2N2I2WNN2VM tnr Kunst, Literatur, Theater n. geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordesch. ^ OZ. . Montag am Z. Decembcr ^^Z.^3V. MH' Von dieser Zeitschrift erlcheine» wöchentlich zwei Nummern, jedes Na! ein halber Boaen. Der Preis des Blattes is! in Laibach aanzil,l)r,a t>, ^ halb,all,!! ^ fl. Durch d,e k. f. Po» unier <2<,uv«rt »,,I vorioire,er Zusendung a»n,j»br>g u, balbinbrig ^ fl. C.M., und w,rd balb,»b>>a u°r»u,.. bezahlt. Alle k. k. Ponaniicr nehmen Pronumeratwn an. In La,ba« ernnumerirt man beim Verleger am s>aan, Nr. >>)u, »» einen Flotte. FrühlingsahlNlllg im Herbste. Vt.ah»,e» gleich die Blumen und die Kranze Weiland Lenz und Sommer mit von hi„»en. Seh' ich doch so schon, als je in, Lenze, Und so hoffnungsvoll die Saaten grünen; Und bei ihrem heil'ren Hoffnimgsgrün — Fallen gleich die Blatter oo» de» Bäumen — Laßt sich ja mit ungelrübtem Sinn Von der Wiederkehr des Frühlings träumen. Zwar bekommt nun jede Freude Flügel; Line fleugt von donnen nach der andern» Langst begannen über Thal und Hügel Um'rcr Haine Sänger auszuwandern: Langst verstummt im Tempel der Natur Sind die Chöre ihrer frohen Lieder; Doch Geduld! über ein Kleines nur — Und sie kommen alle freudig wieder. Senkt auch Helios den gold'nen Wagen, Immer lüfer und auf kürzern Bahnen, Laßt er doch selbst in den trübsten Tagen Uns'rcr Welt die Huld des Himmels ahnen: Bricht er nicht durch dichten Wolkcnflor Oft hervor mit seine»! milden Blicke, Gleich als sprach' er: "Lieh getrost empor, Deinen Frühling bring' ich dir zunicke?« — Aber anders ist's mit meine m Lenze — »Ein Mal blüht des Lebens Mai und —nimmer!" — Wie auch hell' die Sonn' am Mittag glänze, Dennoch schöner ist ihr Äufga»g immer. Schon hat in des reifer» Alters Höh',, Eich der Jugend Morgenstern verborge»! Und mein Leben wird erst wieder schön — Kömmt der Auferstehung Frühlingsuiorgen.— V. Marouschiiig. Der Thlirmer. Nachtstück von Leopold Kordesch. >—Wen» Einer ist gefallen »Mag der And're weinen, aber »Nicht zu rich le » sich erkühnen.« Ur. Müllner« »Schuld.« Der schönste Morgen, den der duftende Maimond heraufzubeschwören vermag, lächelte über das große, freund­liche C"* . — Marie , des Stadtthürmers blühende Toch­ ter, war eben von ihrem lindlichen Morgengcbete aufge­standen und hatte sich zu dem kleinen Thurmfensterchen an ihren Liebling?platz zur Arbeit gesetzt, von wo aus sie d>>r schönsten Aussicht über die rege Stadt genoß. Aus bläulichen» Morgennebel tauchte die blanke Häusermasse em­por; freundlich, wie zum Gruße rauchten ihr die Kamine entgegen; allein Marien s Blick sah nur immer gegen die fernen Berge im Süden, die sich linker Hand in die Wolken streckten, und schien, wie ihr Gedanke, über die Gletscherspitzen zu streben; denn eine Sehusuchtsthräne fiel auf ihr Weißzeug am Tischchen, als der Vater, der seine Geschäfte im Thurme verrichtet hatte, eintrat, seinen Sonntagsrock anzog, Hut und Stock nahm und sich vor sie hinstellte. „Ist also dein Wort unwiderruflich, muß ich dem Wollhändler deine bestimmte abschlägige Antwort bringen, Tochcer?" fragte halb wehmüthig, halb rauh der alte Mann. „„Vater, ich vermag's nicht anders, o vergib mir, ich vergehe sonst. Nur einen Monat gönne mir noch Auf­schub; erscheint in dieser Zeit kein Brief — und erscheint Heinrich auch selbst nicht, dann ist mein heiligster Schwur erfüllt — ich werde dann sterben, doch euch ret­ten."" — Der Thürmer schien bereit zu harter Rede, jedoch lehrte er schweigend und mit sich kämpfend der Tochter den Nucken und ging zur Thüre hinaus. Eine düst're Stille, nur durch den phlegmatischen Pendel der großen Thurm­uhr unterbrochen, umgab das Mädchen. Einsamkeit und Sülle wirken immer stärker auf unser Gemüth und füh­ren stets die Erinnerung im Gefolge. Das Mädchen gab sich nun ganz der Erinnerung an ihren fernen Hein­rich hin, von dem sie seit eilf Monden leine Nachricht, keinen Brief erhalten. „Warum müssen doch alle meine Hoffnungen so in Nichts zerstäuben, wie der Rauch da unten; warum nur immer das Unglück ob unserm Hause schweben, wie der Aar über seiner Beute!" klagte die Ein­same, mit mildem Vorwurf aufwärts blickend. — „Ach, 346 könnte die Mutter, die morgen vom Lande heimkömmt, nur die geringste Nachricht von ihm bringen, nur die ge­ringste, ich wär's zufrieden!" — Ein leises Pochen störte ihren Monolog und herein trat ein nett, aber ländlich gekleidetes Mädchen, das also­gleich voll Freundlichkeit auf Mari e losging und sie in die Arme schloß. „Liebe Freundin, kennst du deine Ag­nes, deine Gespielin, nicht?" schmollte die Fremde, als sie Mari e nicht gleich erkannte. „„J a wohl erkenn' ich dich, du liebe, gute Seele!"" frohlockte Marie und küßte die Angekommene herzlich. „„D u kommst auch so selten in die Stadt, schon über ein Jahr ist's, dasi ich dich nicht gesehen — willkommen denn!—-Heute, ja heute und morgen kann ich dich noch bewirthen, dann—""hier brach ein Thränen­strom aus den Augen der Sprecherin — „„dann ist's viel­leicht nicht möglich mehr."" Und nun erzählte sie, daß nicht nur ein hartherziger Gläubiger, ein reicher Woll­händler, von dem um so weniger Schonung zu erwarten sey, als sie so eben seine Heirathsanträge zurückgewiesen, nach zwei Tagen auf das kleine Häuschen und den Gar­ten ihrer Eltern vor dem Stadtthore Beschlag legen wer­de, sondern daß es auch einem Feinde des Vaters gelun­gen sey, durch Verleumdung und Chikane, und als ein Eingeborner der Stadt, die provisorische Stelle des Thurm­wächcers für sich zu erschleichen, weshalb auch diese Woh­nung in zwei bis drei Tagen geräumt werden müsse :c. Agnes wischte sich eine Thräne des Mitleids von der Wange und sprach tröstend: „Ih r dauert mich, ihr Unglück­lichen, doch verzagen sollst du nicht, Marie ! Ja— " fuhr sie nach einem kurzen Nachdenken fort „Gott hilft oft wun­derbar und ich — ich bin vielleicht zu guter Stunde in's Haus gekommen. Siehst du dieses Paket?" dabei wickelte sie ein Säckchen aus einem Tuche los und zeig« der Stau­nenden mehrere Rollen Dukaten im Betrage von 2000 Tha­lern. „Dieses Geld ist mein!" rief sie freudig, „so eben habe ich es in der Lotterie behoben. Du weißt, ich bin allein, habe Niemand auf der Welt, die Nähterarbeit in meinem Dorfe nährt mich — ich will euch mit der Hälfte, ja auch mit der ganzen Summe helfen, wenn es Noth thut. Das Geld ist bei euch in guten Händen und wird mir Segen bringen." Mari e stand erst sprachlos vor Erstaunen über der Freundin Glück, wie über ihren Edelmuch. „So bist denn du der Engel, den mir meine Träume zeigten" rief sie an AgnejenZ Halse, die thräncnglänzenden Augen auf sie heftend. „Der Himmel segne deinen Eintritt.« Und eng umschlungen hielten sich die Freundinen und gelobten einander vorerst, dem Vater von dem Nettungs-Plane nichts zu offenbaren, bis die Mutter am darauffol­genden Morgen vom Lande, wo sie ihre Verwandten be­suchte, zurückgekehrt seyn würde, um beide desto angeneh­mer zu überraschen. „Die Freude des Vaters, das Entzü­cken des lieben Mütterchens, nein Agnes, für mich gibt es nichts Schöneres!" jubelte Mari e und sprang im Zim­mer herum, nachdem sie vorher der Freundin nach Vermö­gen einige Erfrischungen aufgetragen hatte. Teilnehmend horchte ihr Agnes zu, als sie von ihrer innigen Liebe zu dem entfernten Heinrich plauderte, als sie erzählte, daß er binnen Monatsfrist bestimmt entweder selbst von seinen Kunstreisen zurückkehren oder schreiben müsse, indem sie ihn des Wort- oder gar Treubruchs unfähig halte; ferner daß er ein Schüler des großen Canova sey, in seiner Vater­stadt schon mit Sehnsucht erwartet würde, und tausend Dinge, die das Lob des Geliebten und ihr Glück aus­drückten. — Schon nahte die Mittagsstunde. Die beiden Mädchen bemerkten es nicht. Sie gewahrten im eifrigen Gespräche selbst des alten Thurmwächters nicht, der still eingetreten war, sein Feiertagskleid gegen die Allcagsjacke vertauscht hatte, und sich eben anschickte, zum Mittagöläuten hinaus­zugehen. Agnes bemerkte ihn zuerst. „Vergebt Vater," sagte sie, „daß euch in mir heute ein Gast zugewachsen. Es ist wohl schon eine lange Zeit her, seit wir uns nicht gesehen, allein der Agnes aus N*'^, der Gespielin eurer Tochter, werdet ihr des Besuches wegen nicht zürnen." Der Thürmer hieß sie mit einem freundlichen Hände­drucke willkommen, stammelte etwas von Entschuldigungen, wenn seine Verhältnisse ihm nicht erlaubten, eine so liebe Bekannte, wie es sich schicke, zu bewirthen, und ging dann an seine Verrichtungen. Nach dem bald darauf eingenommenen, frugalen Mit­tagmahle, wobei der Thurmwächter eine gewiße Bangigkeit und Beklemmung, trotz aller Mühe, der Fremden gegenüber sich fröhlich zu zeigen, nicht bemeistern konnte, winkte er der Tochter in die Seitenkammer, die er hinter sich ab­schloß. „Marie" Hub er an, „wir sind verloren! der Wollhändler will von einer weiter« Frist nichts wissen, und meinen Feinden ist's gelungen, mich vom Dienst zu bringen. Morgen ist der letzte Tag, den wir hier zubrin­gen, der letzte, an dem wir Gärtchcn und Haus unser nennen. Gott tröste die Mutter, die morgen kömmt! Mein Kind, bedenke unsere Lage, rette uns, es ist noch Zeit.—" Mari e war vor ihm auf ihre Kniee gesunken und un­terbrach seine Rede durch die rührendste Bitte, ja bis mor­gen die'Hoffnung auf Rettung noch nicht aufzugeben; >>e schilderte mit den glühendsten Farben mehrere Fälle, wo gerade in höchster Noth noch Hülfe kam, sprach mit solcher Zuversicht von Rettung, als wenn sie davon schon Ucber­zeugung hätte und schmeichelte dem Vater so süß und un­befangen, daß sie der Thürmer verwundert ansah, und die Vorwürfe, die ihm schon bitter auf der Zunge saßen, in die Brust zurückdrängend, mit erheiterter Stirne die Tochter umarmte. Es sielen ihm selbst noch Wege ein, die er einzu­schlagen beschloß; er wollte noch bei einigen Freunden jem Glück versuchen. Marie , obschon wohl wissend, wie schwer Freunde in der Noth zu sinden seyen, wollte ihm, der Ver­abredung mit der Freundin getreu, bloß aus diesem Grunde nicht abrathen, und der alte Mann befand sich bald darauf auf dem marcervoUsten aller Wege. (Fortsctzlmg folgt.) 24? Nachklänge. Eine Symphonie vo,i I . I . Hssnnusch. (Veschl.ch.) 8. Desto lauter sprachen die Gesellen; desto stürmischer jauchzte in Roberto Sturm und Drang des Lebens; — desto ungestümer standen in ihm die Leidenschaften auf; desto zügelloser braus'tcn die Tage mit ihm dahin. Uep­pige Fülle der Kraft umzitterte seine Sinne. Das Mark, von dem er äußerlich leibte und lebte, schien ein Bronnen, nie zu erschöpfen!—Was in seinem Inneren Göttliches war, gestaltete sich nach und nach zum drohenden Schat­ten des königlichen Banquo. ». Es war um die Zeit, da die Rosen kommen. Die Nachtigall sang und der Abendwind wehte lieb­ lich. Der Mond stand am Himmel, und hier und da blinkten Sterne. Zu solch' schöner Stunde warf Roberto seine Flöte — (nach langen Jahren hatte ein Zufall in einer cinsa^ men Stunde, sie ihm wieder in die Hand gegeben; er hatte sie an die Lippen gesetzt! Töne, die sonst wohl sein Ohr bezauberten, sein Herz erquickten, regten unwillkührlich wehmüthige Erinnerungen an das verlorene Paradies schuldloser Tage! zuletzt fuhr ein Schauder durch seine Seele—) er warf mit selbstmörderischem Wurf die Flöte zum Fenster hinaus in die dunkle Nacht! — Das Instrument flog in's Gebüsch, wo die Nachtigall eben einen Triller anhob. Die Sängerin schwieg erschreckt, als das Werkzeug des Wohllauts raschelnd durch die Zweige stürzte. — Da wird es laut im Hause. Die Gesellen toben he­rein, und Roberto hält eine wilde nächtliche Orgie! Und doch war es um die Zeit, da die Rosen kamen. Die Nachtigall sang und der Abendwind wehte lieblich. Der Mond stand am Himmel und überall blinkten helle, funkelnde Sterne an dem klaren, herrlichen Gewölbe der schönsten Nacht! 10. Das Haus glänzte und flimmerte von tausend Lich­tern. Die Tanzwellen des Orchesters wogten in mächtig gehaltenen Tönen durch die Säle und Gemächer. Es schleifte und walzte, staubaufwirbeld, dahin! — Roberto — schritt und schlüpfte, lauschte und schmei­chelte, champagneraufgeregt als Don Juan zwischen den tausend reizenden Schönheiten der Hauptstadt. Die Fe­der nickte unternehmend auf seinem Hute. Der volle üp­pige Bau seiner Glieder liest ihn oft einen Ausruf der Be­wunderung „des schönen Mannes!" vernehmen. Sein feu­riges Auge antwortete dann. Sein Mund lächelte trium­phirend verführerisch. Er schlich durch die Blumen und Blüten, wie eine lauernde Schlange, und suchte sein Opfer — Der albern-dreiste Lepovello, aufmerksam, dienst­jchlau, sündendienerisch vor Allem!— vor, hinter und um ihn. — Da schritt der drohende Schatten des königlichen B a n-quo vorüber — eine Maske! — die Gestalt, der Gang, die Größe, die Haltung, das Auge seiner Mutter. — Eis goß sich durch seine Adern.— Sein Leben, — seine Kindheit, seine schöne, unschul­dige Kindheit! — der Vorsatz dieser Nacht! seine Flöte, — das treue Auge seiner liebevollen Mutter! — Alles — mit einem Male. — Er schwindelte. Plötzlich ward es dunkel um ihn — und Nacht. — 11. Es war um die Zeit, da die Rosen kommen, als Ro­berto endlich genesen war. Die Nachtigall sang und der Abendwind wehte lieblich. Der Mond stand am Himmel und hier und da blinkten Sterne. Zu so schöner Stunde ward Roberto geboren. Zu so schöner Stunde stand er am Grabe seiner Mutter. Sein Auge haftete an dem kleinen Hügel, darunter sie ruhte, deren holder Leib ihn liebend getragen hatte un ter dem Herzen, das heute nicht mehr schlug. Er bückre sich und brach eine Rose von dem Grabe und führte sie zu seinen Lippen und küßte sie, und — brach aus — in einen Strom bittersüßer Wehmuthsthränen! — Nun — und weiter? — Und weiter — 12. kam daher ein munterer Witzbold, und machte aus der ganzen Geschichte einen famosen Operntext, und ir­gend ein Halbgot t — lachte über die Albernheit und — machte eine ewige Musik dazu! — Das Feuerwerk im Prater zu Wie«. Von Fitzingcr. Gleichwie keine Hauptstadt Europa's, vielleicht auch der übrigen Welttheile, einen Naturpark, wie unser „Pra­tcr" ist, in solcher Nähe aufzuweisen hat, so findet auch in keiner ein ähnliches Schauspiel Statt, in keiner wird die Feuerwerkskunst so in's Große getrieben, wie hier in Wien. Funken, von Knaben aus Stahl und Stein gelockt, sind jene pyrotechnischen Lappalien der Pariser Boulevards gegen diese Stuwer'schen Feuer-Myriorama's; und einzig nur die Belagerung Algiers und das Feuerwerk der Großmächte bei N av arin, allenfalls auch jenes der Vul­kane Vesuv, Aetna und Hekla, dürften das hiesige an Energie in Etwas übertroffen haben. Das ungeheuere London iu der Nähe zweier Meere, der Stationsplatz zweier Continentc; das prachtvolle St . Pe. tersburg, die ewige Roma, und selbst die vor Zeiten vom Himmel gefallene P a rth en o pe, — Wasser, Luft und Erde haben sie im Uebersiuße; aber Feuer, das heißt: ein Feuerwerk haben sie nicht! — Seht sie hinwogen in dichten Mcnschenmassen, zum isterumflossenen, Allen erschlossenen, feuchtenden, grün­leuchtenden Prater, wo der Falter fleucht, wo die „Gelse" steucht, — doch fort mit Poesie! Prosa, eitel Prosa will ich ja niederschreiben, also: Sieben ist's, oder halb acht, und schon wimmelt es in IHO den Auen und auf den Wiesen, bei den Tischen, in den Büschen von Schaulustigen, welche bereits seit frühem Morgen oder seit Mittag in den angenehmen, kühlen Laub­ gewölben sich ergehen, erstehen, ersitzen und erliegen, und welche vor dem zu hoffenden Schauen ihre kostbare Zeit einstweilen bei den überall zerstreuten Schenken, Restau­ rationen, Reunionen und Conversationen mit Schmecken, Riechen und Fühlen ausfüllen. Denn das magst du mir auf's Wort glauben, mein liebes deutsches Ausland , daß der echte Wiener auch beim Feuerwerke nicht gern die Freuden der Tafel u. s. w. vermißt; „Ni e ohne die­ses!" Glaube mir aber auch auf's Wort, daß darüber sein besseres Ich, der Geist nicht untergeht, wie dir deine reisenden Hungerleider um einiger Groschen Honorar wil­len aufbinden, welche ja nichts tiefer kränkt, als daß man ihnen, die so viel essen sehen, nicht auch zu essen gibt, und zwar gratis.—Doch hinweg von diesem Bilde! Nicht Polemik soll mir in die Feder dietiren, also: Lassen wir sie zechen trotz jener nach dem Buchhänd­ler-Gnadenlohn schnuppernden Touristen, und sich gütlich thun in den Hintergründen, und schreiten wir vorwärts in die Wiesenebene, auf deren einer Seite sich amphithe­athralisch die Gallerieen, (welche von Stein seyn könnten, wenn sie nicht von Holz wären) erheben, auf dem höch­sten Punkte in der Mitte die Loge für den kaiserlichen Hof. Ihnen gegenüber standen ehemals die stabilen Ge­rüste, an welchen die Feuerwerkskörper befestiget wurden; gegenwärtig aber sind sie weggeschafft, (was dieser Par­thie des Praters viel von seiner an ihm gewohnten Ei­genthümlichkcit benimmt,) und werden nur bei jedesmali­ger Produktion errichtet, wenn nämlich das Element des Pluto seine kunstgelehrten Strahlen durch die erschrocke­nen Lüfte streuen soll. (Beschluß folgt.) Nevue des Mannigfaltige». Mehrere deutsche Blätter berichten von dem gegenwärtig so beliebten Compcnisten Donizett i und dem zu früh ver­storbenen Belli» i Folgendes: Donizetti komponirc eben so leicht und lebendig, als Auber. Er ist zwar nicht, wie dieser, ein großer Pferdeliebhaber, aber ein leiden­schaftl,cher Freund von Wasscrfahrten, Gondelpromenaden und ländlichen Ausflügen. Eine seiner besten Opern „An­na Bolena", kompomrce er in achtzehn Tagen auf einer Fußrcise nach Mailand. Donizett i hält es nicht lange auf einem Flecke aus. Jede seiner Opern ist an einem andern Orte, unter eine,» andern Himmel zur Welt ge­kommen. — Bellini' s Componistenadcr schlug nicht so voll, als die seines Landsmannes Donizetti ; erarbeitete mühsam und bedurfte der Ne,ze des Luxus und des Reich­thums, um zu produciren; er bewohnte prachtvoll meublirte Zimmer, kleidete sich streng nach der Mode, und suchte in dem Boudoirs Motive zu seinen traurigen Melodien, welche fast wie Stoß- und Liebesseufzer klingen. Wenn er sich an den aufregenden Freuden und Genüssen begei­stert hatte, kehrte er heim in seine von Wohlgerüchcn duf­tenden Zimmer, und auf weicher Ottomane gebettet, such­te er die noch in seiner Seele klingenden Eindrücke wie­der hervorzurufen, und sank erschöpft in die Kissen zurück, wenn es ihm. gelungen war, einen dieser Eindrücke festzu­halten und aufs Papier zu fixiren. — Auf der großen Westeisenbahn in England hat neu­lich einer der Conducteure versucht, wie hoch sich die Schnelligkeit des Locomotiv's steigern liesse, wozu er den Augenblick benutzte, wo kein Transport auf den Rculs war. Vorher sorgte er dafür, daß im Falle eines Un­glücks Frau und Kinder einer Pension sicher seyen, und legte dann die Bahnstrecke von 40 Stunden in der Ge­schwindigkeit von einer Stunde zurück. Sein Wagestück blieb ohne traurige Folgen. Korrespondenz. Marbur g am 2».'November lüzn. Das Winzerfest . Zu den vielen ergreifenden Erinnerungen »„ den zeitweise» Aufenthalt des hochseligen Kaisers Fran z I. in Steiermark gesellt sich auch ein Denkmal, das z'wor nicht in Erz und Marmor, aber i„ den Herzen der Menschen gebaut, eine schöne Fortdauer verspricht; es ,s! das Winzerfest in Pickern. Wer rennt nicht den Namen des edlen Pickerer-Weines, wen, fallt nicht bei,» Besuche Marburgs die rolhe Hügelreihe »e des waldigen Urgebirges ein nettes, ländliches Haus, weitschauend in die Fluren der Unterstcicrmarf — es ist das Weingarthaus, der Herbstoüf­enthalt des Beschirmers alles Guten und Schonen — Sr. kais. Hoheit, des Erzherzogs Johann . Wenn der Oekonom mit sinnendem Auge Pickcrns Re­ben prüfet, der Forscher miitelallerlicher Reste nach den letzten Spuren der erst in unsere» Tagen ganz verschwundenen Burg Lembach späht; der Mi­nerolog die rothe Erde durchforscht, pilgert der Freund der schonen Naiur gerne hinan zu dein gastlichen Wohnsitze, um sich dort an Rcbengeländcii zu laben, welche eines Kaisers Hand selbst gepslanzct. Es war im Juni 1L3N, wo Se. Majestät Franzi , bei längerem Verweilen im gemüihlichcii Marburg hier eigenhändig Rebe» pflanzten, welchem Beispiele Ihre Maje­stät die Kaiserin und mehrere Mitglieder des durchlauchtigsten Hofes folg­ten. Bereits spendete duse kaiserliche Pflanzung herrliche Früchte. Pickcmi Besitzer aber, an ihrer Spitze Sc. küiscrl. Hoheit Erzherzog Johann , der Abt i>»„ St. Panl, die Herren ,-N c m sch m i d, F « rst »cr, Vogel u. s. w. ehrten das Andeuten an die Aiiwesinheit des höchsten Kaiserhauses durch eine Handlung der Wohllhciiigteit, welche auch noch in später Zeit gesegnete Früchte verspricht. Sie gründeten ucimlich ei» Kapital, dessen Zinsen jöhr­lich an die gesittetsten, fleißigsten und redlichsten Winzer verih.ilt werden. Als Maßstab wird vorzüglich die sorgfältigste Ncarbeiluug des anuerlraiitlü Weinberges, Sittlichkeit und lange Dienstzeit bei einem und demselben Herrn llngeuomnien. Seit Jahren und auch Heuer wurden die Preise von Sr. kcuserl. Hoheit, dem durchlauchtigsten Erzherzog Johann , persönlich am 5. No­vember vorgenommen. Geldbeträge in verschiedenen Abstnsfungcn nebst ci­»ci» Stocke mit trefflich gearbeiteten Emblemen bilde» die Prämie». Ei„e rührende Festlichkeit, welche Nachahmung verdient. llr. Rudolph Puff. G h a r a d e. Zweisilbig. Die erste ist ein Bild der alten Zeit, Doch wenn man ihr nicht eine Stütze leiht. Kann sie, dem Sprachgebrauche »ach, nicht gelten. Die zweite ist des Frühlings schönstes Kind, Zwar flatterhaft, wies alle Schönen sind, Doch oft ein Sckmuck für Weise, wie für Helden. Wird euch das Ganze lange Muße schenken, So könnt ihr leicht au das Enträthseln denken. MZ ' Der heurigen (5ar!!lulia liegt ein licerariMr, Kulist- und Musikalien-Anzeiger des Leopold P«' ternolli in Laibach bei. Laibach. Drnck und Verlag von Joseph Vlasnik.