Vaterländisches. Johann Maximilian Graf von Lamberg. Johann Maximilian Reichsgraf von Lamberg, Freiherr von Ortenegg und Ottenstein, Herr aufstok< kern und Amerang, Burggraf m Steyer, Obrist-Erb« landstallmeister in Krain und der windischen March, Obrist'Erlandkämmerer zu Oesterreich im Lande od der EnnS, Ritter deS goldenen Vließes, kaiserl. kanigl. wirklicher geheimer Rath und Kämmerer und kalserl. Obristhofmeister, war einer der ausgezeichnetsten öster« reichischen Staatsminister des siebenzehnlen Jahr« Hundertes. "- Er wulde geboren im Jahre 1608. Seine Ael« tern waren Georg Sigmund von Lamberg, Freiherr von Ortenegg, und Johanna Herrinn von S«alla und Verona. Nachdem er seine Studien vollendete, bereisete er Italien, Frankreich und Spanien, und redete die Sprachen dieser Länder alle so geläufig, wie die deutsche und lateinische, welche letztere er im größten Werthe hielt, da er sie alS eine Universalsprache betrachtete und immer im Munde führte. Schon unter Ferdinand ll., wie auch unter dessen Nachfolgern, war er Kammerherr. Er beglei« tete )en römischen Kön»g Ferdinand III. auf seinen Feldzügen, und war mit ihm, als dieser im Jahre 1635 bei Nordlingen siegte, auf dem Schlacht« felde. Dann wurde er Hofrath, und diente bei den wichtigsten Unterhandlungen. Im Jahre 1637, als Ferdinand Hl. dem Reichstage zu Regensburg beiwohnte, ward er in den Reichsgrafenstand erho« ben. Er wurde zu derFriebenSunterhandlung in Mim« ster bevollmächtigt, die er im Namen deS Kaisers «M 24. October 1646 zu Osnabrück gefeniget hat. Nachher wurde er kaiserl. wirklicher geheimer Nach und Obrist^fmeister bei 0em Erzherzog Les- pold (nachmaligen deutschen Kaiser.) Er begleitete als außerordentlicher Gesandter nach Wien die kai» serliche Braut Maria Eleonora v^on Mantua, dritte Ehegemahlinn Ferdinand des III. Am spanischen Hofe war er sieben Jahre hindurch kaiserl. Bot« schafter, und brachte die Vermählung der Fnfantinn Margarethe Theresia, Philipp des IV. Tochter, mit Kaiser Leopold I. im Jahre 1665 zu Stande. Philipp IV., Konig von Spanien, beehrte ihn mit Toi-son, und der Kaiser berief ihn aus Spanien zur Antretung des Obr,stkammeramtes. Tyrol siel nach dem Absterben des Erzherzogs Sigmund Franz erb« lich dem Kaiser heim, und unser Lambcrg begleitete ihn nach Innsbruck zur Erbhuldigung. Eine gleiche Ehre widerfuhr ihm, alS der Kaiser die Infantinn Braut zu empfangen verreiscte. Im Jahre 1676 belehnte er ihn und seine Nachkommen mit dem Obrist»Erbkammeramte in Oesterreich ob der Enns, welches vorher die verloschene Familie der Herren von Fernberg begleitete. Im nämlichen Jahre war er kaiserlicher Obrist? Hofmeister, in welcher Würde er bis an seinen Tod verblieb, der am 12. December 1682 sein Leben endete. In seiner Nachkommenschaft glänzt jetzt das fürstlich ?amberg'sche HauS, welcheS von ihm die Maximilianische Linie genannt wird. Sie nahm das Wappen der Herren de Scalla und Verona in das Mittelschild des ihrigen auf. Der Aelteste derselben genießt auch das P'äsentationsrecht zu einem Fa« «ilien-Canonilate in der Laibacher Domkirche. Mit seiner Gemahlinn Judith Rebckka Eleonor«, Gräfinn von Würber und Freudenthal, erzeugte er eine zahlreiche Nachkommenschaft. Die gerechte Revanche. Im Jahre 1815 war in Paris ein preußischer 0ffilier in «inen» anzeschen»« Haufe einquartiert, — 136 — dessen Fannlienhaupt unter Napoleon einen der höchsten Posten im Clvlloienste bekleidet hatte, jetzt aber in daS Privatleben zurückgetreten war, —»viel' leicht nur des günstigen Augenblicks wartend, gleich so Vielen dem neuen Herrscher seine Dienste an? zubieten. Der Lieutenant vor. R*** wurde von der gan« zen Famllle, namentlich aber von den Damen des Hauses, Mlt der größlcn Artigkeit und Zuvorkam« menheit behandelt; man hatte ihm mehre höchst elegant möblirte Zimmer zur Wohnung angewiesen; jeden Morgen ließ man lhn fragen, wie viele Cou» vercs er befähle, und brachte er eimge Freunde uut zu Tische, so wurde er mit den femsten Speisen, den köstlichsten Weinen bewirthet. Hatte er auf diese Weise alle Ursache, mit seiner Bewirthung zufrieden zu seyn, so wurde dagegen auch seine Art>gke,t Und Liebenswürdigkeit gepriesen, und zwischen Quar-blerglbern und Einquartiertem herrschte das beste und vollkommenste Elnverständnlß. So waren bereits nahe an vierzehn Tage verflossen, während welcher die Damen den Lieutenant von Ii ^5" als den feinsten, artigsten, gesittetsten jungen Mann hatten kennen lernen; da ließ dieser elneS Abends auf eine ungewöhnlich rauhe und barsche Welse für den nächsten Tag Punct drei Uhr ein Diner von zwölf Couverts verlangen und sagre zugleich, man solle alles auf das Eleganteste arranglren, da es em ganz besonderes, »hm sehr wichtiges Fest gälte. — Sein Wille solle erfüllt werden, laucete die Antwort, und m der Thac er» hielten Koch und Kellermeister die gemessensten In» stluctionen zu einem ausgesuchten Mahle, obgleich die Damen ihre Verwunderung über d,e Art und Welse, wie ihr Hausgenosse seinen Wunsch auöge» sprechen hatte, nicht ganz zu unterdrücken vermochten. So erschien der nächste Tag; die Tafel war servirt, und strotzte von Silberzeug, daS zwar von ziemllch altvaterischer Faxon, dafür aber so massiv und folglich werthvoll war, wie man es in unseren Zelten nur noch selten findet. Der Lieutenant von N*^ war ganz gegen seine Gewohnheit schon am frühen Morgen auöge-gangen und noch Nlchc zurückgekehrt, obgleich die von »hm bestimmte Essenszeit heranrückte; mdeß hoffte der Tafel?ecker, daß er mit semem Arrangement gewiß zufrieden seyn würde. E'enhatceeS drei viertel auf brcl Uhr geschlagen, da slüimte der Lieutenant »n das Haus, in das Speisezimmer. „Weßhalb ist noch nicht aufgetragen!« donnerte er den Tafeldecker an. »Hab ich nicht befohlen, daß ich um drei Uhr essen wolle?" „Es «st noch nicht dre» Uhr!« entschuldigte sich der Tafeltecker, über diese Heftigkeit deS sonst so ruhigen Gastes ganz erschrocken. »Infamer Hallunke, er räsonnirt noch," schrie der Lieutenant wie außer sich, zog den Säbel und gab dem Tafeloecker einige tüchtige Hiebe. „Gleich daS Essen herbei!« «Aber die übrigen Gäste!" stammelte der Tafeldecker, indem er sich scheu zurückzog. »Geht ihn das etwas an, wenn ich zu essen verlange," schrie der Lieutenant und schwang abermals oen Sädel, daß jen.r entsetzt zur Thür hin» auöflog, und schon in der nächsten Minute mit der dampfenden Suppenschüssel auf den zitternden Armen wieder hereinkam. Der Lieutenant aß einen Löffel voll Suppe, schüttete aber dann daS Uebrige unter Schimpfen und Fluchen über den „schlechten Fraß« auf den Fußboden, obgleich dle Suppe in der That der Kunst deS Koches alle Ehre machte. »Mehr Bedienung!" gebot der Lieutenant, und alS «uf den Hilferuf des Tafeldeckers zwel Bediente herbeieilten, hielt er dem einen das GlaS hin und commandlrte: „Emlchenken'." Im Nu war se,n Be» fehl erfüllt, aber kaum hatte er einen Tropfen ge. kostet, alS er den übrigen Wein auS dem Glase dem Bedienten m das Gesicht schüttete, dann die Fla» sche ergriff und sie durch d«e Scye,ben des Fensters hinunter auf den Hof warf. „Andern Wein! bessern Wem!» donnerte er; „wie kann man sich unterstehen mir solchen Krätzer vorzusetzen!" — Zitternd und be< bend sprang der Kammerdiener hinzu, ihm vonemerfei-neren Sorte einzuschenken, aber er verwarf auch diesen auf gleich« Weise, und die Flasche fiag der ersten nach auf den Hof, und so noch eine dritte und eine vierte, biS er endlich an eine Sorte kam, die ihm zu mun« den schien. Er wurde nun zwar etwaS ruhiger, in« dem er em oder zwei Gerichte verzehrte, aber er schimpfte und fluchte doch noch in einem fort, legce auch den blanken Säbel neben sich auf den Tisch, indem er schwur, Jeden, der semc Befehle nicht augenblicklich befolgen würde, in Stücke zu hauen. „Mein Bursche soll kommen!« herrschte er einem der Diener zu, und gleich darauf trat ein alter, schnauzbärtiger Füselir, der Diener des Lieutenants, em, nach den Befehlen seines Herrn zu fragen. „Besorge einige Kisten," sagte der Lieutenant, »hole dir noch zwei oder drei Leute von der Compagnii-, — 137 — und dann packt hier daS Silberzeug, das Porzellan UNd Krystall ein!« »Soll sogleich geschehen!« erwiederte der Bursche, «nd ein freundliches Lächeln verbreitete sich über sein ganzes Gesicht, dem eine breite Narbe, welche sich von der Stirne über dle ganze linke Backe zog, nicht eben das lieblichste, wenn auch ein sehr kriegerlschcS Ansehen verlieh. Bis Hieher hatte die Dienerschaft des Hauses es noch nicht gewagt, der Herrschaft von der plötzlich ausgebrochenen Wuth deS Gastes Rapport abzustatten; nun aber glaubte der Taftldecker doch nichr länger schweigen zu dürfen, denn er hatt« aus den Mienen und Bewegungen mehr als aus den Worten, den Befehl wegen Empackung und Wegschaffung des Silberzeuges verstanden, und er schlich sich deßhalb davon, um der gnädigen Frau AUeS, waS sich bisher zugetragen, mitzutheilen. Ganz erschrocken über das, was sie hörte, aber überzeugt, daß der Rausch des Lieutenants (denn alS Wirkung cineS solchen be« trachtete sie dessen Benehmen) einen Mann von seiner Bildung die Galanterie gegen Damen nicht verges. sen lassen würde, eilte sie hinüber nach dem Speise» saale, um den Wüthenden durch ihre Vorstellungen zu beschwichtigen. Aber wie sehr hatte sie sich in ihrer Erwartung getäuscht, denn weit entfernt, ihren Vor-st.-Uungen Gehör zu geben, lachte er ihr in das Gesicht, warf sich der Länge nach, dir Füße mit her» aufgehend, auf ein Sofa, während sie blaß vor Schreck und zitternd vor Zorn vor ihm stand, und als j.-tzt sein Bursche mit zwei Kisten voll Heu und drei Kameraden hereintrat, wiederholte er m ihrer Gegenwart den Befehl, daS Silberzeug einzupacken, mdem er aufsprang, dennoch unangeschnittenen Bra. t.n von einer silbernen Schüssel warf, und diese selbst s.incm Diener überreichte, um si« zu allerunterst einzupacken. Die Dame glaubte zu träumen, und wollte eben, durch Scham und Unwillen vernichtet, das Z»mmer verlassen. alS die Thüre heftig aufgerissen wurde, und ihre Tochter hereinstürzte, der ihrEohn auf dem Fuße folgte. Die Tochter warf sich der Mutter wei» nend m die Arme, denn sie hatte gchörr, der Lieutenant mißhandle sie, dcr Sohn aber trat dem tobenden Gaste entgegen, und forderte mit gebieterischem Tone Genugthuung. „Die sall Ihncn werden, mein Herr, und zwar auf der StcUe," sagte der Lieutenant von R***, indem cr ihm stolz entgegentrat und dunkle Zornes» rothe über sein Gesicht flammte; „die soll Ihncn wcrden, nur bitte ich, dazu noch mchrc IhrcrHaus. genossen zu versammeln, denn eine G.nugchuung der Art kann nicht zu viele Zeugen haben." Ganz verwundert über diese Antwort, deren Sinn er nicht zu fassen vermochte, blickte dcr Fran» zose ihn an, dann aber winkte cr, wie unwillkürlich gehorchend, dem Kammerdiener, und bald war der ganze spcisesaal mit den Hausgenossen gefüllt, un-t.r denen nur dcr Hcrr d»S HauscS fchlte, da er ufallig auogcgangcn war. Unentschlossen, was sie thun sollte, wollte dle Dame vom Hause m Begleitung ihrer Tochter das Zimmer verlassen, aber der Lieutenant von R^^ trat mit dem feinsten Anstünde, und nichr die geringste Spur eineS Rausches Mehr verrathend, an sie hcran, bot ihr die Hand, und führte sie und ihre Tochter zumDivan, indem er sagte: »Ihre Gegenwart, gnädige Frau, ist hei der Genugthuung, dieIhrHcrr Sohn verlangt, unerläßlich; denn »ch wünsche NlchtS aufrichtiger als mein Benehmen in ihren Augen gerechtfertigt zu sehen." D»e Dame glaubte ihren Ohren nicht trauen zu dürfen, und auf die verheißene Erklärung auf'S Höchste gespannt, nahm sie Ichweigend auf dem Divan Platz, während der Lieutenant von R*^* einen Stuhl nahm, und der Sohn des HauseS, auf seme Einladung mit dcr Hand, diesem Beispiele folgte. Die Dienerschaft stand neugierig lauschend umher. „D>e Erklärung meines Benehmens,« begann der Lieutenant von N*^, ^,,t) zugleich die Genug» thuung, welche Ihr Herr Sohn verlangt, werden nicht zu geben seyn. __ Heut sind es sieben Jahre, alS meine Aeltern in jenem unglücklichen Kriege die erste französische Einquartierung erhielten. Voll Angst und Schrecken über d»e ungewohnten Gäste that»n sie AlleS, um den jungen Lieutenant, der mit einem Commando seiner Leute be, ihnen lag, zufrieden zu stellen; abcr waS, sie auch thaten — es war vergebens; sem tägliches Benehmen war so, daß me»n heutiges Ihnen davon nur eine schwache Probe geben kann ; __ wohl darf ich sagen, eine schwache Probe, denn während ich Ihrem Taftldccker einige flache Hiebe ohne sonderlichen Nachdruck gab, hieb er scharf zu, und daß er eS gut gemcmt hatte, da» von können sie sich noch jctzc überzeugen. — Kamm her, Anton, gebot er semnn Burschen, wclcher während dieser Rede mit der größten Gelassenheit daS Silberzeug eingepackt hatte. Drr Füftlicr trat mit Militärischer Haltung heran, und indtm der Lieutenant auf dessen bereits ti'lvähnN', gcwoltisse Narbe deutete, sagte er: Den Hieb erhiclt dcr arme Mensch damals gcrade aus dcmsclbcn Grunde, auß welchem »ch heute ihrcn Tafcldcckcr fuchtelte, nämlich, well der wirklich gute Wein niir nicht schmecken sollte. — Wie mein armer Anton, so wurde auch meine greise Mutter von dem rohen Menschen thätlich mißhandelt. D>e Wahrt)?,t meiner Worte abcr wird Ihr Hr. Sohn blstätigcn, denn er war jener junge Licmenont, und somit glaube ich jetzt die verlangte Genugthuung auf genügende Weise gegeben zu haben." Sich wüthend auf die Lippen beißend, verließ der Sohn deS HouseS stürmcnden Schrittes das Gemach, während seine Mutter und Schwester, ,n ihrer Sc.le tief beschämt, durch die große, abcr wohlverdiente Demüthigung, die ihm zu Theil ge-wordcn war, erröihlnd vor sich nicdersohcn. „Und nun noch ein Wort der Erklärung zu Ihnen, meine gnädige Frau," fuhr dcr Lnumialit v. R^55 „ach cmcrPause fort. «Doß ich daS Eil' bcrzcug einpacken losie, werden Sie garz m der Ordnung fmdln, dcnn eS trägt, wir Sie sich hicr tmch mcmcn Sicgckmg übciz.ugen möpcn, mein Familicnwappcn, und da Ihr Hcrr Sohn es auf ähnliche Welse aus unserem Hause nnt fortnahm, ^- 138 — hatte ich Mich mehr als hinlänglich befugt, sein Beispiel ohne weitere Rechtfertigung nachzuahmen. — Zugleich zeigte ich Ihnen an, daß ich mir eine andere Wohnung geben ließ, denn nach dem, was heute vorgefallen ist, was ich mir aber schuldig zu seyn glaubte, würde unser Verhältniß in Zukunfr nur noch ein sehr unangenehmes und gedrücktes seyn." M,t diesen Worten empfahl sich der Lieutenant von R * **, im Innern erfreut über die gerechte Revanche, die er genommen. Feuilleton. (Der Talisman.) Vicomte d'Arlincourt erzählt m seinem »Polarstern": Als die jetzigeKai-serinn vonRußland noch Prinzessinn von Preu» ßen war, hatte sie eine Schweizerinn, Madame Wildermet, zur Gouvernante. Diese reiste, um cme ihr zugefallene Erbschaft zu erheben , ,n die Schweiz; nach ihrer Zurückkunft zeigte sie ihrer jungen Ge« bieterinn einige Prä'tiosen, die ihr m der Theilung zugefallen waren. .»Das ist ein recht alter Ring, sagte die Prinzessinn Charlotte, indem sie einen kleinen gothisch geformten Ring an den Finger steckte, er hat etwas Besonderes, er sieht aus, wie ein alter Talisman." Sie will den Ring zurückgeben, er geht nicht vom Finger. »Ich hätte fast Lust ihn zu behalten'." sagte die Prinzessinn, und sie behielt ihn. Längere Zeit hernach gelang es der Prinzessinn, den Ring vom Finger zu nehmen, sie betrachtete ihn genauer, halboerwischte Buchstaben waren in der innern Rundung graoirt; mir vieler Mühe cnt< zifferte sie die Worte: „Kaiserinn von Ruß» land." Abermals verfließen viele Tage; eine Verbindung zwischen ihr und dem Großfürsten Nikolaus wird proj.ctirt. Dieser Bruder des Kaisers Alexander, der damals noch nicht Thronerbe war, macht eine Reise nach Berlm, um die Prinzessinn kennen zu lernen, und was bis dahin nur eine It>,e war, wird nach ihrem Anblick i«>n festen Entschluß. Bei Tafel neben ihr sitzend, sprach er von seiner baldigen Abreise. „Und doch stände es nur bei Ihnen, Prinzessinn, das; ich hier bliebe," sagte der erlauchte Reisende. „Bei mir? und was muß ich da;u thun? fragte lächelnd Piinzessinn Charlotte. „Meine Huldigung nicht verschmähen! »Weiter nichts?" ..Und mir Muth geben, Ihnen zu gefallen." „Das ist schon schwerer. Dir Augenblick ist auch übel gewählt; bei Tische und öffentlich über so etwas zu sprechen . . ." »Wir brauchen gar nicht jU sprechen'.« Ah?" »Geben sie mir nur ein Zeichen, ein Pfand. Diesen kleinen Ring, der mich glücklich Machen würde. Wollen Sie mir ihn geben? „Wie, hier vor aller Welt?-< „Niemand wird es bemerken. Drücken Sie den Ring in ein Stückchen Brod und lassen Sie dieß dann auf dem Tische, ich werde dann den Talisman unbemerkt nchmm.« „Es »st aber auch in der That ein Talisman.« »Ich ahnte es.« So entstand diese Verbindung, die »m H,m» Mil bestimmt worden war, und welche die Inschrift des Ringes prophezeit hatte. Der Großfürst erhielt d^n Nmg, die Ehe ward eine der glücklichsten, und acht Jahre darauf Nicolaus Kaiser von Rußland. Der geheimnißvolle Ring hat den Kaiser nicht mehr verlassen, nur da er zu klein ist, um ,hn am Finger zu tragen, trägt er ihn an einer Kette auf der Brust. (Vicomte d'Arlincourt) veranstaltet so eben die dritte Austage seines Polarsternes und rü» stet sich zu einer neuen Reise nach England, Portugal und Spanien. Es ist vielleicht wenig bekannt, wie d'Arlincourt zu seinem schriftstellerischen Nenom» mee und zu Verlegern kam. Als der edle Vicomte noch reich war (ein neulich bei den Pariser Gerich« ten verhandelter Proceß zeigte, daß ,r se,t dem Wachsen seiner llterarischen Berühmtheit 1,300,000 Frcs. von seinem Vermögen verloren hat; ganz in dcr Ordnung: Dichter müssen arm seyn), als er also noch reich war, schrieb er seinen ersten Roman und gab ihn einem Verleger gratis; der Verleger machte bei allen dem ein schlechtes Geschäft; Niemand kaufte das Buch, Papier und Druckkosten gingen nicht ein, der Ver« leger sah die stoßweise aufgeschichteten Exemplare in seiner Boutique mit stillem Ingrimm an, und brummte zehn Mal des TagS: »Mich soll man Nicht wieder so kriegen!" Aber der Vicomte nahm sich die Sache noch mehr zu Herzen, als sein Ver. leger; es gibt N'chcs Schlimmeres als gekränkte Schriftsteller« Eitelkeit; er aß nicht mehr, er ma» gerte ab, er wurde melancholisch, er strich einsam in den wildesten Partien der Onampg vI^söyK herum, seinen verkannten Roman in der Tasche, den er von Ze«r zu Zeit herauszog, ein Capitel den Bäumen vorlaß, den Styl bewunderte und das un» dankbare Publikum verfluchte, daS seine Verdienste, nicht anerkennen, das Buch nicht kaufen wollte. Die Frau des Vieamte, um ihren sichtlich dahin» schwindenden Gatten ängstlich besorgt, entdeckte end« llch die Ursache seines Grames. Nun änderte sich die Scene plötzlich; Bed„nte, Comm'ssionäre, Lauf« burschen stürzten täglich von Morgens bis Abends in den Buchladen, wo der Roman nach Erlösung schmachtete, und forderten drei, zehn, zwanzig Exemplare von dem ncuen Roman des Herrn Vi« comte d'Arllncourt. Bestellungen kamen von Wien, von Petersburg, von Neapel und London. Der Ver» leger tanzte vor Freuden den ganzen Tag Cancan ln seiner Boutique. — Alle diese Exemplar« ließ aber die V«comtesse kaufen, bar bezahlen und sorg» fältlg in einem eigens gemietheten Zimmer des Faubourg St. Honoröe aufschichten. Bald war die Austage erschöpft, und zu seinem nicht geringen Erstaunen sah der Vicomte eines Morgens seinen Ver, leger mit unzähligen Bücklingen erscheinen und um die Erlaubniß zu einer zweiten Austage bitten. Stolz durch solchen Erfolg, schr«eb er nun Bedin» gungen vor, die der wonnetrunkene Buchhändler gern einging; der Reiz einer zweiten Auflage ver» schaffte dem Buche Leser, seine Frau und »in«ae ge< wonnene Journale thaten das Ihrige, und so fing d'Arlincourt an, ein beliebter Romancier zü wer» den. Jene Büchermasse im Foubourg St. Honor«ii aber lag mehrere Jahre ruhig, bis sie später mit una/druckten, Titel als fünfte Auflage wieder in UlNlauf kam. 8io itul' ad astra. Verleger: Ignaz AloiS Odler v. Kleiumayr«