Nro. 34 Lmbacher ^V Zcitmg. Freytag den 29. April 1791. Inländische Nachrichten. .^aid.".ch d?.i 29. April. Drey Schreiben a^6 Wien von 22. April bringen fol-qende Nachricht: Gestern den 2». April vornlittag ist b?n dem russisch-kaiserlichen Bothschafter, Fürsten von Gallizin, ein KlilN^r über Ismail mit der wichtigen Nachricht angckonimcn , daß Fürst Rt'pnin auf Befehl seines Oberkommandanten den 14. April mit einem Korps leichter Truppen unweit Brailow über die Donau ge-ft'et , das aus beyläufig 9000 Mann bestandene türkische Lager ben Schiumla angegriffen , und mit solchem Erfolq geschlagen habe / daß von den Feinden bcy ZOoo Mann todt blieben, über 2OOO qe-fanqen würden.. und der Rest derselben theils zerstreut, theils bis nim Hämus ver-folqt ward. Alles Fuhrwesen, eine Anzahl Kanonen, Bagage, Muni ion uild Lebensmttpln mit dem qanen Lager fi?» len den Siegern in die Hände. Auch wurden ( wie nnr eines diestr wy Schreiben sagt ) g?g?n 8O türkische Tschaiken erobert. 2 Väschen fand man i,n Schlachtfelde todt, und einer von Z Roßschweifen, nämlich der Kon?mandierende , gerieth ln dll Gch.itlgenschaft. Zer eigentliche An-fnhrer dleses glücklichen Ausschlages war General Gassen , Vctter des hiesiqen Hrn. Bothschaftrrs. Die rähern Uu,stande erwartet man nächstens. Indessen maq die. ser Vorfall ein neues Vorbild von deric-Mgen Kamplbeglerde ftnn, womit es die abgehärteten Moskowiter noch m:t andern Femden lhrer Beherrscherin auf-unchmen llch getrauen werden. - Die rußische Mo-narcyln hat, wie man vernimmt, der Republik Pohlen angetragen, die llnzertrcrznllchkeit der A^/l^" und Dalnig mit ihrer gangen Macht behaupten zu wollen. — Sultan Se-'"? lou sich nun gegen Oesterreich von sich lelblt zu einigen Mttettungtn erboten haben. "Wien den 22. April. In Schön-brunn und Hetzendorf wird alles auf das beste hergestellt und meublirt, weil der Hof sammt dem Hofstaate die Sommermonate dort zubringen werden. Auch der F. M. Graf Lacy Exzellenz macht große und schöne Veränderungen in seinem Lust« garten zu Dornbachi — Bey der jetzt angenehmen Frühlingszeit fahren Ihre Majestät die Kaiserin oft nach Schönbrunn undLaxemburg und speisen daselbst zu Mittag. — Der nißische Vothschaster, Fürst Gallizin, hat sein im Prater liegendes Lustgebäude wieder ganz renovircn lassen. — Sc. Majestät der Kaiser haden Von Wallisch Kürassier den Herrn Rittmeister v. Prohaska, dann den bey dem reduzirten Staabs Dragoner Regiment gestandenen Herrn Oberlieutenant Oastoni, welcher auch zum Rittmeister avanM worden, bey Hof zum militärischen Unterricht der anwachsenden jüngeren Erzherzogen königl. Hoheiten angestellt '.beyde haben die Erlaubniß erhalten, den Uniform des Sr. Maj. höchsten Namen fühv renden Chevaur-Legers Regiments tragen zu dürfen. — Der Vorderösterreichische Hr. Präsident Baron v. Sumerau ist von hier nach Freiburg auf seinen Posten abgegangen. — Der Herr Gtaatsminister Graf V. Hatzfeld ist zwar -schon um vieles hergestellet, jedoch , da die Magcnkrämpfun-gen und Schmerzen nicht nachlasse» wollen, so machen die Aerzte dle Krankheit noch immer gefahrlich. — Die Reduktion des Feldverpftegspcrsonals ist bereits erfolget, und belaufet sich auf 6cn Individuen , deren Gehalt schon mit Ende März zu laufen aufgehörct. — Bey Kmsko Chevaux - Legers ist dcr Hr. Oberstlieutenant v. Daniel in den Ruhestand ge» sitzt, und der Hr. Major v. Homburg zum Oberstlieutenant befördert worden, bey welcher Gelegenheit der bey Kaiser Chevaux--Legers als Supernumerarius gestandene Major in die Wirklichkeit gesetzt worden ist. — Am Ostermontag will Hr. Blan-chard seine Luftfahrt vielleicht mit glücklicheren Erfolge als das erstemal neuer-dingen versuchen. — Die Operistin Madame Illliani ist schon in voriger Woche allhier angekommen, sie solle sich ausgebeten haben, ihr zu erlauben, Anfangs nicht gleich in einer Opera Vuffa auftret-ten zu dürfen. — Se. Maj. haben vermöge höchsten Hofdekrets vom is. des gegenwärtigen Monats, das unter dem 28. August 1789 bekannt gemachte Ver-bot der Einfuhr des fremden raffinirten Zukers zum Handel / aufzuheben, und solche vom i.Iunius des laufenden Jahrs, gegen Entrichtung des vor dem Verbote bestandenen Zolles, wie dieser mit 1. Iä-ner »789 ausgemesscn war, gestattet. Wien den 16. April 1791. Trieft den 21. April. Nach Briefen aus Venedig vom 6. dieses haben S<>. Majestät der Kaiser, in Gesellschaft der Königin Von Neapel Majestät, des Gro!> her>ogs und dessen durchlauchtigsten Ge-mahlin, wie auch der Ercher oge Leopold und Karl, am 5. des Morgens diese Stadt verlasscn, und ihre Rnle weiter über Padllä fortgefetzt. Des Königs von Neapel Majestät waren schon den 4. des Morgens über Padua nach Vincen a ge« reiset, und kamcn den 3. früh wieder nach Padua zurück. Prag den ,4. April. Heute ist ei:t rußischer Kurrier mit wichtigen Depeschen l/.er durch nach Berlin paßirt. — An der Donau hat man schon die ganze Disposi-zion gemacht. Ob sie überdie-intereßinett Wächte eben so gemacht haben, daß kann man zwar nicht behaupten; a5cr es laßt sich welligstens hören. Rußland setzt den Krieg mit der Pforte fort, und geht zuerst aufBrailow und Varna los. Brunn den 20. April. Wie man unter der Hand vernimmt, so hat die rußische Monarchin auf die jüngst von dem preußischen Hofe an das Haus Oesterreich qc-machte, und jenem von Petersburg wieder von hier ans mitgetheilten Eröffnungen erwiedert, niemals zugeben zu können, daß die Städte Thorn und Danzig von der pohli-schen Oberherrschaft getrennt, und an Preussen abgetretten werden sollten ; sie würde da her auf Ansuchen Pohlcns eine der ersten Machte seyn / die sich dieser Republik für die Erhaltung aller ihrer Lander und Städte verbürgen würde. Wir sind daher in Absicht auf künftige Eräugnisse wieder in einer gänzlichen Ungewißheit, und man ist äußerst begierig, zu sehen, wie sich Se. Maj. der Kaiser auf die Höchstdem-selben von dieser Angelegenheit zugeftttig» te Nachricht weittr erklären werden, um so mehr, als nach Berichten aus Stockholm viele Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß der König von Schweden sich neuerdings entschlieffen dürfte, wieder gegen Nußland aufzutretten. Preßburg den 20. April. Se. Majestät haben den Herrn Franz Stromaylr, Postmeister und königl. privilegirten Salz-und Holzvnschleißer in Alt - Bccse, we» gen seinen in Beförderung der Brenn ^ und Flösholz - Transporte zu der k. k. Armee den gan.en Türkenkricg hindurch bewiesenen Rastlosigkeit und Diensteifer , mit Nachsicht der halben Taxe sammt dessen Eheleibserben in den ungarischen Adelstand allrrgnädlgst zu erheben geruhet. Ofen den 18. April. Auf den Fall, wenn die Unterhandlungen zu S^ißtow fruchtlos ablaufen und ber Friede zwischen Oesterreich und der Pforte nicht A Stande kommen sollte, somit auch Volt dieser Seite der Krieg gegen die Türken sortgesetzt werden müßte, hat das Königreich Ungarn sich feyerlich anheischig gemacht, die Fehde mit den Türken allem zn führen, und zwar ohne Beyhilfe deutscher Truppen. Verschiedene Anstalten, welche indessen vorsichtsweise getrosten wer« den, beweisen wenigstens, daß man diesen Fall für möglich halt, und daß es noch nicht so ganz richtig mit dem Frieden zwischen Oesterreich und der Pforte ist. — Zum Oberbefehlshaber der Truppen des Königreichs sind, glaubwürdigen Nachrichten z.lfolge , Se. K. Hoheit, der Erzherzog Franz ausersehen worden. — Einige Regimenter, welche in Böhmen liegen, haben den Befehl erhalten, sich unverzüglich in marschfertigen Stand zu setzen, um nach Vordcrösterreich aufubre-chen. Diese Ordre giebt zu erkennet», daß der Zwist der deutschen Reichsfürsie« mit der Nazional - Versammlung in Frankreich über kur; oder lang noch ernsthafte Folgen veranlasst« kann. Scmlin den 7. April. Reisende, von Belgrad kommend/ erwählen, daß der Sultan Selim sich gegen Oesterreich Von selbst zu einigen Abtrettuugen erböten ha.« be. Dasjenige, was man bereits ncnnr, ist vielleicht das, was man wünscht. Indessen wollen wi.r harren, bis die Herre« in Szisiow es bestättigen werden. —Das Gerücht von dem Antrage, die Festungswerke von Belgrad M schleifen, halt all-hier noch an; nur.wankm itzt di< Leute und zweifeln, ob sie alsdcnn die unbe,.e-siigtt Stadt beyden Ncnionen , den Deut« schen und Qsm.ancn, als einen Handelsplatz , gemeinschaftlich, wle jüngst gemel- bet wurde, oder nur eincr dcr hohen Partheien überlassen sollen. Inzwischen werden die großen Pulvervorrathe und Kriegsgerathschafttn von Belgrad alle nach Pcnrwardein gebracht. Belgrad den 8 April. Der berüchtigte Muselmann Dell» Achmet, dcr sich «hedem unter den Türken in Belgrad einen großen Anhang ui machen wnßte, ist nunmehr wegen seiner Geschicklichkeic Von dem Großsultane zum Vassa von 3 Roßschweifen ernannt worden, und be< kömmt ein Korps gegen die Rußen zu kommandiren. Hrrmanstadt den 12. April. Unsere letzte An eige über die wichtigen Ver» anderungen in Buckareft müssen wir nach «Mgegangenen zuverlässigeren Nachrichten folgendermassen berichtigen. Se. Cxzell. der Herr General Fcldzeugmeister Graf Mittrowsky habe am 25. März nicht nur das Prasüdium der ganzen Landes Administration, sondern auch das Generalkommando der Armee angetretten. Der Herr Feldmarschalllieutenant Baron En-zenberg hat das Präsidium bey dem Di-van auf den von dem Herrn Feldmarschall Prinzen von Koburg an Se. Maj. gemachten Vorschlag noch im Monar März ,des verflossenen Jahrs erhalten, und das Kommando der Armee auch seit Abgang des Herrn Feldmarfchalls zu dem Gene« ralkommando in Ungarn ad interin, bcsor^ glt / und ist dermalen als Feldmarschall-lieut nant in der Linie bey dm in der Wallachey sicheuden k. k. Truppen unter ^Kommando des Herrn G?neral Feldzeug' Meister Grafen Mittrowsky angestellet. Brüssel den 22. Vpr»I. G'st'rn ruhe slno die Stande von Brabant ver- sammelt gkwüscn; nian weis aber noch nicht, was ihrc Berathschlaguttgen eigentlich zum Gegenstände gchabt haden. Da man besorgte, es möchte den Ständen etwas unangenehmes von Gm?n des Volkes widerfahren, so hatte der Herr Feldmarschall v.'Vcnder die ganze Besatzung ausrücken lassen, um in Falle der Noth ihre Sitzung zu schützen. — Bcy der gestern wicdn' eröifilettn Siyung unserer StäiwevkrsanlmlllNg hatten einige Uebelqeslnnte das Gerücht ausgestreuet, daß einig? Glieder der Stande von Bra-bant, und zwar dcr Bischof von Antwerpen , die Freyherrn von Hove und Rommerswael ic. sich bey gesagter V^r. sammlung nicht einfinden würde», man hatte ader das Vergnügen, dieselben persönlich in gesagter Sitzung zu sehen. Auch war der Kanller, Herr Crumpipeu, im Namen Sr. Majestät darin gegenwartig, um deu Stunden die Gesinnungen des Kaisers zu eröffnen. Man kann noch nicht erfahren, was in dieser Sitzung verhandelt worden ist; zweifelsohne werden die Herren Stande sich gutwillig zu allem bequemen , was zur völligen Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung in unseren Provinzen dienm kann. Ausländische Nachrichten. Italien. Fervara dc», ?. April. Auf Befehl Sr. paonlichen Heiligkeit befindet sich all-httr der päbsiliche Kabinetsklnrier Cate-naxi, um be» Austritt der k. und k. Reisenden aus dem venezianischen Staat Höchstseide durch das padstllche Gebiet bis an dil Granen von Tovkana zu begleiten.