IV*In in« p)ft£»na t joIoti»!.! D e utsch e Zeit ung = Organ für die deutsche Minderheit im Dravabanat — = ■ *rtftirirtng ant 8«rwotong: frctomeoo »ttca 5, tdephon »r.Zl (inttrmrban) 1 v»,ug»pr»il« für da» Inland: vierteljährig 40 Hin. halbjährig 80 Dw, jaiq. ■vtAcMfangen mtxbt* in b« v«r»alt»ng |» bllligften Gebkhren ntigtflrngtncmmtn f jährig 160 Din. Ztir da» «»»land entsprechend« Erhöhung, »injelnummer Din l.50 Erscheint wöchentlich zweimal: Donnerstag früh und Samstag früh mit dem Datum vom Sonntag I Seife, Sonntag, den 26. Oktober 1930 | 55. Jahrgang Nummer 86 Revisionserörterung (Deutscher Brief) Es wäre unnatürlich, wenn das deutsche Volk in seiner bedrohlichen wirtschaftlichen und politischen Lage nicht gerade an der Stelle eine Erleichterung seines mühseligen Daseins anstreben würde, wo der Widersinn des Gegenwartszustandes sich am drückend-sten fühlbar macht. Der Wunsch nach Revision zunächst von Tribulbestimmungen, die nicht nur für Deutschland unerträglich, sondern auch in ihrer wirtschaftlichen Zwangsläufigkeit international un-ausführbar sind, ist eine unausbleibliche Folge der durch die Weltwirtschaftskrise noch übersteigerten Katastrophenentwicklung. Man wende nicht ein, datz alle Länder unter der Weltwirtschaftskrise leiden. Am schwersten werden selbstverständlich diejenigen Länder betroffen, die durch die Sonderbelastungen und die Gedietsver-stümmelungen des Kriegsausganges geschwächt sind. Psychologisch wird der Unwille des deutschen Volkes über die wachsende Verelendung noch durch den Ausblick nach Westen hin verstärkt, wo Frankreich völlig ohne Arbeitslosigkeit ein Rentnerdasein aus Kosten Deutschlands führt und noch darauf hin-weist, datz es seine Riesenrüstungen ohne Mühe mit den deutschen Tributeingängen begleichen kann. Eo wird von innen heraus jede Reichsregierung in immer stärkerem Matze zu einer Aktivierung der Außenpolitik gedrängt, wie sie jetzt auch schon die der regierenden Zentrumspartei nahestehende Korre-spondenz Krautz für unumgänglich erklärt. Der Revisionsgedanke hat selbstverständlich immer im Hintergrund der deutschen Außenpolitik gestanden, auch solange sie eine sogenannte Er-füllungspolitik sein mutzte. Deutschlands geographische Technik, Kultur und Kunst Worte ju einer Streitfrage des Alltagslebens Bon Dr. Aisred Möller, ibraz Man hört sehr oft in unseren Tagen von den „ungeheuren Fortschritten der Technik und ihren un-geahnten Werten für die Entwicklung der Menschheit" sprechen. Im Anschlutz daran fällt hie und da das Wort: „Wissen Sie, Kunst ist ja auch was Schönes, aber neben den großartigen Wirkungen, die das Maschinenzeitalter auf seinem eigentlichen Gebiete zeigt, hat sie eine weit geringere Bedeutung." Die guten Leute, die so sprechen, merken nicht, datz sie Dinge, die man ganz wohl nebeneinanderstellen kann (Kunst und Technik), in ganz verschiedenen Folgeerscheinungen auf ganz verschiedenen Wirkungs-gebieten vergleichen. Was die technischen Errungenschaften dem Menschen gaben, wird kein Vernünftiger gering ein-schätzen. Aber man darf nicht vergessen, datz sie zwar ein Zeugnis von dem geistigen Fortschreiten in vielen Momenten unseres praktischen Lebens abgeben, selbst aber für den geistigen Entwicklungsgang der Allgemeinheit viel geringere Bedeutung haben, als es, um ein recht bescheidenes Beispiel zu nennen, zum Beispiel die Eröffnung einer Volke-schule ist. Aus dem rein geistigen Leben können wir uns alle jene Wunder und Werke des Bahnbaues, des Dampfes, der Elektrizität hinwegdenken, die uns heute umgeben, und wir hätten keinen Rückgang in der durchschnittlichen Intelligenz der Allgemeinheit und politische Lage hat nach Ansicht aller bisherigen Regierungen in den vergangenen Jahren keine un-verhüllte Revisionspolitik gestattet, wie sie beispiels-weise von Ungarn nach autzen hin vertreten und durch Bündnisse in die Praris übergeführt ist. Aber Sttesemann hat immer das Ziel einer späteren Re-vision im Auge behalten. Er wollte zunächst das Rheinland von der Besetzung desreien und im Westen stabile Verhältnisse schaffen, um dann die Hände für eine Aktivierung der Politik nach dem Osten und unter handelspolitischem Gesichtspunkte nach dem Südosten frei zu bekommen. Eine Akti-vicrung der Tributpolitik ist bisher unter dem Druck der schwierigen inneren wirtschaftlichen und staats-finanziellen Verhältnisse nicht gelungen. Jetzt verleiht aber die politische Stimmungs-entwicklung einer Revisionspolitik einen so starken Innendruck, datz sich im Tempo zwischen dem Wollen des Volkes und dem Können der Regierung Spannungen ergeben müssen. Die breiten Schichten der Arbeiterschaft beginnen, wie sich Schacht in New Dorf ausdrückte, zu begreifen, datz die Tribut-leiftung nicht nur eine Angelegenheit des Kapitalis-mus ist, sondern auf die Lebenshaltung jedes ein-zelnen drückt, eine Erkenntnis, die dem wirtschaftlich aufs schwerste erschütterten und zum Teil entwurzelten Mittelstand bereits durch die nationalsozialistische und Hugenberg'sche Agitation eiegehämmert worden ist. Datz der freigewerkschaftliche Bergarbeiterverband, der in der Kohlenfrage die Poung-Abmachungen besonders zu spüren bekommen hat, jetzt in einer Reihe mit den Rechtsgruppen für Revision eintritt, kennzeichnet die Lage. Im Ausland hat man begonnen, diese Ent-Wicklung aufmerksam zu verfolgen. Man wird aus der Haltung der verantwortlichen Kreise in Deutsch- zu verzeichnen. Kann man sich heute in jenem durch die Technik aufs reichste ausgestatteten öffentlichen Leben reichere Geister denken als einen Homer, einen Dante, einen Shakespeare, einen Goethe oder einen Schiller? Die Ausgestaltung und praktische Verwertung der technischen Wissenschaften bezeugt die Entwicklung von starken Intelligenzen auf diesem Gebiet, kann aber nicht tu ihren Emanationen auf die Intelligenz der Allgemeinheit steigernd wirken. Im Zeitalter der Maschine ist der Boden für die Entwicklung grotzer Geister auf den Gebieten der reinen Wissenschaften und der Kunst nicht viel günstiger als in einem von all diesen einen so glän-zenden Eindruck machenden Einrichtungen entblößten Leben. Wie sollen auch Dinge, die das Leben be-quemer machen, eine besondere Bedeutung im gei-stigen Dasein der Menschen gewinnen? Niemals wirkt die Bequemlichkeit befruchtend und anregend. Niemand wird einem Erdenbürger, der im Luft-ballon auffliegt, im Luruszug aus dem Norden an das südliche Meer rast oder im pustenden, hustenden Kraftwagen eine Bergstraße „nimmt", das Hochgefühl verargen, das er in der Benützung dieser „Wunder der Erfindung" in sich erwachen fühlt. Dankbar mag und soll er der Intelligenz jener Männer gedenken, die ihm solche Genüsse ermög lichen, aber er soll sich als einfacher Benützer jener Vorrichtungen nicht überheben, nun nicht auf jene Geschlechter verächtlich herabblicken, die ohne solche Verkehrseinrichtungen, also weniger bequem und rasch, langsamer und bedächtiger, aber gewiß nicht weniger klug, durch die Welt schritten. land den Eindruck gewonnen haben, daß Deutschland keine jähen und gewaltsamen Schritte beabsichtigt, zumal ja sogar ein Hitler einem englischen Korre» spondenten erklärte, datz auch die Nationalsozialisten nur das Mögliche wollen. Im Auslande wird man einsehen, daß dieses Mögliche das Notwendige ist, wenn es Deutschland gelungen ist, seinerseits im Innern das Mögliche und Notwendige zur Sanie-rung seiner Finanzlage zu tun. Die Gefährlichkeit des russischen Dumpings Zur 2. Konferenz der südöstlichen Agrar-staaten in Bukarest Der Begriff Dumping, Schleuderverkauf, ist nicht neu. Man treibt „Dumping", wenn unter Ausnützung sehr hoher Jnlandpreise Erzeugnisse, geschützt durch Zölle und andere Maßnahmen, im Auslande zu ganz niedrigen Preisen verkauft, also verschleudert werden. Der Begriff „Dumping" ist auf die klare Formel zu bringen: Einen Teil der Erzeugnisse mit Verlust „im Auslande" zu ver-kaufen und den anderen Teil mit hohem Nutzen — im Jnlande — abzusetzen. Auch seriöse Erzeugerländer treiben Dumping, doch besteht zwischen diesem Dumping und jenem der Sowjetrussen, dem offensichtlichen Schleuderver-kauf, doch ein gewaltiger Unterschied. Es ist be-kannt, daß Sowjetrußland den Gesamtbesitz gewaltsam enteignete und die Gesamterzeugung fast aus-schließlich durch Zwangsarbeit, also durch Robott, und unter geradezu unmenschlicher, also unkommu-nistischer Ausbeutung der Arbeiterklassen, erzwingt. Ein Beweis dafür sind die „Stoßbrigaden" in der Sowjetunion, die sich angeblich „freudig" in den Dienst der Sowjetherrschast stellen, um den Fünfjahrplan durchzuführen. Im praktischen Leben sind jene Errungen-schaften, die doch nur eine Folge hohen geistigen Lebens sind, kaum ju missen. Aber ihre Anwen-d u n g soll man nicht als geistige Taten einschätzen, wie es geschieht, so oft man die eingangs zitierte, oft gehörte Redewendung gebraucht. Wer ein gutes Buch in sich aufnimmt, erfährt eine innere Berei-cherung. gelangt zu einer Förderung seines geistigen Ich. Wer alle Wunder der Technik in seinem Hause vereinigt hat und in Bewunderung dieser Einrich-tungen sich als ihr Verwerter glücklich preist, er kann weit, weit hinter irgendeinem einsamen Mann früherer Jahrhunderte zurückstehen, der mitten in einer schwerfälligen Zeit seine Bibel las und sich zwar ferne raffinierter Verwertung der Naturkräfte, aber nahe den Quellen geistigen Lebens befand und davon trank. Freut euch all der Einrichtungen, die das Können der Ingenieure euch bietet, aber ver- Sleicht ihre Wirkung auf euer Leben nicht mit denen, ie die Kunst auf die Menschheit übl, stellt die äußere Bereicherung des Lebens, die technische Schöpfungen bietet, nicht neben die innere, die das geistige Leben einer Nation durch die Werke der Literatur, der bildenden Kunst, der Musik erhält. Daß sich Einrichtungen der Bequemlichkeit in ihrem Wert rascher und leichter einschätzen lassen als geistige Einflüsse, ist selbstverständlich. Jene dienen dem einzelnen in augenfälliger Weise, diese wirken im Verborgenen, zeigen ihre Wirkung oft erst, wenn man Generationen oder gar Völker, die unter diesen Einflüssen standen, mit solchen, die davon unabhängig blieben, vergleicht. Der Philister. Seite 2 Deutsche Zeitung Nummer 86 Jede kapitalistische Konkurrenz beruht auf dem Grundsatze des freien Wettbewerbe», der den Preis-kämpf ermöglicht, wodurch Preise geregelt werden. Treibt aber ein kapitalistisches Erzeugerland Dumping, dann läuft dieses Land Gefahr, im eigenen Lande mit denselben Dumpingwaffen angegriffen zu werden. In Rußland gibt es keinen freien Wettbewerb, weil der Innen- und Außenhandel Monopol der Sowjet-Herrschaft ist, die noch dazu durch schärfste Maß-nahmen die Bevölkerung niederhält. Schon aus diesen Gründen kann Sowjetrußland Dumping treiben, gegen das die betroffenen Staaten vorgehen müssen. Diese Staaten können aber selbst in Sowjet-rußland nicht Dumping treiben, weil in diesem Staate der Handel monopolisiert in den Händen des Staates liegt. Eine weitere Ueberlcgung kommt hinzu. Jeder Erzeuger muß, um zu bestehen, wenn er nicht schon mit erheblichen Gewinnen arbeiten will, sich vor Verlusten schützen. Gelingt das nicht, so kann er nicht konkurrieren. Sowjetrußland braucht solche Ueberlegungen nicht anzustellen, weil die Ausfuhr dieses Staates, auf dessen Gesamtwirt-schaft umgerechnet, kaum zwei Prozent beträgt. Alles, was Sowjetrußland an seinem Ausfuhrge-schüft verliert, deckt die russische Gesamtwirtschaft von einhundertsechzig Millionen Menschen. Mit anderen Worten: die wirtschaftliche Kraft ungefähr eines Sechstels der bewohnten Erde tritt dem einzelnen Konkurrenten entgegen. Aber auch die sowjetrussijche Währung ist eine weitere Waffe gegen die kapitalische Welt. In Sowjetrußland herrscht Inflation, woraus die Be-Horden keinen Hehl machen. Sowjetrußland diktierte die Festigung des Tscherwonetz, der am 1. Januar 1924 dem englischen Pfunde gleichgesetzt wurde. Am I. Oktober 1928 wurde der Notenumlauf mit 1628 Millionen Tscherwonetz angegeben und am 1. Juli 1929 offiziell mit 3454 Millionen. Der Notenumlauf hat sich also verdoppelt. Genaue Kenner Sowjetrußlands schätzen die heutige nominelle Deckung des Umlaufes mit 29 Prozent. Diese Er-scheinung, die jedes kapitalistische Staatswesen rui-nieren würde, berührt die sowjetrussische Gesamt-wirtschaft nicht, die dadurch nicht bedroht ist. Für den Auslandverkehr braucht man den auf aus-ländischen Börsen gar nicht gehandelten Tfcherwonetz nicht und im Jnlande schreibt die Regierung den Wert der Währung einfach vor. Es steht der Regierung jederzeit frei, die eigene Valuta mit jedem beliebigen Inder zu vervielfachen, weil ja von Staatswegcn alles gelaust und verkauft wird und jede Ueber-tretung rücksichtslos bestraft wird. Kurz, die sowjet-russische Herrschast strebt mit Riesenschritten der Autarkie zu. Und doch besteht in diesem Kalkül eine Lücke. Für die Aufwände des Fünfjahrplanes fehlen die erforderlichen Valuten. Man benötigt für diesen auf deit ersten Blick riesenhaft erscheinenden Fünf-jahrplan ungefähr 2 Milliarden Dollar, die aber nur durch Auslandverkäufe, um Valuten zu er- dem die Augen für Unendliches geschlossen sind, der nur Wirkungen gelten läßt, die seinem leiblichen Ich dienen (und darauf kommt es bei allen Wundem der Elektrizität, des Dampfes doch hinaus!), sollte nicht vergessen, daß solche Einrichtungen, die ja hervorragenden Geistern ihre Entstehung ver-danken, für ihn doch darum nicht auf ihrem Ur-fprungsgebiete, sondern nur in der Sphäre des Körperlichen wirksam werden. So wenig er beim Essen einer Wurst etwas von dem Geistigen des Erfinders dieser Köstlichkeit in sich sucht oder spürt, sondern rein körperliches Wohlbehagen, so wenig darf er auch, wenn er sein geistiges Ich nicht in der Freude an Wissenschaften und Künsten pflegt, entschuldigend auf seine ersatzgebende Vorliebe für die Größe der Technik weisen, der allein sein Herz gehöre. Er macht da ein Salto mortale aus einer Begriffsregion in eine andere, übersieht es, daß sich fehr oft noch Dinge, aber schon nicht mehr deren Folgen vergleichen lassen. Technische Wissenschaften lassen sich — wie die Wissenschaft überhaupt — als hervorragende Teilstücke geistigen Lebens und Schaffens sehr gut neben die Kunst stellen. Ihre Wirkungen aber zeigen sich schon auf ganz ver-schiedenen Gebieten, in ganz verschiedener Weise und lassen keine Vergleiche mehr zu. Das beachte man, wenn man die Kunst mit dem Hinweis auf die Technik treffen und als einen untergeordneten Teil in der Entwicklung der Menschheit kennzeichnen will! halten, hereingebracht werden können. Das ist aber bei den augenblicklich geltenden Auslandpreisen un-möglich, weshalb die Preise solange unterboten werden müssen, bis die Ware verkauft ist. Die dabei in Kauf genommenen Verluste spürt die sowjetrussijche Wirtschaft nicht, und wenn dabei die Bevölkerung zugrunde geht, so stört das die Macht-Haber in Moskau nicht. Ein großer, über alle Skrupeln hinweggehender Winschaftsorganismus hat es jederzeit in der Hand, jene ausländische Wirt-schaft zu untergraben, die getroffen werden soll. In der Verquickung von Zwangswirtschaft und Politik liegt das große Gefahrenmoment. Sowjet-rußland bedient sich in der Ausfuhr einer Waffe, um politisch mißliebige Staaten gewissermaßen zu züchtigen. Es führt «Setreide und Naphtaerzeugnisse z. B. nach Amerika aus. Das für die Sowjet-union Naheliegende wäre, dorthin auszuführen, wo dafür Bedarf vorliegt. Just nach den Vereinigten Staaten werden ungefähr sieben Millionen Busheis Getreide und mehrere Millionen Tonnen Naphta ausgeführt, un» die Märkte noch mehr zu ruinieren, als sie es ohnehin schon sind. In Verfolgung des auf politischer Brutalität aufgebauten Fünfjahr-planes kann in den nächsten drei Jahren mit einer gewaltsam und gewaltig erhöhten Erzeugung und daher mit einer verstärkten Ausfuhr Sowjetrußlands gerechnet werden. Sowjetrußland wächst nicht nur durch seine gesteigerte Erzeugung, sondern auch durch seine Exportpolitik zu einem ungemein ernst zu nehmenden politischen und wirtschaftspolitischen Faktor heran. Die Abwehr gegen das sowjetrussijche Dumping kann nur in einer straffen Zusammen-fassung sämtlicher Erzeuger in jedem einzelnen Staate und in internationaler Zusammenarbeit liegen. Sowjetrußland richtet heute sein Hauptaugenmerk auf die Vereinigten Staaten. Zu erwarten ist. daß die Sowjetunion sich auch die europäischen Märkte ansehen und dabei Südosteuropa als Sprungbrett benutzen wird, das schon heute unter dem sowjct-russischen Dumping am allermeisten leidet. Politische Rundschau Ausland Revisionserörterung Die amerikanische Presse verfolgt mit immer größerem Interesse die Entwicklung der deutschen Krise, die sich allmählich als Schlüssel zur verfahrenen wirtschaftlichen und finanziellen Lage Europas herausstellt. So schreiben die „New Pork Times": Amerika hat wie die anderen Staaten ein großes Interesse an der wirtschaftlichen Gesundung Deutsch-lands. Das politische Gleichgewicht der Mächte, das vor dem Kriege die ganze europäische Politik be-herrschte, ist jetzt vom wirtschaftlichen Gleichgewicht abgelöst worden und ein bankrottes Deutschland ist gefährlicher als jenes Deutschland, das im Weltkrieg geschlagen wurde. Wenn sich Deutschland nicht auf eigenen Füßen wird halten können, wird die ge-samte Wirtschaftsordnung in Europa geändert werden und wir werden natürlich darunter leiden. Außer-dem ist die Zahlung der Alliiertenschulden direkt von den deutschen Abgaben abhängig und Amerika hat eine große moralische Verantwortung für alle Veränderungen, die in Deutschland nach dem Krieg vorgekommen sind. — Der frühere Präsident der Reparationskommission Owen Poung ist plötzlich nach Europa abgereist. Seine * unerwartete Reise bringt man in Verbindung mit der Aktion für ein Moratorium der Krieasschuldenzahlungen an Ame-rika. Der frühere Präsident der deutschen Reichsbank Dr. Schacht hat im Klub für Außenpolitik in Newyork erklärt, daß Deutschland seine Reparation?-Zahlungen werde einstellen müssen, wenn ihm die übrigen Staaten nicht helfen werden, seine Außen-Politik zu entwickeln. Beendigung der 2. Agrarkonferenz in Bukarest Die 2. Agrarkonferenz in Bukarest, an der Vertreter Jugoslawiens, Polens, Rumäniens. Un-garns, Lettlands, der Tschechoslowakei, Estlands und Bulgariens teilnahmen, ist am 22. Oktober be-endet worden. Das nach außen sichtbare Resultat der Konferenz ist die geplante Schaffung eines ständigen Agrarausschusses der genannten Länder, der die notwendigen Wirtschastsverbindungen zwischen ihnen aufrecht erhalten soll. In Oesterreich gibt es keinen Putsch Auf einer Wählerversammlung in Wien erklärte Bundeskanzler Vaugoin folgendes: Man höre endlich auf mit dem Gerede von der Revolution! Denn eine Revolution kann in Oesterreich nur gemacht werden, wenn man mich vorher fragt, weil ich die ganze Macht in Händen habe. Es ist nichts zu machen mit einer Revolution in Oesterreich! Im Gegenteil, ich würde rücksichtslos gegen jeden vor-gehen, der vielleicht glaubt, daß man im Oktober einen 15. Juli veranstalten kann. Die Zeilen haben sich Gott sei dank geändert. Dr. Schober über die Packstrahe Der frühere Bundeskanzler Dr. Schober hielt dieier Tage in Wien eine Versammlung der akade-mischen Wähler ab, auf der er u. a. mitteilte, daß man es ihm gelegentlich seiner Besuche im Sommer in Paris und London übelgenommen habe, daß Oesterreich strategische Eisenbahnen und Straßen baue, besonders aber die Straße über die steirifch-kärntnerischen Berge, die Graz mit Klagenfurt ver-binden soll (Packstraße). Diese Straße sei offenbar als Verbindungsstraße für die Italiener und Ungarn für den Fall eines Konflikts mit Jugoslawien ge-dacht. Dr. Schober habe diesen Vorwurf als un-begründet zurückgewiesen und den Franzosen und Engländern gesagt: „Gebt uns Maribor zurück, dann werden Kärnten und Steiermark ihre Verbindung haben und die Packstraße wird nicht not-wendig sein." Diese Aeußerung des früheren Bundeskanzlers wurde in der slowenischen Presse mit Unwillen aufgenommen und kommentiert. Nach unserer Meinung ist aber die Redewendung „Gebt uns Maribor zurück!" nichts anderes als eine Illustricrung der absoluten Notwendigkeit der neuen Verbindung von Graz mit Klagenfurt. Sie will doch bloß besagen, daß die Unmöglichkeit der Wiederherstellung der alten Sttahenverbindung die Notwendigkeit der Errichtung einer neuen ohne-weiters erklärlich macht, ohne daß dabei strategische Hintergedanken und Absichten zur Erklärung heran-gezogen werden müßten. Kein Heimwehrmarsch nach Wien In der letzten Zeit berichteten die Blätter, daß die Heimwehr noch vor den Wahlen, nämlich am 2. November, einen großen Marsch der Heimwehren nach Wien veranstalten werde. Die Landesleitung der Heimwehren für Niederösterreich hat nunmehr beschlossen, diesen Aufmarsch in Wien abzusagen. Der österreichische Staatsvoranschlag Der österreichische Staatsvoranschlag für das Jahr 1931 weist Gesamteinnahmen in der Höhe von 216V Millionen Schilling und Ausgaben von 2139 Millionen Schilling aus. Auf Perjonalaus-gaben entfallen 793 Millionen Schilling. Die Zo>-einnahmen zeigen eine Erhöhung um 59 Millionen Schilling (Erhöhung derZolltarifjätze ab I.Juli d.J.). Severing prenhischer Innenminister Der frühere Reichsinnenminister im sozialistischen Kabinett Muller Franken, der bekannte Sozial-demokrat Severing, ist nach Rücktritt des bisherigen Innenministers Pros. Waentig zum preußischen Innenminister ernannt worden. Ferner soll der Polizeipräsident von Berlin Zörgiebel zurücktreten und an seiner Stelle der ehemalige preußische Innen-minister Ärzesinski ernannt werden. Der sozialde-mokratische „Vorwärts" schreibt zur Ernennung Severings, daß die gegenwärtige Situation viel mehr einen Polizei- als einen Verwaltungsminister an der Spitze des preußischen Innenministeriums verlange. Die deutschnationale Partei hat im preußi-schen Landtag einen Mißtrauensantrag gegen Severing eingebracht. Eine Minderheitsfrage existiert in Italien überhaupt nicht! Bei der Einsetzung des neuen provisorischen Rektorats (Provinzverwaltung) von Görz hielt der Regierungsstatthalter Dompieri eine politische Rede, in der er unter anderem sagte, daß die jüngsten Gremzwischenfälle die Haltung einer Großmacht, wie Italien, nicht erschütterten, sondern sie höchstens zu verstärkten Vorsichtsmaßnahmen veranlassen könnten. Jene hätten Unrecht, die ein Minderheit»-Problem in Italien schaffen wollten, das nirgends bestehe. Italien sei ein ausgesprochener Einheitsstaat. Selbstverständlich müsse der Unterricht überall Stemme 86 Deutsche Zeitung Seile 8 italienisch sein, ebenso wie alles, was zum öffentlichen und zum Staatsleben gehört. Der italienische Schul-Unterricht liege aber auch im Interesse der Anders-sprachigen selbst, weil sie sonst in ihrem Wettbewerb um eine Stellung ohne Kenntnis der Landessprache benachteiligt seien. Von den öffentlichen Aemtern und höheren Posten würden sie dann ausgeschlossen sein. Die Aemter stünden aber allen Aufrichtigen, die das Vaterland liebten, offen. Unter den Rektoren befind« sich zum Beispiel ein tüchtiger slowenischer ^rüchtenhändler, der nicht der faschistischen Partei angehöre, und im Vorstand der Anwaltskammer fitze ein slowenischer Rechtsanwalt. Verhaftung eines kanadischen Journalisten in Oftgalizien Im ostgalizischen Dorf Horodyslowice wurde der Korrespondent der „Canadian Times" William Dey verhastet, weil er, begleitet von einem ukrainischen Arzt. einem Anwalt und zwei Studenten, Informationen über die örtliche Bevölkerung eingeholt hat. Der Warschauer „Erpreß Poranny" berichtet, Dey sei in Horodyslowiie eingetroffen, nachdem eine Eskadron polnischer Ulanen eine Pazifierungsaktion durchgeführt hatte. Die Polizei sei in eine Bauern-Hütte eingedrungen, in der gerade Dey mit seinen Begleitern ärztliche Untersuchungen vornahm. Der kanadische Journalist und seine Begleiter sind von der polnischen Polizei nach Lemberg gebracht worden. Als Dey eine telephonische Unterredung mit dem englischen Konsul verlangte, wurde ihm diese von der Polizei abgeschlagen. Die Verhaftungen haben in Lemberg ungeheures Aufsehen hervorgerufen, da die mit dem Kanadier verhafteten Ukrainer der ukrainischen Intelligenz Ostgaliziens angehören. Ruhland erklärt den Wirtschaftskrieg Die Agitation der westeuropäischen Staaten aegen das russische Dumping hat in Rußland starke Auflehnung und eine scharfe Kritik hervorgerufen. Im Zusammenhang damit hat der Rat der Volks-kommisiäre beschlossen, alle Vertrag? mit den Staaten, die den Wirtschaftsboykott gegen Ruhland propa< gieren (Frankreich, Ungarn und Rumänien), auf-zuHeben. Die Moskauer „Ifvestija" schreibt, datz sich die Handels- und Industriekreise Europas jetzt werden entschließen müssen, ob sie auf den russischen Markt, der noch lange Zeit Industrieprodulte aus den westlichen Ländern brauchen wird, verzichten. Aus Stadt und Land Die furchtbare Grubeutatastrophe in Alsdorf hat weit mehr Opfer gefordert, als ur-sprünglich angenommen wurde. Bis zum 23. Ok-tober wurden 251 Tote aus dem Schacht geborgen, während 16 Verwundete im Spital gestorben sind. Die Zahl der Todesopfer dürfte noch ansteigen, weil auch unter den Trümmern des Verwaltungsgebäudes noch Tote vermutet werden. Die Rettungs-arbeiten, die mit übermenschlichen Anstrengungen von den besten Fachleuten des rheinischen Kohlen-gebietes durchgeführt wurden, deckten entsetzliche Bilder qualvollen Sterbens der unglücklichen Berg-leute auf. Die Retter fanden bei ihrem Vordringen durch die verwüsteten Stollen ganze ineinander verkrampfte Leichenhaufen. An einer Stelle lagen 78 Leichen übereinander, die nur mit Spitzhauen voneinander gelöst werden konnten. Einige Verun-glückte konnte man noch lebend bergen, die sich 50 Stunden lang in den, zusammengestürzten Schacht hatten halten können. Einer davon war erst seit 14 Tagen verheiratet. Er verlangte sofort seine junge Frau zu sehen, die ihn schon für tot gehalten hatte. Das Wiedersehen der beiden war eine unbe-schreibliche Szene. Ein anderer Geretteter schilderte den fürchterlichen Kampf, der sich in den schrecklichen Stunden nach dem Unglück in den verschütteten und vergifteten Stollen abgespielt hatte. Nachdem es den Ueberlebenden gelungen war, sich an einer Stelle der Wetterführung zusammenzudrängen, durch die etwas frische Luft hereinkam, entsandten sie Kundschafter, um die Verbindung mit der Außen-well herzustellen. Nur wenige von diesen kehrten zurück, die meisten wurden von den giftigen Gasen überrascht und später von den Rettungsmannschaften in einem Winkel zusammengekauert tot aufgefunden. Wieder ein anderer Geretteter erzählte, das} er gerade auf dem Wege »bar, obertags zu fahren. Plötzlich hörte er ein Donnerrollen, der auch diesen entfernten Stollen erschütterte. In diesem Augeblick ^r f- s (1/, 5, 6 und 8 Uhr 15. Freiwillig« »«»erwehr «eile. Telephon SS. Den Wochendienft üt>eri,immt am Sä. Oft. der III. z»g. Rommandant: Edmund Bandet. Maribor Die bei uns jährlich auftretende Hoch-wasfergefahr und unsere mit grohen Hoff« nungen gegründete Fluhschiffahrt. Be- kanntlich ist die Drau, wenn sie Hochwasser führt, sehr ungemütlich, hat sie doch vor knappen 30 Jahren nicht einmal unseren Steg verschont, bei dem zwei Wachorgane bei getreulicher Erfüllung ihrer Pflichten ihr Leben lassen muhten. Nun wurde heuer mit anerkennenswertem Mut bei uns eine Flußschiff-fahrtsgesellschast ins Leben gerufen, die gleich drei Landungsstege errichtete und ein schmuckes Motor-boot mit einem Fassungsraum für 70 Personen von Wien kommen ließ. Dieses bewerkstelligte den Flußverkehr von der Stadt zum neuen Bade auf der Felberinsel und war an schönen Tagen, beson-ders Sonntags, ganz gut besetzt. Daß mit der Zeit die Frequenzziffer etwas sank, ist den für unsere Verhältnisse etwas hohen Fahrpreisen zuzuschreiben, denn unsere Bevölkerung hat nur kleine, für das Notwendigste langende Einkünfte. Aber immerhin, die Flußschiffahrtsgesellschast ist einmal da und das Motorboot auch. Folglich muß, will man nicht ris-kieren, daß eintretendes Hochwasser die Landung?-stege samt dem Motorboot entführt, irgend etwas unternommen werden, damit dies Unglück rechtzeitig verhindert wird. Schon die in noch zahm gewesenen Wogen des legten kleinen Hochwassers, soweit bei den sonst üblen Gewohnheiten der Drau dies überhaupt als Hochwasser bezeichnet werden kann, machten sich bereits heimtückisch heran, um die Stadt um diese Neuerung zu berauben. Bei der auf der Lend befindlichen Anlegestelle, die auf zwei Holz-pontons ruht, hatte sich das wasserwärts gelegene Schiff bereits mit Wasser gefüllt, während das ufer-wärts befindliche bestrebt ist, es seinem Kameraden nachzumachen. Da ober beim äußeren Ponton das Motorboot vertäut ist, muß man bei einem über-raschenden Steigen der Drau, was übrigens über Nacht geschehen kann, mit unliebsamen Ueber-raschungeu rechnen. Die Gesellschaft würde gut tun, wenn sie beizeiten für die Sicherheit ihres Motoor-bootes etwas vorkehren würde. StrahenverlLngerung und Regulie. rung der Strahenabzweiguug Korosieva und Vrbanova ulica. In der letzten Zeit hat die KoroTceva ulica eine Verlängerung nach Westen zu erfahren. Das dort einer Straßenregulierung im Wege stehende Haus wurde abgetragen, wodurch eine für die Abwicklung des dort immer mehr zunehmenden Verkehres sehr fühlbare Erleichterung geschaffen wurde. An der Straßenkreuzung hat der im Ruhestande lebende ehemalige Braumeister der Firma Götz, Herr Potutschnig, ein schmuckes einstöckiges Hau» erbaut, in dem sich ein von ihm betriebenes Wirts-haus mit Fremdenzimmern sowie ein Spezereiladen nebst einer Tabakverschleißstelle befindet. Da in den letzten Jahren da draußen eine Reihe von Villen erbaut wurden, war dies direkt als eine Notwendigkeit empfunden worden. Spaziergängern, die an schönen Sonn- und Feiertagen in Massen gegen Kamnica zu vorbeipilgern, ist dies letzten Sonntag recht angenehm aufgefallen. Da ist in aller Stille ein Villenviertel entstanden und es wäre nur zu begrüßen, wenn die Pnvatinitiattve dort weitere Villenbauten erstehen ließe. .Vor dem Weltkriege waren Häuserbauten in der Richtung auf Kamnica in der Koroska cesta vorgenommen worden. In der Nachkriegszeit nun scheint die Privatinitiative von der Vrbanova ulica aus gegen Kamnica zu ihre Bautätigkeit vortragen zu wollen. Das Terrain ist dazu wie geschaffen und die Stadt-gemeinde hat diesem neuen nun erstehenden Viertel eine Zufahrtsstraße gebaut, um die sie manch an-deres Stadtviertel beneiden wird. Fritz Binder Goldarbeiter und Grayenr. Maribor, Orotnova nl. 6 liefert jede in »ein Fach einschlagende Arbeit Ton der einfachsten bin rur feinsten Ausführung. Der „echte" Champagner ist teuer. In den letzten Tagen traf eine kleine Sendung Champagner beim hiesigen Hauptzollamte ein. Ein Casetier hatte sich versuchsweise 10 Flaschen fran-zösischen Champagner direkt aus Frankreich kommen lassen, weil ihn außer der vorzüglichen Qualität auch der niedrige Preis lockte. Aber, o weh, obwohl sich der Preis ab Frankreich pro Flasche auf bloß 28 Din stellte, kam die Flasche Schaumwein fertig verzollt und ins Haus gestellt einschließlich aller Spesen auf rund 120Din zustehen. Dazu kommen nun noch die Gemeinde- und die Banatsteuer, so daß der biedere Bürger, der sich einmal eine solche Flasche leisten will, schon ziemlich tief in den Säckel greifen muß, zumal man vom Wirt nicht verlangen kann, daß er seinen lieben Mitbürgern diesen Genuß nur aus purer Nächstenliebe verschaffen soll. Soweit wäre die Sache ja ganz in Ordnung, denn wer einen solchen Schampus trinken will, soll auch die der Allgemeinheit zugute kommenden Steuern hiefür entrichten. Aber am Zollamt«? hatte man es für not-wendig befunden, eine von den 10 eingetroffenen Champagnerflaschen aufzumachen, um festzustellen, ob wohl tatsächlich auch Champagner drinnen sei. Daß damit aber der Besteller geschädigt wird, liegt auf der Hand, denn die einmal auf-gemachte Flasche ist nicht mehr verkäuflich. Wir wissen nicht, ob dies zu den unter allen Umständen einzuhaltenden Vorschriften bei Zollämtern gehört, aber es wäre wünschenswert, daß die maßgebenden Faktoren, besonders bei so kleinen Versuchssendungen das Interesse unserer Wirtschaftskrise etwas mehr wahren, weil sich sonst wohl jedermann überlegen wird, Versuchssendungen solcher oder ähnlicher Art zu importieren. Reparaturen werden gut und billigst ausgeführt, auch Grammophone. Bei Vorweisung dieser Anzeige 5 % hei Nenware, I0 -. bei Reparaturen ermäsaigt bei Albert JEcCaslUS, Uhrmacher Maribor, Slomökov trg Nr. 5. Freiwillige Feuerwehr Maribor, Fern-sprecher 2224. Freiwillige Rettunasabteilung Ma-ribor, Fernsprecher 2836. — Zum Feuerberettschasts-dienst in der kommenden Woche, und zwar vom 26. Oktuber bis einschließlich 1. November, ist der l. Zug kommandiert. Kommandant Brandmeister Martin Ertl. Bereitschaft in Reserve: II. Zug. Freiwillige Feuerwehr Pobrejje, Fern-sprecher 2806. Ptuj Zwerg Perkeo in der Koloh. Das Feuilleton ,,Wein" aus der Feder unseres ge-schätzten Mitarbeiters Herrn Oberst Alexander o. Spaic in unserer Folge vom 16. Oktober hat einen hiesigen Weingutsbesitzer und Freund unseres Blattes veranlaßt, den Pegasus zu besteigen und nachfolgende Zeilen zu reimen: Da ist der Zwerg Perkeo Einst in der Kolloß gwest; Er sprach: Fürwahr, bei Deo, Der Wein hier ist der best. Er kostete Traminer, Er trank gemischten Satz! Da ward er hin und hmer, Nummer 86 Deutsche Zeitung Seite 5 Lag bald wie tot am Platz. Als dann die Morgensonne Zür Türe schien herein, Da war im Keller immer Noch drinn der beste Wein. Denn in dem heurigen Jahre Find'! sich kein Käufer ein, Der noch Verständnis hätte, Für echten, edlen Wein. L. B. Zum Besuch reichsdeutscher Landwirt» schaftsfachleute, die vor einiger Zeit das Süd. ost-Bacherer. Kolloher und Ormoz Ljutomerer Wein-baugebiet besucht haben, teilen wir nachträglich mit, daj} die erwähnte Erkursion auf Einladung des bekannten Weingutsbesitzers Herrn Franz Oster-bergers in Ptuj erfolgt war. Slovenska Bistrica 'Altbürgermeister Albert Stiger feiert am Freitag, dem 31. d. M., in stiller Zurückge-zogcnheit, doch nimmermüder Tätigkeit sein 83. Wie-genfest. Mögen dem hochangesehenen alten Herrn, der sich während seiner Bürgermeisterschaft in den beiden Jahrzehnten vor Kriegsausbruch einzig da-stehende Verdienste um den Aufstieg unserer Stadt erworben hat. noch viele Jahre beschieden sein! Kompositionen des bekannten Ton. dichter» Prof. Hermann Frisch, und zwar „Sternschnuppenzeit" < Walzerlied). „Chinesisch" ($01), ..Ein Blickerl in s Himmelreich" < Chanson), „Musik und Frauen" (Wiener Walzerlied». „Hinterem Hol-lunderstrauch" (Marsch-Couplet>. „Das Beste von der Welt" (Wienerlied), ..Wozu denn immer war-ten . (Waljcrlied), ..Allen Respekt!" (Couplet), „Kongo in Wien" (For), „Nur einen kleinen Sprung!" (Chanson). „Die Hauptsach' ist, das, einer ein' Charakter hat!" (Couplet), „Im Ge-dränge" (FoJt). „Weihnachtswünsche" (Walzer-Chanson) sind zum Preise von je 16—, 18 — und 26'— Din in der Papierhandlung R. Vitfchl erhältlich, worauf wir alle hiesigen Musikfreunde aufmerksam machen. Das St. Margarethentirchlein wurde nach Fertigstellung 'der Erneuerung am Sonntag, dem 19. d. M, in feierlicher Weise wieder eilige-weiht. Dem Tode glücklich entronnen ist der im 87. Lebensjahre stehende gew. Kaufmann und Sparkasfedirektor Herr Hermann Straßgüttl. Er war während des Sturmwetters in der Vorwoche auf feinem Anwesen in Zgornja Bistrica mit dem Einsammeln von Nüssen beschäftigt, als ein heftiger Windstoß den Nußbaum entwurzelte. Nur einem günstigen Zufall ist es zu danken, daß der ange« sehene alte Herr niU_ geringen Verletzungen und dem auegestandenen Schrecken davonkommen konnte und so dem Leben erhalten blieb. Ein Motorradunglück ereignete sich kürz-lich beim Beginn der Straße nsteigung unweit der Villa Julia. Der Uhrmacher Herr I. Ficke aus Slov. Konjice, in dessen Begleitung sich Frl. B. Ceric befand, unternahm mit seinem Freunde Herrn I. Ceric eine Motorradtour, wobei dieser sein Mo-torrad anhielt, um seinen zurückgebliebenen Freund Herrn Ficke herankommen zu lassen. In diesem Augenblicke raste das zweite Motorrad heran, ohne rechtzeitig ausweichen zu können. Bei dem unvermeidlichen Zustammenstoß trug Herr Ficke eine schwere Fußverletzung davon, während das um-stürzende Motorrad die Begleiterin am Kopfe und am Knie verletzte. Den Verunglückten leistete Herr Dr. Cernej die erste Hilfe und veranlaßte die Ueberführung des Herrn Ficke in das Allg. Kran-kenhaus nach Maribor, indessen Frl. Ceric nach Slov. Konjice in häusliche Pflege gebracht werden konnte. Beim Fußballspiel verunglückt ist auf dem Sportplätze des S. K. Ptuj dortselbst der 19-jährige Schlossergehilfe Herr Hans Teger, ein Sohn des hiesigen Schuhmachermeisters Herrn Johann Teger. Er zog ^ich einen Brück des rechten Beines zu und befindet sich gegenwärtig im Allg. Krankenhaus in Ptuj in Pflege. Der Voranschlag des Ortsfchulrate« belauft sich für das nächste Jahr auf 134.000 Din. In diesen Betrag sind auch die Katechetengehälter sowie die Wohnungsgelder für die Lehrkräfte in-begriffen. Hiervon fällt die Hälfte zu Lasten der ^tadtgemeinde, was gegenüber den früheren ordent-lichen Ausgaben für die beiden Volksschulen eine Erhöhung um 1201t bedeutet. fr Achtung! Fiir ... rU r . w ' >".** ii- <• 0 0 0 CELJE / PRESERNOYA ULICA N- 5 Nummer 86 Deutsche Zeitung Seitt 7 74 Sibirien Erinnerungen aus dem Weltkrieg und aus Ruhland Von einem ehemaligen Siebzehner Kann sich jemand die fiebernde Freude auf diese lange Fahrt vorstellen? Es führte uns ein kleiner Sergente, ehemaliger Oesterreicher, der die Silberborte eines Einjährigen am Kragen trug. AIs wir zu unserem Waggon kamen, sahen scbon eine ganze Anzahl von Männern drinnen, die die Zwi-schenzeit im Tomsker Layer verbracht hatten. Alle waren gleich uns freudig aufgeregt und es ergab sich rasche Vertrautheit. Als alter Praktikus erspähte ich schnell eine Lücke auf der oberen Pritsche und kroch hinauf. Auf der gegenüberliegenden oberen Pritsche saßen schon Meneghini und Schweighofer. Die Plebs des Waggons bildeten italienische Bauernburschen aus dem Trentino, ferner waren einige verschobene Triestiner vorhanden, urgelungene Typen aus dem Punto Franco, mit allem Witz der Triester Fachine ausgestattet. Und dann na-türlich auch einige Deutsche, die kein Wort Italienisch verstanden. Angeblich waren sie aus Südtirol zuHaus, aber sehr angeblich, denn der eine, den ein nervöses Zudrücken der Augen auszeichnete, war aus Graz und der andere aus Marburg. Ein Draumeraner, der sich auf der Fahrt und auch später in Wladiwostok als Fakir betätigte, indem er sich Radeln durch die Wangen und die Muskeln stieß. Wie man zu sagen pflegt, ein gesunder Knochen. Viel später habe ich ihn in der Heimat als Hotellohndiener mit einer golddejchrifteten Kappe wiedergefunden. Der unerwartete Anblick dieser deutschen Schick-salsgkfährten, mit denen mich das Band gleichen Schwindels und gleicher Ausreißer« verband, tat mir ungemein wohl. Wenn die Sache später schief ging, hatte ich Kameradschaft, ich konnte nicht mehr als einleime Erscheinung auffallen. Mein ischlafnachbar war ein Sohn Israels. Mi: blondem Vollbart, blauen Augen, aber doch mit der echten Nase und den Ohren des auser-wählten Volkes. Ich zerbreche mir den Kopf, aber gerade sein Name ist mir zum Teil entfallen. Hieß er Schmerzfeld oder Herzseid oder Kaiserseld, es liegt mir auf der Zunge, aber ich komme nicht darauf, auf selb ging sein Name auf jeden Fall aus. Auch sein Israelitentum gab er nie zu, aber er war fo als Israeli! fühlbar, daß ein Bekenntnis notwendig war. Allerdings war er kein Jude aus Polen, sondern ein unsriger. Hier im Waggon und später in Wladiwostok sprach er zwar immer von seinem Kaffeegeschäst in Trieft, tatsächlich aber war er aus Graz zuHaus, wo auch seine teure Gattin lebte. Ein ganz guter und gefälliger Mensch, aber wir waren ihm oft aufsässig, aus reinem Rassegefühl. Vor allem konnten wir es nicht leiden, daß er so weich und ^schmalzen redete und so anhabig war. Als angeblicher Einjähriger, was wir ihm aber nie glaubten, fühlte er sich über jede kleinste Arbeit erhaben. Freilich lag sie ihm auch nicht, die körperliche Arbeit. In Wladiwostok ärgerten wir uns oft mächtig darüber. Dabei sprach dieser Herzfeld ganz gul italienisch. Ich meine, ganz flottes und schnelles Italienisch. Mit ihm verglichen radebrechte ich bloß. Die Fahrt ging nicht viel schneller vor sich als unser seinerzeitiger Transport nach dem Osten. Ost blieben wir ganze Rächte und Tage auf irgend-einer Station stehen. Später verstand ich das, als ich hörte, daß unser Zug einer der letzten gewesen war, der noch halbwegs regelmäßig durch Sibirien durchfuhr. Wenige Tage später verstopften Züge der tschechischen Legionen und der Flüchtlinge die Strecke, so daß die Tschechen mit Maschinengewehren den Durchzug erzwängen. Trotzdem kam bloß ein Teil durch. Der andere verhandelte mit den nach-drängenden Roten. Bekanntlich war der Preis des ungehinderten Abtransportes der Tschechen der Kopf des Admirals Koltschak, der in Irkutsk den Roten ausgeliefert und dann von diesen erschaffen wurde. Von diesem drängenden Abschluß des Trauerspieles Koltschak hatten wir aber auf unserer Fahrt noch keine Ahnung. Wir fühlten uns in unserem Waggon äußerst wohl. Er war nicht zu dicht besetzt. Es war immer geniütlich warm, weil wir auf den Stationen im Ueberfluß Holz stahlen und beständig heizten. Das Waggonleben unterschied sich nicht von jenem vor fünf Iahren. Bloß etwas bequemer war es und freier fühlten wir uns. Natürlich gab es keine öliasfenabfütterungen wie seinerzeit, bloß die Kipiatoks für heißes Teewasser funktionierten noch immer. Das Essen mußten wir uns von den 10 Rubeln täglich, die wir vom Sergente bekamen, selber kaufen. Das Läusesuchen trat wie einst in seine Rechte. Wir wurden wieder voll wie die Ameisenhaufen. Sonst war es recht gemütlich. Un-endliche Debatten über alles Mögliche, Scherz und Lachen, oft auch Zank und Hader. Einmal brachte es die gewisse Stacheldrahtpsychose sogar dazu, daß ich einige Tage mit meinem lieben Freund Meneghini nicht redete. An unserem Waggon hatten wir auswendig eine große Inschrift angebracht: „Misfione Militare Jtaliana." Dies war notwendig, weil auf den größeren Stationen immer Russen in unseren Waggon drängen wollten. Namentlich in der Nacht wurden wir oft aufgeweckt, indem die Rolltür mit einem Krach aufflog, die Kälte hereinstürzte und oleichzeittg auch ein ganzer Haufen von russischen Reisenden hereinkriechen wollte. Sie flehten erbärmlich, man solle sie doch um Gotteswillen hereinlassen, aber mit dem Hinweis auf den militärischen Charakter des Waggons ließen wir selbstverständlich nie jemand herein. Auf den Stationen Krasnojarsk und Irkutsk standen wir ziemlich lange. Wir stiegen, da helles sonniges Wetter war, auf dem G.leiseraum herum. Hier sah ich zum erstenmal auch Kriegsgefangene der Roten Armee. Sie sahen ziemlich miserabel aus, aber trugen regelrechte russische Militäniniformen. Es berührte mich sonderbar, hier im russischen Land russische Kriegsgefangene zu sehen, die die gleichen erdbraunen Mäntel trugen wie ihre Wachtposten, die gleichen Gesichter hatten und die gleiche Sprache redeten. Da wir glaubten, daß die Weißen jeden gefangenen roten Soldaten erschossen, taten uns die armen Teufel sehr leid. Sie selbst schienen sich wenig aus ihrem Schicksal zu machen, denn sie lachten zu uns her, wie eben russische Soldaten lachen. Dann kam wieder der Baikalsee. Wir fuhren an seinem Ufer entlang durch die Steingalerien und sahen uns den See an wie einen alten Bekannten. Besonders neugierig waren wir auf unser erstes sibirisches Lager Beresowka. Da wir bei Tage auf der kleinen Station ankamen, konnten wir das Lager gut sehen. Es schien uns, als seien die langen Jahre seit unserem Abmarsch aus Beresowka ausgelöscht. Die Baracken sahen noch so aus wie früher. Sie zogen sich links vom Bahnhof hinauf in den Tal-kessel hinein, rechts an der Strecke standen die'roten Ziegelbaracken, in denen seinerzeit die kriegsgefan-gencn Offiziere gewohnt hatten. Und, als ob es noch genau so sei wie vor Jahren, spazierten zum Bahnhof herunter und hinauf die vertrauten grauen Gestalten unserer Kriegsgefangenen. Wir riefen einige herbei und fragten sie, wie es ihnen gehe. Sie meinten, gut, aber sie kamen uns doch merk-würdig vor, denn diese Leute waren echte Lager-bewohner geblieben. Ich glaubte bei ihnen sogar eine Art Größenwahn zu bemerken, der sich in einem solchen Leben entwickeln mußte. Etwas an-deres gab es aber in Beresowka, wovon zu unserer von den stolzen Kriegsadlern des kaiserlichen Rußland beherrschten Zeit keine Ahnung gewesen war: aus dem Bahnhof wehte an hohem Mäste eine weiße Fahne mit einer roten Sonne. Die Japaner hatten Beresowka besetzt. Deshalb sagten auch die Kriegs-gefangenen, daß es ihnen gut gehe, denn die >a-panische Verwaltung soryte in anständiger Weise für sie. Japaner trafen wir übrigens in emiger Ent-fernung von Beresowka auch auf der offenen Strecke. Hier blieb unser Zug einmal stehen und auf dem anderen Geleise war ein japanischer Militärzug. Die Soldaten kamen mir merkwürdig vor. Knabenhafte Burschen mit sonderbaren dunklen Aeuglcin und einem freundlichen Lächeln auf ihrem Gesicht. Es war morgens und da fiel mir besonders auf, daß sie in Scharen vor den Waggons standen. Jeder hatte eine Seifenwolke vor dem Munde, denn alle wuschen sich die Zähne mit Zahnpasta und Zahn-bürstchen. Zahnbürstchen! Du lieber Gott, wie lange hatte ich zivilisierter Europäer keines mehr im Munde gehabt. Diese Japaner waren ein hochfeines, gepflegtes Militär. Gepflegter, als wir es im Frieden zuhause waren. Dreimal hatte ich die Divisionaja Beresowka passiert: Zu Weihnachten 1914 waren wir hier an-gekommen, im Mai 1916 waren wir auf der Reise nach Barnaul durchgefahren und nun in den letzten Oktobertagen 1919 fuhren wir in verkehrter Richtung au» Beresowka nach Osten. Beresowka war aus meinen bisherigen Reisen der östlichste Punkt gewesen. den ich mit der Eisenbahn erreicht hatte. Jetzt weiter kam für mich Neuland. Zwar Werchne Minsk kannte ich schon, aber diese Statton war nicht weit von Beresowka. Und nun ging es immer weiter nach Osten. Tage und Nächte lang. Wir waren auf der end-losen Fahrt schon wieder so an den Waggon gewöhnt, daß wir am liebsten nie wieder aus-gestiegen wären. Unsere Italiener sorgten für Ab-wechslung. Eines Nachts — ich glaube, es war in Tschita — hatten sich einige ein paar Flaschen Schnaps gekauft. Der Erfolg waren kräftige Räusche und eine regelrechtige Rauferei. Ein kleiner unter-setzter Kerl, der sehr bolschewikisch angehaucht war. bekam einen Tobsuchtsanfall. Er schlug mit der Faust inbrünstig aus den Boden und fluchte in schauer-licher Weise. Dann ging er zum Angriff über und balgte sich mit einem anderen auf der unteren Pritsche. Ich hatte wegen der Hitze auf der oberen Pritsche alle Kleidungsstücke abgelegt und bloß die Unterhose anbehalten. Die ttunkene Rauferei er-schreckte mich weiter nicht, aber auf einmal hoben die Raufenden im Getümmel ihrer Arbeit die Pritschenbretter hoch, auf denen wir lagen. Einige von uns fielen mitten in den Waggon hinunter. Ich versuchte mich mit einem kühnen Sprunge auf die gegenüberliegende Pritsche zu retten, dabei ging aber die Schnur meiner Unterhose auf. so daß ich diese im Sprunge verlor. Ich landete splitternackt auf der anderen Pritsche. Dieser Anblick veranlaßte die Waggonbewohner zu einem plötzlichen Gelächter. Auch einige Raufer begannen trotz ihres Nebels zu lachen und so kehrte bald wieder die Ruhe ein. Bloß der kleine Stämmige knirschte noch lange mtt den Zähnen und konnte gar nicht aufhören, seine Widersacher, die er Hundesöhne nannte, in alle Tiefen der Hölle zu verfluchen. Als wir auf der Station standen, die Sibirien von der Mandschurei trennt — diese kleine Grenz-station heißt Mandschuria — war viel Schnee gefallen. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, weil Meneghini, Schweighofer und ich in die Restauration hinaufwateten, die etwas höher gelegen war. In dem Restaurationszimmer. das mir geradezu elegant erschien, saßen einige bessere Russen und sogar russische Damen. Wir bestellten uns Tee wie regelrechte Reisende und auch etwas zu essen. Ich war neugierig, wie sich das fremde Land, die vielgenannte Mandschurei, anlassen würde. Viel ist von der Landschaft nicht zu sagen. Sie ist auch eben und vom Zug aus konnten wir von den Siedlungen der Bewohner nicht viel sehen. Dafür spreizten wir auf der Station Tfitsikar die Augen auf. Lauter Chinesen! Dieses schnatternde Volk hatte eine Menge Buden aufgestellt, in denen man alle möglichen Eßwaren kaufen konnte. Gebra-tene Gänse, andere Braten und auch Speisen, die ich nie gesehen hatte. Die Neugierde verleitete mich, ein rundes Ding zu kaufen, das scheinbar weißer Teig war.' Es schmeckte aber sehr fad; Mehlteig war es nicht, Gott weiß, was die Chinesen zu-sammenaepatzt hatten. Schon hier mußte ich aber meine Meinung über die Chinesen ändern. Bisher hatte ich bloß sehr verschobene, schmutzige und elende Chinesen gesehen. Hier sah ich aber eine ganze Anzahl davon herumspazieren, die unbedingt einen vornehmen Eindruck machten. Gekleidet waren sie zwar auch in die bekannten langen Kastane, aber sie waren aus schwarzer Seide. Schlanke Gestalten, hatten sie bleiche, feine Gesichter und schwarzseidene Käppchen auf. Sicherlich kamen wir ihnen bloß als verachtungswürdige Geschöpfe vor, denn trotzdem wir sie intensiv anstarrten, sahen sie über uns hinweg, als ob wir Luft seien. Seit unserer Abreise aus Tomsk waren viel-leicht drei Wochen verflossen, als die Lust auffallend milde wurde. Wir hatten die mandschurische Stadt Charbin passiert, die unter unserem Zug tief da drunten lag und die wir angelegentlich betrachteten, weil wir immer viel von ihr gehört hatten. Dann kamen wir wieder auf nissisches Gebiet. In einer Station betraten unseren Zug einige italienische Soldaten, die' auf Proviantemkauf da draußen waren. Sie trugen die graugrünen Pelerinen und kamen uns sehr elegant vor. Bei ihrem Anblick erfaßte mich wieder große Bangigkeit, weil ich daran denken mußte, wie in Wladiwostok sür mich die Sache ausgehen werde. Wir fragten sie in erster Linie wegen der Heimfahrt aus. Sie lachten und fingen gleich auch an zu schimpfen, daß es mit der Heimfahrt Essig sei. Kein Mensch wisse, wann und ob wir heimfahren würden. Von der „Perfia" keine Spur, die sei ichvn längst abgedampft. Unsere Leute machten lange Gesichter, ich aber tröstete mich damit, daß ich wenigstens an die Meeresküste kommen würde. Sdk 8 Deutsche Zeitung Nummer 86 Schach - Ecke redigier« von Harald Schwad W. A. Schinkman, Americ. Ch«h Bulletin 1924 Stellung Weih: Kcl, Ld8 (2 Stein«) Schwarz: Kai, Sd5, Ba2, g5 (4 Steine) W«itz zieht und setzt im 5. (fünften) Zuge matt! Vorstehende Läuferminiatur charakterisiert die Art der in jüngster Zeit so sehr in Mode gekom-menen Minimalprobleme. Wenn wir nach dem Grunde der Beliebtheit dieser Art von Problemen forschen, so dürste es wohl der Umstand sein, daß in ihnen irgend ein bestimmtes Kombinationselement in einprägsamer Kürze und Klarheit dem Löser vor Augen geführt wird, ohne daß die Lösung an sich besondere Mühe verursacht. — So auch hier: sehen wir uns das Problem näher an, so erkennen wir sofort, daß das Matt nur durch den Läufer auf der Diagonale al —h8 erfolgen kann. Wir ver-suchen beispielsweise zunächst LXg5, worauf Schwarz Sc3 antwortet und Weiß das Matt in keiner Weise mehr erzwingen kann, da Schwarz sich mit Patt verteidigt; würde hingegen nach Sc3 noch ein beweglicher schwarzer SBouer irgendwo stehen, so könnte Weiß ruhig Lf6 ziehen und im nächsten Zuge mattsetzen, da ja die Pattgefahr durch das Vor-Handensein eines schwarzen Bauern aufgehoben wäre. — Der Bauer g5 muß also erhalten bleiben und so bleibt als einziger Zug La5, worauf Schwarz nur g5—r4 erwidern kann. Nun handelt es sich nur mehr darum, den l. aus ein Feld zu führen, von wo aus er wirksam Matt droht, ohne selbst vom 8 angegriffen zu sein; daher also 2.) Ld2, g3 (Schwarz hat nichts anderes, der 8 muß stillhalten) und nun 3.) Lh6 und Schwarz wird im 5. Zuge matt! Fragen wir uns, ob die Lösung besonders schwer erscheint, so müssen wir dies verneinen. Trotz-dem bereitet sie einem unzweifelhaft Genuß und Befriedigung. — Man sieht also, daß nicht immer ein wüster Variantenhaufen die Schönheit eines Problems ausmacht, sondern daß daran auch in hervorragendem Maße Zweckreinheit und Einfachheit der Mittel beteiligt sein können. Problem Nr. 63 I. Halumbirek, Niederbayr. Sch. Vbd. 1929. Stellung: Weiß: Kbl, Df6. Te2. Sh3. Ba4, c4. di, d3. e6. f5, g3 (11 Steine) Schwarz: Khl, Td5, Bb2 (3 Steine) Weiß zieht und setzt im 3. (dritten) Zuge matt! Lösung zu Problem Nr. 60 l ) Tc4-c6! d7—d5; 2.) Tc6—a6! Schrifttum Miltschinvty Margarethe: Puppe Lie-sels Abenteuer. Mit 4 farbigen Bildern von Valerie May Hülsmann. 156 Seiten. Dktav. Halb- leinen NNl 4.80. K. Thienemanns Verlag, Stutt-gart. M 7—13. — Eine allerliebste Käthe Kruse-Puppe erlebt hier wundersame Schicksale. Von fünf Müttern wird sie nacheinander betreut: von der blonden Traudel, dem stillen Reserl, der wilden Susi, der flinken Marie und dem ernsten Annerl, und mit jeder teill sie Freud und Leid. So leben wir mit ihr im Forsthaus, bei den Zirkusleuten, auf dem Bauernhof, im winzigen Bahnwarthäusl, und lernen ein gut Stück Leben, in feiner Zeich« nung, kennen. Alle fünf Mädchen, so verschieden sie find, werden einem mit ihrer unverbildeten, kind-lichen Art so lieb, verbindet sie doch die treue müt» terliche Liebe zu dem Puppenkind, die dann auch uim guten Schluß vom Onkel Doktor beim Puppen-fest reich belohnt wird. Jedes kleine Mädchen, das an seinen Puppen hängt, wird an dieser Geschichte seine Freude haben und ganz unbemerkt übt sie erzieherische Wirkung auf ihre Leser aus. Einen hübschen Schmuck des Buches bilden die bunten Bilder von Frau Valerie May-Hülsmann. Wir können dieses ausgezeichnete Buch nur wärmsten« empfehlen. Sein Titelwort lautet: Von unserer lieben Mutter uns erzählt und für uns und andere Kinder niedergeschrieben, nach ihrem allzufrühen Tode von unserem Vater (Dr. Viktor Miltschinsky, Wien) abgeschlossen und zum Druck befördert — Helmut und Wattraut. bsyi üuiioi »5>ow Telephon Nr. 2 3 latersrhan ________________lllii uöijö 7--."7 m slunuu in r«Qtitr1«rto G*no«MnMb«ft mit unb«MhrVnktor Haftung 013VFll trQ 15 reginrovant ndruga z neomejeno zavero Spareinlagen, Darleihen, Kredite Etaiagenstand Din 30 000.000 j günstigste Bedingungen, j Saldverkehr Din 230,000.000" Spezerist agiler Verkäufer, auch im Kontor verwendbar, wird aufgenommen bei F. C. Schwab, Ptuj. Erfahrene Erzieherin deutsch, französisch, sucht Stelle in gute« Haus. Hollnsteiner, Zagreb, Palmotifova 66. Schöner, fast neuer Kinderschlafkorb ist billigst abzugeben. 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