Arettag den 29. Juni 1877. XVI. Jahrgiug Die „Marburger öntung" erscheint jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag. Preise — für Marburg: ganzjährig ö fl., halbjährig 3 fl., vierteljährig 1 fl. 50 kr. für Zustellung in» Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 3 fl., halbjährig 4 fl., vierteljährig 2 fl. JnsertionSgebühr S kr. pr. Zeile. Der Httresvorauschlag für 1878. Marburg, 23. Juni. Die Vorberathungen im Kriegsministerium ttder den Heeresvoranschlag für !d7tt sind beendet. Diese Forderullg beträgt zweiuudzwauzig Millionen Gnldeil mehr, als der Voranschlag für 1877, in welchem die Heereskosten aus 96 Millionen Gulden sich beliefeil. Oester-reich-Ungarn hätte demitach für das gemeinsame Heer allein — die Land,vel)r hilben und drilben also nicht mitgerechnet — im nächsten Jahre hundertundachtzehn Millioiten Gulden zu steuern! Diese Millionen werden jetzt freilich nur von den Abtheilungen des Kriegsministeriums begehrt, die kriegerische Zeit gestattet aber weniger als je, vom gemeinsamen Ministerrath eine Minderung zu hoffen. Und die Delegationei» ? Angenommen, jedoch nicht zugegeben: die Oesterreicher hätten Muth genug, so kühn und scharf zu streichen, daß die Ermäßigung fühlbar ist — so werden sie von den Magyaren überstiinmt, welche sich in ihren Großmacht-Phantasien für ein großes stellendes Heer um so leichter erhitzen, als die Brüder westlich der Leitha zahlen lnüssen. Setzen wir diesen Phantasien und dent lÄe-lltste der Militärpartei unsere nüchterne Berechnung entgegen, unsere mannl)aste Weigerung immer und überall, wo wir nach Verfassung und Gesetz reden tiiilnen und die Hand erheben dürfen . . . und wir sind eine siegreiche Partei, welche die Heeresordnung volksgemäß ändert. Wer aber dies nicht will, sei auf das Ende gefaßt — auf den wirthfchastlichen und politischen Untergang, auf die Vergewaltigung durch eine fremde, feindliche Macht. Die Vutsvtrpachtung und dir landwirthschastlichr Krists. Blicken wir in eiit landlvirthschaftliches Blatt, fo zeigt sich uns die merkwürdige Tt)at-sache, daß ausfallend viele Güter zu verpachten gesucht werden; zuerst geschieht das Verpachten hofweise und dann heißt es plötzlich: Die Herrschaften A. Z. sind zu verpachten. In einer Nttmnier der „Wiener landwirthfchaftlichen Zeitung" waren beispielsweise sieben Pachtanzeigen mit siebenunddrcißig Maierhöfen ausgeschrieben. selbst für den Fall, als sich wirklich für größere Komplexe Generalpächter senden sollten, werden viele Beamte dienstlos, alle Funktionäre aber verlieren ihre Posten, wenn das Besitzthum hofweise in Pacht gogeben wird. (Von einer parzellenweijell Verpachtung wollen wir gar nicht sprechen.) Welch' großes Unglück fiir einen Oekonomie-Bealnten, plötzlich oline Deputat und lAehalt dazustehen uitd sich vielleicht aus der Quote, welche ihm ein kleiner Pensionüfond zuweist, ernähren zu müssen, iveil er sich bei dein ülilichen kargen Gehalte nichts erübrigen konnte. Haben wir es nicht auch da init einer Krisiö zu thun, wenn in einer Nummer eines landlvirthschaftlichen Blattes allein 37 Maiereien znr Verpachtung ausgeschrieben werden? Wie viele Beamte werden allein hiedurch brodlos? — Für einen geleerten Geldbeutel mag es sehr angenehnl sein, von 6—7 Maierhöfen allein für abgelösten I''uullus instructus baare 1.00 000 Gulden und noch dazu eiilen hölieren Pacht» ^ illing, als die Wirthschaft und Industrie früher als Reinertrag abgeführt, herauszuschlagen. Dies ist verlockend — fürwahr; aber auch nur verlockend! Der betreffende Gruudbesitzer, der va glaubt, durch den Pacht dauernd mehr zu gewinnen, ist nicht gut nnterrichtet und schadet sich in hol)em Maße selbst. Zweiinal verpachten ist schlinnner als einmal unassekurirt abbreunen! Jeder nlir l)albwegs Bewanderte muß zugeben, daß mehrere in einer Hand sich befindende Güter nur in eigener Negie sich nachhaltig bewirthschaften lassen. Bei Allem, was in der Landwirthschaft geschieht, handelt es sich um eine bleibende Verbesserung des Bodens; der Pächter wird düngen und wird den Boden bearbeiten, wird sich, wenn er besonders willig ist, auch den Kontrollsorganen des Eigenthümers unterordnen — wird aber doch nie so wirth-schaften, wie es der Besitzer gethan hat. Kom-nlen schlechte Jahre, so hat der Besitzer seine liebe Noth itm den Pachtschilling, es kominen Bittgesuche um Nachläffe, ultd bewilligt er diesen Nachlaß ilicht, so hat er imuler init Pachtrückständen zu kämpfen; eü gibt wohl natürlich auch Pächter, welche d'en Pachtzins am Verfallstage aus den Tisch hinlegen — wo sind aber diese Kapitalsmenschen jetzt — gerade jetzt zu ftltden? Ein Großgrundbesitzer, der viele Beantte ullter sich hat, s^ll wohl auch an Humanität denken, abgeselien davon, daß. was wohl auch nicht imrner anzunehmen ist, die Beamten sich nach der Veröffentlichung der Verpachtungs-Anzeige gleich um einen anderen Poste»» uin-sehen; der Fleiß, die Ordnung weroen auf- A e lt i l r <> t o n. Der IrUltt vom Capitol. Von Fr. Ziegler. „Ein abscheuliches schmutziges Nest, dies Noni", sagte zn mir eiu denljcher Kaufmann, mU dein ich inich durch die Bevölkerung arbeitete, die, einer feierlichen Auffahrt des Papstes wegen, die Straßen füllte. „Und diese Menge von Bettlern", fuhr nrein Begleiter fort, „ich verstehe es nicht, daß ^ie aus Jtirem früheren Amte her nicht eine Wuth ^uf dies Gesindel hab^'n und nicht eiile stete Lust empftnden, es in eine Zwangsarlieitsanstalt zu stecken." „Anders lesen Knaben den Terenz, anders Hugo Grotius", dachte ich und fchwamm. während mein wackerer Landsmann von mir ge-treinU wurde, gelassen in den Wogen der bnn' testen Menge weiter, liis ich jenseits der Tiber eine Höhe erreichte, von der ich die ewige Staot zu nlenren Füßen ilberfehen und tnia^ ungestört den Gedanken '.überlassen konnte, die eiu Rückblick auf Jahrlausende an dieser Stätte in un. geheurer Fülle hervorruft. Wer nicht Rom von Jugend ans im Herzen getragen, seine Riesengeschichte nicht auf sich wirke» lassen, wer nicht mit seiner ganzen Bildung in dieser Stadt Wurzel!, von deren Hilgeln ein gewählter Herr» scher zum zweiten Male seinen Blick über niehr als zweihundert Millionen Menschen gebietend schlveifen läßt, der kann nicht anders empfinden, als meiil gnter Kaufmaun. Der enge Gesichtskreis, den ihm eine auf das Ztächste, aus das, was zum Erwerbe erreichbar ist, gerichtete Bildung, den ihn: der moderne Polizeistaat tnit allen feine»! '.L^edürf-nissen und Anstalteil gelassen, hat ihm den Blick, den Linn für das Allgenleine abge« stnmpft: er begreift darnni anch nicht, wie eine Negierung das Nächste und ^)totl)wendigste überfehen kann, weil er ebeii von den ungeheuren Jnteresfen keine Ahnung hat, die lveit über diefe engen Mauern hinausliegen und il)re Ketten um den Erdball schlageil. Was soll er dazu sagen, wenn die geist-lichen Richter gegen eiiieu Bermiether, der zwei Jahre lang keine Ältiethe bekommen, alif einjährige Nachsicht erkennen? Muß er nicht „Gewalt" rufen, wenn etliem Kasetier die Konzession entzogen iverdeii soll, weil er in feinein Lokal Zettel angeschlagen, woiiach er erklärt, in deinselben keine Bettler dulden zu ivolleii, ulld weil er damit gegen die christliche Liebe gesüiidigt? Wie kann ein Regiinent, das die christliche Tugend zuin Ausgangspunkt niinmt, deren öffentliche Verleugnung dulden! Für die Millionen Scndi, die noch hente zu allen lnög-licheii Fonds nach Roni fließeii, Fonds, an denen sogar die hinzurichtenden Delinquenteii Theil nehmen, ivelche ihre letzten Stunden in einer Stiftung und unter einer Brüderfchaft zubringeii, die sie als Familie ailf dem letzten Gange begleitet, für diese Millionen, welche wesentlich ein Tribut sind, den die Geinüths^ welt steuert, lassen sich doch nicht polizeiliche Anstalten in unserein Sinne gründen. Mit deren Errichtung ivürden aiich jeiie Fonds versiechen. In dem „non ist einc Walzr-lieit; dies reizende Stück Unordnung trägt seine Rechtfertigung^ in sich selbst, und dies Rom ist der einzige Fleck der Erde, auf dem sich Ruhe finden läßt vor den Nöthigungen der Gegenwart, der einzige Ort, an deni sich alle Mül;-seligen und Beladenen zusainnienfinden und, Rang, Ehrgeiz, Kainpf und Streit hinter sich lassend im uniuittelbareu Anschaueii der Vergänglichkeit aller Herrlichkeiten dieser Welt die Gelnechlichkeit unseres Daseins fühlend, sich als Mensch zn Metisch finden köni'en. „Das ist ein frecher Geselle", tvürde inan in jeder nordischen Residenz ausrufen, wenn ein Bettler sich in einem Cafö pfennigweife hören — da doch Jedem die eigene Zukunft beachtensiverther, als die eines Anderen. Es ist eine bekannte Thatsache, dab ein Pächter größtentheil» anders wirthschastet, als der Besitzer selbst, daß er mehr auf Reinertrag, aus Aussaugen der Wirthschaft losgeht, als auf die Erhaltung der Gebäude und Aecker. Darf man da nicht von der Entwerthung eines Gutes sprechen, wenn das Inventar, wie dies bei zu Ende gehenden Pachtverträgen konstatirt wird, statt guter neuer Geräthe und Maschinen, altes Gerumpel aufweist und wenn statt einer edlen Heerde, gemeines Landvieh, und statt gedüngten, geschonten Bodens, ausgesaugter, ausgeraubter vorgefunden wird? Ein einmal verpachtet gewesener Besitz hat an Werth viel verloren und kann ein zweites Mal nicht mehr »im denfelben Pachtschilling angebracht werden. Zur Geschichte des Tages. Die zweite Streitschrist Ungarns in der Ausgleichsfrage wird eine zweite Antwort von Seiten der österreichischen Deputation zm Folge haben. Möge diese Antwort eine geharnischte sein und lvenn dann beide Deputationen ihre Ausschüsse zur mündlichen Verhandlung entsenden, so mögen die Oester» reicher nicht so sehr betonen: „Wir können nicht!", als vielmehr vom Rechtsstandpunkte aus die seste Erklärung abgeben: „Wir anerkennen Eure Mehrsorderung nicht!" Die Ent» gegnung: „Wir tragen keine ungleiche Belastung mehr!" ist von dieser Ausgleichsdeputation, vom Ausschüsse derselben so wenig zu erwarten wie vom Reichsrathe selbst. Werden Bosnien und die Herzegowina von Oe st erreich-Ungar ll ^angeeignet", so kann die Militärpartei aus neue Kräftigung hoffen. Die maßgebenden Kreise, zu welchen der Reichsrath leider nicht gehören will, hegen den Plan, die Herzegowina und Bosnien als Reichsland verwalten und dem Kriegsministerium unterstellen zu lassen. Serbien muß zur Betheiligung am Kriege sich entschlossen haben, denn sonst wäre nicht zu begreifen, warum auch die ganze Miliz erster Klasse — 72,117 Man,» mit 224 Geschützen — zum Ausmarsche bereit steht. Oesterreich-Ungarn hat bekanntlich diese Mitwirkung als eine Veranlassung bezeichnet, selbst „in die Aktion" zu treten. Rußlands weitgehende Pläne ersehen wir aus dem Aufgebot seiner Wehrmacht. Von sechzehn Armeekorps befinden sich bereits einige Groschen zusammenbettelte und dann, mit bescheidener Würde eine Tasse fordernd, unmittelbar neben dem Mildthätigen seinen Trank schlürste. In Rom geschieht das alle Tage. In der alten Raee seiner Bevölkerung sind körperlich sogar die Abstusungen mehr ausgeglichen; es gibt keinen wesentlichen Unterschied außer dem zusälligen des Vermöges, der hier nicht drückend isi. 'wo der Nachfolger Christi weilt, welcher den Reichen das Himmelreich so weit riickte, ja sast unmöglich machte. Man lernt hier RückertS Worte verstehen: „Ich bettelte bei dem, der bettelt heut', Und unser Beider mag sich Gott erbarmen." Diese Andeutungen werden genügen, sind aber, wie .ich glaube, nothwendig, um dem Leser etwas von der Stinnnnng zu geben, die an einer einfachen Geschichte Interesse und sogar Glauben an sie stndeil läßt, so unbedeutend auch in ihrer heutigen Stellung die Person ist, an der sich das Stück Leben abwickelte, und so dunkel und räthselhaft selbst diese Geschichte sttr uns Nordländer bleiben muß, die immer Gesetz und Recht, Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Hand haben und sich darum von der Kritik und der Anzweiflung solcher Erlebnisse nicht lossagen können, wenn auch neun auf rumänisch-türkischem Boden und sollen dieselben in nächster Zeit noch durch zwei vermehrt werden. Diese Verstärkung ist schon die vierte, seit die Vorhut des russischen Heeres den Pruth überschritten. Die Kurden unter Hussein Beg hatten vor der Kriegserklärung in Erzerum ihre Treue uud Ergebenheit der Pforte zugesichert, Waffen und fttnfzigtaufend Pfund Goldes empfangen lind zogen dann zehntausend Reiter stark zu Hilfe. Nach dem Falle von Ardahan gelang es Rußland, diesen Stamm so zu gewinnen, daß sich Hussein Beg nicht blos von der Türkei losgesagt, sondern auch die Waffen gegen dieselbe kehrt. Vermischte Ztachrichte». (Feinde der Landwirthschast. Der Kartoffelkäfer.) Der Kartoffeloder Koloradokäfer, mit welche»» Ainerika abermals unsere Kulturen bedroht, ist dieser Tage aus einem Kartoffelfelacker zu Mühlheim am Rheine (i»n badischen Oberlande) in allen Stadien der Entwicklung angetroffen worden — und zwar auf dem Acker eines Grundbesitzers, welcher Speck aus Ainerika bezogen. A. Konradi-Darg»in schreibt über diesen Schädling: Der Kartoffel- oder Koloradokäfer ist von »nerkivürdiger Fruchtbarkeit und bewunderns-werther Lebenszähigkeit. Er überwintert in dem Erdreich u»ld ko»nmt Ansa>»gS Mai aus demselben hervor. Nach 12 bis 14 Tagen legt das Weibchen 12 bis 20 Eier an die untere Blattseite und sährt zirka 40 Tage mit diesem Geschäste fort. Nach 5 bis 8 Tagei» gehen aus dc^n Eiern die Larven hervor, »velche sofort fressen und nach 17 bis 20 Tagen in die Erde zum Verp»tppen sich zurückziehen, aus welcher sie nach 10 bis 12 Tagen als Käfer zurückkehren, um nun sosort da« Fortpflanzungsge-schüft zu beginne»». Auf diese Weise köunen »00 ansänglich vorhandene weibliche Käser, wenn sie die genügende Nahrung finden, sich im Au» gust zu Milliarden vermehrt haben. Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, »nich mit dem gesährlichen Insekte persönlich bekannt zu machen. Einer meiner früheren Schülcr hatte nä»nlich einen Kartoffelkäfer direkt eingesendet. Als mir der Käser zum erstenmale vorgezeigt wurde, befand er sich lebend in einem kleinen Reagensglas — er hatte die Reise von Ainerika nach de»n Innern Deutschlands ohne Nahrung auSgehalten. Mit Kartossellaub gesüt jedes Jahr ein Kaspar Hauser erschiene und, aller geordneten Sicherheit zum Hohne, unter chren Augen ermordet würde. Wer im Lause des Jahres !86l ein Cass, das ich »»icht näher bezeichnen will, in der Via Condotti ii» Ronl besuchte, de»n »nuß, so wenig er auch geneigt sein mag, unter der Menge von Bettleru in dieser Stadt dein einzelnen besoildere Ausmerksamkeit zu scheiikei», doch ein Bettler aufgefallen sein, der sich von allen übrigen sehr weselUlich unterschied. Es trat in das Lokal ein Mal»n von be» deute»»der Gestalt, ziemlich sechs Fuß hoch, i,n gewöhnlichen Ewllai»zuge, ei»»em draunen nicht uninodernen Ueberrock, der, fadenscheinig aber rein gebürstet, einen schlanken Körper umschloß, dessel» Ebenmaß der Glieder eine graziös-»»atür-lich vornehine Beivegung gestattete. Aus diese»n Körper saß »nit dem glücklichsten Ansatz des Nackens ein edler Kops, der unter hoher Stirn und dichtem, kurz gehaltenem ui»d etwas grauem Haar ein sein geschnittenes Gesicht zeigte, das »nit der Adlernase dem Mann etwas Gebietendes verlieh, das aber jeden Augenblick durch die großen sansten blauen Augen, welche mächtig schwarze Augenbrauen überschatteten, den Ausdr»lck reizender Bescheidenheit annahin. Zu meinem Erstaunen war der Mann ein Bettler, der seii»e Runde abwärts von mir tert, hat er sich rasch erholt und noch einige Zeit am Leben halten lassen. Ich erwähne diese Thatsache, um zu konstatiren, wie lebensfähig dies Thier ist, und um hiedurch zu beweisen, daß auch ohne Einfuhr von Kartoffeln aus Amerika und ohne Benützung von Kartoffellaub als Packmaterial der Käfer nach Europa einge» schleppt werden kann. Es sind bis jetzt Fälle bekannt, dab das Thier über sechs Wochen ohne Nahrung gelebt hat. Die vorstehend erwähnten Fakta verdienen die vollste Beachtung der Landwirthe, denn durch sie wird die Gefahr der Einschleppung des Käfers unendlich vermehrt. Das Insekt hat auf seiner Wanderung aus der Mitte Nordamerika» nach Osten nun die-je»,igen Häfen erreicht, welche mit den deutschen in regster Verbindung stehen, und hat a»»f dieser Reise große Strecken fliegend zurücklegen müssen. I»» der That ist seine Flugtrast nicht unbedeu» tend und läßt befürchten, daß es auf diese Weise auf die Schiffe gelangt und mit Hilse seiner hohen Lebenszähigkeit nach Europa koinmt. Das staatliche Verbot der Einfuhr ameri-ka>»ischer Kartoffeln hat nach meiner Ansicht, in Anbetracht der Lebensweise des Koloradokäfers, nur untergeordnete Bedeutung, il»dem derselbe init den K»»ollen der Kartoffeln gar nicht in Berührung kommt, da er nur von dem Kartoffellaube lebt. Es schließt dies natürlich nicht aus, dab auch in der Einfuhr der Knollen eine Gefahr liegt, inden» nicht zu leugnen ist, daß bei dem Auflesen derselben recht gut junge Ko-lorado-Käser (oder aiich alte, die sich in die Erde zuriickgezogen) und Larven in verpupptein Zustande »nitgenoinmen werden können und so nach Europa gelangen. Die größte Gefahr scheint mir in der EL»»-sührung amerikanischen Kartoffellaubes, welches vielfach als Packmaterial benützt wird, zu liegen. Mit diesem können uns Eier, Larven und Käser zugeführt werden — alle in entwicklmlgS« oder lebensfähiger Form. Die Eier legt das Insekt an die Unterseite der Blätter, und die nach ungefähr acht Tagen auskriechenden Larven sressen sosort an de»n Laubwerk. Die in Amerika gelegten Eier würden also wahrscheinlich als Larven nach Europa koinmen und hier wohl Gelegenheit zum Verpuppen finden. Wäre das Kartoffellaub schon von dein Käfer besetzt, so würde es ja nach dem Obigen unzweifelhaft sein, daß dieser die Reise aushalte»» würde. Es muß also auch die Verwendung amerikanischen Kartoffellaubes als Pack»naterial unbedingt unterbleiben uud ist in den europäischen machte, so daß ich, bevor er zu mir gelangte, Zeit behielt, ihn zu beobachten. Wenn er abgewiesen wurde, ging er mit einem unnachahmlichen Schulterzucken weiter, in dein beinahe das Mitleiden sich ausdrückte, n»it dem der Franzose von ei»lem Knauser und geineinen Menschen sagt: „pauvrs Iiowme!" Als er zu mir kain, reichte ich ihm, ehe er noch Zeit gehabt hatte, sein Gesuch anzubringen, etwas hier Unerhörtes, näinlich eine Silberinünze, einen sranzösischen Franc, weil ich mir einbildete, daß der Man»», in augenblicklicher Verlegenheit befindlich, sich nur sttr das eine Mal aus Betteln eingelassen habe. Kaum hatte er das Stück Geld in seine schmale durchaus reine u»»d feine Hand genon»»nen, als er einen schnellen Blick darüber warf, nnch einen Moment mit weit geöffneten Augen ansah und dann, in den sreul»dlichften AuSdrllck übergehend, sein: Liguore!" vorbrachte. Als er a»n solgenden Tage wieder da« Lokal betrat, wußte er es so zu machen, daß er »nich überging. (Kortsetzung solgt.j Häfen streng darauf zu achten, dab solcheT nicht von den Schiffen ans Land gelangt. Eint weitere^ Gefahr der Einschleppung liegt aber noch darin, daß der Käfer auch alif anders Pflanzen und besonders aus einige Gemüsepflanzen übergeht. Wie weit sich die Verbreitung de« Käser« in dieser Richtung erstreckt, ist noch.'NLcht.mit Sicherheit bekannt. Gemüsepflanzen werden von den Schiffen ebenfalls verladen, wenn auch nicht als Fracht, so doch zur Belüstiguttg..während der Ueberfahrt. Der Rest wird in dei^ Häsen vertaust! Das Letztere dürste in Anbetracht der großen Gefahr der Einschleppung des Käsers jedensalls nur geschehen, nachdem das Gemüse einer genauen Untersuchung unterworsett worden. Sicherer wäre es aber, wenn solches Gemüse überhaupt nicht ans Land gebracht werden dürste. Von den Mitteln zur Vernichtung des Käsers, wenn er einmal zu uilS gelangt ist, dürsen wir gar nicht reden. Ihn auszurotten ist unmöglich — wir könnten nur seiner Verbreitung Schranken setzen durch Einschränkung des Kartoffelbaues (!), und ob dieses Nothmittel nützt, wird eben auch wieder zweifelhast durch die Fähigkeit des Thieres, sich von a»lderen Kulturpflanzen und auch von wilden Pflanzen zu nähren. Das einzige in Amerika zur Verminderung des Käfers mit Erfolg angewendete Mittel (arsenig-essigsaures Kupfer-Oxyd, Schwein« furter, Pariser Grün) ist eben auch nicht im Stande, der Verbreitung desselben Schranken zu setzen. Die Kartoffel hat sich eine hervorragende Bedeutung unter unseren Kulturgewächsen er-worden, und ihr ausgedehnter Anbau ist nicht nur von hoher landwirthschastlicher, sondern auch von eminent hoher volkswirthschastlicher Bedeutung. Welche Folgen würde eine ausgedehntere Einschränkung oder gar ein gänzliches Ausgeben des Kartoffelbaues nach sich ziehen! Es ist entschieden eine höchst wichtige Aus. gäbe für alle Landwirthe, so viel als möglich beizutragen zur Verhinderung der Einführung oder Ausbreitung des Kolorado-Käsers. (Reblaus.) Dem „Genser Journal" wird aus Luml geschrieben: „Die Wei»,stöcke, die man in Folge der Verheerungei» der Reblaus sür verdorben hielt, beginnen wieder zu wachsen. Eine gewisse Anzahl Stöcke, die man sich selbst überlassen hatte und die ausgerissen werden sollten, treiben und werden Frücht? liesern, während sie letztes Jahr nicht ein einziges Auge gezeigt hatten. Es ist dies nicht eine isolirte Thalsache, sondern es wird eine allgemeine und unbestreitbare Befferung beobachtet, so daß viele Winzer es bereuen, ihre Reben ausgerissen zu haben und neue pflanzen wollen." (Freies Wort. Politische Gespräche in Nubland.) Der „Voffischen Zeitung" wird aus Warschau geschrieben: Wenn schon bei ruhigen Zeitläusten ein politisches Gespräch in Rußland zu den versänglichsten Dingen gehört, so ist es jetzt geradezu ein selbst-mörderisches Untersangen. Wo Auspasser in Zivil und Unisorm überall umherkrauchen, haben selbst die Wände Ohren. Folgenden Vorfall habe ich von einem zuverlässigen Gewährsmann: Ein jüdischer Kaufmann aus D. reiste ui^längst von K. nach seiner Heimat. Man sprach im Koupv von den Ereignissen auf den» Kriegsschauplatze. Er mischte sich ins Gespräch und äußerte dabei, daß die Türkei diesmal gerüsteter sei als sonst und daß ihre Niederwersung Ruß» la>ld große Mühe machen würde. Aus der nächsten Station, die einen Kreuzpunkt bildete, trat ein GenSdarmerie-Kapitän auf deil vorlauten Sprecher zu und forderte ihn auf, den andern nach Petersburg abgehenden Zug zu besteigen. Alle scine Protestationen und Versicherungen, daß er ein guter Patriot sei und nichts Ver-brecherisches gesprochen, halsen ihm nichts, kaum daß man ihm erlaubte, seine Frau durch einen Brief von seinem Schicksale zu unterrichten. In Petersburg, wo er in strengstem Gewahrsam gehalten wird, erhält er in einigen Tagen von seiner Frau die Mittheilung, daß das ganze Haus von der Polizei durchsucht, das Oberste zu Unterst gekehrt und selbst Oesen eingeschlagen seien. Der Inhalt diese» Briefes hat zweifels-ohne mehr als vier Augen paffirt. Kurz darauf wird der Jnhaftirte vor den gestrengen Herrn General-Gouverneur geführt, wo er eine protokollarische Erklärung unterschreiben muß. dtzß er in seinem Leben nicht mehr nach Petersburg kommen werde, woraus er freigelassen wird. Der Mann war ganz unschuldig; doch muß ich gestehen, daß mich dies im Vergleich mit der sonst geübten Praxis mild erscheinende Ur-theil überrascht hat. Aiarburger Berichte. (Verdienstkreuz.) Dem Bergver-Walter Martin Terpolitz und dem Steiger Simon Koß in Hrastnik, welche bei einem Grubenbrande im dortigen Kohlen-Bergwerke llnerschrockenheit und Aufopserung bewiesen, sind Verdienstkreuze mit der Krone verliehen worden — ersterem das goldene, letzterem das silberne. (Waldbran d.) Am 23. Juni hat aus dem Wotsch bei Studenitz, deffen Höhe 32V0 Fuß beträgt, in der Ausdehnung von hundert Joch ein Waldbrand stattgesunden. Diese Stelle war bereits abgestockt, jedoch mit Tannenreisern und Holzpflöcken reichlich bedeckt. Kinder, welche Erdbeeren gesucht und vom Waldaufseher bestrast worden, sollen aus Rache dieses Feuer gelegt haben. Andere behaupten, es sei von Er« wachsenen geschehen und zivar der Gesellschaft zu Leide und aus Aerger, weil dieselbe mit der Waldabstockung sehr gute Geschäste gemacht. (Hundesteuer.) Die Genieinde Lichtenwald hat die Bewilligung erhalten, den Besitz eines jeden Hundes mit 2 fl. jährlich besteuern zu tzürsen. .(Trennung der Ortsgemeinde St. Marei n.) Der Kaiser hat den Beschluß des Landtages, betreffend die Trennung der Ortsgemeinde St. Marein bei Erlachstein genehmigt; die Steuergemeinden St. Barbara, Vobov, Dol, Dvor, Jeschovec, Kretno, Preloge, Senoviea, St. Thomas und Vrh bilden jetzt eine besondere Ortsgemeinde unter dem Namen „Umgebung St. Marein bei Erlachstein" und die Steuergemeinde St. Marein konstituirt sich als Ortsgemeinde unter dem Namen „Markt St. Marein bei Erlachstein." (Von der südwestlichen Grenze. Firmung; Sonnwend-Feuer; Studienreise der Offiziere; Obmänner der Bezirksvertretung Windisch-Graz.) Von Windisch-Graz — 25. Juni — wird uns geschrieben: War es ein zusälliges Zusammentreffen von Umständen, oder wollten sich die Herren ein Rendezvous geben: in voriger Woche hielt der Bischos von Graz in Eibiswald, ebenso jener von Gurk in Gutenstein (an der Grenze von Steiermark) und heute der von Lavant zu Windisch-Graz kanonische Visitation und spendeie die Firmung. Daß dieß eine große Bewegung allerorts und desto mehr in Verbindung und unmittelbarer Nähe mit sich brachte, ist selbstverständlich. Dazu kommt auch der Tag „Johann der Täuser", wo an Orten, deren Pfarren diesen Namen süliren, Märkte abgehalten werden ; endlich, daß man Abends die Sonnenweildseuer auf den Bergen leuchten läßt, eine aus der heidnifchen Vorzeit ins Ehristenthum übersetzte Sitte. — So fchän die Feldfrüchte hier stehen, wäre Regen doch sehr, besonders sür die Wiesen erwünscht — leider kommt dann meist Gewitter, das zum Theile wieder verdirbt, was der Nie-derschlag nützt. — Bewegung anderer Art brachte hier die Ankunft des aus lledung befindlichen Offizierskorps, welche Herren über den Radl gekonunen, hier weilten und Studien machten, wozu diese Gegend durch reichliche Abwechslung Stoff genug bietet. — In der Erwartung der Dinge, die da kommen sollen, ist der gebildete Theil der Bevölkerung betreffs der letzten Bezirksvertretungs-Wahlen, eigentlich der Frage, ob der Obmann und sein Stellvertreter wieder nicht bestätigt werden? Beide sind zwar grundehrliche Leute und .können zur Noth auch lesen und schreiben: da es aber bekannt ist, daß sie nur Werkzeuge eines gerichtsbekannten und verrusenen Wühlers und Stören-sried'S sind, der ihre Wahl veranlaßte, so zweifelt man um so mehr an der höhern Bestätigung, weil nebst andern Agenden auch die Sparkasse in den Wirkungskreis der Bezirksvertretung gehört, wozu doch spezielle Einsicht erforderlich ist. — Geldinangel, Geschäslsstockung u. dgl. sind stereotype Korrespondenzen von allen Seiten her. I. (Z. L. (Telegraphenamt. Am Montag ist das hiesige Telegraphenamt in das Haus des Herrn Dr. I. Schmiderer, Tegetthoff-Straße, ebener Erde links, verlegt worden und zwar in jenes Lokal, wo die Kanzlei des Herrn Dr. I. Mullk gewesen; diese befindet sich im gleichen Hause, dem Telegraphenamt rechts gegenüber. (U n t e r st ei ri s ch e Bäder.) In Sauerbrunn bei Rohitsch sind bisher 479, in Neuhaus bei Cilli 225 Badgäste angekommen. (Ehrenbürger.) Gestern wurden den Herren Konrad Seidl, Obmann der Bezirksvertretung und Adam Wiesinger, Mitglied des Bezirksausschusses, die prachtvoll ausgesührten Diplome über das Ehrenbürgerrecht, welches denselben die Gemeinde St. Jakob wegen besonderer Verdienste um das Zustandekommen der St. Iakober Bezirksstraße verliehen, von einer Gemeinde-Deputation übergebeil. (Gustav-Adolf-Verein.) Der südösterreichische Z'veigverein der Gustav-Adols-Stistung, welcher die 7 Ortsvereine Trieft, Pola, Fiume, Görz, Laibach, Cilli und Marburg umsaßt, hält heute Vorinittag 10 Uhr im hiesigen evangelischen Gotteshause seine 14. Jahresversammlung. Den öffentlichen Verhandlungen des Vereines geht ein Feftgottesdienst voraus, in welchem der Odmann des Zweigvereins, Herr Senier MedicuS aus Trieft die Festpredigt halten wird. Unter den angemeldeten Abgeordneten der auswärtigen OrtSvereine finden wir die Rainen- Großhändler Julius Stettner sen.. Richard Ritter v. Schröder und August Schloß aus Triest; Prosesior Dr. Reißen-berger aus Eilli; Baron Robert v. Cannstein und Psarrer Schroll aus Görz; Pfarrer Schack und Kaufmann Mayer aus Laibach; Buchhändler Schmidl und Pfarrer Kohuth ans Pola. Um 1 Uhr findet in den Kasino-Lokalitäten ein Festmahl statt. Filr die At>endstunden ist ein Ausflug in die Umgebung Marburgs in Aussicht genommen. (Evang. Gemeinde.) Am nächsten Sonntag den 1. Juli findet in der hiesigen evang. Kirche ein öffentlicher Gottesdienst statt. (Volksfest) Das Volksfest, welches am Sonntag hier im Volksgarten zuin Besten armer Schulkinder gegeben wird, beginnt Nachmittag 2 Uhr. Die Ausgabe der Karten findet von Samstag Früh bis Sonntag Mittag bei Herrn Massatti (Postgasie) statt. Die EuttrittS-gebühr ist: für Erwachsene 20 kr , sür Kinder »0 kr. Gne Kaffe wird beim Thore am Exerzierplatze ausgestellt sein, eine beim Eingange in der Bürgerstraße und die dritte bein» Zugange durch den Friedhof. Die übrigen Punkte des Programmes sind: Musik, Gesang. Kinderspiele lmter der Leitung des Komites, bengalische Beleuchtung, Feuerwerk. Die Mitglieder des KomiteS tragen weiße Abzeichen. Auch diesmal standen dem Volksfeste Hitl-dernisse entgegen, da die Wertstättenkapelle bereits mit dem Restaurateur in; Äötz'schen Brauhause für I. Juli abgeschlossen hatte. Herr Bern reit er trat jedoch über Ersuchen des Komites in Ansehung des wohlthätigen Zweckes in freundlichster Weise von seinem Rechte zurück und unterstützt außerdem das Festkomite durch Gefälligkeiten manigsacher Art. Ueber das Fest verweifen wir auf die im heutigen Blatte enthaltene Ankündigung. Letzte Post Tißa hat im Abg,ordnetenhause erklärt, Oesterreich Ungarn sei Rußland gegenüber keinerlei bindend- Verpflichtung eingegangen. Tuleiman Vafcha ist nach sechstägigem RückzugSkampfe und mit einem Verluste von Svvv Mann in Tpuz eingetroffen. Die Türken, welche unter Mehemet Ali die M»ntenegriner an der Moratschka vvn drei Seiten angegriffen, sind auf der ganzen Linie geschlagen und mit großem Ner-luste bis jenseits Kolaschin verfolgt worden Die Rüstung Serbiens ist beinahe vollendet. Der Haupt - Donauttbergang soll bei Turnu-Magurelli stattfinden. Bei Dajar wurden die Türken nach zehnstündigem Kampfe geschlagen; die Ber» luste der Russen waren groß. Course der Wiener Börse. 28. Juni. Einheitliche Staatsschuld Creditaktien . . 14L.2Ü in Noten . 6l).7v in Silber . 6ö.9b Toldrente .... 72.05 1860er St..Anl..Lose 1N.60 Bankaktien . . . 778.— London . . . 12.'>.55 Silber .... 110.25 Napoleond'or . . 10.05 K. k. Münz'Dukalen 5.45 100 Reichsmark . 01.75 Verlorener Geldbetrag. Auf dem Wege vom SophienplaK durch die Schillerstraße bis zum Pagani'schen Haus wurden grstern 6 Zehnguldenbanknoten (4fach znsclmmcn. l^efaltet) verloren. Der redliche Finder wolle dieselben gegen entsprechende Belohnung im Comptoir der A. v. Kriehuber'schen Krllerei abgeben. (747 Nr. 4855. Kundmachung. (744 Vom Siadtrathr Marburg werden im Sinne des Gesetzes vom Jahre 1863, wornach sür daS Halten der Hunde in Marburg eine jährliche Auflage von je 2 fl. ö. W. zu entrichten ist. die Besitzer von Hunden aufgesordert, den Besitz derselben vom 1. bis 21. Juli 1877 bei der hiesigen Stadlkasla anzumelden und die Auflage pr. 2 fl. gegen Empfangnahme der Quittung und Marke um so gewisser zu berichtigen, als im widrigen Falle jeder Hund, welcher vom 21. Juli 1877 an mit einer für daS nächste, vom 1. Juli 1877 bis Ende Juni 1878 lausende Steuerjahr giltigen Marke neuer Form nicht versehen ist, vom Abdecker eingefangen und nach Umständen sogleich vertilgt werden wird. Für Hunde fremder oder durchreisender Personen können Fremdenmarken bei der Stadtkassa behoben werden. Jede Umgehung der Steuerentrichtung, insbesondere die Verheimlichnng eineS Hundes, oder die Benützung einer falschen oder erloschenen Marke wlro, außer der zu entrichtenden Jahrestaxe pr. 2 fl. mit dem doppelten Erläge pr. vier Gulden bestraft, wovon die Hülste dem Anzeiger zufällt. Marburg am 25. Juni 1877. Der Bürgermeister: Dr. M. Reiser. Nr. 4619. ^^46 Kundmachung Die hohe k. k. Stalthalterci ha! mittelst Erlasses vom 8. d. M. Z. 8506 bedeutet, daß die Fälle von Hundswuth sich wieder fortwäh, rend mehren unv zu besorgen ist, daß deren Zahl in drr bevorstehenden heißen Jahreszeit noch zunehmen werde. Es werden demnach die Besitzer erinnert, ihre Hunde sorgfältig zu pflcgen und zu überwachen, denselben die nölhige Nal)rung und frischkS Wasier zu verabreichen, jede, wenn auch anscheinend noch so unbedeutende Krankheits-Er-scheinung zu ticachtcn, und wuthverdächtige oder mit wuthverdächti,;en Hunden in Berührung ge-kommene Hunde allsogleich Hieramts anzuzeigen. Insbesondere dürfen bissige Hunde niemals frei herumlauftn und es wird jeder bissige Hund bei Betreten ohne Mücksicht vertilgt, und der Eigenthümer desselben zur Verantwortung gezogen »Verden. Stadtrath Marburg am 27. Juni 1877. Der Bürgermeister: Dr. M. Reiser. I^aut L63c:1t1u8L der am 8. ./^pril 1877 8t.li.t.tAoIlS.I)ten fünften oräent-lielien Ooneral-vorLammIuvA äei- am I. ü. (^oupori unLvrer ./Vetien mit iKl. 3„— eink?6l()8t, vvolelw vom 1. ^uli ä. 5. ak, an äor unserer Lanlc LtMüncZet. ^arkur^; llm 27. .luni 1877. (739 __ver Vervalluiixsi'alll. Der Vrrcill )«r Aiittrkühung armer VMsschulkindtr i« Marburg veralistaltet unter gefälliger Mitwirkung des löbl. Männergesangvereines, der löbl. Südbahn« Liedertafel und der Werkstätteu Musikkapelle Sonntag den R Juli RS?? im DtischkN Volksgarten (Villa Laager) ein Volksfest zu Gunsten des Unterstiitzllngsfondes für arme Schulkinder der Marburger Schulen. : I. Abwechselnd Musik und Gesangsvorträge. — 2. Kinderspiele mit Preisen unter der Leitung des Comitös. — 3. Bengalische Beleuchtung des Gartens und Feuerwerk. W«. Die ?. '1'. Eltern werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß filr das Vergnl'lgen der Kinder durch Kinderspiele aller Art, theilweife mit Gewinusten, vorgesorgt wird. Für gute, tiillige Speisen und Getränke sorgt der Restaurateur im Einvernehmen mit dem Wirthschaftsconlite und werkten die Preistarife' allgemein ersichtlich genmcht sein. Eintritt: sür Erwachsene lr., Kinder 10 kr., o>ine Beschränkung der Großmlllh Die Karten'AuSgabe beginnt am Samstag um 9 Uhr Früh bei Herrn A. Maffattt (Postgafse) und dauert dortfelbst bis Sonntag Mittags 12 Uhr. Eröffnung der Kassen beim Haupttbore am Exercierplatz, beim Eingange iu der Bilr-gerstraße und beim Zugange über den Friedhof um 2 Uhr Nachmittags. Das Festcomitv wird durch weihe Abzeichen kennbar sein. Der ^usmarsch der MnjjlUtapclle findet um iialb 3 Uhr vom Sophienplatz aus statt. Anfang des Festes: Z Uhr Nachmittags. Der Garten wird mit Bewilligung deS löbl. Stadtraihcs von 1 Uhr Mittags angefangen für den öffentlichen Berkehr abgesperrt. Zu zahlreichem Besuche ladel freundlichst ein IBa» Bei ungünstiger Witterung findet das Fest Sonntag den 8. Juli statt.'^U Zwei mpblirte gaffenfettige Zimmer sind am Hauptplatze zu vergeben. Auskunft im Eomptoir d. Bl. (741 2 große Zimmer... L" sind sogleich zu vermiethen Mellingerstraße Nr. 20. Ei«- e5-ga«te «eue 4fitzige Kalesche ist zu verkaufen bei Nikolaus Weiß, Lackierermeister.__(?'42 villi ii»UUptpt«e« macht ergebenst bekannt, daß das Lokal gONK neu und schön renovirt ist. und empfiehlt sich sür ferneren Besuch. (728 Pracht-Zommerwoljnvng oder Jahresivohnung, 10 Minuten tiom Bahn-liofe Spielfeld an einer Anhöhe gelegen, schöne Fernsicht nach jeder Richtung; bestehend auS großem Salon und 2 glmmern im 1. Stock, parterre 1 Zimmer, Küche, Speis, Holzlege nebst Keller/theilweise möblirt, ist billig zu vergeben. ^tähereS im Eomptoir d. Bl._(738 Sommerwohnung oder auch Jahreswohuung fammt Garten, Nr. 20 in Gams. Anzufragen beim Eigenthümer Josef Rattei. _ (733 Mehrere Monahimmer (eingerichtet) sind zu vergeben. (734 AuSkunst im Eomptoir diefes Blattes. (512 llowrivll Ursppok in Hsrliiirx, 8li«:I>I'8 li!.>slen8»I»n smptivkit svius photonraphischen Ärbeitei». Eine im vollen Betriebe stehende fammt Garten in Marburg a. d. Drau ist durch Dr. Lorber, Advokat daselbst, sogleich zu verkaufen oder zu verpachten. (635 Zwei neue halbgedeckte Areiachs-Wägen verkauft Kartin. (562 Eixe schiiiik Mthlrkilitit in Kärnten, in nächster Nälie der Bahn, 4 Mahlgänge nebst Stampfe und BrettfSge, Leckere besonders rentabel, mit einem stockhohen Wohnhause, Gärten, 12Joch arrondirten Aeckern und 2 Wiesen, ist wegen Uebernahme eines anderen Geschäftes um den billtgeu Prei