Llliblichcr Tnabllltt. Redaction und Expedition: Bahnhofgasse Nr. Ib. Nr. 143. UWnINEÄr! Freitaq, 85. Juni Ikrlro. — Morgen: Ioh. u. Paul. 13. Jabrq. Mit der Poft: Äanzjähr. fl. lL. " ' zeigen bis b Zeilen SO kr. O Vom Pressbureau des Landespräsidiums. Diese bösen Zeitungsreporter. Ueberall müssen sie dabei sein. , Ihre Anwesenheit in Jdria verdarb dem Abgeordneten Dr. Vosnjak Humor und Appetit, und sie allein sind schuld, dass alle Welt auf den merkwürdigen Eifer aufmerksam gemacht wird, mit welchem sich unser, ehedem verfassungstreuer Landespräsident den Jdrianer Festgästen als Vollblutnationaler zu repräsentieren bemüht war. Natürlich sind damit nur die Berichterstatter jener Wiener Blätter gemeint, welche in ihren Telegrammen erzählten, dass man über den ausschließlich slovenischen Text der Tafelrede Winklers fehr erstaunt war. Denn „Slovenfki Na-rod" wird diese slovenische Rede sehr begreiflich finden, und was jene Sorte von Journalisten anbelangt, welche jedem Blatte ohne Unterschied der politischen Tendenz ihre Mitarbeit nur um des Lohnes willen widmen, so wäre cs vollends lächerlich, von solchen journalistischen Chamäleonnaturen ein bestimmtes Urtheil zu erwarten. Zudem ist uns bekannt, dass beispielsweise Dr. Voänjak die Keckheit hatte, die Jdrianer Festgeber darüber zu interpellieren, wie es komme, dass die Redaction des „Laibacher Tagblatt" zum Feste beigezogen wurde. Wir hätten derlei Vorkommnisse mit Rücksicht auf die trotz einzelner Taktlosigkeiten von nationaler Seite ungetrübte Feststimmung des Jdrianer Jubiläums am liebsten ganz verschwiegen und uns auf das gestern abgegebene Urtheil über die slovenische Rede des Herrn Landespräsidenten beschränkt, wenn nicht das Pressbureau des Laudes-präsidiums mit einem officiösen Communique vor die Oeffentlichkeit getreten wäre, das sich in Bezug auf Verschrobenheit dem bekannten Urtheil unseres Laibacher Offfciofus über den Rechenschaftsbericht des Barons Schwegel würdig an die Seite stellt. Eine offenbar inspirierte Notiz unseres Amtsblattes sagt nämlich, dass jeder „vernünftige Mensch" es ebenso natürlich wie selbstverständlich nnd taktvoll finden wird, wenn der Herr Landespräsident nach den deutschen Toasten des Ackerbauministers und des Landeshauptmannes und mit Rücksicht darauf, dass das Fest in einer slovenischen Stadt eines größtentheils von Slovenen bewohnten Landes stattfand, seinen Trinkspruch in slovenischer Sprache ausbrachte. Um die unglücklichen Correspondenten jener Wiener Blätter, welche von einer Ueberraschung durch die slovenische Rede Winklers sprachen, noch mehr einzuschüchieru und sie in ihres Nichts durchbohrendem Gefühle die Vermessenheit ihres Ur-theils mit aller Wucht verspüren zu lassen, wurde in der betreffenden Notiz das Wort „vernünftig" mit gesperrter Schrift gedruckt, so etwa, wie man in Lotterie-Anzeigen die Treffer mit fetten Lettern druckt, um die Leser die Nieten um so eher vergessen zu lassen. Leider sind aber die Nieten an gesunder Logik, welche in der officiösen Rechtfertigung der slovenischen Rede Winklers zutage treten, so augenfällig, dass wir selbst auf die Gefahr hin, von Amtswegen zu den „Unvernünftigen" gezählt za werden, uus eine kleine Kritik der betreffenden Notiz nicht versagen können. Weil der Minister deutsch gesprochen hat, musste nach der Anschauung des officiösen „Vernünftigen" der Landespräsident flovenifch sprechen! Wie nun aber, wenn, wie wir anzunehmen berechtigt sind, Minister Falkenhayn die Cultur-bedentung der slovenischen Sprache noch nicht so weit erkannt hat, um seine ministeriellen Mußestunden zu deren Erlernnng zu verwenden? Graf Falkenhayn kann eben nicht flovenifch und musste deshalb deutsch sprechen. Was aber den Landeshauptmann anbelangt, so repräsentiert dieser keine über den Parteien stehende Regierung, sondern einen seiner Majorität nach liberalen Landesausschuss, welchem es gewiss nicht in den Sinn kommen wird, die nationalen Allüren der krai-uischeu Hohenwartianer zu unterstützen. Der Landeshauptmann musste ferner deutsch sprechen schon mit Rücksicht darauf, dass Minister Falkenhayn des Slovenischen nicht mächtig ist und dass es schon der gewöhnliche Umgangston verbietet, in Anwesenheit eines hohen Gastes sich einer demselben nicht geläufigen Sprache zu bedienen. Sieht es also mit diesem Theile der Motivierung des oben erwähnten officiösen Communiques ziemlich windig aus, so müssen wir anderseits bedauern, dass man im Pressbureau des Landespräsidenten die Berichte über die Kaiserreise in Böhmen so wenig studierte, um daraus eine Lehre zu ziehen, welche mit der Vernünstigkeitstheone unseres Pro-vinzialosficiosns durchaus nicht übereinstimmt. So viel uns bekunnt ist, hat unser allverehrter Kaiser auch in der vorwiegend von Czechen bewohnten Hauptstadt Böhmens, das ja auch mehr Slaven als Deutsche zählt, seine Ansprachen deutsch und czechisch gehalten, und wir glanben wohl kaum, dass man im Pressbureau des krainischen Landespräsidiums deu Muth haben wird, im Interesse der Vernünftigkeit einen anderen Vorgang zu fordern. Das Traurigste an der besprochenen officiösen Notiz ist aber, dass sich dieselbe nicht mit dem Herunterreißen der bedauernswerten Zeitungscorrespondenten begnügt, sondern auch gleich deren allfällige Gesinnungsgenossen — das heißt also alle Gegner des slovenischen Chauvinismus — unter das Messer nimmt. Wenn aber das schon die ersten Folgen der Aera Winkler sein sollen, dass der Landespräsident sich einseitig aus den nationalen Standpunkt stellt und dass, wie es schon jüngst einmal geschah, die Verfafsungspartei in der amtlichen Zeitung beschimpft und verunglimpft wird, so sollte man doch wenigstens — unbeschadet der sonstigen Tactlosigkeit — dafür sorgen, dass dieses Verunglimpfungsgeschäft JeuiLeton. Das todte Meer. Eine Stercoskopengeschichte. Von Auegg. ES ist ein seltsam Ding um eine Stereoskopenausstellung! Da stehen in irgend einem Gasthauslocale zehn bis zwölf Tische und auf jedem dieser Tische vier bis acht polierte Guckkästen, und davor sitzen die Leute und sehen schweigend hinein, als hänge das Heil ihres Lebens von dem ab, was sie da drinnen erschauen können. Und es gibt auch allerlei Schönes und Gutes da drinnen zu schauen. Da sind die schönsten Gebäude aller Lande, die Statuen Roms, die Bilder aller denkbaren Gallerten, die schönsten Gebirge und Thäler der Schweiz, da sind die fernsten Stromgegenden Amerikas zn sehen, die Trümmerstätten Egyptens und Griechenlands und Palästinas biblische Erinnerungsstätten, und all' dies in wenigen Stunden, mit wenig Mühe, um wenige Kreuzer. Anstatt der aufregenden und wechselvollen Reisen rückt man mit Bänkchen und Stühlen weiter; anstatt des Künstlers Interesse bietender Erscheinung im Atelier stellt sich uns nur ein Kassier entgegen, und anstatt der Farben Zauber blickt ein Gas-flämmchen durch jede einzelne Glasphotographie und stellt uns in scharf geschiedenem Schwarz und Weiß das Bild vor die Augen. Und doch, tausendmal doch, welche Fülle des Lebens und der Schönheit bietet sich in einer solchen Stereoskopenausstellung; welche Liebe und Begeisterung für Natur und Kunst mag so manche Brust in diesem Saale erfüllen; welche Sehnsucht nach der schönen weiten Welt da draußen mag in so mancher Seele schwellen! Welche Größe und Poesie liegt nur in dem Gedanken, durch die Errungenschaften der Chemie und Mechanik die ganze Welt in einem kleinen Raume zusammengedrängt zu wissen und sie auch dem Aermsten, der weder reisen noch kaufen und kaum lernen kann, für etliche Kreuzer zu Bildung und Erheiterung geboten zu sehen! Solche und ähnliche Gedanken zogen mir durch den Kops, als ich jüngst eine Stereoskopenausstellung in einem kleinen Gasthofe einer Provinzstadt wiederholt besuchte. Ich kannte bereits alle Bilder und ihre Verkeilung in den verschiedenen Kästen und gieng doch jeden Abend wieder dorthin, weil es mich noch immer freute, eine kleine Nachlese zu halten und ein bischen das Publicum zu beobachten. „Des Menschen edelstes Studium bleibt allezeit der Mensch," sagt unser große Goethe, und deshalb gestehe ich es auch ganz gerne, dass ich schließlich nur mehr in die Stereoskopenausstellung beim „blauen Fuchse" gieng, um einen jungen Menschen zu beobachten, dessen Erscheinung mir Interesse und Theilnahme einflößte. Es war ein unverkennbares Malergesicht, ein idealer Kopf mit der objectiven, vorspringenden Stirne des Zeichners und Beobachters, aber ein kränklich aussehender Mensch in abgetragenen Kleidern, zu jung, um verbittert zu sein, zu gebrochen, um eine Zukunft zu versprechen. Schon bei meinem ersten Besuche war mir dieser junge Mann ausgefallen, als ich, knapp neb-n ihm sitzend, bemerkte, dass er nicht die radsörmig eingelegten Bilder des Kastens umdrehe und nacheinander besichtige, sondern offenbar nur ein und dasselbe Bild betrachte und sich nur manchmal zurücklehne, um auszuruhen. Umsomehr musste mir das auffallen, als der Aussteller der Stereoskopen, welcher öfters zwischen den Tischen umhergieug, den in anständigerer Weise betrieben wird. So, wie es derzeit geschieht, kann es unmöglich zur Erhöhung der Autorität der Landesregierung beitragen, welche man nothwendigerweise mit der Genesis der Fehde-Artikel in Znjammenhang bringen muss und welcher wir unmöglich das Recht zugesteheu können, sich daS ausschließliche Privilegium der Vernünftigkeit zuzuerkennen. Selbst ein Bismarck musste sich die Kritik der Presse gefallen lassen und wenn er auch hie und da etwas unwirsch über die Journalistik herfuhr, so ist es ihn: doch nicht eingefallen, sein allsälliges Urtheil über eine publicistifche Gegenströmung gleich auf eine ganze politische Partei zu übertragen, wie es unter der Aegide Winklers der Verfassungspartei gegenüber beliebt wird. Oesterreich-Vlugarn. Der Gemeinde-Ausschuss des steiermärkischen Landtags hat den Antrag auf Ablehnung des Carlon'scheu Gesetzentwurfes betreffs Wiedereinführung des Eheconsenses folgendermaßen motiviert: „In Anbetracht, dass der Gesetzentwurf Bestimmungen enthält, welche weit größere Beschränkungen persönlicher Freiheiten bezwecken, als die früher bestandenen Verordnungen über den Eheconfens normierten, dass die Wiedereinführung des politischen Eheconsenses bereits zweimal vom Landtage abgelehnt wurde und dass seither die Verhältnisse sich nicht geändert haben, dass aber auch die Bestimmungen des Gesetzentwurfes dadurch leicht umgaugeu werden können, dass die Ehewerber in einem anderen Kronlande, wo eine solche Beschränkung nicht besteht, Ehen schließen können, stellt der Ausschuss den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Bulgarien. Der „Kölnischen Zeitung" geht aus Pera folgende Nachricht zu: Aus Bulgarien und Ostrnmelien langen ziemlich beunruhigende, aber durchaus authentische Nachrichten ein. In der geheimen Zusammenkunft der bulgarischen und der ostrnmelischen Führer, welche am 29. Mai in Slivno stattfand und welcher Gueschoff, der Präsident der Nationalversammlung, ferner Stranski, Velitfchkoff und Stambnloff beiwohnten, wurde die Frage verhandelt, ob es zeitgemäß sei, zugunsten der Vereinigung Bulgariens uud Ost-rumeliens zur offenen Action überzngehen. Die Extremen wollten sofort die Vereinigung proklamieren, Fürst Vogorides durch eine Deputation den Dank für sein bisheriges Wirken aussprechen und ihn ersuchen lassen, Philippopcl zu verlassen, sowie den Fürsten Alexander aufforderu, Ostrume-lien in Besitz zu nehmen. Die Gemäßigten dagegen setzten den Beschluss durch, demnächst eine Deputation an die Großmächte zu schicken, welche Fremden frug, ob er nicht einen anderen Kasten besehen wolle, um mir seinen Platz eiiizuränmen. Mit einigen leise gesprochenen Entschuldigungsworten erhob sich dieser rasch und überließ mir seinen Platz. Ich verbeugte mich dankend, und obwohl es mir fast leid that, dass der junge Mann meinetwegen verdrängt worden war, erfüllte mich doch eine gewisse Neugierde, welche Ansicht ans Palästina diesen Fremden so gefesselt haben möge. Dies war denn nun auch ein höchst merkwürdiges Bild, eines, das selbst in der Photographie de» Eindruck eines Stimmungsbildes machte. Es war das todte Meer und bestand eigentlich nur aus wenigen Linien. Ein ganz wolkenloser Himmel, eine ganz stille, wogeulofe See, eine dunkle Jnsellinie im Hintergründe und im Vordergründe nur ein kleiner flacher Strandfleck mit etlichen Steinen und einem Ge» rüste von Baumstämmen. Kein Segel, kein Vogel, ke ne Pflanze, kein lebendes Wesen, und selbst diese Baumstämme, die da wie zu einem Zelte gegeneinandergestemmt waren, hatten keine Rinde, keine Aeste und keine Blätter; dürre, weiße Baumleichen von gespenstigem Ansehen. die Wünsche der Ostrumelioten, mit Bulgarien vereinigt zu werde», vortragen solle. Trotz dieser lauen Stimmung auf der Slivuoer Versammlung, welche auf geheime Abmachungen des russischen Generalcousuls in Philippopel zurückzuführeu ist, steigt in Rnmelien die panbnlgarische Agitation; man erwartet nur die russische Zustimmung, um ein offenes Losschlagen zu versuchen. In unzweifelhafter Verbindung mit dieser Bewegung steht ein eigenthümlicher Beschluss der bulgarischen Sobranje in Sofia vom 11. d. M. Letztere bewilligte nämlich in geheimer Sitzung aus den Fonds der Sofiaer Staatsbank einen Unterstützungsbeitrag von 40,000 Imperials an Ostrumelien als Darlehen für gemeinnützige Zwecke. Der Minister Zankoff, von diplomatischer Seite, welche Kunde von diesem Beschlüsse erlangte, interpelliert, erklärte, die ostrumelifche Regierung sei in momentaner Geldverlegenheit und habe durch den Präfecten von Tatar-Bazardschik, der als besonderer Gesandter nach Sofia gekommen, um Hilfe gebeten; die Sache sei nur ein Finanzgeschäft uud nicht politisch bedeutend. Trotz dieser Ableugnung Zankoffs darf als gewiss angenommen werden, dass die dargeliehene Summe zu Agitatiouszweckeu bewilligt wurde. Die Pforte beobachtet diesen verschiedenen Symptomen gegen-über im allgemeinen eine lässige Haltung. vermischtes. — Allgemeine Depositenbank Die allgemeine Depositenbank in Wien ist neben der österr. Sparkasse und der niederösterr. Escompte-Gesellschaft das einzige Institut, welches größere Einlagen, sei es gegen Sparbücher oder gegen Kasse-scheine, nimmt. Sie richtet ihr vornehmlichstes Augenmerk auf die fructifieierende Verwendung der eingelegten Kapitalien im Eseomptegeschästc, und cs mag als Beweis des Vertrauens und der Bedeutung, welche das Institut sich erränge» hat, dienen, dass die Einlagen stetig zunehmen n»d heute bereits eine Höhe von acht Millionen Gulden erreicht habe». Mit welchem Geschicke die Verwaltung zuwerke geht, davon hat der Bericht der letzten Generalversammlung Zeugnis gegeben, da die Actionäre 7*/z Proc. erhielte», was angesichts der sehr reelle» Geschäftsgebarung und des das ganze Jahr über continnierlich flüssigen Geldstandes allerdings viel beieutet. Uebrigens hat es die Verwaltung der Bank verstanden, auch in Finanzkreisen festen Fnß zn fassen, die Gruppe des Institutes wird bei allen Staatsgeschüste betreffenden Offertverhandlungen mit heraugezoge». Scho» mit Rücksicht auf diesen letztere» Umstand kommen wir auf einzelne Details der Situation der Depositenbank »och zurück. Das Gaslicht zitterte hinter diesem schattenlosen Bilde, als läge die Mittagssonne des Orients über diesem trostlosen stillen Meere. Es ergriff mich mächtig, so oft ich cs sah, und unwillkürlich sah ich jetzt nach dem bleichen Gesichte auf, welches vor diesem Bilde so laiige geweilt hatte und an das mich diese weißen Baumstämme so unheimlich mahnten. Ich hatte nicht weit zu sehen; mir gegenüber stand der junge Mann, an die Saalwaud gelehnt, ohne andere Bilder an-znsehen. Er wartete offenbar nur darauf, den Platz wieder eiuzunehnien, wenn ich den Kasten durchgesehen hätte. Als ich so plötzlich zu ihm aufsah, vielleicht etwas bewegt und wie forschend, da begegneten sich unsere Blicke. Der junge Mann musste in meinen Augen gelesen haben, was ich fühlte, denn er sah mich erst erstannt und danu freundlich uud wehmüthig an, nickte wie bejahend mit dem Kopfe und gieng so schnell hinweg, dass ich ihn nicht zurückrufen konnte, nm ihm sei» Bild wieder zu überlassen. Sein Bild? wusste ich denn damals schon, wie sehr es sein war? Der Aussteller der Photographien erzählte — Anekdote. Der Prager Corresponlent des „Mag. Föld.," welcher seinem Blatte über die Aufnahme der Deputation der Pester Universität beim Kronprinzen berichtete, erzählt aus diesem Anlasse ein bisher unbekanntes Detail aus der Geschichte der Verlobung des Kronprinzen. Der Thronfolger fühlte sich stets durch den Herzog von Cobnrg und dessen Familie angezogen; besonders gefällt ihm die Häuslichkeit der Prinzessin Louise. Eines Tages sagte Kronprinz Rudolf zum Herzog von Coburg: „Siehst du, eine solche Frau möchte ich haben, wie die deine ist." — „Nun," antwortete der Herzog, „dort hast du ja ihre Schwester, heirate sie." Der gute Rath wurde bald befolgt. — Ein Zerstreuter. Die „Presse" schreibt: Von einer lustigen Tafelrunde aus Gauses Bierfrische erhalten wir folgende Zeilen: „Einer unserer Genossen leidet an einer Zerstreutheit, die schon zu den komischesten Missverständnissen Veranlassung gab. Vor einigen Wochen überreichte er einer Dame im Stadtpark seinen Stock und schlug daun mit einem reizenden Bouquet auf den Tisch, um deu Kellner herbeizurufen. Einige Tage später gab er dem Controlor auf der Tramway ein Parketbillctt zum Coupieren und wollte sich an, selben Abend den Eintritt ins Operntheater mit einer Umsteigkarte der Tramway erzwingen. Kürzlich machte er einer Familie, die ihn zum Diuer geladen, eine Reconaissanee-Visite und übergab dem Stubenmädchen einen verschlossene», mit Adresse und Briefmarke versehenen Brief; erst als das Mädchen ihn aufmerksam machte, dass hier kein Postbureau sei, entdeckte er, dass er seine sämmtlichen Bisitkarteu in einen Briefkasten geworfen habe. Diefertage passierte unserem zerstreuten Freunde an unserer Tafelrunde Folgendes: Er bezahlte seine Zeche nnd ließ bei dieser Gelegenheit sein wohlgefühltes Portemonnaie, ohne es zn merken, auf die Erde fallen. Ei» Zechgenosse hob das Täschchen auf uud verständigte die Tafelrunde heimlich von dem Funde. Bald darauf bat er laut seiueu Nachbar, das Portemonnaie bis zum nächste» Morgen aufzubewahren, da er vo» einem guten Freunde zu einer Whistpartie aufgefordert worden sei und die Einladung nnter der Ausrede, kein Geld bei sich zu habeu, ablehuen wolle. Der Nachbar reichte das Portemonnaie seinem wirklichen Besitzer, nnd dieser gab sein eigenes Täschchen weiter, da er fremdes Geld nicht über Nacht behalte» wolle. Nun wurde der Vorschlag gemacht, das Portemonnaie zu öffnen, um den darin befindlichen Betrag zu constatieren. Das Täschchen hatte aber ein Vexierschloss, nnd niemand konnte es öffnen. Endlich gelangte es wieder an unseren zerstreuten Freund, der öffnete das geheime Schloss mit Leichtigkeit, zählte das Geld und fand 36 Papier- und 4 Silbergulden, „Merk- mir, auf meine Nachfrage hin, dass dieser junge Fremde am ersten Tage der Ausstellung alle Bilder sehr rasch durchgesehen und sich nur bei dem letzten Kasten der orientalischen Abtheilung auffallend lange verweilt habe. Seitdem käme er jeden Abend und sehe nur diesen einen Kasten an. Man könne ihm dies nicht verwehren, weil er zahle wie ein anderer und stets bereitwillig aufstehe, wenn sich jemand diesem Platze nähere. Am nächsten Abende saß ich dann wieder „im Oriente", als mein Mann vom „todten Meere" kam, und es blieb diesen und viele folgende Abende beim gleichen Spiele. Der junge Mann sah lange auf daS Bild, räumte anderen den Platz, nahm ihn wieder ein und gieng dann still davon. Ich zog immer engere Kreise um ihn, bis ich ihn eines Abends geradeaus frug: „Warum kaufen Sie das Bild nicht, wenn eS Ihnen so gut gefällt?" „Der Aussteller gibt es nicht weg," antwortete der Fremde, ohne über die Frage erstaunt zu scheinen. „So copieren Sie es," sagte ich, indem ich hoffte, durch diese unberufenen Worte den jungen würdig", ruft er. „genau so viel habe ich auch bei mir", greift in die Tasche, sucht und — „ha, ha, ha — das ist ja mein Portemonnaie." Vielleicht liest der zerstreute Freund diese Zeileu und weiß nicht einnial, dass ihm selbst die Geschichte passiert ist." — EinunglücklicherSchuss. Aus Tirol wird berichtet: In Cles zeigte vor einigen Tagen ein junger Mann einem etwa 14jährigen Burschen seinen Revolver und erklärte die Handhabung desselben. Plötzlich entlud sich dieser und die Kugel drang dem Burschen in der Nähe der Herzgrube in den Leib, so dass man an den, Auskommen des Schwerverletzten zweifelt. — Bedrängnis der Wucherer. In Torpa (Bereger Comitat) umzingelten am 10. d. nachts mehrere Einwohner das Hans des Wucherers Josef Groß. Sie mussten sich aber mit dem Einschlagen der Fensterscheiben begnügen; denn als sie das HauS stürme» wollten, wurden sie von einigen Nachtwächtern zerstreut. Die Wucherer in jener Gegend leben in ewigem Schrecken. Vor kurzem wurde ein gewisser Selig Friedinann dnrch das Fenster angeschossen; zu seinem Glücke blieb die Kugel im Fenstersimse stecken. Die Bevölkerung ist so erbittert, dass die Wucherer großen Gefahren ausgesetzt sind. — Frühe Ernte. Als Curiosität meldet man Wiener Blättern telegraphisch aus Paris, dass diesertage ein Sack Mehl aus heurigem Weizen algerischer Provenienz gemahlen auf den Markt gebracht wurde. — Vergehen gegen die Sittlichkeit. Die ultrainontane Partei in Frankreich hat abermals den Verdruss, eine ihrer Koryphäen des widerwärtigen Vergehens überführt zu sehen, welches schon dem Namen einer anderen ihrer Notabilitäten, des Vicomte von Germiny, zn einer traurigen Berühmtheit verholsen hat. Herr Voyer, Hauptmann vom Generalslabe, der vor zwei Jahren den Dienst verlassen hatte, um sich ausschließlich der clericalen Propaganda widmen zn können, ist letzten Freitag im Vincenner Wäldchen von Agenten der Sitten-Polizei nebst einem Genossen, einem Artilleristen, wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit verhaftet worden. Da die Beamten zn seiner Verhaftung schritten, setzte er sich mit einem Stocke gegen sie zur Wehre und hätte sich beinahe glücklich durch-gesochten, wenn nicht ans den Rnf der Agenten noch Gendarmen herbeigeeilt wären, die den Missethäter entwafsneten. Herr Voyer Wird sich jetzt vor dem Strafgerichte wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit, wegen Beleidigung von Beamten im Dienste und ivegen Widersetzlichkeit gegen dieselben zu verant- Mann zu irgend einer ausklärenden Antwort zu bringen. „Ich will nicht mehr malen," war aber die alleinige Antwort. „Warum nicht dieses Eine noch," fuhr ich fort, in seinen Ton einstimmend, und damit traf ich das Richtige. Mit einem unbeschreiblich wehmüthigeu Lächeln reichte er mir die Hand, eine heiße, fiebernde Hand, und sagte leise: „Ich danke Ihnen für dieses „Noch"; Sie gehören nicht zu jener unleidlichen Klasse von Menschen, welche einem Todtkranken sagen: „Ach, Sie sehen ja recht gut aus l" und welche jedem Unglücklichen zuruseu: „Zerstreuen Sie sich doch!" Woher wissen Sie aber, dass ich Maler sei," fuhr er fort, „ich bin hier doch ganz unbekannt?" „Ich habe eS Ihnen angesehen," entgegnete ich ruhig. „Sie sind überhaupt einer der Sehenden," sagte dieser, wieder lächelnd, „und glauben Sie ja nicht, dass ich irgend eine Ihrer heutigen Fragen beantwortet hätte, wenn ich nicht den fragenden Blick verstanden haben Würde, mit welchem Sie an jenem ersten Abende vom „todten Meere" zu mir aufgesehen hatten." (Schluss folgt.) Worten haben. Er befindet sich, wir sei» Mitschuldiger, der Artillerist Mgnin, in Untersuchungshaft. Der Capitän Voyer war als Veranstalter von Con-eerten für clericale Zwecke, in denen er dann gern auch eigene Composttionen zu Gehör zu bringen pflegte, eine in Paris allgemein bekannte Persönlichkeit. Local- und Provinzial-Mgelegenheiten. — (Fünfte Sitzung des Krainer Landtages am 24. Juni.) Vorsitzender: Landeshauptmann Dr R. v. Kaltenegger; Regierungsvertreter : Landespräsident Winkler. Anwesend 33 Abgeordnete. Das Protokoll der letzten Sitzung wird in deutscher Sprache verlesen und verificiert. Der Herr Landeshauptmann macht folgende Mittheilungen: Der Abg. Luckmann ersuchte um einen viertägigen Urlaub, und wurde ihm derselbe bewilligt. Die Bezirkshauptmannschaft Tschernembl überreicht ein Gesuch der Gemeinde Loka um Bewilligung einer 18procent. zu ihrer bereits bewilligten 34procent. Umlage für Kirchenbauzwecke. Die Petition wird dem Landesausschusse abgetreten. Die „Laibacher Liedertafel" überreicht eine Einladung zu dem am Samstag, de» 26. d,, im Casinogarten zum Besten der nothleidenden Unterkrainer stattfindenden Con-certe. Am Montag, den 27. d., findet ein Requiem für weiland Kaiser Ferdinand statt. Die Regierungsvorlage eines Gesetzes, betreffend einige Maßregeln zur Hebung der Fischzucht in den Binnengewässern , wird über Antrag des Abgeordneten Ritter v. Gutmannsthal dem Verwaltungsausschuffe zugewiesen. Der Bericht des Verwaltungsausschusses zur Regierungsvorlage des Gesetzentwurfes, betreffend die Tragung der Kosten der Amtshandlungen über verspätet eingebrachte Anmeldungen der nach § 6 des Patentes vom 5. Juli 1853, R. G. Bl. Nr. 150, von Amtswegen der Ablösung oder Regulierung unterliegende» Rechte, wird mit einem Abändernngs-antrage des Abg. Dr. Poklukar angenommen, welcher dahin lautet: Statt der vom Ausschüsse beantragten Anslassnng des Passus „nach erfolgter Kundmachung", habe es im Gesetzestexte folgendermaßen zu lauten: „Alle jene Rechte .... sind längstens binnen 60 Tagen nach erfolgter Einschaltung dieses Gesetzes im Landesgesetzblatt zur Kenntnis der k. k. Grundlasten-Ablösungs- und Regulierungs-Landescommission zu bringen. Sowohl der Landes- präsident als der Referent Dr. v. Vesteneck, letzterer zwar nicht im Namen des Ausschusses, als vielmehr vom persönlichen Standpunkte, unterstützten diesen Antrag. Ueber die mündliche Berichterstattung zuni § 3 des Rechenfchaftsberichtsausschusses sind wir nicht in der Lage zu referieren, da wir keinen Rechen-fchaftsbericht des Landesausschusses erhielten. Der Bericht des Landesansschusses, betreffend die Gesetzvorlage zur Hereinbringung von Geldforderungen an Gemeinden und Concurrenzverbände wird dem Verwaltungsausschuffe zugewiesen. Abg. Graf Thurn referiert über Z 2, I. Theil des Rechenschaftsberichtes und beantragt: Der hohe Landtag wolle beschließen: 1.) Der Landtag des Herzogthums Krain bedauert die Ablehnung, welche das Ansuchen des Landesausschusses um Auskünfte über die Ergebnisse der Executionssührnng dnrch die Steuerexecutoren seitens des k. k. Landespräsidiums bezüglich der k. k. Finanzdirection erfahren hat, und erblickt in derselben eine Verkennung und Beeinträchtigung seines im § 19 der Landtagsordnung 1, lit. a, gewährleisteten Rechtes, und fordert den Landesausschuss auf, sein unter Nr. 7376 gestelltes Ansuchen namens des Landtages und mit Berufung auf dessen gegründetes Recht zu erneuern, über den Erfolg aber in der nächsten Landtagssession zu berichten. 2.) Der Landesausfchuss wird angewiesen, bei der Regierung dahin zu wirken, dass bei der ExecutiouSdurchsührung auf die kleinen Grund- und Hausbesitzer und bezüglich kleiner RückstaudSrefte auf bedeutende Steuercontribuenten billige Rücksicht genommen werde, so zwar, dass bei einer Gesammt-jahreSschuldigkeit an Steuern sammt Zuschlägen bis zum Betrage von 5 fl., sowie bei Rückstandsresten im Höchstbetrage yon 2 fl. als einmalige Mahn-gebür nicht mehr als der Betrag von 10 kr. aufgerechnet werden darf. Diese Anträge werden ohne Debatte genehmigt. Abg. Gras Thurn referiert über den Z 2, II. Theil des Rechenschaftsberichtes und stellt folgende Anträge: Der RechenschastsberichtsanSschuss erlaubt sich zu beantragen, der hohe Landtag wolle die für das Jahr 1878 und 1879 aus dem Titel der Ueberbürdung erzielte gleichmäßige Abschreibung an Grundsteuer sammt Zuschlägen und Umlagen, sowie den pro 1878 bewilligten Stenernachlass aus Anlass von Elementarschäden zur geneigten Kenntnis nehmen. Belangend den Reichsgesetzentwnrs der k. k. Regierung über die Regelung der Steuereinzahlungstermine, beehrt sich der Rechenschastsberichtsausschuss nachstehendes Gutachten, womit auch die an den hohen Landtag gestellten vier Fragepunkte als beantwortet erscheinen, zu erstatten: Gutachten. Als oberstes Princip bei der Steuereinhebung hätte der Grundsatz zu gelten, dass vom Steuerpflichtigen die Stenern stets in jener Zeit einzusordern und einzubringen wären, in welcher die Abstattung der Steuer vom Contribuenten am leichtesten erfolgen kann. Der Landwirt erscheint aber unzweiselhast in jener Zeitperiode am zahlungsfähigsten, wann er von feinem Grund und Boden durch Veräußerung der erfechsten Feldfrüchte, Weinbauprodukte, durch Verkauf von Vieh Einnahmen erzielte. Mit Rücksicht auf die hierländigen Verhältnisse und auf die ökonomische Lage der Steuerpflichtigen erscheint unser Grundbesitzer in den ersten zwei Quartalen des Jahres nur in geringem Maße contributionssähig. Namentlich im Frühjahre be-nöthigt er alle ihm etwa noch zur Verfügung stehenden Geldmittel zur Bestellung seines Grund uud Bodens. Wenn man in dieser Zeit mit Zwangs-maßregeln ihn quält, erreicht man meist den Zweck nicht, verursacht aber dem Executen Koste», versetzt den Landwirt unnöthigerweise in Angst nnd Sorge oder zwingt ihn Wege zu machen, die ihn an Zeit und Arbeit verkürzen. Mancher Bauer jucht sich durch Aufnahme eines Darlehens zu behelfen, fällt aber dabei in Wucherhände, die den einmal Erfassten erbarmungslos ausbeuten oder gar auf den Bettelstab bringen, deshalb muss im Interesse der Landwirtschaft mit aller Entschiedenheit die Auslassung des Maitermins angestrebt werden, in welcher Zeit der Landmann, nachdem er den allfälligen Getreideüberschuss zu Anbauzwecken verwendete, selbst bei normaler Ernte häufig mit Lebenssorgen zu kämpfen hat. Ebenso trifft man bei den Weingartenbesitzern im Frühjahr nur selten Vorräthe an, da solche schon gewöhnlich im Spätherbst und Winter abgesetzt werden. Verschuldete Weingartenbesitzer sind häufig ge-nöthigt, ihre Weinfechsung ganz oder zum Theile vertragsmäßig ihren Gläubigern zur Tilgung der ihnen schon im Laufe des Jahres vorgestreckten Summen um verabredete Preise zu überlassen. In Anbetracht jedoch, dass sowohl der Staat als das Land, die Gemeinden und autonomen Körperschaften zur Deckung ihrer Erfordernisse Mittel entgegen bedürfen, erachtet der Rechenschaftsberichtausschuss eine weitere Herabminderung der Zahlungstermine derzeit nicht einrathen zu solle», hingegen die Einnahme von drei Einzahlnngsteeminen con-sorm den Anträgen des Landesausschusses, und zwar am 15. Februar, am 15 August und 15. November jeden Jahres und die Abstattung der Grund- und Hausklassensteuer in drei gleichen Raten in den genannten Terminen dem hohen Hause anzuempsehlen. Selbstverständlich bleibt es jedem Steuerzahler wie bisher unbenommen, innerhalb der gesetzlichen Einzahlungstermine aus seine Steuervorschreibung, beziehungsweise Steuerschuld freiwillig L Conto-Ab-zahluugen zu leisten. WaS die Hauszinssteuer betrifft, wären in Au-> betracht der üblichen ^jährigen Fälligkeiten der Mietzinse die von der Regierung projektierten Quartaltermine, und zwar "/,, bei- znbehalten. Mit den Uebergangsbestimmungen, die der Z 2 deS Gesetzentwurfes enthält, erklärt sich der Rechenschaftsberichtsausschuss einverstanden und empfiehlt solche der Annahme des hohen Hauses. Der vorliegende Gesetzentwurf wäre umsomehr der Annahme des hohen Hauses anzuempfehlen, als dadurch die harte Jngerenz der Steuerexecutoren, welche ei» unentbehrliches Medium der Finanz-Verwaltung zu sein scheinen, abgeschwächt wird. Demnach wolle der hohe Landtag beschließen: Der § l des Regierungsgesetzentwurfes hätte zu lauten: Z 1. Die Grund- und Hausklassensteuer ist in drei gleichen Raten der Jahresschuldigkeit am 15. Februar, am 15. August und 15. November jeden Jahres zu entrichten. Die Hauszinssteuer ist in vier gleichen Raten der Jahresschuldigkeit am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November jeden Jahres zu berichtigen. Die zweite Alinea deS Z 1 des Rcgiernngsgesetz-eutwurses sowie 8Z 2, 3 und 4 bleiben unverändert. Abg. Detela beantragt zu Alinea 1 des § 1, dass die Stener am 1. März, 1. September und 1. Dezember einzuheben sei. Abg. Navratil wünscht für Weingegenden den l. März und 1. Dezember. Abg. Lavrencic unterstützt diesen Antrag. Abg. Baron Apsaltrern erklärt, er wisse sehr gut die Tragweite und die gnte Meinung dieser Anträge zu schätzen, cs fällt ihm jedoch der alte Satz ein: „Wer zu viel begehrt, begehrt schlecht." Er wünscht, dass die verehrte Negierung die Güte haben möchte, zu diesen Anträgen Stellung zu nehmen, damit man wenigstens im klaren sei, ob Aussicht vorhanden ist, dass diese Anträge von der Negierung Berücksichtigung finden werden. Landespräsident Winkler erklärt, er wäre nicht in der Lage, schon heute welche Auskünfte zu ertheilen, da eine Rücksprache mit der Finanzdirectiou und dem Finanzministerium erforderlich sei. Abg. Navratil stellt den Eventnalantrag, dass die Steuerexequiernngen in Weingegenden wenigstens bis zum Herbste zu sistieren seien. Abg. Baron Apsaltrern erklärt, dass ihn die Aeußcrungen des Herrn Regierungsvertreters sehr wenig befriedigt haben. Er constatiere nachmals, dass die Position der Regierung zu diesen Anträgen eine dringend nothwendige sei nnd dass, wenn derartige Termine festgesetzt seien, dem Lande eine große Wohlthat erwiesen werde. Er stellt daher den Antrag: Die weitere Verhandlung ist bis dahin zu Vertagen, bis die Regierung in der Lage sei, hierüber Stellung zu nehmen. (Bravo! rechts.) Abg. Deschmann: Bei objektiver Behänd lung sieht man, dass der Staat ein großer Ver zehrer der Abgaben sei, dass er aber auch viele Mitesser habe. Die verschiedenen Landesfonde sind sehr hungrige Kinder und auch die Bezirksstraßen ausschüsse wollen gefüttert werden. Wenn die Steuer nur am 15. Februar und am 15. Dezember eingeht, so würde sich das Land dadurch in großer Ver legenheit befinden. Die Steuerschraube ist eine sehr strenge. Wenn die Steuern erst am Schlüsse ein gehoben werden würden, so würde man große Jammerrufe der Bezirksstraßenfonds vernehmen, welche darin gipfeln würden, dass der Landesfond nicht in der Lage wäre, ihnen Vorschüsse zu er theileu, da er selbst warten müsste. Er erklärt sich daher gegen die sofortige meritorische Behandlung der Steuertermine. Abg. Dr. Vosnjak polemisiert gegen die Ausführungen Deschnianns und spricht sich für die sofortige Erledigung dieser Anträge aus. Berichterstatter Graf Thurn konstatiert, dass es ihn gefreut habe, dass der hohe Landtag soviel Interesse dieser Angelegenheit entgegengebracht habe. Der 15. Februar-Termin sei ein sehr günstiger und sei es gewiss von Vortheil, dass der lästige Maitermin fallen gelassen wurde. Der Antrag des Abg. Navratil wäre etwas zu weitgehend. Bei der Abstimmung wird der Antrag Baron Apsaltrerns mit 14 gegen 18 Stimmen abgelehnt, und die Anträge der Abg. Detela und Navratil angenommen. Der Antrag des Abg. Detela, die Verzinsung der rückständigen Steuer habe erst nach vier Wochen des Fälligkeitstermines zu erfolgen, wird ebenfalls angenommen. Abg. Klun referiert über den Bericht des Rechenschastsberichtsausschusscs, betreffend die Lan-des-Obst- und Weinbauschule in Slap. An der Debatte betheiligten sich die Abg.: R. v. Gutmannsthal, Bleiweis, Deschmann, Pakiz, Poklnkar, Dr. Zarnik, Dr. Schaffer und der Berichterstatter. Der erste Antrag des Ausschusses sowie ein Zusatzantrag Dr. Bleiweis' wird dem Verwaltnngs-ansschusse zugewiesen. Die übrigen Anträge: Der Landesausschuss wird beauftragt, im Einvernehmen mit der k. k. Landwirtschastsgesellschast zur Anschaffung populär verfasster Schriften über Weinbau mit Abbildungen Sorge zu tragen. Der Finanzausschuss aber beauftragt, dass er im Voranschläge des Landessondes noch für das Jahr 1881 zu diesem Zwecke die nothwendige Summe einstellt. Der Landesausschuss wird beauftragt, das Ackerbauministerium zu bitten, dass die Regiernngs-unterstützung für die Obst- und Weinbauschule in Slap wieder auf 2000 fl. erhöht werde. Dem Landesansschusse wird bewilligt, dass er bei Ausschreibung und Vergebung der Plätze an der Landes-Obst- und Weinbauschule nicht zu strenge ans die Dürftigkeitszeugnisse zu schauen habe. Der Bericht des Laudesausschusses über die Fortschritte der Obst- und Weinbauschnle in Slap nnd über andere auf diese Schule Bezug nehmenden Daten werden befriedigend zur Kenntnis genommen. Alle diese Anträge werden genehmigt. Die zwei letzten Punkte werden von der Tagesordnung abgesetzt. Zum Schlüsse macht der Landeshauptmann die Mittheilung von einer Einladung des hiesigen priv. Schießstandes zu dem am Sonntag, den 27. d. Ai., stattfindenden Bestschießen. Die Sitzung wurde um halb 2 Uhr geschlossen. Die nächste Sitzung findet am Montag um 11 Uhr vormittags statt. — (Vergnügungszug.) Wie alljährlich so wird auch Heuer anlässlich des Peter- und Paultages in der Richtung Wien-Triest der Südbahn ein Vergnügungszugverkehren. Der Zug verlässt um 7 Uhr 30 Minuten morgens Triest. Die Fahrpreise sind außerordentlich ermäßigte und betragen für die ganze Strecke Triest-Wien hin und zurück: 2. Klasse 20 fl., 3. Klasse 14 fl. (Von den dazwischen liegenden Stationen aus entsprechend billiger.) Mit den gelösten, 14 Tage gütigen Billetten kann die Rückreise beliebig mit allen Personenzügen (Eil- und Conrierzüge ausgenommen) stattfinden und darf dieselbe einmal in beliebiger Station unterbrochen werden. — (Postalisches.) Die Postdirection zu Triest gibt bekannt, dass infolge eines mit dem Verwaltungsrathe des österr.-ungar. Lloyd getroffenen Uebereinkommens vom 1. Juli d. I. ab die durch die Dampfschiffe des Lloyd zu befördernden Fahrpostsendungen nach de» griechischen Hafenorten Py-räus (Athen), Syra, Corfn, Paxo, St. Maura, Argostoli, Zante, Patras, Calamata und Cerigo, entweder unfrankiert oder bis zum Bestimmungsorte frankiert abgesendet werden können. — (Jagdverpachtung.) Am 28. Juli d. I., vormittags um 10 Uhr, wird die Jagdbarkeit der Gemeinde Veldes in der Amtskanzlei zu Radmannsdorf im Licitationswege verpachtet. Die Pacht-bediuguuge» sind bei der Bezirkshauptmannfchaft Radmannsdorf einzusehen. Witterung. Laibach, 25. Juni. Nachts Gewitter aus Süden mit Regengüsse», heute chwarze Wolkenzüge längs der Berge, aus den Alpen frisch gefallener Schnee, schwacher NW. Wärme: morgens 7 Uhr -j- 13 1°, nachmittags 2 Uhr -j- 19 2° 6. (1879 -^ 26 6°, 1878 25 0° 6.) Barometer im Fallen, 733 64 Milli- meter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme -j- 161°, um 2 7° unter dem Normale; der gestrige Niederschlaa 20 00 Millimeter Regen. Verstorbene. Den 24. Juni. Franz Schrank, Schuhmacherwit-mens-Sohn, 1»/« I., Polanastraße Nr. 18, Llorbus Lnxlrtü. Angekommene Fremde am 24. Juni. Hotel Stadt Wien. Kaiser, Kausm., und Marx, Wien. — Brüll, Kausm., Schweiz. — Sambo, Triest. — Pichler, Beamtensgattin, Goltschee. — Fuchs, Gutsbesitzer, Ober-görtschach. Hotel Elephant. Hassan Esfendi sammt Frau, Alexandrien. — Bachici, Agent, Zara. — Poche, Kausni.^ Triest. — Hosbauer, Fabriksbesijzer, Agram. Baierischer Hof. Hrabal und DoleZal, Bahnbeamte, Marburg. — Nodari, Holzhändler, Triest. Die heiligen Seelenmessen sür die verstorbene Excellenz Frau Natalie Karoiüa »m Mrcker werden Montag, den 28. Juni l. I., um 11 Uhr in der hiesigen Domkirche gelesen werden, wozu die P. T. Verwandten und Bekannten der Verstorbenen hiemit höflichst eingeladen werden. Laibach am 25. Juni 1880. Wiener Börse vom 24. Juni. Papierrente........... Silberrente.......... Voldrente............ Staatölose. 1854. . . 1860. . 186« zu 100 st. 1864.. Eriraäeatkastung»- Obkiyalitme». Galizien............. Siebenbürgen . . . ' Temeser Banat . . Ungarn ............. Hakekea. Lonau-Negul.-Lose Lug. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . . Äetiea v. Aaak«». Lredi^anstaltf.H.u.O. -tarronalbauk. . . Geld War? 73 65 73 75 74 40 74-45 88 70 88 80 122 50 123 - 133 25 133 50 133 75 134 — 173 75 174 — Aetiea o. Lraa,p,r1 Nat«r» Haliz. Äarl-Lndwigb. l!embera- «Lzernowitz ölovd-Gesellschaft . 97-80 94 75 94 30 95 75 112 — 114 50 119 50 282 50 828 — 158— 79— 190 — 98 L0 95 — 94-50 95 — 112 5.0 114 75 119 75 18,-75 829 - 158 50 688 — 190 50 2L05 ! 2508 189 25 169 50 279 —'279 25 167 75>168 — 693 —!694 - Nordweftbabn ... Rudolf-Bahn . . . StaatSbahn .... Südbahn........... Ung. Nordostdahn Pfanäbriese. Bodencreditanstall in Gold.......... in österr. Wäbr. . Nationalbank.... Ungar. Bodencredit- Prioritüti-ObliA. Elisabethbabn, i.Em. Ferd.-Nordb.i. Silber ranz-Ioseph-Bahn. -aliz.K-Ludwigb,i.E. Oest. Nordweft-Babn Siebenbürger Bahn StaatSbahn i. Lm. Südbahn A s Proc. *5 . . «Seid 168 — 163--285— 83 — 148 50 116 25 101 — 102 50 101 50 Krivatlose. Ereditlose Rudolflose Devisea. London .... G,käsort«a Ducaten............ 20 Franc» . . . . 100 d. Reichsmark Silber............. Ware 168 50 163 50 285 25 83 25 149 — 116 50 101 25 10260 101 7Ü 98 25 104 50 100 40 104 75 100 60 84 40 174 124 80 107 25 180 25 18 25 117-10 98 50 105 — 100 70 105 — 100 80 84 60 174 50 125 20 107 50 180 75 I8'50 117 2Ü 5-54 5 55 9-33'/, 9 34»/, 57 50 57 55 Telegraphischer CurSbericht am 25. Juni. Papier-Rente 73 55. — Silber-Rente 7410. — Gold-Heute 88 60. — 1860er Staats-Anlehen 133 25. — Bank-aetien 828. - Creditactien 28160. - London 117 10. — Silber —'—. — K. k. Münzdueateu 5 56. — 2S-Francs-stücke ö'34. — 100 Reichsmark 57 50. Druck von Ig. v. KleinmaYr L Fed. Bamberg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Hans Kraus.