iPoitninh placan» ▼ golorinl.l Deutsche Zeitung ■aa.Organ für die deutsche Minderheit /, 3 Uhr morgens, während der Geburtswehen meiner lieben Frau lüftete ich mein bedrängtes Herz in folgenden.Versen: Du läßest lang uns auf dich warten, Verborgener, unbekannter Gast, Seit Stunden quälst du schon die Mutter, Und gönnst der Armen keine Rast. sammenwirken ihrer Akademiker in allen Teilen des Kontinents oder aber um die Ausbildung und das Zusammenwirken der polnischen Pfadfinder in den verschiedenen Staaten sowie um die Pflege des re-ligiösen Lebens handelt. Zu all diesen Fragen liegen Entschlieußngen vor, die das Vorhandensein ein-heitlichcr Gesichtspunkte und Richtlinien für das Zusammenwirken zwischen den nationalen Zentral-orqanisationen und den Auslandgruppen erkennen lassen. So wird unter anderem auf dem Weg einer besonderen Entschließung den polnischen Akademikern Litauens, die zu Studienzwecken nicht wie die Angehörigen der anderen polnischen Minderheiten nach Warschau kommen dürfen, Sympathie und Solidarität ausgesprochen. Man erfährt aus einer an-deren Mitteilung, daß in Warschau am dortigen Minderheiten-Institut ein besonderes Seminar für die auslandpolnischen Volkstumsbelange gegründet worden ist, dessen Hörerkreis sich aus den fähigsten Studenten aller Warschauer Hochschulen zusammen-setzt. Selbst Appelle an die Oeffentlichlett anderer Völker werden von der polnischen Volksgemeinschaft — dem Organisationsrat als ihrer Vertretung — beschlossen und an diese gerichtet. Nicht der Staat appelliert an den Staat, sondern die überstaatlich organisierte Nation wendet sich an die Oeffentlichkeit des anderen Volkes. Hier liegen Anzeichen vor, die für alle, die die Enwicklung der Dinge zu deuten verstehen, den Beginn eines neuen Zeitalters ver-anschaulichen, einer Zeit, wo neben den Staaten die überstaatlich organisierten Völker zu Faktoren des europäischen Geschehens werden. Doch besonder» bezeichnend ist es, daj} durch die Begründung des zentralen Rates für die natio-nalkulturellen Belange der gesamten polnischen Volks-gemeinschaft es binnen weniger Jahre gelungen ist, eine nationale Autorität für die Beseitigung aller Gegensätze und Zwistieckeiten die innerhalb der ver-schiedenen polnischen Auslandgruppen bestehen, zu schaffen. Bei der zentralen Organisation besteht jetzt ein Gremium für die Urteilsprechung über Führer des Auslandpolentums, die sich gegen die gesamt- O, welch ein Gott kann mirs verkünden, Ob wert so vieler Qual du seist, Ob deine Mutter einst die Stunde, Wo du sie quältest, selig preist! Wie? oder ob du — schaudernd denk ich'», Nur jetzt ein warnend Vorspiel übst, Und für der Liebe bangen Jammer Ein taubes Ohr zum Lohne gibst. Ja, welcher Gott kann mir nur sagen, Ob Mann, ob Weib dein Name sei? Sei er nur Mensch — das ist mein Flehen, Das andere gilt mir einerlei. Nur Mensch — ob nun die Kraft des Mannes In deinen jungen Adern keimt, Ob dir im formlos kleinen Herzchen Ein weiches Weiberseelchen träumt. In jedem Falle sei willkommen. Willkommen mir aus vollster Brust: Sei einst nur deiner Mutter Wonne, Dann bist du auch des Vaters Lust! Sei einst ein Spiegel ihrer Seele, Dann trägst du einen Engel mit, Der dich durchs Leben sicher leitet — Denn Gott beschirmt des Guten Schritt. Tu' alles, was Vielleicht dein Vater. AIs nicht geschehen jetzt bereut, polnischen Kulturinteressen vergehen. Durch dieses Gremium ist kürzlich Dr. Szimonovicz, einer der Führer des Polentums in Rumänien (der Bukowina) und ehemaliger Delegierter am Europäischen Rationalitätenkongreß, öffentlich gebrandmarkt worden, ja das Organ des Organisationsrates konnte vom Ausscheiden Szimonovicz' als Mitglied ^er Organi-sation berichten. Um welche Vergehen Szimonovicz' gegenüber der polnischen Allgemeinheit es sich ge-handelt hat, wird nicht mitgeteilt. Aus dem hier zuletzt Dargelegten ergibt sich, daß die polnische Volksgemeinschaft gegenüber ihren Auslandgruppen heute über ganz außerordentliche Einflußmöglichkeiten verfügt. Es entsteht da die Frage, nach welch einer Richtung diese Einflüsse sich heute auswirken. Eine Frage, die insofern von einer ganz außerordentlichen Bedeutung ist, als von der Richtung dieses Einflusses in hohem Maße da» Schicksal der Volksgemeinschaftsbewegung bei an-deren Völkern abhängt. Bekanntlich ist anfänglich gerade auch von polnischer Seite der in den Kreisen des Europäischen Nationalitätenkongresses vertretene Standpunkt gebilligt worden. daß eine erfolgreich« Tätigkeit der überstaatlichen Volksgemeinschaften nur dann zu erreichen ist, wenn ihre Tätigkeit sich aus-schließlich auf das nationalkultmelle Gebiet beschränkt, mit anderen Worten, sich in jeder Weise vom Ge-biete der staatspolitischen Fragen fernhält. Diese Auffassung ist vor allem auch vom stellvertretenden Vizepräsidenten und dem eigentlichen Leiter des pol-nischen Nationalrates in Warschau, I. Paprocki, vertreten worden. Nun erbringen gewisse Entschließungen, die der Warschauer Organisationsrat auf seiner letzten Tagung gefaßt hat. den Beweis, daß e» sich jetzt um einen völligen Richtungsmechsel im Wirken der polnischen Volksgemeinschaft handelt. So heißt es in einer Entschließung, die das Organ der Auslandpolen unter Punkt 4. „Fragen des Auftretens des Senators Borah", veröffentlicht: ,,o) In der Jrkenntnis, daß sich das Auftreten des Senators Borah gegen unseren Zugang zum Meer auf die Unkenntnis der mitteleuropäischen Fragen und besonders der polnischen stützte, b) in. der Er-kenntnis, daß dieses Auftreten einen ausgesprochenen tendenziösen Eharakter hat und für da» friedliche Zusammenleben der Völker schädlich ist — legt der Tu' alles, was er treu gerungen, Und nimm was Gott dir segnend beut! Doch ach! was träum' ich? das sind Reden, AIs stünde schon der Sohn vor mir; Als stünde schon die kleine Tochter, Dein, o Mutter, da vor dir! Roch hör' ich keinen Laut des Wesens, Das meine Liebe krönen soll; Nur Stöhnen hör' ich. leises Wimmern, Des Lebens herben Eintrittszoll. Noch weiß ich nicht ob statt des Bettchens, Das an der Mutter Bette steht, Nicht heute noch ein Sarg sich füllet, Nicht heute welkt, was heut' entsteht. Doch nein! — Halt ein entsetzlich Träumen! 's ist Nacht — 's ist sternenhelle Nacht: Sieh durch das Fenster, weinend Auge, Die Sterne glüh'n — der Vater wacht! 17. Juli, fünf Minuten vor 10 Uhr Vor-mittag. In verzweifelter Ungeduld schritt ich im Zim-mer auf und nieder, sah bald zum Fenster hinaus, blätterte bald in Herder» Aufsatze: „Wie die Alten den Tod gebildet", bald in Ernst Schulze'» „Be-berter Rose", tat bewußtlos dies und jene» — I va öffnet sich die Türe — meine Tante, die einst Seite 2 Deutsche Zeitung Nummer 50 Kongreß des Organisationsrates der Auslandpolen ketegorijchen Protest gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Polens ein und glaubt, daß das große amerikanische Volk gemäß seiner allen Tradition immer und überall die Grundlagen der Freiheit der Völker schüfen wird. Der Kogreß des Organisationsrates der Auslandpolen ruft alle im Auslande zur Veranstaltung einer Protest-aktion in dieser Angekegenheit auf." (Als Teilnehmer der Warschauer Tagung, auf der diese Resolution zur Annahme gelangte, werden von den Führern der polnischen Auslandgruppen die Herren Sjijt paniak und Dr. Kaszmarek aus Deutschland, Jesw-nowski, Szambelanczyk und Drajer aus Frankreich, Tenyenbaum aus Wien, Abgeordneter Ehobot und Dr. Wolf aus der Tschechoslowakei sowie Abgeord-neter Wilpiszewski aus Lettland angeführt). Diese Entschließung des Organisationsrates der Auslandpolen bedeutet nichts anderes, als daß in einer Frage des polnischen Staates, die zweifellos von der größten Bedeutung für das Land ist, man nicht nur von der polnischen Oeffentlichkeit im Lande selbst, sondern auch von den in den fremden Staaten lebenden polnischen Minderheiten eine Stellung-nähme, ja eine Demonstration fordert, somit dazu übergeht, sie in rein politischen Fragen des Mutter» landes hineinzuziehen. Man überlege sich nur, daß diese Entschließung, die ja an alle Polen im Aus-lande gerichtet ist, ganz offensichtlich nichts anderes verlangt, als daß auch die Polen Deutschlands, das heißt die Polen deutscher Staatsangehörigkeit, gegen die Auffassung Borahs, daß der deutsche Standpunkt in der Korridorfrage berücksichtigt werden müsse, demonstrieren sollen. Rill anderen Worten, man ruft hier einen Konflikt zwischen den Pflichten der in Frage kommenden Menschen als deutsche Staatsbürger einerseits und polnische Volkzugehörige anderseits hervor. Es liegt ja auf der Hand, daß, was heute vom Organisationsrat der Auslandpolen in bezug auf den Korridor gefordert wird, morgen gleicherweise hinsichtlich des Wilnagebietes oder einer anderen politischen Frage des polnischen Staates gefordert werden könnte. Damll wäre aber eine Richtung eingeschlagen, die die Polen fremder Staatszugehörigkeit in die schwierigste, ja in eine geradezu tragische Situation versetzen müßte, denn es wird wohl von jedem Kenner der Volkstumszusam-menhänge bestätigt werden, daß angesichts einer solchen Politisierung der Angehörigen emer Minder-hell zugunsten der staatlichen Interessen ihres Mutter-landes und gegen die ihres Herbergestaates ihr ge-gegenüber beim Mehrheitsvolk nicht nur eine Ein-stellung des Mißtrauens, sondern zu guter Letzt auch eine direkte Feindseligkeit entstehen muß. Solch eine Entwicklung müßte sich gerade jetzt, wo gegen-über dem Vorgehen der polnischen Minderheiten be-rells verschiedenenorts ein gewisses Mißtrauen besteht — so etwa in bestimmten Kreisen der deutschen und lettländischen Oeffentlichkeit —, die verhängnisvollsten Wirkungen zeitigen: Übrigens wäre auch damll n» rechnen, daß welle Kreise der Minder-hellen selbst gegen solch ein Vorgehen, das ihnen die Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten er- schwert, protestieren werden. (In dieser Beziehung ist charakteristisch, daß verschiedene Stimmen der polnischen Minderheitenpresfe es erkennen lassen, daß wie bei den Polen Rumäniens, so auch bei denen Deutschlands und Oesterreichs eine Kritik gegen die Politik der Zentralorganisation und der von ihr be-stellten örtlichen Funktionäre laut wnd) In diesem Sinne äußert sich der „Glos Prawdy", ein Organ der Polen Rumäniens, in längeren Ausführungen. Doch diefe Entwicklung der Dinge beim pol-nischen Volke muß auch die europäische Volksge-meinschaftsbewegung als solche auf das allerschwerste gefährden, denn sie könnte verschiedenenorts die falsche Vorstellung erwecken, daß das Streben zur überstaatlichen Volksgemeinschaft stall der Zusammen-fassung aller Angehörigen ein und desselben Volkes auf dem nationalkulturellen Gebiet die Heranziehung dieser letzteren zu rein politischen Zielen ihrer Muller-staaten bezweckt, somit zu seiner Funktion, die von seiten der Staaten und der Mehrheitsvölker, in deren Mille sie leben, weder gebilligt noch geduldet werden kann. Anderseits ist es aber auch ein vergebliches Verfahren, die Entwicklung zur überstaatlichen Volks-gemeinschaft der einzelnen Rationen mit dem Hin-weis auf das polnische Beispiel aufhalten zu wollen. Jeder, der die wahren Zusammenhänge in dieser Frage kennt, wird bestätigen können, daß dieses Streben nach einer organisatorischen überstaatlichen Zusammenfassung aller Volksgenossen auf national-kulturellem Gebiet bei den einzelnen Völkern sich ein- fach nicht mehr aufhallen oder gar zurückdrängen läßt. Das brweist am schlagendsten die Tatsache, daß in den nächsten Tagen anläßlich der alltschechi-schen Zusammenkunst in Prag auch die Kon-stlluierung einer Tschechischen Volksgemeinschaft geplant wird. Erfreulicherweise wird lchon jetzt bekannt, daß man tschechischerseits hiebet als eine der ersten Entschließungen die strikte Begrenzung der Gemein-schaft auf das kulturelle Gebiet unter grundsätzlichem Ausschluß aller staatspolllischen Fragen annehmen will. Es wäre zu hoffen, daß man auch in Warschau die große Tragweite der gemachten Fehler einsehen und gleichfalls beschließen wollte, unter Ausschluß aller staatspolllischen Ziele die Tätigkell der organi» sierten Volksgemeinschaft nur auf das kulturelle Gebiet zu beschränken. Um eine erfolgreiche Ver-wirklichung des Volksgemeinschaftsgedanken zu er reichen, müssen vor allem die Angehörigen der Ra-tionalitäten selbst darauf drängen. Sie sind es, die vor allem daran interessiert sind, daß man ihnen die Möglichkeit zu einer Synthese ihrer Pflichten gegenüber dem Staate mit denen gegenüber ihrem Volkstum ermöglicht. Ferner aber auch, daß die in falsche Bahnen gelenkte Bewegung zur Begründung der europäischen Volksgemeinschaften nicht stall zum Au; gleich unter den Völkern und Staaten, im Ge-genteil zu wachsenden Gegensätzen und Reibungen zwischen ihnen führt. Hierauf hinzuweisen dürfte wohl auch eine Aufgabe des Europäischen Stativ-nalitätenkongresies sein, durch den die Frage der überstaatlichen Volksgemeinschaft bekanntlich erstmalig eine grundlegende Behandlung erfahren hat. Um 12 Uhr wurde das Kind zum ersten Mal an der Mutter Brust gelegt und sog gewiß mll nicht innigerem Wohlbehagen, als diese es saugen ließ. Die kleine Schellelgeschulst die der Knabe, ein-geklemmt bei der Geburt, davon trug, verlor sich heute schon. Um 9 Uhr weinte die Mutter die ersten Tränen der Wehmut nach seiner Geburt, weil sich die Zartfühlende vom Vater minder ge-liebt glaubte, als er sie zu lieben sich tief be-wußt ist. 19. Juli. — Stechen in den Schläfen, als eine Anmeldung des Milchfiebers, weckten die Mutter. Der Knabe ist ruhig: ein „guter Rarr" so nennen ihn Großmutter und Großvater. Möge er diesen Namen nie ablegen: so närrisch es klingt, so tröstlich ist oft das Bewußtsein sich sagen zu können: schau, wenn du sonst nichts bist, ein guter Narr bist du doch! — Im Narrenhause der Well gibt es, weiß Gott, mehr böse Narren als gute. Karls Geburt wurde seinen beiden Paten Sigmund Karis und Gabriel Jenny geschrieben. 7 Uhr abends. — Unversehens überrasche ich die Mutter, wie sie den Kleinen, der an ihrer Brust liegt, dafür verstohlen küßt. Sie wurde rot, als sie sah, daß ich sie belauschte. Ein neuer Zuwachs für den Begriffsumfang des Wortes: Scham! 20. Juli — (7 Uhr abends). Lieber Karl! Weil sich heute noch nichts weller mll dir begeben meinen Eintritt in die Welt meinem Vater zuerst verkündet hatte. Kitt ein und verkündet mir nun auch die Geburt meines Kindes. — Es ist ein Knabe! — Weinend will ich ins Zimmer, um niederzuknieen vor dem gebeugten Baum, der die liebe Frucht mir trug. Man weist mich zurück: durch die halbgeöffnete Tür seh' ich das Knäblein zu der Mutter Füßen. Nun ruft man mich: — ich eile zuerst zu der armen Siegerin auf dem Schmerzensbette, dann um Preis ihres Sieges: beide leben! — Nach anger Zeit wieder wahre Freudentränen. Weinend chreibe ich's den Schwkegereltern. — Nun bist du n der Welt, mein Sohn, und mein erstes Wort zu dir ist: Ehre deine Mutter! Man muß Gatte sein und sein Weib leiden sehen, um ganz zu be-greifen, wie man vom ersten Pulsschlage des Ge-fühls' an, seine Mutter hätte lieben sollen. — Doch nun zu Kleinigkeiten, die dir einst teure Reliquien aus einer Zeit sein werden, wo deine Seele noch ein unbeschriebenes Blatt war. 18. Juli. Sonntag (Arnold) — Heute um elf Uhr — Taufe — Er empfing die Namen: Karl, Sigmund. Gabriel. Anton, Hartnid, Alerius. Warum? Karl — weil sein eigentlicher Taufpate Karl Mathes, Hauptverleger des Tabakgefälles in Eilli, war, den nur. wegen seines Aufenthaltes in Rohitsch, sein Vater Josef Mathes, jubil. Kameraloerwalter in Pps, vertrat. Wien Mittelpunkt der In Wien dürfte während der Tage vom 29. Juni bis 1. Juli alles vereint sein, was es in Europa an parlamentarischen Führern der nationalen Minderheiten und sonstigen Autoritäten auf dem Gebiete der Nationalllätenfrage gibt. Obwohl der Beschluß, den Europäischen Nationalitäten-Kongreß dieses Jahres nicht in Genf, sondern in Wien ab-zuhalten, aus finanziellen Erwägungen erfolgte, so erweist sich schon jetzt, wie sehr die zentrale geogra-phische Lage Wiens die Durchführung von inter-nationalen Veranstaltungen, deren Teilnehmer zum großen TeU aus den mlllel- und osteuropäischen Staaten kommen, erleichtert. Beinahe sämtliche europäische Nationalitäten, von den Pyrenäen bis zu der russischen Grenze und von dem Mittelmeer bis Skandinavien, werden durch ihre verantwortlichen Führer bei dem kommenden Nationalitäten-Kongreß vertreten sein: Bulgaren von Jugoflawien und Rumänien; Deutsche von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Dänemark. Tsche-choslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien und Italien; Griechen (Dodekanes)' Juden von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechoslowakei, Ruma-nien und Bulgarien: Jugoslawen (Slowenen und Kroaten) von Italien und Oesterreich; Lllauer von Deutschland und Polen: Ukrainer von Polen und Sigmund — weil mein teurer Jugendfreund Sigmund Karis, k. k. Landrechts-Auskultant in Wien, Mitpate war. Gabriel — weil der Wohltäter meiner Schwiegereltern, den meine Frau nur ihren Onkel nennt, Gabriel Jenny, Großhändler in Wien, (Protestant) Mitpate war und weil Gabriel ein Hauptname meiner Famllie ist. Anton — weil mein Schwiegervater Anton heißt. Hartnid — weil mein würdiger Vorgesetzter Hartnid Dorfmann, Benediktiner von Admont, Präsekt des k. k. Gymnasiums zu Eilli, es wünschte. Alerius — zur Bezeichnung des Namens, welcher auf des Kindes Geburtstag fällt. Die Taufe, welche von rechtswegen der hiesige Vikar Fr. Novak, ein gescheiter, liebenswürdiger, junger Priester, verrichten sollte, vollbrachte auf sein eigenes, ausdrückliches Begehren, Präfekt Dorfmann. Zeugen waren außer dem Vater des eigentlichen Paten, der das Kind hielt, die Frau des Paten, Wilhelmine Mathes, die Frau des alten Mathes, meine Mutter, meine Tante Elije Lui, Frau Wagner die Hausfrau, die meiner Frau als wahre Wedmutter beistand, die Hebamme Halm, Frau des Gerichtsdieners und Stadtherolds von Eilli: die genannten Geistlichen und der weindampfende Kirchendiener von der Pfarre zu Sankt Daniel. Als Patengeschenk bekam das Kind ein silbernes Eßbesteck. Minderheiten Europas Rumänien; Ungarn von der Tschechoslowakei, Jugc-stawien und Rumänien: Russen von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechoslowakei (Karpaiho-rußland) und Rumänien; Slowaken von Ungarn; Schweden von Estland; Tschechoslowakei^ von Oesterreich ; Weißrussen von Polen; Katalonier und Basken von Spanien. Was die Delegierten der beiden letzten Gruppen betrifft, so handelt es sich um die führenden katalanischen und baskischen Abgeordneten im Madrider Parlament, die ihre Reise nach Wien unmittelbar nach Beendigung des gegenwärtig stattfindenden Kampfes um das katalanische Statut antreten werden. Mit dem Delegierten der hier angeführten Gruppen ist jedoch der Kreis der Vertreter und Sachverständigen aus allen Teilen Europa» noch nicht geschlossen. Zu ihnen gesellen sich bekannte Autoritäten, die zur Uebernahme von Referaten zu einigen Punkten der Tagesordnung besonders ein-geladen wurden. So Professor Ernest Bover, Lau-sänne, Führer der westschweizerischen Völkerbundlige, der in seinen Ausführungen die Forderung nach einer Verallgemeinerung des bisher nur für einige Staaten bestehenden Minderheitenrechtes begründen wird. Von einem besonderen Interesse dürfte es sein, daß anläßlich der Behandlung des Punktes Nummer 50 Deutsche Zeitung Seite 3 „Anerkennung der Volkstumsrechte im Wirken der Kirchen", eine große Solidaritäskundgebung der berufenen Vertreter sämtlicher Konfessionen zugun-sten einer unbedingten Anerkennung und Einhaltung der Volkstumsrechte zu erwarten ist. Es treffen zu diefem Zwecke ein: als Sprecher vom Standpunkt der katholischen Kirche Reichstagsabgeordneter Prälat Professor Dr. G. Schreiber, Berlin, und Dekan der theologischen Fakultät der Universität Ljubljana Pro-fessor L. Ehrlich; vom Standpunkt der evangelischen Kirchen Professor Dr. Keller, Genf, von der euro-päischen Zentralstelle kirchlicher Hilfsaktionen! vom Standpunkt der ukrainischen uniierten Kirche Dom-Herr Dr. Dzerowych, Lemberg und vom Standpunkt der griechisch-orthodoren Kirche der ehemalige Kultus-minister im russischen Reiche Professor Kartaschoff, Paris. Zudem wird Lord Willoughby Dickinson, Vizepräsident des Weltverbandes der Völkerbund-ligen und Präsident des Weltbundes für internatio-näle Freundschaftsarbeit der Kirchen, eine schriftliche Botschaft an den Kongreß richten. Im Mittelpunkt der Beratungen des Kon-gresses wird noch eine solidarische Stellungnahme der Nationalitäten m den Zuständen, wie sie gegen-wärtig in Genf bei Behandlung der Minderheiten-frage durch den Völkerbund bestehen, erfolgen. Die Vertreter der 40 Millionen Menschen, die zu den nationalen Minderheiten gehören, hallen es für ihre Pflicht, offen Einspruch gegen den heutigen Zustand der Dinge zu erheben. Hierbei ist zu bemerken, daß die Behandlung aller besonderen Fragen, die die Lage der einzelnen Gruppen betreffen, grundsätzlich ausgeschlossen ist, damit der Kongreß dadurch nicht belastet würde. Stattdesien werden zur Eröffnung des Kongresses kurze Mitteilungen über die letzten Vorgänge bei allen Minderheiten als Ergänzung der großen Lage-Publikation des Kongresses vom vorigen Jahre im Druck veröffentlicht. Die Vorbereitung der Tagung des Kongresses leitet der Generalsekretär desselben Dr. Ewald Ammende. Zur Einschreibung in die deutsche Schulabteilung Unsere, mit soviel Mühen und Sorgen er-kämpfte, deutsche Schulabteilung beendet nun das erste volle Schuljahr und die neue Einschreibung steht vor der Türe. Manche Besorgnisse, die die Eltern anfänglich und auch noch während des Jahres hegten, wie daß die Kinder nicht genug lernen und namentlich in der Staatssprache zurück-bleiben würden, haben sich, wie wir mll ruhiger Befriedigung feststellen können, nicht bewahrheitet. Dabei sind die technischen und andere Schwierig-kellen, die sich dieser Art Schule im Anfang ent-gegenstellen mußten, in Betracht zu ziehen und wohl auch die begreifliche Einstellung der Ellern, die aus einem gewissen dem Neuen und Ungewöhnlichen entgegengebrachten Mißtrauen unsere deutsche Schule besonders ängstlich ansahen, während sie, falls ihre Kinder in den anderen Klassen wären. Lernerfolge und Art der Schule nicht weiter beachtet hätten. Unsere Schule hat also einen zwellen Jahresschluß überdauert und damit, wie wir fest glauben, auch ihre schwierigste Zeit. Neue Kinder sollen nun eintreten, um den' natürlichen Erziehungsgang, den in ihrer Familiensprache, anzutreten. Welche Kost-barkell diese Möglichkeit für die Seele des Kindes, für sein unverkrüppeltes Heranwachsen, für seine Charaktergestaltung und späteren Leben bedeutet, das läßt sich mit wenigen Worten gar nicht be-schreiben. Wir glauben, daß eine solche Beschreibung auch gar nicht notwendig ist, weil diese Erkenntnis wohl im Herzen einer jeden deutschen Mutter und eines jeden deutschen Vaters lebendig sein muß. Niemals können wir glauben, daß die Trägheit des Herzens bei irgendeinem deutschen Elternpaar so weit fortgeschritten sein könnte, daß bei der Möglich« feit der Wahl zwischen einer deutschen und einer anderen Schule die Entscheidung gegen die deutsche hat, als daß ich dich bei Anbruch des Tages deiner Mutter an die Brust legte, also dich zum ersten Mal in meinen Armen hielt, so liefere ich dir deine Personal-Beschreibung: du bist heute, als am dritten Tage deines Eintrittes in die Sphäre der Luft und des Lichtes, in ausgestreckter Länge 108" lang. — 10 Uhr abends. — Ich glaubte, diesen Abend könnte dir nichts Merkwürdiges mehr widerfahren — und siehe, eben jetzt geht ein ent-setzliches Gewitter nieder, daß die Luft mit unaus-gesetzten Blitzen durchzuckt und ein schrecklicher Hagel, dessen traurige Wirkung der Morgen erst durch Millionen Baum-, Aehren- und Traubenleichen verkünden wird, hämmert an die verschlossenen Jalousien meines Zimmers. — — N. S. Der Schade war nicht so groß; die Nacht läßt uns immer Schrecklicheres ahnen, als wirklich geschah. 21. Juli. — Der Arzt, der dich heute zum ersten Mal sah, freute sich deiner Stärke. Sein Name ist: Jüttner, sein Stand: Oberfeldarzt beim Regimente Kiniky, das in Eilli liegt. 22. Juli. — Heute Nacht ließ es sich deine Mutter nicht nehmen, dein Bettchen zu sich zu rücken und dich selbst heraus zu heben, um dir die Mahl-zell zu geben. 23. Juli. — Diese Anstrengung mag es auch sein, die ihr den Tag über zwei Ohnmachten zuzog. Heute verkostete die Mutter das erste Tröpfchen des feurigen Pickerer Weines, den uns der Präfekt Schule fallen könnte, weil vielleicht anscheinend^ und vorläufige Bequemlichkeiten für die andere Schule sprechen. Hier handelt es sich nicht um Bequemlich-kell oder Unbequemlichkeit, sondern um das größte Ding in jeder Familie, um die seelische und praktische Zukunft des Kindes. Es versteht sich von selbst, daß unsere deutsche Schule, die schon jetzt die größten Schwierigkeiten überwunden hat, sich um so rascher zu jenem Schul-instrument entwickeln wird, zu dem wir sie machen wollen, wenn schon am Anfang alle deutschen Ellern mit Selbstverständlichkell hinter ihr stehen. Es muß eine Zell kommen, wir wollen gerne hoffen, daß sie schon jetzt da ist, in der es überflüssig erscheinen wird, daß deutschen Eltern die d e u t s ch e Schule in unserem Blatt sozusagen angepriesen werden sollte. Die deutsche Schule ist für uns alle eine Notwendigkeit, für unsere deutschen Eltern muß sie zugleich auch eine Selbstverständlichkeit sein, wenn die Enschreibung für das neue Schuljahr an sie herantritt! Politische Rundschau Ausland Die Widerstände in Lausanne Infolge der zu Beginn der Konferenz ange-nommenen Beschließung über das vorläufige Mo-ratorium schien es, als werde die von aller Welt ungeduldig erwartete Erlösung mit nicht allzu großen Schwierigkeiten gefunden werden können. Dieser Optimismus war die auf allen bisherigen Konfe-renzcn — selbstverständlich! — ein gewaltiger Irr Dorfmann mit freudiger Teilnahme, am Tage ihrer Niederkunft zuschickte, mit den Versen: „Dre, sind es nur, doch leert die drei zum Wohlsein jener lieben Drei und gönnt, daß ich der Vierte sei!" Ich klebte diese Verse in Dorfmanns eigener Handschrift in dies Tagebuch, well ich glaube, daß es dir ebenfalls nicht uninteressant sein dürfte, der-einst Züge von der Hand eines Mannes zu haben, der der erste Amtsvorgesetzte deines Vaters war und den ich mit vieler Freude unter die Toaste aufnehme, die er von seinem Weine ausgebracht wissen wollte. 10 Uhr abends. — In liebenderer Hingebung als je gestand mir deine Mutter durch Wort und Miene, bah sie mich jetzt erst, um deinetwillen, gar so innig liebe. Soll ich dich nicht darum schon lieben, weil du mich in der Liebe meines Weibes steigen machst? 24. Juli. — Heute schrieb mir der Vater deiner Mutter, Anton Schlesinger: „Gestern (20. Juli) abends 9 Uhr kam Ihr schon längst mit größter Sehn-sucht erwarteter Freudenbrief an. Unter Freudentränen schrieben Sie, unter Freudentränen beantwortete ich ihn. Mutter und Geschwister schrieen einstimmig: Könnten wir in Eilli sein, um auch unseren Liebes-dienst unserer lieben Therese mit zu erweisen und das Kind samt der Mutter rn liebkosen. Jetzt kann ich es gestehen, daß wir viel Angst ausgestanden haben. Gott sei Dank, die Gefahr der Geburt ift vorüber. Wir sind Großeltern geworden! Gott er- tum. Von französischer Seite werden nämlich Vor-schlüge vertreten, die der eigentlichen Bedeutung der Konferenz keinerlei Rechnung tragen. Der Vorschlag Hernots, Deutschland solle ein fünfjähriges Mora-torium bekommen und dann zwei Drittel der Re-parationen zahlen (die noch zu zahlenden Repara-tionen betragen durch 37 Jahre jährlich über zwei Milliarden Goldniark), ist sicherlich nicht geeignet, die Weltkrise zu erleichtern, im Gegenteil, sie würd« durch das wettere Bestehen der Reparationen nur verewigt werden. Es wird in Lausanne einen harten Kamps kosten, ehe diese prompt zu Tage tretende Starrheit besiegt werden wird. Vorläufig steckt auch diese Konferenz, zum äußersten Mißvergnügen der englischen Teilnehmer, in der Sackgasse. Die Kleinen fühlen sich brüskiert Während dieser wichtigen Konferen^eit ist es manchmal sehr interessant, zu sehen, wie manche Blätter ihre Eindrücke von den Konferenzen wieder-geben. So lesen wir z. B. im Ljubljanaer „Slovenec" u. a. folgendes: „Schon die Formalitäten bezüglich der Einberufung der Konferenz wiesen daraushin, daß sich in Lausanne zwei Blocks bilden würden. Auf der einen Seite traten nämlich Großbritannien, Frankreich, Italien. Belgien, Deutschland und Japan als Staaten auf, die die „eingeladenen" kleinen Staaten auf die Konferenz einluden, und zwar Polen, die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien. Griechenland und Portugal, die auf der anderen Selle standen. Auch die Vorbereitungen zur be-kannten Erklärung (über das Reparationsmoratorium für die Dauer der Konferenz) und deren Veröffentlichung selbst haben die kleineren Staaten sehr be-unruhig!, weil sie sich mit Recht brüskiert fühlten. Die Vertreter der kleinen Staaten erfuhren von der Erklärung nämlich erst, nachdem sie bereit» ausgearbeitet war. Sie bekamen sie zur gleichen Zeit in die Hand wie die Zeitungsberichterstaller! Eine solche Art des Vorgehens hat die Ver-tteter des kleinen Staaten sehr aufgeregt! Wie Pertinai aus Lausanne seinem Blatt „Echo de Paris" berichtet, hatte Herr Marinkovic, Minister-Präsident und Außenminister Jugoslawiens, die Absicht, öffentlich gegen ein solches Vorgehen zu protestieren. Da habe ihn Macdonald sonderbar apostrophiert: „Wenn Sie Ihre Zustimmung zum Entwurf der Erklärung geben wollen, ist es recht, dann befindet sich diese Frage auf der Tages-ordnung. Wenn Sie aber die Erklärung zu kritisieren beabsichtigen, dann mögen Sie wissen, daß diese Frage nicht auf der Tagesordnung steht". Deutschland kann keine Reparationen mehr zahlen Nachdem die Konferenz von Lausanne in eine Sackgasse geraten war und Herriot vergeblich ver-sucht' hatte, den englischen Ministerpräsidenten zu seinem Standpunkt des Wellerbestehens der Repa-rationen zu überreden, überreichte die deutsche De-legation dem Präsidenten der Konferenz Macdonald eine Denkschrift, in welcher Nipp und klar die un« halte Vater, Mutter und das Kind!" — — Und Freudentränen entrollten deiner Mutter, als sie diese Zeilen las und Tränen kamen ihrer hier gewordenen Freundin Juliana, der edlen Frau des edlen Kreis-kommissärs Blltner, die an ihrem Bette stand und sie weinen sah.--- Beglückter Karl, dem ohne daß er's wollte. So manche Freudenträne rollte! O, leb' einst so, daß auch weil du's gewollt, Durch dich noch manch« Freudenträne rollt! Heute um 1v Uhr Vormittag erfülltest du das erste zweiundfünfzigstel deines ersten Lebensjahres. 25. Juli. — (Sonntag). Heute meldete ich deiner Großmutter (mütterlicher Seite), dah deine Mutter den neunten Tag ihres Kindbettes glücklich erreicht habe und wünschte ihr zugleich Glück zu ihrem Namentag. 7» 1 Uhr Mittag. — Zum ersten Mal nach deiner Geburt saß eben jetzt deme Mutter mit uns bei Tisch; sie wagte ihren ersten Gang in mein Zimmer und sah mit freudiger Neugier, daß ich berells sechs Blätter in deinem Tagebuch angefüllt habe. 26. Juli. — Heute ist der Namenstag deiner lieben Großmutter: Anna Seid! und Anna Schle-finger. Zweimal fand ich heute deine Mutter bitterlich weinend in deinen Anblick versunken. Mir schnitt es ins Herz; aber kotz aller Bemühungen konnte ich den Grund ihrer Tränen nicht entdecken. Tritt 4 Deutsche Zeitung Nummer 50 bedingte Notwendigkeit betont wird, die Repara-tionen sofort und bedingungslos zu streichen. Die Denkschrift wendet sich gegen ein neues Mora-torium sowie gegen die vom französischen Finanz-minister Germain - Martin geplante Beschlagnahme der Einnahmen der deutschen Reichsbahnen. Der deutsche Außenminister erläutert in der Denkschrift abermals die wirt>chaftliche und finanzielle Lage Deutschlands, die unerhört schwer ift und von der die zahlreichen Notverordnungen das schärfste Zeug-nis ablegen. Mit diesen Verordnungen sei die alleräußerste Belastung der deutschen Steuerträger erreicht worden. Jugoslawien kann die Streichung der Reparationen nicht bewilligen Der Pariser „Temps" veröffentlichte dieser Tage ein längeres Interview des jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. Marinkovic, in welchem dieser betonte, daß die Konferenz von Lausanne in erster Linie deshalb einberufen worden war, um festzustellen, welche Lasten Deutschland tragen könne, ohne daß dadurch die deutsche Wirtschaft bedroht wäre. Weiters sagte Dr. Marinkovit, daß die Baseler Sachverständigen der Meinung se!en, daß Deutschland zahlen könne, wenn es nur wolle. Jugoslawien könne auf keinen Fall der einfachen Streichung der Reparationen zustimmen, weil es das im Weltkrieg am meisten betroffene Land war und sich verschulden mußte, um die verwüsteten Provinzen wieder aufzubauen und wenigstens teilweise den Schaden zu reparieren, der wegen des Weltkrieges entstanden war. Dies« Schulden lassen sich aber nicht einfach streichen. Wenn Jugoslawien aus die Streichung der Repa-ration einginge, würde es sozusagen das Geld zum Fenster hinauswerfen, das es zur Bezahlung seiner Schulden braucht. Der klare und gerechte Standpunkt Frankreichs Der Ljubljanaer „Slovenec" nennt den Stand-punkt Frankreichs in der Reparationsftage „klar und gerecht", wobei besonders die Erklärung des französischen Finanzministcrs, 75 Millionen Donau-und Balkanvolker dürfen mindestens soviel Rücksicht verlangen wie die 60 Millionen Deutschen, hervor-gehoben wird, denn eine Einstellung der deutschen Zahlungen würde eine Kaskade von Staatsbank«-rotten besonders in den Donau- und Balkanstaaten zur Folge haben. — Der Vergleich zwischen den 75 Millionen Balkan- und Donauvölkern und den 60 Millionen Deutschen bezüglich der Berücksichti-gungswürdigkeit hinkt wohl ganz gewaltig. Denn diese 75 Millionen haben bisher nichts gezahlt, sondern nur empfangen, während die 60 Millionen Deutschen bisher bis zum Weißbluten zahlen mußten. Wer ist nun wohl mehr zu berücksichtigen: Derjenige, d«r bisher immer nur zahlen mußte, und zwar an die halbe Welt, so daß er nicht mehr zahlen kann, oder der Arme, der bisher nur einkassiert hat und der nun — ach! — so schwer betroffen ist, weil er nichts mehr bekommen soll? Hoovers Abrüstungsbotschaft In der am 22. Juni auf Forderung des amerikanischen Delegaten Gibson unerwartet einberufenen Sitzung des Hauplausschusses der Abrüstung?-konferenz teilte Gibson mit, daß er der Abrüstung?-konferenz eine Erklärung de» Präsidenten der Ver-einigten Staaten vorzutragen habe. Präsident Hoover betont in seiner Botschaft, daß nunmehr die Stunde gekommen sei, wo man ohne weitere Verschleppung die vernichtenden Rüstungslasten herabzusetzen beginnen müsse. Auf dies« Weise wäre der wichtigste Schritt für die Erneuerung der Well-wirtschaft getan. Die Herabsetzung der Bewaffnung aller Länder soll ungefähr ein Drittel des jetzigen Standes betragen. In der Bewaffnung zu Lande vrrlangt der Entwurf Hoovers die völlige Aufgabe der Tanks, des chemischen Krieges und der mobilen schweren Artillerie. Die Zahl der Soldaten ist um ein Drittel herabzusetzen Jeder Staat solle nur soviel Militär haben dürfen, als er zur Aufrecht-erhaltung der inneren Sicherheit und zur Verteidi-gung gegen Angriffe braucht. Als Grundlage für die Berechnung der Zahl der Sol-daten in jedem Staate soll jene Zahl hergenommen werden,die derVersailler Vertrag für Deutschland festgesetzthat. Auf dem Gebiete der Luftwaffen verlangt Hoover die völlige Beseitigung der Bombenflugzeuge sowie das Bombenwerfen aus der Luft überhaupt. Zur See Ichlägt Amerika die Herabsetzung der in den Verträgen festgesetzten Zahlen der Gesamttonage der Panzerkreuzer und der U-Boote um ein Drittel, der Flugzeugmutterschiffe, Kreuzer und Torpedoboot-Zerstörer um ein Viertel. Die Gesamttonage der U-Boote solle aus keiner Seite mehr als 35.000 Tonnen betragen. Den Amerikanern wird's zu dumm Die mit der empörendsten Erfolglosigkeit weiter geführte Abrüstungskonferenz in Genf scheint nun den Amerikanern doch endlich beim Halse heraus-zuwachsen. Präsident Hoov?r hat dem amerikanischen Vertreter Gibson telephonisch aufgetragen, im Falle der weiteren Erfolglosigkeit der Konferenz die ame-rikanische Delegation von Genf abreisen zu lassen. Dieser Alarmichuß in der Genfer Idylle hat den französischen Ministerpräsidenten Herriot veranlaßt, am 21. Juni abends eine Zusammenkunst mit dem amerikanischen Vertreter im Dorfe Morges bei Lausanne awuhalten, die bis über Mitternacht dauerte. Auf dieser Zusammenkunft soll der Ameri-kaner dem Franzosen ganz offen erklärt haben, daß, solange Europa die Abrüstungs- und Reparations-frage nicht löse, keine Rede von einem Nachlaß der Kriegsschulden sein könne. Nationalsozialistischer Präsident des preußischen Landtages Am 22. Juni wurde im preußischen Landtag der nationalsozialistische Abgeordnete Kerrl mit 197 Stimmen endgültig zum Präsidenden des Landtages gewählt. Das Zentrum übte Stimmen-enthaltung. Eine Zollunion zwischen Belgien. Holland und Luxemburg Was seinerzeit den volksgleichen Staaten Deutschland und Oesterreich mit großem Lärm und sogar mit Hilfe des großen Haager Schiedsgerichts „verboten" wurde, nämlich eine Zollunion bzw. eine Zollangleichung, ist jetzt mtt aller Selbstverständlich-feit zwischen Belgien, Holland und Luxemburg vertraglich abgeschlossen worden. Diesem Zollabkommen können auch andere Staaten beitreten. Zerstören kann jeder, aufbauen niemand In der Bukarester „Epoca" veröffentlichte dieser Tage der Führer der Konservativen Gregor Filipescu einen Artikel über die Finanz- und Wirt-schaftslage Rumäniens, der überaus charakteristisch ist. Es heißt hier u. a.: Aus allen Ecken und Enden unseres weiten Staates bläst ein giftiger Wind, der die Revolte ankündigt. Am Himmel entstehen immer sichtbarere Zeichen, die den nahen Sturm ansagen. Die Staatskasse ist vollkommen leer, und jeden Tag erfahren wir von neuen Hohlräumen im Staatsbudget. Von ollen Seiten hört man un-zufriedenes Murren. Die Unzufriedenheit hat sich im ganzen Staate angesiedelt. Die politischen Führer, die alles sehen und alles versuchen, wissen heute, daß nur noch ein Wunder den rumänischen Staat vor dem völligen Zusammenbruch retten kann. Trotzdem rührt sich aber niemand und niemand will etwas unternehmen. Es scheint, als ob alle nur niederzureißen verstünden, nur zu zerstören, nicht aber aufzubauen. Aufzubauen versteht niemand! Aus Stadt und Land Wegen der Feiertage am 28. und 2S. d. M. entfällt die nächste Donnerstag» nummer der Deutschen Zeitung. Statistik der Motorfahrzeuge im Drau- banat. Im Jahre 1931 gab es in unserem Banat 2377 Automobile von 90 Marken, darunter Ford 486, Fiat 390, Ehevrolet 293 und Opel 124. Die Kraftwagen verteilen sich folgendermaßen: 1065 Personenautomobile, 179 Autobusse, 16 Rettungs-automobile, 36 Feuerwehrautomobile und 734 Lastenautomobile. Die Ursprungsländer reihen sich folgendermaßen aneinander: Vereinigte Staaten mit 1037 Wägen (23 Marken), Italien mit 444 Wägen (11 Marken», Deutschland mit 395 Wägen (24 Marken) und Oesterreich mit 256 Wägen (10 Marken). Motorräder liefen im vergangenen Jahre 1122 Solomaschinen, 198 Beiwagenmaschinen, zusammen 1320. Nach den verbreitetsten Marken gibt es in unserem Banat Motorräder: BSA 237, Puch 225, Harley Davidson 124 und Zndian 89. Der frühere Deutsche Kaiser Wil-Helm II beabsichtigt angeblich, nach Deutschland zurückzukehren und in Eoburg seinen Wohnsitz zu nehmen. Beschlagnahme des Vermögens de» spanischen Exkönigs. Der spanische Finanz-minister hat eine Verfügung erlassen, demzufolge alle in Spanien befindlichen Vermögen«teile des früheren spanischen Königs Alfons XIII. beschlag-nahmt werden. Chronische Entzündung heilt man mit Tisaker Mineralwasser: darum benüven Sie eS in solchem Falle. Sine amerikanische Schiebung. Im Boimatch um die Weltmeisterschaft zwischen dem deutschen Weltmeister Schmeling und dem Ameri-kaner Sharkey wurden von 15 Runden 7 Runden Sharkey zuerkannt, während 4 Runden als unentschieden bemerkt wurden. Es handelt sich hier um eine ausgesprochene Schiebung von Seite der Schiedsrichter, was auch der größte Teil der 75.000 Personen zählenden Zuschauerschast durch den empörten Aufschrei „Robben)" (Schiebung) aussprach. Sogar der anwesende Bürgermeister von Newyork Walker erklärte den „Sieg" Sharkeys als unverdient. Weltmeister Schmeling war seinem Gegner dermaßen überlegen, daß ihm dieser immer davonlief. Die Einnahmen des Borkampfes betrugen 500.000 Dollar. Davon erhielt der „Sieger" Sharkey die Kleinigkeit von 200.000 und der „Besiegte" Schmeling „nur" 50.000 Dollar. Vei Herzleiden und Adernverkaltung, Neigung Gehirnblutungen und Schlagansällen sichert da* natürliche „Aranz-vlosef"-Bitterwasser leichten Stuhlgang ohne An-strengung. Wissenschasiliche Beobachiungen tu den Klimlen für Krankheiion der Blutgefäße haben ergeben, daß das i?ranz-Iosef'Waffer namentlich älteren Leuten sehr ersprich' liche Dienste leistet. TaS Zranz ^osef-Bitterivasier ist in Apo-chcten, Drogerien und Spezereihandlungen erhältlich. Ceije Einschreibung in die deutsche Minder« heitenschulabteilung. Die Einschreibung für die erste Klasse findet für das Schuljahr 1932/33 am Montag den 27. Juni 1932 von 10 bis 12 Uhr im Sitzungssaale der städtischen Volksschule l. Stock statt. Eingeschrieben werden jene Schüler, die ein Recht auf den Unterricht in der Minder-hettenabteilung haben, und bis zum 31. Dezember 1932 das 7. Lebensjahr vollenden. Mitzubringen ist der Taufschein, Heimatschein und ein Ausweis des Amtsarztes der Schulpoliklinik, daß sie zum Unterrichte geeignet sind. Diese Einschreibung findet nur jetzt statt und wird später nicht wiederholt. Schwäbisch • deutscher Kulturbund — Konzert Ernst Hudemann-Rose. Ein ernster Künstler, begabt mit einem mächtigen Bariton und hoher KuUur des Geistes und Herzens. Es muß ein Erlebnis sein, Hudemann als Oratoriensänger zu hören. Auf seiner Reise durch unser Land, welche von großen Erfolgen begleitet ist und sogar zu einem Radiokonzert in Zagreb führte, stellt sich der Künstler die Aufgabe, vor allem alte seilen gehört« Meister vorzuführen. Hiebei beobachtet Hudemann das höchst nachahmenswerte Verfahren, jedem Ge-fangsvortrag eine Erläuterung de« Gedichtes vor-angehen zu lassen. Unsere Konzerte wären viel fesselnder und verständlicher, wenn dieses Verfahren allgemein würde. Hoffentlich macht Hudemann auch darin Schule. Begleitet wird der Sänger von Frl. Rose, einer jungen vorzüglichen Pianistin. Es ift kaum glaublich wieviel Schätze es da gibt, die zu Unrecht vergessen und verstaubt im Winkel liegen. Wie interessant ist es zum Beispiel zu hören, daß das Lied „Abschied von Innsbruck" wahrscheinlich von Kaiser Mai dem letzten Ritter gedichtet und von seinem Hofkomponiften Heinrich Jsaak 1475 in Töne gesetzt wurde. Ein Protestant wird aufhorchen, wenn er vernimmt, daß einer der berühmtesten evangelischen Choräle dem auch I. S. Bach in der Matthäus - Passion einen glorreichen Platz ange-wiesen, von Hans Leo Haßler 1601 auf ein welt° liches Liebeslied „Mein Gemüt ist mir verwirret" komponiert wurde. Wunderbar wie Hudemann den keuschen Stil dieser alten Sachen beherrscht. Wie schön ist die Weise von Beethovens erstem Lehrer Christian Gottlieb Neefe zu Klopstocks berühmten Gedicht „Die frühen Gräber". Das Opferlied von Beethoven, welches mit den gleichen wuchtigen Ton-schritten beginnt, wie Beethovens „Ehre Gottes in der Natur", soll, wie Hudemann erzählte, von Beethoven selbst sehr hochgeschätzt worden sein. Uns find allerdings noch schönere Lieder des Meisters Nummer 50 . Deutsche Zeitung Seite 5 bekannt, die aber wahrscheinlich erst nach dem Opfer-lfed entstanden sein dürften. Großartig wie alles von Bach, ist auch sein Lied „Wie wohl ift mir. o Freund der Seelen". Eine Gruppe Brahms und Schubertlieder führten uns in die neue Zeit. Be-sonders gefiel uns das Tambour-Liedchen von Brahms mit seiner charakteristischen Begleitung. Freilich haben Loewe (Trommelständchen, Nächtliche Heerschau) und Wolf (der Tambour), gerade das Trommeln noch besser verstanden als Brahms. Ueber „Prinz Eugen" von Loewe ist weiter nichts zu sogen, es ist ein unerhörtes Meisterwerk und wurde von Hudemann auch meisterhast vorgetragen. Die Klavierbegleitung hätte vielleicht etwas schärfer im Rthytmu», soldatisch straffer sein können. Wir erinnern uns da an Dr. Potpeschniggs wundervoll rhythmische Begleitung dieser Ballade mit ihren nächtlich verhallenden Fermaten. Die „Teilung der Erde", machte uns mit einer Vertonung des be-kannten Schillerschcn Gedichtes durch den musika-liichen Jahresregenten von 1932 Josef Haydn bekannt. Diese Komposition zeigt uns schon den ganz großen Haydn. Das wundervolle Charakterisierungs-vermögen, welches Haydn hier an den Tag legt, nimmt schon die Balladenkunst Loewes vorweg. Und was soll man zu Goethes ..Beherzigung" in der Vertonung von Johann Friedrich Reichhardt sagen. Wie ist es möglich, daß so großartige Sachen ganz in Vergessenheit geraten können? Die einzige Erklärung wäre noch, daß nach Reichhardt, Zelter und wie alle die alten Liedmeister heißen mögen, gewaltige Künstler wie Schubert, Schumann, Loewe, Hugo Wolf gekommen sind, die alle vorangegangene Lyrik in den Schatten stellen mußten. Jedenfalls ist es höchst dankenswert, uns einmal auch etwas von den alten Lyrikern zu singen, an deren Klängen sich Goethe erfreut und erbaut hat. Mit dem Cantus von der „edlen Musik" des Benediktiners Rath-geber, einer erquickenden Lobpreisung der edelsten aller Künste, schloß der Abend. Es waren Stunden echter deutscher Kultur und die verhältnismäßig zahl-reich erschienene Zuhörerschaft dankte Herrn Hudemann und seiner vortrefflichen Begleiterin immer wieder in herzlichster Weise und er zwang sich Zugaben so z. B. das drollige Liedchen „Die Henne" nach einem Gedicht des lieben alten Mathias Claudius und das hessische Volkslied vom „Furchtsamen Jäger." Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 26. Juni, müssen die Gottesdienste entfallen, da der Pfarrer in Ljubljana und Jesenice amtiert. Am Vidoodan, dem 28. Juni, findet um 8 Uhr früh Schulgottesdienst und um 10 Uhr Staatsfeiertags-gotlesdienst statt. Für Sonntag, den 3. Juli, ist ein Waldgottesdienst in Ausficht genommen. Tragischer Tod eines aus Eelje stammen-den Diplomaten. Der erste Legationsrat der jugoslawischen Gesandtschaft in Wien Herr Dr. Stanko Erhartic, der am vergangenen Montag von einem Besuch bei seinen Eltern in Celje mit seinem vor einem Monat erworbenen Auto nach Wien zurück-fuhr, verunglückte in der großen Allee bei Gloggnitz am Semmermg, als er einem anderen Auto vorfahren wollte. Sein Wagen geriet in den Straßengraben, wurde hier noch gegen 20 Meter weitergeschleuderl und überschlug fich im Anprall an einen Straßenstein. Dr. Erhartic und seine Gemahlin wurden heraus-geschleudert, wobei der erstere einen Bruch des Schädels und eine Zerdrückung des Brustkastens erlitt, während die Frau mit leichteren Zerschnei-düngen des Gesichts und Hautabschürfungen am Kopfe davonkam. Die Verunglückten wurden in ein Sanatorium in Wiener-Neustadt gebracht, wo aber der Legationsrat schon um 2 Uhr nachts den schweren Verletzungen erlag. Dr. Erhartic war erst 40 Jahre alt und ist ein Sohn des in unserer Stadt lebenden Gerichtsrates i. P. Herrn I. Erhartic. Er hinterläßt zwei Kinder im Aller von 3 Jahren und 8 Monaten. Die Leiche des Verunglückten wurde nach Celje überführt und am Donnerstag um 7» 4 Uhr nachmittags vom Bahnhof au» unter großer Teilnahme der Beoölkerung auf den Um-gebunassriedhof geleitet. Kranzablöse. Anstatt eines Kranzes für den verstorbenen.Herrn Dr. Stanko Erhartic spendete Herr Alfred Celan und Albina Filipcic aus Maribor der Frw. Feuerwehr u. Rettungsabteilung in Celje 200 Din. Auszeichnungen. Auf Antrag des Mi> nisters für soziale Fürsorge und Volksgesundheit hat S. M. der König die Banalärzte Dr. Ivan Rajsp, Dr. Emil Watzle und Dr. Franz Stein felser, sowie den Spitalsverwalter und Abgeordneten Ivan Prekorsek mit dem St. Savaorden 4. Klasse ausgezeichnet. Die Oberin der barmherzigen Schwestern im Allg. Krankenhaus in Celje S. Adeline Kumer wurde die goldene Medaille für staatsbürgerliche Verdienste verliehen. Die Maturitätsprüfung am hiesigen Realgymnasium haben im Junitermin nach-folgende Kandidaten und Kandidatinnen abgelegt: Franjo Artnal, Franz Bolkaj, Vladimir Cernigoj, Rudolf Fajs, Franz Frece, Karoline Gornik, Jo-hanna Jelen (befreit von der mündlichen Prüfung), Maria Kodric, Stephan Koren, Ladislaus Kozelj, Drago Kralj, Agon Kunej, Milan Langus (befreit), Christine Levc (befreit), Justin Oberzan, Theresia Okorn, Vladimir Pavsic, Tugomer Prekorsek, Josef Rednak, Wanda Rozman, Julius Saoelli (befreit), Olga ömigovc, Josef Tavsman, August Turnsek, Bruno Vatovec. Milica Pranjel, Vladimir Schwab und die Privatistin Maria Kersevan. Dank. Die serbisch pravoslave Kirchengemeinde in Celje dankt auf das herzlichste der Bevölkerung der Stadt Celje für ihre glänzende und zahlreiche Beteiligung am Empfange S. Heiligkeit des Pa-triarchen Varnava und bei der Einweihung unserer neuerbauten Kirche des hlg. Sava. Besonderen Dank richten wir an jene, die ihre Häuser mit Fahnen geschmückt haben und so unserer schönen Stadt Celje noch schöneres und feierlicheres Aussehen gaben. Ueber die neue serbisch-orthodore St. Savakirche, die am vergangenen Sonntag von Sr. Heiligkeit dem Patriarchen Varnava unter glänzender Assistenz hervorragender kirchlicher Würden-träger, in Anwesenheit politischer Führer des Staates und einer festlichen Volksmenge eingeweiht wurde, werden unsere Leser einige Daten gewiß interessieren. Die Kirche wurde im serbisch-byzantini-schen Stil nach den Plänen des orthodoren Kirchen-architekten Momir Kocunovic auf dem von der Ge-meinde geschenkten schönsten Grundstück der Stadt am Vrazov trg vom Jahre 1929 (Grundsteinlegung 1. September 1929) bis vor kurzem gebaut. Die Gesamtkosten für den Bau und die Einrichtung be-tragen 1,200.000 Din, der Wert der Kirche ist aber auf 1,800000 Din ZU schätzen, weil die Erbauer dadurch, daß sie alle Arbeiten und das gesamte Baumaterial in eigener Regie hotten, bedeutende Ersparnisse erzielten. Die Kirche ist mit dem großen Kreuz zusammen 28 Meter hoch, 25 Meter lang und 16 Meter breit; der Durchmesser der großen Kuppel mißt 9 Meter. Das große Kreuz ist 4 20 Meter hoch und wiegt 800 kg. Die Kirche hat 07 Fenster, die die Farben des Staates zeigen. Die drei Eingangstüren stammen aus der Werkstätte des Tischlermeisters Herrn Aodic in Vojnik. die Maurer-arbeiten leitete der Polier Herr Ivan Kresnik aus Vojnik, die Fassadenarbeiten und das Pflaster in der Kirche leistete der Maurer Herr Plecnik, die Glasarbeiten führte die Firma Jul. Weiners Nachfg. aus, den Plan für den Park um die Kirche, mit dessen Anlage im Herbst vom Verschönerungsverein im Verein mit der Kirchengemeinde begonnen werden wird, hat der Fachlehrer an der Landwirtschafts-schule in öt. Jurij Herr Vardjan ausgearbeitet. Der akademische Maler Herr Uroö Predit aus Beograd der größte Ikonenmaler Jugoslawiens, widmete der Kirche 8 herrliche Thronikonen, die einen Wert von über 100.000 Din darstellen. Der heimische Maler Herr M Modic und der ver-storbene Maler Stefanovic aus Sremski Karlovci stellten ihre Kunst ebenfalls in den Dienst der neuen Kirche und widmeten Ikonen. Die drei Kreuze auf den Kuppeln und die Eisenkonstruktionen der Fenster wurden in der Strafanstalt in Lepo-glava hergestellt, einige Altäre und Thronsessel in der Strafanstalt in Sremska Mitrovica. Als Bau-Material wurden verwendet 36 Waggons Zement der Marsen Colossus Supercement Split, Lavocat und Salona tour, 145.000 Ziegel. 1400 Schotter, 100 Dolomilsand. 80.000 kg Eisen und 640 m' Zinkblech. Auf zwei großen, in der Kirche angebrachten Marmortafeln, schön auege führt von der heimischen Firma Kullich, sind die Namen der Wohltäter eingegraben, die in Material oder Bargeld mindestens 1000 Din gestiftet haben. Wir finden darauf auch deutsche Spender in ver-hältnismäßig sehr stattlicher Zahl vertreten. Mit dem Bau dieser Kirche, den der Stadtbaumeister Herr Jezernik ausführte, ist der orthodoien Kirchen gemeinschaft in Slowenien ein sehr schönes Werk gelungen, dessen Anfänge bereits auf das Jahr 1921 zurückgehen, in welchem Jahre fich der Kauf mann Herr Cvijo Zecevic mit einigen Freunden diese Aufgabe stellte. Seit dieser Zeit wurde von den jeweiligen Kirchenausschüssen zähe an der Durchführung gearbeitet und vor allem für die Ausbringung der Mittel Sorge getragen. Dies ge-schah zum größten Teil durch Sammlungen. AIs größte Sammlerin zeichnete fich Frau Sofia Koka aus Zemun aus, die im ganzen Staate über 100.000 Din zusammenbrachte. Hausbesitzer Achtung! Alle Hauseigen-tümer sind verpflichtet neue Mieloenräge auf den vorgeschriebenen amtlichen und gestempelten Formu-laren zu machen und zwar bis spätestens 1. Juli 1932. Wer dies nicht tut, wird mit einer empfind-lichen Geldstrafe bestraft. Deshalb macht der Haus-besitzerverein alle Hauseigentümer der Stadt und Umgebung aufmerksam, diese Verträge sofort zu machen und hat das Sekretariat des Gewerbeoereine« in Celje, Gledaliska ulica 9, Parterre links, ersucht, den Parteien in dieser Hinsicht an die Hand zu gehen. Das Sekretariat ist ab Samstag, den 25. Juni 2 Uhr nachmittags jeden Tag offen. Die vor-geschriebenen Vertragsformulare, die in allen Tra-fiken erhältlich sind, möge jedermann mit sich bringen. Einstellung der Kategorisierung. Das Arbeiterversicherungsamt in Ljubljana teilt mit, daß ab 1. Juni 1932 die Kategorisierung für Kellner, Kellnerinnen und Stubenmädchen in Hotels, Restaurationen, Gasthäusern, Kaffeehäusern, Wein-schenken, Auskochereien und Mensen ausgehoben ist. Deshalb werden die Lohnklassen für diese Per-sonen nach dem tatsächlichen Verdienste bestimmt werden. Das Amt ersucht alle Dienstgeber, welche olches Personal beschäftigen, bei allen Reuan-neidungen genau den Verdienst in Geld und Na-ura anzugeben. Unter den Verdienst fallen alle regelmäßigen Bezüge, auf welche der Angestellte nach dem Bestellungsvertrage Anspruch hat sei es Gehalt, Lohn, Wohnungsgeld, Trinkgeld, Kost usw. Die Lohnklassen für die schon angemeldeten Be-diensteten ändert das Amt selbst nach den Angaben n den Anmeldungen. Die Gastwirtebrauerei wird also doch gebaut! Mit Rücksicht auf verschiedene Ge-rüchte, denen zufolge in dieser immer schärferen Krisen zeit der Bau der Gast wirtebrauerei in La5ko ins Wasser fallen werde, obzwar man — viele meinten allerdings, dies hieße das Pferd beim Schweif aufzäumen — bereits ein hübsches Beamten- bzw. Verwaltungshaus errichtet bat, ist nach-folgender Bericht über die außerordentliche Haupt-Versammlung der Aktionäre am 21. Juni im Hotel „Savinja" in Lasko interessant, den wir im Aus-zug dem Ljubljanaer „Jutro" entnehmen: Präsident Herr Majcen wies vorerst alle Nachrichten zurück, die über die schlechte Wirtschaft des Verwaltung rates und über die Liquidierung der ganzen Aktion verbreitet werden. Gebaut wurde jetzt ein hübsches Verwaltungsgebäude, in welchem die Kanzleien des Unternehmens untergebracht werden. Auch der dringend notwendige Bierbrauer ist bereits angestellt, der die ganze Arbeit beaufsichtigt. In seinem techni-schen Bericht erklärte Ing. llhlir, daß man mit einem kleineren Kapital werde auskommen können. Nach den erhaltenen Rechnungen und Lieferunas-antröaen lasse sich das Aktienkapital von ursprünglich 15 Millionen auf 10 Millionen Din herabsetzen. Das Verwaltungsgebäude kostete 400.000 Din, Ma> schinen und Einrichtungen werden zusammen 3,500.000 Din, den Bau der Brauerei 2,500.000 kosten: für Gebinde und Lager sind 1,500.000 Din, als Be-triebskapital 2,000.000 Din vorgesehen. Aus dem Wirtschaftsbencht des Herrn Kramer ist ersichtlich, daß 11,46l.000 Din gezeichnet wurden, von denen sofort 15'98°/v des Aktienkapitals erlegt wurden. In Monatsraten sind ferner bisher 18-62'/» eingezahlt worden. Die Hauptversammlung beschloß, die Bau-arbeiten für die neue Brauerei und zugleich die Lieferung aller notwendigen Maschinen auszu-schreiben. Mit der Bierbrauerei wird auch eine Hefefabrik verbunden sein. Unglücksfälle. Samstag fiel der 62 jährige Keuschler Ivan Brecelj aus Liboje aus ziemlicher Höhe von der Leiter und brach sich dabei unter-halb des Knies das Bein. — In Straza bei Nova cerkev fiel der 35 jährige Besitzer Ivan Kosej so unglücklich, daß er sich das rechte Schlüsselbein brach Am Montag überfuhr ein Automobilist aus Ljubjana bei St. Peter im Sanntal den 9-jährigen Sohn des Besitzers Konrad Verbik und verletzte ihn schwer im Gesichte und am Körper. — Sonntag abends fuhren der Schuhmachergehilfe Martin Kozelj aus Ljubecno bei Celje und einer seiner Freunde zusammen auf einem Fahrrad. In Lisce stürzten sie, wobei sich Kozelj im Geficht schwer ver» letzte, wogegen sein Freund heil blieb. Alle Ver-unglückten werden im hiesigen Krankenhause be-handelt. Seite 6 Deutsche Zeitung Nummer 50 Ausgiebiger Diebftahl. Wie der bestohlene Schneidermeister Herr Mesko mitteilt, wurden ihm bei dem gemeldeten Einbruch Waren im Gewicht von 400 kg und im Wert von 82.000 Din gestohlen. Offenbar waren die Diebe zur Fortschaffung des Diebsgutes gleich mit einem Wagen angerückt. Die Diebe find wieder an der Arbeit. Vergangenen Samstag wurde aus dem Haustor des Hauses Nr. l l in der Kralja Petra cefta ein gelb-lackiertes Herrenrad der Marke „Styria" ge-Kohlen. — Montag Vormittag verschwand ein schwarz-Iackiertes Herrenrad Marke „Erita" aus dem Hofe der Bezirkshauptmannschaft. — In einer der letzten Nächte verschwand dem pensionierten Steuer-Verwalter H. Josip Moian in Zavodna einBienen-korb, gebaut nach dem besten System Hnidersic-Vor dem Ankauf der Gegenstände wird gewarnt- Freiwillig« Feuerwehr Seife, Telephon 9U. Den Woch«ndienft übernimmt am SS. Juni der ll. Zug. Kommandant: Priftouschct Josef. Maribor Einschreibungen in die Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache. Die Ein-schreibungen der Schüler und Schülerinnen in die 1. Volksschulklasse mit deutscher Unterrichtesprache findet am 30. Juni an der 4. Mädchenvolksschule in der Cankarjeva ulica statt. Laut Verordnung des Unterrichtsministeriums haben alle jene Anspruch zum Eintritt in die deutsche Schule, deren häusliche Umgangssprache die deutsche ist. Dies ist das einzig Maßgebende! Aufnahmsprüfungen am hiesigen klassischen Gymnasium. Samstag, den 25. Juni finden am hiesigen klassischen Gymnasium die Aufnahmeprüfungen ab 9 Uhr vormittags statt. Vom Donnerstag, dem 23. bis Samstag, den 25. Juni früh find die mit 5 Din gestempelten Gesuche bei der Direktion einzureichen. Der Geburts-schein und das letzte Volksschulzeugnis sind dem Gesuche beizuschließen. Von der Zulassung zur Prüfung sind Schüler mit schlechten Zeugnissen ausgeschlossen. Am Vidovdan und am Peter- und Pavel-Tag bleiben die Geschäfte gesperrt. Aus Mitteilung des Handelsgremiums müssen laut Verordnung der Banalverwaltung die Geschäfte am Vidovdan (28. Juni) während des Hochamtes in der Domkirche und zwar von 10 bis 12 Uhr geschlossen gehalten werden. Hierauf können diese jedoch ohne Mittagspause bis zum Abend offen gehalten werden. Am Peter- und Paultag bleiben die Geschäfte auf allgemeinen Wunsch der Kauf-Mannschaft gesperrt. Besitzwechsel. Der Elektrotechniker Herr Georg Recnik hat da«. Haus, Pobreska cesta 4 von Herrn Georg Roschanz um den Preis von 100.000 Din erworben. Herr Recnik gedenkt die beiden Häuser Pobreska cesta 4 und 6, die nun beide ihm gehören abtragen m lassen und an ihrer Stelle einen großen und schönen Neubau zu er-richten, wodurch das ganze Viertel dort ein ganz anderes Aussehen bekommen wird, da dadurch die Regulierung der Pobreska cesta in diesem Teile (Abtragung des Türkischen Hauses) nicht mehr gut verschoben werden kann. Die an der Straße „Pod mostom" gelegenen Häuser werden im Falle einer Regulierung der vorerwähnten Straße mindestens um 207o im Werte steigen, da sie durch die Ab-tragung des erwähnten Hauses aus ihrer Abge-schiedenheit herausgerückt werden. Sitzung des jugoslawischen Städte» Verbandes. Samstag fand in Zagreb eine Sitzung des jugoslawischen Städteverbandes statt, auf der der Bürgermeister unserer Stadt Dr. Lipold, der mittlerweile aus Beograd zurückgekehrt ist, die Stadt Maribor vertrat. Unter anderem ist dort auch das neue Gemeindegesetz auf die Tagesordnung gesetzt, was besonders für unsere Stadt von großer Wichtigkeit ist, da man in hiesigen komunalpolitischen Kreisen damit rechnet, daß das neue Gemeindegesetz eine Handhabe dazu bieten wird, die Randgemeinden dem Stadtgebiete einzuverleiben. Gestorben. Vergangene Woche ist hier die Gerichtsoffizialswitwe Frau Mary Golob nach kurzem schweren Leiden im 71. Lebensjahre ver-schieden. Im Laufe der Jahre hatte sie sechs ihrer neun Kinder zu Grabe tragen müssen. Eine Tochter und zwei Söhne stehen trauernd an ihrer Bahre. Von ihrem grundgütigen Herzen zeugt es, daß sie trotz ihres hohen Alters und ihrer schmalen Witwen- Pension zwei fremden Kindern, die ihr jur Pflege und Erziehung übergeben wurden, erne wahre Mutter geworden war, nachdem sich um diese nie-mand mehr kümmerte. Die herzensgute Mutter und kerndeutsche Frau war am städtischen Friedhos in Pobrezje in einem Blumenmeer aufgebahrt, daß ihre große Verehrung in ihrem Bekanntenkreis bewies. Samstag Nachmittag wurde die Leiche der Verewigten feierlich eingesegnet und im Beisein ihrer vielen Bekannten und Freunde zur letzten Ruhe bestattet. Plötzlicher Tod. Montag früh fand man vor dem Hause der 50-jährigen Antonia Lobanjsek in Rawanje den 40-jährigen beschäftigungslosen Kesselschmied Franz Kuncic tot liegen. Der Thesner Gendarmerieposten entsandte eine Patrouille an den Tatort, die folgenden Tatbestand konstatieren konnte. Kuniic hatte mit der Lobanjsek ein mehrjähriges Verhältnis, dem auch zwei Kinder entsproßen waren, um Heiraten konnte sie sich jedoch nie entschließen, ls die Kinder bereits größer geworden waren und der Mutter beim Verdienen behilflich fein konnten, wollte Frau Lobanjsek nun von Kuncic, nichts mehr wissen. Dies kränkte ihn sehr. In der Nacht vom Sonntag auf Montag erschien Kuncic wieder bei ihrem Hause und klopfte ans Fenster um Einlaß zu finden. Die Frau wollte jedoch davon nichts wissen, worauf Kuncic kurzerhand sich ge-waltsam durchs Fenster Eingang zu verschaffen wußte. Kaum in die Küche eingedrungen, kam es zum Streit zwischen den beiden, in welchem Verlauf Kuncic die Frau durch die mittlerweile geöffnete Türe ins Freie drängte. Nun rief Frau Lobanjsek um Hilfe. Auf ihren Hilfeschrei wurde ihr älterer Sohn Hermann wach, sprang aus dem Bette und eilte vors Haus. Dort fand er im Halbdunkel einen Mann mit seiner Mutter in Streit. Er versetzte dem Manne einen einzigen wuchtigen Schlag mit der Faust auf den Kopf. Das hatte genügt. Kuncic fiel sofort zusammen und blieb bewußtlos, wie man im ersten Moment angenommen hatte, liegen. Die durch das Geschrei angelockten Nachbarn nahmen nun im Verein mit den Insassen des Hauses Wiederbelebungsversuche vor, jedoch vergebens. Kuncic war bereits tot. Die Gendarmerie, die mittlerweile erschienen war, ordnete die Ueberführung der Leiche aus den Ortsfriedhof von Razvanje an, wo bereits die gerichtliche-Obduktion vorgenommen wurde. Der Fall hat im ganzen Orte, wo man vom Verhältnis der beiden Kenntnis hatte, Aufsehen erregt. Schrecklicher Tod eines Hirtenknaben. Am 22. Juni gegen 5 Uhr nachmittags kletterte in der Nähe von Limbus der 12'/,-jährige Besitzer-sohn Anton Klobasa aus Loznica, der auf einer Wiese an der Drau Kühe weidete, auf einen dort stehenden Fernleitungsmast des Elektrizität? wertes Fala. Das unglückliche Kind kann mit dem Hochspannungsdraht in Berührung und die Wirkung war gräßlich. Im Augenblick hing sein verkohlter Leichnam an Draht. Bedienstete des Aektrizitätswerkes Fala nahmen die Reste des Kindes von Draht henb. Am Fuße des Mäste» lag auch eine getötete Kuh, die an den durch das Unglück leitend gewordenen Mast ange-kommen war. UnglLcksfälle. Der 13-jährige Bub Mar Stampfer 'n Vurmat hatte die Zeit der Abwesenheit seines Vaters benützt und aus der Lade von Vaters Schreibtisch den geladenen Revolver genommen um zu spielen. E» dauerte nicht lange und Mai hatte einen Schuß abgefeuert, aber o weh, mitten durch seine eigene Hand. Er mußte daher ins Krankenhaus wandern. — Der 11 jährige Faßbinderssohn Rudolf Ziringer aus Razvanje wurde gleichfalls ins Kranken-haus überführt, er hatte sich an beiden Beinen mit einer Sense furchtbare Verletzungen zugefügt. Assentierungen sind schon seit jeher bei uns ein Grund, daß sich unsere Jugend in sehr illuminierte Stimmung versetzt. Der alte Kampfgeist der Untersteirer, den schon die Römer erkannt und für sich in Anspruch genommen haben, wird bei solchen Gelegenheiten bei manchen, nicht nur ge-weckt, sondern lodert zuweilen nur zu sehr auf. Ist dann gar noch Gelegenheit alte Rechnungen zu be-gleichen, so geschieht in der Regel ein Unglück. So war es auch am Freitag, dem 17. Juni in Ruse der Fall gewesen, als die als tauglich befindliche Jugend im Dorse Lobnica unweit von Ruse in einem dortigen Wirtshause kräftig dem bekannt vor-züglichen untersteirischen Weine zusprach. Bei solchen Gelegenheiten darf doch nie der Dorfmusikant fehlen, in diesem Falle war es eben der Arbeiter Anton Jurse aus Ruse der mit seiner Harmonika flott musizierte. Das Pech wollte es, daß^gerade er mit dem Rekruten, dem Bauernsohn Mirko Pe- nncic alle Differenzen hatte. Ein Wort gab das andere und ganz plötzlich gabs die unausweichlich« Keilerei. Jurse ahnte warum es geht und versuchte sich raschest aus dem Staube zu machen. Es währe ihm vielleicht gelungen, aber in diesem Falle hätte er seine ihm teure Harmonika opfern müssen. Diese inderte ihn an rascher Flucht. Im nächsten Moment atte er schon zwei Messerstiche in die Brust abbe-kommen und als er schwer getroffen zur Tür hinaus-wanken wollte, traf ihn noch ein dritter Messerstich von der wütenden Hand seines Gegners geführt in den Rücken. Er wankte ins Freie, aber schon nach wenigen Schritten brach er zusammen und blieb in einer Blutlache liegen. Der hievon ver-ständigte Ortsarzt von Ruse kam bereits einige Minuten nach dem Vorfall an Ort und Stelle, konnte jedoch nur mehr den Tod Jurses feststellen. Der Ermordete hinterläßt die Frau und zwei Kind«. Die Leiche wurde in die Totenkammer des Orts-friedhofes gebracht, wo sie einer Obduktion unter-zogen wird. Als die Anwesenden das Unglück das nun angerichtet war gesehen hatten, verrauchte augenblicklich der Wein und sie verstreuten sich rasch in alle Windrichtungen. Tags darauf hatte aber bereits die Gendarmerie den Mörder ausgeforscht und dem hiesigen Kreisgericht eingeliefert, wo er seiner wohlverdienten Verurteilung entgegensieht. Freispruch. Wegen des Verdachtes kommu-nistische Propaganda betrieben zu haben, standen Mittwoch folgende Personen vor dem großen Senat des Kreisgerichtes in Maribor: Johann Golob, Gärtner in Gustanj: Johann Kuhar, Bauernsohn aus Kotelj; Franz Voh, Arbeiter in Gustanj; Anton Uran, Bauernsohn aus Zg. Vizing und Elisabeth Srebot. Arbeiterin in Kotelj. AU Verteidiger fungierten die Rechtsanwälte Dr. Müller. Dr. Stefanovic, Dr. Stor und Dr. Kerschbaumer. Sämtliche Angeklagten wurden freigesprochen. Grenzverkehr. Der Verkehr über unsere Nordgrenze war im Monate Mai trotz der valuta-rischen Schwierigkeiten stärker als im April. Dies wird vornähmlich dem Zuzug der ersten Sommer-frischler zugeschrieben. Ueber Maribor allein kamen die schöne Anzahl von 7812 Fremden über die Nordgrenze. Weitere 2962 Fremde, die in unsere Stadt kamen, waren jugoslawische Staatsbürger. Im selben Monat verließen unser Staatsbereich über Maribor 9736 Personen. Als unheimlich frecher Gauner ent-puppte sich dieser Tage der 25-jährige beschäfti-gungslose Arbeiter Walter Hicke aus Ribnica am Bachern. Er sprach in Kanzlei des Kaufmannes Weizenblum wegen Arbeit vor und benützte diese Gelegenheit um aus der Tasche eines bei einem Schreibtische auf einem Stuhle hängenden Rockes die Brieftasche zu ziehen und rasch das Weite zu suchen. Glücklicherweise bemerkte man kurz darauf den Abgang der Brieftasche, in der sich außer dem Reisepaß, noch 2000 Din in barem und ein Scheck auf 2000 Schilling lautend befanden, und setzte dem unglaublich stechen Patron nach. Angestellten des Kaufmannes gelang es bereits in der nächsten Gasse den Täter zu erwischen und dem nächstbesten Schutzmann zu übergeben. Die Polizei hofft, nach seinen Fingerabdrücken zu urteilen, in ihm einen langgesuchten kriminellen Typ erwischt zu haben. Verhaftung eines Hochstaplers und Heiratsschwindlers. Unsere Polizei hat wieder einmal einen guten Griff getan. Es gelang ihr einen Hochstapler und Heiratsschwindler zu ver-haften, der mehrere Betrügereien und Heirats-schwindeleien in Deutschland sich zu Schulden kommen ließ. So viel bis jetzt in Erfahrung gebracht werden konnte, hatte der Vogel bereits im März dieses Jahres Bayern unsicher gemacht. Dort war er als Graf Vladimir de Stroganov aufgetreten und hatte sich schließlich mit der Tochter eines angesehenen Kaufmannes verlobt. Bald ver-schwand er jedoch von dort nach Maribor, von wo er dem leichtgläubigen Kaufmanne schrieb und ihn n>m Verkauf seines dortigen Eigentums und zum Auswandern nach Dalmatien zu bewegen. Dem Kauf-manne stiegen schließlich doch Bedenken auf. Er fuhr nach Maribor und kam schließlich dahinter, daß er einem durchtriebenen Gauner aufgesessen war. Der Polizei gelang es schließlich den feinen Vogel in der Person eines gewissen in Pekre ge-borenen Karl Lesjal in seiner Wohnung in der Vrbanova ulica auszuforschen und zu verhaften. Der falsche Graf sitzt nun im „Hotel Graf", wie das Arreftlokal unserer Polizei noch heute nach einem früheren Schutzmanne scherzweise genannt wird. Polizeilicherseits rechnet man damit, daß wahrscheinlicherweise noch weitere Missetaten diese» Vogels das Licht der Welt erblicken werden. Nummer 50 Deutsche Zeitung Seite 7 21 Am alten Tor Erzählung au» der Mitte des vorigen Jahrhunderts Bon A. M. A a r l l n Die Feferl legte die Eier fein säuberlich auf einen Teller, trennte das Eiweiß ins Schneebecken, band eine frische Schürze vor und schleppte das handgeschriebene Kochbuch, eine Gabe des Tanterls, auf die breite offene Veranda. Obschon die Sonne noch als Goldflimmerstaub gleich gnädig auf den Hagebutten und den letzten Kohltöpfen des Gartens lag, war der Tag nicht gerade angetan, Kochvorbe-reltungen im Freien zu treffen, aber Vinzenz Laser würde auf dem Weg ins Bubenümmer die Ve-randa kreuzen müssen und Schnee schlug man kanntlich am besten in der Kälte. „Was tust du denn?" fragte Klara, die aus der Speisekammer fröstelnd zurück in die Küche eilte. „Ich les' hier bei besserem Lichte nochmals den Kastanienauslauf durch!" Der Oktobertag ging seinem Ende entgegen und das warme Goldflimmern war im frühen Abendnebel purpurtönig geworden. Klara gab sich zufrieden. Das Kochbuch war ein fesselnder Lesestoff. Vereint neigten sich die beiden hellblonden Köpfe darüber und Klara, als die Gewandtere, buchst»' vierte (denn 's Tanterl hatte ihre eigenen Ansichten über Rechtschreibung) — „Nr. 29. Kastanienauslauf: Treibe acht Loth Butter recht flaumig ab, niem' dazu zwölf Eier-dötter, und fein geflohene Mandeln, genug Zucker und auch Lemonienschalen und misch alles gut mit den genannten Eierdöttern: verrühr' lange, bafire ein Seidel gekocht« Kastanien durch ein Sieb. (Bemerkung: schau, das; es nicht nach Sardellen-butter stinkt!) unterzieh' alles locker mit dem Schnee und den Döttern, bach es oder steck es in Dunst!" „Was soll denn.basiren' bedeuten?" „Passieren! Durchquetschen!" erklärte die Klara als Kocherfahrenere. „Und baches bedeutet wohl ,back es'?" „Natürlich!" Klara flog zähneklappernd in die Küche zurück. Die Feferl dagegen blies sich erst einigemal? in die Hände und begann hierauf den Schnee zu schlagen, denn im Borfaal erklangen Schritte. So vertieft war sie, dah sie gar nicht bemerkte, wie der junge Mann auf der Schwelle des Ganges stehen lieb und zusah, wie sie sich gewandt dahin und dorthin drehte, wie das scheidende Abendlicht über ihr Goldhaar hintanzte und wie lieblich rosig das Gesicht durch die Anstrengung geworden. Nun hob sie das glänzende Becken über das Haupt und lachte. Der Schnee war hart und ebenso fest schienen die Brüste, die so schön gerundet im Samt des Leibchens steckten. „Guten Abend . . Feferl!" sagte er leise, den Hut lüftend. Sonst hatte er immer nur „Fräulein Senko" gesagt. „Ach wie Sie mich erschreckt haben! stammelte die Feferl scheinbar sehr verwirrt, die ganz genau aewußt hatte, wie lange er in ihren Anblick ver-sunken dagestanden hatte und auch was er sich dabei hauptsächlich gedacht haben mochte. Man hebt ein Schneebecken nur übers Haupt, wenn man weiß, daß die Vorderlinie eine gefällige ist. „Wirklich?" fragte er so zärtlich, als ob er ihr aus Versehen auf die Hühneraugen getreten. Er nahm ihr das Becken aus der Hand und stellte es auf den Tisch. Mit seiner Rechten umschloß er Feferls kalte Finger. Aus dem Studierzimmer erklang nun der Zipperlpolkatanz, musterhaft vorgetragen. Miko spielte den Instruktor in den Betäubungszujtand, in den der indische Fakir seine Schlangen versetzt und sie dadurch unschädlich macht. Emilius und Tiko, beide auf dem Studiertisch sitzend, massierten sich gegen-seitig die Köpfe von außen anstatt von innen mit ihren Vokabelheften. „Feferl, ich hab' die Stelle beim Friedauer Kreisgericht erhalten und darf nun endlich sprechen. Ich glaube Sie wissen ... ich vermute, du weißt, daß ich dich seit langem schon liebe . . . Unten im Hof, in den die Schatten in ge-schlossenen Reihen stiegen, roch die alte Marketenderin an einem Bündelchen Pfefferminz, nahm ein paar I Wäschestücke von der Leine unweit des Brunnens und sang mit ihrer heiseren Stimme, die ganz an die eines ausgedienten Soldaten erinnerte: „Wenn sich Herz und Mut tut laben, Muß die Rasn auch was haben!" aber in Wahrheit war das die stillschweigend aner-kannte Warnungshymne für die Leute im ersten Stock und meldete einfach den Richter an. „Der Vater!" rief die Feferl und schlug mit beiden Fäusten auf die Türe des Studierzimmers, in dem sofort die Zipperlpolka verstummte und einem Gemurmel griechischer und lateinischer Vokabeln Platz machte. Vmzenz Lasers unausgesprochen gebliebene Frage beantwortete die Feferl nur mit den Augen, immerhin beredt genug, um zu einem flüchtigen Kuß Anlaß zu geben, dann ergriff sie das Schneebecken und flog der Küche zu, wo sie Btagd und Schwester durch die gleiche Warnung in Verwirrung setzte. Ms der Richter eine Minute später den Kopf zur Küchentür hineinsteckte, fand er drei sehr höfliche Mädchen, sehr vertieft in ihre Arbeit vor. Feferls Wangen glühten hochrot — kein Wunder! Das liebe Kind stand ja über das Herdfeuer geneigt. Der Umstand, daß seine Frau zufällig nicht daheim war, bekümmerte ihn nicht sonderlich. In den mehr als fünfundzwanzig Jahren ihrer Ehe hatten sie sich alles Nötige gesagt und noch vieles darüber hinaus, was ebenso gut verschwiegen ge-blieben sein würde. Er warf noch einen Blick in das Studierzimmer der Knaben, fand alles in Ordnung und nur Sebastian Jpapowitjch's Haar unglaublich fett-glänzend. So ging er langsam in das Speisezimmer zurück, machte Licht und vertiefte sich in seine Akten. Allerheiligenstriezel Der Himmel war eintönig hellgrau. Schnee lag in der Luft. Wie aufgepflanzte Besen standen die Pappeln. Das spärliche Blattwerk an geschütz-teren Sträuchern rollte sich fröstelnd zusammen; über die Schütt liefen einige Kinder, die Hände unter den langen Aermeln zurückgezogen. Die rötliche Erde hastete schwer an ihrem Schuhwerk. Im Schilderhaus vor der Burgkaserne stand ein Soldat mit einer bläuelnder Nase. Im Hause am Laibachertor saß die Urscha — älter, runzeliger, wortkarger — auf dem Stuhl vor dem Windhosen und putzte die Messingsachen: die Kupferpfannen, das Schneebecken, den Mörser. Sie Glitzerten schon von der wechselnden Flamme des tienspans getroffen. Zu Weihnachten würden sie alle wieder zu Ehren gelangen. Manchmal krachten die Dielen. Sie krachten gar häufig in dem alten Haus, doch nur wenn ein Türschloß unerwartet zuschnappte, als habe eine unsichtbare Hand auf die rostige Klinke gedrückt, fuhr die Putzende zusammen. Die Zeit hatte mtt ihrem verwischenden Pinsel einen Anstrich nach dem anderen über das ursprüngliche Bild gezogen und nur ganz selten, an solch graufeuchten, regen- oder schneeschwangeren Novemberabenden gedachte sie noch der Frau im altmodischen blauen Kleide und des kleinen Mädchens, Slavia von Gieseck hatte samt der geheimnisvollen Perlenschnur die Sannstadt auf immer verlassen. Nie besuchte sie ihre Mutter und selbst Johanna Ranner hörte höchst selten von ihr. Sie war glücklich in ihrer Ehe und der einzige Schatten war ihre unerklärliche Kinderlosigkeit. Wenn es ein wenig Kummer brachte, so schloß dies andrer-seits die Gatten fester aneinander. Frau von Gieseck aber verblieb wie eine Schnecke im eigenen Haus. So vergaß die Urscha langsam Vergangenes und beachtete kaum das Ge-aenwärtige. Jeder Tag brachte das Seine. Das Altgewohnte hielt sie im Zaum, trieb sie von der Kirche zur Küche, von da durch die Zimmer zur Küche zurück und zwischen dem Aufbauen für die nächste Welt und ihren zahlreichen einfachen Pflichten in dieser übersah sie den Flug der Jahre und das Welken des Mädchens, das aus dem Erzogenen zur Erziehenden geworden war und bei dem mit dem Entrollen der Jahre der wehmütige Zug um den Mund und der Höcker wuchsen. Ptui Stadlmay-Abend. Dienstag, den 14. Juni, fand im Vereinshaussaal der angekündigte lustige AloisStadlmay-Abend statt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Stadlmay brachte diesmal auch eine Menge Paradoxa, d. h. kühne (paradoxe) Behaup-tungen, die durch ihre seltsame Fassung auffallend und sogar dem gesunden Sinn widerstreitend er-scheinen^ bei näherm Eingehen aber sich als wahr und wohlbegründet zeigen. (Nach Rousseau sind Paradoxa Wahrheiten, die hundert Jahre zu früh erscheinen). So z. B. ist es paradox, wenn ein Spitz sich mopst oder wenn eine Kuh einen Ochsen an-stiert. Paradox ist es auch, wenn ein Kaufmann aus dem Süden nach dem Osten kommt und mtt Westen handelt. Oder: wenn ein Goethedenkmal durch die Bäume schillert. Oder: wenn eine Dame fich mit ihrem Nacken brüstet. Ich aber füge diesen Para-boxen des lustigen Alois Stadlmay noch eines hinzu: Saradox ist es auch, wenn in Ptuj ein Stadlmay-lbend angekündigt und trotzdem abgehalten wird. Jawohl! Am 7. Mai hätte er bereits stattfinden sollen, dann am 11. Juni und dann am 14. Und, oh Wunder: an diesem Tage hat der Abend (schon wieder ein Paradoxon!) tatsächlich stattgefunden. Zufall? Einerlei. Ich habe Staolmay längst schon verziehen. Denn auch ich bin schon des öfteren un-entschuldigt fortgeblieben, damals, als ich noch die Mittelschule bezog.--— Wenn Alois Stadlmay zum Vortragstisch schreitet, dann spürt man, wie irgendwo im Herzen der Alltag versinkt und ein blauer Himmel seine Herrschaft aufrichtet. Auch diesmal war es wieder ein Abend so recht zum „Ausspannen". Stadlmay stellt keine geistigen An-fordemngen, verlangt keine „Einstellung", nur Lach-dereitschaft, deren geringste Ansätze er gleich beim Austreten geschickt hervorkitzett und zu fröhlichster Laune steigert, die er den ganzen Abend lustig fest-zuhalten versteht. Ob nun der „glückliche Ehemann" — er tut was sie will und sie tut was sie will, also „immer schön nachgeben" — aus seinem Tage-buch vorliest oder ein altes Weiblein so köstlich lebensecht vor Mädchenhändlern bangt, der Spott Stadlmays ist so liebenswürdig, so befreiend, daß alt und jung in die Frohsinnssymphonie mit ein-stimmen müssen. Und wenn Stadlmay, dieser kulti-vierte Spaßmacher, seine echt „weanensche" Berufs-bettlerphllosophie entwickelt oder das Zwiegespräch einer angealterten Mama mit ihrer unerfahrenen Tochter kritisch beleuchtet — die Mama: „eine des-sere Zett zur Paarung als den Frühling gibt es nicht". Darauf die Tochter: „Ja. Mama, was soll ich dem machen?" —, da gibt es ein unaufhörliches Unisono des Lachens. Und man steut sich immer wieder über die lächelnde Weisheit, mit der der Humorist das bunte Mancherlei durchleuchtet, Span-nungen auslöst. Dialekte meistert, und wenn von einen Geschichteln und Spässen auch manche schon ehr altbekannt sind (wie z. B. der Universal-Simul-an-Radioapparat, der den gleichzeitigen Genuß von >rei Sendern, und zwar Berlin, Prag und Sinnabel-kirchen vermittelt), so bringt er sie doch immer wieder zu neuer Wirkung und lautem Lacherfolg. Aber auch etliche Neuigkeiten wies das Programm auf, da-runter die in ihrer Schlichtheit erschütternde „Ge-schichte vom Storch" und die polternd« „Bauern-predigt". (Früher hieß es: Glaube, Liebe, Hoffnung. Heut aber ist's umgekehrt: zuerst liebt sie, dann kommt sie in die Hoffnung und zuletzt muß sie dran glauben".) Den stärksten Eindruck aber machte wohl-die „sehr interessante Liebesangelegenheit" in Lie-dern, die auf Stadlmays eigenem Boden gewachsen ist. Und deutlich war hier wieder zu erkennen, daß Komik letzten Endes weiter nichts ist als eine Wir-kung des Kontrastes. Und eine weitere Ueberraschung brachte uns dieser Abend. Er beherrschte uns (im Einakter „Auf der Alm da gibt's ka Sünd . . .") ein Wiedersehen mtt Frau Jultschi Selinger. dem reizenden und unvergessenen Liebling der Theater-gnippe des Gesangvereines der deutschen Minderheit Ptuj. Frau Jultschi Selinger zeigte wiederum ihre ursprüngliche Freude am Thcaterspielen. Ein feines, kultiviertes, von allen guten Geistern erfülltes Spiel, die gepflegte Sprache (für eine Sennerin zwar nicht zutreffend!) und wohllauterfüllte Stimme, dazu eine wohlgestalte und geschmeidige Figur, die so staulich weich und beseelt schwingen kann: das alles wirkt harmonisch, fernab von jedem Getue. Frau Selingers Sennerin war wieder einmal ein Typus, der durch Anmut eroberte und den man ins Herz schließen mußte, und dies wohl hauptsächlich darum, weil Frau Selinger so gar nicht auf Aufdringlichkeit und Berechnung eingestellt ist. Ihr zur Seite bot Stadl-may beispiellos vergnüglich« Blödelei als Rosenstock, Seite 8 Deutsche Zeitung Nummer 5V Händler aus Wien. Alles Volltreffer, flott gespielt, ein beschwingtes Hin und Her von Wortwitz und Situationskomik. So konnte auch dieser Einakter seine Wirkung im ausverkauften Saale nicht ver-fehlen: Herzliches Lachen, frohe Mienen und eine noch lange nachzitternde heitere Stimmung, waren der schöne Erfolg. — patz — Ptuj beginnt zu paddeln. Währen» Maribor schon lange im Zeichen des Wassermanned steht und des Landraüentums müde ist — man braucht nur einmal das neue Bad auf der Felder-insel zu besichtigen, um m wissen, was den Mariborern zur „Wassersucht verholfen" hat — beginnt man nun auch schon in Ptuj allenthalben zu proben und zu rüsten. Die Ruderklubs aus Maribor und Ruse haben da neulich Wunder gewirkt. Sonntag vor acht Tagen gab's nämlich eine Faltboottegatta der beiden genannten Klubs nach Ptuj. Dichte Menschenmengen mit hochschlagendem Herzen wohnten der Veran-staltung oei. Die schlanken Drauwcllen taten mir damals leid. Lange bevor sie die bekannt sehnigen Gestalten (auch Damen waren darunter) heran-kajakerlten, waren sie den durchdringenden Blicken der Menge ausgesetzt. Immerhin: das Faltboot-fahren dürfte die Drau noch m>t stiller Ignoranz erdulden (die „Tonnen" eines Motorbootes hatte sie vor Jahresfrist energisch abgelehnt). Nur schade, dah bei solchen Anlässen immer etwas in Mitleiden-schaft gezogen werden muh: diesmal unsere Drau-fische. Die nächste Gemäldeausstellung in Ptuj wird vielleicht ein Bild des bekannten heimischen Malers Prof. Zirak bringen, das wahrscheinlich den Titel „Fische mit Fraisen" führen wird. Der Geschmack ändert sich. Was gilt jetzt noch der Fuhballrasen, wo doch die Faltbootfahrer au» Maribor und Ruse bei allen Pettauern, jung und alt. Plätscherbedürfnisse entfacht haben. Alles was jetzt irgendwie mit der Zeit gehen will, wird sich ein Kann kaufen. Ich freue mich schon auf die verschiedenen Richtungen des neuen Sportes: Dadaisten werden im Einbaun, fahren, sonnenfleckige Eingeborene der Badeanstalt und Drauinsulaner in „Seelentränkern" und die Stammtischrunde vom „IudennazI" wird sich ein Floh mit Eisbrechern anschaffen. (Wie wird sich da die „Rest" fteuen!) Die Rettungsgürtelaktien werden fabelhaft hausieren und die Gärtner werden nur mehr Wassermelonen anbauen. In Bälde wird man auch dann nicht nur mehr vom S. K. P., sondern auch vom Sportklub H^O sprechen. Ja, ja: auch Ptuj wird bald ganz im Zeichen des Wassermannes stehen: man wird den kleinen Kindern nicht mehr Luftballons, sondern Ohrenspritzen kaufen. - h. p. - Eucharistischer Kongres; in Ptuj. Am Sonntag, dem 26. d. M, findet in Ptuj ein eu-charistischcr Kongreh statt, an welchem sich vier De-kaneien beteiligen, darunter Ptuj, Zavrce, Bei. Nedelia und Ljutomer mit 32 Pfarren. Um '/,1V Uhr vorniittags hält der Domdechant Dr. Mai Araber, itrede. Um l/,10 Uhr wird der Fürstbischof Herr vor dem neuen Gebäude der Kmecka hranilnica die • StoPfld r. Karlin die Pontifikalmesse lesen. Nachmittag um 2 Uhr groher Umzug durch die Straßen der Stadt. Wie man weiter erfährt, beteiligt sich am Umzug auch eine grohe Anzahl der Umgebungs-feuerwehren, die den Festzug eröffnen werden. Er-wähnt sei auch, dah an dem Festzug sechs Musik-kapellen teilnehmen. Todesfall. Der 56-jährige Strahenauffeher Valentin Kopse wurde vergangenen Samstag bei seiner dienstlichen Arbeit auf der Straße in Med-vecah vom Schlage getroffen und war sofort tot. Wegen Bettelei verhaftet. Der im Jahre 1897 in Iosan Bezirk Udbine geborene und dort-hin zuständige Besitzer Vranic Zlija wurde wegen Bettelei verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. Bei ihm fand man einen Geldbetrag von Din 129.— den er sich in Ptuj zusammengesammeU hat. Sin roher Ueberfall. Am 18. d. M. machte eine Gesellschaft einen Ausflug nach Sv. Vid bei Ptuj. wo man durch den Alkohol aufgemuntert Ziemlich heiter wurde. Gegen 19 Uhr kam auch der sonst als sehr ruhiger Mensch bekannte Hausierer Sicenica Matej zu den im Freien Sitzenden, und bot wie schon üblich seine Ware zum Verkaufe an re-spektive machte er ein Spielangebot. Plötzlich ergriff einer der Gesellschaft den Korb und warf diesen ohne weiteren Grund auf den Boden. Aus dem Korbe fielen auch kleine Taschenmesser und so weiter. Der Dalmatiner, der auch etwas angeheitert war, wurde über dieses Vorgehen erbittert und ergriff eines der herumliegenden Messer und stellte sich dem Herren der ihm den Korb herunterwarf zur Wehr. Dies wurde natürlich für den Dalmatiner ein Ver-hängnis, die anwesenden Ausflügler 6 an der Zahl hatten sich mit Stöcken und dergleichen ja sogar mit einer Hacke bewaffnet und man schlug auf den wehrlos am Boden liegenden Dalmatiner zu. Der Mann erlitt höchstwahrscheinlich durch die Hacke eine 8 c», lange klaffende Wunde am Hinterteil des Kopfes und blieb bewußtlos am Boden liegen. Niemand der Anwesenden kümmerte sich um sein Leben, bis endlich der dortige Mechaniker Pernek mit einem Lastauto erschienen ist und diesen ins Spital überführte. Erst am Montag Vormittag kam der Verlebte teilweise zum Bewuhljein und wurde bereits gerichtlich einvernommen. An dem Auskommen des Verletzten wird, da auch eine Hirnerschütterung vorhanden sein muh, gezweifelt. Slovenska Bistrica Die Straße nach So. Martin wurde am 7. d. M. einer Kommissionierung unterzogen, da sie erweitert und hierdurch dem Autoverkehr dienst-bar gemacht werden soll. Gleichzeitig wird auch eine Verlängerung der Strahe bis zum Königin-Maria-Ferienheim yorgenommen werden. Für diesen Zweck werden die kgl. Banalverwaltung und der Bezirks-strahenausschuh einen Bettag von je 29.000 Din zur Verfügung stellen. Mit den Arbeiten wird dem-nächst begonnen werden. Das „Rotkrenz"-Kino bleibt heute Sonn-tag von wegen der Feuerwehrfeierlichkeiten geschlossen. Am Veitstage sowie am Peter- und Paulstage, dem 28. und 29. d. M., gelangt der amerikanische Film „Der Todesfeisen", em spannendes Abenteurerdrama im Milden Westen in 8 Akten, mit Fred Thomson, Nora Lane, Raoul Paoli. Do-rothy Ianis, AI Prisco, Wm. Eonrtright. Nelson Mc. Dowell, Raymond Turner u. a. zur Vor-führung. - Sport 6. K. Celje. Die vom S. K. Celje für den 3. Juli d. I. bestimmte grohe Sportveranstaltung gelegentlich der Eröffnung des neuen Sportplatzes, muhte wegen eingetretener technischen Hemmnissen auf den kommenden Herbst verlegt worden, wa» alle geladenem.Vereine zur Kenntnis nehmen wollen. 3. K. Catooec in Celje. Der hiesige Athletik Sportklub hat für Sonntag, den 26. Juni um 15 Uhr den Sportklub Cakovec zu einem Freundschaftsspiel eingeladen. Der Sportklub Cakovec ist von früher als äußerst harte und schnelle Mann« schaft bekannt und hat durch seine rasches Kombi-nationsspiel immer viel Sympathien und mehr noch Erfolge errungen. Athlettk hat sich nach den letzten Spielen, die infolge Spielermangels sehr schlecht ausfielen, einem intensiven, ernsten Training unter-zogen. Athletik kann daher das Spiel gewinnen, wenn seine Spieler mit dem nötigen Verantwort-lichkeitsgefühl antreten. KM m FrällZ Zintauer gibt im eigenen und im Namen sämtlicher Verwandten allen Freunden und Bekannten die tiefbetrübende Nachricht von dem Ableben seiner innigstgeliebten, guten Gattin, Frau Katharina Zintauer geb. Brosch welche am 24. Juni um 12 Uhr mittags nach längerem schwerem Leiden, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten im ÖX. Lebensjahre verschieden ist. Die irdische Hülle der teuren Verblichenen wird am Sonntag, 26. Juni um 4 Uhr nachm. in der Leichenhalle des städt. Eriedhofes teierlich eingesegnet und hierauf im Familiengrabe beigesetzt. Die hl. Seelenmesse wird Montag, den 27. Juni um 7 Uhr früh in der Pfarrkirche St. Daniel gelesen worden. Celje, den 24. Juni 1932. Justine Puschenjak geb. Wambrechtsammer gibt tiefgebeugt von unsagbarem Schmerze im eigenen und im Namen ihrer Kinder Louiec verehel. Thaller und Othniar Puaclienjalt Nachricht, dass sie am 6. d. M. nach 55 jähriger, denkbar glücklichster Ehe ihren innigstgeliebten Gatten, Herrn Alois Puschenjak und am 22. Juni ihren lieben, guten Sohn, Herrn Robert Puschenjak durch den Tod verloren hat. Zagreb, Radideva, den 24. Juni 1932. h,\, v v?.?M, M>> m $>.1 (■rosse Krankheit Epilepsie - Krämpfe ■ Fraisen ■ Fallsucht Dagegen hat sieh seit 20 Jahren Dr. 8chaefer'8 Epilepsnn bestens bowlhrt. Fernor als NorrcnberuhigungBmittel bei nertüsen Zustünden und Scblaflonigkeit. Piospektn durch: Apoteka St. Stjepanu Mr. M. FISTER, Osijek III e Geschulte Pädagogin mit deutscher, ungarischer, serbischer, französischer Nachhilfe und Klavier, sucht Stelle. Offerte erbeten an B. Fellner, Vriac (Banat) ViUonova 57. Schön möbl. Zimmer separierter Eingang, elektr. Licht, nebst guter billiger Hausmannskost und Klavierbenfitzung, bei besserer deutscher Familie, (ür alleinstehenden Herrn od. Dame sofort zu vergeben. Anzufragen Na okopih 11, 1. 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