^ I« Mittwoch den S«. Aänner t«7«. . Jahrgang. ^«arburger Zeituna" erscheint jeden Sonntag. Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: gan^jSbria 6 «. int Hau» monatlich 10 kr. — mit PostverfendNng: ganzjährig S fl.. halbjähria 4 ff., vierte iäkria' ^^11» I> !>W II», !I»» >», »I __--- / >>> Z V v halbjährig S fl., vierteljährig 1 fl. t0 kr; für Zustellung 2 fl. Jnsertionsgebühr 8 kr. pr. Zeile. Rkbtr dt« Anttrricht ia weiblichen Halldarbeite«. Von Seite mehrerer erfahrener Mütter, die sich für den Fortschritt ihrer Kinder besonder» interessiren, erging die Aufforderung, sie mögen von dem planmäßigen, methodischen Stusengange in den weiblichen Handarbeite,l, über welchen am 31. Dezember 1375 in diesem Blatte Erwähnung geschieht, in genaue Kenntnib gesetzt werden, um dem angedeuteten Verfahren größeres Vertrauen schenken zu können. Ein solcher Wunsch ist so lobenswerth als billig utld filldet um so mehr Beachtung, da e» za stets im vollsten Interesse der Lehrer liegt, das Vertrauen der Eltern, welches, wie die Erfahrung lehrt, ihren Bestrebungen bedeutenden Vorschub leistet, nach jeder Richtung hin vollkommen zu gewinnen. Es bedarf hierbei durchaus keines blinden unverdienten Vertrauens; al>er Vertrauen und Harmonie mttffen zwischen Eltern und Lehrern unbedingt herrschen, ja, sie müssen gleichsani den Sonnenstrahl bilden, uuter dessen belebender, Licht und Wärme spendender Kraft die zarte Pflanze Menschenkind sich zur herrlichen Blüthe entsalten wird, um einst in der Vollkraft des Gedeihens dem Staate durch reiche Früchte zu nützen. Einige selbst sehr praktische, verständige Hausfrauen, welche sich flir den vorhin erivähn-ten Artikel besonders interessirten, bemerkten ferner, daß es sehr wünschenswerth wäre, wenn ihre Töchterchen nicht nur in praktischen, sondern auch in sogenannten seinen Arbeiten unterrichtet werden würden. Dieser Anspruch er» scheint ebenfalls gerechtfertigt, und seine Begründung mag durch das Sprichwort: „Eine steißige, geschickte Hand erwirbt sich Brod in jedem Land" bekräftigt werden. Doch nur getrost, besorgte Mütter, wir geben uns der angenehmen Hosinung hin, sie halten bei der Erziehung ihrer Töchter ebenfalls an dem Grundsatze, daß da? unumgänglich Nothwendige dem Nützlichen und Schönen vorangehen müsse, gern und ohne Schwanken fest. Die Arbeitsschule will sich ja ebenfalls auf die Höhe der Zeit emporschwingen und dafür sorgen, daß die jungen Mädchen auch in seinen Arbeiten geübt werden. Unl aber jeden ferneren Zweifel schon an seiner Wurzel zu entkräftigen, folgt hier der Lehrplan für Handarbeiten, wie er von den weiblichen Lehrkräften der hiesigen Mädchen» Volks- und Bürgerschule entworfen und von dem löbl. Stadtschulrathe genehmigt wurde. I. Klasse. Dieser linterricht ist in der I. Klasse nach dem Gesetze nicht zulässig, da durch anhaltendes Sitzen die Gesundheit schwächlicher Kinder leicht gesährdet wird. II. Klasse. Stricken: das Anschlagen der Maschen, ein Streifen, Klnderstrümpfe. Ausnahmsarbeiten: Pulswärmer und Strumpfbänder. III. Klaffe. Stricken: Frauenstrümpfe ui,d Socken. Häkeln? Ein Streifen zur Änübung der verschiedenen Maschen, ein Musterband. Ausnahm»^ arbeiten: Gehäkelte Trag» und Wickelbänder, Einsätze, Schutztücher. »WWW«» lV. Klasse. Häkeln Ein Kinderlätzchen, ein Jäckchen und Häubchen. Merken: Ein Musterband in Buchstaben nebst einigen Guirlanden. Ausnahms-arbeiten: Gamaschen, Winterhandschuhe, Shawls und Tücher, Geld- und Arbeitstäschchen, Kappen, Tragbänder, Pantoffeln, V. Klasse. Schlingen: Verschiedene Schlingenmuster nach einem bestimmten Musterstreisen. Netzen. Ein Streifen als Halsschleife, ein Viereck. Merken der Strümpfe. AuSnahulSarbeiten: Servietten aus Waffelstoff, verschiedene Perlarbeiten. VI. Klasse. AuSnähen der Netzarbeiten. Stricken eines Musterbandes, eines Jäckchens und Häubchens. Ausbessern der Strümpfe. Ausnahmsarbeiten: Genetzte Frauenhäubchen, Halstücher u. dgl. VII. Klaffe. Nähen: Ein Nähfleck zum Erlernen der verfchiedenen Stiche. Das Zuschneiden und Nähen eines einsachen Kinder» und Frauen-Hemdes; das Merken derselben. Ausbessern der Wäsche; Buchstabensticken in Sacktüchern. Ausnahmsarbeiten: Gestickte Krägen und Manschet' ten, Eckstücke in Sacktüchern; einfarbiges und buntes Flachsticken zu verschiedener Verwendung. VIII. Klasse. Zuschneiden verschiedener Wäschstücke mit und ohne Vorzeichnen. Behandlung der Näh. Maschine. Anfertigen eines Unterrockes, Frauen-und Herrenhenldes auf der Nähniaschine, desgleichen das Ausbessern der Wäsche auf derselben. Ausnahmsarbeiten jeder Art init imeson» derer Berücksichtigung des Kleidermachens. Ii e u i k r e t o n. Pik Eeschikdeaev. (Fortsetzung.) Das Mädchen, das in der letzten Zeit un-gemein rasch Über das Kinderntaß hinausgewachsen war, saß jetzt am Piano, um das Lied mit noch etwas unsicheren Fiilgern zusamme,! zu suchen. Es gelang wider Erwarten, und schüchtern fetzte sie dann auch niit der Ltimme ein, aus deren Tone Rudolph den Gefang Theresens an sein Herz dringen fühlte. ^Du l)ast Deitte Cache gut gemacht, Anna!" rief er. ,,Wiederhole die Strophe . . . mich verlangt, sie nochmal zu hören." Sicherer begann jetzt die kleine Sängeritl wieder, und die einfache Melodie klang recht wehmüthig ernst durch die Dämmerung. Ungehört von ihr und von dem Zuhörer hatte sich die im Rücken Beider befindliche Thüre geöffnet, und geräuschlos war eine Fralien« gestalt eingetreten, deren Umrisse das Zwielicht nur schwach erkennen ließ. Jetzt endete das Lied; Anna schlug mäch^ tig den Schlub-Accord an uild während er verhallte, faß Rudolph, die Hand vor die Augen gedrückt, wie träunlend in dem Sopha znrück- gelehnt. Halblaut und fast unbewußt sprach er die Schlußzeilen des Liedes nach: Viel Pfade ziel)'u bergauf, thalab. Sie münden all' im stille» Grab: Darin zu ruhn ist Schlafengehn . . . ,,Und das Erwachen — Wiedersehn!" schloß, ihn unterbrechend, die eingetretene Frauengestalt mit leiser, vor innerer Bewegung zittern-der Stinune. Entsetzt sprang Rudolph auf und starrte, keines Wortes mächtig, die vor ihm Stehende an. Es war eine hohe, fchlanke Erfcheinnng, in ein unansehnliches dnnkles Gewand gehüllt — von dent Antlitz war nicht« erkennbar, als dessen todtenhafte Blässe, dltrch reiches, nur tlachlässig geordnetes Haar von tiestein Schwarz noch greller hervorgehol'eil. Anch Anna flog herbei und fchmiegte sich erschreckt ait den Vater. „Du erkennst mich nicht niehr." sagte die Frau . . ach, ich verarge es Dir nicht — aber ich, ich erkenne Dich wieder ! Du bist »nein Ru-dolph noch — das ist noch die liebe freundliche Wohnnng, in der wir so glücklich waren." „Therese . . ." stanlnielte Rndolph vernichtet ... er erkannte die Unglückselige, aber er vermocht» ihr plötzliches Erscheinen nicht zu begreifen — in einem entsetzlichen MomeiN zog blitzgleich Alle», was sich daran knüpfen mußte. an ihin vorüber ... die Gedanken begannen ihm zu kreisen . . . wüthender als jv riß plötzlich der lang verbannt gewesene Schmerz ait den Nerven des Kopfs . . . „Und dies hier..fuhr Therefe fort ... „ist dies . . .? O mein Gott rede, daß ich das unsägliche Glück glauben lerne ... das ist Anna, mein silßes Kind? — O komnt'an mein Herz, mein Kleinod! Komnl in die Arme Deiner Mutter, die Dich so lang entbehren mußte! O bringt mir Licht, daß ich mich überzeuge — Licht, daß ich Deine holden Züge sehe und Dich wieder erkenne, wie mein Herz Dich kennt trotz der Dunkelheit . . ." Erschreckt wich Anna vor der eingedruit-genen linbekanntrn znrück, als sie sich ihr näherte. Ihre Klugheit ließ sie den Ruf nach Licht zur Ausflucht benutzen — sie eilte an den Tisch und hatte im Augenblick die schon bereit stehenden Kerzen angezündet. Unwillkommene Klarheit lag aus der Gruppe, die mit so verschiedenen Gefühlen sich gegen-über stand. „Sie ist's! Es ist mein Kind!" rief Therese und wankte mit ausgebreiteten Arnien auf Anna zu — aber die Erschütterung ihres Wesens war zu stark — mit einem tiefen Seufzer brach sie in das Eopha zusamnien. Rudolph war noch immer wie versteinert. Au« diesem Plane ersieht ma», leicht, wie hoch das Ziel der Arbeitslehrerinnen gesetzt ist und daß in oeinselben gar kein Arbeitszweig außer Acht gelassen wird, sondern daß man dabei selbst die anspruchsvollsten Wünsche des Elternhauses berücksichtigt. Nur muß bei Aus« führuttg desselben strenge dabei festgehalten werden, daß die sogenallnten Ausnahmsarbeiten, weil sie weniger wichtig sind, erst dann gelehrt werden, wenn die obligaten, nothwendigeren, an denen überdies die Arbeit am leichtesten erlernt wird, bereits zur Zufriedenheit der Lehrerinnen angefertiget worden sind. Es ist serner bei den obligaten Arbeiten daraus Rücksicht genommen, die Kasse der El' tern nach Möglichkeit zu schonen. In Fällen aber, wo diese zur Bestreitung des Materials trotzdem nicht ausreicht, wird von Seite der Stadtgemeinde in rühmlicher Weise für dessen Allschaffung Sorge getragen, »llld auf diese Art werden selbst dem ärmsten Kinde die Mittel an die Hand gegeben, einen verläßlichen Grundstein zu einer späteren ehrenvollen Erwerbsquelle zu legen. Mit der Arbeitsschule steht auch der Zeichenunterricht in engster Verbindung, da sowohl das Zeichnen von Schling-, Stick' und Tapisserie-Mustern, wie auch das Verändern und Erfinden derselben fleißig geübt wird. Eine aildere gleichzeitig mit der Arbeitsschule verbundene Aufgabe ist die, daß die juligen Mädchen über das Wissenswertheste in der Haushaltung unterwiesen werden. Wohl ist dies hauptsächlich Sache der Mütter selbst, und das gute verlockende Vorbild eines wohlgeordneten Haushaltes wird hierbei einen viel ersolgreicheren und nachhaltigeren Einfluß auf die jugendlichen Gemüther ausübe»?, als es die salbungsvollsten Worte einer beredten Leh^ rerin zu vermögen im Stande sind. Die Schule aber muß besonders deshalb dabei ergänzend wirken, damit sie der Aufgabe gerecht wird, dell Sinn für HäliSlichkeit zu beleben, und das, was die neuere Wiffenfchaft auf diesem Gebiete errungen hat, zur allgemeinen Förderung des Wohlbehagens und wohl auch des Wohl-sttUldes baldigst zu verbreiten. Der angestrebte Plan wird, solveit es bei der großen Anzahl der Schülerinnen und der verhältnißmäßig gerillgen Anzahl der Arbeitsstunden möglich ist, gegenwärtig nach besten Kräften durchgeführt. Zu seiner völligen Vollendung aber wird das ganze Werk erst dann gelangen können, wenn, wie wir hoffen wolleil, die Zahl der! Arbeitsstunden nach Thunlichkeit — vielleicht! „O wie dallke ich Dir diese edle Liebe und Ausdauer!" ries Therese wieder, indem sie den Blick ermattet in dem angenehm geschmückten Zinlmer umhergleiten ließ. „Sie hat Alles bewahrt! Ich finde Alles wieder, wie ich es verließ ! . . . Aber schweige nicht so, Rudolph... Lage auch Du nlir, daß Dein Herz mich willkommen heißt! Sage mirs zum Tröste . . . ach, ich habe ja so viel, so unaussprechlich gelitten!" Rudolph rang mit sich selbst — das Wort des Willkommens wollte nicht aus seinem Herzen, und das entscheidende der Wahrheit rvagte er nicht auszusprechen. „Therese," stammelte er endlich . . . „Du hier... in solcher Weise . . . ich begreife llicht . . . Anna, was stehst Du so sern? Begrilhe diese Frau — es ist Deine Mutter!" Anna hatte bis zu diesem Augenblick der Unbekannten gegenüber gestanden sie ahnte die Wahrheit — das Herz krampste sich ihr zusammen bei dem erschütternden Anblick derer, die sie geboren — mit hochfliegender Brust, die Hände fest davor in einander geklaminert. horchte sie der Entscheidung — jetzt nach dieser Rede des Vaters war kein Zweifel mehr! Die unglückliche Mutter, die sie unbekannt in ihrem Leiden geliebt, die das stete Ziel ihrer geheimen Sehtlsucht gewesen, sie stand vor ihr — sogar auf Rechnung eilles anderen weniger wichtig in das weidliche Leben eingreifenden Gegenstandes — verlnehrt werden, und keine Arbeitslehrerin gleichzeitig mehr als die vom Gefetze bestimmte Anzahl von 40 Schülerinnen zu unterrichten haben wird. Ans dem Gesagten ersieht man leicht, daß in unserer stets fortschrittlich gesinnten Stadt die Hebung des Handarbeitsunterrichtes wacker angestrebt wird. Wie aber jede Reform, wenn sie noch s» gründlich u»»d reiflich durchdacht angelegt wurde, Kälnpfe zu bestehen hatte, ja für kurze Zeit wohl auch gehemmt oder fogar zerstört wurde und erst mit dem Laufe der Zeit reifen konnte, so mag es auch diesem für die gefammte Frauenwelt fo hochwichtigen Unterrichtszweige ergehen. Hoffen wir jedoch, daß gerade dieser Re-fornikampf bei allen Freuliden der weiblichen Jugend reges Interesse finden werde und sowohl durch thatkrästige Mitwirkung, als auch durch die Macht, die das wahre Gute stets in sich birgt, siegreich bestanden werde. Zur Zeschichte des Tages. Die Einigkeit, mit welcher die Mitglieder des Herrenhauses den Ansprüchen der Magyaren entgegentreten, wird jenseits der Leitha überraschen. Diese ReichSräthe erkennen nicht nur, was für uns allf dem Spiele steht, sie bekennen auch, daß es bei der Abwehr solcher Angriffe keinen Unterschied der Parteie»» gibt. Die Schutzzollbewegung breitet sich mehr und niehr in der grundbesitzenden Bevölkerung aus und hat sich nun auch die „Mäh-risch-Schlesische Gesellschast zur Förderung des Ackerbaues" an den Reichsrath gewendet um Einsührung eines genügenden Zollschutzes für die heimische Industrie. Diese Kundgebung für gemeinschaftliche Interessen beider Zweige unserer Volkswirthschast muß um so schwerer ins Gewicht sallell, als die petitionirende Gesellschaft die bedeutetldsten und gebildetsten Grundeigner so vorgeschrittener Länder zu ihren Mitgliedern zählt. Vernlischte Nachrichten. (Zum Schutze des Briesgeheim-nisses.) Wie in Allem die Amerikaner und Engländer praktischen Sinn zeigen, so auch in der Sicherung des Briesgeheimnisses. Hierzu werden die geleimten Briefcouverts gut ver- ihre ganze Seele flog der rührenden blaffen Leidensgestalt entgegen — mit den» Aufschrei: „Mutter — meine Mutter!" stürzte sie zu ihren Füßen hin und verbarg schluchzend das Gesicht in ihrem Schooße. Therese zog sie zu sich empor und überdeckte sie mit glühenden, athemlosen Küssen. „O keine Worte lnehr," rief auch sie unter stürzenden Thränen, „an diesem Herzen fühle ich, daß ich willkommen bin!" Eine Sekuilde lang uialtete Schweigen im Zimmer; draußen wllrde die HallSglocke gezogen und tönte gellend in die unheimliche Stille. „Verzeih' mir. Rudolph." sagle Therese jetzt, „verzeihe meiller Ungeduld, Euch wieder zll sehen, daß ich Dich so plöplich überfallen habe. Mein Erscheinen hat Dich erschreckt . . . ach, ich weiß ja wohl, daß ich llicht lnehr jene Therese bin, die Du einst die Dei-nige nanntest — aber Du kannst Dir denkell, was in mir vorging, als ich durch ein entseß« liches Ereigniß meine Besinnung ivieder erhielt, — als ich lllich an jeneln entsetzlichen Orte erkannte — als es mir zu entfliehen gelallg! hätte ich zögern tönneil, zu Dir zu eilen? Verzeih mir Uln lneiner Leiden willen — nach so langer Zeit wieder laß lnich am Schlage Deines Herzens sühlen, daß Du mir nleine Stelle darin bewahrt hast . . . Sie ging aus Ru- schlossen ulld getrocknet. Die Adresse schreibt lnall auf der Verschlllßseite derart über die Verschlußstellen, daß sich Buchstabeli auf den aneinalldersallenden Theilen des Couverts befinden. Die Marken werden so befestigt, daß selbe den Verschluß der Eouverttheile vervollständigen. Auf diese Weise ist ein Oeffnen der Briese, und deren Wiederverschluß ohne auffallende Kennzeichen fast unlnöglich. lZur Geschichte der christlichen Religion. Neue Sekte.) In Rußland ist lnan aberinals einer Sekte auf die Spur ge-konlnleil, deren Anhänger zumeist im Gouvernement von Saratow leben und sich „Moma-nisten" nennen. Die neue Sekte besitzt einen eigenen „lebenden Christus", eine „lebende Mutter Gottes", einen lebenden heiligen Geist" ulld „lebellde zivöls Apostel". Die genannten „Heiligen" haben ihren bestimmten Wirkungskreis und leben aus Kosten der Gläubigen, von delleil sie bedeutende Opfer fordern. Das Haupt der Sekte ist „Christus"; dieser ertheilt entweder mittelbar oder unmittelbar religiöseil Unterricht, erklärt die heilige Schrift und kennt in HeiratS-Allgelegenheiten keine Verwandfchaft, da im Zeitalter des ersten MeilschenpanreS sich auch Geschwister ehelichten; er ertheilt Ablässe, und da er die Gläubigen in ununterbrocheiler Furcht hält, so lnacht ihn dies zum reichen Manne. Die „Momatisten" haben eigentlich lnehrere „Mütter Gottes", jedoch nur Einen „heiligell Geist"; der Wirkungskreis des letzteren beschränkt sich auf den Besuch der Ersteren. Jene Kultusgemeinde, welche eine eigene „Mutter Gottes" besitzen will, bezeichnet nach der von „Christus" eingeholten Erlaubniß zu dieser Würde die schönste Jungsrau des Ortes und bereitet einen Tag zum würdigen Empfange des „heiligen Geistes" vor. Am bestimmten Tage erfcheint der „heilige Geist" iln Orte und wird nach reichlichem Essen und Trinken von den Gläubigen mit der zukünftigen „Mut' ter Gottes" in ein Zimlner gesperrt. Des an^ dern Tages lvird das Mädchen in weißen Kleidern vor die Gemeinde geführt, lnan singt ihm zu Ehren Lieder und huldigt demselben, die „Apostel" küssen dem Mädchen die Hällde und da» Gesicht, die gewöhnlichen Gläubigen die Füße. In gleicher Weise, jedoch ohne die üblichen Ceremonien, besucht der „heilige Geist" von Zeit zu Zeit die übrigen „Mütter Gottes", welche hievon die Gläubigen sofort beilachrich-tigen Ulld denselbell ihre Befehle ertheilen. Jene, welche der „beilige Geist" am häufigsten besucht, erfreut sich oei den Anhällgern der Sekte der dolph zu Ulld breitete die Arme aus, ihln an die Brllst zu sinken ... er verlnochte in der Qual, die ihln durchtobte, nur wieder ihren Nalneil zu stalnlneln. Da öffnete sich die Thüre; in deln Spalt wurde der Kopf des DiellstmädchenS sichtbar, das iil gleichgültigem Tone rief: Der Herr Rath und Fräulein Anna möchten in s Wohn-zilnlner kolnlllöll. Die Frau Räthin ist nach Hallse gekolnmen." Therese tamnelte ill das Sopha zurück... Sie lvar noch bleicher geworden und ihr Auge starrte erschreckend. „Wer?" lallte sie, „habe ich recht gehört? . . . Rudolph ... es ist noch jelnand in Deineln Hause, die diesen Namen trägt. . .? O null, nun begreif' ich Alles! Nun weiß ich, waruln keill lvarmes Wort des Grußes von Deinen Lippen will! Ich war lebend eine Todte für Dich — ich bin auch in Deilleln Herzen gestorben!" Das Wort der bittersten Eilttäufchung war ausgesprochen — es ,var der heftigste Schlag des Gewitters, das auf Rudolph's Seele lag; er befreite sie und gab ihin die Fähigkeit des Denkens und Handelns zllrtlck. (Fortsetzung ) arüßten Achtung; sie wird zumeist um Rath befragt, sie erhält die meisten Geschenke, welche sie jedoch mit dem „heiligen Geist" zu theilen verpslichtet ist. Mit „Christus" selbst verkehre»! die Gläubigen nur in außergewöhnlichen Fällen. (Löschwesen. — Schwimmende Feuerspritzen.) Der Gebrauch schwimmender Feuerspritzen verbreitet stch jetzt rasch in den großen Handelsstädten, wo außerordentliche Kapitalien in Gestalt von Hältsern und Maaren an den Ufern der Flüsse zc. angehäuft sind, welche vom Flusse her, der unerschöpfliche Wassermafsen zur Verfügung stellt, erreicht werde!» können. Merryweather und Söhne zu London, welche sich mit der Fabrikation solcher Spritzen befassen, haben neuerdings der französischen Regierung drei derselben von beson-ders großer Leistungsfähigkeit geliefert. Die Spritzschiffe sind 45 Fuß lang, 8 Fuß breit, 4 Fuß 6 Zoll tief, und bieten genug Raum für Kohlen, Schläuche, Mundvorräthe und eine Kajüte. Die Spritze kann in jeder Minute 1000 Gallonen Wasser in einem l^/4zölligen Strahl zu einer Höhe von 21'2 Fuß treiben. (Verbesserung der Brieftaubenpost für den Krieg.) Seitdem die Tauben» Posten im Kriege durch verschiedene Staaten eingeführt worden, hat man sich viele Mühe gegeben, einen photographischen Apparat zu erfinden, der auch iin Felde, und zwar an sol^ chen Orten, wo weder Material noch Ateliers vorhanden sind, sicher zu arbeiten vermag, uin die Depeschen, welche in eine!n winzigen Röllchen unter den Schwanzsedern der Tauben verborgen befestigt sind, auf große Bogen deutlich zu übertragen. Diese sehr schwierige Aufgabe ist endlich dem russischen Oberst Kowaco gelungen. Kowaco erfand einen Apparat, der nebst einem vollständigen photographischen Labora» torium und Che!nikalien für sechs Wochen nicht mehr als den Raum eines gewöhnlichen Tornisters in Anspruch nimmt. Dieser Apparat vergröbert die durch die Tauben gebrachten s Depeschen 2300mal. Die Vergrößerung kann bei Tag und Nacht !nit der gleichen Sicherheit vorgenommen werden. Die Manipulationen sind, so wie der Apparat selbst, sehr einfach, daher ganz besonders für den Krieg geeignet, weil sie zeitersparend sind. Mit diesem Apparat sind im Juni vorigen Jahres durch das Geogra» phische Institut in Wien eingehende Versuche angestellt »varden, welche alle ein sehr günstiges Resultat gehabt. Die Herstellungskosten dieses Apparates sind nicht bedeutend. Wenn n!an bedenkt, daß im letzten Kriege Tauben, welche von Paris abflogen, unter ihren Schlvanzfedern Röllchen trugen, die nur fünf Quadrat-Centi-miter groß waren, ^ aber 5000 Depeschen zu 20 Worten enthielten, so wird man die Wich» tigkeit dieser Erfindung zu würdigen verstehen; denn er dient sowohl dazu, die Depeschen von einem großen Bogen auf die kleinen Blättchen, welche die Tauben zu tragen haben, als auch von diesen wieder aus große Bogen zu übertragen, was früher sehr viel Zeit und Mühe kostete. ZllarburtZer Zikrichte. (Seit dem Gefechte bei S k a l i tz.) Anton Novak von Zwettendorf, als Unterkanonier im Gefechte bei Skalitz (1d60) schiver verwundet und seither vermißt, wird nun gericht« lich vorgerufen. Verstreicht die Frist eines Jahres erfolglos, dann wird zur Todeserklärung und Vertheiluug des Vermögens geschritten. (Mit Knütteln und Bergeisen.) Im Gasthanse zu Loke, OrtSgemeinde Trifail, stritten und raustei, kürzlich, wie der „Cillier Anzeiger" berichtet, mehrere Bergknappen miteinander. Auf der Ltraße wurde die Schlägerei fortgesetzt und gesellten sich noch viele Knappen hinzu, die mit Knütteln und Bergeisen l>e!vaff-net waren. Wegen der Nachtzeit konnte man den Freund vom Feinde nicht unterscheiden. Leichtverwundete gab es in Menge. Zwei Knap- pen blieben ganz bewußtlos aus detn Platze und wurden nach dem Krankenhause der Gewerkschaft gebracht: der Eine — N. Binder — starb am dritten Tage; der Andere — G. Ters-kan - dürfte seinen Wunden bald erliegen. (Versaminlung von Landwir-then in Ehrenhause n.) Die landwirth-schaftliche Filiale Leibnitz und der dortige Weinbauverein hielten dieser Tage eine gemeinschaftliche Versammlung in Ehrenhausen ab. Herr Eduard v. Jenisch, Obmann der ersteren, sprach über Weinbau und Kunstlvein, erinnerte an die frühere Erklärung der Filiale über diesen Gegenstand und brachte die Petition, welche zum Schutze des Naturweines an das Ministerium und an das Abgeordnetenhaus gerichtet werden soll, zur Kenntniß der Versainmlung. Weine aus Kranach, Eckberg, Podegraz und Graßnitz^ berg wurden gekostet und waren landwirth-schaftliche Gegenstände <^Reben- und Trauben-scheere, Rebenriegler, Gährspund) aufgestellt, und N!ehrere Fachschriften, sowie auch ein AtlaS der für den Weinbau Deutschlands und Oester» reichs werthvollsten Traubensorten, herausgegeben von Hermann und Rudolf Göthe, aufgelegt. (Schullvese n.) Vonl Landesschulrath ist die provisorische Errichtung einer Parallelabtheilung an der Marburger Volks- und Bürgerschule genehmigt ivorden. (Fachmänner im Bezirksschulrat h.) Der Landesschulrath bestätigt die Wahl des Lehrers Johann Kral in Luttenberg und des Lehrers Zohann Kossi als Fachmänner iin Bezirksschulrath. (Wählerversalnmlung.) Am 23. Jänner Abends fand zu Pettau eine Wählerversammlung statt, in welcher der von Marburg aufgestellte Neichsraths-Kandidat, Herr Dr. F. Duchatfch sein Programm darlegte. Die Probewahl zeigte, daß in Pettau dieser Kandidatur einhellig beigestimmt wird. (Bank-Kommissions- und Inkassogeschäft) Jln Lokale, welches die steiermärkische Eskoinptebank hier i!N Hause des Herrn Franz Marb (am Burgplatze) gemiethet, hat nun Herr Josef Weiß aus Graz ein Bani-Kommifsions- und Inkassogeschäft eröffnet. «^ksr^S (I. Lop^'ao), ^vVi'Sx (2. Sopran), ^LH^r'ta (I ^It), oonnvrstag äon 27. Mnor 1^76 ^dsli6g tlklb 3 I/Kr iw Vssiuo-Saa^Io »u ITardurx. kroxramw: Z. a) Oi'pköus Z^ünA vlä !utan8 tonor 6te.s()rpkeus8kvxz?u ssiner I^kiute) 0. I^inädlkl?. b) Varssvßs (t'rülilinxslisä) „ 2. a) ^Ltonroäukd (/^bsn6rotti) KclisvCor. d) I^orsic Lprin^tZnus (Ilsl)fws^i»oksr SprinAtan-) Xisrulk. 3. I'rio. 4. a) I rossns äott (Im tivssuÄukt) ?riv2 (Zustav. b) Oalpolgica (VoI1cstan2 von Data- ksrlisn) arr. ^klström. 5. a) Rossn j Xoräsnslcoß^ sva» Röslsin im ^a^äe» k'isoder. !)) Svkvsäisl^kss Volicslisä »rr. ^.Soäsrmava K. a) LaLtsr^'äntsssöluiaxsDsrLsunsrili Lounts^) 01s KnII. b) öröI1op8Mi,i seil, lloczti:-eit8marsvk ^.Söäsrmava 7. 8tsn6<:ken sum I^amsn8t68t 1i^i8elld0ksr. 8. Lröllopsäalls skiook^sitstan?) ^.tjöäermsnll. ?roiss ävr klätüs: I il. Lkl ten sir>6 iiadsn dei Llsrrn k'rioüriod I^q^^rsr uuä am ^t)6uä äes (Zonvsrtos an äsr 0as86. 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IW^ZVIan vsnäv 8i<:Il äaksr mit äsn ^uk-träxen vsrtrausll8voN an ^Svll»vl»«r »VI»., öaiuzuier e»> öiiss ivli Ii!ki', öu^gillAlZ !ln l>ilsfb'8oken »suso, vormals Ztsiei-mSi-kisolio Lsoomptedsnlc-i^oksle, ein eroiinvte. Ivli dekksse mioli mit 6en> «l». Vvrllauk -rllei- »n «Zei, Ii». ,i,»Ä »„»lüiiÄI»«!»«,» i»rei. «t»»«»., InÄnstrt«., I^QtWrt«. «p«kul,»tl«»i»„ ««vlctvii, ».<, vis mit ii»Äi»ze«ii: e I vile V«»,»»,«!,«-,»« »,ik I>»«r««i»i»A»»Ie« IZWellt«» 211 de» ooulsntsstvn Kkllingungvn. liei iii«jui>^ stelle, Imiie iell Oele^enlteit, von etvsi^en Vorliammiiissen sofort bestens inkormirt su sein, >»^»8 6en üktvIltviU-Svslt««,'» bvilsutsnlisn Vortköil bietet. »ei äen nuiimelii^ im Loui-ss so tiei gesunkenen äürkte es tsÄeIiIivIi dsliiii xerieiitet sein, etw»iß^«z ^nttrÜKe prompt UNlI soliäost »n eLsek-tuiien. HovIisobtiili^svoII lo° «soset ^ei88, kurK^pIat^. Verantwortliche Redottiou. ^ruck uvd B«slag von Eduard Ianschitz iu vkarbqrg. Z.U.V»G.