Nr. 303. Dienstag, 8. Dezember 1914. 133. Jahrgang. Mbacher Zeitung P»»»««<»«tw»»»»^»: N!t Po st Versendung: ganMhiw »«ii, halbjährig ib li.. Im Kontor: ganzjährig « «, hulbjährlg 11 lc. Für die Zustellung in« Hau« «»nzjihrlg »X. - »»l»«»»«»»^,biU,»: Für llcine Inserate bis zu vier gellen 8« l», größere per Zeile 1» b: bei öfteren Wtidnholungen per Zeile 8 li. Die «Laibacher Zeiruug» erscheiüt täglich, mit Nusxcchme der Sonn- und Feiertage. Die Kd«»nlftraN«» befinde sich VNllMöftrahe Nr. 1«: die »,b»k««« Millosiösttahe sir. 1«. Vprechswnden der Redaltion von » bi« 1« üb« vormittags. Unfranlierte Vriefe »erben nicht angenommen, Manustript« nicht zurückgestellt. Telephon-Nr. der «edattion 52. Der Arteg. Telegramme des k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus. Österreich-Ungarn. Von den Kriegsschauplätzen. Wien, 7. Dezember. Vom südlichen Kriegsschauplätze wird amtlich gemeldet: 7. Dezember: Die mit der Einnahme von Belgrad bedinsstcu Operationen erfordern nunmehr eine Umgruppierung unscrcr Kräfte, deren Details sich naturgemäß der allgemeinen Verlautbarung entziehen. Wien, 7. Dezember. Amtlich wi,rd verlautbart: 7. Dezember mittags: Das Ringen um die Entscheidung auf drin russischen Kriegsschauplätze dauert an. Österreichisch ungarische und deutsche Truppen wiesen im Angriffe im Naume südwestlich Piotrtow die über Nowa-radomsl nordwärts verstrebenden russischen Kräfte zurück, indes die deutschen Truppen den Feind zum Weichen zwangen. In Westgalizicn sind gleichfalls größere Kinnpfe im (vnnssc. Ihr Ergebnis steht noch ans. In diesem Naume nahmen unsere «nd deutsche Truppen gestern weitere 1500 Nüssen gefangen. In den Karpathen wird weiter gclämpft. An manchen Etcllcn hat der Feind starte Kräfte wieder hinter den Oellirgstamm zurückgezogen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstab es: v. Höfer, Generalmajor. Audienz. Wien, 7. Dezember. Seine Majestät der Kaiser hat schern den gemeinsamen Finanzminister Dr. Ritter linn Vilinski in einstündiger besonderer Audienz emu-fana.cn. Schlechte Organisation des russischen Trains. Wien, 7. Dezember. Aus dem Krieaspresseqnarlier wird gemeldet: Ein beredtes Zeugnis dafür, daß die Nüssen unsere Überlegenheit, die in unserer besseren Disziplin und in der besseren Organisation unseres Trains und unseres Nachschubdienstes liegt, selbst fühlen, ist folgender vom Kommandanten der vierten russischen Armee ausgegebener Armeebefehl, der bei einem gefangenen Offizier des 297. Infanterieregiments gefunden wurde. Befehl Nr. 539 vom 31. OUuber (13. November) 1914: Nach der Meldung des aus der Gefangenschaft geflüchtcten Slabshanptmauncs der 1. Grcna-dier-Artillcricbrigade Szozegoler herrscht bei den Trains unseres Gegners eine mustergültige Ordnung. Diese Parts entbehren jeder besonderen Bedeckung. Ich mache die Korpskommandantcn darauf aufmerksam und drücke mein tiefstes Bedauern aus, das; ungeachtet einer großen Ncihe von Befehlen und Anordnungen in unseren Train-Parts noch immer keine Ordnung herrscht. Ich befehle energische Maßnahmen, lim endlich eine so wichtige Angelegenheit zu ordnen. General Ewert, Kommandant der vierteil Armee. Erzherzog Friedrich an General von Mnckensen. Wien, 7. Dezember. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Seine k. und f. Hoheit Armecobcrkom-mandcmt General der Infanterie Erzherzog Friedrich hat an den General der Kavallerie von Mackensen anläßlich seiner Allerhöchsten Auszeichnung folgendes Telegramm gerichtet: „Mit großer Freude vernehme ich, daß Ihre k. und k. Apostolische Majestät Eurer Exzellenz das Groß-trcuz des LeoftoldOrdens mit der Kricgsdcloration verliehen hnt. Eure Exzellenz zu dieser Anerkennung meines Allerhöchsten Kriegsherrn wärmstens beglückwünschend, habe ich die feste Zuversicht, daß der unter der glänzenden Führung Eurer Exzellenz stehenden neunten Armee in nächster Zeit großartige Erfolge beschieden sind. General der Infanterie Erzherzog Friedrich, Arme» oberlommcmdant." Glülkwunschielegramme an General v. Frank. Prag, 6. Dezember. Bürgermeister Dr. GroZ hat am 3. d. an den General der Infanterie Liborius Ritter von Frank folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Zu der Allerhöchsten Anerkennung und Auszeichnuug, die Eurer Exzellenz eben von Allerhöchster Stelle durch Verleihung des Großkrcuzcs des Leopold-Ordens mit der Kriegsdekoration Zuteil wurde, erlaube ich mir, Eurer Exzellenz im Namen der Vertretung sowie der gesamten Bevölkerung der königlichen Hauptstadt Prag den aufrichtigsten Glückwunsch auszudrücken, und zugleich sprechen wir zu dem historischen Erfolge Seiner Majestät tapferen Armee unter Ihrer ausgezeichnet bewährten Führung unseren Glückwunsch aus." — Gestern langte folgende Antwortdcftesche des Generals der Infanterie Liborius Ritter von Frank ein: „Sehr gerührt durch die freudige Anteilnahme an der Einnahme oon Belgrad am Tage des 66. Negicrungsjnbiläums Seiner Majestät unseres in tiefster Ergebenheit geliebten Kaisers und Königs, bitte ich Euer Hochwohlgeboren sowie auch die Vertretung nnd die gesamte Bevölkerung der königlichen Hauptstadt, meinen nnd meiner tapfere»! Soldaten innigsten Dank entgegenzunehmen." Zara, 7. Dezember. Statthalter Graf A items sandte anläßlich der Besetzung Belgrads an den Armee-kommandantcn General der Infanterie Ritter von Frank ein Glückwunschtelegramm. Die Kricgsanleihe. Wien, 7. Dezember. Wie das Postsftarkassenamt mitteilt, wird die ansnahinsweisc Annahme von Zeichnungen auf die Kriegsanlcihc bei Banken und sonstigen Zeichcnstcllcn ab 10. Dezember l. I. eingestellt. Noch in Verhandlung stehende Zeichnnngen sowie alle Zeichnungen von im Felde stehenden Zeichnern, von Fonds, Stiftungen, für Mündel ufw. sind von diesem Zeitpunkte an bei dem Postsftart'assenamte durchzuführen. Sitzung des nnnarischen Mnnnatcnliauses. Äutmftcs», 7. Dezember. (Ungar^Vureau.) Präsident Iosika eröffnet die Sitzung um 1t Uhr vormittags mit folgender Ansprache: Hohes Maguatenhaus! Ich glaube den Gefühlen von uns allen Ausdruck zu geben, wenn ich dcr ruhmvollen Waffcntaten unseres tapferen Heeres gedenke, die nicht nur innerhalb unserer Grenzen berechtigte Freude, sundern sicherlich auch das Gefühl der ,;ur Geltung kommende» sühnenden Gerechtigkeit überall erweckt hat, wo die Ursachen des Krieges cms eine unvoreingenommene Prüfung rechnen tönneu. Tie Siegesfahne, welche unsere wackeren Soldaten am Ü. Dezember aus den ginnen der Belgrader Festung hitzten, bedeutet neben dem Erfolg unserer Waffen auch den Sieg der beleidigten moralischen Wellordnnng an derselben Stelle, von wo die Mimerarbeit gegen unsere staatliche Hoheit und Integrität unmittelbar crusgegaugen ist. Das hohe Haus wird gewis; zustimmen, wenn ich beantrage, das; wir der patriotischen Freude und der moralischen" Genugtuung über die, glänzenden Erfolge, unserer auf den südlichen Schlacht, feldcrn fämpfenden Trnppen protokollarisch Ausdruck geben. (Allgemeine Zustimmung., Der Ministerpräsident habe ihn verständigt, daß Seine Majestät die Huldigung des Maguatenhauses suwic den Hinweis auf den Heldenmut des Heeres mit lebhafter Genugtuung entgegengenommen habe und den besten Dank übermitteln lassen für die iu der Zcit des gegenwärtigen schweren Kampfes besonders wohtuende Kundgebung der vom Magnatenhausc ledergeit bekundeten Gefühle der Treue. Das Antworttcle-gramin des Erzherzogs Friedrich besagt, daß der Herr Erzherzog mit tiefer Rührung die von patriotischer Begeisterung durchdrungene Begrüßung des Magnatenhauses erhalten habe nnd bon Herzen dafür danke. Die bewaffnete Macht erfülle iu Treue ihre Pflicht und die edle ungarische Nation finde in dem in so erhebender Weise bewndeteu Vertrauen und festen Glauben an seine Iu-tunft die Kraft und Ausdauer, nm die Angriffe, welche unsere mächtigen Feinde gegen unser Vaterland richteten, zurückzuschlagen. Tie A'ntiuortdepesche des Herrn Erzherzogs Friedrich wird vom Hmise mit freudiger Begeisterung znr Kenntnis genommen. — In Erledigung der Tagesordnung werden zunächst die Wahlen in den Aus-wauderungssenat vorgenommen. Sodann werden die vom Abgeordnelenhanse erledigten Vorlagen, darunter jene über den Exetutionshilfevertrag mit Österreich, über die Verlängerung der Mandatsdauer der gewählten Mnnizipal-beainten, über die Ergänzung der Ausnahmsvcrfügungen für den Kriegsfall uud über die Verwendung der Hon-ved nnd des Landsturmes außerhalb der Grenzen des Landes, über die Errichtung der Kricgslasse und Unterstützung der Familien der in den Krieg gezogenen Soldaten verhandelt. Die Vorlagen werden ohne Debatte angenommen. Es folgt die Verhandlung der Vorlage über die provisorische Erhöhung der Einkommensteuer für Zwecke der Kriegsfürsorge. Fürstprimas Dr. Johann Csernoch verweist auf die Opferwilligteit, welche dic ganze ungarische Gesellschaft in diesen: Kriege betundet. Der Krieg erfordere große uud mißerordentliche Opfer. Wir ertragen gerne, fährt Redner fort, die Last, die auf uns gelegt wird, denn die Opfer, welche loir jetzt zu bringen haben, tönueu gar nicht verglichen werden mit den Opfern, welche unsere ins Feld gezogenen Soldaten von Tag zu Tag bringen, iudem sie Leben und Blut opfern für unser tausendjähriges Reich, für dessen Sicherheil, Selbständigkeit uno glülNiche Zuluuft (lebhafte Zustimmung). Die beispiellosen Heldentaten unserer ruhmreich lämpfeiidcn Soldaten füllen die Blätter unserer Geschichte mit neuem Ruhm. Unter dein Eindrucke dieser Heldentaten Hal sich die ganze ungarische Nation geeinigt. Unsere Nation war nie so innig verschmolzen wie jetzt. Dieser Krieg ist der Krieg der ungarischen Nation. Unsere tämvfendcn Soldaten wird es mit Befriedigung erfüllen uud zu weiteren heldenmütigen Taten aneifern, wenn sie sehen, das; auch die Gesellschaft, der es nicht gegünut ist, am Kriege selbst teilzunehmen, ihre Pflicht erfüllt. Redner schildert sodann die soziale Tätigkeit der Gesellschaft, besonders die Wirt« samkeit der ungarischen Frau auf dein Gebiete der Kriegsfürsorge, nnd tx'lont, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Klassen der Gesellschaft sind geschwunden. Die ganze Nation ist ein Her,;. Das Endergebnis kann nicht ausbleiben. < Langanhaltender lebhafter Beifall.» — Sodann wird die Vorlage im allgemeinen und in den Einzelheiten angenommen uud die Sitzung geschlossen. Festsetzung von Höchstpreise«. Wien, 7. Dezember. Auf Grund der Ministerialver- l,ll>nuiig vom 28, November 1914 hat die niederösterreichische Ctatthaltcrci für den Großhandel mit Getreide und ü)ichl im Erzherzogtum Osterreich unter der Enns nachstehende Höchstpreise festgesetzt: u.) Für Getreide: für einen Meterzentner Weizen von 7(! .Kilogramm Hek-'»utcrgcwicht 40 X 50 /i, für einen Meterzentner Nog-gcn zu 70 Kilogramm Hektolitcrgewicht 33 X 50 /t, für eiucn Meterzentner Gerste 29 X, für einen Meterzentner Mais, ausgenommen (5inquantin- uud Weißmais, natürlich trocken oder künstlich getrocknet, 24 X. Beträgt das Gewicht des Hektoliters Weizen uur oder weniger als 76 Kilogramm, so steigt, bczw. sinkt der vorstehende Höchstpreis sür jedes volle Kilogramm des Heltoliter-gewichtcs nm 20 Heller; bei Roggen von mehr oder weniger als 70 Kilogramm per Hektoliter steigt oder smkt'der Höchstpreis für jedes volle Kilogramm um 15 Heller per Meterzentner. Diese Zu- und Abschläge finden jedoch nicht über drei Kilogramm Mehr-, bezw. Mindergewicht statt. l>) Für Mehl: Weizengrieß und feines Weizcnbackmehl 67 /^" 85 k per Meterzentner; Wcizcnbrolmchl 47 X 55 /i per Meterzentner; Weizen-glcichmchl 49 X 40 k per Meterzentner; Roggcnmehl 45 X 35 /t; Gcrstcnmehl 45 X 75 /t und Maismehl 34 X 80 /l per Meterzentner. Diese Preise verstehen sich für den Ort der vertragsmäßigen Lieferung ohne Sack gegen Aarzahlung (netto per Kassa). Die Höchstpreise für die im Sinne der ss 3 bis 5 der Ministcrialveroro-nung vom 23. November 1914, R. G. Vl. Nr. 324, aus den vorstehend angeführten Mchlgattungcn hergestellten Mifchmchle berechnen sich nach den pcrzentucllen Verhältnissen der zur Vermischung verwendeten Mchlgat-tungcn. Diese, Höchstpreise haben vom 10. Dezember 1914 an zn gelten. Budapest, 7. Dezember. (Ungarisches Telegraphen-Korresvondenzbureau.) Der Hauptstadt isckx» Magistrat hat folgende Höchstpreise festgesetzt: n) Getreide: Weizen pro 10« Kilogramm 41 X. Roggen 82 K 70 n. Gerste 28 k, Mais ^ X; d) Mehl: Nichtvermengtcs Mehl: Weizen, mehl: Feines Backmchl (0) 68 X 08 li per 100 Kilo» Laibacher Zeitung Nr. 303_________________ _________2478_____________________________________8. Dezember 1914 gramm, Kochmehl (nicht dunkler als Zwcicrmchl) l>4 K 58 Ii, Vrotmehl ^8 K 13 li, Mchl cincr Qualität (Gleichmehl) 5)0 l< 0^ I,, Noggenmchl 4i X ^4 I>, Gerstcnmchl 44 X 1« I,, Maismehl !N K U0 k, Ka-rtoffelmehl ^ l<. Neismehl 5^ K pcr 100 Kilogramm. Die Verordnung tritt am 1U. d. M. iu Kraft. Die Cholera. Wien, 7. Dezember. Vom Sanitätsdeftartcment des Ministeriums des Innern wird mitgeteilt,: Am 7. Dezember wurde je ein Fall asiatischer Cholera in (5illi und Wlmnberg (Bezirk Pettau) sowie in Grimstal (Bezirk Prerau) und Sternberg (Mähren), drei Fälle in Troft-pau baktcriologisch festgestellt. Außer den Erkrankungen in Cilli und in Grimstal handelt es sich um Personen, die vom nördlichen Kriegsschauplätze eingetroffen sind. In Krakau ist ein Cholerafall bei einem Soldaten vorgekommen, Blattcrnfälle. Wien, 7. Dezeiuber. In Wien gelangten seit Ende Oktober vier Fälle von Blattern bei Militärpersoncn, die vom nördlichen Kriegsschauplätze eingetroffen sind, sowie seit 1. November sieben Fälle unter der Zivilbevölkerung zur Beobachtung. Es wurde sofort die Durch^ führung umfassender Impfungen eingeleitet. Ferner find seit 1. November zwei Blatternfälle in Kremfier und ein Fall in Göding in Mähren, je ein Fall in Troppau, Dziediz (Bezirk Vielitz), Schönichel (Bezirk Freistadt) und Iuoeinig (Bczii-k Freiwaldau) in Schlesien, alle bei znn'ickgckchrtcn Militärpcrsoncn, sowie neun Fälle in Krakau (sieben Soldaten und zwei Zivilpersonen) und ein Fall in Oswiccym bei Militärpcrsoncn vorgekommen. Deutsches Neich. Von den Kriegsschauplätzen. Berlin, 7. Dezember. Das Wolff-Bureau meldet: Großes Hauptquartier, 7. Dezember: Vom westlichen Kriegsschauplätze und östlich der Mafnrischen Scenplatte liegen leine besonderen Nachrichten vor. In Nordpolcn haben wir im langsamen Ninssen um Lodz durch das Zurückwerfen der nordlich, westlich und südwestlich dieser Stadt stehenden starten russischen Kräfte einen durchgreifenden Erfolg errungen. Lodz ist in unserem Vesche. Tie Ergebnisse der Schlacht lassen sich bei der Aus° dehnung deö Schlachtfeldes noch nicht übersehen. Tic russischen Verluste sind zweifellos sehr grosi. Versuche der Russen, aus Südpolen ihren bedrängten Armeen im Norden <',u Hilfe zu lununcn, wurden durch Angriffe österreichisch-ungarischer und deutscher Kräfte in der Gc gend südwestlich Piotrkow vereitelt. Oberste Heeresleitung. Keine rückwäi-tigen Bewegungen der deutschen Truppen am?1scr-ztanale. Berlin, 6. Dezember. (Amtlich.) Das WolffVurcau meldet: Die im Auslande verbreiteten Meldungen von rückwärtigen Bewegungen der deutschen Truppen am Yfer-Kanale sind falsch. Die Stellung Deutschlands zur Südafrikanischen Illlion. Berlin, 7. Dezember. (Amtlich.) Von burischer Scitc wurde die kaiserliche Regierung um du» Abgabe einer Erklärung über die Stellung Deutschlands zur Südafrikanischen Union während des gegenwärtigen Krieges gebeten. Der Staatssekretär dcs Reichstolonialamtes Dr. Solf gab eine Erklärung ab, in der es heißt, das; die deutsche Regierung niemals beabsichtige, das Territorium der Südafrikanischen Union vorübergehend oder dauernd zu besehen, und das;, soweit es der kaiserlichen Regierung be-taunt geworden, das Territoriuni der Union, ehe die südafrikanische Regierung dcu Angriff auf Tetltsch-Südwest-nfrila anordnete, von dort weder zu Nasser noch zu ^crude angegriffen wordcn ist. Deutschland wünscht die Feindseligkeiten, die, ihm durch die Regierung der Südafrikani-fchen Union aufgezwuugen wnrlX'n, einzustellcit, voralis-geseht, das; auch die Regierung der Union von weiterein feindlichen Vorgehen gegen deutsches Territorium Abstand nimmt und die bereits besetzten Gebiete wieder räumt. Sollte sie. den ^iidafritanern einen unabhängigen Staat errichten, wird ihn die deutsche Regierung anerkennen und seine politische Unabhängigkeit sowie territoriale Integrität respektieren. Serbien. Die Räumung Belgrads. Niz, 5. Dezember. Offizielle österreichisch-ungarische (?) Blätter melden, das; Belgrad von österrcichisch-uw ^arischen Truppen im .Kampfe genommen wordcn sei. Das ist vollkommen falsch. Belgrad wurde Sonntag den 29. November von den Trnppcn und dcn Behörden geräumt. Dic gemeldeten l?) Kämpfe in der leeren Stadt können nur mit Patrouillen der Nachhut, die sich gleichfalls zurückzogen, stattgefunden haben. Es handelt sich also nicht um eine Eroberung Belgrads nach vorausgegangenem Kampfe, sondern einfach um dcn Einzug des Fciudes. (Bemerkung: Etwas anderes ist in unseren Blättern nie behauptet worden.) Ein Anbot Serbiens an Bulgarien? Kllnstantiuopel, 7. Dezember. „Tanin" erfährt, dcch nach der serbischen Niederlage der englische Gesandte in Sofia namens der Mächte der Tripelenicntc der bulgarischen Regierung in offizieller Form erklärt habe, Serbien sei bereil, den ganzen Teil Mazedoniens bis zum Vardar abzutreten. Das Blatt glanbt, das) Bulgarien dieses Anerbieten ebenso ablehnen werde wie daü erstemal. - Dasselbe Blatt erfährt, datz der Schritt Serbiens in Griechenland lebhafte Unzufriedenheit hervorgerufen habe, da dieses fürchtet, das; es im Falle der Verwirklichung des serbischen Angebotes von Bulgarien eingeschlossen wäre. Die fremden Gesandten bleiben noch in Ni8. M5, 5. Dezember. Das serbische Prcßbureau bezeichnet die aus bulgarischer Quelle stammende und von einem Teile der auswärtigen Presse übernommene Meldung, wonach die Gesandten der fremden Mächte sich anschielen, Ni^ zil verlassen, als vollkommen jallch. Hie Schweiz. Das Überfliegen schweizerischer Gclüetc. Aeru, 7. Dezember. Aus die, Vorstellung, die der Bun. desrat bei der britischen und der französischen Regierung wegen überfliegens schweizerischer O^hiete durch die englischen Flngzenge erhoben hatte, gab der französische Botschafter eine Erklärung des französischen Ministers des Miszern ab, die dahin geht, datz dieser Vorfall, sosern er erwiesen sei, aufrichtig bedanerl werde. Der Vorfall tonne gewis; nur der Unachtsamkeit zugeschrieben werdeil; im übrigen lege die französische Regierung mehr als je Gewicht anf die schweizerische Neutralität. Die britisch Regierung entschuldigte sich auf ähuliche Weise, fügte jedoch hiuzu, sie wünsche iiu Anschlüsse daran festzustellen, daß aus den ihren Fliegern erteilten Instruktionen uud dem dein Bundesrate wegen der Nichtbeachtung ausgesprochenen Bedanern keine allgemeinen Schlüsse daraus gezogen werden können, das; sie den nicht unbestritten geltenden völkerrechtlichen Grundsatz, betreffend die GcbietsholM über dem Luftraum, ihrerseits anerkenne. Der Bundesrat dankte beiden Regierungen für die Erklärung und nahm die Gelegenheit wahr, der britischen Regierung neuerdings mitzuteilen, das; mit Rücksicht darauf, datz teiue völterrcchlliche Beschränkung der Gebietshoheit über dein Luftraum bestehe, er letzlere in vollem Umfange gellend machen müsse und schon bei Gelegenheit der Mobili-nerung der Truppen entsprechende Weisungen zum Schutze oerselben erlassen habe. Der Seekrieg. Neue englische Schiffe. ^Mldo«, ?. Dezember. In der Flottenliste für Dezember befinden sich unier den nenen Schiffen die leichten Kreuzer „Cambrian" und „Wallaroo", der Panzertre.izer .^.n'jx'l'ieuse" und mehrere Torpedoboote. Das Flaggschiff einer Flottille erhielt den Namen „Botha". Der Panzer für das neue Panzerschiff „Royal Oak" ist fertig. Das Schiff soll bald in den Dienst gestellt werden. .^wci schwedische Dampfer durch Minen gesunken. Htucr. Meldung der Petersburger Telegr^ifthenagentur. In (^egenlrmrt des diplomatischen >iorps eröffnete der Schah den dritten Medschlis durch eine Thronrede, in der er die Vertreter dcr Nation aufforderte, an der Wiedergeburl Persiens mitzuarbeiten. Die Thronrede schloß mit dcr Erklärung, dah dcr Schah entschlossen sei, stritte Neutralität zu beobachten. Der Aufstand in Südafrika. Zweck dcr konzentrierten Operationen. Pretoria, «. Dezember. (Meldung des Ncuter-Vu-ceaus.) General Botha meldet in einer Depesche von konzentrierten Operationen, die bezwecken, dic einzigen übciggeblicbencn nennenswerten Vurcnabteilungcn einzuschließen und gefangen zu nehmen. Obwohl diefc Operationen durch Nebel behindert waren, wurden bereits 5)50 Vuren gefangengenommen, ohne daß die Ne.gie-mngstruppcn irgend wclchc Verluste gehabt hätten; weitere 200 ergabcn sich. Die Vereinigten Staaten von Amerika Das amcritanische Wcihunchtsschiff. He»ua, ?. Dezember. Heule um l Uhr mittags ist der amerikanische Danipfcr „Iason" hier eingetroffen, der in Ainerita gesammelte Weihnachtsgescheute für die armen Waisen der befallenen der österrcichisch-ungarischen und deutschen Armeen bringt. Nitter von Rohrer -j-. Brunn, 7. Dezember. Aus Anlaß des Ablebens des ersten Vizcbürgermcistcrs und Präsidenten dcr Handels-und Gewcrbcl'ammcr Nitter von Nohrcr sind der Gemeindevertretung sowie der Handels- und Gewcrbekam-mcr zahlreiche Kondolenzen zugegangen. Ministerpräsident Graf Stürglh richtete an dic Handels- und Gc-werbekammcr ein Telegramm, worin er scincm aufrichtigen und wä'rinstcn Veilcid anläßlich des Hinschcidcns dieses hochverdienten Präsidenten Ansdruck gibt. Statthalter Freiherr von Alcyleben erschien gestern im Nat-hause, um dem Bürgermeister und dcr Gemeindevertretung persönlich sein Vcilcid auszudrücken. Der Parteitag dcr Deutschen Fortschrittspartei in Mähren nnd der Vollzugsausschuß der Fortschrittspartei der Deutschen in Vrünn hielten heute eine gemeinsame Trauersihling ab. Morgen halten der Gemeinderat und die Handelskammer Trancrsihungen ab. Druck und Verlag von Jg. v. Kleiumayr