cftexw der Heg Qi^yfin- Cr.t.,,5 "Y" hstf ftstr CY?i>= . \ — 3^fHTflliMr#tio Iril r hrtct Ct st h f 1Q9A Der Setltge Vater Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. ftalDolifdje MissiondseltWifl. Bezugspreise sür das Jahr 1925 Ganzjährig: Für Österreich 2 Schillinge, für Deutschland 2 Goldmark, für Italien und Alto Adige 8 Lire, für die Tschechoslowakei 1v Tschechokronen, für Jugoslawien 24 Dinar, für Ungarn 24.000 ung. Kronen und für die Schweiz ' • : : : 2 Franken. : : : : : Lerausgegeben vom Missionshaus Graz, Paulustorgaffe 10, Steiermark. Rest 11. Douember 1925. XXVIII. Iahrg. 'tt Nochmals ui) lernn bi. it i> freundlicher Leser, du bist gewiß mit großem Interesse dem Artikel von Bruder August Cagol gefolgt: „Am Muhlemubi", und hegst gleich uns' den aufrichtigen Wunsch, es möchte doch die geplante Station auf der Farm „Rolle" mitten unter Eingeborenen gegründet werden. Die Aussichten für eine reiche Seelenernte wären gute. Nun droht das Werk zu scheitern, da die nötigsten Geldmittel fehlen. Es ist ein Notschrei, der aus den Zeilen zu uns spricht, die Bruder Cagol unterm 9. August an die Redaktion richtete: „Der vollständige Mangel an Geldmitteln macht die Inangriffnahme der beabsichtigten Station auf „Nolle" für Heuer unmöglich , .. Das gleiche ist zu sagen von einer geplanten Missionsstation bei Witbank. Die Werke für die Eingeborenen sind immer passiv und beanspruchen bei den hiesigen Verhältnissen große Geldsummen ..." Möchtest du da nicht helfend eingreifen und dein Geld anlegen zu Wucherzinsen, die dir einen reichen Schatz im Himmel eintragen? Möchtest du nicht helfen, dem Heiland Seelen zu gewinnen, die so kostbar sind wie Jesu Herzblut! Hilf, ich bitte dich, hilf, wo die Not am größten, weil Seelen-Not! Wir sind gerne bereit, einlaufende Gaben mit der ausdrücklichen Bezeichnung: „Für Rolle" an den hochwürdigsten Herrn Präfekten von Lydenburg weiterzuleiten. fr it Unsere neue Kird)e in fftario^Croft S\ it Vs Von P. Bernhard Zorn, F. S. C. X £ ieser zweite Teil meines Berichtes K über den Bau unserer neuen ilö Kirche in Maria-Trost ist ein kleines Intermezzo, das man einem armen Missionär gewiß nicht übelnehmen wird. Als ich mit der Reinigung des Baugrundes für die Kirche anfing, wurde der Kostenaufwand auf 25 Pfund veranschlagt. Als aber später mehr, als vorgesehen war, mit Bruchsteinen gearbeitet wurde und als ich den Leuten, die ich für diese Arbeit anstellen mußte, den doppelten Lohn auszahlen sollte, da waren die 25 Pfund zu Ende, noch bevor der Bau zur Hälfte fertig war. Ein paar Nächte brachte ich schlaflos zu, dann aber schämte ich mich, daß ich so wenig auf Gott und seine heiligste Mutter vertraute und ließ flott weiterarbeiten, obwohl die Kassen leer waren. Und siehe da, noch am nämlichen Tage kam ein Brief vom hochwürdigsten Herrn Präfekten, worin er mir schrieb: „Bitten Sie den hochwürdigen Pater Rektor (P. Matthias Rasfeiner), er möge alles Geld, das er von seiner Reise erübrigte, dem Kirchensonds zur Verfügung stellen. Später tonnen Sie dann einen schönen Artikel für den ,Sterrü schreiben, worin sie den guten und edlen Wohltätern aus der fernen Steiermark ausweisen, wie ihre großherzigen Gaben, die sie jenem Pater verabreichten, jetzt zum Bau der ersten Kirche verwendet werden." So war mir wieder geholfen! Bald daraus ging ich nach Lhdenburg, wo ich einige Geschäfte zu besorgen hatte. Es war das erstemal seit meiner Ankunft, daß ich in die Stadt kam. Heute zeigte sie ein ganz anderes Gesicht, ein festliches Gepräge. Die Protestanten feierten den 75. Gedenktag der Gründung ihrer Kirche. An die 40 Prediger und ungezählte Scharen waren aus allen Teilen Transvaals zum Feste gekommen. Ob aus Andacht oder Neugierde? Ich glaube, beides dürfte den Ausschlag gegeben haben. Viele von ihnen sind wirklich gut und gewissenhaft. Sie gehen fleißig in die Kirche und führen ein geordnetes Leben. Daß sie auch neugierig sind, wird ihnen beim Kirchweihfest niemand übelnehmen. Die meisten sind aber auch sehr fanatisch, waren es früher sogar noch viel mehr. Bevor noch die englische Regierung hier festen Fuß faßte, durfte sich ein Katholik überhaupt nicht blicken lassen. Als die ersten „Schwestern von Loreto" in Lpdenburg ankamen und eine Schule eröffneten, war der Haß und die Verachtung gegen sie so groß, daß man ihnen immer auswich, wenn man ihnen auf der Straße begegnete. Niemand wollte ihnen etwas verkaufen oder die Kinder in ihre Schule schicken. Da kam mir unwillkürlich in den Sinn, was ich im Sudan, in Wau erlebte. Dort hatte ich auch eine Kirche, eine Schule und ein Haus für einheimische Kinder erbaut. Da die Mittel es mir nicht erlaubten, solide Dächer aus Wellblech anzuschaffen, mußte ich alles mit Stroh decken. Fanatische Mohammedaner sahen ungern, daß die verhaßten Katholiken ins Land gekommen waren und ihnen Konkurrenz machten. Was taten sie? Bei Nacht zündeten sie die Strohdächer an und in ein paar Stunden war alles ein Raub der Flammen. Wir fingen von neuem an, aber wiederum wurde alles eingeäschert. Die Regierung tat ihr möglichstes, um die Übeltäter zu entdecken, was ihr auch gelang. Sie wurden energisch bestraft und ausgewiesen. Für die arme Mission bedeutete es aber einen großen Verlust an Geld und Zeit. Daran dachte ich, wie ich die vielen Protestanten sah. Wie ein Blitz fuhr es Missionär weit im Süden Afrikas zu Gottes größerer Ehre und der armen Schwarzen Segen durch Übersendung eines „Bausteines" aus der Not hilft. Wer dem lieben Gott leiht, bekommt alles mit reichen Zinsen wieder zurück.*) Ich bat also unseren hochwürdigen Herrn Präfekten, die Wellbleche und alles Nötige zu einem soliden Dache in Lourenco-Marquez zu bestellen. Wird es auch teuer. Unsere neue Kirche in Maria-Trost. mir durch den Kopf: „Und wenn Sie es mir in Transvaal auch so machten?" Diese Möglichkeit war nicht ausgeschlossen. Wie konnte ich der Gefahr vorbeugen? Wenn ich unsere Kirche statt' mit Stroh mit Wellblech deckte! Aber woher die Mittel nehmen? Das Dach wird in diesem Falle zwei- bis dreimal mehr kosten als der ganze übrige Bau. Diesmal will ich mein Vertrauen auf Gottes liebevollen Beistand nicht wieder verlieren. Ich vertraue, daß sich manch braves Herz findet, das einem armen so ist es doch auch .haltbarer, sicherer vor Feuersgefahr und passender für eine Kirche. So wurde denn das Dach wirklich bestellt. Vor Freude schlief ich in der folgenden Nacht auf beiden Ohren. Am Sams- *) Wir bitten unsere verehrten Leser, den Hilferuf unseres guten P. Bernhard nicht angehört verhallen zu lassen. Will ihm jemand eine Unterstützung sür seine neue Kirche zukommen lassen, so möge er sie an unsere Adresse senden mit dem Vermerk: „Für den Kirchenbau in Maria-Trost." tag, 9. April, kam das Material von der Hafenstadt an. Bruder Huber kam eigens von Witbank hieher, um es aufzustellen. ■ Und wie soll die Kirche heißen, wenn sie einmal fertig dasteht? Unsere Farm heißt „Maria-Trost" und die liebe Himmelsmutter hat uns schon so viel Gnaden und Hulderweifungen zukommen lassen, daß es undankbar wäre, wollten wir ihr nicht auch die erste Kirche weihen. „Kirche der Unbefleckten Empfängnis" soll daher ihr 9'tame sein. An meinem Primiztage, 15. August 1902, schenkte mir ein braver Mann aus meiner Heimat eine kleine, aber sehr schöne Statue der Unbefleckten Jungfrau. Wohin der liebe Gott mich auch in den folgenden 23 Jahren geführt hat, stets habe ich die Statue mit mir genommen. Und wenn auch mein Schreibtisch klein war,. ihr wurde immer ein Plätzchen reserviert. Diese kleine, niedliche Statue wird nun in einer Nische oberhalb des Haupteinganges aufgestellt werden. Da wird sie dann nach so langer Wanderfahrt ständig bleiben und ihr Heim schützen und segnen. „Yeti ’Maria J“, das heißt: „Gegrüßet seist du, Maria!", werde ich mit großen Buchstaben in einen schönen, eigens dazu hergerichteten Stein einmeißeln und alle, die in unsere neue Kirche eintreten, werden Maria loben und preisen. (Schluß folgt.) Zur Eröffnung des flMjJionsfeminars St paulus ©raz, paulustorgajje 10. issionsseminar St. Paulus heißt unser neues Missionskonvikt in Graz, das im September laufenden Jahres die ersten Seminaristen aufgenommen hat. Nach seiner äußeren Ansicht ist das Haus unseren verehrten Lesern bekannt, da es schon öfter im „Stern" abgedruckt war. Das Innere eignet sich vorzüglich für ein Konvikt/ weist es doch große, schöne Säle und freundliche Zimmer auf. Die allernotwendigste Einrichtung, für dieses Jahr allerdings nur für 16 Buben, ist jetzt beschafft. Ist sie auch äußerst einfach, so hat sie doch der Leitung des Hauses viel Kopfzerbrechen verursacht, mußte doch an alles gedacht und alles neu angeschafft werden. Der liebe Gott hat seine väterlich schützende Hand ganz offensichtlich über der neuen Gründung ausgebreitet gehalten, hat ihr vor allem edle Wohltäter erweckt. Im folgenden einige Beispiele dafür. Wohl gereichte auch früher die schöne, große Kapelle dem Seminar zur Zierde, aber es fehlte doch noch so manches, was man in einer Herz-Jesu-Kapelle nicht gerne vermißt. Der Hauptmangel war eine Herz-Jesu-Statue für den Hochaltar. In das große, prachtvolle Tabernakel gehörte eine entsprechend große, schöne Monstranz. Für den Kreuzweg waren wohl die Nägel in der Wand, aber es fehlten die Bilder. Wir sahen wohl diese Mängel, konnten ihnen aber nicht abhelfen, es fehlte uns das nötige Geld dazu. Aber auch eine fromme, brave Person gewahrte sie und machte es sich zur Aufgabe, sie abzustellen. Sie sagte sich: Mein Geld kann ich nicht mit in die Ewigkeit hinübernehmen, so will ich's dem Heiland schenken, um ihm eine würdige Wohnung im Tabernakel zu bieten. Es wurden nun Kerzen gekauft, Leuchter versilbert und eine große, schöne Herz-Jesu-Statue bei einem tüchtigen Bildhauer bestellt. Eine neue, große Monstranz, ganz aus Silber verfertigt, in starker Vergoldung bildet jetzt den Thron des göttlichen Gastes. Auch für einen neuen Kreuzweg ist bereits gesorgt. Die Stationen, die Bilder in breitem, geschnitztem Rahmen, find bei dem gleichen Bildhauer in Auftrag brave Näherin. Als sie von der Gründung unseres Missionskonviktes Kunde erhielt, hätte sie gar so gern dabei mitgeholfen. Aber Geld hatte sie keines. Doch kann sie arbeiten, stink und gut, von früh bis spät am Abend. Diese Arbeitskraft stellt sie uns nun für ein oder zwei Tage in der Woche kostenlos zur Verfügung. Sie Personal und Zöglinge bei Eröffnung des Missionsseminars St. Paulus in Graz. gegeben. Für die Kosten desselben kommt auch eine zweite Wohltäterin mit auf. Viele Millionen hat so die edle Seele dem Heiland zulieb geopfert, der sie segnen möge mit seinem ganz besonderen Segen. Als Entgelt dafür, daß sie dem stillen Klausner im Tabernakel feine einfache Zelle verschönerte, wird er sie gewiß aufnehmen in seine ewigen Wohnungen, recht nahe bei seinem heiligsten Herzen. Ein zweites Beispiel. In Graz lebt eine flickt und näht und stopft und macht selbst neue Anzüge für unsere großen und kleinen Studenten. Damit nicht zufrieden, hat sie es auf sich genommen, einen armen Zögling während der ganzen Zeit seines Studiums mit Wäsche und Kleidung zu versehen. Ein Knabe bat dringend um Ausnahme in unser Haus. Er wollte so gern Missionär werden. Seine Eltern sind aber augenblicklich nicht in der Lage, auch nur einen geringen Pensionsbeitrag zu zahlen. So sahen wir uns denn nach Wohltätern um und fanden sie auch. 20 arme Mädchen haben sich bereit erklärt, während der Studienzeit jeden Monat den Betrag von 20 Schilling aufzubringen. Eine brave Frau aus dem Handwerkerstande hat es auf sich genommen, für die pünktliche Ablieferung des Geldes und auch für eventuellen Ersatz zu sorgen, falls eines der Mädchen nicht mehr zahlen konnte. Man muß Achtung haben vor solch stiller Größe. Noch mehrere Beispiele dieser Art ließen sich anführen, doch der „Stern" hat nur 16 Seiten und so heißt's Schluß machen. Eines aber soll doch noch ein Plätzchen hier finden. Es ist noch nicht lange her, da kam eine betagte Frau zu uns und brachte ein sehr reiches Misfionsalmosen. Sie hätte, so sagte sie, durch 30 Jahre einem geistlichen Herrn den Haushalt ge- führt und sich dabei ein kleines Kapital zusammengespart. Sie hätte es in ihrem Testament der Mission vermachen wollen, sich aber dann gedacht: „Warum soll ich damit bis zu meinem Tode warten und das gute Werk durch die Veröffentlichung des Testamentes bekannt machen. Ich gebe es gleich, dann bleibt's geheim und nur der liebe Gott weiß davon." Auf solchem Gelde ruht Gottes Segen! Das sind Beispiele von Missionsinterefse, von Verständnis für das Werk der Glaubensverbreitung und von Opferfinn im Dienste der Heidenmission. Solche Beispiele erfreuen uns nicht nur, sie geben uns auch selbst wieder neuen Mut, voranzuschreiten, weiterzuarbeiten und auch weiter zu hoffen auf ein erfreuliches Gedeihen unseres Werkes. Möge Gott der Herr allen unseren Wohltätern und Gönnern reichlich vergelten, was sie uns und unserem Hause getan. ?. Ä. W. ♦ Nach Transvaal! Reisebericht des hochwürdigen P. Dr. Matthias Rasfeiner, F. S. C. (Fortsetzung.) ♦ it Kapstadt war ich meinerseits zufrieden, war aber doch froh, daß wir am nächsten Nachmittag, am 17. Jänner, aus dem Hafen hinausbugsiert wurden. Der Dampfer hielt sich wegen der Klippen und seichten Stellen ziemlich fern von der Küste. Dann ging's ums südlichste Vorgebirge von Afrika herum, wo der Atlantische und Indische Ozean sich den Freundeskuß geben. Das sahen wir zwar nicht, denn es war unterdessen Nacht geworden, merkten es aber am Schaukeln des Schiffes. Am 19. früh saßen wir auf der Reede von Port-Elisabeth. Wir besuchten die schöne katholische Kirche, das Museum, den Schlangenpark, dessen Besichtigung ich ängstlichen Frauenherzen nicht empfehlen möchte, nahmen bei den Maristen ein stärkendes Mittagessen, schlenderten im Schweiße unseres Angesichtes durch einige Straßen und waren froh, als wir am Abend bei einem Glase frischen Hamburgers wieder auf unserem Kasten saßen. Der hatte unterdessen eine Menge Stacheldraht und Harmoniums ausgeladen und verließ am 20. die von den Portugiesen so benannte Algoa-Bucht. Es war Abend. Am 21. früh lagen wir vor East-London in der Mündung des Büffelflusfes. East-London ist ein nettes Städchen mit einer Hauptstraße und einer Menge öder Seitengassen. Die Juden scheinen auch hier stark vertreten zu sein wie in allen Städten Südafrikas. Aus den Synagogen zu schließen machen sie sogar gute Geschäftchen. Bei den ehrwürdigen Dominikanerinnen, die auch in unserer Mission tätig sind und für die Eingeborenen Schulen eröffnen wollen, gab's ein gemütliches Plauderstündchen, um so mehr, als die Mutter Oberin unsere Missionäre in der Präfektur fast alle kannte und auch ziemlich gut zu charakterisieren wußte. Wahrhaftig, man kann sich vor fo bescheidenen Frauen nie genug in acht nehmen! Ich kann mich wenigstens trösten, ihnen nichts Schmeichelhaftes gesagt zu haben. Aber bald hieß es, dem Schiffe zusteuern, das nicht Luft hatte, in der Büffelmündung zu übernachten. Am 22. früh las ich zum letztenmal auf dem Schiffe die heilige Messe; es war ein Dankopfer, bei dem das ganze Herz beteiligt war; war es doch der letzte schöne Tag einer langen, glücklichen Reise! Wir fuhren an der fast greifbar nahen Küste dahin, die von gras- und waldbedecktem Hügelland gebildet, nur schwach bewohnt erscheint. Heiß war's, echt afrikanische Hitze! Ein einstündiger Platzregen brachte einige Erleichterung. Ich überließ mich den Gedanken, die wechselvoll auf mich einstürmten, die ich jedoch nicht der öffentlichen Schau ausstellen will. Nur eines will ich verraten: daß ich herzlich froh war, bald am Ziele und fo weit von Europa entfernt zu sein, wo die Leute sich nicht mehr zu verstehen scheinen und wo von armseligen Wichten unbändiger Haß unter die arme Menschheit geschleudert wird. Weit weg! Als wir gegen 7 Uhr abends im Hafen von Durban anlegten, waren wir gerade 14.118 km von Hamburg entfernt. Mein alles abmessender und berechnender Mitbruder hat herausgebracht, daß die Logschraube 2,903.640 Umdrehungen gemacht hatte. Das Schiff legte in der Stunde durchschnittlich 22 km zurück, bald mehr, bald weniger, je nach Windrichtung und Wellengang. Durch die freundliche Vermittlung eines Mariannhiller Missionsbruders konnten wir ohne Revision der Dokumente das Schiff verlassen. Auch das Reisegepäck erregte bei den Zollbeamten keine besondere Neugierde, so daß kein roter Penny zu zahlen war. Bei Nacht war auch in Durban nicht viel zu sehen. So fuhren wir mit der Elektrischen zum Bahnhof und von dort um halb 11 Uhr bei einer wahren Höllenschwüle nach der Station Pintown, wo uns Fuhrwerke vonMariann-hill erwarteten. Ausgemacht war es ein Pferde-, ein Esel- und ein Muligespann. Ein Doktor, mein Gefährte und ich wurden sinnbildlich dem Eselsfuhrwerk beigezählt— und so ging's dem weltbekannten, -berühmten und gastfreundlichen ehemaligen Trappistenkloster zu, das wir um halb 12 Uhr nachts erreichten. Mariannhill wurde ursprünglich gegründet, um frommen Trappisten-Mönchen in Weltverborgenheit ein trautes Heim zu bieten, wo sie der Arbeit, der Abtötung und dem Gebete ihr Leben weihen könnten. Heute — nach wenigen Jahrzehnten — ist es ein Kulturzentrum in Natal, wie einstens im grauen Mittelalter die berühmten Benediktinerklöster es waren für die heidnischen Germanen. Diese Ansiedlung, einstens so einsam und still, zieht jetzt Tausende von Besuchern an. Weltbummler und Gelehrte, Privatleute und hohe Beamte, Laien und Priester, Gläubige und Ungläubige ziehen hieher, um zu schauen, zu bewundern und zu lernen. Durch einen Mann der Vorsehung, wie Abt Franz einer war, ist Mariannhill mehr geworden: es ist heute der Mittelpunkt und das Vorbild der katholischen Negermission in Südafrika. Viele fragen sich, wie diese Trappistenmönche trotz einer so strengen Lebensweise eine solche Riesenarbeit bewältigen konnten. Mir drängt sich oft die Frage auf, ob nicht gerade in diesem dem heutigen Weltkinde unglaublichen und unverständlichen Opferleben das Geheimnis des Erfolges liege. Man streitet sich heute in Gelehrtenkreisen und Versammlungen und in Schriften viel herum um Missionsmethoden. Mariannhill ist ein Programm für sich. Durch das Liebesopfer am Kreuze hat der göttliche Heiland als Bannerträger die katholische Weltmission eröffnet. Durch harte Arbeit, Fasten und Gebet, kurz durch vorbehaltlose, liebevolle Selbstaufopferung im Dienste der Zulukaffern, haben diese Trappisten die Methode des Heilandes aufgegriffen. Wieviel Opfer sie gebracht, beweisen die langen Gräberreihen auf ihrem Friedhofe; den Erfolg bestätigen die' gut 60.000 Zulukaffern, die sie in so kurzer Zeit bekehrt und unterrichtet haben, und zwar so, daß sie in ihrer praktischen Glaubensbetätigung den besten Pfarreien unserer Heimat nicht nachstehen. Ich schäme mich nicht zu bekennen, daß ich beim Anblicke so vieler Wochentagskommunikanten Freudentränen vergossen habe. Gewiß sind die wissenschaftlichen Behelfe nicht zu verachten, aber die großen Missionäre haben diese immer herausge- funden, denn die Liebe ist ja erfinderisch. Hüten müssen wir uns aber davor, daß wir diesen Behelfen mehr Wert beilegen, als sie verdienen, wenn wir anders nicht tönendes Erz und klingende Schelle sein wollen. Möge die neue Kongregation, die das Erbteil der ehemaligen Trappisten übernommen hat, mit der erleichterten Regel den alten Geist bewahren und das große Werk zum Heile der armen Neger fortsetzen. Für einen ganzen Monat hatte uns der liebevolle Obere zu Gaste geladen, doch mich zog es weiter, zum Endziel meiner Wanderschaft. Da auch Hochwürden P. Bernhard Zorn, der seit fast einem Jahre in St. Michael, einer Mariann-hiller Missionsstation, mit dem ihm eigenen Eifer die Zulusprache erlernt hatte und von unserem hochwürdigsten Apostolischen Präsekten abberufen war, mit uns nach Lpdenburg reisen wollte, so nahmen wir am 29. Jänner Abschied von der gastfreundlichen Stätte und ihren lieben Bewohnern, die uns mit Pferdegespann zur Bahnstation Pinetown beförderten, und bestiegen am Abend den Schnellzug nach Vrpheid—Ermelo-Carolina—Macha-dodorp, wo wir nach 24 Stunden aus dem Waggon geholt wurden. Nach afrikanischem Brauch durften wir nicht dritte Klasse fahren, da diese den Farbigen vorbehalten ist. Die Waggons zweiter Klasse sind sehr bequem eingerichtet und unterscheiden sich von denen der ersten Klasse nur dadurch, daß in einem Abteil sechs statt vier Personen Platz finden zum Schwätzen, Essen imb. Schlafen. Die Schlafstelle wird durch eine praktische Klappvorrichtung an der Wand hergestellt. Ich legte mich der besseren Luft halber mit dem Kopf ans offene Fenster und hatte das Vergnügen, gegen Mitternacht von einem Platzregen auf mein schwach befiedertes Haupt überrascht zu werden. Auf einer Station hörten wir bekannte Laute. Es war Missionsbischof Spreiter, der uns bis Vryheid das Geleite gab. Wir hatten ihn schon in Mariannhill kennengelernt: ein einfacher, schlichter Mann der Arbeit, der mit seinen Missionären die blühende Mission von Dar-es- Tische. Aber nach Mitternacht war's ungemütlicher, weil wir zu dreien in zwei Betten schlafen sollten und P. Zorn, um alle Zweifel zu lösen, sich quer ins breitere Bett gelegt hatte. Am 31. Jänner um 9 Uhr hatten wir Gelegenheit weiterzugratteln, und zwar zur poesievollen Abwechslung mit einem Lastenzug, in dem uns ein Gepäckswagen huldvollen Unterschlupf gewährte — es Salam verlassen mußte, um hier in Armut von neuem zu beginnen. So erzählte er, daß er öfter selbst seinen Mais mahlen und seinen Brei kochen musste und froh war, daß er überhaupt zum Mahlen und Kauen etwas hatte. Doch lebt er voll Hoffnung für die Zukunft. In Machadodorp warteten zwei Sprianer auf uns mit der Meldung, sie wären telephonisch benachrichtigt worden, uns über Nacht bei sich zu behalten. Es war ganz gemütlich bis Mitternacht bei war der einzige gedeckte Wagen. Da saßen wir gemütlich mit noch einem Deutschen und einer englischen Offiziersfamilie auf unseren Reisekoffern und lachten die Welt aus. Warum auch nicht! Hatten wir doch zweite Klasse gelöst! Doch die Herrlichkeit dauerte nicht lange. Um zehn Uhr waren wir an der Kreuzungsstation Belfast, wo wir ausgeladen wurden. Da eine Stunde auf den Zug, der hier zusammengekoppelt wurde, zu warten war, ließen wir P. Zorn als Gepäckswärter zurück, und trotteten selbander dem Städt-lein zu, um uns das Nest 'mal anzuschauen, das nur ein einziges Hotel besitzt. Auf halbem Wege begegnet uns das Hotel-Auto und herausschaut zur beiderseitigen Freude das lachende, bartlose Gesichtchen unseres Missionsobern. Er hatte von hier aus den erwähnten Syrianern telephoniert, uns nicht aufzuhalten, sondern bis Belfast fahren zu lasten, wo er für uns im Hotel Esten und Betten bestellt hatte. O du glorreiches Telephon! Wenn's nur keine Mißverständniste gäbe! Um elf Uhr stiegen wir ein, und zwar schob uns diesmal der Kondukteur als Ersatz für die Lastenwagenbeförderung in die erste Klasse; und nun ging's nicht nur nach Norden, sondern auch aufwärts bis Dullstroom, der höchsten Station auf dieser Linie, 1629 m über dem Meere. Von Höhenluft war aber nichts zu merken. Von nun an wurde das Landfchaftsbild recht anheimelnd. Nur die Wälder fehlten auf den Bergrücken, die Kirchen und netten Bauernhöfe; dafür begegnen unseren Blicken die Hütten der Eingebornen, die von der Ferne sich ausnehmen wie große Termitenbauten. Ein netter Bach schlängelt sich durchs wechselvolle Tal; selbst ein Wasserfall wird linkerhand sichtbar; überall sieht man Schaf- und Ochsenherden auf der Weide und Esel beim Herannahen tolle Sprünge machen, um uns dann in anständiger Entfernung, in Reih' und Glied aufgestellt, respektvoll zu begrüßen; in Ermanglung des vorschriftsmäßigen, weißen Taschentuches schwenken sie mit den Ohren. Die Kerle haben mehr Bildung als ihre Genossen in Europa. ■— Um vier Uhr nachmittags hält der Zug: Lydenburg! Wir sind am Ziele. (Schluß folgt.) Cr □ □ plaudere! aus dem Lande der Zulu, □ □ □ ^ Von P. Jos es Engerer, F. S. C. □ h Interessante Blicke läßt uns P. An-gerer werfen in das Opferleben IIMS&&3 derGlaubensheldenvonMariann-hill, denen er selbst durch viele Monate in der Missionsarbeit behilflich war, und in das Leben und Treiben der Zulu. Wie er schreibt, will er nur ein wenig plaudern, „wie man beim Bierkrügl plaudert. Manches wird doch wissenswert und verwendbar fein zur Unterhaltung einfacher und neugieriger Leute, die immer Einzelheiten aus der Mission zu hören verlangen." 1. Bei den früheren Trappisten. Auf den Stationen des Mariannhiller Gebietes findet man große, schön gebaute Kirchen mit Glockentürmen und mehreren Glocken darin, sowie stilgerechte Schulgebäude und gute Wohnhäuser, alles von den eigenen Laienbrüdern gebaut. Die Glocken spielen hier eine große Rolle. Selbstfür gewöhnlicheVerrichtungen werden sie gezogen, so zum Aufstehen der Schulkinder, zum Beginn der Arbeit oder Schule usw. Kindisch ist die Freude der Schwarzen am Läuten. Die Brüder hier sind meist alte, abgerackerte Männer, die Mehrzahl über 50 Jahre alt, einige recht gebrechlich, aber alle zäh wie Leder. Merkwürdig ist, daß so viele Schwerhörige unter ihnen anzutreffen sind. Äußerst arbeitsam und hart gegen sich, lassen sie noch die früheren Trappisten erkennen. Einer, hoch in den Sechzigern, schwerhörig, gebeugt, aber jungherzig und feurig, arbeitet noch jeden Tag rüstig, hält dabei noch so weit als möglich die Trappistenregel und trägt beständig, selbst bei der Arbeit, den schweren Trappistenhabit mit Skapulier. Es gibt unter ihnen eine ganze Reihe greiser Kämpen, die trotz ihrer 60, 70 und mehr Jahre, noch Tag für Tag ihrer Arbeit nachgehen. Freilich sind von den strengen Trappisten schon viele gestorben. Die übermäßige Strenge in einem für Europäer immerhin harten Klima war zuviel. Ein drolliger Typus ist ein gewisser Br. V., eine einfache Seele, wie etwa die Gefährten des hl. Franz von Assisi, lebhaft, gesprächig, immer aufgeräumt, trotzdem er viel an schweren Krankheiten leidet. Er war schon mehrmals dem Tode nahe, aber unverwüstlich, wie er ist, hat seine starke Konstitution die Krisis immer überstanden. Mager, nur Haut und Knochen, unter strengster Diät, gönnt er sich doch nie Ruhe, sondern wenn er sich nur ein wenig besser fühlt, ist er überall voll Rührigkeit, besonders im Weinberge. Einmal hatte er wieder einen gefährlichen Anfall. Niemand war in der Nähe seines Lagers. Er rief und rief, man möchte ihm einen Priester rufen, aber niemand hörte ihn. Da erhebt er sich und schleppt sich ein Stück weit von seiner Behausung fort, um jemand zu finden, der ihm einen Priester hole, und wäre gewiß imstande gewesen, bis zur ziemlich weit entfernten Wohnung des Priesters zu kriechen, wenn nicht doch noch jemand auf ihn aufmerksam geworden wäre. Aber bald war alles wieder gut. Der Obere der hiesigen Station, P. Apol- linaris Schw., ist eine Kraftnatur nach antikem Muster. Stark gebaut, mit einer Bärenstimme und energischem Auftreten, rasch und entschlossen im Handeln, nur auf die Substanz bedacht, Kleinigkeiten mit Verachtung begegnend, ein Bayer nach altem, derben Schlag. Was Seelsorgsarbeiten, Gottesdienst, Krankenprovi-sur u. dgl. angeht, kennt er keine Rücksicht auf sich, sondern ist unter allen Umständen und zu jeder Zeit bereit, dem Rufe seiner Schäslein zu folgen. Dabei kann er trotz seiner körperlichen Leiden, die eine strenge Diät erfordern, Entbehrungen und Strapazen ertragen wie nicht leicht ein Gesunder. Vor einiger Zeit wurde er nachts um 11 Uhr zu einem Krankenbesuch gerufen. Gegen 3 Uhr früh kam er zurück, ganz müde und durstig, konnte aber nicht trinken, da er gegen Mittag auf einem entlegenen Außenposten die heilige Messe lesen wollte. Am späten Nachmittag kam er heim, wo schon wieder zahlreiche Christen auf ihn warteten. Erst fertigte er alle ab und konnte dann endlich sein Mahl zu sich nehmen, das aber auch nur so viel war, daß es für andere kaum zu einem kräftigen Vesperbrot gereicht hätte. Wein trinkt er überhaupt nicht und Fleisch ißt er nur selten und wenig. Festtags-zurüstungen bei Tisch sind ihm ein Greuel gerade wie alle reinen Formalitäten. Fast jeden Tag in der Woche versieht der wackere Pater denselben schweren Dienst. Morgens fort, heilige Messe an einem entlegenen Außenposten für solche Christen, die Sonntags wegen der großen Entfernung nicht zur Station kommen können, dabei noch Katechese, Versehgänge, Besuche usw. Vor Mittag kommt er selten heim. Zu Hause warten dann noch auf ihn die Geschäfte des Oberen der ausgedehnten Station mit einer umfangreichen Farm, Werkstätten, Schulen, Anstalten für vielerlei Leute, Beichten und Regelung vieler Angelegenheiten, die alle streng von ihm abhängig sind. Die geistlichen Übungen brauchen dann auch ihre Zeit. Doch alles bewältigt er gleichsam spielend. Erst spät nachts kommt er zu Bett, wo er feiner Kränklichkeit wegen auch nur kurze Ruhe findet. Sonntags sind der Arbeiten noch mehr. Zuerst reitet er auf einen Außenposten, der natürlich weit entfernt ist, hört dort an 60 bis 80 Beichten, liest die heilige Messe und hält noch Predigt und Segen. Dann geht's zurück zur Pfarrkirche, natürlich nüchtern, um, auch dort zu zelebrieren, zu predigen und den Segen zu halten. Erst gegen 1 Uhr kann er ein wenig Speise zu sich nehmen, aber nur in aller Eile, da die Angelegenheiten der Pfarrkinder der Erledigung harren. Neulich kam er von Mariannhill, wohin er frühmorgens gefahren war, gegen Abend zurück. Ohne sich vorher ein wenig Ruhe nach der weiten, beschwerlichen Fahrt zu gönnen, ging er gleich zur Kirche und hörte lange Beichte. Eines Sonntags war er früh fort und die Beichtkinder, die doch schon um 5 Uhr früh von den Bergen kommen, trafen ihn nicht mebr an. Geduldig warteten sie, bis der Pater um 12 Uhr zurückkam, beichteten dann, hörten die Messe des Paters und kommunizierten während derselben. Und bei all diesen Anstrengungen merkt man nichts von Müdigkeit, immer die gleiche Frische und Aufgeräumtheit, dieselbe starke Stimme wie sonst. Und die Früchte solcher Tätigkeit? Die Station steht bei der Regierung und auch bei den Heiden in hohem Ansehen. Kirchenbesuch und Sakramentenempfang sind rege und Bekehrungen von Protestanten und Sterbenden sehr häufig, manchmal geradezu wunderbar. 2. Schatten im Charakter der Zulu. Von den Kindern rede ich hier nicht; die sind im allgemeinen sehr zutraulich und brav, bis sie ins kritische Alter kommen. Dann zeigt sich leider oft der Mangel an Elternerziehung, vererbte Laster und auch Fehler in der Schulerziehung. Von der Regierung ist nämlich viel für die Verstandesausbildung, aber gar nicht für Charakterbildung vorgesorgt. Würde die Mission nicht alles aufbieten, diese Mängel zu ersetzen, so wären die Früchtlein nichts als moderne Heiden, noch schlimmer wie die einheimischen. Auf Schritt und Tritt kann man hier auf Gegensätze stoßen. Da sind feine, nach europäischem Muster gekleidete Neger neben halbnackten, phantastischer Eingeborenenaufputz neben schmutzigen Fetzenträgern. Es gibt bewunderungswürdig brave Leute, reine Seelen, ausgezeichnete Eheleute und dunkelfarbige Priesterkandidaten und daneben die traurigsten moralischen Zustände. Daß sich so schreiende Gegensätze oft so nahe beisammen finden, mag auch daher kommen, weil die einzelnen Familien sich scharf gegeneinander abschließen. Nur die nächst verwandten Familien bauen ihre Hütten in einen Kraal zusammen (Hütte des Vaters mit denen der Weiber und Kinder). Diese Abgeschlossenheit aber verstärkt die Gegensätze, während das Zusammenleben sie abschleifen würde, wie das bei den Schilluknegern der Fall ist. Ein widerlicher Zug im Charakter der Eingeborenen, selbst der getauften, ist ihre tierische Roheit, die ihnen im Blute zu liegen scheint. Die Knaben schlagen sich schon einander blutig, kaum daß sie einen Stock schwingen können. Das sieht man gern als ein Zeichen künftiger Tapferkeit. Selbst unter 8—10 jährigen setzt es schon tödliche Wunden ab. So schlug neulich ein Knirps einen anderen so derb bei einer Rauferei, daß der Getroffene buchstäblich eine gespaltene Wange hatte. Ich war Stöcke unter dem Arm. Wenn aber eine Rauferei auskommt, greifen sie mit Vorliebe zu einer kleinen Keule, einem Stabe, der an einem Ende zu einem faustgroßen Knopfe verdickt ist. Damit teilen sie blindlings Schläge aus, ohne zu achten, wohin sie treffen. Die früher gebräuchlichen Keulenstöcke, mit einem Knauf bis zur Größe eines Kindskopses, sind jetzt von der Regierung verboten. Der Knauf darf höchstens ^-------j) P. Karl Fischer auf Besuch bei Eingeborenen aus der Station Maria-Trost. empört über eine solche Roheit bei einem kleinen Buben, hatte ich doch im Schilluk-lande nie etwas dergleichen gesehen. Dort schlagen sich unreife Burschen gewöhnlich nicht mit Stöcken, sondern machen nur von ihren Fäusten, Fingernägeln und ihrem Gebiß oder höchstens noch von ihren zackigen Armringen Gebrauch. Man bedeutete mir aber, daß das etwas Gewöhnliches sei. Die „tapferen" jungen Helden kommen dahergeschritten mit einem Bündel kleiner noch so groß sein, daß man ihn bequem in den Mund stecken kann. Vor kurzem schlug ein kleiner Wicht aus unserer Schule mit einer roh gearbeiteten Keule einem größeren Knaben so wuchtig von rückwärts auf den Kopf, daß dieser ein mächtiges Loch aufwies. Aber die schwarzen Schädel sind hart; nach einer Psiege von nur ein paar Tagen war der Kopf wieder hergestellt. Macht man diesen grünen Raufbolden Vorhalte wegen ihrer Roheit, so bekommt man zur Antwort, die Europäer seien gar zu empfindlich, man dürfe doch nicht gleich fo viel Aufhebensmachen, wenn man ein paar Tropfen Blut fließen sähe. Natürlich werden die Verwundeten sorgfältig behandelt, der Schuldige bekommt eine angemessene Tracht Prügel, die er als selbstverständlich hinnimmt, und alles ist wieder gut. An einem Tage erfuhr ich gleich zwei Beispiele einheimischer Rohheit. Eine christliche Frau kommt ganz verzagt und verweint zum Missionsoberen und beklagt sich, daß ihr Mann (der auch Christ ist), sie wund geschlagen habe. Dabei zeigt sie ihre Wunden, die besonders am Arm groß sind. Der Grund dieser harten Behandlung war nichts anderes, als daß sie von dem faulen Fleische eines verendeten Tieres aus natürlichem Widerwillen nicht essen wollte, obwohl ihr Mann ihr davon ein Stück vorlegte. Der Missionär hat dann aber den Frieden bald wieder hergestellt; denn die Weiber sind hier wie Kinder, die auch das Gröbste schnell vergessen; und überhaupt gilt eine derartige Behandlung nicht als außergewöhnlich. Es ist etwa zwei Wochen her, da wurde P. Rektor mitten in der Nacht geweckt, es sei einer plötzlich erkrankt. Der Pater reitet hin, er hat einen weiten, schlechten Weg zu machen, und findet einen Burschen, schwer verletzt von einem Lanzenstich, den ihm ein Weib seiner Verwandtschaft aus Wut auf einen kurzen Wortstreit hin beigebracht hatte. £rmelo. Von Br. August Cagol, F. S. C. der Woche vor Pfingsten kam ein Brief aus Lydenburg nach hier, in dem der hochwürdigste Apostolische Präfekt den Wunsch ausdrückte, daß ich mich für Pfingsten nach Ermelo begäbe, wo auch er sich einfinden werde. Infolgedessen reiste ich in der Nacht von Freitag auf Samstag ab. Im Zuge schlief ich, bis es Tag wurde. Da dachte ich nach: Wenn Msgr. Präfekt von Lydenburg geschrieben hat und also von dort nach Ermelo reisen wollte, so mußte er sich notwendig im Zuge befinden. Bei einer größeren Station fragte ich den Schaffner, ob sich nicht ein Missionär aus Lydenburg im Zuge befände. Diese südafrikanischen Schaffner wissen genau, woher die Reisenden kommen und wohin sie fahren, ja sie führen ein Dienstblatt über die Fahrgäste, damit alles gut klappt; außerdem kennen sie weit und breit die an ihrer Strecke wohnenden Leute. „Ja," sagte er, „und ich kenne ihn sehr gut; kommen Sie nur mit mir." Und er führte mich durch mehrere Wagen an ein verschlossenes Abteil, das er mit dem Drücker öffnete und dadurch den einzigen Insassen aus dem Schlafe scheuchte. Tatsächlich war es Msgr. Präfekt, der eine sehr schlechte, schlaflose Nacht verbracht hatte, denn auf der Lydenburger Strecke war die Maschine unbrauchbar geworden, und es hatte die ganze Nacht gebraucht, um den Zug unter fortwährenden Störungen bis zum Knotenpunkt Belfast zu bringen. Nun fuhren wir denn zusammen bis Ermelo, wo wir um 10 Uhr morgens ankamen. Am Bahnhof trafen wir Angehörige einer katho- tischen Farmerfamilie, die uns ihr Auto anboten. Unser Absteigequartier war bei einem freundlichen syrischen Photographen, der sich seit 25 Jahren im Lande befindet. Kinderlos, bewohnt er sein geräumiges Haus nur mit seiner Frau und einem jungen Gehilfen. Der größte Raum war recht nett als Kapelle hergerichtet. Hier hatte Hochw. P. Musar gewohnt, der etwa ein halbes Jahr lang als Seelsorger in diesem zweitgrößten Orte unserer Prefäktur wirkte, bis er auf die Missionsfarm bei Lydenburg berufen wurde. Gleich nach unserer Ankunft begaben wir uns auf das neu erworbene Grundstück der deutschen Dominikanerinnen, das etwa eine Viertelstunde vom Stadtinnern entfernt liegt. Die Schwestern haben das 2 ha große Gelände gekauft, um so bald als möglich eine Schule zu errichten, die von der Bevölkerung, auch der nichtkatholischen, dringend gewünscht wird. Der ganze Grund besteht aus vier aneinander liegenden Einzelstücken, von denen zwei je ein kleines Haus tragen. Meine Aufgabe war es, Grund und Gebäulichkeiten aufzunehmen, um später einen passenden Plan für den Bau der Schule ausarbeiten zu können. Msgr. Präfekt widmete den Nachmittag seelsorglichen Obliegenheiten. Da am folgenden Morgen, dem heiligen Pfingstseste, eine Anzahl Kinder das heilige Sakrament der Firmung empfangen sollten, so stellte er eine Religionsprüfung mit ihnen an, hörte Beichte usf. Ermelo zählt gut ein halbes Hundert Katholiken, wovon die kleinere Hälfte Syrier ist. Da diese zu geringe Zahl eine ständige Seelsorge nicht rechtfertigt, so wird der Ort einstweilen als Wanderseelsorgsposten versehen. Die Leute, die den Priester nur von Zeit zu Zeit unter sich sehen, wissen seinen Besuch zu schätzen und nähern sich ihm mit Freude und Vertrauen. Am Festtage nach der zweiten heiligen Messe nahm der Apostolische Präfekt eine zweite Religionsprüfung der zwölf Firmlinge vor, die den „unbeteiligten" Erwachsenen, die mit sichtlicher Teilnahme zuhörten, gewiß auch von Nutzen war. Dann fand die Spendung des Sakramentes statt. Es war alles so bescheiden, den einfachen Verhältnissen entsprechend und doch roürbig, und zu Herzen gehend. Kurz darauf verfügten wir uns in das Haus eines syrischen Händlers, dessen drei Wochen altes Kind Monsignore taufte. Das ältere Kind, ein etwa dreijähriger Knabe,, trug den Miniaturhabit eines Franziskaners mit Kapüzchen und kleinem Strick, was ganz possierlich aussah. Es handelte sich um ein Gelübde der Eltern, die zwecks Erlangung der Genesung des erkrankten Kindes gelobt hatten, es eine Zeitlang aus diese Weise zu kleiden, ein bei den orientalischen Christen ziemlich häufiger Brauch. Wir mußten am Festessen teilnehmen und waren unser gerade ein Dutzend Tischgenossen, außer uns zwei Deutschen und einem jungen Engländer alles Syrier. Der wohlhabende Hausherr hatte nicht geknausert an Beschaffung von Speise und Trank. Mr. R., der Engländer, ein junger Handwerker, hatte sich unbestreitbare Verdienste erworben im Unterrichte der katholischen Ortsjugend; außerdem hatte er vor kurzem einen katholischen Jünglingsverein ins Leben gerufen, der elf Mitglieder zählt. Am Abend versammelte ein gemeinsamer Rosenkranz, dem einige geistliche Lieder folgten, die kleine Gemeinde im Hause unseres freundlichen Gastgebers. Dieser Abendandacht ließ Msgr. Präfekt eine kurze Ansprache folgen, in der er die Anwesenden und besonders die Jugend ermunterte, in Zukunft an Sonn- und Festtagen in dem als Kapelle dienenden Raume zusammenzukommen, gemeinschaftlich den Kreuzweg zu beten, einige Lieder zu singen und dem Katechismusunterricht des Engländers beizuwohnen. Wie bereits bemerkt, besteht in Ermelo allgemein das Verlangen nach einer Klosterschule wegen der in solchen von katholischen Ordensfrauen geleiteten Anstalten gebotenen gediegenen Bildung, aber auch noch aus einem andern Grunde. Es wurde nämlich vor kurzem in Ermelo eine bessere Regierungsschule geschlossen und anderswohin verlegt, die 20 Lehrkräfte und 180 Studierende zählte. Diese Tatsache macht sich im geschäftlichen Leben der Stadt unangenehm bemerkbar; die Geschäfte gehen flauer und viele Häuser stehen leer. Nun erhofft man von einer neuen Klosterschule, die auch auswärtige Kinder des Distrikts anziehen würde, einen günstigen Einfluß auf die Geschäftslage. Ermelo steht übrigens auf kohlehaltigem Grunde, wie es die ganze Gegend bis Witbank ist. Außerdem findet sich im Ermeloer Boden eine Art Erdöl, das noch der Ausbeutung harrt. Trotz dieser Bodenschätze ist die Stadt nicht wohlhabend. Eigensüchtige Spekulation der betreffenden Bergwerksgesellschaften und ihre Vertrustungsbestrebungen sind das Hindernis einer für die Allgemeinheit gewinnbringenden Ausbeutung. Außer der Schule bedarf aber Ermelo auch eines, wenn auch noch so bescheidenen Kirchleins. Die arme Gemeinde hat bis jetzt 50 £ für diesen Zweck zusammengebracht. Mohammedanische Indier wollen eine Moschee bauen in Ermelo und haben dafür in kurzer Zeit 800 £ gesammelt. Wenn die Dominikanerinnen ihre Schule eröffnen werden, wird die ständige Anwesenheit eines Priesters sich notwendig erweisen. Ermelo ist von allen Ortschaften, die ich bisher in unserem Missionsanteil von Transvaal gesehen, die baumreichste. In der Stadt selbst gibt es reichliche Bepflanzung in Gärten und Alleen und auch die ganze nächste Umgebung zeigt zahlreiche Baumgüter und Waldstreifen, was der auf hügeligem Gelände weit ausgebreiteten Stadt ein anmutiges Gepräge verleiht. Ein Rundgang führte mich auch auf den Friedhof, der von einer aus rohen Raseneisensteinbrocken aufgeführten Mauer eingefriedet ist und von dichtkronigen Kiefern und Zypressen beschattet wird. Die Sprache der Grabsteine verrät wohl auch die Zusammensetzung der lebenden Stadt. Überwiegend sind burisch-holländische Inschriften, aber auch englische sind stark vertreten; deutsche zählte ich sieben, französische eine. Zahlreich sind englische Soldatengräber aus dem Burenkriege, in dem die Stadt bis auf ein Haus zerstört wurde. In einem Anbau sah ich 20 Gräber ohne das Zeichen der Erlösung mit meist hebräischen Schriftzeichen und einigen deutschklingenden Namen; in einer weiteren Umfriedung sind Ruhestätten ohne Inschriften, die ich als mohammedanische ansah, und in einer dritten Abteilung eine geringe Anzahl Gräber, die ich nicht zu bestimmen wußte. Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, PauluStor-gafse Nr. 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: Isidor Kronfteiner, Mtsstonsbruder in Graz, Paulustorgasse Nr. 10. — Untversitäts-Buchdruckerei Styria" in Graz.