) Meine Herren l Glauben Sie nicht, daß es eingelernte Phrasen sind, die ich zu Ihnen spreche, sondern erlauben Sie mir, dem Adoptivsohne Ihres Heimatlandes den Becher der Begeisterung und, was meine Person betrifft, auch den Becher der Dantbarkeit zu leeren auf Ihr schönes Vaterland. Hoch lebe Krain, hoch die baldige Wiederkehr der Eintracht seiner Bewohner! (Stürmischer, andauernder Beifall.) — (Wolf erlegt.) Wie man uns aus Feistriz (Innerkrain), 2l).December, schreibt, erlegten am 18. d.M. zwei um halb 1 Uhr Nachts aus der nahe bei Feistriz ge< legenen Ortschaft Dorncgg heimkehrende Insassen von Feistriz eine ihnen begegnende 3 ^jährige Wölfin mit Steinwiirfen. — Die Gemeinde Fcistriz ist bei dem Landesausschusse um ausnahmsweise Bewilligung der Taglia eingeschritten. (Inzwischen ist bekanntlich die Taglia vom 1. Jänner 1870 an wieder eingeführt worden.) — (Zweiter Preßproceß des „5uri 8 puso.") Bei der vorgestern vor den Geschwornen abgehaltenen Hauptverhaudlung gegen G. E. Martellanz, ver-antwortlichen Redacteur des in Trieft erscheinenden slove-nischen Witzblattes „. December. ..La France" meldet, der Kaiser werde, sobald der gesetzgebende Körper die Wahlverificationen beendet habe, officiell die Demission des Ministeriums an' nehmen und Ollivier mit der Neubildung des <3abinets betrauen. Aus Madrid verlautet geriichtweise von einer Annäherung zwischen Montpensier und Isabella. Die Gemeindevertretungen von Brunn, Sternberg und Olmütz haben Adressen an das Ministerium, gegen eine föderalistische Umgestaltung der Verfassung beschlossen. Auch die Gemeindevertretung von Gay a hat cine Bcrtraueusadresse an das Ministerium beschlossen. Wir haben in der „Politischen Uebersicht" bereits das Thatsächliche in Betreff der Ministerlrise mitgetheilt. Die ,.N. Fr. Pr." knüpft an die mitgetheilten Thatsachen folgende Bemerkung: Sc. Majestät der Kaiser hat sich die Entschließung in der schwebenden Frage vorbehalten und dürfte selbe morgen (21. d. M.) bekannt werden, nachdem für morgen ein Mimstcrrach unter dem Vorsitze Sr. Majestät des Kaisers anberaumt ist. Ohne den Ereignissen vorgreifen zu wollen, glauben wir nach den uns zugehenden Informationen andeuten zu können, daß eine Mung der Krise im Sinne der von der Fraction Gistra - Herbst angestrebten Richtung bestimmt ge-wärtigt werden kann. Man theilt uns neuerdings mit, daß auch die Haltung des Grafen Andrässy oicsfalls von Wirluug gewesen sein soll. In P e st wurde im Oberhanse der Gesetzentwurf über die Finauzgcrichtc und die Stcmpclpflicht der Gesellschaften und Vereine unverändert angenommen, der Gesetzentwurf über die Börsenschiedsgerichle jedoch mit der Einschränkung, daß derselbe blos für Pest sofort in Wirksamkeit trete, für andere Börsen erst dann, nachdem die Regierung sie als solche bezeichnet haben wird, für welche das Gesetz gelten soll. In Berlin hat das Herreu ha us den vom Ab' gcordneterchauS genehmigten Gesetzentwurf, betreffend die Comfteten; der Schwurgerichte bei politischen Verbrechen und Vergehen und dci Prcßucvgehen einstimmig ab, gelehnt. Iu M üuche n ist das Ministerium endlich definitiv gebildet, Ministerialrath Braun zum Minister des Innern und Iustizminister Lutz zugleich zum Cultus, minister (nicht blos interimistisch, sondern definitiv) ernannt. Aus dem gesetzgebenden Körper in Paris wird eine interessante Episode berichtet. In der Sitzuug vom 26. interpellirtc Rochefort über die Ausweisung des eri-lirten spanischen Deftutirlen Paul Augulo auS Frankreich. Während dieser seine Schuldigkeit gethan habe, sagt Rochefort, zwingt man uus die Anwesenheit einer abgesetzten Königin auf, welche offen confpirirt. Die Strenge der französischen Regierung aus Furcht vor der Republik ist gegründet, denn die Republik ist nahe. Der Minister des Inner» erwidert: Frankreich übe großmüthig Gastfreundschaft gcgeu Alle, Könige oder Unterthanen; Augulo sei nach einem Versuche, cincu Bürgerkrieg auzustifteu, „ach Frankreich übergetreten, habe gegen die Verpflichtungen verstoßen, welche ihm die Eigenschaft eines Flüchtlings auferlegt, und die Insurrection gepredigt. Da erst habe die Regierung von ihrem Rechte und von dem Gesetze dcS IahrcS 1849 Gebrauch gemacht. Die Regierung ist entschlossen, alle Versuche von Unordnungen verdientermaßen zu behandeln; sie wird die Minorität ohnmächtig macheu, nicht durch Gewalt, sondern durch moralische Autorität, mit Unter» stützung dcS ganzen Landes. (Enthusiastischer Beifall.) Rochefort warf ein, daß Belgien und die Schweiz die Republikaner schützen, — und hiemil endigte der Zwischenfall. _^_________ Telegraphische Wechselcourse oom 21 December. 5perc. Metalliqnes 59.90. — 5perc. Mctalliqnes mit Mai» mid November-Zinsen 59.90, — 5pcrc. National-Ankhen 70.20. — 18!i0er SlaalSanlehrn 96.50. — Vanloclien 734. - Ercdit-Aclici, 255.60. — London 183.45. — Silber 120.75. - K, l, Ducaten 5 84'/,. Handel und Uolkswirthschastliches. HIrainburg, 20. December. Auf dem heutigen Marlte find erschienen: 7(> Wagen mit Getreide, 2'> Wagen mit holz, 33 Wagen mit Speck, 280 Stllck Schweine von 1<:—20 kr. pr. Pfd. --18 Stück Waagen sammt Gewichten wurden confiöcirt. ____________Durchschnitts-Preise. fl. tl., fl. j li. Weizen pr. Mchcn 5 80 > Butter pr. Pfnnb . — ! 42 Korn „ 3 40!! Graupen pr. Maß . — _. Gerste „ _ > — Eier pr. Stück . . — 3j Hafer „ 2 30 Milch pr. Maß . —10 Halbfrucht „ - .. Rindfleisch pr. Pfd. — 20 Heiden „ 3 10 Kalbfleisch „ — 22 Hirse „ 3 36 Schweinefleisch „ — 21 Kuluruh „ 3 30 Schöpsenfleisch „ — , — Erdäpfel „ 1 50 Hahndel pr. Stück —^30 Linsen „ — — Tauben „ — 14 Erbsen „ — ^ — Heu pr. Zentner . - — Fisolen „ 4 16! Stroh » . - ! .- Rmdsschmalz pr. Pfd. — 51 > Hol,, hartes, pr. Klft, 6 40 Schweinefchmalz „ — z 3« — weiches, „ 4 20 Speck, frisch, .. "" i ^ i Wcin, rother, pr.Eimer -- — Speck, geräuchert, Pfd. — > — — we,ßer „ — — Angekommene Fremde. Am 2U. December. (Elefant, Die Herren: Bortolini Giuseppe, von Trieft. — Michiellini Plctru. von Venedig. — Stuplar. von Briinii. --Lengycl. Kanfm.. von Kanischa. - Moziar unt. GruxlM. Kauft., von Wien. - Kcrschin, uon St. Peter. — Poßnil. Weinhäudler. uou Kropp. — Deutsch, Kanfm. von Ungarn. — Steinberg, Kausm., von Wien. Ttadt ^ien Die Herren: Urbancic, uon Höflein. — Barlels, Ingenieur, von Wie». — Ott, Besitzer, uou Weineg. — Carl, von Eilli. — Higelsberger, von Steindruck. — Ritter von Fichtenau, Postmeister, von Rndolfswerth. — Freiberg, Fabrikant, von Ncichcnberg. -- Pobboj. l. l. Bez. - Richter, von ^'audstraß. — Killer, Besitzer, uon Neumarltl. — Dollmz, vou Wippach. — Curdll, Oberförster, von Wippach. — Pancrra, Ingenieur, von Krainburg. — Graf Lanthieri, vou Wippach. Naierischrn Hof. Herr Machnic, Ageut. vnn Planina. Theater. Heute: Ernaui, Oper in 4 Acten. 'MolliorullMsche NeolwchwlMtt m Laillüch. 6U. Mg. 324.1.1 ^ 0.< windstill trllbc ,,. " 21. 2 „ 3t. 324.7X 4- 2,3 ^ windstill Hohennebcl "" 10.. Ab., 323.?9 4-0.7 > windstill z Schnee ^Hnce Tagilber trübe, Höhenncbel. Thauwcttcr. Abcndö 6 Uhr dün» ncr Regen, nach 9 Uhr Schnecfall, die gan^c Nacht anhaltend. Die frische Schneedecke, 1 Schuh mächtig, hat viele Obstbäume in den Gärten zusammengebrochen. Da« Tagesmittel der Wärme l- 1-1°, um 2 8" «der dem Normale. Verantwortlicher Redacteur: Ignaz^. Kleinni^yr? 125»<««!,<,«'««<»» Wien "0 December Die feste Haltung der heutigen Vörsc druckt sich iu dem Stande der vorMlichsten Aulag«pap>cre ebensowohl, als in dem gestiegenen Course der hcr-WlllllNlllllUjl. vurraarnden Specnlationtlpapicre aus. Bnde Gattungen der RcMe hoben sich um '/. p6t., Actieu der Natloualbank um 3 fl. Uni eben so viel stiegen Anglo, um !'/, st-Ereditaciien. Auch sonst war sowohl bei Bant- als auch bei Eiseubahuactien die gitustlgc Stinnnung der Börse bttmrlbar, wenn glc,ch d,c Aenderungen der Notirung minder bedeutend uud die Umsätze limitirt blieben. Devisen waren offerirt. Goldmüuzeu verwohlseillcn sich verhältiußmäßig noch mchr^___________________________________ ^U. Allgemeine Htaateschuld. Flir 100 fl. Geld Waare Einheitliche Staatsschuld zu 5 pE^ in Noten verzinst. Mai-November «0— «0.10 „ „ „ Februar-August 59.90 60.— .. Silber „ Jänner-Juli . 70.30 70.40 „ „ „ Apnl-October. 70.05 70.15 Stlueranlchcn rückzahlbar (Z) - W.50 99.— Lose v.J. 1«^9 .... 224.-2^4.50 .. « 1854 (4'/.) zn 250 ft. l<".50 91,50 ,. „ I860 zu 600 fl. . . 96.50 96 70 .. ,. I860 zu 100 fl. . . 102.25 102.75 „ „ 1804 zn 100 fl. . , 117 25 117.50 Staalg-Domäueu-Pfandbricfc zu 120 fl. ü W. in Silber . . 119.75 120 25 «. Grundentlastungs-obligationen. Für 100 fl. Geld Waare Böhmen .... zu 5 p Leml,trg-CzttU..I«llyer-Bahn . 199.75 200.25 Geld Waare Lloud. iifterr........322.- 322 — Omnibus 5 pEt. in Silber 107.25 107 50 dto.in33I.rilckz.zu5pLt.in».W. 89.- 89 50 Natlonalb. auf ö. W. oerlosb. zu 5 pllt........93.40 93,60 Oest. Hypb. zu 5'/. pEt. rllckz. 1878 98.- 98.50 Ung. Bod.-Creb.-Aust. zu 5'/. pCt. 90.75 91.25 I'. Prioritätsobligationen. Elis.-Westb. in S. verz. (l. Tmiss.) 88- 88,25, Ferdiuands.Nordb. in Silb. verz. 9tt7c> 9^ FrauzIosephs.Bahn ...» »2W 93.20, O.«arl-Ludw.V.i.S.vtrz.I. 244.50 245.50 «. Privatlose