Laibachkr Tliiiblatt. Redaction und Expedition: Bahnhofgafle Nr. 15. S vkänumerationSPreise »I/v> ^/I Für Laibach: Gan;j. fl. 8'40; «/»»» Anstellung ins Haus vrtlj.Lö kr. Mit der Vost: Ganzjähr. fl. 12. Snsertionspreise: Ein» MLW Dienstaq, LL. Oktober 1878.—Morgen: J°h. Cap. »»ssk'.ikis 11. Jahrg. Gan,jähr. fl. 12. " zeigen bis 5 Zeilen so Ir. ^ Zur Wiedereröffnung der Parlamente. Samstag den 19. d. hat der ungarische Reichstag und heute der österreichische Reichsrath seii.e Thätigkeit wieder begonnen. Beide Parlamente werden, obgleich sie sich bis zur Übersättigung in der abgelaufenen Session mit volkswirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen hatten, dem an sie herantretenden Rufe sich nicht entziehen können, die noch unerledigt gebliebenen Fragen der Lösung zuzuführen, denn noch immer liegen Industrie, Handel und Gewerbe darnieder, noch in..«er blutet die Bevölkerung der Gesammtmon-archie aus allen Wunden, die aus früherer Zeit ^rühren und die der bosnisch-herzegowinische Occupationszug geschlagen. Auf volkswirthfchaftlichem Gebiete müssen die bereits ins Auge gefaßten Eisenbahnfragen, namentlich auch jene über die Unter krain er Bahn, wieder auf die Tagesordnung gesetzt und alkn Ernstes der Erledigung unterzogen werden. Regierung und Parlament werden über das Projekt der Erwerbung der garantierten Bahnen durch die Staatsverwaltung schlüssig werden, das Parlament wird an die wirtschaftliche Regeneration des Reiches eben auch mit Ernst, Ausdauer und Energie Hand anlegen müssen. Voraussichtlich Werden auch Fragen in das heurige Sessionspro-gi"mm ausgenommen werden, die eine Erhöhung des Reichsbudgets zur Folge haben dürften. Nachtragskredite und Anlehen, erforderlich zur Bedeckung der bereits aufgelaufenen und im nächsten Jahre zu leistenden Occnpationskosten, sind die Geschenke, die dem Steuerträger dies- und jenseits der Leitha als Weihnachtsgeschenk in Aussicht stehen. Oesterreich wird die schon so oft signalisierte Steuerreform als Neujahrspräsent empfangen, dessen können wir heute schon sicher sein. Auch die Rubrik Handelsverträge, in erster Reihe mit Deutschland und Italien, muß ausgefüllt werden, weitere Prolongationen find bereits unzulässig geworden. Bei dem Abschlüsse des mit Deutschland einzugehenden Vertrages müssen Regierung und Parlament besorgt sein, daß Oesterreich nicht etwa ein volkswirthschastliches Canossa oder Königgrätz erlebe. Möge die Kabinettsbildung wie immer aus-sallen, in der heute erösfneten Session werden den Trägern des Finanz- und des Handelsportefeuilles wichtige Rolle» zugetheilt werden, möge daher die Wahl der zur Action Berufenen eine für Oesterreich und seine Steuerträger glückliche sein! Die ungarische Thronrede, womit am 20. d. der ungarische Reichstag von Sr. Majestät dem Kaiser und König eröffnet wurde, lautet im deutschen Texte, wie folgt: „Geehrte Herren Magnaten und Abgeordneten, Liebe Getreue! Wir begrüßen Sie an der Schwelle dieser neuen legislativen Session, und zwar mit um so größerer Freude, je mehr Wir die Nothwendigkeit Ihrer weisen, kräftigen ^nd patriotischen Unterstützung unter den gegenwärtigen Verhältnissen fühlen. Infolge jener Lage, in welcher sich die Regierung des Landes gegenwärtig befindet, können Wir nicht auf jene wichtigen Agenden Hinweisen, welche Ihre Thätigkeit in Anspruch nehmen werden. Doch im Gefühle der Wichtigkeit dieser Agenden werden Wir dafür Sorge tragen, daß die Regierung des Landes je eher sich in der Lage befinde, dieselben bezeichnen und an deren Erledigung den verfassungsmäßigen Antheil nehmen zu können. Bei dieser Gelegenheit lenken Wir blos auf jene zwei Gegenstände Ihre Aufmerksamkeit, deren wenigstens provisorische Erledigung in möglichst kurzer Zeit nothwendig ist. Der eine ist die auf die Wehrkraft Bezug habende Verfügung; der zweite ist die mit den Königreichen Kroazien und Slavonien abzuschließende finanzielle Convention, da die Wirksamkeit der dieselbe regelnden Gesetze mit Ende dieses Jahres abläuft. Ihre Weisheit wird den Weg finden, auf welchem diese Angelegenheiten so erledigt werden können, daß weder deren verfassungsmäßige Leitung auf Hindernisse stoße, noch aber deren definitive Lösung mit einer ihrer Wichtigkeit nicht angemessenen Eile bewirkt werden müsse. — Auf dem Kongresse zu Berlin haben Wir in Bezug auf die Occupation und Verwaltung von Bosnien und der Herzegowina ein europäisches Mandat angenommen. Wir müssen Unser Bedauern darüber ausdrücken, daß die Lösung dieser Aufgabe im friedlichen Wege nicht bewirkt werden konnte. Dank der die größte Anerkennung verdienenden Haltung Unserer ta-psern Armee, kann der erste Theil dieser Aufgabe heute schon als beendet betrachtet werden. Es gereicht Uns zur Beruhigung, auch bis dahin, als Ünser Minister des Aeußern nächstens vor den hiezu berufenen Corporationen die eingehende Aufklärung wird geben können, Ihnen mitzutheilen, daß das gute Einvernehmen, in welchem Wir mit fämmtlichen Mächten stehen, Uns die Hoffnung gestattet, daß der rückständige Theil der Aufgabe mit größter Schonung der Opferwilligkeit Unserer geliebten Völker wird effectuiert werden können. In dieser Hoffnung und im Vertrauen darauf, daß Ihr Patriotismus, Ihre Weisheit und Mäßigung auch während dieses Reichstages die Wege und Mittel finden werden, welche zum Wohle und Aufblühen Unseres geliebten Ungarns dienen, erklären Wir hiemit den Reichstag für eröffnet. JeuiLeton. Die neue Erziehung und ihr Recht. (Fortsetzung.) Der praktische Beweis für das Recht der neuen Erziehung ist zu suchen mittelst Prüfung der Wirkungen, welche dieselbe aus unser häusliches und öffentliches Leben ausübt. Können wir Nachweisen, daß diese Wirkungen gute sind, daß durch diese neue Erziehung das Familienleben veredelt, das gegenseitige Verhältnis der Familien gehoben, die Sittlichkeit gefördert und somit der häusliche und öffentliche Wohlstand auf festere Grundlagen gestellt wird, als es durch die alte Erziehung möglich war, so wird es jeder vernünftige Mensch für eine Thorheit erklären, das Recht dieser neuen Erziehung m Frage zu stellen. Und ich glaube, daß sich dieser Beweis führen läßt, so jung auch noch diese neue Erziehung ist. Der einzige Sohn des bereits genannten großen deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der jetzt als 80jähriger, geistig aber immer noch sehr rüstiger Greis in Stuttgart lebende und ununterbrochen noch schriftstellerisch für die Fortbildung der Philosophie wirkende Immanuel Hermann Fichte, hat in seiner Schrift über „Nationalerziehung" den sehr wahren Ausspruch gethan, daß alle Fragen, welche unsere Zeit bewegen, zusammenlaufen in der Erziehungsfrage. Werde diese gelöst, so müsse das den wohlthätigsten Einfluß auch aus die Lösung aller übrigen üben. Lassen Sie mich das an den drei Hauptfragen unserer Zeit, der kirchlichen, politischen und der socialen, noch mit einigen Worten darthun. Die kirchliche Frage besteht für unser Vaterland gegenwärtig darin, ob sich nicht ein solches Verhältnis zwischen den einzelnen Consessionen Herstellen läßt, welches den öffentlichen Religionsfrieden auf unerschütterliche Grundlagen stellt und die Wiederkehr von Religionskriegen unmöglich macht; und ob die Kirchen, respective deren Geistliche, nicht dazu bewegt werden können, freiwillig und aufrichtig, ohne die Anwendung des bekannten „Kanzelparagraphen", unsere modernen Rechts-Ordnungen und Kulturverhältnisse anzuerkennen. Was bisher vonseite der liberalen Theologen zur Lösung dieser Doppelfrage geschehen ist, müssen wir bei näherer Betrachtung für unzureichend erklären. Denn es hat sich dadurch keineswegs die alte Unart, man kann sagen, die Erbsünde der Theologen beseitigen lassen, diesen geistigen Kampf als Parteikampf zu führen und Waffen in Anwendung zu bringen, die den Grundforderungen der Gewifsenssreiheit und Toleranz nicht entsprechen. Wir müssen daher, wenn wir zum Ziele einer friedlichen Lösung dieser Wirren gelangen wollen, einen Standpunkt suchen, der außerhalb des theologischen Parteikampfes liegt, einen Standpunkt, der für alle Menschen, ohne Unterschied der Con-sessionen und der theologischen Parteien, stets von gleicher Wichtigkeit ist, einen Standpunkt, von welchem aus wir auch mit Sicherheit auf jene streitlustigen Geister beruhigend und ernüchternd einwirken können. Dieser aber ist kein anderer, als der pädagogische Standpunkt. Gelingt es uns, diesen zur verdienten Geltung und zur allgemeinen Anerkennung zu bringen, so wird den kirchlichen Parteiführern der Succurs bald entschwinden. Die Eltern werden einsehen, daß ihre Kinder zu etwas Besserem bestimmt sind, als zu päpstlichen Zuaven Vom Occupationsschauplatze. Die Festung KladuZa Velika in der Krajna hat, nachdem gegen sie 76 Kanonenschüsse abgefeuert waren, kapituliert. Die Festung Bu-zim ist durch die kaiserlichen Truppen cerniert und wird ohne Zweifel ebenfalls demnächst kapitulieren. Zur Durchführung der Repatriierung der in Oesterreich - Ungarn internierten bosnischen Flüchtlinge werden als Spezialkommissäre von hier entsendet: Markoviö nach Baujaluka, Kasu-movik nach Livno, Zaknla nach Bihac; die Repatriierung wird bis Ende November voraussichtlich durchgeführt sein. Der „Pester Lloyd" berechnet die Reduc-tion am Präsenzstande des Heeres, welche sich c>"s der Demobilisierung der Occupationsarmee ergibt, auf 58,000 Mann. Die sieben Divisionen, welche in den occupierten Ländern verbleiben, repräsentieren nach der Standesherabsetzung noch 86,000 Mann mit 312 Feldgeschützen und Bergkanonen. Jede Infanterie- und Jägerkompaguie ist 163 Mann stark. Die ans Bosnien herausgenommenen Truppen werden zum nicht geringen Theile den Winter über in Kroazien und Sla-vonien Cantonnements beziehen. Die Rückversetzung des FZM. Freiherrn v. Philippovich auf seinen früheren Posten als Kommandierender von Böhmen soll im nächsten Monate, wahrscheinlich bei Gelegenheit des Herbst-avaucements, erfolgen. Dieses Avancement wird diesmal keineswegs schon im Oktober, son-dern erst im Anfänge des November, etwa zwischen dem 3. und 6., erscheinen. Dasselbe dürfte auch die Ernennung des FZM. Herzogs von Württemberg zum Kommandierenden der zweiten Armee und die Ernennung des FML. Baron Ramberg zum Kommandierenden von Galizien und der Bukowina bringen, an Stelle des Generals der Kavallerie Grafen Neipperg. Letzterer wurde ^kanmlich zuin Nachfolger des in den Ruhestand trete.^en Fürsten Montenuovo als Hauptmauu drr Trabanten-Leibgarde ernannt. Von den beiden anderen Kommandanten der aufgelösten Corps übernimmt FML. R. v. B ien erth das Truppeu-Divisions- und Militärkommando in Krakau und FML. Graf Szapary das Truppen-Divisions-und Militärkommando in Triest. Ueber das Barackenlager bei Serajewo liegt der „Bosn. Korr." folgender Bericht vor: Das buntbewegteste Leben herrscht seit der Einnahme Serajewo's am Westende der Stadt, dort, wo einzelne Vorstadthäuser und Villen — na« Irlich im türkischen Sinne — sich längs der g 100 d. Reichsmark Silber............. I Geld Ware 109— 117— 253 5V 67— 112 75 108 50 92 75 97 50 92 75 92 102 25 84— 10025 85 25 63 50 159 50 111— 93 75 160— 14'-- 109 50 117-50 254-5V 67 25 113— 108— 93 — 97 75 93 — 92 25 102 75 84-25 100 75 85 50 64'— 160'— 111 50 94'- 160 25 1450 117 35 117 40 5 62^ 9-40 58 05 99 95 5 63 941 5810 100 — Telegrafischer Kursbericht am 22. Oktober. Papier-Rente 60 75. — Silber-Rente 62 30. — Gold-Rente 71-30. — 1860er Staats-Anlehen 11150. — Bank-aetien 789. — Kreditaetien 224 75. — London 117 60. — Silber 100-—. — K. k. Münzdukaten 5'63. — 20-Francs-Stücke 9'42. —100 Reichsmark 58-13. Dr«« v»n Jg. »- Klein« »vr » Fed. B-mber,. Verleger: Ottomar B » mber -. Für die Redaetion verantwortlich: Fran, Müller.