OMlherGMma. ^lr. 5U. Samstag, 13. März. < «!>"» '^lH^U ii'"'""' 1^75. Amtlicher Theil. ^^e. l. und t. Apostolische Majestät haben mit "rechst unterzeichnetem Diplome den» pensionierten ^ ^ldzcnymeister aä lwnoro» Prosper Docteur ," "ttcr des Ordells der eisernen Krone zweiter Klasse al^ ?^'l der Ordensstatuten den Freiherrnstand "uerguadlgst zu verleihen geruht. Nichtamtlicher Theil. Verwaltungsgerichtshof. ^ Der mit der Porberathung des Gesetzentwurfes kam ^'^lhtung eines Verwaltungsgerichtshofes be» Ber'1 "^lhuß des Abgeordnetenhauses ließ sich bei der ^llylerstattung von folgenden Beweggründen leiten: ^ Ausschuß konnte sich den großen Vortheilen nicht tlnw m ' ^^ die verwaltungsgerichtlichen Einrich-dcn 3 "^"^ und Preußens dadurch gewähren, daß ^linu ^" ^°" !" "^" Instanz eine unabhängige hüria ""^ Entscheidung ihrer diesem Gebiete ange-"icht? , ^legcnheiten geboten wird; er lonnle auch tiysf ^"knncn, daß sich bel der in jenen Ländern ge-Äa nk ^^liven Aufzählung der verwaltungsgerichtlichen Uc? der GeschäflSumfang dieser Gerichte so wie übem <, Tragweite der neuen Institution leichter ürund -^" '""6 gewiß zugegeben werden, daß die H^Hchlich verheißene und durch die Vorlage gebotene ^Mit^ ^^ Verfügung der Verwaltung nach ihrer ^ um ^^ Prüfung eines unabhängigen Gerichtshofes ^M?^^"' vom principiellen und constitution««!« ^""lte als sehr werlhvoll zu betrachten ist. sich ^" gallischer Hinsicht aber mußte der Ausschuß ^ na! ?^ gegenwärtig halten, daß die Einführung ^lkni« ^"stanzen gegliederten verwaltungsgerichtlichen 8iitMh°"us wie in Baden und Preußen, ohne eine Verly^. "^Wllltung unserer staatlichen und autonomen "ui! a,^ '6seinrichtnngen nicht möglich wäre. Wenn biete u„? >^ Bedürfnis nach Reformen auf diesem Ge-^"ltionie '"^l°"oere nach der Herstellung einer größeren ^äanig. ""^ ^"' verschiedenartigen Organen und '" de„ q> allgemein empfunden wird und auch bereits s° ist "^retungblörftern zum Ausdrucke gelangt ist, ^ belli^ ^" mindestens sehr unwahrscheinlich, ">'t> he- >" «?^^ berührten Competenz der Landtage "nll voli.lsl-""""lgfalliglcit der belheiligten materiellen damit d e 7/":^"^"llen eine befriedigende Reform und U^islnus > """ng eines verwaltungsgerichtlichen Or-dllher ^" ' ""her Zukunft gelingen werde, wian steht ^"atsai b" Alternative, entweder den durch das ^eleven ml b. vorgezcichueten und von der Regierung r r ^erwnn^ einzuschlagen oder auf die Begründung ^slllnmbllv. ^.^"ichtsbarleit überhaupt auf eine un- Die M^" i« verzichten. !^nn er t>i^ )^"" bem Ausschusse nicht zweifelhaft, ^waltu,.^ ' m Vortheile erwog, welche durch den zu" "°,?U"^M geboten werden, "ur «^ ""em ist unter den gegebenen Verhältnissen, 'icher n'/" ^ege die Begründung eines ^ltuna'a lkdermann leicht erkennbaren Ver-^^l Nn«^^^^ s°wic eine gleichmäßige von poli« '"ögllch. Ölungen unberührte Handhabung desselben ^ er^..^?li «ine« solchen Verwaltungsrechles, so ?°'fel bel.^'" ^biete anzuschlagen ist, tritt ohne ^ltun.'^ im Bereiche der Finanzver- n.>el' aus ? ?^ ^" 'st bekannt, daß die gesetzlichen r tt«"e» lich^^^iete durch zahlreiche particular« lsc. No ,./. °ll Zar nicht kundgemachte Ministerial- '"tert w""len, Regulative «. s. w. ergänzt und s^ '^en lw. ^"!'^. baß die unteren Finanzbehörocn 3 "«ch de ^?""^ instanzmäßigen Entscheidungen ^pccia „35Uuctionen d" Ministeriums und nach "^tm ^^"dungen desselben in analogen Fällen ^. ^"erpftiN!^ /lt es, daß dieses ungeregelte für ,^«"wN n^3>/ehr misliche Verhältnis, welches ^ werden la' ^"^"« '" deiner Weise zur Last ^ ^'".ß""^""' tu Bedenken wegen der C°nsequen' 3 ''"ur d « 3l, "5?' der unvermittelte Eintritt der Regierungsvorlage die Ausdehnung der Wirksamkeit des VerwaltungSgerichtöhofes auf Steuer, und Gebühren-fachen von der Reform dieser Gesetzgebung abhängig zu machen. Aber so wie die Regierung diese vom Herren-hause nicht gebilligte Beschränkung von selbst fallen ge-lassen hat, fo kann auch der Ausschuß nur vollkommen der Ansicht der Herrenhauscommission beistimmen: ..daß gerade diese Partie der Venvailungsjustiz vor allen anderen des Schutzes einer vollkommen unabhängigen Entscheidungsbehorde dringend bedürfe und daß ein Ver-waltungSgerichlshof, dessen Controle gerade dieser Zweig der Rechtsprechung entzogen weroen wollte, kaum in der Lage sein dürfte, eine der Bedeutung dieser Institution würdige und wahrhaft dantenswcrthc Thätigkeit zu ent. wickeln." Aber auch auf dem Gebiete der autonomen Verwaltung muß die Errichtung des Verwaltungsgerichtshofes als ein dringende« Bedürfnis bezeichnet wer» den. Insofcrne die Entscheidungen der autonomen Organe, wie jene der Landcsausschüsse in ihrem eigenen Wirkungskreise, bisher jeder weiteren Conttole entzogen waren, ist es ein Postulat der Gerechtigkeit, daß den ein, zelnen, welche sich durch solche Entscheidungen in ihren Rechten getränkt glauben, die Möglichkeit geboten werde, die Legalität der Entscheidungen der Prüfung eines unabhängigen Gerichtshofes zu unterziehen. Uebrigens wird durch diesen Gerichtshof auch ein Organ zur Lösung von Conflicten geschaffen, welche sich bei der bestrittenen Ge» setzmäßigleit von Verfügungen der Landesausschüsse zwi-schen diesen und den staatlichen Behörden ergeben können und ergeben haben und deren Austragung (mit Ausnahme der Fälle von Competcnzconflicten) in der bisherigen Ge» setzgebung nicht vorgesehen war." Hierauf werden die gegen die projectierte Institu-tion laut gewordenen Bedenken widerlegt. Was die be-lorgle Ueberflutung des VerwaltungsgerichtShofcS mit unberechtigten Beschwerden betrifft, so lassen sich dieselben nicht schwer hintanhaltcn. Bezüglich des Bedenkens, daß die Iudicatur des Verwaltungsgerichtshofes praktisch un» wirksam bleiben werde, weil demselben leine Executiv-gcwalt zurseitc stehe, ist der Ausschuß der Ansicht, daß der Regierung eine Reihe gesetzlicher Mittel zur Durch, sctzung der aus den Entscheidungen ocS VcrwaltungS' gerichtshofes sich ergebenden Ansprüche zugebotc stehen. Es sei somit den Einwendungen lein Gewicht beizulegen. „Durch alle diese Erwägungen ist der Ausschuß sonach mit weit überwiegender Stimmenmehrheit zu dem Schlüsse gclqngt, daß die Regierung wohl daran that, sich durch die angeregten Bedenken und Schwierigkeiten in der Durchführung des mehrerwähnten Gesetzes nicht beirren zu lassen, und taß die vorgeschlagene Einrichtung eines Ver» wattungSgerichtShofeS als ein fehr anerlcnnenswerther Schritt zum Ausbaue unserer verfassungsmäßigen Institutionen und zur Entwicklung unseres öffentlichen Rechtes zu begrüßen sei." Neichsrath. 12«. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Wien, W.März. Präsident Dr. Rechbau er eröffnet um l l Uhr 15 Min. die Sitzung. Auf der Mmisttrbanl befinden sich: Se. Durchlaucht der Herr Ministerpräsident Fürst Adolf Auers -perg, Ihre Excellenzen die Herren Minister: Dr. o. Stremayr, Dr. Glaser, Dr. Unger, Dr. Frei-Herr v. Pretis, Oberst Horst und Dr. Ziemial, lowöti. Auf der Gant der RegierungSvertrcter: Sections-rath Chertel. Der Herr Ackerbauwinister in Vertretung des HandelSministerS, überreicht den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Registrierung der Seehan, delsfchiffe, nebst Motivcnbericht zur verfassungsmäßi. gen Behandlung. Abg. Graf Coronini und 23 Genossen richten an das Gesammtministerium folgende Interpellation: „Der Handels- und Schiffahrtsoertrag mit dem Königreiche Italien vom 23. April 1867, beziehungsweise das Zusatzübcremtommen, betreffend den Eisenbahnverkehr, verfügt im Art. 1, daß auf der Strecke Udine^ Görz die auf österreichischem Gebiete gelegene Eisenbahnstation Eormons als internationale Wcchselstation und als Standort des gemischten (inlcrnalionlilcn Grenzamlcs bestimmt wird und im Art. 2, daß die Eiscnbahnvcrwal' lungcn verpflichtet sind, die hiezu erforderlichen Gebäude herzustellen, sowie daß über die damit zusammenhängen' den Nebenfragcn besondere Verhandlungen gepflogen werden sollen. Es hat indessen den Anschein, als wenn in dieser Angelegenheit die häufig wicdcrlchrcuoe Erfahrung gemacht werden müßte, daß die österreichischen Interessen auswärtigen Staaten und mächtigen Gesellschaften gegenüber nicht die genügend kräftige Vertretung finden, da feit dem Abschlüsse jenes Vertrages nahezu acht Jahre verflossen sind, ohne daß zum großen Nachtheile des öfter-reichlsch'italicnischen Verkehres die vorangeführlen Vc stimmungen, welche doch eine Begünstigung des östcrrei chischen Gebietes überhaupt und eines österreichischen Grenzortes insbesondere enthalten, ins Leben getreten, oder auch nur ihrer Verwirklichung nahe gerückt werden AuS diesem Grunde beehren wir uns an das Ge samlnlministerium die Anfrage zu stellen: 1. Durch welche Gründe sich die bedauerliche Verzögerung in Ausführung der in Rede stehenden Bestimmungen des österreichisch-italienischen Vertrages vom 23. April 1tt(>7 rechtfertigen lasse? 2. Ob die Regierung gewillt sei, mit ihrem ganzen Einflüsse auf die endliche schleunige Ausführung desselben hinzuwirken?" Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die Fort. setzung der Specialdcbatte über das Gc bäudesteuci 8 e setz. Zuerst ergreift der Berichterstatter Dr. Beer das Wort zu H 18 und die heutige Berathung über diesen Gesetzentwurf gedieh bis zum § 22. Mg. Freiherr v. Kellers perg und Genossen stellen folgenden Antrag: „1. Der 8 12 des Orundsteuergefctzes sei dahin abzuändern, daß die Commission ihre Entscheidungen mit Stimmenmehrheit fälle und der Vorsitzende nur bei glei< cher Stimmcnanzahl zu entscheiden habe u. s. w. 2. Dieser Gegenstand sei auf die heutige Tages^ ordnung zur ersten Lesung zu setzen und dun Steuer-reformausschusse zuzuweisen. Dieser Antrag wird mit der hiezu nöthigen Zwei-drittel-Majorität angtnommen. Zur Action des ungarischen Ministeriums. Das neue Cabinet erließ unterm 2. d. M. nach stehendes Rundschreiben an sämmtliche ComilalS', Stuhls-, Districts- und städtischen Communilätcn: Zufolge allergnädigstcr Entschließung Sr. kaiserliche!' und apostolisch königlichen Majestät zur Regierung des Landes berufen, beeilen wir uns, dies und daß wir dir Regierung bereits übernommen haben, der (Comitats-, Stuhls-, Districts- oder) Sladtcommunitüt amtlich bc lanntzugcbcn. Gewiß sind der Eommunllüt dic Verhältnisse des Landes bekannt; — bekannt die schwierigen Umstünbr. unter welchen wir die Regierung zu übernehmen für unsere patriotische Pflicht hielten. ES war und ist auch heute unfere Ueberzeugung, daß fo ernsten Finanz- und VerwaltungScalamiläten, wie die, unter denen wir leben, nur in der Weise rasch und radical abgeholfen werden könne, wenn zu dicfcm Zwecke alle diejenigen Patrioten sich vereinigen, welche über die von jenem Gesichtspunkte aus dringenden und brennende!, Fragen unter sich einverstanden sind. Eben deshalb hielten wir es vor allem für unsere Pflicht, diese Vereinigung zu fördern, und halten es auch für eine unserer weiteren Aufgaben, dahin zu wir< len, daß diefclbe sich consolioiere und daß sie allgemein werde. Auch einstweilen indessen, bis die Gesetzgebung auf diesem Wege im allgemeinen Interesse die nöthigen Vcr fügungen treffen kann, ist eS unsere Pflicht, dic bestehen den Gesetze energisch zu vollstrecken und vollstrecken zu lassen. Die Achtung vor dem Gesetz ist die allem sichere Grundlage aller Staaten; — eine gute Verwaltung, Sicherheit der Person und ocS Eigenthums ist das un< erläßlichc Postulat für die Wohlfahrt des Vaterlandes und die Zufriedenheit der Landeebürgcr; -- daß der Staatshaushalt in Ordnung sci, ist unabweiöllche Bedingung für den Fortbestand eines jeden Staates, und es ist für uns eine unabweisllche Aufgabe; inbctreff alles dessen im eigenen gesetzliche» Wirkungskreise alles w thun was in unseren Kräften steht, und darüber zu wachen, baß auch andere in diesem Betreff alles thun, was im Sinne der Geschc zu thun ihre Aufgabe ist. Wir zweifeln nicht daran, daß wir bei der Com-munitäl in dieser Hinsicht der größten Bereitwilligkeit begegnen und alle die Unterstützung finden werden, welche zur Erreichung dieses Zieles unumgänglich erforderlich ist und welche zu erwarten und zu verlangen unser im Gesetz begründetes Recht, ja unsere Pflicht ist. 428 In unserem Vaterlande ist die öffentliche Verwal« tung in vielen Stücken auf die Autonomie basiert; wir wünschen, daß dies in noch größerem Maße der Fall sein lönne; dieser unser Wunsch ist jedoch in einer den Interessen des ungarischen Staates entsprechenden Weise nur so erfüllbar, wenn wir in jedem der Municipien Achtung vor dem Gesetz und Bereitwilligkeit zu rascher und energischer Vollstreckung der gesetzlichen Verordnungen finden. Indem wir unsererseits dies der Beachtung der Communititt empfehlen, erklären wir, daß wir — wie das unsere Pflicht ist — stets die Rechte der Indivi. duen, Corporations und IuriSdictionen in Ehren halten, zugleich aber darüber wachen werden, daß auch die Individuen, Corporationen und Jurisdictions nach dem Gesetze ihre Pflicht erfüllen. Zum Rücktritt des deutschen Reichskanzlers bemerkt der berliner Correspondent der „Köln Ztg.": „Was ich Ihnen am 15. und 19. Februar geschrieben, trifft noch heute zu. Eine Aenderung der Sachlage hat seither nicht eintreten können. Dagegen ist dieselbe vielfach verdunkelt worden, man hat versucht in Zweifel zu ziehen, daß Fürst Bismarck daran denke oder gedacht habe, seine Aemter niederzulegen. Mit der Verbreitung der beunruhigenden Nachricht sollten allerhand Absichten verbunden gewesen sein, die ihre Spitze angeblich gegen die eine oder andere Seite gerichtet hätten, oder es wurde eine besondere Verstimmung fingiert, woraus nur für den Augenblick der Ge< danke des Rücktritts entstanden wäre. Endlich dienten die freundlichen Eindrücke, welche die Gäste des Fürsten bei dem parlamentarischen Diner vom 1. d. empfangen hatten, dazu, sein Befinden als ein überraschend günstiges darzustellen. Dies alles nöthigt uns, auf den Gegenstand nochmals zurückzukommen. Wir dürfen versichern, daß nichts besonderes vor» liegt, was eine Verstimmung hervorzurufen geeignet gewesen wäre. Eben so wenig kann die Rede davon sein, daß irgend ein Zweck hat erreicht werden sollen durch ein bloßes Vorgehen oder gar Androhen intendierten Rücktritts. Die Thatsache ist nicht hinwegzuleugnen, daß der Kanzler leidend ist und daß es sich in nächster Zeit, wenigstens im Laufe deS Sommers, entscheiden muß, ob er sich den Obliegenheiten seiner hohen Stellung gewachsen fühlt oder nicht. Von dem Aussehen oder wirk« lichen Wohlbefinden des Gastgebers an einem Gesellschaftsabend wird eine vernünftige Diagnose nicht herzuleiten sein, am wenigsten bei dem notorischen Nervenleiden des Kanzlers. Es genügt, daß an jenem 1. März, an welchem das Diner zu Ehren des Hauses der Abgeordneten stattfand, ein Tagewerk vorangegangen war, das eine wohlthuende Wirkung hervorgebracht hatte, um den Fürsten, dessen Lebensgeister jede Arbeit, die sich ner» lohnt, zu steigern geeignet ist, wie einen Gesunden erscheinen zu lassen. Eben so voreilig würde es sein, den Zustand des Ministers nach den Eindrücken eines der schlimmeren Tage, an denen er durch unnütze Plagen kleinlicher Verhältnisse und ärgerlicher Zwischcnfälle sich gedrückt fühlt, beurtheilen zu wollen. Nervenkrank, wie er ist, nimmt er das Gute, das sich bietet, froher wie zchn Jahre zu vor, und läßt sich vielleicht anderseits durch Widerwärtiges mehr deprimieren ober irritieren als es an sich werth sein mag. So hat denn allerdings in letzter Zeit die päpstliche Encyllila nicht verfehlt, anregend, kräftigend und erfrischend auf den ReichSlanzler einzuwirken." Politische Uebersicht. Laibach, 12. März. Der ungarische Ministerpräsident Baron Bela Wenckheim ist nach Wien abgereist, um Sr. Majestät über die neuesten Vereinbarungen des Cabinets hinsichtlich der zu befolgenden Finanzpolitik Bericht zu er» statten. Der ungarische Minister des Inner n hat auf dem Territorium des B 6 l 6 ser Comitats das Statarlal-verfahren gegen Räuber, Raubmörder, Brandstifter und deren Complicen auf die Dauer eines Jahres angeordnet. Das Abgeordnetenhaus des ungarischen Reichs-tages hat über Antrag des Finanzministcrs die Gesetz» entwürfe über die Inarticulierung des letzten Anlehens, übcr Ausfolgung der Gyalncr Kronherrschaft, über Licenzen zur Einfuhr ausländischen Tabaks, über Revision des Punzierungsgesetzes und über die Stempclgebühreu der Urtheile des Aörsenschiedsgerichtes dem Finanz» ausschusse zur schleunigen Berichterstattung zugewiesen. Die Nachrichten übcr das Befinden Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm, der sich eine Erkältung zugezogen hatte, lauten ziemlich befriedigend. Seine rasche Erholung wird umsomehr gewünscht, als für dic nächste Zeit der Besuch hoher fürstlicher Gäste angemeldet ist. In acht Tagen gedenkt nemlich die Kaiserin von Ruß« land auf ihrer Rückreise von San Remo in Berlin einzutreffen und Rast zu machen. Wie verlautet, wird die preußische Regierung während dieser Landtagssession keine weiteren anti-llericalen Gesehentwürfe einbringen, indem sie überzeugt ist, daß die bis jetzt ergriffenen antt-llericalen Maßregeln ausreichen. Unter den neuernannten Ministern Frankreichs befinden sich meist Namen solcher politischer Bedeutung, daß es wohl nicht nothwendig erscheint, deren bisherige politische Laufbahn zu skizzieren. Weder Buffet noch Dufaure oder Leon Say sind neue Männer. Der neue Unterrichtsminister Wall on, im eigentlichen Sinne der Pater der republikanischen Verfassung vom 25. Febr., ist Historiler und angeblich Gallicaner, was insoferne, als er auch das Cultus-Departement zu verwalten hat, von Bedeutung wäre. Wallon ist ein intimer Freund deS republikanischen Deputierten Schoelcher und arbeitete mit diesem im Jahre 1848 an der Abschaffung der Sklaverei. Als Mitglied der Legislative gab er am 31. Mai 185(^, als diese das allgemeine Slimmrecht aufhob, seine Demission. In der gegenwärtigen Kammer hat Wallon am 24. Mai gegen Thiers gestimmt, vor kurzem jedoch im Vereine mit Lavergne eine Anzahl liberaler Orleanisten der republikanischen Partei zu« geführt. Holland, Belgien und die Schweiz haben betreffs der Petersburger Conferenz noch keinen officiellen Be-schluß gefaßt, sind aber so gut wie gewillt, der Eiula. dung Rußlands zu entsprechen. Dabei ist aber die Slim» mung in den drei Ländern der unbedingten Unnahmc del russischen Vorschläge nicht günstig; namentlich der Satz, daß eine occuplerende Armee im feindlichen Lande äo^ue die Hoheitsrechte der ereculiucn Gewalt haben soll, enegt bei ihnen Bedenken. Sie glauben, daß in dem Punlle Modifikationen zu verlangen seien, und wollen sich jede^ falls gleicb bei Beschickung der Eonferenz die Freiheit ihrer endlichen Entschließung wahren. Die russische Regierung hat der plipst' lichen Encyllila, in welcher der IubiläumSablaß oerlündet wird, das ihr zustehende Placet versagt. W^ die bereits durch Militärgewalt zur ..freiwilligen" U«' terwerfung veranlaßten griechisch-unierten Gemeinden angeht, so finden diese ebenso freiwillige Nachfolge. M" hofft in Petersburg binnen drei Monaten alle unielten in orthodoxe Russen umgefärbt zu haben. Hagesneuigkeiten. Neber Acclimatisation und Samenwechsel legt Professor F. Haber laudt im „Oesterr. Mw W. Bl." folgende Ansichten nieder: ..ES giebt auf dem Gebiete des Pflanzenbaues kaM eine Frage, welche so hohes wissenschaftliches und prall'-sches Interesse darböte, als jene über die Acclimatisation der Kulturpflanzen und den Samenwechsel. Kaum gibt es aber auch ein schwieriger zu behandelndes Thema« denn jede Kulturpflanze ist ja mit all ihren Eigenschaf' ten und Besonderheiten ein Ausdruck aller ihr zuthcu gewordenen Wachslhumsbedingunn.cn, und hat die slccli' matisation leine geringere Aufgabe als die, die EinstiO der einzelnen Factoren auf die Entwicklung aller Thei" der Pflanzen zu studieren und festzustellen. Wenn es nu" feststeht, und niemand zweifelt daran, daß das Same"' l?rn gewisse uns erwünschte Eigenthümlichkeiten auß auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen 'w stände ist und daß die Vererbung dieser Eigenschaft um so deutlicher hervortritt, je geringere Schwankungen die äußeren Bedingungen der Entwicklung erfahren habe"' so wird man gewiß auch zugestehen, daß AcclimatiM" und Samen Wechsel seitens der Landwirthe recht et"" gehende Berücksichtigung verdienen. Zweierlei Ansichten sind zunächst zu berühre«' welche, auf sorgfältig durchgeführte VeqetationsverM sich stützend, einander völlig zu widersprechen scheiß Die eine wurde von Schübeler, die andere von mir aus' gesprochen. Schübeler nimmt an, daß der hohe Norde" früher reifende Getreidespielarten erzeuge; nach ih" ^ bessert sich ferner die Qualität dir Körner nördlM Samen, welche im Süden zum Anbau gelangen, w« litüt stets bessere Erfolge mit südlichem Saatgut erz't'' Prof. Dr. Könicke, der in Beziehung auf die ^ rialionen unserer Kulturpflanzen einen eben so saM,, Blick als große Erfahrung besitzt, wirft meinen A"ba", versuchen mit Unrecht vor, daß sie nur einmal ge""" worden sind. Denn meinen ersten Beiträgen zur 3^ FemVeton. Ein Millionär. Noman von Fanny Klinck. (Fortsetzung.) Weder der alte Mann, noch der Verwundete hatten sich von der Stelle gerührt. Der letztere fuhr mit den Händen in der Luft herum und sciue bleichen Lippen stießen ununterbrochen Verwünschungen und Drohungen aus. „He, Schurle!" fchrie cr, die Faust grimmig ballend, Dr. Gutyerz entgegen. „Kommst du mir nochmals in den Weg? Alles, was mit der Förstcrsippschaft zusammenhängt, muß aus dem Wege geräumt werden und wenn mir der Gutsherr auch schließlich den Garaus macht. Meinetwegen mag crs thun, wenn er kann, aber so leicht gchts nicht. Meint der Narr, daß sein Schwager zugeben würde, daß mau den Friedrich Helms ins Zuchthaus bringt? He! he! wollt auch uoch ein Wort darein reden und ihn schließlich zwingen, daß er doch nach meiner Pfeife tanzen muß. Da, dies — und das," fügte cr hohnlachend hinzu, uach seiner zerfetzten Hand und der blutendeu Stirn greifend, „soll ciue Geldquelle für mich sein — eine unerschöpfliche Geldquelle." Martha schrak bei diesen Worten des Verwundeten leicht zusammen. Sie sah besorgt von dem Arzte, in dessen Gesicht sich auch nicht die kleinste Veräuderuug zeigte, auf Friedrichs glühcndcs Antlitz. Dr. Gutherz konnte uur mit der äußersten Mühe den Kraulen bändigen, aber in feiner Stimme mußte ctwas seltsam Beruhigendes Uegen — Friedrich wurde nach uud nach fügsam wie ein Kind, uud selbst als der Doctor die Hand untersuchte und ihm gewiß bei der Berührung nicht unbedeutende Schmerzen verursachte, äußerte er dieselbe,, »ur diivch Wimmern uud Aechzcn. Danu machte sich der Doctor ohne ein Wort an die Arbeit. Er ver« langte von Martha nichts als Wasser — alles zum Verbände Nöthige hatte er in einer kleinen Tasche, welche er stets bei sich führte. In kaum einer Viertelstunde war der Verband angelegt. .Ich hoffe, daß dem Mauuc die Hand erhalten bleibt," sagte er dann, „aber die Stirnwunde bedarf einer sorgsamen Pflege. Sie werden hier Eis habcu, es ist ja Wasser in allernächster Nähe." „Eis genug!" seufzte Martha. Der Doctor verstand diesen Ausruf; aber auch ohue diesen hatte er bereits gesehen, daß es hier am allcrnothwendigsteu fehlte. Hilfe that noth und zwar schnelle Hilfe. „Holen Sie Eis," sagte er. Kaum fünf Minuten später erschien Martha mit einem irdenen Gefäße voll Eis. Dr. Guthcrz zeigte ihr, wie sie die Umschläge zu machen habe; sie begriff sehr leicht." Der Verwundete war mittlerweile bereits wieder unruhiger geworden. Er richtete sich auf uud saß mit glühenden Wangen da. Selbst die Stimme des Doctors hatte jede Macht über ihn verloren. „So, meiueu Sie? — Wenn Sie sich da nur nicht iu einem großen Irrthum befinden — Sie scheu mich wohl für toll an. Wo ist das Kind? Wo haben Sie es hingebracht? Ihre Frau hat es der Martha gegeben und anstatt es uns wegzunehmen, sollten Sie das Kostgeld erhöht habcu. Waö si"d für Sie hundert Thaler? Gar uichts, auch nicht kas mindeste, uoch dazu, wcuu es für ciu iiiud bezahlt wird, welches so sorgsam dcu Augen der Welt verborgen bleiben muß? Glauben Sie, wir hatten nicht Last genug von dem Kinde gehabt? Mciuen Sie, wir wären nicht mit neidischen AMu gcnna angesehen, als dies Kind auf einmal vom Himmel herabgeschueit war? Uud dann diese Heimliche leit, nicht den Namen des Knaben sollten wir nenne,.' nicht, woher er lam, wer uus denselben gebracht ^. „Friedrich! Friedrich! besinne dich!" schrie M"^ welche bis dahin den Worten ihres Manucs mit o ^ höchsten Entsetzen ssefolgt war, indem sie ihre Augen endloser Angst auf den Verwundeten richtete. h» „Ja, ja - schweigen will ich doch nicht, wen" ^ auch drohst. Sagen will ichs doch, wcsz Geistes KM" ist, um ocssenwillcn wir alles verloren — unsere H^ uusere Habe, ja zuletzt uuscr Brot. Ich bleibe v«^ du brauchtest mit den, Jungen gar nicht so viel ^? „ uud Aufwand zu machen. Der hat nicht einmal e ehrlichen Namen, uud dem sauberen Herrn wärs g „^ recht gewesen, wenn cr aus der Well gegangen ^ dann hätte cr eine grüße Last vom Halse achabl ^, ciuc große Sorge. Die Martha ist dumm gewesen» ^ statt den Jungen in das beste Zeug zu stecken, t)""^ was anderes thun sollen, danu wäre der H^^so» ärgerlich gewesen und brauchte ihn keiucr anderen p ^ zu geben, die gewissenhafter ist, sciuc Wünsche 3 ^ füllcu. Danu köuntcn wir noch heute von Herrn >!/ heimers Gelde —" ^. ^ ..Ach, Herr Doctor, beachten Sie nur uM ^.. hgt willen nicht, was mein Manu im Fieber sv"^, Martha. . „„d ..Fieberfthautasicu," sagte Dr. Guthcrz t"^'^c" es gelang ihm vortrefflich, seinen urplötzlich " V"' Gcdankengang vor Martha's Augcn zu verberge' .^ z,, letzten Worte des Verwundeten hatten ein ^^ der Erinncrnng des Doctors wachncrufen, "ewi^^ ^, allmälig durch die Zeit verwischt war. Er y ,„^ Namen Otto Hochhcimcr gewiß uicht zmn M" jh" er hatte ihn hundertmal früher achört, Wer ,^ n" uicht kennen, den angesehenen Millionär? Uno ^l, nächsten Moment war schon der nute Doctor über seine Phantasien zu lächeln. (Forlsetzlmg folgt.) 429 über die Acclimasation der Pflanzen lm Jahre 1864 folgten neue Beiträge über den Samenwechsel im Jahre lud«, f^„^ ^ Frühjahr 1873 ausführliche Mittheilungen über Anbauverjuche mit zahlreiche« Maissortcn, welche aus südlichen und nördlichen Gegenden bezogen worden waren. Sonach sind es dreijährige Anbauversuche, von welchen die beiden letzteren in Deutschland nicht lie, lannt geworden sein dürften, auf welche sich meine An. Wen gründen und die ich im nachstehenden lurz oarzu-«gen beabsichtige. Die Frage, in welcher ich mich mit Schübeler im Mgensatz befinde, bezieht sich zunächst auf die frühere oder spätere Reife. ES frägt sich mit einem Worte, ob un Norden oder im Süden mehr Bedingungen zur Her. voibringung frühreifender Spielarten sich zusammenfin-btn. In meinen beiden letzten Publicationen habe ich hervorgehoben, baß hauptsächlich nachfolgende Umstände früh, lelfende Spielarten hervorbringen: geringe jährliche Nie-blrschliige; Regenmangel im Frühjahr und Sommer; lasch ansteigende Wärme im Frühjahr, welche den Ueber, Wg zum Sommer beschleunigt oder überstürzt; günstige Isolation infolge eines fast stetig heiteren Himmels, «ne nach Süden geneigte Lage, welche die Intensität der Molation, sowie die Erwärmung des Bodens gleich sehr Zunstigt; endlich Armuth des Bodens an Pflanzen. Nährstoffen. Andererseits werden spätrcifcnoc Sorten zu stände kommen; unter dcm Einfluß größerer Feuchtigkeit der Ulft uno des Bodens fei diese durch Niederschlage oder lunstlichc Bewässerung bewirkt; unter dcm Einfluß einer hungeren ^ärme, eincS langen, kühlen Frühlings und sommers, endlich infolge cincr großen Fruchtbarkeit des «"dens, welche, mit großcr Feuchtigkeit combinicrt, "wlche Kulturpflanze nur ihre Vcgctationsorgane in ^«ordentlicher Ueppigkeit cutwickeln läßt, ohne sie zum vollkommenen Reifen gelangen zu lasfen. . Es ist nicht zu verkennen, daß sowohl im Süden ^c lm Norden sich die Bedingungen derart verewigen °nnen, daß dort wie hier frühe oder späte Sorten zu Wehen vermögen. Insofern widersprechen sonach Schü- si^k versuche den mcinigcn nicht, vielmehr ergänzen W beide in harmonischer Weise. Es frägt sich mm: (^ )^wl diese oder jene Umstände im potcnzicrtesten ?^de auf, wo ist ihr Zusammenwirken ein derartiges, "K die frühest reifende Spielart irgend cincr Pflanzen- 3?^ entstehen kann? Ich glaube, daß diese genau p MieNe Frage nach den gegenwärtigen Erfahrungen .^? auf Grund meiner und der Schübcler'schcn Versuche , ,^ gelöst werden kaun, bin aber überzeugt, daß cs ^ le Hegenden in den verschiedensten Breiten auf der We ^" '""6' welche bezüglich der Erzeugung scüh- ^«3?rwi zu wetteifern vermöchten. Üiinsi' ^ zahlreichen, durch drei Jahre unter sehr t^?? Verhältnissen mit großer Sorgfalt ausgeführ-, ^auvcrsuchc ließen mich ferner erkennen: ' ^«ß Saatgut, aus feuchten Klimaten bezogcn, vcr-Mtnismüßig mehr Stroh und weniger Körner llchre; ' M solches ans trockenen Wachsthumsgebicten mit Mein Frühjahr und heißem Sommer geringeren ^troh- und verhältnismäßig reicheren Körncrcrtrag 2 gewlnnen lasse; ' ."h letzteres Saatgut an irgend einem Orte lul» "viert, besser den Einflüssen der Trockene zu wi-. ^stehen vernlögc; ' M die Qualität der Körner und ihr Gehalt gün- !"ger beeinflußt werde, wenn Saatgut aus Bändern 'Ult contincntalem Klima in feuchteren Gegenden zum Anbau kommt, als wenn umgekehrt ein Sa- 'ncnwcchscl aus einen, feuchten Gebiete für eine 5 ^?^ Gegend besorgt werde; ' - °aß Getreide aus regenreichen Ländern leichter der k !^ruug unterworfen sei; ' A Saatgut aus Gcgmden mit strengen Wintern, «ljo contincntalcr Lager weniger der Gefahr des "uswinterns preisgegeben sei, als wenn solches ^uv feuchtem Klima mit milden Wintern nach 7 ">lw verpflanzt werde; ' ^"mentales Kliina reift kleine hornige Getreide-suchte, nnl tleberrcichcm Inhalte und specifisch jcywcrcrcn Körnern; kühle feuchte Sommer hin-^? ^^' künstliche Bcwässcrllng und vermehrter "Ulchthum des Bodens an Pflanzcnnährstoffen vcr-u"iern das Korn, lockern den Inhalt, der statt s- "''U, 'nehlig erscheint, und verringern daö specie M)c Gewicht zugleich mit der Menge stickstoff- 8 ^»"Bestandtheile; ^ Md schließlich, daß der Gegensatz zwischen in l-U"o Sommcrfrucht uin fo mehr schwindet, "t/. Wdllchcrc Gegenden ,nan gelangt. Winter-lick^ m "^ legenden über dem 45. Grad nörd-an^« < ^ ^^cn, wird, bei uns im Frühjahre S2n'>7 ^'"l'lbc" Jahre nicht mehr zum llbrv l, ' ^'^"^u, ans niederen Breiten bezogen, mcract - d'^ ^ ^"^" verhalten wie das Som- ^"be^ni^^^^^. Folgerungen für unanfechtbar und ^lmtten A ^ ?'i /'/"' ^'- wittmack in Berlin gc- ^"lichen ^!^?l"chc '""^treide aus südlichen oder "^n ^l)^ '^"""' wesentliche Modifikationen der- lere Be i^ ^"Ncn "erden. Immerhin sind noch wei^ ""rage zur Aufhellung dieser wichtigen Frage höchst wünschenswerth; handelt cs sich ja nicht bloß um allgemeine Wahrheiten, sondern anch um specielle Ersah» rnna.cn über den Werth des Saatgutes ans bestimmten Bczugsortcn mitbezng auf bcstimnltc Eigenschaften. Noch gedenke ich hier einiger Ansichten, welche Griefe, bach in seinem classischen Werke über die Vegetation dcr Erde nach ihrer klimatischen Anordnung bezüglich der Bildung früher Mais Spielarten in Amerika ausspricht, und welche, kurz zusammengefaßt, dahin lauten, daß in Amerika die Fähigkeit fchncll reifende Maisfortcn zu erzeugen, in viel höhcrem Grade vorhanden fei als in Enropa, wo die Versuche, ans amerikanischen Sorten Spielarten von knrzcr Vcgetationsdauer zu erzielen, bis jetzt leinen Erfolg gehabt Hütten. Dies kann wohl nnr Geltung haben bezüglich spät reifender Sorten des sogenannten Pferdczahn-Maiscs, dcr gewiß innerhalb weniger Jahre dic Eigenschaften früh reifender Sorten nicht annehmen wird, deshalb auch durchaus nicht für Gegenden mit geringer Sommer» wärme paßt. Allein e« kann Gricfebachs Ansicht leine allgemeine Giltigtcit haben insofern die in Europa vor» kommenden, seit undenklichen Zeiten hier kultivierten Maisvarietäten gegenüber den amerikanischen irgend zurück» stehen sollten. Denn in Europa sind die Anbau«, Bodcn-und klimatischen Verhältnisse noch verschiedenartiger als in Amerika und sind die zahllosen Maisspiclarten Europa's gewiß nur zum kleinsten Theile aus Amerika importiert worden, vielmehr großentheils in Europa selbst entstanden. Auch in unserm Erdthcil gibt cs früh- und spät» reifende indigene Maissorten, die an Kürze der Vegetations» zeit sich mit den kurzlebigsten Amerika's vergleichen dürfen, andererseits kommen auch hier so großlolbige, hoch-aufschießende Sorten vor, welche ebensoviel Wärme wie die Pferdezahnmaife erfordern." — (Vom A. h. Hofe.) Se. MajtM der Kaiser hl», ben am 10. d. Audienzen zu ertheilen geruht. — lVonmot.) Im wiener Hofopernrheater coursierl wie da« „9i. Fremdenblalt" erzählt, folgendes Bonmot: Dr. Gistra ifl infolge der letzten Ereignisse lo verstimmt, daß er sich von nun an „Geslra" (ßW-llr») nennen will. — (Aus dem Vereinsleben.) An der grazer Universität wurde ein mathcmalisch-physilalischer Verein gegründet. Derselbe bezweckt, wie die „Grazer Zeitung" meldet, die Pflege dcr beiden Wissenschaften Mathematik und Physik und sucht diefcn Zweck zu erreichen durch Vorträgt aus den gcuamitcn Fachwissen-fchaftcn, durch Sammlung zweckdienlicher Lehrmittel und durch Verbindung mit Vereinen von gleicher wissenschaftlicher Tendenz. — (Praltifchr Erfindung.) Hauptmanu Pistoluil in Graz, seit einer Reihe von Jahren bekannt durch seine zahl» reichen Erfindungen im Gebiete der Mechanik, hat nun für die Musilfchule de« Herrn I. Stolz Slllhle, Schemel und ein Auf-stcckpnlt f!lr das Nolenauflegen conftruierl, welche Objecte alle nach Vedarf hüher oder tiefer gestellt werden können und sich als vollkommen praktisch erweisen follen. — (Fllns Todesurtheilt,) Die Geschwornen haben vor lurzem in Lemberg fünf dcS Mordes angeklagte Bauern fchul-dlg erlaunt. Sämmtliche Angeklagte wurden zum Tobe durch den Strang vcrurtheilt. — (»usmilnzung im Jahre 1874.) Vei dem königlich ungarischen Milnzamle zu ttremnitz wurden im Jahre 1874 ausgemllnzt: Au Goldmiluzen 240,349 Achtguldcnsillckc (20 Franc«) und 82W ViergnldensUlcke (10 Francs), zusammen 248.H88 Stück im Werthe von 1.i>80.235 st. 35 lr; dann an Vilbermüuzen 2.081,702 Ouldenstllcke; ferner an Silberscheidc-münze 1.3iiU,7I3 ZehulreuzerstUcke im V«tr»ge von 138,371 fl. 30 lr. Der Gesammtvetrag der NuSmllnzuug in Kremnih ist dem» nach 4,194,308 fl. 6b lr. Die Nusmllnzung bei dem l. l. Haupt-mllnzamte in Wien belief sich anf 5.446.K72 Stilck im «etrage von 10.18l.842 ft. »3 lr., so daß alfo der Hesammtbetrag der Ausmilnzuug im Jahre 1874 sich »il 9.100,875 Stuck und 14.370,151 fl. 58 kr. beziffert. — (Zur V a des ais on.) «lus «lilli wird geschrieben: „Mit dem Heranrllcken de« Frühlings rilstel sich Cilli ,um Empfange der Fremden, die hier in den letzten zwei Jahren immer zahlreicher erfchicnen, um die sehr heilsamen «äder dcr Sann zu gebrauchen und die Milde des Klimas auf ihre Ncrvcu einwirken zu lassen. Ls iss alle Aussicht vorhanden, daß die Stadt nach und nach zu ciiirm besuchte» Kurorte werden wird, nur ist dazu unerläßlich, daß den faniltlreu Rücksichten gewissenhafte Veach» lung geschenkt werde." — (Ueberschwcmnlungegtfahr in Vöhmcn.) Tele» gramme aus Prag melden au» den Elbe- und Moldaugegenden rapides Steigen des Wassers. Selbst kleinere Flüsse sind bedeutend angeschwollen, so daß UeberfchwemmnugSgesahr droht. Dcr pragcr Eisstoß ist bereits abgegangen. — (FUr Klavicrfpiclcr.) Herrn Hermann Wagner, Pianoforle.Fabrilanlen in Stuttgart, ist es gelungen, an feinen mit Gußrahmcn verscheucu Pianinos, dcrcn Sai-tenlage durch Spreizen unterbrochen ist, eine Einrichtung zu treffen, durch welche es ermöglicht ist, «n und dasselbe Musikstück ohne die «uust des TranSponinen« und Supponieren« in 7 ver-schiedenen ToulMeu zu spielen, indem man das Tasteuwerl um drei halbe Töuc fowohl aufwärt« als abwärts verschieben kann. Herr Wagner hat sich feine Erfindung bcrcilö patentieren lassen. — (Mormonen in Deutschland.) Da« Mannheimer „Tagblatl" berichtet: „Dcr Mormolirn.Picdiger Eyring au« Utah hat sich hier uiedergclafsc«. nm im Sinne seiner Scclc für die Ausbeutung dcr mormoilischcn Glaubenslehre sunter andcrm auch die Vielweiberei) zu wirleu. Dem Vernehmen nach foll es dem MarmouciilNpostcl gelnügen fcin, hier schon emigc dem Nr-beilrlslandc augehörendc Unhünger filr feine ^rhre zu gewinnen. Die VtaatSbehbrde hat ihm jedoch die fernere Propaganda »ns dcm hiesigen Platze untersagt, sowohl weil die mormonische Glaubenslehre mit unseren Gefetzen nicht vereinbarlich erfcheint, als auch weil mit dcr Propaganda für dieselbe uotorifch die Verleitung zur Auswanderung verbunden lft." — (Lin Kunst lerjnbil ant.) Die .France" meldet: „Am 16. d. Vi. feiert m Paris der Maler Wald eck sewn, hundcrtneunten Geburtstag. Baron Walbecl wurde unter König Ludwig XV, im Jahre 1766 geboren. Er lebte demnach unter den Regierungen von Ludwig X.VI., der Revolution, des Direktoriums, des Kaiserreichs, dcr Restauration, jener vom Juli 1830, von i!ouie Philipp, von 1848, des zweiten «aisnreiche, der September Revolution, der Commune, von Herrn Thier« und des Geptcnnats unter bclbcn Formen. Herr v. Waldrck be-fchäftlgt sich trotz fciue« ungewöhnlich hohen Aller« noch immer mit Studien über Malerei." — lZurFrage der Leichenverbrennung) thnlt das „Iourual dr Tuulose" folgende« mit: «Professor Desen« hat eine Erfindung gemacht, welche bestimmt ist, die Urnen zur Aufbewahrung verbrannter Mcnfchen überflüssig zu machen. Der genannte Naturforscher nimmt die erlaltete Afche, zerkleinert dieselbe in einem Mörser von Veffewerftahl, feuchtet sie hierauf mit einer kleinen Quantität Wasserglas an und seht das fo erhaltene Präparat iu der hyoraullschcu Presse einem ungeheueren Drucke aus. Die Asche erhärtet alsbald zu einem festen, marmorartigen Stem von großer Glätte, auf den Name, Datum des To» de«, ein Nachruf u. dgl. m. mit unauslöschlicher Tinte geschrieben werden können. Auch lassen sich Porträte dcr Verstorbenen iu Vrouce schneiden, die als Matrizen denen zur Herstellung von brochcnartigen Medaillons, die man an einer Kette um den Hals trageu oder als Vufenuadel vorstecken kann. Diese letzlere Aet der Verwendung von Leichenasche dürfte eine große Zukunft haben, da sinnigere und werthvollerc Familiengeschenle kaum zu denken sind, als die tragbaren Porträte geliebter Verstorbenen au« ihrer eigenen Asche angefertigt." — (Ein Riefen Haifisch) wurde unlängst bei Vent-nor auf der Insel Wight ans Land geworfen. Vie Länge des« felben beträgt 28' 10", der Körperumfang 15', die Kopflänge 6' 10". Man h,elt da« Ungeheuer zurrst für einen Wallfijch. wahrfcheinlich aber gehört er der Haifischjpecie» »8mz-T>U' caten 5 24'/.. — Napoleonsd'or 8 88. — 100 Reichsmark 54 "1 Wien. 12. Milrz. 2 Uhr. Schlußcurse: «lrcdit 236'7b. Vuglo 146 25. Nmon 112 75. Francobant 5,2 75. Hände!«!»»'' 69 50, Vcreinsbanl 28 —, Hypolhelarrentenbanl --- , allgemeine Vaugesellschaft 20'—, Wieuer «aubaul3750.Uui°llbaubant28 ^. Wechslerbaubanl 11 —, Vrigittenauer 6-, Staatsbahn 312 bO, Lombarden 137 —, Climmuuullose —. Festest. Verstorbene. Den 5. März. Iujefa ijvetreäuil, MalerswittweN'Tochter, 24 I., Stadt Nr. 54, Iehrfieber. — Franziöla Steblaj. Zigarren» fabrilsarbeiterin. 26 I, Stadt Nr. 116, LungenMise. - 2"^ Pettauer, bürgl. Uhrmacher. 74 I., St. Petersvorstadt Nr. U, Entlräftung. — Anton Dolniiar, Inwohner, 52 I., Kralauvol-ftadt Nr. 11, RUckenmailölählnung. Den 6. März. Josef Marinla, Faßbinders.Kind, 1 3' und 1 M,, Kralauvorstadt Nr, 23, Fraisen, — «ndras Kram", Schuhmacher, 64 I,, Ewilspital, chronische Lungentuberculojc. -^ Maria Kooloset, Strafhaus-Aufsehcrs-Kind, 8 Monate, Stadt Nr. 03, Fraisen. - Hermagor Krivic, Arbeiter, 66 I., , Kapuzineruorftadt Nr. 84, Diphteritis. — Anna Verhovc, Inst'-tutsarme, 81 I. Versorgungshaus Nr. 4, Leberentzündung. Den 8. März. Anna Icerny, Veschäftsgesellschllfteiö'Kind, 6 Monate und 6 Tage, Stadt Nr. 170, Lungenentzllndung. ^ «lasius Merlar, Inwohner, 49 I., Entlrästung. Den 9. März. Josef Urler, Tagwhner, 40 I., ins Eivil-spital sterbend ilberbracht. — Johann Luschin, Landeöbuchhaltungs' beamtens-Kind, 3 Woche», St. Petersvorstadt Nr. 25, Fraisen — Alois Vernoth, Holzwarenhändlers'Kind, 1"/. I., Polana-vorstaot Nr. 75, Wassertopf. — Johann Puc, Tischler, 22 I, Civilspital, Entlräftung. Den II. März. Theresia Ual, Arbeiterin, 19 I., Liv'l' spital, Erschöpfung der Kräfte. Angekommene Fremde. Nm 12. Mittz. Hotel Ttadt Wlen. Mallner, Bes., Vetoes. — Lewitus, Ves.l Äensch und Novak, Wien. — Podjcd, Lieut., St. Beit. -Äosenthal, Hamburg. — Pisejzly, Genielieut., Trieft. -- KreM' zir, varos. — Picker, Kanischa. Hotel Elefant. Fischer, Strasiburg. — Hartmann, Oberlaibaa»- — Wras Lichtender^, Pragechuf, Hotel <5uropa. Ko'bler und Mllnz, Littai. - MUller, G'^' — Iato, Pettau, Väterlicher Hof. Polaina, Kanzlift, Krain. — Cadore. Hol)' agent, Trieft. Kaiser von vefterreich Lapajne und Stajer, Juristen, Wi««» Mohren. Kovaiiö, Nes., Krain. Theater. Heute: „ Der E ° ldonlel." Posse mit Gesang in 5 VildelN von Emil Pohl. Musil von Conraoi. Meteorologische Beobachtungen iu Laibach^. '6 U. Mg. 737.« — 0.4 windstill bewilllt k," 12. 2 ,. N. 736.?b ^. 3.« SO. schwach bewilllt Reg"' 10 „Ab. 737.W -l-0.» VO. schwach bewilltt Schn" Seil morgens trübe, nachmittags und abends abwechselt dünner Regen, nacht« Schncesall. Das Tagesmitttl der TeMpe ratur -j- 12", um 15^ unter dem Normale. . ,^ Verantwortlicher Redacteur: Ottomar «amber«. Vl^s^nli^sll'^i' ^lcn, ii. März. Der heutigen Vürsenbewegung war ein einheitlicher Gedanle laum abzugewinnen. Man bewegte sich in mindestens scheinbaren Widelsprllchcn, welche '" <^V»,s^ll^r^l. den Zlfsern des Euislableau zum Ausdrucke lommen. Hervortrende Erscheinungen waren in dieser Beziehung unter »ndcrm da« Steigen mehrerer subventionierten Vah"" bei gleechzeitig maticr Haltung der Renle. der Stillstand im Deoiscngeschilfte bei gleichzeiliger starler Fluctuation der nach auswärtigen Plätzen ressortierenbeu Werthe, die große Zuversicht der SPt' culation bei uuveränderter Euthallsamleit der nicht zum specifischen Nürsepublicum gehörigen Kreise. Mau lann mit Rucksicht auf diese Momente die Situation in den Worten zusammenfallt"' Die Speculation vertraut der m Pari« eingeschlagenen Richtung und läßt fich durch heute vorgekommene starte Realisierungen nicht beirren. Käufe für auswiirtiae Rechnuna flud aus uuserem 'Me nicht in großem Maße vorgenommen worden. Da« WechseIftuben < Vtl» ware Gtld wa« ««ld Ware ' V,,b «"^, »lai- ) w , l.....7^ 45 7155 «reditonfialt........23475 235- Oesterr. Nordwestbahn .... 165- 16550 Siebenbllraer 77 7?bU Februar«) ^me ^.....7^,^ 7^.55 Ereditanftall. ungar.....216 50 216 75 Rudolfs-Vahn.......14850 14«- Staalsbahn 14250 148'^ Jänner-) «;^.„,«., ( - - 75 80 75 90 Depositenbank.......133' 135- Staatsbahn........81315 3,4 Sübbahn ü 3«/'......11160 U2'2I April- ) «llberrente ^ . . . 75.^ 7f.9o Escompteanstalt......800' 815-- Slldbahn.........18675 13725 5«/ ' ' ' ' 9540 9b^ Lose. 1839........273 — 276 — Franco-Vanl.......52 75 53- . Thellz-Vahn........1<<4- 195- Sudbahn. Vons ' 224' ^'3i ^ 1854........104-60 105 — Handelsbank........67-— 67 50 Ungar,sche Nordofibahn . . . 122'- 12250 Una ONbabn 6S'2b 6l«'5" ^ 1860........112 70 11290 Nationalbank.......960- 962 Ungarische Ostbahn.....5475 5525 " «uglo-Vanl........140 75 141 - Franz - Joseph - Bahn .... 168 - i««^ Franz-Joseph-«.......97-25 9775 .... » ^ ^°ntverem . ......N7.^ n«.^ Lcmb, «lzern. - Iassy-Vahn . . 145 145 50 Wal. Karl-Ludwig.».. I.Em. . 102 50 103- «rainische Ornndentlaftungs-Obli«»»'«"'^. Vodtnc«d.t°n^t.....127- 129- > «loyd-Veselllch........422- 4Äb- vefierr. «ordnest.«.....stz- vezii) > PlivaMolitr«.7" «elb ^-^ V"t ^^