Dienstag den 17. August. 1790. Inländische Nachrichten, Wien ben 12^« August. Vor 4.Tagm' sind 8. Wagen mit dem ersten Transport der königl. Equipage nach Frankfurt abgegangen, worunter sich auch der goldene Tafelservice Sr. Mal- befindet. Die Offiziere zur Komplmrung der Ungarischen Noble Garde sind bereus m Wien eingetroffen; unablaßlg wud an den Uniformen gearbeitet; sie erwarten täglich Ordre nach Frankfurt abzugehen. Se. Maj. unser Kömg wlrd klmfn-ge Woche über Graz, Laibach uud ^nest nach Fiume abgehen, um den Konlg, dle KöniM, und die beyden Pnnzeßmen von Neapel da zu erwarten. Man sagt: beyde Swllanl,che Majestäten werden unter fremden^ Namen der kaiserl. Krönung in Frankfurt beywohnen. Es heißt der Konlg und tm Königin von Spanien werden dabey erscheinen. «<, In Toskana, besonders zu Florenz ist die Freude allgemein, da man ersah-. «n hat, daß der Erzherzog Ferdinand gleich nach seiner Vermählung mit der Sizili« anischen Prinzeßin Amalia in Florenz re« sidiren , und der Hauptstadt so / wie auch dem übrigen Lande dadurch ein neues Leben geben wird. Se. Maj. haben den Herrn Staatsreferendar Baron v. Spielmann mit aus« gezeichnetem Wohllvohlcn aufgenommen. Die Auswechslung der höchsten Ra^ tifikazion der auf den Kongreß zu Rei-ichetlbach gemachten Beschluße ist größten? Shells bereits vor sich gegangen. In Wien politisirt man ^verschieden über den durch Preußens Vermittelung mit der Pforte zu schließenden Frieden — doch ohne achten Grund. Indessen sagt das Gerücht: Oesterreich erhalte zn Folge der in Reichenbach bestattigttn Friedenspräliminarien das Türkische Kroaten bis an 'die Una, in Servien nur Belgrad, und 'jSchabaz sammt den dazu gehörigen Di-Mkttn; ferner Orsova, und das Iyrt Elisabeth, bann Chozmi mit ber Ua/ilH die Wallachey bis an den Alutastuß ; end-l lich 18. Millionen Piaster, 5. Piaster auf einen Zechini gerechnet für die Kriegs-Unkosten; weiters garantire Preußen dem Hause Oesterreich die Niederlanden mir dem Bedinge, daß die alte Konstituzion alldort beybehalten werde, dafür ist Oe. sierreich nicht entgegen, daß Preußen Thorn und Dan ig bekomme, l Ein anderes Gerücht sagt: Die Pforte soll sich näher erklart, und dem Hause Oesterreich für die Verlornen Provinzen und Priegskosten 50., und nach andern 72. Millionen Piaster angeboten haben. Andere glauben, daß es zuletzt bey dem Passarowitzer Friedensschlüsse sein Verbleiben haben werde. Aber alles dieses, wie schon gemeldet worden, ist noch ungewiß. Was den Hof von Petersburg be-trift, so behauptet man, daß derselbe bey dem einmal gefaßten Entschlüsse, in Ab' slchc auf die Moldau, Wallache,) und Bcjsaradiett, beharren werde. Diese Bedingungen hat Katharina die Zweyte durch ihren Minister Grafen v. Ostmuann, allen Machten von Europa vorlegen lassen. Bey diesen Aussichten zum Frieden, geht der Herr Feldmarschall v. Laszo, wenigstens für itzt, noch nicht zur Armee in Mahren ab.' Die Oesierreichischen Heer? in Böhmen, Mahren, Schlesien, und Gallizien, so wie die Preußischen, werden indessen, bis alle Angelegenheiten! zwischen den kriegführenden Machten be-/ richtiger sind, eine ausgedehntere Stellung nehmen, um dem Landmanne bey seinen bringenden Arbeiten desio weniger lastig zu sepn. ^' Eine beträchtliche Abtheilung österr. Truppen, wird sich nun nächstens nach dm Niederlanden hingehen. Unter dieser ist viel Kavallerie. Der Friedenskongreß mit den Türken wird in Bukarest iu einem neu erbauten Palais des Fürst Ma-vrojeni gehalten werden. Die Franzosen haben die Idee Heinrich des Vierten, welcher sagte, er wolle es noch dahin bringen, daß jeder seiner Unterthanen Sontags ein Huhne essen könnte, einigermassen realisirt. ZuVe;anzy m Languedock hat der Magistrat allen Einwohnern aufgetragen den 14. Heum. eine Huhne zu kochen, wer nicht wohlhabend war, solche zu kaufen, erhielt sie von Magistrat unentgeltlich. Die junge Türkin, welche Loudon bey der Einnahme von Belgrad aufgenommen , ist sehr traurig, und weinet unaufhörlich über den Hintritt ihres Wohlthäters. Sie hat in der Taufe den Namen Thekla bekommen, spricht schon recht gut deutsch, geht in das zehnte Jahr, und sie nannte den alten Loudon: — Äascha Papa. Es ist in die v. Kurzbötkische Buch-druckerey ein Provisorium wegen des Wuchers in Druck gegeben worden, das Hauptpattnt wird erst nachfolgen: durch ^ dieses Provisorium sind die fmgirtcn Wechsel Giri und Cessionen verboten, und die geringste Straft wider einen Wucherer ist, da^ er nichts bekomme, und jenes ^ was dem Debitor bekommen zu haben er? wiesen w!rd, dem Armenmstitute zufalle. Semlin den 2 August. Der selige Moses Putnik hat in seinem Testamente m.ter andern icovo Gulden M Erziehung zehn alwet Kinder bestimmt. Das Kapital soll bet Komitateu angelegt, und das InteM, zu 6 Prozent, zu jener Absicht verwen-det werden. Die übrige hinterlassene Sum» ^ > me, die bei 8ocoo Gulden an baarcmj, llnd angelegtem Gelde betrug, hat er mi- ^ ter seine Anverwandten und Diener vertheilt , und seinem Sekretare, einem geschickten Manne, nebst zugesagter Beförderung 4OOO Gulden ausgesetzt. Dieser^ Erzbischof war ein auch im politischen Fache sehr geübter Mann, angenehm in ^ Umgänge, großmüthig / wo Hülfe nöthig ^ war, ungezwungen freundlich bey Bewirthung der Gaste , ohne Falsch , in seinem! Betragen slch immer gleich und ruhig /! ein besondrer Freund vom Militär. Sein! einziger Bruder ist Oberster und Komman-'dant des deutsch banatischen Regiments. In Belgrad ist man sehr auf der Hut, weil man besorgt, daß ein Theil von der Hauptarmee des Großve.mrs und andere nähere türkische Völker sich vereinigen , und unw'rmuthet in tortiger Ge« gend erscheinen möchten. Es werden daher alle kleinere Abtheilungen unserer Truppen zusammen gezogen, um jedem Anschlage der Osmannen, den fi? etwann in Absi'cht auf diese Festung gefaßr haben könnten , gehörig ?.u begegnen. Eben vernehmen wir, dc,ß ein zu Belgrad in Verhaft genon mcner Sp:on diese Vermuthung durch leine Aussage besiattiget habe. Vrün dcn 8. August. Ausser einigen Infan^rilre chu.'ntenl sind auch wirklich schon 4. Hussarfnrfqimenter auf dem Marsche tn'ch dm Nitd^rlandell begriffen, welche daseilst cine qc-n^ andere Art von ^LnK Rntrc^' halten werden, — Die Mten Nitdcllcl^r wcrdcn sich verwun-^/rn, wenn sil wie so starke Bedeckung nlr ihrcn van dn Noot werden anrücken 'chen. Dieser hct sich aber auch durch «inen Eifer für die Revoluzion verdient AMacht, indem er im vorigen Jahre nach dem Haag und nach 5onbo« gereiset, um Unterstützung zu suchen, aber nicht einmal Gehör gesunden hatte; indem er einen gewissen Gesandten in Paris icxDO. Loujs-d'or angetragen, wenn ihm der Plan be? französischen Rcvoluzwn zuwege gebracht werden könnte:c. Nur ist zu bedauren, daß auch jene Klasse von Unterthanen, nämlich das ^uarmln ßemiZ liominum i< den Niederlanden, welches sich von nichtt weniger, als von einer Revoluzion trau-,men ließ, das Opfer derselben werde« mußte. Indessen werden unsere schnür« bartige Missionarien die Gebote unsers Monarchen gewiß mit der Menschenfreund» llchsten Schonung unter die Abtrinnige» verbreiten, und man will ganz sicher hoffen , daß die niederländischen Geistliche» dieser Wiedetbekehrung nicht entgegen seyn werden. >. presburg den 5. August. Von der türkischen Grenze her gehen lauter solche Nachrichten ein, welche Vorbothen einet nahm Friedens zu seyn schemen. Nach einem Privatschreiben aus Karaul in der Wallachey, soll der Großvezier schon un« ter dem 21. Heum. bey seinem Heere die Todesstrafe jedem Türken haben verkun» Obigen lassin, der über die Donau gienge, jiund ?u Feindseligkeiten Anlaß gäbe. !Wirklich halten sich die Türken auch al« z!lenthalben sehr ruhiq, und wird gleiche Friedfertigkeit von unserer Sitte beobachtet. Auch hat der F. M., Prinz von lKoburg, das Vorhaben Giurqievo zu belagern, aufzugeben, und sich näh,r gegen Bukarest zurück m ziehen Befehl erhalten, welches bereits am 11. Heum. geschehen ist. Desselben Hauptlager ist nun zu Slnestie, 2 Stunden von Bukarest entfernet, und all, ferneren Posten haben sich demselben genähert. Der VettemltMM A^on v. Kamle-z«y, hat in einem ans dem Lager bey Suhad in der grossen Wallachey, vom 24. Heum. datirten, an die Verleger der Zeitungen gerichteten GHreiben, zu er, kennen gegeben, er habe ungern in eini-gm Provinzial;eitungen und hier erschie» nenen Nachdrlteksn die ganz falsche Nachricht gelesen, daß er übler Gesundheit wegen den Dienst niedergelegt habe. „Nie wäre ich fähig — so schreibt dieser edle Held und Patriot, gegen Staat und, Paterland, denen ich mein Leben und, mein Glück verdanke, so umc?enntlich zu^ handeln, da ich es für meine erste Pflicht halte, bis zu meinem lezten Lebenshauche,! mich denselben aus allen Kräften zu wid-j wen. Ich glaube es daher mir selbst^ schuldig zu seyn, damit keiner meiner -Schritte auch nur zweifelhast scheint, jene irrige Nachricht so weit zu berichtigen, daß ich mit Urlaub, nur anf einige Wochen , die Armee verlasse, um in einem Bade meine durch die zwey bisherigen Feldzüge erschütterte Gesundheit wieder herzustellen. Czettin den 6. August. „Von dieser Festung eine gena le Beschreibung zu! machen, ist beynahe eine Unmöglichkeit,^ denn es ist unglaublich , w.'lche Lage dieser Ort zwischen den steilsten Felsen hat. Nur wer denselben in « und auswendig sehen kann, ist im Stande sich davon ächte Begriffe zu machen. Die Umfangs, mauer ist 2. Klafter hoch, und der Graben zwischen derselben und der hohen Mauer mehr als 3. Klafter breit; die Kasematen , welche aber min größtentheils Verdorben sind, halten gan; füglich 6oo._ Menschen in sich, und sind bombenfest. ^ Man findet m dee Festung «oH viele Alterthüner aus der Römer und den altungarischen Zeiten. So sieht man auf dem Brunnen , ausser Czettin, wo die Tschartake abgebrannt worden ist, em Grab mit der Inschrift: U«c izimr in kallk lö^uicscinn, nadilis O2orzii olla, äiiiil (?2rZvic!! L,3cinienli8. Z^un<: tumn» lum i^ic lu!3 Iinp2nli8. M. 5. (7. c?. (ü.