Wtttwoch den 30. Zunt 1875. IIV. Jahrgang. Die „Marburger Zeituiia" erscheint jeden Sonntag, Mittwoch und Kreitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl., halbjährig S fl., vierteljährig 1 fl. 50 kr; für Zustellung in» Haus monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 6 fl., halbjährig 4 fl., vierteljährig 2 fl. Jnsertionsgebiihr 3 kr. pr. Zeile. Kit Frldattilltrit a«d die Deltgatiuyen. Marbllrg, 29. J»mi. Die Neubewaffnttng nnd Ausrüstung der österreichisch-ungarischen Feldartillerie soll fünf Millionell Gulden betragen ulld wären zwei Jah-reszahlllngen von gleicher Höhe zu. leisten. Auf die Entscheidung: ob Stahlbronz-Ge-schütze oder nicht? — haben verfassungsgemäß unsere Vertreter noch keinen unmittelbaren Einfluß llnd sind die Delegationen nllr berechtigt, mittelbar gegen die Eillführung dieser Geschütze sich z»l wehren — durch Nichtbewilli-gung des Geldes. Eine Verweigerung der Steuern zu diesem Zwecke ist nicht zu erwarten, ließe sich wohl auch kaum rechtfertigen; es bleibt also nur noch die eine Frage offen: wie sollen die Kosten gedeckt werden? — durch Mehrbelastung der Steuerpflichtigen oder durch Ersparung im Heere selbst? Die Mehrbelastung zu fordern und zu vertheidigen ist Sache der Militärpartei. Es wird an solchen Stimmeil nicht fehlen und habeil wir es noch keilieswegs verbrieft und besiegelt, daß die Mehrheit beider Delegationen nicht nlit dieser Partei geht. Wir aber, die lnitten inl belasteten lllld steuergepfändeten Volke dell schlveren Kampf ulllS Dasein käln pfen, wir verlangeil, daß die nöthigen fünf Millionen erspart werden: durch Aufhebung der Militärgeistlichkeit, durch Uilterlafsung der „Trllppelldislokatioilen", durch Bellrlaubullg der geübteren Mannschaft llnd durch Venllinderung des Soldes für die Ge»lerale. llloth bricht Eist«. Auf dem Eifellberathungstage zu Wiell hat Gustav Edler von Rosthorn über die Lage der österreichisch-ungarischen Eisenindustrie eine Rede aehalteil^ welche diesen Theil unserer Wirth-schaftspolitik grell beleuchtet und können wir nicht lebhaft genug ivüllfchen, es möge ein Strahl wenigstens bis in die maßgebellden Kreise driilgen. Der Redner bespricht ullter Alldereln die Ungleichheiten in dell ProduktionSbedillgungen Oesterreich-Ungarns gegenüber dem Auslande ul^d filldet dieselben 1. in der Höhe der Frachtauslageil, 2. in der Höhe der Eisenbahil-Tariffätze, 3. in der Höhe der Steuerll, 4. in der Höhe der Kapitalszinsen. Ich werde, fährt Rosthorn fort, diese vier Puntte beleuchten, welche schlvarze Punkte sind am Horizont unserer Eisen-Industrie. Die Vor-sehllng hat uns Vortheile versagt, die Delltsch land, Belgien und Eilgland in außerordent lichem Maße zu statten kolnmen: Erze und Kohlen liegen dort entlveder unter oder in nächster Nähe neben einander. — In Oester reich-Ungarn besitzen die Alpenländer, die Kar pathen und Oberungarn Massen von Eisenerzen, dagegen sind die Kohlen 50 bis 70 Meilen davon entfernt. Die Zufuhr beider Materialien m einander kostet per Zentller Roheisen lnin-destens 80 kr. bis 1 fl. Allerdillgs wird lloch größtentheils Holzkohle zum Erblasen des Noh-ieisens verlvendet, aber auch dafür sind die I Frachtkosten 60 bis 80 kr., weil die Holzkohle altf große Entfernungeil, auf meist schlecht gebahnten Wegen zugeführt werden muß. Die Frachtkosten allein — ein Faktor, der iln Auslande ganz unbedeutend ist — vertheuern unser Roheisen nahezlk um 1 fl. per Zentner. Die Tarifsätze unserer Eisenbahnen lverden seit Jahren als Hindernisse des Aufschwunges unserer Industrie betrachtet und vielfach beklagt, ohne daß Abhilfe gefchaffen würde. Bedarf es mehr als der Thatsache, daß in Folge der Eisenbahn-Kartellverträge die Fracht von Belgien bis Prag, von Köln nach Bukarest bedeutend billiger ist als jelle von Wien nach Prag, von Wien nach Bukarest?! Der dritte schwarze Punkt und geradezu der schwärzeste suld die Steuern. Unter den Titeln: Grundsteuer, Eriverb-steuer, Einko»nmensteuer, Hauözinssteuer, Ge-meindeulnlagen, Beiträge für Kirchen. Schulell, und Straßenerhaltung salnlneln sich Steuern, die auf den Zentller Roheisen 25 kr., daher genau so viel betragen wie der gegenwärtige Einfuhrszoll. Die Gesalnmtsteuerll, welche auf der Eisen-Industrie lasten, betragen 12'/, Perzent vo»n Ertrage, in Deutschland dagegen nur drei Perzent. Wenn im Jahre 1873 die Jnnerberger Gewerkschaft den gleichen Ertrag wie die Kölligs- Ulld Laurahütte — 25 Perzent — gehabt hätte, so würde die Steuer 1,172.000 fl. betragen habell, lvährelld die Königshittte nur 34.000 fl. bezahlte, daher nllr den vierzehnten Theil von Jnnerberg. Dieses Beispiel ist rech-nungSlnäßig entstalldell. Ich lverde einell koil-kretöll Fall mittheileil. Jeuitteton. Der il l c i e r. Von Lewin Schii.-king. (tzortsehuttg.) Die beiden Männer hatten lnit Hillzuzie-hllng des Allfsichtsbealntell lallge zll fllchen, bis sie die für FrohilS Gestalt passenden Equipi-l'llllgsstücke ullter deil reicheil Vorräthell gefunden hatten; elldlich staild der fchlanke, kräftige Mallll in einer vollständigen Verwmldlung da: in einein feinell Scharlachrock init schwarzen Allsschtägell Ulld goldenen Tressen lind Achselschnüren, Beiilkltiidern von Büffelleder, die in hohen, mit Nkanschettell lllngebenen Reiterstiefeln elldeteil; über dieser Uniforin ein fchwarz-sal.tlntelier Flugelrock ohne Aerlnel ulid darüber eine Patroiltasche aln samllttenen Bandelier; ein dreieckiges Hütchen mit Tressen hatte den Schlapphut ersetzt, ein Degen und eine schölle, Nlit goldelleli Nägelll beschlageile Hellebarde bildetell die Belvaffilllng. Der Adjl ailt des Feldlnarschalls sah lüchellld zil der stattlichell Gestalt a»lf; dann gab er seiilenl Begleiter die nöthigen lveiteren Anweifungell, ulld nach Verlauf von kauln eiiler Stunde sah sich Frohll als wolilbestallter Arcierell-Leibgardist Ihrer kaiserlich-kölliglichen apostolische ll Majestät eingeschriebell, instrnirt uild in Eid lllld Pflicht genolulnen. Da in dein Hotel des Korps nicht sofort ein Quartier für ihll bereit lvar, so wurde ihln anheilngestellt, vorläufig in der S^adt zu lvohnen. Er trat deshalb noch vor Mlttag wieder llllter das gastliche Dach des Herrn Fellhamer zurück, uln sich koil-trakt,näßig i,l Besitz seines Nachtquartiers zu setzell, das ihlN mit Vergilügen voll dein erstaunten Hausherrn überlassen wurde. Der verkolnlllene Gesell von gestern war hellte für ihn eine Respektsperson von bedeutendem Gewicht. Denn ein Arcierellgardist war ill. jener Zeit ein privilegirtes Wesell, wenn allch nicht lnehr seine Hellebarde oder sein Flügelro'ck etlvas von der Heiligkeit eines Altars hatteil, wie in früheren Zeitell, wo ein zllr Hinrichtung hiilalis-geführter Verbrecher, der eiileln Arcier begegnete und deln es gelang, seine Hellebarde oder seinen Flügelrock zu berühren, für diesen Tag seilies Halses sicher lvar ulld in sein Gefänglliß zurückgeführt werdeil lnußte. 3. Unser Held konnte lnit seiller neuell Lage sehr zllfrieden feill. Der Diellst war iiber alle Maßell leicht. Er bestaild darin, bei Hoffesteil, an Gallatagen, bei feierlichen Allffahrteil von Botschaftern zu paradiereil ulld eillige Wachtposten der inneren Hofburg zu besetzeil. Durch diesen Wachtdienst wlirdeil etiva wöchentlich vierundzwallzig Stunden in Allspruch genoin-lnen; die übrige Zeit konnte der neue Arcier seille glänzende Scharlachunifornl i»n Prater, auf der Bastei oder altf dein Graben sparzieren führetl, oder die Stunden iln Verkehr lllit seiilen Kameraden verbrillgell. Nebenbei faild Frohn eine unterhalteilde Beschäftigung darin, die häuslicheil Verhältnisse seiner Wirthsleute zu beobachten. Die Ver-hältilisse seilles Hauswirthes hatten etwas, das eineil jungen Mann zu dieser Beachtung gera-dezll herallSforderte. Äe schienen nälnlich allseitig beherrscht von deln Einflllß, lvelchen ein llnsichtbar bleibelldes Wesen darüber ausübte, ein Wesen, das nie leibhaft vor seinen Augen erschien, das in llll-nahbarer Zurückgezogellheit iveilelld, deln gallzeil Haushalt ein Gepräge stiller Wierde »tnd ge-lnessener Zurückhaltung auszudriickeil schien, uild das trotz seiller Nixeilhastigkeit den christlichen Namen Thereserl führte, ein Nalne, der übrigeilS ! » Eine bei Verlitt gelegene Metallfabrik, welche 1874 einen Verkehr von '/« Million Thaler und einen Ertrag von circa 60.000 Thalern hatte, zahlte an Steuern: für den Gewerbeschein 360 Thaler, ftir Grundsteuer 50 Thaler, fi'lr Einkommensteuer 2 Thaler für je 1000 Thaler, also 120 Thaler, ^nsammen Thaler, das sind 800 st. in Silber. Eine österreichische Metallfabrik, die ka»lm snr eine halbe Million Gulden umsetzte, bezahlte 1874 an Stellern, Gemeinde-Umlagen, Kirchen- und SÄ)ttlbeiträgen 9777 ff., daher zwölf mal so viel als die preußische Fabrik. Noch kann ich Ihnen ein drastisches Beispiel aus jüngster Zeit ansichren. Die Jnner-berger Gewerkschaft veröffentlichte vor wenigen Tagen ihren Jahresbericht für 1374. Bei einein Gesellschafts-Kapital von 20 V« Millionen meist sie einen Gewinn von 102.110 fl. nach. All Erlverb- ltlld Einkomiilenstelier allein hat sie 2t^2.898 fl. bezahlt. Unglaublich, aber That« fache! Der vierte schwarze Punkt sind die Zinsen für Geldbeschaffung. In Deutschland stellen sie sich alif4-6 Perzellt, in Oesterreich-Ungarn aus 7 bis 10 Perzent. Während in Deutschland. Belgien und England viele Bankiers die Industrie mit Geld zu nläßigen Zinsen verforgeil, hat Oesterreich-Ungarn keine»;. Seit dem Tode des alten Stametz-Meyer virä äer per 1. virlh u. Kegelbestlirber Nr. 83. k!e IMmr kemeilklirili 9t? ^7'. ö. von Weinstein, Hadern. Messing, Kupfer, Zinn. Eisen, Blki, Kalb- u. Schaffcllrn, Roß-. Ochsen-u. Schweinhaaren, Schaswolle, allen Gattungen Rauhwaaren, Knochen. 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I.vinvnan2Ugv, enKliselle vessins von . . . . l.U8tro-8soo08, Kollmars, xr«n, ^elb von . . . Kip8-8aooo8, „ „ Kammgai'n-Anillgo, vomplet, von..... 5 ü. Ank^ärtg. 12 „ 19 „ 8tofk-An?llgv, von...........18 L^uk^nnsek ^ercken llllu8tsr von Ttoiisn üderaU lunAesanckt, ^iedtpassenäes anstanäslos retour ß^enommen. (807 y 'S Z Z Dank und Anempfehlung. Für das mir seit 28 Jahren geschenkte große Vertrauen spreche ich uieiiien tiefsten Dank aus, und beehre mich ergebenst anzuzeigen, daß ich mit Ende Juni mein bisl)eriges Geschäftslokale im Herrn v. Kriehuber'f^en Hause am Soflenplatz räume und in mein neu erbautes, dem Realfchulgebäude gegenüber gelegenes Gefchäftslokale übersiedle. Auch fernerhin werde ich mich bestrebe», das mir geschenkte Vertrauen nach nieiner alten Gewohnheit durch reelle Bedienung zu erhalten; enipfehle meiu reichhaltiges Farben-, Firuiß- vnd Las-Lager, liefere alle Gattungen Anstriche, Lackirnngen, Schristcnmalereie» nnd alle mein Fach betreffenden Arbeiten zu den möglichst billigsten Preisen, uud zeichue niich niit besonderer Hochachtung nud Werthschätzung Ulkol»»» Vois», Marbisrg im Jnni 137S. . I.svkii'oi'. LWW W Silk MMkIl MÜKöÜWIl U M XX V. L^LLkvint 4 ßOsl monatlivk. I'reis^ Mr M RV R V»UR»M (las Asuzie VivitelMln' (6 Ilutvrdaltuvßs-, 6 liloäenum-^UM mein mit L eolvl-irtsn ^oävkupforn uuä 3 8c:1ivitt.dl».twrn): 2 k.-ßilafk 25 MM k^fgv. (22'/.. 2000 OrißsinnI-NIukirationon, 200 Ltivlcorm-Vorlaß^oo, LOV Lel^niltmuster, »°»W M doiten iu reiellstv»- .^us^vkkl. — I>oi ^dvIlvtiisU- .salugailK. k^NSLKvini 2 «eks winpit n»r °t>lvoll° unt°rl,»>w,>.I° unu vvIeul'önZo Ollier !>s^!eljtvkiton ,7- . , , 1 V. lülirlo Original IIIuLtratioukZu. 6 I^nt)erIlaIt.UllgS- UUll 6 ^e1jMt.t)- Leililättorn): 2 (20 8^?!'.). Oa88e1l)v. pl'aektausgatlv mit lieli 52 eoloiirten Kupteru: 4 K.-ßi^arlc 50 pfgv. (I I'lllr. 15 8^'r.). ^äkrUed: LVVl) Ori^ink^I-IIIustrkvt.iollvn, 20V Ltiolroroi-VorlsKon, 400 Lollniltmustor. : II Lfselivint ovMWN'v«« „l lan!? u Xttitunj^on visdoi'. Vvil«z v«n kr«»« KIiIiarÄt, verlin. ^IllZ I^ueltliaulllun^vn uuzr^ ein(z Vnllis-^nsß^klxz von „Vietoril»" bs/.vv. „llan-^und Flol^t, in ^sdoi-lisi» vollstnndißstzn ludalt einer l>oits-I>Iulnmoi'6or X« «««MW' Eiseiibahn-Fahrordtlililg Marburg. Pcrsonenzügt. Von Wien nach Trieft: «iikunft 8 U. 5l M. Krüh nnd 9 N. 54 M. Abends. Abfahrt S U. b M. Kriih nnd 10 U. 6 M. Abends. 'Nerantwortliche Redttttinu, Druck und Verlag von Eduard Ianschitz in Marbnra Von Trieft nach Wien: Anknnft 8 U. 85 M. Frilh nnd 6 U. 56 M. Abend». Abfahrt ö U. 4b M. Krüh und 7 U. 8 M. «bendS.