BST, -nm TelchZsn Nr. 2328. Lvahlspruch i War wir begehren von der flat im ft Fernen» Daii Brot und Arbeit uns gerüstet stehen. Daß unsere Kinder in der Schule lernen Und unsere Greise nicht mehr betteln gehen. G. Herwegh F Jnsertionspreis: Scheckkonto 38.415 ♦ Zentralorgan des Österreichischen Eisenbahn-Personales. RedaMon: Wien VA, Sentagaffe Nr. 5. 9tcbehtl086fi6te6: Zwei Tag, vor dem ffirftfjeluen de» Blatte». Abonnements-Bedingungen: . Halbjährlich..........................Kr. 288 Ganzjährlich........................... » 5*76 Für das Deutsche Reich ganzjährlich 9216.6'—. Für das übrige Ausland ganzjährlich 9 Franken. Erscheint ieden 1., 10. und 20. im Monat. = Sprechstunden 1 sind jeden Tag mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage vott lu Uhr " vormittags bis Va4 Uhr nachmittags. Die einspaltige Milli,neterzeile oder deren Raum 14 Heller. Bei Jahresauftrog Rabatt. M. 28 Wien, den 1. öllobet 1912. 20. 3o6tg. In den nächsten Tagen erscheint: Jas Mtiomdgt der eiMtiet im WrelM» ötrMe«»s." Eine kritische Erläuterung von Franz Litt. Die Broschüre bildet eine leichtfaßliche Einführung in die Be st im m ungen des neuen österreichischen Strafgesetzentwurfes, soweit diese auf die Eisenbahner Bezug haben, und zeigt die Gefahren auf, die den Verbessernngsbestrebnngen der Eisenbahner durch das geplante Gesetz drohen. Das Büchlein ist daher für die Agitation und zur Verbreitung unter den Eisenbahnern be-stiinmt. Preis per Einzelexemplar 30 Heller. Sei Abnahme von mindestens 20 Stück entsprechender Rabatt. tu beziehen entweder direkt durch die Drnck-kerlagsanstalt Carl n. Louis Schwabe, Wien V, Rüdigergasse 24 oder durch die Redaktion unseres Blattes. Amfgesetzresorm und Koalition»-ret&H. Mit der seit vielen Jahren als unbedingt not. wendig empfundenen Reform unseres Strafgesetzes soll es nun ernst werden. Freilich ist cs nicht das erstemal. daß die Regierung sich zu dem Versuch aufraffte, an Stelle des veralteten, mit dem Modergeiste vergangener Jahrhunderte behafteten Strafrechts ein nit den Bedürfnissen der Gegenwart in Einklang stehendes Strafgesetz zu setzen, ohne daß dabei mehr als der gute Wille dazu herausgekommen ist. Aber diesmal darf man aus mehreren Gründen annehmen, daß das Werk in Angriff genommen und durchgeführt werden wird, wenngleich sich niemand darüber noch im klaren ist, wie die ungeheuren technischen Schwierigkeiten, die sich einem Gesetz in den Weg stellen, das über 400 Paragraphe umfaßt, überwunden werden sollen. Aber über die sachliche Notwendigkeit einer durchgreifenden Reform auf dem Gebiet des Strafrechts ist heute niemand im Zweifel, denn seit den Zeiten und Verhältnissen, aus denen heraus unser geltendes Straf recht geschaffen wurde, hat eine so tiefgreifende ökonomische Umgestaltung das ganze Staats- und Wirtschaftsleben vom Grunde aus verändert, daß der Widerspruch zwischen geschriebenem Recht und lebendiger Wirklichkeit immer schreiender und klaffender an den Tag tritt. Jedes Gesetz, das fik das reale Leben brauchbar und dem Rechtsempfinden seiner Zeit Rechnung tragen will, muß die Tatsachen des Lebens berücksichtigen und auf der ökonomischen Basis der sozialen Wirklichkeit aufgebaut sein, cs muß mit einem Wort, so wie die Technik angewandte Naturwissenschaft ist, sich zur sozialen Technik gestalten lassen. Begreift man daraus die eminente Bedeutung, die gerade das Strafrecht für das soziale Zusammenleben der gesellschaftlichen Klaffen besitzt, so ist von vornherein klar, daß durch jede Reform, die auf diesem Gebiet einsetzt, die Interessen aller Klassen und Stände in intensivster Weise berührt werden. Alle Handlungen, die in einem Strafgesetz durch Paragraphe umschrieben werden, sind schließlich mehr .*) Siehe auch den Artikel „Der neue Strasgesehentmurs und die Eisenbahner" in Nr. 23 des „Eisenbahner". oder minder mit tausend Fäden mit den vielseitigen sozialen Interessen verknüpft und können von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten, wie sie sich aus dem Leben ergeben, nicht getrennt werden. „Jedes Gesetz", sagt der große deutsche Strasrechtslchrer v. L i ß t, „ist Jnterefsenschutz", was konsequenterweise schon bei jedem Versuch, ein bestehendes Recht zu reformieren, zu Widersprüchen und Jnteressenkonslikten führen muß. , In der Tat wird der wirtschaftliche Interessengegensatz auch bei dem gegenwärtigen Reformwerk in der sinnfälligsten Weise bemerkbar. Zunächst hat begreiflicherweise die Arbeiterschaft ein wohlverstandenes Interesse daran, daß eine Reform des Strafgesetzes nicht unternommen werde, ohne daß darin unser bisheriges Koalitionsrecht in einer Weise ausgestaltet wird, die auf die entsprechende Bewegungsfreiheit bei den unvermeidlichen wirtschaftlichen Kämpfen der Gegenwart gebührende Rücksicht nimmt. Unsere ganze Koalitionsfreiheit besteht bekanntlich heute nur darin, daß durch die im Jahre 1870 bewirkte Beseitigung der Koalitionsverbote, durch welche Verabredungen zum Zweck der Erringung Besseret Sohnuni) Arbeitsbedingungen, durch Niederlegen der Arbeit, an den „Rädelsführern" bestraft wurden, das Recht, organisierte Lohnkämpfe zu führen, garantiert worden ist. Sonst aber entzieht das Gesetz solchen Verabredungen jede Rechtsgarantie. Aber immerhin, die österreichischen Arbeiter haben das Recht auf Koalition, wenngleich die Vereinigung der österreichischen Arbeitgeber in einer Denkschrift im Jahre 1906 die Behauptung aufstellten, daß es ein eigentliches Koalitionsrecht nicht gibt, sondern daß „die Tatsache der Koalition nur geduld e t s e i". Aber gerade aus der Tatsache, daß die Arbeitgeber und die an ihrer Spitze marschierenden Scharfmacher das Koalitionsrecht schlankweg leugnen möchten, wird es ersichtlich, welche Wünsche in diesen Kreisen gehegt werden. Bisher freilich hat man es nur in zahlreichen Fällen vermocht, im Wege der Rechtsauslegung Bresche in das Koalitionsrecht zu legen und die Arbeiter in ihrer gewährleisteten Rechts-ausübung polizeilich zu schikanieren. Die ganze bisherige Geschichte der Gewerkschaftsbewegung und der Lohnkämpfe bietet dafür zahlreiche Beispiele und Dr. Ingwer hat die juristisch geordneten Dokumente dafür in feiner Schrift „Das Koalitionsrecht der Arbeiter" in dankenswerter Weise der Öffentlichkeit übermittelt. Der pronorteierte Jnteressenstandpunki, den die Unternehmer in Bezug auf das Koalitionsrecht entnehmen, hat sie daher auch die letzten Jahre her nie ruhen lassen. Bei jeder Gelegenheit, auf jedem Arbeitgebertag und in Hunderten von Zeitungsartikeln hat man das Lamento gehört, das die Herren über die allzu große Bewegungsfreiheit der Arbeiter an* stimmten, und die Forderung an die Regierung, durch einen gesetzgeberischen Akt einzugreifen, war eigentlich zu einer ständigen Einrichtung der Unternehmer« Organisationen geworden. Daß die Regierung, in der Tat auch geneigt war, diesen Wünschen entgegenzukommen, bezeugte die Verschlechterung, .die in dem im Herbst 1909 veröffentlichten Vorentwurf zur Reform des Strafgesetzes in Bezug auf das geltende Koalitionsrecht enthalten war. Während nach dem geltenden Koalitionsrecht nur der strafbar wird, der um das Zustandekommen von Verabredungen zu bewirken, die den Zweck haben, günstige r e Lohn-und Arbeitsbedingungen durchzusetzen, Mittel der Einschüchterung oder Gewalt anwendet, sprach der § 3 des Vorentwurfes nur schlechtweg von Mitteln der Einschüchterung zu dem Zweck, einen Arbeitgeber oder Arbeitnehmer an der Ausführung seines freien Entschlusses zu hindern, Arbeit zu geben oder Arbeit zu nehmen. Damit wären natür- lich auch alle aus anderen Motiven als die zur Durchsetzung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen geführten Streiks getroffen worden. Und nachdem gerade mit dem Fortschreiten der gewerkschaftlichen Organisationen auch solche Kämpfe, wie etwa die, die um die Anerkennung der Organisation geführt werden müssen, immer zahlreicher werden, war es klar, daß mit dieser geänderten Ge setzestextierung einem Hauptwunsch der Arbeitgeber Rechnung getragen werden sollte. Der Protest, der aber schon damals aus den gewerkschaftlichen Kreisen gegen diese offensichtliche Verschlechterung des Koalitionsrechtes laut wurde, scheint aber der Regierung doch rechtzeitig die Ueberzeugung beigebracht zu haben, daß die Arbeiterschaft nicht gesonnen ist, ohne schärfsten Widerstand bestehende Rechte preiszugeben, und sie nahm in den nun dem Herrenhaus vorliegenden fertigen Gesetzentwürfen, von dieser geplanten Aenderung Abstand. Aber ganz über eine Verschlechterung kommt die Regierung auch in dem neuen Entwurf nicht hinweg. In dem § 3 des Entwurfes heißt es nämlich: Wer einen Arbeitgeber oder einen Arbeitnehmer an der Ausführung seines freien Entschlusses, Arbeit zu geben oder zu nehmen, durch ein Mittel der Einschüchterung oder Gewalt zu verhindern sucht, um das Zustandekommen, die Verbreitung oder die zwangsweise Durchführung einet der im § 2 Gezeichneten Verabredungen zu bewirken, wird von dem Gericht mit Haft bis zu drei Monate» oder mit Geldstrafe bis zu tausend Kronen bestraft. Nachdem in der geltenden Bestimmung des § 3 eine Strafe für das bezeichnet Delikt „von a ch t T a g e n bis zu drei Monaten" angedroht wird, ist es klar, daß in Zukunft eine Strafverschärfung Platz greifen soll, ohne daß scheinbar das Gesetz eine besondere Aenderung erhält. Denn es fände sich schlechterdings keine zureichende Erklärung dafür, weshalb an Stelle der Worte „mit Arrest von drei Tagen bis zu drei Monaten", die Worte mit Haft bis zu drei Monaten" gesetzt werden sollen, wenn nicht der Zweck der wäre, den Richter zu einer höheren Strafbemessung zu veranlassen. Man sieht also, daß die Regierung auf einen ausgiebigeren Schutz der Streikbrecher bedacht ist, was sicherlich eine Konzession an die Wünsche der Unternehmer darstellt. Daß die Regierung in dem Teil ihres Strafgesetzentwurfes, der sich auf das Koalitionsrecht bezieht, die verschlechternde Bestimmung fallen liefe, wonach Übertretungen des § 3 bei alle n Streiks begangen werden können, hat vor allem in den Kreisen der Unternehmer argen Schmerz verursacht. Und so kommt denn auch in einem Blatt, das sich sonst vor lauter Objektivität damit begnügt, ertragreiche Jnseratenpkmtage seines Besitzers zu sein, im „Neuen Wiener Tagblatt" dieses Unbehagen über das Einschwenken der Regierung recht deutlich zum Ausdruck. In einem Artikel, den dort der Konsulent der Brünner Handels- und Gewerbekammer. Herr Dr. Alfred Oberländer, über die Wünsche der Arbeitgeber zum neuen Strafgesetzentwurs veröffentlicht, wird zunächst darüber geklagt, daß im gegenwärtigen Strafgesetz die „Freiheit des Arbeitsvertrages" viel zu wenig rechtlichen Schutz genieße. Diesen Schutz vermißt nun der Advokat der Brünner Scharsmacherkorporation auch im neuen Entwurf, und zwar, wie er sagt, aus folgenden Gründen: „Artikel 13 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch übernimmt die Bestimmungen des K o a-iitionsgesetzes vom 7. April 1870, R.-G.-Bl. Nr. 43, ohne Abänderung. Nach diesem Gesetz ist die Anwendung von Mitteln der Einschüchterung oder Gewalt, um einen Arbeitgeber oder Arbeitnehmer m der Ausführung feines freien Entschlusses, Arbeit zu geben oder Arbeit zu nehmen, zu hindern, nur in den Fällen eines sogenannten Lohnstreiks, das heißt wenn die Erzielung besserer Arbeitsbedingungen Der „Eisenbahner" erscheint in einer Auflage von 50.000 Exemplaren. "WW ober die Verschlechterung der bestehenden Gegenstand des Kampfes ist. Auf Fälle des Macht st reiks, in denen es sich um Anerkennung von Organisationen, Vertrauensmännern, Entlassung mißliebiger Vorgesetzter, Wiedereinstellung entlassener Arbeiter u. s. w. handelt, beziehen sich die Normen des Koalitionsrechtes nicht. Nun wird aber die letzterwähnte Kategorie des Streiks im Gefolge der fortschreitenden Organisierung sowohl der Arbeiter als auch der Unternehmer immer häufiger und die dargelegte Lücke des Koalitionsgesetzes immer fühlbarer. In dem im Jahre 1909 publizierten Vorentwurf zu einem österreichischen Strafgesetzbuch wurde denn auch die Strafandrohung des Artikels 13 derart gefaßt, daß sie sowohl beim Lohnstreik als auch beim Machtstreik Platz greift. Heber-dies wurde sie von der Voraussetzung der Koalition ganz losgelöst, so das; auch dort, wo Verabredungen gar nicht Vorlagen, Schutz gegen Angriffe auf die Freiheit des Arbeitsvertrages gewährt wurde. Die geplante Abänderung des Koalitionsgesetzes wurde von sozialdemokratischer Seite mit der Behauptung lebhaft bekämpft, daß die Textierung des Vorentwurfes die Koalitionsfreiheit gefährde. Eine objektive Prüfung zeigt indes, daß dieser Vorwurf den Tatsachen nicht entspricht. Die Fassung des Vorentwurfes tritt dem Zusammenschluß der Arbeiter in keiner Weise entgegen, sondern will nur der Erscheinung ein Ende machen, daß die Koalitionsfreiheit in Koalitionszwang ausartet. Eswar daher für die Regierung wohl kein sachlicher ©rund vorhanden, die Fassung des Vorentwurfes wieder aufzugeben." Man weiß, wenn die Anwälte der Arbeitgeber oom Schutz der „Freiheit des Arbeitsvertrages" reden, was da gemeint ist. Und die heuchlerische Versicherung, daß dem „Zusammenschluß der Arbeiter in keiner Weise entgegengetreten werden soll", gleichzeitig mit dem Appell an die Regierung vorgebracht, sie möge den Schutz für die Streikbrecher verschärfen, zeigt schon vollends, welche Sehnsucht in den Herzen unserer Scharfmacher schlummert. Denn welchen anderen Sinn soll die geforderte Anwendbarkeit des § 3 des Koalitionsgesetzes unterschiedslos auf alle Lohnkämpfe haben, als den, die sogenannten „Arbeitswilligen" für sakrosankt zu erklären? Daß es Fälle gibt, wo die Beleidigung eines Streikbrechers auch von einem noch so dienstbereiten Gericht nicht als Uebertretung des Koalitionsgesetzes geahndet werden kann, das ist die „Lücke im Gese tz", und es gibt augenblicklich gar keine dringlichere Aufgabe für die Gesetzgebung, als diese „Lücke zu verstopfen". Dann erst ist die „Freiheit des Arbeitstier-trage s", wie sie sich in einem Arbeitgeberhirn malt, genügend gesichert. Aber freilich beweist uns ein anderes, ebenfalls aus Scharfmacherkreisen stammendes Schriftstück, daß die „Lücke im Gesetz", die endlich einmal zu verstopfen Herr Dr. Oberländer die Regierung animiert, augenscheinlich schon heute im Wege der richterlichen Spruchpraxis recht genügend ausgefüllt wird. Denn fast zur selben Zeit, wo die Brünner Unternehmerkorporation ihren Wunsch- zettel zur Strafgesetzreform präsentiert, versendet auch die bekannte „Vereinigung der Arbeitgeber Oesterreichs" ein Schriftstück, in welchem alle industriellen und gewerblichen Vereine und Genossenschaften angegangen werden, sich einer „Sturm- und Massenpetition" anzüschließen, die im Herbst an den Ministerpräsidenten direkt überreicht werden soll, um die in Bezug auf ein zu schaffendes Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen schon oft geäußerten Wünsche endlich einmal durchzusetzen. Und in diesem an sich gar nicht überraschenden Schriftstück wird gleich einleitend das freimütige und sicherlich bemerkenswerte Geständnis gemacht: „Die von uns im Jahre 1908 begonnene Agitation behufs Erwirkung eines Gesetzes zum Schutz der Arbeitswilligen hatte bisher nach zwei Seiten einen, wenn auch bescheidenden, so doch erfreulichen Erfolg aufzuweisen. Derselbe besteht erstens darin, daß dieBöhördeninderHand-habung der bestehenden Gesetze, gegen die Uebergriffe (?) und Gewalttätigkeiten (?) streikender Arbeiter strenger vorgehe n, und zweitens darin, daß die Forderung nach einem solchen Gesetz Gemeingut aller Arbeitgeber, aller industriellen und gewerblichen Vereine und Genossenschaften geworden ist," Danach wird man also gewiß die Unparteilichkeit und die nach dem Gesetz gebotene Objektivität unserer Behörden gewiß richtig einschätzen können, wenn von der ausgesprochensten und nie zufriedenen Scharfmacherorganisation mit einer gewissen Selbst-zufriedenheit zugestanden wird, daß der Erfolg ihres Wirkens darin besteht, daß die Behörden mit größerer Strenge gegen streikende Arbeiter Vorgehen, daß also den „Arbeitswilligen" der Schutz in ausgiebiger Weise zugestanden wird. Aber natürlich, die Herren wollen von der wandelbaren Rechtsprechung allein nicht abhängen. Ein Gesetz, das der verfluchten Streiterei ganz energisch an den Leib rückt, ist immerhin besser, als so ein Richter, der schließlich doch nicht unter allen Umständen darauf hören muß, woher der Wind der Reaktion weht. Und so verlangt auch Herr Dr. Oberländer nicht nur die Wiederherstellung des Koalitionsparagraphen nach dem Vor entwarf des Strafgesetzes, sondern wünscht auch eine scharfe Bestimmung gegen den Boykott. Daß der Boykott heute in den wirtschaftlichen Kämpfen eine wichtige Rolle spielt, ist sicher, lieber seine Berechtigung zu streiten, ist auch sicherlich nicht nach sittlichen oder ästhetischen Motiven zu entscheiden. Er gehört nun einmal in das Arsenal unserer immer schärfer werdenden Wirtschaftskämpfe, und sein Verbot durch ein Strafgesetz zu fordern, heißt dem Arbeiter eine der Möglichkeiten nehmen seine Koalitionsfreiheit praktisch auszunützen, lieber einen Betrieb, wo gestreikt wird, oder sonstige Zustände herrschen, die es erheischen, die Öffentlichkeit anzurufen, muß die Sperre verhängt werden können, und zwar in der publizistischen Öffentlichkeit, denn sonst ist das Recht auf Koalition von vornherein eine bloße Fiktion, weil gerade die Wirkung, die daraus hervorgehen soll, versagt. Die Unternehmer, die, wie man weiß, den Boykott in ihren Kreisen bis zum wirtschaftlichen Ruin ausüben, wenn einer von ihnen getroffen werden soll, werden natürlich durch ein Verbot kaum getroffen werden, da ihre im Geheimen vor sich gehenden Abmachungen der Kartelle und S y n-dikate kaum darunter leiden dürften. Es ist also klar, daß die Arbeitgeber und ihre besoldeten Organe nichts anderes als ein Klassengesetz gegen die Arbeiter verlangen. Ihre ganzen bisherigen Bemühungen in der Öffentlichkeit, in den Versammlungen und in der Presse, haben es mit aller Deutlichkeit bewiesen. Und wir werden es jetzt in der Agitation für und gegen das neue Strafgesetz mit aller Schärfe erhärtet finden, daß der Wunsch nach einem Anti-Streikgesetz immer lebendiger wird. Das ist für die Arbeiter die ernsteste Mahnung, aus der Hut zu sein, um geschlossen das drohende Attentat auf ihre wirtschaftliche Existenz abzuwehren! _____________________ Fr. 1—1. Sie Genossmschaftrverbändr Set Irbeiteriowiumenten®). V. In unserem letzten Artikel haben wir den Weg gewiesen, den die Eisenbahner gehen müssen, wenn ihre Lebensmittelmagazine wertvolle Gebilde zur Hebung ihrer Lebenslage werden sollen. Die Zaghaften und Kleingläubigen, denen alles Neue unerreichbar vorkommt, werden auch diesmal ihren Bedenken und Seufzern freien Lauf gelassen haben. Solche Kollegen können natürlich keine Bahnbrecher neuer Ideen oder Mithelfer neuer Einrichtungen sein. Sie bilden den Baiast, verbreiten Angst und wirken überall hemmend auf den Gang der Dinge ein. Und trotzdem stiften sie auch gutes: Sie bilden sozusagen das Gegengewicht für die blinden Vorwärtsstürmer, die unbesehen und ungeprüft, zumeist aus egoistischen Gründen, für alles eintreten. Durch .die Gegenargumente wird die Vorsicht, das Veranwortungsgfühl geschärft und jeder Hinweis doppelt und zehnfach auf seine Richtigkeit geprüft. Dadurch werden mancherlei Gefahren abgelenkt und die neuen Einrichtungen werden von vornherein auf eine solidere und festere Grundlage gestellt. Ist das Werk nun gelungen und leistungsfähig, dann werden die Jmmerängstlichen und Zweifler die besten Agitatoren für die Sache. Wer hat an dein Zustandekommen unserer Organisation nicht ge-zweifelt? Wer hielt das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für möglich? Und dennoch und diese schwierigen und überaus nützlichen Arbeiten verrichtet worden, weil sie verrichtet werden mußten. Durch Erkenntnis, Aufklärung, Einigkeit und guten Willen kann das Schwerste vollbracht werden. Wir Eisenbahner müssen ernstlich darangehen, unsere vier Untugenden, den Kastengeist, den *) Siehe „Eisenbahner" Nr. 24, 25, 26 und 27. Feuilleton. Streit und Solidarität. Die Lehren des großen Naturforschers Darwin sind von :inem Teil seiner Schüler verknöchert worden. Als Darwin sein knappes Schlagwort vom „Kampf ums Dasein" prägte, hat er durchaus nicht an einen beständigen Kampf der Lebewesen, Körper gegen Körper, gedacht. In Deutschland war es eine Zeitlang besonders der sonst verdienstvolle Professor Häckel in Jena, der die Lehren Darwins gegen den Sozialismus ins Feld führte. Er stellte die Unterdrückung der Schwächeren und „Ungeeigneteren", als die die Arbeiterklasse hingestellt wurden, durch die Stärkeren und „Passendsten", natürlich die Kapitalisten aller Rentengrade, als naturgemäß und im Interesse der Kulturentwicklung gelegen hin. Und als vor einigen Jahren das Andenken Darwins geehrt wurde, konnte man immer noch, besonders in der ausgesprochenen Unternehmerpresse, ähnliche Ausführungen über den „Gegensatz" zwischen Darwinismus und Sozialismus lesen. Gegen die falsche Darstellung und die falsche Anwendung der Lehre Darwins wendet sich der bekannte russische Freiheitskämpfer und Naturforscher Peter Krapotkin in seinem sehr lesenswerten Buch: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" (Verlag Th. Thomas, Leipzig, Preis 2 Ml.). „Es ging mit Darwins Theorie", sagt Krapotkin, „wie es allen Theorien geht, die sich irgendwie auf menschliche Einrichtungen beziehen. Anstatt sic seinen eigenen Winken entsprechend zu erweitern, haben sie seine Nachfolger noch enger gemacht Sie gelangen schließlich dazu, sich das Reich der Tiere als eine Welt fortwährenden Kampfes zwischen halbverhungerten Individuen vorzustellen, jedes nach des ändern Blut dürstend. Die moderne Literatur widerhallte von dem Kriegsruf: „Wehe den Besiegten!" — als ob das das letzte Wort moderner Biologie wäre Und in der Tat, wenn wir Huxley nehmen, der sicherlich als einer der tüchtigsten Erklärer der Entwicklungstheorie gilt — lehrt er uns nicht in einer Schrift über den „Kampf ums Dasein und seine Bedeutung für den Menschen", daß „vom Gesichtspunkt der Moralisten die Tierwelt ungefähr auf demselben Niveau ist wie der Gladiatorenkampf. Die Kämpfer werden gut genährt und zum Kampf losgelassen, wobei der Stärkste, Behendste und Geriebenste leben bleibt, um noch am nächsten Tag zu kämpfen. Der Zuschauer braucht seinen Daumen nicht zu senken, denn kein Pardon wird gegeben." Krapotkin fand dagegen bei seinen Reisen und Forschungen, daß „spärliche Verteilung von Lebewesen auf weitem Raum, Untervölkerung und nicht Uebervölkerung eine hindernde Rolle bei der Entwicklung der Arten spielten. Auf der anderen Seite, wo ich auch immer das Tierleben in reicher Fülle auf engem Raum beobachtete, wie zum Beispiel auf den Seen, wo unzählige Arten und Millionen von Individuen zusammenkamen, um ihre Nachkommenschaft aufzuziehen; wie in den Kolonien der Nagetiere; wie bei den Wanderungen von Vögeln, die zu jener Zeit in wahrhaft amerikanischem Maßstab dem Usuri entlang erfolgten; wie namentlich bei einer Wanderung von Damhirschen, die ich am Amur beobachten konnte und während deren Taufende dieser intelligenten Tiere von einem unermeßlichen Gebiete sich sammelten, um dem drohenden Schnee zu entfliehen und den Amur an seiner schmälsten Stelle zu überschreiten — bei all diesen Szenen des TierlebcnZ, die sich vor meinen Augen abspielten, sah ich gegenseitige Hilfe und gegenseitige Unterstützung sich in einem Maß betätigen, daß ich in ihnen einen Faktor von größter Wichtigkeit für die Erhaltung des Lebens und jeder Spezies sowie ihrer Fortentwicklung zu ahnen begann. Endlich sah ich bei den halbwilden Rindern und Pferden, überall bei den wilden Widerkäuern, hei den Eichhörnchen und in zahlreichen anderen Fällen, daß, wo Tiere infolge der oben erwähnten Ursachen mit Mangel an Futter zu kämpfen hatten, der gesamte Teil der Spezies, der von dem Unglück betroffen war, aus der Prüfung derartig gebrochen an Kraft und Gesundheit hervorgcht, daß keine fortschrittliche Entwicklung der Art auf solche Perioden heftigen Kampfes zurückgeführt werden kann." Krapotkin erklärt, daß Huxlehs Auffassung der Natur ebensowenig Anspruch darauf habe, als eine wissenschaftliche Beweisführung angesehen zu werden, wie die entgegengesetzte Anschauung Rousseaus, der in der Natur nur Liebe, Friede und Harmonie erblickte, in die der Mensch erst Zerstörung hineintrug. „Rousseau hatte den Irrtum begangen, den Schnabel- und Krallenkampf außer acht zu lassen, und Huxley beging den entgegengesetzten Irrtum." Es wird als ebenso falsch erklärt, „in der Natur nichts als ein Schlachtfeld zu sehen", wie „nichts als Harmonie und Friede". Die Gedanken Rousseaus erkennt man ja auch in dem Schillerwort: „Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Dual." Der russische Forscher hält „Geselligkeit ebenso für ein Naturgesetz wie gegenseitiger Kampf" und er schreibt weiter: „Wenn wir . . . die Natur fragen: „Wer sind die Passendsten, sie, die fortwährend miteinander Krieg führen oder sie, die einander unterstützen", so sehen wir sofort, daß die Tiere, die Gewohnheiten gegenseitiger Hilfe annchmen, zweifellos die Passendsten sind. Es bestehen für sie die meisten Möglichkeiten, zu überleben, und sic erlangen in den betrefenden Klassen die höchste Entwicklung der Intelligenz und körperlichen Organisation. Wenn wir die zahllosen Tatsachen, womit diese Ansicht gestützt werden könnte, in Betracht ziehen, so können wir ruhig sagen, daß gegenseitige Hilfe ebenso ein Gesetz in der Tierwelt ist als gegenseitiger Kampf; jene aber als Entwicklungsfaktor höchstwahrscheinlich eine weit größere Bedeutung hat, insofern sie die Entfaltung solcher Gewohnheiten und Eigentümlichkeiten begünstigt, die die Erhaltung und Weiterentwicklung der Arten, zusammen mit dem größten Wohlstand und Lebensgenuß für den einzelnen beim geringsten Kraftaufwand, sichern. „Es wird nicht mehr Krieg geführt, als unumgänglich notwendig ist." „Der Kampf aller gegen alle >st nicht dcks Naturgesetz." „Wir sehen, . . . daß das Gesellschaftsleben in der Tierwelt keine Ausnahme ist; es ist die Regel." „Das GesellschaftS-lcben fetzt die schwächlichsten Insekten, Vögel und Säugetiere instand, den schrecklichen Vögeln und Raubtieren Widerstand zu leisten oder sich vor ihnen zu schützen, es verschafft langes Leben, es setzt die Art instand, ihre Nachkommen mit möglichst geringem Kraftaufwand auszuziehen und ihre Zahl ungeachtet sehr langsam einander folgender Geburten zu behaupten; es befähigt die Herdentiere, sich auf der Suche nach neuen Wohnungen auf die Wanderschaft zu begeben. Daher behaupten wir, obwohl wir völlig zugeben, daß Kraft, Schnelligkeit, Schuhfarben, List und Ausdauer im Ertragen von Hunger und Kälte, die von Darwin und Wallace angeführt werden, lauter Eigenschaften sind, die das Individuum oder die Art in bestimmten Fällen zu den geeignetsten machen, daß in allen Fällen die Geselligkeit der größte Vorteil im Kampf ums Dasein ist. Solche Arten, die sie freiwillig oder gezwungen aufgeben, sind zum Niedergang verurteilt, während solche Tiere, die cs am besten verstehen, sich zusammcnzuschlicßen.die grühtenAussichtcn dabei, zu überleben und sich weiter zu entwickeln, auch wenn sie weniger als andere mit jeder von den Eigenschaften (mit Ausnahme der intellektuellen Fähigkeiten) bezahlt find, die Darwin und Wallace aufzählen. Die höchsten Wirbeltiere und besonders die Menschen sind der beste Beweis für diese Behauptung. Was die Gabe des Intellekts angeht, so wird jeder Darwinist, ebenso wie er und Darwin erklärt, daß er die mächtigste Waffe im Kampf ums Dasein und der mächtigste Faktor zu fernerer Entwicklung ist, zugeben, daß die Intelligenz eine eminent soziale Eigenschaft ist. Sprache, Nachahmung und gehäufte Erfahrung sind lauter Elemente der wachsenden Intelligenz, deren das unsoziale Tier be. Sorget dafür, daß der »Eisenbahner" auch vom reisenden Publikum gelesen werde! "18Q nius, das Mißtrauen und die Unlust zur Arbeit aus-zurottcn und an deren Stelle den festen Willen, die Gemeinschaftsidee, den Fleiß und die Solidarität Pflanzen, mit denen wir allein nennenswerte wirtschaftliche Erfolge erzielen werden. Eine neue Ein-nchtung darf nicht von vornherein als eine Melkkuh betrachtet werden, aus der mau möglichst viel herausschinden will, ohne dafür etwas geleistet zu haben. „Ich bekomme die Waren beim Kaufmann um denselben Preis und brauche den Konsumverein nicht", so hört man des öfteren Kollegen gedankenlos reden. Daß die Genossenschaft im Ort erst preisbildend auf den Kaufmann einwirkte, will er nicht wissen; er verlangt, daß der Konsumverein gleich nach der Gründung ihm goldene Nüsse für schlechtes Stupf er liefere. Daß alles Neue einige Zeit braucht, bis es eine wertvolle Einrichtung wird, weiß heute jedermann; nur bei seiner eigenen Institution will man die Erfahrung nicht gelten lassen und übt nicht die geringste Geduld. Vergessen wir nicht, daß an der gegenwärtigen Genossenschaftsbewegung mit ihren noch immer anhaftenden Mängeln ganze Generationen daran gearbeitet haben, bis sie das geworden, worauf wir weiter Lauen und verbessern müssen. Generationen werden weiter arbeiten müssen, bis die Genossenschaften das werden, was wir von ihnen erhoffen und verlangen. Denken wir ein wenig nach, was die Genossenschasts-bcwegung in der Zeit vor Robert Owen und nach Owen war, und wir werden die grandiose Entwicklung begreifen. Welche gewaltige Veränderungen haben die Anfänger, die berühmten Pioniere von Rochdale nicht hervorgebracht? Es folgten nach ihnen neue Genossenschaften, Großeinkaufsgesellschaften und die Eigenproduktion. Gegenwärtig wird in England die Allgemeine Volksgenossenschaft propagiert, in der die einzelnen bestehenden Konsumvereine aufgehen sollen. Wie lange wird es dauern und das im Traume erhoffte Universalkaufhaus wird zur Wirklichkeit geworden sein. Wir Eisenbahner propagieren zum erstenmal den Verband mit einer Einkaufsstelle. In der Heimat der Genossenschaften, in England, ist der Genossenschaftsverband zur zweiten Macht im Reiche geworden. Mit Zittern und Bangen sieht die Bourgeoisie von Jahr zu Jahr die stetige Entwicklung in wahnsinniger Angst. Der britische Genossenschaftszentralverband umfaßt 1526 Distriktsveroände, in denen alles, was man braucht, zu bekommen ist. Mehr als drei Millionen Leute sind Genossenschaftler, die einen Umsatz von 2.786,402.376 Millionen Kronen erzeugen. Die Genossenschaftsanteile betrugen per 1911 883,222.820 Millionen Kronen, der Reingewinn für dasselbe Jahr 311,172.456 Millionen Kronen. Seit Dezennien sind sie zur Eigenproduktion übergegangen. Der Verband besitzt drei große Textilfabriken, in denen die Stoffe für die Mitglieder erzeugt werden, 2 Brauereien, 5 Buchdruckereien, 2 Buchbindereien, 70 Brot- und Gebäckfabriken, 6 Wurstwaren-, Konserven- und Teigwaren fabriken, die zwei größten Seifenfabriken im Reiche, eine Fabrik für chemische Artikel, 3 Apotheken, 7 Dampfmühlen, 3 große Lagerhäuser, eine Tabak- und Zigarrenfabrik, 3 große Tischlereien mit Möbelhallen. Daß sämtliche Kleidungsstücke sowie Leder in eigener Regie erzeugt werden, ist selbstverständlich. Hunderte Joch Wälder, Wiesen, Felder und Baugründe sowie große Wirtschaftsgebäude sind sein Eigen. Der Verband besitzt außerdem seine eigenen Tee- und Tabakplantagen in den Kolonien nnd ist gegenwärtig daran, zwei große Zuckerfabriken zu errichten. Mit 13 großen Schiffen werden die selbsterzeugten und angekausteu Rohstoffe aus den Kolonien und fremden Erdteilen in das Mutterland zur Verarbeitung eingeführt. Eigene Meierhöfe liefern Milch und Butter für die Mitglieder. Eine Zentralbank mit drei Filialen versorgt den Geldmarkt, den Giro- und Kassendienst. Außerdem hat der Verband seit 15 Jahren über 300 Cottagehäuser für seine Mitglieder erbaut. Wenn man Uneingeweihten diese jederzeit nachprüfbaren Tatsachen erzählt, so wird in ihnen die Meinung entstehen, daß man eine Serie der Utopien von Bellamy oder Jules Verne vorliest. „Das ist unmöglich!" wird der Unkundige ausrufen. Wie konnten die Arbeiter dies alles schassen? All dies, lieber Eisenbahner, ist durch Fleiß, Arbeit, Gemeinsinn entstanden. Hunderte tüchtige Köpfe, Taufende von fleißigen Händen, die voll des Vertrauens waren, haben in einem Jahrhundert dies geschaffen. Würden die britischen Arbeiter sich der Vermehrung des Kastengeistes, der Arbeitsunlust und dem ewigen Nörgeln hingegeben haben, so könnten sie heute nicht mit Stolz auf diese Weltwunder zurück-blicken und der gesamten Arbeiterschaft als Vorbild dienen. Aber nicht bloß England, auch die belgischen Arbeiter haben Staunenswertes auf genossenschaftlichem Gebiet geleistet. Die skandinavischen Länder eisern diesem Beispiel mit Erfolg nach. Unsere Genossen draußen im Deutschen Reiche rüsten nach Kräften, um mit den Briten in einer Linie zu stehen. Innerhalb einer fabelhaft kurzen Zeit hat der Zentral-verband 1100 Verbandsvereine mit einer Million Mitglieder in sich eingeschlossen, die einen Umsatz von 300 Millionen Mark erzielten und Spareinlagen von 320 Millionen Mark besitzen. Die neugegründete Großeinkaufshalle hatte im Jahre 1910 schon einen Umsatz von 89 Millionen Mark erzielt. Daß die deutschen Genossen schon zur Eigenproduktion übcrgegangen sind, beweist der Besitz der großen Seifen- und chemischen Fabrik, der Bäckereien, der Teigwarenfabriken und der Mühle-reien im großen Stil. Zur Vermittlung und Anlage von Kapitalien haben sie gleichfalls eine eigene Bank aktiviert, der jetzt eine große, das ganze Reich umfassende Lebens- und Rentenversicherung angeschlossen wird. Auf Grund der bekannten Verwaltungstechnik der deutschen Genossen werden wir bald Rühmliches auf diesem Gebiet hören. Aber auch die österreichischen Genossen waren nicht müßig. Seit ungefähr zehn Jahren stampften sie förmlich ein bewunderungswürdiges Genossenschaftsleben aus dem Boden. Im Zentralverband der Arbeiter-Konsumgenossenschaften waren bis 1910 512 Verbandsvereine mit 250.000 Mitgliedern angeschlossen. In den Berichtsjahren 1909/10 wurde ein Umsatz von 142,305.277 Kr. erzielt. Der Reingewinn Betrug für dieselbe Zeit 6,595.847 Kr., der an die Mitglieder verteilt wurde. Der Verband besitzt eine Großeinkaufsgesellschaft, die gleichfalls einen nicht zu unterschätzenden Erfolg aufzuweisen hat. Zur Eigenproduktion stehen zur Verfügung: 14 Bäckereien, 6 Schnhwaren-, 2 Hut-, 3 Kleiderproduktivgenossenschaften, 1 Tischler-, 1 Schustereiproduktivgenossenschaft, 2 Mühlen, 1 Selcherei, i Molkerei je. Außerdem stehen noch 1 Brauhaus und eine Buchbinderei 2C., zur Verfügung. Der Verband hat eine eigene Lebens- und Renten-, eine Feuer- und Einbruchsversicherung ins Leben gerufen. Zur Verbreitung der genossenschaftlichen Idee unterhält der Verband fünf Zeitungen, und zwar: den „Konsumverein", „Potravni spolek", „Eorovj", „Zepolenie" und das Familienblatt „Der Pionier", das allein eine Auflage von 78.000 Exemplaren hat. Nebftdem erscheint in vierteljährigen Abschnitten in Heften die genossenschaftliche Rundschau, „Der Konsumverein". Unsere Lebensmittelmagazine sollten für jeden Funktionär je ein Exemplar der Zeitschrift sowie der Broschüren abonnieren und für die Weiterverbreitung Sorge tragen. Der neue Verband der Lebensmittelmagazine sollte sofort in ein Gegen -seitigkeitsverhältnis mit dem Verband der Allgemeinen Arbeiter-Konsumvereine treten, um jede Situation am Weltmarkt und in der Marktlage besser ausnützen zu können und anderseits den Anschlag, welcher durch das neue Gesetz auf die Konsurnvereinignngcn gemacht werden soll, einmütig abzuwehren. Wollen etwa die Eisenbahner ruhig zuschauen, wie die Regierung und ihre Helfershelfer eines der wichtigsten Hilfsmittel im Emanzipationskampf der Arbeiter zertrümmern? Sollen wir etwa das gleiche tun, wie es die Betriebskrankenkassen vor zwei Jahren taten und die Hände in den Schoß legten, als der Verband der Krankenkassen Oesterreichs gegen die unverschämte Spitalskostenerhöhung protestierte? Die Betriebskrankenkassen zahlten ohne jeden Einspruch die Erhöhung und machten hiedurch die Aktion des Verbandes unmöglich. Würden die Betriebskrankenkassen einem Verband angehören, so könnten dort solche unerhörte Dinge nicht Vorkommen. Einer zweiten solch beschämenden Tat dürfen wir uns nicht mehr aus-setzen! Wir Eisenbahner werden oft und nicht mit Unrecht als Meister in der Organisation und als die intelligentesten Proletarier hin gestellt. Aber im Punkte der Genossenschaftsbewegung haben wir total versagt und fühlen dieses Versäumnis täglich im Einkansskorb. Wir haben förmlich den großen gigantischen Zug, der sich am ganzen Kontinent als Weltmacht entwickelt und international gegliedert ist, verschlafen. Darum müssen wir die Schlafenden wecken, bevor es zu spät ist. Zu jeder Zeit, zu jeder Stunde und an jedem Ort muß die Agitation für die Verbreitung der genossenschaftlichen Idee entsetzen und mit zäher Ausdauer durchgeführt werden. Wir wollen, können und dürfen auf diesem Gebiet, ohne Schaden zu leiden, nicht Zurückbleiben. Unsere Personal-kommissionsmitglieder und Arbeiterausschüsse müssen diese Frage insolange auf die Tagesordnung setzen, bis eine glückliche Lösung erfolgt. Seht doch, wie die Agrarier, der Kleinhandel, das Gewerbe überall Ge- raubt ist. Daher finden wir an der Spitze jeder Tierklasse die Ameise, die Papageien und die Affen, die alle die größte Geselligkeit mit der höchsten Verstandsentwicklung bereinigen. Die geeignetsten — die, die im Kampf gegen alle widrigen Umstände am besten gerüstet sind — sind also die geselligsten Tiere, und Geselligkeit erscheint als der Hauptfaktor der Entwicklung, sowohl direkt dadurch, das; Las Wohlergehen der Art mit möglichst geringem Kraftaufwand gesichert wird, wie indirekt dadurch, daß die Entwicklung des Verstandes begünstigt wird." Für seine Auffassung über die Bedeutung der Solidarität bringt Krapotkin ein ungeheures Material bei. Er schildert das Leben der Tiere, der Wilden und der Kulturmenschen. Sein Buch über die gegenseitige Hilfe ist ein hohes Lied der Solidarität und der — beim Menschen — bewußten Organisation. „Streitet nicht!" — so schließt Krapotkin sein Kapitel über das Gesellschaftsleben bei den Tieren, „Streit und Konkurrenz ist der Art immer schädlich, und ihr habt reichlich die Mittel, sie zu vermeiden!" Das ist die Tendenz der Natur, die nicht immer völlig verwirklicht wird, aber immer wirksam ist. Das ist die Parole, die aus dem Busch, dem Wald, dem Fluß, dem Ozean zu uns kommt. „Daher vereinigt euch — übt gegenseitige Hilfe! Das ist das sicherste Mittel, um all und jedem die größte Solidarität, die beste ®a_r?ni'£ der Existenz und des Fortschritts zu geben körperlich, geistig und moralisch." Das ist es, was die Natur uns lehrt, und das ist es, was alle die Tiere, oic die höchste Stufe in ihren Klaffen erreicht haben, getan haben. Das ist es auch, was der Mensch — der primitivste Mensch getan hat. und darum hat der Mensch die Stufe erreicht, auf der wir jetzt stehen." • Bei seiner Schilderung des Gemeinschaftslebens Bei den Naturvölkern wendet sich Krapotkin auch wieder gegen Huxley, der die primitiven Menschen als eine Art Tiger oder Löwe dar-gestellt habe, „die aller ethischen Vorstellungen bar seien, den Kampf ums Dasein bis zum bittersten Ende durchführten und ein Leben »beständigen rücksichtslosen Kampfes« führten. Dann werden die »Verschwörungen«, die »Brüderschaften«, die »Freundschaften«, die in den Städten aufkamen, geschildert, »die in einer gemeinsamen Idee verbunden waren und kühn sich einem neuen Leben gegenseitigen Beistands und der Freiheit zuwandten. Und es gelang ihnen so gut, daß sie in drei- oder vierhundert Jahren das Ansehen Europas völlig umgewandelt hatten. Sie hatten das Land mit schönen, prächtigen Gebäuden erfüllt, die dem Geiste freier Vereinigungen freier Männer Ausdruck gaben und denen in ihrer Schönheit und Ausdrucks- fülle seitdem nichts gleichgekommen ist, und sic hinterließen den folgenden Generationen all die Künste, all die Industrien, im Gefolge deren unsere heutige Zivilisation mit all ihren Verbesserungen und Versprechungen für die Zukunft nur eine Weiterentwicklung ist. Und wenn wir uns jetzt nach den Kräften umschen, die zu diesen großen Ergebnissen geführt haben, dann finden wir sic — nicht int Genie industrieller Helden, nicht in der mächtigen Organisationen riesiger Staaten oder den politischen Fähigkeiten ihrer Regenten, sondern in eben der Strömung gegenseitiger Hilfeleistung, die wir in der Dorfmark am Werke sahen und die im Mittelalter durch eine neue Form der Vereinigung belebt und neu gestärkt wurde, die derselbe Geist eingegeben hatte, die aber nach neuem Muster gebildet war — die Gilden." An dem Haß gegen den Staat und seinen Zwangseinrichtungen erkennt man noch den Anarchisten Krapotkin, an den sonst wenig an dem Buch erinnert: „Während cs in einem wilden Land, bei den Hottentotten, eine Schande wäre, zu essen, ohne dreimal laut gerufen zu haben, ob nicht jemand da sei, der das Mahl zu teilen wünsche, besteht jetzt alles, was der achtbare Bürger zu tun hat, darin, eine Armensteuer zu zahlen und den Verhungernden verhungern zu lassen." „Die Nationalökonomen führen in ihrer naiven Ignoranz allen Fortschritt der modernen Industrie und des modernen Maschinenwesens auf Sie »wundervollen« Wirkungen eben dieses Prinzips (vom Kampf aller gegen alle) zurück." „Und doch," schreibt Krapotkin/ „sowie wir uns vergewissern wollen, wie die Massen leben, und sowie wir ihre Alltagsbeziehungen zu erforschen beginnen, muß es uns auffallea, welch ungeheure Rolle die Gegenseitigkeit und die Hilfeleistung selbst heutzutage im Menschenleben spielen. .... Handlungen, bei denen die Menschen durch ihre Neigungen zur Gegenseitigkeit bestimmt werden, bilden einen so großen Teil unseres täglichen Verkehrs, daß in dem Augenblick, wo diese Handlungen gehemmt werden könnten, damit auch jeder weitere ethische Fortschritt gehemmt wäre. Die menschliche Gesellschaft könnte noch nicht einmal für die Dauer einer einzigen Generation bestehen bleiben." Mit warmen, begeisternden Worten Krapotkin besonders die gegenseitige Hilfeleistung in unserer Zeit. „Während ein Teil unserer Presse geneigt ist, Streiks mit »Einschüchterung« zu erklären, sprechen solche, die unter Streikenden gelebt haben, voller Bewunderung von der gegenseitigen Hilfe und dem Beistand, die fortwährend von ihnen geleistet werden. Jeder hat von der ungeheuren Arbeitsleistung gehört, die von freiwilligen Arbeitern getan wurde, um die Unterstützung während des Londoner DockarbeiterauSstandeS zu organisieren; von den Bergarbeitern, die, nachdem sie viele Wochen lang selbst arbeitslos gewesen waren, sowie sie die Arbeit wieder ausnahmcn, per Woche 4 Mk. in den Streikfonds zahlten; von der Bergarbeiter» witwe, die während des Arbeitskrieges in Jorkfhire 1898 die Ersparnisse ihres Mannes zum Streikfonds beisteuerte; von dem letzten Laib Brot, der immer mit den Nachbarn geteilt wurde; von den Bergarbeitern in Radstock, die größere Gärtchen bei ihren Häusern hatten und 400 Bergarbeiter in Bristol einluden, ihren Anteil Kohl und Kartoffeln zu nehmen u. s. tu.“ Und ähnlich von der politischen Bewegung: „Jeder erfahrene Politiker weiß, daß alte großen politischen Bewegungen um große und oft entfernte Ziele gingen und daß die unter ihnen die stärksten waren, die die uneigennützigste Begeisterung herborriefen. Alle großen historischen Bewegungen haben diesen Charakter gehabt und für unsere eigene Generation ist es der Sozialismus. »Bezahlte Agitatoren«, das ist ohne Zweifel der Lieblingsrefrain derer, die nichts von ihm wissen. Die Wahrheit aber ist, daß — um nur von dem zu sprechen, was ich aus persönlicher Kenntnis weiß — wenn ich in den letzten vierundzwanzig Jahren ein Tagebuch geführt und darin all die Hingebung und Aufopferung gebucht hatte, die ich in der sozialistischen Bewegung erlebt habe, der Leser eines solchen Tagebuches das Wort »Heroismus« fortwährend auf den Lippen hätte. Aber die Männer, von denen ich gesprochen hätte, waren keine Helden; es waren Durchschnittsmenschen, die von einer großen Idee entflammt waren. Jede sozialistische Zeitung — und es gibt Hunderte in Europa allein — hat dieselbe Geschichte von jahrelanger Aufopferung ohne Hoffnung auf (Entschädigung und in der überwältigenden Mehrheit der Fälle sogar ohne persönlichen Ehrgeiz. Ich habe Familien gesehen, die nicht wußten, wovon sie morgen leben sollten, der Mann in der ganzen kleinen Stadt wegen feiner Mitarbeit an der Zeitung boykottiert und die Frau erhielt die Familie durch Nähen, und diese Situation dauerte jahrelang, bis sich die Familie ohne ein Wort des Vorwurfs zurückzog, etwa mit den Worten: »Macht ihr weiter, wir können nicht mehr.« Ich habe Männer gesehen, die die Schwindsucht hatten und eS wußten, und sich doch in Schnee und Nebel herumtrieben, um Versammlungen vorzu. bereiten, die ein paar Wochen vor ihrem Tode noch in Versammlungen sprachen und erst dann ins Spital gingen, etwa mit den Worten: »Freunde, mit mir ist's aus; die Aerzte sagen, ich habe nur noch ein paar Wochen zu leben. Sagt den Genossen, ich werde mich freuen, wenn sie mich besuchen kommen.« Ich habe Tatsachen gesehen, wo man von »Idealisierung« sprechen würde, wenn ich an dieser Stelle davon berichten wollte, und selbst die Namen dieser Männer, die jenseits eines engen Besucht nur Lokale, in welchen der „Eisenbahner? auMeat! nossenschaften gründen, die eigentlich warenverteuernde Kartelle sind. Sie beziehen sogar für diese neue Art der Plünderung des konsumierenden Publikums Subventionen aus Steuergeldern vom Staat und Land. Der Staat hat zu wiederholten Malen verkrachte Bauern- und Gewerbegenossenschaften, zuletzt die in Kärnten, mit Steuergeldern wieder lebensfähig gemacht. Dagegen wollen die k. k. Bureaukraten als Exekutivorgane der Ausbeuter und Ausplünderer die Arbeiter-Konsumvereine drangsalieren und im Namen des „heiligen Profits" niederringen. Die Lebensmittelmagazine sollen in Gnaden weiter vegetieren, aber beileibe nur so, daß sie dem Krämergeist nicht schaden. _ Manchmal kann sogar die Regierung, wenn es ihr in den Kram paßt, vernünftige Ansichten über die genossenschaftliche Tätigkeit zum besten geben. Wer erinnert sich nicht an die Jnterpellationsbeant-wortung des Landesverteidigungsministers Georgi im Parlament am 21. November 1911, als die Abgeordneten Schürff und Genossen einen Protest gegen die Gründung eines Wirtschaftsvereines für Offiziere und Militärbeamte einbrachte? Mit welcher Entschiedenheit hat der Minister das Recht der Offiziers auf genossenschaftliche „Selbsthilfe" verteidigt. „Es geht nicht an", so sagte der Minister, „daß die Regierung derartigen Institutionen, die einen privaten Charakter tragen und geeignet sind, die Lebenslage zu erleichtern, in den Weg trete. Die Offiziere können die Teuerung nicht wie die anderen Stände auf zweite Personen abwälzen, sie leiden sehr darunter und können nur durch Zusammenschluß eine Erleichterung ihrer Lebensführung erreichen." Was den Offizieren recht ist, muß den Eisenbahnern billig sein. Auch wir können die furchtbaren Preissteigerungen nicht auf andere überwälzen. Aber in unserem Falle hat noch niemals der Eisenbahnminister solch goldene Worte gesprochen. Im Gegenteil: Er hütet sich und weicht diesen Fragen an kompetenten Orten aus. Weil wir höheren Orts keinen Schutz finden und keinen finden können, so müssen wir uns durch die Genossenschaften selbst schützen. Darum. Eisenbahner! Auf zur Agitation, auf zum Kampf! Ausdauer, Mut und Kraft wird auch bei uns zum Ziele führen. Der Worte sind jetzt genug gewechselt — lasset endlich Taten sprechen. K. M. Sozialpolitik der Sachariftischen Kongresses. - Nichts widerlegt die ewig wiederholte Behauptung unserer Klerikalen, daß es sich ihnen bei Veranstaltung des Eucharistischen Kongresses nur um Vertiefung und Verinnerlichung des religiösen Lebens gehandelt habe, so gründlich wie das Programm, wie die Verhandlungen des Kongresses. Gewiß, die pompösen Acußerlichkeiten, die eben den Kern der ganzen Veranstaltung bildeten, waren ganz danach angetan, dem Kongreß „religiösen" Charakter zu verleihen, denn äußere Prachtentfaltung ist ja die Methode zur Festhaltung von Unentschlossenen, Zweifelnden, Wankenden. Und der Versuch, alle diese Leute zu Freundeskreises kaum bekannt sind, werden bald vergessen fein, wenn auch die Freunde nicht mehr am Leben sind. In der Tat weiß ich selbst nicht, was am meisten zu bewundern ist: die unbegrenzte Hingebung dieser wenigen oder die Gesamtsumme kleiner Akte der Hingebung von seiten der großen Masse." „Sie können sich keinen Begriff machen", so wurde Kra-potkin von der Aerztin eines Armenviertels erzählt, „wie sehr sie einander helfen. Wenn eine Frau für das Kind, das sie erwartet, nichts in Bereitschaft hat oder nichts haben kann — und wie oft kommt das vor! — dann bringen alle Nachbarinnen etwas für das Neugeborene. Eine Nachbarin sorgt immer für die Kinder, und andere sehen immer schnell nach der Wirtschaft, solange die Mutter zu Bett liegt." Krapotkin seht hinzu: „Das ist ein allgemeiner Brauch. Mit tausenderlei Kleinigkeiten unterstützen die Mütter einander und sorgen für Kinder, die nicht ihre eigenen sind. Einige Erziehung — ob gut oder schlecht, mögen sie selbst entscheiden — ist erforderlich, damit eine Dame der reicheren Kläffen imstande ist, an einem frierenden und hungernden Kind auf der Straße vorbeizugehen, ohne es zu bemerken. Aber die Mütter der ärmeren Klaffen haben keine solche Erziehung. Sie können den Anblick eines hungrigen Kindes nicht aushalten; sie müffen ihm etwas zu essen geben und sie tun es." „In der Betätigung gegenseitiger Hilfe," so klingt Kra-potkinS Buch aus, „die wir bis in die ersten Anfänge der Entwicklung verfolgen können, für den wir also den positiven und unzweifelhaften Ursprung unserer Moralvorstellungen; und wir können behaupten, daß in dem ethischen Fortschritt des Menschen der gegenseitige Beistand — nicht gegenseitiger Kampf — den Hauptanteil gehabt hat. In seiner umfassenden Betätigung — auch in neuerer Zeit — erblicken wir die beste Bürgschaft für eine noch stolzere Entwicklung des Menschengeschlechts." DaS Buch KrapotkinS ist dem arbeitenden Volke in seinem Befreiungskampf eine gute Waffe, einmal gegen die teilnahmslos Gleichgültigen und gegen die Zweifelsüchtigen, dann aber auch gegen die kapitalistische „Wissenschaft", die ja immer noch alles Verdienst an der Kvlturentwicklung den hervorragenden Einzelheldcn in Politik und Wirtschaft, den Fürsten und Jndu-strieprotzen, zuschreibt, wäbrend die große Masse nur als Ballast, höchstens als „Rohstoff" für die „Helden" gewertet wird. Freilich fehlt Krapotkin die Einsicht in die Ursachen der KlasseNkämpfe. er hilft sich bann mit irgendwelchen „Ideen", aber der Fehler stört nicht sehr. Muß in unserer Zeit der große Klassenkampf zwischen dem kapitallosen arbeitenden Volke und den Renten„berechtigten" ausgesuchten werden, so wollen wir aber doch in der Arbeiterklasse und in ihren Organisationen die Pflicht der Solidarität und der gegenseitigen Hilfeleistung üben und allen unnötigen Streit vermeiden. Dabei werden wir gut fahren. fesseln, das durfte wohl die gewünschte Verinnerlichung des religiösen Lebens sein. Aber der Kongreß, jener Teil der Veranstaltungen der schwarzen Woche, der der Art eines Kongresses noch am meisten ähnelte,, bestand aus Reden, die nur zum geringsten Teil der Religion, viel mehr aber praktischen Fragen des täglichen Lebens gewidmet waren. Auch die Sozialpolitik fand liebevolle Aufnahme in das Programm, denn — so kalkulierte man — auf diesem Gebiet ließe sich noch verschiedenes für „Verinnerlichung des religiösen Lebens" machen. Schließlich gibt es ja jetzt schon, vor der Verinnerlichung, eine immerhin stattliche Zahl christlichgelber Arbeiter, für die man ja im Programm auch Platz machen muß. In Oesterreich allein soll es Ende 1911 30 der christlichen Zentralkommission angeschlossene Organisationen mit 45.320 Mitgliedern gegeben haben, neben den 27.000 tschechischen separatistischen Klerikalen. In Deutschland handelt es sich um beiläufig eine halbe Million. Und in den anderen Ländern gibt es diese Seuche auch schon. Sollen die Klerikalen diese Stütze ihrer Macht schlecht behandeln lassen? Schon seit langer Zeit ist die Sozialpolitik ein Sport, den man, wie jeden anderen, zur eigenen Stärkung betreibt. Der wichtigste Beweis dabei, daß den Arbeitern durch die klerikale Sozialpolitik irgendwie und dauernd geholfen werden könnte, ist allerdings bis jetzt noch nicht gelungen. Und er wird auch nie gelingen. Das religiöse Empfinden hat mit den Aufgaben und Kämpfen des modernen Lebens so wenig Zusammenhang, daß es gar nicht denkbar ist, daß die klerikale Sozialpolitik, anf-gebaut auf dem brutalen Grundsatz: Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben, also auf dem Grundsatz der widerstands-, losen Duldung jeder Unterdrückung, dem Arbeiter Ersatz ' sein könnte für den aus eigener Kraft geführten Kampf um Hebung des Lebensniveaus der Arbeiterklasse. Nichtsdestoweniger hat man die schwarze Woche^ in Wien wiederum dazu benützt, mit der klerikalen Sozialpolitik Staat zu machen. Den Auftakt gab das Breve Papst,Pi»S X., die kurze Begrüßungszuschrift, die der Papst dem Kongreß durch seine Ablegaten zustellen ließ. „Aber ganz, gewiß ziemt es denjenigen, welche dieses Sakrament der Liebe würdig verehren, im allgemeinen nicht, auf ihren eigenen Nutzen nur so sehr bedacht zu sein, daß sie das Heil der vielen, vielen vernächlässigten, die entweder Unwissenheit oder unbedachtes Dahinleben oder auch Widerwille von der Vereinigung mit diesem göttlichen Mahl fernhält. Jene mögen nur sehen, wie gefährlich die menschliche Gesellschaft erkrankt ist....." In dieser päpstlichen Aufforderung offenbart sich die ganze sozialreaktionäre Auffassung Pius- L., welch Unterschied zwischen den immerhin modernen Worten _ der Enzyklika über die Arbeiterfrage von Leo XIII., die ja doch auch dem praktischen Leben zugewendet waren, und diesen frömmelnden Redensarten! Und genau auf diesen Ton waren auch die übrigen sozialpolitischen Vorträge gestimmt. Wen kann es überraschen, wenn unter solchen Umständen allen Ernstes häufigeres Kommunizieren als Voraussetzung besseren Wohlergehens hingestellt wurde? So hat man es auch in verschiedenen nationalen Sektionen fertiggebracht, die Griindung von Eucharistischen Ligen silr verschiedene Arbeiterkategorien zu empfehlen! Die französische Sektion hat des langen und breiten über die Erfolge der Eucharistischen Liga der Eisenbahner erzählt. Ob das Grübeln über das eucharistische Geheimnis, ob die Sorge um Einhaltung des Termins der Kommunion wesentlich zur Hebung der Sicherheit des Verkehrs beigetragen hat, darüber wurde kein Wort gesagt. Und ob die Liga imstande war, die Notwendigkeit eines Eisenbahnerstreiks zu beseitigen, darüber hat man sich ausgeschwiegen. Auch Belgien soll bereits solche Ligen haben. Und es müßte alles täuschen, wenn nun nicht auch in den anderen Ländern derartige Gründungen auftauchcn würden. Welch wunderbare Aspekte eröffnen sich da den Arbeiterfeinden! Da kann das Opium, mit dem man die Arbeiterschaft einschläfern will, daß sie an ihren Klassenkämpf vergesse, erst recht so wirksam sein. Eucharistische Liga statt Gewerkschaftsorganisationen: solch ein Tausch wäre gewiß ein ungeheurer Vorteil für die — Ausbeuter. Und dies trotzdem das päpstliche Breve wieder einmal — den Armen predigt, man möge doch die vergänglichen Güter in Erwartung der unvergänglichen verachten. Ein Sektionsredner jammerte darüber, daß der menschliche Egoismus — so zart hat er die Worte kapitalistische Profitmachern umschrieben -— über menschliche Leichen hinwegschreite, wodurch die Herrschaft der Königin der Tugenden, der Liebe, unmöglich gemacht werde. Und das nach jahrhundertelanger Herrschaft der Religion mit ihrer Eucharistie; trotzdem aber hat man die Eucharistie, das tiefste religiöse Geheimnis, als Mittel zur Lösung der sozialen Frage empfohlen. Der sozialen Frage im allgemeinen und der Teilfragen im besonderen. Ein adeliges Weib verlas in der Frauensektion einen ihr von ihrem geistlichen „Berater" ausgeschriebenen Vortrag „über die heilige Eucharistie als Born der Kraft für soziale Arbeit", womit doch angegeben werden sollte, daß die Eucharistie diese Verwendbarkeit besitzt. Frt der slowenischen Sektion hat sogar ein Kanonikus über die soziale Bedeutung der Eucharistie gesprochen, also diese Bedeutung gewiß festgestellt. Das muß doch eine mächtige Befruchtung der wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet geben. Spezialisten sollten sogar die Verwendbarkeit der eucharistischen sozialpolitischen Grundsätze auf verschiedenen Teilen der sozialen Frage erweisen. Es konnte für sie nichts Leichteres geben. Ta hat einer die Sonntagsruhe eucharistisch bekämpft. Er sagte, daß, wen» der Arbeiter den Sonntag nicht durch Verehrung der Eucharistie heilige, dies kein Tag des Herrn, aber auch kein Tag des Arbeiters sei. Also — soll inan wohl die Sonntagsruhe der Arbeiter abschaffen. Das ist eucharistische Sozialpolitik. Ein anderer Redner fand, die beste Lösung der sozialen Frage im Sinne der eucharistischen Sozialpolitik sei die Schaffung von Herbergen, wo man auch christliche Wohltätigkeit Pflegen kann. In der italienischen Sektion erbarmte man sich der armen Auswanderer. Das ist eine — nicht bloß für Italien — brennende Frage. Die eucharistische Sozialpolitik weiß sie mit Leichtigkeit zu lösen, nicht durch Besserung der heimatlichen Verhältnisse, nicht durch Schaffung von Arbeits- und Äerdienstmöglichkeiten, nicht durch Schutz der Auswanderer in der Fremde, sondern durch Ermöglichung häufiger Kommunionen und durch Verteilung von Broschüren über geistliche Exerzitien. Man sieht, daß es nichts Einfacheres geben kann als es die sozialpolitischen Rezepte der Eucharisten sind. In der tschechischen Sektion schenkte man den Wanderarbeitern einige Aufmerksamkeit. Nicht, daß man nachgedacht hätte, wie mau diese Leute vor preußischer Verfolgungswut schützen könnte, es handelte sich um weit hehrere Ziele. Die nach Deutschland wandernden tschechischen Bergarbeiter und Bauarbeiter verfallen nur zu leicht den modernen Gewerkschaften und beteiligen sich dann brav an ihren wirtschaftlichen Kämpfen. Da muß Abhilfe geschaffen werden, und zwar durch eucharistische Ligen, durch klerikale Wanderarbeikervereine. Man löst die soziale Frage durch Hinderung des wirtschaftlichen Kampfes der Arbeiter und durch Ablenken ihrer Aufmerksamkeit von dem Jammer dieser Welt auf die Pracht und Glückseligkeiten der erdichteten „jener Welt". Eine Zusammenfassung aber der ganzen eucharistischen Sozialpolitik sollte wohl der Vortrag darstellen, den über himmlisches und irdisches Brot ein Domprediger aus Münster, namens Donders, hielt. Die Kirche weiß, meinte der wackere Domprediger, wie so bitterweh der Hunger ist, und weil sie das weiß, lehrt sie die Menschen beten: unser täglich Brot gib uns heute! Man kommt also sehr billig über das bittere Weh hinweg: man empfiehlt Gebete. Ob die Hungernden dadurch satt werden, darüber gibt man sich keinen Sorgen hin. Im Gegenteil, Herr Donders will den Arbeitern Einreden, daß, wo die Grundsätze der alten Heilandsreligion gelten und befolgt werden, "da das irdische Brot nicht ausgehen könne. Warum dann wohl die christlichen Arbeiter auch an Streiks teilnehmen? Haben auch sie schon die Grundsätze der alten Heilandsreligion verlassen oder hat sich bei ihnen die Behauptung des Herrn Donders nicht bewahrheitet? Herr Donders berief sich auf die bekannte, Enzyklika Leo XIII. über die Arbeiterfrage, hie angeblich für hie im Namen der sozialen Gerechtigkeit von der Religion aufgestellte Aufforderung an die Arbeitgeber: jedem das seine, die Gewissen wieder geschärft habe. Ja, hat denn die Religion nicht vermocht, für die Befolgung dieses bedeutenden Grundsatzes dauernde Vorsorge zu schaffen? Oder gilt auch diese Aufforderung nur für die Ausgebeuteten? Drei Jahrzehnte sind seit der päpstlichen Mahnung, daß es wider göttliches und menschliches Gesetz geht, Notleidende zu drücken und um des eigenen Vorteiles willen auszubeuten. Warum hat Herr Donders nicht untersucht, ob die päpstliche Mahnung auch nur ein wenig genützt hat? Hätte er das getan, hätte er sich überzeugt, daß eine Sozialpolitik, die in Bibel- und anderen schönen Sprüchlein besteht, keine Sozialpolitik, sondern eine Irreführung der Arbeiter ist. Und diese alte Wahr-, heit hat der Eucharistische Kongreß fiir die klerikale Sozialpolitik aufs neue bestätigt. So feierlich und so klar trat die ganze Inhaltslosigkeit der klerikalen Sozialpolitik noch nie zutage wie bei der schwarzen Woche zu Wien. Und darin liegt ihre große Bedeutung für die Arbeiterklasse,., die Bedeutung, daß die Arbeiterschaft nun neuerdings belehrt wurde, daß nur organisierter Klassenkampf ihr zu ihrem Rechte verhelfen-kann. Abgeordneter Heine vor den nord-böhmischen Eisenbahnern. Bodenbach a. E., am 26. September 1912, Die Deutschnationalen sprengen ihre eigene Versammlung, um der Züchtigung zu entfliehen. Herr Baurat H e i n e, der 3000 Kr.-Abgeordnete der Scharfmacher und seine Trabanten vermeinten einen Haupttreffer gemacht zu haben, als sie eine öffentliche Vereinsversammlung über, den 17 Mil» lionen-Antrag gerade für jenen Tag im „Deutschen Haus" in Bodenbach anberaumt hatten, wo Abgeordneter Genosse Leuth ner aus Wien über die Schändlichkeiten der Wehrreform und der National» oerbändler in Tetschen sprach. Man glaubte, ani 24. September werde die Kraft der sozialdemokratischen Partei nicht auslangen, beide Versammlungen zu beherrschen, irrte sich aber dabei sehr gründlich. Beide Versammlungen waren massenhaft besucht von Sozialdemokraten. Wir hatten die erdrückende Mehrheit vom Anbeginn. Als man Lunte roch, eilten die Macher des Reichsbundes von Haus zu Haus, um nationale Statisten und Krawallmacher aufzutreiben und in der Tat waren die bekannten Geistesgrößen Bodenbachs und darüber hinaus, B l a h a, N e i s s e, Schneider u. s. w. stramm am Platze und jubelten Heine zu, demselben Heine, den zuni Beispiel 581 aha und Wenzel, als sie bei der Neichsratswahl noch für Siegel agitierten, einen Regierungsmamelucken schimpften. Auch der Ehrenmann Hocke aus Pfaffendorf, der die bekannte Affäre des Dienstmädchens in der Station Tanneberg auf dem Gewissen hat, war als Netter H e i n e s zur Stelle, selbst von Schreckenstein war der deutschnationale Eisenbahnbeamte Habich, bekannt durch mehrfache Verurteilungen wegen Verleumdung von Sozialdemokraten, herbeigeeilt. _ Ja, sogap in Tetschen waren Hoteliers und dergleichen zu dieser Eisenbahnerversammlung geladen worden und sicher ist, daß eine größere Anzahl fremder nationaler Schreihälse alles nur keine Eisenbahner waren. Alle Mühe war umsonst, auch die ziemlich stark vertretenen Beamten und die „farblosen", in Wirklichkeit meistens deutschnationalen Professionisten vermochten nicht, Heine vor der Geißelung durch Genossen Seliger, der aus Teplitz gekommen war, zu bewahren. Als ihnen die Hiebe gar zu hageldicht fielen, wußten sie sich keinen anderen Rat, als die Versammlung zu sprengen! Am liebsten hätte man die Sozialdemokraten nicht erst eingelassen, das mag auch die nr- sprüngliche Absicht gewesen sein, als man ihnen um halb 8 Uhr beim Einlaß Schwierigkeiten bereitete, aber die Geschichte ging eben schon einmal schief. Gewitterstimmung lag bereits über der äußerst stark besuchten Versammlung, als sie namens der zwei einberufenden Vereine (Beamtenverein und Reichsbund) Herr Tscheitschner erösfnete. Wohl mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe, erklärte er auf Anfrage des Genossen G r ü n z n e r, daß „volle" Redefreiheit herrschen werde, doch bedurfte es einiger Mühe, es dahinzubringen, daß an Stelle zweier nach Heine bereits fürsorglich vorgemerkten nationalen Redner Genosse Seliger treten konnte, ein dritter verzichtete nicht aufs Wort. Er erwies den Professionisten damit einen schlechten Dienst, da er sie in seiner Rede geradezu als Faulenzer und Schwindler hinstellte, die sich von der Arbeit drücken. Die aufgestellten Ordner H e i d l e r u. s. w. haben . zur Aufrechterhaltung der Ruhe verteufelt wenig beigetragen, eher das Gegenteil. Heine wurde seitens seiner Getreuen laut begrüßt, aber ihr Beifall war nichts gegen den Jubelsturm, der bei Seliges Namen erklang. Die Versammlung nahm folgenden Verlauf: Z Zunächst sprach Abgeordneter Heinc. Unter fortwährenden provokatorischen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie polemisierte er gegen die Reden in der Tetschener Eisenbahner. Versammlung, in der, wie erinnerlich, die Genossen Sill und Abgeordneter Seliger sprachen, und die ihm schwer im Magen zu liegen schien, sprach von bewußten Lügen ob seiner Beförderung zum k. k. Baurat, um dann des längeren und breiteren über die Ereignisse im Parlament bezüglich der Eisenbahnerforderungen in seiner Art und Weise zu berichten, den Sozialdemokraten Demagogie und ähnliches vorwerfend, ja gegenüber dem Abgeordneten Tomschik direkt behauptend, er hätte die Eisenbahner um einen Pappenstiel verkauft. Heine habe im Vorzimmer eines Ministerialrates erlauscht fl), wie T o m s ch i k gesagt habe, der Beamte soll einen zweijährigen Vorrückungsdienst bewilligen, dann kommt er (Tomschik) nie mehr ins Ministerium, außerdem habe sich ein sozialdemokratischer Verein der Unterbeamten (den Namen wußte Heine natürlich nicht!) mit der individuellen Ernennung begnügt. Diese mit schmierenmäßigem Pathos „zum erstenmal" vorgebrachten „Enthüllungen" Heines entfesselten auf nationaler Seite, wo das gedankenlose Verleumden schon im Blut sitzt, närrische Freude, auf sozialdemokratischer dagegen Protestrufe und Heiterkeit. Wie „genau" i§ Herr Heine mit der Wahrheit nimmt, zeigt schon die eine geistreiche Behauptung, in Frankreich seien die Sozialdemokraten am Ruder! Daß er die Wehrreform über den grünen Klee lobte, alle Schuld an dem Scheitern der Aktionen für die Eisenbahner auf andere schob, die Gefahr des § 14 an die Wand malte und sich zum Schluß als uneigennützigen warmen Freund seiner Kameraden (der Eisenbahner!) hinstellte, braucht bei seiner demagogischen Gewandheit nicht Wunder zu nehmen. Tie politisch wenig oder gar nicht geschulten Indifferenten und fein blaugelber Trotz heilten zu seiner Rede nach Leibeskräften. Nachdem der Professionist H o r l1 die Leiden der Werk-stättenarbeitcr kurz geschildert hatte und sich beklagte, daß sie die Stiefkinder der Bahn seien (wohl auS eigener Schuld, weil sie sich separieren und allein zu schwach sind), erhielt unter lebhaftem Beifall Abgeordneter Genosse Seliger das Wort. In einer äußerst geschickten Rede zerpflückte er schonungslos eine Phrase Heines um die andere , ihm alle Ausreden entwindend, so daß sich ein jeder halbwegs urteilsfähige Mensch über die Qualitäten Heines und seines NationalverbandeS klar sein muhte. Bezüglich des Avancements Heines stellte Seliger fest, daß es nach sozialdemokratischen Begriffen nicht korrekt sei, in der Zeit, wo ein Staatsbeamter ein Mandat ausübt, mit steigendem Gehalt zu avancieren (Protestruse der nationalen Beamten), weil sonst leicht der Verdacht entstehen könnte, der Abgeordnete sei von der Regierung gekauft. (Lebhafter Beifall.) Der Fall des Abgeordneten K rot) sollte doch abschreckend genug wirken. (Zustimmung.) Niemals haben Sozialdemokraten etne mit ihrem Einverständnis verfaßte Resolution lächerlich gemacht, Wohl aber später die Kundgebungen jener Parteien, die vorher die Eisenbahner im Stich ließen. (Zustimmung.) Glauben Sie, fragt Redner, daß die Regierung eine Partei ernst nimmt, die den 17 M i l l i o n e n - A n t r a g nieder-stimmen half und eine halbe Stunde später eine Aufforderung zugunsten dieser selben Forderungen ergehen läßt? (Lebhafter Beifall.) Dan« erteilt Genosse Seliger dem in parlamentarischen Fragen mitunter auffallend schwachen Herrn Bautat eine ganz nützliche Belehrung über die Bedeutung des Budgets und Provisoriums und setzt ihm auseinander, datz als Folgen eines der Regierung nicht genehmen Beschlusses eintreten könnten: Die Demission des Kabinetts oder die Auflösung des Parlaments. Das ist konstitutionelle Gepflogenheit in allen Gesetzgebungskörperschaften. Heine: „Wir sind noch nicht so weit." Seliger: „Aber, Herr Kollega, dann i st es Pflicht, es soweit zu bringen!" (Heiterkeit und Beifall.) Man muß die Regierung erziehen, indem die Mehrheit des Parlaments ihren Willen durchsetzt. (Zustimmung.) Das Parlament hatte durch ein stimmt-gen Beschluß sein Wort den Ersenbahnern verpfändet, es m a.r seine Ehrensache, es einzulösen (brausender Beifall), das hat aber die Mehrst eit, der Nationalverband, nicht getan. (Stürmische Pfuirufe.) Nun die ..Gefahr" des § 14! Wenn die Regierung den § 14 anwendet, weil das Abgeordnetenhaus eine Volkstum» iiche Forderung beschließt, wenn sie den einstimmigen Willen des Parlaments mißachtet, dann würde sie mit einer Auflösung des Hauses dem § 14 dcn allerschlechtesten Dienst erweisen, weil dann das Parlament das gesamte Volk hinter sich hätte. ,Zustimmung.) Wenn die bürgerlichen Parteien den Kampf gegen den § 14 führen wollten, hätte es keine bessere Gelegenheit gegeben, seine Anwendung zu provozieren, als wie eben in diesem Falle. (Richtig!) Nun hat die Re gierung gar nicht mit dem § 14 gedroht! (Hört!) Herr Heine wird niemand cinredett, jetzt, wo die Regierung vor der Neubewaffnung der Artillerie, dem Ausbau der Marine steht, wo sie die noch fällige Anleihe von 130 Millionen Kronen nicht gepumpt bekommt, den § 14 anzuwenden, denn damit kriegt sie weder Kanonen noch Geld. (Beifall.) Ja. Herr Heine, wenn der Antrag Tomfchik nur Geflunker war, warum hat sich die Regierung so sehr bemüht, ihn auS der Weit zu schaffen? (Heiterkeit.) Heine: Hat sie nicht. Seliger: So, haben nicht die Christlichsozialen etwa zehn Tage vor der Abstimmung beschlossen gehabt, für den Antrag Tomfchik.zu stimmen und haben nicht, dem Beispiel der Christlichsozialen folgend, die Nationalverbändler ebenso beschlossen? Heine: Das ist nicht wahr! Seliger: Aber erlauben Sie mir, Sie werden doch nicht die Cominuniques Ihres, Verbaiidsoorstandes Lügen zeihen? (Heiterkeit.) Solche Tatsachen wegzuleugnen, ist nicht mögli». Das sind keine Lauschergcschichten (Stürmischer Beifall), sondern Beweise, schwarz auf weiß! (Beifall.) Die Regierung hat in der Tat mit den Christlichsozialen und den Nationalverbändlern unterhandelt, und die Frucht davon war der Verrat an den Eisenbahnern. (Pfuirufe. RegiernngsmameluckenI) Herr Heine meint, die Regierung habe auch andere Resolutionen mißachtet. Was ist aber dagegen geschehen? Der seither verstorbene sozialdemokratische Abgeordnete L-ilberer hat dcn An!reg gestellt, der Regierung wegen der Nichtbeachtung tien Gesetze.’bcfdüüsfcn (Zuruf: Sacharinverbot!) die Mißbilligung au??!«dn'cfe>i. Wer hat gegen diesen Antrag gestimmt? Der N a t i o n a l v e r b a n d! (Zahlreiche Pfuirufe.) Es wundert mich wirklich nicht, lr.cnn die Regierung über nationalrerbändler.sche Resolutionen lächelt, kann ihr doch nichts geschehen, fZustimmung.) Die speziellen „österreichischen Verhältnisse" seien, sagt Heine, schuld an dem ©amen.'Nein, das sind die bürgerlichen Parteien, die nicht den Mut haben, gegen die Regierung aufzutreten, die Mehrheit, die sich alles gefalle« läßt. (So ist es!) An Gelegenheit, auch in Zukunft wieder die Probe aufs Exempel zu machen, werde es nicht fehlen. Gegenüber Heine betont Genosse Seliger, daß gerade eine Beamtenregierung, die keine feste Mehrheit hinter sich habe, weniger widerstandsfähig ist, als eine andere. (Zustimmung.) Was verpflichtet denn die Nationalverbandler, unentwegt für die Beamtenregierung cinzutreten? (Zurufe.) Da Heine das Abgeordnetenhaus als „Bude" bc,zeichnete, meinte Seliger ironisch, er wisse nicht, warum die 'National« verbändlcr gar so große Liebe zu ihr zeigen, es wäre dann doch kein so großes Malheur, wenn sie kaput ginge. (Heiterkeit.) Sic würde von der Regierung ja bald wieder aufgemacht. (Zustimmung.) Uns fehlen mutige bürgerliche Parteien mit steifem Rückgrat, die sagen, drückt die Regierung uns den Daumen aufs Auge, tun wirs ihr ebenso, wir brauchten Parteien, die zuerst für die Volksnotwendigkeiten, für die 17 Millionen Kronen stimmen, dann erst für etwas anderes. (Beifall.) Ich empfehle Ihnen, Herr Heine, es zu versuchen. Ihren Verbandskollegen Nackensteise beizubringen. (Heiterkeit.) Wäre diese vorhanden, würde die Regierung recht bald unterliegen. Seliger verspottet hieraus das Wort Heines von der „höheren Weihe der Eisenbahnerforderungen" (durch den ursprünglichen einstimmigen Beschluß des Abgeordnetenhauses) als hohle Phrase. Es reizt direkt zum Hohn, wenn nachher die Nationalverbändler wie elender Plunder zusammenfielen, als sie die 17 Millionen Kronen auf Antrag Tomschiks bewilligen sollten. (Lebhafte Pfuirufe.) , Genosse Seliger bezeichneie es mit Recht als sehr merkwürdig. von Heine zu hören, die Erfüllung der Eisenbahner-wünsche sei abhängig zu machen von der Ertragsergiebigkeit der Eisenbahnen! Das habe bisher nur tue Regierung zu sagen gewagt. (Stimmt!) Geschieht das, dann bekamen die Arbeiter Ost keinen Lohn. (Zustimmung.) Die Eisenbahner sind doch nicht verantwortlich zu machen, wenn ote Bahnen nicht richtig verwaltet werden! Da Heine gesagt hatte, für die Bewilligung der 17 Millionen Kronen sei noch nicht die richtige Zeit gekommen, fragt Seliger bissig, ob nicht schon im Vor-jahr, wo der Staatsangestelltenausschuß sich für die Eisenbahner einsetzte, das der Fall war, sonst Ware es doch elende Demagogie gewesen, damals Hoffnungen zu erwecken. (Beifall.) Heber den richtigen Zeitpunkt entscheidet übrigens doch die Mehrheit des Parlaments. (Zustimmung.) Pflicht de« NationalverbandeS wäre eS gewesen, ihn zu bestimmen. Heine hat doch selbst eine Interpellation vom 5. Marz 1812 ge. fertigt, worin die 17 Millionen Kronen urgiert werden II Für Heine war damals der richtige Zeitpunkt gekommen, später aber stimmte ex gegen den Antrag Tomschik I (Pfm.) Da sich Heine darüber aufhielt, daß die Sozialdemokraten nicht auch für andere Staatsbedienstete wettere Millionen forderten, meint Seliger schlagend, einer Erweiterung der Forderungen hätten die Sozialdemokraten gar nichts ent» gegengefetzt, ja, warum taten das nicht die Nationalverbandler. (Heiterkeit.) Sie sollen nicht nur für.17, sondern gar für 76 Millionen Kronen stimmen. Was für SlgitatmnSmaterial für die Nationalverbändler, wenn sie uns übertrumpft hatten! (Heiterkeit.) Gegen Heine gewendet: Eine schone Ge-rechtigkeit, die darin besteht, wetl die an deren nichts kriegen, es dem einen Bedürftigsten auch nicht zu geben, trotz ehrenwortlicher Verpflichtung! (Pfuirufe.) ; Da Heine und mit ihm sein gedankenloser Anhang viel Geschrei darüber machte, weil die Sozialdemokratie nicht für das Budget stimmte, wohl aber VerbesserungSantrage stellte, belehrt Abgeordneter Seliger die Naiven neuerdings über Parlamentarismus und erinnerte sie daran, daß die Deutsch-radikalen, ©chönerianer und Liberalen früher genau ebenso gehandelt haben, weil die Opposition prinzipiell ein Budget ablehnen müsse, sie könne einer gegnerischen Regierung doch nicht das Vertrauen votieren. (Richtig!) Es sei unglaublich, daß Herr Heine das nicht begreife. Das Budget enthalte doch auch die Ausgaben für den Klerus, für das Mlitar und andere volksfeindliche Einrichtungen, für die mir Nationalverbandler stimmen. (Heiterkeit.) Der Vorsitzende wollte den Redner letzt partout ums Wort bringen, und sollte Seliger nur weiter reden dürfen, wenn die folgenden Redner Grünzner und Schiller zurücktreten würden. (Stürmischer Widerspruch.) Unter tosendem Beifall erklärt Schiller, nicht auf® Wort zu verzichten. Endlich kann Seliger weitersprechen. Die Nazis werden immer nervöser. Bezüglich der Wehrreform sagt Seliger dem guten Heine ins Gesicht, daß er über sie schlecht informiert sei und beweist ihm das an der Hand von Daten des näheren. Was Italien anbelangt, wären wir froh, dessen Wehrgesetz zu besitzen. das zwei- und einjährige Dienstzeit vorschreibt. (Hort!) Wenn Kaiser Wilhelm auf die Vermehrung des österreichisch-ungarischen Heeres gedrängt habe, so möge er auch die elenden wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Reiches vorerst bessern. Die Sozialdemokraten haben die Wehrreform nicht obstruiert (eiit Schlager Heines!), und zwar lediglich deshalb lucht, weil sie von den Nationalverbändlern eine Verbesserung des Gesetzes erwarteten, wir gaben ihnen hiezu durch positive Vorschläge reichlich Gelegenheit. (Sehr richtig!) Aber diese Erwartung war eitel, der Nationalverband hat die schlechte Vorlage samt Haut und Haar e n p f 11 ch t g et re u geschluckt. (Pfuirufe.) Wenn wir wirklich obstruiert hatten, würde Heine jetzt sagen, die Sozialdemokraten haben Volksverrat geübt und Verbesserungen des Gesetzes vereitelt. (Lebhafter Beifall.) Dann widerlegte Ge-noffe Seliger an der Hand der eigenen Angaben Heines dessen Behauptung, das Geld für die Wehrreform wäre dagewesen, für die Eisenbahner aber nicht. Tatsächlich habe nur die Re-gierung das vorhandene Geld den Eisenbahnern nicht geben wollen (So ist es!), sondern es einfach für die Wehrreform bestimmt. Und der Nationalverband hat diesem Verbrechen zugestimmt. (Pfuirufe.) Nicht die Sozialdemokraten haben parteipolitische Demagogie getrieben, sondern die National« ver&änbfct, als sie vorerst für die 38 Millionen Kronen eintraten (Zustimmung), um dann nicht einmal 17 Millionen zu bewilligen. Abgeordneter Seliger kam schließlich auf das von Heine durchs Schlüsselloch Erlauschte (Große Heiterkeit), bezüglich Tomschik zu sprechen und meinte satirisch, daß die Regierung schön dumm war, nicht auf das einzugehen, was angeblich Tomschik gewollt habe, die Regierung und die Nationalverbändler wären heute schön heraus geNLsN^Zustimmung.) Als Seliger die Mitteilung Heines als Märchen bezeichnet«, regten sich bfe nationalen Schreier, unter ihnen der Schulbeamtr Kassier aanz besonders, gewaltig aus. Aber Seliger ließ sich nicht tm. machen. Er sagte, Heine habe sich bezüglich bei „fozialbemo-kratischen" Unterbeamtenvereines vom Fachreferenten einen Bären ausbinden lassen und nannte eS mit Bezug auf diesen Beamten eine Infamie und hundsgemeine Verleumdung. Wahnsinniges Toben der Nazis. Man solle nicht achten auf eines Mannes Rede, sondern hören alle Beebe; e« ist nicht fair vom Abgeordneten Heine, in Abwesenheit Tomschik» diesen so zu verdächtigen. (Wutgebrüll der Nazi-. Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.) Noch konnte Seliger unter dem Aufgebot allst Stimmittel erklären, daß Tomschik ben Abgeordneten Heine zur Rechenschaft ziehen werbe. (SBeifeH.) , Dann wars aus. er durfte nicht mehr weiter-reden. Es herrschte ein riesiger Skandal. Der Vorsitzende betonte endlich unter „ehrlichem" Bedauern, die Versammlung unter solchen Umständen — es war gegen halb 12 Uhr nachts — schließen zu muffen. Allseitige Bewegung. Daß die Entrüstung der Sozialdemokraten über diesen Kniff der Nationalen, bte sich damit ans der Schlinge ziehen wollten, die ihnen um den Hals saß, eine sehr große und natürliche war. läßt sich vorstellen. Schmeicheleien waren es nicht, die H e i n e und seine Garde zu hören bekamen. Das Benehmen eines Großteils der „gebildeten" Beamten, die durch Schreien, Singen, Pfeifen re. einen Höllenlärm verursachten, war in der Tat aufreizend. Dah den noblen .Herren trotz ihrer Bübereien nichts geschah, haben sie lediglich der prächtigen Disziplin unserer Genossen zu danken. Ohne Zweifel war die vorzeitige Schließung der Versammlung abgekartet, weil man noch schlimmere Bloßstellungen und ein Mißtrauensvotum fürchtete, war doch inzwischen auch Abgeordneter Genosse Leuthner am Kampfplatz erschienen, mit ihm viele Besucher der Tetschener Versammlung. Die Herren Nazi wählten unter solchen Umständen der Tapferkeit besseren Teil und kniffen aus. Sie wollten nachher im Hotel Töpfer eine § 3-Versammlung veranstalten, um die Sozialdemokraten ungestört beschimpfen zu können. (Was auch ausgiebig geschah.) Rosen wird ihnen ihr niederträchtiges Verhalten gewiß nicht bringen. Heine und der Nationalverband find gerichtet und ihre Charakterisierung bleibt unverwischt in den Gehirnen ber übergroßen Mehrheit der Eisenbahner haften. Heine hat das Spiel glänzend verloren. Er ist und bleibt, um mU Blaha zu reden, ein Regierungsmameluck. 6in Beitrag tut Finanrtvirtschaft bet f. 1. Staatsbahne«. Mährisch-Ostrau. im September 1012. , Wie gewinnbringend und kaufmännisch bi« ob ihrer kommerziellen Kenntnisse soviel gepriesenen Staatsbahu-Verwaltungen Tausende von Kronen investieren, beleuchten so recht nachfolgende Zeilen. . , In der Station Mährisch-Ostrau-Oderfurt wurde im Anfang des Jahres 1909 ein von der sogenannten „löten Hauptbahn" abzweigendes Stumpfgeleise, au welchem vier Kohlenrutschen eingebaut sind, fertig- °CfteI2>ie für die Rutschen bestimmten Wagen werden mittels einer „modernen", im Winter, vor allem bet Schneefall, nie recht funktionierenden Drehscheibe von der „löten" auf das Stumpfgeleife ausgedreht. Diese Kohlenrutschen sind für die Vermietung an Privatparteien bestimmt. Zirka 35.000 Kr. betrugen die Herstellungskosten dieser Rutschenanlage. « Der Mietpreis per Rutsche und Jahr betragt 80 (achtzig) Kr.; somit das Erträgnis der ganzen Anlage, das heißt jedoch nur dann, wenn eben alle Rutschen gemietet, und was die Hauptsache ist — auch bezahlt wer-, beit = 320 Kr. . „ . . „ m Es würde also das in diese „moderne" Rutschen-anlage investierte Kapital von 35.000 Kr. — man lese und staune — 320, sage: dreihundertundzwanzig Kronen Gewinn tragen, aber auch n u r d a n n, wenn eben alle Rutschen V e r nt i e t e t to ä r e n. Dem ist aber nicht so! , Seit Beginn der Vermietung dieser Rutschen-anlage waren gemietet und benützt: eine Rutsche durch drei Monate, zwei Rutschen durch ein Jahr und die vierte Rutsche durch 21/2 Jahre. Es beträgt demnach das Ertragnis dieser rentablen Anlage seit ihrer ersten Benützung = 380, sage: drei« rntnbc^unbadnsrR i^roneru^oQo $r_ trugen daher seit 1909 bis Mitte 1912 = 380 Kr. Zinsen, das heißt — 152 Kr. jährlich, oder 0-43 Prozent bei investierten Kapitals. Doch es kommt noch besser! Zur Bewachung dieser leeren Rutschen wurde, ein stabiler Wächterposten normiert, und hat nun der diesen Dienst versehende Wächter darauf zu achten, daß niemand diese leere Anlage wegträgt. Böse Zungen behaupten aber, daß derselbe nichts anderes zu tun habe, als um 7 Uhr früh das zu ferner Bude führende Lurchen aufzusperren, am Abend, um 6 Uhr wieder zu schließen, und am Ersten einer leben Monats seine Gage zu holen. Ein großes Ereignis und eine Abwechslung tst es für diesen so „wichtigen und unentbehrlichen" Posten, wenn die Streckenleitung einige Wagen alte Schwellen vor seiner Wächterbude aufschlichteu läßt. Dann kann wenigstens derselbe seine Zeit damit totschlagen, indem er jede Stunde die Anzahl der aufgeschlichteten Schwellen nachzählt. Doch Scherz beiseite. Wächter Bogackh. dieser schon seit Moraw und Hornungs Zeiten protegierte und jedermann in Ostrau nur zu gut bekannte Zuträger und Kriecher, ist bei Glückliche, welcher diesen so furchtbar wichtigen und Verantwortliche» Wächterposten innehat. Und dieser Bogacky steht beute in der Gehaltstuse von 1300 Kr. und dem Ouartiergeld von .400 Kr. Nebstbei bemerkt, ist m *“ beileibe fein Invalid oder kranker Mensch, und könnte, gewiß einen tatsächlichen Wächterposten ganz gut oersehen. Und das Resultat einer „Bilanz" dieser Anlage, in welcher 35.000 Kr. investiert sind? Jährlich 1 5 2 Kronen Erträgnis, welchem 1700 K r. Ausgabe allein für die Bewachung, ohne der Reinigungs- und Reparaturkosten der „modernen" Drehscheibe entgegenstehen. Und seit dem 1. Juli d. I. tragen diese Rutschen überhaupt nicht einen Heller Mieterträgnis. So sieht die soviel gepriesene kaufmännische und gewinnbringende Anlegung von Betriebskapital bei der k. k. Nordbahndirektion aus. Auf einer Seite werden Tausende von Kronen direkt nutzlos hinausgeworfen, auf der anderen Seite will man durch das Schunden und Ausbeuten von Arbeitern und Bediensteten solche „Böcke" wieder gutmachen. Jeder Laie, es muß kein kaiserlicher Rat und Vorstand einer Bahnerhaltungssektion sein, der sich die Lage der „löten Hauptbahn" in Mährisch-Lstrau-Lderfurt auch nur einmal ansehen würde, müßte zugeben, daß diese Geleise wie geschaffen für eine Kohlenrutschen, anlage ist und daß man sich die Drehscheibe, welche zirka 7000 Kr. kostete, nebst dem Stumpfgeleise, das fast 27.000 Kr/verschlungen hat, ersparen hätte können. Für einige Tausend Kronen wären an der „16ten" die schönsten Rutschen gestanden. Viel nutz- und gewinnbringender hätte man die 35.000 Kr. anlegen können, wenn statt den Kohlenrntschen, die, wie bereits erwähnt, nicht nur, daß sie keinen Heller Erträgnis liefern, sondern bloß 1700 Kr; Bewachungskosten benötigen, zum Beispiel ein Eilgutmagazin oder ein Fruchtschuppen, oder ein Lagerhaus für die Ostrauer Spediteure gebaut worden wäre. Oder wenn der Herr kaiserliche Rat und Streckenvorstand von Ostran Herr Wawerka einige hundert, wir betonen ausdrücklich, bloß einige hundert Kronen, dazu verwendet hätte, um endlich einmal eine der größten Qderfnrter Plage und Gefahr, nämlich das gefährliche Passieren unter der die Untere Kaiserstraße überdeckenden Brücke, auf welchem die Hauptstrecke führt, zu beseitigen. Jene Bauten hätten der k. k. Nordbahn gewiß Gewinn gebracht, diese Beseitigung des schon seit Jahren bestehenden skandalösen einer Bahnverwaltung unwürdigen Wegdurchganges wäre wirklich eine von den wenigen vernünftigen Arbeiten gewesen, die für die fremden und einheimischen Passanten von Vorteil gewesen wäre. Wir laden die Herren von der k. k. Nordbahndirektion höflichst ein, diesen Durchgang, der bei Regen- ober Tauwetter einem Duschbad gleicht, bei solchem Wetter zu benützen, doch raten wir diesen Herren, falls sie nicht so eine Art von Rhivozeroshaut haben, wie jene Herren der Ostrauer Streckenleitung und jene Herren, welche im Oderfurter Rathaus ihre Zeit nutzlos mit Kopfnicken und jasagen versitzen, sich einen Taucheranzug rnitzuneh-men, sonst passiert es ihnen auf das allerbestimmteste, daß sie naß und schmutzig wie gebadete Mäuse das andere Ende dieses Durchganges erreichen. Und daß die Herren von der Ostrauer Strecken-leitung tatsächlich keine normale Haut besitzen müssen, ist nur zu gewiß, denn sonst würden die trotz der schon.vor Jahren einigemal in öffentlichen Blättern kritisierten skandalösen Zustände dieses Durchganges nicht weiter-bestehen. Hätten diese Herren und jene Herren vopt. Oder* furter Rathaus eben keine Rhinozeroshaut, so würden sie — alle zusammen — endlich einmal diese immerwäh-renden Beschwerden dev Passanten über die Beschädigung ihrer Kleidungsstücke, infolge des Herabgießens von mit Schmieröl gemischten Kondenz- und Stegen* Wassers satt bekommen und alles daransetzen, daß dieser Schandfleck einer Bahnerhaltung und Stadverwaltung ehestens entfernt wird. Es diene nicht nur dem Herrn Streckenvorstand, sondern auch der k. k. Nordbahndirektion zur Kenntnis, daß jene Passanten, heimische und fremde, es jetzt schon satt haben, sich infolge der Sparwut der Oderfurter Bahnerhaltungssektian, Schäden auf Kleidung und Gesundheit zufügen zu lassen und daß man sich für derartige Schäden sein Recht und Entschädigung bei kompetenten Stellen zu suchen wissen wird. Und zum Schlüsse erlauben wir uns eine löbliche Personalnormierungskommission auf die lleberflüssig-feit des Wächterpostens bei den Privatkohlenrutschen in Mährisch-Ostrau aufmerksam zu machen. tier könnte diese an chronischer Sparwut kran-ommissär 1700 Kr. jährlich ersparen. Die Abschaffung dieses überflüssigen Postens wäre eine weit angezeigtere Arbeit, als die Schreib- und Manipulationskräfte in den Kanzleien des Bahnbetriebsamtes Mährisch-Ostran-Oderfurt zu reduzieren. In diesen Kanzleien sowie in allen Abteilungen dieser Station und so in anderen Stationen gewiß auch, müssen Beamte, Kanzlisten, Kanzleigehilfen und Tag-lohnschreiber u. s. w., für ihre Bezüge tatsächlich was leisten, der Wächter Bogacky aber erhält Gage und Quartiergeld für fein Nichtsmachen. Oder ist das nutzlose Oeffnen und Schließen einer kleiner Tür auch eine Arbeit? Diese Frage zu lösen überlassen wir der k. k. Per-lonalnormierungskommission. —l—. Bon Den 8ugse$6ebienten. •• Aus den Kreisen der Zugsexpedienten wird uns geschrieben: Die Krisis im Verein der österreichischen Zugs« expedienten gibt mir willkommenen Anlaß, in Sachen der ganzen Kategorie das Wort zu ergreifen und um Aufnahme folgender Zeilen im „Eisenbahner" zu ersuchen: „Der ZugSexPedient", betitelt sich das Organ der Stationsmeister :c., bringt in der Nummer 10 vom 10. August 1912 einen Artikel, der zeigt, wohin blindes Vertrauen in dis Rechtschaffenheit bürgerlicher Politik führen kann. Der Verein ist aus der „nationalen Koalition", der er seit Dezember 1910 angehörte, ausge- treten*). Es heißt da: „Die großen Hoffnungen, welche bei Eingehen unseres Vereines in das Koalitionsvei> hältnis auf dieses mit Berechtigung gesetzt wurden und gesetzt werden konnten, erfüllten sich nicht im entferntesten. Ja es ist heute sogar notwendig geworden, bereits Erworbenes, Errungenes vor Verfall zu schützen." „Was soll aber nun geschehen, nachdem wir jedes Rückhaltes durch die große Masse fürderhin entbehren müssen?" fragt er bekümmert und gelangt zu dem für gesunde Logik überraschenden Schlüsse, daß das beste sei, isoliert zu bleiben, da „die größten Ersolge in Standesfragen dem Verein in einer Zeit zufielen, da er ganz isoliert war". Alsa glaubt der Verfasser. Die Stationsmeister aber sagen sich: Was nützt uns der Beamtentitel ohne Mittel? Ist es nicht besser, zu den anderen organisierten Eisenbahnern zu halten? Da ist ja die „große Masse", die Rückhalt gibt. Was wir brauchen, ist eine menschenwürdige Existenz, die kommt aber nicht mit dem Bc-amtentitel, sondern nur mit einer gründlichen Aendernng des heutigen Systems. Auf unseren Schultern lastet ja zumeist die Lokalbahnarbeit, die Rentabilität der kleinen Bahnen ist miss engste verknüpft mit unserer elenden Lage. Ta ist kein Mittel zu schlecht, wenn es gilt, ein paar Kronen Mehrertrag zu gewinnen. Tie Nachtdienst-znlagen werden gestrichen, Naturalwohnnngen neu bewertet, Disziplinaruntersuchnng verhängt, der Moloch Kapital kümmert sich nicht darum, daß einer der am meisten der Tuberkulose anheiinsallenden Bediensteten, der Stationsmeister, bei allein Fleiße nach 15- und 20jähriger Dienstzeitt noch mit Nahrungssorgen kämpfen muß. Uns kann nur solidarisches Vorgehen mit den anderen einheitlich Organisierten helfen. Wir müssen unser Wahlrecht dazu benützen, das heutige System abzn-schaffen, nur Abgeordnete wühlen, die nicht wie der Deutsche Nationalverband im entscheidenden Moment umfallen und uns verraten. Solidarität mit allem, was dem Flugrad dient, Solidarität allein kann Wandel schaffen. Allein sind wir zu schwach. Blicken wir zurück auf die Ereignisse in Italien, in Ungarn, blättern wir in der Geschichte unserer eigenen Eisenbahnerbewegung, stets war der Kardinalfehler das Separieren, die Sonderbestrebungen. Wenn wir im gegenwärtigen schicksalsschweren Moment isoliert bleiben, geht auch das mit Rücksicht auf andere Kategorien uns widerwillig Zugestandene verloren. Welcher Selbstbetrug, mit den paar vereinzelten Stationsmeistern, mit so schwachen finanziellen Kräften Erfolge ernten zu wollen! Es ist ja schon das rein Technische, das uns gebieterisch der Gewerkschaft in die Arme drängt. Mag auch der Verein der Zugs-expedienten fortbestehen: die energischen, logisch klaren Köpfe müssen sich von ihm abwenden. Denn wie ist die Wahl? In der richtigen Erkenntnis, allein nichts zu erreichen, schloß sich der Verein der Koalition an. Nun, da sich diese nicht bewährt, sollen wir wieder in die Einsamkeit zurück? In der erwähnten Nummer beschuldigt man unseren Genossen Tomschik, die Beamtenfrage zur Farce gemacht zu haben! Und die Farce, daß der Arbeiter im Taglohn heute seine bestimmte Arbeitsordnung hat, während wir als „Beamte" um jeden freien Tag betteln müssen, daß er Ueberstunden bezahlt bekommt, während bei uns jeder Turnus, mag er auch täglich 18 Stunden Dienst enthalten, die Formel trägt, wird im Bedarfsfall verlängert? Weg mit aller Titelsucht, weg mit allen persönlichen Rücksichten. Wir wollen einfach nicht mehr der Spielball einzelner Ehrgeiziger sein. Wir wollen in treuer Kameradschaft, Schulter an Schulter für uns und unsere Kinder an einer besseren Zukunft bauen. Wir müssen vor allem trachten, das zu erringen, was der Arbeiter schon errungen hat, eine menschenwürdige Diensteinteilung. Wir müssen trachten, in den Personalkommissionen, in der Presse uneigennützige, sachkundige Kollegen zum Worte zu bringen. Erst wenn wir unseren ganzen Menschen, als Staatsbürger wie als Eisenbahner, unseren Bestrebungen widmen, erst wenn wir politisch und gewerkschaftlich mitzählen, erst dann wird man uns hören, hören müssen. Daß es so nicht weitergehen kann, weil ja der Verkehr und mit ihm die anderen Agenden sich stets steigern, darüber hat auch der „Zugsexpedient" keine Zweifel mehr und er bringt folgende Zahlen als Beweis, daß die Zitrone ausgepreßt ist. 1. Einfach besetzte Stationen mit Zugs-vrrkehr von 6 Uhr früh bis 0 Uhr abends. (15 Stunden): 365 Tage, hievon ab 10 „ Erholungsurlaub, 12 „ frei, verbleiben 343 Tage ä 15 Stunden 5145 Stunden. 2. 16/16 stündiger Gesamtdienst. 365 Tage, hievon ab 10 „ Erholungsurlaub, verbleiben 355 Tage ä 12 Stunden Dienst 4260 Stunden. Hiezu kommen noch als M fachet Aufschlag für Nachtdienst von 10 Uhr nachts bis 6 Uhr früh == 177 Nächte s 2 Stunden Aufschlag >. . . v. . . i. ui. . . . . . . . . . 354 „ 4614 Stunden. 3. Der 16/24 stündiye Verkehrs-, b e-ziehungsweise Ge samt dienst erfordert in je 5 Tagen 48 Stunden Dienst, hievon 2 Nachtdienste. Unter Abrechnung von 10 Tagen Erholungsurlaub wird der 6 tägige Turnus 71 mal wiederholt, daher 71X48 — 3408 Stunden. Hiezu kommen noch als Xfacher Zu-schlag für Nachtdienst (von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh) 142 Nachtdienste ä 2 Stunden Zuschlag -...................................... 284 Der 16 24stündige Dienst ergibt somit eine Gesamtleistung von.................. . 3692 Stunden. 4. Der 12/24 ft ü n d t g c Gesamt- dienst: 355 Tage, hievon */» Dienst, >/, frei — 2840 Stunden Kfachet Zuschlag von 118 Nachtdiensten (2 Stunden per Nacht) — . ... . .. . 236 jährliche Dienstleistung — . . . . 3076 Stunden. *) Die Koalition zog de» Ausschluß in Erwägung, der Verein ist also „gegangen worden", sozusagen automatisch, sagt der Artikel. 7 ~ 5. 2 e r kommerzielle Stationsdien st: 365 Tage, hievon ab 10 Erholungsurlaub i 26 ganz freie Sonntage, verblieben 32!) Arbeitstage, hievon -26 Sonntage a 4 Stunden Dienst ~ 104 Stunden 15 Feiertage ä 4 „ — 60 „ 288 Werktage ä 10 .. „ =; 2880 daher jährliche Dienstleistung .... 3044 Stunden. 6. Der Zentraldien st: 365 Tage, hievon ab 10 . „ Erholungsurlaub 33 ganz freie Sonn- und Feiertage, verbleiben 322 Diensttage, hievon 33 halb freie Sonn- und Feiertage ä 3 Stunden Dienst 99 Stunden 289 Werktage a 6 Stunden Dienst — 1734 „ jährliche Dienstleistung. 1833 Stünden, Diese Taten lassen eigentlich keinen Kommentar zu, sie sprechen für sich selbst. Es gibt viele Fälle, daß Stationsleiter monatelang nicht frei hatten. Gegenüber solcher Ausbeutung gibt es nur ein energisches? Bis hieher und nicht weiter! Sind wir denn Sklaven, die schweigen müsse n? Kann für einen Mann, einen Familienvater noch ein Zweifel sein, wo er nun hingehört? Ist es nicht ein frivoles Spiel, mit Titelchen zu krämern, wo vielfach Gesundheit, Lebensfreude und Familienglück gefährdet ist? Soll unsere vielgepriesene Kultur für nützliche Staatsbürger nichts haben als Lasten und Ketten? Die sonstige Behandlung versüßt unser Dasein gewiß nicht, mancher Kollege wird zu alledem noch mit Lappalien gequält, die nicht für die Schreibarbeit stehen, die sie verursachen. Und macht etwa kapitalistische Begehrlichkeit vor dem Beamten Halt? Nur männlicher Mut, tatkräftige Entschlossenheit und unentwegte Treue, einheitlicher Kampf aller Kategorien kann Wandel schaffen. Es sei nochmals betont, ein Titel, ein Degen etwa kann uns nicht retten. Solche Dinge erscheinen kindisch im Vergleich zu_ den Gütern, die für viele von uns auf dem Spiele stehen, im Vergleich zu dem nicht mehr gutzumachenden Schaden, wenn wir unsere Veilchenpolikik. fortsehen. : , Um unserer schönen Worte willen, für unsere Bück-, linge und Demütigungen haben wir Fußtritte eingetauscht. Nun zeige, wer noch nicht _ganz entmutigt, noch nicht ganz indolent ist unter uns Stationsmeistern, daß er noch erröten kann, daß es so weit kam. Der Fußtritt der Koalition sei der erste und letzte, den man uns gab. Die Wahl, ob Vereinigen oder Anschluß an die 60.000 Gewerkschaftler, kann nur dem schwer fallen, der allen Mut verloren hat. Den denkenden Kollegen aber sei das Dichterwort in Erinnerung gebracht: Nur der verdient die Freiheit und das Leben, Der täglich sie erobern muß. Ein Stationsmeister. Am 4. und 5. September 1912 fand im Hotel „Bayerischer Hof" eine Lokomotivführer-Reichskonferenz statt, die trotz der Schwierigkeit der Urlauberlangung außerordentlich stark besucht war. Ruhige, entschlossene und einstimmige Annahme der Anträge, in dem Bewußtsein, daß endlich die Bahnverwaltungen, an ihrer Spitze das Eisenbahnministerium, zur Kenntnis nehmen müssen, daß die Beschneidung der Bezüge beim Loko-motivpersonal ein Ende finden und eine gerechte, ent-sprechende Entlohnung Platz greifen müsse, war das Resultat der Konferenz, das gewiß hervorgehoben zu werden verdient. Festgelegt möge werden, daß von der ganzen A.-T. E. nur ein Delegierter, und zwar ein organisierter kam, Genosse Josef Kohl, der die schauderhaften Zustände bei dieser Bahn — mit vollem Recht charakterisierte. . Im nachstehenden ein kurzer Auszug aus. dem stenographischen Protokoll der Reichskonferenz, welche Herr Karl Kühn, Obmann des Lokomotivführervereines in Wien, im Namen der koalierten Vereine eröffnete. Als Vorsitzender wurde .Herr Kühn für den Lokomotive führerverein in Wien, Herr Göhlert für den Lokomotivführer» verein Böhmen als erster und für die Gewerkschaft Genosse Krieg als zweiter Stellvertreter, als Schriftführer Herr Kirchner, Wien II., k. k. Staatsbahn und Genosse Obiltschnig, Graz, gewählt. Folgende Tagesordnung wurde beschlossen: 1. Erstellung der Forderungen für die Lokomotivführer der österreichisch-ungarischen und bosnisch-herzegowmischen Bahnen. 2. Eventuelles. Zum ersten Prinkt erstattete Genosse RuLicka bas Referat. Wir heben aus seinen Ausführungen folgendes hervor: Zum wiederholteninal ist cs, daß sich die Lokomotiv-fülircr Oesterreichs verssmmeln, um über das Wohl und Wehe ihres Standes z» beraten. Kollege Kühn hat anfangs schon erwähnt, daß das Bild der heutigen Konferenz ein anderes fein muh, wenn wir von der heutigen Beratung etwas haben wollen. Gestatten Sic mir, daß ich etwas zurückgreise und den Werdegang der Lokomotivführer in ihren Kämpfen etwa» zergliedere. Im ^ahrc 1898 hatten sich die Lokomotivführer durch die damaligen bestehenden Verhältnisse aufgerafft und haben sich in Prag zusammengefunden, um zu der Entlohnung der Lokomotivführer Stellung zu nehmen. So wurde festgelegt* daß der Lokomotivführer als solcher eine gewisse Anzahl vv» Rechten haben soll. Sie werden sich erinnern, daß am 14 Oktober desselben Jahres eine Deputation im Eisenbahn-ministerium in Angelegenheit der Dienst- und Entlohnungs-Verhältnisse Vorgesprächen und am 30. Dezember. desselben Jahres dieselbe Deputation die Überreichung eines Memorandums vornahm. Das Memorandum selbst sagt hier ausdrücklich, daß mit Rücksicht der verschiedenen Verhältnisse eine Sanierung des Lokomotivführerstandes' notwendig sei. Sie wissen weiter, daß sich ein sogenanntes Exekutivkomitee qüt 18. Juli 1899 konstituierte und von diesem der verstorbene Herr Dr. Fried Obmqnn war. Dieses Exekutivkomitee fand bei den Bahnverwaltungen gar keinen Anklang und es wurde auch bei einzelnen Bahnvcrwaltungcn nicht einmal respektiert. Diesem Exekutivkomitee war auch die Gründung eines Loko» motivführer-ReichSverbandcs aufgctragen und arbeitete selber auch Statuten zur Gründung eines Reichsvereincs a»S und wurden dieselben zu wiederholtenmalen überreicht, wutbut leider aber immer wieder dann zum Schluß auch bei Set höchsten Instanz, beim Reichsgericht, abgewiesen, mit der Motivierung, das; die Lctomotiv-führer, wenn selbe vereint wären, eine Macht bilden tonnten, die dem Staat gefährlich werden könnte. Als man nun das — was ja jeder österreichische Staatsbürger besitzt — das Koalitionsrecht den Lokomotivführern nahm, beschloh das Exekutivkomitee die Abhaltung des zweiten Lokomotibführerkongreffes. Erinnern Sie sich der lebhaften Debatte auf Grund der Organisationsfrage, wo dann zum Schluß der Anschluß, respektive Beitritt zur Organisation angenommen wurde. Sie werden sich erinnern, wie mit diesem Moment ein anderer Gei st in unsere Reihen kam, wie selbstbewußt jeder einzelne war. Aber leider nützte diese momentane Erkenntnis noch nichts, die Lokomotivführer hatten eben noch nicht aus den Begebenheiten gelernt, sie muhten noch lernen. Wir sehen dann, daß im Laufe der Jahre eine Konferenz die andere jagte, so fanden Konferenzen statt in Böhmisch-Trübau 1900, Nimburg 1901, Aussig 1901, Stanislau 1902, auch bald da, bald dort Versammlungen ftattgefunden haben, die alle zu den Entlohnungsverhältnissen des Lokomotivpersonals Stellung nahmen. Sie alle werden nod) .wissen, es kam das Jahr 1905, wo das erstemal bas; Lokomotivpersonal passive Resistenz geleistet hat; von diesem Zeitraum an wurde auch den Organisationen Beachtung geschenkt, unter anderem auch im Jahre 1905 verschiedene, für das Personal wichtige Institutionen geschaffen. Am 10. und 11. Oktober 1906 tagte die Brünner Konferenz, wo sich noch einmal der Geist des Jahres 1898 zeigte, und wurde hier mit großer Majorität der „Vcrkaufsche Gesetzentwurf" (der allgemeine Eisenbahner-Gesetzentwurf), vollinhaltlich angenommen. Das Jahr 1907 war es, in welchem. für das Lokomotivpersonal bahnbrechend gewirkt werden könnte; auf mehreren Bahnen haben auf Grund gemeinsamen Vorgehens der verschiedenen Kategorien Verbesserungen Platz gegriffen und wurde ziemliches geleistet. Auch die variablen Bezüge wurden im Verlauf der Jahre etwas geändert, da im Jahre 1901 die Pauschalierung auf den Lokalbahnen kam (das Fahrtaggcld); wenn auch in einer Form, die wohl nicht gut war, da cs in drei Gruppen eingeteilt, eingeführt wurde und die Kollegen deshalb nicht damit zufrieden waren, da es viel zu niedrig beanschlagt wurde. Im Jahre 1908 wurde auf Grund der damaligen Bewegung, da bas Fahrgeld eine Erhöhung erfahren sollte, Stellung zum Kilometergeld genommen, und trotz aller Bitten der Südbahner, endlich eine eingreifende Reform zu schaffen, gegen den Wunsch der Süd-bahner, die doch damals schon bis zu 50 Prozent Zuschläge zum Kilometergeld gehabt haben, beschlossen, einen 30prü-zentigen Zuschlag zum Kilometergeld anzunehmen. Im Iahte 1910 haben wir gesehen, daß die 30 Prozent wieder weggenommen und dafür das kombinierte System angenommen wurde. Auch hier bestätigte sich, daß man die Gelegenheit benutzte, um von dem einmal Gegebenen wieder wegzunehmen, denn, wo noch bei dem 30prozentigen Zuschlag einige, die höheres Kilometergeld verdient gehabt hatten, etwas durch die 30 Prozent bekamen, nahm man ihnen durch das Stundengeld einen Teil ab. und die nichts bekamen, bekamen hier gar nichts, zumindest nicht viel. Die Bahnverwaltung hat durch diese Einführung nur ein Geschäft gemacht. Wenn Sie meinen Ausführungen gefolgt sind, werden Sie zugeben müssen, daß hier etwas beachtet werden mutz. Vor allem war bei den Konferenzen nie ein Antrag, welcher einstimmig angenommen worden wäre. Die Anträge, welche eingebracht wurden, wurden nur mit geringer Majorität angenommen, was zur Folge hatte, daß man diese Anträge nie ernst nahm. Nun würbe uns erklärt, wir wären schuld daran, wir wären nicht in der Lage, das Gewallte durchzubringen. Ich verweise hier auf die Aussage des Reichsgerichtes, daß der Lokomotivführerstand stark genug ist, um sich das, was er zum Leben notwendig hat. g» holen. ES Mangelt nur um uns zu beraten.' Kollegen, aus der Vergangenheit sollt wc lernen. Wenn heute Beschlüsse gefaßt werben, so soll es nichts anderes sein, als der Ausdruck des Willens der Gesamtheit; denn in unserer Einstimmigkeit liegt die Macht. 9. •; .. Wenn wir nun zu den Anträgen selbst kommen, so möge festgehalten werden, daß die Anträge so erstellt sind, daß sie nur grundlegende Bestimmungen beinhalten. In der heutigen Konferenz ist nicht Zeit, Kleinigkeiten zu besprechen, sie sollen schön im Heizhaus auSgetragen werden, nicht in einer Konferenz, deren Beschlüsse für die Existenz des Solu motipführers so weittragend sind. Es waren im Arbeitskomitee nur Lokomotivführer, welche mit vollem Herzen und Sinn bei der Erstellung der Anträge gewirkt haben. Folgende Anträge wurden nach einer ausführlichen Debatte von der Reichskonferenz beschlossen: 1. Der den Dienst als Lokomotivführer zu Versehende hat dem Stande der Bau. oder Maschinenschlofler (auch Mechaniker) anzugehören und hat zu erbringen: Den Nach-weis eines Besuches einer Bürger- oder Mittelschule (untere Klasse), den Nachweis über den mit gutem Erfolg zurück, gelegten Kurs über Wartung von Dampfkesseln odar Dampf, Maschinen oder über die Absolvierung einer Gewerbeschule, das Zeugnis einer vollbrachten Lehrzeit und ein einjährige» VerwendüngSzeugnis als Maschinenschlosser oder Monteur in einer eigenen oder fremden Werkstätte, i 2. Die Berufung zum Lolomotivführerdienst (als Lokomotivführeraspirant) erfolgt nach einer gründlichen, den strengen Vorschriften über Seh. und Hörvermögen entsprechen, den. Prüfung und nach der militärfreien Zeit in der Reihe des Beitrittes zur Bahnanstalt, wobet jedoch bei einer beim Militär oder anderwärts zugebrachte« Unterbrechung von mehr als drei Monaten, Krankheit oder Krankenurlaube austze, nommen, nicht mehr der Eintritt vor dieser, sondern nach dieser Unterbrechung gerechnet werden darf. 3. Mit dem Beginn seiner Ausbildung hat der zum Lokomotibfahrdienst als Lokomotivführeraspirant Berufene da» ortsübliche Taggeld, mindestens aber Kr. 8'60 (4 Kr.) nebst Fahrgebühren zu erhalten. 4. Nach der im Gesetz vorgesehenen Zeit von sechs Monaten hat der Aspirant nebst der gesetzlichen Prüfung auch die für unseren Stand notwendige Jntelligenzprüfung, bei welch letzterer ein von dem Lokomotivpersonal gewählter Lokomotivführer als Beisitzer zu fungieren hat, abzulegen. Ich Falle des Nichtbestandes hat sich der Aspirant nach drei Monaten, einer Wiederholungsprüfung der nichtbestandenen zu unterziehen und wird, falls er auch diese nicht bestehen sollte, vom Fahrdienst abgezogen. 5. Die Anstellung als Lokomotivführeranwärter erfolgt nach spätestens zwei Jahren nach der Einberufung zum Fahr dienst nach der vorerwähnten Reihenfolge mit 1200 Kr. Gehalt und 600 Kr. Ouartiergeld. : 6. Nach zwei Jahren erfolgt die Ernennung zum Unterbeamten mit dem Titel »Lokomotivführer" mit 1400 Kr. Gehalt und 600 Kr. Ouartiergeld und hat sodann eine zwei, jährige Automatik eingehalten zu werden, wobei ein außer tourliches Avancement nicht mehr Platz zu greifen hat. Die Qualifikation ist abzuschaffen. Der Endgehalt ist auf 8400 Kr. zu «Wen. Die Automatik würde lauten; Gruppe A. Gehalt Quartiergeld vartcfrist Kr. Kr. 1400 600 550 2 Jahre 1600 700 650 2 „ 1800 700 650 2 2000 800 750 . 8 » . 2200 800 750 2 „ 2400 - 900 850 2 m Gruppe B. Gehau Ouartiergeld ÄarUfrilt Kr Kr. 2600 900 850 2 Jahre 28ÖÖ 1100 1050 2 „ 3000 1100 1050 2 . 3200 1200 1160 2 . 3400 1200 1150 Ruhe Jeder Lokomotivführer, dem cs unter Zugrunde- legung eines zweijährigen Avancements nicht möglich ist, bis zur Normaldienstzeit den Höchstgehalt zu erreichen, muß ein ortlaufendes einjähriges Avancement so lange erhalten, bis derselbe die auf seine Dienstjahre entfallende Gehaltstufe, eventuell den Endgehalt erreicht hat. Eventuelle Systemisierungsjahre sind in das aktive Dienstverhältnis einzurcchnen und beim Avancement tn Berücksichtigung zu ziehen. 8. Ein Anschluß von der tourlichen Vorrückung kann erst nach Anhörung der Disziplinarkommission erfolgen, welche die Zurücklassung vom tourlichen Avancement be-timmcn muß, und muß dem betreffenden Diener, beziehungsweise Unterbeamten unter Angabe der Gründe und Dauer bekanntgegeben werden. Es darf daher da» regelmäßige Avancement weder im Falle einer Krankheit bis zu einem Jahre noch durch ein noch nicht abgeschlossenes Disziplinarverfahren beeinträchtigt werden. 9. Die Disziplinarkommission selbst soll zu gleichen Teilen au» von den Bediensteten derselben Kategorie gewählten und au» den von der Direktion ernannten Mitgliedern zusammengesetzt sein und ist ein aktiver Bediensteter, den sich der zu Disziplinierende selber wählen kann, als Vertreter des Angeklagten der Verhandlung beizuziehen. Bei Stimmengleichheit gilt der Strafantrag als abgelehnt. Falls der Disziplinarfall auch eine gerichtliche Austragung erfahren hatte, ist im Falle de» Einstellens derselben oder im Falle eines Freispruches das Disziplinarverfahren einzustellen und hat jede wie immer geartete Bestrafung zu entfallen. Eine Disziplinarstrafe darf die automatische Vorrückung nicht beeinträchtigen. Ordnungsstrafen sind abzuschaffen, an deren Stelle hat ein geeignetes ErmahnungSberfahren zu treten; ebenso ist auf das Personal in belehrender und erzieherischer Hinsicht hinzuwirken. Bei Erlässen und Verordnungen seitens der Eisenbahn-Verwaltung und der einzelnen Dienststellen sind Strafandrohungen zu vermeiden. 10. Das Ouartiergeld ist mit Berücksichtigung de» Umstandes, daß mit geringen Ausnahmen dä» Wohnen in der Provinz ebenso teuer zu stehen kommt als wie iw Wien, in nur zwei Ouartiergeldgruppen zu teilen und: soll die zweite Grupp» um 60 Kr. niedriger als die erste fern. (Siehe Detailaufstellung unter Punkt 8,) ..." Die Einreihung der Stationen in die beiden Ouartiergeldgruppen hat unter Beiziehung der PersonalkommissionS-Mitglieder sämtlicher Direktionsbezirke und verstaatlichten Privatbahnen zu erfolgen. Zur Erzielung genügender und entsprechender Woh, nungcn für daS Personal sind Wohnhäuser zu erbaue». ' ' (Schluß folgt.) Bon der PrrsonallommWon der Süd bahn. Auszug aus dem Protokolls der am Montag den 13. Mai 1912 stattgefundene Beratung der Gruppe der übrigen Dienstzweige der Sektion für Diener. Außer den Vertretern der Direktion sind anwesend die gewählten Mitglieder der Personalkommission: Karl Äontadi, Kanzleidiener; Johann LuczenSkh, Magazinsdiener, und die gewählten Ersatzmänner Josef Schwarzenecker, Kanzleidiener; als Experte Karl D i e t s ch, Drucker. Der gewählte Eesatzmann Karl Dietsch, Drucker, wird als Experte zugelassen. Hierauf wird nachstehende Tagesordnung einstimmig angenommen: *1. Abschaffung der ReinigunSarbeiten bet den Kanzleidienern und Druckern. 2. Ernennung von Kanzleidienern zu Kanzleigehilfen. 5. Forderungen derDrucker. 4. Forderungen des Personals der Mate« rialmägazine. 6. Forderung der Kanzleidiener laut Memorandum, welches am 18. März 1912 von der Perfonalkommisfion überreicht wurde. 6. Eventuelles. 1. Abschaffung der Reinigungsarbeiten bei den Kanzleidienern und Druckern. Nach einer längerer Debatte wird festgestellt, daß von den Personalvertretern die generelle Abschaffung der ReinigungSarbeiten verlangt wird. AIS Eventualantrag wird borgebracht, daß die Reini gungsarbeiten auf das tunlichst geringe Matz herabgesetzt werden. Ein weiterer Eventualantrag geht dahin, daß wenigstens jene Diener von den Reinigungsarbeiten enthoben werden, welche qualifizierte Arbeiten verrichten. Zu den ReinigungSarbeiten sollen Witwen von Eisenbahnern herangezogen werden. 2. Ernennung von Kanzleidienern z Kanzlei ge Hilfen. Der Antrag bezieht sich auf jene Diener, welche quälte fizierte Arbeiten leisten. Bei Fa kämen hiefür beinahe alle in Betracht, bei anderen Dienstabteilungen einige. Auf der Strecke leisten beinahe alle Diener qualifizierte Arbeiten. Die Aeltesten sind eher zu berücksichtigen. Der Grund, satz, der bei der Ernennung von Kanzleidienern zu Kanzlei, gehilfen zugrundegelegt wird, soll zirkularisch verlautbart werden. Das Protokoll enthält hiezu keine 9 merkung des Vorsitzenden. 3. Die Drucker sind nach zwei in d.er G haltstufe von 1100 Kr, »uaebrachte.» DtKNst. ahren zu Unterbeamten zu erneu««« und t« as Unterbeamtenschema einzureihen. Dr. Grabschcid verliest folgende Entscheidung des Herrr» Generaldirektors: j „Dieser Forderung kann nicht entsprochen werden, da te sachlich nicht gerechtfertigt erscheint und ihre Erfüllung >en Grundsätzen einer ökonomischen Verwaltung wider» 'präche." 4. Einführung der sechsstündigen A& beitSzeit, analog dem Kanzleipersonal. Dr. Grabscheid verliest folgende Entscheidung de» Herr« Generaldirektors: „Die Dienstzeit wird festgesetzt: a) in der Autographie von 7 bis 2 Uhr; doch ist da» Personal verpflichtet, im Bedarfsfälle täglich «och weitere zwei Stunden ohne besondere Entschädigung zu arbeiten, lieber« tundenentlohnung, und zwar in der bisherigen Höhe (für Unierbeamte 60 H., für Diener 60 H. per Stunde) hatte demnach erst mit der zehnten Arbeitsstunde zu beginnen; b) in der Fahrkartcndruckerei für da» mit dem Fahr-, kartendruck beschäftigte Personal von 7 bis 2 Uhr, unter Beibehaltung des bisherigen Prämiensystems, für da» bei den Drucksorten beschäftigte Personal von 7 bis 8 Uhr, unter Beibehaltung der bisherigen Ueberstundenentschädigung von 60 H. per Stunde für die Arbeitszeit über acht Stunden." Abschaffung der Ueberzeitarbeit des Feiertagsdienstes, lieber stunden nur in dringenden Fällen gemacht und sind dieselben mit dem Betrag fen den 5. owie > ür wer von 1 Kr. per Stunde zu vergüten. Dr. Grabscheid verliest nachstehende Entscheidung des Herrn Generaldirektors: „Der Feiertagsdienst bleibt in seinem dermaligen Umring (das ist in der Autogrophie jeweils für die Halste des Personals, und zwar von 8 bis 12 Uhr, in der Fahrkartendruckerei ist je ein Feiertag ganz frei, am nächsten Feiertag arbeitet das ganze Personal von 9 bis 12 Uhr) aufrecht. Eine Pauschalierung der Entlohnung für Ueberstunden hat nicht zu erfolgen; auch hat es bis auf weiteres bei den bisherigen Einheitssätzen zu verbleiben." 6. Die im Taglohn stehenden Bediensteten sind in die Normierung einzubeziehen und nach einjähriger Verwendung zu definitiven Druckern zu ernennen. Dr. Grabscheid verliest nachstehende Entscheidung de» Herrn Generaldirektors: „Diesem Verlangen kann nicht entsprochen werden, da eS nicht anginge, die Drucker ander» zu behandeln al» die übrigen Diener.' ! 7. Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen sind mit Kr. 1'50 zu entlohnen. 8. Genehmigung der beiliegenden Arbeitsordnung für Drucker und Drucksortenarbeiter. 9. Die Drucker sollen, wenn sie bei der Maschinen tauglich werden und a uj einen anderen Posten kommen, in ihrem Einkommen nicht verkürzt werden. 10. Die derzeit in Verwendung stehenden Drucksortenarbeiter ersuchen um Üeberstel-lung in das Schema Al der,Diener mit dem Sn« fangSgehalt von 1000 K r. und dem End ge halt von 1800 Kr. sctoic am Verleihung de» Titels „Kanzlei gehilfen." 11. Gewährung von Zulagen an das a «gestellt e Personal der Materialmagazine. 12..Einführu'kig einer zweistündigen Mit-tag »pause w i«c 6 ei den Beamtende» Materialmagazins. ... I 13. Arbeitsschluss in den Materialmagazinen an Samstagen um 2 Uhr nachmittag». 14. Ernennung der Magazinaufseher bei rreichung d er Gehaltstufe vo« 1200 Kr. zu Unter beamten. 15. Das Recht, in den Unterbeamtenstand vorzurücken, soll den Bewerbern aller Dienerkategorien unter genau zu umschreibenden Bedingungen, und zwar auf Grund der bisherigen Verwendung und einer bestimmten Anzahl zurückgelegter Dienstjahre gewährleistet werden. 16. Die im aktiven Dienstverhältnis stehenden Diener sind allen Auswärtigen Bewerbern auf höhere Diener- oder Unterbeamtenposten stets vorzuziehen. 17. Um ledern Bewerber zu ermöglichen, vorzurücken, möge bestimmt werde», daß bei neuem Bedarf an Arbeitskräften nicht wie bisher Unterbeamtenaspiranten neu ausgenommen, sondern solche Posten stet» mit qualifizierten Dienern besetzt werden. 18. Kanzleidiener, welche längere Zeit auf qualifizierten Posten den Dienst versehen haben, dürfen von diesen Posten keinesfalls durch neuaufgenommene Kanzleigehilfen oder Unterveamtenafpiranten verdrängt werden. 19. Jene Unterbeamtenposten, welche au» dem Kanzlei« dienerstand Besetzt werden, sollen auch in Zukunst den Kanzlei«, dienern Vorbehalten bleiben. 20. Zu Druckereiaufsehern sollen nur Drucker gemacht werden. Zu den vorstehenden Anträgen enthält da» Protokoll keine Bemerkung des Vorsitzenden. 21. Einführung der Arbeitszeit Bei derr Kanzleidienern analog dem Beamtenperso-i nal; bei längerer Dienstleistung ist die StundemitIK r. zuvergüten. < Dr. Grabscheid verliest nachstehende Entscheidung de» Herrn Generaldirektors: „Die Kanzleidiener der Zentrale find verpflichtet, ihren Dienst eine Stunde vor Beginn der Amtszeit anzutrctcn und eine Stunde nach Ablauf derselben zu schließen. Insofern sich hienach noch Ueberstunden ergeben, sind dieselben nach dem Satz von 60 H. per Stunde zu entlohnen. Bezüglich der Kanzleidiener der Strecke wird auf den in der Ueberstunden» frage in Betreff der Strecke gefaßten Beschluß verwiesen; dieser lautet: »Mehrleistungen aus der Strecke können auch weiterhin in dem derzeit üblichen Umfang, das ist also ohne Ausdehnung der Anzahl der hiebei in Frage kommenden Be» diensteten und ohne Erhöhung der betreffenden Entlohikungs-sätze, besonders entlohnt werden«." 92. Herabsetzung der Tragzeit der Uniform stücke von zwei auf ein Jahr, Einführung der hohen Kappen sowie Umwandlung de» , er h . Ouäckers in Wintersakkos. Verbesserung der schlechten Qualität der Uniformen. Zu diesem Punkt enthält das Protokoll keine Bemer» lung de» Vorsitzenden. < 23. Eventuelle». Experte Dietsch meint, Dr. Grabscheid hätte den Herrn s h st e in nicht aktenmäßia festgelegt sei. Er verlangt die aktenmäßige Festlegung der diesbezüglichen Grundsätze. Bei den Staatsbahncn würden solche Sachen aktenmaßig festgelegt und dem Personal mitgetcilt. Ferner sollten die Bestimmungen über die Feiertagsdienste und die Ueberstunden in die Ar«, beitsordnung kommen. Er erklärt ferner, es sei ihm zu Obrem gekommen, daß früher per Ueberstunde 70 H. gezahlt wurden^ während jetzt nur 60 H. gezahlt werden solle», i Dr, Grabscheit» bestätigt hstüL ? sEeite 8 v- SBiett, Dienstag „Der Eisettvi»l»ner. 1. Oktober 1912 Nr. 23 \>< • <";r Etperte Deutsch meint, Dr. Grabscheid hätte den Herrn Generaldirektor darauf aufmerksam machen sollen, datz bisher 70 H. per Stunde gezahlt wurden. Dr. Grabscheid wendet ein, daß bisher überhaupt keine Ueberstundenentlohnung vorgeschrieben war; einzelne Dirck-tiünen hätten eine solche gezahlt, andere nicht. Jetzt habe der Generaldirektor entschieden, daß überall eine Entschädigung gezahlt werben solle, und zwar 60 H. 24. Experte Dietsch fragt an, warum die Personalkom-misfionsmitglieder bisher nicht mit den P c r s o n a l k o m-missionsstatuten beteilt worden seien. Dr. Grabscheid meint, daß jetzt nur die alten Statuten hergegeben werden könnten, da die neuen erst gedruckt würden. Die Personalkommission würde sofort nach der Drucklegung die neuen Statuten erhalten. 25. Auf die Frage des PersonalkommissionSmitgliedeS LUczenski, waS mit den in der heutigen Sitzung borge» brachten Anträgen geschehe und wann die Personalkommission eine Antwort darauf erhalte, erwidert der Generalsekretär Dr. Hermann, die Anträge würden studiert und dann darüber vom Generaldirektor entschieden. Seinerzeit werde die P e r so n a l k o m m i s si o n Antwort erhalten. 26. Personalkommissionsmitglicd Bontadi fragt an, warum die Autographiedrucker in diesem Jahre nur 40 Kr. Uni form pauschale erhielten statt wie früher 60 Kr. D r. Grab scheid teilt mit, es habe sich herausgestellt, datz die Autographiedrucker bisher infolge eines Irrtums zu Unrecht das den Unterbeamten zu st ehe n de Uniform-r e l ui um erhalten hätten. Es sei daher der A u f Ir a g erteilt worden, das Relutum in jenem a tz a u s z u z a h I e n, welches den Dienern gebühre. Die Verwaltung werde übrigens unte'rsuchen, ob die Uniform für die Autographiedrucker nicht mehr wert und daher ij flS. Rcl ii t u nt zu erhöhen wäre. ,27. Antwort auf die vorgebrachten Petita. Experte Dietsch bittet um Erteilung der Antwort auf die vortzebrachten Petita in etwa zwei bis drei Monaten. Generalsekretär Hermann erklärt jedoch, dieser Termin sei zu kurz, da jede Gruppe d-c-r P. ersonalko nt m i ssion zahlreiche Wünsche a u sg e s p r o ch e n h a b e. Die Bitte des Personalkommissionsmitgliedes Schwarzenacker um vorläufige Erlassung der bisherigen Dienstzeit, der Aanzleidiener der administrativen Direktion lehnt Dr. Grabscheid ab, da die Fachdirektoren die •Stp.ftrage des tzerrn Generaldirektors durchführen müßten. Inland. Eisenbahner von Wien-Landstraße! ■ ' Dienstag den 24. d. M. fand im 7. niederösterreichischen Wahlbezirk (Wien-Landstraße 2), die durch den Tod Silberers notwendig gewordene Nachwahl zum Reichsrat statt. Es wurden 16.543 Stimmzettel abgegeben, darunter 958 leer, 33 ungültig. Von den. gültigen lauteten auf unseren Genossen Rudolf Müll-er 6718, auf den Christlichsozialen Julius Prochazka 6072, auf den Deutschradlkalen Cor-Nelists Vetter 1503, auf den deutschfreiheitlichen Wahlwerber 585, auf den deutschnationalen 82 und auf den tschechischen Separatisten 543 Stimmen. , Es ist daher eine engere Wahl notwendig zwischen dem Sozialdemokraten und dem Christlich-sozialen. Die engere Wahl findet am Diens.tg den 1. Oktober statt. Eisen-oahn e r! Bewahrt die Legitimationen, die auch für die Stichwahl notwendig sind. Auf zur Stichwahl, auf zum Sieg! * Abgeordneter Heine als Verleumder. Es hat gerade noch gefehlt, datz der saubere Herr aus, Bodenbach, dessen Wahl sich der Jndustriellenverband 3600 Kr. kosten liefe, auch noch zum gewöhnlichen Verleumder heruntersinkt. Bei der letzten Eisenbahnerver-sannnlung in Bodenbach, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, hat nämlich der Herr Baurat, als der zu seiner Verteidigung auswendig gelernte bekannte Zirkularartikel bei den versammelten Eisenbahnern keinen Eindruck machte und mit dem ihm gebührenden Hohn-lachen ausgenommen wurde, folgende nette Verleumdung ausgespisn.. Er sagte nämlich: „Und nun, meine Herren, will ich Ihnen eine ' Sache erzählen, die ich bisher verschwiegen habe, die den Abgeordneten Tomschik betrifft. Da werden Sie sehen, datz die Sozialdemokraten mit ihren Anträgen nur flunkern, denn wenn sie bei den Ministern sind, da reden sie ganz anders, da sind sie mit viel weniger zufrieden. Es handelt sich um folgendes: Ich war einmal bei dem Ministerialrat B. im Eisenbahn-' Ministerium, um die Bewilligung der siebzehn Millionen . zu betreiben. Doch der Ministerialrat sagte zu mir: »Was wollen Sie denn: .es war eine Deputation des ■ sozialdemokratischen Unterbeamtenvereines bei mir und hat erklärt: Wir verzichten auf den Härtenausgleich, wenn Sie uns die individuelle Ernennung geben.« Die Sozialdemokraten mit Herrn Tomschik verzichteten also in aller Form auf einen Teil der 17 Millionen. Als ich ein zweitesmal zu diesem Ministerialrat kam, mußte ich im Vorzimmer warten, weil jemand bei ihm . war. Da hörte ich plötzlich durch die Tür die Stimme des Abgeordneten Tomschik, der zu dem Ministerialrat sagte: »Wer Herr Ministerialrat, geben S' mir die zweijährigen Vorrückungsfristen für die Diener, dann : sehen Sie mich überhaupt nicht mehr im Ministerium:« Sie sehen, meine Herren. Tomschik verlangte . nur vier Millionen von den siebzehn Millionen und war damit zufrieden. Ich aber bleibe ein ehrlicher Vertreter der Eisenbahner-, schüft." Weil also der Herr mit seinen übrigen national-verbändlerischen Kumpanen die Sache der Eisenbahner verraten hat, möchte er sich noch überdies durch eine h u n,d s o r d i n ä r e Verleumdung zum „e h r-liche.n Vertreter der Eisenbahnerschaft" stempeln lassen. Wer wenn der Ehrenmann auch mir WenigstegS seine Lügen, mit denen er sich aus der Klemme .zu helfen sucht, nicht gar so urdumm Vorbringen würde. Oder mutz man wirklich den Abgeordneten Heine für so dumm halten, datz er, wie er erzählt, wegen den 17 Millionen Kronen _ zu einem Ministerialrat geht, der natürlich die 17 M i l l i o n e n nicht bewilligen kann? Fühlt der Herr nicht, wie blamabel es ist, zu behaupten, er habe die 17 Millionen beim Ministerialrat u r-giert, während er beim Budget, bei dem diese 17 Millionen verfassungsmäßig angesprochen wurden, dagegen g e st i m m t hat? Und datz der \ .Herr Abgeordnete und Baurat auf den Gängen vor y den Ministerkanzleitüren herumschleicht und, wie er selbst sagt, bei den Schlüssellöchern horcht, ist ja auch recht nett und ehrenvoll. Datz diese in ratloser Verzweiflung vorgebrachte Geschichte, mit der der Bodenbacher Herr sich selbst so gut konterfeit, natürlich von, A bis Z e r st u n k e n und erlogen ist, wird man Begreifen. Und der Herr Abgeordnete und Baurat soll uns jetzt klagen, wenn wir ihn so lange einen Verleumder nennen, bis er nicht die gegen den Abgeordneten Tomschik gerichteten Anwürfe beweist! Tie Teuerung schreitet weiter! Während die Großen Oesterreichs sich dazu hergeben, Dekorationsstücke für die klerikale Demonstration beim Eucharistischen Kongreß zu sein und durch ihre Anwesen-heit das Einverständnis kundzutun, Oesterreich wieder unter die Knute Roms zu bringen, schreitet wieder das schwarze Gespenst der Not durchs Land. Die Teuerung mutz immer unerträglicher werden, denn der einzige Weg, den die sozialdemokratischen Anträge im Parlament zeigten, wurde durch die Regierung und ihre feile Majorität verrammelt, und die Folgen dieser Politik machen sich immer empfindlicher bemerkbar. Gewiß, die Teuerung ist eine kapitalistische und fiskalische Erscheinung, aber Notwehren kann der Staat schon aufrichten, damit die Not nicht alle Dämme durchbricht. Wenn die Regierung die Gefahren erkennt, die in der lieber« spannung der Teuerungspolitik der herrschenden Klasse liegen, so würde sie es als eine dringliche Staatsaufgabe betrachten, mit den ihr zur Verfügung stehenden Machtmitteln einzugreifen, um Explosionen, wie die Hungerrevolte des 17. September 1911 in Wien, zu verhüten. Aber die Regierung betrachtet die steigende Not als die gleichgültigste Sache, obwohl es ihr nicht unbekannt sein kann, daß die Wirkungen des abnormalen kalten Sommers, die in der Vernichtung der Ernten bestehen, die Not zur Katastrophe anwachsen lassen muß. Was tut sie aber? Warten! Das ist alles, was die Regierung zu sagen weife. Warten, geduldig warten — bis 1917! Das ist das Rezept des Herrn v. Heinold der maß-losen Teuerung gegenüber. Daß er den Fleischhauern und Selchern ein Paar Wahrheiten an den Kopf geworfen hat, macht ihn aber nicht besser als den Sektionschef Tr. Seidler im Ackerbauministerium, der einer Deputation von Frauen gegenüber sich folgendermaßen äußerte: Die Regierung ist momentan nicht in der Lage, rasch wirkende Vorkehrungen zu treffen, weil einerseits eine Aktion,, dahingehend, die Ausfuhr von Rindvieh aus Oesterreich nach Deutschland aufzuheben oder auch nur einzuschränken, infolge der abgeschlossenen Handelsverträge mit Deutschland unmöglich sei und anderseits die Einfuhr überseeischen Fleisches infolge derseiner-zeit getroffenen und viel erörterten Abmachungen mit Ungarn unmöglich wäre. Es ist jedoch zu hoffen, daß das nicht voll ausgenutzte Kontingent der Einfuhr rumänischen Viehes durch vermehrte Einfuhr aus Serbien ausgeglichen werde. Schließlich verwies Sektionschef Dr. Seidler auf die zur Hebung der inländischen Viehzucht getroffenen Maßnahmen, welche allerdings für die allernächste Zeit noch keine Abhilfe bringen können........ Damit legten sich die Herren v. Heinold und Doktor Seidler wieder aufs Ohr, um in der Frage der Fleischeinfuhr den Schlaf der Gerechten zu tun. Das Volk leidet unter der Teuerung furchtbare Not undaußerdenSozialdemokratenkümmert sich keine Partei um diesen Not st and. Tie Bevölkerung Wiens hat zwar in der Vorwoche „den Segen" empfangen. Aber ohne Fleisch ist er eigentlich ungenießbar........ Das Steigen der Durchschnittseinkommen auf den österreichischen Eisenbahnen. Während die Unfallversicherung der übrigen'versicherungspflichtigen Arbeiterschaft Oesterreichs von territorialen Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten besorgt wird, besorgt die Unfallversicherung der Eisenbahnbediensteten fast ausschließlich die Berufsgenossenschaft, liche Unfallversicherungsanstalt für österreichische Eisenbahnen. Die von dieser Anstalt gesammelten statistischen Daten ergeben verläßliche Anhaltspunkte für die Beurteilung der Variation der durchschnittlichen Entlohnung des österreichischen Eiscnbahnbediensteten. Da das Gesamterfordernis der Unfallversicherung von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt noch der Höhe des Arbeitsverdienstes auf die einzelnen Bahnen umgelegt wird, weist diesen Arbeitsverdienst diese Anstalt alljährlich aus. Um zu einer verläßlichen Berechnung des Durchschnittlohnes zu gelangen, muß man die Summe der Arbeitsschichten der nichtständigen Arbeiter in Vollarbeiter zu 300 Arbeitsschichten umrechnen. Setzt man die Anzahl derartig konstruierter Vollarbeiter zusammen mit der Zahl der ständigen Bediensteten in das Verhältnis zum Gesamtarbeitsverdienst der Eisenbahnbediensteten, so ergeben sich folgende Durchschnittslöhne. wenn man, um hie steigende Tendenz anschaulicher zu machen, diese Berechnung in jedem vierten Jahre anstellt: (Sefomtatßciti- Summe btt vollarbeitet Dutchschmtti-toerbienft in 8t. unb ftänbigen Sebicnfteten lohn in ftt. 1896 . . . 175,849.237 159.215 1101 1899 . . . 235,188.800 206.583 . 1128 1903 . . . 273,881.948 216.928 1263 1907 . . . 335,048.329 2.55.970 1308 1911 . . .445,789.059 . 292.993 1521 In diese Durchschnittslöhne sind die Nebengebühren (Ouartiergclder, Fahrgebühren u. s. to.) eingerechnet und die Entlohnung der Mehrzahl der Bediensteten liegt selbstverständlich unter diesen Turchschnittspunkteu, da die hohen Einkünfte der gutbesoldeten hoben Beamten die Durchschnittslöhne merklich erhöhen. Es sind also die Entlohnuuasverhältnisse des österreicheschen Eisenbahnpersonals keineswegs glänzende. Der lohnerhöhende Einfluß der Organisation ist aber unverkennbar. Die Agrarier werden frecher! In der letzten Plenarversammlung der Agrarischen Zentralstelle führte Reichsritter v. Hohenblum in heftigen Worten darüber Klage, daß die Agrarische Zentralstelle seitens des Ackerbauministerium's bei den Einladungen zur Abgabe von Gutachten für die Vorbereitung der neuen Handelsverträge übergangen wurde. Der Vertreter des Ackerbauministeriums Hofrat Baron Cnobloch entgegnete auf diese Bemerkung HohenblumS, daß das Ackerbauministerium darauf nicht entgehen könne, nur mit der Agrarischen Zentralstelle allein in diesen Fragen zu verhandeln und alle anderen Korporationen von der Abgabe von Gutachten auszuschließen. Es entspann sich sodann eine sehr lebhafte Debatte über den Wert der sogenannten Buchungsstellen für die Landwirte, an der sich Baron Störkh, kaiserlicher Rat Postelt, Professor Häusler und Reichsritter v. Hohenblum beteiligten. Letzterer betonte, daß die Taten dieser Buchungen niemals eine Grundlage für handelspolitische Aktionen bilden können. Mit Buchauszügen könne man keinen Zolltarif und keinen Handelsvertrag machen. Hier spiele ausschließlich die Machtfrage eine Rolle. Das eine könne er heute schon sagen: Im Jahre 1917 wird von den heutigen Zöllen nt ch t ein Heller nachg e-lassen und es existiere kein Ausgleich mit Ungarn, wenn man auch nur einen Heller herabdrückt. Während also die Fleischnot von Tag zu Tag steigt und das Volk Hunger leidet, erklären die. Agrarier mit zynischer Frechheit, von den gegenwärtigen Hungerzöllen auch in Zukunft nichts nachzulassen. Wollen die frechen Gesellen wirklich Hungerkrawalle? Schwere Zeiten für die österreichische Eisenbahnerschaf» Die Aufgaben, die. der österreichischen Eisenbahner» schaft mit Rücksicht auf den sie bedrohenden neuen Strafgesetzentwurf gestellt sind, werden von dem „Zentral-organ der österre. ichischen Eisen bah n-beamtenscha fll" als die „Feuerprobe der Organisationen" bezeichnet. In der richtigen Erkenntnis sägt das Blatt zu den Gefahren, die uns drohen: Die Organisationen werden ihrer ganzen Kraft bedürfen, um das Vorhaben der Staatsgewalt, die Eisenbahner mit Haut und Haar der öffentlichen Gerichtsbarkeit zu unterstellen, zu verhindern. Bei dieser Gelegenheit kann es sich bitter rächen, daß sich der einheitliche Organisationsgedanke bisher nicht besser Bahn gebrochen hat, denn es wird vielleicht der allerkräftigste Widerstand aufgebracht werden müssen, um dieser drohenden Gefahr zu entgehen. Falls das neue Strafgesetz in Kraft trist, was.schon in nächster Zeit möglich sein kann, wird jeder weitete Versuch der Organisationen, durch Selbsthilfe wirtschaftliche Vorteile zu erzwingen, illusorisch! Das ist gleichbedeutend mit endloser Not und bleibendem wirtschaftlichen Elend, denn wie allgemein bekannt wurden Verbesserungen der Bezüge ziemlich ausnahmslos nie freiwillig zugestanden, sondern dieie-weiligen Regierungen Wicken immer erst im letzten Momente und nur vor dem Gespenste des Lohnkampfes zurück! Der neue Strafgesetzentwurf mit allen seinen Knebelungs- und Gewaltparagraphen wurde im Juni laufenden Jahres eingebracht, und zwar merkwürdigerweise im Herrenhause — ganz gegen die bisherige. Gepflogenheit, nach welcher die Gesetzesvorlagen zuerst dem Volkshause vorgelegt worden sind! Dieser abweichende Vorgang allein schon kennzeichnet den Ernst der Situation. Es bedarf keines besonderen Scharf, sinnes, um herauszufinden, daß das Herrenhaus dieser Vorlage kaum Schwierigkeiten oder ein Hemmnis bereiten wird, sondern daß es dortselbst glatte Annahme finden dürfte und daraufhin wird mit Hochdruck versucht werden, diese Vorlage im Parlamei.: mit der größten Beschleunigung durchzupeitschen I — Wird sich dagegen die derzeitige Parlamentsmajorität sträuben? Mit einem unbedingten Ja getrauen wir uns diese Frage nicht zu beantworten! Endgültig werden sich dagegen aber diese Herren Parlamentarier kaum auflehnen, sie werden weder eine Kabinettsfrage daraus konstruieren wollen, noch werden sie die Energie auf-bringen, eine Rückverweisung dieser Vorlage an das Herrenhaus — gewissermaßen als Gegenanalogie für die Regel — zu provozieren! Ein wirkungsvoller Schutz ist also von dieser Seite her für die Eisenbahner schwerlich zu erwarten. Um der definitiven Unterjochung vorzubeugen, werden sich vielmehr die Organisationen selbst aufraffen müssen und zunächst durch massenhaft besuchte Protestversammlungen versuchen, die Annahme dieses neuen Strafgesetzes wo-möglich zu verhindern. Nach der bisherigen Erfahrung geht man kaum fehl, wenn man annimmt, daß damit wieder die mit der Gewerkschaft koalierten Organisationen entsetzen und die nationalen Organisationen mit der Devise „Michele geh' du voran, du hast die hohen Stiefel an" Nachfolgen werden. Man muß aber auch' darauf gefaßt sein, daß schlimmstenfalls die Organisationen die äußersten Konsequenzen zu ziehen haben, um sich vor der Vernichtung ihrer Schlagkraft zu bewahren. Ausland. Erfolge der deutschen Gewerkschaftsmethode. Als ein Zeichen der „lahmen" und «versumpfenden" deutschen Gewerkschastsmethode kann man wohl die Resultate der Lohnbewegungen des Deutschen Metallarbeiterverbandes und des Deutschen Transportarbeiterverbandes im Jahre 1911 ansehen. Vom Metallarbeiterverband wurden in 419 Orten für 9003 Betriebe mit 552.501 Beschäftigten 1704 Bewegungen durchgeführt, an denen 187.000 organisierte Metallarbeiter und 35.000 Mitglieder anderer Organisationen beteiligt waren. Ter größte Teil der Bewegungen wurde ohne Kampf beendigt. .Nur in 10-5 Prozent aller Falle blieben die Unternehmer" Sieger. Tie Organisation mußte 5% Millionen Mark für ihre Kämpfe opfern, davon mehr als die Hälfte für die Lockouts/Der Organisation steht stets ein kampfbereites Unternehmertum der Metallindustrie gegenüber. Die Mitgliederzahl betrug 19.11 im vierten Quartal 515.145. Die Organisation steht auf industriell-zentralistischer Basis und ist Wohl die größte Organisation der Welt. Noch bessere Resultate im Verhältnis hat der Transportarbeiterverband aufzuweisen. Dieser führte 1012 Lohnbewegungen in 229 Orten für 5657 Betriebe und 115.811 Beschäftigte durch. Von diesen,Lohnbewegung enwaren 951 Prozent., erfolgreich. Erzielt wurde eine Verkürzung der .Arbeitszeit um 99.239 Stunden per Woche, eine Lohnerhöhung um Mk. 1"93 durchschnittlich per Woche oder .Mt. 100 31 per Jahr, was eine Gesamtsumme von 9,252.109 Mk. per Jahr ausmacht. Die Bezahlung von Ueberslunden wurde in 306 Fällen für 3003 Betriebe und 24.728 Beteiligte durchgesetzt, ebenso die Bezahlung der Nachtarbeit für 20.585 Personen mit einem Aufschlag bis zu 25 Prozent und der Sonn- und Feiertagsarbeit in 154 Fällen in 701 Betrieben mit 14.610 Beteiligten auch mit einem Aufschlag bis zu 25 Prozent. Für diese Errungenschaften opferte der Verband 546.908 Mark. Die Zahl der Mitglieder betrug am 31. Dezember .1911 195.249. Das sind alles ganz respektable Ziffern Und reden eine deutliche Sprache für den, der sie verstehen will. Trotzdem gibt es sogenannte syndikalistisch-anarchistische Gewerkschaftsführer, arme bedauernswerte Menschen, die sich wie eigensinnige kleine Kinder benehmen, nicht sehen und verstehen wollen. Nur ihre Methode hat die Zukunft! Sie stehen stets vor leeren Kassen: eine Bewegung nach der anderen verkracht, nicht aus Mangel an Mitteln, denn cs gibt ja Kommunesuppen, nein, daran ist nur die „lahme" und „versumpfende" deutsche Gewerk-schaftsmethode schuld. Merkwürdig! Und dabei schreiten die deutschen Gewerkschaften von Erfolg zu Erfolg! H. I o ch a d e. Elsenbahnerstreik in Spanien. Der Streik auf' den spanischen Eisenbahnen, von dem einzelne Blätter schon vor mehreren Tagen verfrüht berichteten, ist nun Tatsache. Der Führer des Expreßzuges von Madrid nach Alicante, der am Dienstag den 24. September, gegen 7 Uhr abends in der Richtung nach Cerbsre abging, war beauftragt worden, den Beginn des-Streiks auf allen Stationen zu verkünden. Auf jeder Station, die der Zug berührte, wurden die Eisenbahner durch dgs verabredete Zeichen, zwei kleine schwarze Fahnen, die der Lokomotivführer zu beiden Seiten der Lokomotive heraussteckte, von dem Ausbruch des Streiks verständigt. Sobald der Erpreßzüg die Bahnhofshalle verlassen hatte, wurden die Weichen nicht mehr bedient, die Signale ge-.löscht' und' die Arbeiter verließen ihre' Posten; der Verkehr- ruhte vollständig. Am Mittwochvormittag war . der ^Streik vollständig;..mir die Angestellten der-Jnternatio-gchl^n..stonuzany.versuchten/sich zur Arbeitsstätte zu begeben, sie fanden jedoch die Bahnhöte geschlossen. Auch die französischen" Züge kommen nur noch bis Cerbsre, da die -katatonischen Strecken nicht befahrbar sind. Alle Reisenden, - die mach Spanien'wollten, waren gezwungen, in den Wartesälen des Bahnhofes von Cerbsre zu übernachten. Auch die in großer Anzahl auf den Bahnhöfen lagernden : Wärendrohen zu verderben. Die Arbeiter verhalten sich 'ruhig; zwar sind angeblich einige Sabotageakte verübt ..worden, doch handelte es sich um Dinge belangloser Natur. •::.• • -t ^ • * Furchtbare Eiscnbahnkatastrophc in England. Vor einigen Tagen hat sich in England ein . schweres 'Eisenbahnunglück ereignet, bei dem fünfzehn -Personen getötet und ungefähr- fünfzig verletzt wurden. /Das "Unglück entstand dadurch, daß" der Nachmittagszug -von Chester nach Liverpool in der Nähe von Ditton , Junction bei Widnes, nachdem er die lange, über den Mersey" führende Brücke passiert hatte, auf der Abfahrt von der Brücke nach Station. Ditton Funktion bei einer Kurve aus dem Geleise spraitg und in das Mauerwerk einer Straßenbrücke hineinraste, die dort das Bahngeleise kreuzt. Die Backsteine flogen in allen Richtungen, die Lokomotive zersprang unter furchtbarem Krachen und der Dampf entwich mit einem meilenweit hörbaren Getöse. Jetzt brach die Kuppelung der ersten • Wagen, die zusammen mit dem Rest des Zuges neben der zersprungenen Lokomotive und an dem Tender vorbei mit einer fabelhaften Geschwindigkeit in die Station .raunten und sich in den Bahnsteig bohrten. Die ersten Wagen bildeten nur noch einen fürchterlichen Trümmer-Haufen, aus dem sofort zum Entsetzen der schreck-.gelahmten Zuschauer haushohe Flammen emporschlugen. Ein wildes Geheul der Verletzten und der in den brennenden Wagen zum Feuertode bei lebendigem Leibe verurteilten Fahrgäste erfüllte die Luft, was um .10 schrecklicher war, als gar kein Gedanke daran war, daß hier rettend eingegriffen werden könnte. Die fünf letzten Wagen kamen bei der umgestürzten Lokomotive zum (Stehen. Ter Lokomotivführer war auf der Stelle ge-. tötet worden, der Heizer lebte, denn man hörte ihn unter der Lokomotive entsetzlich schreien; diese lag.auf ihm und zerquetschte ihm die Beine. Erst mehrere 7-Stunden später konnte er befreit werden. Sämtliche Fahrgäste - der beiden ersten Wagen waren tot, im : ganzen sind es fünfzehn. Unter den Trümmern des dritten Wagens lag ein junges Ehepaar festgeklemmt. -Der vierte Wagen war ein einziges Flammenmeer und brannte trotz der Anstrengungen der Feuerwehr total aus. Von allen Seiten waren natürlich bei dem Getöse Leute herbeigeeilt, die versuchten, zu den in den Flammen eingeschlossenen Unglücklichen vorzudringen, aber sie wurden durch das Feuer immer wieder zurück» gedrängt und mußten zusehen, wie die in ihrem brennen-den Käfig Festgehaltenen allmählich zu-Tode rösteten. -Die erste Hilfe für die Geretteten kam von einem Arzt, ( 'der. gerade über die Brücke gefahren kam, als die Loko-/.motivc aüs dem -Geleise-sprang. Die Geretteten wurden zunächst in den Warteräumen der Station'untergebracht und später mit einem Hilfszug nach Liverpool geschafft. Im ganzen waren es fünfzig Personen. Die Knoten-punrtstation Ditton, wo sich das Unglück ereignete, wird als einer der gefährlichsten Punkte der North Weitern-Eisenbahn angesehen. Die Brücke, die hier über den Merseyfluß führt, hat eine sehr starke Krümmung und eine große Anzahl von Weichen sind hier vorhanden. Der Unfall ist auch auf das Versagen einer Weiche zu-rückzuführen. Ans dem gleichen Grunde haben sich an dieser stelle, bereits zahlreiche Unglücke ereignet. Das Schlachtfeld des Eisenbahnbetriebes. In Nordamerika vorn n g l ü ck e n j c d c s I a h r oit 8 0.0 0 0 B a h n b c a m t e. Auf jede sechs Minuten Tag und Nacht k o in m t ein v er-uu glücktet" Eisenbahner, auf a Hc zwei Stunden T a g und Nacht e i n toter. Eisen-bahnet"! Amerikanische Blätter beklagen sich bitter darüber und sagen, es sei gräßlich, daß jeder industrielle Fortschritt das Leben Von Menschen bedrohe. Bei einem Unglück wie dem des „Titanic" oder in Kriegszeiten harren die Menschen atemlos der traurigen Nachrichten, aber die, welche im Frieden fallen, in der Industrie und im Verkehr, gehen oft unbeachtet vom Mitleid der Menschen vorüber. Von 5,600.000 männlichen Arbeitern der Vereinigten Staaten wurden 1911 nicht weniger als 208.300 getötet oder so verletzt, daß sie . ihre Tätigkeit unterbrechen mußten. Tic Eisenbahnerorganisation in Ungarn. Seit einigen Jahren gibt es " in Ungarn keinen Eisenbahnerverband mehr. So meint die Eisenbahnverwaltung, die es seit der im Jahre 1908 erfolgten Auflösung des Verbandes durch die Regierung an allerlei Drangsalierungen nicht fehlen ließ, um zu erreichen, daß den von dem Organisationsgedanken durchdrungenen Eisenbahnern die-Lust zum Weiterarbeiten verging. In dieser Annahme hat sich die Eisenbahnverwaltung aber gründlich geirrt. War auch die Organisation behördlich -aufgelöst worden, so verblieb den Eisenbahnern* doch ihr Blatt „Magyar Vasutas",um welches sich die Mutigsten scharten und mit Fleiß ihre Propaganda fortführten. Anfangs verrichteten diese Mutigen nur Sisyphusarbeit, aber nach und nach kehrte das Vertrauen der Furcht-samen zurück, und die Zahl derjenigen um „Magyar Vasutas" nahm beständig zu. Am besten kommt die Wendung zum Besseren dadurch zum Ausdruck, daß die aufgelöste Organisation, die nach der behördlichen Zertrümmerung natürlich nicht mehr imstande war, ihren Verpflichtungen der Internationalen Transportarbeiter-föderation gegenüber, der sie angehörte, nachzukommen, jetzt so weit auf der Höhe ist, daß sie ihre finanziellen Verpflichtungen wieder aufnahm. Für, 4000 Mitglieder wurde der Beitrag entrichtet. Hoffentlich entwickelt sich die von der Regierung „aufgelöste"- Organisation in der bisherigen erfreulichen Weise auch weiter. Wir wünschen unseren ungarischen Berufskollegen den besten Erfolg. Internationaler Trnnsportarüeiterkongrrsr. Der internationale . TransportarbeiMköngreß wird, wie bereits .mitgeteilt" würdch anfangs Juni . Nächsten Jahres in London, stattfinden. . Nach" dem Statut hat die Einladung'zum Kongreß sowie die Bekanntgabe der provisorischen Tagesordnung ".vier "Monate vorher durch den. Zentralrat zu erfolgen. Anträge, welche auf dem Kongreß zur Verhandlung kommen sollen, müssen zwei Monate vorher , dem Zentralrat zugesiellt werden. Der Zentralrat hat dann die Anträge den. Organisationen bekanntzumachen. Ter Geschäftsbericht .des Zentralrates soll nach einem Beschlüsse des letzten Kongresses (Kopenhagen) zwei Monate vorher im Besitze der Organisationen sein. Diese Angaben mögen als Antwort auf die Anfragen dienen, wann und wo der nächste internationale Kongreß stattfindet. Wir machten nur deshalb so früh auf den nächsten internationalen Kongreß aufmerksam, um den Organisationen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Arrangements so zu treffen, daß sie auf dem nächsten Kongreß auch vertreten sein können. Aus dem Gerichtssaal. Wieder ein eingegangener Verleumder. Dic unterschiedlichen Gegner unserer Organisation haben bekanntlich in der letzten Zeit ein wahres Kesseltreiben gegen die einzelnen Vertrauensmänner und Funktionäre, insbesondere aber gegen den Abgeordneten Genoffen T o in s ch i f eingeleitet. In diese regelrechte Regie der Verleumdung teilen sich zwei Sorten, dic einen als die eigentlichen Drahtzieher, betreiben das Geschäft- versteckt und vorsichtig, und sind meist nicht zu fassen. Die anderen aber, die Dummen und Ungeschickten, reden das, was ihnen von den Inspiratoren eingcgeben wurde, frei und offen nach. Sie sind es natürlich, die das Bad ausgießen müssen, und vor Gericht die Buße erleiden. Zu dieser letzteren Sorte gehört offenbar auch der Oberkondukteur der Staatsbahnen Herr Josef Warta, der sich Freitag den 20. d. M. Vor dem Bezirksgericht Wien-Josefstadt über eine vom Abgeordneten Tomschik erhobene Ehrenbeleidigungsklagc zu Verantworten hatte. Der von Dr. Leopold K a tz vertretenen Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Bei einer Fahrt auf der Stadtbahn verwickelte Josef Warta den Kondukteur Matthias Hart lieb in ein politisches Gespräch, in dessen Verlauf Warta, ein Parteigänger des Simon Starck, dem Hartlieb eine Nummer des Organs „Freie Worte" zu lesen gab, in der heftige Angriffe, gegen die sozialdemokratische Eisenbahnerorganisation enthalten waren. Hartlieb wies das Blatt zurück, mit dem Bemerken, es interessiere ihn nicht, waS in dem Blatte stehe, dessen Herausgeber Simon Starck von den Gerichten genügend gebrandmarkt sei. Warta soll nun nach Inhalt der von Tomschik eingcbrachten Klage dem Kondukteur Hartlieb geantwortet haben, er solle sich lieber um die Angelegenheiten Tomschiks kümmern, der anläßlich der Gehalts-rcgulierung den Eisenbahnern drei Millionen gestohlen habe. Hartlieb erstattete timt dieser Unterredung einen Bericht der Organisation, worauf Mgeordncter Tomschik wegen des wider ihn erhobenen Vorwurfes des Diebstahks gegen Josef Warta die Ehrenbeleidigungsklage erhob. In der gestern vor dem Bezirksrichter Dr. Pohl durchgeführten Verhandlung erklärte der von-Dr." Schäfer vcr< teidigte Angeklagte, daß er im Laufe des mit dem Kondukteur Hartlieb auf der Stadtbahn gepflogenen politischen Gespräches auf die von diesem gegen den Abgeordneten Simon Starck gerichteten Angriffe mit dem Bemerken reagiert habe, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Tomschik bei. der GehaltS-regulicrung die Eisenbahner um 3 Millionen Kronen geschädigt habe. Der Angeklagte, betonte, daß.er den Ausdruck „gestohlen" nicht gebraucht habe. Der als Zeuge vernommene Kondukteur Matthias Hartlieb bestätigte mit voller Bestimmtheit, daß Warta im Laufe des Geschrächcs erklärt habe, er solle sich lieber um Tomschik kümmern, der von den für die Gehaltsregulierung der Eisenbahner bestimmten sechs Millionen drei Millionen gestohlen habe. Ter Verteidiger stellte unter Beweis, daß zwischen dem Zeugen und dem Angeklagten wegen ihrer Parteigegnerschaft eine Gehässigkeit herrsche, welche dic Aussage des Zeugen nicht als glaubwürdig erscheinen lasse. Der Verteidiger berief sich ferner auf einen im Jahre 1009 vor den Geschwornen in Prag durchgeführten Prozeß, in welchem der Abgeordnete Tomschik gegen einen gewissen Striwerny wegen des Vorwurfes, daß er die Eisenbahner um drei Millionen Kronen geschädigt habe, klagbar aufgetreten war, in welchem Prozeß jedoch der Angeklagte frejgesprochcn wurde. Der Richter lehnte gemäß dem Antrag des Klage-Vertreters dic BeweiSanträge des Verteidigers als irrelevant ab. Dr. K a h hob in seinem Plädoyer hervor, daß gegen den Abgeordneten Tomschik seit Jahren von gegnerischer Seite ein wahres Kesseltreiben veranstaltet und ihm immer wieder nachgeredet werde, daß er den Eisenbahnern drei Millionen Krone» gestohlen habe. Die Beleidiger, die Abgeordneter Tomschik zur Rechenschaft zog, seien auch von den Gerichten verurteilt Worden, bis auf den Angeklagten Striwerny, der von Präger Geschwornen als Tscheche offenbar aus nationalen Motiven freigesprochen wurde. — Der Richter fand den Angeklagten der Ehrenbeleidigung im Sinne der Privatklage Tomschiks für schuldig und verurteilte ihn unter Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes zu einer Geldstrafe von sechzig Kronen, eventuell zu sechs Tagen Arrest. Tödlicher Unfall in LeiferS in Tirol. Wie wir seinerzeit berichtet haben, wurde am Abend dcS 30. Oktober 1910 in der Station LeiferS der Malergehilfe Johann Unterhofer von einem von Bozen kommenden Lokomotivzug, der von dem Lokomotivführer" Franz Krajö geführt wurde, überfahren und getötet. ES dürfte noch in Erinnerung sein, daß der Lokomotivführer Krajö am nächsten Tage über Verfügung des Bozener Untersuchungsrichters Dr. Stöcker verhaftet wurde, was auch Gegenstand einer vom Abgeordneten Tomschik eingebrachten Interpellation im Abgeordncten-hause war. Die gerichtliche Untersuchung ergab damals, daß K r a j c das nördlich der Haltestelle LeiferS befindliche Distanzsignal, welches unbeleuchtet , war, unbeachtet ließ. Er führ durch die Station durch, als eine Menge von über 100 Passagieren gerade das von ihm befahrene Geleise betrat, um in einen Personenzug einzustcigen, so daß c8 einem glückliche» Zufall zu danken war, daß nur eine Person umkam. Ärajö wurde damals wegen Vergehen» gegen die Sicherheit des -Lebens angeklagt. Bei der Hauptverhandlung am 5. April 1911 gaben jedoch die der Staatsbahndirektion Innsbruck angc-hörendcn Sachverständigen Oberinspektor Schule und Inspektor v. Wachen Hufen ein sehr günstiges Gutachten ab, indem sie betonten, daß K r a j ö durch den Wächter D u b o i S, der damals vor seinem -Wächterhause mit der Laterne stand, getäuscht" wurde, indem-das Licht dieser Wächterlaternc als Vorwärtssignal zu betrachten war. K r a j L, dem Dr. Leopold Kätz'au» Wien als Verteidiger zur Seite stand, wurde damals von der Anklage freigesprochen. Nicht so gut erging ei ihm in dem EhrcnbelcidigüngSprozetz, den der Untersuchungsrichter Dr. Stöcker gegen ihn anstrengte, da er so unvorsichtig war, in einer an den Lokomotivführerverein gerichteten Eingabe sich über schärfe Aeußerüngen des Richters zu beschweren. Er wurde wegen Ehrenbeletdigung sowohl vom Bezirksgericht als auch, infolge seiner Berufung, vom ÄreiS-gcricht Bozen zu einer vierzehntägigen Arreststrafe verurteilt. Allein damit schien der Bozener Staatsanwaltschaft diese Sache noch nicht abgetan. Offenbar war es ihr nicht angenehm, daß infolge des Freispruches die Verhaftung, dic zum Gegenstand einer Interpellation gemacht worden war, sich als total unbegründet herausstellte. Die Staatsanwaltschaft Bozen richtete daher an die Südbahndircktipn eine Mitteilung, wonach ihr nach der Verhandlung eine Aeußerung von Fachmännern zugekommen sei, daß jene Sachverständigen ein unrichtiges Gutachten abgegeben hätten. Darauf bezeichnete die Baudircktion der Südbahn in einer Zuschrift das Gutachten als unrichtig, indem sie hervorhob, daß kurze Zeit vor dem Unfall eine Zirkularverordnung erschienen war, wonach dic ruhig gehaltene Wächterlaternc nicht mehr als Signalbegriff zu gelten habe. Nunmehr beantragte die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen dm Lokomotivführer Franz Krajö wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens. Sie beantragte die Vernehmung von Sachverständigen einer anderen StaatSbahndirektion, uno das Kreisgericht Bozen bewilligte nicht nur die Wiederaufnahme des Strafverfahrens, sondern holte auch ein Gutachten der Inspektoren Strejöck und R i e m a n n der StaatSbahn-direktion Linz ein. Diese „Sachverständigen" leisteten sich in ihrem Gutachten Behauptungen, die erkennen ließen, daß ihnen die bei der Südbahn geltenden speziellen Vorschriften nicht bekannt waren. So behaupteten sie, daß dem zwischen der Haltestelle und dem Distanzsignal postierten Wächter D u b o i s das Distanzsignal gar nichts anging (!) und daß der Lokomotivführer sich um das Wächtersignal nicht zu kümmern hatte. Da die Inspektoren S t r e j ö e k und R t c» m an» dem Verkehrsdienst angehören, protestierte nunmehr der Verteidiger Dr. Satz gegen deren Bciziehung als Sachverständige und beantragte die Beiziehung von Sachverständigen des Zugförderungsdienstes. Am 13. September d. I. fand nun in der wiederaufge-nommcnen Strafsache die neuerliche Hauptverhandlung statt. Zu dieser war an Stelle des VerkehrsinspektorS R i e m a n n der Zugsförderungsinspektor DitteS aus Linz, ferner der Verkehrsinspcktor Strcjöek als Sachverständige geladen. Gleich nach Beginn der Verhandlung erklärte der Verteidiger, gtgeit die Beiziehung des Inspektors Streiket als Sachverständigen neuerlich protestieren zu müssen, da in der Strafsache eines Lokomotivführers nur Sachverständige der Zugs-sorderung zuzulassen seien. Der Gerichtshof gab dem Antrag de? Verteidigers nach Beratung Folge. Verkehrsinspcktor Strejöek mußte sich nunmehr vom Sachverständigentische entfernen. An seine Stelle wurde der als Zeuge geladene Ingenieur Dolezalek, Heizhaüöchef in Bozen, zum Sach-verständigen berufen. Der Lokomotivführer Krajö verantwortete sich dahin, daß er höchstwahrscheinlich durch daS weiße Wächtersignal oder durch das südliche weihe AuSfahrtssignal der Haltestelle LeiferS in jener finsteren Nacht irregeführt wurde, daß eine Orientierung auf der ganz geraden Strecke bis knapp zur Haltestelle, welche schlecht beleuchtet ist, sehr schwierig, und daß dic Täuschung um so leichter möglich war, als es wiederholt auf dieser Strecke verkommt, daß grüne Distanzsignale weiß erscheinen. Nach Vernehmung der Zeugen Stationsmeijtcr E n r i ch. WächterD u b o i 8, Lokomosiv- fBWWv . ►v a-, Wen, Dienstag . >■>11., 11 —p —— V ,'ührer Sander und Jnstruktionsführer Pelizon gab der Sachverständige Inspektor D i t t e s ein Gutachten ab, wonach einem versierten Lokomotivführer das Ueberfahren eines unbeleuchteten Distanzsignales nicht passieren könne. Der hierauf als Sachverständige vernommene Heizhauschef Do lezalek legte in überzeugender Weise dar, daß K r a j c durch das Wächtersiynal offenbar getäuscht wurde, und daß er infolge dieser Täuschung und der schwierigen Orientierbarkeit das unbeleuchtete Drstanzsignal überfuhr. Im Hinblick auf diese zutreffenden Ausführungen erklärte der Staatsanwalt Dr. Weber nunmehr, daß er die Anklage nicht mehr aufrecht erhalten könne. Der Vorsitzende Oberlandesgerichtsrat v. Ferrari kündete hierauf das frei« sprechende Urteil. Es mutz anerkannt werden, daß die Staatsanwaltschaft Sogen ihr möglichstes getan hat, um eine Verurteilung des Lokomotivführers K r a \ 5 durchzusehen. Es ist jedenfalls auffallend, datz sie sich gerade diesen Fall zu einer so überaus strengen Verfolgung ausgesucht hat. Eisettbahnrentenmisere und ärztliche Gewissenlosigkeit. Man schreibt uns aus Aussig: Schon oft mußte sich die Parteipresse mit der gewissenlosen Art und Weise beschäftigen, mit welcher manchmal Aerzte gegen Arbeiter gegen Vorgehen. Zwar sollte man meinen, das; bei der Aerzteschaft ausnahmslos der medizinische Standpunkt bei der Behandlung von erkrankten und besondes von verunglückten Arbeitern maßgebend ist, aber wir wollen heule einen Fall besprechen, der das gerade Gegenteil beweist und der insbesondere einen Einblick in die Praktiken deutschradikaler Mediziner gewährt. Es handelt sich um den Anspruch eines auf dem Schlachtfeld der Arbeit verunglückten Eisenbahners auf eine Unfallsrente. Am 25, Oktober 1910 fuhren in der Station Teplitz zwei Eisenbahnzüge zusammen. Dabei erlitt außer anderen Personen auch der Heizer (%k e i s aus Aussig einen schweren Unfall; er wurde ans der Lokomotive geschleudert, siel mit dem Kops auf den Erdboden hart auf, was einen Schäd e l b r u ch zur Folge hatte. Der Heizer mußte pensioniert werden, nachdem der Bahnarzt Dr. Schneider, der ihn damals behandelte, eine 50prozentige Einbuße konstatiert hatte. Und nun kommt das Unglaubliche an der ganzen Geschichte: Nachdem bereits der Bahnarzt sein unzweideutiges Gutachten abgegeben hatte, konstatierten Dr. Kraus, eine Leuchte des deutschradikalen Spießbürgertums in Teplitz, und Dr. M a t e j o 3 k Chefarzt der Auffig-Teplitzer Eisenbahn, datz Greif durch den Unfall keine Einbuße erlitten habe. Der Primarius Dr. Kraus schrieb: Greif ist von blühender Gesuudhei t". Dr. Kopf st einer, der Primarius des Krankenhauses in Jungbunzlau, meinte in seinem Schlußgutachten: „Ich hatte Gelegenheit, Greff im Krankenhause zu beobachten. Alle subjektiven Beschwerden sind unglaubwürdig. Behandlung^ durchaus unnötig. Halte Greif für einen Simulanten." Der allmächtige Matejowsk^ sprach zu diesem „Gutachten" sein endgültiger Amen und die Re n i e wurde natürlich auf Grund dieser Gutachten e i n g e st e l l t. Aber es sollte anders kommen. Greif, der zur Zeit des Unfalles dem Rechtsschutz- und Gcwerkschastsverein nicht angehört hatte, meldete sich bei ihm an. Trotzdem die Organisation eigentlich nicht verpflichtet gewesen wäre, Greis in seinem Kamps um eine entsprechende Rente mit Geld zu unterstützen, tat sie es doch; Greif konnte sich zunächst auf Kosten der Organisation nach Prag zum Herrn Dr. Popper begehen, der ihm ein günstiges Zeugnis ausstellte. Dasselbe taten die Herren Dr. Hirsch und Dr. Maier in Aussig. Der Schädel? des Greif wurde dreimal mit Röntgenstrahlen photographisch ausgenommen, eine Impression des Schädel* fnpchens und ein bereits verwachsener Schädelbruch konstatiert, Aus diesem Gutachten der Aerzte resultiert die ab. s ö.ifnle /Arbeitsunfähigkeit des Greif, sintemalen auch eine Verschlimmerung durch Hinzukommen einer Hirn-fiqytcntzündung nachträglich eintreten kann. Das ganze Mate-vielt wurde bdn der Organisation an Herrn Hübsch, Hof-und Gerichtsadvokaten in Wien geleitet, der sich mit der Unfallversicherungsanstalt . ins Einvernehmen setzte. Die Anstalt unternahm auch-wirklich neue Erhebungen; sie veranlagte eine neuerliche, Untersuchung des Verletzten durch den Wiener Professor £ I .a i r m o n t, der das erste Gutachten des Bahn-irztes Schneider im Wesen bestätigte. Doch die Unfallver-sicherungLanstalt ist nur bann genau, wenn ein Gutachten vorliegt, das ihr in den Kram paßt, das heißt das ihr am wenigsten Ausgaben auferlegt. Während sie sich mit den Gutachten der recht bescheidenen medizinischen Größen Dr. Kraus und Dr. K o p f st e i u e r ohneweiters zufriedenstellte, ordnete sie nach der Untersuchung durch den Wiener Professor extra eine Untersuchung durch den Prager Professor Dr. M a r g o-lius an..Aber auch dieser war gewissenhaft genug, um dem Greif die Arbeitsfähigkeit abzusprechen. Nun erst mußte die. Anstalt auf 45 Prozent Rente erkennen. In solchen Fällen sind? auch die im Ausschuß der Unfallversicherungsanstalt sitzenden Arbeiter machtlos, find doch die ärztlichen Parere entscheidend für einen abweislichen oder zustimmenden Bescheid. . Bei dieser Gelegenheit sei auch darauf verwiesen, datz die beiden Aerzte Dr. Kraus und Dr. Weishaupt aus Teplitz, die sich sonst aus politischen Gründen nicht ausstehen können, den Versicherungsanstalten immer zu Gefallen sind, wenn eS gilt, irgendeinem atmen Teufel die Unterstützung^-summen streitig zu machen. Ob sie sür diese Gefälligkeit einen Dank empfangen, sei dahingestellt. Jedenfalls wäre es doch -in'der Zeit, wenn diese zwei Herren und die Herren Doktor Matejowsk)' und Dr. Kopf st einer, die es zuwege bringen, Arbeiter als vollständig erwerbsfähig und als Simulanten hinzustellen, denen es jeder Laie ansieht, daß sie krank sind, in Zukunft recht scharf auf die Finger gesehen würde. Hatte sich nicht die Organisation, ferner Herr Doktor Hübsch, Rechtsanwalt in Wie n, früher in Aussig, und da« AuöschußmUglied der Anstalt, Genosse Wild, des Falles angenommen, so wäre Greif ein Opfer ärztlicher Oberflächlichkeit, wenn matt den Ausdruck Gehässigkeit vermeiden will, geworden. Der Umstand, daß mancher Arbeiter durch derartige Praktiken dem Elend und dem Hunger über« antwortet wird, mag allen Eisenbahnern als Wegweiser in , die.Organisation dienen. Streiflichter. Russischer Salat als Agitationsmittrl für eine gelbe Gewerkschaft. Die unter dem hohen Protektorat der A.-T. E. vox kurzem gegründete gelbe Gewerkschaft der Bediensteten dieser Bahn nimmt zu ganz eigenartigen Agitationsmitteln Zuflucht, um die Arbeiter für ihre Zwecke eiuzufangen. Durch diese Leistung kann diese gelbe Vereinigung wohl niemanden zum Beitritt bewegen, also versucht man’s auf andere Weise. Unterhaltungen, Schmausereien, Kneippgelage sollen die Dümpten anlocken. Ist das Freibier nicht schon seit langem ein bewahrtes Agitationsmittel gelber Gewerkschaften? Arbeiten mit diesem Argument nicht seit jeher deutschnational!: vjirngmamifchaften, katholische Lehrlings- und Gesellenvereine, gelbe. Gewerkschaften aller Art? Warum soll nicht auch der „Verein der Ihtterbenmteu und Diener der f. t. priv. A.-T. E." hievon Gebrauch machen? Aber dieser Verein, der nach seiner Behauptung der bürgerlichen Lokalpresse so sehr zum „Heile" der Bediensteten dieser Bahn arbeitet, hat nun alle anderen „Der Gtsettvtsytter.- gelben Gewerkschaften überholt, nicht mehr mit Freibier, nicht mit Krenwürsteln, mit einem viel zugkräftigeren Argument sucht er Mitglieder zu gewinnen und zu halten: mit Gratisportionen russischen Salats. Ihr lächelt, Ihr glaubt, es handle sich um einen schlechten Witz? Leset folgendes Zirkular, das den Mitgliedern der genannten „Organisation" ßuging: Verein der Umcr'bcamten und Diener der k. k. priv. A.-T. E. Nr. 3. Ortsausschuß Teplitz. Teplitz, am 17. September 1912. Alt sämtliche Mitglieder! Es ergeht hiemit die Verständigung, datz am heutigen Tage um M8 Uhr abends die erste gemütliche Unterhaltung im Vereinsheim „Restaurant Kochschule" in Teplitz, statt» findet. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, daß sich der Wirt des angeführten Restaurants att den Ausschuß mit dem Anerbieten gewendet hat, auf seine Kosten einen Russischen Salat-Schmaus zu veranstalten und für die beste Unterhaltung zu sorgen. Diejenigen Herren Mitglieder, welche beabsichtigen, an dem heutigen Unterhaltungsabend teilzunehmen, werden ersucht, dies durch Fertigung vorstehenden Rundschreibens bekanntzugeben. Hiezu wird nochmals bemerkt, daß jedem erscheinenden Mitglied eine Portion russischer Salat gratis verabreicht wird. Wir hoffen, daß die Herren Mitglieder das Anerbieten 'dankend annehitteu und durch ihr Erscheinen auch dem Wirt gegenüber ihr Entgegenkommen zeigen. Für den Ortsausschuß: Der Schriftführer: Der Obmann: Rotsch. Aßmann. Die Macher des Vereines werden natürlich den Vorwurf entrüstet zurückweisen, datz der Verein mit diesem „Russischen SalatschmauS" Mitglieder anlocken wolle, die gemachte Entrüstung wird ■ ihnen aber niemand glauben und ihrer „Zurückweisung" wird es auch so gehen. Wenn es auch wahr sein sollte, dah der Wirt der Spender ist und nicht nur der Uebermittler der Spende, was eben sehr, sehr fraglich ist, so läßt sich doch eine ernste Organisation auf solche Mätzchen nicht ein, läßt sich mindestens nicht als Zutreiberiu für die Geschäfte des Wirtes gebrauchen. Aber kann man von einem „Arbeiterverein dieser Art anderes erwarten. Kein Rechtsschutz, aber russischer Salat! Kein Kampf um Arbeiter-rechte, aber Freibier! Solche ehrlose Subjekte, die ihre Menschenrechte um russischen Salat verkaufen, find „oben" freilich gut angeschrieben! Todesursache — kein Dienstwagen. Wiederholt wurde in unserem Blatt darüber geschrieben, was für Gefahren dem Verkehr im allgemeinen und den ZugZführern im besonderen erwachsen, wenn die Güterzüge ohne Dienstwagen verkehren. Dieser Uebelstand, der sich besonders stark auf der Wiener Verbindungsbahn und der Donauländebahn Penzing» Rangierbahnhos-Kl.-Schwechat fühlbar macht, und welcher in Nummer 26 des „Eisenbahner" wieder gebührend Beleuchtet wurde, hat inzwischen Bereits ein Opfer gefordert. In der Nacht vom 30. auf 31. August verkehrte Güterzug 5387 von Wien-Hauptzollami nach Matzleinsdorf mit Vorspann und SchieBeloIomotivc. Beim Anfahren in der Station Favoriten entstand eine Zugstrennung, und der vordere Teil befand sich bereits in dem unmittelbar an die Station grenzenden Tunnel, als der rückwärtige Zugsteil mit der Schiebelokomotive an den vorderen bereits zum Stillstand gebrachten Teil derart stark ansuhr, daß mehrere Wagen entgleisten und die Plateauwand des Wagens, auf welchem sich der Zugsführer Befand, derart eingedrückt wurde, daß der Zugsführer auf seinem Standort eingeklemmt wurde; schwer verletzt konnte derselbe erst nach einigen Stunden fieberhafter Arbeit freigemacht werden. Dieser Zugsführer stark, an den Folgen der Verletzungen nach drei Tagen. Es drängt sich nun die Frage auf, 06 dem Betreffenden Zugsführer ein gleiches Schicksal Beschieden gewesen wäre, wenn der Zug einen Dienstwagen gehabt hätte. Alle Zugs-Begleiter, welche diese Strecke kennen, sind aBer fest davon überzeugt, datz Zugsführer H r a b e c heute noch am Leben wäre, wenn er sich zur kritischen Zeit anstatt auf einem Kohlenwagen in einem Dienstwagen befunden hätte. Erstens wäre vom Dienstwagen aus eine leichtere Verständigung über das Anhalten des vorderen Zugteils mit dem Lokomotivführern möglich gewesen und wäre die Karambolage vielleicht überhaupt vermieden worden, zweitens hätte sich der Zugsführer im äußersten Notfall durch Abspringen auf das daneben befindliche Geleise retten können. Der Kohlenwagen, auf welchem der Zugsführer seinen Standort hatte, war aber nur auf der linken Seite zu besteigen und wäre deshalb im Moment des Zusammenstoßes ein Abspringen auf die linke Seite ganz zwecklos gewesen, weil der Raunt zwischen Zug und Tunnelwand so klein ist, daß er auch hier eingeklemmt, beziehungsweise zerquetscht worden wäre. Ist es nicht Gefühllosigkeit der Bahnverwaltung gegenüber den eigenen Bediensteten, wenn sich diese indirekt an solchen Unfällen schuldig macht? Haben wir in unserem Blatt nicht rechtzeitig und oft genug gewarnt, dieses Spiel mit dem Leben, beziehungsweise den geraden Gliedern der Zugsführer aufzugeben? Muß dieses System noch mehr Opfer kosten? Ist es an diesem einen Fall nicht genug? Es scheint tatsächlich so, als wenn dieser eine Todesfall wirkungslos an den betreffenden in dieser Beziehung maßgebenden Herren vorübergegangen wäre, sonst könnte es nicht möglich fein, daß dieses waghalsige Spiel mit Menschenleben noch täglich beobachtet werden kann, denn seit dieser Katastrophe hat es sich schon einigemal wieder ereignet, das; eine Zugstrennuug auf derselben Strecke vorkam, und die betreffenden Zugsführer wieder keinen Dienstwagen hatten. Es ist wahrscheinlich noch nicht genug Blut geflossen, und es wird müssen mehr Opfer kosten und mehr Blut fließen, bevor die steinharten Herzen der betreffenden Referenten sich erweichen werden, um diese Schande der k. f. StaatsBahneu endgültig zu beseitigen. Die k. k. Generalinspektion ist wahrscheinlich auch kurzsichtig, sonst müßte sie solche die Sicherheit des Verkehrs sehr stark beeinträchtigende Zustände schon lange verboten haben. Die itimnfctftnge. Unter den vielen Zeitfmgen, die die Eisenbahner Oesterreichs berühren, ist auch die Bremserfrage ein trostloses Kapitel. Auch in der Bremserfrage ist Oesterreich isoliert: kein Staat hat derart au8gebeu te.te, 1. Oktober 1912 Nr. 25 ausgehungerte, vollständig entkräftete Arbeiter zu einem so wichtigen, qualifizierten Dienst! Großer Anstrengung hat es unserseits bedurft, daß die Bremser ab 1. Jänner 1912 wenigstens jenen Grundlohn beziehen, wie ihn die Station?- und Magazinsarbeiter haben*). Die Ansicht der Staatsbahnverwaltung hinsichtlich des Lohnes war, daß „mit Rücksicht auf die inzwischen namhafte (!) Erhöhung der Fahrgebühren durch das Niedrigerstellen der Löhne, da» in Betracht kommende Personal gegenwärtig keinerlei materielle Einbuße erleidet, da der Minderbezug an Lohn durch die erhöhten Fahrgebühren reichlich ausgewogen wird!" Die Bremser waren also vor dem 1. Jänner 1912 nicht einmal vollwertige Arbeiter, denn sie kamen in der Entlohnung kaum über die „jugendlichen Arbeiter" hinaus. Dabei waren sie oft auch alte Leute, Väter mit vier bis fünf Kindern. Was aber die Ansprüche an&etangt, die die Staatsbahnverwaltung an die Bremser stellt, so haben wir zusammenfassend bereits in einem Artikel, „B r e m s e r w i r t s ch a s t" (siehe „Eisenbahner" Nr. 32 vom Jahre 1910), fünf Punkte gefunden, die wie folgt lauten: Die Bremser verrichten den Dienst: 1. während der Fahrt, der ihre Streckenkenntnisse in Bezug der Niveauberhältnisse erweist; 2. durch Verschieberdienste, die die Kenntnisse aller im Bereich ihrer Linien fallenden Stationen nachweifen; 8. durch Aus- und Zulademanipulationen, wenn bei dem Zuge kein Manipulant fungiert, ein Dienst, der die Kenntnisse der diversen Instruktionen erweist; 4. durch die Dienste de§ Stockmannes, dem die entsprechenden VerkehrSinstrnktionen wichtige Verantwortlichkeiten auferlegt; 5. daß bei außergewöhnlich großem Verkehr auch die Bremser zu Rcvisioitsdiensten bei Personenzügen (Wallfahrtszüge :c.) beigezogen werden. Auch das soll nicht unerwähnt bleiben, daß wir in unzähligen Fällen Bremser zu Manipu-laiionS- und Zugsführerdien st en verwendet sahen! Gelegentlich anerkennt sogar die Staatsbahnverwaltung, datz zum Fahrdienst nicht jeder Mann brauchbar ist und meint, daß von „der Öffentlichkeit mit Recht ziemlich hohe Anforderungen an das Fahrpersonal gestellt werden, so daß ein diesbezügliches Ucberprüfen der Kandidaten vor der Intimie-rung unumgänglich notwendig ist". Behandlung und Bezahlung der Bremser lassen aber „diesbezüglich" viel zu wünschen übrig! Die Bremsung der Züge ist zu wichtig, aI6 daß darüber leichtfertig hinweggegangen werden könnte. Es soll darum das Fahrpersonal tüchtig geschult und dann auch ordentlich überzeugt werden, ob das Vertrauen, da® in dieses Personal gesetzt wird, auch gerechtfertigt ist. Bei den Bremsern ist ein zu großer Wechsel, als datz das durchwegs der Fall fein könnte. Die Bremser gehören eigentlich nicht zum Fahr-, sondern zum Stationspersonal, weshalb die Station und die Kommandierung in unverständlicher Rücksichtslosigkeit gegenüber den Bremsern vergeht, die Bremser unerhört lange Dienstzeiten verrichten und ihnen nur sehr kurze Ruhezeiten zukommen läßt, sic auch für andere Dienstzweige momentan in Anspruch nimmt, so dah die ganze Aufmerksamkeit der Bremser für den Fahr-; dienst verloren geht. Es werden auch Partien zusammengestellt mit erst aufgenomtnenen Leuten, die vom Fahrdienst überhaupt keine Kenntnis haben, zur üBeranstrengendsten Plage des Zugs-führers, der die ganze Verantwortung trägt. Das fällt fehr gewichtig in die Wagschale. ABer noch mehr: Die Bremser fassen keine Instruktionen aus und dürfen auch keine Prüfung machen. Die SüdBahngefellfchaft behauptet sogar, daß die Bremser keine Fahrordnung benötigen, so daß dem Bremser jede Orientierung im ZugSverkehr mangelt; ein Umstand, der eigentlich strafbar feitt sollte, denn zur Vermeidung von Unglücksfällen muh gefordert werden, datz gerade das Zugbeglei-tungsperfonat vom Verkehr, wie er steht, auf das genaueste orientiert feitt soll. ES wimmelt also von Leichtfertigkeiten der Bahnverwaltungen gegenüber diesem wichtigen Personal; leider scheint auch das definitive Personal über diese schauerlichen Zustände sorglos hinwegzuschreiten. Der Stand der ZugSbegleiter, ihre Normierung ist bei den k. k. Staatsbahnen in den diversen Domizilen in eine heillose Anarchie ausgeartet. Aus der St. E. G. ist beispielsweise die Normierung auch nach der Verstaatlichung nicht vollzogen worden und fehlen dort über 406 Mann auf den Stand. Diese 400 Mann sind natürlich da, aber sie sind Bremser, haben keine Prüfung, daher auch keine Verantwortung. ES ist einfach unbegreiflich daß eine k. k. Staatsbahnverwaltung so sorglos, so leichtfertig handeln kann, sich von Taglohnarbeitern solche Dienste leisten zu lassen, nicht sicher, ob nicht jede Minute eine Katastrophe eintritt, ohne daß die Urheber zur Rechenschaft gezogen werden können. Aber kein einziger Staat rund um Oesterreich wird sich derartiges zu leisten wagen, denn die Öffentlichkeit will überall die Gewißheit haben, daß der Verkehr von einem tüchtigen, geschulten und geprüften, von einem auskömmlich angestetften Personal durchgesührt werde, nicht aBer von einem auSgebetiteten, hungernden, der Verantwortlichkeit nicht fähigen, vollständig attSgefchunbenen Personal. Oesterreich isoliert sich da, wie dort. Unserem Oesterreich fehlt das Gewissen! F- S. Das Strassystem Bei der f. k. Staatsbahitbirektion Wien. Nachstehende Zeilen sollen den Beweis ctBringett, daß das Personal Bei dieser Direktion heute noch vielfach unschuldig Bestraft wird, und auch ein Rekurs, worin die Schuldlosigkeit Punkt für Punkt nachgewiesen wird, wirkungslos ist. Zum Beispiel: Eine Güterzugspartie führte in der Nacht vom 5. zum 6. März den Güterzug Nr. 198 von St. Pölten nach Wiett-WestBahnhof. Dieser Zug erhielt aus Belastungsgründen von NeulengBach bis Rekawinkel eine Schiebelokomotive. Der Führer dieser Schiebelokomotive Bemerkte während der Fahrt, daß aus dem neben&efindlichen Geleise mehrere Bretter liegen und ruft dem nächsten Wächterposten diese Wahrnehmung zu. Dieser Lokomotivführer unterließ ei aber, in Rekawinkel, wo der Zug 16 Minuten Aufenthalt hatte, weder die ZugSpartie noch dem Berkehrsbeamten von feiner Wahrnehmung zu verständigen und machte erst nach seiner Rückkunft in fein Domizil (Heizhaus Wien-Westbahn-Hof) eine diesbezügliche schriftliche Meldung. Diese Meldung bildete nun die Grundlage zu amtlichen Erhebungen und Einvernahmen, mittels welchen die eventuell an diesem Vorfall ©chulbtragenben eruiert und der Bestrafung zugeführt werden sollten. *) In allen Domizilen ist dies leider noch nicht durch-geführt und variieren die Löhne der Bremser mit jenen der Station«» und Maaazinarbeitcr um 20 bis zu 60 Heller, y 1 Um m Tic Erhebungen und Einvernahmen über diesen Vorfall verliefen jedoch negativ, das heißt, es konnte nicht eruiert werden, welcher Zug die genannten Bretter verloren hatte, und ging dieser Akt in diesem Stadium vom Bahnamte Wien-Westbahnhof an die StaatSbahndirektion Wien. Rach langer Zeit, welche die Juristen bei der Direktion wahrscheinlich zum Studium dieses unaufgeklärten Falles brauchten, kam der Akt von der Direktion wieder an das Bahnamt Wien-Wcstbahnhof zurück mit dem Bemerken, daß aus Grund der in dieser kritischen Nacht gewesenen Verkehrssituation nur Zug 108 diese Bretter verloren haben kann, und die Partie dieses ZugeS wegen mangelhafter Untersuchung der Wagenladungen empfindlich zu strafen sei. Das Bahnamt Wien-Westbalmhos .strafte daher gehorsamst und bereitwilligst die ganze Partie, einschließlich des Zugsführers, mit je einer Krone Gehaltabzug. Die in dieser Angelegenheit von den betreffenden Zugsbegleitern eingcreichten Rekurse wurden von der Direktion ohne Begründung angewiesen. An der Ranzen Sache ist das ungeheuerliche der Umstand, daß die Strafen diktiert wurden, ohne daß man einen oder den anderen ZugSbegleiter dieser Partie, eine Schuld beweisen konnte, weil der Zug in seiner Endstation Wien ahne Anstand übergeben und auch bei Entladung der Wagen kein Fehlen von Brettern konstatiert wurde. Hat man jemals schon gehört, daß auf Grund eines bloßen Verdachtes hin jemand verurteilt wurde? Und wenn jemand wegen eines noch so schweren Deliktes angcklagt war, solange er des betreffenden Vergehens nicht überwiesen werden konnte, wurde er immer wegen Mangel an Beweisen frcigcsprochen. Darum kümmern sich jedoch die Juristen der Staatsbahndirektion Wien gar nicht und sie folgern: Der Verdacht des geschilderten Ereignisses weist auf eine bestimmte Partie, die Erhebungen haben den Verdacht weder bestätigt noch bestärkt, und dennoch ist diese Partie zu strafen. Das ist juristische Logik. Wäre der Beweis erbracht, daß die damals, aufgefundenen Bretter tatsächlich vom Zuge 198 stammen, so ist deshalb noch immer nicht die ganze Partie strafbar, sondern es müßte aus dieser Partie erst der Schuldige ausfindig gemacht werden, denn wie kommen vier Unschuldige dazu, daß sie gestraft werden, weil der tatsächlich Schuldige nicht eruierbar ist? Dieser Vorgang ist mit den Geistesblitzen irgend eines Kommisknopfes, zu vergleichen. Zum Beispiel: in einem Kompaguie-rcchon würde der Gang verunreinigt, die betreffende Ab tcilung kommt deswegen zum Rapport, damit der Täter er mittelt werde; da aber der abgehaltene Rapport den ge wünschten Erfolg nicht brachte, so bekommt die ganze Kompagnie eine Woche Kasernarrest. . Entspricht so ein Vorgehen dem heutigen Zeitgeist? Ist- es- nicht beschämend für eine Behörde, eine solche Rückständigkeit in verhältnismäßig leichtfaßlichen Sachen aufzu--weifen? Kann sich der Direktor der Staatsbahndirektion Wien mit diesem und ähnlichen Vorgehen einverstanden erklären? Gewiß nicht, denn als moderner und gerechter Mann wird er trachten, den durch seine untergebenen Beamten in dieser cadic angerichtete» Schaden wieder gntznmachen, beziehungsweise durch Belehrungen der betreffenden Beamten dahin zu wirken, daß sich derartige bedauerliche Vorfälle nicht wiederholen können. Tie cingclcisigc Toiianläudebahn. Die im Direktions-Bezirke Wien befindliche (strecke Penzing-Rangierbabnhof bis Wien-Kaibahnhof, welche Donauländebcrbn genannt wird und 26 Kilometer lang ist, hat nur drei Kilometer, und zwar zwischen >st. Beit und Maxing ein zweites Geleise. Da sich auf dieser Strecke feit der Verstaatlichung der K. F. N. 58., dann der St. E. G. und Oe. N. W. B. der Güterverkehr mehr als verdoppelt hat, wäre die Schaffung eines zweiten Geleises schon längst' notwendig gewesen. Wenn in Betracht gczoaon- wird, daß bei regelmäßigem Verkehr innerhalb m Stunden 18 Personenzüge und 21 Güterzüge verkehren, in . ist. es wohl ke,n Wunder, wenn bei Güterzügen Ver-ipatungert bis zu zwei und drei 'Stunden eintreten, weil ein Pu8 vom anderen aufgehalten wird. Die Jndustriegeleisc. oer.cn Zahl nicht weniger als acht beträgt, tragen ebenfalls gewaltig zue Hemmung des Verkehres bei, weil das Ab-holen und Zustellen der Wagen in den meisten Fällen nur auf komplizierte Art möglich ist. Insbesondere trifft dies in der Station Jnzersdorf mit ihren Jndustriegeleisen zu, wo die Verschiebungen oft 1 Stunde 30 Minuten, sogar bis zwei stunden und darüber in Anspruch nehmen. Diese großen Verspätungen in Jnzersdorf sind aber nicht allein auf die Bedienung der Jndustriegeleise zurückzuführen, sondern haben ihren Grund hauptsächlich in der Miniaturanlaae dieser Station selbst. . r ■ ^.a8TcJpc Verhältnis bezüglich des Platzmangels be-1 ■ r J etalion Maring. Wgeschen davon, daß die Anzahl xier Geleise entsprechend dem Verkehre Überhaupt unzureichend nt, ,iud die dort befindlichen drei Nebengeleife alle zu turz, )o daß Züge mit normaler Länge bei "Vorfahren müssen 3U,!ßCn ,mmCr öuf jtoci Geleise gestellt werden .,C:S wäre daher ein Gebot der Notwendigkeit, diese Strecke durchgchcnds zweigeleisig auszubauen und gleichzeitig die Stationsanlageii dem heutigen Verkelir entsprechend zu vergrößern. Oder will man wieder so lange warten, bis es Katastrophe kommt? Denn daß eine Sicherheit bei diesem -.cayenvcrkchr aus einer eingeleisigen Strecke, welche, noch dazu nicht einmal blockiert ist, fo gut wie nicht vorhanden ist, weiß das Lokomotjv- und Zugbegleitungspersonal sehr gut. Sollten sich diesem notwendigen Bauprojekt jedoch finanzielle Schwierigkeiten gegenüberstellen, ,f0 schlagen wir vor, einen Blumentag zugunsten des zweiten Geleises auf der Tonau-landebahn einzulcite». Auf dieser cingeleisigen, unblockierten Strecke ver-5 -£,c ungenügend bemannten, nach altem Shstem ' S Personenzüge, welche das ihrige zur Erhöhung d>.r Unsicherheit aus dieser Strecke beitragen. Diese Hüne bestehen aus sechs bis sieben Wagen, das Zugbegleitungs-perional besteht nur aus dem Zugsführer allein, welcher mit ®rtÄc,n P°f*icrt iit. Als Berständigungsmittcl mit dem ^akonwiivsuhrer dient ihm die sattsam bekannte Zugsle.ine. ^-ic Beleuchtung in den Stationen und Haltestellen reicht meistens nur für einen Wagen, jedoch nie für die ganze ZugS-lange aus u. s. w. Sind das nicht Sachen, welche nach Ab-b'lfe geradezu schreien, ist es möglich, daß sich diesen krassen .Rückständen gegenüber die maßgebenden Faktoren die Ohren verschließen können? Werben die Herren, welche das Allein* fahren des Zugführers seinerzeit angeordnet haben, bei irgend einem Unfall die Verantwortung übernehmen? Hoffentlich wird das Gericht im Falle einer Katastrophe den .schuldigen nicht unter den niederen Bediensteten suchen, weil diese Zeilen nnzwcifelhaft darauf Hinweisen, daß nur die Verwaltung allein für solche gefährliche Proben verantwortlich lern kann. D>c Wal,len in den Arbeitcrausschus! der k. !. Stants-bahndireltionsliezirkes Triest. In der Zeit vom 7. bis 1. September 1912 fanden im Staatsbahndirektionsbezirk Triest Die Wahlen in den Arbeitsausschuß statt, die bis auf ein Mandat den vollständigen Sieg der Kandidatenliste unserer Organisation ergaben. ES wurden, gewählt: 'Sektion 1. B a u „ d B a h n - r h a b tu.ng: Georg Urschitz, Schmied, Triest-Freihafen, Bcipr »n!, Zimmermann. Aßling, Johann P o-«aenir, Tischler, Laibach I und Jakob Zabukovee, Ober- , bauarbeiter, Laibach II, mit 577 Stimmen als Ausschuß-j Mitglieder. Johann Poha r, Oberbauarbeitcr, Aßling, | Alois P c i 11 e r, Oberbauarbeiter, Triest-Freihafeu, Franz j Levsc k, Oberbauarbeiter, Laibach II und Heinrich Peter-| n e l, Oberbauarbeiter, Triest-Freihafen, mit 577 Stimmen als E r s n tz in ä n n c r. Sektion II. Werkstätten und Heizhaus: Franz B a l j a v e c, Kohlenarbeitcr, Laibach, Heinrich Bra-t i n a, Kohlenarbeitcr, Görz, Josef K r a m m e r, Kohlen- orbeiter, Görz, und Anton 6111 i c, Schmied, Triest, mit 211 Stimmen als Ausschuß mitglicdc r. Johann N a g o d e, Arbeiter, Podnart, Matthias Zeichen, Kohlenarbeitcr, Laibach, Karl B o z i c, Putzerheizer, Görz, und Rudolf Schwarz, Schlosser, Triest, mit 211 Stimmen als Ersatzmänner. Sektion III. Verkehr (Stationsdien st): Josef M l a k e r, Stationsarbciter, Aßling, Ignaz G a t h o l, Magazinsarbeiter, Triest-Freihafen, und Josef Sanli, Mega« zinsarbeiter, Triest, mit 318 Stimmen als Ausschuß m i t-gIieder. Bernhard P e r i n i c, Magazinsarbeiter, Triest-Freihafen, Alois Lev sek, Stationsarbeiter, Aßling, Josef Gaspcric, Stationsarbeiter. Gutenfeld, und Alois S m o-I a k. Bremser, Triest, mit 318 Stimmen als Ersa tz m änne r. Für das vierte Ausschußmitgliedermandat war ursprünglich der Magazinsarbeiter Genosse Kette als Kandidat ausgestellt. Knapp vor der Wahl, und nachdem die Klebezettel schon verteilt waren, wurde bekannt, daß Kette angestellt wurde. An dessen Stelle mußte nun ein anderer Kandidat, Magazinsarbeiter Prunk, ausgestellt werden. Obwohl die Ortsgrupven sofort hievon verständigt wurden, kam es doch- zu einer Zersplitterung unserer Stimmen, die für die ursprünglichen und den zweiten Kandidaten abgegeben wurden. Da die Slowenisch-nationalen in dieser Gruppe 171 Stimmen und die beiden Kandidaten 157 und 161 Stimmen erhielten, ist uns das eine Mandat verlorengegangen. Zum Juliavancement auf der Siidbahn. Damit sich die Südbahnverwaltung nicht über unsere Unhöflichkcit beklagen kann, müssen wir 84- bis 85er Lokomotivführer dieser unseren Dank für die väterliche Fürsorge aussprechen, die sic uns beim heuriaen Juliavancement zukommen ließ. Wir glauben, daß sie cs nicht unterlassen wird, uns auch bei dem Neujahravance--incnt, wie bei jeder Regulierung hernnterzuregulieren. Wir haben von 10S0 Kr. auf 1440 Kr. sechs Jahre gewartet. Als wir au der Reihe waren,1920 Kr. zu bekommen, erhielten wir 1500 Kr., für 2160 nur 2000 Kr., für 2400 Kr. nur 2200 Kr. und statt 2600 Kr. im Juli bekamen wir überhaupt keine Aufbesserung. Jedem Jahrgang hat man ein Jahr eingerechnet, nur bei den S4cnt und Söern war dies nicht notwendig. Etwas anderes ist cs jetzt mit dem Pensionsfonds. Die ArbeiternusschusNvahlen in der Bukowina. Laut dem am 25. August 1912 ausgegcbenen Amtsblatt Nr. 86 der k. k. Betriebsleitung Czernowitz wurden die Neuwahlen in den Arbeiterausschuß für den 10. September 1912 festgesetzt, und zwar mit der Bemerkung, daß die nach dem 10. September 1912 abgegebenen Stimmzettel ausnahmslos zurückzuwciscn sind. Dic Stationsarbciter in der Station R a d a u tz, und zwar Josef Hanns, Peter Daszek, Georg Rozinka, Adolf Ge-wolb, Jwonika Ungurcan, Johann Korczhnski. Nikolai D u m i t r c s k u 1, Theodor Lungucz und G u t t-m a n n haben keine Stimmzettel erhalten. Hat der Stations-Vorstand Herr Schmucker nicht genügend Zeit gehabt, um dic Stimmzettel anzusuchen, damit auch die Stationsarbciter ihr Recht, ausüben können? Auch die Oberbauarbeiter iii Radautz, wie Adolf Peter, Gregori Kalczuk, Demion Lebid, Du-mitru Postulaki, Franz Kunst. Jakob Lichownik, Johann Wilczynski. Peter Panczuk. Amoros Russu, Wascl Telaga, Johann Sopow, Gabriel Olenicz, Rudolf Pokuj und Ferdinand Urpibrister babeki Stimmzettel für die Wahl in den Arbeitemus schuß nicht bekommen. Der Umstand, daß das Hochwaffer in Straza Schaden angerichtet hat, ist kein genügender Grund, den Arbeitern das Wahlrecht sür den Arbeiterausschuß zu nehmen. Weitere Kultur-bildcr bringen wir von K a r a p c z i u a. <£.; dort ist ein junger Bahnmeister namens S t ro n cz e ws k i, welcher auch bei der Bahn militärisches Kommando einführen möchte. Die Oberbauarbeiter Grigori Burla und Dumitru Opajetz, welche drei Jahre bei der Bahn arbeiten, haben van Strouczemski.Stimmzettel verlangt, worauf der Bahnmeister antwortete/ daß er nicht Stimmzettel ausgeben werde. Dieser Bahnmeister, «tronczewsti treibt mit den Arbeitern was er will. Wir werden in der nächsten Zeit die sauberen, christlichsozialen Stronczewski-Geschichten ans Tageslicht bringen. In C z u d v n fungiert als Babnmcistcrsubstitut der Reservebahnmeister Wasel SemczhSzyn. Dieser Kommisknopf ist Var nicht langer Zeit mit Disziplinarstrafe und Versetzung von Bcrbometh nach ,;tzkann als Reservebahnmeister bestraft worden, weil Sem-czvszyn viel am Kerbholz hatte. Dabei plagte und sekkierte er Arbeiter ungemein. Jetzt in Czudyn will sich dieser saubere L- e m c z y s z h n an den Arbeitern rächen. S o m c z h s z y n hat die Gaunerei begangen, dem christlichsozialen Antreiber und Denunzianten Jlije Nistor alle Stimmzettel der Arbeiter zu übergeben, so daß dann N i st o r auf eigene Hand mit den Stimmzetteln wirtschaftete. Die Folge davon war, daß die Arbeiter Wafe! Michalecki, Arteini Man ach, Jwon M a k-femjuk, Mariczuk und Tokarski keine Stimmzettel erhalten haben. Dies genügt, um zu zeigen, wie man die Sta-tions- und Oberbauarbeiter in der Bukowina behandelt. Das sollten auch doch einmal die Arbeiter versteherl lernen und ein-sehen, daß nur mit Hilfe einer starken und zielbewussten Organisation solche Zustände abgeschafft werden können. Der Uni-irmffotibnf bei der k. k. Staatr>l>ahndirektioii «icn daucrt fvt» iü(r Bemühungen des geschädigten Per-m”??' auJ »er dienstlichew Beschwerde zu seinem .liechte zu kommen, Wir .e-, trotz aller Versprechungen, die man lCttCTiv des -1ocvr:* .. u»; '.'rurtrntes gemacht l)at, bis heute ergebnrslos. Und '.reroen wohl ergebnislos bleiben, bis sich endlich die t\ f. Siaa^Sbahnverwaltung entschließen wird, die Arbeiten dieser leistungsunsähigen Firma zu entziehen. ™uf die zahllosen als begründet erwiesenen Beschwerden und die stetige Kritik Hin, an der es ja im „Eisenbahner" nicht gefehlt hat, ließ man sich endlich herbei, eine Remedur zu versuchen. Der Versuch siel, wie es nicht anders zu erwarten war, nicht nur kläglich aus, sondern warf noch ein grelles Licht auf die Gewissenlosigkeit der Firma. Dic Bediensteten, 2!c,. jeden Heller schmerzlich entbehren, bähen ihr Geld für die Ausstellung neuer Maßzettel ausgegeben, sie bleiben aber trotzdem weiter ohne Uniformen. Das 1. k. Staats-bahnökonoinat, die Herren Hirt und Ludl und gewiß auch Herr Oberinspektor Dr. Rege n st c i f, die um daS Wohl der Firma Krest an auffallend besorgt sind, finden dies alles wohl in Ordnung, und die Firma mit ihrer Tarnopoler Geschäftsmoral wird sich weiter des stärksten Schutzes der k. k. Staatsbahnverwaltung erfreuen und trotz ihrer sauberen Geschäftspraktiken das Vertrauen der Direktion genießen. Da aber die gequälten Bediensteten sich unmöglich mit dem bloßen Vertrauen, daS die Direktion der Firma unentwegt cntgcgcnzubringen scheint, bekleiden können, anderseits aber noch immer nicht die Kunstfertigkeit von «Schlangenmenschen besitzen, um sich in der unmöglichen Uniform der Firma Krcstan bewegen zu können, bleiben sie ohne Uniformen, und dank der Geduld der Bahnvcrwallung ohne Recht. Zu lange können sich aber selbst die Geduldigsten unter dem Personal diesen Skandal, der ihnen einfach ihr Recht auf den Uniformbezug und ihr Ansehen im exekutiven Dienst raubt, nicht mehr gefallen lassen. Will man den Bediensteten mit aller Gewalt, in dieser Frage zum Schaden, auch noch Hohn und Spott zufügen? Jeder Mensch muß zugeben, daß' dic Bediensteten ohnehin Geduld genug bewiesen haben; oder ist es nicht Geduld, wenn man im April das Recht hat, eine Uniform zu verlangen, diese aber im September noch nicht hat und vielleicht sich noch von einigen merkwürdigen Herren soll frozzeln lassen oder gar kommandieren? Wie wird aber erst die Herbstlieferung auSschauen bei einer Firma, die trotz aller Protektion der Staatsbahnverwaltung noch nicht imstande war, die Frühjahrsliefernng abzufertigen, denn abgesehen von dein skandalösen Zustand der gelieferten Uniformen, warten heute noch zirka 300, zumeist im Jänner 1912 neu angestellter Bediensteten auf die ihnen vom Anstellungstage gebührende Uniform. Wie wird die Herbstlieferung aussehen, wenn diese Firma im Sommer fast gar keine qualifizierten Schneider besitzt und ihre Heim-schncidcr aus den Feldern Erntcarbeiten verrichten? Wir galuben, daß sich der Skandal der Frühjahrslieferung bei der. Herbstlieferung dieser famosen Triescher Firma noch verviel-Herbstlieserung dieser famosen Triester Firma noch vervielfachen wird. Die Herbstlieferung war ja schon am 1. September fällig, und heute ist von den Herbstunisormen noch keine Spur. Wird man auch da wieder, um der Firma die Zahlung de» festgesetzten Pönales zu ersparen, einen Schuldigen unter den Bediensteten suchen und finden? Glaubt man bei der k. k. Staatsbahndirektion im Ernste, daß das Personal den harten Dienst im Winter, wo auch die Zweckmäßigkeit der Kleidung mit zur Betriebssicherheit beitragen muß, ohne oder mit mangelhaften Wintersorten wird tadellos versehen können? Soll das Personal wieder mit Gesundheit und Leben dafür die Zeche bezahlen, daß eine leistungsunfähig!! Firma von geheimen Gewalten um jeden Preis, trotz allen Skandals, ge* halten wird? Ein trauriges Zeichen für unsere Bureaukraten ist es, daß sie einen einmal begangenen Fehler, und wenn er ihnen noch so klar als solcher bewiesen wurde, nicht wieder gut machen wollen. War cs aber hier nicht angezeigter, etwas mehr Autorität gegenüber dieser sonderbaren Firma aufzu-Iiringcn? Aber natürlich, unsere Autoritätspersonen bekommen weder den Schaden noch den Spott zu spüren, die Versuchsobjekte sind doch nur die Bediensteten. Es ist wirklich Zeit, dieser Skandalgeschichte endlich ein Ende zu machen, bevor gefährlichere Weiterungen eintreten. Wir wollen daher von dieser Stelle aus nochmals an die Einsicht der Herren Ministerialrat K o l i S k o und Hofrat Schmitz appellieren. Es ist für das gesamte Personal unbegreiflich, daß man eine Firma, die ihren Vertrag in keiner Weise enthielt, wo also schon die Nichteinhaltung dc| Vertrages allein Grund genug bildet, denselben,zu lösen, mit solcher Gewalt zu halten bestrebt ist. Sollte man nicht mit Gewalt zu dem Glauben gezwungen werden, daß da etwas faul ist, dann muß rasche und energische Remedur geschaffen werden. Die erhoffen die Bediensteten nur mehr durch Lösung des Vertrages und Uebertragung der Arbeiten an eine leistungsfähige Wiener Firma. „ ■''y.,'»* Aus den Amtsblättern. Amtsblatt der k. f. StaatSbahndirektion Jnssbruck. Z. 1677/1. Dicnstbefchle. Vorsprache von Be-dien st et en bei Seiner Exzellenz dem Herrn Eisenbahnminister, beziehungsweise im k. k. Eisenbahnministerium. An alle Dienststellen. In Ausführung der Bestimmungen des § 21 der Dienstordnung wurden seitens des k. k. Eisenbahnministeriums schon zu wiederholten Malen Direktiven über die. Art und Weise, in welcher dienstliche Bitten und Beschwerden von den Bediensteten vorgebracht werden können, hinausgegeben und wurde bievei stets auf die Notwendigkeit der Einhaltung des borge, schriebenen Dienstweges verwiesen. Was derlei Vorbringungen durch Abordnungen im Eisenbahnministerium aiilangt, so wurde der e.inzuschlagende Vorgang durch den Erlaß des k. k. Eisenbahnministeriums vom 18. Februar 1909, Z. 9221/1 (bierämtliches Amtsblatt II. Stück es 1910, Dienstbefehl 3) näher gekennzeichnet. Des weiteren wurde im Erlaß des k. k. Eisenbahn» Ministeriums vom 1. Februar 1911, Z. 4861, Amtsblatt des k. k. EisenbahnminisreriumS ex 1911, IX. Stück, Nr. 17, neuerlich und ausdrücklich hervargehoben, daß unmittelbar vorgebrachte Anliegen nur dann einer Erledigung zugesührt werden, wenn von dem G e s u ch st e I f c r der Dienstweg eingehalten wurde. Dessenungeachtet erscheinen sowohl Abordnungen^ als Eisenbahnminister, sei ... des Eisenbahnministeriums, um ihre Anliegen vorzubringen. . Des weiteren hat cs sich gezeigt, daß die einzelnen Abordnungen zumeist aus einer unverhältnismäßig großen T e i 1 n e h m e r z a h l bestehen, um Angelegenheiten vorzubringen, die nicht minder wirksam von nur zwei oder drei Vertretern dargelegt werden könnten. Auch ist es wiederholt vorgekommen, daß ein und dieselbe Angelegenheit durch mehrere in kurzfristiger Aufeinanderfolge erscheinende Abordnungen vorgetragen wurde. Derart ergibt es sich, daß sich einerseits eine nicht unbeträchtliche Anzabl von Bediensteten jeweilig in ganz unnötiger Weise dem Dienst entzieht und anderseits eine Kontrolle darüber,, ob die Betreffenden zur Vertretung der vorzubringenden Angelegenheit wirklich befugt erscheinen und die erforderliche Absenz-, beziehungsweise Urlaubsbewilligung erlangt habe», wesentlich erschwert, wenn nicht ganz unmöglich wird. Das k. k. Eisenbahnministerium hat sich daher zufolge Erlasses vom 2. September d. I., Z. 1130/E. M.. veranlaßt ge» sehen, nachstehende Anordnungen zu treffen, welche, sich ebenso auf die Vorfprachen bei seiner Exzellenz dem Herrn Eisenbahn-minister in Wien wie auf die Vorsprachen bei den einzelnen Dienststellen des Eisenbahnministeriums beziehen: 1. Jeder Bedienstete, welcher zwecks Vorbringung von dienstlichen Bitten oder Beschwerden im Eisenbahnministerium vorzusprechen beabsichtigt, hat dies seinem Dienst-Vorstand unter Angabe des Grundes der Vorsprache und unter der weiteren Angabe, ob die Vor spräche bei seiner Exzellenz dem Herrn Eisenbahn mini st er selb st oder bei einer der D i c'n ft st eilen des t. k. E i s e n b a h n m i n i st e r i u m » angestrebt wird, zu melden. Der Dienstvorstand hat diese Meldung ungesäumt mit einer kurzen Einbegleitung an die Direktion weiterzuleiten. welche ihrerseits nach Erwägung aller obwaltenden Umstände, selbständig zu entscheiden hat, ob die Vorsprache gestattet wird. Die StaatSbahndirektion hat hievon den Dienstvorstand zu verständigen, welcher im ZustimmungSfall dem betreffenden Bediensteten eine Legitimation au»zustellen Hai. Aus dieser mit der amtlichen Stampiglie und der Unter- Zeit, für welche _______ Bediensteten die Absenticrungs-, beziehungsweise Urlaubs» Bewilligung erteilt wurde, zu ersehen fein. Ein Musterformular der Legitimation folgt am. Schluß. r: Bei der Vorsprache im Eisenbahnministerium hat der betreffend« Bedienstete die vorbezeichnete Legitimation vorzu» wesen. Bedienstete, welche eine solche Legitimation nicht vorweisen können, werden zur Borsprache im Eisenbahnministerium nicht zugelaffen. 2. Beabsichtigt eine Abordnung von Bediensteten im Eisenbahnministerium borzusprechen, so haben die betreffenden Bediensteten unter sich einen Führerzu bestimmen. Derselbe hat bei der nach Punkt 1 vorzunehmenden und zu behandelnden Anmeldung Namen und Diensteigenschaft sowie die dienstliche Zuständigkeit der übrigen Mitglieder der Abordnung anzugeben. > Di« für den Führer der Abordnung zuständige Staatsbahndirektion hat nach Matzgabe der Bestimmungen des Erlasses des k. k. Eisenbahnministeriums vom 18. Februar 1800, Z. 9221 sh. ä. Amtsblatt, II. Stück ex 1910, Dienstbefchl 3), an das Eisenbahnministerium zu Berichten und nach Herablangen des Bescheides des Eisenbahnministeriums die Mitglieder der Abordnung, und zwar soweit sie anderen Direktionsbezirken angehören, im Wege der betreffenden Direktion zu verständigen, damit sie im Zulassungsfall mit der erforderlichen Legitimation versehen werden. Abordnungen werden nur in der Hoch st zahl von drei Mitgliedern empfangen. 8. Bei Einzelvorsprachcn, welche lediglich zum Zwecke persönlicher Vorstellungen erfolgen, kann von der vorherigen Anmeldung bei der Direktion abgegangen werden und genügt in diesen Fällen die Vorweisung der nach Punkt 1 vom Dicnstvorstand auszustellenden Legitimation. Vorstehende Anordnungen sind sämtlichen Bediensteten (auch den Hilfsbedicnsteten) mit dem Bemerken nachweisbar zur Kenntnis zu bringen, datz die A u tz e r a ch t l a s s u n g dieser Vorschriften st r enge bestraft werden mühte. Die Herren Dienstvorstände werden für die strikte Einhaltung vorstehender Verfügungen persönlich verantwortlich gemacht. Innsbruck, am 4. September 1912. v. Für den k. k. Staatsbahndirektor: , Dr. Bergmeister. K. k. Nordbahndirektion. Erlab an sämtliche Sie» st st eilen. Inhalt: Neuausfertigung der Legitimationen für Frauen und Kinder von Eisenbahnbedien st eten. Mit dem Erlab vom 17. Juli 1912, Zahl 57.507 ex 1912, wurde bereits verlautbart, datz alle ü b e r e i n k o-m men gern ätzen Legitimationen für Frauen und Kinder von Eisenbahnbediensteten (im roten Ledertäschchen) ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt ihrer Ausfertigung mit 1. I ä n n e r 19 13 ihre Gültigkeit verlieren. Da die grauen Legitimationen, welche von der Stempclgebühr befreit sind und nur einer Ausfertigungsgebühr von 60 H. unterliegen, auf sämtlichen Linien der k. k. österreichischen Staatsbahnen und den von diesen betriebenen Lokalbahnen Gültigkeit haben, empfiehlt cs sich, für die Familienangehörigen nicht die übereinkommengemätze, sondern die graue Legitimation anzusprechen, wenn nicht häufige Reisen auf den wenigen, noch nicht verstaatlichten österreichischen Privatrahnen oder auf den ungarische »Bahnen be» rbsichtigt sind, zumal den Bediensteten das Recht zu-teht, für ihre Familienangehörigen, die nicht im Besitz der ibereinkommengemühen Legitimationen sind, fallweise die Ausfertigung von Einzelanweisungen anzuspcechen. Um die zeitgerechte Ausfertigung der Legitimationen für die Familienangehörigen der Bediensteten zu ermöglichen, haben die Herren Dienstborstände dafür Sorge zu tragen, datz die Bediensteten, welche für ihre Familienangehörigen an Stelle der bisherigen ü b e r e i n k o m m e n g e m ä h e n nunmehr die graue Legitimation ansprechen, um dieselbe bereits im gegenwärtigen Zeitpunkt «»suchen, und desgleichen jede Bediensteten, die für ihre Familienangehörigen per 1913 )ie neue übereinkomm engemähe Legitimation verlangen, mit Rücksicht auf die große Geschäftsanhäufung zum Jahreswechsel nicht erst mit Jahresschlutz, sondern bereits im Novb'mber 1912 um dieselbe ansuchen. Damit die Höhe der Auflage der mit 1. Jänner zur Einführung gelangenden neuen Übereinkommen« zcmästen Legitimationen für Frauen und Kinder von Eisenbahnbediensteten bestimmt werden könne, werden die Herren Dienstvorstände weiters angewiesen, die Bediensteten ihrer Dienststelle sofort zu befragen, ob und wieviel solcher Legitimationen jeder einzelne für seine Familienmitglieder .inzusprechen gedenkt. Die Gesamtzahl dieser Übereinkommengemähen Legitim Nationen ist dem Bureau für Fahrbcgünstigungen (II/S) ehe tens, längstens jedoch bis 3 0. Septem ebr 1912, bekannt« zugeben. Ebenso ist bezüglich der Legitimationen für Frauen und Kinder von Arbeitern mit mindest e n s zehnjähriger D i c n st z e i t (in roten Leder täschchen mit Flugrad) vorzugehen und deren Anzahl getrennt von der der oben bczcichneten Legitimationen bekanntzugeben. Der k. k. Direktor: B a n h a n 3, Amtsblatt der k. k. Nordwestbahndirekton. (Ranglisten der B a h n o f f i z i a n t i n n e n, U n t e r b e a m-t c n Diener u nd Aush i l fsbed i e n stete n.) Im Sinne des § 42 der Dienstordnung für die Bediensteten der f. k. österreichischen Staatsbahnen wurden Ranglisten der im vierseitigen Amtsbereich in Verwendung stehenden Bahn-offiziantinnen, Manipulatinnen, llnterbeamte», Diener und Äushilfsbedienstcten ausgestellt. Die Aufstellung der Ranglisten erfolgte nach folgenden, bei den k. k. Staatsbahncn geltenden Grundsätzen: Für die Bestimmung des Ranges ist der Zeitpunkt des zuerkannten letzten Gehaltes matzgcbend. Wenn mehrere Bedienstete gleichzeitig denselben letzten Oiekalt erreicht haben, so wird das Rangverhältnis zwischen ihnen nach dem Zeitpunkt der Erreichung der unmittelbar vorhergehenden Gehaltsstufe bestimmt u. s. f. Bei gleicher definitiver Anstellung in der gleichen Ge ballsstufe richtet sich der Rang nach dem Tage des Dienstantrittes als Aushilfsunterbeamter oder Aushilfsdiener (Jnti-mierung durch Direktionserlah), bei gleichzeitiger Jntimierung nach dem Tage de» Dienstantrittes als Arbeiter. Sollte auch dieser Tag gleich sein, dann erfolgt die Rangordnung nach dem Alphabet. Die nach obigem aufgestellten Ranglisten, die den Dienststellen gleichzeitig in der zum Aintsgebrauch erforderlichen Anzahl zukommen, sind den Bedienstenten zur Kenntnis zu bringen. Beschwerden gegen die Rangseinteilung können innerhalb 14 Tagen nach Verlautbarung der Ranglisten beim Dienstvorstand erhoben werden. Die Dienstvorstände haben die Beschwerden auf Grund der vorstehenden Normen zu prüfen und wenn sich die Be schwrrdc als unbegründet darstellt, die Beschwerdeführer auf zuklären. Beschwerden, die dessen ungeachtet aufrecht erhalten werden oder nicht aufgeklärt werden können,' sind an die Di rcktion, Abteilung I. vorzulegen. Den Bediensteten ist auch in der Folge jederzeit die Einsichtnahme in die Ranglisten zu gestatten. In der Rangliste sind die Namen der jeder Dienststelle »ugeteilten Bediensteten rot zu unterstreichen und alle Ver- änderungen, die das zugeteilte Personal betreffen, entsprechend I den Verlautbarungen im Amtsblatt durchzuführen. Hiedurch wird die Anlage einer besonderen Rangliste erspart. Die Rangliste bildet die Grundlage für die Vorrückungen und Ernennungen und wird nach Mahgabe der persönlichen Eignung auch bei sonstigen Pcrsonalverfügungen in Berück-'ichtigung gezogen. Auch die Dienstvorstände haben bei den ihnen obliegenden künftigen Einteilungen des Personals die in der Rangliste zum Ausdruck gebrachte Rangordnung zu berücksichtigen. Insbesondere Hab hinsichtlich des Zugbegleitungspersonals die Rangliste bei Veränderungen im gegenwärtigen Stand für die Einteilung in die in der Prüfungsvorschrist für den niederen Staatseisenbahndienst, Post 34 a bis d, be-zeichneten Verwendungen (Güterzugs-, Personenzugs- und Manipulationskondukteur, Güterzugs- und Personenzugs-ührsr — die persönliche Eignung und die Ablegung der etwa erforderlichen Prüfungen vorausgesetzt — die Grundlage zu bilden. Auch bei den von Direktionswegen erfolgenden Ernennungen von Manipulanten oder Zugsführern im Konkurswege ist die Einteilung derart zu treffen, datz der neuernannte Manipulant oder Zugsführer der ihm seinem Rang nach zukommenden Dienstposten einnimmt. Der gleiche Vorgang ist auch bei der im eigenen Wirkungskreise der Domizilstationen vorzunehmenden Einteilung von Güter- und Personenzugskondukteuren in die Fahrturnusse einzuhalten. Soweit bei den derzeit gültigen Diensteinteilungen Abweichungen von den bevorstehenden Grundsätzen bestehen, ist ein Ausgleich erst bei Freiwerden eines Postens von Fall zu Fall vorzunehmen. Wien, am 20. August 1912. Der k. k. Direktor: Dr. Geutebrück. (Spezielle Rangliste der Lokomotivführer, Lokomotivführeranwärter und Aushilfs-Lotomotivführeranwärter im Sinne des Erlasses ; k. k. Eisenbahnministeriums vom 23. Dezember 1909, Zahl 60.784 (E. M. A. Bl., II. Stück ,ex 1910), wird gleichzeitig die unter Zugrundelegung des Standes vom 1. August 1912 erteilte Rangliste der Lokomotivführeranwärter und Aushilfslokomotivführeranwärter den beteiligten Dienststellen zugesandt. Die Rangerstellung erfolgte im Sinne obigen Erlasses nach folgenden Grundsätzen: 1. Für die erste Einreihung der Lokomotivführer und Lokomotivführeranwärter in den Rangstatus ist matzgebend: a) Das Datum der behördlichen _ Lokomotivführerprüfung für diejenigen, welche schon vor diesem Datum den k. k. österreichischen Staatsbahnen oder verstaatlichten Privatbahnen angehört haben und ohne Unterbrechung bei denselben im Dienste stehen; b) das Datum des Eintrittes in den Lokomotivfahr-dienst der k. k. österreichischen Staatsbahncn oder verstaatlichten Privatbahnen für diejenigen, welche die behördliche Lokomotivführerprüfung schon vor diesem Datum abgelegt haben. 2. Für die Einreihung der Aushilfslokomotibführer-anwärter in den Rangstatus ist maßgebend: a) der Zeitpunkt des Eintrittes in den Lokomcstiv-f ahrbienst; b) ist dieser Zeitpunkt bei mehreren in Betracht kommenden Bediensteten der gleiche, so gilt für die Rangbestimmung der Zeitpunkt des Eintrittes bei den k. k. österreichischen Staatsbahnen oder verstaatlichten Privatbahnen. 3. Bei Uebertritt der Lokomotivführeranwärter in den Status der Lokomotivführer und der Aushilfslokomotivführeranwärter in den Status der Lokomotivführeranwärter wird der Rang des Uebertretenden aufs neue nach den sub Punkt 1 aufgestellten Grundsätzen festgestellt. Allfällige Reklamationen sind binnen 14 Tagen, vom Tage der Publizierung an, bei der Direktion, Abteilung I, einzubringen. ^ Die mit Z. 35.369/IV ex 1910 hmausgegebenen Ranglisten treten hiedurch außer Kraft. Tie Rangliste bildet die Grundlage für die Besetzung freiwerdender höherwertiger Dienstposten. Die Zuweisung höherwertiger Dienstleistungen hat jedoch nicht automatisch nach dem Range zu erfolgen, sondern die in Frage kommenden Bediensteten werden dem Range nach seitens des Vorstandes der k. k. Heizhausleitung einer Beurteilung darüber zu unterziehen sein, ob die persönlichen Qualitäten, wie Geistesgegenwart, Verläßlichkeit, Energie, Diensteifer:c. für den zu besetzenden Posten im erforderlichen Matze vorhanden sind. Die Rangliste ist dem Personal aller Dienststellen des Zugförderungsdienstes — stets richtiggestellt — zugänglich zu machen. Wien, am 20. August 1912. Der k. k. Direktor: Dr. Geutebrück. Ersatz des durch die Teilnahme an den Kommifsions sitzungen bedingten BerdienstentgangeS an Fahrgebührrn. Er laß des k. k. Eisenbahnministeriums mit Wirksamkeit vom 1. Juli 1912. Die dem Lokomotiv- und Zugbegleitungspersonal ungehörigen Mitglieder der Lokalkommissionen der Krankenkasse sind für den durch die Teilnahme an den Kommissionssitzungen bedingten Verdienstentgang an Fahrgebühren im Sinne der Fußnote 31 zu § 31 ad 3 des Krankenkassenstatuts in der Weise zu entschädigen, datz jedem einem der genannten D^vstzweige angehörigen Ausschuß-Mitglied für die Teilnahme an den Kommissionssitzungen seitens der ihm Vorgesetzten Direktion der Pauschalbetrag von drei (3) Kr. dann auszuzahlen ist, wenn die Sitzung an einem Tage stattfindcn mutz, für welchen das Kammissionsmitglied turnusmäßig oder außerhalb des Turnusses zu einem bestimmten Fahrdienst eingeteilt war. Von jedem eingetretenen Falle ist der k. k. Direktion Bericht zu erstatten, die sodann die ANszahlung der Entschädigung veranlassen wird. Vor stehender Erlaß ist sämtlichen Mitgliedern der Lokal kommissionen zur Kenntnis zu bringen. A p P e l m. p. Korrespondenzen. Innsbruck. (53 on der Lokalbahn.) Sparei, ist das Schlagwort geworden bei der Lokalbahn, sparen, sparen und nochmals sparen; jetzt, nachdem der Karren gründlich im Dreck verfahren ist, fällt den Herren ein, daß man sparen muh. Wenn cs ein vernünftiges Sparen wäre, würden wir kein Wort verlieren, aber daß für die Folgen der Fehler, welche der Verwaltungsrat mitsamt der Betriebsleitung gemacht Hai, das Personal büßen soll, sehen wir nicht ein. Entsetzen ist in die Glieder des Verwaltungsrates und der Betriebsleitung gefahren, weil die Aktien kaum 4 Prozent tragen, beziehungsweise für die Betriebsleitung keine fetten Tantiemen mehr herausschauen. Um hohe Dividenden womöglich wieder zu erlangen, »tutz gespart werden, selbst verständlich da, wo es nicht viel zum Sparen gibt: beim Per sonal. Bei den Hellern mutz gespart werden, damit die Bahn erträgnisrcichcr wird. Wir fragen uns erstaunt: Ja, ist den» das Personal schuld daran, daß die Bahn jetzt so wenig trägt? Ist cs notwendig, zu einer schamlosen Knauserei Zuflucht zu nehmen? Haben die Bediensteten den Umbau der Haller Linie vorgeschlagen und beschlossen, diesen Umbau, der über zwei Millionen Kronen kostet? Sind die Bediensteten schuld, datz bas Erträgnis der anderen Linien trotz der Fahrpreiserhöhungen von dieser einen Linie aufgefressen wird? Haben die Bediensteten vorgeschlagen und beschlossen, datz eine Schneelehr« Maschine, die man in anderen Städten hinausgeworfen hat, um 16.000 Kr. gekauft wird, welche jetzt totes Kapital ist und nur im Wege steht? Haben die Bediensteten vorgeschlagen und beschlossen, datz Holzbearbeitungsmaschinen angeschafft werden zum Zweck des Umbaues der 33 alten Beiwagen? Sind die Bediensteten schuld, daß mit dieser Anschaffung so lange gewartet wurde, bis sämtliche Beiwagen bis auf zwei auf den Maschinen des Baumeisters Fritz fertiggestellt wurden, wo» ür eine hohe Maschinenbcnützungsgebühr bezahlt werden mutzte? Heute werden diese Maschinen kaum zu einem Fünftel ihrer Leistungsfähigkeit ausgenützt. Sind die Bediensteten schuld, daß die Betriebsleitung bestrebt ist, sich bei eder Gelegenheit zu blamieren und die Bahn dem Publikum gegenüber in Mißkredit zu bringen? Nein, das Personal ist nicht schuld daran. Darum sehen wir auch nicht ein, warum von diesen die fehlenden Prozente und Tantiemen herausgeschunden werden sollen. Seit 20 Jahren besteht die Bahn, und es ist so lange gut gegangen, bis der Verwaltungsrat auf die unglückliche Idee kam, drei Betriebsleiter anzustellen. Der Zwietracht war kein Ende mehr, und datz dies auf den Geschäftsgang eines Unternehmens von keinem gesunden Einfluß ist, versteht sich von selbst; was der eine anschaffte, wurde vom anderen widerrufen. Wir wollten noch nichts sagen, wenn gewiegte Fachleute an der Spitze stünden — aber da hapert es eben gewaltig. Bei einem vernünftigen Sparen könnte Geld erübrigt werden; aber da wäre die erste Notwendigkeit, die Auflösung der Betriebsleitung, des Trumvirats am Berg Jsel; dieses sollte der Vrwaltungsrat in Pension schicken und statt diesem einen geschäftstüchtigen, zielbewußten Fachmann aufstellen, der die Bahn nicht blamiert. Wir sind überzeugt, datz eine solche Maßregel die Dividende sicher eher um ein halbes Prozent erhöhen möchte, als die Hellerquetscherei bei den Bediensteten. Der Verwaltungsrat trieft in einem Schreiben an die Gewerkschaft vor Wohlwollen für das Personal. Soll das Hohn ein oder Unverstand? Es ist Unverstand, und daran ist die Betriebsleitung schuld, darum schuld, weil sie es nicht der Mühe wert findet, den Verwaltungsrat richtig zu informieren, nicht nur in Personalangelegenheiten, sondern auch bei Sonstigen Vorfällen. Und weil eben die Betriebsleitung die Wünsche ihres unterstellten Personals immer ins falsche Licht ätzt, weil sie eben den Verwaltungsrat unrichtig informiert, müssen die Bediensteten ihre Gewerkschaft zu ihrem Sprachrohr machen. Aber hievon will angeblich der Verwaltungsrat aus Dienstesrücksichten nichts wissen. Spricht da nicht ganz deutlich die Furcht der Betriebsleitung, welche Angst hat, der Ver-waltungsrat könnte mancherlei erfahren, was er nicht erfahren sollte? Das Personal ist schon längst davon überzeugt, daß die Betriebsleitung redlich bestrebt ist. zwischen dem Verwaltungs-rat und dem Personal eine möglichst hohe Schranke aufzurichten. damit sie selbst „lieb Kind" bleibt. Dem. Personal kann das nur recht sein. Will es der Verwaltuntzsrat nicht durch die Gewerkschaft hören, so wird er die Bitten und Beschwerden auf andere Weise erfahren. s- Laibach. (Südbah n.) Ein recht verbissener und deshalb vom Personal gehaßter Beamter ist der Adjunkt Herr Plant n s e k, der das Personal lieber fressen möchte, als mit ihm menschenwürdig umzugehen. PlaninLek begreift nicht, daß unter dem Personal auch Leute sind, die bessere Schulen oc* sitzen wie er selbst. Kein freundliches Wort kann man von Planinsek hören; er scheint überhaupt in einem Ochsen-siall aufgewachsen zu fein. Wer die Station Laibach heute in ihrer Ausdehnung kennt, wird sich ein Bild machen können, wie lustig es ist, als Zugsführer einen Zug dort aufzunehmen. Geht da ein Zugsführer stundenlang herum, bis er seinen Zug ausgenommen hat, denn in Laibach wird kein Zug regelmäßig zur Abfahrt fertig. Aber wenn der ZugSfuhrer dann in die Kanzlei kommt, heiht es: „Der Zug ist,fertig, wo sind L»e?! Ja der Zug ist fertig, aber der Zugsfuhrer kann weder die Verrechnungen sichten, noch Bremsen ausrechnen. Das ist aber dem Adjunkten Planinsek ganz Wurst. Wir wollen diesen Herrn aufmerksam machen, künftighin etwas freundlicher gegen das Personal zu sein, sonst werden wir einen anderen Weg cinschlagen, wir haben Stoff und Recht dazu. Wiener-Neustadt. (Wie für den S ü d b a h n er v erbau d Mitglieder geworben werden.) Als der Wcichciischmicrer K. am 1. September l. I. seinen Gehalt abholte, wurde ihm seitens der Kasse der Betrag von 80 H. für den Verein „Südbahnerverband" abgezogen. Nun erklärte dieser Bedienstete auf das Bestimmteste, datz er weder erne Beitrittserklärung unterschrieben, noch mündlich seinen Beitritt angemeldct habe. Es wurde aber in Erfahrung gebracht daß ohne Einverständnis dieses Bediensteten der ubronft Enzle im Verein mit zwei Bediensteten die Beitrittserklärung eigenmächtig ausgefüllt hat. lieber Wunsch des K. begab sich nun ein Genosse zum Obmann des ^udbahnerverbandes. Herrn S ch m i d. und hielt ihm dieses merkwürdige Vorgehen der Leitung des Verbandes vor. Herr S ch »i i d antwortete diesem Genossen, er möge sich lieber nicht um die Sache kümmern, es könnte für ihn sonst bös e Folgen habon. Mit diesem Bescheid mutzte sich der Genosse zufrieden geben. Die Art und Weise, wie der Südbahnerveroand Mitglieder „wirbt",'ist geeignet, die schwersten Bedenken hervorzuruscn. Ein Beamter füllt ohne Auftrag eines Bediensteten dessen Beitrittserklärung aus, der K affen B e a m t e zieht ihm den Mitgliedsbeitrag von seinem Gehalt ab und ein dritter B e-ainter gibt dem Bediensteten, der im Auftrag fernes .Kollegen beschwerdeführend zu ihm kommt, den deutlichen Rat. sich nicht um diese Sache zu kümmern, sonst wurde es ihm böse Folgen tragen. Der Wink ist nicht mitzzuverstehen: Der Vorgesetzte kann dem Bediensteten immer schaden. Wir erwarten von der Generaldirektion der Südbahn, datz sie diese Beamten energisch dazu verhält, ihren Amtscharakter nicht zu mißbrauchen, indem sie Bedienstete förmlich gewaltsam in Vreeine pressen, die ihnen —• den Beamten — genehm sind. Aeuherungen, wie die oben zitierte, sind geeignet, bei den Bediensteten die Meinung entstehen zu lassen, datz sie in ihrem Vorwärtskommen geschädigt sind, wenn sie nicht auch außerdienstlich die Wünsche ihrer Vorgesetzten erfülle». Auf die Leitung des Südbahnerverbandes werfen, derartige Vorkommnisse daS ungünstigste Licht. Wenn eine derartige Mitgliederwerbung von der Leitung des Süd-bahnerverbandes gebilligt und vielleicht auch gewünscht wird, ist cs klar, worauf es dieser Verband abgesehen hat. Die Bediensteten der Südbahn sollen sich nicht frei in einer Organisation betätigen können. Wie sie ohne Organisation ganz der Willkür der Bahnverwaltung unterworfen wären, sollen sie dem Regiment jener Beamten unterworfen sein, die im Süd-bahnerverband die erste Rolle spielen. Die SiidBahi,Bediensteten werden sich bestens für die ihnen zugedachte Rolle, im Südbahnerverband einigen Herren die Staffage abzugeben, bedanken. Jlikantz. (K o r r u p t i o n s g e s ch i ch t e it.) Tie Hciz-hausexpositur Jtzkany leitete viele Jahre ein selbständiger Maschinenmeister namens KobIicha. Dieser Maschinen-meister hatte wohl auch manchmal seine Mucken gegenüber bcnt Personal, diese wurden ihm aber sehr schnell aus-getrieben, und dann lebte er und das ihm unterstehende Personal friedlich beisammen, ohne daß dabei die Interessen der Bahnverwaltung auf irgendeine Art außer Acht gelassen worden wären. Auf einmal kommt die k. k. Betriebsleitung in Czernowitz auf den kuriosen Einfall, daß in Jtzkanh als Heizhausexpositursleiter ein Ingenieur nötig sei, weil ein Unterbeamter hiezu nicht mehr die notwendige Weisheit aus-weise. Somit wurde der alte Koblicha zum Offizial ernannt, dadurch jährlich um mehr als 1800 Kr. geschädigt und nach Czernowitz ins Heizhaus als Kanzleibeamter zum Ausstellen von Fahrkartenblanketts verseht. So schaut bei uns der Spürsinn aus. Wir haben nach Jtzkanh einen Ingenieur, den Herrn Szelingowski, bekommen. Es begann eine neue Wirtschaft, besser gesagt: eine polnische. Die Bediensteten und Arbeiter wurden von diesem Herrn Szelingowski der Faulenzerei und der Dieberei verdächtigt. Der neue Besen begann zu kehren. Zuerst wollte der Herr Ingenieur mit den Lokomotiven im Heizhause und am Platze kutschieren lernen. Zugshakcn und Schraubenkuppel wurden gerissen, kleine Karambolagen gemacht, das Heizhaustor wurde von der Burdujeni-Seite aus verhaut und dann stillschweigend repariert. Kurz gesagt, es begann eine neue Zeit. Die Arbeiter und Bediensteten lernten zwar nichts Vernünftiges vom Herrn Szelingowski, da der Herr Expositursleiter selbst nichts versteht und Mit Hilfe des Personals erst lernen muhte, wie der Dienst zu machen sei. Die erste Errungenschaft unseres Ingenieurs war die Entdeckung, daß die Arbeiter, welche das Scheitholz aus den Wagen ausladen, zuviel gezahlt bekommen. Da kam es in kurzer Zeit zu einer Ueberraschung, weil Herr Szelingowski die Arbeiter scharfmacherisch behandelte. Die Arbeiter inszenierten dem polnischen Schlachzizeningenieur einen Streik, so daß der gewesene Maschinenmeister Koblicha aus Czernowitz zu Hilfe kommen mußte, um die Station zu retten, weil die Wagendirigierung Lärm um die Wagen machte und damit der unliebsame Skandal vertuscht würde. Es kam die Reihe an das Lokomotivpersonal. Ein jedes Jahr im Monat April kommen aus der k. k. Betriebsleitung Czernowitz Referenten, um Turnusse mit Vorbedacht aller Eventualitäten festzustellen. Solche Turnusse dürfen in anderen Orten ohne oberbehördliche Zustimmung niemals geändert werden. Tritt in der Zeit ein außergewöhnliches Ereignis, großer Verkehr, Krankheiten des Personals u. s. w. ein, dann werden Substituten vom Heizhaus Czernowitz verlangt. Das war auch Bei uns in Jtzkanh der Brauch seit vielen Jahren. Herr Ingenieur Szelingowski ignorierte die durch die Betriebsleitung festgesetzten Turnusse der Lokomotivführer und Heizer. Er machte die Wahrnehmung, daß unter den hiesigen Lokomotivführern sich Leute befinden, welche überhaupt von der Lokomotive nicht heruntergehen möchten, um recht viel ins Verdienen zu bringen, dann wieder aus dem Grund, damit ja der Herr Ingenieur nichts sagen soll. Es gelang dem Herrn Szelingowski zum Teil, mit dem Turnus fertig zu werden. Wen sich mancher Bediensteter wegen großer Ueberbürdnng dagegen auflehnte und den ordentlichen Turnus verlangte, konnte man dann sehen, wie Herr Ingenieur Szelingowski seine falschen Katzen-krallen^ gegen seine Untergebenen zeigte. Die Lokomotivführer-turnusse werden bis zur letzten Zeit vom Ingenieur Szelingowski nach seinem eigenen Willen verdreht und umge-ündert. Auch mit den Prämien des Lokomotivpersonals ist cs in Jtzkanh nichts. Man bekommt 2, 3, 5 bis 10 Kr. u. s. w. Wo sind die instruktionsmäßigen 40 Prozent? Es wird Sache der Sektion der organisierten Lokomotivführer und Heizer in Czernowitz sein, das Lokomotivpersonal vor solchen Ausbeutungen zu schütze». Es haben schon mehrere Male unsere Lokomotivführer in. der Betriebsleitung Czernowitz in der Abteilung IV und beim Hofrat Herrn Dr. T s ch i g g f r e y wegen dem Brennstofsausmaß und den Prämien vorgesprochen. Man hat unsere Lokomotivführer immer auf Proben verwiesen, bisnnn war alles vergebens. Das Jtzkanyer Lolomotivpersonal hat alle Hoffnungen auf die Erfüllung der Versprechungen seitens der k. k. Betriebsleitung Czernowitz ausgegeben und es wird uns schließlich nichts übrig bleiben, als durch unsere Sektion und durch die Zentrale in Wien eine Intervention im Eisenbahnministerium vorzubereiten. Logisch genommen würde dem in Jtzkanh stationierten Lokomotivpersonal für die ganze Zeit, seit der die Instruktion mit dein Mindestausmaß von 40 Prozent Prämienverdienst herausgegeben wurde, ein Nachtrag gebühren. Diese Verkürzung dauert bei uns schon einige Jahre. Und nun kehren wir wieder zu unserem Herrn Szelingowski zurück. Die Unverschämtheit bei diesem Herrn ging so weit, daß er zum Ausladen von Scheitholz für den 31. August und den 2. September d. I. zehn Mann Arrestanten aus dem Strafgericht Suczawa bestellt hatte. Dieser Scharsmacheringenieur macht einen Skandal nach dem anderen. Wie ein Schusterjunge jagt er im Heizhaus und am Platze umher, er mochte gern mit jemand streiten, alles wurde er mit jenen Paragraphen der Instruktion behandeln, welche ihm passen. Wir haben noch vieles zu schreiben, das wir ein andermal nachtragen werden, um zu zeigen, wie cs uns in Jtzkany unter der despotischen Fuchtel des Ingenieurs Szelingowski geht. Prerau. Im Amtsblatt der k. k. Nordbahndirektion leien wir folgenden Erlaß: Akt. Nr. 62068—V. Zirkular Nr. 227. Sin alle Dien st cs st eilen des Verkehr s-Zugsörderungsdienstes. Beleuchtung und Beheizung. Einheitliche Regelung der Mitführung d Heizschläuche bei Güterzügen. Nachstehender an alle k. k. Direktionen gerichteter Erlaß r. Eiseiibahnininisterimns vom 4. Juli 1912, -b.U4J/chiedenartiger Vorgang geübt. . - «s.33“ einigen k. k. •/. wird der Heizschlauch als Inventar des Dienstwagens, bei anderen wieder als Jnventargegenstand der Lokomotive oder aber als zur Ausrüstung der Zugspartien gehörig betrachtet. Zur Erzielung der Einheitlichkeit findet das Cisen-buhnmlnlstcrium zu verfügen, daß bei Güterzügen während der Heizperiode der Zugsführer den Heizschlauch sowie den Schlußhahn als Zugsausrüstung mitzuführen hat. Beteiligtes Personale ist entsprechend zu verständigen. Für den k. k. Eisenbahnminister: ^ Rothe r." Wien, am 30. Juli 1912. Für den k. k. Direktor: B o h n g e r. Damit die Oeffentlichkeit dieses Zirkular beurteilen kann, wollen wir ein Beispiel aus Prerau bringen. Stelle sich jeder geehrte Leser den Zugsführer ja nicht als Menschen vor, der srei, ohne Gepäck, wie in Deutschland, in den Dienst g£ht, 018 Lasttier, welches beiderseits mit Ledertaschen be-PE, die Handlaterne, Signalfahne, und jetzt a conto der t einen Dampsheizschlauch um den Hals, den Schlußhahn im Rockschoßel, so gehen die Zugsführer in Prerau. und >er Es wird jemand einwenden, ja warum schleppt, er die Diensttaschen mit den Instruktionen nach Hause, die braucht er doch auf jeder Tour? Ja, lieber Freund, das ist eben der springende Punkt, weil wir in Prerau so glücklich sind, daß wir für unsere Diensttaschen, sür welche jeder gutstehen muß, keinen Aufbewahrungsort haben, der uns die Gewähr bieten möchte, daß, wenn wir die nächste Tour machen, die Diensttasche, der Heizschlauch und alles andere noch zu finden ist. lieber diesen Punkt haben (ich die Herren noch keine grauen Haare wachsen lassen, damit zuerst absperrbare Kästchen errichtet werden, obzwar es an Deputationen und Vorsprachen sicher nicht gemangelt hat. Daß aber der Zugsführer den Heizschlauch schleppen soll, siet ihnen über Nacht ein. Natürlich, nur wegen Erzielung der Einheitlichkeit. Nun weiter: Der Zugsführer kommt auf Pf., was 3 Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt ist, und siehe, sein Zug bekommt keinen Dienstwagen — da bei der k. k. Nordbahn noch nicht für jeden Zug ein Dienstwagen vorhanden —, sondern eine Bremshütte. Bei der Netourfahrt kann dasselbe sein, und der Mann kann den Schlauch wieder nach Hanse schleppen, ohne ihn verwendet zu haben. Damit aber diese Erlaßkünstler nicht sagen können, wenn ihr nicht schleppen wollt, so leidet Kälte, so wollen wir sie darauf aufmerksam machen, daß die Lokomotive den Schlauch früher verträgt als der Mensch, denn wenn es ging, den Geschwindigkeitsmesser anzubringen und für die Vakuumschläuche eine Muffe, warum könnte fiir_die Heizschläuche keine Muffe angebracht werden, damit die Schläuche vor Nässe geschützt sind? Also nur wollen. Den Herren Zugsführern aber raten wir, dieses Zirkular zur Einheitlichkeit zu beherzigen und sich zu organisieren, dann wird es ihnen leichter sein, ihre Forderungen zu verwirklichen. Stadlau. Seit einiger Zeit bemüht sich in Stadlau der Oberverschieber Winkler seinx Berufskollegen durch lügenhafte Angaben beim Herrn Vorstand zu denunzieren. Welchen Zweck dieser im Geiste sehr arme Hascher damit verfolgt, ist uns bis jetzt unerklärlich. Sollte Winkler vielleicht nach Muster der Verkehrsbundler auf den Unterbeamtentitel spekulieren? Hoffentlich wird sich der Herr Vorstand von diesem Menschen keine weiteren Zuträgereien mehr gefallen lassen. >»»»»»,«> ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » ■ ■ ■ ■ ■ » » ■ » » ■ » ■ ■ ■ ■ ■ ■ • ■ a ■ a ■ ■ ■ ■ ■ i ■ ■ ■ ■ ■ a i ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Erschienen ist Set XVII. Jahrgang «nfetes :a: I B I I ■ » ■ ■ » ■ ■ ■ ■ a ■ ■ ■ ■ per 1913 ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » ■ » ■ ■ ■ ■ ■ » ■ » ■ ■ b ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » und wird derselbe nach Maßgabe der Ablieferung an die Besteller versendet werden. fjfr Jeder Käufer erhält ein Heftchen über die Fahrbegünstigungen des Personals jM" auf den europäischen Eisenbahnen gratis ÜV verabfolgt. Der Preis per Exemplar ist nebst einer Versicherung bei tödlichem Unfall auf 200 Kronen nur 1 Krone 20 Heller. Das neue Jahrbuch ist sür alle Mitglieder und Kollegen bei unseren bekannten Vertrauensmännern gegen Barzahlung in den Stationen zu haben. Genossen! Agitiert allerorts für dieses' schöne und inhaltsreiche Büchlein, damit es eine große Verbreitung findet. ■ m ■ ■ ■ ■ ■ B ■ ■ ■ ■ ■ a ■ ■ » » Der zentralvorstand. ■ » ■ ■ » ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » ■ » ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ a ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » ■ ■ ■ ■ ■■■■ ■■■■ ■■■■ Höhelsdorf. Die Oberbauarbeiter auf der Strecke Wnppoltenreith führen Klage über das Benehmen und die rohe Behandlung durch den Vorarbeiter M aher. Nachdem dieser Mäher soweit ging, Arbeiter täglich zu insultieren, so machen wir die k. k. Bahnerhaltungssektion aufmerksam, diese Sache unparteiisch untersuchen zu lassen. Sollte Mayer sich nochmals anmaßen, die unterstellten Bediensteten in irgendeiner Weise böswillig zu belästigen, so werden wir rücksichtslos gegen Mayer Vorgehen, da er sich die Folgen dann selbst zuschreiben muß. St. Beit an der Glan. (Zweierlei Maß.) Vor etlichen Jahren wurde von der k. k. Bahnerhaltungssektion Friesach ein Arbeiter entlassen, weil derselbe im trunkenen Zustand einen Mauten Stänkerer, der ihn und die Eisenbahner in der unflätigsten Weise beschimpfte, weidlich durchprügelte. Die Folge war eine 14tägige Arreststrafe und Entlassung aus dem Bahndienst. Bemerken müssen wir noch, daß der Entlassene ein sonst ruhiger und freundlicher Mann war, infolgedessen sich seine sämtlichen Nebenarbeiter für seine Wiederaufnahme bei der Bahn bemühten. Ein zweiter Fall: Ein Bahnarbeiter hat einen Bauern, als ihn dieser auf frischer Tat ertappte, niedergestochen. Der schwerverletzte Bauer war volle drei Monate im Spital und wird an den Folgen der Verletzungen dauernd siech bleiben. Der Tater erhielt in diesem Falle die in Anbetracht der Folgen gelinde Strafe von sechs Monaten Kerker. Nach Verbüßung der Strafe wurde der Attentäter sofort bei der Bahn weiterbeschäftigt, trotzdem sämtliche Nebenarbeiter gegen dessen Wiederaufnahme protestierten. Der mit sechs Monaten Kerker abgestrafte Attentäter ist ein gewalttätiger Bursche, mit dem kein ordentlicher Mensch etwas zu tun haben will. Es würde sich in diesem Falle empfehlen, wenn die k. k. BahnerhaltungSsektion Friesach den Mann irgendwo hinschicken würde, wo man von dessen strafbaren Handlungen nichts weiß. Daß sich friedfertige Arbeiter gegen ein Zusammenarbeiten mit Kerkersträflingen wehren, finden wir begreiflich. Wittmannsdorf. Nachdem die Kohlenaffäre von Witt-mannSdorf vorüber ist und die Schuldtrageuden bereits im Kerker sitzen, können wir cs nicht unterlassen, diesen Fall etwas näher zu beleuchten. Als am 18. Dezember 1911 der Kanzlei- gehilfe Josef Grüner, Gottfried Strobl und WerkSgehilfe^. P a n z verhaftet wurden und beim Herrn Vorstand Protokoll ausgenommen wurde, sagte der Herr Vorstand zu Panz: „Sie, Sie müssen das Geld haufenweise im Kasten liegen haben, ich will nicht Nachsehen bei ihnen," So wurde dem Genossen Panz die größte Verdächtigung von seiten des Herrn Vorstandes ausgesprochen. Aber bei der Gerichtsverhandlung in Wiener-Neustadt wurde Genosse Panz nicht einmal als Zeuge einvernommen, viel weniger als Angeklagter, trotzdem Genosse Panz vier Wochen unschuldig in Untersuchungshaft sitzen mußte. Wir möchten eine k. k. Staatsbahndirektion fragen, ob denn nur diese zwei Bediensteten, Kanzleigehilfe Grüner und Kohlenarbeiter Strobl, allein schuldtragend sind? Wir meinen, daß an diesem auch der Herr Vorstand von Witt-manusdors schuldtragend ist. Hätte der Herr Vorstand kein so großes Vertrauen dem Kanzleigehilfen Grüner geschenkt und eine strenge Kontrolle geübt, wäre es nicht so weit gekommen und die Leute könnten heute noch auf ihren Posten sein. Aber aus Kommodität hat der Herr Vorstand alles dem Grüner überlassen. Dem Grüner seine zwei Knaben können sich einmal beim Herrn Vorstand bedanken, daß sic jetzt in fremder Welt herumgeschupft werden. Uns wundert nur, daß die k. k. Staatsbahndirektion noch nicht darüber nachgedacht hat, da schon so viele Beschwerden Über diesen Vorstand eingelaufen sind. Moldau. Der Stationsmeister Bellinger wurde von Moldau nach Vessely versetzt. Da Herr B e 11 i it g c r im Spitzeldienst sehr bewandert ist, so geben wir den Kollegen in und um Station Vessely den guten Rat, sich einstweilen vor SB e 11 i n g e r in Acht zu nehmen. Wer diese Zeilen beherzigt, der kann sich vor Schikanen bewahren. Schlucken»». (Eisenbahnunglück.) Hier ereignete sich am 17. September l. I. um V*12 Uhr vormittags ein großes Eisenbahnunglück, wodurch drei Bedienstete, Bahnmeister Ci r k w a, Bahnrichter Müller und V a s s a t s ch, schwer verletzt wurden und mußten dieselben in das hiesige Krankenhaus überführt werden. Dieses Unglück hat wieder einmal gezeigt, was die große Sparwut zeitigt. Auf der Strecke Schlucke-nau bis Schönau finden Neulagen statt, wobei auch viele Schotterzüge verkehren. Um aber die Lokomotive zu ersparen, werden keine direkten Schotterzüge eingeleitet, man stellt die Schotterwagen einfach auf die Strecke und fährt mit der Maschine in die Station zurück. Am genannten Tage wurden ebenfalls sieben Waggon Schotter, aber bloß eine Bremse dabei, auf die Strecke zum Kilometerstein 11-3 hinausgestellt. Dort ist ein Gefälle von 1 zu 57. Die Lokomotive fuhr in die Station Schluckenan zurück, um dort Verschiebungen vorzunehmen. Da aber der Schotter nicht auf einen Haufen abgeladen werden darf, wollte man die Wagen etwas weiterrollen lassen. Doch sieben beladene Waggons und bloß eine Bremse mit hölzernen Bremsklötzen auf einem Gefälle von 1 zu 67 war zu wenig Bremsbrutto, die Wagen waren nicht zu erhalten und nun gings mit Schnellzugsgeschwindigkeit gegen Schluckenau, wo dieselben mit einem Zugsteil karambolierten, wodurch ein Materialschaden von vielen Tausenden Kronen entstand und die obengenannten drei Bediensteten verunglückten. Wer hier den Sündenbock abgeben wird, daraus sind wir sehr neugierig. Marienbad. (Ein schlagfertiger Staatsbahn» Beamter.) Der Assistent Rudolf K i 11 i n g von Josefshütte hat sich vom Samstag den 14. bis Sonntag den 15. September wahrscheinlich das Marienbader Nachtleben angeschaut, wa8demselben nicht besonders zugesagt haben muß, da dieser, als er c ch: „Wenn mir dicS noch einmal vorkommt, n o cp a Wat f ch e n, noch a Watschen und noch dreimal a Watsche n." Die Gäste aus dem vis-a.vis stehenden .Gasthaus eilten auf die .Stratze, da sie vermuteten, datz ein Viehtreiber von St. Man; mit einem kroatischen Ochsenknecht in Streit geraten sei. Die Leute beruhigten sich sofort, als sie wahrnahmen, datz der Offizial Lanterbach wieder einmal seinen „Bach lauter" fliehen lietz. Das; eine derartige Beleidigung des Zugsperfonals die Achtung vor dem Offizial Lauterbach steigern wird, bezweifeln wir sehr. Ebenso bezweifeln wir, daß. wenn der Beleidigte sich über die rohe Behandlung des Schwechater Vorstandes beschweren würde, Herr Lauterba ch die Beschimpfungen ohncwcitcrS zugeben würde. Wir sind überzeugt, datz, wenn der ZugSbegleiter sich in seiner Aufregung so weit vergessen und dem Herrn Lauter« bach seine Meinung gesagt hätte, diese Sache anders gedeutet und behandelt würde. Oder haben nur Vorgesetzte das Recht, sich wie «St. Mörser Fremdenführer" zu gebärden? y „Dev Eisenbahner.« Lubitz. Durch die Versetzung des Herrn OberkommissärZ Ehrlich von der Bahnerhaltungsscktion Luditz nach Mies verlieren die Oberbauarbeiter und Bediensteten der Bahnerhaltungssektion Lubitz einen einsichtsvollen und gerechten Vorgesetzten. Herr Oberkommissär Ehrlich war hier ein allseits beliebter und gerechter Mann, und wir wünschen, datz es ihm in seinem neuen Stationsort recht wohl ergehen möge, und Len dortigen Oberbauarbeitern und Bediensteten gratulieren wir zu einem solchen Vorgesetzten. Saalfelden. (Falsche K o n t r o l l t a f e ln.) Kürzlich wurde ein hiesiger Bahnbediensteter, der sich stets der Gunst seiner Vorgesetzten erfreuen wollte, von einem argen Mißgeschick ereilt, welches ihn in eine arge Verlegenheit brachte, aus der er sich längere Zeit nicht mehr erholen dürfte. Der Ablösöewächter Johann K r a h er in Gerting mutzte am 2.September auf dem Wächterposten Nr. 101 um 10 Uhr nachts den Dienst antreten. Zuvor begab er sich jedoch zu dem von seiner Wohnung nicht weit entfernten Grenzpflock, bei dem die Wächter bei den Streckenbegehungen ihre Kontrolltafeln aufhängen, nahm dort die dem Wächterposten 101 gehörige Tafel herunter und hängte eine bereits von seiner Wohnung mit-gebrachte Tafel mit einer solchen Nummer auf, datz er den nächstfälligen Kontrollgang nicht mehr machen brauche, da somit schon die richtige Tafel hing. Da er blotz acht Stunden auf dem Wächterposten 101 Dienst macht, so kann er, weil er sich um 6 Uhr früh auf den anderen Posten begibt, wieder die richtige Tafel anbringen. Kraher war jedoch nicht wenig erstaunt, als er diesmal daS Fehlen feiner abends aufgehängten Tafel konstatieren mutzte und konnte sich das Verschwinden derselben nicht erklären. Am zweiten Tage konnte ihm der Bahnmeister über das Verschwinden der Tafel Aufschluß geben, da dieselbe per Post in der BahnerhaltungSsekticm glücklich gelandet war und Kraher mutzte wohl oder übel eingestehen, datzeri m Besitz'vonfalsch enKontroll-tafeln ist. Wie viel Jahre er schon diesen Schwindel betrieb, ist noch nicht genau festgestellt. Diese Sache ist um so bemerkenswerter, als Kraher immer als besonders diensteifriger Wärter gelten wollte, und für feinen Diensteifer schon lange ein autzertourliches Avancement erwartete. Durch das Bekanntwerden seiner schwindelhaften Dienstleistung wird er allerdings sein Hoffen, autzer der RangStour vorzurücken, aufgeben müssen, da der Besitz von falschen Kontrolltafeln in der Qualifikationsliste nicht vorgesehen ist und somit auch nicht zur Geltung kommen kann. Wir hätten an der ganzen Sache weniger Interesse, wenn nicht Kraher bei vorkommenden Anständen immer sofort dabei gewesen wäre, die Schuld einem anderen Bediensteten in die Schuhe zu schieben. Nunmehr hat auch den, der cs schon lange verdient hätte, das Schicksal erreicht. Klagenfurt. (E i n Kunstwerk der I. k. Bautechnik.) Als im Jahre 1910 für die Bediensteten der k. k. Staatsbahn in der Rudolssstratze die Pcrfonafhiiufer gebaut wurden, hat man gleichzeitig eine Kläranlage errichtet, deren Anlagekosten 38.000 Kr. betrugen. Die Eisenbahner sollten halt einmal sehen, wie besorgt der Vater Staat um alles ist, was sie brauchen und nicht mehr brauchen. Damit hat er sich auch die vollste Anerkennung erworben, wenn nur die Anlage funktionieren würde und nicht einer allwöchentlichen Reparatur bedürfte. So müssen zum Beispiel acht Arbeiter zwei- bis dreimal im Monat das Wasser von einer Grube in die andere pumpen, welche Arbeit eigentlich die Kläranlage automatisch verrichten sollte. Aber die Anlage streikt, streikt, weil der Techniker eine „Kleinigkeit" versehen hatte. Nur die Einwohner der Personalhäuser dürfen nicht mit dem „Zinszahlen" streiken, müssen mit ihrer Miete auch für die Verzinsung der 38.000 Kr. pünktlich aufkommen. Ja, der Vater Staat und feine Techniker verstehen es ganz außerordentlich, das Geld recht zweckmäßig und nutzbringend anzulegen. Nun hat man von einem hiesigen Schlossermeister eine Pumpe aufstellen lassen. Als aber dieselbe fertig war, sah man, datz Jie ihrem Zweck nicht entspricht. Doch man wutzte sich zu helfen und lietz ganz einfach über die verpfuschte Pumpcnidec einen Holzverschlag bauen. Jetzt steht sie über der Kläranlage als Denkmal technischen Könnens. Und in der Zeit des Fortschrittes bleib t es bei der Handpumpe, die alle Wochen von den Oberbauarbeitern in Bewegung gesetzt wird. Vielleicht nimmt der Herr Direktor O st h e i m bei einer Inspektionsreise die Gelegenheit wahr und besichtigt die Baudenkmäler moderner Technik. Bersammlungsberichte. Favoriten II (Staatscisenbahngesellschaft). Am 20. September fanb im Arbeiterheim im 10. Bezirk eine Heizhausarbeiterversammlung statt, in welcher Genosse Lotowee in ausführlicher Weise über die Konferenz der Werk-ftättenarbeitcr, Genosse Millncr über die Depuiationsvor-sprache Berichtete, die am 7. September stattfand, in welcher dem Direktor Hofrat Burger folgende neun Punkte ausführlich erörtert wurde«: 1. Ernennung aller Arbeiter zu Lokomotivheizern, welche schon fünf bis sechs Jahre und noch länger den Heizerdienst versehen, bis 1. Jänner 1913. 2. Shstemisierung nach dreijähriger Verwendung als Taglohnheizer mit Belastung des Bisherige« Lohnes. 3. Gewährung einer Nachtdienstzulage. 4. Gewährung des 12/24siündigen TurnuffeS. 5. Beteilung der Arbeiter mit Seife und Haudiuch; Errichtung von Waschapparaten und von versperrbaren Kleiderkästen. 6. Beteilung der AnSwascher mit Montur und Stiefel zweimal jährlich oder Monturpauschale sowie Gewährung einer Zulage von 60 H. täglich. 7. Einführung der automatischen Vorrückung von viermal zu zwei Jahren, um je 20 H.. dann alle drei Jahre um 20 H. 8. Anerkennung der vom Personal gewählten Ver- trauensmänner. 9. Gewährung eines zweiten freien Tages im Monat. Nach Kenntnisnahme dieser Berichte sprach Genosse Swoboda von der Zentrale über den Ausbau der Organi- sation und des VertrauensniännershstemS. Die Versammlung war gut besucht. Hiitteldvrf. Die Wagenputzer von Hüticldorf hielten am 24. September l. I. im E i s e n b ah n e rh e i m eine Versammlung, um gegen die durchgeführte Verschlechterung ihres TurnusseS Protest zu erheben, ab. Genosse Swoboda, der als Vertreter der Zentrale erschien, konstatierte, datz bereits zwei Widersprüche aufgedeckt erscheinen. Erstens ist es nicht wahr, datz mit der Verschlechterung des TurnusseS eine Einheitlichkeit in der Dienstleistung mit jener aller anderen Bahnhöfe erzielt wurde, so daß nur deshalb eine Turmisveränderung Platz griff; denn es ist nicht wahr, datz nunmehr alle Wiener Bahnhöfe einen und denselben Turnus haben. Zweitens ist es nicht wahr, datz die Turnusverschlechterung über Auftrag der Staatsbahndirektion erfolgte, weil, wie die Deputation berichtete, die Direktion von der Turnusänderung oder von einem Befehl zu einer solchen, nichts weih, Es ist also ein Willkürakt Beo Bahnbetriebsamtes, gegen den protestiert werden müsse. Nachdem eine diesbezügliche Resolution angenommen worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. 1. Oktober 19X2 Nr. 23 KremS an der Dunau. Die Ortsgruppe Krems hielt am 22. September 1912 in Marbach an der Donau in der Bahnrestauration und in Grein an der Donau „zum goldenen Kreuz" zwei sehr gutbesuchte Oberbauarbeiterversammlungen ab, wo Genosse Schneider aus Wien referierte. Die lehrreichen Referate wurden mit grotzem Beifall ausgenommen. Grußbach. In Grafendorf fand am Sonntag den 22. September eine gutbesuchte Zugsbcglcitcrverfammluitg statt, zu welcher, von der Zentrale entsendet, Genosse Swoboda erschien und ein ausführliches Referat in Bezug auf Normierung, Stand und Rang der Zugsbegleiter im allgemeinen, über die Ernennung der Bremser zu Aushilfskondukteuren im besonderen hielt. Bei Punkt „Eventuelles" wurde über die Erstellung der Turnusse gesprochen. Budweis. sVerschieberversammlung.) Am 3. September l. I. fand in Budweis eine öffentliche Versammlung des Verschubpersonals statt, welche einen ansehnlichen Besuch aufwies. Den Vorsitz der Versammlung bildeten die Genossen Paso n, Zirhan und D i tz. Zur Tagesordnung: „Die Einführung der Prämien für das Ver-schubpersongl und die Forderungen desselben" sprach Genosse K n c i d i n g e r, Vertrauensmann des Verscl.ubpersonals aus Wien, der aus eigener reicher Erfahrung sich gegen die Einführung der Prämien aussprach. Nach ihm referierte Genosse Taufftg aus Prag in tschechischer Sprache, der ergänzend aus dem Gebiete Böhmens Fälle berichtete. Nach den Referaten entwickelte sich sich eine lebhafte Debatte, aus der zu ersehen war, datz das Budweiser Verschubpersoual gegen die Einführung der Prämien ist und datz es aus seiner Forderung Beljarrt, dah ein monatliches VerschuBpauschale von 24 Kr. eingeführt wird. Aus den Organisationen. Biihmisch-Leipa. Jene Mitglieder, welche mit ihren Bei» trägen länger als drei Monate im Rückstand sind, werden in ihrem eigenen Interesse aufgefordert, dieselben ehestens zu begleichen, andernfalls dieselben als ausgetreten betrachtet werden müssen. Solche austretende Mitglieder sind verpflichtet, ihre restlichen Monate nachzuholen. St. Valentin. Bei der Neuwahl der Funktionäre am 21. September wurden folgende Genossen gewählt' Josef Hladik, Obmann, Franz Haslinger, Stellvertreter; Kilian Scheiblehner, Kassier, Franz Ortncr, Stellvertreter; Johann Weitiberger, Schriftführer, Johann Strnadt, Stellvertreter; Karl Schuh und Johann HaSlmeier, Kontrollore; Joachim Haslinger und Leopold Schott, Bibliothekare; Johann Prom und Johann Sommer, Ausschüsse. Oderberg. Den Mitgliedern diene zur Kenntnis, datz durch die Zentralisierung der Bibliothek und durch bedeutende Ankäufe guter Bücher in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache einem jeden Genossen Gelegenheit geboten ist, sich in seinen freien Stunden an dem Inhalt eines guten Buches zu erquicken. Die Bücherausgabe findet jeden Dienstag von halb 8 Bis 9 Uhr abends und jeden Sonntag von halb 11 bis 12 Uhr mittags statt. Die Genossen werden ersucht, die Bibliothek fleißiger zu beachten, damit die großen Opfer an Geld und Arbeit nicht umsonst gebracht wurden. Budweiö. Die Mitglieder des Sterbesonds werden er. sucht, für die verstorbene Gattin des Mitgliedes Nr. 744 Johann Hanfer 20 H. zu erlegen. Sporitz. Es diene den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Eifenbahntaschenkalender von feiten unserer Administration eingctrossen sind und bei Genossen Obmann Rubner sowie beim Kassier Joses Ponitz gegen Vorbezahlung zu haben sind. Jedes Genossen Pflicht ist cs, für diese Sache zu agitieren, damit eine weitere Nachbestellung erfolgen kann. Die Monatsversammlungen finden jeden ersten Sonntag im Monat statt, woran sich die Mitglieder genau zu halten haben. Weipert. (R ich tig stcII ung.) Franz B icncr t wurde irrtümlich in unserer Nummer 27 als ansprnchSbcrcch-tigt ausgewiesen. Die Ansprüche der Hinterbliebenen muhte jedoch wegen Rückstand der Beiträge abgewiesen werden. Obernit,. Jene Mitglieder, welche Taschenkalender beziehen, wollen sich wegen Bestellung an Genossen D u f f c I wenden. Ferner sind die Mitgliedsbücher behuss Revision an den Zahlstellenkassicr abzugeben. Verschiedenes. Ein Dichter. Unsere Redaktion war diese Woche voft einem Dichter heimgesucht. Es ist wahrhaftig eine Heimsuchung, wenn einen ein Dichter besticht. Unter allen zweibeinigen Lebewesen, die unsere liebe Erdkugel bevölkern, sind die Dichter die abscheulichsten Geschöpfe. Sie wollen die ungereimtesten Dinge reimen und zwängen unsere tiefinnersten menschlichen Gesühle in starre Versmahe ein. Ich will es ja gestehen, datz auch ich einstmals auf Abwege geriet und auf eitt Haar zum Dichter herabgefunken wäre, aber mein Schutzengel bewahrte mich vor weiteren Fehltritten. Mein erstes, einziges und längstens Poem lautete: Erwachen! Am Morgen fällt der Morgentau, Die Milli bringt die Millifrau. Als mir der Vortrag dieser dichterischen Schöpsunst Prügel einbrachte, verzichtete ich aus weitere Reitversuche am Pegasus. Der uns besuchende Dichter erklärte ans die Frage nach feinem Genre, er schwebe abwechselnd zwischen elegischer Trauer und höchster Ivrischer Glückseligkeit dahin und brauche blotz jemand, der ihm unter die Arme greife. Ich tat ihm den Gefallen, erwischte ihn aber oberhalb der Arme und im Nu lag er drantzen am Bauch. Diese Behandlung hinderte ihn aber nicht, eine Auswahl Gedichte uns zur Tür hineinzuwerfen. Niemals vergesse ich die seelische Erschütterung, die ciiv trat, als ich eines der beschriebenen Blätter zu lesen aitfiny Das Gedicht begann: Wehmut. Mein Herz umkrallt ein heftiges Weh, Es krallt sich tiefer und tiefer, Bis datz es tiefinnerst sich eingekrallt Auch mich umkrallte bei dieser Lektüre ein heftige? Weh und ich schwur bei den Gebeinen Schillers, den Mann kurzweg zu erdolchen, wenn er sich noch einmal blicken lätzt. Literatur. Unser Kalender. Mit Stolz kann die deutsche Sozial, demokratic in Oesterreich auf den österreichischen Arbeiterkalender Hinweisen, der zu einem allen, ließen Freunde unseres Proletariats geworden ist, alljährlich neue, wertvolle Belehrung und Unterhaltung bietet, und uns durch das ganze Jahr ein wertvoller Führer ist. Mit einer von Otto König gedichteten kräftigen Ballade, betitelt „Peter Koning", setzt das Jahrbuch der österreichischen Arbeiterschaft ein, dann folgt ein eingehendes Kalendarium, an das sich eine reich illustrierte Jahresrückschan schlicht. Nachdenkliche Gedanken, die sich mit jedem Tag einstellen sollten» fügt Joses Luitpold an. Die 3tr. 28 Wien, Diensrag Gmnvaqttev.« 1. Oktober 1912 Seite' 15 wichtigsten Ergebnisse der letzten Volkszählung findet man im Kalender. Karl Marx und sein Werk erläutert Gustav Eckstein anläßlich des dreißigsten Todestages des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus. Verstreut finden sich in dem Kalender Ausführungen von Karl Marx über Konzentration und Monopol, über Frauen und Kinderarbeit, über die Konkurrenz der Arbeiter, auch kräftige Worte von Fourier über den Hunger. Zum Verständnis der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung trägt bei eine Abhandlung von Adolf Braun über die Tarifverträge. In die Geschichte der Arbeiter wie in die Kunst führt uns Wilhelm Hausenstcin mit der reich illustrierten Darstellung der Arbeiter in der alt-orientalischen Kunst. Mitten in die Gegenwart, in die Gefahren des Arbeiterlebens werden wir gerückt durch die Ausführung von I. B r o d über die Tragödie der Betriebsunfälle und durch die warmen Worte an die Frau und über die Frauen von Adelheid Popp. Unser geschichtliches Wissen wird erweitert durch Hugo Schulzens Darstellung der Befreiungskriege. Auch die Uebersicht zur Geschichte des Kalenders und die Darstellung beabsichtigter Kalenderreformen erweitern unser geschichtliches Wissen. In das nahe verwandte Gebiet der Geographie führt uns eine Studie von Gustav Walter: „Die Eroberung der Pole". Naturwissenschaftliche Darstellungen bringt der Kalender, so über die Großtierwelt des Alpennaturschuhparkes und über niedere Tierwelt in den Alpen, dann über den Geiser von Rank in Oberungarn und über die Geisiere auf der Erde. Ausführungen über die Alpen und Touristik leiten uns über zu Betrachtungen über die Arbeiter-touristik von Leopold H a p p i s ch, der mit den Darlegungen über den Arbeitersang von Josef Seyfried und über die Kinderfreunde von Max Winter interessante Aeußerungen aus der Arbeiterbewegung veranschaulichen. Hiezu gehören auch die Sammlungen von Adressen über unsere Arbeiter- Sekretariate, Gewerkschaften, Partei- und Gewerkschaftszeitungen, wie über unsere Gewerbeinspektionsbezirke. Für die Unterhaltung sorgen Skizzen und Novellen, so „Der Fischbraten" von Alfons P e tz o l d, „Der Geist aus der Starosten-burg" von Otto König, „Frau Wiesinger und die Konkurrenz" von Hans Pilz, „Der Bäckenschwab" von Veit Redivivus, das kräftige Gedicht von Richard Dehmel auf das Jahr 1812 und andere Beiträge. All das Material, das für einen Kalender notwendig, wie Post- und Telegraphentarif, Stempelskalen und dergleichen, enthält unser Oester-reichischer Arbeiter-Kalender, der im Jahre 1913 besonders gut geraten ist. Man muß im Interesse unserer Bewegung die weiteste Verbreitung dieses ebenso reich illustrierten wie durch mannigfachen wertvollen Text ausgezeichneten Kalenders wünschen. Wo der Oesterreichischen Arbeiter-Kalender für das Jahr 1913 bei unseren Partei- oder "Glühlichter„-Kolpor-leuren ausnahmsweise nicht zu haben sein sollte, da empfiehlt sich die Einsendung von 1 Kr. in Briefmarken an die W i e n e r Volksbuchhandlung, Wien VI/1, Gumpendorferstraße Nr. 18. worauf sofortige Frankozusendung des Kalenders erfolgt. Der Bahnmeister. Handbuch für den Bau- und Erhaltungsdienst der Eisenbahnen. Heft 5, 1. Hälfte: Baustoffe. Verfaßt vom dipl. Ingenieur A. Birk. Preis Kr. 1'70. Zu beziehen durch die Buchhandlung I. G. Calve, Prag I, Kleiner Ring. Dieses Heft enthält in gediegener Darstellungsweise das Wesentlichste der gesamten Baumaterialienlehre und gliedert sich in die Abschnitte: Die Bausteine. Das Holz. Die Metalle. Die Bindemittel. Die Neben st off e. Die Aufbewahrung und Erhaltung der Bau st off e. Die populäre, der Praxis an-gepaßte Behandlung des Stoffes und die vorzügliche Ausstattung. sowie der billige Preis des Heftes sichern demselben eine voraussichtlich große Verbreitung. Auch den Herren Bahnrichtern und Vorarbeitern des Erhaltungs- und Baudicnstes sei dieses Heft wärmstens empfohlen. Eingesendet. Kür diese Rubril Übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Arbeiter-Stonogrnphenvcrcin „Gabelöberger". Seit einer Reihe von Jahren besteht in Wien ein Arbeiter-Stcno-graphenverein „Gabelsberger", welcher Provinzgenossen brieflichen Unterricht in Gabelsbergerscher Stenographie erteilt. Seit dem Jahre 1907 gibt der Breein eine eigene, sehr gut redigierte, stenographische Monatsschrift heraus, welche 16 Oktavseiten umfaßt und zu den schönsten stenographischen Zeitungen Oesterreichs und Deutschlands zu zählen ist. Der „Arbeiter-Stenograph System Gabelsberger" ist die einzige stenographische Zeitung, welche seinen Abonnenten sozialistische Lektüre in Gabelsbergerscher Stenographie bietet. Der Abonnementspreis beträgt per Jahr Kr. 2-50. Mitglieder des Vereines erhalten die Zeitung kostenlos. Wir können dieses aus-zezcichnet schöne, korrekte stenographische Arbeiterblatt aufs wärmste empfehlen. Anfragen sind zu richten an Genossen Leopold P o d r a z i l, Wien XV, Märzstraße 124, I. Stock, Lür 23. Einer besonderen Aufmerksamkeit der P. T. Leser empfehlen wir das heutige Inserat der Firma Prokop Skorkovskh u. Sohn, Herren- und Damenkleiderstoffe-VersandhauS in Hum-volctz, Böhmen. "Diese bekannte, leistungsfähige Firma ladet die P. T. Leser ein, sich bei Bedarf vertrauensvoll an sie zu wenden und Muster zu verlangen. _ Hausfrauen, Gasthäuser, Hotels, Pensionen sowie andere Anstalten werden gut tun, sich bei Bedarf von Bettfedern, Daunen oder fertigen Betten, Bettwaren und Matratzen vertrauensvoll an das leistungsfähigste Versandhaus Max Berger '» Deschenitz Nr. 249 u, Böhmerwold, das diese Waren nach allen Ländern exportiert, zu wenden. Diese Firma, der es mög-uch »st. durch direkten Einkauf gute Qualitäten preiswert zu liefern kann mit Rücksicht auf ihre Rcellität jedermann bestens xinpfohlen werden. Näheres im Jnteratenteil. ..Biel,beneidete Menschen sind solche, welche sich eines guten Schlafes rühmen können. Wer einen gesunden Schlaf erzielen will, muß in erster Linie auf eine zweckentsprechende Ausstattung des Bettes bedacht sein. DaS altrenommierte Bettfedernhaus Josef Blahut in Deschenitz (Böhmerwald) liefert in vorzüglichen Qualitäten fertige Betten, Tuchent, Kopfpölster, Kinderbetten Leintücher, Matratzen. 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Ala per Juli und August; Böhmisch-Trübau, Branowih und Budigsdorf per August; Chyrow und Divacca per Juni, Juli und August; Elbogen, Golfern und Görknu per August; Görz I, Haidenschaft und Halicz per Juli und August; Jicin und Kanitz per August; Kojetein per Juli und August; Korszow und Lcipnik per August; Michelob per Juli und August; Podgorze per August; Podwoloczyska per Juli und August; RudolfSwcrt per August; St. Michele per Juli und August; Spittal an der Drau, Wien-Favoriten II, Wien-Ottakring, Zagorz und Zeltweg per August. Ausweis des Vereines „blfenbahnerheim", Wien. An Spenden für das „Eisenbahnerheim" sind bei uns aus folgenden Orten in der Zeit vom 1. September bis 30. September in Kronen eingelaufen: Ortsgruppe Krems 20 —, Tar-vis 10—, Janda (Prerau) 20'—, Johann Decker (Wien) 20—, Friedrich Pichler (Wien, N.-B.) 20—._______ Mitteilungen der Zentrale. Zentralausschußsitzung am 18. September 1912. — Verhandlung über die in der im Jahre 1911 stattgefundenen Delegiertenversammlung der Zentrale gefaßten Beschlüsse. — Berichte über den Stand des Baues von Personalhäusern. — Plan für die nächsten Zentralaus-schnßsitznngen. — Erledigung des Einlaufes. Sprechsaal. An die geehrten Ortsgruppcnfunktionäre und Mitglieder unseres Vereines! I. Wir bringen allen Ortsgruppenfunktionären und Mitgliedern zur Kenntnis, daß wir von nun ab die Nachsendung des „Eisenbahner" an jene Mitglieder, die mit ihren Beiträgen länger als sechs Wochen im Rückstand sind, nicht mehr besorgen. Von Expedition zu Expedition müssen gegen 2000 Exemplare extra nachgesendet werden. Diese besondere Manipulation kostet durch die Saumseligkeit der betreffenden Mitglieder, die sich ein Gewohnheitsrecht daraus gemacht haben, Taufende von Kronen. Es wird künftighin solchen Mitgliedern nur daö letzte Exemplar, von wo ab die Zahlung wieder beginnt, nachgeschickt. Damit neue Mitglieder von einer Abrechnung zur anderen nicht auf ihr Fachblatt warten brauchen, empfiehlt cs sich, daß die Aufnahmsscheine der Neuaufgenommenen sofort an uns eingesendet werden. Alle diesbezüglichen Aufnahmsscheine ersuchen wir mit dem Namen der Ortsgruppe oder Zahlstelle zu bezeichnen. Um Störungen in der Zusendung zu vermeiden, bringen wir allen Mitgliedern zur Kenntnis, nach jeder Uebersiedlung sofort die Adreßänderung an uns bekanntzugeben. Bei Adressenänderungen genügt die Mitteilung der Ortsgruppe, der Mitgliedsnummer, des Namens und der neuen Adresse. Bei Versetzungen oder Uebertritten von einer zur anderen Ortsgruppe oder Zahlstelle muß uns unter allen Umständen der Name, die alte Ortsgruppe und Mitgliedsnummer, die neue Ortsgruppe und Mitglieds-nummer sowie die genaue Adresse bckanntgegebcn werden, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sehr viel gleichnamige Genossen in unserem Mitglicderstand Vorkommen. Die Zei-tungsrcklamationen sind, wenn sie genau laut Vordruck und ohne jede andere Mitteilung ausgefüllt werden, portofrei. Anders ausgcfüllte Reklamationen werden von den Postanstalten als briefliche Mitteilung behandelt und mit Strafporto belegt. Neue Reklamationen sind bei der Zentrale anzufordern. II. An unsere geehrten Kassiere und Evidenzführer! Es kommt sehr häufig vor, daß mancher Genosse, anstatt regelmäßig allmonatlich abzurcchnen, erst in zwei oder gar erst in drei Monaten obrechnet. Wir ersuchen daher die Genossen in ihrem eigenen sowie tut Interesse der Mitglieder selbst, jeden Monat abzurechnen. Die Monatsbeitragscoupons ersuchen wir, um der Zentrale die Verwaltungskosten zu ersparen, arithmetisch (die Coupons für die H. U.) ebenfalls nach Mitgliedsnummern zu legen und mit einem Bindfaden zu binden. Der ausgefüllte Sendschcin sowie die vidierte und mit dem Ortsgruppenstempel versehene Kassabuchabschrift ist unbedingt der Couponsendung beizulegen. III. Bezüglich des Briefportos wollen wir nur folgendes anführen: Es kommt häufig vor, daß mancher Genosse dieCoupon-fendung in drei bis vier Doppelbriefen, welche zusammen nicht einmal 200 Gramm betragen, einsendet und wir machen sie daher aufmerksam, daß ein Doppelbrief, % Kilogramm, das heißt bis zu 250 Gramm 20 H kostet; nur wo da? Gewicht 250 Gramm übersteigt, ist die Sendung in zwei Briefen zu teilen oder als Paket zu behandeln. Niemals aber dürfen solche Sendungen als Drucksache versendet werden und wir bitten Sie, sich danach zu richten. Di* Administration. Achtung, Mitglieder der HintcrblieLenenunterstützung! Jene Mitglieder, welche mit den Monatsbeiträgen im Rückstand sind, werden freundlichst aufgefordert, die «stierenden Beiträge einzuscnden, da gegen die säumigen Mitglieder nach dem Punkt 10 des „H. U."-Statuts vorgegangen wird. Nach dreimonatigem Rückstand verliert jedes säumige Mitglied seine früheren Ansprüche und Rechte und riskiert einen Neubcitritt. Versammlungsanzeigen. In nachstehenden Orten finden Versammlungen statt: Eisenerz. Am 6. Oktober, um 8 Uhr abends, Monatsversammlung in Scheidls Gasthaus. Teplitz. Am 6. Oktober um 8 Uhr abends Monatsversammlung im Restaurant „zum Spaten". Bad - Aussee. Ab 1. Oktober werden die Monatsversammlungen im Vereinslokal abgehalten. Schärding. Die Monatsversammlungen werden von nun an jeden ersten Samstag im Monat um 7 Uhr abends in Schreiners Gasthaus abgehalten. Bodenbach. Am 6. Oktober um 8 Uhr abends MonatSbersamm-lung in der Volkshalle. Jglau. Am 13. Oktober nachmittags 3 Uhr in Wolframs Gasthaus in Wiese. - Briefkasten der Redaktion. Mitglied Nr. 85. Da Sie nicht zu jenen Dienern gehören, die vor de;n 1. Jänner 1909 angestellt worden sind, rücken Sie in die 1100 erst nach drei Jahren, demnach am 1. Jäner 1914 vor. — Marburg. Ihre Rechtsaufsassung betreffs der Leistungsverpflichtu»! irrige. — Bruck an der Mur. : um Lose der Eisenbahnerlotterie handelt, teilen wir mit,' daß diese beiden Lose nicht gezogen wurden. Es ist auch schon die g zum PensionSsondS ist eine Wenn es sich bei der Anfrage Frist zur Behebung der Gewinne dieser Lotterie verstrichen. — Kondukteur S. Für die vom 1. Jänner 1909 bis 1. Juli 1910 mit 900 Kr. angestellten Äediesteten wurde ein eigenes Bor-rückungsschema aufgestellt mit verschieden abgestuften verlängerten Vorrückungsfristen. Sie rücken nach diesem Schema am 1. Jänner 1913 vor. Zurückzuführen ist die Sache auf unvernünftige Quertreibereien christlichsozialer Maulreißer, die verhindern wollen, daß die ncuangestellten den älteren Dienern im Gehalt Nachkommen und die, anstatt den älteren Dienern Verbesserungen zu bringen, sich mit Verschlechterungen bei den Neuangestellten begnügten. Die Herrschaften nennen das re«; formieren. — Jügcrndorf. Mußte für nie nächste Nummer zurückbleiben. ‘ Für Den Inhalt der In-lernte übernimmt die Redaktion und Administration kalne wie Immer penrtete Ver» 0 » anfwortung. e Für daa Inhalt der laterale übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Vor-e e anfwortung. • » V MAGGI Würfel ä 5 h (fertige Rindsuppe) sind die besten! \&ettfedern\ \ und Zäunen B 1 Klio grnue geschlissene K 2-—, bessere K 2-4», halbwellte prima g K 2-80, welsso K 4 —, prima daunenweiche K G'—, hoohprlma K 7 —, ■ 8'— und am Daunen, graue K 6-—, 7'—, welsse prima K IO-—, Bruet-floum I{ 12 — von B Kilo an franko, 5 Fertig gefüllte Betten 5 ana dlchtfSdigem roten, blanen, gelben oder woiaecn Inlett ■ (Nanking), 1 Tuchent ca. 180 cm lang, 120 cm breit, samt 2 Kopf-gj politern, jeder ca. 80 cm lang, 60 cm breit, genügend gefüllt mit :gj neuen grauen, flaumigen and dancrhaftcn Bettfedejn K 16-—, Halb- B 2UUV140 cm grosa Kl. K 4'BO, 6’—, 6-BO. 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