foKnhi* platea t Deutsche Zeitung Organ für die deutsche Minderheit im Dravabanat ■» : 9rd«nwM Mika &, X*Uj>Hra »U. 21 (intemtbon) i «e,»g»pr»if« ftir da» Inland - vierteljährig 40 DI». haldiShrlg 80 Dtn, g«»». i ta ta pi »Ulkst-, »«dühr», »«tgegengenomm», f jähriz l«0 Di». Kür U* «»»land «rtsprechende «khöhong. lin Srsch«i»t »ich«»tlich Donnerstag früh »ud Samstag früh mit dem Datum vom Sonntag Nummer 93 |}]~gelje, Donnerstag, den 21. November 1935 ||| 60. Jahrgang Der (öroftc Faschistenrat — seine Beschlüsse und Wirkungen In der am 19. November abgehaltenen Abend-fitzung des Großen Faschistenrate» hielt Minister-Präsident Mussolini eine zweistündige Rede über die politische und militärische Lage. Nach seinen Dar-legungen wurde eine Aussprache angeschlossen, an der mehrere Mitglieder de» Großen Faschistenrotes teil nahmen. Die nächste Tagung des Rates ist für den 18. Dezember d. I. angesetzt. Mussolini babe erklärt, man dürfe nicht er-warten, daß sofort die kräftige Offensive beginnen werde, welche die kommend: Etappe des Kriege« in Abessinien kennzeichnen werde. Bis zur nächsten Tagung des Großen Faschistenrates werde es nicht nur zu wichtigen Ereignissen am Kriegsschauplatz kommen, sondern bis dahin sei auch ein bedeutender Fortschritt in den diplomatischen Besprechungen zwischen Italien »nd Großbritannien zu erwarten. Die gesamte römische Presse schreibt begeistert von dem Willen Italiens zum entschlossenen Wider-stand gegen die Sanktionen und betont, die wiri fchastliche Belagerung Italiens sei ganz ungerechtfertigt. Was die Wirkung der Sanktionen betrifft, wird sie erst in einigen Tagen zu verspüren sein. Zunächst sind nur die industriellen Kreise besorgt. Die Be-völkerung spürt die Wirkungen noch nicht. Es herrscht die Meinung vor, daß die Staaten, welche die Sanktionen gegen Italien angenommen haben, in Wirklichkeit den Interessen des englischen Imperialis mus dienten. Da« „Berliner Tageblatt" schreibt, der 19. No-vember, als erster Tag der Anwendung der Sank-lionen, könnte die Grundlage für ernste Verwicklungen in Europa werden, da nach den Sanktionen Blockaden kommen könnten, die den Krieg bedeuten würden. England aber betreibt die Sanktionen weiter. Badoglio löst de Bono ab Rom, 16. November. DNB berichtet: Der Generalgouverneur von Ostafrika General de Bono wurde abberufen und für diesen Posten der bis-herige Chef de» italienischen Generalstab« Morschall Badoglio ernannt. General de Bono erhielt den Rang eine« Marschalls, Zum Vizegouverneur von Ostafrika wurde General Gusoni ernannt. Auswirkungen der Antisanktions-Politik in Oesterreich Aus Kitzbühel wird uns geschrieben: Für die bevorstehende Wintersaison hatten wieder zahlreiche Engländer, die hier als Gäste sehr geschätzt sind, schon vor Monaten Zimmerbestellungen vorgenom-men. Seit der in Genf erfolgten Erklärung des österreichischen Vertreters „aus Sympathie für Italien an den Völkerbundssanktionen nicht teilnehmen zu können" laufen erhebliche Abbestellungen au» Eng-land ein. Aus Holland kommen ähnliche Stimmen. Durch dos Ausbleiben der reich-deutschen Sport-gaste ist Kitzbühel auf die Gäste aus England mehr als früher angewiesen. Ein Ersatz aus Italien und Ungarn dürfte kaum wahrscheinlich sein. Mit der gleichen Besorgnis wird die Nachricht kolportier^ daß der Prinz of Wales, der Kitzbühel durch seine früheren Besuche in hervorragender Weise förderte, in diesem Winter auf den Besuch Kitzbühels ver-zichten wird. « Aus Wien wird geschrieben: Die österreichische Abordnung, die in London versucht hatte, eine wei-tere Stundung der Zehn-Millionen-Psund-Zahlung aus der Haftung für die Creditanstalt zu erreichen, P nach Abbruch der ergebnislos gebliebenen Verhandlungen nach Wien zurückgekehrt. Der Prozeß wegen des Königsmordes in Marseille hat begonnen Unter größtmöglichsten Sicherheitsmaßnahmen der französischen Behörden hat am 18. d. M. in Air en Provence der Prozeß gegen die Marseiller Königsmörder begonnen. Gegen 100 französiiche und ausländische Jour-nalisten sowie 30 Kmo und Photoreporter find zugelassen worden. Die Anklageschrift richtet sich gegen 1. Belicko Dimitrov Kerin. 2. Pospisil Zoonimir, 3. Rajic Ivan. 4. Krals Mijo, 5. Kvaternik Eugen. 6. Pavelic Anle, 7. Percevic Ivan. l. Pospisil Zoonimir. Rajic Ivan, Kralj Mijo, Kvaternik Eugen, Pavelic Ante, Perkevlc Ivan wegen einvernehmlicher Vorbereitungen 1934 im Ausland und insbesondere in Frankreich zu einem Verbrechen gegen die Person oder da« persönliche Eigentum, 2. Kralj Mijo, Pospiöil und Rajic wegen Unterstützung (1934) des.Haupttäters Belicko Di» mitrov. in Kenntnis dessen, um was es sich handelte. Es werden dann die gemeinsam vorbereiteten, begünstigten und vollzogenen Verbrechen angeführt, a) der vorsätzliche Mord an S. M. weiland König Alexander l. nebst zweitem Verbrechen, b) Vorsatz» licher Mord an Minister Barthou, gleichfalls nebst zweitem Verbrechen, c) Versuchter vorsätzlicher Mord an General Georges nebst zweitem Verbrechen: d) Versuchter vorsätzlicher Mord an dem Polizei. Wachmann Galy; e) Verwendung falscher Pässe; 3. Kvaternik Eugen, wegen Anstiftung des Veiicko, Kralj, Pospisil und Rajic zu deren Verbrechen, im Laufe d. 1.1934. a) (Die Verbrechen). Der Mord an weiland König Aleiander am 9. Oktober 1934, b) Der Mord an Minister Barthou; c) Der ver-suchte Mord an General Georges; d) Der versuchte Mord an Galy: e) Unterstützung des Haupttäters. 4. Pavelic Ante ist gleichfalls wegen Anstiftung des Belicko, Kralj, Pospisil, Rajic und Kvaternik zu deren Verbrechen angeklagt, die dann wie vorher bei den anderen Anllagepunkten angeführt werden. Neuer Abgeordnetenklub Au» dem Jugoslawischen Abgeordnetenklub (Jeotic-Klub) sind 17 Abgeordnete ausgetreten. Sie haben einen neuen Klub gegründet, der den Namen „Jugoslawischer Sonderklub" Posebni Jugoslovanski Klub» führt. Für di« Gründung dieses Klubs haben sich besonder» die Abgeordneten Vasilije Trbic und Dragisa Stojadinovic eingesetzt. Enthüllung des König Alexander-Denkmals in SuSak Am 17. d. M. wurde in Susak durch den Kgl. Regenten Dr. Perovic das Denkmal für weil. König Alexander I., den Ritter und Einiger feier-lich enthüllt. An der Feier nahmen als Vertreter 5. M. des Königs der Kgl. Regent Dr. Perovic. ferner die Minister Dr. Vrbanic, Jankovic und Dr. Behmen, Vertreter des Heeres- und Marine-Ministers, der Senatspräsident Dr. Tomasic und Skupschtinapräsident Dr. Markic, das Konsularkorps und neben zahlreiche anderen Persönlichkeiten auch alle Susaker Vereine und Abordnungen de« Kroati-schen Küstenlandes teil. Es war wieder ein deutlicher Beweis, daß der Märtyrertod des Königs, den Hoffnungen der Feinde Jugoslawiens zum Trotz, alle Gebiete Jugoslawiens nur um so fester ver-bunden und der ganzen Welt gqeigt habe, daß Jugoslawien, die Schöpfung des Königs, unbe-zwinglich fei. _ Können dieVölkerbunds-sanktionen gegen Italien wirksam sein? Die vom Völkerbund beschlossenen Sühnemaß-nahmen zeigen progressiven Charakter und weisen bis» her drei Abschnitte von Wichtigkeit auf: l. Das Verbot der Waffen-Aus» und Durchfuhr E» besteht in der Erlassung des Ausfuhrverbotes (Embargo) auf Mafien und Munition nach Jta-lien und in der Freigabe kürAbesiinienDiese Maßnahme besitzt in der direkten Auswirkung lediglich Bedeutung für Abessinien, das nunmehr in der Lage ist, ein an sich starkes Heer zu bewaffnen. Italien dagegen ver-fügt über genügend Waffen und Munitionsfabriken, die im Zuge einer seit einem Jahrzehnt währenden Großaufrüstung ihre Produktion. Rohstoffeindeckung und Auffüllung der Depots aus den Ernstfall ein-gestellt haben. 2. Die Kreditsperre und die Finanzlage Italiens Die Verordnung der Sperre für Gewährung von Krediten aller Art an Italien trägt schon einen sehr ernsthasten Charakter. Die an den Sanktionen nicht teilnehmenden Staaten vermögen einen Ersatz nicht zu leisten, da diese ausnahmslos den kapitaljchwachen Staaten zuzujählen find, mit Ausnahme Amerikas, da» sich der Kreditsperre aber angeschlossen hat. Di« finan-ziellen Mahnahmen gegen Italien sind durchaus einer finanziellen Blockade gleichzuhalten. Italien ist auf sich selbst angewiesen. Welche Möglichkeiten besitzt nun Italien? Die Zahlungsbilanz dürste eine weitere erhebliche Verschlechterung erfahren, denn der Fremdenverkehr kann in einem im Kriegszustand befindlichen Lande nicht gedeihen, ganz abgesehen von den Boykottauswir-kungen, die schon eingetreten sind oder noch eintreten werden. Die Schiffahrt nach den außeritalienischen Plätzen, schon seit Jahren vom Staate subventioniert, verzeichnet bedeutsame Ausfälle, die den bisherigen De-visenzufluß stark senken. Die HandeUbilanz — seit Jahren schwer passiv — zeigt in den abgelaufenen neun Monaten 1935 ein Defizit von 1968 Millionen Lire, da» trotz der einschneidenden Einfuhrbeschränkun-gen vom 18. Februar d. I. im Anwachsen begriffen ist. Das Budget weist gigantische Fehlbeträge aus, die über 500 Millionen Lire pro Monat betragen. Die Finanzierung der italienischen Kriegswirtschaft und des Budgetausgleiches «folgt durch eine laufende In» anspruchnahme der Gold- und Devisenreserven und durch innere Kreditoperationen. Der Gold- und Devi-senschatz der Notenbank, der Banca d' Italia, ist auf un-gefähr 4 Milliarden zusammengeschmolzen. Ein rapi-der Kurssturz wurde bisher durch Stützungsaltionen an den Börsen und durch einschränkende Devisen-Verkehremaßnahmen aufgehalten. Die Folgezeit erst wird die Frage beantworten, wie weit die Widerstand»-kräste in dieser Richtung reichen. In zweiter Linie zieht die italienische Regierung zur Finanzierung der Fehlbeträge im Budget und zur Bedeckung der außerordentlichen Mobilisierung»- und Kriegsausgaben, Inlandsanleihen heran. Die aus-gewiesene Jnlandsschuld erreichte mit Ende September d. I. die phantastische Höhe von 107 Milliarden. Ohne Boreingenommenheit darf daher wohl ge» sagt werden, daß die italienische Finanz- und Bud-getlage auf das äußerste angespannt ist, ohne daß die eigentliche» Wirtschastssanktionen bisher in Kraft ge-treten sind. Es darf freilich nicht übersehe» werden, daß Italien nicht nur einen Kolonialkrieg zu finan-zieren hat. Seit einem halben Jahre befinden sich Heer Seite 2 Deutsche Zeitung Nummer 93 und Flotte in einem Zustand der gänzlichen oder teilwei-sen Mobilisierung. Es sind Vorbereitungen größten Stil», die einer europäischen Auseinandersetzung wär-dig wären. Begreiflich, daß für solch«, da» Ausmaß kolonialer Eroberungen überschreitende Borsorgen, Un-summen erforderlich sind, deren Aufbringung auch einem straff organisierten Staate vom Range Jta-liens, größte Schwierigkeiten bereiten. Und noch hat der Krieg gar nicht begonnen, den der Feldzug verlief bis heute schlachtenlos. 3. Die wirtschaftlichen Sanktionen Am 18. November d. I. find die vom Völ-kerbund beschlossenen Maßnahmen in Kraft getreten. Die Mitgliedsstaaten sind gehalten, die Importe aus Italien zu unterbinden. Bezüglich der Ausfuhrdrosie-lung nach Italien handelt es sich in erster Etappe um Güter, die beispielsweise wie Baumwolle und Fleisch keinen einschneidenden Charakter haben. Die Produkte von entscheidendem Charakter, wie Petrole-um (Benzin und sonstige Derivate). Stein- und Braunkohle, sowie Eisen und Stahl, finden sich in der Liste Nr. 1 noch nicht. Dieses milde Borgehen verfolgt nicht zuletzt den Zweck, Mussolini zum Einlenken zu bewegen. Die Aussichten hiefür stehen ungünstig. Deshalb dürsten schon die nächsten Wochen die Aus-dehnung der Einfuhrverbote auf Erdöl (Benzin etc.), Kohle und Eisen im Gefolge haben. Die folaende Tadele gibt Aufschluß über die Handelsbeziehungen Italiens hinsichtlich Ein- und Ausfuhr zu den wichtigsten Staaten: Einfuhr Ausfuhr in Mm. Lire - im ersten Halbjahr ° 1934 1935 1934 1935 Frankreich Schweiz . . . . Deutschösterreich Sowjet-Rußland Tschechoslowakei 587 648 369 408 542 465 201 163 354 339 278 226 218 211 188 160 156 149 114 86 206 136 45 33 142 130 237 179 94 125 70 70 101 95 71 60 118 88 93 27 51 49 48 37 18 19 10 10 1486 1395 966 970 hören, kaum künftighin tätigen kann, wird und will. Aber auch in iioyle wird Deutschland, wi« es uns scheint, eine mäßige Zurückhaltung üben, um ande-ren europäischen Berstimmungen abzuweichen. Da» Deutsche Reich verharrt in Neutralität. Japan dürfte vermutlich eine ähnliche Haltung einnehmen, allein die Rolle Brasiliens ist ungewiß. Schwerstens gefährdet aber ist der italieni-sche Erport. welcher eine bedrohliche Verminderung erfahren wird, da die Nichtmitgliedstaaten ihre Bezüge über die bestehenden Verträge hinaus kaum auszu» dehnen in der Lage sind. Konnte Italien durch eine von langer Hand vorbereitete Borratswirtschast sich für die Drosselung der Rohstoffzusuhr für einige Zeit sichern, fällt eine solche hinsichtlich der Ausfuhr weg. Die empfindlich« Folge davon werden stark verminderte Deviseneingänge sein, was um so drückend«? ist, als Jta-lien die Einfuhren teurer und zum erheblichen Teil mit Gold und Devisen zu begleichen gezwungen ist. Oesterreich, Ungarn und Albanien, die gegen die Sanktionen stimmten, kommen als Rohstofflieferanten ernsthaft nicht in Betracht. Diese drei Länder besitzen außer Eisen (vom österreichischen Erzberg) keine Roh-stoffoorkommen von Bedeutung, weder an Steinkohle noch an Erdöl, Baumwolle und Kupfer. Die Meinung, daß die drei Länder, im Wege des Transithandels, die Versorgung Italiens vornehmen könnten, ist ab-wegig, weil der Genfer Generalstab für die Sanktio-nen diesem Umstand durch Kontrolle und Kontingentie-rung Rechnung tragen muß und wird. Italien besitzt im Lande kerne nennenswerte Rohstoffquellen. Selbst die Kohle fehlt. Wie sehr Italien auf den Import l«-btnswichtiger Rohstoffe angewiesen erscheint, zeigt fol-gende Uebersicht. Italienische Einfuhr in Millionen Lire vom 1. Januar bis 30. September 1934 1935 1934 1935 Kohle 573 726 Rohgummi 45 52 Roheisen. Gußeisen 65 81 Baumwolle547 450 Rohöle, Petroleum Wolle 387 18« und ähnliche 154 180 Holz 206 215 Zellulose 113 141 Getreide 143 166 Eisenschrott (Stahl und Eisen) 92 130 Aber ebenso ernsthaft ist der Umstand zu werten, daß weder Oesterreich noch Ungarn, geschweige denn Albanien imstande wären, auch nur Teile der frei wer-denden Italienerp orte aufzunehmen. Tief gehende Erschütterungen sind unvermeid-lich, die eine zunehmende Verschäcfunq mit dem Fort-dauern des Kriezszustandes erfahren. Man darf für die römische Erbitterung gegen die Berhängung der Sank-tionen, die vielfache E-zesfe zeitigt, Berständni, ha-ben, zumal für den Faschismus viel, wenn nicht alle», auf dem Spiele steht Allein, das italienisch« Volk besitzt kein Recht, andere al» die eigene Regierung für diese Entwicklung verantwortlich zu machen. Man kann nicht ungestraft eine Eroberungspolitik von der Do-nau bis zum Blauen Nil betreiben, die sich letzten Endes gegen den cäsarisch«n Eroberer selber richtet. Andere Staaten . . _ Gesamthandel.....4073 3843 2662 2430 Außerhalb des Völkerbundes stehen: Deutsch, land, Nordamerika (USA), Japan und Brasilien. Die ersten zwei spielen im italienischen Handelsverkehr eine ausschlaggebende Rolle. Eine eindeutige Stellung-nähme liegt lediglich von Präsident RooseoeU vor, der sich gegen jedwede Belieferung Italiens ausgespro-chen hat. Deutschland war in den letzten Monaten an der Kohlenbelieferung Italiens hervorragend beteiligt. Andere Rohstoffe kann Deutschland nicht liefern, da es solche nicht besitzt und transitäre Bezüge au» den Produktionsstaaten, die den Sanktionsländern ange- Um die kirchliche Gleichberechtigung in Oesterreich Superintendent Heinzelmann, der Vertrauens« mann der evangelischen Kirche in Oesterreich, ist erneut beim Bundesministerinm wegen der Be-stätigung der Kirchenverfassung vorstellig geworden. Sest Dezember 1931 wartet die evangelische Kirche auf die staatliche Bestätigung der von der damaligen Generalsynode vorgeschlagenen neuen Kirchenverfassung und ebenso auf ein Gesetz, das ihre Be-Ziehung zum Staat regelt. Auch ein Entwurf für dieses Gesetz wurde dem Bundesministerium bereits im November 1934 eingereicht. Trotz mehrfacher Eingaben ist bisher nicht das mindest« erfolgt, ja nicht einmal eine Empfangsnachricht gegeben worden. Superintendent Heinzelmann hat in seinen neuer-lichen Schritten di« Lage d«r evangelischen Kirche nochmals geschildert und mit aller Bestimmtheit dar-auf hingewiesen, daß die Kirche nicht gewillt sei, sich noch lange hinhalten zu lassen. Wenn auf seinen Brief innerhalb von 21 Tagen keine Antwort er-folgt, so wird unverzüglich der Antrag auf Ein-berufung einer außerordentlichen Versammlung der Generalsynode gestellt werden, wie es für solche Notstände der Kirche vorgesehen ist. Der Gesundheitszustand Dr. Rintelens zufriedenstellend Die Agentur Jpa teilt mit: Auf vielfach« Anfragen. die ständig an uns gerichtet werden, sind wir in der Lage authentisch mitzuteilen, daß Mi-nister a. D. Dr. Anton Rintelen sich nach wie vor in der Strafanstalt Stein an der Donau befindet. Sein Gesundheitszustand, der in den ersten Mo-naten der Haft zu Besorgnissen Anlaß gab. hat sich erheblich gebessert. Minister Rintelen erträgt auf-recht und ungebeugt Kerker und Haft. Französisch-russischer Währungsausgleich Moskau, 16. Novemben. Die Sowjetregierung hat beschlossen, den französischen Franc als Gold-unterläge zu nehmen, da sie annimmt, daß der französische Franc zurzeit die best« Golddeckung besitze. Nationalgeist eines Volkes nenne ich die Aehnlichkeit und Uebereinstimmung seiner Meinungen und Neigungen bei Gegenständen, worüber eine andere Ra> tion anders meint und empfindet. Schiller Seelenstärkung durch Leibesstärkung Jede Bewegung hat es mit zwei Aufgaben zu tun: sich vor einem Zuviel und einem Zuwenig zu schützen. So auch da», was man unter dem Begriff der Leibesübungen zusammenfaßt: Gymnastische Uebungen, Turnen und Sport sind gesund und mit Maß betrieben, ausgezeichnete Mittel der Leibes-und Bolk»stärkung. Aber die einen wollen nicht oder noch nicht, den anderen sind diese Uebungen alle». Manche treiben z. B. nicht nur zuviel Sport, son-dern sie denken und reden auch zuviel davon. Die anderen — auf der ganz entgegengesetzten Seile — bleiben ihm nicht nur fern, sondern sie wollen auch nichts davon lesen und hören. Und ähnlich ist es im Seelischen. Immer wieder kann man lesen und hören, was alles durch seelisches Training (Uebun-gen) zu erreichen ist. Wahre Wunder sollen damit zu erreichen sein. Betrachtet man aber diese Wunder genauer, so erkennt man. daß sie recht fragwürdiger Art sind. Wir messen sie durchaus nicht an ihrer Seltsamkeit, Merkwürdigkeit und an dem Maße, in dem sie Staunen hervorrufen, sondern an ihrem Wert für das Einzel- und Volksleben. Das bewahrt un» vor allzu leichter Gläubigkeit und vor dem Streben, es „diesem Wundermenschen" gleichzutun. Der Mensch sollte und müßte seelisch geübt sein, wie er leiblich geübt sein sollte und müßte. Zusammen-klang. Ausgleich, Stärkung im ganzen, das ist das Ziel! So hätte die Ueberschrift auch lauten können: Leibesübung durch Seelenstärkung. Denn da» «ine hat nur einen rechten Wert in Verbindung mit dem anderen. Der Nurl«ib«sstarke und der Nurseeienstarl« eignet sich zum Schaustück, aber nicht für die Be-wältigung der Lebens-, Berufs- und Wirtschaftsauf, gaben. Als Zeichen dessen, was der Mensch über-Haupt vermag, soll eine einseitige, aufs höchste ent-wickelte Fähigkett gelten, aber als BorbUd für alle anderen können solche Fähigkeiten nicht gelten. Zu-erst heißt es für die allermeisten Menschen einmal zum guten Durchschnitt zu kommen oder die Regel (nicht die Ausnahme) zu erreichen. Streben die Menschen über das ihnen Ureigene hinaus, erhalten Leben und Wirtschaft einen starken Zug dessen, was man Krampf nennt. Fragen wir: was ist mir und meinem Volke die Uebung, das Streben überhaupt, so werden wir darauf kommen, daß Antriebe nötig und gut sind, Uebertreibungen sich aber rächen. Was grundsätzlich bejaht werden muß. ist immer dem Maße nach zu klären. Das Maß aber ist aus den Stärken und Schwächen, den Vorzügen des einzelnen Menschen zu nehmen. Aus dem, was ein Mensch in sich hat, im Uebermaße hat, und aus dem was ihm fehlt, sehr fehlt, daraus muß er sich seine Aufgaben zu-rechtbauen. Es wird dabei niemand zuviel zugemutet, aber ohne eine gewisse Härte gtgen sich wird es nicht gehen. Diese Härte ähnelt jedoch mehr der Stärke als der Schroffheit. Di« Erfahrungen des Lebens lehren uns, daß zu weich nicht schneidet und zu hart leicht bricht. Da» gilt für das Seelische und Leibliche. Recht verstanden sind Leibesübungen Seelenstärkungen. Die Einheit (das Beisammen- und Durchdrungensein» von Leib und Seele kann man sich garnicht verbunden genug vorstellen. Das heißt: finnvoller Sport (Turnen und gymnastische Uebun-gen eingeschlossen) stärkten die Seele und sinnvolle seelische Uebungen stärken den Körper. Wer sich zum erstenmal bewußt wird, daß die Körperkraft durch entsprechende Uebungen gehoben wird, hat damit zum erstenmal ein seelisches Er-lebnis eigener Art und wer bei seelischen Uebungen zum erstenmal merkt, dies tut auch dem Körper gut, der wird sich dieses Erlebnis wieder herbeiwünschen. Das Neue aber kann nicht immer ein Zuwachs sein. Bis zu einem gewissen Grade ist es Wachstums-fähig, dann aber festigt es sich. Zuguterletzt aber ist das Fortgeführte ein Schutz vor dem vorzettigen Abbröckeln der Körper- und Seelenkraft. Ist das Bewegungserlebnis später auch nicht mehr so stark wie im Anfang und in der Mitte der Jahre, so behält es doch einen großen Wert. Es macht das Leben immer lebenswerter. Dieses Zuges müssen wir uns recht bewußt werden, bewußt sein und bewußt bleiben. Ruhe und Bewegung müssen sich in geeigneter Weise ergänzen, auch im Seelischen. Als Heilkundige zum ersten Male erkannten, wie sehr Ruhe der Heilung dienen kann, glaubten sie ein übergroßes Heilmittel gefunden zu haben. Die Ueberschätzung führt zur Entdeckung der Bewegung als Heilmittel. Gewiß ist auch damtt nicht alles und nicht jedes zu bewirken, aber doch in entsprechenden Fällen erhebliches. Benützen wir nun beide Mittel je nach dem Erfordernis und Leib und Seele wer-den sich dabei gut befinden. Im ganzen wird die» in beachtenswerter Weile zur allaemeinen Volksstär-kung beitragen. Dipl. Dentist E. Hoppe, Celje. Nummer 93 Deutsche Zeitung Seite 3 „Bedeutsame Ministerrede im Budgetausschlch" So lautet der Titel einer großen österreichischen Tage»zeiwng in Graz vom 13. d. M, die natürlich sehr vaterlandstreu ist. Und dann kommt viel Un-bedeutsames aus drei langen Spalten, bis eine Stelle des österr. Außenministers erwähnt wird, die wirk-lich bedeutsam ist; denn sie lautet wörtlich so: „Un-sere Politik ist rein auf österreichisches Interesse abgestellt. Sie ist Verstandespolitik, und das ist eine Schwierigkeit unserer Außenpolitik." „Wahrlich bedeutsam", (Anmerkung der Schrift-leitung). Und weiter unten heißt es im selben Artikel, bezugnehmend auf die Sanktionsfrage: Run hatten wir gar nicht di« Möglichkeit, uns iider diele Frage zu orientieren, weder pro noch kontra. Wir find in keinem der Ausschüsse vertreten, in keinem Kommitee, wir haben keine Vertretung in Afrika und wissen heute tatsächlich nicht, ob es sich um einen provozierten Angriff handelt oder nicht. Wir können auch nicht sagen, wer der Angreifer ist, der nach dem Völkerbundsstatut mit Sanktionen bestrast werden soll. Wir können für Oesterreich Sanktionen wirtschaftspolitischer Natur nicht an-wenden, weil wir dadurch zugrunde gehen müßten. (Wir fragen: nur dadurch?) An einer anderen Stell« desselben Artikel» heißt e» vom Minister, bezugnehmend auf die Kritik des Auslandes gegenüber der österreichischen Politik. noch: Wir sind nicht Kriegspartei, wir sind nicht Verschworene einer Partei, aber anderseits können wir nicht schweigen und nicht die Unwahrheit aus-sprechen. Oesterreich kann es nicht verleugnen, daß es zu Italien in einem Verpflichtung»-Verhältnis moralischer Natur steht. Es wird in Völkerbundskreisen behauptet, daß die Er-klärung, die von unserem Vertreter Pslügl abgegeben wurde, zuerst gar keinen so üblen Eindruck gemacht hat, daß aber Hintennach auf eine Rückfrage nach Wien die Antwort auf Ablehnung gelautet habe. Diese Auskunft erst habe dann Verstimmung erzeugt. Wie Arbeiter in Sowjetruhland angeworben werden Der Staatszeitung „Prawda" wird aus Rostow am Don folgendes Gebaren mitgeteilt: Im Auftrage der „OGPU" kam der Stoßarbeiter des „Sowchos" Udarnik, Genosse Stepnoi, zu den Schacht-arbeitern, um für den Sowchos Leute hier abspen-stig zu machen. Ueberall erklärte er einfach: „Laß die l-5chachtarbeit stehen und komm zu uns! Wir nehmen jeden, ohne danach zu fragen, ob er was auf dem Kerbholz hat. Nur einen Paß muß der Betreffende besitzen. Wer keinen Paß hat, soll sich einen stehlen, — mich kümmert das nicht." Genosse Stepnoi wurde verhastet, aber gleich wieder freige-lassen, da der Staatsanwalt für Kriminalsachen feststellte, daß hier kein Vergehen vorliege. Behandlung des Menschen im Sowjetstaate Die amtliche Zeitung „Prawda" (Moskau) beschreibt, wie unerhört rücksichtslos 259 Maschinisten »on Erntemaschinen, bolschewistisch „Kombaine" ge-nannt, in Rostow am Don am 11. August behandelt wurden. An diesem Tage dekretierte der Sowjet der Volkskommissare, daß sofort 259 Erntemaschinen nebst ihrer Bedienung zum Arbeiten nach Kasakstan, also Mittelasien, abgefertigt werden sollten. Hierbei feien unglaubliche Dinge passiert. Die Maschinen wurden mit ihrer Bedienung direkt von der Feld-arbeit zur Verladung gebracht, viele Leute konnten nicht mal nach Hause, um sich zu waschen, geschweige denn irgendwelche Gebrauchsgegenstände mit sich zu nehmen. Von irgendwelchem Abschied von seinen Nächsten spricht schon gar nicht einmal die Zeitung. Im Staate des sogenannten Proletariats giU nicht der Mensch, sondern der Wert seiner Muskelkraft — deshalb wird mit ihm wie mit dem Vieh verfahren, das man aus der Herde zusammentreibt. — Weiter sagt dann die Zeitung, daß selbst die Maschinisten, die in der Stadt Rostow nicht gleich verladen und 14 Stunden Aufenthalt hatten, nicht mal in die zuständigen Speisehäuser vordringen konnten, da man dort ihre Annahme verweigert habe. Die Ver-pflegung auf der folgenden Reise sei ebenfall» nicht organisiert, und ein Teil hätte keine Gelegenheit gehabt. Brot zu kaufen. Prager Brief Benesch-Erpof^ — Außenpolitifche Debatte Im Prager Parlament hielt Minister Benesch wie alljährlich sein Erposö zur außenpolitischen Lage. Es brachte weder Ueberraschungen noch Sensationen. Die Linie, die Dr. Benesch in der europäischen Politik vertritt, entspricht seit Jahren durchaus der Haltung Frankreichs. Die Tschechoslowakei verzichtet auf eine eigene selbständige Außenpolitik und be-trachtet sich al» mitteleuropäische Vollstreckerin der politischen Strategie von Paris und Genf. Es ist wohl sehr fraglich, ob diese starre und orthodore Angleichung an die Interessen Frankreichs und de» Völkerbundes der Tichechojlowalei auf die Dauer von wirklichem Nutzen ist. Die besondere Stellung der Moldaurepublik in Mitteleuropa und im Donau-räum würde vielmehr eine Anpassung an die vor-handenen realen politischen Verhältnisse nötig er-scheinen lassen, um im Interesse der Tschechoslowakei die eigene Isolierung zu überwinden und die völ-Iige Erstarrung der Fronten in Mitteleuropa zur Auflockerung zu bringen. Entgegen dem Optimismus Benesch' finden wir die Beziehungen zu Deutschland zwar formal-korrekt, doch weder freundschaftlich noch vertrauensvoll. Es bestehen des weiteren kein« Symptome für eine Besserung des Verhältnisses zu Ungarn und die Budapest» Presse läßt eigentlich darüber keinen Zweifel. Als einzigen Freund in der Nachbarschaft vermag Dr. Benesch den gegen-wärtigen österreichischen Außenminister Berger-Waldencgg zu buchen. Ob dieser Gewinn aber letzten Endes nicht sehr problematisch ist? Denn die Außenpolitik des Wiener Regimes besitzt weder eine Bestätigung durch das Volk in Oesterreich, noch findet sie Sympathien im Volke und seiner partei-mäßigen Vertretung in der Tschechoflowakei, sofern wir von den wenigen tschechoslowakischen Klerikalen — ohne Unterschied der Nation — absehen. Daß diese, über Gebeiß von Rom, das autoritäre, katholisch faschistische Wiener Regiment fördern, soll niemand überraschen. Es wäre zu wünschen, daß Minister Benesch den besonderen Verhältnissen im Donaubecken mehr als bisher Rechnung trägt und den Versuch unter-nimmt, die Außenpolitik der Tschechoslowakei etwas elastischer zu gestalten. Die Verständigung Berlin-Pari» abzuwarten, um erst daraus die Konsequenzen ziehen zu wollen, könnte leicht in «ine Politik der verpaßt«» Gelegenheiten führen. Di« Debatte über das Benesch Erposö ergab nur vereinzelten Widerspruch. Lediglich der Abge-ordnet« Frank der Sudetendeutschen Partei machte mit Recht einige treffliche Vorbehalte. Die Ausführungen des Vertreters des Bundes der Landwirte, Zierhut, der die Auffassung seiner Partei „als im Einklang mit der amtlichen Politik tehend", erklärte, wirkte peinlich. Sie unterschied sich durch nichts von den Reden der tschechoslowaki'chen Wortführer. Aber auch der Senator Pfwgner meinte es allzu päpst-ich, indem er sagte: „Wir begrüßen unser freund-Ichaftliches Verhältnis zu Oesterreich". Bfrogner cheint die Fußtritte, die das Wiener Regime und die ihr willfährige Presse seiner Partei täglich »er-etzt, noch mit Lobeshymnen quittieren zu wollen. Die Sozialdemokralische Partei hätte alle Ursache, mannhaft für das unterdrückte deutschösterreichische Volk einzutreten. Es steht zu hoffen, daß die Ent-gleisung Pfrogners vereinzelt bleiben wird. Abbau der Demokratie in der Schweiz In der Schweiz bereiten sich innerpolitische Ver-änderungen vor. Nachdem die Nationalratswahlen die Regierungsmehrheit prozentuell geschwächt haben und sich im bürgerlichen Lager die Zersplitterung vergrößerte, während die Linksfront sich zusammen-geschlossen hat, versucht die Regierung durch Abbau der demokratischen Rechte eine Art Diktatur auf-zustellen. Das Referendums- und Initiativrecht sollen derart erschwert werden, daß das Volk verhindert wird, seiner Meinung mit dem Stimmzettel Aus-druck zu geben. Gleichzeitig hat der Bundesrat an die Bundesversammlung eine Botschaft über wirt-schaftliche Matznahmen gerichtet, die einem Not-oerordnungsrecht gleichkommt. Auf diese Art will die Regierung die Krise bekämpfen. Ob mit außer-ordentlichen Vollmachten allein aber dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit und dem Iawinenhaften Zunehmen der staatlichen DeMe, wie auch der schwindenden Konsumkraft des Volkes begegnet werden kann, wird beim denkenden Bürger m Frage gestellt. Auf jeden Fall wird eine Diktatur, entstanden aus Rat-losigkeit, im Schweizervolk auf heftige Gegenwehr stoßen. Deutschlands wirtschaftliche Neutralität Das „Deutsche Nachrichtenbüro" sah sich oeran-laßt, der irrigen Auffassung einiger außerdeuischen Zei-tungen entgegenzutreten, als ob in Genf eine deutsche Demarche beim Völkerbund stattgefunden hätte. Zu-gleich wird in Berlin wiederholt unterstrichen, daß sich der deutsch« Standpunkt in Bezug auf Deutschlands Neutralität und sein« Nichtbeteiligung an den Sanktionen in keiner Weise geändert hat. Allerdings hat die Reichsregierung, die schon gleich zu Beginn des Kon-fliktes die Aussuhr von Waffen und Munition nach Italien und Abessinien unterbunden hat, nicht die Ab-sicht, eine außergewöhnliche Ausfuhrsteigerung wich-tiger Rohstoffe und Lebensmittel nach irgendeinem Land zuzulassen. Maßgebend für die Haltung Deutsch, lands ist, wie die „Deutsche Diplomatisch.Politische Kor-respond«nz" hervorhebt, die Nichtzugehörigkeit zumVöl-kerbund und die Wahrung der eigenen Lebensnotwen-digkeiten im Rahmen einer streng durchgeführten Frie-denspolitik. Ohne Rücksicht auf den Völkerbund wird e» von deutscher Seite als eine Selbstverständlichkeit angesehen, daß Deutschland sich nach wie vor an irgendwelchen Sanktionen gegen Italien nicht beteiligen werde, daß aber über die Korrrktheit der neutralen deutschen Haltung nicht der geringste Zweifel erlaubt sein könne. Außerdem ist man in Deutschland der Meinung, daß eine bereits heute im internationalen Handel auftretend« Verknappung verschiedener Waren, ja selbst von Lebens-Mitteln, die schädlichen Auswirkungen der Sanktion?-Psychose in manchen Ländern deutlich zeigt. Deutsch, lands Regierung und Wirtschaft werden jedenfalls, soviel an ihnen liegt, solchen bedauerlichen Störungen der Weltwirtschaft durch di« Politik k«in«rl«i Vorschub leisten. Es würde der in Deutschland herrschenden ehrlichen Friedensliebe widersprechen, wenn der bedauerliche in-ternationale Konflikt dazu ausgenutzt würde. „Kriegs-gewinne" zu erzielen. An sich wäre eine Wiederbele-bung des Warenaustausches zwischen Deutschland und Italien durchaus nichts Unnormales, sondern eine natürliche Phase im Auf und Ab der beiderseiti-g«n Wirtschaftsbeziehungen. Seit 1'/, Jahren hat di« deutsche Ausfuhr nach Italien mit den besonderen Hemmnissen zu kämpfen, die Ostern 1934 durch die so-genannten „Römischen Protokolle" zugunsten der öfter-reichischen und ungarischen Ausfuhr nach Italien ge-schaffen worden sind. Auch wird man nicht sagen können, daß sich andere Länder in ihren Lieferun-gen nach Italien während der letzten Wochen und Monate erkennbare Beschränkungen auferlegt haben. So hat Aegypten wochenlang die Baumwollausfuhren nach Italien forciert, aus Amerika wird gemeldet, daß die Verschiffungen von Erdöl und Erdölerzeugnissen besonders aus den Häfen des Golfs von Mexiko im Oktober und November außerordentlich verstärkt worden sind, und über Räterußland heißt es, daß seine Agenten den Versuch machen, die Manganerzlie> ferungen nach Italien aus dem Kaukasus dadurch fort-zusetzen, daß sie die Erze nicht mehr frei italienischen Ha-fen, sondern ab Schwarzmeerhasen Poti andienen. Einige Zeitungskommentare wollten von einer Zusicherung Deutschlands wissen, die Ausfuhr nach Italien staatlich zu überwachen, und wollten darin ein „Sonderzugeständnis" sehen, das über die Er-klärungen der amerikanischen Regierung hinausginge. Diese Behauptung kann nur von Leuten aufgestellt werden, die sich von der wirtschaftspolitischen Führung in Deutschland keine richtige Vorstellung machen. In Deutschland wäre es nicht möglich, daß Geschäftsleute den Intentionen ihrer Regierung zuwiderhandeln, und daß die Regierung dann mit leisem Bedauern vor diesen Eigenmächtigkeiten kapituliert. Ist einmal eine Entscheidung als im Interesse von Staat und Volk liegend anerkannt, so sorgt die Regierung auch dafür, daß sie von allen Einzelpersonen beachtet wird. Der na-tionalsozialistische Staat duldet es nicht, daß die Wirt-schaft an staatlichen und nationalen Belangen vorbei-geht. Die allgemeinen Voraussetzungen für eine solch« Spezialüberwachung der deutschen Ausfuhr nach einem bestimmten Lande bestehen feit üb«r einem Jahre. Am 24. September 1934 richtete Deutschland im Verfolg feiner Devisenpolitik eine umfassende Außen -Handeltkontrolle ein, die e» ermöglicht, jeden Bezug und jeden Verkauf zu prüfen, ehe er zur Durchführung frei-gegeben wird. Es wäre im neuen Deutschland unvor-stellbar, wenn man es einzelnen Geschäftsleuten über-lassen wollte, durch Forcierung von Lieferungen den Anschein zu erwecken, als nehme es die Regierung mit ihrer feierlich proklamierten Neutralität nicht so genau. Seite 4 Deutsche Zeitung Nummer 93 Aus Stadt und Land Cel j e Herbstliedertafel Wie alljährlich, hat auch Heueram vergangenem Samstagabend der Deutche Mänrer^efangoerein die Volksgenossen in den großen Kinosaal des Ho-tels Ekoberne geladen. Unter der altbewährten Leitung des nimmermüden Ehrenchormeisters Dr. Fritz Zangger wurden vom Männerchor folgende Lieder gesungen: Das StraKburglied, Ueber allen Gipfeln ist Ruh, Wände-rers NachUied, Heidenröslein, Ich hört'ein Sichelein rauschen, Husarenliebe und Feiger Gedanken. Der Gemischte Thor sang Schumanns Zigeunerleben. Diese Lieder fanden bei den Zuhörern viel Anklang. Noch größeren Beifall aber erntete Frau Iosefine H o I s l mit ihren Sololiedern von Schumann, die Herr Dr. Fritz Zangger am Flügel begleitete. Den höchsten Genuß aber bot den begeisterten Zuhörern unser Lands-mann, der junge Violinvirtuose Herr Siegfried Andre«. Leider muhte der Vortrag des Herrn Dr. Fritz Zangger über die musikalischen Zahresregenten de» Jahres 193S wegen Heiserkeit entfallen. Wir wollen aber den Vortrag in unserer Zeitung nach-holen. Evangelische Gemeinde. Am 24 Novem-ber, dem Totensonntag der evangelischen Kirche, findet der Gottesdienst wie alljährlich abend» um 6 Uhr in der geheizten ^hristuslirche statt. Donnerstag, den 21., abends 8 Uhr Vortrog im Gemeindesaal über „Kirche und Staat". Religiö». kirchlicher Vortraa. Donner»-tag, den 21. November, abend» um 8 Uhr findet im Evangelischen Gemeindesaal der zweite der Vortrüge statt, die vom evangelisch • christlichen Blickpunkt zu den großen Zeitfragen Stellung nehmen. Das Thema heißt „Kirche und Staat". Der Vortrag ist für jeder-mann frei zugänglich. Trauung. Am Sonntag, den 11. d. M fand in Maribor in der Franziskaner Basilika um 7,11 Uhr die Trauung de» allseits bekannten Herrn Ernst Fornara mit Fräulein List Petschnig, Hausbesitzers-locht« statt. AIs Trauzeugen fungierten der Onkel der Braut, Herr Oberveterinürrat Franz Pirnat und Herr Steueroberverwalter Kuß. Die kirchliche Handlung voltzog in besonders erhebender Weise Herr Dr. AI-jancic. Dem neuvermählten Ehepaar unsere herzlichsten Glückwünsche! Krau Henriette Mathe» +. Mit Frau Henriette Mathes ist uns wieder ein gutes Stück der alten Zeit dahingegangen. Wenn wir jetzt ihren Tod beklagen, so geschieht auch damit für unsere Gemeinschaft von ihr noch etwas Gutes, daß wir nämlich unserer Jugend ein rechtes Beispiel für eine aufrechte, treue, kurzum gute deutsche Hausfrau hin-stellen können. Neben ihrem Beruf und der Pflege der Famllie hat Frau Mathes auch noch Zeit ge« funden, wirklich werktätig im Vereinsieden Wertvolle» zu leisten. Ohne Ueberhebung und Eitelkeit immer auf die gute Sache bedacht, damit hat sie sich ein bleibende» Denkmal in unseren Herzen errichtet, welches wir mit diesen wenigen Worten dankbar beleuchten. Zkiklubausflug. Für Sonntag, den 24. No> vember wird vom Skiklub ein Ausflug auf die „Teisel-Alm", Bachern (Nordhang der Velika Kapa), vorbereitet. Aufstieg am Samstag entweder über Sloo. Gradec oder Vruenica. Näheres über Zeit etc. wird noch bekanntgegeben. Kino Union. Donner»tag und Freitag, der Tonfilm „Der Himmel auf Erden" mit Hermann Thimig, Hans Moser, Theo Lingen und Lizzi Holzschuh. Ausgezeichneter humoristischer Film. Kundmachung Die Stadthauptmannschaft fordert alle Arbeit-geber und Arbeitnehmer in Lebenimittelgeschäften. Gast- und Kaffeehäusern, Zuckerbäckereien und Fleischhauereien, überhaupt alle in Lebensmittel-geschäften beschäftigten Personen auf, sich bis spätestens 31. December ärztlich untersuchen zu lassen und sich ein ärztliches Gesundheitszeugnis anzuschaffen. Die Untersuchungen finden im Gesundheitshaus (Zdravstveni dom — Antituberkulosenabteilung) jeden Montag von 16—18 Uhr, Donnerstag von 8—10 Uhr und Samstag von 9—1V Uhr statt. Gelegentlich der amtlichen hygienischen Kontrollen von Lebensmittelgeschäften werden von den Eigen-tümern die ärztlichen Zeugnisse des gesamten Per-sonal» verlangt werden. Die Stelle einer Kassierin, verbunden mit dem Hausmeisterposten und dem der Wäscherin wird im Städtischen Dampf- und Wannenbad vergeben. Bewerberinnen müssen die slowenische Sprache in Wort und Schrift, die deutsche Sprache aber wenig-stens mündlich beherrschen. Die Gesuche müssen mit 5 Dinar gestempelt sein und im geschlossenen Briefum-schlag bei der Stadthauptmannschaft bis spätestens 1. Dezember L I. eingereicht werden. Gehalt nach Vereinbarung. Näheres am Schwarzen Brett der Stadthauptmannschaft. Der Totengräberposten für den Städtischen Friedhof ist au; geschrieben. Gestempelte Gesuche müssen bi» L Dezember d.J. bei der Stadthauptmannschaft Eelje eingerichtet werden. Die Gesuchsteller müssen die jugoslawische Staatsbürgerschaft nachweisen, unbe-schotten und geistig und körperlich gesund sein und die slowenische Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Nähere Auskünfte erteilt der Referent im Zimmer 10 bei der Stadthauptmannschaft. Hochwasserunglück bei Brezice. Nach ei-nem Bericht aus Brezice stieg das letzte Hochwasier der Save so rasch, daß in St. Leonhard, unweit von Brezke vom Besitzer Vimpolsek 1 Mädchen, 3 Kühe und ein Pferd ertranken. Nähere Einzelheiten find noch unbe-kannt. Mariborer und Ptujer Sänger in Zagreb Samstag traten im Saale de» Kroatischen Musikvereines die deutschen Gesangvereine aus Ma-ribor und Ptuj auf. Die Chöre leiteten abwechselnd Prof. Hermann Frisch und Dr. Eduard Buiar, die Chormeister der beiden Vereine. Die Gäste vermittelten in anregender Weise einen Querschnitt durch das musikalische Leben der deutschen Minderheit im Draubanat. Der erste Teil de» Programms war ernsten Inhalts, der zweite war hei-teren Darbietungen gewidmet. Das Publikum nahm dieses bunte Programm begeistert auf und spendete allen Mitwirkenden herz-lichen, lauten Beifall. Die beiden Chormeister bekamen Lorbeerkränze. Poljöane Grubenarbeiterstreik in Stanovsko bei Poljcane. 18. November. Die Arbeiter des Koh-lenbergwerks Stanovsko bei Poljcane, da» gegen 100 Arbeiter beschäftigt, sind in den Ausstand ge-treten. Vor einigen Tagen hielten di« Bergarbeiter eine Versammlung ab, in der eine Ortsgruppe de» Bergarbeiteroerbandes gegründet wurde. Daraufhin wurden alle sechs Mitglieder der Vereinsleitung entlasten. Die Arbeiterschaft legte zum Zeichen des Protestes die Arbeit nieder. Eine Abordnung begab sich zum Bergwerksleiter Dr. Kljucenko und ver- langte, daß die Entlassungen rückgängig gemacht würden. Auch forderten sie die regelmäßige Aus-zahlung der Löhne. Die Bergwerksleitung erklärte, die Entlassung der Arbeiter sei auf Einschränkung des Betriebes zurückzuführen. Die Verhandlungen haben bisher noch zu keinem Ergebnis geführt. In Stanovsko werden bei voller Ausnützung der Ko-pazität vier Waggons Kohle täglich gefördert. Sport Athlet» : S. S. K Maribor 4:3 (3:2) . Dieses am Sonntag ausgetragene Spiel brachte ganz gute Leistungen. Maribor rechtfertigte seinen guten Namen. Di« Mannschaft ist gut trainiert. Einzelne der Spieler zeigten auch gute Balldehand-Iung, besonder» di« Stürmer. Athletik war in der ersten Halbzeit besser als noch der Pause. Durch die Verletzung Hönigmanns war eine Umstellung not-wendig, weshalb der Sturm an Durchschlagskraft verlor. Janeschitz im Tor war diesmal nicht so sicher wie sonst. Zwei der Tore wann sein Ver-schuldrn. Schuh Stefan war vor der Paus« gut, fiel jedoch nach der ersten Halbzeit gänzlich ab. Junger wird nach besserer Körperbeherrschung ein guter Stürmer werden. Für Kozelj war der Boden zu schwer, weshalb er meisten, zu langsam war. Die übrigen Spieler zeigten, daß sie durch da» her-vorragend« Saaltraining in guter Form sind. Der Sieg der Athletiker war verdient, da seine Stürmer vor dem Tore energischer waren. Auch ist die Mannschaft der Athletiker technisch besser gewesen al» die des Gegners. Schiedsrichter Herr Reinbrecht war objektiv und hatte das Spiel jederzett voll-kommen in der Hand. Ein Spieler von Maribor wurde wegen einer Unsportlichkeit hinausgestellt. S. K. Celje : Olimp 3:0 (1 : 0) Zur gleichen Zeit als Athletik gegen S. S. K. Maribor sein Spiel austrug, kämpfte S. K. Celje gegen Olimp. Olimp kann heuer nicht recht in Schwung kommen. Nach der Niederlage gegen Jugoslavija am voriges Sonntag mußten sie nun wieder die Segel streichen. S. K. Celje war die bessere Mannschaft. Schiedsrichter Herr Veble. Zwei Spieler von Olimp wurden in der zweiten Halbzeit vom Platze gewiesen. * Sonntag fiel auch in Zagreb und Ljubljana die Entscheidung, ob Jlirija in die Staatsliga auf-steigt und ob Primorje darin verbleibt. Durch den Sieg gegen Haök steigt Ilinja in die Staatsliga auf. wogegen Primorje in Zagreb gegen Gradjanfki unterlag, weshalb Primorje nun in die L. N. P. Liga absteigen muß und nun in der Gruppe mit Aihlenk, S. K. Celje und Hermes Ljubljana die Meisterschaft austragen muß. Wintersport. Im Gegensatz zu Maribor» wo di« Vorarb«tt«n für di« wintersportllchen Ver-anstaltungen nicht recht vom Fleck kommen, hat der Fremdenverkehrsverein in Sv. Lovrenc am Bachern für den Winter 1935/36 ein mustergültiges Pro-gramm ausgearbeitet. Der 12. Jänner ist al» Klub-tag in Aussicht genommen. Auch Skirennen für die Jugend find geplant. Man denkt ferner an groß« Rodelrennen, für di« da» Interesse wi«der aufzuleben beginnt. Die Sprungschanze würd« bereit» soweit vergrößert, daß ohne weitere» Sprünge von 50 m. durchgeführt werden können. Die Schanze wird am 15. Dezember betriebsfertig sein. Am Hopfenmarkt im Sanntal iß die Stimmung nach wie vor sehr ruhig. Die Preis« find unverändert, doch sind dieselben größtenteils nur nominell, da Abschlüsse nur vereinzett vorkommen. Bester Hopfen notiert 27—30, erstklassiger 24—26» zweitklassiger 17—22 und drittklassiger sowie mindere War« bis zu 17 Dinar pro Kilo. Die Familien Pramberger, Konschegg und Mathes geben ergriffen die Trauernachricht, daß Frau Henriette Mathes geb. Pramberger am 18. November um '/41 Uhr mittags nach längerem, geduldig ertragenem Leiden, im 84. Lebensjahre durch einen sanften Tod erlöst wurde. Die Beerdigung fand am Mittwoch, dem 20. November, um 4 Uhr nachmittags von der Auf-bahrungshalle aus, auf dem städtischen Friedhofe statt. Die hellige Seelenmesse wurde am Donnerstag, dem 21. um '/,? Uhr früh in der Marienkirche gelesen. 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