November. 155. Keft. (Seile :t7ö7 Bis 3784.) 1916. Schule und Vaterland Zeitschrift fnr^dodcnständige Jugenderziehung und Volksbildung in Österreich-Ungarn. Schriftleiter: Sr. Audotf H'cerj. Feldpost 11. Inhalt: a) Schule und Vaterland. 1-Österreichs Lehrerhelden .... 3757 2. Tage der Entscheidung 3758 3. Aufgaben und Entwicklung des (deutschen) Schulwesens nach dem Kriege................................ 3760 4. Hymne im Weltkrieg................. 3764 5. Helden im Hinterland 3765 6. Durch Not und Tod zum Sieg 3769 7. Der Lehrer im Dienste des kämpfenden Vaterlandes ....... 3770 8. Kleine Mitteilungen................ 3771 9. Die offenen Gräber................. 3772 $3 -ET tift 35 «a SS «u> ’S :e *« C. b) Blätter für den ASIcikungs-uuterricht. 10. Was hält den Bauer ab, Kriegsanleihe zu zeichnen................ 3773 11. Splitter....................... 3774 12. Anschauungsunterricht in der Elementarklasse.................... 3775 13. Das leidige Vergessen des Lehrstoffes........................ 3776 14. Replik auf Herrn Zoders Erwiderung .......................... 3778 15. Die Wechselred«................ 3779 16. Briefkasten.................... 3780 17. kleine Mitteilungen............ 3781 18. Lesestücke aus der Front . . . 3782 19. Talaufwärts durch den Krieg 3783 20. Alles über Deutschland .... 3784 21. Polack-Ecke.................... 3784 Monatlich 1 j»cft. Aurgadstclle: Verlag der „Blätter für dm Avteilnngsunterricht" in /aivach Iahresprcis der 13 Kefte 6 K (6 M, 6 K.). Druck von Josef pavlicck in Gottschee (Krain). 75 Auszeichnungen! Gegründet 1790. 75 Auszeichnungen! LAC.Hardtmuths . ■ Q O || I > L.AC.Hardtmnlhs Kohinoor I Mm I B 51 FllTill I ITll Farbstifte.., ..Zeichenstifte LVXU.I IUI UIIIIUIII ... Pastellstifte Schulstifte etc. WIEN IX. Budweis in Böhmen. Farbige Kreiden Für Schulzwecke anerkannt bestes Fabrikat. Durch jede Papierhandlung zu beziehen. 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Als ich in Folge 146 meiner Zeitschrift unter dem Hinweise, wie wichtig in dieser ernsten Zeit ein sachlicher Meinungsaustausch ist, zur Sicherung eines solchen „10 Gebote der Kritik" aufstellte, war ich der Zustimmung aller, auch der Eueren, gewiß, beinühte ich mich doch unter Zügelung des Unmutes, • der mir damals Anlaß bot, aus der blutigen Front heraus an die der Tinte eine leidenschaftslose Erwiderung zu geben. Es war vergebens. Wieder kamen Angriffe, die, weitabgehend von den Dingen, bloß der Person galten. An sich berühren mich Verdächtigungen und Vernaderungen wenig; mein Gott, man hat die Jahre her so viel ertragen und lebt trotzdem noch! Sollte man nicht noch das Bißchen dazunehmen? Aber überaus bedauerlich, ja tieftraurig ist die Erscheinung, daß sogenannte „Kritiker" aus meinen Darlegungen gerade nur das klauben, was ihnen „in den Kram paßt", und daß sie solcherart den Gedanken gewaltsam entstellen. In Friedenszeiten konnte man Geplänkel dieser Art mit mitleidsvollem Lächeln milmachen, gegebenenfalls, wenn man Zeit und Lust hatte, auch einmal einen kräftigen Hieb zurückgeben; allein jetzt, da große Dinge die Anspannung aller Kräfte heischen, da so viele Talente, die man vormals zu Diensten hatte, unter dem Rasen ruhen, da nur mit einigem Vorgehen ein neues Vaterland, wobei wir die Volksschule vertreten, geschaffen werden kann, sollte denn doch einmal von der häßlichen Minierarbeit abgegangen und mit offenem Auge offene Fehde zum Besten des Gegenstandes geführt werden. — Wenn ich die Angriffe aus letzter Zeit als Ganzes recht werte, so fällt kaum ein Viertteil der Sache zu. Ja, was soll das übrige Zeug? Ich will ja nichts werden, nichts für mich erstreben I Das sollte sich denn doch bereits in meinem völlig zwanglosen Eintreten für Schule und Lehrerschaft gezeigt haben. Also mag jeder ob meines äußeren Aufstiegs außer Sorge sein! Was mich bei allem führt und fördert, das ist das Bewußtsein, Bedeutungsvolles hinter dem Vorhänge des Krieges für unser kommendes Geschlecht vorbereitet zu haben. Nun kommen die Gegner und suchen, es zu zerstören, weil sie fürchten, es könnte was für die Person abfallen. Ja, es wurde mir bereits im Frühjahre d. I. etwas Angeboten; ich habe es abgelehnt, u. zw, mit dem Hinweise: „Lassen wir's lieber! Die Lehrerschaft jagt nicht nach Dingen dieser Art. Schon der Schein könnte den Erfolg behindern." — Aber noch ein anderes macht mich nachdenklich. Ich hatte im Feld Gelegenheit, mit hohen Persönlichkeiten, die bisnun der Volksschule und ihren Waltern fernstanden, in Berührung zu kommen und auf tüchtige Lehrerarbeit zu verweisen. Zu dem Behufe legte ich gediegene Fachblätter vor. Was werden nun die Herren von uns halten, wenn sie die unsachliche Fehde verfolgen (ich halte nämlich eine Zeitung auch dann nicht zurück, wenn sie mich bespritzt) und dann die uns zukommende große Aufgabe in Vergleich ziehen? I Können sie uns ernstnehmen? Wer vor dem Kriege Parlamentarier belauschte, konnte diesbezüglich oft harte Urteile über unsere innere Zerfleischung und die Eigenbrötelei hören. Nun sollte sich das durch den Ernst der Zeit nicht geändert haben?! Es steht soviel für unfern Stand und durch ihn für das Vaterland auf dem Spiele, daß jeder, der nicht ehrlich tätig ist, ob nun zustimmend oder berichtigend oder ablehnend, — aber um des Himmelswillen immer rein sachlich — geradezu ein Verbrechen begeht. Verdrehungen, Verdächtigungen, zu einem bestimmten persönlichen oder parteilichen Zwecke aus dem Zusammenhang gerissene Sätze, Verstümmelungen u. a. dieser Art, das alles kennzeichnet nicht allein das Einbekenntnis der Schwäche, sondern ist auch unlauter, eines Jntelligenzstandes unwürdig. — Ob nun diese durchaus freundschaftlich gehaltenen Zeilen wirken oder nicht, das wird an meinem Vorgehen nichts ändern; ich schreite nach der festgezogenen Linie, die nach der Staats-Volksschule und nach anderen staatserhaltenden Neuerungen läuft, und wäre mir darob jedes Türchen zu Titeln und Würden versperrt. Doch zum Wohle der Schule mußte ich meine Gegner — man sollte sie eigentlich „Feinde" nennen, weil sie die Person treffen wollen — bitten, die hohe Meinung, die uns gerade durch den Krieg in führenden Kreisen zuteil geworden, nicht zu schmälern oder gar zu vernichten. — Damit man an Stellen, wo ich unfern durch den Krieg wesentlich verstärkten guten Ruf blank erhalten missen möchte, nicht erfahre, wie klein und wie persönlich noch manche in unfern Reihen sind, berge ich die Bitternis in dieses „fliegende" Beiblatt, auf daß ich den Brief, einbezogen in die Zeitschrift, nicht nach oben zu leiten brauche. — Frieden will ich nicht, meine Herren, sondern den läuternden, den ernsten, den ehrlichen Streit! Hoffentlich kommt die Zeit, in der wir einander zurufen können: „Beide Teile haben zum Gelingen beigetragen." Peerz. Buchdruckerei I. PavUcek, Aottschce. Wovemvcr 1916. Schule und Vaterland Zeitschrift für bodenständige Jugenderziehung und Volksbildung in Österreich-Ungarn. Bezug»gebiihr einschl. der _ , ,, ,,»lättet" 6 K (6 SR, 7 §) Geleitet «eschäsllicher ausschließlich jährl. Einzelnummer 60 h von an die „Verwaltung der (60 VI, 70 cti. -(Ir fr BlLtiersür den «btcilungs- Postspark. Nr. 58.218. ™M6orf *ccri* unterricht in Laibach". Handschriften und Blichcr an den Schriftleiter, Feldpost 11 ober: Mic» ln Böhmen. — „Schule und Vaterland" kann gesondert nicht bezogen werden. Oesterreichs ilehrerhel-en in dem Großen Kriege 1914-16. Ignaz Söhm Korporal beim Ldw.-Jnf.-Reg. Nr. 6, den „eisernen Sechsern", rückte am 27. August 1914 nach Eger ein. Bor seinem Abgange ins Feld ließ er sich kriegstrauen. Am 20. Oktober 1914 zog er auf den serbischen Kriegsschauplatz. Biele und heftige Kämpfe sahen ihn als tüchtigen Streiter für das Vaterland. Allgemein siing eines Tages das Gerücht, er sei gefallen. Glücklicherweise kam jedoch nach einiger Zeit Nachricht von >Hm aus einem Epitale zu Neusatz, wo er an Ruhr krank darniederlag. Nach Herstellung rückte er zu seinem Kader nach Eger ein und ging sodann zum zweitenmale ins Feld. Bei Erstürmung einer Anhöhe bei Lubatow M Russisch.Polen fand er am 7. August 1915 infolge eines Schusses in die Wirbelsäule den Heldentod. Am Rande eines Wäldchens bettete man ihn unter militärischen Ehren allein in ein Grab. „Körners Gebet" war der letzte Gruß, der in sein letztes Heim scholl. Böhm war hochgeschätzt bei der Mannschaft und den Offizieren wegen seines stillen und bescheidenen Wesens, das ihm auch daheim im Verein mit seinem edlen Charakter die Zuneigung aller Kreise erwarb und ihm so ein ehrendes Gedenken für und für gesichert bleibt. Er hinterläßt Eltern, Geschwister und eine Witwe mit einem Knäblein. Geboren wurde Böhm 1889 zu Schanz bei Marienbad, besuchte die k. k. Lehrerbildungsanstalt in Eger, erwarb sich 1909 das Reife- und 1911 das Lehrbefähigungszeugnis und war Lehrer in Neuern (Böhmerwald), dann in Lampersdorf (Trautenau), Auschowitz und Sangerberg (Marienbad) und zuletzt in Dreihacken (Marienbad), wo er Lehrer 1. Klasse wurde. Warienvader ZSezirüskeyrerverein. Tage -er Entscheidung. Mit der Teilnahme Rumäniens an dem Weltkriege treten die Linien des Weltgeschehens allmählich deutlicher hervor. Was der historische Sinn des Einzelnen längst gefühlt, erhält Formung, wird sichtbar. Rußland hatte seit hundert Jahren kein anderes Ziel im Auge als Konstantinopel, das Tor zum Welthandel. Im Norden der grimme Gesell Winter, den keines Menschen Hand zähmen kann; im Westen mächtige germanische Reiche, vor allem Deutschland; im Osten den lauernden Lux Japan; im Süden die Türkei und die ändern Balkanstaaten. Die Abwägung ergab: Der unmittelbarste Zugang zum Weltmärkte führt durch das Reich der (Dsmanen; dieses ist in sich zerfallen, aufgewühlt. Also muß hier der (Erfolg, der beste, der einträglichste Erfolg, am ehesten winken. Kein wunder also, daß Rußland immer wieder den Versuch unternahm, der Türkei an den Hals zu springen, um einmal als Anwalt der kleinen Balkanvölker, ein andermal aus purem Freiheits-drange, ein drittesmal als Förderer europäischer Ordnung zu gelten. Selbst die Religion wurde als politisches Mittel benützt, d. H. zum Streitfall genommen. Ach, daß man um Gründe nicht verlegen ist, wenn man den Krieg will, hat die jüngste Zeit mehr denn je gezeigt. Rußland hat plump, wie es eben in allem ist, seine Karten jedesmal vorschnell aufgedeckt, d. H. damit seine eigensüchtige Absicht kundgetan. Es ist daher klar, daß die Versuche, sich im Balkan häuslich niederzulassen, an dem Widerstande der interessierten Mächte scheiterten. Als nächster Nachbar des Balkans und kluger Geschäftsmann war unser Vaterland auf der Hut. wäre es Rußland gelungen, ins Mittelmeer hinauszubrechen, so wären wir vom Weltmärkte abgeschnürt worden oder hätten zum mindesten unsere Kunden auf dem Balkan und nach dem Osten hin eingebüßt. Wer vermeint, Rußland sei in der Industrie nicht entwickelt, könne also nicht konkurrieren, kennt seine Betriebe und vor allem die im südlichen Teile nicht. Der Krieg hat es wohl am deutlichsten dargetan, daß wir das Zarenreich in manchen Dingen arg unterschätzten. Unter anderem auch hinsichtlich der Industrie. Würde es Rußland gelungen sein, sein Handelsziel zu erlangen, so wären wir zum Siechtums verurteilt worden. Wo in aller Welt hätten wir unsere Waren absetzen können? Deutschland und die Schweiz sind selbst Erzeuger; Italien ist arm, kann uns also nichts bezahlen; Rußland versorgt seine Märkte, wenn es schon von auswärts etwas bezieht, lieber von Frankreich herüber; das weite Meer beherrschen andere Staaten. Nun ist es aber klar, daß ohne Einnahmsquellen jeder Staat zugrundegehen muß, weil er ja nicht alles, was er braucht, aus eigenem decken kann, sondern vieles von auswärts bezieht. Wie soll aber das möglich sein, wenn es an Geld fehlt, wenn wir nichts an Mann bringen? Ja, unser Boden könnte das ersetzen, was uns an waren abgeht; allein zu dem Ende müßte er weit erträglicher gestaltet, also tüchtig bewirtschaftet werden. Das ist nicht der ^all; also bleibt diese Post aus. Wir mögen es drehen, wie wir wollen: Die Vorherrschaft Rußlands auf dem Balkans wäre abgesehen davon, daß es uns sodann förmlich umklammert und schließlich erwürgt hätte, unser Untergang gewesen. Es ist daher erklärlich, weshalb die Monarchie jedesmal Gewehr-bei-Fuß stand, wenn der Bär nach dem Süden zu trotten begann. — Als nun im Jahre J866 große Kriege uns geschwächt hatten, lauerte er auf den Augenblick, wieder einmal aus seinem Verstecke hervorzukriechen. Doch da er sich vermaß, den Weg auf Byzanz zu zu nehmen, war der treue Wächter des Balkans wieder zur Stelle und an seiner Seite ein zweiter, der heute mit ihm Schulter an Schulter steht: — Deutschland. Der Berliner Kongreß, das war Rußlands bitterste Enttäuschung. Was tun? „Versuchen wir die Fahrt in den Großen Ozean hinaus, trachten wir über das morsche China hinweg in die Kauffahrtstraßen der Erde vorzudringen; der Lux da auf den Inseln (Japan) wird uns nicht hindern können I" So sprach man an der Newa und legte alsbald Schienen durch Sibirien hinüber. Doch mächtig wie heute wir reckte sich Japan und schlug den Bären nieder. Lange konnte er sich nicht erheben. Als er wieder bei Kräften war, wandte er sein Auge neuerdings gegen den Süden, gegen den Balkan. Diesmal wollte er klüger sein. Nr. l sollte der Wächter (Glterreich-Ungarn) beseitigt werden. Nr. 2 mußten Bundesgenossen heran, denn der schirmende freund (Deutschland) ist zu mächtig. Also ergriff er mit Freude die Hand des Franzmanns und die des tückischen Engländers. „Na, jetzt kann es nicht fehlen I" So sagte es in Petersburg einer zum ändern. — Welch bittere Erfahrungen Rußland die zwei Jahre her gemacht hat, wissen wir alle. Statt der erträumten Herrschaft im Wittelmeere mußte es fruchtbare Teile seines Besitzes preisgeben und Zusehen, wie eine Armee nach der anderen niedergemäht wurde. Daran konnte auch der Verrat Italiens nichts ändern, von den Zwergstaaten Serbien, Montenegro und Portugal gar nicht zu reden. — Nun gab es nur noch ein Mittel, das Ziel zu erreichen: Rumänien sollte nicht allein den Durchzug erlauben, sondern selbst mittun. Es gelang, den Räuber zu dingen. Allein damit hatte die Klugheit unserer Staatsmänner und Feldherren und derer im Deutschen Reiche draußen gerechnet. In den Balkan hinunter sah ich bereits Ende April, als ich in Ungarn weilte, deutsche Truppenzüge brausen. „Wozu?" fragte sich der Uneingeweihte. „Da drunten ist ja nichts los!" — Der Weitblickende klügelte anders, nämlich so: „Zurück kann Rußland nicht mehr. Wenn ihm jetzt der Durchbruch zum Mittelländischen Meere nicht gelingt, so ist es aus mit dem Traum, auf Jahrhunderte hinaus. Daher wird es seine ganze noch vorrätige Kraft aufwenden, über Rumänien hinweg unfern Bundesgenossen Bulgarien zu überrennen, um die Türkei zu fassen und Konstantinopel zu nehmen." — Und so wurde es versucht. Rußland führte seinen Hauptstoß gegen die Bukowina. Sie fiel; aber der Weg war deshalb nicht frei. Einer der größten deutschen Feldherren stand alsbald in der Dobrudscha, ein zweiter faßte den Handlanger Rumänien von der Seite her und in den Karpathen bieten unsere Braven trotz. Aber das ist nun klar: Da hinab durch Rumänien zieht die blutige Linie; in ihrem Bereich wird für uns die Entscheidung fallen. Den Welschen haben wir selbst dann, wenn er über die Karsthöhe kommen sollte, mit einem Fußtritt draußen; das Rumänenpack zerschmettern wir wie Serbien und Montenegro; nur der Russe, der für seinen alten Lieblingsplan, dessen Gelingen für ihn das Leben bedeutet, dessen Fehlschlagen aber sein Tod ist, alles einsetzt, macht uns viel zu schaffen, kaffen wir im letzten Stadium, das sich mit dem größten Aufwands geführten Ringen nach der Herrschaft im Mittelmeer kundgibt, aus, dann kann es geschehen, daß Rußland sein Ziel erreicht und alle unsere Vpfer vergeblich waren. Dann sind wir aber, wie dies oben dargelegt wurde, dem Siechtume ausgeliefert. Halten wir jedoch durch, so ist die Straße über den Balkan hinweg bis hinein zum Indischen Vzean für unsere und die deutschen Waren frei und wir gehen einer glücklichen Zukunft entgegen. — Tage der Entscheidung kündigen sich sohin durch die großen Ereignisse an der rumänischen Front an. Warum ich dies alles, was ja (wenigstens stückweise) täglich in den Zeitungen zu lesen, ist, hier vorgeführt habe? Erstens, weil es zusammenhängend selten gereicht wird, uns aber ob der Ängstlichkeit in der Vorweltkriegszeit durch den Geschichtsunterricht nicht geboten wurde. Zweitens, weil eine klare Darlegung der Umstände den Millen zur Vpferwilligkeit stählt. Es wird am Lehrer fein, im Volke als Aufklärungsapostel zu wirken. So greife er zu und nütze die vorstehenden Ausführungen I Der Bauer hängt am Gewinn. Wenn man von hier aus, vom Wirtschaftsleben nämlich, den Weltkrieg in seine treibenden Kräfte auflöst, weckt man das rechte Werständnis und mit ihm den Entschluß, dem Waterlande in den Kagen der Entscheidung zu geben, was es braucht. 3760 Die Phrase gilt in einer Zeit, die uns stündlich das Gräßlichste, das Realste schauen läßt, nichts; nur eine vernünftige Überlegung, auf das kebensintereffe des Staates und das jedes einzelnen Bürgers eingestellt, vermag in die Seelen zu greifen und aus ihr Taten zu fördern. f}tefür wollt' ich den Amtsgenossen rüsten. — ^«erz. Aufgaben und Entwicklung des (deutschen) Schulwesens nach dem Kriege. Vorbemerkung: Unser g. Mitarbeiter, Universitätsprofessor Dr. AloyS Fischer in München, hielt am 14. März b. I. in Stuttgart einen aufsehenerregenden Vortrag über obiges Thema und sandte uns hierauf seine Ausführungen (in Druck erschienen bei Julius Klinkhardt in Leipzig, Preis 1 M.) ein. Ein Teil sei hier wiedergegeben; er paßt unter Einstellung von „österreichisch" statt „deutsch" haargenau auf unsere Verhältnisse, hilft also mit beim Neubau unseres Staates. P. Die Aufgabe der deutschen Erziehung, soweit sie heute feststeht und durch den Ausgang des Krieges nicht wesentlich berührt werden kann, die zugleich die Leitlinie der künftigen Entwicklung enthält, läßt sich in einen etwas langen Satz zusammenfassen. Die deutsche Erziehung muß dafür sorgen, daß ein gesundes, den Anforderungen des Lebens gewachsenes Geschlecht unsere Kultur und Schaffenskraft auf der Höhe hält, welche für unseren inneren Aufbau und unsere Wirkung in der Welt unerläßlich ist, ein Geschlecht, das in disziplinierter, verantwortungsbewußter Staatsbürgergesinnung an deutschem Geist und deutschem Wesen eine tiefgehende Orientierung erfuhr und dadurch die Kräfte entfalten lernt, welche für eine Wirksamkeit in unserem Sinne und unserer Auffassung erforderlich sind. Es soll die Aufgabe der folgenden Überlegungen sein, diesen langen Satz in seine Bestandteile zu zerstücken und die einzelnen Punkte dieser Aufgabe des deutschen Bildungswesens mit Einschluß ihrer Begründungen und Folgerungen zu erläutern. Ich beginne mit dem Anteil der Erziehung an der Sicherung des Nachwuchses selbst, seines Daseins, seiner Gesundheit, seiner Qualität. Die Sicherung von Deutschlands Zukunft, die Auswertung eines Sieges unserer Waffen, die rechte Ernte nach dem Kriege hängt in erster Linie von unserer künftigen Volkskraft ab. An diesem Satz wird nichts mehr zweifelhaft, wie auch die Ereignisse weitergehen mögen; und für einen weniger günstigen Ausgang, als wir ihn alle hoffen und jetzt voraussehen, gilt er erst recht. Zugleich hat dieser Satz auch pädagogische Bedeutung. Ehe wir uns den Kopf darüber zerbrechen, wie wir die Kinder und Jugendlichen erziehen sollen, müssen wir sicher sein, daß Kinder da sein werden, genug Kinder, um die für Deutschlands Wiederaufbau und Ausbau nötigen Kräfte zu stellen, Kinder mit der hinlänglichen Lebenskraft und Begabungsqualität, ohne die der Reichtum der Wirtschaft, die Mannigfaltigkeit unseres Berufslebens, die Vielzahl unserer Kulturaufgaben nicht erhalten werden könnten. Die Fragen der Bevölkerungspolitik sind freilich nicht in erster Linie pädagogische Fragen; in der Sorge für das Dasein des Nachwuchses müssen wir uns zunächst auf die Lebensinstinkte selbst, auf die Gesundheit unseres Volkes verlassen, und soweit die Vitalenergie sich nicht mehr hemmungslos entfalten könnte, weil wirtschaftlicher Druck, unrichtige ethische Anschauung, Schädlichkeiten unseres Genußlebens, psychische Rückwirkungen der gesellschaftlichen Zustände auf den Zeugungswillen einen für das Volkswachstum ungünstigen Einfluß üben, obliegt der Kampf dagegen als nationale Pflicht zunächst unseren Regierungen und Politikern. Gleichwohl bin ich der Meinung, daß die Sicherstellung unseres Nachwuchses eine Aufgabe ist, die auch pädagogische Seiten hat. Volkszahl und Volkskraft werden nämlich nicht bloß durch die Kinder geschädigt, die ungeboren bleiben, sondern mehr noch durch die Kindersterblichkeit in den ersten Jahren, besonders durch die Säuglingssterblichkeit. Während wir die Bekämpfung des „Geburtenrückganges“ sowie der ihm zugrunde liegenden ökonomischen Momente und die falsche Wendung der Rationalisierung des Geschlechtslebens der Gesetzgebung und Politik überlassen müssen, ist die Erhaltung der einmal Geborenen, die Fürsorge für die Kinder, eine in letzter Linie pädagogische Aufgabe. So führt uns die erste greifbare Forderung zur Sicherstellung von Deutschlands Zukunft, die Sicherung des Nachwuchses, auch zur ersten pädagogischen Reformforderung: zum Ausbau einer Kinderfürsorge großen Stiles. In den 43 Friedensjahren seit der Gründung unseres Reiches sind nach zuverlässiger Berechnung 15 Millionen Säuglinge gestorben. Man mag ruhig zugeben, daß ein Teil davon auch mit erhöhter Sorgfalt nicht hätte gerettet werden können, oder keinen rechten Gewinn unserer Volkskraft bedeutet 3761 hätte, trotzdem bleibt die Folgerung unvermeidlich: Hätte der größte Teil dieser Millionen über die Schädlichkeiten und Erschütterungen des ersten Lebensjahres durch planmäßige, großstilige Fürsorge hinübergerettet werden können, so wären wir schon in diesen Kampf um unsere Weltgeltung als ein 90 Millionen-Volk gegangen, (in Österreich-Ungarn starben um 30°/o mehr. D. Sch.) Die Notwendigkeit der Kinderfürsorge ist auch bereits vor dem Krieg allenthalben erkannt und betont worden, von Ärzten und Politikern, Parteien und Regierungen. Vor allem die Parteien, welche die breiten Massen unseres Volkes vertreten, sind nicht müde geworden, auf Kinderschutz und Kinderfürsorge zu drängen, durch charitative Vereine, Beratungsstellen, Aufklärung der Mütter, Stiftungen aller Art den Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit zu organisieren. Bis zum Krieg hat sich eine ansehnliche Kinderfürsorge auf dem Weg der Selbstorganisation der sozialen Hilfsarbeit entwickelt, im Krieg haben sich die Aufgaben und Anforderungen multipliziert, und in der nächsten Zukunft nach dem Krieg werden wir mit einer weiteren Steigerung der Ansprüche rechnen müssen. Die heute tätigen Stellen und Vereine beginnen, diesen Aufgaben ins Auge zu sehen, neue Formen der Fürsorge zu erwägen, von bloßen finanziellen Erziehungsbeihilfen und Erziehungsberatungen der noch im Familienverband verbleibenden Kinder an über ein ausgebautes System der offenen Fürsorge bis zur vollständigen Erziehung des familienlosen Kindes in geschlossenen Anstalten; sie suchen sich neue Quellen für die Mittel zu erschließen; sie arbeiten daran, die Hindernisse einer planmäßigen Kinderfürsorge zu beseitigen, die dort und da noch bestehen, namentlich mit Rücksicht auf Ehelichkeit und Unehelichkeit der Geburt, in der Befürchtung, daß eine großzügige Kinderfürsorge ein Anreiz werden könnte, leichtfertigen, ohne Verantwortungsbewußtsein eingegangenen Verbindungen und der Ehescheu Vorschub zu leisten. Gewiß ist jedenfalls, daß nach dem Krieg jedes Kind noch viel wichtiger für unseren Bestand sein wird als vorher; kein Kind, das der Fürsorge bedarf, darf unserer Achtsamkeit entgehen, darf verloren gehen. Dazu scheint es mir aber unvermeidlich, daß die Organisation der Kinderfürsorge aus dem Stadium der privaten Initiative und Veranstaltung in öffentliche Regie, in die Hände des Staates übergehe. Ich meine und behaupte nicht, daß die vielen bisher tätigen Personen und Körperschaften abgedankt werden müßten oder könnten, ich möchte auch nicht eine einfache Verstaatlichung der geschaffenen Einrichtungen befürworten, selbst für den noch nötigen Ausbau der Kinderfürsorge können wir nicht auf die Mitarbeit privater Kräfte und Vereinigungen verzichten; denn die vollständig durchgeführte Kinderfürsorge wird ein solches Heer von Helfern erfordern, daß ihre volle Verstaatlichung gleichbedeutend wäre mit der Schaffung eines neuen Amtsstandes, der kaum weniger kopfreich und gegliedert sein könnte als der Stand der Lehrer und Lehrerinnen. Ein solcher Stand kann aber nicht von heute auf morgen entstehen, wie die Geschichte des Lehrerstandes zeigt. Den Übergang der Kinderfürsorge in die Hände des Staates meine ich deshalb wesentlich im Sinne einer staatlichen Zentralisierung,1 Beaufsichtigung und sachverständigen Beeinflussung der zahlreichen und noch wachsenden privaten Fürsorgevereine, -anstalten und -personen. Der rein privaten, nicht zentralisierten Fürsorge können sehr wohl Kinder entgehen; dort, wo sie konfessionell oder parteipolitisch orientiert ist, schließt sie direkt den Verzicht auf Fürsorge für Kinder ein, deren Eltern nicht auf dem Boden des Vereinsprogramms stehen; sie muß gelegentlich mit Kräften arbeiten, die zwar willig, aber weder geschult noch psychisch geeignet sind für den Fürsorgedienst. Sache des Staates muß es werden, die Grundlagen, z. B. die statistische, dafür zu schaffen, daß kein fürsorgebedürftiges Kind der Fürsorge entgeht, daß die Hilfskräfte angelernt oder wenigstens durch verbindliche Instruktionen vor groben Fehlern bewahrt werden; ihm obliegt die Sorge der Überwachung, der Hintanhaltung von Mißbräuchen. Aber die Schaffung einer Reichszentrale für Kinderfürsorge ist nicht die einzige pädagogische Maßregel, welche uns durch die Notwendigkeit, unseren Nachwuchs sicherzustellen, nahegelegt wird. Ein erhöhtes Verantwortungsbewußtsein für die Kinder, ein lebhaftes Bewußtsein ihres Wertes und ihrer nationalen Bedeutung muß deutsche Volksmeinung werden, muß deshalb in allen Lehrenden selber stecken und durch sie namentlich auf reiferer Altersstufe auch der nachwachsenden Jugend eingepflanzt werden. Hieraus ergeben sich wichtige Aufgaben insbesondere unseres Mädchenbildungswesens. Die Entwicklung unserer weiblichen Erziehung wurde in den letzten Jahren vor dem Kriege in zusehends immer stärkerem Maß von einer Tendenz beherrscht, die sich aus der mannigfach veränderten Lage des weiblichen Geschlechtes mit Notwendigkeit ergab, von der Tendenz zur beruflichen Arbeit. Die Frau strebte selbst nach Eingliederung in das System der Berufe, der Bedarf 1 In Ö.-U. unerläßlich. D. Sch. 3762 unserer Industrien an Händen ermunterte sie dazu; die überhandnehmende Notwendigkeit, auf Ehe, Kinder und Haushalt zu verzichten, wurde auch zum Motiv, dem Leben in der Arbeit einen wertvollen Inhalt zu geben. Hand in Hand mit dem Streben der Frau nach Beruf und Erwerb — gleichgültig, wie dies motiviert sein mochte — ging der Wandel in der weiblichen Erziehung, insbesondere der Ausbau des Mädchenschulwesens. Es differenzierte sich gerade unter dem Einfluß des Berufsgedankens, zeigte eine wachsende Neigung, sich in der Richtung einer planmäßigeren Vorbereitung des weiblichen Geschlechts auf Berufe zu entfalten. Ich erinnere nur an die, freilich noch umstrittenen, achten (obersten) Mädchenklassen der bayerischen Volkswerktagsschule mit ihrem hauswirtschaftlichen Elementarunterricht, an den Kampf um die Pflichtfortbildungsschule für weibliche Jugendliche und an ihre Gliederung in den großen Städten, die sich der Verschiedenheit der weiblichen Gewerbe anpaßt, bezw. der im Handel, in der Landwirtschaft und Hauswirtschaft tätigen Frau eine vertiefte Auffassung ihrer Arbeit vermitteln will. Auch auf dem Gebiete der höheren Mädchenbildung hat der Berufsgedanke umgestaltend gewirkt; Lehrerinnenseminar und Frauenschule sind Berufsschuhen; Lyzeen und Oberlyzeen und höhere Töchterschulen haben auf Examina vorbereitet und Aussicht auf Stellungen eröffnet; der Zugang der Mädchen zu höheren Knabenschulen und zu den Hochschulen weist auf die gleiche Tatsache des vermehrten Zustroms weiblicher Kräfte zum Berufsleben. An den deutschen Universitäten betrug die Zahl der weiblichen Studenten im Jahre 1908 2,37% der Gesamtziffer (1132 Studentinnen); im Winter 1914 6,15% (4128 Studentinnen); an den technischen und landwirtschaftlichen Hochschulen stieg in den gleichen Jahren die Zahl der studierenden Frauen von 15 auf 62, an den Handelshochschulen von 59 auf 179. Und wenn auch vorzugsweise die Disziplin der philosophischen Fakultät, besonders Geschichte und Philologie, und die Medizin die Gegenstände des Frauenstudiums bilden, so ist dies doch keineswegs auf sie beschränkt; auch Architektur, Jurisprudenz, Nationalökonomie, Pharmakologie, Ingenieurwesen, Elektrotechnik werden von Frauen studiert. Die Tendenz des weiblichen Geschlechtes nach vertiefter beruflicher Ausbildung, die wir in den letzten Jahren vor dem Krieg unser Mädchenschulwesen mehr und mehr beherrschen sehen, hat zweifellos viel Gesundes; wir müssen alle Bemühungen um die ökonomische Verselbständigung der Frau begrüßen, und die Berufsarbeit ist eine solche, die zugleich schaffende Kräfte entbindet und das Leben mit beglückendem Inhalt bereichert. Im Krieg ist der Zwang, Frauenkraft in das System der nationalen Wirtschaft einzugliedern, noch gestiegen; die Frau füllt Lücken aus; und gewiß wird sie auch nach dem Krieg nicht aus der Wirtschaft verschwinden wollen und können. Ich werde später ausführen, daß deshalb dei Berufsgedanke auch für die Zukunft des weiblichen Bildungswesens seine Bedeutung nicht verlieren kann. Aber die ganze geschilderte Entwicklung ist auch nicht ohne Gefahr; man muß sie ins Auge fassen, um ihr begegnen zu können, gerade wenn man das Streben der Frau nach dem Beruf im ganzen billigt. Die Frau darf nicht, auch wenn sie beruflich ausgebildet wird, beruflich arbeitet und arbeiten muß, aus falschem Ehrgeiz oder überspannten Wirtschaftsmotiven zur Mißachtung ihrer Stellung als der Bewahrerin des Lebens verleitet werden oder gar sich selbst eine solche Mißachtung ihres Naturberufs einreden. Gerade die Gegenwart lehrt uns deshalb im Interesse der Sicherung unseres Nachwuchses, was für alle Mädchenbildung, niedere und höhere, allgemeine und fachlich spezialisierte als obligatorischer Bestandteil unentbehrlich ist: ein hygienischer, hauswirtschaftlicher, elementarpädagogischer Unterricht, um in ihnen, auch wenn sie zunächst einem Beruf zustreben oder auf einen Beruf gar nicht verzichten können, doch das Bewußtsein der Geschlechts-bestimmung mit dem Glanz und der Würde zu umgeben, die sie verdient, um die Mädchen sich von dem Werte überzeugen zu lassen, den die Mutter im Dienst der Nation und ihrer Zukunft hat, um einige Vorkenntnisse zu vermitteln, durch die der Frauen- und Mutterberuf besser verstanden und erfüllt werden kann. Es wimmelt von Vorschlägen, wie dies geschehen könne; die einen begnügen sich mit einem besseren haus wirtschaftlichen Unterricht in der Fortbildungsschule, andere verlangen ein halbes oder ein ganzes Jahr Verlängerung der Fortbildungsschulpflicht, während dessen die Mädchen in praktischem Dienst in Krippe und Hort, in Anstaltshaushalten, in landwirtschaftlichen Betrieben und verwandten öffentlichen oder öffentlicher Kontrolle unterstellten Anstalten sich für die Arbeit der Hausfrau und Mutter ausbilden können — gleichgültig ob sie nachher in den Dienst, in eine Fabrik gehen müssen, beruflich arbeiten wollen oder nicht. Der weitestgehende Vorschlag — selbst wieder in viele Auffassungen zerteilt — sieht ein ganzes nationales Dienstjahr der Frauen vor. Sieht man von allen Begründungen und Erwartungen ab, die von den verschiedenen bürgerlichen Parteien an das Dienstjahr geknüpft werden, so kann man es als eine großstilige Erziehungsmaßregel auffassen, durch die sich das weibliche Geschlecht befähigt, die Aufgaben als Frau und Mutter besser zu verstehen und zu erfüllen, und darüber hinaus im Bedarfsfall unmittelbar an Aufgaben des Staates mitzuarbeiten, soweit diese besonders auf die durchschnittliche Eigenart der Frau angewiesen sind, durch sie jedenfalls 8763 besser und zweckentsprechender geleistet werden können als durch den Mann. Ich gehe auf diese verschiedenen Vorschläge nicht ein; m. E. wird die Lösung mindestens eine Verbesserung unserer Mädchenbildung bringen müssen und den in kleinem Maß unternommenen Versuch, ein weibliches Dienstjahr einzuführen, bringen können. Ich möchte nur hervorheben, daß allen diesen Vorschlägen für die Schulung unserer weiblichen Jugend in Hauswirtschaft und Kinderpflege die im Krieg wieder allgemein lebhaft gewordene Überzeugung vom Volkswert des Nachwuchses als eines der wesentlichen Motive zugrunde liegt. Dafür Motive zu schaffen, daß Kinder da seien, daß der Wille zu Kindern und die Fähigkeit, sie zu erziehen, nicht zurückgehen, ist die pädagogische Maßregel zur Sicherung unserer Volkskraft, ebenso wichtig wie der Ausbau der öffentlichen Fürsorge für das familienlose Kind. Wie der Krieg um seine Früchte betrogen würde, wenn unsere Volkszahl bedrohlich zurückginge, so würde sein Ertrag auch gefährdet, wenn die nachwachsenden Geschlechter nicht körperlich gesund und leistungsfähig wären. Die Notwendigkeit einer körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend ist ja vor dem Krieg schon allenthalben erkannt und vertreten worden; aus verschiedenen Motiven, aus Sorge um die nationale Wehrkraft, auf die eine sinkende Tauglichkeitsziffer namentlich bei der Jugend unserer höheren Schulen hinzu weisen schien, aus eudämonistischen Gründen, weil Gesundheit ein Bestandteil des Lebensglückes sei, aus ethischen Motiven, weil jede Kraft und Fähigkeit, auch die Muskeln, die Sinne, der Körper dem Menschen als ein Pfund gegeben sei, mit dem er wuchern müsse, aus ästhetischen Gründen, weil ein gesunder, wohlgebildeter und durchgeschulter Körper einen eigenen Körper und eine eigene Schönheit hat, weil die Harmonie und allseitige Vollendung des Menschtunis den gesunden Geist im gesunden Körper fordere, und Kultur auch Kultur des Körpers, seiner Bewegungen, Kräfte und seines Ausdrucks sei. Und ebenso verschieden wie die Motive waren auch die Wege, auf denen vor dem Krieg die körperliche Ertüchtigung der Jugend angestrebt wurde: das Spielen und Wandern, das systematische Turnen, der Sport im Sommer und Winter, das nach militärischen Gesichtspunkten ausgestaltete Turnen, die mehr ästhetischen Absichten entsprechenden Formen einer rhythmischen und kallisthenischen Gymnastik. So gewiß die körperliche Ertüchtigung auch schon vor dem Krieg als Aufgabe aller Erziehung erkannt und verfolgt wurde, so gewiß ist doch andererseits erst der Krieg der Lehrmeister gewesen, der uns die Unersetzlichkeit der reinen Vitalitätswerte, ihre grundlegende Bedeutung nicht nur für die nationale Verteidigung, sondern auch für die Wirtschaft und Berufsarbeit Deutschlands vor Augen geführt hat. Wir könnten, trotz eines vollen Sieges unserer Waffen, den Krieg in anderem Sinn verlieren, wenn ein körperlich schwaches Geschlecht den Aufgaben erläge, die der Friede bringt, wenn es den Sieg der Waffen nicht ausnützen, den Erfolg nicht festhalten könnte. (Schluß folgt.) Hymne im Weltkrieg. (Nach der Weise der österreichischen Volkshymne.) Gott erhalte, Gott beschütze Kraftvoll ist der Bund geschlossen Unsern Kaiser, unser Land! Hoch vom Belt bis Jemens Flur; Braust es, Orgeln; dröhnt, Geschütze: Lichte Wahrheit fand Genossen, Führ’ uns, Herr, mit starker Hand! Beben macht den Feind ihr Schwur: Gib dem Kaiser deinen Segen, Nicht erlahmen, nicht erkalten Mehr’ des Reiches Macht und Ehr’; Soll der Wille, der uns eint; Sieg erblühe allerwegen Schwertes Schärfe möge walten, Ostreichs heldenhaftem Heer! Bis des Friedens Sonne scheint. Not und Tod will uns umfangen. — Höher schwillt die Zuversicht: Durchgehalten sonder Bangen, Stark an Mut, der Eisen bricht. Hier des Rechtes heil’ge Flammen, Dort des Hasses wilder Brand. Felsenfest steh’n wir zusammen, Ewig treu dem Vaterlandl Laßt des Kaisers uns gedenken, Der auf hoher Warte wacht, Wenn mit gierer List und Ränken Gegner schleichen durch die Nacht. Er ist aller Fürsten Krone, Edles Bild der Menschlichkeit. Heil Franz Josef I schallt’s zum Throne, Weithin in die fernste Zeit. Karl Krobath (Gottschee). Helden im Hinterland. 3. Zwei tapfere Frauen. a) Gräfin Dora Kottulinsky. Der Morgennebel lag noch- auf dem breiten welligen Boden, in dessen Senkung sich der Attersee gelegt hat. Da rollte unsere Wiesenbahn wie das Spielzeug des kleinen Hans durch die üppigen Fluren. Bei der Haltestelle Kogl mahnte der Schaffner den träumenden Gast. Nun hieß es aussteigen, war doch als^Ziel das Schloß im grünen Busch erwählt worden. Als ich mich umgesehen, als ich in der Lichtung des Schwadens das herrliche Land in dieser Felsenecke bewundert, mit all seinen wechselnden Reizen in die Seele ausgenommen hatte, wandte ich mich zum Park, aus dessen Grün rote Giebel ragten. Die Sonne brach eben durch die ziehenden Massen und aus tausend funkelnden Äuglein sah mich der Wald von borstigen Gesellen, um die blumige Sträucher wie liebliche Frauen kosten, an. Ein „Gut-Morgen I", wie ich's seit Jahren nicht empfing! — Es war noch still im Gehege; so konnte ich all die Herrlichkeiten des Schloßparkes in Ruhe genießen. Er ist über einen weilen, saftigen Plan gebreitet; der Blick findet schier keine Grenzen. Und diese Fülle reizender Einzelbilder! Hier prangt eine Hecke im Brautschmuck, dort glüht ein Bäumchen in Purpurfarben; hier äugt aus dem samtenen Teppich schelmisch ein Blumenbeet, dort tändelt eine Schlingpflanze durch das Geäst; hier wiederum eine Staude im Sonntagsstaat, dort ein Stelldichein von Fichten mit glänzenden Spitzen. Eine Festversammlung in einem leuchtenden grünen Saale. Ich kann mich von dem Zauber nicht trennen . . . Doch, trottet da nicht jemand über den besandeten Weg? Ich horche. Ja, ein jam- bischer Schritt. Der Mann ist an einem Beine gelähmt; das zeigt der Rhythmus an. Ich will den Morgeuwanderer hier an der Ecke erwarten. Er ist da. Sein Auge weilt auf den bunten Farben. Erst, als ich ihm zugerufen: „Ei, Herr Kamerad, wohin so früh?" blickt er auf und hat mit einem Ruck die Hand an der Kappe. „Mühen Sie sich nicht! Halten Sie lieber den Stock!" — Das Auge des Angeredeten leuchtet auf; das gibt mir Mut, aus dem Manne zu holen, was ich suche. „Nun, wo fehli's? ’n Fuaß hal's mir da drunt' zerrissen. Ei, das macht nichts; das wird sich schon geben! Manch anderer hat viel Böseres davongetragen. Selben is wull woahr I Aber da drinnen im Blasbalg stimmt's a nit mehr recht. Doch i hoff', 's wird besser, denn die guate Frau Exzellenz sorgt ja so für uns und timt grob all's, was a Mensch Guats tuan kann." Unb-jnun sprudelt jesH aus?^der^'übervollen Seele des Glücklichen wie aus dem Berge, der den'Quell nicht mehr zähmen kann. Der Invalide beichtet, wie er in den Räumen des Schlosses ein gastlich Heim gesunden, wie von früh bis abends das sorgende Ange der Gräfin auf ihm ruhe und die weiche Hand der Genossin, der Gräfin Resita Ceschi, geb. Prinzessin v. Isenburg, ihn betreue, wie dort unter den hohen Stämmen mittags die stärkende Suppe dampfe, wie der müde Krieger jetzt im Bade und dann im Dust des Schloßparkes erstarke, wie für alles, was das Herz beschwert, gleich der Arzt, der Berufsberater, der politische Anwalt (Graf zur Lippe) zur Hand, wie nicht allein für ihn, sondern auch für seine Lieben alles vorgekehrt sei, die Not abzuwenden, wie im zwanglosen Geplauder mit Kameraden der Tag rasch vergehe, wie überall, wohin er sieht, die Sanftmut mit süßem Trost die Wunden heile. Es war ein selig Genießen, so viel Edles in großer Zeit aus dem Munde eines Kriegers zu ver-uehmen, der nicht ahnte, was der Feldgraue, der ihn ausforschte, eigentlich vorhabe. Sonst ist es ja zumeist umgekehrt: der Landsturmmann benützt einen glücklichen Zufall, um einmal seine Klagen anzubringen; jder Naturpilger |ba im Busch um das Schloß Kogl im Attergau jedoch ließ das Glück vom Herzen fließen. — Es ist klar, daß durch die Schilderung meines feldgrauen Kameraden in mir eine gehobene Stimmung das Interesse spannte, all das, was der beredte Mund geboten, in Wirklichkeit vor mir zu sehen. Also beschleunigte ich meine Schritte. Aus vielfach gewundenen Pfaden kam ich ans Schloß heran. Es stand breit vor mir, getaucht in einen Flor von blühenden Schlingpflanzen. Den Nord wehrt ein stämmiger Forst ab, nach Ost und West ziehen Hallen von grünendem Geäst; den Süden öffnet ein weites Feld, voll der herrlichsten Blumen. Von der Terrasse aus, um die sich blaue und rosige Kinder des Lenzes drängen, herab zu sehen zu den bunten Völkern im Rasen und dann mit dem Blick über die grünen Wellen des Hügel-landes zu gleiten, den Blitz des Wasserspiegels dort in der Mulde aufzusangen und dann auf dem Firn des Hochgebirges ausruhen zu lassen — das ist das Schönste, was je als Bild in meine Seele eingezogen. Und nun mitten drin in dieser Wunderwelt der einfache Kriegsmann, den echtes Heldentum geadelt hat, so daß eine hohe Frau ihr ganzes Sorgen um ihn legt — ein Eindruck, würdig der großen, der ehernen Zeit. . . „Exzellenz läßt bitten I" Ich trete in einen Vorraum. An 30 Invalide salutieren. Dann geht es durch eine Flucht von prächtigen Räumen, von deren Wänden Bilder, von Künstlerhänden gemalt, grüßen, dann durch reichausgestattete Zimmer; im Lesesaal wird haltgemacht. Tausende von Bänden füllen die Schränke. In der Mitte ist ein großer, mit Neuestem vom Büchermärkte bedeckter Tisch. Da ich noch einsam vor dem Haufen stehe, lasse ich den Blick flüchtig über sie gleiten. Alles Krieg und Fürsorge. Hie und da lugt ein guter Bekannter herfür. Die Gräfin scheint das Gesamtschrifttum über Zeitfragen aufzustapeln. Da ist sie, die hohe Frau! „Ei, das freut mich, daß jemand, der unsere Braven in der Front kämpfen gesehen, nun auch um ihr Geschick im Hinterlande Sorge trägt! Das wird die guten Menschen mit Stolz und Zuversicht erfüllen.'' Das weitere Gespräch ergibt die Bestätigung dessen, was ich aus den Mitteilungen meines Morgenwanderers mir an der Schnur von Schlüssen zusammengereimt hatte. Als die edle Frau gleich zu Beginn des Krieges die ersten Opfer sah, lud sie sie in ihr Schloß ein; sie, die für das Vaterland geblutet haben, sollten würdig sein, in den fürstlichen Gemächern und in den herrlichen Anlagen ihre Gesundheit wieder zu finden. Ein eigener Arzt wurde bestellt, aus daß die Kur geregelt verlaufe; die Dienerschaft wurde angewiesen, den Kriegern alles zu bieten, des sie bedürfen; der Seelsorger war ständiger Gast; ein Forstmann wurde Berater, ein Beamter der Bezirkshauptmannschaft der Anwalt in behördlichen Angelegenheiten. Die Kanzleigeschäfte, die Stellenvermittlung, den Briefverkehr mit den Familien der Invaliden, das alles besorgte die Gräfin selbst. So bot sich mir ein Bild edelster, aber auch vollkommenster Arbeit im Dienste des kämpfenden Vaterlands. Als ich Abschied nahm, bekümmerte mich eine Frage, die ich trotz aller Begeisterung für das Geschaute an die Wohltäterin zu stellen hatte. Wie wird sie meinen Wunsch aufnehmen, der darauf hinausging, das geschaffene Werk in die große Jnvalidenorganisation einzugliedern und sich solcherart dem System unterzuordnen? Doch kaum hatte ich tastend begonnen, so rief mir die, die alles aus Eigenem schuf und im Ganzen erhält, freudig zu: „Aber selbstverständlich! Ich bin ja froh, daß endlich einmal etwas Großzügiges im Werke ist I Nur wo persönliche Eitelkeit als Triebfeder waltet, sträubt sich die Sonderbündelei gegen das Regiment. Mir gilt als Höchstes ein dankbarer Blick aus dem Auge des Geretteten und die Zahl derer, die ich für Staat und Familie zurückerobert habe. Als einfacher Soldat in dem großen Ringen gegen die soziale Not begebe ich mich gerne unter ein strammes Kommando." — Frauen von Stand und Seelenadel, erbaut Euch an diesem vornehmen, selbstlosen Handeln, strebt der Edeln nach und besiegelt dadurch das Wort: „Im großen Weltkriege hat hinter der Front die Frau echtes Heldentum durch die Tat bekundet." — Ufteti. b) Arau Kicka Zielinek-Wal; — die „ *3'SS? Mb Wiener Äinderschwester". Künast waren tn einem der Verwundetensäle der Klinik Eiselsberg mit Ausnahme Bulgariens Vertreter aller ^entralmächte anzutreffen. Gleich linkerhand lagen ä? sauberen Betten zwei biedere Hamburger; im Sp.tal 3a. sie einander als zu einunddeinselben Regimente ge» £ Nieder gefunden! Der eine, im Zivil ein Privat-beamtet erzählte von der Flucht der Rumänen aus Siebenbürgen „Nur schade," setzte er hinzu, „daß'ch Mt mehr mitkönnte, dem Schurken noch 'neu Fußtritt tu versetzen 1" Der andere war milder; er freute sich nür mal königlich über die feinangelegte Offensive von Süden her. „Der Mackensen, na der wirb dein Näuberqesindel schon noch zu schaffen machen! ®o .„jschte er feine Genugtuung in ein vergnügliches Lachen. © eich daraus zog sich sein Gesicht in Falten. „Ver-dämmt d e Ge ch chte da im Bein schmerzt ganz er-bä m ch; aber 's macht nichts, für die Augenweide bf den siebenbürgischen Bergen läßt es sich humehme- ip h und Ertraaen ‘u!Icn tn erschi^. er wie ein L>chwarz über. m ^ves Verwundeten _ Zwei wackere Gesellen; Leid und Ertragen sich in Zuversicht auf. -, r fi=ftr^e Gegen* Nebenan lag ein Türke. Dieser kvst'^ satz: in weiße Linnen gebettet, Mohr; das Braun ging in ' Ans dem Täfelchen über dem ^ ^ mjr ^rmer stand tu lesen: Schwerer Rückenmarkschuß. „Also verloren^ Pmoer nichts wußte und .Wirsmd ‘'t68,ame“bt"' *Sm*a um diesilbe Sache, jeder um die Rettung seines Vaterlands I ^ner Mundart. Wie sich die Aus dem weiteren Wege grüßten slawische Zungen verf^ sonnte! Als ich gerade einen Rn.iknieu freuten da ich mit jedem in seinem Idiom plan Gestalt an meine Seite und ries Slowenen traf und ihm Trost zuredete, schwebte eine nch jemanden finde, der sich mit dem wie im Entzücken aus: „Gott, ist das ein Gbick, d/daheim Kinder hat, ob er ihnen was Armen verständigen kann! Fragen Sie ihn doch, m.! Er soll es nur sagen! Es wird alles schicken will: Schuhe, Kleider, Bücher, Spielzeug ehe, damit er wähle, dann verpackt, wenn beschafft hergebracht, ihm vvrgelegt, damit e/Kinder geschickt. Ich und meine wackern Mit« et will mit einem Brieflein von ihm und anfgabe gestellt, für die Kinder der verwundeten arbeiteriimen haben es uns nämlich ziY Leid, das die Braven betroffen, und das daheim Soldaten zu sorgen, weil wir dadurckeben abnehmen wollen. . ." lindern, also ihnen die Sorge um t über weiblichen Edelsinn nicht zurückhalten, sondern ich Länger konnte ich mein Stmgt, in die Rebe: „Ja, Gnädigste, hat Sie der Himmel siel wie von einer Wallung -ein herrlicher, ein göttlicher Gedanke und dazu ein Gedanke, als Engel gesandt? Das i«n reicht! Erfassen Sie es so recht, was als Wertvollstes Ihre der weit über menschliche*8 heißen Sehnens im Busen derer, die nun Jahre her von ihrer Tat birgt? Die Still1 mit der Tvdeswunde im Leib hier in diesem Raume Tag und Nacht Familie getrennt sit»*8 ben Kindern werden wird, wenn man eines Morgens auch sie hin» darüber sinnen, rv*9cn Ruhe bettet! Das tröstende Wort: „Wir werden für deine Hinter* austrägt und ' §üft wenig; nur das augenscheinliche Werk ist sichere Gewähr. Und dieses bliebenen so* Kranken. Darin steckt eine so zielbewußte Psychologie der Hilfeleistung, daß bieten Zeit der unklaren Wohltätigkeit, deren Umundauf zumeist nur Phrase ist, an ich msr greifen muß, ob ich wohl in der Welt der Wirklichkeiten lebe. — Doch fürchten jjgn .s, meine Gnädige: der Gedanke ist zu schön, zu gesund, als daß ihn der Neid und ^.gensucht ungestört walten ließen. Rüsten Sie sich; es wird die Schar derer kommen, auch das Beste, das Edelste nicht in seiner Auswirkung dulden!" — Darauf die Frau zu meiner Seite mit weicher Stimme: „O nein, ich fürchte nichts, um Ruhm und Ehre ist es mir ja nicht zu tun; bange ist mir's bloß darum, ob ich immer 3768 die notwendigen Hilfsmittel zur Hand habe, jeden Wunsch zu erfüllen, an jedes arme Kind, dessen Vater hier und in den anderen Spitälern, die ich besuche, liegt, eine Gabe zu senden. Bisnun haben wir etwa 23.000 Kinder beteilt. Es ist rührend, wieviel Dankbarkeit uns hiefür geworden ist und wieviel Sonnenschein durch die Kunde, daß das Päckchen richtig angekommen, über diese Betten gebreitet wurde. Fragen Sie bloß einmal den Verwundeten aus Krain und Sie werden die Wirkung sehen I" Ich wandte mich zu dem blassen Mann im Bette und teilte ihm mit, was die Frau neben mir vorhabe. Und in der Tat: Seine bleichen Lippen sprangen auf wie die Blätter einer Knospe, die weißen Zähne wurden sichtbar, ein seliges Lächeln umflog den Mund und wie zwei Sterne funkelten die Augen aus den Fieberwangen. „Ist es möglich," so stammelte er, „daß es so gute Menschen gibt? Gott segne sie dafür I Wenn ich weiß, daß für meine Kinder gesorgt ist, dann fürchte ich den Tod nicht 1" — Als ich dies der Helferin mitgeteilt hatte, trat sie näher heran, wischte dem Wunden den Schweiß von der Stirne, streichelte sein Haar und ließ sagen, er möge nicht verzagen, er werde wieder gesund, tausend andere, die sie besuchte, seien es auch geworden; sie wolle nicht nur für seine Kinder, sondern auch für ihn Süßigkeiten bringen, damit er was zum Naschen habe. Nur Mut, Mut, Mut!" — Und dreifach antwortete auch er, immer das eine Wort wiederholend: „Gott segne Sie, Gott segne Sie, Gott segne Siel" . . . Und ich setzte hinzu: „Gott segne Ihr Werk!" — Dev Gedanke, den ich hier als kostbares Saatgut, das rasch in die Halme schießt und edle Frucht -^gt, vorfand, war mir neu, erschien mir dabei aber so eigenartig, so recht der Seele der |ozm-n s^ot abgehorcht, daß ich seiner Entstehung und Entwicklung nachging. Wie hat ihn die ybeu-hnungsrats»@attin Frau Jelinek-Walz ergründet? Der Zufall war's, wie es ja bei allen grvg. Gingen immer wieder zu gehen pflegt. Frau J.-W. trat wie tausend andere gleich zu . -öegi. $rjegeg jH dm Dienst des Roten Kreuzes. Da fiel ihr auf, daß trotz aller HU 1 , unb Pflege aus dem Antlitz der Betreuten der Kummer um die Lieben daheim mch z gI war. So griff sie zur Wurzel des seelischen Leids, zur Sorge um Weib und Kitt ..V r Vftufelte sie gute Worte in das bekümmerte Gemüt. Die Wirkung war bloß "or g y - ^ tun? Die Frau reichte die Tat als Medizin. Nun wurde es hell in öet , das Päckchen fix und fertig, postbereit dalag und der Kranke tn all den ich frhlieften faiiP'n9en für seine Kleinen wühlen, dazu seinen Gruß der Hano giui u 7rhnit(m mürbe aheim die Nachricht bekam, mit welcher Freude ,®nilS'tiro"» berort Noheii-g.nd.» imb': »Wie? Do, erft de, Zusoll Stajb« »St. in» Werl --Mw-««" 6”6 >» °°" 9!id)t j» .Tuet eigeiieibevn! grau Ricko JelinrI.WoI, hat, was ja zu erw , Österreichisches Rotes Kreuz, Hitlinie im Wirkungsfelde des Roten Kreuzes unter d m Titel Os erre^es m° v Kinder schwer verwundeter Soldaten « «tzaiM « cruchl-ub«.,- als Präsidentin! Die Kanzlelräume bchn sch^ in'ihrem Reichtum von gesamiM-rnsprechzahl 16.481. Wer Frau I.* . ^ . SSaufe8 zwischen 4—6 Uhr nachtntvfyaben sehen will, der klingle nu ersten Halbstock de»Haust» »m,» > ^ einen 3it:mit Ausnahme de? Sollnabends) un -ld)'t'eu unb prüfen und packen und führen B^t vorfinden. Viel weiße Hündchens immer dem zweiten; die Speicher toetu., @jn[QUj und Ausgang. Leider genügt der ^ b ^ Geber reicht nicht mehr^hljch leer, denn das Heer der zu Bedenkmdm - «-m es bei der Le?W müssen Reserven nachgezogen werden, sonst s g ber ubere ni*t/ das aus dem Urbr vorstehenden Schilderung warm ums Herz g Zuwendung von Barmitteln oder du. 8769 Dieses Zeitungsblatt sollte, will man die Tat zu voller Größe führen, von Hand zu Hand gegeben, in Schulen verlesen und in alle Städte, die Verwundete beherbergen, verbreitet werden, damit das Werk ausgreise und alle beglücke, die aus ihm Trost schöpfen können I Wer weiß, welche Not durch die Lande schreitet, und wer einmal ein frierendes Kind gesehen hat, der erkennt die Tiefe des Gedankens und ist dann auch schon bei der Tat. — Pr. Audoss „Durch Not und Tod zum Sieg!“ Von Raimund Berndl, k. k. Übungsschullehrer in Linz a. d. Donau. Zu blutig-ernster Stunde am 4. August 1914 ertönten diese Worte aus dem Munde des deutschen Kaisers vor den versammelten Volksvertretern Deutschlands. Weihevoll lauschte der deutsche Reichstag der erhebenden Kaiserrede und ein Sturm völkischer Begeisterung brauste durch die weiten Räume, als die Führer aller Parteien ihrem Kaiser mit Handschlag die unverbrüchliche Treue zu Volk und Vaterland gelobten. Das gesamte deutsche Volk hält eisern und treu den Schwur „Durch Not und Tod zum Sieg!“ Zwei Jahresringe haben sich geschlossen — und noch immer kämpft das deutsche Volk um deutsche Ehre. Reiche Ernte bringt das goldene Saatfeld, draußen auf dem Schlachtfelde aber wütet der furchtbare Krieg und mäht ganze Reihen aus dem wogenden Soldatenheere. Blutrot wird die erschauernde Erde. „Siegen oder sterben 1“ war der Schlachtruf, da es galt, den tückischen Feind zurückzuwerfen. Feindliche Städte und Festungen werden im Sturm erobert und singend und jubelnd marschieren die Sieger ein. Doch vor den Toren liegen auf blutiger Wal die gefallenen Brüder im weichen Schoß der mütterlichen Erde. Sie haben ausgekämpft fürs deutsche Vaterland und ihren Schwur bis zum Tode treu gehalten. Ihre letzten Gedanken fliehen in die ferne Heimat zu ihren Lieben am häuslichen Herd, während die nahen Siegesglocken den großen Tag verkünden, an dem das ganze Deutschland zu neuer Macht und Größe auferstehen wird. Unter den Gefallenen ruht auch ein Lehrerheld aus Oberösterreichs schönen Gauen. Die Liebeszeichen der trauten Familie im friedlichen Alpentale trägt noch der tote Krieger auf seiner treuen Brust. Vor dem entscheidenden 31. Juli 1914 arbeitete der Jünger Pestalozzis in seinem einsamen Bergdörfiein mit voller Hingebung und Begeisterung für die Jugenderziehung des deutschen Volkes. Seine Schüler führte er hinauf zum rauschenden Wildbach, in den dunkeln Hochwald, auf die freie, lichte Höhe der blumigen Alpenmatte und erschloß auf solchen Wanderungen der glücklichen Jugend die wundervollen Schönheiten der heimatlichen Alpenwelt. So wurde in den jungen Herzen die Freude an der Natur, die Liebe zu Heimat und Vaterland entflammt. Im häuslichen Kreise erheiterte eine frohe Kinderschar das Leben. Musik verscheuchte die Sorgen des Alltags und so vergingen die Stunden in Glück und Freude. Da unterbrachen Waffenlärm und Kriegsgeschrei die ländliche Stille. Das deutsche Volk stand auf, der Sturm brach los. Fort ging’s in das Gewoge der Waffenbrüder, die sich zum Abmarsch in den blutigen Kampf sammelten. Auch den Lehrer rief man als Landstermmann zu den Fahnen. Mit Sehnsucht erwarten die Lieben daheim Nachrichten des guten, treuen Vaters und Gatten, der vielleicht schon im tobenden Kampf steht — verwundet wird und . Ach wie schwer drückt die bange Sorge um die Zukunft das arme Herz! Freudig atmet alles auf, wenn die Feldpost beruhigende Mitteilungen bringt. Unser Landsturmmann wird auf dem Kriegsschauplatz rasch zum Korporal befördert. Sein Regiment ist einstweilen noch in Reservestellung. Vom Feinde sind nur die Spuren seiner Zerstörungswut zu sehen. Ganze Ortschaften liegen in Schutt und Trümmern, Brücken sind gesprengt, Felder und Fluren verwüstet, Straßen und Wege zerstört. Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm. Der Feind bricht plötzlich herein und das Ersatzheer kommt ins Feuer. Unser Schwarmkommandant stürmt mit seiner Schar in die blutige Schlacht. Eine feindliche Kugel durchbohrt die Brust und tot stürzt er zu Boden. Hunderte braver Soldaten teilen sein Los. Die überlebenden Brüder aber sühnen das vergossene Blut und ein neuer Sieg ist ihr Lohn. Niederschmetternd trifft die Lehrerfamilie die Kunde des Feldgeistlichen, daß der Vater und Ernährer in der Schlacht gefallen sei. Ein weithin sichtbarer Hügel, den der Krieger und seine Kameraden erstürmten, wurde zugleich sein Heldengrab. — — Ein goldener Morgen bricht an. In strahlender Pracht steigt die Sonne Uber die Berge und beleuchtet die felsigen Höhen des heimatlichen Alpentales. Die Almglocken läuten von den Bergen hernieder und Lerchen singen ihre Jubellieder im blauen Himmel. Unten im Heimatdorfe wird es lebendig, die Daheimgebliebenen kommen zur Kirche, um den edlen Toten zu feiern. Schüler und Schülerinnen eilen herbei und legen für ihren geliebten, unvergeßlichen Lehrer Kränze und Blumengewinde aus Alpenrosen an den Stufen des Altares nieder. Tief ergriffen ist das versammelte Volk von dieser kindlichen Huldigung voll Lieb' und Treue. Damit der Jugend dereinst ein glücklicher Friede beschieden sei, erlitt auch ihr Lehrer den Heldentod fürs Vaterland. Fern der Heimat ruht er nun als Blutzeuge des großen Krieges. Unsterblich aber steigt sein Heldengeist aus dem Grabe und schwebt über der Jugend des Heimatlandes jetzt und immerdar als ideale Lichtgestalt, als Vorbild deutscher Treue und deutschen Heldentums. Der Lehrer im Dienste des kämpfenden Vaterlandes. 3. Fürs Rote Kreuz. Von Josef Mulzer in Neudorf bei Kuttenplan. Schulbeginn 1 Neugestärkt ziehen Schüler und Lehrer wieder in die traulichen Räume des Schulhauses ein, gewillt, durch doppelten Fleiß und eiserne Pflichterfüllung ihren Posten, auf den sie das Vaterland gestellt, voll und ganz auszufüllen! — Dieser Pflichtenkreis kann sich aber in dieser schweren Zeit nicht auf den eigentlichen Unterrichtsbetrieb allein beschränken, er muß, wie dies ja in den vergangenen Kriegsjahren schon allenthalben geschehen, sich derart erweitern, daß auch die schwachen Kräfte des Kindes voll Begeisterung in den Dienst der Allgemeinheit gestellt werden, in den Dienst der Kriegsfürsorge, des Roten Kreuzes usw. Die letztgenannte, so überaus segensreich wirkende Körperschaft ist so recht dazu angetan, das leicht entzündliche Herz der Jugend zu entflammen und die Willenskraft aufs äußerste anzuspornen. In jedem kleinsten Dorfe, in den engsten Verhältnissen läßt sich eine tüchtige Leistung und, was die Hauptsache ist, ein voller materieller Erfolg erzielen. (Sehr richtig! D. Sch.) Folgendes zum Beweise: Unser Ort hat eine zweiklassige Schule mit kaum mehr als 80 Kindern. Und trotzdem gelang es, während der diesjährigen Roten Kreuz-Woche unter der Leitung Sr. Hochwürden des Pfarrers Herrn Josef Rawitzer, des Oberlehrers Herrn Fr. Huska und des Schreibers dieser Zeilen eine Bearbeitung des Raimundschen Zauberdramas „Der Diamant des Geisterkönigs“, ausschließlich durch Schüler besetzt (lauter Männerrollen), zu einer (im gegebenen Rahmen) mustergültigen Darstellung zu bringen. Am Beginn der Vorstellung wurde ein vom Lehrer Josef Mulzer verfaßter Vorspruch vorgetragen. In den Zwischenakten wurden von den Darstellern je zwei Strophen des Körnerschen „Gebet vor der Schlacht“ zum Vortrag gebracht (Harmoniumbegleitung) und am Schlüsse das Kaiserlied gesungen. Der geldliche Erfolg war überaus erfreulich. Darsteller und Zuschauer werden wohl ein Leben lang an der Erinnerung zehren. — Mögen diese Zeilen zur Nachahmung anspornen 1 4. Kriegsanleihe. Der Leser merkt es aus den beiden Leitaussätzen, daß das vorliegende Heft zum großen Teile der 5. Kriegsanleihe gewidmet ist. Eine Zeitschrift, die es sich zum Ziele setzt, die Schule in die großen, außerhalb der gehaltlosen gangbaren Phrase stehenden Aufgaben zum Gedeihen des Vaterlandes zu verweben, muß an sich jede Gelegenheit wahrnehmen, die dem Zwecke 3771 dient; allein das wäre in einer derart wichtigen Angelegenheit, wie es die 5. Kriegsanleihe eine ist, nicht ausschlaggebend. Hier liegt in der Tat ein Wirkungsfeld für die Lehrerschaft vor, das zwar nicht unmittelbar in das Amt fällt, aber mittelbar zu dem Bedeutungsvollsten gehört, was uns je als Arbeit zukam. Ja, man kann es mit Fug und Recht behaupten: „Ein großes Stück Rettung des Vaterlandes liegt zurzeit in unsererHand. Kein Stand steht dem Volk so nahe wie der unsere, keiner hat seine Ver- treter bis hinein in die tiefsten Täler und hinan zu den Höhen gesendet. Und das ist eine ausgemachte Sache: „Das Geld, das durch die bisherigen Kriegsanleihen aus den oberen Ständen und vor allem aus dem Mittelstände geflossen ist, fand fast zu Dreivierteilen in der Bauernschaft sein Sammelbecken. Die Ankäufe für die Armee im Felde, die verteuerten Lebensmittel für das Hinterland — alles ist dem Landmanne zugekommen. Während die Feinde ihre Kriegsanleihen vielfach an Amerika und Japan abgaben, rollte bei uns das Geld fast ausschließlich von einer Hand in die andere. Dermalen hält es der Bauer in der Faust. Sie zu öffnen, ist keine leichte Sache. Da ist kluge Strategie vonnöten. Vor allem wirkt das Beispiel. Es findet sich in meiner Schrift „Das Vaterland ruft!" Zahlreiche Zuschriften haben die Wirkung bestätigt. Die neu hinzu gekommenen Fälle sind im Leitaufsatze auf S. 3773 angeführt. — Wie wäre nun die Wervearöeit für die Kriegsanleihe einzuleitcn? Beileibe nicht unter dem Titel, der den Zweck verrät! Da drückt sich der Mißtrauische und wir sprechen vor leeren Stühlen. ' Man veranstalte einen Kriegsabend mit dem Ausblick, daß bei demselben eine umfassende, verläßliche Darstellung über den gegenwärtigen Stand der Ereignisse gegeben werden wird. (Stoff hiezu bieter der Artikel auf S. 3758.) — Aus der allgemeinen Lage gleite man auf die Kriegsnotwendigkeiten, als deren nächste und wichtigste die 5. Kriegsanleihe erscheint, über, jedoch nicht mit lauter Rufzeichen und mit Bombast, sondern mit dem ruhigen, mit dem klärenden Worte I Poltert man und posaunt man, so sagt der Landmann: „Ja, ja" im Saale und „Nein, nein!" daheim. Die Überzeugung in ihm zu festigen, das sei unser Streben! Ist sie soweit gediehen, daß er zur Feder greifen will, so halte man alles bereit, die Zeichnung sofort ins Werk zu setzen! — Als ich unlängst im Salzburgischen weilte, sprach ein k. k. Bezirksrichter zu mir: „Es sah bei der 4. Kriegsanleihe in unserer Gegend schlimm, sehr schlimm aus. Da griff der Herr Lehrer N. ein, reiste von Dorf zu Dorf und hielt Versammlungen ab — und sieh, wir brach-ten's zu einer nie erträumten Summe. Der Mann verstand es, das Volk von der rechten Seite zu fassen; er stieg förmlich in die Seele hinein. Ermuntern Sie Ihre Leser, auf daß dem Vaterland ein Heer solcher Apostel erstehe!" Ich habe der Aufforderung hiermit entsprochen. Mag die Tat allerorts der im Flachgau gleichkommen I — _ ?»eerz. Kleine Mitteilungen. 12.) Ministerpräsident Ar. Kart Hraf Stürgkh, der im Hinterlande der Kugel zum Opfer gefallen ist, war es, der als Minister für Kultus und Unterricht die Frage der Schulaufsicht endlich einem gründlichen Wandel, d. h. der Verstaatlichung, zuführen wollte. Die mit ihm in dieser Angelegenheit geführten Verhandlungen zeugten seinerseits von einer bis ins Einzelnste gehenden Beherrschung des Belanges und von der der Frage zugrundeliegenden wichtigen Folgewirkung zur Gesundung unseres Bildungswesens und der staatlichen Vereinheitlichung. — Ob der Verewigte eS gewagt hätte, den zweiten, größeren Schritt „Die Verstaatlichung der Volksschule" zu tun, stand bei seinem Bestreben, Operationen womöglich schmerzlos durchzuführen, sehr in Frage. Eine so umwälzende Tat, wie es die in aller Form festgefügte Reichsschule ist, geht ohne krampfhaftes Umsichschlagen und ohne Ausschrei nicht vor sich; der das Messer führt, muß darauf eingestellt sein. — Wie dem auch sei, die Lehrerschaft hat allen Grund, dem hinter der Front Gefallenen «in dankbares Andenken zu weihen. — 13.) Staat und Fürsorgeerziehung. (Dr. Michael Freih. v. Pidoll.) Die sicherste Fürsorgeerziehung geschieht durch den Staat, denn sie ist nicht lünderweise verschieden. Gemeinde (Land) und Gesellschaft wirken mit. Länder, oder Staatssteuer bedeutet für die Belastung der Volkswirtschaft dasselbe. Nur ist der Staat bei Ländersteuer des Einflusses beraubt. Die Entwicklung unseres Volksschulwesens bietet hiefür ein lehrreiches Beispiel. — Der Staat sei nicht nur Straf- und Steuerbüttel, sondern auch Kulturträger. — Müßte man aber die Fürsorgeerziehung den Ländern übergeben, so geschehe dies nur im Sinne des übertragenen Wirkungskreises von bestimmter Art, Eingrenzung und Zeit. — Die Autonomie der Länder ist keine selbstherrliche, vielmehr sind die Länder auf Grund der Konstitution nur Rechtsbestandteile des Einheit-- 3772 floate#. Deshalb tonn und mutz der Staat bei Versagen des Landes durch Ersatzausführung dem Gesetze Geltung verschaffen. Denn die Selbstverwaltung der Länder gipfelt in den Zielen der Staatsverwaltung. Daher Verstaatlichung der Fürsorgeerziehung! Neue Jr. Presse v. 16. August 1916. 14.) Kegen die Staatsvokksschule. Die tschechische Lehrerschaft ist gegen die Staatsschule. Sie bringt die bekannten Gründe und verweist vor allem aus die Wortspielerei mit der Nationalschule in Deutschland und der in Österreich, die man besser Nationalitätenschule nennen müsse. Was im Reiche durch die Nationalschule zur zielbewussten Einigung des Gesamtstaates führen wird (sieh bei uns die Forderung nach der Staatsschuld), da# bringe Österreich durch die Nationalitätenschule die Zersplitterung und Auslösung. 15.) Aeutschiümkich l Dr. Haumeder weist in der Zeitschrift des Allgem. deutschen Sprachvereine# auf die Volksnamen wie Dalmatiner usf. hin, deren auffallende Endungen vom italienischen Anhängsel -ino herrühren. Deutsche Bildungen sind: Spanien — Spanier, Kroatien — Kroaten, Linz — Linzer. Warum bilden wir ganz abweichend von Triest — Triestiner, von Trient — Trientiner? Die deutsche Form dieser Wörter lautet: Trieftet, Trienter, Dalmatier (Dalmatien), Montenegrer, Albanier (Albaner). 16.) Keistige Fortpflanzung. Jedermann weiß, daß es nach dem Kriege des Staates wichtigste Pflicht sein wird, für die körperliche Ertüchtigung des Volkes Sorge zu tragen. Da ist es doch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit ebenso erforderlich, daß der Staat auch die Fortpflanzung des Geistes auf breitester Grundlage aufbaue. Was nützt die Stellungnahme gegen Geburtenrückgang und das Lob aus die Bewährung ärmerer Volksschichten, wenn die Schule nur das „kostbare" Gut Bessergestellter würde! Ausbildung des Talente# für arm und reich ist der Prüfstein für das soziale Gewissen unserer Gesellschaft. F. M. 17.) Augendwehr. In der „Sonde", Heft 8, entwirft Schulrat Eberhard ein Bild des Jugendweh» Gedankens. Er bringt zunächst die Entwicklungsgeschichte der österr. Jugendwehr, die im „K. k. Reichsbund der patriotischen Jugendorganisationen Österreichs" gipfelt. Die unermüdlichen Bestrebungen Goltz' zeigen erst jetzt ihren vaterländischen Wert. In Österreich wurde da# militärische Wesen der Jugendwehr durch Einführung von Fecht- und Schießübungen früh betont. Der Krieg beweist, daß Volkskraft und Wehrkraft gleichbedeutend sind. Als gute Ergänzung hiezu ist der Artikel des Bürgerschullehrers F. Breunlich „Die militärische Ju-gendvorbereitung in Niederösterreich" in der Österr. Zeitschrift für Lehrerfortbildung zu erwähnen. 18.) Zur Krage der mitteleuropäischen Lehrervereinigung nimmt Josef v. Migray aus Budapest Stellung. Er findet, daß die Zeitereignisse eine Rückkehr zur alten Politik ermöglichen; Naumanns Mitteleuropa ist noch nicht Wesen, sondern erst Geschehen. Der Unterschied in den Auffassungen der deutschen und ungarischen Lehrerschaft gründe sich auf den Volkscharakter. Die gesellschaftliche Stellung des ungarischen Lehrer# sei frei demokratisch, entsprechend dem Toleranzgesühl der Nation. Die ungarische Seele sei dem „Vereinsgeist" abhold, sie sei vielmehr individualistisch und daher sehr empfindlich. Migray empfindet das deutsche Gesamtleben bestehen in der Aufgabe des Einzelwillens an den Zweck der Gesamtheit (nennen wir es getrost militärische Organisation), das Magyarentum beruhe jedoch in der Harmonie der Vielheit. Es ist eben ein offenes Bekenntnis des Rassenunterschiedes, den wir wechselseitig erkennen, verstehen und schätzen lernen müssen. Die offenen Gräber. (Erstdruck.) Vielhundert Gräber starren, Erdfeucht, noch leer, Vieltausend Kämpfer harren .. . Wer wird zur Grube fahren? Bruder, wer? Aber die Kämpfer schweigen, Seh’n sich wie fragend an. Der Tod stimmt Flöten und Geigen; Vieltausend treten zum Reigen, Mann neben Mann. Hinter dem bunten Garten Blüht die ewige Ruh ... Im Sturme weh’n die Standarten I Die offenen Gräber warten — Bruder, ich — oder du? Franz Lüdtke (Berlin). 1916 (Zlovemöer). \ (X t t Q (13. Aa-r.) A-lg« 155. für den Jlbtciluttgsunurricht Monatschrist zur Förderung der österr. Landsch«l»esru». v«,u,«gedüdr einschl. von „Schule undBaIeriand"«I< Schriftleiter: «elchUsillqe» au«,chU„»ch sv». 7K.»jährlich. Gin,ei- an bl« „Berwullung »« nummet 60h (80 Vf, 70ct). l)r R n h 0 1 f öfffl Blätter flir btn »blellunfl«- Boftfparl. Mt. 68.218. Vt. IV M U U 11 y t tl #. um-rr«chi in Laibach-. Handschriften und Bllcher an den Schrlstleller, Feldpost 11 oder: MieS In Böhmen. — Die „Blätter filt den Abteilungeunterricht" können gesondert nicht bezogen werden. Was Ijtflt den Bauer ad, ümegsmtleilji }ü zeichnen? V) „Je mehrwirhergeben, desto länger dauert der Krieg." — Eigentlich hat der Sprecher recht, wenn es an Geldmitteln fehlt, hat das Kämpfen unserer Truppen bald ein Ende; es mangeln Geschütze, Geschosse, Tiere, es gebricht an Kost, an fjilfc für öie Freunde, kurz: das Blut versiegt, das Herz stockt, der Krieg ist tot. Aber mit ihni auch das Vaterland. Denn wenn wir den Anfang machen, dem Kriege das Leben zu entziehen, so muß es nicht gleicherweise der Feind tun; und er wird es auch nicht tun, rechnet er eben seit der Zeit, da er einsehen lernte, daß er uns im Feld nicht bezwingen könne, damit, daß wir schließlich verhungern oder die Geduld zum Durchhalten verlieren werden. Weil nun dies von selbst nicht kam, so schickt er Agenten umher, die das Volk beschwatzen sollen. Diese Agenten müssen nicht immer gedungen sein und über die Grenze herüber-kommen; es gibl ja Raunzer im eigenen Lande genug, die mittelbar dem Gegner Helsen und ihr Vaterland verraten, indem sie sagen: „Li, mag es nun kommen wie immer; nur soll der Krieg ein Ende haben I" — Gerechterweise sollte man einen dieser Sorte von Helden schnurstracks ins Loch stecken; er ist schlimmer als der, der gegen uns die Waffe führt. 2.) „Der Staat wird die Kriegsanleihe nicht zurückzahlen können; der Zinsfuß wird herabgesetzt werden." — Alles möglich! Aber nur dann, wenn wir jetzt, da es der Entscheidung zugeht, auslaffen; denn dann werden wir die Zahler lein, halten wir jedoch durch, so ist der Endsieg zweifellos unser; wir behalten die er-oberten fruchtbaren Gebiete, wir beherrschen den Osten als Handelsplatz, wir bekommen vielleicht obendrein eine Kriegsentschädigung, wir gehen mit einem Worte einer Zeit des Reichtums entgegen. — Das ist so wie mit einem Geschäft, wagt man noch das Letzte dran, gut, dann gelingt es, die waren laufen, die Kaffen füllen sich; läßt man knapp vor dem Entscheide aus, so ist alles verloren. Dann sind die Opfer umsonst gebracht. Nun wähle, Bauer, der du am kämpfenden vaterlande verdient, deine Schulden bezahlt und dir außerdem ein hübsches Sümmchen zur Seite gelegt hast I hältst du's im Strumpf, dann kann der Tag kommen, da der Feind es dir ohne viel Fragen abnimmt oder die hohe Kriegssteuer es entführt. — 3.) „Ich mag mir nicht in meinen Säckel schauen lassen, wenn ich jetzt soundsoviel Tausend Kronen zeichne, kommt die Steuerbehörde und schraubt mich Hinauf." — wieder einmal richtig I Aber vermeint der biedere Land- 3774 mann, der Fiskus wisse nicht, wieviel bei jedem, der im Kriege reich geworden ist, einlief? Wie einfältig! Das wäre ein blinder Argus I Die scharfen, spähenden Augen der Be> sleuerungskommissiou hat schon so mancher anerkennen müssen. Und nun sollen sie jetzt, da man es deutlich merkt und verbucht, wohin die Kriegsanleihen rollen, nicht berechnen können, wieviel der und wieviel jener an Ersparnissen sein Eigen nennt?! Unpatriotisch und auch unklug I — H.) „Sollen andere zahlen; meine paar Kronen werden 's Vaterland nicht retten!" — GutI Nun rechnen wir einmal so: Nehmen wir an, das sagte jeder! Was dann? Dann kommt eben nichts herein und der Feind kann mit der Regimentsmusik in unsere Heimat einmarschieren, sie mit drückenden kästen belegen und aussaugen. — Ja, es gibt Verräter auf weichen Polstern, die die Wittel haben, aber sie aus fluchwürdiger Berechnung dem Vaterlande nicht leihen, weil sie im Dienste des Feindes stehen. Langsam, langsam findet man sie trotz der Waske, die sie vor das Gesicht geben, heraus. Sorgt nicht, für diese saubere Gesellschaft kommt der zahlende Tag! Aber Ihr, die Ihr jetzt, da das Vaterland ruft, ihm nach Kräften helft, könnt getrost und beruhigt in die Friedenszeit hinein leben; über Euerem Haupte hängt kein drohendes Schwert. Wer vermeint: „Denen wird nichts geschehen!" weiß nicht, was sich vorbereitet. Wenn's nicht mehr wäre, so wär's die Schande, die die Treulosen zeitlebens begleitet. — 5.) „Ich heb' mir 's Geld auf, damit ich nach dem Kriege gleich die Wirtschaft groß anfangen kann!" — So könnte man nur reden, wenn das Ringen bereits zuende wäre. Zuerst, mein Freund, mußt du zusehen, daß du gesund wirst; dann erst kannst du schaffen! Das Vaterland ist krank; es blutet aus hundert Wunden. Willst du, daß ihm der Todesstoß versetzt werde? Wie kannst du sodann eine Wirtschaft anfangen? 6.) „Was, auf q.0 Jahr’ hinaus friag i mein Geld nit z'ruck?!" — Wieder ein unbesehenes Schlagwort I Weil nun in der einen Art der Kriegszeichnungsmöglichkeiten die Zahl ^0 vorkommt, so hat sie der Störenfried sofort herausgegriffen und als Scheuklappe benützt. Wan kann sich ja an der Kriegsanleihe in verschiedener Art beteiligen, unter anderem auch derart, daß man das Geld wenigstens in nächster Zeit sofort durch Ablösung erhält. Das Nähere erklären die Ämter und erklärt meine Schrift „Das Vaterland ruft!" — Würde dieser Punkt hindernd gewesen sein, so hätte es überhaupt niemals zu einer ausgiebigen Kriegsanleihe kommen können. Nun hat aber gerade unter den gegebenen Umständen das Deutsche Reich wieder in kurzer Frist mehr denn <0 Milliarden aufgebracht. Da müssen die Bedenken denn doch wenig wiegen! Wer sein Vaterland liebt und nicht seinen Untergang will, vertraut dem guten Kaiser, der alles zum Besten lenkt, und der Einsicht führender Wänner. — Das halbe Dutzend Einwürfe wurde aus dem Leben entnommen. Ich bin in den letzten Wonaten durch viele Länder gezogen und habe um mich gesehen und um mich gehorcht. Was ich als greifbar in den fänden fühlte, habe ich in die Reisetasche geborgen, um es zu gelegener Zeit vor die Linse zu stellen. Da ist es nun. Der Amtsbruder draußen in der Landschule spanne die Leinwand vor den Augen seiner Zuhörer auf und werfe darauf die vorentwickelten Bilder! Wenn je, so ist jetzt die Zeit gegeben, die das Wort für alle Zeiten wahrmacht: „Aei der Kriegsanleihe sind die Lehrer unsere vesien Keffer!“ 3*«r}. Splitter. Einsamkeit schützt den Weltverekelten vor Erbrechen. Der Mensch und das Wetter sind unbeständig; dieses täuscht, jener betrügt. Der wünscht wohl alles und fluchet dem Nichts? 0, wolle nicht alles, denn alles ist nichts I Fr. Bruckner in Engendorf. Anschauungsunterricht in der Elementarklasse. Bei allen Unterriclitsgegenständen macht sich seit einigen Jahren der sogenannte bodenständig e Unterricht geltend, der von nahezu durchschlagendem Erfolge für das Erziehungswesen wurde. Bodenständigkeit wird betrieben beim Sprachunterrichte und vor allem in den realistischen Fächern, in Geographie, Geschichte, Naturlehre und Naturgeschichte; er mangelt aber auch nicht beim Rechnen, in Zeichnen und Gesang. Der bodenständige Unterricht hat die Natürlichkeit wieder zurückerobert, denn er bedient sich vorzugsweise dessen, was Natur und Leben in nächster Umgebung, in Gemeinde, Bezirk, Land, Reich und Welt darbieten. Er ist somit nichts anderes als die natürliche Lehrmethode, die die Außenwelt mit den Sinnen zu erfassen sucht und in geordneter Sprache die Werke der Schöp- fung und ihr Walten und Schaffen wiedergibt. Seine Bedeutung und sein Wert wird klar, wenn man bedenkt, daß durch die stete Fühlung mit der Natur die Menschen auch ihre Eigenheiten erfassen lernen und ihm ihre Kräfte ein nie versiegender Quell für neuerliches Schaffen und Leben bietet. Durch die Vermittlung der Natur wird auch ihr Wesen aufgenommen, das mächtig jedes Einzelwesen zum Schöpfer emporzieht. Der bodenständige oder natürliche Unterricht kräftigt somit das menschliche Geschlecht, läßt es seinen, ihm von der Natur zugewiesenen Standpunkt und Wert erkennen und befreit es auch von mancherlei Irrlehren, die in der Dunkelheit geschmiedet, auf Abwege und vielfach auch ins Unheil geführt haben. Diese seine ungemein wichtige Bedeutung erfordert eben, daß er schon in der frühesten Kindheit gepflegt und geübt werde, um — je eher, desto besser — in den Besitz seiner Früchte zu gelangen. Niemand kann leugnen, daß er dem Menschen als Patengeschenk von der Natur schon vom Anbeginne seines Daseins gespendet wurde, ja daß er sich im Menschengeschlechte forterbt. Denn das kleine Kind lehnt sich bei der Entwicklung seiner Sprache und der Verstandeskräfte mit seinen kindischen Fragen an die Natur an, d. h. an das, was die Augen sehen, die Ohren hören, der Gaumen schmeckt, die Nase riecht und die Seele fühlt. Es zeigt somit das Bedürfnis der Natur und fühlt in ihr instinktiv schon ihre Kraft, ihren Nutzen und ihren Schutz. — Da seinem Werte jedoch im Elternhause nicht die genügende Würdigung zugemessen wird, so ist es Pflicht der weiteren Erziehungsstätte, der Volksschule, ihm seinen wahren Preis vollauf zuzuerkennen. Ihm soll somit eine weite Basis schon in der Elementarklasse gewährt werden, um dem Kinde einen ausgiebigen Anschauungskreis zur weiteren Auffassung und Entwicklung der Geistestätigkeiten (des Denkens, Fühlens und Wollens) zu verschaffen. In den ersten Wochen des ersten Schuljahres beschränke sich der Anschauungsunterricht auf die Festigung der Anschauung, die seine Seelentätigkeit durch seine Wißbegierde in Form unzähliger Fragen der ersten Kindheit kennzeichnet. Diese ersten Anfänge des Anschauungsunterrichtes mögen aber inbezug auf Gründlichkeit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen, da sie gleichsam das Fundament aller späteren Anschauung darstellen. Deshalb betreibe man zuerst die Anschauung nach dem Gegenstände oder der Person selbst, dann nach seinen Eigenschaften, Tätigkeiten, nach seinem Orte, seinen Teilen, seiner Materie, seiner Benützung, seiner Schaffung und seiner Art oder Gattung. Die Urteile über diese Anschauungen werden ausgelöst durch die Fragen: Was oder wer ist? Wie ist? Was tut? Wo ist? Was hat? Woraus ist? Wozu dient, wird verwendet, was geschieht oder was kann man tun? Wer macht (verfertigt), wie, wo und für wen wird es verfertigt? Was ist es (wohin gehört es)? Diese Anschauungsurteile hätten den Anschauungsunterricht in den ersten sieben Wochen zu bilden, worauf dann der zusammenhängende Unterricht einzusetzen hätte. Die zusammenhängende Anschauung würdige hierauf die Schöpfung (Himmel und Erde), wende sich aber dann dem eigenen Ich zu, das einen Teil der Schöpfung darstellt, denn das Wissen des Menschen ist nur dann ein dauerndes, wenn es sich in sich und auf sich selber entwickelt. Man bespreche daher mit den kleinen Kindern nicht zuerst die Schiefertafel und den Griffel (denn oft schnell vergänglich sind diese Dinge), sondern lasse das Kind in einfachster Weise „sich selber erkennen“, um „all sein Habe mit sich tragen zu können“. Hier ein kurzes Stundenbild Uber die Schöpfung (mit natürlicher Anschauung im Freien) entsprechend der kindlichen Auffassung. Wo steht ihr? im Freien. Was ist ober euch? der Himmel. Wie ist er heute? heiter. Was leuchtet am Himmel? die Sonne. Wann scheint die Sonne? am Tage. Was scheint in der Nacht? Mond und Sterne. Was ist somit am Himmel? Sonne, Mond und Sterne. — Was ist unter euch? die Erde. Seht ihr sie ganz? nur einen kleinen Teil. Wie ist sie daher? groß. Was seht ihr auf unserer Erde? Berge, Täler, Hügel, Wasser, Wälder, Wiesen, Felder, Häuser, Dörfer und Städte. Wer hat alles geschaffen ? Wo ist der liebe Gott? im Himmel. Wer dient ihm? die Engel und Menschen. — Diese kurze Lektionen werden tüchtig geübt, so daß sie von minder befähigten korrekt auf Fragen, von den talentierten Kindern frei wiedergegeben werden können. Und nun noch eine kurze Lektion über den Menschen. Vorher vorzeigen: ein Tier, eine Pflanze, einen Stein, ein Ding. — Was bist du? ein Mensch. Was für ein Mensch ist der Vater? ein großer. Und du selbst? ein kleiner. Warum bist du klein und der Vater groß ? Wie sind also die kleinen Menschen ? Und die großen ? Worin wohnen die Menschen? Was haben alle Menschen? (Die Hauptteile.) Was hat der Franz am Kopfe? Wozu hat er es? Wovon leben die Menschen? von der Nahrung. Was tragen sie? die Kleidung. Wer gibt sie ihnen ? der liebe Gott. Als weiterer Stoff für den Anschauungsunterricht in fortschreitender Methode ließe sich verwenden: Heimatkunde. Naturkunde. Die Nahrung des Menschen Getreide, Wasser, Obst, Kartoffel, Haustiere, Salz die Wohnung „ „ der Sandstein, der Kalk, die Nadelhölzer die Kleidung „ „ das Schaf, die Brennessel, der Lein, das Kind die Familie Hund, Katze die Beschäftigung der Menschen das Eisen, das Pferd, Laubhölzer, die Wage, das Geld das Schulhaus und das Schulzimmer das Licht, die Taube, die Luft der Garten der Maulwurf, der Schmetterling, der Frosch, Vögel das Feld der Hase, die Lerche Wiese und Weide Blume und Biene der Wald das lieh, die Eule, die Schnecke, die Beeren und die Gewässer Schwämme das Dorf und die Stadt der Fisch, Gans und Ente, der Kegen die Kirche das Huhn, die Kuh, das Schwein, der Wind Wege, Straßen und Eisenbahnen der Stein und das Eisen, das Feuer die Tages- und Jahreszeiten. der Hahn, die Uhr, Kegen und Schnee, Frost und Eis usw. Vorstehender Lehrstoff entwickelt, erweitert durch das Wort des Lehrers, reichliche Anschauung, aus der auch in den späteren Schuljahren geschöpft werden kann, da er auf reinem Wege, d. h. durch die natürliche Anschauung gewonnen wurde. Möge er allen jungen Kollegen als treuer Wegweiser für ihren Unterricht dienen 1 Gröbl Max, Schulleiter. „Das leidige Vergessen des Lehrstoffes.“ Eine Entgegnung zu S. 3598 (Folge 148). Nicht die vom Verfasser vertretene Meinung drängt mich, dazu das Wort zu ergreifen, sondern die Fußnote „D. Sch.“ —- „Sie sind ein Pfosten für die Neuordnung im Unterrichtsverfahren." — Diese Bemerkung verleiht dem Aufsatze eine erhöhte Bedeutung, die umso größer wird, als man ja immer noch nicht recht weiß, worauf sich die seit Jahresfrist so geheimnisvoll angekündigte „Neuordnung“ beziehen soll. Aus dem Wortlaute der Überschrift des Aufsatzes könnte man vermuten, es handle sich um die Rückkehr zur Schule des Wissens, zum kaum verlassenen „Intellektualismus“. — Der geschätzte Verfasser, ein Schulmann von reicher Erfahrung, weist auf einen sichtbaren Mangel in unserem Schulbetriebe hin und gibt Mittel und Wege an, diesem abzuhelfen. Sollen diese Ausführungen Richtlinien für eine „Neuordnung des Unterrichtsverfahrens“ sein, so müssen sowohl die Bemängelungen als die Vorschläge zu ihrer Behebung von allen Seiten beleuchtet werden. Diese gründliche Arbeit kann ich hier nicht leisten, ich will nur meinerseits einige Lichter aufstecken, um die Schatten einigermaßen zu erhellen. Unbestritten bleibt, daß unsere Schule die Pflege des Gedächtnisses vernachlässigt hat, — aber nicht erst seit gestern oder seit dem Einsetzen der sogenannten Reformbewegung; diese Vernach- lässigung begann mit der Zeit, wo die Schule vom einseitigen Betriebe des „Auswendiglernens“ x rum „Inwendiglernen“ überging, zum Entwickeln. Der Übergang ruhte auf der Erkenntnis, daß etwas, was dauern soll, von Innen heraus, — „in der Seele wachsen muß“. Und wie es bei all den schroffen Übergängen geht, wo es sich darum handelt, mit einer festgewurzelten, zu handwerksmäßiger Geschicklichkeit gewordenen Einrichtung, einer „gut eingefahrenen Überlieferung“, aufzuräumen, so wird dieses Aufräumen mit einer Gründlichkeit besorgt, die auch das Gute, das Brauchbare, ja das Unentbehrliche mit aufräumt, um dem Neuen Raum zu schaffen. So war es immer und so wird es immer bleiben. Die Entwickelung schreitet nicht in einer geraden Linie vorwärts, sondern in einer Schraubenlinie und da kommt es zu der scheinbar rückläufigen Krebsbewegung. Wenn's naturgemäß geht, steigen aber die Kreise doch immer höher. Wird der Entwicklungsgang gehemmt oder unterbrochen, tritt ein längerer Stillstand ein, den nur ein besonderer Kraftaufwand überwindet, so kommt es in Auswirkung der gespannten Kraft zu solchen Sprüngen und Brüchen. Es ist eine Tatsache, daß mit dem Auswendiglernen“ auch die Gedächtnispflege stark in den Hintergrund gestellt wurde und da das Gedächtnis eine Geisteskraft ist, die entwickelt, geübt und gepflegt werden muß, so ist diese Zurückstellung ein tatsächlicher Mangel, für dessen Abstellung die Schule sorgen muß. Die vom Verfasser des Aufsatzes, einem erfahrenen Schulmanne, angegebenen Mittel, „Entwickelung, Klarstellung, Ordnung und Wiederholung“, sind unstreitig die zweckmäßigen; aber es kommt zu diesen bewährten noch eins, das Erarbeiten, das gerade in der Geometrie, die vor allem Sachunterricht ist, eine Hauptrolle spielt. Am Entwickeln und Klarstellen fehlt es bei unserem Ünterrichte wohl kaum, aber fürs Ordnen und Wiederholen bleibt uns zu wenig Zeit. „Man schränke den Stoff« ein“, ist die richtige Losung, aber es ist leichter gesagt als getan. Wir sind selbst so mit Stoff überfüttert worden, daß wir aus dieser unserer Haut nicht so leicht herauskönnen, auch wenn wir den Fehler erkannt haben. Was aber das Erarbeiten betrifft, so wollen wir nur ganz bescheiden zugeben, daß wir in der Richtung noch nicht weit gekommen sind; ja, wir können schlankweg behaupten, daß sich die pädagogische Allgemeinheit überhaupt noch nicht zur Erkenntnis der Bedeutung und des Wertes dieser Maßnahme, geschweige denn zu richtiger und planmäßiger Verwertung durchgerungen hat. Im Gegenteil, man hat sich bei uns durch stümperhafte Versuche auf Nebenwege locken lassen, die geradezu zu Irrwegen und Abwegen wurden. Kleinliche Mittel und Mittelchen wurden in Verkennung des tieferen Sinnes der Bewegung als das Um und Auf angesehen, angepriesen und aufgenommen. Die Bewegung ist bei uns den verkehrten Weg gegangen, nicht von innen heraus ist sie erwachsen aus der Erkenntnis der Unzulänglichkeit des Bestehenden, denn wir waren, von anderen Sorgen bedrückt, nicht zur rechten Vertiefung und Verinnerlichung gekommen; die Bewegung ist von außen hereingetragen worden in unser Schulleben. Wir waren auf einem toten Punkte angekommen, der Karren rollte im ausgefahrenen Geleise wohl oder Übel weiter und der Fortschrittstrieb war unter dem Drucke äußerer und innerer Bedrängnisse welk geworden. Draußen bei unseren Stammesbrüdern ging die Entwickelung unter günstigeren Umständen weiter. Auf die Dauer konnten wir der Bewegung nicht teilnahmslos gegenüber stehen, wir mußten dazu Stellung nehmen. Das war die Veranlassung, daß ich für die 6. Deutsche Landeslehrerkonferenz •n Prag, September 1908, das Thema „Die schaffende Arbeit als Erziehungsmittel im Unterrichtsbetriebe der Volks- und Bürgerschule“, anmeldete. — Bezeichnend ist, daß die Frage der ganzen Versammlung so fern lag, daß man dabei nur an ein Nebenfach, den Handfertigkeitsunterricht, dachte, keineswegs aber an die grundlegende Bedeutung. Aus dieser Verkennung ergab sich die Einschränkung meiner Aufgabe auf die Bürgerschule und die Zuweisung an die Bürgerschulkonferenz. Meine Absicht war, die Aufmerksamkeit der deutschböhmischen Lehrer auf diese Frage zu lenken; ich wollte anregen, verwies aber damals schon auf die möglichen und wahrscheinlichen Entgleisungen, die auch nicht ausgeblieben sind. — Ein Maßgebender im deutschen Schulwesen Böhmens hatte sich dann für den Gedanken eingesetzt; das wäre an sich kein Fehler gewesen, aber es wurde einer. Eine ganze Menge Leute bemächtigten sich der Frage, nicht aus innerem Antriebe, sondern lediglich jenem Maßgebenden zu Gefallen. Und sie blieben an den Äußerlichkeiten kleben und fielen ab, als ihr Beweggrund nicht mehr wirkte. Das übrige besorgten die Schlagwort- und die Geschäftspädagogen und sie alle leisteten der guten Sachen die möglichst schlechtesten Dienste, so daß Schein oder Wesen, echt oder schlecht nicht mehr zu unterscheiden sind. Nun erheben auch die heimlichen Gegner wieder kühner ihr Haupt, die bequemen, die alles hassen, was ihr geruhsames Behagen bedroht, die pädagogischen Handwerker, die ihre bewährten Kniffe entwertet sehen und alle jene Rückwärtser, denen alles Vorwärtsstreben 1 Das Wort konnte nicht bezeichnender (im heutigen Sinne) gewählt werden. * Den Lehrstoff und den Lernstoff, insbesondere den Wissensstoff. F. F. 8778 verdächtig oder gefähilich dünkt. Dazu kommt nun die trostlose wirtschaftliche Lage der Lehrer Böhmens, unter der aller Berufseifer verdorrt, — fürwahr, eine Lage, die alle Hoffnung vernichten könnte. — Mit nichtenl — Die Sache ist an sich so kerngesund und so tief in der Menschennatur begründet, daß sie gar nicht umzubringen ist, und wenn sich alles, was rückwärts kriecht, dagegen verbünden wollte: die Idee der schaffenden Arbeit, das selbsttätige Erarbeiten, das erfahrungsmäßige Lernen bleibt die natürliche Richtlinie für den Unterrichtsbetrieb jetzt und in alle Zukunft. Sie lebte in allen den führenden Geistern aller Zeiten, von des alten Seneca „Non scholae sed vitae est discendum“ bis zu Pestalozzi und seinen Wiedererweckern und bis zu den Spezialpädagogen und den Experimental-Psychologen der Gegenwart. Jetzt und ehedem, solange die Menschheit auf Erden hungert, hat sie alles, was sie kann, nur auf dem Wege des Erarbeitens, des Erlebens, durch selbsttätiges Schaffen, durch selbst erworbene Erfahrung gelernt. Und was haben wir Daheimgebliebenen, was haben die draußen im Felde vom geringsten Landsturm-Arbeiter bis zum Schlachtenlenker im Hauptquartier alles gelernt, neugelernt und umgelernt in dieser kurzen Spanne Zeit unter dem gewaltigen Zwange des Erlebens; wie sind so viele schöne Systeme und Theorien über Kriegskunst und Kriegsgerät, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft an den Kriegsgewalten zerbrochen und zerschellt und wie schnell hat das gewaltige Erleben Neues, Vollkommeneres und Dauernderes geschaffen. Denn nur eines besteht: das Wollen, der feste, unbeugsame Wille und seine fruchtbarste Lebensäußerung, die menschliche Schaffenskraft. — Unter den gewaltigen Eindrücken dieses vernichtenden Krieges wird die Bedeutung dieser Kraft neu erkannt werden, denn was könnte all die Schäden wieder heilen, alle versunkenen Hoffnungen wieder aufrichten, wenn es nicht das rüstige, das hoffnungsfreudige Schaffen auf allen Gebieten menschlichen Lebens und Wirkens tut? — Bürgerschuldirektor Pritsche. Nachwort: Der z. T. gegen die Schristleitung geführte Hieb hindert nicht die Veröffentlichung der überaus klaren und wertvollen Ausführungen, im Gegenteil: Es ist erfreulich, daß sich Männer finde», die in edler Art die Sache mit Mut und Überzeugung vertreten — ein Muster für jene, denen es lediglich um den persönlichen Klapps zu tun ist. So, Herr Ritter, will ich dich sehen: offen und vornehm! — Was der Herr Verf. im Schlußteile aussührt, ist ein Stück Arbeitsschulgeschichte in Österreich, so naturwahr, so treffend hingeworfen, daß mir das Herz anfging und ich mir sagte: „Es gibt doch noch Männer!" — D. Sch. Replik auf Herrn Zoders Erwiderung. (Seite 3649.) Herr Direktor im Ruhestande F. Zocker hatte in dem Artikel: „Das Zuviel im natur-geschichtlichen Unterrichte“ bereits in persönlichen Streit hinüberführende Sätze gebraucht und der einleitende Satz seiner Erwiderung: „Es ist doch merkwürdig, daß ein junger Volks Schullehrer besser wissen will, was der Bürgerschule frommt, als ein vielerfahrener Bürger Schullehrer und daß er förmlich als der Anwalt eines bestimmten Bttrgerschul-Lehrbuches auftritt, das er gar nicht verfaßt hat“ beweist neuerlich, daß er eine methodische Frage ohne spitze Bemerkungen nicht erörtern kann. Wer diesen ersten Satz seiner Erwiderung liest, wird kaum ahnen, daß der „junge Volksschullehrer“ bereits 37 Jahre alt ist, seit 1900 im Schuldienste steht, seit etwa 1906 methodische Arbeiten veröffentlicht und überdies nachweisen kann, daß er durch seine Schriften Einfluß auf die moderne Gestaltung des naturgeschichtlichen Unterrichtes genommen hat. Herr F. Zocker verschanzt sich hinter sein Befähigungszeugnis für Bürgerschulen, hinter besondere Erfahrung, das sind Beweise dafür, daß er mit sachlichen Gründen seine Ansichten nicht stützen, meine nicht entkräften kann. Meinen Hinweis auf die Einführungs-Geschichte will er auch nicht verstehen, so daß ich ihm deutlicher kommen muß, was ich eben gerne unterlassen hätte. Erinnert sich Herr Zocker nicht mehr seiner Taktik mit buntbedruckten, hinter meinem Rücken ausgesandten Briefen, dann möge er meine seiner zeitige Erklärung am 25. Oktober 1909 neuerlich durchlesen. Er nennt mich einen „förmlichen Anwalt eines Bürgerschul-Lehrbuches, das ich nicht geschrieben“, das klingt ähnlich, wie seinerzeit. Da ihm das Stingl-Spamersche Buch, das ich seinerzeit lobend besprach und das in zahlreichen Schulen eingeführt wurde, sehr im Wege zu sein scheint (warum kämpft er so sehr gegen es an? Die Alpen- und Sudetenausgabe Schmeilscher Bücher will er wohl nicht nennen) und es nach seinen Worten fast so aussieht, als wäre ich an 3779 der Ablehnung seines und der Einführung eines anderen Buches schuld, so muß ich ihn denn doch fragen: Wie reimt sich das wieder zusammen? Ist das eine Buch gut, so verdiente es die Einführung, ist es schlecht und nur Uber meine Befürwortung eingeführt worden, dann muß das Urteil des „jungen Volksschullehrers“ doch als das eines Fachmannes anerkannt sein, trotz Jugend, trotz Volksschule. Wieder muß ich sagen, er ist sich des Zwiespaltes und Widerspruches seiner Sätze gar nicht bewußt. Wollte ich zu seiner Erwiderung ausführlich Stellung nehmen, so müßte ich etwa 17 Stellen derselben besprechen. Unsere Auffassungen über Naturgeschichtsunterricht, sowohl nach Ziel als Methode, gehen eben diametral auseinander. Die überaus anerkennenden Urteile Uber meine methodischen Arbeiten, insbesondere über meine „Vorlesungen“, die ich nicht nur von engeren Kollegen der Volks- und Bürgerschule, sondern auch von Professoren der Mittelschulen und der Universitäten erhielt, zeigen mir, daß meine Auffassungen immer mehr Zustimmung finden. Herr Zoder erklärt, er bedarf keiner Belehrung; ich will sie ihm nicht aufzwingen. Seine persönlich gehaltenen Stellen konnte ich aber nicht alle unerwidert lassen. Wenn Herr Zoder weitere Antworten haben will, so kann er es ja sagen. Ich stehe ihm — zu einer rein sachlichen Besprechung — jederzeit zur Verfügung. Karl C. Rothe. Die Wechselnde. 27. Frage. 13. Urteil. L. Wilhelm. — Als interessanter Beitrag zur Frage der körperlichen Züchtigung möge folgender Artikel dienen, den die „Zeit“ veröffentlichte. Die Prügelstrafe. Ein Universitätsprofessor schreibt uns: „Im Morgenblatte vom 25. d. nimmt ein Anonymus ge, en das Verlangen der Wiener Kafteesiedergcnossenschaft nach Einführung der Prügelstrafe für Plattenbrüder Stellung und bezeichnet diese Strafe als Atavismus; bereits bei der Kindererziehung verwerflich, verfange sie auch bei Reiferen nicht. Diese Anschauung beruht auf einer völligen Verkennung des Strafzweckes; in erster Linie ist dieser Generalprävention, das heißt, durch ihre Androhung soll jedermann von Verbrechen abgehalten werden, und es bedarf wohl keines weiteren Beweises, daß dies im allgemeinen bei einer großen Anzahl von Verbrechern zutrifft. Aber gerade bei Plattenbrtidern versagt diese Präventivwirkung vollkommen, weil die gegenwärtigen humanen Freiheitsstrafen nicht geeignet sind, diese Herren abzuschrecken. Da eine Deportation als Strafmittel bei uns ausgeschlossen ist, verbleibt als wirksames Abschreckungsmittel bloß die Prügelstrafe. Es ist verfehlt, sie als Atavismus abzulehnen; atavistisch ist vielmehr die Roheit der Platten, und diese muß daher auch mit sonst längst überholten Strafmitteln bekämpft werden. Jugendgerichte und Jugendfürsorge, auf die der Einsender hinweist, sind gewiß äußerst wohltätige Einrichtungen, nur versagen sie leider gegenüber Erwachsenen, und schließlich weiß jeder Kundige, daß gerade die gefährlichsten Elemente, die in höherem Grade verwahrlosten Kinder, keinesfalls in Kinderschutzstationen aufgenommen werden dürfen, weil sie die übrigen Zöglinge verderben würden. Also zuviel darf man von diesen Einrichtungen auch nicht erwarten, ganz abgesehen davon, daß sie bei uns noch unzulänglich sind. Übrigens liegt der schlagendste Beweis für die Angemessenheit der Prügelstrafe darin, daß gewiß jeder vernünftige Mensch große Genugtuung darüber empfindet, wenn einmal Plattenbrüder von der aufgeregten Menge selbst gehörig verbläut werden. Man übersehe nicht diesen Gegensatz zu der tiefen Abscheu, die man sonst vor der Lynchjustiz empfindet.“ 38. Frage. Was beantragen Sie hinsichtlich der Erziehung der schulentwachsenen Jugend zwischen dem 14. und 20. Lebensjahre? 1. Urteil. Ferdinand Barta, Lehrer an der deutschen Schule in Neumarktl, Oberkrain. — Als ich vor mehr als 10 Jahren eine Waffenübung ablegte, fühlte sich der kommandierende Offizier veranlaßt, uns in einer Anrede vorzuwerfen, daß wir dem Heere Rekruten liefern, die oft nicht einmal des Schreibens, Rechnens und Lesens kundig seien, und suchte die Schuld in unsere Schuhe zu schieben, dabei ganz vergessend, daß der zukünftige Soldat auf dem Lande meistens nur sechs, bei Halblagsunterricht in Wirklichkeit nur drei Jahre die Schule besucht und vom 13. bis 21. Lebensjahre, also acht Jahre, sich selbst überlassen, die Schulbücher in einem staubigen Winkel geworfen, das Gelernte vergessen muß. Der jetzige Weltkrieg fordert uns dazu auf, um einer hoffnungsreichen Zukunft entgegensehen zu können, uns der Ärmsten der Armen, „der Schulmündigen“, anzunehmen, sie in 3780 Bahnen zu leiten, die, ihr Wissen und Können vervollkommnend, vor sittlicher Entgleisung hütend, vor Müssiggang bewahrend, zur Selbsterziehung leitend, einem sicheren Ziele zuführen sollen. Schon die Wahl des Berufes jedes Einzelnen müßte mit reiflicher Überlegung, am besten im Einvernehmen der Schule, getroffen werden. Wie viele üben einen Beruf aus, dem sie nicht gewachsen sind und zu dem dem Einzelnen oft schon vom Anfänge an jede Lust und Liebe fehlt. Ein verfehlter Schachzug im Leben mancher! Ein Produkt voreiliger, unüberlegter Wahl; ein blinder Eifer, der nur Schaden bringt, indessen der Unglückliche in einem ändern Berufe den besten Mann stellen könnte. Ein eigenes Disziplinargesetz müßte geschaffen werden, das dem Lehrer und den anderen Erziehungsfaktoren Mitteln bieten würde, die an und für sich in diesen Jahren oft zügellosen, ja oft verlotterten Jugend im Zügel halten zu können. Mit ganz besonders scharf zu überwachenden Strenge sei dem vorzeitigen Tabakrauchen und dem Alkoholgenusse entgegenzusteuernI Nebst der Zeit der Erlernung eines Handwerkes oder zum Besuche einer Mittel-, Fach- oder Fortbildungsschule ist die übrige Zeit nutzbringend anzuwenden mit Dilettantenarbeiten, Musik- und Stenographieunterricht, mit dem Besuche von Zeichenschulen, Buchhaltungskursen auszufüllen. Ein Ortsausschuß für Jugendfürsorge habe für die Mittel zur Schaffung der nötigen Unterrichtslokalitäten, der Lehr- und Lernmittel zu sorgen. Ein Aufsichtsrat, bei dem die die einzelnen Unterrichtskuise leitenden Lehrpersonen Sitz und Stimme haben sollen, hat die strikte Einhaltung der Disziplinargesetze zu überwachen. Veranstaltungen von Konzerten, Vorträgen, Theateraufführungen, Schauturnen, von Schülerarbeitenausstellungen könnten die oft magere Schülerlade füllen. Die nähere Ausgestaltung des Arbeits- und Unterrichtsplanes müßte dem Ortsausschüsse überlassen werden. Mobilisieren wir rechtzeitig zum Feldzuge gegen die Entsittlichung, Verwahrlosung der Jugend, seien wir diesen Armen ein Rettungsanker und helfen wir den Grundstein legen zu einem hehren Staatsgebäude, den Feinden zum Trotz und uns zum Schutz, zur Ehr’ und Wehrt Briefkasten. Die Arbeitswilligkeit unserer Leser im Dienste des kämpfenden Vaterlandes, die in den letzten Heften erregt wurde, hat sich in zahlreichen Zuschriften kundgetan; man verlangt zuvor bloß festgezogene Linien mit einem deutlichen Ausblick, um des Erfolges sicher zu sein. Daran hat es bei btr Zerfahrenheit, die bisnun jedwedes größere Schaffen hemmte, gefehlt. Sonderbündelei und Eigennutz sind zwei böse Geister; sie müssen wir vor allem bannen. Gottlob ist der Lehrerschaft das Gefühl einer großzügigen Tätigkeit seit Jahrzehnten durch die eigene Organisation beigegeben; es wird also nicht schwersallen, eine» neuen Gegenstand in die eiprobie Form zu zwängen. Hat man einmal die Lehrer, dann hat man alles, denn ihr Geist wirkt hinaus bis in die äußersten Enden und schafft mit starken, emsigen Händen. — It. K. Lir. 24: Die Liebesgabe wird Ihne» von lieben Frauen, deren edler Sinn der großen Sache dient, zukommen. — K. W. in M.: Sie waren immer ein Mann der Tat und der Treue. Bewahren Sie beides; wir haben es in dieser schweren Zeit nötig. — Hinj.-Kreiw. (Michtlehrer) a> bJD Cü 0) *a Km Q> E j: a> c ä < «3 U- Schriften von Dr. Rudolf Peerz. (Bezug durch die Verwaltung der „Blätter für den Abteilungsunterricht“ in Laibach.) 1. Talaufwärts von Schule zu Schule. (Eine lustige und lehrreiche Schulwanderung.) — 3. Auflage. Reich illustriert, mit der Ergänzung „Talabwärts von Schule zu Schule“ (Die Wanderung nach 7 Jahren) versehen. Elegant gebunden 3 K (2 K). 2. Das Zeichnen nach der Natur in der Landschule. 3. Auflage. 7. Tausend! — Geheftet 1 K 50 h (1 K), geb. 2 K (1 K 50 h) 3. Die gegenwärtigen sozialpolitischen Aufgaben der Lehrerschaft. Aufsehenerregende Rede; ein Programm für die Zukunft. 40 h. 4. Der heimatkdl. Unterricht in, Dienste der Volkswohlfahrt. Eine sozialpädagog. Studie. Preis 1 K (70 h). 5. Grüsse an unsre tapfere Armee. (Unter der Mitwirkung von 50 Mitarbeitern herausgegeben.) — 1 K (50 h). 6. Kreuz und quer von Schule zu Schule, (Eine Wanderfahrt durch das österr. Alpengebiet.) 2. Auflage. — Elegant gebunden 2 K (1 K 50 h), geheftet 1 K 50 h (1 K). 7. Anleitung zur Ausarbeitung von Prüfungsthemen. Allgemeine, aus der Praxis geschöpfte Leitsätze, Ratschläge und Beispiele in Dispositionen. Preis 40 h. 8. ,Blätter für den Abteilungsunterricht11. (Monatschrift zur Förderung des österreichischen Schulwesens.) — a) 1., 2., 3. Jahrgang (1904, 1905, 1906) als Buch in 3. Auflage erschienen (geheftet) 4 (3) K elegant gebunden.............................. 5 (4) „ ,-u z,rvv’x ' ' * * " hienen (geh.) 3 (2) ” 4 (3) „ gebunden . 6 (5) „ - 8 (6) „ - 8 (6) „ • 8 (6) „ - 8 (6) „ - 8 (6) „ • 8 (6) „ • 8 (6) „ Alle Jahrgänge bis einschl. 1915 in eleg. Bänden, Lexikonformat, 50 K. Bis 20 K Ratenzahlung zu 2 K monatlich, über 20 K zu 4 K. Einsendung mittelst Erlagscheinen. Mappen ä 1 K und Einbanddecken ä K 110 vorrätig. Der Bezug der „Bl.“ kann mit jedem Monate beginnen. t c- 5. elegant gebunden (1908) in Heften . 4 (3)K W d) 6. „ 0909) „ , . 6 (4) „ e) 7. » (1910) „ „ . 6 (4) „ f) 8. „ (1911) „ „ . 6 (4) „ ü> 8) 9 „ (1912) „ „ . 6 (4) „ I h) 10. „ (1913) „ „ . 6 (4) „ i) 11. „ (1914) „ „ . 6 (4) „ , k) 12. n (1915) „ „ . 6 (4) „ m I MH || AM Schtiller’s Tintenextrakte bequem, rein und billig im Gebrauch! Seit 10 Jahren für Schulzwecke glänzend bewährt. 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