pränviiirralion»-Preise: Fti r Laibach: «anzjährig . . . 8 fl. 40 !r. Halbjährig . . . i „ SO „ Vierteljährig. . 2 „ 10 „ Ufonatlicfc . . . — „ 70 „ M i t Der Post: Banz>ährig . . . 11 fl. -- kr. Halbjährig . . . 5 „ 50 „ Vierteljährig. . . i „ 75 „ Wr Zustellung ins Haus vierteljährig 25 tr., monatlich y kr. tinjelne Nummern S kr. Laibacher *c)aktien Bahuhosgaffe Nr. 13*. Ammime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. •iptiitioa und 3n|>raltn-ßnrritn: Konzreßplatz Nr. 81 (Buchhandlung ecu 3. «.Kleinmayr h F. Bamberg) Saftrlionsprrift: vür die einspaltige Petitzeile 5 h bei zweimaliger Einschaltung & 51t dreimal ü 7 kr. InsertionSsiempel jede«mal 30 h. Bei größeren Inseraten und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. Nr. 232. Dienstag, io. Oktober 1871. — Morgen: Nikasius. 4. Jahrgang. Das czechische Fundamentalgesetz. Was die ministeriellen Organe den verfassungs-trruen sv oft vorgeworfen, daß sie über etwas den Stab brechen, wovon sic nicht die entfernteste Ahnung haben, daß sie die getroffenen Vereinbarungen zwischen dem Grafen Hohenwart und den Wortführern der Czechen ja gar nicht kennen, das hat sich nun, dies Zengniß müssen wir ihnen geben, im vollsten Sinne des Wortes bestätigt. Die „Wiener Abendpost" und ihre provinziellen Ableger sagten da einmal ausnahmsweise die lauterste Wahrheit. Zwar ließen uns die Persönlichkeiten, welche als Unterhändler dienten, das sorgfältig geplante und rücksichtslose Vorgehen bei den Wahlen, das Gebühren bei den Großgrundbesitzerwahlen in Mähren und Oberösterreich, das Verhindern rechtzeitiger Wahlen seitens der Handelskammer in Linz, endlich das böhmische Reskript das schlimmst« für Verfassung und Reich besorgen. Wir ließen uns auch durch die Ablengmingen und Abschwächungen der „Wiener Abendpost" nicht im mindesten in unserer Anschauung irre machen; aber daß man so an die äußersten Grenzen dessen, was man dem gesunden Menschenverstände bieten darf, gehen würde, das hätten wir uns nicht im Traume eingebildet. Daß die Regierung solche Bahnen ein-schlagen würde, um die drei Millionen Czechen und ihre Junker zu befriedigen, das wußten wir allerdings nicht, bis endlich der Prager Landtag den Schleier von dem geheimnißvoll vereinbarten Aktenstücken des Ansgleichswerkes hinwegriß. Um das ungeheuerliche Wagstück, daß uns hier zugemnthet wird, das halsbrecherische Experiment, das mit dem Reiche und seiner Verfassung plötzlich beliebt wird, zu kennzeichnen, braucht man blos an die Antrittsrede des Grafen Hohenwart am 7. Februar d. I. zu erinnern, wo er versprach, mit der vollen Schärfe der Gesetzes alle Bestrebungen außerhalb des Gesetzes und der Verfassung niederzuschlagen; ja man darf noch an seine Autonomie- und galizische Vorlage erinnern, wo er noch mit seinen versuchen, einen Komproniiß auzubahnen, ans dem Boden der Verfassung fußte. Selbst noch in dem Reskripte an de» böhmischen Landtag, worin das böhmische Stacits-recht anerkannt wurde, erging an Böhmen die Aufforderung, seine Wünsche und Begehren mit den Verpflichtungen, die der Monarch Ungarn und feinen übrigen Königreichen und Ländern gegenüber einge-gangen, das heißt mit der Verfassung in Einklang zu bringen. Nun kennt aber das czechische „Fnndamental-gesetz" nicht mir keine ReichSversassung und keinen Reichsrath mehr, sondern unterfangt sich unter Inanspruchnahme einer ganz gleichen Stellung dem Reiche gegenüber, wie Ungarn sie einnimmt, unter lächerlicher Entlehnung einiger Ausdrücke ans der nordamerikauischen Verfassung, wie Kongreß und Senat, dem Reiche die denkbar tollste Umgestaltung der bestehenden Verfafsungsverhültnisse vorzuschlagen, alles damit die böhmische Souveränität unb Großmaim-sucht Raum gewinne, sich behaglich zu entfalten. In sklavischer Weise werden da die Bestimmungen des österreichisch-ungarischen Ausgleichs selbst in der Form und Methode kopirt. Der Staat Böhmen wird natürlich als souverän vorausgesetzt, der in Form eines Vertrages sich herbeiläßt, in rücksichtsvollster Nachsicht für die Monarchie an dieselbe Zugeständnisse zu machen. Als solche gelten ihm in erster Linie die Anerkennung gemeinsamster Angelegenheiten. Als solche läßt er gelten die auswärtigen Angelegenheiten mit Einschluß der diplomatischen und Handelsvertretungen dein Auslande gegenüber, sowie die in Betreff der internationalen Vertretungen etwa nothwendigen Verfügungen; sodann das Kriegswesen mit Inbegriff der Kriegsmarine (eine czechische Flotte beansprucht der souveräne Staat Böhmen nicht!), jedoch mit Ausschlußder R e k r u t e n b e w i l l i g u n g und der Festsetzung über die Art und Weise der Erfüllung der Wehrpflicht, der Verfügung hinsichtlich der Dislozirung und Verpflegung des Heeres, ferner der Regelung der bürgerlichen Verhältnisse der Mitglieder des Heeres. Endlich erkennt das glorreiche Königreich Böhmen als gemeinsam das Finanzwesen rücksichtlich der gemeinschaftlich zu bestreitende» Auslagen. Das Gesetzgebungsrecht in Betreff der gemeinsamen Angelegenheiten darf auch künftig mit gütiger Erlaubniß der Czechen mittelst der Delegationen ausgeübt werden, natürlich entsendet der Landtag des Königreiches Böhmen seine 18 Delegirten direkt, sieht in dieser landtäglichen Beschickung der Delegationen den Ausgleich mit Ungarn vollkommen gewahrt und läßt sich sogar herbei, auch die übrigen Bestimmungen des Ausgleichs mit Ungarn, betreffend den Wirkungskreis und die GefchäftSbehandlung der Delegationen, so wir das Quotensysteiu für die gemeinsamsten Angelegenheiten und die Staatsschuld seinen „Funda-mentalgesetze»" einzuverleiben; fordert aber dafür, das es hinsichtlich der Beitragsleistung zu den Staatölasten ganz so wie in Ungarn behandelt werde. Böhmen will nämlich an den Erfordernissen für die gemeinsamen Angelegenheiten der ganzen Monarchie mit einer pe rz ent n e l len Quote thcilitchmen, welche durch Vereinbarung im Wege landtäglicher Deputation zu ermitteln sein wird — im gleichen Wege wird die von Böhmen zu dein Erfordernisse der allgemeinen Staatsschuld zu leistenden Quote erst zu vereinbaren sein. Von den entfallenden Quoten ist aber, wohlgemerkt, jener Ertrag von Stempeln nnd Gebühren in Abschlag zu bringen, welcher im Lande eingeht. Jeuisseton. Meran. Unter allen klimatischen. Kurorten, die in den breiten Thalbecken zunächst des Hauptstockes der Zeutral-Alpen eine Rolle spielen, steht Meran obenan. Es ist über dieses Gebirgs-Eldorado in jeder Hinsicht so viel erschöpfendes geschrieben worden, daß ich mich ohne Zweifel in die Gefahr begebe, längst bekanntes zu reprodnziren, umsomehr als es ja literarische Kräfte, wie Heinrich Noö, Ludwig Sleub, Jda v. Diiringsfeld u. a. m. sind, die nacheinander ihre originelle Darstellungsweise Hierselbst zur Geltung brachten; allein dies alles vermag mich von meinem Vorhaben umso weniger abzuhalten, als ein oder das andere Wort immerhin noch etwas Unerwähntes Vorbringen könnte. Selbstverständlich sind eö die klimatografifchen Verhältnisse, welche dem Kurorte jene europäische Popularität verschafft haben, die er nunmehr genießt, und hierin konzenlrircn sich zumeist die abhandelnden oder beschreibenden Druckwerke der erwähnten Autoren. Die Lage Merans in dem durch italienisches Klima beglückten Etsch- thale ist in der That von der Natur außerordentlich begünstigt, um so tu ehr, als es gegen Süden hin vollkommen offen ist, gegen Norden gleichzeitig durch den quervvrliegendeu Küechel - Berg gedeckt wird, dessen Nichtvorhandensein die Bedcntnng des Kurortes als solchen unbedingt problematisch machen würde. Der scharfe Nordwind, der durch das Paffeyerthal in südlicher Richtung oft mit ziemlicher Heftigkeit streicht und von seinem Entstehimgsorte „Jaufenwind" genannt wird, würde mit der Zeit die klimatischen Vorzüge Merans und seiner reizenden Umgebung paralysiren, und wie bedeutend sein Einfluß hiebei sich geltend machen müßte, beweist der Umstand, daß bei Gelegenheit des Abflusses jener kalten Luftströme von dm Höhen des 7—7700' hohen JaufengebirgeS nach dein südliche», wärmereu Etschthale, die Promenaden und Anlagen des Kurortes, sowohl dies- wie jenseits der Passer, von allen Kurgästen verlassen bleibe», möge die Sonne noch so klar herniederscheinen, die üppige Vegetation und die dichten, herrlichen Rebcngelände noch so ins Freie locken. Nur dann, wenn die regungslose, südliche Luft mit ihrer wohlthuendcn Reinheit und erfrischenden Würze über dem weiten Thalbecken ruht und mit gesühls- und nervenstärkender Mildheit die sanf- ten Abdachungen der nachbarlichen Berge umfließt, regt sich jenes bunte, hundertfältige Leben, das jedem größeren Kurorte eigen. Es wäre ein Jrrthum, wollte man behaupten, Meran Hütte außer den klimatischen Vorzügen keine weiteren, und ich will nur in gedrängtester Kürze Hinweisen, wie vielfach die Objekte find, die in verschiedenartigster Weise anrege» und jedem Interesse mehr oder minder Genüge leisten. Das Heer der „Ritter vom Geist" bedarf einer sachlichen Gliederung, wenn die Ausbeute an den Werken der Natur unb Kunst eine erschöpfende sein soll, unb unter jenen nimmt ber Tourist ohne Zweifel bic unterste Stnse ein. Ihm wirb die Natur um Meran alles bieten, was sein Herz begehrt, von bcn kultivirtesten, bem Geschmacke bei* Zeit unb Mobc entsprechenden Bnmmel- nnd Lustgängen bis zu den nnwirthlichen Felssteigen des Hochgebirges. Den Alpenforscher verweise ich auf bic steilen Kämme der EinschließungSgebirge bes .Passcyerthales: auf die 7840' hohe Isinger Spitze, den gewaltigste» Granitsockel, der, in QNQ. Richtung von Mera» liegend, die ganze umliegende Ge dirgswelt wie ein König überragt; dann den wundervollen Thalkesfel mit den sieben Spronserseen zwischen den nordwestlichen und westlichen Auslaufs- Bon weit größerer Tragweite jedoch, als die Bestimmungen betreffs der Delegationen sind jene Punktationen des czechischen Elaborats, welche cs auf die Beseitigung und Zerstörung des verfassungsmäßigen Organismus außerhalb Böhmens abgesehen haben. Denn die Herren Czechen begnügen sich keinesfalls mit vollständiger Autonomie in ihren inner» Angelegenheiten, sic wollen ganz Oesterreich mit einer Verfassung ureigenster Mache beglücken. Nicht genug, daß der böhmische Landtag das Recht der Gesetzgebung in Sachen der Justiz, der Polizei, der Unterrichts- und konfessionellen Angelegenheiten, die eigene Verwaltung in allen diesen Zweigen durch eine dem Landtage verantwortliche Landesregierung (Kanzler und Minister) beanspruchen; nicht genug, daß sic das Recht der Steuer- uud Rekruteubewil-ligung und die freie Verfügung über die Landwehr fordern, sic verlangen ganz offen, daß auch noch der Rest von Oesterreich in föderalistische Atome zersplittere. Mit heuchlerischer Erborgung von Namen aus der Verfassung der »ordamerikanischen Union, mit Kongreß der Delegirten und Senat glauben die Schlauköpfe das Zerstörnngswerk am besten decken zu können. Aber was wäre das für ein Zerrbild eines parlamentarischen Körpers, zu dessen Kompetenz nur mehr die erbärmlichen Abfälle der De-legationen und des czechifchea Landtages gehörten! Die indirekten Abgaben, das Zoll- und Münzwefen, die Feststellung des Wchrsystems, die Reichseisen-bahnen, die Staatsschuld und die Reichsbürgerschast — beliebig beschränkt durch czechische Heimatsgesetze und Paßwesen — gehören mit gütiger Erlaubniß der Czechen noch in das Gesetzgebuugsbereich des Dele-girtenkongresseö. Und erst der Senat, womit sie das Reich noch gütigst begnaden wollen, der alte napoleonische wäre ein Ausbund von Macht, Ansehen und Würde dem gegenüber, womit uns die Czechen beglücken wollen. Alles, was an Reaktionären im Lande aufzutreiben, soll einen Beirath der Krone bilden. Als sein Wirkungskreis werden erkannt : Die Prüfung und Genehmigung von Staats-vertrügen, welche das Reich belasten oder Gebiets-Veränderungen zur Folge haben. Er soll als Schiedsgericht fungiren zwischen den einzelnen Ländern, wenn diese seine Entscheidung anrusen. Er soll dienen als Reichsgericht in Fällen von Minister-Anklagen und gutachtliche Aeußerungen abgeben, so oft der Kaiser ein Gutachten verlangt. Und diese Fundamentalartikel zu einer Neugestaltung des Reiches soll eine österreichische Regierung, soll das gegenwärtige Ministerium, vom Kaiser beauftragt, Frieden herzustelleu unter seinen Völkern, mit den Czechen vereinbart haben, für diese« Wahnwitz soll cs die Zustimmung des Reichsrathcs er- Kämmen dcr Tschigat-Spitzc, das Sprons- und Kalm-Thal, schließlich das Passeyerthal mit dem quervorliegeuden Jansengebirge im nördlichsten Hintergründe. Eine Fuudgrube für den Mineralogen ist das wilde Naisthal, ans dem einst jener fürchterliche Mnhrbrnch hervorbrach, der das römische Maja verschüttete und aus dem Schutte desselben im Laufe des Jahrhunderts das liebliche Mais erstehen ließ — und der Geologe hat nicht weit zu den Porfirlagern, die, das Etschthal einsäumend, gleich diesem südlich streichen. Gleich dcr erste flüchtige Besuch der Umgebung Merans wird dem Historiografen das Terrain an-weisen, auf welchem sich die zahlreichen Fundgruben für seine Fachstudien bieten, eine Reihe monumentaler Bauten früherer Zeit, Ueberbleibfel ans der römischen Geschichtsepoche und einzelne Punkte, die ihm historische Momente nahe legen. Gleich nördlich dcr Wintcrpromcnade, jenen Anlagen, die sich lies-scits dcr Passer befinden und zum Thcilc den Schutz gegen kalte Nordwinde durch den vorliegende» Kücchcl-Bcrg genießen, übersetzt eine schmale römische Bogendrücke den Fluß, ein uraltes Bauwerk, das au sich wenig zu bieten vermag, ans historischem Interesse aber unsere Berücksichtigung verdient. Die noch weiter nördlich gelegene Zenobnrg besitzt des aiire- wirken! Wir wollen es noch nicht glauben, daß es soweit mit unserem Staate gekommen ist, und nur das versichern, daß kein ehrlicher Oesterreichcr, welcher Nationalität und Gesinnung er immer angehören mag, einen solchen Pakt unterschreiben kann! Politische Rundschau. Laibach, 10. Oktober. Inland. Die Prager Enthüllungen über den Ausgleich, wie ihn die Czechen verstehen, beherrschen ausschließlich das Gebiet der politischen Erörterungen in der Monarchie. Verblüsfnng und Bestürzung sind die Eindrücke, welche die wahnwitzigen Ausgeburten czechisch-seudaler Gehirne überall hervorrufen. Selbst Organe, die noch Tags zuvor sich als eifrige Parteigänger der Regierung zu erkennen gegeben, ringen förmlich nach Ausdrücken, um die Ungeheuerlichkeit, die Uuglaublichkeit, ja die Unmöglichkeit des uns vou deu Czecheu gebotenen darzulegen. So sagt z. B. die „Tagespresse" in ihrer Montagsuummer: „Der erste Eindruck, den die Prager Publikationen hier wie jenseits der Leitha hervorgerufen, ist der des Entsetzens. Aber nicht „niedergeschmettert," wie ein föderalistisches Blatt in erträumtem Siegestaumel schreibt, sondern wie ein Heer, zur Vertheidigung des Vaterlandes bereit, beim ersten Kanonenschuß, der das Signal zur mörderischen Schlacht gibt, steht das deutsch-öfter-rcichische Volk da, einig bis auf den letzten Mann und fest entschlossen, den frechen Angriff nationalen liebermutheö aus Reich uud Verfassung abzuwehren. Ob es dabei die Regierung Sr. Majestät noch auf seiner Seite finden werde oder nicht, ist ihm gleichgiltig. Denn cs gilt sein eigenes nationales Dasein, und in noch weit höherem Grade für die Erhaltung dessen einzntreten, was es im Lause der Jahrhunderte geschaffen. Was man befürchtet, es ist weit überboten durch das, was die Prager Publikationen als die Forderungen der Czechen enthüllt haben. Das sind keine Ausgleichsbedingungen mehr — ihnen gegenüber gibt es für den Oesterreicher kein Entweder-Oder. Graf Hohenwart mag es mit sich ausmachen, ob er solche Fnndamen-talartikcl der Krone zur Sanktion unterbreiten könne." So spricht heute ein Blatt, welches das meiste dazu beigetragen hat, den nationalen Uebermnth durch die niedrigsten Beschimpfungen der Vcrsassungspartei zu entflammen. Die Frage, die zunächst alle Kreise beherrscht, ist die, ob das czechische Jundameutalgesetz mit dem Ministerium Hohenwart vereinbart worden ist, und ob Gras Hohenwart zu solcher Vereinbarung die Zustimmung des Monarchen erlangt hat? Daß die Znmuthung der Czechen, an die Stelle der bestehen- gcndcn schon weit mehr und es hat gewiß niemand in ihrem Angesichte die tauschende Passer passiert, ohne seine Blicke auf jene malerische Lage schweifen zu lassen. Auf vielfach zerbröckeltem Felsblocke, dessen Haupt urplötzlich eine dichte Baumvegetation umrahmt, erhebt sich, gleichsam dem Bnschwcrkc entwachsend, der einfache Bau, unmittelbar an dem tiefen Felfenabsturze, während an dem flacheren Südhange terrassenförmig Rcbcngelände sich übereinander dachen und das saftige, tiefe Grün des gegenüberliegenden Ufers einen wohlthnenden Kontrast hcr-vorrnft. Dcr bequeme, etwas zeitraubende Weg zu der Höhe dcr Burg zweigt sich unmittelbar auf der Höhe der Wiuterproinenadc ab und erlaubt jedem in keinem absonderlichen Grade Geschwächten den lohnenden Ausflug auf jenen horstartigen Punkt, von dein sich überdies eine zauberische Aussicht in das Passeyerthal und auf dessen Einschließungswände bietet. Ans dcr entgegengesetzten Seite des Küechcl-Vcrgcs, bereits auf dem Abhänge der Mnttspitzc, liegt jener uralte Ban, von dem das Land den Namen erhalten — das Schloß Tirol. Ich kann mir keine romantischere Lage vorstellen, als die dieses historisch denkwürdigen Gebäudes, das in Mitte dichten Buschwerkes auf steil abfallenden den eine föderalistische Verfassung zu setzen, die weit über jene Nordamerikas hinauSreicht, die den Staats -begriff Oesterreichs für alle Zukunft aufhebt, daß diese Znmuthung die verdiente Zurückweisung erhalten werde, dazu eröffnet das ministerielle Leibblatt nicht die mindeste Aussicht, es meint vielmehr, nun müßten die Deutschen „vor Scham in die Erde sinken," da sie den Ausgleich so ungerecht verdächtigt haben; sie sollten nunmehr hübsch bescheiden in den Reichsrath kommen, um die „neue Verfassung" zur Sanktion vorznbereiten; denn jetzt werde die Regierung die böhmische Adresse mit der Erklärung beantworten, sie nehme diese Gruudzüge als Grundlage zur Verhandlung im Reichsrathe und fordere den böhmischen Landtag ans, im Reichsrathe zu erscheinen," d. H. Abgeordnete in den ReichSrath zu wählen. Die Czechen werden diesem Wunsche auch mit gewohntem Protest nachkonimen. In der Erregung, welche die nun gestellte böhmische Frage hervorruft, wird man das Gerücht, jetzt fei Graf 58 e u ft ans seiner Reserve getreten und entschlossen, seine Demission zu erbitten, sehr-begreiflich finden. Man meldet die Nachricht mit großem Nachdrucke, wir wollen jedoch, che wir sie für gut begründet erklären, ein mehrere^ ab-warten. Sie könnte wahr fein, wenn man die Gesinnungen des Reichskanzlers richtig gedeutet hat, und müßte wahr fein, wenn derselbe daraufhin des Entschlusses fähig ist, selbst die Initiative zu ergreifen, um feine Zukunft zu retten. Dennoch scheint uns das Naturell des Grafen Beust nicht dazu angelegt, solche Fragen akut zu machen. Die verfassungstreuen Landtage dürsten, obwohl ihre Session in wenigen Tagen geschlossen wird und obgleich sie in Rcchtsvcrwahrnngcn genugsam ihre Gesinnung kuudgcgcbcn haben, gleichwohl der Herausforderung, welche die czechische Vcrsas-sungsvorlage enthält, kaum widerstehen, und cS scheint, als würde in den nächsten Tagen in den Landtagen noch ein letztes Wort über die Krise gesprochen werden. Wenn nicht anders, so wird eine den Neichsrathswahlen vorangehende Debatte die Gelegenheit dazu bieten. Ausland. Im deutschen Reiche regt sich das Interesse für die den Deutsch-Oesterrei-cheru durch den sogenannten „Ausgleich" zugedachte Stellung nicht mehr in blos publizistischer Weise. Aus Dresden telegrafirt man über eine große Manifestation, die dort gestern staitgefunden; ähnliche Kundgebungen stehen in anderen großen Städten Deutschlands in Aussicht. Die Eröffnung des deutschen Reichstages ist nun definitiv auf den 16. d. M. anberaumt. Gelegenheit zu wichtigen Diskussionen wer- Scdimcntkegelu gelegen, sowohl in das westlich hinziehende Vinschgau, vallis venusta bei den Römern, blickt, als auch thalabwärts den steilen Hängen dcr Nonöbcrgc entlang eine reizende Fernsicht gewährt. Hierselbst liegt Stofs für den Historiografen, und wer sich nur einen Augenblick in den Räumen des Schlosses befunden hat, der wird sicherlich nicht die Illusion abfprechen können, als hätten ihn die Geister der Vorzeit umschwebt, und die urwüchsige Situation vor den steil abfallenden Bergeshängen dürfte fein Gemüt!) ohne Zweifel von den kleinlichen Erden-sorgen entlastet haben — wenn auch nur auf Augenblicke. Den Glanzpunkt Merans jedoch bietet das liebliche Ober-Mais mit feinen zahlreichen Villen und Schlösser», eine Kette reizender Anwese», zwischen bene» sich Rebe an Rebe, jene unabsehbaren Wein-taub eit breiten, die Jahr für Jahr den Bedarf dieser königlichen Frucht für die anwesenden Kurgäste decken müssen. Villa „Bellevue" eröffnet zunächst den Sommcranlagc» dcn Rcigc», Hiera» schließt sich „La»ser," „Pittcl" und weiter rückwärts, die die ganze Umgegend überragend — „Ramctz," die Besitzung des Herrn v. Boscaroli, dcr durch seinen Fleiß im ökonomischen Sinne hierselbst das zierlichste, systematischeste, das ich in der Weinkultur beit jedenfalls die kirchlichen Angelegenheiten bieten, da die Jesuiten des Reichstages wohl nicht säumen werden, den Kampf für den unfehlbaren Papst, beit sie im Frühjahr begonnen, wieder aufzn-nehmen, und andererseits die Reichsgewalt kaum säumen wird, in den Kampf, welcher innerhalb der katholischen Kirche ausgebrochen ist, einzugreifen. Die Parlamentsferien benützen die englischen Staatsmänner bekanntlich zu Rundreisen und Gelegenheitsreden. Nun hat auch Mr. Förster, der Unterrichtsminister von Englanb, gesprochen. Es geschah in Bradford bei Gelegenheit der Vollendung eines neuen Bereinsgebäudeö. In Bezug auf die Politik sagte er: Es sei zuerst seine Aufgabe gewesen, mit der Unwissenheit des Landes, die er als einen großen Feind des Staatswesenö bezeichnet!, zu ringen. Er spann das Gleichuiß in diesem Punkte im Fortgange der Ansprache noch weiter auS, indem er erklärte, dieser Feind scheine ernstlich das nationale Leben zu bedrohen, wenn man ihm nicht wacker zu Leibe gehe. Er selbst fühle, daß, selbst wenn man den Gegner aus allen Kräften bekämpfe, seine Macht immer noch groß bleiben werde, und er sei daher ernstlich darauf bedacht, alle zu seiner Verfügung stehenden Streitkräfte in diesem Kampfe zur Geltung zu bringen. Im übrigen räumte der Redner ein, daß man die neuen Unterrichtsgesetze noch keineswegs als fertig und in sich vollendet betrachten dürfe, hielt aber dabei fest, daß man cs erst auf einen gründlichen Versuch entkommen lassen müsse, ehe matt an die Abänderung oder Ergänzung denken dürfe. Eine solche militärische Reform, die von der flesanmtten liberalen Partei längst herbeigewünscht und als unumgänglich nothwendig bezeichnet ward, ist in England endlich vollzogen worden. Nach der „Amt) and Navy Gazette" hat die Vereinigung des Kricgsmimstennms mit dem General-Kommando der Armee (Horso Guards) stattgefunden. Die beiden obersten Militärbehörden des Landes, die sich bislang beständig in den Haaren lagen, wohnen unter dem Dache des Buckingham-Honse in Pall Mall nunmehr friedlich mit einander zusammen. Es ist dies der erste Schritt zu der projektirten großen Heeres-Reorganisation in England. Das Institut der „Horse Guards" (berittenen Garden), das in den Armee - Annalen Großbritanniens bisher eine wichtige Rolle spielte, gehört jetzt zu den Dingen, bie einst gewesen, und die lebenden Reiterstatuen vor dem Eingänge zu dem Generalkonimandogebände, bie bas Erstaunen des London besuchenden Fremden stets iit so hohem Grabe wachriefen, fittb nebst der Garbekavalleriewache seit einigen Tageu von ihrem Platze verschwunden. je gesehen, geschaffen. — In der Tiefe des Naif-thales befindet sich das neuester Zeit oft genannte TrautmannStorff, Eigenthum des Reichsritters von Leon, ein altehrwürdigcS Bauwerk, vielfach reuovirt und dem modernen Geschmacke angepaßt, ohne indessen alle Spuren romantischer Abkunft zu verwischen. Man gelangt aus einem sauft ansteigenden Fahrwege, zwischen hohen Bäuinen, an die Thorschwelle des Schlosses. In nächster Nachbarschaft liegt das Paradies Stcubö, das reizende Kirchlein St. Valentin, dessen Umgebung in der That jene warme Schilderung verdient, die ihr der erprobte „Wanderer in Tirol" angedeihen ließ. Die Kapelle liegt nahezu knapp unter der steilen Bergwand und ringsum scheint ein Hauch des Friedens zu wehen, der jebeS beängstigte Gemüth neu beleben wird. Nördlich beS Naifbaches sind noch zwei Punkte, die unsere Aufmerksamkeit verlangen: Goicn und Schönna, letzteres auf der Höhe des großen Jfi,t-ger-Absatzes, gleichsam bas Panorama zwischen den Thalt'äuderu krönend. Das erst kürzlich vollendete Mausoleum Erzherzog Johanns, im gothischen Style aufgeführt, mit dem entsetzlichen Drachen am Gesimse, ist in der That ein Monument, um das den erlauchten Biedermann jeber König beneiden könnte. Hoch in der kühlen Bergesluft, im Angesichte inäch- Zu der neulich gemeldeten Sensatious-Nach-richt, daß iu ganz R ußlaub eine allgemeine Mo-bilisiruugsordre crflosscn sei, bringt nun der russische „Invalide" eine aufklärende Erläuterung; darnach ist zwar an säutmtliche Distriktsvorsteher des Reiches bie Ordre ergangen, zur Einberufung der Beurlaubten die uöthigeu Vorbereitungen zu treffen und weitere Befehle abzuwarten. Nachdem man sich vergewissert hat, daß die erwähnte Ordre allen Distriktsvorstehern richtig zugekommen sei, wählte der Kaiser zwei Distrikte, und zwar Charkow und Kiew aus, in welchen die Mobilifiruitg ber Beurlaubten tatsächlich burchgeführt und die Einberufenen seit dem 20. September in beit Waffen geübt wurden; zur Jnspiziruug der auf diese Weise kompletirteu Regimenter wurde General Albedinski bestimmt. Zur Tagesgeschichte. — Der Export österreichischer Weine hat sich im letzten Dezennium nahezu verdoppelt. Derselbe betrug im Jahre 1860 191.412 Zollzentner, 1667 276.996 Zollzentner, 1869 aber 384.668 Zoll-zenlner. Im Jahre 1870 blieb derselbe in Folge der Verkehrsstörungen zurück (278.161 Zollzentner). Die größten Mengen gelangen über den Freihafen von Triest (1869 121.744 Zollzentner) und nach Deutschland (1869 118.554 Zollzentner) zur Ausfuhr. Die Ausfuhr zur See über Triest hat in den letzten zehn Jahren um 70 Perzent, jene Uber die Grenzen gegen Deutschland aber um 158 Perzeut zugenomnren. Der Export an Wein in Flaschen ist mit Rücksicht auf die Gesammtzisfer der Weinausfuhr wohl unbedeutend, doch dürfte cs nicht uninteressant erscheinen, zu konsta-tiren, daß derselbe (1860 2666 Zollzentner, 1869 7677 Zollzentner) um 188 Perzent tut obigen Zeiträume gestiegen ist. — Mr. Scott Rüssel, der berühmte Ingenieur und beim Baue des Wiener Weltausstellungsgebäudes betheiligt, hat nun einen Plan ausgearbeitet, nach welchem in Calais ein neuer, ganz aus Eisen konstruirter Hasen angelegt werden soll. Dieser schon vor Ausbruch des letzten Krieges angenommene Platt ist nun auch von dem gegenwärtigen Minister der öffentlichen Arbeiten genehmigt worden, der die un-verweilte Ausführung desselben auch gutgeheißen hat. Diesem Plane zufolge wird der neue Hasen von Calais kreisförmig aus Eisen unb Zement mit einem Umfange von 1 Kilometer unb 1000 .Fuß Durchmesser tiefer in die See gebaut und durch eine Eisenbahnbrücke mit dem festen Lande verbunden werden. Sind! diese beiden Häfen einmal fertig umgebaut, was auch bis zur Eröffnung der Weltausstellung in Wien, Iten Mai 1873, ausgeführt sein dürfte, so wird die Fahrt über den Kanal in folgender Weife stattfinden. Zwei tiger Granitstöcke, die ihre hohen Häupter in das Reich der Wolken erheben, steht der Bau, der die letzten irdischen Ueberreste eines vom Volke treu geliebten Prinzen birgt — eine Ruhestätte, wie sie nicht paffender hätte ausgesonnen werden können. Nun noch einen Blick auf die Anlagen zunächst ber Stabt. Sie habeu keine absonderliche Ausdehnung, aber sie genügen beit bescheibenen Ansprüchen, bie ber, im Grunbe doch erst im Entstehen begriffene Kurort zu machen bestrebt ist, und die umsichtige Leitung, wie sie dermalen in alle Angelegenheiten, bie auf Verschönerung der ber Stabt zunächst gelegenen Bergabhänge Bezug nehmen, eingreift, läßt iu uns bie angenehme Hoffnung erstehen, daß von Jahr zu Jahr ber erfreuliche Fortschritt tu dieser Hinsicht keinerlei Störung erfahren dürfte. Es weht ein Geist des Friedens durch dieses Thal — und wer nebst ber Gesunbheit beö Leibes auch jene ber Seele allenfalls wieder zu erlangen anstrebt, der wähle einen jener reizenden Punkte in Obermaiö, und bie erste Probe wird ihm alle Zweifel benehmen. Lacroma und Meran — ich kenne nichts schöneres iu den Säubern der österreichischer Monarchie! Schweig er-Lerchenfelb. Ztige verlassen London zur selben Stunde, einer von Viktoria, der andere von Cannon Street. In Dover angekommen, fahren dieselben an Bord eines großen, vierzig Fuß breiten und vierhundert Fuß langen Dampfschiffes. Dieses Schiff wird in Folge feiner Dimensionen, welche jenen des „Great Eastern" nahekommen dürsten, von der See wenig bewegt werden, wodurch auch die Paffagiere der Seekrankheit minder unterworfen sein werden. In Calais werden die auf dem großen Dampfer befindlichen beiden Züge durch Lokomotiven von dem Decke des Schiffes an den Hafen und von da über die Eisenbahnbrücke ans Land gebracht. Ein Zug wird dann südlich über Paris nach Wien, der andere über Brüssel, Köln, Frankfurt u. s. w. nach Wien abgehen. — Aus Smynta schreibt man der „A. A. Z." Es ist erfreulich, daß eine der bedeutungsvollsten wiffen-schastlichen Lebensäußerungen des wieder erstandenen deutschen Reiches auf ein Unternehmen gerichtet ist, das besonders für die Alterthumswissenschaft recht fruchtbringend zu werden verspricht. Eine deutsche wissenschaftliche Expedition ist hier eingetroffen und im Hotel Müller abgestiegen, um an beit wichtigsten Punkten Kleinasiens archäologische Untersuchungen anzustellen. Die Expedition besteht aus den Professoren Ernst Curtius, Starck, Adler und einem Major vom großen Generalstab in Berlin. Das Kanonenboot „Meteor" ist derselben zur Verfügung gestellt worden, damit sie von den anatolischen Gestaden mit größerer Leichtigkeit Ausflüge sowohl als Abstecher nach den Inseln machen könne. Nach einer genauen mehrtägigen Untersuchung der im Aufträge der Dilettants-Society in London gemachten Ausgrabungen in Ephesus begaben sich die Herren nach Sardes. Die kostspieligen Ausgrabungsarbeiten, welche bereits das Manteuffel'sche Ministerium dort hat vornehmen lassen, haben keine bedeutenden Ergebnisse zu Tage gefördert; hoffen wir baß man jetzt mit mehr Verständniß, wenn nicht an Ausgrabungen, so doch an die Feststellung dessen gehen werde, was zur Aufhellung des Ruinenfeldes und des Gebiets von Sardes insbesondere unumgänglich erscheint. Ein längeres Verweilen an Ort uitfo Stelle ist freilich nicht ohne Gefahr; denn die Hügelreihe, ans welcher sich die Metropolis der prachtliebenden Mermnaden erhoben, ist von Fieber brütenden Sümpfen und Distelfeldern durchschnitten. Herodot -erwähnt dieser berühmten Grabmäler, besonders genau beschreibt er bekanntlich den Alyattes-Hügel; Strabo bedauert, daß man zu seiner Zeit nicht einmal mehr die lhdische Sprache gekannt habe. Möge es den deutschen Forschern vergönnt sein über den einen oder den ändern Punkt neues Licht zu verbreiten! Wir bedauern daß der rühmlichst bekannte wackere Geograf Prof. Kiepert der Expedition nicht beigeordnet wurde. — In C t n c t tt n a t i erschien neulich einweib -licher Pastor in dem Bureau des Erbschaftsgerichts. In der Hand, hielt die Dame ein Papier, welches sie mit den Worten überreichte: „Habe ich sonst noch etwas in dieser Angelegenheit zu besorgen?" Das Dokument enthielt die gesetzmäßige Beglaubigung von der vollzogenen Heirat zwischen Herrn O. O................... und Frl. A. G durch Rev. Frau Addie L. Ballon. Die Mutter der Braut ist eine entschiedene Anhängerin der Frauenrechte rl la Dickinson und hatte den weiblichen Pfarrer aus einer Entfernung von 100 Meilen kommen lassen, um ihre Tochter mit dem Gegenstand ihrer Wahl einzusegnen. Rev. Frau Ballon erledigte sich ihres Auftrages mit der Gewandtheit und Salbung eines OberhofpredigerS. Lokal- unb Provüizial-Angelegenheilen. Lokal-Chronik. — (S a n k t i o n i r uu g.) Der vom krainischen Landtage beschlossene Gesetzentwurf über den Mandatsverlust von Abgeordneten des Landtages hat die allerhöchste Sanktion erhalten. — (Se. Majestät Do m Pedro,) Kaiser von Brasilien, ist gestern Abends 6 Uhr mit dem Wiener Schnellzuge in der Station Laibach eingetroffen, hat nach einigen Minuten Aufenthalt die Reife nach Adelsberg fortgesetzt, beabsichtigte dort die Grotte in Augenschein zu nehmen, und hiernach mittelst Separatzuges die Reise nach Triest fortzusetzen. — (Schadenfeuer.) Am 4. d. ist die Keusche des Gregor Trepaui in Oberfernik (Bezirk Krainbnrg), abgebrannt. Der Schade beträgt 200 fl. — (Fiasko einer Ausstellung.) Man schreibt aus Triest über die Ausstellung: „Die Schweigsamkeit der Blätter, sowie der spärliche Fremdenbesuch sind eine natürliche Folge des Ungeschicks, welches von Seite des Komitees in allem an den Tag gelegt wurde, was sich auf publizistische Jnszenesetzung der Ausstellung und die Vertretung nach außen bezog. Wußte man doch selbst in unseren Nachbarstädten kaum, daß in Triest eine Ausstellung stattfinden werde, de die Herren vom Komitee eine verhältnißiuäßig kleine Ausgabe gescheut hatten, um die Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen auf dieselbe zu lenken. Was in dieser Hinsicht geschah, ist hauptsächlich der Einflußnahme des Statthalters und der Handelskammer zu danken, und letztere ist es auch, welche durch Veröffentlichung eines deutschen Kataloges nebst dem italienischen, der von ihr veranstalteten sehr interessanten Musterausstellung ein nachahmungswcrtheS, leidet aber ohne Nachahmung gebliebenes Beispiel gab. ES ist Tatsache, daß von gewisser Seite alles gethan wurde, um den Ausstellern aus dem Jnlande den Glauben beizubringen, daß Triest eine ausschließlich italienische Stadt sei — eine Marotte, die sich an jenen, in deren Kopsen sie spukt, am schwersten rächen würde, wenn sie je zur praktischen Verwirklichung gelangte." — (Der erste allg. B e a m t e n v e r e i n der ö st e r r. - u n g. Monarchie.) Mit Ende des vorigen Monates hat der Bestand aller Versicherungen bei diesem Vereine die Höhe von 10,354.396 fl. Kapital und 33.438 fl. Rente erreicht. Der Zuwachs Pro September d. I. ergab 399 neue Verträge über 338.111 fl. Kapitalien und 1500 fl. Renten. Seit Beginn, dieses Jahres erloschen durch Todesfälle 96 Polizzen, wodurch an Kapitalien 66.050 fl. und an Rente 150 fl. fällig wurden. In Bezug auf die stetige Weiterverbreitung des Vereins ist insbesondere anzuführen, daß die Beteiligung fortschreitend zunimmt und an vielen Orten massenhaft vor sich geht. So sind zum Beispiel in Reichenberg binnen einigen Tagen dem Vereine 89 Mitglieder beigetrcten und wurde dort ein eigener Lokalausschuß gegründet. Auch in Wien sind mehrere neue Vorschuß-Konsortien in der Bildung begriffen, von denen namentlich jene in Währing und unter den Beamten der Geldinstitute ihre Organisirung in kurzem vollenden dürften. Die Zentralleitung des Vereines befindet sich in Wien, Himmelpfortgaffe Nr. 6. — (Aus dem Amt8blatte der „Saib. Z t g.) In Neudegg, Bez. RudolsSwerth, ist der Schullehrerposten zu besetzen. Gesuche bis 20. d. M. an den Bez.-Schulrath. — Die Uebergangsbestimmungen des § 29 der Ministerial-Verordnung vom 15. November 1869 betreffend die Prüfungen der Lehrer für Volksund Bürgerschulen, treten erst mit 1. Oktober 1872 in Kraft. — An 6er mit der Lehrerbildungsanstalt verbundenen slovenisch-deutschen UebnngSschnle in Marburg ist eine Lehrerstelle mit 800 fl. Gehalt nebst Zulagen erledigt. Bewerbungen bis 15. November an den steier. Landesfchulrath. — Lieferung von Syrup und Weingeist für die hiesige Zigarrenfabrik. Offerte find bis 31. d. M. bei der Fabriksleitung einzureichrn. Land- und Hanslvirthschiift. — lieber t? i e Fruchtbarkeit des B o -d e n s in Bezug auf den Verlust a n Pflan-zennobrung durch die Drainage hat Pro-sessrr Tölker Ünleifiidjuugcu ougeftellt. Tic Analyse der Drainagewässer ergab, daß dem Boden eine große Menge Stickstoff, hauptsächlich in der Form von salpetersaurem Salze, durch Drainage entzogen wird. Namentlich scheint das salpetersaure Natron Durch den Regen schnell ausgewaschen zu werden. Zu allen Zeiten des Jahres, namentlich aber während des lebhaften WachSthuniS der Pflanzen, fanden sich salpetersaure Salze im Bodenwasscr, wogegen Ammoniaksalze nicht in merklichen Mengen angetrosfen wurden. Kali und FoSforfäure werden vom Boden fast vollständig zu-rückgehalien, während Kalk, Magnesia und Schwefelsäure leichter ausgewaschen werden. Witterung. Laibach, 10. Oktober. Nachts bewölkt, Regen, Vorm. Winddrehung von SW. nach NO., in deu höheren Regionen heftige Bora. Wechselnde Bewölckung. Wärme: Morgens 6 Uhr + 8.6", Nachm. ■i Utir + 10.6" C. (1870 + 18.9"; 1869 + 12.3°). Barometer im steigen 743.08 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 11.0°, um 1.5" unter dem Normale. Angekommene Fremde. Am 9. Oktober. Elefant. Pamer, Fiume. — Sonenberg, Czakathurn. — Nngaro, Triest. — Goter, Lack. — Bukounig, Handelsmann, Filmte. — Westermeier, Zilli. — Bergamo, Handelsmann, Venedig. — Kanitz, Kfm., Wien. — Fa-bricins, Winter und BoSkovitz, Pest. — Varann, St. Kan-zian. Stnilt Wien. Rnard, Gewerksbesitzer, Veldes. — Jugo-i>i(5, Kfm., Ärainbnrg. — Scherz, Kfm , Wien. — Wohlstein, k. k. Hauptmann, Rudolfswerth. Moliren. Meditsch, k. f. Lieutenant, Älagensnrt. — Leber, Kommis, Villach. — Kosnielj, Mediziner, Wien. Berslorbeuc. Den 9. O k t o b e r. Dem Herrn Mathiis Dwor-schak, pens. k. k. Stabsprosoß, seine Gattin Franziska, alt 63 Jahre, in der Pvlanavorstadl Nr. 39 am Zehrfieber. — Dem Lorenz Bresqnar, Hausbesitzer, seine Tochter Josefa, alt 19 Jahre, in der rirnanvorstaLt Nr. 22 an der Lungentuberkulose. Gedenktafel über die am l 2. Oktober 18 71 stattfindenden Lizitationen. ' 1. Feilb., Kuucic'sche Real., Sleuicue, BG. Nenmarktl. — 1. Feilb., Ponikvar'sche Real., Rndofovo, BG. Laas. Telegramme. (Orig.-Telegr. des „Laib. Tagblatt.") TL i e » , IO. Oktober. Anlässlich der gestrigen Inauguration deS neuen Rektor» MagnifiknS sand eine Studenten-Demon. stration gegen den anwesenden Nnterrichts-minister statt, während Hochrufe auf Beust erschollen. Der UnterrichtSniinister verließ den Saal. — Die Inauguration deS Nek-torS an der Polytechnik verlief ohne Störung. Wien, 10. Oktober. Die gestrige „Wiener Abendpost" bemerkt, daß im vorliegenden böhmischen Ausgleichselaborate zum erstenmale ein diskutirtes Substrat für die Nerständiguug der staatsrechtlichen Opposition, zwischen dem Reiche und den Königreichen und Ländern geschaffen würde. Die Ver-ständigungsform könne naturgemäß nur eine konstitutionelle, verfassungsmäßige sein. Der vollständige Reichsrath wird diese formulirten Forderungen zn prüfen und über deren Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben. Die „Abendpost" hofft, die Absicht der Regiernng, einen vollständigen Reichsrath und unter freier Uebereinstimmung aller Stämme die innere Konsolidirung der Monarchie definitiv ab-zuschließen, werde überall die kräftigste Förderung finden, u. z. zunächst auch von jenen, welche wiederholt erklärten, einem verfassungsmäßigen Ausgleiche nicht zu widerstreben. Das genannte Blatt sieht daher der weiteren verfassungsmäßigen Entwicklung im Weichsrathe mit vollkommener Beruhigung entgegen. Wiener Börse vom $>. Oktober. 98.- 86 — 8u.~ 7«. 50 Staatsfonds. [ ®clb : Wort ip-rc.Nente, öst.Pap. 57 40 57 50 bto. bto. t,7 so 68 -- iofe ton 1864 . . . **.*6 89.7.=> io|e Don 1860, ganze 9 <80 98 60 äofe eox 1860, S5iinft. iu.- in.6C «tarnten«. ». 1864 .195.76 las.ü »rundentl.-Obl. Steiermark jn5pS>. 92,— lkärnten, Kram n. »äflenlanb 6 „ , 85 75 ilugarn. . z»5 , I ',9.8o! »roat.n.Elav. 5 „ , b7 75 Siebenbürg. „ 5 „ '4 | ▲etlen. flatlonalbant . . . 766.— 766.— Union = San! . . . n58.S6S6n.tO «rebitanstalt . . .1*88-- 2f8.20 fl. ö. Sdcouipte-fflef. 935. - 9i8 -llnglo-österr. Bank . 149. 70 »49 90 Oen. Bobencreb.-A. . !ü70.— 278. Oest. Hypoth.-Banl .1 - > —. kteier. 240.—| —. Franko - Austria . . ns.20 US 60 »oll. Ferb.-Norbb. .1 iC9,l! sno Sübbahn-Besellfch. . i 197.70 1*7 »0 »ais. Slisabetb-B-bn. 137.60 >88. Karl-Subwig-Bahn »69.M) s Siebend. Eisenbahn . >72.16 172.76 Staat«ba(n. . . . 3S4.6u 885.50 Hat). Franz-JosesSb.. 20.r>.-- 21 5 50 Künfl.-Barcler S.-L. 171 50 172 50 «lsölb-gium. Lahn . >80.— 181.26 Pfandbriefe. Mation. S.iD. ecrlolb. 89.10 89.25 üng. ®ob.=6rcbitanft.1 —.— 88 60 Mg.öst.Bob.-Erebit. 106.- 1105 .V bto. IHUU.tM|. . 86.— ! 86 tt Oefl. HyPi>th.»BanI . Prlorltäta-Obllg. @iibt.=@el. jn 600 Qt. btc. Bcue 6 pEi. Victbb. . . Don.-Dampfsch.-Gs>. M 100 fl. EM. . . Triefter 100 fl. EM. . btc. 60 fl. ü.51). , Ofener . 40 fl. S.W. Salm . „ 40 „ Palfw . „ 40 „ Slarb . „ 49 „ St. GeiwiS „ 40 „ Wndisch>iräy 2u „ Waldflein . 20 „ »eglevich . 10 „ Rudolfsstift. IDü.W. Wechsel (8 aiion.) j RugSb. lOOfl. fübb.üß. Rranlf. 100 fl. „ „ Scnbon 10 Pf. Stert. Paris 100 Francs . Münzen. jtaif. !v!ün>-Dncaten. 20-FrancSflü18.7g Telegrafischer Wechselkurs vom 10. Oktober. 5perz. Rente österr. Papier 57.75. — 5perz. Rente österr. Silber 68.80. — 1860er Staatsanleben 97.80. — Bankaktien 768. — Kreditaktien 288 50. — London 119.40. — Silber 118 40. -■ Ä. 5. Münz-Dnkaten 5 72. — Na-poleonsd'or 9.47. Theater. Hente: Zum zweiten malt: Unsere Tllavcn. Soziales Gemälde in 5 Akten von Sa-cherMasoch. Morgen: Ter Pfarrer von Kirchseld. Bolksstilck mit Gesang in 4 Akten. Im Tparkajsegebiiiidr, 2. Stock, Fronte auf den Jahrmarktplatz, ist eine schöne, ans 5 Zimmer» bestehende Wohnung vom 1. November an wegen Uebersiedelnng zu vermiethen. (466- 1) Auskunft alldort Nr. 16. Eint iBüimt-Wohnung, möblirt, bestehend aus 2 Zimmern, 1 Kabinet und einem Burschenzimmer, ist in der Tpitalnasse Nr. 269, zweite» Stock, sogleich zn vergeben. (469—1) Näheres im ersten Stock rückwärts. Ein kleines wird sogleich zu beziehen gesucht. Anerbietungen wollen in der Buchdruckern von Kleinmayr & Bamberg gemacht werden. Kundmachung. Mit der am 1. Oktober 1871 aftivirten Postboten-fahrt zwischen Rakek und Mottirticc werden auch Reisende befördert, wovon das reisende Publikum mit dem Beifiigen in die Kmntniß gesetzt wird, daß der Botenwagen täglich um 5 Uhr Diorgens von Rakek abgehl »nd um halb 1 Uhr Mittags in Gottschee eintrifft, andererseits aber um 1 Uhr Morgens von Gvitschee abgeht und um 10 Uhr Bormittags in Rakek aukonimt. (468—1) ifiii km .K-A» Lg tzt m : Soeben erschienen die prachtvoll ansge-stattete Nr. 1 und Heft 1 des nenen Jahrganges. (470-1) Jur Einsicht in allen Buchhandlungen vorräthig. Beste Zeit zum Abonnement, welches jede Buchhandlung und jedes Postamt vermittelt, preis vierteljährig nur 1 ®l)!r. preis des Heftes nur 5 Lg r. Druck t»a Iga. v. jUeinmagt