Vränuinrrations-Prrisc: Für Laibach: •«ntättig . . . 8 fi. 40 tr. Halbjiihrig . . . 4 „ 20 „ 8itrteliäfyng. . » >, 10 „ «»»»ttich . . . — , 70 „ Mit ber* Post: d»,jährig . . . ii fi. - kr. Halbjährig . . . 6 „ 60 „ dlerteljährig. . 8 » 75 „ Mt Zustellung in« Hau« eiertet* Laibacher iihrig 25 tr., monatlich 9 kr. Einzelne Nummern 6 Ir. Tagblatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. RcNktien vahnhosgasse Nr. 13z. LkpcdiUo» und Znseratcn-vurcau: »ongreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung von 0. v.Kleinmayr & F. Bamberg). Jnserlionsprcise: Öttr bie einspaltige 'Dctitjcile 3 kr bei zweimaliger Einschaltung L 5 kr dreimal 4 7 Tr. Onfevtienüftemtel jedeSmal 30 kr. Bei größeren Inseraten und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. Nr. 262. Mittwoch, IS. November 1871. — Morgen: Othmar Abt. 4. Jahrgang. Andrassy's Programm. Das Preßbureau hat zwar beim ersten Auftauchen der Reichskanzlerkrisis daS Schlagwort aus-gegeben, es handle sich blos um einen Personen-unb nicht auch um einen Systeimvechsel, dessenungeachtet wird tu cm gut thuit, den Sinn dieser Versicherung nicht allzu genau zu nehmen. Es wird vielmehr an der Zeit sein, die Stimmen über die Krisis, welche diesfalls aus dem Deakistischen Lager, wo man weniger zugeknöpft ist, als bei uns, herüberdringe», einige Aufmerksamkeit zu schenken. So bringt die „Berliner National-Zeitung" von einer Deakistischen Notabilität zu der Berufung Andrassy's nach Wien folgende Randglossen: „Es wird eine Menge buntes Zeug zusammengeschrieben über die persönlichen Sympathien des Monarchen, über die „unhaltbar gewordene Stellung" des Grafen Benst und dergleichen mehr, während der wirkliche Grund der Krisis in der Natur der Dinge liegt und die naturgemäße Folge jener Begebenheiten ist, welche wir in bin letzten Wochen erlebt haben. Nehmen wir die Ereignisse von dem Punkte auf, wo Graf Hohenwart auf dem Gipfel seiner Macht stand und Graf Andraffy sich demonstrativ nach seinem Gute Terebes zurückzog. Was geschah? Die Kroaten erklärten, daß sie von dem Ausgleich mit Ungarn nichts mehr wissen wollten, und wenn man ihnen bie Folgen ihres Vertragsbruches auseinandersetzte, so verlachten sie biese primitive Auffassung, als wenn unter einem Hohenwart bie Kroaten etwas zu befürchten hätten! Kaum baß bie Kroaten gesprochen, loberte ber Ausstanb in der Grenze in hellen Flammen auf, und wäre Feld-marfchall-Lieutenant Molinary fein „verläßlicher" Freund beS Grafen Anbrassy gewesen, so hätten wir heute beit Bürgerkrieg in Ungarn. Graf Hohenwart ging uttb bie Kroaten kriechen zu Kreuze. ES ist also erwiesen, baß ber Föderalismus in Oesterreich sofort die zentrifugalen Elemente Ungarns in Thätigkeit setzt und die Integrität der Stefanskrone gefährdet. Dieser Umstand mußte de» Grasen Attdrassy selbstverständlich auf bttt Gebauten bringen, daß vor allem solche Zustände in Oesterreich-Ungarn geschaffen werden müssen, bie eine Rückkehr zu föderalistischen Tendenzen unmöglich machen. Die einzige Garantie gegen die Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse liegt in ber Entwicklung ber Ausgleichsgesetze in zentralistischer Richtung. Die Organe der Gesammtmonarchie müssen gekrästigt und ihr Ansehen muß gehoben werden. So lange die konstitutionellen Pflichten der Reichsregiermig und der Delegationen nicht scharf präzisirt erscheinen, wird es immer möglich sein, in der einen Hälfte der Monarchie den Geist der Verfassung zu verletzen und hiedurch das ganze System, welches die Grundlage des Reiches bitbet, über beit Haufen zu werfen. Anberseits konnte Graf Anbrassy sich nicht verheimlichen, baß Ungarn eine Kräftigung ber Reichs-regteruttg blos in bent Falle bulben würbe, wenn es zugleich ben ihm gebührenden Einfluß auf bie gemeinsamen Angelegenheiten des GesamintreicheS erlangen könnte. Andraffy betont in seiner letzten Rede im ungarischen Reichstag die Einheit des G e s a tu in t r e t ch e 3 , indem er auf die Einigung Deutschlands hinweist, wo ein „praktischer Staatsmann," die Schlagworte der Tagespolitik beseitigend, nur das große Ziel vor Augen hielt. Wir stehen also an der Schwelle einer „neuen Aera," wo bie Zentralregierung mit starker Hand geführt werden wird, wo man aber zugleich den Ungarn einen wirklichen (unb nicht wie bis jetzt einen papierenen) Einfluß auf bic österreichisch-ungarische Diplomatie einräumt. Eine solche Entwicklung ber Frage mußte natürlich ben Rücktritt beS Grafen Beust unb bie Ernennung eines Ungar« zu bem Posten eines Ministers bes Auswärtigen zur Folge haben." Auch ber „Pester Lloyb," bekanntlich bas Haupt-organ ber Deakpartei, bespricht bie von Anbrassy in seiner nunmehrigen Stellung zu löseitbe Aufgabe. Nach Angabe des „P. Ll." besteht sie darin, „zunächst zwischen den Grundprinzipien der zis- und trans-leithanischeu Politik, dann aber auch zwischen ber gesummten innern unb äußern Politik ber Monarchie bie vollste Harmonie herzustellen." Es wird im weitern Verlause des Artikels als unzulässig erklärt, drüben parlamentarisch, hüben höchstens scheinkonsti-tutionell, hier föderalistisch, dort im entgegengesetzten Sinne zu regieren; es gehe nicht an, eine konsequente auswärtige Politik machen ztt wollen uttb im Innern von Experiment zu Experiment zu schreiten, ja gi> rabezu von einem Extrem ins andere ztt verfallen." Der „Lloyb" klärt uns auch barüber auf, wie biese» schöne Ziel zu erreichen sei, wie Ungarn burch seinen Liebling Anbrassy ber schwierigen Aufgabe gerecht zu werben gebenft. Der „Parlamentarismus," sagt er, „ber in Ungarn so feste, unausrottbare Wurzel geschlagen hat, muß auch in der ändern Hälfte des Reiches endlich einmal zu gefestigter, dauernder Existenz gelangen." Dazu bedürfe es zunächst auch bei uns einer parlamentarischen Majorität. Die Deutschen müssen der Kern derselben sein; aber sie allein bil-ben noch nicht bie Majorität unb sie werben eine solche auch nicht zu Stanbe bringen können, so lange sic ben Krieg gegen alle anberen Nationalitäten führen wollen unb obenbrein auch noch mit der Krone nicht Frieben zu halten wissen. Eine Gefahr für die Deutschen könne in einer versöhnlicheren Politik nicht liegen; sie feien an Zahl zwar nicht allen ändern Nationalitäten zusammengenommen überlegen, wohl aber jeder einzelnen derselben; sie seien reich an Besitz wie an Intelligenz, an allen Vorzügen bes Geistes wie bes Herzens. Eine solche Nationalität habe nicht nur für sich nichts zu fürchten, sie müsst im Gegentheil eine unwiderstehliche An- Feuilleton. Zwei Bücher Chronika. Ans dem Jahre 1870—71. (Schluß.) Da zerriß Napoleon seine Kleider, uttb sein Zorn ergrimmte, bieweil bie Stämme geringe achteten seinen Willen. Unb er ging hinein in seine Kammer unb räucherte seinen Götzen Prestige unb Glorie, unb et berief seine Zauberer unb Zeichendenter, dessel-bigengleichen anch feinen Feldhauptmann. Der Name feines Feldhauptrnannes war Le. boeuf, das ist verdolmetschet: „Rindvieh." Der Name aber bes fflrnehmften unter ben Zauberern war Olivier, das ist verbolmetfchet: „Baumöl." Unb ba sie nun versammelt waren in ber Kammer Napolii, erhob berselbige seine Stimme unb rief: „Rinbvieh!“ unb Leboettf antwortete unb sprach: „Hier bin ich." Unb Napoleon sprach: „Rinbvieh, Lieber, so du bist mein Frlbhauptman, sage mir an: Ist auch mein Arm stark genug, auf baß ich zerschmeiße bie gredins von Jenseits?" Unb Leboeus antwortete unb sprach: „Versteht sich, am Raube, Majestät." Unb Napoleon fragte wieberum : „Rinbvieh, Lieber, habe ich auch Roß unb Reisige, Schwerter uttb Felbschlangett genug — benn siehe ihrer finb viele?" Unb Leboeus antwortete unb sprach: „Majestät, ich habe alles feit langem bereit, unb siehe, es fehlt auch kein Gamaschenknopf für brei Jahre." Deß würbe Napolii Herz froh unb er sprach: „So ba nicht fehlet ein Gamaschenknopf, wie bu mir gefaget hast, siehe, so kann'S losgehen, benn alles anbere ist Spielerei." Er gebachte aber nicht in seinem Herzen, baß ber Gamaschenknopf eS nicht allein thut, sintemal er ist nur ein elenbeS Stücklein Knochen. Unb abermals that er feinen Munb auf unb rief: „Baumöl!" unb Olivier antwortete unb sprach: „Siehe, hier bin ich, dein Knecht." Baumöl aber hatte ein gar leichtes Herz, unb er war voller Lug unb Tücke unb war fein Gewissen in ihm, soweit wie er warm war. Unb berfelb’ge Baumöl glitt mit Napoli» in feine Kammer unb rebete ihm zu, heimlich, auf baß es nietnanb höre, unb sprach: „Eure kaiserliche Majestät wissen, baß wir un« nichts übet zu nehmen brauchen, fintemal wir beide ein paar ganz gemeine Lumpen sind; vernimm daher bie Worte meines Mundes, benn siehe, ich kann dir ja auch einmal die Wahrheit reden." Unb Napoleon antwortete unb sprach: „Rau» mit ben wilden Katzen." Unb Baumöl sprach: „Ew. Majestät wissen sonber Zweifel, wie stinkettb bu vor bem Volke geworden bist; unb es fei benn, baß bu einen gehörigen Krieg machtest, um bie Kinder ber Kebsweiber zu beschäftigen, sonst wirb dein Stuhl aus bem Leime gehen unb bu Umfallen." Unb Napoleon entsetzte sich baß, ba er solche Rebe vernahm, und sprach: „Eh bien, lasset un« Krieg machen, einen Krieg, ber uns siegreich sei, auf baß mein Volk Knochen genug zu ttagett kriege. Denn so sie müssig bleiben, möchten sie viel- ziehungSkraft mindestens auf einen großen Theil der ander» Nationalitäten üben, und sie werde unter diesen Bundesgenossen genug finden, wenn sic nur suchen wolle — jedenfalls so viele, um im Vereine mit ihnen eine Majorität herzustellün, die eine wirkliche parlamentarische Regiernng ermögliche. Die Minorität werde sich dann hoffentlich fügen, wie es das Gesetz erheische. Wenn sie aber den Boden des Gesetzes verlasse, wenn sic auswärts Hilfe zu suchen unpatriotisch genug wäre, dann werde sich kaum jemand finden, der ihren unberechtigten Schmerzensschrei zu erhören geneigt wäre. Fände sich aber ein solcher, dann werden die Majoritäten hübe» wie drüben stark genug sei», solch' ei» Sittentat al>-zuwchrc», zumal, wenn hinter ihnen noch ein mächtiger Bnndeöge»osse stünde, der, im äußersten Falle, dem srevlerisch angegriffenen Thcilc beiznspringen entschlossen wäre. Bon diesem Gesichtspunkte, so schließt der „Lloyd" seine» Artikel, müßte die gesammte innere wie äußere Politik der Monarchie ausgehen, um endlich einmal der entsetzlichen Zerfahrenheit ein Ende zu machen, um ein harmonisches Zusammenwirken aller Kräfte nach einem gemeinsamen Ziele hin zu ermögliche», und wir fügen hinzu, wir können uns mit diesem Programme des Grafen 2Iit-brasst) mir einverstanden erklären._____________________ Politische Rundschau. Laibach, 15. November. Inland. In der heutigen „Wiener Ztg." erwartet man die Veröffentlichung der kaiserlichen Handschreiben, durch welche Gras Andrassy zum gemeinsamen Minister deö Aenßern und des kaiserlichen Hauses, Graf Lonyay zum ungarischen Ministerpräsidenten ernannt wird. Wie telegrafisch gemeldet, haben beide bereits den Eid in die Hände Sr. Majestät abgelegt. Wie ans Pest berichtet wird, ergriff Graf .Andrassy beim feierlichen Abschied vom Deakklub das Wort zu einer Ansprache, in welcher er auseinandersetzte, er werde in Wien wie in Pest der Dynastie, Ungarn und der Gesammtmonarchie dienen, und bat, seinen Nachfolger wie ihn selbst kräftigst zu unterstützen. Ferner heißt cs, daß sämmt-liche Gegner Lonyay's in der Dcakpartei durch den persönlichen Einfluß Deak's und Andrassy's bekehrt wurden. Die Partei stehe nun dem neuen Ministerpräsidenten geschlossen zur Seite, die Ucbcrem-stnmnnng zwischen Andrassy und Lonyay sei vollkommen hergestellt. Zu der vorhandenen Krisis in Oesterreich ist, wie die „Pr." meldet, in den letzten Tagen noch eine neue hinzugetreten, welcher jedenfalls mehr Be de.utung bcizulegen ist, als dies vielleicht minder Ein geweihten erscheinen dürfte; es ist dies die Krisis in der Kabinctskanzlci des Kaisers. Es ist bekannt, daß der Name des StaatSrathes von Brau n wiederholt bei Anlässen genannt wurde, welche mit den Funktionen eines kaiserlichen Kabinctsdirektors auch nicht im entferntesten Zusammenhange stehen. So ist es ein öffentliches Gcheimniß, daß Hofrath von Braun mit zu den Erfindern des Ministeriums Hohenwart gehörte, wie es nicht minder bekannt ist, daß derselbe Freiherr v. Brann, anläßlich der zwischen dem gemeinsamen Ministerium und Hohenwart ausgebrochcnen Krise eine neuerliche erfolgreiche Thätigkeit, und zwar diesmal zum Sturze des früher von ihm beschützten Ministeriums entfaltete. Damit nicht genug, soll dieser Herr auch bei den heute noch in Dunkel gehüllten Jntriguen, welche den Fall des Grasen Beust zur Folge hatte», eine keiiieSwegö zu unterschätzende Rolle gespielt habe». Gerade Beust soll es gewesen sei», welcher dein Monarchen rückhaltslos seine Anschauungen hinsichtlich des maßlosen Hinausgreifens des Kabinetsdircktors über den ihm zustehenden Wirkungskreis darlegte, ein Hinausgreisen, das schon wiederholt de» Charakter einer Ncbcn-regierung annahm, welche die jeweilig im Amte befindliche beirrte und schädigte. Diese Krisis in der Kabinetskcmzlei soll nun demnächst in einer die öffentliche Meinung beruhigenden Weife ihr Ende erreichen, nämlich mit der Entlassung des Freiherrn v. Braun — des enfant eMri der feudalen und klerikalen Kreise — vom Amte eines Direktors der Kabinetskanzlei. Hofrath Depont aus dem auswärtigen Amte soll an die Stelle Braun's Vorstand der kaiserlichen Kabinetskanzlei werden. Bisher hatte der Hofrath im Ministerium des Aenßern das orientalische Referat. Recht erbaulich klingt, was der „Wanderer" über Ministerkrise Nr. 1, die zisleithanische, meldet. Der Kaiser, erzählt das genannte Blatt, habe den Baron Kellersperg aufgefordert, ein Programm vorzulegen. Das habe Kellersperg gethan, fein Programm liege seit einer Woche in der kaiserliche» Kabinetskanzlei, sei aber noch nicht genehmigt. Den Auftrag zur Bildung eines Ministeriums habe Kellersperg überhaupt noch gar nicht erhalten I Wenn der „Wanderer" out informirt wäre, so stünden wir also noch nicht einmal am Anfang des Anfangs. Außer der derbe« Abfertigung, welche der Brief K o s s u t h ' s von Seite des „Naplo" erhalten hat, stößt die czcchcnsreundliche Manifestation des Ex-DiktatorS auch in den Reihen der gemäßigten Linken auf Widerspruch. So meint Jokai im „Hon": „Ungarn dürfe sich weder aus 'tseite der Deutschen, noch — wie es Koffnth zu empfehlen scheine — auf Seite der Ezechen stellen. Beide mögen thun und lassen, was ihnen beliebt, und wenn sie unsere Gegner wurden, so sei das noch immer besser, als wenn wir selbst unsere Gegner würden, das heißt, wenn wir im Lande selbst eine Agitation hervorrufen, die gefährlicher wäre, als der Panflavisrnns liebst feinen sämmtlichen Anhängern." leicht unnütze Rathschlage wider mein gesalbtes1 Haupt machen." Da aber die Hähne vernahmen, daß cs in drei Teufels Namen losgehen sollte, wurden sic sehr freudig und sangen und spielten auf allen Gassen mit Zym-betn und Pauken, Flöten und Geigen, Harfen und allerlei Saitenspiel. Und sie liefen umher wie die jungen Esel und schrieen: „Vive la France!“ das ist verdolmetschet „o, du armes Frankreich!" und andere schrieen: ä Berlin, ä Berlin! das ist verdolmetschet: „Einzug der Verbündeten in Paris." Es waren aber etliche besonnene Männer, die zerrissen ihre Kleider und streuten Asche auf ihr Haupt und traten unter das Volk und sprachen: „Ihr Männer, lieben Brüder, lasset uns auch recht bedenken, ob wir alle Chanßen für uns haben und keine wider uns, ehe wir das Schwert ziehen." Sie wurden aber noch viel toller, tobten und schrieen: „assez! assez!.“ das ist verdolmetschet: „siehe, uns juckt das Fell!" Und um dieselbe Zeit versammelte Napoleon seine Kriegsleute und seinen reisigen Troß. Und er versammelte auch seine Kriegswagen und Feldschlangen, aus denen eherne Kugeln geworfen werden und Feuer und Schwefel. So aber ein Mann getroffen wird von solcher ehernen Kugel einer, so läuft es in der Regel schlimm für ihn ab. Und da Napoleon hinausging vor das Thor, besah er sich allen seinen reisigen Troß, und siehe: es fehlte kein Gamaschenkuopf. Und er sprach: „Tiens, das Rindvieh hat mir die Wahrheit geredet, darum möge es in drei Teufels Namen losgehen." Und er sprach zn feinen Kriegsknechten: „Ans, lasset uns ziehen stracks gen Berolinum, und so wir ansziehen vom Marsfeld mit dem Neumond, so sind wir unter den Linden mit Vollmond. Und er gebot, daß der Feldzug in der Chronik des Reiches geheißen werde: „promenade militaire a Berliu,“ das ist verdolmetschet: „Gefangenschaft von 1000 mal 1000 Franzosen, Rückgabe des Elsaß und Lothringens und 5000 mal 1000 mal 1000 Silberlinge Kriegskosten." Die Nationalen in K r o a t i e tt beobachten eine abwartende Stellung, aber abgerüstet wird keineswegs. Der Raßenhaß gegen Ungarn wird mit dem alten Eifer fort geschürt, und die unionssrenndlicheit Journale werden mit einer Fluth von Schimpfworten, wie „Preßdetyaren" oder Gaunerbande«," überschüttet. Die bittere Gehässigkeit gegen Ungarn soll durch diese Auslassungen offenbar in Permanenz erhalten werden, um im geeigneten Momente aus der „Ruhe des dumpfen Grolles und der gezwungenen Zurückhaltung" hcrauszntrcten. Ausland. Dic Besprechung der durch den Sturz des Grafen Beust geschaffene» Situation dauert auch in den auswärtigen Journalen unausgesetzt fort. Die Berliner Blätter fragen sich vor allem, ob das freundnachbarliche Verhältnis), wie es unter Bcnst zwischen Oesterreich und Deutschland bestand, unter seinem Nachfolger unverändert werde weiter gepflegt werden können. Die „Vossische Zeitung“ meint Ja; wenigstens fürs erste könne man darüber vollständig beruhigt sein, weil eben Oesterreich mit oder ohne Bcnst nothwendig auf ein gutes Einvernehmen mit dem starken deutschen Reiche angewiesen sei und überdies vom Grafen Andrassy feilte deutschfeindliche und kriegerische Politik zu erwarte» sei. Ja der „Vossische» Zeitung" scheint sogar, daß Gras Andrassy mit Bismarck „mehr aus einem Geiste" handeln kann, und da die Leitung der auswärtigen Politik Oesterreichs gegen eine österreichisch-russische Intimität schützen könne, so werde Deutschland durch die neueste Wendung hoffentlich nichts verlieren. Die nichtdeutschen Blätter befassen sich nicht minder lebhaft mit Oesterreich. Besonders aufmerksam verfolgt das „Journal de St. Pete r s b o u r g, Gortschakoss's Sprachrohr, den Verlaus der Dinge in Wien. Die Nachricht, daß Andrassy genau dieselbe Politik befolgen werde, wie Beust, nimmt es mit sehr ungläubiger Miene auf. Durch die Berufung Andrassy's und dessen Einmischung in die zisleithanische» Angelegenheiten hält es auch den Dualismus für durchlöchert. Das dualistische Prinzip habe einen starken Stoß (ime grave atteinte) erlitten. Die in Rom erscheinende „Italic" meint, Benst's Rücktritt könne niemanden befriedigen, wohl aber müsse er allgemeine Mißstimmung zur Folge haben. Seit Beust gefallen, sei Oesterreich in die Aera des Verfalles (ere de döcadence) eingetreten. Seit 1848 lebe Oesterreich nur von Experimenten; cs werde ihm gehen wie den Alchy-misteit, die bei ihrem Suchen nach dem Mittel, wie man Gold mache, schließlich sich ganz ruinirten. Von dem Unsinn, welchen die Pariser Blätter aus Anlaß der Demission Beust's zum Besten geben, nur eilte Probe: Die „Libertö" erblickt in diesem Ereignis? das „Ende deö Dualismus" und ruft triuinsirenb aus: „Die Sache der Ezechen ist ge- wonnen. Ehe ein Jahr vergeht, wird der Kaiser von Oesterreich sich in Prag krönen lassen, wie er es in Pest gethan; er wirb aus seinem Haupte die Krone des heiligen Wenzeslaus und des heiligen Stefan vereinigen; Galizien wird sich feiner Autonomie erfreuen und der Embryo des neuen Königreichs Polen werden. Die Ungarn, die Siebenbürger und die Kroaten werden vereinigt bleiben, und Oesterreich wird groß und stark sein. Das vereinsamte, besiegte und verstümmelte Frankreich wird endlich in Oesterreich einen Bundesgenossen finden, der dem Recht und der Gerechtigkeit gestattet, dem unverschämten Glückswagen, auf welchen sich Preußen setzt, mit der uus abgenommenen Beule spreizt, in die Zügel zu fallen. Ungeachtet aller Demeuti's scheinen sich in Versailles wichtige Dingevorzubereiten. Thiers bereitet eine die Verfassung betreffende Vorlage vor, nur sind die Journale über den Inhalt derselben nicht einig. Während die republikanischen Organe nichts geringeres als die definitive Einführung der Republik erwarten, meinen die Journale der Gegenpartei, daß es sich hier blos um eine partielle Ertteue-ruug der Kammer durch Neuwahlen handle. Der offiziöse „Bien Public" schreibt darüber: „Es i|t richtig, daß mehrere Deputirte oder Deputirten-gruppen dem Systeme der theilweisen Erneuerung der Kammer geneigt sind. Schon vor den Ferien wurde ein Antrag dieser Art von den Herren Jozon und Charles Rolland angebracht, aber wir haben aus keiner zuverlässigen Quelle vernommen, daß die Regierung sich mit einer Angelegenheit dieser Art beschäftig^ ____________________________________________ Zur Tagesgeschichte. Der neue Reichkanzler Graf Julius A n - tzrassy wurde am 8. März 1823 zu Z-mplin in Ungarn geboren als Sohn des seiner patriotischen Wirksamkeit wegen bekannte» Grafen Karol und der Gräfin Adelheid Andrassy, geb. Szapary. Nach Absol-tiining der Gymnasial- und Universitätsstudien begab sich Graf Julius auf Reisen und widmete sich, in sein Vaterland zurückgekehrt, frühzeitig der politischen Laufbahn, indem er sich der Partei der Reformer aufchloß. Schon 1847 zog er als Mitglied des Reichstages die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahre 1848 übernahm er als Obergespan des Zempliner Komi-tates die Führung des Zempliner Landfturmcö gegen die kaiserlichen Truppen und trat beim Ausbruch der ungarische» Revolution auf die Seile Kossuth's. Im Jahre 1849 snngirte er als Gesandter in Konstantinopel. Nach der gänzlichen Niederwerfung des ungQ’ rischen Aufstandes wurde Graf Aubrafly nebst vielen anderen in contumaciam zum Tode verurtheilt. Nach einem längeren Aufenthalte in Paris konnte Andrassy, nachdem seine Mutter die Begnadigung erwirkt halte, nach Ungarn zurücffehren (1860). Nach dem Oktoberdiplom trat Andrassy als Deputirter des Zempliner Wahlkreises abermals in den ungarischen Reichstag ein und schloß sich rückhaltslos der Deakpartei an. Bel Eröffnung des neuen Reichstages am 10. Dezember 1865 wurde Graf Andrassy zum Vizepräsidenten und später zum Vorsitzenden des Siebenundsechziger-Aus-fchusses gewählt, welcher den Ausgleich zu behandeln hatte. Nach der Durchführung desselben wurde Graf Andrassy aus den Rath Deals am 17. Februar 1867 zum Ministerpräsidenten der zu bildenden verantwortlichen Regierung ernannt, die am 23. Februar 1867 ihre Wirksamkeit begann. Das weitere ist bekannt. — Tie jüngsten Wuthausbrüche der czechischen Prager Blätter werden noch überboten durch folgende reizende Leistung der klerikalen „Stimmen aus Mähren" : „Wird Andrassy Reichskanzler oder überhaupt Minister in Wien, so werden von Seile unserer Nation alle und jede Beziehungen mit Wien abgebrochen werden. Wien wirb für uns dann in Feindesland liegen, aus dem wir nichts empfangen und wohin wir nichts mehr tragen werden. Wir werden bann sehen, wer diesen Zustand am längsten auShalten wird. Steht Mähren jetzt ritiig zu Böhme», fo werden wir, die beiden steuerkräftigsten Länder der Mouatchie, die Entscheidung sehr bald herbeisühren. Wir brauchen jetzt zu unserer Opposition viel, sehr viel Geld, und wer uns Geld ajmehmen will, muß schon eine sehr große Armee nach Böhmen und Mähren schicken, eine größere vielleicht, als es das gespannte Verhältnis Oesterreichs zu Rußland für den Augenblick erlaubt. Unser Wahlspruch ist: bis zum Tode treu unserem angestammten König, ater fest wie Eisen in der Verteidigung unseres Rechtes und unserer Habe. Wir wollen nicht mehr für die Betyaren arbeiten!" — Pusterth a ler-Ba h n. Wie der Telegraf vor einigen Tagen meldete, ist auf der Pusterlhaler Bahn bereits die erste Probefahrt vorgenommen worden und sieht Kärnten nun in der nächsten Zeit der Schienenverbindnng mit der Tirolerbahn entgegen. Einige nähere Notizen über die Linie Franzensfeste-Villach dürften deshalb gegenwärtig von Interesse sein. Die Eröffnung desselben ist bekanntlich auf den 15ten November angesetzt und wird sie mit diesem Tage dem öffentlichen Verkehr übergeben sein. Die Linie hat eine Länge von 27 72 Meilen, von denen 13‘97 auf die Strecke Franzensfeste-Lienz entfallen; das Steigungsverhaltniß der Villach-Lienzerstrecke übersteigt nicht 1-200, während auf der Lienz-FranzenSsestelinie Steigungen von 1'40 vorkomme»; der kleinste Krümmungsmesser ist 900 Fuß. Bon Villach bis Lienz läuft die Bah» beinahe durchweg am Ititken Ufer der Drau, und mußten] bedeutende Uferschutzbauten vorgenommen werden. In dieser Theilstrecke kamen 7 Gitterbrücken vor. Bon Lienz läuft die Bahn anfänglich noch im Thale, bis sie 2 Meile» von Lienz bei der Ausweiche Mittewald die Bahn erreicht und durch die Gebirgsschlucht bei Abfaltersbach geführt wird. Dann übersetzt die Bahn die Dran, läuft am Ufer bis Unter-Biernbach, geht hier abermals an's linke Ufer und erreicht bei Toblach die Wasserscheide zwischen der Drau und der Rienz, ungefähr 3797 Fuß über de» adria-tischen Meeresspiegel. Bo» da geht die Bah» bis Bruueck. Bon hier bis Mühlbach verläßt die Linie unterhalb des letztgenannte» OrttS das Rienzthal und biegt über die sogenannte Schalserhöhe in das Eisackthal ein, wo sie endlich nach Paffirung der äußeren Forts der Festung Franzensfeste in die Brennerbahn einmündet. I» der Strecke Lienz-Franzensfeste kommen 5 Tunnels, 10 Gitterbrücken und mehrere gewölbte Brücken vor, wie auch bedeutende Uferschutzbauten und Flnßkorrekturen nothwendig waren. Die Bauausführung der ganzen Strecke Villach-Franzensfeste begann im Oktober 1869 und war bis im September 1872 zu vollenden, ist jedoch 10 Monate früher zu Stande gebracht worden. Auf dieser Linie befinden sich 2 Haltstellen und 24 Zwischenstationen. Die Bevölkerung längs der Pusterthalerbahn ist sehr gering; Industrie und Handel sind nicht besonders entwickelt; einige Eisenhütten und Erzeugung von Merkanülholz ist das Ganze; von dem letzteren gehen große Quantitäten nach Italien. LandwirthschaftUche Erzeugnisse flehen in erster Linie. Die gemästeten Thiere werden nach Italien, Baiern und Südtirol verkauft. An Zuchtvieh gehen nach der Schweiz alljährlich annähernd 25.000 Stück. Vielleicht widmet man nach der Eröffnung der Bahn der Getreideproduktion mehr Aufmerksamkeit als bisher. Der Transitverkehr dürste den bedeutendsten Faktor für diese Bahn abgeben. Die Strecke Billach-Franzens-fefte ist die kürzeste Verbindung des südlichen Theiles der österreichisch-ungarischen Monarchie mit der Schweiz und Frankreich und nach Herstellung der Bahn von Bosnien nach Salonich ein wichtiges Bindeglied des kürzesten. Verkehrsweges aus England nach dem Oriente. Wird dann noch die Strecke Billach-Tarvis vollendet sein, so ist auch die kürzeste Verbindungslinie zwischen Berlin und Triest hergestellt. — Das „Vaterland," bekanntlich ein katholisches Organ, macht in einer Polemik gegen den „Bolksf.," bekanntlich auch ein katholisches Organ, folgenden geistreichen Witz: „Der ..Volksfreund" geht auf diese Zu-sammenschrumpsung Oesterreichs ein! Hat nicht einen Rausch er?" Ist bas nicht pyramidal? Es schadet übrigens nicht, wenn man sich dergleichen Bübereien nvtirt, wenn vielleicht baS eine ober baS anbere katholische Organ wieber einmal von ber schlechten Presse und beni mianstänbigen Tone berfelben salbabert. Wun-ber nehmen können uns übrigens solche Dinge nicht. Seitdem der Kardinal Schwarzenberg in Prag sich bei Herrn Skrejfchofsky förmlich bedankte, daß die „Politik" den Kardinal Rauscher persönlich angreift, darf man von den Ultramontanen noch auf andere Dinge gefaßt sein. — Die königliche priv. bairische Ostbahn ließ an der neuen, im Bau begriffenen Linie Regensburg-Nürn-berg eine Höhle im Schelmengraben ausräumen, welche in vorgeschichtlicher Zeit die Wohnstätte von Menschen gewesen war. Zu diesem Zweck waren zwei Fachmänner von Stuttgart und München, die Professoren FraaS und Sittel, eingeladen, unter deren Leitung die Ausgrabung vorgenommen wurde. Die Höhle befindet sich zwischen Maria Ort und Etterzhausen im Jura-Dolomit und ward durch einen Felseneinschnitt der Eisenbahn blosgelegt. Ihr Inhalt bestand im wesentlichen aus Holzasche und Moderboden, erfüllt von Feuersteinwerkzeugen und Töpferscheiben aus der älteren Stein-zeit und untermengt von zahlreichen Zahn- und Knochenresten in Baiern längst verschwundener Thiere, wie Elefant, Nashorn, Löwe, Hyäne, Bär. Die Reste noch lebender Gattungen, wie von Hirsch, Reh, Schaf, Pferd, Ochse, sowie Beinwerkzeuge und Geschirre einer späteren Zeit waren jedoch theilweise mit den Resten aus der Steinzeit vermengt, was die Schwierigkeiten einer richtigen Deutung der Funde erhöht. — Wie weit in England die Redefreiheit geht, erhellt aus einer Ansprache, welche der bekannte republikanische Wllhlhuber Bradlaugh in Sheffield gehalten hat. Er gab zu, daß das englische Volk noch nicht für eine Republik vorbereitet sei, obgleich er hoffe, lange genug zu leben, um an einer republikanischen Regierung theilzunehmen. Zu einem jedoch feien er und feiue Freunde fest entschlossen, daß der Prinz von Wales niemals den Thron besteigen sollte. Er schlage vor, daß ein Regentschaftsrath ernannt werden sollte, aus dem Lordkanzler und aus zwei Richtern der höheren Tribunale bestehend; Herr Bradlaugh hatte für diese feine Grundsätze ein sehr dankbares Publikum und seine Rede wurde häufig von anhaltendem Beifall unterbrochen. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. — (Ernennungen.) Die k. k. Finanzdirektion für Ärain hat den quieszirten Staatsbuchhaltungs-Offizial Kajetan Sessel und den Finanz-RechnungS-Praktikanten Anton Svetek zu definitiven Rechnungs-Offizialen dritter Klaffe ernannt. — (Bermä chtn iß.) Der am 14. Oktober d. I. in Reifniz verstorbene Herrfchaftsbefitzer Herr Josef R n d e f ch hat in seinem Testamente vom 6ten Mai 1871 dem trainischen Krankenhausfonde ein Legat von 1000 fl. vermacht. Der LandesauSfchuß bringt dieses wohlthätige Legat dem ganzen,Lande zur dankbaren Erinnerung an den Verblichenen zur Kenntniß. — (Gefunden.) Im hiesigen Redoutensaale wurden nach dem letzten Konzerte 1 Schlüssel und 1 leinenes .Sacktuch gesunden. Verlustträger wollen sich bei Herrn A. Cant oni (Kassier der silharm. Gesellschaft) melden. — (Eisenbah ntraßirung.) Wie bie „Tr. Ztg." hört, hat das Handelsministerium die General-Inspektion der Eisenbahnen behufs Vervollständigung des Predilbahn-ProjekteS beauftragt, die Traßimng der von Görz durch das Vallonethal über Duino und längs der Meeresküste nach Triest führenden Alteruativ-Liuie vorzunehnien und gleichzeitig nach Maßgabe der verfügbaren Arbeitskräfte die Terrainaufnahme bezüglich der ihrer allgemeinen Richtung nach dargestellten Eisenbahnlinie Tratta-Lack-Sessana-Servola nebst der Fortsetzung bis zum Hafenquai in Triest durchzusühren. Ebenso hat das Handelsministerium die nach erfolgter Vorlage des Projektes der franko-österr. Bank zu bewirkende Ergänzung der technischen Vorarbeiten, für die istnaner Eisenbahnlinien Divazza-Pola und Confanaro-Rovigno genehmigt. — (Bestimmungen, betreffend die Einjährig-Frei willigen.) Anläßlich der bei der heurigen Schlußprüfung der Einjahrig-Freiwilligen zutage getretenen Mängel in der Abrichtung, so daß einzelne mit der Unteroffiziers-Distinktion versehene dieser Leute nicht im Stanbe waren, bie ersten Grundbewegungen kommandiren, viel weniger selbst aussühren zu können, ordnet das k. k. General-Kommando an, daß bei Verleihung der genannten Distinktion an diese Leute mit der gehörigen Strenge und Vorsicht zu Werke zu gehen sei, und baß die Ernennung der Freiwilligen zu Reserve-Ossizieren von dem Ausspruch desjenigen Offizierskorps, in welchem Regimente dieser Einjährig-Freiwillige dient, abhängig zu machen sei. — (Entwicklung der Stadt Triest.) Die „G. bi Triefte" wirft in einem, „Geschichte und Statistik unserer Heimat" übertriebenen Artikel einen Rückblick auf bie Entwicklung ber Stabt Triest, die von sehr bescheibenen Anfängen — Triest zählte 1768 nicht mehr als 7000 Bewohner — sich hauptsächlich durch zahlreiche Eimvaüberer, die den verschiedensten Nationalitäten angehörten, zu einem bedeutenden Han-delsemporium heranbildete. Unter diesen Einwanderer« spielte das deutsche Element von Anbeginn eine hervorragende Rolle, was sich schon aus der Thatsache ergibt, daß die der evangelischen Kirche Angehörigen einen eigenen Pfarrer hatten und in der St. Peters-kirche deutsche Christenlehre gehalten wurde. Auch eine deutsche Zeitung erschien bereits im vorigen Jahrhunderte in Triest. Was aber die gegenwärtigen Verhältnisse betrifft, so finden sich nach den neuesten Erhebungen unter der 123.000 Seelen zählenden Bevölkerung der Stadt und des TerritoiumS nur ungefähr 69.000 triester Gemeindezuständige, die aber ebenfalls bei weitem nicht alle hier geborene Triester Bürger, sondern eben nur Gemeindeangehörige sind. Es genügt übrigens, die Familiennamen Musterung pas. siren zu lassen, um auf den ersten Blick zu erkennen, wie groß die Zahl derjenigen hier ist, die nicht der italienischen Nationalität angehören. Am Schlüsse sagt die „©. bi Triefte," und wir stimmen ihr vollkommen bei: „Es weicht also von der Wahrheit ab, wer behauptet, daß unsere Bevölkerung eine ausschließlich italienische sei, und bei jedem Anlasse jeden Schritt, jede Maßregel bekämpft, die darauf abzielen können, die anderen Nationalitäten cuf die gleiche Stufe zu erheben und ihnen die Mittel zum Unterricht und zur Erziehung darzubieten. Die Zeit ist vorüber, in der eine Nationalität sich anmaßen konnte, die ändern zu absorbiren; alle sollen hier einträchtig Zusammenleben können, ohne Ueberhebuug, ohne Gewaltthätigkeit, da die Fahne, welche wir aufpflanzten, jene des Fortschritts ist, Fortschritt aber Freiheit in sich schließt." — (Der Föderalisten tag.) Der „Vaterland" bringt einen Artikel, in welchem der am 21. d. in Prag stattfindende „Föderalistentag" schon im vorhinein verherrlicht wird. Die Fundamentalartikel seien nun das positive Programm, um welches sich alle föderalistischen Fraktionen schaaren werden, und die Prager Konferenz werde die Folge haben, daß die Föderalisten einen gemeinsamen AktionSplan entwerfen. Dieser pompöse Artikel steht in einem wunderlichen Widerspruch mit den Meldungen, welche wir Uber diesen Föderalistentag erhalten. Hiernach werden sich am 21. November in Prag wahrscheinlich nur Czechen aus Böhmen und Mähren, höchstens noch ein paar unserer SloVenen versammeln, da von einer Betheiligung der Polen und Dalmatiner bisher nichts bekannt ist. Vor dem großen Föderalistentage braucht rs der Regierung. deS Kaisers nicht bange zu sein. Alle die kleinen Völkerschaften sind nur einig im Ne* giren der hervorragenden Stellung, die im natürlichen Laufe der Dinge Wien und die deutsche Bevölkerung im österreichischen Kaiserstaate eingenommen haben. Im übrigen stoßen ihre Ansichten unverträglich auf einander und es ist ihnen unmöglich, etwas gemeinsame«, da» irgend haltbar wäre, zu Stande zu bringen. — (U eb et otl Nationalitäten* Hader.) Aus Graz, 11. d., wird geschrieben: „Nicht genug, daß alle jene Kreise, welche der politischen Bewegung nahestehen, seit Wochen einer gereizten, erbitterten Stimmung anheimgegeben sind, die unsere friedliebende Bevölkerung früher nur vom Hörensagen kannte, nicht genug an dem. lassen sich Korporationen von der Be* wegung fortreißen, die zu ihrem eigenen Nutz und Frommen von derselben besser unberührt blieben. So tritt schon seit zwei Jahren an unserer Universität eine Spaltung der Studirenden in Deutsche und Slov «nen zu Tage, welche sich schon wiederholt in so heftiger Weise geäußert hat, daß die Verhältnisse an dieser doch nur den Wissenschaften geweihten Stätte nachgerade unleidliche werden. Gestern zum Beispiel gab eS wieder einen argen Tumult in der Aula, hauptsächlich hervorgerufen durch die ziellosen Anmaßungen slovenischer Studenten. Es galt einen neuen Ausschuß für den Unterstützungsfonds zu wählen, und als der Antrag der Slovenen, nach Nationalitäten zu wählen, mit Rücksicht auf das Statut, welches die Wahl nach Fakultäten noraut, abglehnt worden war, erhob sich wüstes Geschrei, Toben und Lärmen, eine Orgie, der die mahnende Stimme des anwesenden Rektors keinen Einhalt zu thun vermochte. Ein slovenischer Student, der sich in langathmigen, durch nicht« begründeten rohen Ausfällen gegen das an der Uni- versität bestehende sogenannte „permanente deutsche Studenten-Komiice" erging, verlangte unter dem Jubel seiner Genossen vom Rektor die Auflösung dieses Institutes. Zwar versuchte Professor Bischofs das deutsche Komitee in Schutz zu -nehmen, indem er von der allgemeinen Anerkennung sprach, deren sich dasselbe erfreue, und indem er betonte, wie viel Segensreiches es zu Stande gebracht — allein bas beruhigte die Slovenen nicht, vielmehr verhinderten sie durch schrilles Pfeifen, Zischen und Scharren die Wiederaufnahme der Verhandlung, so daß dem Rektor schließlich nichts anderes übrig blieb, als die Auflösung der Versammlung auszusprechen. Woher sollten aber die Studenten aus Slovenien ihre Anstandsbegriffe auch nehmen, wenn ein Hermann rc. ihnen in der Landesvertretung selbst so herliche Beispiele gibt!" — (Aus dem Amtsb latte der „Laib. Ztg.") Bei dem Bezirksgerichte rn Littai ist die Stelle des BezirksrichterS mit 1300 event, 1500 fl. Gehalt zu besetzen. Gesuche binnen 14 Tagen an das hiesige Landesgerichts-Präsidium. — Beim RechnungSdepar-tement der hiesigen Finanzdireklion ist eine Praktikantenstelle binnen drei Wochen und eine Kalkulanten-stelle binnen 14 Tagen zu besetzen. — Am 24. November findet beim hief. Magistrat die Verpachtung der städtischen Gefälle statt; Ausrufspreis 44.600 fl. — Betreffs der Brotlieseriyig für die Häftlinge am Kastell findet nächsten Freitag eine neuerliche Lizitation in der Strafhaus-Verwaltungs-Kanzlei statt. — Kundmachung betreffs stückweise,? Veräußerung mehrerer größeren Bestandteile der inkamerirten Oberstlandjägernieister-Rea-litäten nächst Graz. — (Zur Notiz.) Wir machen auf die heutige Beilage unseres Blattes aufmerksam, enthaltend ein Verzeichniß vortrefflicher, in jeder Hinsicht empfeh-lenswerther Bücher, welche durch die Buchhandlung Bamberg & Kleinmayr bezogen werden können. Witterung. Laibach, 15. November. TrUbe, windstitt. Wärme: Morgens ti Uhr + 1.8°, Nachm. 2 Uhr + 4.ti" G. (1870 -|- 8.8°, 1869 + 8.5°). Barometer im raschen Falle», 727.77 Millimeter. T gestrige Tagesmittel der Wärme -j- 4.1', um 0.2" über dem Normale. rischen Minister in ihren Stellungen. Jin kaiserl. Handschreiben wird de». Grasen Andraffy anläßlich seiner °/0, „ Wtägige „ 6%. Laibach, 13. November 1871. (540—3) Die Direktion. Angekommene Fremde. Am 14. November. Elefant. Ogoreuz R., Ogoreuz A., Rudolfswerth. Watki, Tarvis. Welisch, Wien. — Freisinger, Rottenmann. — Stare, Klagenfurt. — Walkner, Turs. — Kodier, Fiume. — Jnvri, Venedig. — Kosmac, Sota-Gora. — Frideuthal, Weiter, Kauft., und Maria Barle, Kanischa. Stadt Wien. Sattler, Kfm., Dresden. — Koprwa, Kassier, Sagor. — Winter, Kfm., Wien. — Welheim, Kfm., Stuttgart. — Brauchbar, Kfm., Wien. — Save, Handelsm.,Sebe„ico. — GrafKielmannsegg, k. k. Fregattenkapitän. — Llarmaun, Ingenieur und Stadt» Banmeister; Treschl, Banzeichner, Graz. — Palter, Buchhalter ; Kren, Kfm., Wien. — Gräfin Thurn, Radmannsdorf. Baierlsclier llof. Thnrnherr, Techniker und Maschinist, Presid. — DuZek, Privat, Kormous. — Fabris. Weinhändler, Triest. Sternwarte. Puntigam und Witter, Billach. «Josef Karinger Cntjcr ..on llMcivflam zum Stricke» in vorzüglichster Qualität, ein- und mehrfarbig, per Loth 10 bis 20 fr. Bei größerer Abnahme bedeutend billiger. ' (535—2) KMr Unterricht Endlich in und außer dem Hause Nina Welhnscheg geborene Schneider, aus Wie«, (533—2) alten Markt Nr. 155, 3. Stock. Ein Paar Doppelpmnes, lichtbraun, 3',, und 4'/, Jahre alt, 14 Faust hoch, fehlerfrei, sehr gute Geher im taufen wie im Zuge, siud wegen Mangel an Platz zu verkaufen beim Postmeister in Kra-nichöskld, Steiermark. (538 -2) Wiener Börse vom 14. November Gedenktafel übet die am 18. November 1871 stattfindenden Lizitationen. 2. Feil6., Machnitjch'jche Real , St. Michael, BG. Se-nosetsch. — 3. Feil6., Puch'sche Real, Serouo, BG. Laibach. — 3. Feitb., Stubet'sche Obligat,on pr. 1000 fl., BG. Laibach. — 1. Feilb., Znrck'sche Real., Langenseid, BG. Wip-pach. — 3. Feilb., Primz'sche Real., Großtupp, BG. Laibach. 2. Feilb., Lipauz'sche Real., Babeusetd, BG. Laas.____________ Theater. Heute: Die schöne Helena- K-M'sche Oper m3 AbtHev tungen von Meilhac und Halevy, putsch von Zell I. Hopp. Musik von Jacques Offenbach. und Telegramme. (Orig.-Telegr. des „Laib. Tagblatt.") Pest, 15. November. DaS AmtS-blatt veröffentlicht die Ernennung de» Grafen Lonyay zun» Ministerpräsidenten, ferner die Bestätigung särnmtlicher unga Staatsfonds. iofe Bon 1864 . . . ioic Bon 1860, gante iofe Bo* 1860, ffiinft. Vtämieni*. B. 18U4 . Ornndentl.-Obl. I Stcicrmart ju S p<4t. Harnten, ftram n. Sitftcntanb 5 » Ingarn . . zu 6 , Ktoat. n. Ela». 6 , Stebenbürg. „ 6 „ ▲otten. fletienelbont . . . Union • B»nl . . . irebitanftalt . . . H. 8. «*compte<®e(. «nato-österr. Banl . Dtp. Bodencred.-Ä. . Oeft. Hvpoth.-Banl. Steter. L«compt.-Bk. Krönt« - Austria . . »als. gerd.-Nordb. . Lübbahn-Sesellsih. . *eis.«i|abetb.8e»n. Sarl-Subwig-Bahn 8,-benb. Eisenbahn. EtaatSbahn Baif. ‘ 8än1 Pfandbriefe. Retten. S.w. Berlolb ttng. Bod.-Sredttanst «llg.iist.Bod.-Lredit. feto, tn MU.tMi. «eld! Ware 57 «5, 57 75 67.60 67 60 9 i.~ 92 50 öif.60 ^9 80 114.75 115 — 19 50 99.15 90 50 92.- 85.15 86 - 80.- 80 5.0 88. — 76.316 76.76 «98 60 799 50 *60.85 260.75 807.10 307.80 957.- 960.— 861.50 *61.70 268.— 270.- 80.— 82.- m.70 122 80 8185 213C 200.B0 200.60 »48 75 849.85 868.75 159.86 174.75 175 26 8$)4.Ö0 395.— 210.50 811.— 176.— 178.— 185.50 186.- 88 80 89. IC 88.50 89.- 104.501105.- 86.15 | 86.51 »1 SO 'Seid toere Oest. Hypoth.-Banl . 95.- 95 6» Prlorttäts-Obltg. ©ttbb.«»ef. jn5U0(Jt. 1 '0 75 111__ Mo. Bon« 6 »Lt. Z2 J 5D 218.60 »lotbb. (100 fl. liUt.) 106 — 106.15 Sieb.-«.(loofl.6.w.) üo.Jä 90.1.1 EtaatSbahn Pr. Stück !»».— 137.— Etaet«b. pr. St. 1867 133.75 134. - WuboIf«b.(300(I.8.*B.) ----- yran,.gof.(100ft.S.) Leee. «trtit ioo fl. 6. UV. . Don.»Damp^ch..(vss. Triester 100 fl. SM. ! Mo. S« fl. ö.W. . Osener . 40 fl. ö.W. Ealm . „ 40 „ Wflh . . 40 „ Slary . „ 40 , St. wenoi«, 40 „ Wi°bis»grä, 80 . waldfltin . 10 . «ubolfWfti 106.4b Weehsel (S Mo».) «ngit.iooft.fttbb.ro. "ftranlf. 100 fl. - „ onbon 10 Vf. Stert. Pari« 100 Franc« Münzen. Seil. Btfln»»® ncettn. M«9tenc«|nt< . 18 er einet Haler . . . .5v|eUbtt . . 10 / HO 100.40 184-50 185.— 97.—! 97.5a 120.50 121.50 59.- 60.- 82.- 85.— 42.60 43.50 28.— 29.— 86.- 88.— 81.50 82.— 24.5V 85.— 22 28.— 14.— 16.— 14.50 15.— 98.35 98.50 98.60 98 80 116.80 116.40 46.-' 45.10 6.59 6.61 9.51 ».82 1.74 1.74 116.76 117.— Druck uen Jgu. v. Sleiomatzr k geb. Bamberg in Laibach. Berleger »nd für dt» Redaktion verantwortlich: Ott,mar Bamberg.