Tchristlritu«!,: RathauSgasse Nr. S !eirxd«n 1k. »I. iaterard»a. e ,»««»»»«! Täglich i»i, >»»n«i«e »er Ctn- u. (feiet-taqei son 11—lSMii torm, H«ablchreid«a werben richt tUaaejebtn, n »r ntsntcn n«»ealose Sin-mal bnildfilttigt. * a! tt ■ b 111 a ( » n mnmt die?en»all»»g gqev Pettchnnnt Kr HOtjR left-jcfteUun Acti^tcB enlaezen. — Bei wiebe,h»luagen freit-a«chl»>. lie .Deutsche «»«l- «(tftrtnt lebea Ml«»»ch ant Camttog übest«. VoHHotfaffm-flonto so.(190. Berwaltuna: RathauSgassk Skr. 5 Teleph-n Kr. tl, iatrrnrtaa. vt,llftSdtN»zo»gni Darch Me ?oft bq»;en: «ierlelltdrig ...» )« Halbjiihei, . . . ; K «'40 Vontl^i. ... K. lt so SS« »illi »it Znstellaa, int H«a» i «»n»tl>a . . . . K 1-11 vierleljihrig . . . K »•— ÄalbUtti» — «amjüttig . ... X lt.— K. lullacb «»»hell Dch Ml a,t«ebährea »«die boherea »ers««bai>it-»e»>l»rea. Siageleilete Id-anemeatt liIKi dit |ii Udbestelaat. Ar 104 HiM. Mittwoch, 29 Aezemver 1909. 34. Jahrgang. Die Wendung im Parlamente in reichsdeutscher Beleuchtung. In der reichSdeutfchen Presse wird die Wen-dung, welche am vorigen SamStag im öfterreichi-schen Abgeordnetenhaus« vor sich ging, eifrig er» örtert. In einem sehr bemerkenswerten Aussatze sprechen sich die gut nationalen „Münch. N. Nachr.". daS führende Blatt Süddeutschlands, hierüber wie folgt aus: Es ist eine alte Regel: Es kommt in Oester-reich immer anders, als man erwartet hatte. Eine stolze parlamentarische Armee, die sich die „arbeitS-willige" nannte, bestehend aus den freiheitlichen Deutschen, den Ehristlichsozialen und den Polen, war ausgezogen, um die Obstruktion der ..Slawi» schen Union" in Dauersitzungen niederzuringen oder sie wenigsten allenthalben in ihrer ganzen übermütigen Frivolität zu zeigen. Und nachdem die Schlacht 86 Stunden lang gedauert hat, steht als der glorreiche Sieger — Herr Dr. Kramar da. Als die Besiegten liegen aber gedemütigt und ver-einsamt die sreiheitlichen Deutschen da; und diese Tatsache wird dadurch wahrlich nicht erfreulicher, daß die Deutschen fast ohne Widerstand, der immer« hin noch möglich gewesen wäre, überrumpeln und niederringen ließen. Es wäre ein müßiger BeschönignungSversuch, wenn man heute noch leugnen wollte, daß die frei» heitlichen Deutschen, und mit ihnen daS gesamte Z>ie wahre Flrsache. Humoreske von Ferd. Grüner. General Lipsitzky war ein wunderlicher Mann. Das klagte nicht nur seine Frau, davon wußten auch die Offiziere ein Liedlein zu singe». „Er spürt das Podagra", sagte Oberleutnant Winniger, wenn der General sehr vorsichtig auf seinem Sattel saß, die Beine hochzog und zu räsonieren anfing. Er weiß, daß sich leicht ein Zusammenhang zwischen Podagra und blauem Bogen bildet, und hat durch-aus keine Lust, das schöne Graz um eine Exzellenz außer Dienst zu vermehren. Sei es, wie immer es wolle, General Lipsitzky saß den Offizieren auf dem Nacken. Nie bestieg er seinen Braunen, ohne einige ansehnliche Nasen in der Kaserne oder auf dem Exerzierplätze zurückzu-lasfen. Besonders den jüngeren Herren widmete er seine liebevolle Ansmerksamkeit. Sein grauer Kopf geriet dabei manchmal in solch ausgiebiges Schütteln, daß die. denen solches galt, ängstlich vermeinten, er werde überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommen. „Die wahre Ursache, meine Herren", schrie er dann mit einer Stimme, die jedes Geräusch im Umkreise von fünfzig Schritten übertönte, „die wahre Ursache, meine Herren, ist, daß man sich zu wenig um den inneren Dienst kümmert. Man muß die Leute an sich zu ziehen suche». Dann geht alles sehr gut. Das ist die wahre Ursache, meine Herren! Hören Sie daS auch, Herr Oberleutnant Winniger?" iügte er in Fistel hinzu, daß eS wie ein Hohnruf klang. „Zu Befehl, Exzellenz!" erwiderte Winniger, der eben über die Wirkung der neuen Bartbinde nachdachte, die er aus Berlin bestellt hatte. Deutschtum in Oesterreich, SamStag durch die An-nähme der Reform der Geschäftsordnung. die nur durch eine kniffige Auslegung der alten Geschäfts» ordnung ermöglicht wurde, eine schwere Niederlage erlitten haben. Die Deutschen bilden, selbst wenn sie mit den immer unzuverlässigen Christlichsozialen vereint sind, in diesem Abgeordnetenhause immer nur eine Minderheit, und sie müssen nach ihren jahrzehntelangen Ersahrungen jeden Augenblick da-rans gesaßt seiu, von der slawisch-romanischen Mehrheit diese« Hauses vergewaltigt und unterdrückt zu werden. Ihre einzige sichere nationale Schutz-waffe in den parlamentarischen Kämpfen der letzten fünfzehn Jahren war die Obstruktion, zu der ihnen die geltende Geschäftsordnung reichlich Gelegenheit bot. Auf diese Art konnten sie die Ministerien Badeni und Thun niederwerfen, und galt bisher als heller Wahnsinn, sich diese Schutzwaffe ent» winden zn lasfen. zumal in einer Periode des schärfsten nationalen Kampfes wie jetzt, in der sich der Kampf auch schon ans das internationale Gebiet hinüberspielt. Dennoch haben sich die Deutschen SamStag entwaffnen lassen. Aus dem Schoße der blühendsten slawischen Obstruktion, die man eben niederwerfen wollte, entsprang dieser Wechselbalg von Dringlichkeitsantrag über die sofortige Reform der Geschäftsordnung. Schon daß Herr Kramar einer der Bäter dieses Antrages ist, mußte ihn verdächtig machen. Aber die Herren Polen, Christ-lich-Sozialen und Sozialdemokraten, die noch am Freitag fo heldenmütig gegen den Drachen der sla-wischen Obstruktion kämpfen wollten, machten plötz-Itch mit Herrn Kramar gemeinsame Sache und da- „Ich hoffe auch", grollte der General und schob zweimal daS rechte Bein so heftig im Sattel zurück, daß der Braune unwillig einen kleinen Seitensprung tat. „Denn die Herren in der Kadettenschule verlieren ohnedies zn leicht den Zu-sammenhang mit der Waffe. Leider!" Er griff mit der Rechten empor und in schlan-kem Trab wandte er sich vom Exerzierseld ab, um in die Kaserne zu reiten. Lipsitzky stammte noch aus der Zeit, in der sich die Kadettenabteilungen beim Regiment befanden; er war kein Gönner der Kadettenschulen. Bei der Frühjahrs- und Herbstparade, wenn die Schule auch mit ihrer Mannschaft erschien, war er ein unerbittlich strenger Richter. Kam die Linie beim Ansmarsch auch nur um Haaresbreite ins Schwanken, so äußerte er: „Die Kadetten spielen wohl Ringel-Ringelreigen, wenn ich recht sehe! Oder soll daS etwa ein Ausmarsch sein?" fragte er mit erschauernder Freundlichkeit. „Die wahre Ursache ist, daß die Leute nicht tüchtig genug ausgebildet werden. Leider!" Und der finstere Blick schweifte über die Unglücklichen und die Offiziere, die hinter den Tschakos allerhand unvorschriftsmäßige Gedanken hatten. Kommandierte er endlich: „Marsch!", dann atmeten die jungen Kadettenherzen tief, tief aus und sie bemühten sich, die Beine so weit herauszuwerfen, als es nur immer ohn« den gänzlichen Verlust dieser fo wichtigen Glievmatzen zu riskieren mögticy war. Seit Oberleutnant Winniger an die Kabelten-schule kommandiert war, hatte sich die Sorge des GencralS um diese Anstalt noch vermehrt. Denn er wandte allem, waS Winniger tat, oder vielmehr nicht tat und nach der Anschauung Seiner Exzellenz hätte tun müssen, besondere Aufmerksamkeit zu. Er mit war dem Antrage die sür die Dringlichkeit nötige Zweidrittelmehrheit gesichert. Die freiheitlichen Deutschen waren überrumpelt und dies scheint sie derart verblüfft zu haben, daß sie sich, bis auf von vornherein aussichtslose Demonstrationsanträge, jeder Gegenwehr entschlugen und überstimmen ließen. Die einen mag der tiefe Ekel vor dem Treiben im öfter-reichischen Parlament dazu veranlaßt haben, die anderen hatten den Mut verloren, und auch an solchen fehlte e» nicht, die, wie Dr. Steinwender und Dr. Lecher. in seltsamer Verblendung derart für die Reform eintraten. So wurde dann die Re-form in wenigen Stunden durchgeführt. Nun stehen die Deutschen ohne sichere parla-mentarische Schutzwaffe da; denn nach dieser Re» form der Geschäftsordnung sind ihnen die besten Handhaben zur Obstruktion genommen. Die Macht des Präsidenten ist derart vermehrt, daß er fast der souveräne Herrscher im Abgeordnetenhause ist und jeder Obstruktion das Genick brechen kanu. Die DringlichkeitSanträge, die Pausen vor den Abstim-münzen, zum Teile auch die namentlichen Abstim» mungen, also die besten, wenn auch nicht die ein-zigen Behelfe der Obstruktion, haben keinen Wert mehr. Dazu ist noch ein sogenannter „Hausknechts-Paragraph" eingeführt, der dem Präsidenten ge» stattet, Abgeordnete wegen „offener Widersetzlichkeit" aus eine bis drei Sitzungen auszuschließen. Aller-dings steht da geschrieben, daß gegen jede aus dieser Reform entspringende Beifügung des Präsidenten der Appell an das Haus ergriffen werden kann. Aber das ist in praxi wertlos. Die Majorität kann und wird sich schon einen handfesten Büttel, einen glaubte nämlich einmal bemerkt zu haben, als er von ungefähr in die Reitschule gekommen war, daß Winniger mit der Schnurrbartbinde im Gesicht in einer Stellung aus dem Pferde saß, die das Reiter-auge Lipsitzky« fo arg beleidigte, daß er eben los-dröhnen wollte: „Herr Oberleutnant, wo haben Sie die Equitation mitgemacht?" Aber da kam ihm diese Haltting bekannt vor, immer bekannter sogar. ES war ihm, als ob ihn Winniger imitieren wollte! Leider trat in diesem Augenblicke der Major in die Reitschule und der Oberleutnant saß sofort ab. Seitdem war der General am häufigsten in jener Kaserne zu sehen, in der Winniger lag. Bei der ersten Parade, an der Winniger schon mit der Kadettenschule teilnahm, hatte die Exzellenz besonders den Jahrgang WinnigerS aufs Korn ge» uommen. „Er kann sich nicht satt daran sehen*, lispelte der Adjutant dem Hauptmann v. Hillgen zu, der, kalten Schweiß auf der Stirn, eben wahrnahm, daß in seiner Kompagnie ein Mann einen Aermel seines Waffenrockes um wenigstens einen halben Zentimeter länger hatte als den anderen. Der General trabte vor und hinter den Jahr» gang. Er ließ ihn in allen Gangarten gehen, gab die verzwicktesten Kommandos, um die Phalanx — so hieß sie der Adjutant, der auf dem Gymnasium einmal durchzefallen war — rekte Front ins Wan» ken zu bringen. Doch schien sie wie auS Stahl oder Gummi. Der Hauptmann v. Hillgen war der Ueber» zeugung, daß es Gummi sein müsse, so prächtig blieb die Linie. So geschah es. daß General Lipsitzky zu seiner eigenen Verwunderung nicht darüber räsonieren konnte, weil es eben auch gar nichts gab, was ihn Seite 2 Hjentsche Wacht Nummer 104 zweiten Abrahamovicz oder Herrn Kramar selbst zum Präsidenten wühlen und ihn gegen jeden Appell zu schützen wissen; sie kann ei, weil sie eben die Mehrheit ist. Manche, z. B. die Sozialdemokraten, trösten sich damit, daß kein Präsident Brutalitäten gegen Parteien von 80 oder mehr Leuten wagen werde. Kindische Selbsttäuschung! Als ob man unter den Präsidien der Herren Abrahamovicz und Kramar nicht schon derlei erlebt hätte! Und wenn nun ver» einbart wurde, daß die Reform nur ein Jahr lang in Kraft bleiben soll, so ist auch dies ganz ohne Bedeutung. Die Majorität von gestern wird schon rechtzeitig dafür sorgen, daß die Reform weiterläuft, und niemand kann sie, dank den neuen Bestimmun-gen, daran hindern. Auch die Deutschen haben schon wiederholt an» erkannt, daß die Geschäftsordnung reformbedürftig fei. Aber sie waren sich ganz klar darüber, daß eine Reform, die auch den großen nationalen Parteien die Obstruktion unmöglich macht, erst dann statt» finden dürfe, wenn der national« Friede wenigstens halbwegs hergestellt sein würde und wenn sie nicht mehr jeden Augenblick mit Vergewaltigungsversnchen von feiten ihrer slawischen Gegner rechnen mußten. Nun aber sind die Deutschen in den Z«ten deS heißesten nationalen Kampfes des parlamentarischen Schutzmittels, der Obstruktion, beraubt, und der Weg für Experimente nach Badeni oder Thun ist wieder frei. Herr Kramarsch rief SamStag pathetisch an«, die Tschechen fürchten dir Folgen dieser Reform für ihr Volk nicht. Er hatte gut reden; denn die Slawen sind in der Majorität, die Deutschen aber sind in der Minderheit. Und daß sie auch in Zukunft so isoliert bleiben werden wie am letzten SamStag, ist kaum zu bezweifeln. Man hat sich ja davon über-zeugen können, was die BundeSgenosseuschast der Polen oder gar der Ehristlichsozialen wert ist! Die Folgen dieser Jsoliernng können die freiheitlichen Deutschen aber übel zu spüren bekommen. Vielleicht noch nicht morgen oder übermorgen; aber der Tag wird gewiß einmal kommen, an dem sich daS Er» eignis von SamStag als ein Verhängnis für die Deutschen erweisen wird. Sah man doch schon SamS» tag nur zu deutlich die Umrisse einer neuen christlich« sozial-klerikal-slawischen Majorität, der dank der reformierten Geschäftsordnung die Macht und die Ankunft gehören wird und die sich nicht im geringsten dazu berechtigt hätte. Da» wunderte ihn erstens und dann ärgerte es ihn im stillen, denn das strahlende Gesicht WinnigerS wich nicht aus seiuen Ge« danken, auch als er bereits weitergeritten war. Die Parade nahm wie alles ihr Ende. Die Truppen und die Kadetten rückten in die Stadt ein. Als Lipsitzky dann nach seiner Gewohnheit noch einmal über da» Exerzierfeld ritt, sah er etwas, was sein Blut in Wallung brachte. Just an jener Stelle, wo die Kadettenschule aufgestellt gewesen, und zwar, wie er sich genau erinnerte, wo der zweite Jahrgang Winnigers gestanden, beim vierten Markierungszeichen, lag eine Menge weißer Papiere, jedes etwa doppelt so groß als ein Handteller. Sonst war der ganze Exerzier-platz blank, wie es sein soll. ES war kein Zweifel, Winnigers Abteilung hatte sich eine solche plan« mäßige und beispiellose Verunreinigung des jedem Soldaten liebwerten Raumes zu Schulden kommen lassen. Der General ließ sein Gesicht steinern werden, dann setzte er sich vorsichtig in eine Reiterpositur, die an seine besten Tag« erinnerte, und zurück ging es in die Kadettenschule, daß unter den Hufen des Wallachen die Pflastersteine Funken sprühten. Wie ein Sturzbach ging es im Hose über Oberleutnant Winniger, der, ernstlich betroffen, das Unwetter über sich ergehen ließ. „Es scheint, daß jeder Kadett in seines Papier eingepackt gewesen sei, «in solcher Haufen ist gerade dort, wo Ihre Ab-teilnng stand, angehäuft. Unglaublich! Ich hoffe, Herr Oberleutnant, Sie haben Kenntnis davon, wie die Leute in den Besitz solcher Papiervorräte ge langten und weshalb sie diese gerade auf dem Pa« radefelde ablagerten. Leider!" genieren wird, diese ihre Macht zur Slawisierung und Klerikalisierung Oesterreichs auszunützen. In diesem Sinne sind auch die Vorgänge des Samstag für da« ganze Reich von Bedeutung, oder sie können es mindestens werden. Für das freiheitliche Deutsch-tum sind sie jedenfalls heute schon ein VehängniS und die Deutschen haben sich nicht stark genug gezeigt, dieses Verhängnis abzuwehren. Die Ver« antwortung dasür habe» ihre Führer zu tragen. Sie wird man zur Rechenschaft ziehen müssen, wenn der Kampf der freiheitlichen Dentschen um ihre nationale Existenz nun uoch schwieriger werden wird. Duo Wirtschaftsjahr 1909. Das Wirtschaftsjahr 1909 schließt im Zeichen der Geldknappheit. Der Schlußbericht der öfter« reichisch-ungarischen Bank konstatiert das mit dem Hinweise darauf, daß mit Ende des Jahres wahr-scheinlich ein erheblicher Betrag steuerpflichtiger Noten in Verkehr gesetzt werden müssen, waS darauf hindeutet, daß die Inanspruchnahme des Bankkredits stärker ist als gewöhnlich. Steht das einerseits mit der Anspannung des Kredits auf den übrigen Weltmärkten im Zusammen-hange, so ist andererseits für Oesterreich die steigende Passivität seiner Handelsbilanz hierauf von wesent» lichem Einflüsse gewesen nnd die Wirkung zeigt sich deutlich in dem Devisenkurse aus die deutschen Bank-Plätze, die seit Ende 1908 von 117-26 auf 117 82'/, gestiegen sind. Maßgebend für diese Gestaltung war in erster Linie die Steigerung unserer Getreideeinfuhr, die Steigerung der Inlandspreise der Massenverbrauchs« artikel uud eine rückläufige Bewegung unseres Ex» Portes infolge der noch immer ungeregelten Handels« beziehnngen zum Ausland. In den ersten drei Vierteljahren 1909 betrug die Mehreinfuhr gegenüber der gleichen Zeit deS Vorjahres 208 Million:« Kronen und zwar Haupt» sächlich darum, iveil in diesen 9 Monaten um 112 Millionen Kronen mehr Getreide eingeführt wurde. Ju Uebereinstimmung damit steht die Bewegung der Preise der landwirtschaftlichen Produkte. ES notierten: Dezember 1908 Dezember 1909 Weizen .... 12-71 14-34 Roggen .... 9-87 970 Gerste.....8— 970 Hafer..... 7 65 775 Oberleutnant Winniger erklärte, daß er nicht im entferntesten eine Ahnung hätte, aus welche Weise die Kadetten derartig unerhört große Papiervorräte in ihren Besitz gebracht. Exzellenz schüttelte den Kopf. Oberleutnant Winniger war wütend, und als ihm sein Bursche eine Rechnung für hundert Knack-würfle vorlegte, warf er daS Geld zornig auf den Tisch. Dann befahl er JaroSlav, sofort sämtliche weißen Papiere, die ans dem Exerzierplatz« und in der Umgebung desselben zn finden seien, zu sammeln und zu vernichten. Nach sechs Stunden kam d«r Bursche mit einem Pack wie ein Höckerweib beladen zurück und erklärte, sich drei Tage nicht rühren zu können. Bei der nächsten Parade ritt General Lipsitzky der Kadettenschule drei Schritte entgegen. Er tonnte sie nicht schnell genug unter die Sonne bekommen. Seine Augeu wurde» größer, als der Jahr-gang WinuigerS auftauchte. Es durchfuhr seinen Körper ein beinahe freudiges Zittern, das nur zn einem Quentchen auch von Zorn verursacht war. Denn, es war kein Zweifel — die Linie war dies-mal nicht von stählerner oder gar gummiähnlicher Schmiegsamkeit. Sie wurde an einer Stelle ein winziges bißchen durchbrochen. Der Blick des Generals bohrte sich in dieses Minimum und bohrte es weiter. Es schien, als ob sein Blick magisch wirke. Denn die Linie wurde wirklich schlechter, das bemerkte auch der Oberleutnant, obwohl er den besten Willen hatte, nichts zu sehen. Auch die Beine wurden lässiger heranSgeworsen. Wenigstens um einen Zentimeter blieb die Aufwärts« bewegttug gegen die letzte Parade zurück. Exzellenz drohte vor Entsetzen vom Pferde zu Dezember 1908 Dezember 1909 MaiS..... 6.95 7 32 Weizenmehl (Auszug) 19-95 22-60 Kartoffeln. ... 3-10 325 Tafelbutter . . . 269 3-18 Mastochfeu . . . 71-— 79 — Kälber .... 101-— 136 — Schweine.... 107'— 134 — Man hat es also durchgängig mit einer be« deutenden Erhöhung der Lebensmittelpreise zu tun, ist doch auch der Zuckerpreis von 76 auf 79'75 seit dem Borjahr gestiegen. Naturgemäß wirkten diese Verhältnisse anch wiederum auf die GestehungS« kosten der Jndnstrie verteuernd und in Lerbinduug mit der durch den Mangel entsprechender Handels-vertrage mit dem Osten bedingten geringeren Ab« satzmöglichkett auf die industriell« Entwicklung wiederum einschränkend. Wenn deshalb auch in ein-zeluen Jndustriewerteu eine Kurssteigerung zu ver-zeichnen ist, so hat sich doch das Privatkapital um« somehr aus der nicht fest fundierten Industrie zurückgezogen, als dieser infolge der geplanten Steuerreform und der Sozialversicherung neue Lasten anfgebürdet werden solle». Renten und Bankwerte habe» deshalb seit dem Vorjahre ausnahmslos eine bedeutende Kurssteigerung erfahren. Es notierten: Dezember l908 Dezember 1909 4#/„ Papierrente . . 94 44 95 20 4°/0 Äoldrente . . 114.05 117 60 4°/# Kronenrente. . 94-50 95-25 Kreditanstalt . . . 621— 672-25 Bodcnkreditanstalt. . 1035-— 1145 — Länderbank. . . . 422 75 505 50 Anglobank .... 29»-— 314 75 Niederösterreichifche Eskomptegesellschaft 573'— 644-50 Unionbank .... 521 — 58475 Bankverein.... 503 — 545-75 In diesen Kursdifferenzen drückt sich am deut« lichsten die absteigende industrielle Konjunktur nus. die insbesonders in der Eisenindustrie zu verzeichne» ist. Die Kohlenpreise hätten im Lause des Jahres eine Abschwächuug erfahren, stiegen aber wieder am Jahresschlüsse. Die Eisenindustrie schließt mit einem wesentlichen Rückgang des Absatzes und einer Reduktion der Preise. Während der ersten zehn Monate ging gegenüber der gleichen Borjahrsperiode der Konsum an Stabeisen um zirka 15. an Halb-fabrikaten um 11-6 Prozent zurück. Die Lieferungen für Eisenbahuzwecke waren wesentlich eingeschränkt. Der Bedarf an Eisenlegierungen, der im Vorjahre bedeutend gestiegen war, ist heaer um 38 Prozent geringer. Dagegen hat der Verkauf an Frischroh-eisen nennenswert — um zirka 17 Prozent — zugenommen. Die Lieferungen an Frischroheisen, Trägern und Blechen haben sich ungefähr in den-selben Grenzen wie im Vorjahre gehalten. Die rück« sinken. Ei» Blick, der eine niederschmetternde Kritik enthielt, traf Winniger, der innerlich wütete. Und der General Lipsiky sing mit dem Kopse zu schütteln an, daß sich der Adjutant nach dem Stabsarzt um« sah, damit er rasch zur Hand sei, wenn Seiner Exzellenz ein Uebelsein znstoße. „Unglaublich!" hauchte Lipsitzky, als die Pa« rade den Abschluß gefunden und er die Offiziere zu sich rufen ließ. „Herr Oberleutnant Winniger", wandte er sich an diesen, während die anderen sich diskret ins Hintertreffen zurückzogen. „WaS ich heute gesehen habe, ist mir unbegreiflich. Ich nehme an, daß Sie bei der Bogenlinie, die die Kadetten für eine Front anzusehen scheinen, zwei Bezirke umgehen müssen, wenn Sie auf dem direkten Wege in die Kaserne gelangen wollen. Welches ist, Herr Oberleutnant, die wahre Ursache dieser Erscheinung?" »Die Knackwürste, Exzellenz!" General Lipsitzky prallte zurück. Er nahm den Gaul hoch, als ob er den Oberleutnant überleite» wollte. Er riß die Augen weit auf: „Hörte ich recht, «nackwürste, sagten Sie?" ES war wie prasselnder Donncrfchlag. „Die wahre Ursache, jawohl!" wiederholte, ohne mit einer Wimper zu zucken, Winniger. „Erklären Sie mir diese Ungeheuerlichkeit!" „Zu Befehl, Exzellenz! Das letzte Mal hatte ich den Kadetten eine Knackwurst versprochen, je eine Knackwurst, die sie auch erhielten, das heißt essen durften, nachdem Exzellenz die Kadetten belobt. Meinte, wie Exzellenz sagten, Ehrgeiz zu reizen!" General Lipsitzky sagte kein anderes Wort als: »Weiter!" Er war sprachlos. Winniger hustete. „Da die Leute das Papier, Nummer 104 Deutsche Wacht Seite 3 läufige Bewegung im Drahtgeschäfte hat aber au-gedauert. Hoffentlich gelingt es schon zu Anfang des kommenden Jahres die handelspolitische» Bezieh»», gen der Monarchie zum Osten zu ordnen nud da-mit der Industrie und dein Gewerbe eine erweiterte Absatzmöglichkeit zu bieten, aber auch dann würde aller Wille angespannt werde« müssen, nm die Tariskoujunktur ohne dauernden Schaden zu über-winden. Dir windische GristlichKrit grgrn die Drullchrn. Im Nordn, deS langestreckten Kammes der die Grenzscheide zwischen Kärnten und Krain bildenden jloschutta liegt in der weitverzweigten GebirgS-gemeinde Zell mit 7543 Hektar Fläche und an 1100 Einwohnern in einem der schönsten Täler Kärntens der Ort ZellPfarr in einer an 1000 Meter reichenden Seehöhe. Jahr nm Jahr bildete von alterSher das Gotteshaus die einzige Erbauung«, ftätte in der Gemeinde und dem Worte des Seelen-Hirten auf der Kanzel und m der Christenlehre war auch die Bildung der Bewohner überlassen. Erst der Neuzeit blieb die Errichtung einer Schule vorbe-halte». Die Bevölkerung begrüßte diese, doch war >hre Freude keine ungetrübte. Der Streit um die Unterrichtssprache brachte bald Entzweiungen. Der Seelenhirt forderte die Verbannung alles Deutschen ans der Schule, das Slowenische allein sollte herrschen. Die Bevölkerung dagegen stand für den Unterricht im Deutsche», also für die Zweisprachigkeit der Schule, ein. Die Schulbehörden entschieden in echt öfter-reichischer Art, daß beiden Teilen Genüge getan, also zwei einklassige Schulen in ein und demselben Schulhause, nämlich eine zweisprachige nnd eine rein slowenische, errichtet werden. Damit nicht zufrieden, bezog der Seelenhirt mit seinem Anhang gleich bei der Errichtung der Schule eine Kampfstellung. Lein Einfluß brachte es dahiu, daß den beiden Lehrern, welche die zwei einklassigen Abteilungen anvertraut erhielten, die in den Augen des Seelsorgers mit dem Makel deutschfreundlicher Gesinnung behastet waren, die Verabfolgung von Speise und Trank in den beiden vorhandenen Gaststätten verweigert wurde. Die beiden jungen Volksbildner mußten daher die Hilfe der Behörde anrufen. Der Amtsvorstand der Klagenfurter BezirkShauptmannfchaft dekretierte nun, daß, wenn die Wirte den Volksbildnern nicht leib-liche Atzung verabfolgen, die Behörde sofort mit der KonzefsionSentziehung vorgehen werde. DaS wirkte. Der Kampf von Seiten des Seelsorgers gegen die deutsche Abteilung erlitt indessen keinc^ Ver-Minderung, sondern nahm zu. Die Partei des «eelen-Hirten errang nach allerhand Schlichen und Kniffen die Oberhand. Die anfängliche Festigkeit der Behörde in dem die Würste eingepackt waren, trotz meines Verbotes hier auf dem Exerzierplätze wegwarfen." Ueber das Angesicht Seiner Exzellenz ging ein Strahl des Verständnisse«: .Ah, die vielen weißen Papiere? Und?!" Winniger schloß: „Daher habe ich diesmal die Leute bestraft und ihnen keine Knackwurst bewilligt, Exzellenz!" General Lipsitzky vergaß sogar da« kopffchütteln. Er sagte nur: „Ah so!" Und nach einer Weile: „Die wahre Ursache sind also ganz richtig die Knack-würste! Komisch! Komisch!" Er winkte dem Oberleutnant ohne ein weiteres Wort de« Räsonieren« ab. ebenso den anderen Herren, und ritt nach Hause. Er rechnete es seufzend au«, wieviel Geld es erfordert haben würde, wenn er damals beim Kaisermanöver, da er die entscheidende Ecke vor sich hatte, nach der Haupt- und Residenz-stadt zn kommen, sein Korps mit Knackwürsten ver-sorgt hätte, zn erhöhen. Dann wäre ihm vielleicht jene Kritik erspart geblieben, die es bewirkt hatte, daß er noch immer in der Provinz saß und der Truppeninspektor sich im letzten Herbst schon sehr angelegentlich nach seinem Rheuma erkundigt hatte, für welches das Grazer Klima besonder« empsehlens-wert wäre. Die Knackwürste de« Oberleutnants Winniger vergaß der General sein Lebtag nicht. Doch seufzte er jedesmal, wenn er sich ihrer erinnerte. wich milderer Auffassung und das benutzten die Gegner zn erhöhten Angriffen. Das Schulhau« erhielt neben der slowenischen Anffchrift noch einen weiß-blau roten Anstrich. Der Ortsschulrat nahm keine deutschen Zuschriften mehr an, mochten sie von wo und wem immer kommen. DaS Treiben wurde o arg, dab der Behörde endlich doch der Geduldfaden riß. Es erfolgte d>e Auflösung des Ortsschnl-rate? nnd die Einsetzung einer Art Regiernngsver-treter, ausgestattet mit ortSschulrätlicheu Befugnissen. Die Neuwahl soll «ach der Wahl der Gemeindever-tretnng, deren Mandatdauer zu Ende geht, ersolgeu. Um den amtlichen Zwang zur Verabfolgung von Speisen uud Trank an die Lehrkräfte zu ver-meiden, nahm die Behörde darauf Bedacht, daß weiterhin wenigstens eine der beiden Lehrkräfte beweibt fei. Und so zog denn vor Jahressrist ein Jugendbildner aus Viktriug, KofchatS Geburtsort, mit einer Lebensgefährtin aus der Hüttenberger Gegend in das mit dem slowenischen Dreisarb ge» zierte Zeller Schnlhaus ein. Vor kurzem gab es Familienzuwachs. Der Seelsorger wurde ersucht, die Taufe deutsch vorzu-nehmen, da nicht nur die Mutter, sondern auch die Patin eine Deutsche sei. Der Seelsorger erklärte aber rundweg, daß die Anmeldung irgendwelchen deutschen Laute« bei der Taufe ausgeschlossen werden müsse. Die Zeller Psarre sei slowenisch, die Matrikeil -sührung uud die Kirchensprache ebenfalls. Die Anwendung des Deutschen erscheine gesetzlich unzulässig. Ausnahmsweise sei er jedoch bereit, die Taufe lateinisch vorzunehmen und der Patin den not-wendigen Unterricht im Lateinischen zu erteilen, eS solle nur dafür gesorgt werden, daß sie zu diesem Zwecke einen oder mehrere Tage vor der Taufe in den Pfarrhof komme. Ob dieser Abweisung war die Lehrersamilie in keine geringe Verlegenheit geraten. ES war naheliegend, sich in dieser schwierigen Lage an das Klagen-furter evangelische Pfarramt zu wenden, dessen Vor-steher den weiten und schwierigen Weg nach Zell sicher nicht gescheut haben würde. Mehrseit« ist der bedrängten Lehrerfamilie auch dieser Rat erteilt wor-den. Sie entschied sich aber dasür, an der ange-stammt*» Religion sestzuhalteu und sich an da« fürst« bischöfliche Ordinariat um Abhilfe zu wenden. Und znr Freude der Eltern wie der Patin geschah daö nicht erfolglos. Das Ordinariat hat sich — es muß da« rückhaltlos anerkannt werden — seiner Pflicht auch Deutschen gegenüber erinnert und den wider-spenstigen Seelenhirten scharf gefaßt. Der Erlaß, den das Ordinariat an das Zeller Pfarramt richtete, soll, wie uns mitgeteilt wird, dem Wesen nach sol> gendermaßen lauten: „Wie aus der hier zur Einsicht mitfolgenden Beschwerde hervorgeht, soll der Bitte des Beschwerde» führer«, die Tanszeremonie bei der Taufe seines Kindes in deutscher Sprache wegen der nur deutsch verstehenden Patin vorzunehmen, keine Folge gege« ben worden sein. Damit die Taufe nicht länger ver« schöbe» werde, wird hier in Beilage ein Tauffor« mular au» dem neuen Rituale der Lavanttaler Diö-zese zur Benützung übersendet, worin die Fragen an die Tanspattin auch in deutscher Sprache abge-druckt sind. Euer Hochwürden haben als Seelsorger sowohl für Slowenen als auch für Deutsche diese Taufe sobald als möglich vorzunehmen und in toleranter Weise die Fragen an die Taufpatin in deut, scher Sprache zu stellen. Der Geburls- und Tauf« akt ist in die Taufmatrik nach Vorschrift deS K.-V.-Bl. vom Jahre 1900, S. 64, in deutscher Sprache oder doppelsprachig einzutragen. Sollten besondere wich-tige Gründe gegen da« Taufen durch Euer Hoch-würden obwalten und auch keine Gefahr im Ver-znge sein, so ist der Herr Pfarrer Primofchitz in Glainach gütlich zn delegieren. An den Beschwerde« sichrer geht unter einem von hier au« der kurze Bericht, daß an da« hochwürdige Pfarramt in Zell ein Taufformnlare mit deutschen Fragen gesandt wurde uud so die Taufe seinem Wunsche entsprechend stattfinden kann. Euer Hochwürden haben über die Gründe Ihres Vorgehens bei diesem Falle hierher Bericht zu erstatten nnd zugleich das Taufformulare sowie das Schreiben des Beschwerdeführers wieder zurückzusenden." Trotz dieser strengen Weisung aber ging die Tause noch immer nicht glatt von statten. Der Seelenhirt bemühte sich, Schliche und Kniffe aller Art anzuwenden, »im die Eltern wie die Patin schließlich doch herumzukriegen, daß sie von der Durchführung der Tause in deutscher Sprache Ab-stand nehmen. Es half dem nm die Entweihung des Pfarr-Hofe« durch Anwendung der deutschen Sprache be- sorgten Seelenhirten aber nichts. Die Taufe wurde am 4. d. M. deutsch durchgeführt und der Tauf« schein deutsch ausgestellt. Die Eintragung in die Matriken erfolgte, wie uns berichtet wird, zwei« sprachig. Kein Gottesgericht hat sich darob eingestellt, die Erde keinen Spalt aufgetan. Alles blieb in feiner Alltäglichkeit. Wohl aber ist Achtung nnd Ansehen der wackeren Lehrersamilie auch bei der slowenischen Bevölkerung im Steigen, der Stern des Pfarrer« jedoch im Sinken. Stririscher Znndtag. Am 27. d. M. haben drei Landtage ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Im steirischen Landtag, der gestern zusammen« trat, war die Budgetdebatte ziemlich lebhaft, denn der Voranschlag für 1910 weist einen unbedeckten Abgang von 3,700.000 Kronen ans, zn dessen Be-dcckung eine Reihe don Steuererhöhungen und die Aufnahme einer Schuld notwendig ist. Unter anderem lag auch ein Bericht de« Landesausfchnfses in Angelegenheit der Aenderung der Grenzen zwischen der Stadtgcmeinde Eilli und der OrtSgemeinde Umgebung auf. An der TageS-ordnung stand auch die Erhöhung der LandeSanf« läge auf Bier. Landesausschnß Dr. Link beantragt, den Gesetz-entwurf betreffend die EinHebung der Landesauslage auf den Verbrauch von Bier, dem Finanzansschusse zuzuweisen und die Beratung im Ausschüsse so z« beschleunigen, daß der Antrag noch am Donnerstag auf die Tagesordnung gesetzt werden kann. Bei der Abstimmung wird die Zuweisung de« Antrages an den Finanzansschuß mit großer Mehr« heit beschlossen und der Beschleunigung der Vorbe-ratung zugestimmt, so daß der Gegenstand Donner«-tag zur zweiten Lesung ans der Tagesordnung stehen wird. Aus Sladl und Land. Cillier Gemeinderat. Sitzung vom 28. Dezember 1909. Vorsitzender Bürgermeister Herr Dr. Jabornegg Edler von Altensels. Anwesend 20 Gemeinderäte. Den Gegenstand der Tagesordnung bildete der Stadtgemeindevoranschlag sür das Jahr 1910. Der Obmann des Finanzausschusses Bürger-meifterstellvertteter Herr Max Rauscher verliest den Voranschlag und es werden für jeden der einzelnen 17 Titel und Fvnde abgestimmt und der Voran-fchlag in seiner Gänze genehmigt. Bei dem Titel Schlachthausbetrieb entspinnt sich eine ledhaste Wechselrede über die Zuführung und Erzeugung des EiseS. Der Bürgermeister erklärt, daß die Zu-sührung des Eises in wenig entsprechender Weise geschehe. Gemeindeausschuß Dr. Schurbi stellt den Antrag, der Bürgermeister möge ermächtigt werden, das nötige zur Anschaffung eines geeianeten Wagen« für die Zufuhr des Eises zu veranlassen. Der An-trag wird angenommen Bürgermeisterstellvertreter Herr Max Rauscher betont, daß sich der Mangel an Eis namentlich während der letzten Feiertage sehr fühlbar machte und erklärt, es wäre notwendig, daß die Stadtgemeinde die Eiserzeugung in die Hand nehme. Dieser Anschauung schließt sich auch der GemeindeauSschuß Herr Anton Neu brunner an. Der Bürgermeister erkiärl, daß die Gemeinde die Eiserzeugung nur dann übernehmen könne, wenn sie die Versicherung habe, daß das erzeugte Eis auch wirklich verkauft werde Gemeindeausschuß Herr Neubrnnuer wird schließlich ersucht, in der Gastge« iverbegenossenschaft die Angelegenheit vorzutragen. Sollten sich die Wirte zur Abnahme des Eise« ver-pflichten, dann werde die Gemeinde erst der Sache näher treten. Bei dem Titel Stadtschulsond meldet sich Ge-meindeansschuß Bobisut zum Worte und bezeichnet die Ausgabe von 51.639 K als eine sehr hohe Belastung. Der Bürgermeister und Ge» meindeansschuß Dr. Jesenko geben hiezu eingehende Erklärungen nnd et wird auch diese Post anstand«» los passiert. Der Stadtvoranschlag weist in den einzelnen Titeln folgende Ziffern auf: Seite 4 1. Verwaltung Deutsche Wacht Nummer 104 Einnahmen R 3 — 2. a) Realitäten ....... 74.792 52 540— 19.700— 3.100— h) Wert- und Schulpapiere .) Städtische Geiälle 3. Sttaßen und Plätze 4. a) Armenversorgung..... b) Sanitätspflege............— 5. Feuerlöschanstalt...... 6. a) Landesbürgerschule..........— b) Knaben« und Mädchenschulen . — e) Kunst- uud Wisienschast ... ^ — 7. Militäreinquartierung..... 5.200— 8. Verschiedenes....... 15.000-— 9. Durchlaufend.......50.000-— 10. Pensionsfond ....' 11. Schlachthausbetrieb . . . 12. Bürge, verforgungS-HauSfond 13. Gasanstalt...... 14. RealitätenverkehrS-Bermittlung 15. a) Bestattungsanstalt 626-40 26.480 — 17.205— 1.600— 300— 17.000— Ausgaben K 67.932— 27.696 — 84-120— 5.442— 21.040 — 21-07 4.463— 300 — 4.920— 37 070- -14.493-76 6.400— 750*— 50.000-— 626*40 19.979— 17.205— Ueberschuß K 47.096 52 14-258- - Abgang 67.929— 83.580— 17.940— 2107 4.463— 300 — 4.920*— 37.070-— 14.493-76 1.J00 — 14.250— 6.501— 1.600— 60 — b) Armensond.......18.610- o) Stadtschulfvnd...... 51.639- d) Friedhofsond...... 8.918.— e) Pfründnersond...... 2.821 24 f) Theaterfond...... 3.580-— Die Gesamteinnahmen betragen 312.115 K 16 li, bis Ausgaben 467.156 K 47 b, was einen Abgang von 155.041 K 31 h ergibt. Zur Deckung dieses Abganges wird über Antrag des FinanzauS-schusieS die EinHebung solgender Umlagen und Zu-schlage einstimmig beschlossen: 15 #/# Umlagen von der Gru«d> und Hanszinsftcuer, 50% Umlagen von der allgemeinen Erwerb- und Hausiersteuer, 67 % Umlagen von der besonderen Erwerb., Renten-und BesoldnngSsteuer. 10% Zinsheller vom M,et-zinse, die Bierumlage von 1 K 50 h für den Hektoliter und das Wein- und Fleischpauschale. Musikverein. Der Musikverein hält heute. Mittwoch abends, im Hotel ..Erzherzog Johann" seine diesjährige Generalversammlung ab. Voll, zähliges Erscheinen ist dringend erwünscht. Silvesterfeier. Wir machen nochmals auf bie im Deutschen Hause am 31. d. stattfindende Silvesterseier aufmerksam. AuS dem Programme sei folgende» mitgeteilt; 1 Musikstück (Muiikvcreitt«-kapelle). 2. Gotentreue von Han» Wagner (Männer-gesangverein) 3. F,eiübuuge» (Turnverein). 4. Gondellied von Füllekuß (Verein Liederkranz). 5. DaS verhängnisvolle Ständchen von Rudolf Wagner (Männergesangverein). 6. Tombola. 7. Am Weis-heilSbrunnen. Die Feier beginnt Schlag 8 Uhr, weshalb um rechtzeitige« Erscheinen ersucht wild. Die Tombola beginnt Schlag 10 Uhr. daS Sing-spiel „Am Weis^eilSbiunnen" um 11 Uhr 45 Min. Aus ins Deutsche Haus am Silvesterabende! Verband deutschvölkischer Arbeiter. Der Verband deutschvölklscher Arbeiter veranstaltet am 31. d. M. im „Hotel Mohr" eine Silvester, seier mit Glückshasen und Musikvorträgen. Den Schluß bildet ein Tänzchen. Evangelische Gemeinde. Anläßlich der Jahreswende sinden in der ChristuSkirche am Sil-vesterabend um 5 Uhr und am Neujahrsmorgen um 10 Uhr Gottesdienste statt. Die Silvesterfeier wird Herr Pfarrer May über das Thema „Trost und Zuflucht" halten. Bei diesem Gottesdienst wird Iran Bergkommissär Bauer mit Orgel- (Herr Juterberger) nnd Eellobegleitung (Herr Stryeck) das Lied von Woldemar Voullaire „Das Jahr geht st,ll zu Ende" zum Vortrag bringen. Das Lied ist sür eine obligate Orgel- und Cellostimme von Herrn Ed. Jnter-verger bearbeitet. Die Gesänge der Gemeinde werden überdies von einem Bläserquartett begleitet werden. Schulvereinsabend. Die Vorbereitungen zu dem am 5. Jänner 1910 unter dem verlocken den Titel „Im Zeichen der Chrysanthemen" statt findenden UnterhaltungSabend der Frauen- und Mädchenortsgruppe Cilli deS Deutschen SchulvereineS sind bereits im besten Zuge. Außerdem mache» wir nochmals daraus aufmerksain, datz der Reingewinn den diese Veranstaltung abwirst, der Roseggerslistnng zufließt. AuS der reichhaltigen Festordnung wollen wir heute schon einiges verraten. Um 8 Uhr wird das Lustspiel „Heinzelmännchen" von Stoklasser ausgesührt. welches mit seinen urkomischen Szenen ungemein erheiternd wirkt. Dann werden (Zwei- und Dreigtsänge) auS den Operetten „Mikado" und „Geisha" gelungen. Bei diesen Liedervorträgen wird nicht nur das Ohr. sondern auch daS A»z« gesesselt namentlich durch die graziösen Tanzbewegungen und daS reizende Fächerfpiel. Die vollständige Leitung hat Frau Hanna Wrada-Halm in liebenswürdigster Weise übernommen. Den Schluß bildet ein von 16 240— 19.260— — 2.260-— 18.610"— — — 51.639— — — 7.688— — 3.770- 2.821*24 — — 4.440- - — 860— Nach der Erledigung der Tagesordnung stellt Bürgermeisterstellvertreter Herr Max Rauscher den DringlichkeitSantrag, die Stadtgemeinde Cill, möge in Anerkennung des Entgegenkommens, das der Deutsche Schulverein der Stadtgemeinde Cilli be. wiesen ha», zur Roseggerstistung einen B a u st e i n zeichnen. Dieser Antrag wurde ohne Wechselrede einstimmig angenommen. Hierauf schließt der Bürgermeister die öffentliche Sitzung, welcher eine vertrauliche solgt. japanischen grauen ausgeführter Reigentanz. Die enlzückeuden, ausgezeichnet gestellten Gruppen an sich werden schon sehenswert sein, umsomehr, als alle Kostüme naturgetreu sein werden. In der nächsten Blattsolge werde» wir die Namen der Mitwirkenden und das aussührliche Programm mitteilen. Kränzchen der staatlichen Vertrags-beamten in Tilli. Am 8. Jänner veranstaltet die Ortsgruppe Cilli der staatlichen Vertragsbeamien im kleinen Saale deS Deutschen HauscS ein Kränz-chen. Ein allsälliges Reinerträgnis sällt dem Unter-stützungSsonde der genannten Ortsgruppe zu. Die Musik besorgt die städtische Musikkapelle. Während der Pause werden von der Gesangsrund« der staatlichen VertragSbeamten einige Lieder vorgetragen Nachdem dieses K änzche» einem wohltätigen Zwecke zu Gute kommt, werden alle Gönner ersucht, dem^ selben ihre wohlwollende Untersttztzung angedeihen zu lassen. Die diesbezüglichen Einladungen werden in den nächsten Tagen ausgegeben werden. Handelskränzchen. Die Einladungen zu dem am 15. ds. im Deutschen Hause stattfindenden HandelSkränzchen. das zu den Eliteunterhaltungen der Faschingssaison gezählt wird, sind bereits et-gangen. Bei der großen Menge von Freunden und Bekannten des deutschen Handelsstandes ist es nicht ausgeschlossen, daß die eine oder andere Familie keine Einladung erhielt. )n diesem Falle wird Hös-lichst gebeten, die Anschriften in der Schristleiwng der Deutschen Wacht" zu hinterlegen. Für die armen Kinder im Kranken« hause. Weitere Spenden sür die armen Kinder im hiesigen Krankenhause sind eingelangt von: Franz Zangger, Südsrüchte; Johann Koß, Strümpse, Hüte usw.; Frau Stesanic 6 Kronen; Frau Ober-vermalter der Zinkhütte, Spielsachen und Bäckerei; Frau Anna Staudinger, Kappen; Herr M. Rauch, verschiedene Spielwaren; Georg Saversnik, Sankt Peter 1 Krone; Franz Pristovschegg 5 Kronen. Spende für die Stadtarmen. Die Fa-mili.- Hainz v. RoodenselS spendete anstatt eines Kranzes sür Herrn Oberst v. Snsic für die Stadt» armen CilliS den Betrag von 10 Kronen. Aus der Theaterkanzlei. Samstag, um 6 Uhr abends, geht die reizende französische Operette „Die Puppe" von Edmond Audrau in Szene. Sonn-tag den 2. November steht die Lustspielnovität „Im Klubsessel" von Karl Rößler nnd Ludwig Heller zum ersten Male auf dem Spielplan. DaS ungemem heitere und uuterhalteude Werk erzielte überall nnd namentlich in Graz durchschlagenden Erfolg, der ihm auch auf unserer Bühne treu bleiben dürfte, zu-mal alle Hauptrollen mit den ersten Kräften deS Ensembles besetzt sind. Verband deutscher HochschMer in Marburg. Die Vorarbeiten zu dem am 3. Jänner nun seit vier Jahren wieder znm ersten Male statt-findenden Kränzchen gedeihen rüstig weiter und bietet der Ausschuß des Verbände» alles auf. um dem Feste einen glanzvollen und würdigen Verlauf zu sichern. Die prächtigen, in weiß, grün und gold ge-halten? Saaldekorationen dürften wohl allgemeine Bewnndernng erregen. Wir ersuchen jene Familien, die noch keine Einladuug erhalten haben, sich an den Schriftführer Techniker Emil Duma zu wenden, da ohne dieselbe niemandem der Besuch des Kränz-chens offen steht. Neujahrs-Tnthebungskarten zu guusten des städtischen Armensondes werden bei dem Stadt-Zahlamte gegen eine Mindestleistung von 2 Kronen verabsolgt. Die Abnehmer solcher Karten werden wir dankbar iu unserem Blatte veröffentlichen. — Bisher haben Enthebungskarten gelöst: Familie Raknsch 10 Kronen, Herr und Frau Georg Skoberne 4 Kronen, Frau Julie Zorzini 2 Kronen, Herr kais. Rat E. Traun 10 Kronen. Herr und Frau Anton Dimetz 2 Kronen, Herr Hauptmann L. Weber 2 Kronen, Herr Max Rauscher und Frau 10 Kronen. Fran Direktor Tisch 2 Kronen. Herr Ang. Pinter und Fran 2 Kronen. Herr Viktor Lichtenegger 2 Kronen. Familie Jellenz 4 Kronen. Herr Robert Zangger 2 Kronen, Frau Helene Skoberne 4 Kronen. Frau Dominika Zamparutti 4 Kronen, Familie Rebenschegg 5 Kronen, Herr Dr. Joses Kovatschitsch 10 Kronen. Herr Dr. Joh. Riebl 5 Kronen. Herr Anton Patz 2 Kronen, Herr Leop. Wambrechtsamer und Frau 4 Kronen. Herr Hans Wogg nnd Frau 10 Kronen, Herr Fiedler 3 Kronen, Frau Luise PalloS 2 Kronen, Herr Jng. Wilhelm Lindauer 10 «ronen, Herr Johann (Hajsek, Kansmann, 2 Kronen, Herr Fritz Hoppe, Kausmann, 2 Kronen. Herr Karl Urch, Kaufmann, 2 Kronen. Herr Josef König, Kausmann, 10 Kronen, Herr Lukas Putan. Kaufmann, 4 Kronen, Herr Bankdirektor Brunner und Frau 10 Kronen. Herr Anton Neubruuner 2 Kronen, Herr Rud. Costa-Kuhu und Frau 3 Kronen. vom Postdienste. Das Handelsministerium hat den Postassistenten Anton Paul in Cilli zum Postosfizial und den Postmeister Franz P e r m o s e r in Pöltschach znm Oberpostmeister a besteht aus 110 Preisen. 1. Preis ein Bienenstock und 100 K. 2. Preis ein Bienenstock und 40 K. 3. Preis ein Bienenstock uud 20 K. 4. Preis ein Bienenstock und 10 K. 5. Preis ein Bienenstock und 10 K. 6. Preis ein Bienenstock nnd 10 K in Gold. 7. Preis 4 Vereinsgläser und 5 K nsw. Anspruch auf einen Preis haben nur jene Mitglieder, welche den Vercinsbeitrag für das Jahr 1910 bis 1. Fe-bruar erlegt haben uud auch mit keinem JahreSbei-trag im Rückstände sind. Neu eintretende Mitglieder enießen dasselbe Recht, soserne sie anch bis l. F e-ruar 1910 den Vercinsbeitrag von 2 K 30 H als direkte Mitglieder, Graz, Bürgergasse 2, eilige-sendet haben. Dafür erhalten dieselben monatlich das Vereinsblatt, den „Steirischcn Bienenvatcr", der ein Berater sür alle Imker in den Alpenländern ist, zugesendet. 130.000 : 26.000? Ja, wenn jedes fünfte Mitglied von de» 130.000 Mitgliedern des Deutschen SchulvereineS den sehr schönen Kalender (Preis X 1.30) für sich oder andere anschaffen würde, so müßte auch die Neuauflage bald wieder vergriffen sein und damit wären nahezu 26.000 Stück sür dieses Jahr abgegeben. Jeder Deutsche leiste auch in dieser Hinsicht treue Mitarbeit! Store. Wie alljährlich, so veranstaltet auch heuer die Ortsgruppe Store des Deutschen Schul-Vereines am Freitag den 31. Dezember, um 8 Uhr abends, in den oberen GasthanSräumea „zum Eisen -Hammer" eine Silvesterseier mit Tombola, deren Reinerträgnis zu Gunsten der deutschen Volks-schule in Store verwendet wird. Schleinitz. (Todessall.) Die bei ihrem Bruder, dem Pfarrer Hirti, hier lebende Ingenieur«-witwe Frau Cäcile Gabrol starb vorgestern im 70. Lebensjahre. (Bonobitz. (Verschiedenes.) Am 31. ds. veranstaltet die hiesige Freiwillige Feuerwehr ihren Silvesterabend. — Das deu Johann Wallandschen Erben gehörige Gasthaus „Znm schwarzen Adler" ging in den Besitz de» Herrn Fleischhauers Marti» Merkfa aus Retschach über. — Der Itatthalterei-kouzipist Dr Lajnsic wurde zur k. k. BezirlShaupt-Mannschaft Marburg versetzt. Sein Abschiedsabend fand im hiesigen Narodni Dom statt. Die Slowenen verlieren in ihm einen ihrer werktätigen Förderer. Rann. (Ehr istbaumfeier.) Auch dieses Jahr sand am 24. d. M. nachmittags im allge-meinen Krankenhause eine Ehristbanmfeier statt. Als der mächtige, prunkvoll geschmückte Ban« in seinem Lichtcrglanze erstrahlte, hielt der Primarins dir Anstalt, Herr Dr. Hans Höller, eine der Feier ent-sprechende Ansprache an die arme kranke Jngend. Nach Absingung eines Weihnachtsliedes durch die Schwestern und Pfleglinge nahm die Schwester Oberin mit dem Verwalter die Verteilung der Ge> schenke vor. Mit Spielzeug, Kleidungsstücken und Eßwaren wurde jedes der armen Kleinen reichlich bedacht. Der Baum, sein prächtiger Schmnck, sowie die Liebesgaben wurden in hochherziger Weise von der Familie des Großkansmannes Herrn Franz MatlheiS, deren WohltätigkeitSsinn ja weit über die Grenze» des Vaterlandes nur zu gut bekannt ist, beigestellt. Ihr sei hiemit anch im Namen der hoch, erfreuten kleinen Kranken der wärmste Dank gesagt. Großes Gisenßahm,ngtück auf der Sta tsbakn. Sechzehn Tote, zahlreiche Schwerverletzte. Ein schweres Eisenbahnunglück, wie es in diesem folgenschweren Umfang seit Jahrzehnten in Oester-reich nicht vorgekommen ist, hat sich am ersten WeihnachtSseiertage ereignet. In der Station UherSko, unweit von Pardnbitz, ist der nach Wien fahrende Schnellzng der Staatseisenbahngesellschaft SamStag vormittags nach 9 Uhr in einen in der Station rangierenden Güterzng hineingefahren. Durch Unachtsamkeit oder Pflichtvergefsenheit deS in Haft genommenen Verkehrsbeamten der Station stand der Semaphor für den einfahrenden Kourierzug auf „Frei". Die im letzten Augenblick unternommenen Versuche eines Weichenwächters und des Verkehrsbeamten Zeis, durch Armschweuken und Zurufe den Lokomotivführer auf die drohende, fürchterliche Gefahr aufmerksam zn machen, blieben infolge deS Nebel» erfolglos; auch war die Distanz bereits zu kurz, als daß diese Signale noch irgend welche Bedeutung gehabt hätten. Da der Schnellzng in UherSko nicht zu halten hatte nnd das Geleise frei schien, suhr der Loko-motivsührer mit der für diese Teilstrecke vorge-schriebenen Geschwindinkeit von 80 Kilometern m der Stunde weiter und durch die Station UherSko hindurch. Hundert Schritte weiter in der Kurve nach rechts stand der Giiterzug. und nm so sicherer mnßte nun daS Unglück eintreten, als dichter Morgen-nebel herrschte, jeden Ausblick auf mehrere Schritte hin unmöglich machend. So fnhr der Schnellzug unaufhaltsam mit 80 Kilometern Geschwindigkeit ins Verderben hinein. Um halb zehn Uhr ertönte eine explosionsartige Detonation. Der Schnellzug war aus deu Güterzug aus-gestoßen. Lokomotive gegen Lnkomotivel Das «reichen der zusammenstoßenden Zugskörper war so heftig, daß in dem etwa 50 Meter vom Orte der Katastrophe entfernten Gasthause infolge des Luftdruckes sämtliche Fensterscheiben eingedrückt wurden. Der doniierähnliche Knall wurde, wie erzählt wird, selbst in der weit entlegenen Dorskirche, wo der Gottesdienst stattsand, mit Schrecken vernommen. Der Pfarrer unterbrach die Predigt, damit die Kirchenbesucher Umschau nach der Ursache der Detonation halten. Der Anblick bot den von allen Seiten herbciströmenden Leuten ein furchtbar wüstes Chaos. Aus dem Trümmerfeld wehklagte es. In der Mitte der Unglücksstätte standen die beiden Loko-motiven ineinander verfahren. Verbogen und ge-brochen waren die Puffer, die Leitstangen und Räder ragten in die Lust, und aus den Kesseln entwich unter heftiger Dampfeutwicklung das siedend heiße Wasser. Rings um die Lokomotiven dieselbe Ver-heerung. Der Tender des Lastzuges hatte deu folgenden Waggon erklettert. Vom Prager Schnellzug, der ueun Waggons mit 160 Reifenden geführt hatte, standen blos die sechs letzten Waggons, selbst die entgleist, kreuz und quer neben der Böschung. Die vier vorderen Waggons waren zertrümmert, der ganze Oberbau der Bahn zerstört; das Erdreich war lies, wie durch schwere Pflüge, aufgeschürft. Die Geleise waren gänzlich deformiert nnd zerrissen, in die Höhe und zur Seite gebogen, teilweise ganz zur Seife geworfen, die Schiene» teils weit hinweg geschleudert und über den ganzen Bahnkörper verstreut. Und auS dem wirren Konglomerat der verschiedensten Holz- und Eisen-bestaiidteile tönte» unausgesetzt laute Klagerufe und das schmerzhafte Wimmern der verunglückten Passa-giere, die, zwischen den Trümmern eingequetscht, die entsetzlichsten Qualen litten. Alle«, waS sich aus der Unglücksställe einge-sunden halle, das Stationspersonale, Landleute der Umgebung und die unversehrt gebliebenen Reisenden auS den letzten Waggons griffen sofort zu, um zunächst die allerwichtigste Arbeit zu tun, nämlich die Verunglückten unter den Trümmern hevorzuholen. Eine furchlbar schwierige und mühsame Arbeit! Es galt, die ineinander versangenen, zerbrochenen und verbogenen Wagenbestandteile mit größter Anstreu-gung von einander zu lösen. Viefach mußten Aexte und Hacken zu Hilfe genommen werden, um die größeren Alächen zu zerhacken und dann leichter ent-fernen zu können. Doch mußte mit den Instrumenten sehr vorsichtig hantiert werden, da stet« zu befürchten war, daß unter dem Trümmerstück ein Veruuglückier liege. während so die Bergungsarbeiten langsam fort-schritten, entstand, al« od nicht genug Unheil ange-richtet wäre, an einer Stelle de< Trümmerfeldes ein Brand. DaS aus den zerbrochenen Waggons auS- Ei tc 6 Deutsche Wacht 10t strömende Leuchtgas hatte Feuer gefangen. Glücklicher' | weise war die Feuerwehr zur Hilfsaktion angekommen. ES gelang bald des JeuerS Herr zu werden. Zm ganzen forderte die Katastrophe 16 Tote, 18 Schwer, und 14 Leichtverletzte, abgesehen von jene», welche unbedeuteude Verletzungen erlitten und ärztliche Hilse nicht in Anspruch nahmen. Die Schwerverletzten wurden in WaggonS deS Pardubitzcr HilsSzugeÄ gebettet und in das Pardubitzer Kranken-haus gebracht. Der Bahnassistent Zeih, der beschuldigt wird, durch daS falsche Signal des SemaphorS daS Unglück herbeigeführt zu haben, wurde von einer aus Par-dubitz erschienenen Gerichlskommission verhastet. DaS tschechische „Gemüt." Bci der Bergung der Toten sowie bei der Frei-machung und Transportierung der Schwerverletzten spielten sich widerliche Szenen ab. Die in den nahen Ortschaften wohnenden strömten natürlich in Mengen herbei und gafften müßig. Als man sie ausforderte mit Hand anzulegen, anlworteten die Leute: „Wer wird uns bezahlen?" Die Nettungsarbeiten wurden von de» Bahnschlosser», den Arbeitern der Staats-bahnwerkstätten zu Prag, Böhm.-Trübau und Chotzen, de» Feuerwehren der Umgebung und den herbeibeor-derten Gendarmen sowie von dem Personal der beiden von dem Unglück betroffenen Zügen durchgeführt. Leichenräuber? Obige Mitteilung wird noch ergänzt durch nach-stehende. ES ist sofort bei Bergung der Leichen aus-gesallen. daß man bei diesen keine Fahrscheine, keine Wertpapiere und sonstige Sachen vorfand. ES sind Gerüchte im Umlauf«, daß Tote und Verwundete beraubt worden seien. Außerdem heißt es. daß im Hüttelwagen Geld und Wertsachen, sowie eingeschrie-bene Briefe mitgefühlt wurden, die gleichfalls ver-schwunden sind. ES ist zwar möglich, daß einiges davon dem Brande zum Opfer gefallen ist, der wüh-rend der Bergnng der Leichen auSbrach. Wie ver-lautet, hat die Staatsanwaltschaft eine Kommission eingesetzt, die in allen Dörfern der Umgebung Nach-forschungen nach den vermißten Gegenständen pfle-gen soll. Schaubühne. Am SamStag hatten wir da» Vergnügen, den slotien Schwank „Die 3. ESkadron" von Vernhart Buchbinder aufgeführt zu seben. Zugkräftig ist da« S-ück unbedingt. Tendenz und Moral darf man da allerdings nicht suchen Da« Stück führt un« zwar einige sehr gut gezeichnete, au« dem Leben h>e hat mir gut getan. Meine Freundin sagt, di« ****** helfen ihr immer, wenn sie erkältet ist, und sie hat immer FayS echle Sodener im H»us Und die weiß schon, was gut ist. Fay» echte Sodener Mineral-M m! Pastillen sind in jeser Apotheke, Drogerle und *lol< Mineral wasserhaudlnng • " zum Preise von ft 1.25 pro Schachtet erhältlich. Generalreprtsentanz sür Lesterreich-Un^arn: W. Tl».Tuntzert, t. u. t Hosiieserant, Wien IV/l, Große N ugasse 17. Anerkannt vorzügliche Phntographische Apparate eigener nnd fremder Konstraktion. Wir empfehlen, Tor Ankauf eine» Apparate» unseren Ratgeber (534 Seiten mit 623 Illustrationen. Preis K 1.60), ▼erfasst ton unserem in Fachkreisen besten« bekannten wissenschaftlichen Mitarbeiter Alb. y Palocaiy, der unserem Uetailgeschifte, Graben 30, vorsteht and gerne Anskfti fte jeglicher fachlicher Art erteilt, zu Bäte zu liehen. R. Lechner (Wilh. Müller) Wien, tiraben 31. 16812 k. n. k. Hof-Manufaktur sstr Photographie. Fabrik photogT. Ap) a-ate. Pbotographiscbea Atelier. 'S? efrf» 's? 's» = Druckaufträge = in jeder beliebigen Husfübrung ;; bei massiger Preisanstellung. o AAAAAA AAAAAAA AAAAAAAA AAAAAAAAA AAAAAAAAAA AAAAAAAA^, » Cilli * Ratbausgasse 5 Celepbonanscbluss Hr. 21 [♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Jnseratenaufträge ij für du Deutsche Macbt werden j| nach billigstem Carif berechnet. SRumnirr 104 Deutsche Waqt ■Seite 7 vort&alidi in Qualität, billig im Gebrauch. Vorteilhafteste Zto -sum sortr » ti 5 und K 6 per '/, Kilo, 100 Kramm-Packette von K 1 m jm habe« bei Milan Hoöevar, Gustav Seiger und Franz Zangger. Echt rassinche Galoschen Sternmarke" ■ Inil die limlrn. Die Fabrik ,. Pro«vndnlk" Kig», garantiert lar Haltbarkeit 1510) Nur echt mit Stern-Mark« Niederlage: Frianz Kr Ick, Cllll. esrs esn* «s* esra essn «"» Man abonniert jederzeit auf das schönste und billigste Familien-Wi^blatt 5 i S E E Weggendorfer-Blätter S E E { i 5 6- Münzen Zeitschrift für Humor und Kunst, vierteljährlich lZ stummem nur k Z.60, bei direkter «s Zusendung wöchentlich vom Verlag X 4.-- Rbonncmrnt bei allen Buchhandlungen und Postanstatten. verlangen Sie eine 6ratis-Probe-nummer vom Verlag, Mündten, theatlnerftr. «I Kein Besudier der Stadt Mündten sollte es versäumen, die in den Riumra der Redaktion, Iheatinerftralje «N» befindlidie, Äußerst interessante Rus-(tellung von Originalieidinungen der Neggendorfer-Blätter iu befiditigen. ^ tiglüh geöffnet. Einlöst für jedermann frei! S I s s 3 3 K2S -9 Bei der gefertigten Werksdirektion kommt die Stelle eines Kanzlisten im Unterbeamtenrange zur sofortigen Besetzung. Verlangt wird die vollständige Beherrschung der deutschen Sprache, gut leserliche, schöne Schrift, Kenntnis der Stenographie und des Maschinschreibens. Kenntnis der slovenischen Sprache erwünscht. Interessenten wollen ihre eigenhändig geschriebenen und mit Zeugnissen belegten Offerte unter Angabe der GehaltsansprQche bis 31. d. M. bei der gefertigten Direktion einbringen. isggy Werksdirektion Trifail. rjgL m King of Jamaica Rum nur /wo *, '• KING OF JAM4IC Rum. / . ZMÄ In Orlgintilnbsstlliiiig ist die beliebteste und verbreitetete Ruin-Marke, bietet das Beste mj an Qualität zn billigsten Preisen. Niederlage bei: flau* Wogg? Spezereihandlung, CILLI. ra* vm ra* Die Sparkasse der Stadtgemeinde Cilli m gibt Heim - Sparkassen wie neben abgebildet kostenfrei ans. Nur ein Betrag von mindestens -4 Kronen, welcher wie jedes samtige Einlage verzinst wird, ist gleichzeitig in ein Etnlagebuch einzulegen und wird erst bji u »Versehrter Rückgabe der Sparbüchse wieder hina isgeguiMti. Dir Schlägel der S,»Kl>ajh?-f wird von der Sparkasse zurückbehalten uud hat der Entleiher in ihm nliebigen /5 esUhend aus S Zimmern, 2 Dienstbot- mimm-r, Küche, Sprisekjmm t, Vonimmer, Duehboleu- n. Kelleranteil, kommt per sofort zur Vermietung. Die Wohnung kann jeden Tag ton 11 bis 12 Uhr vormittags besichtigt werden. Anzufragen beim Hiuseradmini-strator der Sparkasse der Stadtgemeinde Cilli. isl dieTeemarke der vornehmen Weir und derArislokrahe ! Nur in Originalpacketen U» überall erhälMi ct- • Ein schlechter Magen kann nichts verttagen und die beständige Folge davon ist: Appeiillosigteit. MagenweH. Ukbeltnt, Verdauungsitörungen, Kopsweh K. Sichere Hilfe bog gen bringen Kaiser'8 Pfefferniiini-CarainellBn. «erztlich erprobt! Belebend wirkende», uerbouunnifir» bentbei und magenslärtendeS Mittel Paket 20 und 40 Heller bei: Max Rausch -r, Adler - Apotheke in Cilli! Schwarz! & Co.. »polh. jut Mariahils in Cilli: Carl Herrmann. Marti Tüfier: Han» Echniderschis, Apoth.gold. Ldler in Rann: «ug. Plunger, Salvator-Apotheke Wind.-Landtberg Kontorist und Handelsangestellter mit schöner Hand christ wird aufgenommen b< i Gustav Pirchan, Marbur/. Villa Sanneck mit herrlicher Fernsicht, in der nichsten Nfthe der Stadt Cilli, einstöckig mit Mansardenzimmern schönem Obst- and Gemüsegarten, ist preiswert tu rerkaufe*. Anfragen sind tu richten unter .Postfach Nr. 79. Cilli". 3. Geprüfter Kesselheizer beider Landessprachen mächtig, verheiratet, nüchtern und s«hr verlässlich, mit guten Zeugnissen, wird sofort aufgenommen. Anträge mit Angabe des Alters, des Lohnanspruche« sind unter Beischluss von Zeugnisabschriften an die Spinnerei Pragwald bei Cilli zu richten. P. T. . ' Ich beehre mich hiemit meine geehrten Kunden in Kenntnis zu setzen, dass mein Sohn, Herr Rudolf Ptthl, mit 1. Jänner 1910 aus meinem Geschäfte austritt, um sich selbst zu etablieren. Da ich das Geschäft meines veistorbenen Mannes in gleicher Weise wie bisher weiterführen werde, bitte ich meine geschätzten Kunden, mir alten 74jähiigen Krau, das bisher geschenkte Wohlwollen auch fernerhin zu bewahren. Indem ich versichere, dass ich bestrebt sein werde, mein» P. T. Kunden durch solide und gute Bedienung zufrieden zu stellen, zeichne ich mit den herzlichsten Glückwünschen zum neuen Jahre hochachtungsvoll Aloisia Ptthl. TVucksorteri Vereinshuchdruckerri .. w. „(Ecleia" C'.llt Kundmachung. Neujahrs - Enthebungskarten werden heim städtischen Zahlamte gegen eine Mindestleistung von 2 Kronen verabfolgt. Die Löser von Enthebungskarten werden in den nächstfolgenden Nummern der Deutschen Wacht namhaft ge« macht werden. S ladt am t Cilli, am 23. Dezember 1909. Der Bürgermeister: Tr. Heinrich von Iaboruegg. Handelsgremium Cilli. FakrtarM- eil Fracktickw naoh Amerika körigl. belgischer Postdampfer der ,Red Star Linie* von Antwerpen1 direct nach New-York and Boston eonceee. von der höh. k. k. Osterr. Regierung Man wende sieh wegen Frachten und FaHrkarten an die 102 il Keil Mtar Linie In Wien, IV., Wied«erg1irtel 6, Julliaa Papper, Südbahnatmaae % l» Innsbruck, Frans Ilolenr, Bahnhofatraaa« 41 t» Laibach. Hür bit Schriftleitung verantwortlich - Guido Schidlo. Kundmachung. Die Kauimannschakt Cillis hat in der Gremial-Versammlung vom 18. Dezember 1907 einstimmig beschlossen, von nun an keine Neujahrsoder sonstige Geschenke an ihre Kunden und deren Bediensteten zu verabreichen. Die Gremial-Vorstehung. Plakate, die in den Verkaufsgewölben ersichtlich anzubringen sind, stehen den P. T. Mitgliedern zur Verfügung. Drucker. Verleger, Herausgeber: «ereinsbuchdruckerei .Celeja- in Cilli