für Vaterland, Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. M^ 34« »»N8t»3 ÄS« 27. ^P»N. _______R84^O Der Harfner. Alte lrainische Sage. von Leopold Kordes ch. ^cs stolzen Schlosses Fenster im Abendloth eralüh'n. Und viele Ritter init Frauen in Hast ge'n Maich.ni zieh'n. Des Thürmers Horngeschm.tter gar lustig schallt in's Thal, Und immer die Gäste wachsen im weiten Ahnensaal. ' Vom Lärm der frohen Knappen der Schloßhof rings ertönt; Die siörrigsten der Zecher der Humpen schnell versöhnt. Der Burgherr auf den Söller mit mehren Frauen tritt, Und auf das Hofgewimmel mit heit'rer Micnc sicht-^ Die Eine dock der Damen, die schönste wohl im Kreis, Sich in des Schlosses Jubel nicht recht zu finden weiß. In eitel Sammt und Seide steht bräutlich sie geschmückt, Und Alle aus der Versammlung ihr holder Reiz entzückt. Sie abcr sieht so bangend dem Strahl des Tages nach. In ihres Herzens Tiefstem, da wird so Vieles wach! — Schon ist sie da, die Stunde, wo sie vor dem Altar Auf immer soll verschwören, was sonst ihr theuer war» Was sie auch kämpft und ringet und betend zum Himmel blickt — Doch stets der wache Gedanke zum fernen Geliebten fliegt. Nie sl,ch, schlimmer Absicht durch Maichau's Burgthor ein, ,,Doch dilse Thränenpelle wascht aller Schuld Dich rein!" ,.Sieh meine treue Harfe — nicht brauch' ich sie fürder mehr — „Ich bringe sie Dir zum Brautschatz aus weller Ferne her." ,,Doch sollte der Harfner fehlen beim fröhlichen Vanket, „Ko mög' Euch's nicht beirren— er geht schon ftüh' zu B?tt!'' — Und schnell auf den Brunnen springt er - die Gäste erstarrend steh'n - Und stürzt in die Tiefe hinunter und ward nicht mchr gcfth'n. M Ein lauter Schrei des Schreckens den weiten Hof durchdringt, M Und todt in des Vräut'gams Arme das blasse Bräutchen sinkt. « Die Sage aber berichtet, daß jährlich in dieser Nacht Der stille bleiche Harfner am Brunnen die Rund, macht. Die Schlange von Strobelhof. ^W Vaterlandische Sage von I o s. V u ch e n h a i n> ^" i' >^D.uf Dienersburg ging's seit jeher lustig zn. Trompeten schmetterten und Pauken wirbelten in das Thal, wel-> ches ein Bach in malerischen Krümmungen durchschlängelte, von dessen Uferrande zahllose Blümchen die vorbeigleitenoen Wellen küßten, und ihnen gleichzeitig Grüße des Willkom- D mens und des Abschiedes zunickten. Wer der Diencrsburg damals anslchrig wurde, die auf einem anmuthigen Hügel, von alten Buchen, Fichten und Eichen bekränzt, in der Gestalt eines Thurmes stand, den eine hohe, schon Einsturz drohende Mauer umgab, und dessen innern Hofraum zwei halbwilde, grimmige Baren als Burgwache durchstrichen, konnte unmöglich zugeben, daß in diesem öden, düstern Gemäuer die wahre Freude wohnen könne. Dieser Ansicht waren auch alle Jene, die in der Nähe derselben ihren Wohnsitz aufzuschlagen genöchigr waren, denn wenige sahen und kannten den finstern und meist in sich gekehrten Burgherrn. Man wußte, daß er Ulrich von Dieners bürg heiße, daß er auf seiner Burg hause, und daß er nie am Tage, sondern nur zur Nachtzeit seine Ausflüge M in der Umgegend herum mit seinen tollen Genossen zu ma- W chen und am Morgen mic dem krähenden Hahne in feine W Behausung rückzukehren vflege, wo dann, wenn die nächtliche Fahrt glücklich ausgefallen war, den Tag hindurch geschwelgt und gepraßt wnrde. Man glaubte allgemein, daß er ein Handwerk treibe, welches sich vor dem Gewissen nicht leichr entschuldigen läßt. Ein Gebrauch damaliger Zeit, gegründet auf das Recht des Stärkern. Ein so geartetes Fest harte auch eines Tages Statt gefunden. An der eichenen Tafel des Saales, und zwar oben an, saß in einer nachlässigen Stellung der Burgherr, rings herum die Gefährten seiner nächtlichen Wanderungen. Ein geheilmiißvolles Schweigen hatte sich über Alle gela- 134 - gert. Nicht die zinnernen Pokale, nicht die Fülle der Speisen vermochten Leben und Bewegung in die Gestallen zu bringen. Melodien, nach der damaligen Sitte, bald in stei-genden, bald in fallenden Tonen, zwischen welchen Trompeten, Posaunen und Hörner, begleilet von den wirbelnden Pauken, erdröhnten, verklangen fruchtlos von dem Balcone des Saales herab. Die Gesellschaft schien vor Müdigkeit mit sich selbst beschäftigt zu seyn, denn bei Manchem will man dann und wann ein zufriedenes Lächeln wahrgenommen haben, so ungefähr, als wenn der Sonnenstrahl hie und da durch Gewitterwolken zu brechen pflegt. Endlich schwieg die Musik und das Mahl schien beendet zu seyn. Dieß zeigten die Ueberreste einiger Hammelkeulen, welche unter den Erfrischungen zerstreut auf dem Tische herumlagen, und einige Knochen, die von den ausgemagerten Rüden auf dem Boden hin und her gezerrt und mit einem wahren Heißhunger benagt wurden, so wie der Schlummer, der, die Verdauung fördernd, sich allmälig auf die glanzlosen Augenlieder zu lagern begann. Alles war regungslos geworden. Plötzlich entstand ein Lärm im Hofe. Ein durchdringendes Gebrülle ward hörbar, dann wurde es wieder still, wie im Grabe. Die Aufgeweckten sprangen, gleich aufgescheuchten Rehen, von ihren Sitzen auf und stürzten auf den Gang hinaus, der rings um den Thurm aus alten eichenen Brettern, auf gewaltigen Balken ruhend, errichtet war. Welch' ein Anblick! Mitten im Hofe stand eine her-kulische Mannsgestalt, mir der Rechten einen der früher erwähnten Baren kräftig an der Kehle haltend, während der zweire bereits bezwungen sich zu ihren Füßeu wälzte und krümmte, als wollte er sein Leben von dem Gewaltigen erflehen. Die Zuseher erstarrten vor Schrecken. Ein noch größeres Erstannen erfaßte sie aber, als der Unbekannte keck über den Hofraum nach dem Eingänge des Thurmes, dann über die steinerne Treppe ging und sogar in den Saal zu treten, da mit einer Zuversicht auf seine Stärke die Anwesenden flüchtig durchzumustern und endlich, mit einem verächtlichen Blicke auf die ganze Umgebung, sich dem verdutzten Burgherrn anstandsvoll zu nähern wagte. »Ich grüße Euch auf Dienersburg," sprach er, mit der Hand nach einem gefüllten Becher langend, den er in einem Zuge hinabstürzte. Ohne eine Antwort abzuwarten, «ahm der Unbekannte an dem Tische Platz und sing an, sich der Ueberreste des Mahles, und zwar wie ein Mensch zn bedienen, der, von Weitem kommend, sich schon durch längere Zeit solcher Bissen nicht erfreut hatte. »Wer seyd Ihr?" unterbrach del- Burgherr die ängstliche Stille. Das sonderbare Treiben des Fremdlings kam ihm denn doch «twas zu verwegen vor. »Hm" — sagte der Fremde, ohne aufzublicken, an einer Hammelkeule fleißig arbeitend, zn welcher er einige Löffel Erdbeeren nahm, die als Erfrischung eben vor ihm in einer Schüssel und, wie bekannt, hier von einer besondern Güte waren, »hm! — wer ich bin? — Seltsam! Genua zittert vor meinem Namen, Neapel und Florenz belausche ich im Traume, und Venedigs Große nennen mich ihren Freund." »Alles möglich, doch dieses kann Euch nicht berechtigen, däucht mir, so tief in meine Rechte zu greifen und mein Gastrechr beim ersten Eintritte zu verletzen," erwiederte der Burgherr, dem die Kälte des Fremdlings das Blut noch rascher nach dem Kopfe zu jagen begann. »Rechte? — welche Rechte hattet ihr, in die ich störend eingegriffen hätte? Eure Umgebung zeigt an, daß Ihr keine Rechte ansprechen könnet, denn ein Wink von mir, und ehe Euer nächtliches Handwerk wieder beginnt, seyd ihr dem Henker verfallen," erwiederte der seltsame Gast, ohne sich in seiner Eßgeschäftigkeit stören zn lassen. »Das ist zu arg!" polterte Ulrich, von seiin'in Lchn-stuhle aufspringend, und lehnte sich mir geballten Fäustcu an den Tisch, den Oberleib nach vorwärts gebogen. (Fortsetzung folgt.) «Bemerkungen des Georg Ionke über die in der baierischen »Bienenzeirung" erschienene Recension seines B i enen w erkch en s. (Fortsetzung.) Es ist selbst für ungeübte Bienenzüchter nicht so schwer, sich nach meiner Methode vorräthige Weisel zu cr;iehen, als der Herr Recensent glaubt. Denn wäre er wirklich cm erfahrener Bienenzüchter, so müßte er aus Erfahrung wissen, daß auch die kleinste weisellose Bienenmenge aus einer ihr gegebenen Bruttafel, weun sie dieselbe nur gehörig bcsetzen und den erforderlichen Wärmegrad durch ihr Summen zu erregen im Stande ist, sich, und zwar aus gemeinen Bieneneiern, in 18 bis 21, aus Bienenwürnichen oder Bienenmaden in 13—l? Tagen echte, vollkommene und taugliche Königinen, aus Bienenlarven, Puppen odcr Bienen-Nymphen oft auch schon binnen 3 oder 4 Tagen, jedoch nur After- oder Drohnenweisel erbrüten könne. Auch würde ihm meine Erklärung, daß ich das Singen der Weisel für nichts anders halte, als für ein Zeichen der im Stocke unter den Weiseln herrschenden Verfolgung und der Sehnsucht nach der Freiheit, nicht so fremd vorkommen , wenn er wüßte, daß weder ein junger, noch ein alter Weisel, so lange er allein regiert, eine Stimme hören läßt und erst damals anfängt zn singen, zu tüten, zu quacken oder zu schreien, wenn ein oder mehrere Nebenbuhler, wie es bei den Zweit- oder Drittschwärmen geschieht, geboren werden und sich unter einander zu verfolgen anfangen, von welcher Verfolgung man sich dadurch überzeugen kaun, wenn man zwei Weisel zusammen in einen Weiselkäsig thut; denn sie werden einander so lauge feindlich anfallen und einer den andern so lange würgen, bis der eine unier dem nämlichen Jammergeschrei nnterliegt. Folglich kann die Ur-fache des traurigen Singens und ängstlichen Rufens der Weisel in den Stöcken auch nichts anderes seyn, als die Verfolgung derselben unter einander und die Sehnsucht nach Freiheil. Davon kann man sich auch bei solchen Weiseln überzeugen, welche beim Schwärmen wegen ihrer Unentschlossenheit, dem Schwärme zu folgen, von den Bienen chiezu durch Beißen und Zwicken gezwungen werden, oder 135 auch beim Uebertreiben der Bienen in eine andere Wohnung vor Angst eben so zu singen lind zu rufen pflegen. Ilnd würde mein Herr Gegner wissen, daß kein Zweir-oder Drittschwarm gleich den ersten oder zweiten Tag nach seinem erregten Jammergeschrei heraus geht, sondern allezeit erst den dritten oder vierten, bei Verhinderung durch schlechte Witterung aber auch erst dcu achtcu Tag schwärmet, so müßte er es auch einsehen, dasi ein junger Weisel seine voll-kommene Flngbarkeit nach meiner Angabe erst in zwei oder drei Tagen nach seiner Geburt erlangen musi. Eben so ist auch die Behauptung des Herrn Recensenten : daß die jungen Weisel ihre Zellen oft noch.einige Tage nach ihrer völligen Ausbildung bewohnen müssen, ganz grundlos, weil hierdurch die Frage entstehen musite, durch welche Mittel die Bienen die bereits vollkommen ausgebildeten Weisel noch einige Tage in ihren offenen Brutzelten als Arrestanten zurück hatten konnten; denn sobald einmal der Deckel der Brutzelle los gemacht ist, so sucht auch jeder Weisel, gleich jeder andern Biene, sich frei zu machen, wenn es auch mit Gewalt geschehen soll. Wenn übrigens auch der Herr Referent nach seiner Aeußerung meiner im §. 8 ausgesprochenen Meinung, da,; die Arbeitsbienen keine Eier legen und Brüt erzeugen können, nicht beistimmen kann, so bleibt sie doch als eine richtige und allgemein anerkannte Wahrheit. Es darf ihn auch nicht Wuuder nehmen, dasi ich eher zu große, als zu kleine Bienenwohnungen empfehle, weil ich in meinem Werkchen nur von ganzen und nicht Heilbaren Stöcken, die man nach Erforderniß allmälig vergrößern kann, rede, und weil die Bienen in zu kleinen Wohnungen, wo sie keinen Nanu, haben, die erforderlichen Brutzellen zu baueu, auch in den besten Honigjahreu nicht schwärmen wollen. Daß endlich das von mir über den Bienenstich Gesagte nichts Neues enthalte, ist ganz natürlich, weil eine alte, allgemein bekannre und erwiesene Wahrheit keiner neuen Kleidung mehr bedarf. Beim §. lO bemerkt der Herr Gegner, daß mir die mancherlei Schriften über die Vereinigung der Weisel mit den Drohnen gar nicht bekannt seyn müssen, weil ich in diesem Paragraph mehrere Erscheinungen anführe, die mehr Heuanisi gegen, als für die Mannheit der Drohnen ablegen und mir bloß dazu dienen, diesen Gegenstand noch im-Mer für ein Geheimniß der Natur, und für eine Vorbehaltung der unergründlichen Weisheit des Schöpfers zu erklären. E r w iederuug: Daß die Drohueu wirklich des männlichen Geschlechtes und zur Befruchtung der Mutterbicnen da seyn müssen, weil sie sonst keine andere Bestimmung zu haben scheinen und auch selbst keine Brüt erzeugen können, und weil es uurer allen lebenden Wesen auf der Welt zwei verschiedene Geschlcchtsgattungen gibt, wodurch die Fort-Pflanzung derselben geschieht, habe ich uoch nie bezweifelt, viel weniger aber widersprochen; ich sage aber nur, daß es noch unbekannt ist, wie die Begattung der Königinen durch die Drohnen geschieht, und daß dieses, so wie auch die Fruchtbarkeit der in den drohnenloseu Monaten, Jänner, Februar oder März, geborenen Bienenmütter, wo doch, außer bei weisellosen, oder mit Drohnenweiseln versehenen Stöcken, keine Drohne zur Begattung eristirt, noch immer ein Geheimniß der Natur ist. Beim §. 15 macht der Herr Recensent nur die Bemerkung, daß iu meinem Bienenwerkchen hätte erwähnt werden sollen, daß mau bei der Sommerung oder dem Vorspielen der jungen Bienen sich unmittelbar vor den Stöcken nichts zu schaffen macheu solle, um bei ihnen keine Verwirrung zu veranlassen, weil oft bei solchen Vorspielen ^ Mutterbienen — auch alre — mit herausgehen. < (Fortsetzung folgt-) » Feuilleton. ^ (3in Nrtheil iiber uns Krainer! — In der Prager Zeitschrift »Ost und West" vom 13. April d. I. lesen wir unter den Notizen wörtlich Folgendes: »Die croa-risch-slavonisch-dalmatinische Zeitung wirft ihren Landsleuteu vor, daß sie die Krainer, ihre Nachbarn, als ei gen n ü tzig e, furchtsame Menschen, verachten. Möglich ist's, daß sich unter den Krainern derlei Leute befinden (wie fast überall), aber bei alle dem vertheidigen sie eifrig die Nationalität. »KlNLlij«!«; in i-s»1«)s!6!8k,6 >'c>vk'6" zählen 1400 Abonnenten-, welche illyrische Zeitschrift kann sich einer solchen Theilnahme rühmen?"--------Wir bedanken uns bei unsern uneigennützigen nnd furchtlosen Nachbarn für das uns geschenkte Compliment höflichst! — Das höflichste Volk in Guropa — sind gegen wärtig die Portugiesen. Jede Portugiesin, die nicht eine ganz gemeine Frau ist, wird mit »Ew. Excellenz" (vo85« 6xe«I!6N2ia) angeredet, und ein Mann, der einer Putzmacherin z. B. diesen Titel versagte, würde für deu qröb-sten Menschen unter der Sonne gehalten werden. Auch jeder Schneider im Lande wird »Ew. Gnaden" und »ll!u8lri88lm<» 86nll0l'" genannt, und es wäre Niemandem zu rathen, einen Barbier, unter dessen Messer er sich befindet, anders, als »Ew. Gnaden" zu ticuliren. Bei einem Bettler,'der Vor.-übergehende anspricht, entschuldigt man sich, wenn man nichts gibt, mic: »Ew. Gnaden verzeihen." Eine andere Eigenschaft der Portugiesen besteht auch darin, daß mir dem vierzehnten Jahre gewiß jedes Mädchen und jeder Knabe seine Liebschaft hat. Gin künstlicher Blutegel. — Der Mechaniker Baunscheidt iu Poppelsdorf bei Bonn hat ein kleines chirurgisches Instrument erfunden, das die Functioueu eines Blutegels vollkommen erfüllt. Schon seit Iahreu hatten sich Engländer, Franzosen und Deutsche abgemüht, einen solchen künstlichen Blutegel zu fabriciren. Gine abenteuerliche Geschichte, — die sich in Lima zugetragen haben soll, wird von einem Augenzeugen erzählt: »Ein Zambö wurde des Diebstahls überführt und zum Tode verurtheilt. Zum Nichrplatze wählte er den Iu-quisitiousplatz. Es war Markttag und der Platz voll Menschen. Der Verurtheilte warf bei seiuer Aukuuft einen raschen Blick auf das Volk und setzte sich dann rlchig auf die Bauk. Die Soldaten legten an, und gaben Feuer. Aber welche Ueberraschung, als, nachdem sich der Pulvel dampf verzogen hatte, der Delinquent verschwunden war. Er hatte die Bewegung der Soldaten genau beobachtet, uuo sich in dem Momente, wo sie Feuer gaben, gebückt, so daß die Kugeln über ihn weggingen, einen Wächter kopfüber umge- ___^ 136 - stoßen und unter das Volk gemischt, wo bereitstehende Freunde ihm zum Entkommen behilflich waren. Mehr kann ein zum Tode Verurrheilter nicht unternehmen und verlangen!" Zwei Selbstmorde von Knaben. — Vor kurzer Zeit sind auf der Nracher Alp in Baiern zwei auffallende Selbstmorde von Knaben durch Erhängen vorgekommen; der erste Fall betrifft einen sechzehnjährigen Menschen, der immer von besonderer Art, blöde, scheu, empfindlich, gedankenlos war. Seine Aeltern befinden sich in sehr guten Vermöqensumständen und behandelten ihn gut. Er hatte unmittelbar vor der That ein Glas Wein getrunken. Eine besondere Veranlassung war derselben nicht vorangegangen. Bald darauf erhängte sich in einem benachbarten Dorfe ein Iijähriger Knabe, ebenfalls ohne besonderer Veranlassung, in der Scheuer seines Kostherrn. Der Knabe war immer still, starrre oft lange vor sich hin, mied den Umgang mir Cameraden, lernte ungern und wurde dafür in der Schule öfcers gestraft. Papierkorb des Amüsanten. In einem Concert, schreibt der »Pilger", ging jüngst ein Herr mir einem Apparate im Saale herum, und fragte einen großen Theil der Anwesenden leise: »Madame N. wird jetzt singen; sind Ihnen vielleicht einige Züge Schwefel-ä'ther gefällig?" Im Schivarzwalde entdeckten zwei Englander in einer verrufenen Gegend einen Wirth, der ihnen durch seine ko-lossale Grobheit imponirte; sie verbreiteten seinen Ruhm in ihrer Heimarh und bald stand das Wirthshaus auf der großen Tour mit verzeichnet, und der Wirth sah sich unverhofft mit Engländern überschwemmt, ohne die Ursache davon zu ahnen. Durch den Umgang mit vielen Menschen und den blühenden Gang seines Geschäftes wurden die Manieren' mit der Zeit gefälliger, und eben so schnell verzogen sich seine Gäste. Als er den Grund davon endlich erfuhr, einschloß er sich zu folgender Annonce: »Den Herren Engländern mache ich hiemit bekannt, daß »nein Wirthshaus noch wie vor besteht; wie in früheren Jahren, werde ich auch in diesem grob seyn, sehr grob, ja noch gröber! Ich bitte daher nm fleißigen Besuch." Die nächsten Engländer, welche ankamen, warf er gleich nach den ersten Worten zur Thür hinaus, und seit der Zeit kehren sie, alle wieder bei ihm ein. In Frankreich ist dieser Tage ein hundertjährige r Esel gestorben, nämlich ein ordentlicher, ein vierbei ni-ger. Es muß dieß hinzugesetzt- werden, weil der Fall sonst an Außerordentlichkeit verliert. Auswärtige Kunst- uud Theaterrevue. ->- Salzburg besaß bis Ostern eine Oper. die sich nun auflöste, jedoch blieb das Schauspiel, um im Laufe Aprils noch Vorstellungen zu geben. Dll?. Etterich, die seit Ostern die Gratzer Bühne verlassen, gastirt gegenwärtig dort mit großem Beifalle. Später wird sie nach Ischl gehen. -j- Gestern den 26. April, wurde in Wien im k- k- Hofburgtheater «in neues Stück von dem hier bekannten Dichter Franz Hermann von Hermannsthal aufgeführt- Das Stück, von dessen Erfolg wir später berichte« wollen, heißt: „Ziani." — 5 Dem großen Maler Rembrandt wird man in Haag. wie wir in mehreren Blättern lesen, ein Monument errichten. Wozu braucht ein Mann, wie R embran d t, noch ein Monument? — -j- In Wien wird der Neubau d.'s Leopoldstädler Theaters bestimmt am 1- Mai beginnen. Der Director Carl wird mit feinen excellenten Komikern zusammen eine Kunstreise nach Deutschland, vorerst nach München > antreten. In Prag fand vor wenigen Tagen die Eröffnung der dicsijährigen Kunstausstellung Statt, die von vielen tüchtigen Meistern beschickt wor« den seyn soll. 1- Nestroy's neuestes Product: „Der Schützling .» macht in Wien ein ungeheueres Glück, und es sind dem Verfasser von Ad albert Prix 1000 fl. C, M. zur Ucberlassung dieses Stückes geboten worden, die er jedoch vor der Hand ausschlug. -j- Die durchlauchtige Verfasserin mehrerer trefflicher Lustspiele, Prinzessin Amalie von Sachsen, befindet sich seit einigen Tagen in Wien. -z- I enn y L i n d, die sich sträubte, in London aufzutreten, wird von dem englischen Volkswitze »der Elephant ciner indischen Schauspieler« gesellschaft» genannt, der sich gewöhnlich etwas ziert, bevor er die Bühne betritt. -j- Der (einst) so berühmte französische Tenor Duprez war un, längst in Wien, ohne jedoch als Gesangskünstler aufzutreten, wie man hoffte; er ging wieder nach Paris zurück- Leopold Korde sch. Literarischer Eourier. Dicsünal soll unser Courier ci»e betrübende Nachricht bringen, eigentlich blos; den Nekrolog enthalten, den die „Prager Zeitung" ihrem vor wenigen Tage» verstorbenen wacker» Redacteur, Herrn Ladis-laus Ta rnowski, durch einen ungenannten Freund des zu früh Gee schicdencn weiht. Dieser Nekrolog lautet, wie folgt: Die Nr. l>, der „Präger Zeitung" brachte uns bereits die betrübende Nachricht von dem frühen Hinscheiden ihres allgenoi» beliebten und geachteten Redacteurs, und wir wollen dem Andenken dieses wahrhaft gebildeten Mannes nur noch einige wenige Worte schenken, Gottfried Schulze erblickte am >2. Februar >8>l in Brcs« lau das Licht der Welt. Von armen Acltcrn gebore», fühlte er frühzeitig den Drang zur Dichtkunst, und bereits im Jahre ,829 betrat er uincr dem Namen Ladislaw Tarnowski mit einigen Novelle» das litcra-rischc Feld, welche Erstlinge sich eines nicht kleine» Beifalls zu erfreuen hatte». Aufgemuntert durch diesen Erfolg scheute er weder Fleiß, »och Ausdauer, um seinem einmal angenommenen Namen eine litcrarische Geltung zu verschaffe», u»d »icht lange währte es, galt Ta r » ow ski, für eine» der fruchtbarste» und beliebteste» Novellen- und Romanschriftsteller Deutschlands. Im Auslande war es auch, wo er einige populäre Zeitschriften theils selbst herausgab, theils auch nur rcdigirtc , und wenn auch in diesem Fache nichts Ausgezeichnetes, jedenfalls doch Gutes und Zwcckmasii-ges leistete; so wie man mit Bestimmtheit annehme» lan», das, in ganz Deutschland keine cmzige Zeitschrift cristirte u»d »och cristirt, darin »icht Tarnowski als ger»c gelesener Mitarbeiter sein Scherflei» beitrug. Vom >. Iä»»cr 18^6 bis einige Stunde» vor seinen, Tode verwaltete er mit rastloser Thätigkeit und ancrkennenswcrthem Streben die Redaction der Prager Zeitung, welche bei ihn», gegc» früher, «»streitig Vieles gewonnen hat. Tief erschütterte mich die Nachricht, Ladislaw Tarnowski sey am ,6. d. M. i» scincm 36. Lebensjahre verschiede». Wen» ich a>ich schon lange vorher um sein Lebe» besorgt war, so hatte mich noch cine a»schci»c»de Besserung, die er s.'lbst zu fühle» mich versicherte, beruhigt; er glaubte bei strc»ger Diät und sorgfälliger Pflege noch einige Jahre hinhalte» zu könne» ; gänzliche Genesung bezweifelte er. Er starb, — nachdem es sein eigener Wille war, dahi» gebracht zu werden — im allgemeinen Krankenhause, vier Stunden nach scincr Ankunft. So bald von dieser Erde scheide» zu müsse», dara» dachte er nie. — Tar»owski's Charakter war durchaus fiectc»rein; ein echter Biedersinn, cme innige Gutherzigkeit und ein wohlwollendes Vertrauen zu allen Menschen bezeichneten sei» Wesen und sein Wirke» — Eine rastlose Thätigkeit, die auch seinen kleinen Körper,» fortwährender Beweglichkeit erhielt, blieb ihm bis zu f.inen» Tode cigc». Die Leiche wurde an, >8. Nachmittags 2 Uhr auf dem Wolschaner Gottesacker beerdigt. Einige der vorzüglichere» Prager Schriftsteller der deutsche» u»d böhmische» Literatur begleiteten ihre» Collegcn auf dem letzte» Lebenswege. Und somit hatte ich den» auch diesen Freund i» die Liste der Vcr« lore»en ciugetrage» ; cr hat das ersehnte Ziel eines deutsche» Schriflstel« lcrs erreicht. Friede seiner Asche'. — Verleger: Ignaz Alvis Gdler v. Kleinmayr.