M tnr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordefch. ^ G. Freitag am I.V. Immer 1844 . Von dieser Zettschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in Laibach ganzjährig 6, halbjährig 3 fi. Durch die k. k. Post unter Louoert mit portofreier Zusendung ganzjährig 8, halbjährig i fi, C, M. , und wird halbjährig vorausbezahlt. Alle t. k, Postämter nehmen Pränumeration an. In Laibach pränumerirt man beim Verleger »m Man, Nr. l90, im erste« Stocke. Das letzte Brot. Erzählung von Leopold Kordesch. (Beschluß) <^m Sammtklcid und in Seide sitzt mitten in dem Kreis' Der Kleinen eine Dame, so wunderschön und weiß; Sie hält das kleinste Mädchen bei ihrer zarten Hand^ Und dieses spielt verlegen mit ihrer Schürze Band. »Komm' näher, brave Mutter« sprach sanft und engelmild Die hohe, fremde Dame, ein wahres Fecnbild; »Sieh' hier dein liebes Lottche«, dein allerbestes Kind, »Wie es in diesem Älter st herrlich schon gesinnt.« »Die Noth von deiner armen und kranken Nachbarin »Drang eben noch zurechte bis hin zu mir nach Wien; »Ich wollte selbst sie sehen, mit eig'nen Augen schau'« »Den Jammer ihrer Kinder, und keinem Fremden trau'«,« »Ich kam und sah und prüfte! doch, Mutter, freue dich, »Du thatst in der Erziehung das Deine sicherlich; »Wo in so kleinen Knospen schon Menschenliebe wohnt, »Da ist sie werth, daß Großmuth sie reich und kräfti g lohnt.« »Du hast den armen Kindern bei deiner bitter« Noth »Zum Mittag' heut' gegeben ein einzig' Laibchen Brot: »Der Mittag war gekommen — der Hunger stellt sich ein, »Schon steht um's kleine Tischchen der hungrige Verein.« — »D» spricht dies kleine Mädchen mit schüchtern frommen Sinn: »Verzeiht mir, lieben Brüder — das Brot — ach, das ist hin! — »Ich gab's den Nachbarskindern — sie sah'n so hungrig aus — »O seid nicht bös'! — die Mutter bringt uns wohl eins nach Haus,» »Recht so, du gute Schwester! es war ja Menschenpflicht, »Erwiederten die Brüder — wir sind so hungrig nicht. — »Wie wird's die Kranke freuen, wenn seit zwei Tagen heut »Man ihren armen Kindern doch was zum Essen beut. — »Die Nachbarin erzählte mir Alles treu und Nein, »D'rum sollst du, wack're Mutter, nicht mehr in Sorgen sein; »Ich will dein Elend lindern, so viel ich's nur vermag, »Nicht langer sollst du darben, «ls bis zum heut'gen Tag'.» »Das liebe, kleine Mädchen — bleibt es so fromm und gut — »WM ferner ich bedenken, gleichwie mein eigen Blut. »Hier ist's, was ich noch habe; doch bald komm' ich zurück, »Um freudig zu vollenden st braver Kinder Glück.« — Die Dame war verschwunden — der Nagen rollte fort, — Die Uebcrraschten kamen nach später Frist zu Wort; Dann sanken sie anbetend vor Jenem »uf die Knic^ Der ihnen Trost und Hülfe in höchster Noth verlieh. Nach wenig Tagen lachte das Glück sie freundlich ««, Die edle Dame hatte für sie schon viel getha». Spricht gleich ihr hoher Name sich im Gedicht nicht aus — Es sei genug: sie stammte «us einem — Fürstenhaus. — Der St. Barbara-Schacht zu Idria. (Fortsetzung.) ^eber steile Berge,, abgelegene Fußsteige, bald durch Wälder, bald durch Auen, ging unseres Wanderers Andreas eilender Weg. Die Angst, den Werbern in die Hände zu fallen und die her­anrückende Winterszeit, welche von Tag zu Tage sich be­denklicher zeigte, trieben ihn rastlos vorwärts. So hatte An ­dreas viele Tage durchgewandert, bis sich eines Morgens alles Wilde und Schauerliche verlor; denn vor ihn lagen die schönsten Tannen-, Eichen- und Birkenwaldungen. Ih r frisches Grün schien von der zerstörenden, herbstlichen Zeit noch verschont geblieben zu sein. Tief unter ihm aber lag ein kleines Städtchen, durch einen vielfältig gekrümmten Bach freundlich bewässert. Arm, aber thätig schien ihm das Städtchen zu sein. Das Erste bezeugten die kleinen höl­zernen Hütten, aus welchen nur hier und da ein spärlicher Rauch qualmte, Letzteres die unermüdete Regsamkeit der Einwohner, welche er im stillen Ernste von oben herab leicht, wie einen Ameisenhaufen, übersehen konnte. Ein Mann, der zufällig auch diesen Weg gegangen kam, nannte auf Andreas Befragen den Ort das Bergstädtchen Idria . Sehet ihr jenen grünen Hügel mit dem hölzernen Ge­häuse, über dem eine in einen Spitz laufende Bedachung steht? Das ist der älteste Schacht, der St. Barbara-Schacht genannt, woht über hundert Klafter tief. Der St . Barbara-Schacht? wiederholte der Jüng­ling, und eine hohe Gluth färbte seine kummervolle Wange. Ihm däuchte es, als sei er in seine Heimat gekommen, wo ihn die liebende Mutter mit offenen Armen erwartet. Ja wohl! Gegen 300 Bergknappen arbeiten des Win­ 33 ters von sechs zu sechs Stunden darin, und zwar Tag und Nacht, berichtete der Fremde. Könnte man wohl da in Arbeit treten? Warum nicht? Ih r dürftet euch nur bei einem Kunst­ steiger oder dem Hutmann melden, so wird man euch schon den weitern Bescheid ertheilen. Dieses sprechend, zog der fremde Mann seines Weges weiter. Andreas ging eiligst in das Städtchen hinab, um unter dem Schutze der heiligen Barbar a ein Bergknappe zu werden und die Unbilden der Welt im Innern der Erde zu vergessen. Sein sehnlichster Wunsch ward erfüllt, denn als am andern Morgen die monotone Klopfe von dem Wartthurme in langsamen Schlägen ertönte, stand Andreas schon in schwarzer Bergmannskleidung mit Schlägel und Eisen be­waffnet, mit dem schwarzen, hinten mondartig gestalteten Leder umgürtet, und mit dem Grubenlichte in der Hand, am Eingange des St. Barbara-Schachtes, wo sich auch eine große Schar von Bergknappen bereits eingefun­den hatte. Der Kaplan erschien. Bei seiner Ankunft fiel die gesammte Knappenmenge mit entblößtem Haupte auf ihre Kniee und verrichtete andächtig ihr Morgengebet, wor­auf sie vom Priester den Segen empfing. Ein lautes »Glück auf! " wiederhallte sodann, und lebendig und bunt rasselte es hinab über die Fahrten in den gähnenden Schacht, aus dem ein düsterer Schein, den hier die Unzahl der Gru­benlichter in blutig rother Gluth erzeugte, einer Feuersäule gleich, schauerlich emporschimmerte. Durch diesen endlosen Krater war nun Andreas an der Seite des Hutmannes, nach dem die Wetter waren, bald triefend vom Schweiße, bald zitternd vor Frost, an der Sohle endlich angelangt. Der Hutmann zeigte nun dem aufmerksamen Andreas , wie die Schichten streichen, welche Stufen mächtig, welche taub genannt werden, wie das Ei­sen angesetzt und der Schlägel gehandhabt werde, und nachdem der Neuling einige Proben seiner Verwendung ab­gelegt hatte, wurde er von dem zufriedenen Hutmanne einem altern Knappen zur Obsorge übergeben, und zur Thätigkeit und Vorsicht ermahnt. Nun war Andreas allein in der öden, von dem blas­sen Flämmchen seines Grubenlichtes erleuchteten Teufe, weit entfernt von den Verfolgungen seiner Feinde, aber auch eben so weit von seinem lieben Röschen, welches er für diese Welt aufgegeben hatte. Täglich betete er zur heiligen Barbara , in deren besonderen Schutz er sich empfohlen, hämmerte und arbeitete, bis seine Schicht vollendet war, und fuhr dann still und klaglos bereits das sechste Jahr zum Tage herauf, hoffend, daß auch ein Tag seiner irdischen Schicht dem stillen, innern Grame die Grenze setzen werde. — Alles liebte den Freudelosen, über dessen Wangen nie eine Röthe mehr gekommen war, und er, der Arme und still Leidende, liebte Alle wieder! — Eines Tages wurden Fremde gemeldet, welche gekom­men waren, das Innere dieses weltberühmten Quecksil­ber-Bergwerkes zu besehen. Der Amtmann hätte die ^rlaubniß hiezu ertheilt, hieß es. Andreas war eben mit Sprengen eines hartnäckigen Felsens beschäftiget, als diese Nachricht gekommen war. Während alles hin und her lief, um die Gänge und Fahrten, so viel es in der Eile thunlich war, zu säubern, hatte er unbekümmert gegen alles, was von der Oberfläche der Welt kommen sollte, eben seine Pul­verladung vollendet, und nach damaliger Art den Gang da­zu mit Pulver angeschüttet. Da wurde ein Keuchen und ein ungewöhnliches Schnaufen über die Fahrten herab hör­bar. Andreas blickte von seiner Arbeit empor, — ein Blitz, ein gewaltiges Erbeben, ein Gekrache, und ein viel­fältig wiederkehrender Donner durch die endlosen Räume des Schachtes — und lautlos war es dann, wie zuvor.— Jetzt stürzten aus allen Gängen die erschrockenen Berg­knappen herbei, nichts anders glaubend, als das ganze Rie­sengewölbe müsse eingestürzt sein. Sie irrten nicht, und alles, was sich unter demselben befand, lag stumm unter den Felsenmassen. Zwar wurden Anstalten zur Rettung mit aller möglichsten Eile angeordnet — vergebens. Nach meh­reren Tagen erst gelang es der ««ermüdeten Thätigkeit, die Fremden entseelt und. gräßlich entstellt, aus dem Schutte hervorzubringen, doch von Andreas, welchen man mit dem innigsten Bedauern vermißte, fand sich keine Spur, und alles muthmaßte, daß er unter den ungeheuer« Steinmassen, die wohl einen Zeitaufwand von mehreren Monaten benö­thigten, um weggeräumt zu werden, tief gebettet und be­graben liege. Wie man vermuthete, so war es auch. (Beschluß folgt.) Kalifsa. Ein hebräisches Sittengemälde. Aus dem Französischen von M . Vehovar. (Fortsetzung.) Beim Einbrüche der Nacht kam er wieder zurück. Margarida erwartete ihn; sie führte ihn in ein Zimmer, das sie ihm unterdessen bereitet hatte. Aber auch hier waren eben so wenig Meublen, als im Speisesaale; ein großer Divan war zum Ruhebette für den Franzosen bestimmt. Die Alte stellte eine angezündete Lampe auf den Tisch und fragte ihn, ob er nichts verlange. Nichts! — ich danke Euch, antwortete Emil . Sie entfernte sich; der Franzose aber schlich sich bald nach ihr zur großen Marmortreppe und erstieg sie in einem Nu. Der Himmel, welcher blau und gestirnt über seinem Haupte sich ausbreitete, überzeugte ihn, daß er sich auf der Terasse befinde. Sie war lang und breit und rings von Blumen um­geben, die ihren würzhaften Geruch in die laue Nachtluft verbreiteten. Anfangs hielt Emi l die Terasse für leer, aber als sich sein Auge an das Halbdunkel gewöhnt hatte, sah er zwischen zwei Orangebäumen eine weiße, auf Kissen halbgelagerte Gestalt. I n diesem Augenblicke beleuchtete der Mond die Terasse mit seinem milden und blassen Schimmer. Obwohl ersich langsam näherte und das möglichst kleinste Geräusch machte, so konnte er doch nicht einen unglückli­chen Kiesel vermeiden, welcher unter seinem Fuße etwas laut kreischte. Bei diesem Geräusche erhob sich die >v' 23 Gestalt mit Lebhaftigkeit — es war Mariam ! — Kaum hatte sie einen Blick auf die Person, die sich ihr näherte, geworfen, so stieß sie einen durchdringenden Schrei aus und suchte mit ihren Augen und Händen nach ihrem Schleier, den sie auf dem Marmorboden liegen gelassen. Emi l zweifelte nicht, das; sie sich damit bedecken wollte und schneller als sie, hob er den Schleier auf, und wand ihn um seinen Arm, um der Algiererin jeden Gedanken an dessen Rücknahme zu benehmen. Er blieb wie angewurzelt vor diesem Weibe stehen, das in seinem Schrecken und bei der plötzlichen Erscheinung eines Fremden nicht einmal an Flucht dachte. — I n einem Lande, wo die Frauen oft in ihrem eilften Lebensjahre schon verhcirathet werden, sind sie oft Witwen, da sie, so zu sagen, kaum die Kinderschuhe abgeworfen haben. — Maria m hatte sechzehn Jahre; sie war groß und schlank. Sie hatte jene schonen schwarzen Haare, jene lan­gen Augenwimpern und die matte, weiße Hautfarbe, wie die meisten Frauen des Orientes. Ein Halbkleid von glän­zend weißen Mousselin bedeckte ihren Nacken und ihre Ach­seln, und lief bis zur Mitte des Leibes, um den ein kost­barer Cachemir-Shawl als Binde gewunden war. Lange, weiße, mit verschiedenfarbiger Seide ausgenähte Pantalons erstreckten sich bis zu den Fußknöcheln, und wurden von goldgestickten, ledernen Schuhen zusammengehalten; eine Art von Oberkleid aus blauer Seide und besetzt mit Sil ­berfransen, reichte bis zum Boden. Ueber ihrer Stirne er­hob sich ein mit Edelsteinen und Perlen reichgeschmückter Turban. — O Himmel! welch' eine Schönheit! rief Emil von Bewunderung hingerissen. Diese Worte erinnerten die Witwe Lemuel an die Gefahr ihrer Lage; sie machte einige Schritte, um zu flie­ hen, aber der junge Franzose kniete vor sie nieder und ver­ stellte ihr so den Weg. Was fürchten Sie, Madame? was fürchten Sie von mir? sagte er in einem Tone, in welchen er so viel Achtung, als möglich zu legen suchte, und welchen die demüthigsten Blicke begleiteten. Ohne ihm zu antworten, und in Ermangelung des Schleiers sich in ihre Würde einhüllend, machte die schöne Jüdin schnell einen Umweg und flog zur Treppe, die sie hastig hinabeilen wollte, als ein lautes Gelächter durch die stille Nachtluft erscholl. Unruhig, zitternd blieb die Algie­ rerin wider Willen stehen und warf furchtsam einen Blick in die Gegend, aus der es kam. Bei dem hellen Mond­ lichte erblickte sie deutlich auf der benachbarten Terasse drei Männer, von denen Einer den Uebrigen mit dem Finger auf sie zeigte. Dann, gleichsam als hätte eine plötzliche Ahnung das junge Weib ergriffen, stieß sie einen schmerzlichen Schrei aus, preßte die Hände verzweiflungsvoll an ihre Stirne und entfloh mit Schrecken. Emi l wagte es nicht, ihr zufolge«; er erhob sich und untersuchte den Schleier, welchen die schöne Algiererin lie­ ber zurück ließ, als daß sie denselben von ihm verlangt hätte. Es war ein langes Stück von weißem Seidenstoffe, auf dessen einem Ende mit Goldbuchstaben der Name „Mariam" gestickt war. III. Der Schleier. Am andern Morgen hatte Emil vor Anbruch des Ta­ges Algier verlassen; er mußte an der Expedition Theil nehmen, welche unter den Befehlen des Generals Clauzel gegen Oran unternommen wurde. Einige Zeit darauf trat Margarid a voll Freude in das Gemach ihrer Herrin. Gute Nachrichten, theure Gebieterin! rief sie ihr schon von der Thürschwelle zu, gute Nachrichten!— Messaoul, euer Schwager und Verlobter, ist angekommen! — ich habe ihn gesehen. D u hast ihn gesehen? — und er ist noch nicht hier? fragte Maria m in einem, zwischen Freude und Bangigkeit schwankenden Tone. Ich habe ihn gesehen! — ich habe ihn gesprochen! wie ich euch sage, und er folgte mir, bis er einige Schritte vor dem Hause von eurem Nachbar Benhanim aufgehal­ ten wurde, welcher ihn rief, um ihm eine glückliche An­ kunft zu wünschen. Benhanim? wiederholte Mariam. Ja, Benhanim, der euch zu seinem Weibe wollte, bevor Lemuel, der Bruder Messaouls, euer Gatte wurde, und der noch immer die Hoffnung hegt, euer zwei­ ter Gemahl zu werden. Er ist es, der Messaoul zurück hält; doch er kann nicht lange zögern. Es war am Morgen, als Margarida dieses Ge­spräch mit ihrer Gebieterin hielt, und schon hatte die Sonne die Hälfte ihrer Bahn zurückgelegt, aber Messaoul er­schien noch immer nicht. (Fortsetzung folgt.) Feuilleton des Mannigfaltigen. (Ein Opfer der Wissenschaft.) Bekanntlich ist ein Ei­dotter hinreichend, um das Leben eines Menschen für einen Tag zu fristen. Ein Schüler Hahnemanns machte zu Orfort durch volle 14 Tage einen glücklichen Versuch hiermit an sich selbst. Schon glaubte die Wissenschaft um eine Erfahrung reicher zu sein. Da befiel den kühnen Forscher am fünfzehnten Tage eine leise Ohnmacht und er war — verhungert! — (Bei der Versammlung der Merzte «nd Naturfor­scher) in Cochinchina wurde ein menschlicher Leichnam seccirt und — «erspeist, denn er war von Butterteig. O Koch in China! warum hast du das gethan? — (Das Uhrmacheraewerbe) erhält gegenwärtig in England einen noch nicht erlebten Aufschwung. Ein einziges Handlungs­ haus soll eine Bestellung von 25,000 Uhren bloß für China ge­ macht haben! (Statistisches.) Die Anzahl der in der Walachei lebenden Deutschen ist sehr beträchtlich. Man zählt in der Walachei allein gegen 30-000 österreichische Unterthanen. I n Bukarest sollen sich an 20.000 Deutsche befinden, da meist alle Handwerke von Deut­ schen, und nicht, wie inIassy, von Juden betrieben werden. Auch bedeutende Kaufleute befinden sich darunter. — (Friedrich Wilhelm III. ) König von Preußen, war ein so großer Feind aller Ceremonien, als er ein Freund unschuldigen Scherzes war. Kurz nach seiner Thronbesteigung ließ er die alte Over-Hofceremonienmeisterin fragen, ob es ihm erlaubt sei, Ihre Majestät, die Königin, zu besuchen. Die Oberhofceremoniemnei­sterin ließ antworten, sie werde Seine Majestät sogleich bei Ihrer Majestät anmelden und dann Seiner Majestät die Antwort sagen lassen, ob Ihre Majestät geruhen wollten, den Besuch Seiner Majestät zu empfangen. Zur Besorgung dieses wichtigen Auf­ 34 träges warf sich nun die gute Dame sogleich in geziemenden Staat, worauf sie sich nach den Gemächern der Königin begab. Aber wer beschreibt den jähen Schreck, als sie hier die Thüre öffnete und das königliche Paar — so ganz mit Hintansetzung der Hofetiquette — Arm in Arm neben einander auf dem Sopha sitzen sah! — Sie bebte zurück und Ahnungsschauer des jüngsten Gerichtes durchzitterten ihre Glieder. (Vle Bull.) Der weltberühmte Violin-Heros OleVull ist mit' dem »Caledonian« am 20. November v. I . in Amerika eingetroffen und gibt bereits in New «York Concerte unter un­geheuerm Applause. Auch Lisz t wird dort erwartet. (Intermezzo einer Predigt.) vr. Suth, Kaplan Carls VI . von England, predigte eines Tages vor dem Hofe, denen lockere damalige Sitten bekannt sind. Mitten in seiner Predigt bemerkte er, daß der Schlaf sich seiner Zuhörer bemächtiget hatte. Cr hielt inne, wechselte den Ton und rief dreimal: »Herr Graf von Landerdole!» Der Minister fuhr empor. »Mylord«, sagte der Kaplan, »verzeiht, daß ich Eure Ruhe gestört habe. Ich wollte Cure Herrlichkeit bloß bitten, etwas weniger laut zu schnarchen, denn Ih r könntet sonst Seine Majestät aufwecken.« — (Das Testament Napoleons) soll sich in London in den Archiven des Doktors Cramond s befinden, wo es neben den Testamenten Shakespeare's und Milton's aufbewahrt wird. (Die königliche Familie in Frankreich) besitzt 151 Quadratmeilen Landes; die Gesammtsumme ihrer jährlichen Re­vennuen beträgt 30 Millionen — die Ausgaben 10 — höchstens 20 Millionen Franks jährlich. — (Der Esel) ist keineswegs, behauptet Jemand, laut eines alten Herkommens, der Dummheit, sondern vielmehr der personi­ficirten Klugheit Sinnbild, weil er, um es mit Niemand zu ver­derben, zu Allem »I—a « sagt. — (Komisches.) Ein Preuße stellte seinen Vruder, den er am längsten nicht gesehen hatte, den Seinigen mit folgenden Worten vor: »Das ist mein längster Bruder, den ich nicht ge­sehen habe.« (Kartoffeln.) In der Gegend um Trier glaubt man die Kunst erfunden zu haben, ganze Kartoffeln so zu trocknen, daß sie sich Jahre lang aufbewahren lassen und für den Genuß voll­kommen tauglich sind. Dies wäre wohl eine sehr nützliche Erfin­dung und, in segensreichen Jahren aufgespart, für ungünstig nach­folgende eine Rettung vor Hunger und Krankheiten! — (Uebereilung.) Eine sehr ästhetische Salondame feierte im Kreise ihrer Verehrer ihren sechs und zwanzigsten Geburtstag. Während einer Pause in der Unterhaltung verfiel sie in Nachden­ken und brach unwillkürlich und selbstvergessend in die Worte aus: »Wie die Zeit vergeht! — Gestern war es 32 Jahre, seit mein Vater starb.« (Gin großer Stör) wurde unlängst in Mona gefangen. Man fand in seinen. Cingeweidcn eine stählerne Börse mit 2 Fünffrankenstücken, ein Sackterzeroll und einen silbernen Fin­gerhut. — (Unglücksfall.) Bei Sternberg in Mähren hat durch un­vorsichtigen Gebrauch einer Schießwaffe ein Vater sein eigenes Kind erschossen. Mutterweise. Fängt das Kindlein »n zu «einen. Singt die Mutter es in Ruh', . Und erzählt ihm schone Mährchen Aus der alten Zeit dazu. Warum schmähst du denn die Hoffnung, Undankbares Menschenkind? Weil sie dich in Träume wieget, Neil dich wärmt ihr Odem lind? — Carl Grober. Literarische Post. Seit l. Dezember v. I, tauchte in Stuttgart ein Journal »die Schnell» pllsl« »uf, welches mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheint, und, dem Abonnenten kostenfrei ins Haus geschickt, jeden Monat nur sechs Kreuzer tostet. Gleich darauf am 15. desselben erschien eben dort ein Tagesblatt, da« gar nichts kostet und in «Oll» Exemplaren verbreitet wird. Nur wer sich dasselbe int Haus bringen, läßt, zählt dem Laufburschen vierteljährig 15 Kreuzer. — > Dem Vernehmen nach wird Friedrich Halm in Verbindung mit dem Skript« der k. k, Hofbibliothek, Herrn Wolf, einem in der spanischen Li­teratur sehr bewanderten Gelehrten, 25 Stücke des Lope de Veg» in der Ursprache mit kritischen Noten herausgeben. Die Redaktion der in Prag erscheinenden Zeitschrift »Boyemio» , die ein eben so gehaltvolles, »ls beispiellos wohlfeiles Blatt ist, hat seit Anfang dieses Jahres Herr Bernhar d Gut t übernommen, der seitdem Tode de« «Professors Mül l er die Kritik in diesem Journale mit eben so »ielem Scharfsinne, als Gründlichkeit und Unparteilichkeit besorgt. Dem Unternehmen ist daher nur zu gratulircn. — Der rühmlich bekannte Dichter Otto Prechtlec hat ein Trauerspiel: »Die Krone der Hohenstaufen« so eben vollendet. Told's neuestes Stück: »Der Todtentanz« ist nun, gleich dem »Zauber« schleier« in Druck erschienen; eben derselbe Verfasser hat dem Vernehmen nach ein Stück unter dem Titel: »Ein Abend, eine Nacht und ein Morgen in Wien« vollendet. Doktor Topfer ist mit einem neuen Lustspiele: »Standesvorurtheilc» fertig geworden. Probescenen davon bringen die »Originalien « von Lotz. Madame Birch-Pfeiffer hat dem Theater entsagt, sich auf ihr Land, gut bei Zürich zurückgezogen und will hier bloß in literarischer Thätigkeit leben. Der treffliche Lustspicldichtcr Bauernfel d übersetzt gegen ein Honorar von 3U0U fl. C. M. für die Buchhandlung de« Anton Mausbergcr die Boz'schcn Werke, von denen so eben der erste Band schon erschienen ist. — Der Dichter Julius Mose«, Advokat in Dresden, ist vom Großherzog von Oldenburg als Dramaturg des Oldenburg« Hoftheaters mit8N0 Thalcrn Iahresgehalt angestellt worden. I n Paris ist der bekannte dramatische Dichter Casimir Del»»igne »n einem Brustübcl, und wie es heißt, unbemittelt , gestorben. Theatralische Neoue. Die berühmte Midame Catalani , die mit größtem Ruhme durch 22 Jahre den Herrscherstab des Gesanges schwang, starb nach kurzer Krankheit in ihrer Villa bei Sinigaglia im Kirchenstaate. Sie war 56, nach Andern 59 Jahre «lt. Sie war 1784 in Sinigaglia geboren, hatte einen Franzosen, Namens Valebriguc, einen Burgunder, geheirathet, der 1828 starb und von dem sie 2 Kinder hatte. Sie hinterläßt ein Vermögen von ungefähr 8,3UU.UU0 Franks. Die ausgezeichneten russischen Pantomimisten, Gebrüder Lehmann, haben Wien verlassen uud sich nach Pesth begeben. Friedrich Halms neuestes Stück: »Sampicro« wird endlich im Laufe dieser Woche im k. k. Theater nächst der Burg zur Aufführung kommen, und soll reich an poetischen Schönheiten sein. — Das abgebrannte Opernhaus in Berlin ist bereits unter Dach, und dieses ist schon wieder mit Zink belegt. Die berühmte Sängerin Fanni Goldberg, die gegenwärtig im großen Theater 8i>n c»rln zu Neapel unerhörte Triumphe feiert, wird dem Ruhme auf der Breterwelt entsagen und in Hymens Fesseln treten. Die Tänzerin Dllc. Cerrit o ist gegenwärtig in Rom und wird mit nie erlebtem Beifalle, Auszeichnungen und Geschenken aller Art überschüttet. Der Komiker Nestroy wird die Carl'schcn Bühnen in Wien nicht vcr> lassen, wie es vielfach verlautete; der Kontrakt dieses Künstlers lautet noch »uf mehrere Jahre. Ritter Gactano Donizctti, k. k. Hofkapcllmeister, ist vor Kurzem in Wien eingetroffen. Die neueste, nach dem Französischen bearbeitete Posse von Nestroy: »Ei« senbahnheirathcn, oder: Wien, Neustadt, Brunn« hat in Wien entschieden gefallen. Die bekannte Schauspielerin Dlle. Caroline Bauer wird sich ebenfalls von der Bühne zurückziehen und einen preußischen Landrath hcirathen. Mayerbeer soll in Berlin wegen Differenzen mit Hrn. von Küstner um seine Entlassung als General-Musikdirektor gebeten habe». Madame Brünning-Wohlbrück ist vom 25. November 1842 bis zum 24, November 1842 auf den vereinten Carl'schcn Bühnen in Wien in2«3G»str°I» len aufgetreten; eine Thätigkeit, die ohne Beispiel ist. Der Magier Döble r prodnzirt in Brunn unter großem Zuspruche seine Nebel-Bilder. Auflösnng der Homonyme in Nro. 3. K r a k a u. Laibach. Druck und Verlag des Josef Blasuik.