_____----- »»<^ÄH» 5 W«> ---------------- Freytag den ^. Febr'var 1825. Die Kaffeh- Gesellschaft. » - (Ein.Faschings-Schwank von Prof. Frank). Theilnehmende Personen. Frau v. kan 5 ew.eil. die Vestacberinn - von nicht vie- ^ F r au v- P la vp e r 5t ei n . ist aus Nichts Gtwaß g«. len Worten , unterhält sich aber sonst unge- §1 worden, und thut sich darauf viel zu Guten. mein in dieser Gesellschaft. vFrau v. Hock weiß, eine Schreycrinu, die, weil si« ^ Geld hat, auch Verstand zu haben glaubt. Frau v. Dummbach . ein Formular von Antiquität, ^^.^^^j„ S ck ö n , eines Mahlers Tochter, der ihre glaubt in gerader Linie vvm Kö,n^ H"»d.<- ^ Schcnheit mehr einträgt, als ihrem Vater adzu.Uim.nen. ^ das Mecier. Fräulein D li sch !> rasck . Tochter der Dummbach, ^, Fr au Ne dlick . eine Veamtens.Witwe, zwar ein gut« zwey Mahl gul. schon nicj^renn, ein Pfusch-^ müthiges Veib, aber so dumm, daß sie, Trotz wer!.' der Natur. — Die Zunge ist das gesun- A aller so oft beygcwohnten Vorlesungen, das La« deste Glied an ihr. 0 stern doch noch nicht erlernt hat. (Das Stubenmädchen deckt im Nebenzimmer den Kassel)-tisch. ^— Dcis Geklirre der Scl'alcn u>:d Gerassel der.^af-fehlöfferl brinqt den ebcn geführten Dil,cc>iu,8 etwas in Unordnung. Oie Gesellschaft wird stutzia, und die Olircn heben sich, als ließen sich die Töne einer Harmunica hören. -— Die stalle Aufmerksamkeit wird durch das aber-mabliqe Eintreten des Studeinrädchens unterbroch,,'!,, das den Kaffeh brinqt, der seinen Wohlaeruch weit um sich verbreitet. — Die Nasenlöcher der Damen sperren sich weitaus, und jede höhlet aus tiefcrVrustAthem, — Das Stubcumädchcn gibt der Frau Vestaeberinn durch einen Wink zn verstelln, daß die' schlagfertige Armee anrücken kann. Frau v. Lange weil. Ich bitt« sich zu be-nn'lhen. — (DieDamen erheben sich unter mancherley Entsckmldiqunqs» comftliineitten von Ungclcgeulieit - und Unkostcnmachcn Von ihren Sitzen, folgen aber derFrau vom Hause qa,,z hereitwillig in das daranstoßende Kassehzimmcr. —Frau Redlich halt sich bescheiden im Hintergrunde, und nimmt «ndlich von dem ihr leer gelassenen untersten Sitze Platz. — Die Fran Nestgeberinn kommt in Verlegenheit, alö sich Frau v. Plappersteil» »,D a n l!!" — „K ü ß' die H an d I« u, dgl.; aber d?, sio beredter sind die Auaen, die dem arabischen Nektar-ströme gierig folgen, und eincnHimmel in seinen schwa»« zen Fiuthen zu sehen glauben, —) Frau v. Langeweil (stellt die Zuckerbüchse zuerst vor der Frau v. Dummback hin , worüber sich die Aplcen ihrer Stirne etwas in Ordnung leaen). Ich bitt« <>ch mit Zucker selbst zu bedienei,, iveil ich leicht den Gusto verfehlen dürfte. — (Die Damen greifen zu, und nun herrscht eine Stille, die nur zci'weise von dein Ausrufe — „delicat!" — n n« v er g l:i ch I i ch !" u. s. w. unterbrochen wird. — ) Frau v. Dummbach. Das ist wahr/ Frau p. Langeweil! bey Ihnen trinkt man delicalen Kasseh l —-Frau v. Langemeil. Mich freut tS , wenn au v. Z^ nicht beobachtet, wie sie sich im Credenzzimmer mit dem Herrn Major v. L* unterhielt, während sich ihr Mann im Saale mir Maaten herum-tummelte. — Das und mir saubere Eheleute! — Ich Würde es, wenn ich mir nicht das Heiracben vcrredet hatte, (die Damen sprechen unter sich mit den Fiißeii) Meinem Manne nicht rathen, sich mit Masken abzu. geben, da kommt man oft übel an! — Stellen Sie sich vor, meine Damen! was mir vor ein Paar Jahren auch auf einer Nedoine arrivirt ist! — Eme Maike, die im (Hange und Wüchse ganz der Baronesse v. I* glich, verfolgte ich aller Orten, um sie zur Sprache zu bringen; allein sie wollte mir nicht Rede stehen, und so kam ich denn auf den Gedanken, daß ich sie denn doch wohl verkennen, und sie vielleicht jene, mir noch unbekannte/ r>or ein Paar T^gen erst angekommene Grä» sinn seyn müsse, um so mehr, da sie mir aus mein be« merkces Zubringen, nur allem Anstande sagte: —»Sie werden mich veikennen, mein Fräulein!" —Nun stel« len Sie sich aber mein Erstaunen vor, als sie sich nach einiger Zeit demaskirte, und ich in ihr die Tochter det bürgerlichen Gastgebers vom Cometstern erkannte. — Ich hatte vor Arger platzen können. — Nein , das war zu viel! — Lauf ich ihr da beynahe eine Glock'enstunde nach, und wem? —einer Wirihötochcer! —Doch dieses war nochnichc das Ärgste! —Sehen — sehen hat man sie müssen! — Der Hals strotzce von prächtigen Zahl« perlen! — Die Ohren trugen kaum die Last von Brillanten, und an der linken Hand hatte sie einen So« litair, wie man sich ihn nur schön denken kann. —Wie sie zu diesen Kostbarkeiten gekommen ist, ist der halben Stadt kein Geheimniß; — aber daß diese Figur sich auch den Wuchs und den Anstand von einer Baronesse aneignet, das ist doch zu arg! — Fräulein Schön (mit verbissenem Unwillen). Sie machen da, mein Fräulein ! eine sehr beißende Schil» derung. — Den Wuchs hat sie sich nicht aneignen können ; denn stünde dieser in unserer Gewalt, so würden wir Alle wohlgewachsene Menschen seyn, und wag den Anstand betrifft, der läßt sich ja erlernen. — (Mit Aus« nähme der Frau Nedlich, die wenig zuzuhören schien, der Mama und der Frau vom Hause schlugen Alle ein lautes Gelächter auf). Und die Bemerkungen, die Sie über ihre Perlen und Brillanten machten, haben eben auch nicht mehr Gehalt. Hunderte außer Ihnen wer« den sie auch gesehen haben, aber vielleicht nicht einer das gedacht, was Sle jetzt zu sagen beliebten. — Da jedes Ding mehrerley Ansichten hat, so kommt es bloß auf unsere individuell Neigung an, welche wir nehmen wollen. — Hierin macht nun der freylich einen Miß« griff, an dem die Natur schon einen Mißgriff gemacht hat. — F r au v. Langeweil (in sichtbarer Verlegenheit). Möchlen Sie nicht die Gewogenheit haben, Fräulein Drischdrasch! mir die hinabgefallene Maschen aufzufassen, meine schwachen Augen reichen nicht mehr zu- ^ (Dieser Aufforderung ungeachtet wollten eben Mutter und Tochter losbrechen, als Herr v. V* ins Zimmer trat, der mit seiner Equipage vorfuhr, und Fräulein Schv« nach einigen gewechselte Complimenten im Arme fort» begleitete.) Fräulein Drischorasch smit vor Wuth be-btxden Livven). Glück für sie, das; sie ging. — Wahr« hafcig, Frau v. Langeweil! ich hätte mich nicht mäßigen können / ihr die derbsten Wahrheiten zu sagen. -^ Sie hat freylich Ursache, die Parrey der Wirthstochter zu nehmen; ist ja ebenso ein nichcswerthes Zeberl als sie. — Wie sich nur Herr v. B* mit ihr so »vegwerfen kanll! — und man sagt gar/ er wird sie Heirachen. — Frau v. Dummbach. Was? — heirathen? ^. B*? — diese Heirachen? — Nein! so eine Me8-«Iliance werden seine Verwandten nie zugeben! — Er — von einem so guten Hause soll eines Mahlers Tochter heirathen? — Nein! — das wäre doch zu «rg! — Frau v. Plapperstein. Ja ! meine beste Frau V. Dilmmbach! da dürf/n Sie sich gar nicht wundern! — Die Männer jetziger Zeit sind schon >'o. — Die gemeinsten Menscher sind ihnen lieber/ als unsere wohlerwogene«/ gebildeten Töchter. — Nehmen wir nur — daß ich's Ihnen auf den Fingern herab^ähle — wen 'beirathete Herr N" ? —eines Schusters Tochter; wen Her? F*? — eines Gärtners Tochter; — wen Herr H,5?— eines Hausmeisters Tochter; — und Herr G'^ gar eine Kellnerinn ! —Diese Menscher steigen jef>t in langen Kleidern herum/ wie angezogene Gliederonpoen, und sehen ans die Tochter unseres Standes mic Verachtung herab. — Ich weist es am besten, was es mir Mühe gekostet hat, meine beyden Töchter unter die Hau-ben zu bringen. — (Die Fortsetzung folgt). Rhapsodie. (Aus Nicolai's Reisen). Friedrich der Große kann einem vernünftigen Manne in vielen Stücken wohl zum Muster dienen, ohne die geringste Anmaßung ,. selbst ein Friedrich seyn zu wollen. Ich selbst z.B. suche folgende Mariine Friedrichs auch in meii'.em kleinen Wirkungskreise ^> befolgen: „Ich denke wie Epikcer: wenn man Übles von Dir „spricht/ und solches ist wahr, — so bessere Dich; — „find es aber Lügen / so lächle darüber! — Mit meinem zunehmenden Alter bin ich ein gutmüthiges Post-„pferd geworden, und kümmere mich wenig um die Gas< «senhunde, welche mich unter Wego anbellen!" So sprach der weise König. — Wenn indesstn «in kleinstädtischer Spitz, der von Haus zu Flause zu laufen ge. wohnt ist, sich mit Klaffen allzu geschäftig und saut werden läßt, so gibt ihm der Reiter wohl beyläufig einen Streich mir der Gerte, und reitet seinen Wea fon, ohne sich weiter von dem Spitz beirren zu la'ssen. ------------- ^------------- Der verhang-mßuosse Kolbenstoß. Die berühmte Schlacht von Fleurus hatte begonnen, als auf dem linken Flügel plötzlich die Neirerey einen heftigen Angriff unternahm. Ein junger Eonscri» birrer war etwas am A>m verwundet und wollte sicl) zurück ziehen, aber sein Sergeant riet ihn mit einem kräftigen Fluch zurück. „Wehin da? hier steht der Feind! Sieh her, so w^hrt man ihn ab!" Der Ser» geant lud, schoß und traf; lud wieder/ schoß lind traf wieder. Der Conscribirce zagte noch, als ein kräftiger Kolbenstoß des ^ergeaiue» il>n vollends an seine Pl^Iicht mahnte; er lud auch sein Gewehr, schoß fieisug mit und verachtete zuletzt dle kleine Wunde Der Anfang w.:r gemacht; der junge Soldat bekam jetzt Vertraue^ Das Glück begünstigte ihn, er hatte oft Gelegenheit, sich auszuzeichnen, und stieg mit der Zeit bis zinn Ge» neral. Als er einst in Podien den Befehl gibt, alle Ma. rodeurs zur Scraf? einzubringen, trifft dieß Los auch einen alle» Sergeanten. Das Gericht hat bald erkannt, man führc ih„ zum Richtvlatz. Zufollig stehr der General am Fenster, „Adieu, mem General!" ruft der Delinquent Dem General fällc die Stimme auf, er läßt halten, den grauen Krieger zurück rufen „Ich bin, Herr General, derjenige, der bei) Fleurus Ihren Muth miteinem Kolbenstoßanfachce!" — Der Genera! stutzte, es war der alle Sergeant von Fleurug. Des Generals Mitleid und Dankgefühl ward rege; er gestand sich, daß wirklich jener Kolbenstoß in dem unerfahrnen Herzen den ersten Impuls zu seiner Bravheit gegeben, die ihn jetzt bis zum General gehoben. Er ließ den Sergeanten noch ein Mahl vornehmen, und es f^nd sich, daß der arme Teufel sogar unschuldig war; er hatte die !>mge Mannschaft am Marodiren hindern, sie zusammen treiben wollen. Der Freygesprochene ward auf der Stelle Officier und der beste Freund des Generals, bis Beyde durch ein eigenes Geschick in denselben Gefilden, von Fleurus (i8i5), den Heldentod fanden. Auflösung des Räthsels in Nr. 5: Milchstraße. Gedruckt bey Ignaz Aloys E?l<» »vn Kl