Nr. 2. Wbruar 1899. II. Jahrgang •*> Einladung zur Bestellung der illustrierten Zeitschrift für Glaubensverbreitung in Afrika herausgegeben vam Missionshaus der „Söhne der hlst. Herzens Jesu" in Müh land bei Nrixen (Tirol). Mit Januar 1899 begann der „Stern der Neger" den 2. Jahrgang. Die Zeitschrift, welche am Ende jeden Monats erscheint, bringt Aussätze und Abhandlungen über die Neger, ihre Christlichinachung und Civilisierung, sowie Besprechungen von Ereignissen, welche das ewige und zeitliche Heil, Wohl und Wehe der Neger berühren, ferner Originalbriefe, Mittheilungen und Nachrichten unserer Missionäre in Afrika, endlich die wichtigeren Begebenheiten aus unserer Congregation, sowie aus unserem Missionshause. Als Organ der „Söhne des hlst. Herzens Jesn" und ihres Missionshauses, das dem Herzen Jesu geweiht und unter den Schutz unserer Lieben Frau gestellt ist, wird der „Stern der Neger" bei seinem jedesmaligen Erscheinen das hlst. Herz Jesu und die allerseligste Gottesmutter durch irgendeinen Artikel verehren oder auch etwas zu Ehren der hl. Familie bringen, die den Boden Afrikas durch ihre Gegenwart geheiligt hat. Der erste Jahrgang 1898 brachte außer den Originalberichten aus unseren Missionsstationen, über den Gang des englisch-ägyptischen Feldzuges imb den endlichen Fall von Omdurman-Chartum auch mehrere Abhandlungen von selbstständigem Werte. Es seien nur erwähnt folgende Aufsätze: Colonialpolitik und Christenthum in Afrika, Der Aberglaube im Nilthale, Die Pyramiden, Über Blut, rache im Sudan, 'Ein orientalisches Fürstenschloss, Die Musik bei den Nege-rn, Der Islam, Erzfeind des Christenthums, Zur Stellung der Frau in Afrika, Erinnerungen aus dem Pharaonenlande, Eine Negerhochzeit u. s. w. Den Text erläutern Abbildungen aus unseren Missionsstationen, Land und Leuten des Missionsgebietes. Die nun erfolgte Erschliefzung des Sudan öffnet unserer Congregation einen ungeheuren Wirkungskreis: derselbe reicht vom rothen Meere bis nach Adamaua un'i) vom ersten Nilkatarakt bei Assuan bis an den Albert-Nyanza-See: ein Land voll Wunder und Seltenheiten in Natur-, Thier- und Pflanzenwelt, wo 40 Millionen Menschen ihr Heil erwarten. Dieses Gebiet dem liebevollen Herzen Jesn zu gewinnen, ist Aufgabe der Congregation „Söhne bc§- hlst. Herzens". Die erweiterte Missionsarbeit wird uns in Stand setzen, unsern Lesern eine Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, die das opferfreudige Wirken der Missionäre umfasst, und dies in einem Gebiete, das unter allen afrikanischen Ländern durch die jetzige Lage der Dinge in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt ist. Möchten sich recht viele Berufene für diese Missionscon-gregation melden! Wer sich berufen fühlt, möge sich behufs Aufnahme vertrauensvoll an den unterzeichneten Obern des Missionshauses des hlst. Herzens Jesu in Mühland bei Briren (Tirol) wenden! Wir bitten aber auch alle, die es vermögen, durch Bestellung des „Stern der Neger" unsere heilige Sache unterstützen zu wollen. Der jährliche Preis beträgt mit Postversendung 1 fl. 50 kr. Ö. W. (3 Mark). Wir bitten recht herzlich, die Bestellungen bald uns zukommen zu lassen. Um den neuen Abonnenten die Erwerbung des Jahrganges 1898 zu erleichtern, ermäßigen wir den Preis desselben auf fl. 1.— (2 Mark). Diese Ermäßigung gilt nur für Besteller des neuen Jahrganges 1899. Bestellungen erbittet und nimmt entgegen Das pifsionsliaus der Süliiit des 1)18. Herzens Jesu in Müht'anö bei Mvi-een (^troC). p. $. 2. Geyer, F. 8. C. ftWmrie AitAnft fly in jtfriktt. Organ des Mjsionshaufes der ,Höhne des Ijfll. Herzens Jel'u". -*- Erscheint am Lnöe jeüen Monats. Mr. .3. Ieöruar 1899. II. Iai-rgaug. 3us)slit: „Zum unbefleckten Herzen Maria" (Gedicht). — Dort Kairo nach Lhartum. — Dr. Ioh. Lhrysost. Mitterrutzner. — Die Missionsthätigkeit der kathol. Kirche. — Die Tiroler Missionäre in Lentral-Afrika. — Der Ramadan. — Suaftti am rothen Meere. — Unsere Bilder. Hum nnlicMten $irmt Nariri. Im Frühling, wenn die Rose blüht, Schlägt froher jedes Herz, Und wenn das Herz voll Liebe glüht, Flieht Traurigkeit und Schnicrz. Das Herz Mariä will ich lieben, ZTie will ich dieses Herz betrüben; Ich lieb' dich, Herz Mariä! So lang' in meinem Herzen fließt Lin einz'ger Tropfen Blut, Maria, dir geweiht er ist, Nach Gott mein höchstes Gut! Nie soll mein Herze sich beklagen, Wenn für Maria es kann schlagen: Ls schlägt für dich, Maria! Schau' ich am Morgen auf zur Sonne, Umrla, schöner strahlet Dein Herz! Ls ist die Wonne Des Höchsten, der die Himmel malet. Du, Tabernakel, keusch und rein, In dir schließ'st alle Reinheit ein, © reinstes Herz Mariä! Und schließ' ich einst die Augen zu, Und schlägt mein Herz nicht mehr, Dann rufe niich zur süßen Ruh', Zu dir, o Mutter hehr! Ja, rufe mich von dieser Erde, Wo ich doch nimmer fröhlich werde, Ruf' mich zu dir, Maria! Wie will ich, wenn ich bei dir bin, Dir danken immer wieder! Dir will ich singen immerhin, Maria, meine Lieder. Wie freu' ich mich vor deinem Throne, Bei dir und deinem lieben Sohne, © Himmelsbraut Maria! Dir jubeln alle Lherubinen, Dir, Jungfrau ohne Mängel! Dich lieben alle Seraphinen, Dich loben alle Engel; Dich lob' auch ich, vereint mit ihnen, Dich lieb' auch ich und will dir dienen: Auf ewig dir, Maria! 23eruf)slrb Zorn, F. S. C. Ion Kairo »ach Charta«. HieiseskiZZSn crus Ägypten unö Kudern. Von P. F. Tav. Geyer, F. S. G. Die Reise, welche den folgenden Schilderungen zugrunde liegt, wurde zwar schon im Jahre 1883 gemacht. Es war aber die letzte, welche von unseren Missionären über Suakin und Berber nach Chartum gemacht wurde. Die Eisenbahn führt nun durch das Nilthal nach Süden und vielleicht in kurzer Zeit wird man im Eisenbahnwagen in Chartum ankommen. Es mag unsere Leser interessieren, zu hören, wie man früher reiste, und zugleich Einzelheiten über Land und Leute des jetzt so vielbesprochenen Sudan zu erfahren. I. von Kairo nach Suakin. eine Reise nach Alexandrien und Kairo bei der gegenwärtigen Ver-ip) vollkornmnnng der Verkehrsmittel nicht viel neues bieten kann, so nehme dJj ich als Ausgangspunkt der Reise nach Chartum am Zusammenfluss des weißen und blauen Flusses direct Kairo au. Unsere Reisegesellschaft bestand aus sieben Personen, darunter der apostolische Vicar von Central-Afrika. Der Tag der Abreise von Kairo war der 29. Januar. Einer jener nebligen Morgen, wie sie zu jener Jahreszeit in Ägypten nicht selten sind, lag über der Hauptstadt des Pharaolandes. Kurz nach acht Uhr verließ der Zug Kairo. Bei der Station Kalyub wendet sich die Bahn aus ihrer bis dahin nördlichen Richtung nach Nordost und durchschneidet sehr gut bebautes, reichbewässertes Fruchtland. Im Osten der meist mit Korn, Baumwolle, Zuckerrohr bebauten grünen Ebene glänzen die gelben Sandflächen der arabischen Wüste, _ die sich zwischen Kairo und Suez ausdehnt. Nach, der Station Belbss, in dessen Nähe sich die Ruinen des griechischen Byblos befinden, nimmt die Bahn abermals nördliche Richtung bis Zagazik, dem Knotenpunkt der Bahnlinien Suez-Damiette-Alexandrien. Rechts von der Bahnlinie bei Zagazik sind die Trümmer des alten Bubastis sichtbar, wo die Göttin Pacht mit Ausgelassenheit gefeiert wurde. Die an der Station aufgehäuften Baumwollmassen. lassen schließen, dass die Stadt ein Hauptsitz dieses Handels sei; längs der Bahn ziehen sich unabsehbare Baum-wollpflanzungen hin. Nach dieser Station macht die Bahn eine rasche Wendung gegen Ost. Wir bemerken in einiger Entfernung den Süßwassercanal. Dieses Werk der Pharaonen wurde erst zur Zeit der Erbauung des Suezcanals dem gänzlichen Verfalle entrissen und am 29. December 1863 eröffnet. Als eines der vortheilhaftesten Werke des jetzigen Ägypten, dient er theils zur Lieferung von Trinkwasser, theils auch zur Schiffahrt. Die Segel, die man während der Bahnfahrt aus der Canalgegend auftauchen sieht, bilden eine angenehme Abwechslung zwischen dem Grün der Fluren. Unter-Ägypten ist jedoch nicht cnltiviert, wie es sein sollte. Die Paläste von Europäern, die sich in buschreichen Oasen erheben, lassen den Reisenden umsomehr die Öde der unabsehbaren unbebauten Strecken fühlen. Hier wäre Arbeit für Colonien. Von Zagazik an durchlänft die Bahn einen Theil des aus der Bibel bekannten Landes Gosen, das Pharao den Brüdern Josefs anwies. Links rücken die Sauddünen der arabischen Wüste bis nahe an die Geleise heran. Rechts ist durch die Kriegsereiguisse von 1882 die Station Tell-el-kebir bemerkenswert. Im Stationsgebäude sind noch die Beschädigungen durch die Kugeln erkennbar; kurz nach der Station beobachtet mau neben der Bahnlinie die halbzerstrenien Erdwülle und Hütten, hinter denen sich Von Kairo nach Chartum. 27 die Horden Arabi Paschas zu vertheidigen suchten. Kleine Erdhügel erheben sich über den Gräbern der Gefallenen, einige hölzerne Kreuze zeigen die Ruhestätte englischer Soldaten an. Eine massive steinerne Brücke über den Canal verbindet die Station mit der Ortschaft. Ein düsterer Ernst liegt über dem wüsten Sand-und Schlachtgefilde. Hier war es, wo die Engländer die Rebellen niederwarfen, und von hier ans zogen sie im Triumph nach Kairo, wo die bebenden Europäer-sie als die Erretter begrüßten. Bei der Station Ramses ist in südlicher Richtung der Schutthügel Tell-el-maschüta sichtbar. Nach der Ansicht der meisten Ägyptologen und Bibelforscher-soll hier die Stelle der biblischen Stadt Ramses sein, bei deren Erbauung die .Israeliten von den Pharaonen zu harten Frohndiensten gezwungen wurden. Nach kurzer Fahrt bietet sich uns bei der Station Nefische ein herrlicher Blick auf den ausgedehnten Timsüh-See. Nach einem kleinen Abstecher zur Stadt Jsmailye kehrt die Bahn nach Nefische zurück und setzt die Fahrt in südlicher Richtungsort. Der Süßwassercanal ist nun zu unserer Linken. Rechts ist der Dschebel Mariam sichtbar. Leider vergönnte uns die nun eintretende Nacht nichtmehr den Ausblick auf die Bitterseen. Um 10 Uhr abends gelangten wir nach Suez. Suez, von den Arabern des Mittelalters Kolzum genannt, besteht aus dem schmutzigen arabischen Viertel mit einigen Moscheen und aus dem regelmäßig angelegten. europäischen Stadttheile. Wir besichtigen das ausgedehnte europäische Spital, vollständig aus Holz und durch Stützen über die Erde erhoben. Suez ist jetzt ein bedeutungsloses Städtchen. Eine große Wichtigkeit hatte es während des Baues des weltberühmten Canales. Im Süden der Stadt erstreckt sich ein etwa 3 km langer Damm ins Meer hinaus. Am Ende des Dammes haben wir links einen Leuchtthurm, sodann den Quai Waghorn mit den Wohnungen für die Beamten. Von schattigen Bäumen umgeben, steht hier eine von Lesseps errichtete Statue des englischen Officiers Waghorn, , der zuerst an der. Idee eines Süez-Canals arbeitete, aber ohne Erfolg. Westlich vom Quai befindet sich das umfangreiche Hafenbassin, aus kolossalen Quadern erbaut. Der Damm gewährt einen Überblick über die einfahrenden Schiffe. Die. Richtung der Canaleinfahrt beginnt 4 km südlich vom Hafen an der Stelle, wo sich auf dem Wogenbrecher, der sich vom östlichen Uferlande ins Meer zieht, ein Leuchtthurm erhebt. Das Schiff lässt den Quai Waghorn links, und steuert nach Nord dem Canale zu, zu dem drei große Masten die Straße bezeichnen. Die Einfahrt geht sehr langsam vor sich. Allmählich verschwindet der Körper des Schiffes und nur die Masten und Segel ragen noch lange aus der öden Wüste empor. Große Opfer an Geld und Menschen hat dieses Werk gekostet. Mit Recht kann Unser Jahrhundert auf dieses Riesenwerk stolz sein. Ehre diesem rastlosen Streben der heutigen Nationen, wenn es den edlen Zweck einer Verbindung von Völkern gilt — ohne habsüchtige Selbstinteressen. Endlich nachdem wir fünf Tage in Suez geweilt, war unser Schiss reisefertig. Es war das ägyptische Kriegsschiff „Dschafsaria", das eine specielle Mission nach Suakin hatte: es sollte den General Hicks mit sechs englischen Officieren befördern, welche die Operationen der Sudan-Armee gegen die Rebellen zu leiten hatten. Wir werden auf die Expedition später noch zu sprechen haben. Am 3. Februar um 2 Uhr nachmittags befanden wir uns an Bord des Schiffes. Die „Dschafsaria" hatte 200 Soldaten für den Sudan an Bord, die theils gebunden im Schiffsraum, theils auf dem Verdeck herumlagen, auf dem auch mehrere Kanonen und Wasserbehälter aufgerichtet waren.. Auf dem Hauptmaste wehte die Kriegsfahne. Um 4 Uhr erschien Raschid Pascha, der neue Gouverneur Ost-Sudans, mit seinem Harem und eine Stunde später Hicks Pascha mit dem Generalštabe; beide wurden mit militärischen Ehren empfangen. Noch eine 28 Von Kairo nach Chartum. halbe Stunde und das Schiff setzte sich in langsame Bewegung: in diesem Augenblick erkletterte die Mannschaft mit Hurtigkeit die zwei Masten und vertheilte ■ sich auf die Raaen in der Weise, dass ans b;e obere Raae eines jeden Mastes drei Mann, auf die untere fünf zu stehen kamen. Auf das Commando des Capitüns erwiderte alsdann die Mannschaft aus der Luft den Abschiedsgruß, worauf die Trompeten den ägyptischen Marsch anstimmten. Diese Ceremonie wiederholt sich auf den ägyptischen Schiffen, so oft sie einen hohen Gast an Bord haben. Unter diesem interessanten Schauspiel hatte sich das Schiss eine ziemliche Strecke vom Festlande entfernt. Zum letztenmale wurde der ägyptische Marsch geblasen und Suez durch dreimaliges Auf- und Niederziehen der Fahne begrüßt. Noch lange schinnnerten uns die Lichter des Hafens durch die Nacht nach. Der Morgen des 4. Februar war herrlich. Zn unserer Linken stiegen die Gebirge der Sinai-Halbinsel mit dem Dschebel Tor aus dem Nebel auf und blieben uns mehrere Stunden sichtbar, bis gegen Mittag sämmtliches Festland der asiatischen Küste mit Ras Mohammed, dem südlichsten Punkt der Halbinsel Sinai, verschwand. Um diese Zeit verließen wir den Golf von Suez und traten in das freie Meer ein. Die afrikanische Küste ist noch deutlich sichtbar. Nachmittags gegen 4 Uhr gewahrte mem die gefährlichen Felsen der sogenannten „Zwei Brüder", an denen wiederholt ägyptische Schiffe zugrunde giengen. Bald darauf verschwindet auch die afrikanische Küste. Die Schiffe halten sich etwas fern vom Festland, da in dessen Nähe das Meer mit gefährlichen Riffen besäet ist, die gewöhnlich auch eine kleine Erregung der See verursachen. Der 5. Februar brachte uns um 8 Uhr morgens den Lencht-thurm Daedalus auf hoher See in Sicht. Eine Stunde nachher hatten wir denselben zu unserer Rechten und die Thurmwache hisste die türkische Fahne auf. Ein Malteser und ein Grieche, die alle drei Monate abgelöst werden, halten die Wache. Hinter dem glänzenden Thurme zeigte das Fernrohr die schimmernde Spitze eines zweiten Lenchtthurmes in der Nähe der afrikanischen Küste. Außer der ganz nahen felsigen Inselgruppe St. Johns, südöstlich vom afrikanischen Cap Benüs, zeigt sich kein Land. Erst gegen Abend werden rechts ferne Felsen sichtbar, die sogenannten zwöif Apostel, die als zwölf isolierte, zackige Bergspitzen in verschiedener Größenabstufuug ins Meer vorgeschoben sind. Mit dem Morgen des ti. Februar erscheint das. afrikanische Festland, das nun bis Suakin sichtbar bleibt. Mehrere Vorsprünge der Küstengebirge nähern sich bedeutend, worunter besonders das Ras Rauai. Um 4 Uhr nachmittags kündigte der Matrose vom Vordermaste die Höhen Suakius an. Unter dem Kampfe mit den hochgehenden Wellen wurde das Schiff nach Südwest gelenkt. Die Passagiere standen auf dem Verdeck, mit dem Fernrohr den Hafen von Suakin erspähend. Der Hafen von Suakin ist, wie die meisten Häfen des rothen Meeres, mit gefährlichen Riffen und Sandbänken besäet, so dass die Schiffe bei Nacht nur unter großen Gefahren einlaufen könnten. Da nun bereits die Dämmerung eintrat und unsere Entfernung noch fünf Stunden betrug, so beschloss der Capitün, nachts im nahen Hafen Scheich-el-barüd zu ankern und am folgenden Morgen nach Suakin zu steuern. Doch auch dies war zu spät; die Sonne sank und Finsternis verhüllte den Hafen Scheich-el-barüd, ehe wir anlangen konnten. Man versuchte nun auf hoher See an einem Felsenriff einen Ankerplatz zu finden. Zur Rechten befanden sich denn auch in der Nähe Riffe, deutlich erkennbar durch die schimmernden Schaumwellen, die geräuschvoll dort brandeten. Allein drei mit einer Schaluppe ausgesandte Mann fanden keinen Ankerplatz; zugleich erhob sich starker Wind, der das Schiff gegen die Felsen zu jagen drohte. Nun beschloss man, die ganze Nacht über nach Nord zurückzusegeln, um den Gefahren der felsigen Meeresumgebung von Suakin zu entgehen. Erst gegen 3 Uhr früh am 7. Februar nahm man wieder südliche Richtung. Um 6 Uhr wurden die Höheuzüge gegen Suakin sichtbar. Auf dem SSuit Kairo nach Chartum. 29 Schiffe begann nun das regste Leben, Paschas und Offieiere warfen sich in Wichs, tun feierlich in Snakin einzuziehen. Die afrikanische Küste ist niedrig und übe, mit mäßigen Hühenzügen int Hintergründe. Allmühlig taucht die Stadt Snakin auf; der hellweiße Schimmer der Gebäude und Minarete inmitte einer üben Wüste bietet einen contrastvollen Anblick. Gegen 10 Uhr liefen wir in den Hafen ein. Die Einfahrt ist durch kleine steinerne Sänken zn beiden Seiten gekennzeichnet. Einen herrlichen Anblick bilden die Gewässer rechts und links von der Einfahrtsstraße. In den Farben des Regenbogens wälzen sich die kräuselnden Schanmmellen über den verborgenen Felsriffen und Sandbänken hin und her, an den felsfreien Stellen und über den Untiefen bildet das Meer eine Art ruhiger Seen, deren Farben zwischen tief- Itapelle in unserem alten MffionZhause. uub hellblau spielen: das ganze bildet einen wirkungsvollen Gegensatz zu den gelben Sandflächen der nahen Küste. Gegenüber dem Gebäude des Gouverneurs legte die „Dschaffaria" an. Während der Anker sank, wurde die ägyptische Hymne gespielt, in ähnlicher Weise wie bei der Abfahrt von Suez. Es folgte der feierliche Empfang des General-gouverneurs Raschid Pascha durch die Behörden der Stadt und die Garnison; die Bischarin oder Eingeborenen drängten sich in dichten Reihen am Landungsplatz, neugierig nach der Person des neuen Gouverneurs und den englischen Officieren spähend. Wir nahmen Wohnung im Hanse des freundlichen Directors der Post und Quarantäne. Zwar machten wir sofort Anstrengungen, um die nöthigen Kameele für die Wüstenreise nach Berber zu erhalten, allein die Abreise verschob sich mehrere Tage, da die Kameele zunächst für den Transport der militärischen Expedition in Anspruch genommen wurden. Snakin ist einer der wichtigsten Häfen des rothen Meeres. Die Gnmmi-und Elfenbein-Karawanen, die über Berber und Kassala ans dem Sudan kommen, 30 Von Kairo nach Chartmn. vereinigen sich hier. Das Klima Suakins ist heiß, ich zählte im Februar 28° im Schatten, bei der Rückreise im Juni zeigte das Thermometer gewöhnlich 35° R. Eine besondere Erscheinung der Temperatur im letzteren Monat war bereit niederdrückende und einschläfernde Wirkung in einem Grade, wie ich sie im Sudan nirgends bemerkt hatte. Der Grund mag einerseits die Phosphorische Ausdünstung des Meeres in der Nähe der Stadt sein, das im Hasen ein bedeutendes Quantum Phosphor enthält; man kann auf einer nächtlichen Barkenfahrt im Hafen beobachten, wie die von den Rudern bewegten Tropfen als leuchtende Funken herumspringen. Anderseits mag auch die Nähe zahlreicher Sukkulenten-Gewächse, besonders Euphorbien, die in den südwestlichen Bergen gedeihen und ihren Anshauch mit dem Winde vermischen, nicht ohne Einfluss auf obige Erscheinung sein. Außerdem enthält das Trinkwasser, das Suakin vom nahen Gef holt, Stoffe von den metallhaltigen Bergen der Umgebung. Hier ein Wort über die Eingeborenen von Suakin. Das durch Typus, Sprache und Sitten merkwürdige Volk, welches den östlichen Sudan bewohnt, kann in folgende mehr oder minder große Stämme getheilt werden: Beni-Amer, Bischarin, Artega, Aschraf, Hadendoa, Amarar, O-Soki. Ich berichte hier Einiges über die letzteren. Suakin wird im Arabischen Sawakitt geschrieben, während die Eingeborenen es Soki und sich selbst O-Soki nennen. Diese leben in Hütten, bestehend aus an Pfählen befestigten Flechten und Matten. Diese Hütten heißen „Bidaigauab". Die O-Soki sind zweifellos eine schöne Race. Sie bleiben im allgemeinen eher hinter unserer gewöhnlichen Statur zurück, obwohl ihre schlanke Figur, bedeckt mit dem losen, weißen und toga-artigen Umwurf, sowie ihr hochaufgerichtetes buschiges Haar sie hochgewachsener erscheinen lassen als sie sind. Draußen, in den Ebenen und Steppen, zeigen sie große Ausdauer im Laufen und Steigen und sind flink wie Jagdhunde; aber in der Stadt sind sie träge und zu nichts gut. Ihre Nahrung ist fast ausschließlich vegetabilisch, gemischt mit Fisch und zeitweise mit etwas Fleisch. Innerhalb ihres engen Hafens sind sie sehr geschickte Fischer und Bootfahrer. Es ist wirklich interessant, die Physiognomien dieser Leute zu studieren. Man entdeckt leicht das Vorhandensein von Negerblut an der Dicke der Nase und Lippen u. s. w. Ebenso leicht lassen sich aber zwei unterschiedliche Typen feststellen, jener der Scheiks und jener der untern Classen. Manches Scheikgesicht ist fast so vollkommen und fein ausgeprägt als das irgend eines Kaukasiers. Die Nase ist fein und delicat, die Augenlider sind geschwungen, Lippe und Kinn scharf geschnitten. Hände und Füße sind klein und schön geformt. Das Haar ist lang, aber nicht wollig oder getraust, wie jenes der Neger. Es ist gewöhnlich in drei Theile getheilt, wovon der mittlere auf dem Scheitel senkrecht emporragt, während die andern zu beiden Seiten dichte Buschen bilden. Manche rasieren das Haupt und tragen einen Turban. Die Hautfarbe ist tiefes Braun, aber nicht schwarz; anderseits ist sie nie hell, wie jene vieler arabischer Beduinen. Der Gesichtsausdruck der untern Classen ist entschieden weniger fein, und schön. Geradezu einnehmend hübsch sind fast durchwegs die Kinder, besonders die Knaben. Macht man einen Gang zwischen den ohne Ordnung aufgereihten Hütten so sieht man in allen Ecken und Winkeln Kinder auftauchen und schnell wieder verschwinden. Schlanke Knaben, theils völlig nackt, theils nur mit einem Lumpen umgürtet, mit regelmäßigen Zügen und völlig kaukasischen Gesichtern, mit lebhaften, leuchtenden Augen und einnehmendem Ausdruck schlüpfen gleich jungen Gazellen umher. Aber gleich dieseu sind sie scheu und furchtsam, sie verschwinden beim Anblick des Fremden schnellstens im undurchdringlichen Dunkel ihrer Hütten. Noch Von Kairo nach Chartum. 31 viel scheuer sind die Mädchen. Selbst die Erwachsenen schließen sich allen gegen* über, welche nicht zu den Eingeborenen gehören, ab. Dies ist der Grund, weshalb es so schwer ist, deren Sitten und Gebräuche genau kennen zu lernen. Nach jahrelangem Aufenthalte unter ihnen gelingt es kaum, je das Dunkel ihrer Hütten zu durchdringen und ihr häusliches Leben und Treiben genau zu studieren. Man hört das Geschrei der Kinder, das Singen der Bettler, die Stimmen der Männer und Frauen, aber was im Innern vorgeht, bleibt Geheimnis. Wie sehr sie sich aber Fremden gegenüber abschließen, ebenso mittheilsam sind sie unter sich. Die geringste Neuigkeit macht schnell unter ihnen die Runde, ohne dass man nur erfährt, auf welche Weise dies möglich ist. Was einer weiß, wissen im Nn alle. Ausfallend ist der freie Verkehr der Jugend beiderlei Geschlechts, ohne dass man von Ausschreitungen zu hören bekommt. Die Zahl der Eingeborenen hat seit der Zeit der Mahdi-Rebellion bedeutend abgenommen. Seitdem Suakin die Operationsbasis gegen die Derwische des östlichen Sudan geworden und die Regierung in englische Hände gelangt ist, geht eine wichtige Änderung vor sich. Alljährlich entstehen an Stelle der Mattenhütten mehr oder minder ausgedehnte Steinbauten, die Zahl der Hütten schmilzt immer mehr zusammen. Die Eingeborenen, aus ihren alten Sitzen vertrieben, ziehen sich auf das Festland oder in die Steppe zurück. Wenn dies so fort geht, so wird bald der Tag kommen, da auf der Insel Suakin jede Hütte verschwunden sein wird. Die O-Soki werden dann wohl in den ihnen verwandten Stämmen der Steppe aufgehen. Aber auch auf die außerhalb der Stadt wohnenden Stämme bleibt der Ausstand nicht ohne Einfluss. Diese Umwälzung bedeutet zweifellos eine wichtige Epoche in ihrer nationalen Geschichte. Einzelne kleinere Stämme, welche sich dem Mahdi angeschlossen hatten, sind ganz vernichtet worden oder sind nur mehr durch einige Weiber und männliche Kinder vertreten. Ganze Bergdistriete sind entvölkert worden. Die Auctorität großer Scheiks wurde gestürzt, und die Zukunft ist in den Händen einzelner weniger mächtiger Scheiks und Stämme, welche sich der Rebellion und des Kampfes enthalten haben, und die infolge dessen viel stärker sind als vorher. Andere benutzten die Umwälzung, um sich der Regierung dienstwillig zu zeigen, welche ihrerseits die Scheiks mit Auszeichnung behandelte und mit Ehren überhäufte. Ans diese Weise kamen Scheiks und Stämme zu Ansehen, welche bislang eine sehr untergeordnete oder gar keine Rolle spielten. Daraus ergeben sich auch wichtige Änderungen für die ethnographischen Verhältnisse im östlichen Sudan. Alle die Umwälzungen, welche durch den Aufstand des Mahdi im Ost-Sudan vor sich giengen, lassen sich heute noch gar nicht übersehen; dies wird erst möglich sein, wenn die Verhältnisse wieder in geordnete Bahnen gelenkt sind. Die Bedeutung Suakins als Hafenstadt datiert sich ans den letzten Decennien. Zwar kann, man behaupten, dass bereits die ägyptische Expedition der Franzosen die Idee zur Hebung des Handels im rothen Meere gab. Jedoch erst einige Decennien später fand die Idee glückliche Verwirklichung. Die Penninsular-Com-pagnie errichtete 1840 eine Linie durch das rothe Meer nach Ostindien. Die Eröffnung des Suezcanals 1869 leitete die moderne großartige Handelsperiode auf dem erythräischen Meere ein, allein bis in die letzten Jahre bildete das rothe Meer nur den Weg für den Transithandel, während dessen Häfen, außer Suez, Dschedda, Aden, fast unberührt blieben. Seit dem Jahre 1880 laufen die europäischen und türkischen Schiffe theils regelmäßig theils im Bedürfnisfalle auch Suakin, Massana, Hodeida, Berbera u. s/w. an. Der österreichisch-ungarische Lloyd war der erste, der nebst der türkischen Azizieh schon vor Eröffnung des Suezcanals Rundfahrten int rothen Meere unternahm. (Fortsetzung folgt.) der allergrößten Wohlthäter der Mission von Centralafrika ist ypSjiijr^ Dr. I. Chr. Mitterrutzner. Da dieser verehrte Name zugleich ein Stück Geschichte der centralafrikanischen Mission in sich schließt, so hat der liül1*2©. „Stern der Neger" doppelten Grund, die außerordentlichen Verdienste dieses Mannes um die Mission und die Missionäre in Centralafrika in einigen Zeilen zu würdigen. Die Vervollständigung des Aufsatzes über die Tiroler Missionäre und die Pflicht der Dankbarkeit verlangen es. Für heute bringen wir unsern Lesern das wohlgetroffene Bild unseres hochverehrten Dr. Mitterrutzner und eine biographische Skizze, welche wir seiner liebenswürdigen Feder verdanken und worin hauptsächlich sein Antheil an unserem Missionswerk in Betracht gezogen ist. Der Schluss folgt in nächster Nummer. Mitterrutzner, Joh. Chrysostomus, Chorherr von Neustiit, Ehrenpräsident des «Institut. d’Afrique» in Paris, f. b. geistl. Rath, Schulrath — geb. am 30. Mai 1818 zu Tils bei Brixen. Sein Vater Martin Mitterrutzner besaß ein mäßiges Bauerngut; seine Mutter, Maria For er, war eine Schwester des damaligen Gymnasialpräsecten zu Brixen, Valentin Forcr. M. widmete sich dem Studium und absolvierte das Ghmasium — 1831—1837 — zu Brixen, die zwei philosophischen Curse zu Innsbruck und die drei ersten theologischen Curse wieder iu Brixen — 1839—1842. Am 8. September 1842 trat er in das nahe gelegene Augustiner-Chorherrenstift Neustift ein. Am 8. September 1843 legte er die feierlichen Gelübde ab, und am 28. September wurde er zum Priester geweiht. Nach, Absolvierung des vierten theologischen Curses begab er sich zu weiterer Ausbildung nach Rom. In dem Jahre 1846 bis September 1847 weilte er wieder dort und betrieb vorzugsweise das Studium der modernen Sprachen. Nebenbei erwarb er sich an der Universität den Doctorgrad der Theologie. Im Jahre 1846 lernte er den Zögling der Propaganda Dr. Ignaz K noblecher aus St. Cantian in Krain kennen. Im Jahre 1848 wurde Knoblecher nach dem Tode Rhllo's apostolischer Provicar der 1846 gegründeten centralafrikanischen Mission. Mitterrutzner war unterdessen — October 1847 — Professor am Gymnasium zu Brixen geworden, an ivelchem er dann 26 Jahre als Professor und 18 Jahre als Director wirkte, dabei aber die afrikanische Mission immer im Auge behielt. Als Provicar Knoblecher 185 l aus Charlum nach Europa kam, um neue Missionäre zu gewinnen und auch materielle Unterstützung zu suchen, besuchte er auf der Rückreise seinen Römerfreund Mitterrutzner in Brixen (8. n. 9. Juli). Dieser führte den Provicar zum Fürstbischof Bernhard Galura, welcher den berühmten Missionär nicht nur zu Tische lud, sondern auch mit 300 fl. und einigen Kirchenparamenten beschenkte und in den folgenden Lebensjahren (er starb am 17. Mai 1856) ein warmer Freund dieser Mission blieb. Dr. Knoblecher hatte bei seiner Anwesenheit in Wien den Marien verein zur Unterstützung seiner Mission gegründet. Am 9. Juli wurde Mitterrutzner von Knoblecher selbst in diesen Verein aufgenommen. Tags darauf führte Mitterrutzner mit Genehmigung des Fürstbischofs diesen Verein in der Diöcese Brixen ein. In kürzester Zeit zählte er über 100 Mitglieder, und da der Bischof das Pro-tectorat mit größtem Vergnügen übernommen und die Mission in seinen Hirtenbriefen wärmstens empfohlen hatte, so flössen von allen Seiten reichliche Gaben, so dass man jährlich eine namhafte Summe an das hohe Somite des Marien-vereines nach Wien schicken konnte. Der edle Graf Moritz Fries, Neffe des Wnnderthäters Alexander Fürsten Hohenlohe, war Cassier des Vereins. Dr. Ioh. Chrysost. Mitterrutzner. 33 Das einflussreichste und thätigste ComitÄnitglied war Hofrath Friedrich v. Hurt er. Dieser schrieb nun im April 1853 an Mitterrutzner in Brixen, ob denn das glaubenseifrige Tirol nicht auch sein Conligent an Glaubensboten stellen könnte. Dass sein Wunsch erfüllt wurde, beweisen Nr. 1 und 2 des „Stern der Neger". Als der heiligmäßige Missionär Alois Haller nach kurzer Zeit 1854 in Chartum starb, setzte ihm Mitterrutzner ein wohlverdientes Monument in dem Werklein: „Lebensbeschreibung des Alois Haller, apostolischen Missionärs in Chartum. Innsbruck, Wagner, 1855." In Chartum bestand im Jahre 1856 eine blühende Schule. Nun beschlossen Knoblecher und Gostner, acht der talentvollsten Rege: lein zur weiteren Ausbildung nach Europa zu schicken. Dies schrieb letzter an Mitterrutzner mit der Bitte, schon vorläufig für ihre Unterkunft in Europa zu sorgen und bis Ende August einen verlässlichen Habir (Führer) nach Alexandrien zu schicken; dort werde er sich mit denKnaben einfinden. Da eben die Schulferien waren, konnte und wollte Mitterrutzner selbst der Führer sein. Er reiste mit den neuen Missionären Kaufmann und Lanz und anderen am 27. August von Triest ab und landete am 1. Sept. glücklich in Alexandrien. Da gab es ein freudiges Wiedersehen zwischen Gostner und Mitter-rutzner! Nom 5. bis 11. Sept geschah die Rückfahrt nachTriest. Zwei der größeren, 15—16 Jahre alten Dr. Joh. Chrysost. Mttcrruhnrr. Zöglinge hatten bereits die Aufnahme in die Propaganda erhalten; vier kamen in das Institut Mazza in Verona, zwei übernahm der hochwürd. Missions-freund Lukas Jeran in Laibach. Leider starben sechs dieser Knaben, darunter auch die zwei Propagandisten, innerhalb dreier Jahre. Einer der Überlebenden (Jos. Habeschi) wurde Priester, der zweite später Osficier in der ägyptischen Armee. Das Jahr 1858 war wohl das verhängnisvollste für die Mission; denn es fielen drei Säulen derselben. Im Februar war Anton Überbacher in Gondökoro gestorben; ihm folgten im Tode am 13. April Prvvicar Ov. Jgn az Knoblecher in Neapel auf seiner Reise nach Rom, und drei Tage später sein Generalvicar Joses Gostner in Chartum. Ein Schreiben des Präfecten der Propaganda, Cardinal Barnab 6, ließ durchblicken, dass man diese Mission auflassen müsse. Mitterrutzner begab sich nun im August nach Rom, um dieses womöglich zu verhüten. Bei der ersten Audienz rückte Se. Eminenz sogleich ganz entschieden mit dem Urtheil hervor: „Eh! Diese Mission muss man aufheben; so viele Opfer an Menschenleben, so große Auslagen und so wenig Früchte!" Mitterrutzner, der den edlen, aber ungemein raschen Cardinal schon kannte, erlaubte sich die Frage: „Eminenz! Hat denn die Propaganda den Namen vom „Aufheben" der Missionen; ich glaube propagare Fidem heißt ja gerade das Gegentheil. Der Verlust dreier so ausgezeichneter Glaubensboten ist menschlicher Weise freilich sehr zu bedauern; allein wir dürfen nicht vergessen, dass 34 Dr. Z oh. Chrysost. Mitterrutzner. Gott sie hinweggenommen hat. „Die großen Auslagen" hat nicht die Propaganda bestritten, sondern fast ganz das Kaiserreich an der Donau. Was die „Früchte" anbelangt, hat die Mission seit ihrem Bestehen schon vielen Seelen den Himmel geöffnet. Es seien noch mehrere Missionäre vorhanden und es bestehen noch drei blühende Schulen; eine erfreuliche Frucht haben ja Euer Eminenz an den zwei schwarzen Zöglingen dieser Mission in der Propaganda, über welche Sie selbst einmal gu schreiben die Gnade hatten, dass sie an Talent und Betragen nichts zu wünschen übrig lassen." Der gute Cardinal wurde bedenklich und sprach: „Kommen Sie morgen wieder, damit wir die Sache weiter besprechen können." Bei dieser zweiten Audienz war der Cardinal sehr liebenswürdig und fragte sogleich: „Ja, wer soll denn Knoblechers Nachfolger werden?" „Eminenz, der ist eben ans dem Wege nach Europa, der Missionär Matthäus Kirchner, welcher schon 4 Jahre mit Auszeichnung in Chartum gedient hat. Ich weiß zwar, dass er diese Last nicht auf sich nehmen will und einen Andern vorschlagen wird. Dieser Andere ist aber schon darum nicht zu brauchen, weil er nie in der Mission gedient hat u. s. to. „Nun, wir werden ja sehen, wie sich die Sache ordnen lässt." Es bedurfte aber noch mancher Schreiberei, bis Kirchner sich erweichen ließ und die Stelle annahm. Nachdem Überbacher bei dem Stamme der Bari und Lanz bei dem der Kieö (Dinka) ihre apostolische Wirksamkeit begonnen hatten, ersuchte sie Mitterrutzner brieflich, diese beiden, von einander ganz verschiedenen Negersprachen (Bari und Dinka) fleißig zu studieren und ihm von Zeit zu Zeit davon Proben zu schicken. Sie thaten es auch. Der Missionär Franz Morlang kehrte nach achtjährigem Apostolat im Jahre 1863 nach Europa zurück und zwar in Begleitung eines talentvollen Zöglings der Missionsstation Gondvkoro. Er hieß Franz X. Logwit-lo-Ladü und war ein Sohn des Häuptlings Ladn und Enkel Lntweris. Dr. Knoblecher hatte ihn im Jahre 1855 getauft. Morlang und Logwit ließen sich in Br ixen nieder. Dieser günstige Umstand regte in Mitterrutzner den Gedanken an, die Dinka- und Bari-Sprache lexikalisch und grammatikalisch zu bearbeiten. Er erbat sich darum auch die Manuscripts des Missionärs Joh.. Beltrame — aus dem Institute Mazza — sowie den bezüglichen Sprachschatz Kirchners, welcher 1862 die Mission dem seraphischen Orden übergeben hatte und nach Bamberg zurückgekehrt war. Mit diesen Behelfen und Logwit als Lehrer zur Seite, wurde die Arbeit begonnen und in 33 Monaten vollendet. Mitterrutzner legte die Manuscripte durch Dr. Albert Jäger der kaiserlichen Akademie der 'Wissenschaften in Wien vor. Diese fand die Arbeit der Veröffentlichung würdig und spendete dem Verfasser zur Herausgabe der beiden Bücher eine Subvention von 750 fl., weil solche Werke nur einen beschränkten Leserkreis zuhaben Pflegen. Al. Weg er in Br ixen besorgte den Druck in rühmlicher Weise. Im Jahre 1866 erschien also: „Die Sprache der Dinka in Centralafrika, Grammatik, Text und Wörterbuch" — und fand bei Sprachenforschern allgemein freundliche Aufnahme. Aus Paris erhielt der Verfasser das Diplom als Ehrenpräsident des dortigen «Institut de l'Afrique». Aus Wien erschien das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens als kaiserlicher Dank dafür, dass der damalige Präsident des Marienvereines — Weihbischof Kutschker — Sr. Majestät, als Protector dieser Mission, ein Exemplar des Buches überreichte. Im folgenden Jahre erschien nach den Angaben Logwits — dieser war am 27. December 1866 an der Abzehrung gestorben — „Die Barisprache in Centralafrika. Grammatik, Text und Wörterbuch." Auch dieses Buch wurde Sr. Majestät überreicht. Dem Verfasser wurde dafür die goldene Medaille «Pro litteris et artibus» zugesendet. — Im Jahre 1869 hat Mitterrutzner eine ziemlich weitläufige Lebensskizze des apostol. Provicars Dr. Ignaz Kno blecher drucken lassen bei Weger in Brixen. _______________________ (Schluss folgt.) Aik MissmstlMiBeit irr htliolifdp Kirchc. Rede des k. A. Hund er 8. J. er Papst ist ber Feldherr. Sehen wir nun hin auf seine Soldaten, die Missionäre. (Schluss.) Leider darf ich nicht zurückgreifen auf die Heldengestalten der alten Missionsgeschichte. Aber auch das 19. Jahrhundert liefert Missionäre, deren sich die Kirche wahrlich nicht zu schämen braucht. Wir haben vorher gesehen, welch schwerer Schlag die Missionen mit Ende des vorigen Jahrhunderts durch Aufhebung der Gesellschaft Jesu und später durch Klostersturm und Säcularisation ’getroffen. Es schien, als könnten bie schrecklichen Lücken nie wieder ersetzt werden. Und doch, sie sind ersetzt, reichlich ersetzt worden. Ist es nicht wunderbar, dass dasselbe 19. Jahrhundert, das mit dem Klosterstnrm begann, eine ganz unerhörte Blüte des katholischen Klosterlebens gebracht hat? Wie viele neue Ordensgenossenschaften sind wohl seit 1800 ins Leben getreten? Nicht weniger als rund 430, davon etwa 100 männliche und 330 meibliche. Ein große Zahl von ihnen hat sich ausschließlich dem Missionsberufe geweiht. So sorgt Gott für seine heilige Kirche auch in Zeiten größter Bedrängnis. Aber auch die alten Orden, unter ihnen die 1816 wiedererweckte Gesellschaft Jesu, erholen sich und erstehen in neuer Jngendkraft. Junge und alte wenden mit feuriger Begeisterung sich dem Apostolate zu, und heute arbeiten in unseren Missionsgebieten nicht weniger als 40 Priester-und 20 Brüdergenossenschaften mit zusammen rund 18.000 Mann, darunter allein an 600 Seite« dictiner, 2500 Franciscancr, 700 bärtige Capuciner, 700 praktische Trapisten, 500 Dominicaner, 5—6000 Lazaristen und rund 4000 Jesuiten, die durch die Vertreibung am meisten Leute frei bekamen. Zu diesen alten Kerntruppen stößt die junge Mannschaft der zahlreichen neueren Missions-Genossenschaften und eine Schar von wenigstens 2—3000 Weltpriester-Missionen. Aber noch mehr. Das 19. Jahrhundert hat den Missionen einen ganz neuen, iiberaus wertvollen Bundesgenossen zugeführt. Das sind unsere katholischen Schwestern. Erst das Abgehen von den alten Clausnr-Regcln und Klosterformen hat diese Mitwirkung in großem Maßstabe ermöglicht. O, dass ich schildern dürfte, was diese „Engel der Liebe" in tausend und aber tausend Spitälern, Waisen- und Findclhäusern, Schulen und Anstalten aller Art in den Heidenländern wirken! Und wie viele dieser auserwählten Töchter der Kirche sind wohl im Augenblick auf. der ganzen Welt, im eisigkalten Alaska so gut wie im glühendheißen Afrika, in Indien, in China, Öceanien?c. thätig? Nicht weniger als 120 Schwestern-Genossenschaften mit zusammen rund 52.000 Schwestern, davon 10 000 einheimischen, die zahllosen Laien-Gehilfinnen in China und anderswo gar nicht gerechnet. Unsere Missionsarmee ist somit rund 70.000 Köpfe stark. Und was fiir Köpfe, tvas für Herzen! Fiir Christus und die unsterblichen Seelen zu leiden, zu opfern, zu sterben, ist ihr Ideal. An 200 Missionäre haben in diesem Jahrhundert ihr Blut für den Glauben verspritzt, die Schwestern und die tausend anderen, die den furchtbaren Strapazen erlagen, gar nicht gerechnet. Und unter welchen Bedingungen arbeiten unsere katholischen Apostel? Wir können unseren Missionären und Schwestern keine glänzende Besoldung geben, wir können ihnen keine Pension in lockende Aussicht stellen, die sie nach einigen Jahren Missionsthätigkeit in der Heimat verzehren können. Wir brauchen dies auch nicht. Unsere Missionäre und Schivestcrn sind arm und wollen arm sein und arm dem armen Heiland folgen. Sie. gehen in die Missionen, entschlossen, dort zu leben und zu sterben. Wir brauchen unseren Missionären auch keine Bräute nachzuschicken, noch für ihre Frauen und Kinder zu sorgen, denn sie sind jungfräulich, ihr ganzes Herz gehört einzig und allein den ihnen anvertrauten Seelen. O, dass es mir vergönnt wäre, wenigstens einige Züge aus dem heroischen Opferleben unserer Missionäre und Schwestern Ihnen lebend vor Augen zu führen! Doch es darf nicht sein; es ist auch nicht nöthig. Sie lesen ja alle die Missionszeitschriften, und wir wissen, dass wir Katholiken stolz sein dürfen ans unsere Missionäre, stolz auf unsere herrlichen, opfermnthigen Schwestern. Und nun frage ich wieder: Ist eine Kirche, die noch so fruchtbar ist an heldenmüthigen Söhnen und Töchtern, altersschwach geworden und im Rückstände begriffen? — Noch bleibt uns ein anderer, wichtiger Factor beim katholischen Weltapostolate übrig, ich meine die Laienwelt, in zwei Gruppen geordnet: König und Unterthan, Regierung und Volk. König und Regierung sage ich. O ja,.was haben nicht in alten Zeiten die christlichen Fürsten für die Ausbreitung des wahren Glaubens gethan, ein Constantin, ein Alfred von England, Knut von Dänemark, Karl der Große und andere.? Und später die spanischen und 36 Die Missionsthätigkeit der kathol. Kirche. portugiesischen Könige — sie haben Milliarden gespendet für das Werk des heiligen Glaubens in ihren Kolonien. Gott nahm sie ihnen, als sie diese heilige Pflicht vergaßen. Auch die Verdienste der einstigen französischen Könige und des französischen Protectorats wenigstens aus früherer Zeit wollen wir dankbar anerkennen. Heute aber ist dies alles anders geworden. Wohl gab es und gibt es noch einzelne katholische Fürsten, die mit königlicher Freigebigkeit die Missionen unterstützen. Ich weise nur hin ans einen edlen Ludwig von Stoični, eine Kaiserin Karolina,^ einen Kaiser von Osterieich. Allein, wo sind heute die alten katholischen Colonialniächte, die Hand in Hand mit der Kirche gehen? Wir suchen sie vergebens. So ist die Kirche heute auch in ihrem Missionswerke fast ganz ans sich selbst und ihr treues katholisches Volk angewiesen — und wer weiß, ob dies nicht besser ist? Gewiss zeigt sich die Kirche auch heute für jede staatliche Hilfe in dieser Richtung dankbar, und unsere Missionare erkennen es freudig an, dass sie zum Beispiel unter der freisinnigen britischen Herrschaft im allgemeinen frei und ungehindert wirken können; hat doch die Kaiholikenzahl in den britischen Kolonien allein unter der Regierung der Königin Victoria um vier Millionen zugenommen. Und nie hat England diese Weichherzigkeit zu bereuen gehabt. Möchten auch andere Colonialmächte diesem Beispiel folgen. Nur so lange unsere deutschen Missionare und Schwestern in unseren deutschen Kolonien frei und unbehindert wirken können, werden sic auch den berechtigten staatlichen Interessen am besten dienen können. Wie lautet aber das einstimmige Urtheil der deutschen Colonialbeamten und Officiere, eines von Hauueken, Kinin Pascha, von Wissmau, von Frauoois und anderer in Afrika, der Südsee und China? Die fatfjo tischen Missionäre, so sagen sie, das sind unsere Leute; die schickt uns her; die verstehen es, das ora imb labora praktisch und vernünftig zu verbinden; die verstehen es, Neger, Kanalen und Chinesen zu nützlichen Menschen zu erziehen^ Wohlan, man halte sich an dieses fachmännische Urtheil. Gleiche Leistungen, gleiche Rechte auch hier. Ich konnne nun zum wichtigsten Bundesgenossen unserer Missionäre, zum katholischen Volke. Wissen Sie, was das katholische Missionswesen des 19. Jahrhunderts besonders kennzeichnet ? Es ist neben der Mitarbeit der Schwestern die allgemeine Theilnahme und Mitwirkung des katholischen Volkes am Werke der Glaubensverbreitnng. Durch den Niedergang der spanischen und portugiesischen Coloniälmacht, durch den Kirchenranb und die Säcularisativn Waren auch die Hanptguellen der Mijsionsunterstützung versiegt. Wer schuf da einen Ersatz? Es war das katholische Volk, das nun an Stelle der Könige und Prälaten trat. Missions vereine entstehen und verbreiten sich rasch durch alle Länder Europas. Von allen Seiten fließen die Gaben, das Scherflein der Witwe, die Spende des Reichen, und bilden eine große, allgemeine, sich jährlich wieder füllende Missionscasse. Wissen Sie, wie viel allein die beiden Hauptvereine: dec der Glaubensverbreitnng lgegründet lv22l und heiligen Kindheit (1854-1 bislang ausgebracht haben? Nahezu 500 Millionen Franken. Diesen Mnttec-vereinen folgten auf dem Fuße zahlreiche andere, und auch sie bringe i zusammen jährlich Millionen ans. Noch mehr. Auch die moderne Publizistik trat in den Dienst der Mission. In früheren Jahrhunderten wusste das Volk im großen und ganzen wenig von den Missionen Die Verkehrsmittel waren mangelhaft, und es gab noch keine billigen Zeitungen und Zeitschriften wie heute, die das Volk auf dem Laufenden hielten. Nun mürben bie Jahrbücher der Glaubensverbreitung und heiligen Kindheit gegründet. In allen Sprachen übersetzt, in Hunderttansendcn von Exemplaren verbreitet, giengen sie von St..dt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus, erzählten von den Leiden und Freuden der Missionäre in fernen Heidenländern und weckten Interesse und Theilnahme in Millionen Herzen. Doch ich übergehe das alles und hebe nur einen Zug heraus, das ist der rege Antheil, den das katholische Deutschland an dieser allgemeinen Missonsbewegnng genommen. Früher verdunkelte Frankreich durch seinen Missionseiser alle anderen Länder Europas. Mehr und mehr tritt aber seit 20—30 Jahren Deutschland-Österreich mit in den Vordergrund. Sein Antheil an den Jahresbeiträgen der allgemeinen Missionsvereine steigert sich von Jahr zu Jahr. Wissen Sie, dass der liebliche Verein der heiligen Kindheit in Deutschland am meisten blüht, dass die deutschen Kinder seit einigen Jahren an der Spitze aller europäischen Kinder marschieren und selbst die viel zahlreicheren kleinen Französchen hinter sich gelassen haben? 9i'c6cn diesen allgemeinen hat Deutschland selbst seine eigenen Missionsvereine: acht bis zehn größere — ich nenne nur den trefflichen bairischen Ludwigsverein, den deutschen Afrika-, Palästinaverein u. s w — und eine große Anzahl kleinerer. Früher war unsere Missionsliteratur fast ganz auf französische Vorlagen angewiesen. Heute haben wir neben den alten Jahrbüchern längst eine ganze Zahl — an zwanzig — eigene Missionszeitschriften, große und kleine, die, in hunderttausend Exemplaren verbreitet, das Missionsinteresse in die deutschen Gaue tragen. Aber nimmt Deutschland auch direct am Weltapostolate theil; erziehen auch deutsche Mütter wackere Missionäre und Schwestern? Es ist viel zu wenig bekannt, eine wie bedeutende Rolle im 17. und 18. Jahrhundert hunderte deutscher Missionäre in Mexiko, Paraguay, Chile, Die Missionsthätigkeit der fatljot. Kirche. 37 tu Vorder- und Hinterindien, China, in den Philippinen 2C. spielten, und tote hochgeschätzt sie tottrat. «Mitte mihi Beigas et Germanos» — hatte ja schon der hl. Franz Xaver gesagt, und er verstand sich ans die rechte Art. Die traurige religiöse Lage Deutschlands im Beginn dieses Jahrhunderts war fiir Missionsberufe nicht günstig; und was früher an deutschen Missionären über die Meere schiffte, gieng unter französischer Flagge. Auch dies ist, Gott sei Dank, anders geworden. Seit Jahrzehnten hat eine Reihe ausländischer Congregationen, wie die der Vater vom heiligen Geist, der Weißen Vater, Oblaten von der Unbefleckten Empfängnis, Pallottiner und anderer, auch deutsche Schösslinge getrieben, und endlich blühten ans deutschem Grund und Boden auch selbständige Pflanzeit. Ich erinnere nur an die Missionshäuser von Steyl und St. Ottilien in Baiern. Vor etwa zehn Jahren hatten wir kein einziges Missionscolleg auf deutschem Boden. Jetzt haben wir deren über ze'n. Da ist Steyl mit seinen Filialen, da ist Knechtsteden bei Neuß, Hiltrup bei Münster, die Häuser tu Limburg und Ehrenbreitstein, Trier, Hünfeld bei Fulda, St. Ottilien in Baiern und dicht an der Grenze Marienthal, St. Karl bei Valkenburg und andere, der Schwesterhäuser und zahlreichen Klöster der alten Orden ganz ztt geschweigen. Hunderte von deutschen Jünglingen und kräftigen deutschen Jungfrauen bereiten sich dort zum Missionsberufe vor, und jährlich wächst die Zahl deutscher Apostel. Wir -haben keine genaue deutsche Missionsstatistik, aber ich Hauplinann von Napharnaum. glaube nicht zu hoch zu greifen, toetttt ich die Zahl der deutschen Missionäre und Schtvestern, die gegentvärtig in allen Theilen der Welt als Apostel wirken, auf 10—15.000 schätze. Nun noch ein Wort auch über die Inländische Mission. Glauben Sie ja nicht, dass, weil ich heute Ihr Hauptaugenmerk auf die äußeret! Missionen gelenkt habe, dies aus Mangel an Verständnis für die unendlche Wichtigkeit der iitländischen Missionen geschehen ist. Was würde es uns helfen, jenseits der Meere neue Eroberungen zn machen, wenn >vir im eigenen Lande Terrain verlören? Was würde es uns helfen, die Heidenkinder in Afrika und China zu retten, so lange noch im eigenen Vaterlande tausende deutscher ungetanster Heiden-kinder katholischer Eltern sich finden? Wissen Sie, dass wir in einer einzigen deutschen Großstadt jährlich an tausend Kinder verlieren? Wissen Sie, dass tut Diasporagebiet von 55.367 katholischen Kindern nur 12 194 katholischen Religionsunterricht erhalten — also 43 173, das ist über drei Viertel, ihn entbehren? Hier ist das Missionsfeld des herrlichsten unserer deutscheit Inlands-Vereine, des Bonifaziusvereines Er thut alles, diesen traurigen Verhältnissen abzuhelfen, um das Erbe des heiligen Glaubens den zerstreuten Katholiken zu erhalten. Er hat bereits Großartiges geleistet und sich unsterbliche Verdienste um die Kirche Deutschlands erworben. Allein wir müssen ihn noch thatkräftiger unterstützen. Keiner darf sich dieser Pflicht entziehen. Darum schreibe sich jeder tief in sein katholisches Herz einen Namen, und dieser Name lautet Bonifazius. 38 Die Tiroler Missionare in Centralafrika. Ich schließe. So schwach das. Bild ist, das ich in fliichtigen Umrissen zeichnen konnte, so glaube ich doch den Nachweis erbracht zn haben, dass auch heute die Missionsthätigkeit der katholischen Kirche durchaus ans der Höhe der Zeit Und in schönster Entwicklung steht. So erfreulich und herzerquickend aber auch diese Thatsache, vergessen wir es nicht: noch hat das katholische Weltapostolat eine Riesenanfgabe zn lösen, welche durch die Concurrenzarbeit der (Beeten ihr nicht erleichtert, sondern unsäglich erschwert wird. Wie viel ist beispielsweise im Orient zn gewinnen oder — zu verlieren? Afrika — es ist durchquert und erforscht, aber noch zieht die Mission an den meisten Stellen ihre ersten Furchen; Süd-Amerika — armes Land, das durch die Revolution so furchtbar geschädigt und um ein Jahrhundert zurückgeworfen wurde ! Und doch sind dort Millionen, die nur eines guten Priesters bedürfen, um wieder eifrige Katholiken zn werden. O Deutschland, du kannst ihnen helfen; deine sittenreinen Männer und Frauen sind die richtigen Apostel, die hier erfordert werden! Indien, China, Oeeanien, mit seinen ungezählten Millionen armer Heiden, mir ist es, als hört' ich sie seufzen nach euch, ihr deutschen Apostel, als hört' ich den Ruf eines hl. Franz Xaver von Sancian herabklingen: «Mitte mihi Germanos — Schicke mir deutsche Apostel!" Noch ist unendlich vieles zu schaffen; denn es ist nicht genug, dass die Kirche wachse durch Bekehrung einzelner Individuen, und wenn es auch Hundert-tausende wären; die Völker als Völker müssen christlich, müssen katholisch werden. Das will unser Heiland Jesus Christus: „Gehet hin und lehret alle Völker!" Wohlan denn, ihr lieben deutschen Katholiken, Hand ans Werk! . Seht, die Äugen von tausenden unserer Missionäre und Schwestern jenseits der Meere sind auf euch gerichtet. Was verlangt ihr von uns, ihr heldenmüthigen Streiter Gottes? Ihr verlangt unser Gebet: Ihr sollt es haben. Ihr verlangt unser Interesse an euren Arbeiten, Mühen und Erfolgen — Ihr sollt es haben. Ihr verlangt unsere Unterstützung, den Groschen des Armen, das Goldstück des Reichen — Ihr sollt es haben! Ja, wir wollen euch helfen, eure Verdienste theilen, mit euch zusammen wirken, auf dass der Wunsch des göttlichen Heilandes sich erfülle: Dass alle irrenden Schäflein eingehen in seine Hürde, und „ein Hirt werde und eine Herde". !ie giroltr Wissiiniirc in Von P. Zoscf Münch, F. S. C. Apostolischer Missionär. (Fortsetzung.) Hur Zeit regster Thätigkeit im apostolischen Vicariat machten sich wiederum vier Priester und sieben Laien auf, verließen ihre grünen Matten auf ^ den Tirolerbergen, schifften übers Meer und stellten sich ihren Landsleuten elgf auf dem großen Arbeitsfelde muthig zur Seite. Der erste der Priester war der hochw. Herr Franz Morl an g. Geboren zu Enneberg am 28. Juli 1828, studierte er das Gymnasium und die Theologie in Br ixen, die philosophischen Curse in Innsbruck. Am 24. Juli 1853 erhielt er die Priesterweihe. Er hatte schon im folgenden Jahre um die Aufnahme , in die Mission angehalten, war aber auf den Wunsch seiner geistlichen Vorgesetzten noch in der Seelsorge als Hilfspriester in Afers geblieben. Nach Ablauf dieses Jahres gieng er mit den übrigen Missionären am 10. Juli 1855 in Triest unter Segel und gelangte schon am 16. Juli nach Alexandrien, von wo aus er mit den hochw. Herrn Staller und Wurnitsch eine Wallfahrt nach Jerusalem machte, da die Abfahrt von Alexandrien erst am 8. November stattfinden konnte. Auf dieser Reise gab es mancherlei Hindernisse und Unfälle, bis er endlich am 24. Jänner 1856 C hartum erreichte. Dort sah er das stattliche Missionsgebäude noch int Rohbau sich über die sudanesische Hauptstadt erheben; viele Mühe hatte es gekostet, bis man so weit war, und das hatte man besonders den zwei Tirolern hochw. Herrn Ko sin er und dem Missionslaien L. Koch zu verdanken. Ersterer leitete den Ban als Ingenieur; Koch, überhaupt ein Genie las Mechaniker, verstand es als Banmeister, denselben angesichts der vielen Schwierig- Die Tiroler Missionäre in Centralafrika. 39 feiten in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Schutte Chartums hervorzuzaubern. Die Einweihung des Missionshauses am 20. Juli 1856 durch den bairischen Missionär, jetzt Monsignore Kirchner, sah Morlang nicht mehr; denn, für Gondükoro bestimmt, reiste er noch vorher mit dem Proviear Knoblecher dahin ab. Am 31. Mai erreichten sie diese Missionsstation. Morlang wirkte nun über vier Jahre recht segensreich bei dem Stamme der Bari, später über 2 Jahre bei den Kyeö, einem Dinkastamme. Kurz nach dem Tode Dr. Knoblechers waren die Stationen Gondükoro und Heiligenkreuz verwaist. Mit Beginn des Jahres 1860 stand aber in Chartnm wieder eine Missionskarawane für den weißen Strom bereit. Ihrer Abreise wurden von den Handelsleuten mancherlei Schwierigkeiten in den Weg gelegt, und weil sie keine Zeugen von ihrem Treiben am weißen Flusse haben wollten, so war das Eintreffen neuer Missionäre in jenen Gegenden für sie eine Schreckenskunde. Laut hatte man in Chartum über die Abreise gesprochen: „Sollten Missiousschiffe sich auf dem weißen Flusse zeigen, so werde man auf ihre Flagge schießen." Bon den Wohlgesinnten kamen den Missionären ebenfalls Warnungen zu, aber Herr Morlang mit seinen Geführten vertraute auf den Schutz Gottes und fuhr ohne Zagen ab: „beim bange machen gilt nicht!" Entschlossenheit, ja drakonische Strenge solchen Gesindels gegenüber war und wird auch immer der einzige Ausweg aus den Intriguen derartigen Krämervolkes bleiben und das rechte Mittel bilden, die armen Neger wirksam zu beschützen. Bei dem Wiedererscheinen der Missionäre in Heiligenkreuz jubelte alles. „Jetzt," riefen die Kyev, „werden wir Schutz gegen die Handelsleute finden." Elf Häuptlinge trafen ein, sieben von Süden, vier von Norden der Station. „Wir," sagten sie, „wollen den Frieden, verlangen die Glasperlen und die Ringe der Kaufleute nicht! Wir alle von Helhab bis Kumphir wollen den Aufenthalt von Kausmannsschisfen nicht mehr. Die Kyee sind Freunde der Missionäre, aber mit dem Handelsvolke wollen sie nichts zu schaffen haben. Wir wollen Frieden; will man den Krieg, so werden wir uns vertheidigen." Vierzehn Tage nach dem Eintreffen in Heiligenkreuz ward diese Station wieder einigermaßen geordnet. Herr Morlang vertraute sie dem P. Joh. Reinthaler an, er selbst aber wendete sich südwärts gegen das Bari-Land. Bei den Cir überzeugte er sich, dass sie nicht die Weißen hassen, sondern nur das räuberische Schiffs- und Kaufgesindel. Allgemein hieß es, Abuna Morlangs Schiff sei nicht wie die andern; mit ihm könne man reden, während diese mit Gewehren herbeilaufen und schreien, den Neger nicht zu Wort kommen lassen. Als Illustration dieser Gesinnung berichtete er in einem Briefe: „Bei den Cir, Helynb, Kyeä haben die zurückkehrenden Schiffe ganze Ortschaften aufgepackt. Die Asüker (Soldaten) und Schiffsleute steigen bisweilen in der Nacht an das Ufer, schießen einige Männer [nieber, worauf alles die Flucht ergreift und die zurückbleibenden Weiber, Mädchen, Kinder weggeschleppt werden können." Morlang heftete nun an schöne Punkte blecherne Kreuze und sagte zu den Negern, wenn er wieder komme, so werde er daran erkennen, ob sie die Missionäre liebten, wenn sie die Kreuze nicht weggenommen hätten; so that er vom 6° n. Br. bis zu den Katarakten hinter Gondükoro 4° 9' n. Br. Je mehr die Handelsleute ihn warnten, er möchte doch ja nicht ohne Bewaffnete unter die Schwarzen sich wagen, desto mehr suchte er dieselben auf, höchstens von einem einzigen Begleiter gefolgt. Er erzählte dann, wer er sei und was er bei den Negern wolle, alles zum größten Ärger der Handelsleute, doch ohne von einem Neger je beleidigt worden zu sein. Mer wie fand er das unlängst verlassene Gondükoro. Am 9. Febr. 1861 landete er vor dem Missionsgarten. Ein Theil der Gebäude war abgebrannt, alles übrige in der größten Unordnung. Die Schifsslente hatten im Garten ihr 40 Die Tiroler Missionäre in Centralasrika. Getreide ciufgespeichert und bewachten es. Ein Soldat, rief, als Morlang vor der alten Wohnung auf- und abgieng: „Halt, wer da?" Er antwortete: „Der Herr dieses Hauses" und gierig weiter. Bis Libo lagen lauter Getreide-, richtiger Sclaven-schifse am Ufer. Es fiel dem Missionär auf, sowenig Leute in dem sonst so volkreichen Orte zu finden, da sie doch sein Schiff von weiten hatten herankommen sehen müssen. Die Abnahme der Bevölkerung in der Umgegend von Gondükoro erklärte sich so: Ein Viertheil derselben war im verflossenen Jahre an den Blattern und an Hunger gestorben; einen anderen Viertheil hatten die Sclaven Händler weggeschleppt; ein weiterer war mit der Handelsexpedition in die Ferne gezogen; der letzte Viertheil war noch vorhanden, aber allseitig herabgekommen, stumpfsinnig und bettelhaft, so dass sie den ihnen wohlbekannten Missionär kaum anhörten. Auf dem Rückwege von Gondükoro besuchte er einige Punkte, an die er Kreuze angeheftet hatte; überall wuide er gut empfangen, nur in zwei Ortschaften der Cir sagten ihm die Häuptlinge: das Kreuz vertreibe den Regen. Vergeblich suchte der Missionär zu belehren, zu warnen, selbst zu drohen; er musste die Kreuze mit sich nehmen. Das war die Frucht des Dragomans eines Handelsschiffes, welcher somit Manier eines europäischen Tintenjnden angenommen hatte. Morlang kam nach Dingolo, an die Grenze der Helhab, vier Tagreisen von Heiligenkrenz entlegen; da fand er das Kreuz wieder. Sogleich kamen die Neger von den östlichen Inseln herüber und erboten sich, ihm Hütten zu bauen. Sie wollten ihn nicht mehr fortlassen. Der hochw. Herr Morlang trat auch immer, wo er nur konnte und sich Gelegenheit bot, für die armen Neger gegen die Kaufleute ein. Redlich und rühmlich wurde dabei er wie die ganze Mission vom k. k. Consul, Dr. Satterer unterstützt, welcher samaritanischen Thätigkeit sich auch der sardinische Consul Lanzoni widmete, schon um den Schandflecken im sar-dinischen Banner zu bleichen, mit welchem es der vorhergehende Consul zu Chartum, namens Vaudey besudelt hatte, der da nngescheut Sclavenhandel trieb und unerhörte Grausamkeiten gegen die Neger, welche er für weniger als Vieh hielt, begieng. Indessen sah der apostolische Provicar, Matthäus Kirchner, wegen Mangel an Kräften sich gezwungen, die ganze Mission dem seraphischen Orden zu übergeben. Morlang blieb noch einige Zeit in Chartum, dann kehrte er in seine Heimatsdiöcese Br ixen zurück. Der talentvolle Missionär hat sich zähen Fleißes mit dem Studium der Bari-Sprache beschäftigt und viel schätzbares Material gesammelt, das er glücklicher Weise bei seiner Rückkehr nach Europa mit sich nach Brixen nahm. Nach seiner Rückkehr verweilte Morlang zehn Jahre in seiner Diöcese. Im Jahre 1873 begab er sich als Missionär nach Peru, wo er am 29. November 1875 zu Carkuamago, Erzdiöcese Lima, am Typhusfieber starb. Der zweite Reisegefährte war Michael Wurnitsch, am 30. September 1826 zu Prägraten im Pusterthale geboren. Die Eltern waren arm; weil aber Michael viel Talent und einen frommen Sinn zeigte, fanden sich Wohlthäter, welche es dem Knaben ermöglichten, ein „Student" zu werden. Er erhielt Aufnahme in das f. b. Cassia neun: und wurde ein Vorzugsschüler. Im Jahre 1842 — er war damals in der zweiten Lateinklasse — fiel ihm ein Buch in die Hände, worin von den Missionen unter die Heiden die Rede war. Sein Gemüth wurde durch diese Seetüre so angesprochen, dass er eines Tages sein Päcklein schnürte und es unter seinem Strohsacke verbarg, in der Absicht, zur Nachtszeit, wenn seine Mitalumnen schliefen, heimlich zu entwischen und Missionär zu werden! Es war 11 Uhr in der Nacht, als er sachte sein Bett verließ, sich ankleidete und leisen Trittes, das Päcklein unter dem Arme, zur Hauthüre hinausschlich. Muthig durchschritt er die Rnnggadgasse und gelangte bis in die Nähe des Kapuzinerklosters. Dort aber sollte die ganze Poesie einen jähen Abschluss finden. Ein prosaischer Die Tiroler Missionäre in Centralafrika. 41 Nachtwächter, vom tückischen Schicksal dazu auserkoren, trat ihm in den Weg mit der Frage, wohin er um diese Zeit zu gehen hätte. Die Antwort „ich will Missionär werden" wurde nicht gelten gelassen, sondern die Wohnung des Ausreißers auskundschaftet und dieser selbst nach Hause begleitet. Der kleine Wurnitsch wird sich damals vorgenommen haben, ein anderesmal bei Tag „Missionär zu werden", wo ihm dann wenigstens kein Nachtwächter den Weg vertreten konnte. Als Akademiker im 2. phil. Kurse zu Innsbruck rückte er voll Muth und Patriotismus mit der ersten Studenten-Compagnie an die italienische Grenze und führte bei Grigno und Primolano mit fester Hand den Stutzen gegen die Empörer. Ein höherer Offieier bewunderte seine Tapferkeit und bot ihm damals wie auch später eine Officiersstelle an; allein der edle Jüngling fühlte in sich den Beruf, Priester zu werden. Am 25. Juli 1852 erhielt er die heil. Priesterweihe. Bei der Anwesenheit Dr. Knoblecher's im vorhergehenden Jahre in Brixen wares, als bei Wurnitsch die dunkle Ahnung, Missionär zu werden, festen Boden gewann. Der Gedanke „dem mußt du nach", verließ ihn nimmer! Nach drei Jahren der Seelsorge wurde sein Reise, da die BlarönBaum in Blafariefj. Kameele bereit standen, nicht mehr zulässig Herzenswunsch erfüllt und er zog mit den übrigen Tiroler Missionären nach dem schwarzen Erdtheil. Anfangs No-vemb. segelte die Karawane von Kairo gegen Koroško, das hart am Eingang in die arabischen Wüste liegt. Dort erkrankte Wurnitsch, welchen ein heftiger Rückenschmerz und eine fast ununterbrochene Dysenterie be-sielen. Als ein Aufschub der Wüsten- war, blieb Wurnitsch mit einigen Missionslaien zurück, um die Genesung abzuwarten, hauchte aber schon am 3. Februar 1856 seine edle Seele ans und wurde außerhalb Koroško in der Wüste begraben. Eine viel längere Wirkungsdauer sollte auch dem dritten Priesterder Karawane nicht beschieden werden. Es war dies der hochw. Herr Alois Pircher, geb. zu Lei fers, Diöcese Trient, am 31. Mai 1827. Er studierte als Mitschüler Gostners in Bozen und Trient und bat als Cooperator von Leifers um die Aufnahme in die Mission, nachdem er zuerst bei Gostner in Khartum angefragt hatte, ob er ihn hiezu für tauglich halte. Gostner antwortete: „Lieber Lois! 42 Der Ramadan. Hast Du Courage, so komme." Der Fürstbischof von Trient ertheilte seine Genehmigung mit den Worten: „Als Bischof von Trient kann ich Sie nicht ziehen lassen, aber als katholischer Bischof muss ich Ihnen hiezu die Erlaubnis geben, da es sich um die Verbreitung des Glaubens unter den Ungläubigen handelt." Pircher begleitete nun die oben erwähnten Missionäre und wurde vom apostolischen Provicar für die Missionsstation „Heiligenkrenz" bei den Dinka-Negern bestimmt. Jedoch Gott begnügte sich auch bei diesem heiligmäßigen Missionär mit dem guten Willen; denn der edle Lois starb schon am 3. Juni 1856 in Heiligenkreuz. Der vierte Priester war der hochw. Herr Joseph St aller von Windisch -matrei. Er erkrankte jedoch in Kairo so schwer, dass er ans ärztlichen Befehl zurückkehren musste und wurde dann anstatt Missionär in Chartum, Hilfspriester in Kartitsch. In Jahre 1862 wurde er zum Dr. der Theologie promoviert und wirkt jetzt als Theologie-Professor in Br ix en. Die Missionslaien dieser Karawane waren folgende Herrn: Johann Dorer aus Prä graten, Lehrer und in der Mission „ein Engel in Menschengestalt." — Ferdinand Badstuber von Rorschach. — Gottlieb Kleinheiz aus Perfuxberg. —■ Johann Inen aus Strengen. — Johann Fuchs aus Mils bei Hall. — Joseph Schonung aus Wengen und Anton Val-lat sch er von St. Martin in Enneberg. (Schluss folgt.) ftt lUiiiia*. Assuan, den 15. Februar 1899. &§m 13. Januar dieses Jahres ertönte in aller Frühe der vom gläubigen A Mohammedaner mit heiligem Schauer erwartete Kanonenschuss, zum S Zeichen, dass der Fasten-Monat Ramadan begonnen habe. X- Der Neumond war von den dazu ersehenen Spähern entdeckt worden und mit seinem Erscheinen hat die mohainmedanische Fastenzeit ihren Anfang genommen. Ramadan ist der Name des neunten Mondes im arabischen Jahre. Die Anhänger des Propheten haben ihn auf immer für den großen Fasten ausersehen. Wegen seines innigen dauernden Zusammenhanges mit diesem Monate erhielt dann der Fasten selbst den Namen Ramadan. Der Mohammedaner hat nämlich bis zur Stunde die alte Mondrechnung beibehalten und wird in der Moschee wohl immer nach dem Mondjahr rechnen. Im öffentlichen Leben wird bereits seit langer Zeit wie bei uns geschrieben, da die alte Weise, die Zeit zu messen, im Verkehr mit den Europäern sich als unpraktisch und ungenau erwiesen hat. Die Beibehaltung des Mondjahres ist für die Bestimmung des Ramadan von nicht geringer Bedeutung. Es kommt dadurch der Jahresanfang in beständigem Wechsels und damit auch der neunte Mond, so dass diese wonnevolle Fastenzeit innerhalb 33 Jahren nacheinander in alle Jahreszeiten zu stehen kommt. Das ist keine Kleinigkeit. Es ist etwas anderes sich im Winter der Speise zu enthalten, als im Sommer. Wie schon oben angedeutet, schaut man den Neumond nicht im, Kalender nach; noch weniger nimmt sich einer der weisen Scheichs in der Ashar zu Kairo die Mühe, ihn astronomisch zu berechnen. Nach guter, alter Sitte beginnt ein neuer Monat, wenn der Neumond sichtbar ist. Ein am Himmel belesener „Seher" wartet sein Erscheinen ab und theilt dann in aller Eile die Kunde von dem Er- Der Ramadan. 43 eigniš dem Kadh (dem religiösen Haupt der Gemeinde) mit, der sie an die Scheichs weitergehen lässt. Darauf verkünden die Muezzin (Ausrufer) von den Höhen der Minarets officiell den Neumond. Von einem unserer Patres gefragt, warum man den Neumond nicht nach dem Kalender annehme, wo er doch mathematisch berechnet stehe, antwortete ein Scheich: „die Menschen können irren, Gott niemals." In Assuan, wie auch in Kairo ist es Sitte geworden, den Anfang des Ramadan durch einen Kanonenschuss bekannt zu geben. Vor der officiellen Ansage ziehen aber schon backschischlnstige Araber unter dem Klange der Darabncka von Hans zu Haus, um daran zu erinnern, dass binnen kurzem der Ramadan beginne und noch Zeit sei zu einem letzten Bissen. Mit dem Fasten wird es nun so gehalten, dass von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang — während der ganzen Dauer des Monats Ramadan — keine Art von Speise und Trank und wäre es auch nur ein Schluck Wasser oder eine Dattel genommen werden darf. Als eine Art Trinken scheint auch das Rauchen angesehen zu werden, da auch jeder Zug aus der Pfeife verboten ist. Nach dem Koran lautet das Gebot so — int Capitel von der Kuh —: „O Gläubige, es steht geschrieben, dass ihr dem Fasten' unterworfen seid, sowie es auch euere Väter waren, damit ihr den Herrn fürchtet. Die Fasttage sind gezählt. Wer krank ist oder auf der Reise begriffen, wird nachher die versäumten Fasttage hereinholen. Die fähig sind, das Gesetz zu beobachten und sich Überschreitungen zuschulden kommen lassen, haben als Sühne die Ernährung eines Armen zu übernehmen. Wer voit selbst thut, was besser ist, darf eine entsprechende Belohnung erwarten. Denn „der Monat Ramadan, in welchem der Koran vom Himmel kam, um das Licht der Menschen und die Norm der Pflichten zu sein, ist die für die Enthaltung bestimmte Zeit. Ihr dürft da essen und trinken, bis ihr des Morgens einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt. Fastet daraus bis in die Nacht hinein u. s. w." Mancher Leser hat vielleicht schon mit hohem Lobe von dem strengen Fasten unter den Moslims reden hören. Von jeher haben es die Oberflächlichkeit und Böswilligkeit einiger Reiseschriftsteller, die sich um das Fasten der Kirche herumdrücken, gegen das Christenthum auszuspielen gesucht. Auf den ersten Blick ist man in der That geneigt, wie dem Gebete, so auch dem Fasten der Muselmänner, eine mehr als gewöhnliche Achtung zu schenken. Man sieht da Hohe und Niedere auf dem Felde, an den Straßen, auf den Dächern, ja auf der Eisenbahn und im Schiffe mit großer Sammlung ihre Gebetsteppiche ausbreiten und unbekümmert um die Umgebung ihre vorgeschriebenen Gebete verrichten. Der Moslim betet nicht im stillen Kämmerlein; er sucht mit Vorliebe die Öffentlichkeit zur Erfüllung seiner religiösen Pflichten. Sein Auftreten ist dabei sehr ernst und feierlich. Tausend heilige Stoßgebete, fromme Grüße, Blicke zum Himmel, eine an demuths-vollen, glatten Redensarten reiche Sprache verleihen ihm auch im gewöhnlichen Verkehr einen gewissen Heiligenschein. Während des Ramadan stolzieren die Scheichs ans der Straße einher, damit man sehe, wie sie fasten und sich dem Harem fernhalten. In dieser heiligen Zeit soll der Harem den Tag über gemieden werden. All dieser Werke rühmt sich der Mohammedaner, weil sie der Prophet auferlegt und keine andere Religion ihren Anhängern ähnliches vorgeschrieben hat. Die erste Achtung für die muselmännische Bußdisciplin schwindet all wenn sie nicht gar in Ekel und Bedauern umschlägt, bei einer genauer achtung derselben in der Wirklichkeit. Weit entfernt mit den heroischen, Werkeii auf eine Linie gestellt werden zu können, erweist sich das Islam als eine ganz bedauerliche Caricatnr des christlichen Fastens, die und Nutzen und noch dazu verderblich ist. 44 Der Ramadan. Die strenge Beobachtung dieses Fastengebotes ist für die Armen allein ein großes Opfer. Den Reichen und Lebenslustigen dürfte der Ramadan eine ganz willkommene Zeit fein. Ausnahmen hieben und drüben stören das Gesammtbild nicht. Nachdem sich der arme Mann, der Weisheit des Korans folgend zur Nachtzeit und noch kurz vor Tagesanbruch bis zur Überfülle vollgepfropft hat — wozu ihm der Reiche an diesen Tagen von seinem Überfluss beisteuert —- begibt er sich an ein Tagewerk, das doppelt schwierig ist. Solange ein Sonnenstrahl den schwarzen vom weißen Faden unterscheiden lässt, gibts keinen Tropfen Wasser, keinen Zug aus der Pfeife mehr; die unnatürliche Morgenprovision muss ihren Besitzer den langen, heißen Tag hindurch auf den Beinen und bei der Arbeit erhalten. Bis gegen Mittag mag die Arbeit noch gut voranschreiten, aber schon um diese Zeit wird kein Arbeitgeber mehr seinem arabischen Gesellen den alten Lohn ausbezahlen. Wer will mit einem vollen Magen bei einer angestrengten Arbeit aushalten? Auch die Verfasser des Koran wussten das. Der Moslem, der aber seiner Religion nachkommen und doch auch fortfahren möchte für seine Familie das tägliche Brot zu gewinnen, muss mit einem vollgepfropften Magen seine Arbeit beginnen. Es bleibt nichts anderes übrig, da er bis zur Nacht nichts mehr zu sich nehmen darf, und bei der Arbeit bestehen will.. Nachmittags kann der arabische Arbeiter keine Concurrenz mehr aufnehmen mit einem nichtfastenden Arbeiter. Dauerte das Fasten nur ein oder zwei Tage, so wäre keine Störung zu befürchten. Der gläubige Mann lässt jedoch in dieser Sache nicht mit sich handeln, und so muss die Nachmittagsarbeit beinahe ganz ausfallen. Für sich selbst, auf seinem Felde mag der Bauer noch ein wenig schäffeln. Von der Betheiligung an öffentlichen Arbeiten ist der Araberin dieser Zeit ausgeschlossen, wenn er fastet. Soweit kann menschliche Leistungsfähigkeit nicht ausgedehnt werden, dass sie einen Monat lang, unter glühendheißen Sonnenstrahlen, ohne einen Schluck Wasser, ununterbrochen bei der Arbeit aushalten könnte. Mohammed scheint diese Art und Weise zu fasten dem Alltagsleben des Kameeles abgeguckt zu haben, das sich den Bauch jedesmal vollfrisst, bevor es einen Wüstenmarsch antritt, dann aber einige Tage mit diesem Proviant anshält. Gegen Sonnenuntergang werden die Straßen leer. Alles wartet zuhause oder vor der Hütte auf den erlösenden Kanonenschuss. Die bei ihrer Unthätigkeit den Hunger noch mehr verkostenden Weiber suchen von ihren Gittern ans der verschwindenden Sonne durch ihr leeres Schlucken und Blicken hinunterzuhelfen. Speise und Trank sind lang vor Sonnenuntergang bereitet; Löffel und Gabel gibt es nicht und so kann auf das gegebene Zeichen sofort mit beiden Händen zuwerke gegangen werden. Als ich kürzlich gegen 5 Uhr den Markt passierte, hatten schon viele ihren Tisch vor sich gedeckt. Auf zwei Stunden kommts den Araber nicht an; er verliert ja keine Zeit. Scheinheilige Creaturen gehen durch den schon halbgeleerten Markt — den Bauch einziehend und schreckliche Grimassen schneidend, damit man sehe, wie sie fasten und leiden. Im Vorhofe der Moschee sitzen die Scheiche und andere fromme Beter mit gekreuzten Beinen, ihre rothen Markub (Schnabelschuhe) vor sich, in ernstem Schweigen. Andere lassen sich durch das Recitieren des Koran ein« -rn und durch eine stärkere Stimme des Propheten, den Kanonenschuss, auf-Por nicht langem machten wir einen Ausflug nach der nahen Insel er Commandant hatte die Güte, uns einen Soldaten zur Verfügung um, von allen Zudringlichkeiten sicher, die Sehenswürdigkeiten in ehmen zu können. Nichtsdestoweniger hatten wir Ruderleute, Auf-^rberinerbuben von der Insel Bige, die wir auch besuchten, ohne dem Hals. Sie hatten unseren bewaffneten Begleiter bald als Der Ramadan. 45 einen guten Menschen durchschaut, der trotz allen Speetakels, de» er anhnb, nie Ernst machte. So sehr er immer schrie, regte sich niemand, um auch nur einen Schritt zurnckznmachen. Ganz im Gegentheil wurde der Arme, der vor lauter Schreien und Umherspringen ganz heiser und im Schweiß gebadet war, noch mehr geneckt. ^ Es scheint auch, als hätten ihm die Spitzbuben ein wenig Appetit machen wollen, indem sie ihn so hetzten. Der Soldat war nämlich ein treuer, einfacher Diener des Propheten und hatte demgemäß seit 5 Uhr morgens nichtsmehr gegessen. Hunger hatte er gewiss bekommen, denn es war schon ll/2 Uhr nachmittags. Wir hatten inzwischen den Rnndgang ans der Insel gemacht und schlugen unsern Mittagstisch unter einem Dornbanm am nördlichen Landungsnfer der Insel aus. Natürlich wurde auch der Soldat eingeladen, lehnte aber zur großen Verwunderung unseres Appetites ab, mit den Worten: „Wir sind im Ramadan; ich faste und esse nicht." Darauf entfernte er sich, um auf einer hohen Manerrnine, unserem Ruheplatz gegenüber, unsere Bewachung zu übernehmen. Bald gesellten sich noch Die Pyramiden Lmn Kiseh. mehrere Araber zu ihm — und auch diese wiesen auf die Frage, ob sie ein wenig Brot und Käse wollten — die Einladung ab. Mir machte ihre Bescheidenheit und Kindlichkeit, mit der sie uns von der Mauer ans beobachteten und noch mehr ihr treues Festhalten am Gesetze, einen sehr guten Eindruck. Die Leute waren ohne Zweifel abgemüht und hungrig und kamen ihrer Arbeit unter Seufzern und mit großer Beschwerde nach. Zu gleicher Zeit und mit demselben Ernste erfüllten unsere Ruderlente und Zuschauer aber noch einen anderen Wunsch des Propheten: Es fehlte nämlich ein Tischmesser. Natürlich wusste niemand etwas von dem Messer. Der kleine Diebstahl an uns „Ungläubigen" wird ihnen ja zum ewigen Leben angerechnet. Ohne die Folgen der abscheulichsten Krankheiten geht ein solches^Fasten nicht ab. Diese übermäßig ermüdeten Leute müssen in der Nacht ein Quantum von Speise und Trank zu sich nehmen, welches wieder für einen vollen Tag ausreichen soll. Wie das zugeht, begreife wer kann. Bei uns ist es allgemein Erfahrung, 46 Der Ramadan. dass nitfjttiefriebißter Appetit nach einer gewissen Zeit in Ekel umschlügt. Reizmittel für den Appetit sind für die armen Leute zu theuer. Was bleibt also anderes übrig, als mit Gewalt den Ekel zu überwinden und himmterzuzwingen was Platz hat. Wenn wenigstens eine vernünftige Disciplin die Härte des Gesetzes mildern würde. Kein Gedanke. Das Gesetz des Propheten drängt jeden Augenblick und weicht nur der absoluten Unmöglichkeit. Viele wollen nicht einmal die Kinder ansnehmen. Zu einem harten Tagewerk gesellt sich nun noch eine schlafarme Nacht. Das Essen und Trinken ist. da bei Tag keine Zeit dazu gegeben, ans die Nacht verlegt und alle bei Tag nicht ausführbaren Arbeiten müssen in der Nacht znende geführt werden. Die Schlafzeit, die übrig bleibt, nimmt soviele Schläfer auf, als es Leute gibt, die mit einem müden, vollen Magen ruhen können. Mit all dem schlügts am frühen Morgen schon wieder an der Thür und der Ausschreier verkündet unbarmherzig, dass es noch einige Augenblicke danre, bis der schwarze vom weißen Faden unterschieden werden könne. Wer durch die Noth zur Arbeit gezwungen ist, hat Zeit sich zu erheben, um den letzten Riesenschluck Wasser zu nehmen. — Bis zur untergehenden Sonne berührt kein Tropfen mehr die ausgetrocknete Kehle. Und so geht es ein Monat fort. Der Glaube, dass so etwas Ungeheuerliches göttliche Eingebung und bewunderungswürdig sei, hoffe ich, wird bereits in Bedauern und Entrüstung übergegangen sein. Jeder Leser sieht von selbst, dass die Liebe, Barmherzigkeit, Milde und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes zu einer derartigen Tortur im geraden Gegentheil steht. Bilde sich niemand ein, ich habe zu schwarz gemalt. Wenn der Koran nach dem Geiste seiner Ausleger ins Leben übersetzt wird, kommt das Bild heraus, das ich gezeigt habe. Zum Glücke sind die rigorosen. Beobachter des Koran in diesem Punkte sehr rar, wenn nicht gar Ausnahmen. Die Mehrzahl der Moslim umgeht das Gesetz und dispensiert sich selbst, je nach der Weite ihres Gewissens. Für die Reichen kann escheine köstlichere und schönere Zeit geben, als den Ramadan. Der lebenslustige Ägypter hat in allen .Jahreszeiten Vergnügungen und Schmausereien. Nichtsthun ist immer seine Hauptthätigkeit. Aber der Ramadan ist doch die gelegenste Zeit für sein Schlummerlebeir. Dank der Auslegung des Fastengebotes unter den Reichen wird das schon an und für sich hinter Schloss und Riegel sich abspielende Familienleben , welches meist in elendem Nichtsthun, Essen, Trinken, Schwäzen und Erzählen besteht, officiell in die Nacht verlegt. Den Tag über wird gefastet, wie der Koran es will, und wie der Arme es thut, bloß mit dem Unterschied, dass der Reiche das Fasten im Bette betreibt. Um allen Magenschwierigkeiten zu entgehen, legt er sich zwei bis drei Stunden vor Sonnenuntergang ins Bett; dann erhebt er sich, macht sich ein wenig Bewegung und arbeitet vielleicht ans ein paar Augenblicke. Gegen Abend sitzt er unter den Betern in der Moschee, mit großem Ernste und erheucheltem Hunger die Einladung zum Essen durch den langweiligen Kanonenschuss entgegennehmend. Die Aufgeklärten unter den Moslims haben im Verkehr mit den Europäern den Koran auslegen gelernt, wie man ihn eigentlich anslegen sollte — sie fasten soweit es ihre Pflicht erträgt. Bewunderungswürdig ist an ihnen immerhin, dass, sie soviel Takt besitzen, ihr koranwidriges Leben vor der gläubigen Menge zu verbergen. — Es gibt wohl auch Reiche, die die Sache ernst nehmen. Im allgemeinen findet das Fasten im Bette statt. So ist der Ramadan für die Reichen eine vielleicht mit unserem Carneval • vergleichbare Zeit, während er für den armen Arbeiter eine ganz widernatürliche — für Seele und Körper unheilvolle Tortur bildet. Fragt man nun, wie denn Mohammed oder seine Apostel der ohnehin schon schwachen und verdorbenen Menschennatur ein so hartes und zerstörendes Gesetz auferlegen konnte, so muss vor allem zugegeben werden, dass der Araber der Düste, für den in erster Linie der Prophet vorsah, eine ungemein zähe, in Ertragung von Hunger und Durst gleich starke Natur besitzt. Daher konnte er ans seine Schultern schon etwas mehr als gewöhnliches laden. Der. Koran überbietet aber die Leistungsfähigkeit auch der stärksten Wüstennatur und will geradezu Unmenschliches. Weiter darf man wohl annehmen, dass eine alle Wünsche des verdorbenen Herzens begünstigende Religion, wie der Islam eine ist, wenigstens den Schein und die Äußerlichkeit heroischer, guter Werke verlangen musste, damit sie überhaupt das Ansehen und den Namen einer Religion beanspruchen und verdienen konnte. Der grenzenlosen, Körper nnb Geist zerrüttenden Zügellosigkeit und Weichheit sollte vielleicht eine ebenso tief in die Natur einschneidende Abtödtung das Gegengewicht bilden. Das Fasten der Väter und Propheten hatte der Koran wohl nicht als Norm nehmen wollen, weil sonst die Moslims ähnlich wie die Christen gefastet haben würden. Er wollte ein ganz eigenes Fastengesetz, das mit dem christlichen womöglich nichts gemein hatte. Dieses Unicum konnte sich nur außerhalb der Grenzen der Vernunft und Natur sinden. Auf diese Weise hat der Koran seinen Anhängern eine Pflicht auferlegt, wie sie schwerer noch keine andere Religion vorzuschreiben wagte. Der Orientale, gläubig angelegt, folgt dem Propheten mit heiliger Furcht, wiewohl er ihn zugrunde richtet und zu einem „heiligen" Thiere herunterwürdigt. Von Gott hat dieses Fastengefetz jedenfalls nichts zu beanspruchen, als seine Duldung für dasselbe. Der Schöpfer der Menschennatur ist derselbe, der Gesetze gibt und Propheten aus seinem Volke beruft. (Fortsetmnq folqt). P. WikSetm Maichotzcr, F. S. C. Sirnimi um rotljfii Petit. (Schluss.) Ein Weg, aus zwei Drittel Damm und einem Drittel Brücke bestehend, führt uns von der Insel über den Meeresarm ans das Festland. Diese Verbindung, wurde von Gordon Pascha hergestellt, jedenfalls ein sehr verdienstliches Werk, da früher Personen sowohl als auch Güter auf den schwankenden Canoes der Ein-gebornen übergeführt werden mussten. Auf dem Festlande liegt nun eine Fortsetzung der Stadt — Gef genannt zum Unterschiede von der Deschsira (Insel). Die hauptsächlichsten Bauten derselben sind die Mamuria (Polizeidirectioni, Artillerie-und Cavalleriekasernen, die von der Regierung vor einigen Jahren errichtete Schule und endlich ein großes Gefängnis, wo über 300 ägyptische Sträflinge die Nacht zubringen, während sie bei Tage mit dem Reinigen und Besprengen der Straßen und sonstigen öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden. Dieser Theil von Suakin ist mit einer steinernen Festungsmauer umgeben. Vier Thore führen in die Wüste hinaus, von denen eines besonders zierlich gebaut ist. Es wird von zwei Thürmen flankiert und eine Gedenktafel in arabischer Schrift sagt uns, dass dieses Thor sowohl als die ganzen Festungsanlagen von Kitchener Pascha, damals Gouverneur von Suakin aufgeführt worden seien. Ein Marsch von zehn Minuten bringt uns an den vorher erwähnten Damm und außerhalb desselben sinden wir die Brunnen, die heute noch den größten Theil der Einwohner von Suakin mit Wasser versorgen. Auf dem ganzen Wege von der Stadt begegnet man eingeborenen Weibern, die unter einem schweren Wasserschlauch gebückt einherschreiten; das Wasser wird dann an gewissen Plätzen der Stadt seilgeboten. Die Brunnen sind tiefe in den Sandboden gegrabene Löcher ohne Ausmauerung und Randeinfassung. Der Spaziergänger muss darum hier gut auf seinen Weg achthaben, wenn er nicht zu Schaden kommen will. Die meisten Brunnen find Privateigenthnm und dienen zur Bewässerung der umliegenden Gemüsegärten. Braune imb schwärze halbnackte Männer sind hier den ganzen Tag damit beschäftigt, mit ledernen an einem langen Stricke befestigten Eimern Wasser zu schöpfen^ um die Gemüsepflanzen zu begießen, oder gegen geringen Entgelt die Schläuche der Wasserträgerinnen zu füllen. In diesen Gärten zerstreut stehen ungefähr- ein Dutzend Shkomoren oder wilde Feigenbäume, die nun zu einer geschichtlichen Berühmtheit gekommen sind. Freilich uriti) es keinem der Zeitnngsleser, die vor ungefähr 10 Jahren über die Schlacht von Gemaizeh (sprich Dschimeze) gelesen haben, in den Sinn gekommen sein, dass Gemaizeh keineswegs eine Stadt sondern nur das arabische Wort für Sykomore ist. Hinter diesen Brunnen breitet sich nach Westen hin eine sanft aufsteigende Ebene aus, die wohl wasserlos, doch nicht ohne Vegetation ist. Zerstreut in derselben stehen dürre und dornige Mimosenbäumchen, deren Mangel an Grün jedoch durch Schlingpflanzen, die sich an ihnen hinaufranken, ersetzt wird. Doch auch diese spärliche Vegetation verschwindet immer mehr ans der Nähe von Suakin; denn die Bäumchen werden umgehauen und als Brennholz nach Suakin geschleppt. Ein Marsch von drei Stunden gegen Westen bringt uns an die Berge, die sich der ganzen afrikanischen Küste des rothen Meeres entlang ziehen. Wenn ich in meiner Beschreibung von Suakin und seiner nächsten Umgebung weitläufig und langweilig geworden bin, so möge man mir verzeihen. Ich verbrachte die letzten neun Jahre dort, und fast während der ganzen Zeit wares nicht rathsam, sich weit über die Festungen hinauszuwagen; denn in den ersten zweiJahren meines Aufenthaltes hatten die Derwische noch ein Lager in Handub, drei Stunden von Suakin entfernt, und auch nach ihrer Vertreibung aus Handub und Tokar machten sie oft noch Beutezüge in die Umgegend von Suakin, trieben das Vieh weg und tödteten in grausamer Weise die eingeborenen Hirten. Wem: sie so an ihren Stammes- und Glaubensgenossen handelten, hätte ein ungläubiger Weißer noch weniger Gnade vor ihren Augen gefunden. P. Kart Sil;, apostolischer Missionär. Wnser-e MiLöev. Auf Seite 29 sehen unsere Leser unsere jetzige provisorische Kapelle, in der höchstens 20 Menschen Platz haben. Möge das hlst. Herz Jesu uns helfen, auf dass mir im neuen Ge? bände bald eine größere Kapelle beziehen und dann auch den Anbau der geplanten Herz Jesu-Kirche iu Angriff nehmen können! Auf Seite 33 finden unsere Leser das gelungene Bild des hochwst. Dr. Iah. Hhrysostomns Witterriitzncr, das gewiss allen Freunden der centralafrikanischen Mission und den vielen Verehrern des ehrwürdigen Greises lieb und theuer sein wird. Der Kauptmanu non Kapharnaum, Seite 37, stellt uns die Bekehrung der Heidenwelt dar, die sich anbetend vor Christus niederwirft. Warienliaum in Walarick, Seite 41. Eine Beschreibung dieser ältehrwürdigen Erinnerung an den Aufenthalt der hl. Familie in Ägypten findet sich im „Stern der Neger", 1. Jahrgang, S. 36 ff. Die Pyramiden non Kisch mit der Sphinx wurden bereits beschrieben im „Stern bei-Neger", 1. Jahrgang, S. 182 ff. Für die Redaction: Xaver Geher, F. 8. 0. — Druck von A. Weger'sf. b. Hobuchdruckerei, Brixen. Gorrespondenz 6er Grpeöition. Gaben: I. K.-Laatsch zum Neubaue 50 fl.; B. M.-Schirgiswalde (Sachsen) zum Neubaue 10 SK.; I W.-Krieglach 5 ft.; A. P , Cooperator-Bischofsmais 10 SK.; I. G., Kaplan-Ober-Görjach 1 fl.; PH. C.-Körnitz 12 SK.; 81. ©., Kaplan-Jlz 57 fl. für hl. Messen; I. H.-Prag zum Neubaue 5 ft.; A. H.-Maria-Trost (Steiermark) 80 fl. für hl. Messen; G. M.-Gedeir 10 fl.; Dr. I. M.-Neustift 30 fl.; A. Sch.-Wien 6 fl.; P. S.-Brixen 100 fl.; K.-Jnzing 500 fl.; Dr. I. M.-Neustift 100 SK.; H., Kaplan Ravensburg 24 80 M.; Ungenannt-Wien 1 fl.; A. W.-Oppeln 70 SK. f. hl. SK.; Ungenannt-Mühland 5 fl. f. hl. SK.; N. N.-Mühland 10 fl. f. hl. SK.; I. G.-Köln 40 SK. für hl. SK.; A. Sch., Psarrer-Kersbach (Bayern): 1 Ohrwalder (Aufstand und Reich des Mahdi), 1 Paulitschke (Sudanländer). 3>tcfcn und allen übrigen Waljltliätern sagen wir ein herzliches ,,Z?crgclt's Kall!" und bitten um weitere milde Beiträge zum ISaüe unseres Wisstonshauses. " , Bezieher: G. B., Ebensee. — J.I., Wien. — A. A. Wien. — I. S. Pf., Muhlbach.—. A. W., Oppeln. — St. K. Pf., Innsbruck. — A. Sch. C., Wien. — M. SK., Kiwitten. — A. K.. Niederaltaich. — P. SB., Welschnoven. — I. Sch. Pf., Walchsee. — A. W., Barbian. — A. N. Saalbach. — I. ti. L., Graz. - I. SK., Wald. — I. SK., Pflersch. — I. St., Gschnitz. — SK. H. Brixen. — I. Kr., Blansko. — SK. D., Neustadt a. W. N. — I. L, Karbitz. — Sr. Bischöfl. Gn. Dr. I. K., Salzburg. — St. Tr., Pf., St. Slndrä. — A. ti. G., Brixen. — I. G., Brixen. — I. Schw., Pf, Ort. — K. T., Mühlau. — P. Sch., Pr., Brixen. Imi Stinte. (Es fuhrt durch Himmelszeichen drei Könige Gottes Hand Nach Bethlehem: sie lassen ihr Volk gern und ihr Land, Nur um dem Stern zu folgen, der ihnen schien so klar, Hineilen sie und bringen Gold, Weihrauch, Myrrhen dar. Auf ihre große Treue folgt bald ein reicher Lohn: Der Stern führt sie zur Krippe, zum hohen Gnadenthron; (Er führt sie zu Maria, zur Himmelskönigin, Zur lieben Gottesmutter und ihrer Mittlerin. Statt Gold flößt Jesus Liebe nun ihren Herzen ein, Sein Herz voll Huld und Güte soll ihre Wohnung sein: Und alle andern Gaben, er hat sie reich belohnt: Der Himmel ist ihr Antheil, wo er mit ihnen trohnt. Doch Heller noch als damals erglänzt ein andrer Stern, Ihn sah im Geiste Balaam, jedoch nicht nah, nur fern; Der Stern in Gluth der Flammen ist Lieb', ist Jesu Herz, (Es ist der Stern der Neger, der führt sie himmelwärts. Ach, welchen Schmerz es duldet, wenn es hinüber sieht 3n jenes Land der Schwarzen, wo heiß die Sonne glüht, So wie von Bäumen lautlos im Herbste fällt das Laub, So sind viel taufend Seelen dort stets der Hosten Raub.