Vereinigte L a i b a ch e r Z e i t n n g. Dienstag den 10. Oktober 1620. Inland. L a i b a ch. ^m 4. d. M. wurde das allerhöchste Namensfest unsers allergnadigsten Herrn und Landesvaters, mit einem vom hochwnrdigen Herrn Bischof in der Domlirche abgehaltenen Hochamte,welchem sämmtliche Zivil» und Militär «.Behörden lind die zahlreich versammelten Bewohner dieser Stadt beiwohnten, in der Stille gefeiert. Am Abende wurde in dem festlich beleuchteten Theater das allbeliebte österr. Volkslied: Gott erpalte Franz den Kaiser':c. gesungen und darauf bas vaterländische Schauspiel Fürstengroße gegeben. Angekommene Schiffe in Trieft am 3. und 4. September. ^^ie österr. Goelette Merope, von 44 Tonnen, Capit. Matth. Dorovich, von Maltha und Spalato wit Baumwolle, auf Rechnung von Nicol. Nicolorich. Die österr. Bombarde, die Vorsehung, von 60 T., Capit. Joseph Crillich, vonBengazi mit Wolle, auf A< vonLuk. Passarevich. Das österr. Trabackel Theo-borich,von 124 T., Capit. Mark. Radomiri, von Smyrna mit Wolle, auf R. von Paul Dabinovich. Dleösterr. Brigantine, de« Herrschende, von 121T., Eapit. Ioh.Psbor, von Val di Noce (leer), aufR. von Gr. Minevbi. Mehrere Barken. Mien, den 2. Oktober. Die k. k. rereinigte Hofkanzlei hat die, durch die Übersetzung des Doctor Laschan nach Neustadt erledigte Kreisarztes - Stelle zu Ragusa, dem Doctor Ludwig Tonoli, ehemaligen Kreisarzte zu Macarsca zu verleihen befunden. Ungarn. Berichte aus Pesth vom 23. September melden üder die Anwesenheit des allerhöchsten Hofes daselbst, neuerlich Folgendes: Das Befinden Ihrer k. k. Majestäten, und der übrigen hier anwesendes» hohen Herrschaften/ ist fortwährend das erwünschte« ste. Am 24. Früh wohnte- der allerhöchste Hof dem Gottesdienste in derUniversitats-Kn'che bei, hierauf waren bei Sr. Maj. dem K nser öffentliche Audienzen, wobeiAllerhöchstdemselben, so wie nachher auch Ihrer Maj. der Kaiserin, abermals mehrere Magnaten und Deputationen von Comitaten vorgestellt zu werden die Ehre hatten. Se. Maj. der Kaiser geruhten, .nitAllerhöchstihrem für dieses Ihr Königreich von jeher unausgesetzt, besonderen Wohlwollen, obi« ge Deputationen, so wie auch bc: dcn vorhergehen« den geschehen war, huldreichst zu versichern, daß Allerhöchstdieselöen noch wie vor liebreich und lan« desväterlich diesem Königreiche zugethan bleiben und dessen Verfassung aufrecht erhalten werden, zuversichtlich vertrauend, daß auch die Ungarische Nano.'l fortdauernd ihre unverbrüchliche Anhänglichkeit, Treue und Bereitwilligreit für Se. Maj. und Allerhöchst» > 332 dero k. k. Haus bewahren werbe, U^ter den bisher II. kk. MM. vorgestellten Comitats - Depn« tationen waren die der löbl. Comitate Csongrad, Weszvrem, Honch, Sruhlweißenburg, Tolna, Neo-grad, Borsod, Szabolcs, Sümegh, Szemplin, Syr-mien, Bihar. — Die übrige Ziit der vorhergehen, den und folgenden Tage widmeten Se. Maj. der Kaiser den Staatsgeschaften. Wegen des am 21. eingetretenen Regenwet-terZ/. das bis am 24. ununterbrochen anhielt, wurden die Lager-Truppen am 23. und 2H. in die benachbarten Ortschaften um Pesih und Ofen/ so lme in deren Vorstädte, einquartirt, und die Produktionen besagter Truppen einstweilen ausgesetzt. Gestern sollten die Truppen wieder ins Lager einrücke«/ und die Productionen fortgesetzt werden. So bald dann die Witterung es Hulaßr, werden die großen Manövers folgen. Über den ferneren Aufenthalt des allerhöchsten Hofes zu Ofen und Pest h meldet die dortigeZei» tung vom i. Oktob. Folgendes ^ „Der Aufenrdalr II. kk. MM. allhier, dauert, zur allgemeinen Freude der Einwohner beider Städte und der unausgesetzt aus dem ganzen Lande herbeiströmenden Fremden, forr, und fortwahrend ouch ist das Pesmoen II. MM>, so wie daö der übligen hocysten Herrschaften, das beste. Die vereinigte Ofner und Pesiher Zeitung enthält folgende Kundmachung: Um den Papiergeld- Besitzern auch im Königreich Ungarn die möglichste Leichtigkeit und Bequemlichkeit für die Umsetzung ihrer Baarschaft in Convencions» münze zu verschaffen, werden außer der in Ofen schon bestehenden Verwechslungsanstalr der k. k. priv. österr. Nationalbank, vom 1. des künftigen Monats Octoder laufenden Jahrs angefangen, den Privatparteien die Einlösungs, und Anticipations-scheine, gegen convcntionsmaßige Sildermünzen oder Banknoten, in dem Werihsverhältnisse zu 25o fi. Papiergeld, gegen 10a fi. Silbermunze oder Banknoten, durch folgende 6 Camera!-Verwechslungskassen, nämlich durch dis Dreißigstämter zu Preß« bürg unb zu Agram, dann durch d«'e Salzamteß zu Essegg und Debreczin, endlich durch die Einlösungsscheinkassen zu Ka schau und Teme^-var, verwechsele norden. Vor der Hand muß abcv jeder Betrag, welcher von Parteien zur Einlösung überbrachc wird, die Summe von 25 fi. erreichen, oder übersteigen, und mir 25 theilbar seyn, wornach kleinere Btlage unter 25 ft. Papiergeld nicht verwechselt werden dürfen." (Ostrr. B.) A u s l a n d, Königreich beider Sizilien. Aus Sicilien hatte man Nachricht, daß Veneral Florestan Pepe mit seinem Generalstabe am 6. Sept. zu Messma angekommen war, die Exveditionsfiotte aber ihre Truvpen am 5. zu Me-lazza ans Hand gesetzt hatle, wohin sich Pepe am 7. gleichfalls begad, um gegen Palermo aufzubrechen. Unterdessen war auch Oberst Costa mir der Truppenabtheilung, welche Caltagirone eingenommen hatte (ilach ,einer telegraphischen .Depesche) , am 5. Scpt. in Caltanisetta eingerückt; Tags dlN'aufschlug er ein palcrmiranisch'?s ,Corps von ,i5oo Mann In« fanterie und 200 Cavallerie bei Calcanisetla, todl^e daoon »5o Mann und eroberte dessen gan^e, ails ^ Ka,,onen bestehende Artillerie. Am 6. Sept. wollte Oberst Costa S. Cataldo ongr«iftn. Die Pa« lermiraner behaupteten sich noch in Ficarra, im 'oal« le di Messina, und unterhielten einige Comm mi» kaiionen mit dem ihnen ergebenen Patti. In der Valle di Catania behaupteten sie Broitte, von wo auH sie die benachbarten Gemeinden bedrohtem. — Es hieß, Palermo,wolle eine zweite Depnlacion mit neuen Antragen nach Neapel schicken, welche datzi« gingen, daß Sizilien eben so viele Depittirie als das Königreich'Neapel in das Parlament abordnen sol-lc. Die Iultta zu Palermo hatte durch ein De< kret die unter dem Namen von Guirilla'S herum« sireifcnden Horden, wclche die Gemeinden brand,aia-hen, aufgehoben, und ihnen befohlen, die aus deM Zeughause geraubten Waffen zurückzugeben. 535 Frankreich. Ein so eben aus PariS eintreffender Kurier 'bringt die Nachricht, daß bei seilNr Durchreise zn Straßb u r g (2g. Se^r.) daselbst durch eine telegraphische Depesche die Meldung aus Paris ein» Gossen war, ,dl,ß die Frau Herzogin von "erry ai, ghen gedachtem Tage glilcklich von ei' nem Prinzen entbunden worden sei. Vei Abgang desselben Kuriers auä Paris (am 2?' Sept.) hatte man.dort Nachrichten aus Lissabon b:s zum s). gedachten Monats, welchen zu» folge alles fortwährend vollkommen ruhig in der Hauptstadt war,,, und der gegründeten Hoffnung Naum gegeben werden konnte, oasi der Aufruhr auch in dem kleinen Theile des Königreichs, den er ergriffen hatte , balo gänzlich gedämpft seyn würde. Zu Paris ist nun das'Verzeichnis; der Wahl-manner für das doriige Deparlementalcollegium angeschlagen. Bis .zum i. Sept. hatten sich ,555 einschreiben lassen. (Eigentlich sollte das höchst besteuerte Viercheil der Pariser Wahlmänner über 2ooo betragen.) Der niedrigst Besteuerte unter jenen i55ö zahlt jährlich üio Fr. 90 Cent., der Hocystbestcuerce 19,554 Fr. <)5 Cenl. Letzterer ist 5er Herzog Cambaceces, G roßbrita n n ic n. Am 19. Morgens schiffte sich der König zu ^righton zu einer Lustfahrt zur See ein. Se. Ma, iestüt segelten am Bord Ihrer Macht, dis von einer Fregatte und einer Corvette begleitet wurde, nach Spnhead, und wollten, wenn das Wetter günstig bliebe, erst in einigen Tagen wieder nach Brighcon zurückkehren. Londoner Blättern zufolge ?n der Marquis und die Marquise von Sagrati, zwei Zeugen zu "Unuen der Königin, zn London angekommen/ und del<,Lady Hanntton, der Hofdame und Vertrauten ^hl'er Majestät, abgestiegen. Sie speisten einige "5-age nach ihrer Ankunft zu Brandenburgh-House bei ^r Königin. Der Courier enchält darüber fol. gende Bemerkungen: „Nehmen wir emen Augenblick an, daß einer von den.. Zeugen gegen die K3» Nlgin im Cartton-Pallaste, oder in Sr. James's Square bei Lord Castlereagh gespeist h.lle. Großer Gott! Welche Abhandlungen würden uns nicht die Times und die übrigen raoicalen Blaser über den bestechenden Einfiusi einer Schildkröten - Suppe auf den Meineid dieses Zeugen, unt» über die unwider» stehliche Macht aufgetischt haben, die der Champagner ausübt, um die Einbildungskraft zu schärfen und den Verfolgern der Königin zu neuen Entdeckungen zu verhelfen ! Wie! Euren Zeugen Feste geben! Sie bewirthen! Sie zu eurer Tafel ziehen und solcherge» stalr durch Proben zu den Rollen vorbereiten, welche sie zu spielen haben! Das ist ja abscheulich! Nie hat man .die einfachsten Begriffe der Iustlz so unverschämt mit Füßen.treten sehen! Ungefähr diese Sprache führte man ja bloß schon deschalb, weil erwiesen roar, daß Theodor Majccchi am Ihore des Carllon-Pal-lasteS gewesen,, um einen Brief abzugeben, oder einen Lakai um etwas zu fragen. Aber beklagen wir uns, daß der Marquis und die Marquise von Sagrati bei der Königin gespeist haden? Weit entfernt. Mögen all^ Zeugen Ihrer Majestät so lange in Brandenburgs - House essen, trinken und schlafen, chis sie zu ihrerAussage gerufen werden. Wenn ihre Aussage das Tribunal befriedigt, vor dem sie z« erscheinen haben, so werden wir uns wenig darum kümmern -wer deli Zeugen ihre Atzung verabreicht habe. Wir werden unsere Aufmerksamkeit dlosi auf die Thatsachen richten, die sie aussagen werden, über« zeugt, daß sie vor der strengen Prüfung, die ihrer wartet, nicht werden Stich hallen können, wenll sie nicht auf Wahrheit gegründet sind." Osmanisches Reich. Nach zuverlässigen Briefen von der türkische» Grenze ist die Rebellion des Pascha von Ianina aufs vollständigste überwälriqet. Nachdem dieser Rebell, durch einzelne Niederlagen und Abfall seiner Truppen alle ihm bisher unterwürfige Provinzen nach und nach verloren haue, lieferte er zuletzt 4 529 Meilen von Ianma der türkischen Armee eine Schlachr. Diese lief so unglücklich füc ihn ab, daß seine Haupt--stadr am 3^l. August in die Häl^de der siegreichen tür-kiscyeil Truppen siel. Ali Pascha zog sich mit 4oo Personen in die Citadelle zurück, :vo cr nun, von allen Seilen eingeschlossen/ sich entweder ergrben, oder freiwillig in die Luft sprengen muß. (Einem jedoch nicht hinreichend bestätigten Gerücht zufolge, soll er letzteres bereirs gethan haben.) Der Kapudaua BeZ (erst? Admiral der Flotte), welcher die längs der westlichen Küsten von Griechenland kreudende türkische Flotte commaudirt, hat die Stadt Parga eingenommsi!. Veli Pascha Ali's ältester Sohn, dcr sie besetzt hielt, lM sich mitsei^ nem Sohne als Gefangener'ergeben. Seine belde,n jüngern Brüder, Mucht a r - und S < la h - P a sch a, sollen die Partei des Vaters schon früher »er'.assen und sich nach Depede l e n, ^dem Orte ihrer Geburt und ihrer Verbannung, zurückgezogen >h.iben. Durch diesen unvermuchcten Ausgang eines Unternehmins, wovon mnn in Europa ganz andere Folgen erwarbt zu haben scheinr, öesmdet sich die Pforte von Neuem im Besitz einer Menge von Provinzen, über welche sie seit vielen Jahren kaum «lchr den Schatten einer Autorität ausgeübt hatte. (Ostrr. B.) Vermischte Nachrichten. Wieviel Glauben manchen Zeitungen sbelzumes- fen ist/ mag Folgendes beweisen: Das Journal de Paris läßr den Fürsten von Ca» riZnano vonDresden nach Wien reisen, und von da «in Schreiben des Kaisers an den König nach Turin überbringen', und dach hatte sich gedachter Fürst nie von Turin entfernt. Dasselbe Journal läsir den Minister der auswärtigen Angelegenheiten von Genua nach Turin «in schiffen! Eben so ernennt es den General der Armee zum Vicekönig von Sardinien, ungeachtet man in der konl'gl. Armee keine solchs Ch/.rgs kennr. Vicekönig von Sardinien ist bekanntlich S, k. H. der Herzog von^Geneues?. Die Gazette de France schlagt ein Lager von Ls,ooa Österreichern unter den Mauern von Turin auf, und läf:t in allem Ernst die ersten Truppen bereits am 5. Sept. dorr eintreffen, während die Türmer weder am I. noch späterhin einen Österreicher gesehen haben ! ! ! ,(B. v. T.) Fremden-Anzeige. Angekommene und Abgegangene. Den 5-. Oktober. Herr Heinrich Fritz, Tabak- Fabtikant, von Agr.nu , eingek. Gradischa Vorstadr i)tr. 24. -" Herr Johann Nep. v. Alber, k. k. Landrath, voll Klagenfurt nach Triest. Den 6. Herr A^.ton Franz Martini, Glas-handler, von Gratz, eingek. Kap. Vorstadt Nr, 3<). — Frau Maria Gräsiä v., Sprin^enstein, ge-borne^Gräftn Chorinsky > Srerntreuz« Ordcnsdame,' von Linz nach Triest., Bcn 7. Herr Kart Lebensaft, Handelsmann, von Wien nach Triest. -» Herr Matthäus Pertsch, Professor der Arhitektuc, mit seiner Schwägerin Frau Katharina Vogel, von Triest nach Cilli. Abg e re i sc t. Den 5. Herr Ios. Ludwig Palazi, Antiqua'.> und Herr Hermenegild Solferini, Porcrait - Mahler, beide nach G'atz» Wechsel-Cours in Wien vom 5. Oktober 1620. Conventions-Münze von Hundert 25o st. Ignaz Aloys Edler v. Kiein.mayr Verleger und Re dacteue.