Laibcher Tagblatt. Redaction und Expedition: Bahnhosgafie Nr. 15. Nr. 275.?D5knÄÄ2R! Freitag,29.November 1878.—Morgen: Andreas. 11.Jahrg. Vitt der Loft: San,j-hr. fl. I,. ^ ^ "______,eigen b,S - Zeile» « kr.___________ ^ SnIertionSpretse: Li»- Das Vereinigungsprogramm der Südslaven. Die beim Tabor in Laibach angeregte Idee der Vereinigung der österreichischen Südslaven, beziehungsweise das mit stürmischen Ziviorufen begrüßte Projekt der Vereinigung Krams mit Kroa-zien, findet vonseite des „Slov. Narod" volle Zustimmung, jedoch das Organ der Nationalen im Kramer Lande hält den gegenwärtigen Zeitpunkt zur projektierten politischen Vereinigung der beiden Bruderländer noch nicht für geeignet, sondern betont, daß der politischen die literarische Vereinigung der Slovenen und Kroaten vorangehen müsse. „Slov. Narod" bemerkt, es wäre ein sicherer Verlust, wenn die Slovenen in einem solchen politischen Kampfe ihre Kräfte vergeuden wollten. „Slov. Narod" gelangt im Verlaufe seiner politischen Betrachtungen zur Einsicht, daß man in maßgebenden Kreisen mit den Slovenen und Kroaten derzeit noch nicht rechnet, daß nian diesen beiden Völkerstämmen derzeit eine besondere Aufmerksamkeit nicht schenkt. „Narod" meint, die angedeuteten Verhältnisse werden sich erst ändern, wenn man in maßgebenden Kreisen einmal zur Einsicht gekommen sein wird, daß die Slovenen, Kroaten und Serben em geistig nnd moralisch unzertrennbarer nationaler Körper und Factor sind, mit welchem gerechnet werden müsse; bis man zu dieser Einsicht gelangen wird, bedürfe es noch eines besonders eifrigen Wirkens auf dem Gebiete der Literatur. „Narod" erzählt, es gebe in Kram „Patrioten," welche die russische Sprache zur Literatursprache der Slovenen erheben möchten, dieser Ansicht jedoch pflichtet „Narod" nicht bei. Nach Ansicht des „Narod" muß der Eintritt der Slovenen ins künftige große Kulturleben der Sla-ven durch einzelne Stationen vermittelt werden, und eine solche Station wäre die Ve reinigun g aller Südslaven. „Slovenski Narod" ruft aus: „Wir Slo- venen sind überzeugt von der großen flavifchen Zukunft, wir sind überzmgt, daß eine slavische Kulturepoche so gewiß eintreten muß, als es gewiß ist, daß die Welt nicht stille steht!" „Narod" sagt schließlich: „Wir haben die seste Ueberzeuguug, daß jeder gebildete Slovene der kroatischen Sprache in Wort und Schrift vollkommen mächtig sein muß, daß alle südslavischen Stämme auf Grundlage der hier herrschenden Sprache e i n Kulturganzes bilden müssen, um die sloveuischeu Kulturkräfte zu wecken und sie der größern sla-vischen Kultur zuzusühren. Vereinigen wir uns daher zuerst auf dem literarischen Gebiete!" Mit wahrer Befriedigung constatieren wir die vom „Narod" ausgesprochene Ansicht, daß die Zeit zur politischen Vereinigung der Südslaven, zunächst zur Vereinigung der Slovenen und Kroaten, noch nicht gekommen ist und, so Gott will, noch in weiter Ferne steht. Wir gönnen den Slovenen die angeregte literarische Vereinigung mit ihren kroatischen Brüdern, wir wünschen, daß die slovenische Literatur auf dem Gebiete der geistigen Kultur erfreulichere Fortschritte mache; gegen eine politische Vereinigung Krams mit Kroazien würde nicht nur die deutsche Bevölkerung Krams, sondern ganz Oesterreich Protest erheben. In maßgebenden Kreisen wird eine Los-reißung und Zersplitterung einzelner Provinztheile behufs Vereinigung in ein neues Ganzes, in ein großes füdflavifches Reich wol niemals angestrebt werden. Die Regierung wird und kann es nicht gestatten, daß die slovenischen Bezirke in Kram, Kärnten, Steiermark, Istrien und Görz von den dermaligen Ländergebieten losgerissen und in ein politisches Verwaltungsgebiet mit dem Centralpunkte Agram vereinigt werden. Der Taborredner Rai? sprach sich dahin aus, daß er überzeugt sei, in Europa würden in nicht .ferner Zeit nur drei Völker herrschen, d. i. der gallische, der germanische und der slavische Volksstamm. Wie harmoniert diese Ansicht mit der beim Tabor in Laibach zum Beschlüsse erhobenen Vereinigung aller Südslaven und mit dem Projekte der Gründung eines abgesonderten, von Agram aus zu verwaltenden südslavischen Reiches? Oder soll Agram vorläufig nur eine jener Stationen sein, die nach Ansicht des „Narod" demnächst alle Slaven nach Petersburg sührt? Ein Handschreiben des Kaisers Wilhelm. Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am 27. d. folgendes kaiserliche Handschreiben, datiert Wiesbaden am 26. d., vorgelesen: „Ich habe den von dem Gesammtvorstande des Abgeordnetenhauses am 20. November mir gewidmeten Zuruf gerne entgegengenommen. Es hat mir herzliche Freude bereitet, daß das Abgeordnetenhaus seine Thätigkeit in der gegenwärtigen Landtagssession damit begonnen hat, mir, eingedenk des herben Geschickes, das mich im Laufe des Jahres heimgesucht, sowie aus Anlaß meiner glücklichen Genesung seine warme Theilnahnie zu bekunden. Mit innig empfundenem Danke erkenne ich in Ihrer Aufmerksamkeit den Ausdruck der Anhänglichkeit, von welcher die Landesvertreter für meine Person und mein königliches Haus erfüllt sind. Je tiefer ich von der Aufrichtigkeit derselben überzeugt bin, mit desto größerm Nachdrucke kann ich die in der Adresse ausgesprochene Annahme bestätigen, daß gegenüber den schmerzlichen Erfahrungen des Jahres die zahllosen Beweise von des Volkes Treue, Liebe und Hingebung mein Gemüth dankbar aufgerich-tet haben und meinem Herzen zum köstlichen Tröste gereichten. Gestärkt und gehoben durch dieses Vertrauen, gedenke ich nach meiner von der göttlichen Vorsehung mir nunmehr beschiedenen Wiederherstellung bald zu meinem fürstlichen Berufe zurückzukehren, dem ich mich um fo lieber wieder hingeben werde, als ich sicher bin, bei dem Hause der Abgeordneten einem ungetrübten Verständnisse meiner, der ruhigen Entwicklung des Vaterlandes gewidmeten Bestrebungen zu begegnen." Jeuilleton. Eine Erzählung ohne Titel. Von Jean Baptiste. (Fortsetzung.) 16. Noch ein Grünrock. Klar begleitete nachmittags seine Verlobte nebst Amalien auf die Promenade, und die Staats-räthin schien so viel Gefallen an dem geistreichen und fein gebildeten jungen Manne zu finden, daß sie, bald in ein Gespräch über ernste Gegenstände mit ihm versunken, langsam vorausschritt, während Leopoldine und Irene, Arm in Arm geschlungen, nachfolgten und in ihrer erwachenden Zärtlichkeit die a^ne Amalie beinahe ganz vergaßen, die vor langer Weile fast verging, denn so interessant Lepoldinen auch die Erzählung ihrer neuen Freundin von ihrem Bruder, der erst 22 Jahre und schon Oberst in russischen Diensten sei, sich auch im letzten Kriege gegen die Türken mehrere Orden verdient, von ihrer wunderbaren Geschwisterliebe und der Freude, ihn bald hier zu seheu, vorkam, so gleichgiltig war sie für Amalien, die an nichts dachte, als an ihren geliebten Gundlbaner, und bei jeder Biegung der Allee hoffte, sein Herz werde ihm doch zugeflüstert haben, wo sie zu finden sei, und er ihr wie ein Deus ex maekina entgegentreten. „Aber höre, Poldinchen!" machte Amalie nach der Heimkunft ihrem Herzen Luft, „das war ein fader Spaziergang." „Warum denn?" entgegnete Leopoldine, „mir kam er sehr angenehm vor." „Und dein Geliebter hat mir auch gar nicht gefallen wollen. So ein kalter und ungalanter Verlobter ist mir noch gar nicht vorgekommen. Geht da den ganzen Weg neben der alten Staats-räthin —" „Dem konnte er wol nicht ausweichen, ohne die Höflichkeit zu verletzen." „Und läßt drei junge Mädchen, unter welchen sich seine Braut befindet, hinterdrein schlendern und vor langer Weile verschmachten." „Ich habe mich recht gut unterhalten." „Ich nicht. Ueberhaupt habe ich heute einige Blicke in das Gemüth des Herrn Bräutigams gethan, die mich gar nicht sehr erbaut haben." „So? — welche denn?" „Hast du nicht bemerkt, doch du bist verliebt, und in diesem Zustande bemerkt man nichts, als die Vorzüge des Geliebten — so höre denn: Heute früh, als der Onkel davon sprach, daß er noch heiraten könne, — was freilich eine Thor-heit wäre — und als von meiner Erbschaft die Rede war — ei, seht doch, ich soll wol unver-mält sterben, daß mich der Herr Doktor einmal beerben kann, wenn er nicht früher stirbt, — da verlängerte sich seine Physiognomie sichtlich, und ich versichere dich, wenn er dich auch liebt, so haßt er doch dein Vermögen ganz und gar nicht." „Warum sollte er das, es ist ja mein und nun bald auch sein Eigenthum." Leopoldine war viel zu gut, um einem so schwarzen Argwohne Raum in ihrem Herzen zu gestatten, und hätte das Mißtrauen der Tante ein ähnliches Gefühl in ihr erzeugen können, so war Die Finanzen Rußlands erfahren in der „Post" eine eingehende Besprechung, welche nachstehende beachtungswürdige Stellen enthält: „Wir wissen, daß die Petersburger Börse über die Lage der Finanzen, die Willkür der Reichsbank in Bezug auf die Ausgabe in Papierrubeln und den Mangel an Maßregeln von-seite der Regierung, den Kurs zu heben, sehr verstimmt ist. Es heißt, daß sie eine Deputation an den Finanzminister Herrn von Greigh schicken will, um in dringender Weise eine Abwicklung der finanziellen Wirren zu erbitten. Vor allem soll gegen die gefährliche Vermehrung des Papiergeldes Protest erhoben werden. Herr v. Greigh, welcher fast einen Monat im Auslande verweilte und namentlich Berlin und Paris besucht hat, soll mit mehreren bedeutenden Firmen wegen einer Metallanleihe in Unterhandlung stehen. Ein offiziöses Blatt in Petersburg berichtete, die zur Hebung der Valuta projektierte Metallanleihe sei nicht pressiert, da die Regierung für ihre nächsten, im Auslande zu leistenden Zahlungen die Mittel vorräthig habe. Diese Nachricht hat auf der Petersburger Börse eine große Mißbilligung hervorgerufen. Soll denn die Anleihe nur stattfinden, um die Regierung in ihren Verpflichtungen zu unterstützen? Hat das durch den Papierschwindel so arg geschädigte russische Publikum nicht ebenfalls ein Recht, zu verlangen, daß sein einziges legales Zahlungsmittel, das Papiergeld, nicht noch mehr entwerthet werde? Wie aber im Auslande das Vertrauen nicht auf die bedeutenden Hilfsmittel Rußlands, sondern auf die unverantwortliche Verwaltung seiner Finanzen erschüttert ist, beweist der niedrige Kurs des Papierrubels auf den auswärtigen Börsen." Die rumänische Thronrede. Fürst Carol eröffnete am 27. d. die Kammern. Die Thronrede constatiert, daß Rumänien von keinem Kriege mehr bedroht sei. Dessen Unabhängigkeit ist von ganz Europa anerkannt. Die Nachbarmächte haben bereits diplomatische Vertretungen am Hofe des Fürsten geschaffen. Die Thronrede spricht die feste Zuversicht aus, daß die ändern Großmächte bald diesem Beispiele folgen werden, und fügt hinzu: „Die rasche Herstellung der diplomatischen Beziehungen in offizieller Weise zwischen diesen Staaten und Rumänien hängt zum Theile von Ihnen ab. Sie werden alsbald auf verfassungsmäßigem Wege das Land in die Lage versetzen, der Erwartung Europa's zu entsprechen und einem moralischen Interesse ge-nügezuleisten, das den Rumänen selbst zugute kommt, nämlich aus der Verfassung das nicht mehr mit der Aufklärung des Jahrhunderts im Einklang stehende Prinzip der politischen Ungleichheit wegen des Glaubensbekenntnisses streichen." Die Thronrede verweist sodann auf die Arbeiten der innern Politik, welche von den Kammern behufs Befriedigung vitaler Interessen des Landes zu studieren und durchzuführen sein werden, und kündigt Gesetzentwürfe an betreffs Ausdehnung des Prinzipes der Unabsctzbarkeit der Richter aller Grade, Verbesserungen in der Armee-Organisation und Verbindung des Eisenbahnnetzes mit der Linie Czernawoda-Küstendsche. Die Thronrede wurde wiederholt mit Beifall ausgenommen, namentlich jene Stellen, welche sich ans die neue politische Stellung des Landes beziehen. Tagesueuigkeiten. — Reichs rat H. Es verlautet, daß der Reichsrath für den 10. Dezember zur Verhandlung über den Berliner Vertrag und über die Prolongation des Wehrgesetzes einberufen wird. — Demonstration in Ofen. Am 27. d. abends um 10'/^ Uhr explodierte in Ofen im Gäßchen zwischen dem Festungstheater und dem Ministerpalais ein Feuerwerkskörper mit so heftiger Detonation, daß die Militärpatrouille aus der Ferdinandskaserne herbeirückte, um die Ursache zu erforschen. Man fand eine starke Hülse ans schwarzem Papier; angeblich war dieselbe mit Dynamit gefüllt gewesen. Die Nachforschungen ergaben bisher keinen Anhaltspunkt über die Veranstalter des Bubenstückes. Der Vorfall erregte Aufsehen, und bald erschienen Neugierige auf dem Platze. Im Ministerpräsidiums-Palais war Gesellschaft, welcher mehrere Delegierte und Graf Andrassy beiwohnten. Natürlich wurde die Unterhaltung durch das Vorkommnis unangenehm unterbrochen. — Organisation der oeeupierten Provinzen. Die „Bohemia" dementiert, daß die Regierung beabsichtige, den Delegationen oder dein Reichsrathe eine Vorlage über die Organisation und Administration der oeeupierten Länder zu unterbreiten. — Barackenbau zu militärischen Zwecken. Die Stadtgemeinde Oedenbnrg in Ungarn hat für die zur Waffenübung eingerückt gewesenen Reservisten einfache und billige Baracken Herstellen lassen, welche sich nach jeder Richtung vorzüglich bewährten. Nachdem nun diese Einführung auch bei anderen Gemeinden sehr erwünscht und geeignet wäre, die bei eintretendem Mehrbedarf an provisorischen Unterkünften, besonders hinsichtlich der alljährlich zu den Waffenübungen einrückenden Reservisten, sich meistens ergebenden Schwierigkeiten auf eine zweckmäßige und im Interesse aller Parteien gelegene Weise zu beheben, hat das Reichs-Kriegsministerium an das Landesvertheidigungs-Ministerium in Pest das Ansuchen gerichtet, auf die Gemeinden jener Stationen, in denen sich Jnsanterie-Reserve-Kommanden befinden nnd wo die Unterbringung der Reservisten ans Schwierigkeiten stößt, Einfluß zu nehmen nnd sie unter Bekanntgabe der vorliegenden Daten und Klarstellung der hieraus allseitig erwachsenden Vortheile zur eventuellen Erbauung ähnlicher Unterkünfte anzuregen. Von den in Oedenburg erbauten Baracken kostete eine 17 09 Meter lange Baracke für 54 Mann 226 fl. 58 kr., eine 1138 Meter lange Baracke für 36 Mann 152 fl. 74 kr. Die Vortheile, die solche Baracken schon im Frieden infolge der vereinten Bequartierung der Mannschaft in Bezug auf Diseiplin, Ausbildung, Ueberwachung, Dienstbetrieb re. gewähren, werden im Mobilisierungsfalle noch erhöht, da dann die in den meisten Fällen zur Verfügung stehende kurze Zeit weit besser als bei der Bequartierung in Privathänsern ansgenützt werden kann. — Vom italienisch en H ose. Das „Par. Jonrn." erfährt, daß das italienische Königshaus einem freudigen Familienereignis entgegensehen soll. Das Attentat blieb für die Königin ohne üble Folgen. König Hnmbert hat bekanntlich nur ein Kind, den Prinzen von Neapel, Victor Emannel Ferdinand, geboren den 11. November 1869. Dieser einzige Sohn ist von äußerst schwacher Gesundheit und sogar mit einem körperlichen Gebrechen behaftet. Die Anhänger des Hauses Savoyeu knüpfen daher an die bei der Königin aufgetretenen Symptome besonders freudige Hoffnungen. — Interessante Urkunden. Ein oft geäußerter Wunsch der historischen und diplomatischen Wissenschaft richtete sich auf Veröffentlichung deutscher Kaiser-Urkunden. Wie man hört, wird diesem Verlangen durch die preußische Archivverwaltung in großem Umfange entsprochen werden. Es soll die Herausgabe der Photographien von 400 solcher Kaiser-Urkunden aus dem achten bis znm sechzehnten Jahrhundert hin erfolgen. Das Unternehmen, welches 80,000 Mark Kosten verursacht, wird von dem Direktor der Staatsarchive, Professor v. Sybel, mit anderen namhaften Gelehrten geleitet und soll zunächst den Universitätsbibliotheken u. s. w. zustatten kommen. Lokal-und Provinzial-Ä.ngeletzenheiten. Original-Korrespondenz. Nassensuß, 28 November. Vorgestern, den 26. November, abends gegen 9 Uhr kam eine Abtheilung von 30 Mann und 1 Offizier vom 27. Feldjägerbataillon, welche auf den Schlachtfeldern in Bosnien mnthig kämpfte, hier an. Kaum war dieses sie auch heute viel zu sehr mit dem fruchtlosen Nachspüren der wunderbaren Erinnerung beschäftigt, welche Irenens Bild in ihr erweckt, um sich lange mit einem anderen Gedanken beschäftigen zu können, während sie dieser bis zum Entschlummern nicht verließ. Die Bekanntschaft mit der Staatsräthin und ihrer Tochter, von welchen Leopoldine und ihr Verlobter bald unzertrennliche Gefährten wurden, hatte zur Folge, daß die Familie Wallner die Nachmittage und Abende ziemlich vereinzelt zubrachte. Amalie, die sich in jener Gesellschaft durchaus nicht heimisch fühlte, schloß sich immer mehr an ihre gesprächige Hauswirthiu, deren Tochter sie zur Genossin ihrer Spaziergänge erwählte, und auch der gänzlich genesene Wallner hatte theils einige Bekanntschaften mit alten Herren gemacht, theils unternahm er einsame Spaziergänge in die schönen Umgebungen Karlsbads. Eines morgens kam Leopoldine mit der Tante früher als ihre Freundinnen zum Brunnen; aber wo sie gingen nnd standen, hörten sie von nichts als dem „schönen Russen" sprechen, dem von manchem schönen Lippenpaare die Beinamen: Apollo, Antonius, Alcibiades n. s. w. verschwenderisch beigelegt wurden. „Da ist er!" scholl es plötzlich aus dem dichtesten Gewühle der Brunnengäste, und sich nach beiden Seiten öffnend, machte es einer bildschönen, hohen Jünglingsgestalt im grünen Reit rocke Platz, die mit den Worten: „Endlich finde ich Sie!" auf Leopoldinen zutrat, welche von einem wahrhaft tödtlichen Schreck ergriffen, keines Wortes und keiner Bewegung mächtig, erblassend zurücktrat und erst Leben und Farbe zurückerhielt, als der Unbekannte befremdet und mit einem finstern Blicke nach einer kurzen Verbeugung in dem Haufen verschwunden war. Eine sprechende Familienähnlichkeit, die sich in dem schönen Russen ebenso männlich heldenkräftig als in Irenen weiblich zart aussprach, ließ Leopoldinen keinen Zweifel, daß es der ersehnte Bruder sei, und wenngleich die Bekanntschaft der beiden Mädchen dem Fremdlinge noch kein Recht zu einer so vertraulichen Begrüßung gab, so hätte sie doch über ihr albernes Benehmen weinen mögen, welches Oberst Gurawieff beleidigen mußte, und sie konnte es nicht erwarten, sich bei Irenen zu entschuldigen; leider aber hatte die freudige Ueberraschung die Staatsräthin so sehr angegriffen, daß sie ihre Wohnung nicht verlassen konnte, und Irene blieb bei der Mutter zu Hause. Obschon es nun eigentlich der Anstand erfordert hätte, sich nach dem Befinden der älteren Freundin zu erkundigen, befiel Leopoldine jedoch abermals jene tödtliche Angst, wenn sie daran dachte, mit dem Obersten zusammen zu kommen, und überdies konnte Irene auch glauben, sie besuche sie blos, um den Bruder zu sehen, in welchen Zweifeln sie von sie die ganze Sache offen erzählte, noch bestärkt wurde, und den ersten Abend ohne Irene, aber auch so unbehaglich und zerstreut zubrachte, daß selbst der Verlobte ihre üble Laune kaum zn lindern , viel weniger ganz zu verscheuchen un stande war. (Fortsetzung solgt.) bekannt, als im Gasthause des Bürgermeisters, wo der Offizier einquarticrt wurde, es sich sechs Herren zur Aufgabe machten, die aus Serajewo ankommen-den Jäger bestmöglichst zu bewirthen. Es wurden Toaste auf Se, Majestät den obersten Feldherrn, auf den Herrn FZM. Freiherrn v. Philippovich, auf die ruhmvolle österreichische Armee u. s. w. ausgebracht. Die Mannschaft sah trotz der vielen Strapazen, die sie in Bosnien zu erleiden hatte, recht gut aus, erzählte mehrere interessante Begebenheiten aus dem bosnischen Feldzuge und vertheilte einige Andenken an die Umgebung, nämlich: türkisches Papiergeld (nach unserem Gelde ein Sechser, resp. 10 Neukreuzer Werth), einen Drahtring von einem gefallenen Beg u. s. w. Der Führer der Abthei-lu»g, Herr Lieutenant Nossek, betheilte freundlichst eines der Comitemitglieder mit einem aus Bosnien mitgebrachten Fez. Gestern früh 7 Uhr marschierten die tapferen Krieger, nachdem ihnen vorher ein Soldatenfrühstück dargereicht worden, in ihren künftigen Bestimmungsort nach Rudolfswerth ab. Ein Vergnügen war es, zu sehen, mit welcher Liebe und Hochachtung die Mannschaft an ihrem Offizier hing — ein Beweis, wie viel vom Armeeführer abhängt, eine Armee tapfer ins Feld zu sühren. Es ist zwar sehr schwer, eine Armee zu leiten, aber man muß es verstehen, die Offiziere und Mannschaft gut zu behandeln, dann sieht man, wie Alle für Einen und Einer für Alle einstehen. Mögen die tapferen Krieger in Rudolfswerth sich von ihren Strapazen erholen und auf ihren Lorbeeren ausruhen. — (Eine Gemeinderathssitzung) findet morgen um 5 Uhr nachmittags im hiesigen Gemeinderathssaale statt. Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Stadtgemeinde-Voranschlages für das Jahr 1879. — (Sterbefall.) Am 23. d. starb Herr Anton Jerina, Hausbesitzer iu der Tirnanvorstadt, einer der ältesten Bewohner Laibachs, im 91. Lebensjahre. — (Landschaftliches Theater.) Brandls nette, melodienreiche einactige Operette: „Des Löwen Erwachen" ist dem hiesigen deutschen und slovenischen Publikum noch im besten Andenken, sie ging in beiden Landessprachen vor einigen Jahren exact und zündend über die Bretter. Und in welcher Form mußten wir gestern „Des Löwen Erwachen" erleben? Schon die Zerfahrenheit des Orchesters in der Ouverture signalisierte eine Frühgeburt, die hübsche Operette wurde mindestens um acht Tage zu früh gebracht. Schon das erste Duett: „Paqnerette und Nivelle" (Frl. Ulrich und Herr Arenberg), machte widerlichen Eindruck, Frl. Ulrich verließ die Schranken des Gesanges und gerieth unter die Schreier. Herrn Arenbergs Couplet verlief effect- und applauslos. Frl. Massa (Gaston) brillierte in den Solostellen, jedoch das schwankende Ensemble ließ den „Löwen" nur zum matten Leben erwachen. Auch dieser schöne Part verlief effectlos. Herr Fricdmann vergriff seinen Part, den Magister „Placide". gänzlich. Der herzogliche Vater „Gastons" wählte zum Erzieher seines Sohnes keinen Hanswurst, keine Pagode; Magister „Placide" gehört dem geistreichen Jesuitenorden an, der mit fein komischem Anstrich den Faden der ganzen Operette fortspinnt. Die Partie der „Paquerette" ragt über die Gesangskräfte des Frl. Ulrich weit hinaus. Die Ensemblcstellen ließen in Bezug auf Präcision — alles zu wünschen übrig. Der Chor der wenigen Soldaten und Landmädchen und die Leistung des Orchesters war unter aller Kritik. Herrn Kapellmeister Gerasch trifft der Vorwurf, eineunzeitige Frucht serviert zu haben; schon bei der Generalprobe müssen die zahlreichen Mängel merkbar zutage getreten sein. Wir hoffen, in Hinkunft ein derartiges mattes, verunglücktes „Erwachen des Löwen" nicht mehr zu erleben. — Volle Entschä-dignng fand das Publikum in der meisterhaften Aufführung der beiden erheiternden Bagatellen „Theodolinde" von Dr. v. Schweitzer und „Er will nicht sterbeu" vou C. Stix. Im ersteren Schwanke excellierten die Herren Waldburger (v. Holden) und Becher (Sorge), als Dritte im Bunde Frl. Wilhelmi (Alwine), und im Lustspiele Herr Ludwig (Willig) uud Frl. Wilhelmi (Emilie). Beide Piecen wurden lebhaft uud klappend abgespielt und erfreuten sich sehr beifälliger Aufnahme. — (AusdemhiesigeuSchwurgerichts-saale.) Gestern begann die Schlußverhandlung mit den drei Cafe-Marquenren Meneghini, Rezini und Binder aus Triest, angeklagt des Verbrechens des Hochverrates, begangen durch Verbreitung von Proclamationen, wodurch die Losreißung von Triest, Istrien uud Görz vou Oesterreich angestrebt wird. Der Gerichtshof besteht aus nachgenannten Functionären : LGP. Gertscher als Vorsitzender, LGR. Kocevar und LGS Bozhizh als Votanten, Auscultaut Freiherr v. Lazariui als Schriftführer, Bezirkskommissär R. v. Alpi als Dolmetsch: die Staatsanwaltschaft vertritt StAS. Baron Neugebauer aus Graz; als Vertheidiger der drei Angeklagten tritt der Advokat Dr. Mosche auf. Ueber Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgt die Verhandlung in geheimer Sitzung, ausnahmsweise in Gegenwart einiger weniger Vertrauenspersonen. Wie wir erfahren, leugnen alle drei Angeklagten das sie belastende Verbrechen, jedoch ergingen sich dieselben in Widersprüche und sollen bereits schwerbelastende Zeugenaussagen vorliegen. Die Verhandlung dürfte noch heute ihren gänzlichen Abschluß finden. — (Aus den Nachbarprovinzen.) Wie die „Triester Zeituug" schreibt, wird die Nachricht von der Auflösung des Triester Gemeinderathes von einem großen Theile der Bevölkerung mit aufrichtiger Befriedigung vernommen werden. Oft und oft wurden Klagen laut, welche sich darüber äußerten, daß der Stadtrath in seiner dermaligen Zusammensetzung, oder besser gesagt, die herrschende Partei desselben, nicht nur durch das, was gethan oder unterlassen wurde, sondern geradezu durch die als Leitstern des Gebarens zutage tretende Tendenz den wirklichen politischen und materiellen Interessen der Stadt nicht nur keinen Nutzen, sondern geradezu direkten Schaden gebracht hat. Gleichwol haben wir uns nie entschließen können, dem mit jenen Klagen häufig parallel gehenden Wunsch nach autoritativer Abschließung der Thätigkeit des Stadtraths vor dem natürlichen Ende der Mandatsdauer zu dem unseligen zu machen; der konstitutionelle Sinn gestattet die Anwendung eines solchen außerordentlichen Mittels nur beim Auftreten außerordentlicher Erscheinungen. Nun sind aber allerdings in letzterer Zeit wirklich wiederholte Symptome zutage getreten, welche aus einen schroffen Gegensatz schließen ließen, und eben die Vorgänge am Beginne der letzten Sitzung (die Ablehnung der vom Gemeinderath Burgstaller beantragten Votierung einer Summe zur Bewirthung der aus Bosnien heimkehrenden Truppen) dürften wol bei der Regierung die Ueber-zenguug hervorgerufen haben, daß das Maß des Zulässigen bereits überschritten sei; und wir glauben, daß gerade jetzt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung diese Ueberzengung umsomehr theileu wird, als ihre eigenen wahlberechtigten Gefühle auf dem Altar eines Phantoms geopfert wurden, in dem sie selbst keineswegs das von der Vertretung ihrer Interessen anzustrebende Ziel erblickt. ES bleibt uns nur der Wunsch, daß die nunmehr zunächst Betroffenen bei ruhigem Nachdenken selbst die Unhaltbarkeit der Basis, auf der sie bisher gestanden, erkennen mögen, und namentlich, daß die Körperschaft, welche in der Folge berufen sein wird, die Geschicke dieser zukunftsreichen Stadt zu gestalten, sich angelegen sein lassen werde, ihre Ideale dort zu suchen, wohin die Lage der Stadt den Verstand weist und von wo das Herz der Bevölkerung ihre Erfüllung erwartet. — In Klagenfnrt konzertiert der 12jährige Pianist und Compositeur Busoni; er wird von der Grazer Kritik als Koryphäe gepriesen. — Wie die „Blätter aus den Alpenlän- dern Oesterreichs" melden, kommen in Kärnten im Geschäftsverkehre falsche, aus Weißblech geschlagene 20-Kreuzerstücke vor. — Kroatische Blätter agitieren für die Zutheiluug des Fiumaner Gebietes an Kroazien; in der „Kroat. Post" erscheint nachstehender Passus: „Wie die Dinge jetzt stehen, wo das kroatische Küstenland auf Fiume angewiesen ist, erscheint es ebenso ersprießlich als patriotisch, in Fiume alle Kräfte zu concentrieren und so dem doppelten Ziele zuzusteuern, das Aufblühen Fiume'S und des Küstenlandes zu fördern und die der nationalen Sache scheinbar längst verloren geglaubte Stadt wieder zu gewinnen." Zur Landtagssession 1878. (Fortsetzung.) (Aus der 4. Sitzung.) Der Abgeordnete R. v. Langer begründete in der vierten Sitzung seinen und seiner Genossen Antrag, betreffend vorsorgende Schritte gegen die Rinderpest, in folgendem: Der Grund, warum ich im Vereine mit mehreren Herren Collegen meinen Antrag eingebracht habe, ist vor allem der, weil die Rinderseuche schon seit vielen Jahren unsere Landwirthschast in empfindlicher Weise geschädigt hat; der weitere Grund ist der, weil von allen Seiten die Erfahrung gemacht wurde, daß die bisherigen Maßregeln nicht die gehörige Bürgschaft bieten, daß die Rinderseuche von unseren Ländern abgehalten oder nach dem Ausbruche in einer entsprechenden Zeit erstickt werde, daß also die bisherigen Vorsichtsmaßregeln nicht genügen; und der dritte Grund ist endlich der, daß man infolge der Veränderung unserer politischen Verhältnisse die Gefahr der Einschleppung dieser Seuche größer als je ansehen muß. Ich werde Sie, meine Herren, nicht ermüden mit statistischen Daten über die großen Schäden, welche die verschiedenen Länder Oesterreichs in oen letzten zwölf Jahren durch diese Calamität erlitten haben, ich werde Sie nicht ermüden durch die Aufzählung der einzelnen Gebrechen, welche in dem Gesetze vom 29. Juni 1868 und in der diessälligen Durchführungsverordnung Vorkommen. Alle diese Sachen sind schon durch so viele Petitionen und Vorstellungen an die Reichsvertretung und Staatsverwaltung genügend erläutert worden. Ich will nur erinnern, daß speziell für unser Land Krain sich im vorigen Jahre die Landwirth-schaftsgesellschaft in einer Petition an den Reichsrath gewendet hat, um Maßregeln zu treffen gegen die Wiederkehr der Viehseuche. Ich glaube, daß sich die nördlichen Länder Galizien, Böhmen, Mähren, Schlesien mit Recht beklagen, daß durch die mangelhaften Contumazmaßregeln an der russischen Grenze der Verschleppung der Viehseuche nicht der genügende Einhalt gethan werde. Sie klagen über die schwache Bewachung der russisch-polnischen Grenze und über den dadurch beförderten Schmuggel; sie klagen über die ungenügende DeSinficieruug der Waggons, auf welchen die Rinder aus Rußland und Rumänien weiter befördert werden. Sie beklagen sich endlich natürlicherweise darüber, daß die dentsche Regierung ein Vieheinfuhrverbot erlassen hat, welches Verbot aber darin seinen Grund hat, daß man in Deutschland weiß, daß sehr viel russisch-polnisches Vieh nach Oesterreich gebracht wird, daß daher die Gefahr der Verbreitung der Viehseuche nach Deutschland platzgreifen könnte, wie sie in Oesterreich durch so viele Jahre schon besteht. Welche Schäden durch das oftmalige Auftreten der Rinderseuche in Krain der Bevölkerung erwachsen sind, welche Calamitäten die wiederholte Absperrung des Landes gegen die benachbarten Länder, die Absperrung einzelner Bezirke gegen einander. wodurch aller Handel und Wandel stocken mnßte, hervorgebracht hat, wie sehr man sich gegen die Bequartierung der Cordonmannschast beschwert hat: all' dies ist in diesem hohen Hause so oft erörtert worden, daß ich nicht darauf zurückzukommen brauche. Wenn ich mir nun die Frage vorlege, welche wol die Ursachen sein mögen, daß in Oesterreich die Rinderseuche gar so oft vorkommt und beinahe gar nicht erlischt, so möchte ich insbesondere zwei Ursachen hervorhebcn. Einmal ist unsere ganze östliche Grenze nach Rußland und der Walachei zu in beständiger Rinderpestgefahr, nachdem diese beiden Länder, wie man weiß, ein Herd von fortwährenden Seuchen sind. Für unser engeres Heimatland haben wir wieder eine andere Gefahr, nämlich Bosnien, Herzegowina und Serbien, also einen doppelten Seuchenherd, der unser Land bedroht und in jedem Augenblicke die Viehseuche uns bringen kann. Eine zweite Ursache aber, welche diese Un-glückssälle so oft anfkommen und fast gar nicht zu einem Abschlüsse gelangen läßt, liegt wol in der Ungleichheit der Gesetze, welche bezüglich der Rinderpest in den beiden Reichshälften erfloffen sind und gehandhabt werden. Dem bei uns geltenden Gesetze vom Jahre 1868 liegt nämlich das sogenannte Kenlungssistem zugrunde und hat sich bis jetzt noch ziemlich bewährt; in der östlichen Hälfte ist dasselbe jedoch noch nicht zur Geltung gelangt. Die Verhandlungen, welche vonseite unserer Regierung mit der ungarischen Regierung gepflogen worden sind, sind insoserne nicht ganz ohne Resultat geblieben, als die ungarische Regierung, wie man von kompetenter Seite mitgetheilt hat, ein gewisses Entgegenkommen gezeigt hat, auch das Gesetz sür Ungarn dem nnsrigen anzupassen, ..Die ungarische Regierung hat jedoch gesagt, daß dies nicht für ganz Ungarn gelten könne, nachdem die kroatische Landesregierung das Sistem der Keulung nicht annimmt, sondern in Kroazien sowol Wie auch theilweise in Ungarn bisher anstatt des Keulungssistems das sogenannte Seuchenstellensistem gilt, welch' letzteres den Zweck hat, das kranke Vieh an gewissen Stellen vollkommen zu isolieren. In dieser Richtung hat sich die merkwürdige Erscheinung ergeben, daß nicht alles verseuchte Vieh absteht, sondern daß insbesondere bei der podolischen Steppen-viehrasse, welcher Rasse der größte Theil des un-garisch-kroatischen Rindviehes angehört, ein gewisser Perzentsatz aus der Krankheit hervorgeht, wobei aber natürlicherweise das danebenstehende Vieh in-ficiert wird. Das verseuchte Vieh wird uämlich nicht ge-kenlt, sondern seinem natürliche» Schicksale überlassen, ob es wieder genese oder falle. So ist es denn natürlich, daß in Kroazien, in unserer Nachbarschaft, die Unterdrückung der Rinderpest beinahe unmöglich ist, uud wir haben es wirklich nur un-ferm Cordon und unserm Sistem zu verdanken, daß endlich bei uns im Lande vorderhand eine etwas bessere Sicherheit herrscht. Bedenkt man nun, daß durch die gegenwärtigen Verhältnisse, durch die Oecupation von Bosnien nnd der Herzegowina diese Länder, in welchen die Viehseuche beständig vorkommt, in einen immer engern Verkehr mit unS treten werden, sei es durch die Truppenverschiebungeu, sei es durch den Transport von Materialien, und dieser Verkehr nach erfolgter Pacification dieser Länder immer ein lebhafter bleiben wird, so ist es wol unzweifelhaft ganz natürlich, daß die große Gefahr der Viehseuche für unser Land und die Nvchbarländer immer größer wird. Es ist daher unbedingt nothwendig, daß in jenen Ländern selbst strenge Maßregeln getroffen werden zur Hintanhaltung und schnellen Tilgung der Rinderpest, und unsere Grenzen bewacht werden, so lange noch eine Gefahr der Einschleppung besteht. Ich stelle daher den Antrag: Der hohe Landtag »volle beschließen: Der Landesausschuß wird beauftragt, bei der hohen Regierung dahin zu wirken: 1.) Me Anstalten zu treffen, um im Sinne des Gesetzes vom 29. Juni 1868, R. G. Bl. XI^IX, die wirksame Hintanhaltung und Tilgung der Rinderpest anzuordnen und so lange aufrecht zn er- halten, als noch eine Gefahr der Einschleppung in das Geltungsgebiet des citierten Gesetzes zu besorgen ist: 2.) sich mit der königl. ungarischen Regierung sogleich ins Einvernehmen zu setzen zu dein Ende, um dieselbe.zu veranlassen, daß sie ihrerseits in Ungarn und seinen Nachbarländern die gleichen Anordnungen wie in den Königreichen und Ländern, die im Reichsrathe vertreten sind, treffe. Im Falle, als mein Antrag die Genehmigung des hohen Hauses finden sollte, würde ich beantragen, denselben dem volkswirthschastlichen Ausschüsse zur Berathung und Berichterstattung znznweisen." (Fortsetzung folgt.) Vom Büchertische. In A. Hartlebens Verlag (Wien, Pest, Leipzig) sind so eben zwei interessante Schriften erschienen: 1.) Neueste Erfindungen und Erfahrungen auf den Gebieten der praktischen Technik, der Gewerbe, Jndnstrie, Chemie, Land- und Haus-wirthschaft, herauSgegeben und redigiert unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von Dr. Theodor Koller. Es erscheinen jährlich 13 Hefte u 36 kr. ö. W. In diesen Heften finden auch Brauerei, Verarbeitung von Goldabfällen, Tnchbereitung,Zünd-hölzchexfabrication, Parfümeriewaren - Erzeugung, Dampfmaschinenwesen, Holzkohlen-Verwendnng, Filtrierpressen, Wollfärberei, Futter- und Gespinnst-pflanzenban, Viehzucht eingehende, sachliche Besprechung. 2.) DeutscheRundschau für Geographie uud Statistik, HerauSgegeben unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von Prof. Dr. Karl Arendts, München, Preis eines Monatsheftes 36 kr. Das erste Heft bringt Mittheiluugeu über Cypern, Seebad Zoppot, die malthefischen Inseln, über Astronomie und physikalische Geographie, politische Geographie und Statistik, über Handel, Bergbau, Industrie nnd Landwirthschast, Verkehrsanstalten, enthält Biographien über berühmte Geographen, Naturforscher, Berichte über wissenschaftliche Vereine u. s. w. Bestellungen auf beide neuen Druckschriften besorgt die hiesige Buchhandlung von Kleinmayr nnd Bamberg. Witterung. Laibach, 29. November. Nachts und vormittags starke Regengüsse, nachmittags halb 2 Uhr prächtiger doppelter Regenbogen, sehr schwacher Ost. Wärme: morgen? 7 Uhr -j- 88°, nachmittags 2 Uhr 104" 0. (1877 7-6"; 1876 -j- <>'6° 6.) Barometer im Steigen, 728 63 mm. Das gestrige Tagesmittel der Wärme -j- 12 5°, um 10 5" über dem Normale; der gestrige Niederschlag 42 20 mm. Regen. Angekommene Fremde am 28. November. Hotel Stadt Wie«. Dr. Binder, Professor; Oblak, Holler, Müller, Frank, Kflte., und Preitsching, Wien. — Lehmann, Kfm., Leipzig. — R. v. Vcsteneck, k. k. Bezirks-hauptmann, Littai. Hotel Elefant. Kainz, Bademeisters-Witwe, Nenhans. — Hassinger, Kfm., und Schmid, Wien. — Halla, Wald-schätzungsreserent, Stein. — Egerer, Prag. — Killer, ilfm., Krainbnrg. — Engelhofer, Fabrikant, Graz. Hotel Europa. Lowh, Sissek. vaierifcher Hof. Muri, Holzhändler, und Muri M., Seeland. — KlopW, Lehrer, Aßling. Mohren. Krischman, Kfm., und Cizman, Laibach. Verstorbene. Den 28. November. Jakob Hribar, Hausbesitzer und Gärtner, 61 I., Glockengüsse Nr. 9, Zehrfieber. — Ludmilla Maker. Bahncondnclenrs-Tochter, 8^ I., Pe-tersstrabe Nr. 93, Gehirnhöhlenwafsersucht. Theater. Heute (gerader Tag): Der Seekadett. Komische Oper in 3 Acten von Richard Genee. ' Gedenktafel über die am 3. Dezember 1878 stattfindenden Licitationen. 3. Feilb., Jugovie'sche Real., Bnrgstall, BG. Lack.— 3. Feilb., Pouse'sche Real., DobrnZkavas, BG. Gnrkseld. — 3. Feilb., Rovan'sche Real., Bela, BG. Wippach. — 3. Feilb, Hafner'sche Real., Zagorje, BG. Feisiriz. — 3. Feilb., Sever'sche Real., Dornegg, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Novak'sche Real., Grafenbrunn, BG. Feistriz. — 3. Feilb., Abramie'sche Real., Dornegg, BG. Feistriz. — 2. Feilb., Archar'sche Real., Dolenberd, BG. Lack. — Reass. 3. Feilb., Korosee'sche Real., Mühlen, BG. Laas. — Reass. 3. Feilb., Pctric'sche Real., Zaverh, BG. Laas. — Reass. 3. Feilb., Poniqnar'sche Real., Rndolsovo, BG. Laas. — 3. Feilb., Zakrajäek'sche Real.,