lv V» Mittwoch, den 18. ZMi 1878. XII. Jahrgang vi« ied» s»nn«ag. ^ Sreita,. Preise — für Marburg: ganzjährig g li.^dalbjShrig s fl., «iertlljährig l siövtr.! st- a«ft-»»»g 4 gvierteliähr» 2 fl. JnsertionSgebühr 6 kr. pr. Zeile. Aasßtkmgs-Kritft. V. Ich habe mir unter dem vielen Schönen, was jetzt schon die Anöftelluog ihren Besuchern bietet, zunächst daS gewählt, waS für Steiermark, das in seinem süNichm Theile doch mchr durch Landwirthschoft als Industrie aus der Ausstellung hervorragt, besonders von Wichtigkeit, nämlich die Agrikulturhalle mit ihren reichen Schätzen an Urproduktion und Gegenständen der Verarbeitung mannigfachster Art. 3« der ersten an die deutsche Ausstellung austosenden Halle befinden sich Mehl und Sämereien. Den bei weitem größten Raum nimmt die Wiener Mehlbörse ein und unter den anderen Aussteller«, die theilS durch hübschkS Arrangement, theils durch Schönheit der Mehlprodukte sich auszeichnen, befinden sich auch zwei Steirer, nämlich Krendl von Wildon und die Dompsmühlc Karl Scherbaums von Marburg. In dem darauf fol» gendeu Querbtiue zeigt sich allsoglelch zur Linken die Kollektivauöst,llung der steiermärkischtn Land-wirthschastsgesellschast. Sowohl durch die Schönheit der Anordnung, alS dnrch die Reichhaltigkeit des Dargebotenen kann dieselbe mit allen Kollektivausstellungen der anderen Kronlünder konkur-riren, nur Niederösterreich und Böhmen ausgenommen, von welchen daS Erstere durch Anbriu-gung von Werkzeugen nicht nur schön dekorirte,sondern auch belehrend wirken wollte, letzteres aber fast die ganze Ostwaad einnehmend auch Weinbau, Aorstknttur, Jagd und Fisl^rei in den Rahmen ihrer Ausstellung einbezog. Sehr instruktiv find bei der steiermärktschen Ausstellung die Kultur- kartea, von denen die eine den Anbau deS Flachses, HanseS und HopfeaS, die andere den Stand des MaiSbaueS versinnlicht, während die dritte die Pferdezucht, die vierte die Rindvichzucht kartographisch darstellt. Ein recht hilbsch gearbeitetes Modell eines Bauernhofes aus Milte!-steiermark ist gewiß so instruktiv, als die in dem östlichen Theile deS Ausstellungsraumes aufj^e-bauten Dorfhäuser verschiedener Kronländer. Etwas AparteS hat auch ReininghauS in den Kul-türplänen der Besitzung am Hardlerschloße geliefert, wo durch den Plan deS „Einst" und „Jetzt" nicht nur die materielle Vergrößerung des Grund-komplexeS, sondern auch die insbesondere durch Drainage vollbrachte Verbesserung des LodenS dargestellt wird. Letzteres zeigen auch Getreide-Proben von drainirtem und nicht drainirtem Boden, welche, mit ihrem Metzengewichte verzeichnet, ausgestellt sind. Eine der vorzüglichsten Partien der steier-märkischen Kollektivausstellung befindet sich in der nördlichen Längshalle, die steiermärkische Wein-auSstellung. Diese ragt wohl übcr alle Wein-au^stellungen bei weitem bery^c. Auf einem fast bis an dle Decke reichenden, e' der Mitte der Halle befindlichen schön dekorit?n Gestelle definden sich nach den Weingegenden geordnet die klei' neren Aussteller mit gleichartigen Etiketten; auf der Oftseite ist die Büste deS Erzherzogs Johann angebracht. Auf dem Piedestale und den Bor-sprilngen sind die Kollektionen der bedeutenden Produzenten und Weinhändler, in der Reihe von Ost nach West und zurück; Graf Meron, Fiirft TrautmanSdorff'sche Herrschaft Negan. v. Kriehuder, E. Beyer von Gießkübel bei Windtsch-Feistritz, Fürst in Pettau, Dr. Othmar Reiser in Wiei,, Frohm in Marburg und Stift Admont; sehr instruktiv ist bei mehreren die Angabe des produk-tiven Besitzstandes. Mit der Hauptgruppe find durch Weinguirlanden noch drei Ausstellungen in Verbindung gebracht, nämlich gegen Süden die Kleinoscheggs aus Graz, gegen Westen die reichlich mit Medaillen gezierte Ausstellung der steirischen Weinhandelsgesellschaft, welche in richtiger Würdigung der früheren Matadoren die Namen Wretzi, Graf Meran, Graf Brandis und Auch-mann und Comp, trägt, endlich gegen Norden die von Julius und Robert Psrimer, Köster, Graf Luchesi - Palli und Gras Wurmbrand kombi-nirte Gruppe. Leider läßt sich so günstige« nicht von der Ausstellung des steiermarkischen SeidenbauvereiueS sagen; nicht als ob die ausgestellten Produkte einen Vergleich mit anderen zu scheuen hätten, sondern lvegen der zu geringen AuSdchnung d^s AnsstellungSplatzes, so daß gar viele Gegenstände selbst unter dem Tische angebracht, also der Beschauung ganz unzugänglich sind, während schon die auf dem Tische befindlichen Objekte unschön gedrängt beisammen stehen. Unter den Ausstellern liemerkten wir Dr. Julius Mulls, Frau Klotz, geb. Gräfin Thurn (Tempel mit Blumen, Alles alls Kokon) und Frl. K.,th. Ferllnz (Korb mit Blumen). Den Löwcnanthell an dieser Ausstellung, besonders waS den Ranmverbrauch betrifft, nimmt daS Ordnerkomite des internationalen Kongresses in Raveredo ein. Wenn ich früher die Ausstellung der böhmischen LandwirthschaftSgesellschaft bejonderS er-wähntk, so geschieht dieS, weil dieselbe ein vollständiges Bild des Landes gibt, denn eS ist, was sonst bei anderen Ländern zerstreut in einzelnen Kenilleto«. Pit Kravt des KnschmSllkr». Von A. Schradtr. (Fortsetzung.) — Beide hatten gleiche Gesinnungen, Beide strebten nach einem Ziele. Mag dieses Ziel auch eine Chimäre gewesen sein, sv iültt es sich doch nicht verdammen. Die Partei, der die Männer angehörten, ist untergegangen, die Gegner haben geftegt. Auch mein Mann unterlag und buhte seinen Eifer, dem Volke zu nützen, mit dem Ge-fSugiff«. Es wäre mir ein Leichtes gewesen, mich von ihm loszusagen und eine Unterstützung der aristokratischen Freunde meines verstorbenen Vaters zu erlangen ; ich habe eS verschmäht, ich habe die härtesten Leil^en ertragen und bin dem Manne, dem ich Liebe geschworen, treu geblieben. Er verunglückte bei der Arb.'it l Auch jetzt noch bleibe ich ihm treu, indem ich seine Gesinnung ehre. Sie, Fräulein Hiller, haben Karl Bertram vergksseu; der Flüchtling, der den Verlust seiner Heimat zu bckl.,g>n hatte, muß auch noch den der Braut benzeineu. Weiterer Worte bedarf eS wohl nicht Helene. sind Sie wissen oun Alles Elisabeth, ich bewundere Siel rief Weil ich meine Pflicht erfülle? — Weil Sie eine edle, hochherzige Frau — O, mein Fräulein l rief Elisabeth abwehrend. — Und nach dem, waS Sie von mir erfahren, mußten Sie mich verachten. Doch, ich bin nicht so strafbar, als es den Anschein hat. — Warum nehmen Sie die Bewerbungen deS GerichtsamtmannS an? Im Dorfe spricht man bereits von der Verlobung, von einer glän-zenden Hochzeit... — Und das ist eS, waS mir daS Herz abdrückt! Treten sie muthig auf, geben Sie offen und ehrlich eine Erklärung ab, die Ihre wahre Gesinnung an t»aS Tageslicht briogf. Die Spekulanten werden Sie thöricht nennen; die Rechtschaffenen aber werden Ihnen Beifall zollen. Verachten Sie die glänzende Stellung, die Ihnen der alte Freier dielet, und kehren Sie reuig zu dem Manne zurück, der vergebens gegen seinen Herzensjammer ankänwst. — Elisabeth, flüsterte Helene hastig, Ihnen darf ich mich wohl vertrauen? — Sie dürfen eS, in eiaer guten Sache l — WaS würden Sie an meiner Statt thun, wenn... Helene unterbrach sich: sie wußte nicht, ob sie mehr sagen sollte. — Nun? sragte Elisabeth. — Wenn die Existenz des BaterS bedroht würde? — Ihres Vaters? — Der Gerichtsamtmann kann ihn verderben. — Aller wie? fragte hastig die arme Frau. Helene verließ rasch ihren Platz. Verschweigen Sie unsere Unterredung! bat sie erschreckt. — Warum eröffnen Sie sich mir nicht ganz? — Sie sehen mich bald wieder, Frau Elisabeth. Ich gehe, denn so eben i^t Karl Ber-tram augekommen. Er spricht mit Ihrem Vater — Weichen Sie iljm nichl aus l — Noch muß ich eS. Sie drückte der armen Frau hastig eine Börse in die Hand und schlüpfte aus dem Stüb-chen. Ans dem Vorplatze trat Karl ihr entgegen. Sie grüßte kalt und eilte davon. — Elisabeth l rief Karl, der in daS Stüb-chen stürzte. Helene ist bei Ihnen getvesen? Da Sie es wissen, ja ! Halle« ist, hlir auf eivm Rinm kiltzentrirt, so daß mau, wie es auch der kliaipeadiöse Katalog anzeigt, nicht nur die Äohproduktion, sondern auch einen giohrn Theil verarbeittter Produtte sehen kann. Unter vielem Juteresianten dieser Ausstellung werden tvohl ein Unikum der Weltausstellung jein die in einem GlaSbehSlter befindlichen lebenden Perlenmuscheln, von denen auch einige Perlen vom Grafen KinSky ausgestellt sind. Zur Geschichte des Tages Der KaltuS- und Unter ri chtsmini-fter befindet sich in der traurigen Lage, den Schutz der Polizei gegen die fre»sianige Prrfse und gegen sreimüthige BereinSsprechkr anrufen zu müssen — gegen die muthigsten Vertheidjg^r deS Werkes, an dem Stremayr selbst doch w-sent-lich mitgeschafsen. Und diese Werte sind die besten Stremoyr'S und Oesterreichs! Der berüchtigte RegierungSentwurs über die Preffe hat auf die Fortschrittspartei Deutschlands wohlthätig eingewiikt. Mit nüchternem Blicke lernt diese Partei jetzt auch bei anderen Gesetzen wohl unterscheiden, ob sich's um die Macht deS Staates und die RegierungSgewalt handelt, oder um daS Wohl deS einzelnen Staatsbürgers und der Gesammtheit. Der Geist „moralischer Ordnung^ ist mächtig in den Versaillernl DerRegierung genügt die Hilfe der Polizei U7.d der Verwaltung nicht mehr, um ihre Gegner zu vernichten — anch die Gerechtigkeit wird neuerdings zur parlei-dienerischen Metze herabgewürdigt. Bermlschte Nachrichten. (Erfindung. Wägmaschine.) Ein Amerikaner, Duckham, hat eine Maschine erfunden, welche aur einen Fuß R^um einnimmt und so handlich ist, daß eio starker Junge damit arbeiten kann. Sie besteht bloS aus eincm Elsen« Mnder, welyer mit Oel angefüllt nnd mit einem Kolben und Druckmesser versehen ist. Dieser Ztlinder wird mit einem Krahiien in Verbindung gebracht, womit die zu wiegenden Ge. genstände in die Höhe gehoben w rden. Sobald letztere den Boden verlasstN und schweben, zeigt der Druckmesser genau das Gewicht ders ltien an. In Deutschland ist diese neue Wage schon eingeführt und zwar besitzt dc»S Blech-Walz.verk zu Dillingeu bei SaarlouiS eine solche, die sich dort ganz ausgezeichnet bewährt. (Land wirthscha st. Zur Verhin« -- Was wollte sie? Um deS Himmels willen reden Siel — Lassen Sie mich, Herr Bertram, lassen Sie michl rief die arme Frau, die plötzlich von einem Gedanken ergriffen wurde. Helene hat mir eiue reiche Unterstützung gebracht... fragen Sie mich nicht weiter... ich muß meine Gedanken sammeln. Ihre Braut lttdet, sie ist unglücklich.. —Meine Braut! murmelte Bertram, über dessen Gesicht ein schmerzliches Lächeln glitt. Die Braut, die vor dem Bräutigam flieht, weil er arm ist l Lassen Sie den Muth nicht sinken, ich hoffe, daß noch AlleS gut wird. Jetzt werde ich den Bater und den Kindern ein MittagSessen bereiten. Verzeiijen Sie mir, wenn ich mich entferne. Und Helene soll sich über mich nicht beklagen; ist mir der liebe Gott gnädig, so finde ich wohl ein Mittel, mich dankbar zu btweisen! Elisabeth walf ein Tuch über den Kopf und verließ daS Stübchen und das HauS. — Wartet nur, rief sie der Gruppe auf der Baak zu, ihr sollt heute zu Mittag eflen, den« eS ist Sonntag l Sie lies dem Dorfe zu. Karl trat zu Vater Diepholz, der immer uoch seine Enkelin auf den Knien hielt. — Gott sei Dank, rief der Greis, mit meiner Schwiegertochter geht es jeden Tag bessert berung von Spätfrösten.) Ranch ist tiekanntlich ein Mittel gegen Spätfräste. Dieses Frühjahr, schreiben die „Frauendorfer Blätter", wurde in den Weinbergen bei Paris ein neues Verfahren zur Erzeugung von Rauch verjucht. Früher bediente man sich nasien Strohes oder faulen Holzes. DaS neue Verfahren besteht darin. daß man schweres GaSöl (GaStheer, Nebenprodukt der Gaserzeugung) verwendet; der sch-varze und dichte Rauch bleibt lange als Wolke auf der gleichen Stelle liegen und verhindert solcher Maßen die Wärmeausstrahlung deS BodenS nach den lichten HimmelSräumen, welche die Ursache deS Frostes ist. Wenn daher im Frühling Fröste befürchtet werden, also bei unbewölktem Himmel und bei Windstille, werden slache blecherne Schüsseln oder Teller, die mit diesem jchlveren Theeröl gesüllt werden, in Entfernungen von ^ sünszig Fuß über den Weinberg verthnlt auf den Boden gelegt und mit einer Hand voll Stroh oder Hobelfpäne, die man auf das Oel legt, angezündet. ES bildet sich ein sch!l>erer Rauch, der sich über den Weinberg lagert und stundenlang unbeweglich bleibt, wenn sich ke»» Wind erhebt. Dadurch wird der Weinberg vollkommen vor Frost gestützt. Hier und da muß man jedoch daS Verfahren, sogar in derselben Nacht, wiederholen, und jedenfalls so oft man helle kalte Nächte befürchtet. Diese schiverea Oele l1nd billlg zu kaufen, so daß die Kosten für eine Schüssel sich uicht höher als auf fünf Kreuzer iielaufen sollen. Da man ttieseS Verfahren im Jahre doch selten mehr als zwei- biS drei Mal on'vendeu muß, so sind die Kosten im Vergleiche zu dem Vortheite, den eS gewährt, sehr unbe-deutend, und eS verdient dieses Verfahren all» gemein bektinnt und angewendet zu werden. Es kann natürlich auch für andere Kulturen als b!oü für die Reben nützliche Dienste leisten, so z. B. sür Gärten. (Waisenhaus in Gö rz.) Der Evan» gelische F?auenverein in Görz hat ein WaiskN' havS gegründet';^ i)ie Eröffnung fand am 11. d. M. statt. 3n dieser Anstalt werden nicht nur Waisenmädchen, sondern auch ganz arme, verwahrloste Mädchen, deren Eltern noch leben, ohne Unterschied deS GlaubenS und der Nationalität ausgenommen, gänzlich verpflegt und in den gesetzlich vorgejchrlebenen Schulgegenstanden unterrichtet. (Wiener Börse. „Ausgeblieben — ausgeläutet.") Der Wiener Berichterstatter der „Augsburger Allg. Zeitung" schreibt: yRecht heitere Zustände an der Börse, höchst v^r-trau'nertveckende Zustäiidel Banken nnd Ban« Wie flink sie wieder aus den Beineu iftl Ja wenn eS gilt, mir und den Kindern eine Freude zu bereite«,, dann tst sie bei der Hand. Elisabeth ist ein gutes, ein braveS Weib l Der Alte beschästigte sich mit den Kindern, er schien den Besuch kaum noch zu bemerken. Karl überlegte einige Augenblicke, dann schritt er dem Flusse zu und verschivand iu dtr Pappelallee, die nach der Mühle seines BruderS sührte. IV. Der GerichtSamtmann. Als Vater Hiller nach dem Gottesdienste sein HauS betrat, meldete ihm die Magd, daß der Herr GcrichtSamtmann in dem Wohnzimmer warte. ^ Der unvermeidliche, der lästige Besuch ! murmelte der Schulmeister. Er verbittert mir den Sonntag, der sonst ein Tag der Ruhe und deS stillen Glücks war. Und doch muß ich ihn unterthanig und lächelnd empfangen. Er gab Hut und Choralbuch der Magd und trat in daS Zimmer. Der gefürchtete Gast rief ihm freuudiich entgegen : Herr Hlller, ,ch habe Ihr.köstliches Orgelspiel betviindert, daS ich von dem Fenster aus deutlich vernehmen konnte. Sie sind ein Vir- kiers, die bort Millionen schulde«, slud einfach .ausgeblieben" ; sie werden ^ausgeläutet", und damit sind sie ihrer Verpslichtnngen ledig; sari« stisch und kaufmännisch sind sie bankerott, aber dem Gesetz gegenüber gelten sie vollständig solvent und diSponiren in voller Freiheit über daS Geld, tvelcheS sie den Gläubigern uicht gezahlt. Und alle Welt beruhigt sich dabei, denn alle Welt prositirt gelegentlich. Es ist kein ehrliches Geschäft mehr. eS ijl ein, wenn nicht gesetzlich organisirteS, so doch gesetzlich geduldetes Wege« lagererthum. da» dort sein Unwesen treibt, nur der geivissenhafte Spieler kann noch zu Grunde gehen, der gewissenlose kann wohl gewinnen, aber nicht verlieren. Bon zwei Dingen eineS: Enttveder man kassire daS ganze Börsenspiel, oder, wenn man eS zuläßt, so gebe man ihm rechtliche und rechtlich erzwingbare Folgen". (Wiener Versatzamt.) Wälirend der ganzen Zeit seines Bestehens hat dieses Versatz, amt noch nie so viel auf „Prätiosen" dargeliehen, als im verflossenen Monat. Marbnrger Berichte. (Regelung der Grundsteuer. slfikationStarif im SchätzungSbe L c i b n i tz.) Aecker: p. l. . . .22 II. « . . 16 III.....13 IV. ... 10 V. .... . 8 V I.....b VI I...... VIII. ... 1 Wielen': 1......23 II. . . . . . 19 1U.....16 IV. . .... l3 V. . . . . 9 V I.....6 VI I.....4 VII I.....1 Gärten: I . . , . . 25 II .... 21 II I.....16 IV .... .9 Weingärten; ^ . 39 II ... . 32 UI.....22 Klas. zirke kr. ö0 ö0 20 70 ö0 50 b0 90 ö0 ö0 S0 tuos. der an einer großen Stadlkirche den Dienst versehen sollte! Gott zum Gruß, mein würdiger Freuud l ' D r GerichtSamtmann war ein langer hagerer M-nsch von mindest-nö sünszig Jahren. Er trug eine .schwarze Perrücke. haite aus der dünnen Habichtsnase eine feine Goldbrille und war aufgeputzt, als ob er zu Balle gehen lvollte. In dem gelblichten Gesiizt. duS bereiS von mancher Runzel durchzogen war, ließ sich keine Spur von einem Barte entdecken. Diesem Umstände, und dem andern, daß die Perrücke an den Seiten Löckchen und über der glänzenden Stirn ein Toupet bildete, war eS zuzuschreiben, daß der Herr GerichtSammtmann jüager aussah, als er wirklich war. Seine Toilette tvar untadelhaft. Der schwarze Frack schmiegte sich den wattirten Hüften eng an, und den Busenstreifen, dtr auS derblaß-gelben Weste hervorsah, schmückte eine iverthvolle Diamantnadtl. Die veilchenblauen Glacehandschuhe hatte er nicht abgezogen, denn ee wußte, daß das dänische Leder die hageren Finger rund und voll machte. (Fortsetzung folgt.) IV. 16 — V. 11 — VI. Hutweiden: 6 50 I. .... 4 — II. « » » » S 40 III. » » » » 1 60 IV. Wälder: 80 I. 5 75 II. 4 75 III 3 60 IV. 2 70 V. 2 — VI. Seen und Teiche: 1 10 I. 8 (Verschwieger t, verschw ägert und vergiftet.) Die Grvndbksitzer in Rosalia N. zu St. Peter im Bärenthal, Bezirk Cilli, mischte neulich Arsenik in die Speise, welche sie ihrer Schwiegermutter, einer Frau von 74 Iahren, vorsetzte. Zufällig aßen auch die zwei Söhae und die Tochter der Alten von der vergifteten Suppe. Die Letzteren schweben in Lebensgefahr, ungeachtet ärztliche Hilfe schnell geleistet wurde; die Söhne haben sich bereits erholt. Die Thä-terin befindet stch in gerichtlicher Haft. (Sauerbrunn.) In Sauerbrunn bei Rohitsch find bis 10. 3uni 15!. Parteien mit 24ö Personen eingetroffen. (Wahlbewegung, gur Kandida-turdeö Herrn Friedrich Brand st et-t e r.) Vom Abgeordneten Herrn Friedrich Brand-ftetter erging in den letzten Tagen der vorigen Woche eine briefliche Einladung zu einer Wähler-Versammlung am 14. Juni, AdendS, im Gasthose „zur Stadt Wien". Herr Brandstetter berief diese Versammlung, um seinen Standpunkt und seine bisherige Be-theiligung am öffentlichen Leben, sowie an der gegen,värtigeu Wahlt»e:vegung zu rechtfertigen — veranlaßt, wie eS im Einladungsschreiben ljeißt. durch „die vlelfachen Beweise freundlicher Beur-theilung meines bisherigen StrebenS im öffent-llchtn Leben, welche ich in jüngster Zeit durch zahlreich unterzeichnete Aufforverungen zur Annahme deS ReichSrathS-MandateS für den Städte-Wahlbezirk; Marburg erhielt, sowie die maßlo« seu Angriffe und Entstellungen der Thatsachen sowohl in Wählerverjammlungen alS in Aestdenz-blättern. Die Btlsammlung sollte den Charakter einer Privatbesprechung tragen, daS eS. wie Heir Braadstetter in diesem Briefe schrieb, »vorläufig nur meine Aufgabe sein kann, jenen Personen Rede zu stehen, welche mich durch ihre ehrende Aufforderuag zu einer Ncchisrrtigung deS in mich gesetzten Vertrauens verpflichten, oder welche trotz einer bestimmten Stellung in der Personen-srage der Wahlaktion, doch gewiß daS Gerech-tigkeitSgesühl befitzen, meine Verlhcidigung gegen die blSher verbreiteten Anschuldigungen, wenigstens mit Rückficht auf meine nahezu 10jährige Betheiligung am öffentlichen Leben unparteiisch zu prüfen." » An dieser Versammwnq nahmen 136 Eingeladene Theil, darunter eii» Vertreter der Pet-lauer Wählerschaft und dreizehn Bürger von Windisch-Feistritz. Nachdem Herr Professor Reibenschuh zum Obmann gewählt worden, ergiiff Herr Brand-stetter daS Wort. Er schilderte in ausführlicher Weise daö Verhältniß der „Alten und der Jungen" (der Rechten und der Livken) unter Potocki und Hohenwart, die Leistungen und Bestrebungen der letzteren, namentlich zu Gunsten der dirckten Wahlen. Herr Braadstetter besprach seine Thätigkeit in jenen Fragen, welche Marburg besonders berühren und warnte die Wählerschaft, deu Werth des Vertreters noch dem Erfolg, zumal nach dem Durchsetzen gewiffer Lokalivünsche zn beurtheilen. Dadurch tüm. dcr Parlamentarismus aus einen bedenklichen Abiveg. Man sollte nur sragen, was der Vertreter anstrebt nod mit welchen Mittel». Hat er seine Pflicht erfüllt, daS Rechte anAeslrebi und mit den rechten Mitteln? — Dieß entscheide. Der Redner ging dann über: aus der: Kampf um die Verbesserung der Grundbücher, aus die Abschaffung deS Legali firungSzwangeS, wofür er unö seine Parteigenossen von der ..Neueit Freien Presse" besudelt werden — auf den Triester Hafenbau, in welcher Llngelegenheit er Berichterstatter gewesen -—auf dieBahnfrat^en, »amenilich die Frage, betreffend die Strecke Wien-Novi. Die Dankadreffe, welche der Marburger Gcmeinderath wegen dieser Linie an die Regierung gerichtet, enthalte auch den Ausdruck des unbedingten Vertrauens. Anerkennung soll ausgesprochen werden, allein ein solches Vertrauen finde der Redner bedenklich in einem konstitutionellen Staate. Herr Braadstetter beklagte die Sistirung der Schwurgerichte, beklagte die unregelmäßige Arbeit deS Abgeordnetenhauses, die feindselige Ausschließung der „Jungen", wo dieS bei Komite-vahlea desselben nur immer möglich gewesen. Es gebe allerdings kein Parlament, in welchem alle Mitglieder einer Meinung seien; aber Frieden müsse man unter den Parteien doch halten und nicht die Gegner schmähen, die nun einmal nicht aus der Vertretung zu entfernen find. Marburg und Umgebung habe viel erreicht, jedoch keiner von Ten drei Abgeordneten dieser Wahlbezirke dürfe sagen: 3 ch habe so viel erreicht ! Für die Wählerschaft sei dieS nicht gleich« g'ltisj; waS die Interessen der Wähler befriedige sei durch gemeinsames Streben erzielt worden. (Schluß folgt.) (Bienenzucht.) Der stciermärkische Berein für Bienenzucht wird morgen in Radkersburg seine diesjährige Wanderversammlung abhalten. (Sparkasse in Windisch - Fe i stritz.) Vom 1. Juli 1373 an werden die Einlagen mit bVa°/o verzinst und sür Darleihen nicht mel)r 6Vo, sondern gefordert. «etzt- Most. I» der Sffentlichen Versammlung deS Deutschen Verein» zn Graz — 16 Juni — verbot der IkegiernngSkommiffar, üt»ee den Antrag abzustimmen, eS möge der Erlaß Ttremayr'S, betreffend die religii^sen Uebungen an den Volksschulen, für ungesetzlich erklärt werden. Nach dem Gesetzentwurf über die politische Verwaltung der Militärgrenze dtirfen Beamte nicht Abgeordnete sein. Die bairische Regiernng hat angeordnet, daß die Redemptoristen ihre Thätigkeit einstellen müssen. Die Bundesrepublik Spanien soll vierzehn Ginzelstaaten umfassen» Eingesandt. Eine kleine Geschichte, erlebt von S. Wolf, Schuster. Am N. d. M. tvurde ich von einem Mit gliede deS ReichSrathstvahl^KomiteS ersucht, lveil die Gegenpartei Unterschriften sür ihren Kandidaten sammelt, auch für den durch die vereinigten Ortswahlkomites geivählten Herrn Karl Reuter Unterschriften zu sammeln. Ich erbot mich hierzu und eS ereignete sich, daß ich zu Herrn A. L. kam und diesen höflich fragte, welchen Herrn er gesinnt sei, in den Reichsrath zu wählen? Deu Herrn Reuter, erklärte er. Ich überreichte ihm sodann den Bogen zur Untersertignng, worauf er erwiderte: ich habe ja schon unterschrieben. Auf die Frage, bki wem? gab er mir zur Ai^twort: bei Herrn Bindlechner. So? sagte ich, dn hoben Sie ja für Herrn Brandstetter unterschcieben. Er entgegnete mir: sür Herrn Reuter, Herr Bindlechner habe ihm ja den Namen genannt. Dieß war mir räthselhast und ich äußerte mich gegen Herrn L.; dieß glaulie dich denn doch von Herrn Bindlechner nicht. Herr L. bestand darauf und sagte: darüber werde ich den Herrn Bindlechner fragen. Denselben Abend ging ich in Herrn MacherS Gasthaus, wo auch Herr W. Ehrenberg sich befand. Gesprächsweise fragte er mich, wie viel Unterschriften ich für Reuter schon habe; woraus ich erwiderte, ich bin zufrieden, jedoch korrekter, olS euer Sammler handle ich. Er fragte mich, warum? und ich erzählte ihm Obi-geS. Herr W. Ehrenberg brach ia ein Gelächter aus und forderte gleichzeitig die gesammte Tischgesellschaft als Zmgen auf. Die Trschgesellschaft gab sich alle Mühe, ihn zu besänftigen, biS ich erklärte, falls er weiteren Gebrauch davon machen wolle, so benöthige er keiner Zeugen, da daS Mit-getheilte vollkommen ^ahr sei. Dann wurde er gemäßigter. Am 13. d. Monats erhielt ich durch Herrn A. Schwarz eine versiegelte Einladung von Herrn Brandstetter zu einer Wahlbesprechung. Ich habe am selben Abende der Versammlung im Gasthofe zur Stadt Wien beigewohnt. Zum Schluße fragte der Herr Vorsitzende, ob Jemand einen Antrag zu stellen wünsche. Da erhob sich Herr Franz Bindlechner, Seifensieder, und sagte: CS sei jemarld ia dieser Versammlung, welcher ihn als ehrlichen Bürger wegen einer Handlung verdächtige, wie er solche als moralischer und geblldeter Mensch noch nie unternommen. ES sei zu bedauern, daß in früheren Iahren noch kern ArbeiterbildungSverein exlstirt habe, wo einer hätte Bildung lernen können. Gegenivärtig sei hier »vohl ein ArbeiterbildungS-Berein, allein für den betreffenden Herrn sei eS schon zu spät, noch was zu erlernen. Ein alteS Sprichwort sagt: Schuster! bleib der deinem Leist! Mich zu rechtfertigen war nicht möglich, da nach diesen Worten ein stürmischer BeisallSlärm entstand. Um in dieser von Herrn Brandstetter einberufenen Privatversammluag einen Skandal zu vermeiden und bei dem ausgeregten Zustande einzelner Persönlichkeiten mich vor weiteren Insulten und allensallS thätlichen Angriffen zu schützen, zog ich es vor, mich zu entsernen und meine Rechtfertigung im Lokalblatte zu geben. Schließlich erlaube ich mii, aufmerksam zu machen, daß ich leider nicht durch Erbschaft meil,e Bildung erhalten, sonder lediglich mit zwei Normalschulklassen und mein n Leisten es weiter gebracht habe. Nachdem ich aber 30 Jahre in Marburg lebe, durch daS Vertrauen meiner Mitbürger zu öffentlichen Vertrauensämtern wie auch in den Gemeinderath berufen worden bin, welches Herr Bindlechner trotz seiner Bildung und trotz seines heftigen Verlangens darnach bisher noch Nicht erreichen konnte, so überlasse ich daS Vorgehen desselben der Beurtheilung Anderer. Eingesandt An die P. T. Förderer der Straßenbespritzung in der Tegetthosstraße. Da von mehreren Seiten die Zahlung der gezeichneten Monatsbeiträgc verweigert wird, so finde ich mich leider bemüßigt, di« zwar sehr noth'vendige Bespritzung einzustellen. Ueber die Verivendung der bisher einkasslerten Gelder bin ich zu jeder Zeit bereit, Aufschluß zu geben. I. K o k o s ch i u e g g. Eingesandt. Geehrter Herr Redakteurl Sie würden mich zu großem Danke ver« pflichten, wenn Sie den m Nr. 72 JhreS geschätzten Blattes enthaltenen Bericht aus dem „Marburger Lehrerverein" dahin richtigstellen wollten, daß ich den dastlbst erwähnten Vortrag über galvanische Induktion in der letzten ordentlichen Versammlung am 4. Juni d. I. gehalten habe, da ich in der letzten (außerordeiitlichen) Versammlung vom 11. Juni nicht zugegen war. Prof. Dr. A. Wretschko. >Rarb«rg, 14. Juni. (Woche« malk«« bericht.) Wetzen si. 7.SV, torn si. 4.3<'. Gl^rste fl. 3.K0, Hafer p. Z.S0, Kuturutz tt. 4.50, H»rsc fi. 4.—, Hirsebrein fi. a.80. Heiden ?. ii.90. Erdäpfel fl. 2.S0. Bohnen fl.4.70. pr. Metz. WeizeugrteS, fl. 15.50, Mundmehl fl. 13.—, Semmelmehl fl. 12.—, Weißpohlmehl fl. 11.—. Schwarz. Pohlmehl fl. 8.—pr. Cnt. Heu fl.o.—. Lagerstroh fl.V.—, Streustroh fi. 0.— pr. Ctr. Riudfleisch 30, Kalbfleisch 29, Gchweinfleisch >. 31, Lammfleisch 22, Speck frisch 3S, Rindschmalz 60, Schweinfchmalz 44. Schr.ieer 38. Butter S4, Topfenkäse 12, Zwiebel 10, Knoblauch 18, Kren 10, Kümmel 48 kr. pr.Pf. Eier 1 St. 8 kr. Milch frische 12 kr. pr. Maß. Holz 18" hart fl. 5.60, weich fl. 4.^ pr. Klafter. Hozkohlen hart 60, weich 40 kr. pr. Mex». Pettau, 18. Znni. (WochenMarktsbericht.) lveizen si. 7.10, Korn fl. 4.—, Gerste 3.70, Hafer fl. 2.40, Kukurutz fl. 4.20, Hirse fl.3.30, Heiden fi. 4.10, Erdäpfel fi.1.b0 pr. Me^. Rindschmalz 56, Schweinschmal» tö, Speck frisch —, geräuchert —, Butter 42, Rindfleith 82, Kalbfleisch 30, Schweinfleisch 30 pr. Pfd. Eier g Stilck 10 kr. Mikch frische — kr. pr. Map. Holz 30" l)art si. 10.—, weich si.0.— pr. Klafter. Holzkohlen hart —, weich b0 kr. pr. Metz. Heu si. 1.30, Lagerslroh fl. 1.60, Stteufiaoh si. 1.10 pr. Ent MMlile» kemlim 8liM-KI>r«iIii»i«! 6^7'a/' UTtci Le-ciieses A?Ä/^5c/t67^. 436 vie ksurmSanlseliell Vereine „Ileckur- in ülsrburx nnil ver ksukmiinniseke SSllMrdllnä ili Ilsrburz un WS schlechter und zu jeder JahreSzeit) zu einer rationellen M Nlutreiniguug M Entfernung galliger gestockter, überhaupt aller schlechten Säfte, ßM Secretionen :c. WH Solches attestirt ^sä. vr. Lats^iere, vr. 8tsv6ii, vr. komrairo. . 1 Schachtel mit 70 Pillen 1 fl. 50 kr. Oest. W. DM HM Echt bei I. Purgleitner, Apotheker zum Hirschen in Graz. MM Jos. Kozdera, Apotheker zuln rothen Krebs, Stadt am hohen Markt, DH 12 in Wien, (üarlo ^anstti, 5armK.eis t6 via uuova a I'r iegtv, zc. F tlrtwvtt allsuvdt) ^ ksilt driefliok äsr kpsziialarüt kür LpilopLio o. kerlln, 1 M W^akruvx uuü ^öräsruvx »IlH^smsiosr Lsu-W ^ ävIsiQtsrssssll, visssQsotiaktliods k'ortdiläuusM Mjuvxsr Xauüsutv, Iliitorstütiiuvxs diltvdväür^M » ti^st' lilitxUsäsr, LtsUsuvörmittlunx vto. M H ' Llvsedroldoeodülir Ü. t.—. 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