1907 (März). ^ \ & t t q (4.Iayr.) Aokge39. für Hbteilullgsuimmchi Herausgeber: Prof. Rudolf €. Pocrz, F. f. Bezirksschulinspektor in Laibach. Bezugsgebühr 4 K jährlich. Einzelnummer 40 h. Geschäftliches an die „Verwaltung der Blätter für Abteilungsnnterricht in Laibach". Inhalt: 1.) Dornröschen. — 2.) Lprachunrtchtigkeiten. — 8.) Der Unterricht in der Natur als Mittel für grundlegende Anschauung. — 4.) Die zehn Gebote des Landlehrers. — 5.) Stundenplan für den ungeteilten Vormittagsunterricht an der ungeteilten einklassigen Volksschule. — 6.) Friedensarbeit. — 7.) Aus dem Lehreralbum. — 8.) Die Wechselrede. 9.) Kleine Mitteilungen. — — 10.) Briefkasten. — II.) Biichcr- und ZcitungSschau. — 12.) Von Schule zu Schule. Die Scheidewand, die die gebildeten Stände vom Volke trennt, ist ohnehin schon zu groß; man muß daher mit doppelter Sorgfalt das hauptsächlichste Band erhalten, das sie noch zusammen-knüpft. w. Humboldt. Dornröschen. . . . „Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte." . . . Und es kam ein Königssohn in güldenem Gewände, mit Panzer und mit Schild, drang durch die Rosenhecke, trat in den verödeten Hof, stürmte die Treppe hinauf, hinein in die Hexenstube und sah Dornröschen, küßte Dornröschen und erweckte die holde Maid ans dem Schlafe ... es weckt der Lenz die schlummernde Erde, der Frlihlingssvnnenschein die tausend Blninlein ans der grünende» Au just hundert Tage, nachdem der alte Geselle vom Berge sein Leichentuch über die Fluren gebreitet hat. Wie cs doch jubelt in den Zweigen, wie es pocht in der Menschenbrnst, da der Bann gelöst ist, da neues Leben einzieht, da Dornröschen in Wald und Hecken erwacht! Das ist das Dornröschen des LandinanneS, das Dornröschen der hoffenden Seele, die der harte Winter mit grausigen Bildern erfüllt hat. Wo ist aber unser Dornröschen, das Dornröschen der Landschule? Es schläft. Zwar schwinden die Dornen, zwar teilt sich der Nebel nins Schloß, schon sind die hundert Jahre vorüber, aber der Prinz — meint Ihr — ist noch immer nicht erschienen. Als jener alte Abt herüberkai», der drüben ein „Landschulenreglement" eingeführt hatte, und als eilte große Kaiserin ihm befahl, er solle für das „gemeine Bolk" Schulen gründen, da ward Österreichs Landschul-Dornröschen geboren. Sorglich pflegte es die hohe Frau, sorglich hütete es der Mann im Talare, sorglich zog es ein junger Kaiser zu seinem Herzen empor und Liebe ward ihm bis in die Jahre des Schreckens. Da jagte die Kriegsfnrie durch die Lande und das blühende Mädchen versank in eine» tiefen, tiefen Schlaf. Anno 1805 am 11. August ward es still in der Burg. Da wuchs eine dichte Hecke um das Gemäuer und niemand dachte mehr des schlummernden Kindes. Wohl lachte nach 65 Jahren über de» Palästen der Städte wieder die Sonne des Frühlings, wohl erstrahlten die Schulen der Reiche» im Glanze, wohl stolzierten Prinzen in reicher Zahl daher, ihnen zu dienen; doch die einsame Burg draußen im Hag, sie blieb vergesse» . . . „Nun waren aber gerade hundert Jahre verflossen und der Haben Sic schon die Griinderkrone für das i’chrcrhciin im Süden abgeliefert? Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte." Der Prinz kam nicht, aber es kam Heervolk von allen Seiten, aus allen Teilen des Reiches, die vielverschlungene Hecke zu brechen. Schon fällt Ast um Ast und ein heller Strahl der Lenzessonne blinkt aus dem Gewirr. Soll's wirklich Frühling werden in der langvergessenen Landschule? Wir hoffen und dringen hoffend immer näher zum Kern. Die Arbeit ist hart, manch ein Dorn ritzt den schaffenden Arm und mancher Kämpe läßt ihn sinken, denkt er doch daran, daß nur der Prinz den Zauber lösen, nur der Prinz uns zu dem ersehnten Ziele führen kann. Der Prinz, er will nicht kommen! Und doch ist er uns so nah! Meint Ihr, das müsse ein Königssohn sein mit blinkendem Geschmeide, mit Schild und Speer? Unser Prinz ist der Zeitgeist. Ihm kommt niemand an Macht und Herrlichkeit gleich. An dem Tage, da das Kaiserwort die große Masse des „gemeinen Volkes" zur Urne ruft, ist das Dornröschen der Landschule aus dem Schlafe geweckt. Nicht soll fürderhin nur der Mächtige herrschen, der Hochgeborene Gesetze schmieden: das ganze Volk soll ein Staat sein, soll dem großen Gefüge die Grundlage bieten. Zu solch hoher Aufgabe braucht die gewaltige Masse Bildung, Aufklärung, Geistesschulung, ans daß der Staatsgedanke erfaßt und aus dem Recht nicht werde ein Knecht. Nun ist die Zeit gekommen, da man an die Schule wird denken müssen, die den Landmann bildet; nun gibt es kein mitleidiges Lächeln mehr für die Bestrebungen des Lehrers und gar für die des „Schulmeisters in der Dorfschule". In seine Hand ist die Entscheidung gegeben, ob das, was die Völker ersehnten, ein Glück sein soll oder ein Verderben. Weckt er nicht in den Millionen weicher Herzen den rechten Geist, wie ihn die Zeit braucht, so stürzt der stolze Bau zusammen; sät er jedoch freudig in das junge Erdreich, so keimt die frische Saat über Nacht und ein sprossend Geschlecht schafft neuen Lenz im alten, ehrwürdigen Reich. Der 14. Mai 1869 und der 14. Mai 1907 sind wichtige Tage in der Geschichte Österreichs: Der eine gebar die neue Schule, der andere gab der österreichischen Landschule Bedeutung und Kraft. Auf denn, Ihr Schläfer, der Lenz ist draußen, die Fanfaren vor, es brechen die Schollen, es grünet das Feld, die Vöglein musizieren, der Prinz schreitet kühn durch die Welt, jetzt ist er am Schlosse, jetzt sprengt er das Tor, wir nach, die Treppe hinan, die Herzen auf: Da liegt die schlummernde Maid, unsere Landschule; der Prinz hat ihr den Frühlingsknß ans die Stirne gedrückt, die Maid hat die Augen anfgeschlagen... Sei uns gegrüßt, Dornröschen, sei uns in einer neuen Zeit herzlich gegrüßt! SpracbimrkbtlgKeitcn. 12.) An deinem Jäcft. . . Da schleift man nun Jahrhunderte an der deutschen Sprache und hat ihr glücklich die Ecken abgeschliffen, so daß sie vielfach formlos geworden ist. Ehedem die starken Endungen, die deutliche Unterscheidung der einzelnen Fälle, das angenehme Ausklingen des Wortes: jetzt der zugestntzte Rumpf, dadurch die öftere Verwechslung des dritten und vierten Falles, weil bei den Hauptwörtern des männlichen Geschlechtes beispielsweise das Geschlechtswort im Sprechen nicht immer verläßlich ist, das abgerissene Wort, der Strunk. Das Dativ-e sollten wir nicht immer fahren lassen. Immer klingt es freilich nicht gut — das gibt die Melodie der Sprache —; aber in der Regel fügt es sich hübsch in den Fluß der Rede, bringt Klarheit und bringt eine Form, die sich hören und sehen läßt. Je mehr Selbstlaute wir über Bord werfen, desto ärmer ivird die Sprache, desto mehr büßt sie an Wohlklang ein. Also: dem Hunde, dem Kinde, dem Manne, dem Hefte usw. Wo ein Wort Kraft und Entschiedenheit verraten soll, wo zuviel End»ngs-e Eintönigkeit befürchten lassen, da kann das Dativ-e weichen. Indes, in der Alltagssprache, in der Schulsprache braucht man sich darob den Kopf nicht zn zerbrechen. Wer das „e" rettet, hat ein gutes Stück vom Sprachschätze bewahrt. Beachte die bisher festgestellten Sprachrichtigkeitcn: 1.) Wir haben uns ... — 2.) Er hat die Stiefel gebracht. — 3.) Mit den Kindern ... — 4.) Und der König veranstaltete (ZKitv.l) ein Fest. — 5.) Zur Restauration und zum Anssichtsturme. — G.) Das kostet viel. — 7.) Äver Fritz Reuter und aus seinen Werken. — 8.) Die Zeitenfolge zwischen Mitv. und Vorvcrg. — 9.) Mit diesen „Blättern". — 10.) Gebt die Hefte heraus! — 11.) Schreib das Wort an die Tafel! — (Die Sprach-«nrichtigkeiten für vorstehende Beispiele enthält Folge 37.) Der Unterricht in der Natur als Mittel für grundlegende Anschauung. Von Richard Stissen, Schulleiter in Watschig (Kärnten). (Fortsetzung.) Eine Verlegung der Stunden bietet in der Volksschule keine Schwierigkeit. Was endlich die Schülerzahl betrifft, so zeigt es sich, daß mit 50 Schülern ganz leicht umzugehen ist und die ordentliche Aufführung und Disziplin derselben ganz von der Persönlichkeit und dem Verhalten des Lehrers abhängig gemacht wird. Ist sein Verhalten, sein Ton und seine Sprache während der ganzen Veranstaltung wohlwollend, gewinnend, ermunternd, korrekt, sein Wesen ernst und heiter, spannt er, wo es nur angeht, den goldenen Schirm des Humors über das Gemüt der Schüler, so wird ihm die Aufrechthaltung der notwendigen Ordnung keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Nur hüte er sich sehr vor Wortreichtum und kindischem Benehmen; seine Unterredungen seien kurz und packend. Die Lehrform, die er anzuwenden hat, kann ein stummes Anschauen mit darauffolgenden Rückfragen, ein freies Aussprechen der Beobachtungen durch die Schüler, ein Vorzeigen und Vorzeichnen, ein Mitteilen, Beschreiben, Erzählen oder dialogisches Aufbauen sein. Das auf dem Wege außerhalb der Beobachtungsaufgabe Liegende ist niemals schroff abzuweisen, wohl aber einzuschränken. Was wir zunächst brauchen, sind Direktiven, Richtlinien zur Durchführung für die einzelnen Schuljahre und Fächer, innerhalb welcher dem Lehrer freier Spielraum offen zu bleiben hat, besitzt doch jede Schule auf dem Lande ihr besonderes Landschaftsbild, für welches der Lehrer das Nähere sich selbst erarbeiten muß. Zum Zwecke der Durchführung des Unterrichtes in der Natur hätte sonach jede Volksschule im Rahmen des Lehrplanes zu untersuchen, was nach dem Standorte der Schule Gegenstand und Stoff der unterrichtlichen Betrachtung in Natur und Kultur jeder Schulgemeinde je nach Jahreszeit und Landschaftscharakter zu sein hätte und in welcher Art, in welchem Umfange und in welcher Zeit die dazu notwendigen Veranstaltungen zu treffen wären. Das Gesamtergebnis der Beobachtung aus allen Schulen lieferte Gemeinsames, Charakteristisches und wäre eine verläßliche Richtschnur für die Reform der Lehrpläne und für Bestimmungen zur Einrichtung des Unterrichtes in derNatur. Da die Dinge in der Natur bereits innerhalb kurzer Zeit der Veränderung unterworfen sind und je nach der Jahreszeit Pflanzen- und Tierwelt verschiedene Besprechung erheischen, so genügt es nicht z. B. Wiese und Feld nur einmal zu betrachten und zu besprechen; zur gründlichen Anschauung wäre eine Betrachtung dieser Objekte im Friihlinge, Sommer, Spätsommer und Herbste anzustellen. Außerdem muß bei den einzelnen Ausflügen unseren ländlichen Schulverhältnissen Rechnung getragen und namentlich der Abteilungsunterricht in der Weise betrieben werden, daß leichtere Fragen mit schwierigeren beständig wechseln, so daß jede Altersstufe bei den Ausflügen, was Unterricht anbelangt, ihren Teil davonträgt. 1. Stundenbild: a) Wiese und Feld. Zweck: Betrachtung der Gräser, Wieseninsekten, des blühenden Roggens und der Ackerunkräuter. Vorbereitung: Am Vortage werden die für den Ausflug bestimmten Strecken vom Lehrer begangen und passende Plätze für die Aufstellung der Schüler ausgewählt. Für den zu behandelnden Stoff wird mit Hilfe des Werkes von Schmeil Vorbereitung getroffen. Ausführung: Der Ausflug wird nachmittags gemacht. Die Behandlung irgendeines einschlägigen Lesestückes gibt Anlaß zu demselben. Am Schlüsse des Vormittagsunterrichtes wird den Schülern mitgeteilt, daß nachmittags ein Ausflug aufWiese und Feld des N. N. unternommen werden wird. Die Exkursion selbst leitet der Lehrer vielleicht mit folgender Bemerkung ein: „Ich habe euch schon vormittags mitgeteilt, daß wir heute einen Ausflug auf Wiese und Feld des N. N. machen werden. Wir wollen auf dem Wege betrachten, wie Wiesen und Roggenfelder jetzt aussehen.“ Die Schüler treten nun, nach meiner Meinung am besten, solange es die Wegverhältnisse gestatten, haufenweise an und bestimmen unterwegs auf Fragen des Lehrers die Länge des Weges, die Richtung, Zeit des Marschierern, Weltgegend, geben die Besitzer der umliegenden Wiesen und Felder, der Gemeinde u. s. f. an. In welcher Richtung müssen wir gehen, um zur Wiese des N. zu kommen? (Nach Süden.) In welcher Richtung werden wir auf dem Rückwege gehen? (Nach Norden.) Wo liegt das Feld des N., von seiner Wiese aus betrachtet? (Osten.) Welche Wiese liegt im Westen von uns am Wege? (Wiese des B.) Wie wird der Weg jetzt? (schmal.) Wie nennt man einen solchen Weg? (Steig.) Warum finden wir zwischen Wiesen und Feldern nicht breite Wege? (Raumersparnis.) Darf man seitwärts treten? (Nein.) Warum nicht? (Man verursacht durch das Zertreten des Grases Schaden.) Wie werden wir jetzt marschieren müssen, damit alle auf dem Steige bleiben? (Einer hinter dem anderen.) Merket, das nennt man einen Gänsemarsch! Warum wohl? (Gänse marschieren in dieser Weise.) Wir kommen jetzt zur Wiese. Marschieret die Länge der Wiese ab! Zählet dabei die Schritte, die ihr macht! Halt! nun sind wir am Ziele 1 Wieviel Schritte habt ihr gezählt? Wie lang ist also die Wiese, nach Schritten gemessen? Rechnet zwei Kinderschritte als ein Meter. Wieviel Meter beträgt die Länge der Wiese? Schaut euch die Breite an! Was könnt ihr sagen? (Sie mißt weniger.) Wieviel beiläufig in Schritten? in Metern? Welche Figur bildet die Wiese? Berechnet schnell den Umfang des Rechteckes! den Inhalt! Wieviel Quadratmeter beträgt der Inhalt? Wieviel Ar sind das? Berechnet den Preis, wenn 1 a 12 K kostet! Welche Wiese ist noch so groß? Welche kleiner? welche größer? Vergleichet die Größen mit den Preisen! Richten sich die Preise nur nach der Größe? (Nach der Güte und Menge des Grases.) Was soll der Bauer tun, um auch kleine Wiesen wertvoll zu machen? (Auf guten Graswuchs schauen.) Wodurch geschieht das? (Düngung.) Manche Wiesen sind zu naß; was hat da zu geschehen? (Entwässern.) Wo findet man solche Wiesen? (An der Gail.) Wie nennt man sie? (Mooswiesen.) Wie heißt das Heu solcher Wiesen? (Moosheu, saures Heu.) Wem wird es verfüttert? (Pferden.) Daher im Gailtale Pferdezucht. Was muß mit trockenen Wiesen geschehen? (Bewässern.) Wie geschiet das? Wo findet man solche Wiesen? Nenne Bauern, die solche Wiesen besitzen! Wie bewässern sie dieselben? Betrachten wir uns nun diese Wiese! Auf derselben wachsen viele Tausende von Pflanzen. Wie nennen wir alle zusammen? (Gras.) Wie sind die Blätter der Gräser? (schmal.) Wo viele beisammen sind, muß mit Platz gespart werden, jedes muß sich einschränken; auch die langen Halme sind dünn. Schaut dorthin! Was bemerkt ihr? (Das Gras ist viel grüner.) Warum? (Feuchte Stelle.) An feuchten Orten wird das Gras früher grün als an trockenen, es ist üppiger, fetter, die Blätter sind breiter. — Leute, die bei vollen Schüsseln und in gesunder Luft aufwachsen, zeigen auch gar häufig rote Backen, sie strotzen vor Gesundheit. Am Wegrain, an schotterigen Stellen ist der Graswuchs magerer, dafür aber wetterhart und ausdauernder; die Wurzeln dringen tief ein. Überall stehen Pflänzchen an Pflänzchen; eines stützt das andere, sie gleichen einer großen Stadt mit vielen Einwohnern. (Fortsetzung folgt.) Die gl)» Gebote des Landlehrers. 4.) I>u folTft Theorie und H*ra.ris ehren, auf da Ir es dir wohlergehe im Avteilungs-uilterrichte! — Ein bedeutender Pädagog sagte einmal: „Das Praktischeste von allem ist eine gesunde Theorie". Das klingt paradox, ist aber richtig wie nicht bald etwas in der Welt. Wer immer nur handwerksmäßig sein Geschäft betreibt und die Arbeit nicht in ein System zu bringen sich bemüht, der eignet sich im Laufe der Zeit wohl eine leidliche Routine an, aber er kann nimmer sagen, nun sei er ein Meister, nun habe er den besten Weg ermittelt. Die so Tag für Tag dasselbe treiben, wie es gerade in die Hände läuft, die sich ein paar methodischer Hexenkünste rühmen, ohne dafür die wissenschaftliche Begründung zu haben, die nicht „das Ganze Überschlagen", nicht bewußt, denkend, voranssehend dem Erfolge znstrebe», sind im Fach eigentlich recht kleine Menschen, hausbackene Praktiker, die das Ergebnis ihres Wirkens hoch anschlagcn, weil sie ein höheres nicht kennen. Es mag sein, daß der Theoretiker manches genau so macht, wie es dem Praktiker der Zufall brachte oder die lange Erfahrung — und doch ist es von ganz anderer Wirkung. Was ich ans der Überzeugung, ans dem Innersten heraus schaffe mit Beoacht und Berechnung, schlägt ganz anders ein, als das, was mir so unvermittelt der Augenblick bringt. — Und weiter: Bis der Praktiker sein Sümmchen Handgriffe beisammen hat, vergehen fünf und mehr Jahre des Probierend. Wie oft wird daneben* geschossen — in der Landschule, die mit der Zeit geizen muß! Fordert es da nicht die Rücksicht auf die Bolksbildnng, daß die Theorie den Plan vorzeichne, dem jungen Kollegen an die Seite trete, da er seine Arbeit beginnt? Freilich wird nicht alles sogleich in bester Weise gelingen; aber es wird das Ganze auf sicherem Grunde stehen und der Meißel gerade nur noch einige Unebenheiten zu beseitigen haben. Es verhält sich wesentlich anders, ob ich mit einem festen Stock mein Werk beginne oder mit der Ziselierarbeit, die sich nur mit einzelnen Teilen befaßt und keinen Halt, keinen Zusammenhang findet. Der feste Stock ist die Theorie. Sie muß in der Lehrerbildungsanstalt geboten werden und daselbst soweit mit der Praxis sich vereinigt haben, daß das Leben sich gerade nur mit den größten Feinheiten zu befassen hat. — Man ist gewöhnt, die Theorie grau zu nennen und alles Heil in der Praxis zu sehen, weil das nun einmal ein geflügeltes Wort geworden ist und denen, die die Theorie nicht kennen, so recht in den Kram paßt. Der große Genius jedoch, der die Theorie grau genannt (natürlich hat er damit etwas anderes gemeint, als man gewöhnlich darunter versteht), sagt an einer anderen Stelle: „Was man nicht versteht, besitzt man nicht." — Manch alter Ein-klassier ist nach einem Lvrtrage, den ich über die Theorie des AbteilnngsnnterrichteS hielt, zu mir gekommen mit den Worten: „Ach, hätte ich das vor Jahren gehört, — wieviel Arbeit würde ich mir erspart haben, wie einfach wäre die Sache zu machen gewesen!" SS 8» ö> B s- -e -« a a Co » •a> 4» S» a a a 2 a ri- a Stundenplan für de» ungeteilten Vormittagsunterricht an der »ngeleittrn rinklafligrn Volksschule. (Angepaßt den Lehrplänen für das Herzogtum Kram. — Unverkürzte Stundenzahl.) Erklärungen zu dem neöensteyenden Stundenpläne. a) Hesehkiche Aestimmungen. 1.) Die allgemeinen Gesichtspunkte, nach denen Stundenpläne entworfen werden sollen, enthält der § 27 der M. 35. vom 12. Juli 1869, R. G. Bl. Nr. 180. — 2.) Weitere Weisungen bringt der Ministerial-Erlaß vom 26. November 1877, Z. 16.213. — 3.) §27 der Ministerial - Verordnung vom 19. Juli 1875, Z. 2868, für Kram herausgegeben, meist auf die abgleitende Folge der Gegenstände mit Bezug auf die Denktätigkeit hin. (Erscheint im Stundenpläne streng durchgeführt.) — 4.) Bezüglich der Pausen berichtet ß 62 der Definitiven Schul- und Unterrichtsordnnng. b) Allgemeines. 1.) Über die Vor- und Nachteile des ungeteilten Vormittagsunterrichtes finden sich in Folge 11 der „Blätter für Abteilungsunterricht", sodann im ganzen 2. und 3. Jahrgange fortlaufende Abhandlungen. Die Lesung derselben ist für das Verständnis des vorstehenden Stundenplanes unerläßlich. 2.) Alle Umstände, die bei der Abfassung eines Stundenplanes für ungeteilte einklassige Volksschulen beachtet werden müssen, enthält meine vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht empfohlene Schrift „Kurzgefaßte Anleitung zum Unterrichte an Landschulen". (Vereinsbuchhandlung Innsbruck, 1 K.) 3.) Die erste Abteilung erhält im allgemeinen am meisten vom direkten Unterrichte, sie bedarf eben der unmittelbaren Führung in erster Linie; dabei füllt indes für die zweite und dritte Abteilung hie und da etwas Zeit zur direkten Belehrung ab, ohne daß dies im Stundenpläne eigens bezeichnet ist. 4.) Dem praktischen Blicke des Lehrers bleibt es überlassen, den Plan nach den Bedürfnissen und Verhältnissen der Schule entsprechend zu verwenden; der Stundenplan soll ja keine Zwangsjacke sein, aber auch nicht ein totes Blatt, das ungesehen an der Wand vergilbt. 5.) Sprache ist auf der Mittelstufe Sprachübung: daher ist dem direkten Sprachunterrichte wenig Raum gegönnt. Die Teilung der Sprache in Sprachlehre, Rechtschreiben und Aufsatz wurde absichtlich vermieden, weil sie doch ein überwundener Standpunkt ist. c) Besonderes. 1.) Wontag: Rechnen immer für die erste Abteilung voran! Aus dem direkten Unterrichte wächst sofort die Stillbeschäftigung. — Die erste Halbstnnde in der zweiten Abteilung ist wahrscheinlich der Verbesserung einer Hausübung gewidmet. Das Lesen liefert Sprachstoff für die zweite Stunde. — Schreiben-Lesen-Schreiben für die erste Abteilung ergibt sich ans der Natur der Sache: Die letzthin durchgenommenen Buchstabenformen werden neuerdings geübt, neue treten hinzu und schlüpfen sogleich in die Übung. Der Anschauungsunterricht ist für die heutige Mahlzeit Würze. — Warum nicht in allen Abteilungen Rechnen zu gleicher Zeit? — Die Antwort findet sich im ersten Jahrgange der „Blätter", Folge 2, 3, 5, 6, 7. — Über „Das Zeichnen nach der Natur in der Landschule" vgl. meine diesbezügliche Schrift! — Naturkunde in die Ecke als Ergötzen und als Gegenstand, der, früher eingesetzt, die Kleinen von der Stillbeschüftigung abhielte. — 2.) Dienstag: In der zweiten Abteilung die ganze Stunde „Sprache"? Vielleicht handelt cs sich um eine Schülerkorrektur nach der Tafelanschrist; es fällt von der ersten Abteilung jedenfalls ein O.nentchen Zeit zu direktem Unterrichte ab, kurz: der praktische Mann wird sich zu helfen wissen. Darum ist diese Stillbeschäftigung auch mit gesperrten Lettern eingesetzt: halb direkt, halb indirekt. — Die dritte Abteilung hat im Rechnen Vorhand, denn ihr fällt die schwierige Schlnßbildnng zu, indes die zweite Abteilung doch mehr oder weniger mechanisch übt. — Schreiben - Lesen - Schreiben in der ersten Abteilung bilden wieder eine geschlossene Einheit. — Die Erdkunde der zweiten Abteilung ist Heimatkunde, verträgt sich also lehrplanmüßig nicht mit dem Stoffe der dritten Abteilung. — Handarbeiten in die äußerste Eckstunde, da helles Licht durch die Fenster flutet und die bösen Buben über die Berge sind. — 3.) Mittwoch: In den meisten Fällen werden hier die zweite und dritte Abteilung verknüpft werden. (Vgl. hierüber die Abhandlung „Die formalen Stufe» im Abteilungsunterrichte", Folge 12 des ersten Jahrganges der „Blätter" und Folge 1 und 2 des zweiten Jahrganges I) — Den Wortlaut für die Lieder haben die zweite und dritte Abteilung über Haus gelernt, die erste Abteilung memoriert ihn in der Schule; dabei wiederholen die oberen Abteilungen und malen zugleich die Buchstabensormen nach. — Gesang für alle zugleich! Kinderlieber gehören nicht in die Landschule und Volkslieder wägt man nicht lange nach technischer Schwierigkeit; sind sic echt und gut, so klingen sie gar bald ans der Kehle. — 4.) Donnerstag: Am Vortage war die zweite Abteilung in der ersten Stunde bei der dritten Abteilung zu Gaste; heute ist es umgekehrt der Fall und dazu mit dem Vorteile, daß die dritte, die noble Abteilung, den Dienst sogleich in der nächsten Stunde erwidern kann. Von 11 bis halb 12 Uhr springt der direkte Unterricht bald hinüber, bald herüber. — 5.) Areitag: Gestern war in der zweiten und dritten Abt. „Sprache" nach konzentrischen Kreisen; da gibt es genügend Stoff zur Sprachübung in diesen Abteilungen. Wollen einige Schüler der unteren Abteilungen auf ihre größeren Geschwister warte», um mit ihnen heimzngehen, so wird ihnen das Zuhören non 11 bis 12 llhr nicht schaden. — 6.) Samstag: Rechne» in der dritten Stunde! Es geht nicht anders; in der ungeteilten Ein-klassigen kann man eben nicht alles ideal einrichten. Übrigens 15 Minuten Pause zuvor, Übungsrcchnen: Man braucht sich nicht zu grämen. Die halbe Stunde direkten Sprachunterrichtes soll die Hmtsübnng vorbereiten. Montag wird sie „verbessert" und so beginnt das Spiel von neuem. Mit Rücksicht daraus, daß die Einführung des ungeteilten Vormittagsunterrichtes hauptsächlich an den einklassigen Volksschulen platzgreifen dürfte, habe ich diese, die schwierigste Kategorie, zur Grundlage genommen; es läßt aus ihrem Stundenpläne sich jeder andere leicht zusammenstellen. Wer den ungeteilten Vormittagsunterricht wünscht, muß sich mit dem Gesuche durch den Ortsschulrat sputen, denn die Entscheidung fällt »ach § (50 der „Definitiven Schul- und Unterrichtsordnung" dem Landesschulrate zu und darüber vergeht so manche Woche. Friedensarbeit. Vorn Schulleiter Ludwig Dernal in Winklern, Post Amstetten (N.-Ö.) In der letzten Nummer der „Blätter“ stand folgende kleine Mitteilung: „In Deutschland steht es mit dem Verhältnisse zwischen Lehrer und Schülerzahl ähnlich wie bei uns I : 66. Wie aber sind die Offiziere und Unteroffiziere drüben zu ihren Schülern in Uniform gestellt? 1:6 — Was ist wichtiger, was ist schwerer?“ — Diese kurze Notiz spricht Bände. Hier sei jedoch nur ein Weniges über den Militarismus gesagt und mein Aufsatz entschuldigt sich vor den ändern fachgemäßen Artikeln mit den Worten eines Denkers: „Katheder und Säbel sind die unversöhnlichsten Gegner.“ Und es ist so. Wir Lehrer lehren Nächstenliebe, der Krieg ist eine Betätigung des Hasses; wir ermahnen die Kinder zu Tier- und Pflanzenschutz, der Krieg vernichtet die Blüte der Menschheit; der Lehrer soll zu Recht und Billigkeit erziehen, die Entscheidung durch Kriegsgewalt ist aber ein Faustschlag ins Antlitz der Gerechtigkeit; in der Schule wird vom gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse der Völker gesprochen; die Kriegshetzer hingegen benehmen sich, als wären alle ändern Völker nur wegen ihres eigenen da; wir Lehrer erziehen für die Zukunft, wir müssen einem kulturgemäßen Fortschritte leben, während der Kriegsbrauch an den Urzustand der Menschen erinnert und jeden Fortschritt verlangsamt, da er schon in seinen Vorbereitungen solche Unsummen verschlingt, daß für Kulturzwecke nurmehr wenig übrig bleibt. (Europa verwendet alljährlich etwa 6650 Millionen Kronen für Rüstungszwecke 1) Nun will ich an diesem Orte ganz kurz an der Hand der letzten Nummer dieses Blattes zu zeigen versuchen, wie sehr die Rüstungsausgaben auch die Schule interessieren können. „Der Unterricht in der Natur“ wird durch die allgemeine Volksnot und den damit zusammenhängenden Unverstand behindert. Viele Leute, auch „studierte", machen grobe Bemerkungen, wenn sie den Lehrer mit den Kindern „spazieren gehen“ sehen, da ja die Schule ohnehin viel Geld kostet. Daß die Offiziere mit ihren Schülern „spazieren gehen“, sagt niemand, daß die Kanonen und Festungen auch vom Volke bezahlt werden, scheinen manche nicht zu wissen. „Du sollst den Ferialtag heiligen!“ Ich habe aber nicht einen einzigen von Ende September bis Mitte Juli; denn zu Ostern und Weihnachten bin ich täglich in der Kirche, an jedem Sonntage sogar zweimal; manchmal kommt noch eine Kirchenmusikprobe dazu. Der Donnerstag-Nachmittag ist mein halber freier Tag; da halte ich, weil es an ändern Tagen nicht möglich ist, Geigen- und Singstunde für die künftigen Chormusiker. Ich bin Lehrer an einer einklassigen Schule mit Halbtagsunterricht und habe wöchentlich 30 Schulstunden. Meine Zimmer sind feucht, so daß die Bücher vergilben. Die Gemeinde ist arm, einen eigenen Chorregenten kann sie nicht zahlen, ein neues Schulhaus sollten sie schon vor 10 Jahren gebaut haben. Warum helfen da Land und Staat nicht? — Weil das meiste Geld dem Moloch Rüstung in den unersättlichen Rachen geworfen wird! „Ratschläge für die Vorbereitung zur Bürgerschullehrerprüfung.“ Weshalb stattet man die Lehramtszöglinge, die späteren Lehrer des größten Gutes, unserer Jugend, so dürftig aus? Man will sie nicht zu lange studieren lassen, weil sie dann im Berufe auch mehr Gehalt verlangen würden; es wäre eine zu starke Belastung der Staaten, welche für ihre scheinbare Sicherheit Riesensummen benötigen. Die einklassige Schule sollte nach dem Wunsche gar vieler Leute nur Lesen, Schreiben und Rechnen lehren, nur ja keine Realien, damit die Leute hübsch einfältig bleiben und damit man sparen könnte — am unrichtigen Orte. Die Fragen der Hausaufgaben sowie der Aufsatz über die Suppenanstalten führen uns traurige Bilder sozialen Elendes vor, das bei den Ausgaben für die „bewaffnete Furcht“ unheilbar ist. Jede kleine Hilfe ist da nur elendes Flickwerk, das für die heutige Kulturstufe eine unsagbare Schande ist. „In Wien laufen 6738 verwahrloste schulpflichtige Kinder umher.“ Wieviele mögen erst in Rußland umherlaufen, da dort infolge des Krieges so viele Väter starben? Unser Südheim gehört auch zu den sozialen Dingen. Da müssen die Lehrer kronenweise sammeln, weil der Staat den Invaliden der Pflicht nicht helfen kann. Wieviele Südheime könnte man für den Wert eines großen Schlachtschiffes kaufen? Ein solches kostet gegen 40 Millionen Kronen. Ein Schuß — und es verschwindet im Meere ein Vermögen! Der schöne Aufsatz über das Museum des Herrn Kollegen in Rogendorf gemahnt mich an den so fühlbaren Mangel jeglichen Kunstgenusses auf dem Lande. Kein Konzert, kein Theater, keine Bildhauerarbeit, kein Meistergemälde! Manche Landleute, ja die meisten, leben, als wären sie nicht Mitlebende einer hohen Kultur, sondern halbe Barbaren! Alles an Kunst häuft sich in den Hauptstädten an, was wieder eine Folge der Rechtsunsicherheit zwischen den Völkern ist, wie der Soziologe Novicow nachweist. Mit dem Voranstehenden glaube ich zur Genüge gezeigt zu haben, wie nahe es auch uns Lehrer angeht, wirklichen Frieden zwischen den Völkern anzustreben. Was man jetzt Friede zu nennen beliebt, ist doch nur eine Art Waffenstillstand. Ferner meine ich, es sei nun jedem Kollegen klar, daß der Friedensfreund der wirklich patriotische Mann ist, da er das Beste für sein Vaterland will. Diesen wahren Frieden jedoch können nur Schiedsgerichtsverträge der Staaten unter einander erreichen. Da nun seit 1899 in der Tat ein Schiedsgerichtshof im Haag besteht, kommt es nur auf die Völker an, iim gegebenenfalls zu benützen. Sollte nun — was leider höchst wahrscheinlich ist — die Gegenwart für eine so glückbringende Einrichtung noch nicht ganz reif sein, so ist es Pflicht der Schule, die zukünftigen Bürger in passender Weise für den Wandel der Dinge vorzubereiten. Und es wird daher Aufgabe des Lehrstandes sein, sich mit der Friedensbewegung etwas vertraut zu machen. Am schnellsten geschieht dies durch das Büchlein: „Ich bin im Volk ein schlichter Lehrer“, welches jeder Lehrer auf Wunsch von der österreichischen Friedensgesellschaft Wien, I. Spiegelgasse 4, kostenlos erhält. Wir Lehrer Österreichs stünden in dieser Bewegung nicht als die ersten. In den Vereinigten Staaten ist der 18. Mai jedes Jahres zur Erinnerung an die Eröffnung der Haager Konferenz schulfrei und der italienische Unterrichtsminister wies die Lehrer aller Unterrichtsanstalten an, diesen Tag durch Gedenkreden vor den Schülern zu feiern, ln Frankreich besteht eine nach lausenden zählende Vereinigung von Lehrern, welche die Völkerverständigung anstreben. Vielleicht bieten manchem von uns auch die kommenden Wahlen Gelegenheit, auf die Reichsratskandidaten im Friedenssinne einzuwirken, wenn ihnen gezeigt wird, daß all ihre Arbeit für das Wohl ihrer Wähler nur Flick- oder Scheinarbeit sein würde, solange die Kultur nicht durch wirkliche Friedensgarantien geschützt wird. Lasse niemand den Mut sinken! Denn wie das Faustrecht aufhörte, über welches wir uns heute in Abscheu ergehen, so wird auch das Kanonenrecht verschwinden, und dann erst können die Völker ganz ihrer Wohlfahrt leben. Nachwort: Herr Amtsbruder Demal hat recht, wen» er als mariner Anhänger der Friedensbewegung den Hebel bei der Landschule anseht und auf den günstige» Zeitpunkt verweist. Einmal muß der Anfang gemacht werden, nachdem über den Zweck der Bestrebung doch jeder im klaren ist. Und wo soll begonnen werden, wenn nicht in der Schule des „Volkes", in der Landschule? Dereinst trennte ein tüchtiger Herrscher mit einem Schwertstreich Zeitalter des MordenS und friedlichen Schaffens, heute wird sie der Schulmeister scheiden müssen. D. Sch. Bus dem Cehreralbum. 14. „Ein netter junger Mann, der neue Lehrer!" „„Nur gefällt mir’8 nicht, daß er gar so still ist."" „Und grab das ist hübsch; mischt sich so eilt Herrchen gleich in alles, so gibt es sich bald ans." „„Still, da kommt er! Wie schmuck ihm das Hüterl steht! Na, der hält was ans sich, — ein gutes Zeichen! Aber nur reden sollt er, rede»!"" ,Guteil Tag, meine Herren! Erlauben Sic, daß ich Platz nehme?' „„Selbstverständlich, es macht uns nur ein Vergnügen."" .Danke, das Vergnügen ist meinerseits.' „„In der Schule bei dem merkwürdigen Oberlehrer werden Sie gewiß nicht so sprechen."" .Wie meinen Sie das?' „„Nun, ich meine, Ihr Alter, das ist ein gar sonderbarer Kauz und der Herr Lehrer N. ist auch nicht besser. Hören Sie nur. . .Ich danke, meine Herren. Sie sagten, meine Gegcnivart sei Ihnen ein Vergnügen; da Sie aber über meinen Vorgesetzten und über den Kollegen sich lustig zu machen beginnen, scheint dies nicht der Fall zu sein. Ich empfehle mich, meine Herren!' ,,„D», er kann doch sprechen!"" „Und deutlich auch noch dazn." Die Wechselnde. Zur >. und ändern: Bitte, das Geschäftliche immer unmittelbar an die Verwaltung zu senden; im Trubel der Arbeit vergesse ich auf die Vermerke und trage dann die Schuld an der unregelmäßigen Zusendung. — Lehrer S. in Lt.: Also geistig wären wir uns vorgestellt; ivill's Gott, wir drückten uns einmal die Hände! Sie fürchteten, zudringlich zu werden: Das trifft bei mir niemals z», wenn es sich um Schulsachen handelt. Gerade die ausführlichen Briefe, in denen sich das Wesen offen gibt, freuen mich am meisten. Man will doch dem, der als „Freund" sich meldet, klar ins Auge sehen. — Schilf. Z*. dzt. in M.: Ihre Treue erquickt. Glückauf Ihnen und den ändern Zeichenbeflissenen im Kurse! — tW. ZT. in L. und ändern; Wenn Sie für den Vortrag noch weitere Folgen der „Blätter" benötigen, so stehen sie zur Verfügung. — Lehrer Sit. in S: Eine Zuschrift mit „roter" Tinte! Das läßt tief blicken. Es scheint, daß Andersen, der heute zu Ihnen spricht, mit seinem Verslern zu spät gekommen ist. — chvl. A. in Lt.: Die zweimalige Ausgabe im Monat? Vielleicht nächstes Jahr, wenn die Gemeinde wächst. Übrigens muß ich dazu sehen, etwas von der mir zugeteilten Last weg-zukriegen. Die „Blätter" fordern eine ganze Kraft. — Lehrer I. in Lt.; Die alten Jahrgänge sind vor rätig und können zu 2 K bezogen werden. Sie haben recht, zum vollen Verständnisse ist alles notig, was die „Blätter" bisher gebracht haben. — Schilt. Lt. in ZT.: Aha, es beginnt sich zu regen! Auch aus ändern Teilen des Reiches kommt die Nachricht, daß sich die Bezirkslehrerkonferenzen mit dem Abteilungsunterrichte zu befasse» haben werden. Die „Ständigen Ausschüsse" sollten die Rücksichtnahme allerorts verlangen, wo die Bedingungen gegeben sind. — Lehrer ch. in L.: Sv machte ich es auch: Eine Zeitlang ernstlich studiert, daun ans vierzehn Tage ein Büchlein zur Hand, das mich erfrischte. Meine Quellen sprangen immer ent weder bei Diesteriveg oder bei Polack. — Hine Neuerung: Teils zur Schonung, teils zur Entwicklung der „Blätter" beabsichtige ich einen Ankündigungsboge» drucken zu lassen, der von dem eigentlichen Texte abgelöst werden kann. Damit die Neuerung platzgreifen kann, wird es nötig fein, „Interessenten" zu sammeln. Die diesbezüglichen Zuschriften bitte ich an die „Verwaltung" zu richten. — Bücher- und Zeitungsschau. 7.) Ätzer die (£iitridHunn ber gewerblichen Sortvikbungsschuke hat der Verlag Graeser, Wien (Preis 3 K), ein aus der Praxis hervorgegangenes wertvolles Buch erscheinen lassen, das nicht allein berufen ist, dem Titel gerecht zu werden, sondern vielmehr überhaupt die Aufmerksamkeit aller auf die praktische Seite des Schulunterrichtes in Landschulen lenken soll. Die Wiederholungsschule, die Sonntagsschule, die Ober stufe der Volksschule werden aus dem Buche viel Schätze gewinnen können. 8.) Das erste Schuljahr. Ein Wochenbuch. (Verfasser: Konrad Eidam; Verlag: A. Pichlers Witwe und Sohn, Wien, V. Margaretenplatz 2; Preis 2 K 60 h). — Was ich über Berechtigung des Vorbercitungs-buches von dem Oppeuberger Pichler gesagt habe, gilt auch von dem Wochenbuche des Wiener Pichlers, des Verlegers. Man kann mit Fug und Recht sagen: Was Konrad Eidam schreibt, ist gut und echt. Er gehört zu jenen pädagogischen Schriftstellern, die nicht schreiben, um zu schreiben, sondern die gerade nur dann den Born sprudeln lassen, wenn er, übervoll, überfließt. 9.) Sifiiift und Kaus. (Herausgeber: I. Jordan, Wien, VIII/i Joscfsgasse 12; Preis 4 K jährlich). In Folge 35 der „Blätter" wurden der Zweck und die Einrichtung der Elternabende beleuchtet. Damit hiebei der Stoff nicht ausgehe und den Eltern tatsächlich Brauchbares, Zeitgemäßes geboten werden könne, ziehe „Schule und Haus" zunächst in jede Schule ein, u. zw. durch den Säckel des Ortsschulrates in die Schulbüchern für Lehrer! — Brett) und quer non Schule )u Schule. 10. Ins Band der Dugendträume. „Dort rückwärts hinter de» kahlen Ziiliien, dort, wv ein schäumender Alpflnß, kaum der Wiege entsprungen, durch das Engtal eilt, dort liegt das Land meiner Jugendträume, der Unterlehrer-Posten, — ,dahin, dahin möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, zieh'».' Ach, hätten wir Zeit und Stock und Eisen, wie wollten wir die Wände hinnnklimmen, hinan bis zum zackigen Grat, triumphierend die Bergrieseu mustern, zur ändern Seite die neue Welt uns betrachten, das idyllische Städtchen zwischen Bergesgrün und Matten, wie wollte ich jubelnd die Nunse hinabgleiten, ans der Alm im Souncnglanz mich baden, der Sennerin von alten Tagen erzählen, da ich mit einer frohen Kinderschar zur Höhe gezogen kam, da ich ans der bunten Wiese mit den Bnbcn, den lieben schlimmen Buben einen heißen Krieg begann, indes die Mädel, die gesprächigen, in der Hütte Kaffee kredenzten, da wir singend und trällernd durch den stämmigen Wald hüpften, hüpften nach einem frvhverlebteu Tage, da drunten aus fünfzig Kehlen der letzte Gruß an die Abendsonne erklang und dann eine herrliche Nacht mit dem Spiel der Berggeister die Seele umfing I" — „„Aha, die Zielangabe! Doch sie genügt mir nicht; da müssen schon noch mehr „Momente" ihre Wichtigkeit begründen."" „Ach, Momente! Wollt ich den Born der Gefühle öffnen, es strömte stürmisch aus vollem Herzen und nach Momenten könnte man schier nicht haschen. Der erste Posten! Wieviel drängt sich mit diesem Worte in der Seele zusammen! Da kam ein großes Blatt Papier von der „k. k. Behörde": ,Sie werden Hicmit zum provisorischen Unterlehrer in M. ernannt? Welch hoher Titel! Endlich, endlich sorgenfrei, frei, frei auf eigenen Füßen! Wie wogte das durch die Brust! Drinnen in der Anstalt der häßliche Zwang, daheim die Not in hundert Gestalten, im Busen das erste Regen des nagenden Wurmes — und nun der Fesseln entschlüpft, auf festen Grund gestellt, in ein herrliches Tal gerufen, wo der frische Atemzug von dichten Wald-geländen neues Leben in die kranken Lungen hauchen sollte! Hoffnung, Hoffnung, daß ist ja das Erlösuugswvrt und der Ansporn für junge strebende Geister, die beste Medizin für den Kranken! — Ich zog ein. Der liebenswürdige Oberlehrer, der freundliche, witzige Amtsbruder, die rundliche, gute Wirtin, der vornehme Bezirkshauptmann, die lieben, lieben Kinder vom Städtchen und erst die von der Alm . . .: Eö wollte das Herz mir vor Seligkeit schier zerspringen. Der erste Schultag Enut. Der väterliche Vorgesetzte führte mich vor die Klasse. ,Da ist ihr Völklein. 40 Anfänger sitzen zur Rechten, 35 ausgemusterte Abc-Schützen habe» Sie zur Linken: zwei Abteilungen.' — „Wie soll ich da unterrichten? Darüber haben wir ja in der Anstalt nichts gehört." — .Einmal hier, einmal dort; Sie werden sich schon hineinfinden.' — Und ich fand mich hinein, aber nur zum Schein. Ach, dürfte ich jetzt, da nach einer langen Pilgerfahrt die Ideen geklärt, der Unterricht auf wissenschaftliche Grundlage gestellt ist, da mir ein festes System von Grundsätzen vor den Angen liegt, wieder vor die Klasse der 75: — wie anders ergriffe ich die Zügel! Zn spät glitt uns die geläuterte Praxis in die Finger, sie wird uns nicht mehr die Bürde erleichtern; doch das neue Geschlecht soll von der Frucht sich nähren, die wir zur Reife bringen, und soll uns Dank wissen, denn wir versenken die Last, die uns drückte, die uns schier erdrückte und nns den Eifer benahm. — Dort drüben, lieber Freund, dort hinter den kahlen Zinne» liegt also das Land der Jngendträume, die Wiege des Gedankens, dem ich mein Leben weihe. . ." „„Das Ziel ist gesteckt und begründet; also rollen wir um die felsige Ecke, gehen wir über zur zweiten Stufe, zur Entwicklung in der 3. Klasse des Schnellzugs!"" Zunächst jagte der Brausende durch üppiges Ackerfeld, dann schoß er an einem See vorüber, in dem sich eine Phalanx ernster Waldrecken spiegelte; allerlei Volk stolzierte ans dem Wege ans und nieder. „Hinweg, hinweg vom städtischen Pich!" preßte cS sich ans unserem Busen. Der Wunsch gab dein stürmischen Rosse Flügel und alsbald lachten niedliche Haine, das Mosaik von Feldern und freundliche Dörfchen zum Fenster herein. „Ein schönes Lano, man kann es sich schöner nicht denken!" „„Und doch rühmt man es nicht, umflicht es nicht mit den Kränzen der Dichtung!"" „Das ist ja eben der Jammer, daß kein Genius erstehen will, der unser herrliches Vaterland priese! Wenn man in den Werken der Großen liest und sich an dem Lob ihrer Heimat ergötzt, umflort man dieselbe mit paradiesischem Glanz und vergißt darob, daß uns ja auch ein herrliches Stück Erde beschert wurde. Was draußen der Dichter besungen, ist beileibe nicht schöner, als was jetzt unser Auge entzückt; aber es ist in den Schleier der Dichtung gehüllt, vom Pinsel in idealer Gestaltung wiedergegeben und so in den Zauber der Knust getaucht. Jeder Fels, jedes Dörfchen, jede Burg hat ein Plätzchen im Rosengarten gefunden und es weht himmlischer Duft um die öden Flächen." „„Warum pfaucht unser Rößlein sv zornig? Ei ja, wir müssen den Sattel passieren, den wichtigen Sattel, von dem ich in der Geographiestnnde so oft gehört, dessen Namen ich hundertmal herabgeleiert, von dein ich jedoch nicht ein einzigesmal eine rechte Vorstellung gehabt habe. Zeigten sich da auf der Landkarte zwei Klammern den Rücken, in der Faust-zeichnung war's auch nicht anders: Was sollte das bedeuten? Hätte der Herr Professor nur einmal den Längsschnitt gezeichnet, es hätte die Einbildungskraft sogleich eine annähernde Vorstellung geschaffen! Oder würde er mit dem Finger zum Fenster hinaus aus den Kamm der heimischen Berge gewiesen haben! Aber nichts von dem. Im Büchlein war eine Definition, die mußten wir wörtlich können; ans der Karte war das Hexenzeichen, das mußten wir auf den, rechten Orte anbriugen lernen. Nun war das Vaterland mit all seinen Schönheiten gerettet."" „Mit den Schönheiten zwar nicht, aber mit der Kenntnis seiner Bodengestalt, denn das Kartenzeichnen hatte hiefür seinen Zweck erfüllt." „„Mag sein, aber es hat nicht den wichtigsten Zweck erfüllt, nicht zum Ziele geführt, das sich die Erdkunde „in der Volksschule" stecken soll; denn was bedeutet eigentlich das Kartenzeichnen für die Geographie? Betrachten wir die Sache nur einmal so recht bei Licht! Kann die Faustzeich-nung das Bild der Landschaft nur annähernd vermitteln? Gelingt sie auch gut, sv ist sie doch nur ein fleischloses Gerippe, das trockene Skelett, vor dem wir Ekel empfinden. Da ziehen dicke Striche dahin, hier schmuggelt sich ein Krenzlein ein, dort ist ein Ring, dazwischen eine beliebig gewundene Schlangenlinie: Das soll den Sinn berücken? Mit uichteu! Hinaus über Feld und Flur, hinauf zum Gipfel des Hügels in der Heimat, dann im Geiste auf einem Relief oder einer guten Karte die Wanderung über die grünen Gelände, über die Pässe, die Kanten und Zinken: Nur so kcuui das Bild vo» der Landschaft entstehen, nur so aus der Karte Denkstvff ge-hoben und Begeisterung für das schöne Vaterland in die Herzen gepflanzt werden. Die Faustzeichnung! Sic bedeutet eigentlich nichts anderes als ein Mittel zum leichteren Einprägen der verschiedene» Namen. Wenn sich die Namen mit Zeichen verbinden und diese Zeichen ein geschlossenes Ganzes bilden, so daß jedes Wort seinen bestimmten Platz bekommt, dann fixiert der Geist die Stelle und reproduziert mit ihr nmso leichter die Wvrtvorstellung des r'lnges oder die des Ohres. Wer würde die Gedächtnishilfe nicht billigen, brächte sie nicht so großen Zeitverlust, Arbeit und, obendrein das falsche Landschaftsbild, das trockene Gerippe?"" „Zngegcben. Allein mit dem Kartenlesen ist es auch eine eigene Sache: Hat man die Gegend in Wirklichkeit nicht gesehen, so schasst die Einbildungskraft wohl auch viel Bilder der Einbildung. Da wird ans der Karte etwas herauskvnstruiert, was in Wirklichkeit gar nicht besteht; was vielleicht die Faustzeichuung in zu geringem Maße bot, schasst der phantastische Kartenleser zu ideal und es gibt hernach Ernüchterung, Mißtrauen." „„Richtig! Darum sollte jeder Geographie-Professor, der Lehrer heranbildet, im Reiche heruingekominen sein, damit er das Vaterland ans eigener Anschauung kennt und die gewonnenen Eindrücke ans jene übertragen kann, die berufen sind, überzeugungstreuen Patriotismus im Volke zu wecken und zu erhalten. Wenn der Lehrende das rechte Bild im Geiste verwahrt, wie schnell stellt es der Lernende zusammen! Die geographischen Grundbegriffe bietet die Heimat, die Einordnung derselben zeichnet die Landkarte vor, die Verknüpfung selbst besorgt die Phantasie. Sind aber die, die Geographie tradieren, trockene Kathederhelden, die statt nach dem Wanderstabe zu greifen, in den Ferien Bücher schreiben über Dinge, die sie nie gesehen, sv bleibt alles Schein und Trug bis nach unten und das, was man Vaterlandsliebe nennt, ist ein leeres Wort, eine Vorstellung ohne Inhalt."" Wir hatten die Höhe erklommen. Tief drunten rauschte der Alpfluß durch das üppige Tal, durch eine mächtige Felsengasse, die droben im Dunstkreis zusammenlief und in der Bläue verschwand. Bald waren wir dort, denn dort lag das Land der Jugendträume. Wie wechsel-voll war doch die Fahrt mit der Sackbnhn! Wie poetisch erschien nun jenes Schloß im Forst, nachdem ich über seine Vergangenheit gelesen; wie romantisch gab sich die Ruine in der steil-abstürzendcn Bergwand, da ich erfahren, daß dort die Leute Zuflucht genommen, als der Halbmond in die Lande kam; wie war doch alles anders geworden durch den Flug in die graue Vorzeit! Ja, es ändert ein Büchlein, das »ns zu den Ahnen zurückführt, das mit dem Ort die Sage oder Geschichte verknüpft, gar viel an dem Eindruck der Landschaft. Was sonst tot vor uns liegt, bekommt Leben und raunt »ns viel wunderbare Mär ans längstvergessene» Tagen zu. Hierin ist noch manches nachzuholen. Jeder Ort hat seine Geschichte; darum soll überall der Schatz gehoben werden, der uns die Gegenwart in sv strahlendem Lichte erscheinen läßt. Wie freut sich doch jeder des Friedens, sv von bösen Zeiten seiner Heimat berichtet wird, von den grausamen Türken und Franzosen, wie sie im Dorfe gehaust I Die Sicherheit, die ihm die staatliche Ordnung gebracht, läßt ihn die staatliche Ordnung bewerten und achten. Jedesmal, wenn er an dem Gemäuer der Ruine vorübergeht, wenn er die Felsenhöhle sieht und die alte Kapelle, reproduziert er die grausigen Bilder, das wonnige Gefühl des Friedens, des Schutzes, und Begeisterung und Liebe für das Vaterland, für de» Herrscher und das Stnatswcsen schlagen immer tiefer die Wurzeln. Und iver wird zweifeln, daß mich ein Teil von allein ans den Lehrer überginge, ihn das Fleckchen Erde schätzen lehrte, auf dem er wirkt, ihn in den Augen der Bevölkerung erhöbe, wenn er dem Dorfe seine Geschichte gegeben, »nd ihm jene zu Dank verpflichtete, die nach historischen Quellen und Einzelheiten ans der Suche sind? Die vaterländische Geschichte, die ans entfernten Schauplätzen spielt, ist abstrakt und greift nicht tief; nur die Ortsgeschichte vermag in die Seele zu dringen und das Herz zu erwärmen. Es soll darum jede Schule eine Schnlchronik führen, aber mich eine Chronik des Ortes. (Fortsetzung folgt.) Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf Q. Peerz. - Druck von 3ofef Pavltcck in Gottfchee. Erster Brief an die £andscbulgemeinde. Vielliebe Leser der „Blätter für Abteilungsunterricht" ! Mir müssen uns nun einmal gründlich aussprechen. Kein Zeitpunkt drängt zur Verständigung so sehr wie der jetzige, da die Bedeutung der österreichischen Landschule mit einemmal scharf hervortritt. Der Leitaufsatz „Dornröschen" ist ein Programm und zugleich die Begründung für die nachstehenden Zeilen. Die Männer, die in zwei Monaten in das neue Parlament einziehen werden, kommen grösstenteils aus dem Volke oder sie haben das Volk auf dem flachen Lande zu vertreten. Menn sie die übernommene Pflicht nur zum Ceile erfassen, so muss ihnen als oberstes Ziel die Bildung des gemeinen Volkes, die Hebung der Landschule vor Bugen stehen. Diese kann aber nicht nur immer in dem Hinzufügen von ein paar neuen Klassenzimmern, im errichten von Schulpalästen oder im erweitern des Stundenausmasses gedacht werden, sondern wird zunächst die ganze Organisation, den Lehrplan und das Verfahren betreffen müssen. Dass mitten drin die Besoldungsfrage der Lehrer steht, muss nicht erst gesagt werden; sie ist eine Vorbedingung und eine folge zugleich, der man sich niemals wird entschlagen können. Jst der Lehrer der Sorge um den Lebensunterhalt nicht entrückt, so werden die herrlichsten Einrichtungen und die besten Methoden nicht den erwünschten Erfolg zeitigen können. Anderseits: Jst die Pädagogik des Lehrers im Hbteilungsunterrichte nicht eine Kunst, die tiefgehendes Denken verrät, mit einem greifbaren, 'dauernden Erfolge das Huge des Laien blendet und infolge der 6eistessd)ulung den Kenner mit Bewunderung erfüllt, so fehlt es an Achtung und Wertschätzung — und es wird die conditio sine qua non nicht ernst genommen werden. So führt also die Tüchtigkeit im Berufe zur Erfüllung jener forderungen der Lehrerschaft, die allerorts laut werden. Es ist ja richtig, dass die Blindheit des Volkes manchem Politiker erwünscht ist; aber die Mehrheit jener, die über das Mohl und Klebe der Schule zu entscheiden haben, steht sicherlich nicht auf diesem Standpunkte. Kläre es der fall, so hätte sich manche Deuerung nicht durchringen können, die heute in den Schulen platz greift. Dem Mutlosen gehört niemals die Kielt und wer hur poltert, ohne zu bessern, wird von der Zeit überholt und bleibt schliesslich beim Dachtrabe, um den sich niemand kümmert. Der Realpolitiker wird den Standpunkt des Ver-zagens unter jeder Bedingung verlassen müssen — und gar jener, der erst zu bauen beginnt, der Lehrer in der Landschule, der sich Ansehen und Stellung erst erringen muss. Mie oft hörte ich auf der einen Seite sagen: „Man gebe uns vorerst den Lohn, dann werden wir über die Methode Nachdenken und den Erfolg erhöhen!" Menn ich dann auf die andere Seite kam, wo die Mächtigen sassen, so biess es; „für diese Arbeit sind die Herren noch immer gut genug gezahlt; da brauchen wir ja nicht die fachbildung, Aushilfslehrkräfte tun es auch." — Klem soll man da recht geben? Stellen wir uns aiich auf die Seite der ersteren, — was nützt es? Da pflichte ich dem bei, der mit Ruhe urteilte: „Wir müssen uns unentbehrlich machen.“ Das sollte in der Cat die Losung sein. Wer mit 6ifer bei der Hrbeit ist, sic über das Gewöhnliche hebt, wird geachtet und - gehört; wer nur schilt und dabei wenig leistet, findet nicht mehr als ein mitleidiges Achselzucken. Die Gemeinde, in der echte Lehrer gewirkt und allzeit pädagogisches Können an den Lag gelegt haben, wird sich niemals den ungeprüften Dotlehrer aufhalsen lassen; der Ruf von der Leichtigkeit des einen wird weiter dringen und im weiten Umkreise wird es heissen; „Wenn die einen so ausgezeichneten Lehrer haben, warum sollen wir uns mit einem minderwertigen begnügen? Die Forderung wird um sich greifen, man wird die Braven suchen, man wird sie im Lande zu erhalten trachten und wird ihren Wünschen entsprechen. Wollte man das alles in einer erhitzten Versammlung nur berühren , so würde man verdonnert werden; indes ich bin weit vom Schuss und kann daher den Gedanken bis ztim Ende entwickeln. Grollt mir jemand ob der besonnenen, offenherzigen Stellungnahme? Wir hätten also eines festgelegt; die Landschule muss pädagogische Kunst verraten. Wo ist sie zu haben? nirgends! Die Lehrerbildungsanstalt hat sie bisher entweder nur andeutungsweise oder gar nicht geboten; das Berufsleben konnte sie als fertige nicht vor die Augen stellen. Daher,haben wir, die wir den Mangel einer österreichischen Landschulmethodik erkannten,. uns zusammengefunden, um aus dem Chaos von 6r-fahrungssätzen durch vereinte Kraft ein festes System zu schaffen, auf dem sich die pädagogische Kunst der Landschule erheben soll. Wo es gilt, etwas ganz Heues, Bedeutendes ins Werk zu setzen, da reicht die Kraft des einzelnen nicht aus, und auch ich wäre sicherlich zusammengebrochen, hätten nicht aus allen Leilen des Reiches helfende Hände mein Streben gefördert und freundliche Crostbriofc mich stark erhalten. Mehr als 200 derselben liegen zurzeit vor mir, da ich mich zum erstenmal an die Landschulgemeinde wende, um sic alle mit einem Schlage zu beantworten. Vorerst eines: Hat das Wort ..Landschulgemeinde" Berechtigung? Jch habe cs geprägt, ohne es genauer geprüft zu haben; so muss ich es denn nachträglich begründen. Sollten wir uns des Litels „Landschule“ schämen? Jrgend einen Damen muss die Schule mit Abteilungsunterricht, wie cs doch jene auf dem Lande mit geringen Ausnahmen ist, bekommen. Dorfschule! Klingt das besser? Meines Erachtens nicht; denn wir denken ja nicht bloss an die Orte, sondern an alles, was mit unserer Schule in Beziehung steht, an das Land. „Gemeinde!" Die gemeinsame Jdec, die gemeinsame Arbeit, das gemeinsame Streben geben die Gemeinde. 6s liegt etwas Vertrauliches in dem Worte. Qnd eben das passt ja auf unsern fall. Seit wir uns fanden, um ein grosses Werk zu beginnen, war nichts zwischen uns, was einen ändern als den selbstlosen, idealen Gedanken hätte aufhommen lassen. Menschen aber, die ohne Rücksicht auf 'persönliche Jnteressen einem hohen Ziele zustreben, geben eine Verwandtschaft ein, die inniger bindet als Blut, öns verpflichtet keine Satzung und doch fühle ich es aus jeder Zuschrift, dass wir uns nahe sind, dass wir eine Gemeinde sind, die „Landschulgemeinde“. Sic ist ein natürlicher Bund, ein Bund, der sich selbst geknüpft hat. Dass er halten wird, darüber bin ich keinen Augenblick im Zweifel. Das darf aber nicht sein einziger, nicht sein oberste? Zweck sein, sondern wir müssen jetzt, da wir uns eins fühlen in einem starken Streben, der inneren Gesinnung äussere Gestalt verleihen. Was dermalen unsern Bestand kennzeichnet, ist ein Mittel, nämlich unser Blatt; Zweck ist jedoch die Lat: 6s soll eine österreichische £and-schulmethodik erstehen und der Hrbeit in der österreichischen Landschule gerechte Würdigung werden. — Dach den vorigen Darlegungen können wir wohl beides gleichzeitig anstreben, aber wir müssen vorläufig mit dem Schwerpunkt im unmittelbar Erreichbaren, im Aufbau eines logisch gegliederten und praktisch gestalteten Verfahrens des Abteilungsunterrichtes ankern. Die „Blätter.“ haben hiefür schon ein gutes Stück Stoff geliefert und mussten, um der steigenden Aufgabe gerecht zu werden, erweitert werden. Kaum war dies geschehen, so kam auch schon der Ruf nach der zweimaligen Ausgabe im Monate. Stic gerne leistete ich ihm folge, stünde mir für die Arbeit Zeit zur Verfügung und würde sich die Verausgabe infolge der doppelten post- und Verpackungsspesen nicht bedeutend verteuern! Jndes, wir werden uns trotz allem mit der Jdee eines öfteren Erscheinens befassen müssen, wollen wir die frage warm erhalten, beziehungsweise in absehbarer Zeit lösen, für die erste Bedingung, die Zeit, werde ich Sorge tragen, für die zweite, die Beschaffung der Mittel, muss die ganze Gemeinde tätig sein. Minden diesbezüglich alle so ein-treten. wie jene freunde, die in Lehrerversammlungen Bruchstücke aus den „Blattern“ verlesen und sogleich neue Abnehmer sammeln, Probestücke verlangen und verteilen, bei jeder Gelegenheit werben, oder wie jene, die unser Organ in die Bezirkslehrerbücherei einstellen, beziehungsweise durch die Ortsschulräte ankaufen lassen, so wären wir ja bald am Ziel der Miinscbc: die zweimalige Ausgabe würde in das Streben ein schnelleres Cempo bringen und die frage der österreichischen Landschule zu einer aktuellen machen. Jch für meinen Ccil hätte allerdings hiebei mit einer grösseren Arbeit zu rechnen; doch was tut man nicht für ein Lebenswerk? —Eine Einnahmsquelle dürfte auch der Ankündigungsbogen, den ich demnächst als ablösbares Schutzblatt den „Blättern" beigeben will, bedeuten. Mögen alle Abnehmer, die» von der Bedeutung unserer Arbeit überzeugt sind, hiefür Interessenten sammeln und der7 Verwaltung bekanntgeben, damit der Raum des Schutzblattes alsbald gefüllt werde! — Mir kommt cs so schwer an, Geschäftliches aufzurollen; aber es muss auch besprochen werden, soll der Gedanke ausreifen. — Mie stehen wir dermalen mit unsern Errungenschaften ? An vielen Lehrerbildungsanstalten werden bereits nach Art des in folge 10, Jahrg. 1904, gekennzeichneten Kurses Vorträge über Abteilungsunterricht gehalten ; der Stundenplan von folge 9, Jahrg. 1904, bat allenthalben richtunggebend gewirkt; die Lösung der ,. frage bat fast allerorts Beachtung gefunden; die 2. frage in Verbindung mit der 6. bringt die alten Lehrpläne merkbar ins (Hanken f in die Arbeit des Landlehrers ist Animo gekommen, viele sind nun glücklich als Könige in ihrem Dörflein, da ihr Mirkcn eine Vertretung gefunden hat; „dem Verdienste die Kronen“ hat bereits zur ernstlichen Erwägung besonderer Zulagen für Einklassier geführt; das Büchlein „Calaufwärts“, das ja von den „Blättern“ abfiel, hat manchem Schulfeind die Augen geöffnet: die Leitartikel des Jahrganges 1906 sollen vielen bis an den Hcrv gegangen sein; vor drei Jahren hat mich das k. k. Ministerium zum Studium des Landschulwesens ins Ausland geschickt und von mir einen Bericht entgegengenommen, der Mirkung batte; vor drei Monaten habe ich dem k. k. Ministerium eine 76 Bogenseiten umfassende Denkschrift über die Schaffung einer österreichischen Landscbulmethodik überreicht und die „Blätter“ zur Einsichtnahme vorgelegt; vor drei Mocbcn bin ich selbst in Mien gewesen und habe dem geschriebenen Morte durch mündliche Aussprache nachgeholfen. Jch kann sagen, die Sache steht gut. Greift nun alles zusammen mit der Merbearbeit und mit der feder, wächst die Landschulgemeinde und gewinnt sie an innerem Fjalt, so treten wir bald als geschlossene Masse vor das forum des Reiches mit dem Rufe: Mir haben die österreichische Landscbulmethodik geschaffen; gebt jenen den Lohn, die sic zur Cat werden lassen! Laibach, £en;monat 1907. Jn Creue: Rud. 6. Peerz. 'Äitbbrmtptci S>1- ». Klrinmayr t Seb. Stunber« in Laibach 8i>9—7 Blätter für Jfbteilungsuitterricbt. Laivach, im April 1907. Verlag von G. Frey tag & Berndt i Wien, Vll/i Schottenfeldg. 62. Rotbaiigs Scbulatlanfcn zeichnen sich vor allen ändern durch schön gearbeitete große Kartenbilder aus. Jede Karte aus jedem Altlas Ist auch einzeln zu haben I Sämtlich approbiert. Geographischer Bürgerschul-Atlas. 2., erweit. Aufl., 41 Kartens., eleg. geb. K 3'50 Nach Anlage und Ausführung der beste, schönste und praktischeste Atlas für Bürgerschulen. Geographischer Volksschul-Atlas für vier- bis sechsklassige Volksschulen. 13 Karten und 18 Größenbilder, geb. . K 2 — Ausgaben für Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg, Steiermark und Kärnten, Mähren und Schlesien, Böhmen, Tirol und Vorarlberg. Derselbe ohne Größenbilder, geb. . K 150 (Krön lands-Ausgaben wie vorher ) Geographischer Volksschul-Atlas für ein bis dreiklass. Volksschulen. 6 Karten und 13 Größenbilder, geb K 1 20 Derselbe ohne Größenbilder, geb. . K 1 — Rothaugs Sclmlatlanten u. Schuhvandkarten ergänzen sich in vollkommenster Weise. Die Karten der Atlanten pind getreue Abbild, der Wandkarten und umgekehrt. Seibers Wandfibel. Nach der neuen Orthographie gearbeitet. 42' große Tafeln (80:105 cm). Preis, roll 22 K — Auf DeCkel gespannt 43 K — Einzelne Tafeln ä 70 h, auf Deckel gespannt ä 1 K 40 h. Approbiert 27. Oktober 1900, Z. 29.529. Wiederholungsbuch füe* Realien für die Hand der Schüler. Herausgegeben von Gust. Schöffmann, Oberlehrer in Wörth bei Gloggnitz. In zweiter, veränderter Auflage ist erschienen: II. Teil: Geographie und Geschichte, Preis 40 Heller. Für Porto sind 10 Heller einzusenden. Im Verlage des Neu'nkirchner Lehrervereines. Zu beziehen durch RobertZangerl, Neunkirchen, Nicdci Österreich. Über den II. Teil schreibt die „Österr. Schul-zeitung" in Nr. 26, 1906: „Das Buch bringt in seiner Neuauflage eine wesentliche Verbesserung und Vermehrung des Inhaltes >.. . wodurch das Buch an Brauchbarkeit entschieden gewonnen hat... Das Büchlein kann bestens empfohlen werden.“ Karl Hilber. 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