AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 183 Antonia Montes Universidad de Alicante Feministisches Handeln in der literarischen Übersetzung sexueller Gewalt Einleitung Dieser Artikel möchte kritisch beleuchten, wie feministisches Übersetzen sogenannte neutrale Übersetzungsverfahren in Frage stellt, die am Ausgangstext nur die linguisti- sch obligatorischen Veränderungen vornehmen. Translator:innen treten bei einem de- rartigen Vorgehen gar nicht in Erscheinung (translator’s invisiblity), in dem Glauben, dass nur auf diese Weise die Intention der Autor:in gewahrt wird und dass der Zieltext bei den Leser:innen in der Zielkultur die gleiche Wirkung wie in der Ausgangskultur auslöst. Doch diese Vorgehensweise, die sich vor allem durch eine möglichst wörtli- che Annäherung an den literarischen Zieltext auszeichnet, gleicht einer automatischen Übersetzung. Mit dem Ziel aufzuzeigen, wie feministisch-translatorisches Vorgehen im Gegen- satz zu einem neutralen in der Übersetzungspraxis aussieht, wurde die Kurzgeschichte Volksfest von Ferdinand von Schirach (2010) und deren Übersetzung ins Spanische (2012) mit dem Titel Fiestas ausgewählt. Die Kurzgeschichte stammt aus dem Buch Schuld (2010) bzw. Culpa (2012), einer Sammlung von Kurzgeschichten, in denen Recht, Ethik und Moral aus der Sicht eines Rechtsanwalts thematisiert werden. Das Buch ist ein nationaler und internationaler Bestseller und wurde seit seinem Erschei- nen in über 20 Sprachen übersetzt. Ein weiterer Punkt, auf den der Artikel eingeht, ist die literarische Translator:innenausbildung, denn Studierende sollten dafür sensibilisiert werden, dass gerade feministische Themen wie sexuelle Gewalt einer besonderen translato- rischen Annäherung bedürfen, wobei der Ansatz des feministischen Übersetzens die ideale Grundlage für eine tolerante, frauensensible und -gerechte literarische Ziel- textproduktion bietet. Die gesellschaftlichen Ereignisse und Veränderung in Bezug auf Sensibilisierung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen tragen auch zur feministischen Übersetzun- gskonzeption bei, wie sie in diesem Artikel vorgestellt wird. DOI:10.4312/ars.17.1.183-197 AH_2023_1_FINAL.indd 183 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 184 1 Sexuelle Gewalt1, Literatur und Translation #Metoo hat die Gesellschaft wachgerüttelt und feministische Themen, die tabuisiert waren - Gewalt an Frauen und die Machtausübung durch sexuelle Mittel - mit Hilfe der sozialen Netztwerke zum Massenphänomen verwandelt. In diesem Zusammen- hang ist auch der Begriff Rape Culture zu nennen. Dieser besagt, dass sexuelle Ge- walt an Frauen systemisch ist, sozial legitimiert und als gerechtfertigt erachtet wird. Ursache dafür sind soziale Glaubens- und Verhaltensmuster, die sexuelle Übergriffe normalisieren, gerechtfertigen und sogar trivalisieren. Literatur erweist sich bei der Bekämpfung sexueller Gewalt im gesellschaftlichen Diskurs als ein Reflexionsmedium von grundlegender Bedeutung. Literarische Texte ermöglichen, Nuancen und Ambivalenzen von Sexualität und Gewalt differenzierter als andere Textsorten (juristische Texte, jornalistische Texte, usw.) auszudrücken. Es wird ein Raum geschaffen, in dem Perspektiven von Opfer und Täter neu verhandelt werden, wo Erfühltes einfühlsam oder brutal wiedergegeben wird, wo Opfer ihren Safe Space finden. Bei der Recherche von Übersetzungen fiktionaler Literatur mit der Thematik sexueller Gewalt ist festzustellen, dass es in den letzten Jahren etliche Neuerscheinun- gen von deutschen Autor:innen gegeben hat (siehe www.perlentaucher.de), doch auf dem spanischsprachigen Literaturmarkt wenige dieser Romane in übersetzter Form erschienen sind. Umgekehrt verhält es sich genau gleich: auch spanische Romane über sexuelle Gewalt sind nicht ins Deutsche übersetzt. Dies eröffnet eine eklatante Lücke in der literarischen Übersetzung (spanisch-deutsch). Denn Übersetzung bede- utet unter anderem auch Austausch von femininen und feministischen Themen und ist “politically and theoretically indispensable to forging feminist, prosocial justice (…) political alliences and epistomologies” (Costa; Alvarez, 2014, 558). Gerade der literarischen Übersetzung kommt in dieser Hinsicht eine herausragende Bedeutung und eine besondere soziale Verantwortung zu. Gerade das feministische Übersetzen, ein seit Anfang der 1990er Jahre und dem Cultural Turn stetig an Bedeutung gewinnender Ansatz in der Translationswissen- schaft, hat sich zum Ziel gesetzt, durch bestimmte feministische Übersetzungsverfa- hren offen Widerstand gegen patriarchalische Strukturen zu leisten und mit Hilfe der Translationswissenschaft gegen Geschlechter-Asymmetrien vorzugehen. Das literarische Übersetzen darf den gesellschaftlichen Veränderungen in Be- zug auf Sensibilisierung und Bekämpfung von sexueller Gewalt an Frauen nicht den Rücken kehren. Feministische Übersetzungskonzeptionen und –verfahren ermögli- chen Translator:innen einen Beitrag zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen zu leisten. 1 Milevski (2016, 16) definiert sexuelle Gewalt als den Vorgang der Machtausübung mit der Intention der sexuellen Befriedigung. AH_2023_1_FINAL.indd 184 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 185 2 Feministisches Übersetzen und sexuelle Gewalt Inmitten der zweiten Welle der Frauenbewegung und dem Cultural Turn in der Über- setzungswissenschaft deckten kanadische Übersetzungswissenschaftlerinnen (Go- dard 1990, Lotbinière-Harwood 1991, Chamberlain 1992, Simon 1996, von Flotow 1991) patriarchalische Machenschaften in der Übersetzung literarischer Texte vom Französischen ins Englische auf, allen voran in der englischen Übersetzung von Si- mone de Beauvoirs Le Deuxième Sexe. Diese Wissenschaftlerinnen, in der Überset- zungswissenschaft bekannt als die Kanadische Schule, nehmen feministische Texte, von Frauen geschriebene literarische Texte, sexistisch literarische Texte und theore- tische Diskurse der Übersetzungswissenschaft näher ins Visier. Sie plädieren offen dafür, das ‚Feminine‘ im Translat durch linguistische, ästhetische und anders geartete Übersetzungsstrategien in den Vordergrund zu stellen. Übersetzen wird zum Politikum, indem Frauen durch Sprache sichtbar gemacht und nicht mehr durch sexistische Ausdrucks- und Verhaltensweisen gedemütigt wer- den. So bezeichnet Lotbinière-Harwood (1991) ihr übersetzerisches Vorgehen als „political activity aimed at making language speak for women“, um zu rechtfertigen, dass sie sich dem generischen Maskulin widersetzt, denn ihre Übersetzung „is a rewri- ting in the feminine“. Das eingreifende Vorgehen feministischen Übersetzens gegen Geschlechter-Asymmetrien in vor allem feministischen und sexistischen Texten ge- schieht mittels feministischer Übersetzungsstrategien. Von Flotow (1991, 74-84) sc- hlägt drei feministische Strategien im Umgang mit patriarchalischen und sexistischen Texten vor. Supplementing weist auf kreative translatorische Interventionen wie das Hinzufügen von Wortspielen hin, um die Sichtbarkeit von Frauen im Zieltext her- vorzuheben (z.B. LovHers bei der Übersetzung von span. amantes; auther für franz. auteure). Prefacing and footnoting ist ein Eingreifen auf metatextueller Ebene. Dabei wird die Stellung oder Position, die Translator:innen zum Ausgangsmaterial und auch zu seiner zielsprachlichen Beziehung haben, sichtbar gemacht, ohne direkt in den Originaltext einzugreifen. Die dritte Strategie, Hijacking, ist die radikalste, bei der es zu einer Art „Entführung des Textes“ kommt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass Translator:innen durch ihre Formulierungen den Text dorthin bringen, wo sie ihn ha- ben wollen, eben frei von patriarchalischen und sexistischen Elementen. Dabei sind diese drei Übersetzungsstrategien an sich nicht sonderlich feministisch, sondern ihr Gebrauch macht sie feministisch. Im heutigen Verständnis der Übersetzungswissen- schaft handelt es sich um Rewriting-Strategien. Dass die feministische Übersetzungspraxis der kanadischen Schule bei den Ver- fechtern der Treue (fidelity) zum Original Kritik hervorruft, liegt auf der Hand. Arrojo (1994) spricht von einer scheinheiligen und widersprüchlichen Ethik, denn ihrer Mei- nung nach ist die kanadische Schule „not absolutely more ‚noble‘ or more justifiable AH_2023_1_FINAL.indd 185 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 186 that the patriarchal translations and notions they are trying to deconstruct“ (Arrojo, 1994, 159), weil sie sich nach ihrem Belieben und für ihre (politischen) Zwecke Texte unrechtmäßig aneignet. Während die feministische Übersetzungswissenschaft der zweiten Welle das Fe- minine im Text sichtbar machen und dabei übersetzungstechnisch patriarchalisches Gedankengut und sexistische Elemente aus Übersetzungen verbannen wollte, erfährt die feministische Übersetzungswissenschaft der dritten Welle eine Neuorientierung. Feministisches Übersetzen wird als Mittel zur Erlangung von Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit angesehen, definiert als “translation (as feminist praxis) is em- braced as a tool and model of cross-border dialogue, resistance, solidarity and activi- sm in pursuit of justice and equality for all” (Castro; Ergun, 2018, 1). Die feministi- sche Übersetzungswissenschaft bekommt damit eine transnationale, interdisziplinäre, intersektionale und eine offen politische Ausrichtung. Die westliche Ausprägung der Übersetzungswissenschaft mit dem Englischen als Hegemoniesprache (Tymozcko, 2005, 1087) wird als “imperialism of western feminism” (Flotow & Scott, 2016, 366) kritisch hinterfragt und eine transnationale feministische Übersetzungswissenschaft gefordert, bei der feministisches Denken durch Übersetzung in alle Richtungen zirku- liert, um so Allianzen zu knüpfen, die es ermöglichen, die geopolitischen Machtge- füge einer im Westen zentrierten feministischen Denkweise zu durchbrechen (Castro, Spotturno, 2020). Translator:innen bewegen sich in einem „multilingual planet that is ruled by hete- ropatriarchal colonial, capitalist machineries and mechanisms of meaning making and knowledge production (...)” (Ergun, 2020, 115) und in diesem geopolitischen Kontext werden sie zu gendered Bedeutungsproduzenten, die ihrerseits Machtverhältnisse au- frecht erhalten oder durchbrechen können. Hegemonische und heteropatriarchalische Übersetzungspraktiken treten als neutral, unparteiisch und apolitisch in Erscheinung, in der Annahme, die Objektivität der Übersetzung zu wahren. Translator:innen treten in den Hintergrund und sind somit unsichtbar. Dem ist entgegenzuhalten, dass „tran- slation is a never-neutral or innocent act of disinterested mediation“ (Baker, 2013, 24), somit ist jeder translatorische Akt von bestimmten Intentionen und Interessen gezeichnet. Hingegen ist sich feministisches Übersetzen dessen bewusst, denn „tran- slation is necessarily an interventionist act of interpreting and rewriting (...)“ (Ergun, 2020, 117). Feministisches Handeln geht davon aus, dass jeder nach feministischen Übersetzungskonzeptionen übersetzte Text zur Gleichberechtigung und damit zur so- zialen Gerechtigkeit beiträgt. Eine direkte Verbindung zwischen der Bekämpfung sexueller Gewalt gegenü- ber Frauen und der feministischen Übersetzungskonzeption. erkennt Judith Butler (2017). Diese Philosophin spricht von sexual terror und sieht in der Übersetzung die Chance, existierende Machtstrukturen zu durchbrechen. Dabei ist die Übersetzung AH_2023_1_FINAL.indd 186 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 187 von wesentlicher Bedeutung, “to establish the knowledge we need to have about the- se systemic murders and the solidarities required to stop them” (Butler, 2017, 129). Butler ist überzeugt davon, dass “there can be no solidarity without translation” (Bu- tler, 2017, 130). Somit ermöglicht Übersetzung einen transnationalen Dialog über sexuelle Gewalt, der eine weltweite Solidarität in der Bekämpfung zur Folge hat. Die Übersetzung vermag also, bestehende Gewalt- und Machstrukturen zu ergründen und aufzudecken. Nach diesen theorethischen Überlegungen zum feministischen Übersetzen soll in dem zweiten Teil dieses Artikels gezeigt werden, wie feministisches Handeln in der literarischen Übersetzung konkret umgesetzt werden kann. Als Fallbeispiel dient die Kurzgeschichte Volksfest von Ferdinand von Schirach (2010) und die Übersetzung der Textpassage ins Spanische, die die sexuelle Gewalt beschreibt. Auβerdem wird eine didaktische Anwendung dieses Textabschnitts gezeigt. 3 Feministisches Vorgehen bei der literarischen Überstzung am Fallbeispiel Volksfest von Ferdinand von Schirach (2010) 3.1 Inhalt und internationale Rezeption Die Kurzgeschichte Volksfest erzählt die entsetzliche Geschichte einer 17-jährigen jungen Frau aus einem behüteten Elternhaus, die Medizin studieren möchte und als Kellnerin auf einem Volksfest arbeitet, wo sie von acht Männern vergewaltigt wird. Diese sind allesamt Familienväter und Freunde, die in ihrer Freizeit gemeinsam in einer Band spielen. Sie führen ein trivial bürgerliches Leben und werden doch zu Vergewaltigern. Die Kurzgeschichte schildert auf ernüchternde Weise, was sie der jungen Frau antun. Sie wird von allen Männern außer einem vergewaltigt und schwer misshandelt. Feigheit ist auch ein Merkmal dieser Männer, denn alle schweigen, und so werden sie unter dem rechtlichen Grundsatz ‚in dubio pro reo‘ freigesprochen, da die DNA-Spuren verloren gegangen sind. Die Tat wird ausschließlich aus der Per- spektive des Strafverteidigers eines der Täter erzält, das Opfer selbst kommt in der Kurzgeschichte nicht zu Wort. Volksfest bildet die erste Kurzgeschichte in dem Sammelband Schuld (2010), er- schienen im Piper-Verlag, in dem der Autor laut Klappentext, „der Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns“ nachgeht. Das Buch ist zweifellos ein Bestseller. Dafür spricht die außergewöhnliche nationale und internationale Rezeption. Im deutschen Original gibt es seit 2010 vier Neuauflagen (2012, 2013 bei Piper und 2017 bei btb). Auch audiovisuell ist das Buch umgesetzt worden: 2014 als Hörbuch und 2015 als AH_2023_1_FINAL.indd 187 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 188 erfolgreiche Serie in einem deutschen Fernsehsender. Eine Online-Recherche in der Deutschen Nationalbibliothek, die alle übersetzten Titel des Buches auflistet, zeigt, dass von 2011 bis 2022 stetig Übersetzungen angefertigt worden sind. Insgesamt in 21 Sprachen2 übersetzt, erfreut sich die Kurzgeschichtensammlung eines groβen wel- tweit literarischen Interesses. 3.2 Analyse und Übersetzung der Vergewaltigungsszene In diesem Teil des Artikels widmen wir uns der spanischen Übersetzung der Textpas- sage, in der die Vergewaltigungsszene beschrieben wird, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie bereichernd feministisches Handeln für das Verständnis dieses literarischen Textes in einem Kontext sein kann, der kulturell, sozial und institutionell radikal an- ders ist als 2010, als das Buch erschien, und als 2012, als die spanische Übersetzung auf den spanischen Literaturmarkt kam. Ferdinand von Schirach beschreibt die Vergewaltigungszene im deutschen Origi- nal sachlich (im charakterischen Stil eines Strafverteidigers), aber eindrucksvoll (vor allem bei mehrmaligem Lesen), denn Leser:innnen nehmen erschüttert und fassun- gslos die abscheuliche Tat wahr, die scheinbar harmlose Männer an der jungen Fau begangen haben. Das T-Shirt wurde durchsichtig, sie trug keinen BH. Weil es ihr peinlich war, lachte sie, und dann sah sie die Männer an, die plötzlich stumm wurden und sie anstarrten. Der Erste streckte die Hand nach ihr aus, und alles begann. Der Vorhang war wieder geschlossen, die Lautsprecher brüllten einen Michae- lJacksonSong, und der Rhythmus auf der Tanzfläche wurde zum Rhythmus der Männer, und später würde niemand etwas erklären können. (…) Sie lag dort, nackt und im Schlamm, nass von Sperma, nass von Urin, nass von Blut. Sie konnte nicht sprechen, und sie rührte sich nicht. Zwei Rippen, der linke Arm und die Nase waren gebrochen, die Scherben der Gläser und Bierfla- schen hatten Rücken und Arme aufgeschnitten. Als die Männer fertig gewe- sen waren, hatten sie ein Brett angehoben und sie unter die Bühne geworfen. Sie hatten auf sie uriniert, als sie dort unten lag. (von Schirach, 2010, 10/11) Die Kurzgeschichte ist in der deutschen Literatur ein seltenes Beispiel für die Thematisierung einer Gruppenvergewaltigung, wodurch das Thema enttabuisiert wird. Historisch ist der Text in einen Kontext einzuordnen, in dem Gewalt an Frauen 2 2011: Chinesisch, Dänisch, Schwedisch, Niederländisch, Ungarisch; 2012: Japanisch, Polnisch, Tür- kisch, Norwegisch, Englisch (USA), Englisch (GB), Spanisch, Katalanisch Französisch; 2013: Chi- nesisch, Italienisch, Dänisch, Portugiesisch, Finnisch, Portugiesisch (Brasilien); 2014: Französisch; 2015: Kroatisch; 2018: Tschechisch; 2022: Vietnamesisch; AH_2023_1_FINAL.indd 188 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 189 in der deutschen Gesellschaft wenig Beachtung fand, da sie in den Medien weniger präsent war als heute und die politisch-institutionelle Bekämpfung wenig fortschrit- tlich. Die spanische Übersetzung dagegen bettet sich in einen politischen Kontext, in dem es seit 20053 ein forschrittliches Gesetz zum Schutz gegen sexuelle Gewalt gibt und die Gesellschaft mediatisch hoch sensibiliert ist. Bei der Analyse des Ausgangstextes ist festzustellen, dass es einige Elemente gibt, die in unserer heutigen Zeit etwas patriarchalisch wirken. Der Autor betont, dass das Opfer keinen BH trug. Dies vermittelt das Gefühl, dass gerade diese Tatsache der Auslöser für die Vergewaltigung war. Auch das Lachen, „weil es ihr peinlich war“, geschieht nicht als Einladung zur Tat, heute weiß man aus psychologischer Sicht, dass es sich um ein angstvolles Lachen handelt. Die Tat wird mit „alles begann“ initiert. Im Gegenzug wird das Ende der Vergewaltigung mit der emotionslosen Bemerkung „als die Männer fertig gewesen waren“ wiedergegeben. Andererseits wird das Indefiniti- pronomen „alles“ als Synonym für den Vergewaltigungsakt verwendet. Leser:innen können alles mögliche in dieses semantisch unbestimmte Wort interpretieren. Somit wird die Tat etwas heruntergespielt. Der Autor setzt den Rhythmus der Tanzfläche mit dem Rhythmus der Männer, also mit der gewaltsamen, körperlichen Penetration, gle- ich. Mit dieser Beschreibung wird nicht klar, ob es sich um einen verwerflichen Akt oder um eine Bagatelle handelt. In gewissem Maße wird die Vergewaltigung dadurch euphemisiert. Das letzte Beispiel, das beim kritischen feministischen Lesen in den Blick rückt, ist, dass die Täter nicht benannt werden, als das, was sie sind, nämlich Vergewaltiger. Im Textabschnitt wird mit dem Personalpronomen „sie“ auf die Män- ner verwiesen oder mit dem Indefinitpronomen „niemand“. Der Textabschnitt zeigt, dass der Autor, bewusst oder unbewusst (das lässt sich nicht ermitteln), eine klare Distanz zum Opfer markiert. Verständlicherweise können Schriftsteller:innen nur den vorherrschenden Zeitgeist, deren Zeuge sie sind, widerspiegeln und anprangern. Als Ferdinand von Schirach 2010 die Geschichte veröffentlichte, stand im öffentlichen Narrativ die Tätersperspektive im Vordergrund. Zu spekulieren bleibt, ob von Schi- rach in der heutigen Zeit und mit dem aktuellen Zeitgeist im Hinblick auf Feminismus und Gewalt an Frauen die Opferperspektive in die Kurzgeschichte miteingebaut hätte. Gerade bei der aufgezeigten Textpassage kann feministisches Übersetzen ein- greifen, denn eine Neuübersetzung kann und sollte, was für Leser:innen mit einem feministisch ausgeprägten Zeitgeist selbstverständlich ist, angepasst werden. Ziel ist es, diesen wirkungsvollen sozialen, literarischen Text dem aktuellen Zeitgeist ent- sprechend für feministisch kritische Leser:innen aufzuarbeiten und zugänglich zu ma- chen. Dies bietet Translator:innen die Chance, aus der Geschichte mehr zu machen, nämlich den Vergewaltigungsakt nach zeitgemäßen Wertestandards wiederzugeben, 3 Ley Orgánica 1/2004, de 28 de diciembre, Medidas de Protección Integral contra la Violencia de Gé- nero [Maβnahmen zum integralen Schutz gegen sexuelle Gewalt] AH_2023_1_FINAL.indd 189 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 190 darüberhinaus Leser:innen der Zielkultur einen übersetzten Text zu bieten, der den aktuellen Zeitgeist im Hinblick auf Feminismus widerspiegelt und auch die jüngsten gesellschaftlichen und juristischen Veränderungen, die im Hinblick auf sexuelle Belä- stigung, Nötigung und Vergewaltigung stattgefunden haben, berücksichtigt. Der Vergleich der spanischen Übersetzung von 2012 mit dem Original zeigt, dass die Übersetzerin, María José Diez, nach dem Prinzip der 1:1-Übersetzung gehandelt hat und dem Originaltext so treu wie möglich sein wollte. Gerade bei der Passage, wo der Vergewaltigungsakt beschrieben wird, sind keine signifikanten Veränderungen zum Originaltext vorgenommen worden, nur das grammatisch Notwendige. Es ist anzunehmen, dass die Übersetzerin davon überzeugt war, die Intention des Autors wiederzugeben und die gleiche Wirkung wie in der Ausgangskultur zu erzielen. Die Übersetzerin wollte wohl objektiv bleiben, nicht in den Originaltext eingreifen und nicht in Erscheinung treten. Tabelle 1:Vergleich von Ausgangs- und Zieltext Originaltext (2010) Spanische Übersetzung 2012 Das T-Shirt wurde durchsichtig, sie trug keinen BH. La camiseta transparentó, ella no llevaba sujetador. Weil es ihr peinlich war, lachte sie, Como la situación era embarazosa, se echó a reír und alles begann y así empezó todo der Rhythmus auf der Tanzfläche wurde zum Rhythmus der Männer, el ritmo de la pista pasó a ser el ritmo de los hombres später würde niemand etwas erklären können. más tarde nadie podría explicar nada Als die Männer fertig gewesen waren Al acabar, los hombres Der spanische Zieltext hat die patriarchalischen Elemente, die im Originaltext au- fgedeckt wurden, in der übersetzen Textpassage übernommen. Darüberhinaus spi- egelt die übersetzte Kurzgeschichte eine juristische Realität wider, die es heute gar nicht mehr so gibt, weil sich die Gesetze sehr zum Vorteil der Opfer verändert haben. Dies erklärt, warum diese Kurzgeschichte, vor allem die Vergewaltigungsszene, einer Neuübersetzung unter feministischen Übersetzungskriterien bedarf. Denn eine Neu- übersetzung ist dann gerechtfertigt, wenn “different historical, cultural and ideologi- cal context and evolving linguistic, textual, literary, cultural and translational norms require updating.” (Brisset 2013). Zweifelsohne erfordert die Kurzgeschichte ein translatorisch-feministisches Updating, wenn sie Leser:innen mit einer zeitgemäßen sozialen, kulturellen, feministisch fortschrittlichen Gesinnung ansprechen will. AH_2023_1_FINAL.indd 190 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 191 3.3 Didaktische Anwendung in der literarischen Translator: innenausbildung Zur didaktischen Einführung in das feministische Übersetzen stellt die Kurzgeschi- chte, insbesonders die Textpassage, in der die Vergewaltigung beschrieben wird, eine optimale Grundlage für den literarisch-translatorischen Unterricht dar. Dies wurde in dem Kurs ‚Literarisches Übersetzen‘ erprobt. Dieser Kurs wird im 4. Studienjahr im Wintersemester im Bachelor-Studiengang an der Universität Alicante (Spanien) als Wahlfach angeboten. Der Kurs ist darauf angelegt, das literarische Übersetzen in einem übergeordneten soziologischen und ideologischen Kontext zu betrachten. Im Studienjahr 2022-23 waren vier Studentinnen in dem Kurs eingeschrieben: zwei zwe- isprachige, in Spanien aufgewachsene Studentinnen, und zwei Studentinnen aus De- utschland, die im Wintersemester mit ERASMUS an der Universität Alicante waren. Alle vier Studentinnen hatten nach dem Lesen der Kurzgeschichte das Gefühl, dass auf das Leiden der vergewaltigten jungen Frau nicht eingegangen wird und dass der Autor, Ferdinand von Schirach, zu distanziert und aus einer ausschlieβlich männ- lichen Perspektive schreibt. Eine Studentin bemerkte, dass ihr als Frau das Emotiona- le fehle und dass sie die Geschichte nicht sonderlich berührt habe. Das Lesen wurde audiovisuell unterstüzt und die Vergewaltigungsszenen der Fernsehserie ‚Schuld‘ in das Leseverständnis miteingebaut. Unter den Studentinnen machte sich der Eindruck breit, dass die Übersetzung von 2012 keinen zufriedenstellenden Text für ein femini- stisch, politisiertes Zielpublikum, wie sie es sind, liefert. Ein fiktionaler Übersetzungsauftrag sollte ihre auf feministisch basierenden Übersetzungsentscheidungen unterstützen: Das spanische Frauenministerium (Ministerio de Igualdad) möchte auf seiner Webpage literarische Kurzgeschichten zum Thema ‘Vergewaltigung’ veröf- fentlichen, um auch mit literarischen Texten Gewalt an Frauen anzuprangern und zu bekämpfen. Es soll so eine Sammlung von fiktionalen Texten aus aller Welt entstehen, die auch an Schulen und anderen Bildungsinstitutionen eingesetzt werden können. Die feministischen Übersetzungsstrategien von von Flotow (1991) sollten als Grundlage dienen, um die Übersetzungsentscheidungen der Studentinnen zu rech- tfertigen. Den Studentinnen fiel es schwer, die stark intervinierende Übersetzun- gsstrategie des Hijacking anzuwenden und grundlegende Veränderungen im Ziel- text vorzunehmen. Mit dem Argument, sich nicht zu weit vom Original entfernen zu dürfen und den Stil des Autors widerzugeben, entschieden sie sich für weniger gewagte Übersetzungslösungen, die dem Supplementing gleichkommen. So wurde AH_2023_1_FINAL.indd 191 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 192 die Durchsichtigkeit des T-Shirts und das Fehlen des BHs des Opfers ersetzt durch die Formen ihres Körpers, die durch das nasse T-Shirt in Erscheinung traten. Die Hinzufügung von Adjektiven verstärkten die Dramatik der Situation. So wurden die Blicke, die die Männer auf die junge Frau werfen, zu ‚einschüchternden‘ (intimidan- te) Blicken, der Rhytmus der Männer zu missbräuchlichem (abusivo) Rhytmus und die Wunden zu,tiefen‘ Wunden. Ein Perspektivenwechsel in der Übersetzung erfolgte durch das Modalverb ‚wollen‘ (querer), durch das auf die niederträchtige Intention der Männer hingewiesen wurde, dass sie sich an nichts mehr erinnern und keine Aus- sage zum Tathergang machen ‚wollten‘, nicht ‚konnten‘, also nicht in der Lage waren, wie es die spanische Übersetzung von 2012 vorgibt. Der Vergewaltigungsakt wird in der Übersetzung ironisch als ‚Heldentat‘ (hazaña) bezeichnet. In der folgenden Tabel- le finden sich die Übersetzungsvorschläge: Tabelle 2: studentische Übersetzung nach feministischen Übersetzungskriterien Originaltext (2010) studentische feministische Übersetzung Das T-Shirt wurde durchsichtig, sie trug keinen BH. Su camiseta mojada marcaba las formas de su cuerpo. und sie anstarrten se percató de las intimidantes miradas der Rhythmus auf der Tanzfläche wurde zum Rhythmus der Männer, ese ritmo se convirtió en el abusivo ritmo de los hombres, später würde niemand etwas erklären können. que más tarde no querrían acordarse de nada. hatten Rücken und Arme aufgeschnitten. le habían causado profundas heridas Als die Männer fertig gewesen waren, Cuando los hombres acabaron su hazaña Sie hatten auf sie uriniert, als sie dort unten lag. y mientras yacía allí abajo, orinaron sobre ella. Alles in allem kann man sagen, haben die Übersetzungsvorschläge, die im Unterri- cht erarbeitet wurden, den übersetzten Text im feministischen Sinne wesentlich ver- bessert. Insgesamt war die Übersetzung der Textpassage für die Studentinnen eine bereichernde Erfahrung, bei der sie feministische Übersetzungskonzeptionen als Übersetzungsansatz in ihrer theoretischen Ausrichtung kennenlernten und an einem literarischen Text anwendeten. AH_2023_1_FINAL.indd 192 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 193 Schlussfolgerung Die theoretischen und praktischen Ausführungen, die diesem Artikel zugrundeliegen, haben gezeigt, dass ein literarischer Text über Gewalt an Frauen ein wirkungsvolles gesellschaftskritisches, enttabuisierendes und didaktisches Reflexionsmedium für die Translation darstellt und einer besonderen translatorischen Annäherung bedarf. Es wurde dargelegt, dass unter feministischen Übersetzungskriterien die Übersetzung eines literarischen Textes, der sexuelle Gewalt thematisiert, für Leser:innen ein- drucksvoller wird und sich auf die Seite des Opfers stellt. Zweifelsohne stehen feministische Übersetzungskonzeptionen mit dem herr- schenden feministischen Zeitgeist im Einklang. Der gesellschaftliche Diskurs im Hinblick auf sexuelle Gewalt und Vergewaltigung hat sich in den letzten zehn Jahren sozial, kulturell, politisch und juristisch grundlegend verändert. Die feministischen Übersetzungskonzeptionen erweisen sich als angemessenes Instrumentarium, diesen Wandel mitzutragen. Die Fallanalyse zeigt, dass ein literarischer Text, wie die Kur- zgeschiche Volksfest von Ferdinand von Schirach, erschienen 2010, zwar die Gru- ppenvergewaltigung thematisiert und damit enttabuisiert, aber verständlicherweise einige patriarchalische Elemente beinhaltet, denn der Autor hat sie in einer anderen feministischen Ära und unter für uns überholten juristischen Vorsätzen geschrieben. Damit spiegelt die Kurzgeschichte jedoch nicht mehr den aktuellen Zeitgeist von Leser:innen und deren Erwartungshorizont in der Zielkultur wider. Dies erfordert eine Neuübersetzung der Kurzgeschichte und im Besonderen der Vergewaltigungsszene. Diese sollte aktuellen feministischen Ansprüchen genügen, indem patriarchalische Elemente neutralisiert werden, die Täterperspektive in eine Opferperspektive umge- wandelt wird und der übersetzte Text an aktuelle juristische Vorsätze angeglichen wird. Eine Neuübersetzung jedoch, die nicht in das Original eingreift und damit an den Machtstrukturen der Vorlage anknüpft, verfehlt ihr Ziel, diesen wirkungsvollen literarischen Text einem kritisch feministisch-politisierten Zielpublikum zugänglich zu machen und den aktuellen Zeitgeist zu treffen. Allgemein sollte die Übersetzung in verschiedene Sprachen neu erschiene- ner literarischer Werke mit der Thematik der sexuellen Gewalt die feministischen Übersetzungskonzeptionen als Grundlage anwenden, denn es ist davon auszuge- hen, dass mit der zunehmenden gesellschaftlichen Sensibilisierung die literarische Textproduktion hinsichtlich der sexuellen Gewalt steigt. Feministisches Handeln als Translationskonzeption erweist sich als ideale Grundlage für eine Zieltextprodukti- on, die für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit steht und auch in der literarischen Translator:innenausbildung ihren Platz haben sollte. AH_2023_1_FINAL.indd 193 1. 09. 2023 13:30:54 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 194 Bibliographie Arrojo, R., Fidelity and the Gendered Translation, TTR 7 (2), 1994, 147-163. 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Feministisches Handeln in der literarischen Übersetzung sexueller Gewalt Schlüsselwörter: feministisches Übersetzen, feministische Übersetzungsverfahren, sexuelle Gewalt In diesem Artikel soll das feministische Übersetzen als Translationskonzeption darge- stellt werden, deren Ziel es ist, im Translationsprozess durch bestimmte feministische Übersetzungsverfahren offen Widerstand gegen patriarchialische Strukturen zu leisten sowie gegen Geschlechter-Asymmetrien vorzugehen. Die Thematik der sexuellen Ge- walt an Frauen ist ein Thema, das auch in der deutschen Literatur aufgegriffen wird. Am Beispiel der Kurzgeschichte Volksfest von Ferdinand von Schirach (2010) und deren Übersetzung ins Spanische soll gezeigt werden, wie feministisches Übersetzen sogenannte ‘neutrale und objektive’ Übersetzungsverfahren in Frage stellt, bei denen am Ausgangstext nur die linguistisch obligatorischen Veränderungen vorgenommen wurden. Dieser Artikel geht auch auf die literarische Translator:innenausbildung ein, denn Studierende sollten dafür sensibilisiert werden, dass gerade feministische The- men wie sexuelle Gewalt eine besondere translatorische Annäherung bedürfen, wobei der Ansatz des feministischen Übersetzens die ideale Grundlage dafür bildet. Feministična drža pri prevajanju književnosti o spolnem nasilju Ključne besede: feministično prevajanje, feministične prevajalske strategije, spolno nasilje Namen tega članka je osredotočiti se na feministično prevajanje kot koncept prevaja- nja, katerega cilj je odkrito se upreti patriarhalnim strukturam v prevajalskem procesu in z uporabo določenih feminističnih prevajalskih praks delovati proti asimetriji med AH_2023_1_FINAL.indd 195 1. 09. 2023 13:30:55 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 196 spoloma. Zlasti spolno nasilje nad ženskami je tema, ki je prisotna tudi v nemški književnosti. Z analizo kratke zgodbe Volksfest Ferdinanda von Schiracha (2010) in njenega prevoda v španščino je mogoče pokazati, kako feministično prevajanje iz- podbija tako imenovane „nevtralne in objektivne“ prevajalske postopke, pri katerih so bile izvedene le jezikovno obvezne spremembe. Članek se ukvarja tudi z usposablja- njem za književno prevajanje, saj bi se zlasti študenti morali zavedati, da feministične teme, kot je spolno nasilje, zahtevajo posebno prevajalsko pozornost, ki jo izpolnjuje feministični prevodoslovni pristop. Feminist Intervention in Literary Translation about Sexual Violence Keywords: feminist translation, feminist translation strategies, sexual violence This article aims to focus on feminist translation as a conception of translation that aims to openly resist patriarchal structures in the translation process, and to work against gender asymmetries by applying certain feminist translation practices. Sexual violence against women is a topic that is naturally present in German literature. By analysing the short story Volksfest by Ferdinand von Schirach (2010) and its translation into Spanish, it can be shown how feminist translation challenges so-called ‘neutral and objective’ translation processes, in which only the linguistically obligatory changes have been made. This article also deals with literary translation training, as students in particular should be aware that feminist topics such as sexual violence require special translational attention, one that can be given by the feminist translation approach. About the author Dr. Antonia Montes is Senior Lecturer in Translation, in the German section, at the University of Alicante, Spain. She studied her Bachelor at the University of Augsburg, Germany, and got her PhD in translation studies at the University of Alicante, Spain. She also holds a Masters in International Relations from the Diplomatic School in Mad- rid. Her main research area is translation and gender. In literary translation, she studies sexual violence in German literature, especially in autobiographic female literature. Her other research domain is advertising translation, where she has published widely about the branding of beauty products and the discursive representation of the female body. Email: antonia.montes@ua.es AH_2023_1_FINAL.indd 196 1. 09. 2023 13:30:55 AntoniA Montes / FeMinistisches hAndeln in der literArischen Übersetzung sexueller gewAlt 197 O avtorici Dr. Antonia Montes je višja predavateljica za prevajalstvo na Oddelku za nemščino na Univerzi v Alicanteju v Španiji. Dodiplomski študij je opravila na Univerzi v Au- gsburgu v Nemčiji, doktorirala pa je iz prevajalskih študij na Univerzi v Alicanteju v Španiji. Poleg tega je magistrirala iz mednarodnih odnosov na Diplomatski šoli v Madridu. Njeno glavno raziskovalno področje je prevajanje in spol. Na področju literarnega prevajanja preučuje spolno nasilje v nemški književnosti, zlasti v avtobi- ografski ženski literaturi. Njeno drugo raziskovalno področje je oglaševalsko preva- janje, kjer je veliko objavljala o znamčenju lepotnih izdelkov in njegovi diskurzivni reprezentaciji ženskega telesa. E-naslov: antonia.montes@ua.es AH_2023_1_FINAL.indd 197 1. 09. 2023 13:30:55