IX. Zadrg. «IIP8* J^aff)osisc0e-Tni5slotis- '^eifscOrifC öerZötzne Des 0(gst. 0emn3 ijesu. O IM n DesHlarieri -t)em'n furTlfrifin Dekt 12. Dezeraber 1906. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Vostzusendung 2 K = 2 dbk, = 3 franken, Missionshaus füMHanb bei Brixen, Tirol. $ttr WeS' rt1 h»t* 'il30A0I*<< dient vornehmlick der tllnter--t II UCl IIHvycl stützung und Ausbreitung der flhistionstätigkieit der „Söhne des heiligsten Derzens Jesu" und sucht Vers ständnis und werktätige Liehe des /llMffionswerfces in tlUovt und Schrift zu fördern. - Das Arbeitsfeld dieser fwissionüre ist der Sudan (Zentralafriha). „TKIUe fcbön sind Öse jFüße derer, die den Frieden, die trobe Botschaft des Defies verkünden"! (IRöm. 10,15.) TDpt* IKSerscheint monatlich und wird V 11 Vvl ii Ivyvl Dom/iDisfionsbauß/nMllanb bei Krlren (Suöt(rol) herausgegeben. Bbonnement ganzjährig mit Kostversendnng 2 K = 2 /IDh. = 3Fr. löeft 12. Dezenlder 1906. IX. Zadrg. Die Scbüluh. Land und Leute. VON Doodwürden P. Milbelm Banbolzer F. 8. C. iSchluß.i 20. IReUgton. Schilluk Haben den Ahnenkultus wie (ß*j) die Japaner. Sie verehren die könig-lichen und ihre Familienahnen. Die Grabtempelchen, wie sie die königlichen Ahnen haben, und die einfachen Gräber sind daher die Orte der Opfer und des Gebetes. Vor dem Grabtempel Nykangs, des ersten Schillukkönigs, finden alljährlich, bevor die Regen niedergehen, die sogenannten Regentänze statt. Glück und Unglück hängen von der Gunst oder Ungunst der Verstorbenen ab. Zu ihnen gesellen sich als Unglücksstifter noch böse Geister. In Krankheit, Not und Sorgen werden Opfer dargebracht. Milch, Bier und Fett werden in den Tempelchen ausgegasten. Schafe werden erstickt, Ochsen mit dem Speere niedergestoßen. Die Erstlingsfrüchte gehören dem Nykang. Der Vater führt seine Tochter vor der Heirat zum Grab eines Ahnen und betet etwa: „Herr, hier bringe ich dir mein Kind; segne es! Du weißt, ob seine Wege gerade sein werden oder ob ihm Unglück bevorsteht. Wenn du nur willst, so wird mein Kind glücklich sein. Ich opfere ein Schäflein: sein Blut wird durch die Erde zu dir dringen und für mich und mein Kind sprechen!" Gegen böse Geister werden ganz absurde Mittel angewendet. Ein Beispiel genüge: Ein rußiger Kochhafen und darinnen ein Hahn mit abgeschnittenem Hals wird tief in die Erde vergraben: der böse Geist wird dadurch nach Art des Blitzes abgeleitet und versöhnt. Die königlichen Grabtempel haben ihre Viehherden als Patrimonien. Von ihrer Milch müssen die Säkristaninnen, die den Tempel rein halten, leben. Es sind Frauen früherer Könige, die dem jetzigen Könige zur Last geworden sind. Die kleinen Geschenke, die die Leute in ihren Anliegen bringen, werden von ihnen entgegengenommen. Diese Priesterinnen haben einen großen Einfluß, namentlich auf die Frauen; sie machen den Leuten vor, daß kein Regen falle, weil die Schilluk so viel zum „Weißen" gehen. Letztes Jahr erklärten sie den Telegraphendraht, der durch das Land geht, als Ursache des Ausbleibens von Regen. Das Leben in der Unterwelt stellen sich die Neger nach Art des Lebens im Kyffhünser dar, wo Barbarossa inmitten seiner schlafenden Krieger ruht. Der Name Schöpfer existiert in der Schilluk-sprache. Sie kennen ihn, verehren ihn aber nicht. Es ist mehr ein Wissen um seine Taten. Ein junger Mann äußerte mir einmal: „Die Hände eures Gottes müssen weiß sein wie die Sonne. Kein Flecken ist an ihm. Deshalb seid ihr so gut und niemand kann über euch Schlechtes sagen." Ich höre tagtäglich, daß unserem Herrgott die Erschaffung der Schilluk mißglückt sei und daß die Schilluk von ihm stiefmütterlich behandelt wurden. Das sei nicht schön von ihm. Ich tue natürlich mein Möglichstes, um den Leuten auseinanderzusetzen, daß sie gerade so glücklich werden können wie wir, wenn sie nur wollen. 21. Tauberer. Hand in Hand mit den Priesterinnen gehen die Zauberer. Es gibt deren gute und schlechte. Die guten kann man unter unsere Quacksalber einreihen, die mit Wurzeln und Kräutern und Sprüchlein arbeiten. Man findet unter ihnen Spezialisten für Schlangenbisse, Skorpionstiche, Beinbrüche, Zahnschmerzen und andere Uebel. Diese Art ist nicht so schlimm. Ein Krebsübel sind die eigentlichen Zauberer. Sie arbeiten mit Geheimmitteln und sind Giftmischer, Betrüger, Händelstifter, Mordbuben, deren Hütten bei Nacht von Klienten wimmeln sollen. Schlangenblut und -Gift spielen eine große Rolle bei ihren Operationen. Die Regierung kann ihnen nur sehr schwer beikommen. Will jemand seinem Nächsten einen Schaden zufügen, so holt er sich Rat und Mittel beim Zauberer. Im Hause des zu Schädigenden werden allerhand Wurzeln und Zaubermittel vergraben, ohne daß der Besitzer eine Ahnung davon hat. Sie sollen unterirdisch wirken und über kurz und lang soll ein Unglück passieren. Das Hauptgeschütz, mit dem die Zauberer ihren Feind zu erlegen suchen, ist das Gift. Es kommt die Gelegenheit, daß der Zauberer oder ein Abgesandter von ihm mit einem Ahnungslosen aus einem Kruge trinkt. Der Zauberer trinkt wie sein Nachbar, aber den Rest läßt er ihm. Das Gift weiß er dann geschickt hineinzumischen. Man hört sodann auf einmal, daß der und der gesund zu Bette gegangen und am Morgen tot aufgefunden worden sei. Hat ein Mädchen einen Freier abgewiesen, so muß es auf der Hut sein. Ich habe schon Fälle erlebt, wo Mädchen vor der Heirat plötzlich erkrankt und bald gestorben sind. Ist jemand gestorben, so wirft der Zauberer die Würfel und offenbart, ob der Tod natürlich, durch Zaubermittel oder durch böse Geister eingetroffen sei. Sind es Zaubermittel gewesen, so suchen die Hinterbliebenen nach einem neuen Zauberer, der gegen den Urheber des Todes arbeitet. 22. Tod. „To doge laed“, sagen die Schilluk, d. h.: „Bös ist der Stachel des Todes." Man spricht nie von ihm. Der König hieß mich einmal schweigen, als ich ihm vorhielt, daß wir am Ende doch alle sterben müßten. Beim Herannahen des Todes holt man einen Zauberer. Er tötet durch Erstickung ein Schaf, dann setzt man den armen Sterbenden auf den Bauch desselben. Hierauf werden die Eingeweide ausgenommen und um Kopf und Brust des Sterbenden gewickelt. Der Inhalt derselben wird im Zimmer auf Wand und Boden ausgeschüttet zum Schutze gegen die bösen Geister. Hilft das nicht, so nimmt der Zauberer einen rauchenden Strohbüschel und hält ihn unter die Augen des Sterbenden. Bleiben sie trocken, so ist keine Hilfe mehr, kommen Tränen, so ist noch Hoffnung vorhanden. Ist der Tod eingetreten, so erheben die Verwandten ein Klagegeheul, in welches das ganze Dorf einstimmt. Der Tote wird sofort mit seinem Perlenschmucke versehen und in ein Tuch gewickelt. Das Grab wird in der Nähe des Hauses gegraben. Es muß zirka zwei Meter Tiefe haben. Auf den Boden des Grabes wird eine Art Bett aus sechs Holzgabeln mit darübergelegten Rohrstangen eingesenkt. Darauf kommt der Tote zu liegen. Er wird dann mit einem Felle zugedeckt. Eine Decke aus Rohrstangen schließt die Totenkammer ab. Der Tote liegt darin frei und von der Erde unberührt da. 23. jßegräbnis. Der Tote wird von seinen Freunden begraben. Voran geht eine alte Zauberin mit hochgehaltener Lanze, eine Glocke in der Hand, ihr folgen die Leidtragenden. Er wird ohne weitere Zeremonien ins Grab gelegt. Vor den Verwandten und Kindern wird ein hohes, langes Tuch wie eine Mauer aufgespannt, damit sie nicht die Versenkung ins Grab mit ansehen müssen. War der Tote verheiratet, so wird seine Frau von zwei Personen rücklings mit am Rücken gekreuzten Armen zum Grabe geführt. In dieser Stellung gibt man ihr zwei Sandalen, die sie von den gekreuzten Armen ins Grab fallen läßt. Es folgt das Klagegeheul der Verwandten und Leidtragenden, während die waffenfähigen Männer im Krieger-fchniucke gegen das Grab anstürmen, um - ein Toten die letzte Ehrenbezeugung zu erweisen. Sobald das Grab aufgefüllt ist, werden mehrere Schafe darauf geopfert. Damit ist das Begräbnis bendet. Es ist eine sehr ernste Szene. Wahrhaft aufrichtige Trauer und inniges Mitleid herrschen unter den Anwesenden und Tränen fließen reichlich bei jung und eilt. Man nimmt den Eindruck mit sich, daß auch der wilde Schilluk am Grabe seiner Lieben ein gefühlvoller Mensch ist. Die Verwandten rasieren sich zum Zeichen der Trauer die Köpfe und tragen einen Strick um den Hals. 24. SebluD. Der freundliche Leser hat nun gesehen, wie das Schillukvolk lebt von der Wiege bis zum Grab, und kann sich gewiß der Einsicht nicht verschließen, daß es neben vielen bösen Seiten auch seine guten hat. Es steckt in ihm noch ein Stück gesunder Moral. Es weiß, daß gestohlenes Gut nicht lange hält, daß die Mißhandlung der Eltern etwas Verabscheuungswürdiges ist, daß Mord und Totschlag sich rächen und das Gewissen beunruhigen, daß Ehebruch und grobe Verletzungen des Sittengesetzes den Menschen erniedrigen, daß Neid und Haß zwei Dinge sind, von denen man bei Tag nicht spricht. Ein rechtschaffener Mensch ist im Grunde von allen geachtet und sein Tod betrübt alle. Ein schlechter Mensch steht nirgends in Ehre. — Ein Zeichen, daß viele gesunde Kräfte in diesem Volke sind, ist das Bild körperlicher Kraft und Schönheit, das der Schilluk bietet. Soll man ein Volk im Stiche lassen, das die zehn Gebote Gottes im Keime hat und sie hält? Nein! Dieses Volk ist der wahren Zivilisierung wert. Wir haben dieselbe damit begonnen, daß wir ihm die Notwendigkeit der täglichen Arbeit praktisch zeigen. Es muß das Wort verstehen, das Gott zu Adam gesprochen: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen." Dann kommt Sinn und Zweck in sein Alltagsleben hinein. Es muß ihm zuerst leibliche Hilfe gebracht, dann erst kann ihm auch geistige Nahrung geboten werden. Geht man in Europa morgens durch eine Stadt, so sieht man die Leute schon an der Arbeit oder sich auf den Straßen kreuzen und ihrer Arbeit zugehen. Besucht man aber um diese Zeit ein Negerdorf, so herrscht sonntägliche Ruhe und nur die Hausfrauen vollführen tore häuslichen Pflichten. Der kultivierte Mensch hat jeden Tag seine Arbeit vor sich, der Neger kennt noch nicht den Wert und den Zweck der Tage, die an ihm vorübergehen. Es gilt also vor allem, ihm die Notwendigkeit der täglichen Arbeit praktisch zu zeigen, dadurch, daß wir ihn zu regelmäßiger Arbeit heranziehen. Mit der Arbeit entsteht das Gefühl und das Bclvußtsein der Pflicht. Hat einmal der Neger erkannt, daß er zur Arbeit da ist und daß die Arbeit den Menschen ehrt und glücklich macht, dann wird er auch den Geber der Arbeit und den, der sie segnet, Gott, praktisch erkennen und verehren lernen. Wir suchen darum die Leute, denen die tägliche Arbeit ein Bedürfnis geworden ist, um uns herum anzusiedeln. Ihre Kinder bekommen wir daun leicht in die Schule, wenn wir ihr den Anstrich geben, daß man darin praktisch zu Handwerk und Handarbeit erzogen wird. Unsere Krankenbesuche, die Verabreichung von Arzneien und andere Werke der Barmherzigkeit sollen den Eingebornen zeigen, daß wir nur ihr Bestes wollen und keinen Nutzen für uns suchen und daß unsere ganze Kulturarbeit nur auf den Fortschritt und das Wohlergehen unserer Anvertrauten ausgeht. Mas haben wir nun in 5 Jabreit erreicht!*) Das Arbeitsangebot in unserer Umgebung geht weit über unsere Bedürfnisse hinaus. Wir haben lO.uOO Stück Backsteine gebrannt mit Hilfe unserer Arbeiter, wir haben Häuser ge baut sowie eine Straße, einen Brunnen gegraben, einen großen Garten angelegt, wo *) Der hochw. P. Bauhölzer hat hier hauptsächlich die Station Lul im Auge. Anm. d. Red. Lin afrikanischer Gitarrespieler. Je. MOWM- - r-?& v- beinahe alle europäischen Gemüse und dazu noch ägyptische zu haben sind. Die Ansiedlung tüchtiger Leute um uns herum ist noch nicht zustande gekommen, weil die Könige und mit ihnen die Zauberer unserem Einflüsse mit Neid und Eifersucht gegenüberstehen und man etwaige Ansiedler als Verräter an den altväterlichen Sitten ansehen, ihnen schaden, ja sogar nach dem Leben streben würde. Die Regierung ist neu wie die Mission und hat auch noch nicht den Einfluß und das Ansehen, daß sie in jedem einzelnen Falle untersuchen und helfen könnte. Es ist auch gar nicht am Platze, gleich, wenn etwas nicht nach Wunsch geht, den Arm der Regierung zu Hilfe zu rufen. man etwas in sie hinein, ohne daß sie es nur gewahren. Es braucht sehr lang, bis das Mißtrauen gegen uns bei den Alten nachläßt. Sie wollen eben nicht glauben, daß es Menschen gibt, die um Gottes Willen ihr Vaterland verlassen und sich für andere ohne Lohn aufopfern, und sie meinen, daß uns ein großer, geheimer für sie nicht faßbarer Vorteil in weiter Zukunft in Aussicht stehe. Auch die Schwestern haben Scharen gelehriger, aber unsteter Schülerinnen, die etwas Nähen und Flicken lernen. Ich muß sagen, sie haben in dieser Kunst noch sehr wenig Fortschritte gemacht, aber anhänglich sind sie >3pe Insel lpbßlä bei Assuan (Beim ersten Nilkatarakt). Es kommen sehr viele intelligente Schilluk-burschen zu uns in die Schule, aber wie es auch in Europa ohne Schulzwang wäre — höchst unregelmäßig. Immerhin haben es einige schon weit gebracht im Katechismus und im Englischen. Die Eltern sehen es nicht gern, wenn ihre Kinder zu oft uns besuchen; es ist ein bißchen Eifersucht und die immer noch anhaltende Furcht, wir möchten eines schönen Tages alle ihre Kinder mit Gewalt auf ein großes Schiff bringen und als Sklaven verkaufen, hält sie davon ab. Doch kümmern sich nach und nach die wilden Recken wenig inehr um solche Schreckgespenster. Sie haben uns gern und umstehen und umlagern uns, wo wir sind und gehen, und so bringt an die Schwestern geworden und nehmen zu ihnen Zuflucht in Krankheit, Not und Sorgen. Ein kleines Spital im Hause, das immer besetzt ist, und die häufigen Krankenbesuche außerhalb des Haitses haben den Schwestern große Achtung erworben. Sie benützen ihren Einfluß aber auch ordentlich dadurch, daß sie Hunderten von kranken, dem Tode verfallenen Kindern durch die heilige Taufe die Seele retten. Die Anhänglichkeit des Volkes wächst von Tag zu Tag und wir sehen, daß unsere Arbeit nicht fruchtlos gewesen ist. — Wir können nicht von eigentlichen Predigten sprechen, wir haben noch sehr ungeregelte Schule, aber durch den täglichen Verkehr mit den Leuten wirken wir vorerst mehr als durch Predigt und Schule, denen sie mit Mißtrauen entgegentreten. Es ist ganz natürlich, daß sie in Unterhaltung und Verkehr es nicht so merken, daß man es auf ihre Bekehrung abgesehen hat. — Von Belehrung wollen sie ja sonst gar nichts wissen. Man sieht daraus, daß die Missionäre nicht gleich nach ein Paar Jahren Arbeit zum Taufwasser greifen können. Unsere Urahnen sind auch nicht in 5 Fahren Christen geworden, es sind 2000 Jahre dahin und es gibt noch viel Heidnische und Abergläubische. Verlangen Sie nicht von uns in Afrika, daß wir im Galopp arbeiten, wir wollen keine Galoppchristen, die Heuchler sind, sondern überzeugte, brave Leute. Solche werden aber nicht an einem Tage.----------- * * * Beim Lesen dieser Zeilen ist vielleicht auch dir, lieber Leser und freundliche Leserin, der Wunsch und Wille aufgestiegen, mitzuhelfen an der Rettung dieser armen Schillukneger. Ja, du kannst den Missionär in seiner Kulturarbeit unterstützen dadurch, daß du ihm Missionsberufe zuführst. Gegenwärtig sind alle Berufe überfüllt und viele Leute wissen oft nicht, welchen sie mit guten Aussichten ergreifen sollen. — Unser Stand weist noch viele Lücken auf, da haben noch viele Leute Platz. Wir brauchen Priester salso auch Studenten), wir brauchen Handwerker: Schuster, Schneider, Tischler, Maurer, Schlosser, Ackerbauer ; jede gute Arbeitskraft können wir verwerten. Wir brauchen auch Missionsschwestern und dazu eignen sich gesunde, brave Bauernmädchen; die Mädchen aus der Stadt sind auch sehr willkommen, wenn sie diese beiden Eigenschaften haben. Jünglinge und Jungfrauen, die ihr einen Missionsberus in euch fühlt, ihr könnt euch ein glückliches Heim in Afrika gründen, wo ihr für Zeit und Ewigkeit bestens aufgehoben seid! Außer Missionsberufen brauchen wir noch Gebet und Geld. — An Gottes Segen ist alles gelegen. Ohne ihn arbeiten wir umsonst. Dieser Segen läßt sich aber nur aus Gottes Hand erzwingen durch andauerndes Gebet. Also betet, helfet uns beten, laßt für uns beten! Daß wir Geld nötig haben, versteht sich von selbst. Wir müssen nach Afrika reisen, dort leben, wohnen und kleiden, wir müssen dort Hungrige speisen und Nackte bekleiden und das kostet Geld und zwar schweres Geld. Wer nun die Missionen unterstützt, übt ein Werk der Barmherzigkeit an vielen armen Schwarzen und nimmt teil an den Mühen, Erfolgen und Verdiensten des Missionswerkes. Die alten Deutschen, unsere Ahnen, waren einst auch mit Fellen bekleidet und sind mit Speeren bewaffnet einhergegangen und Missionäre aus fernen Ländern haben ihnen das Evangelium verkündet, Missionäre, die wie die jetzigen auf die Gaben ferner Wohltäter angewiesen waren. Du kannst also der Dankbarkeit für die Gnade des heiligen Glaubens, den du von deinen Vorfahren geerbt, nicht besser Ausdruck geben, als wenn du die Missionäre von heute recht kräftig unterstützest. \fZ \fZ \!z vsZ vfz Kl/ \fZ Vz vz \fz Ein Ausüug nadb ©mburman. von Ibocbw. P. Job, Schumann F. S. C. yür den neu angekommenen Missionär gibt es in unserem Missionsgebiet zwei Punkte, die von besonderem Interesse für ihn sind: Khartoum und Omdurman: Khartoum als Mittelpunkt der alten Mission und Omdurman als Hauptstadt des ehemaligen Mahdireiches. Hier in Khartoum jedoch find auch die letzten Reste, welche noch an unsere Mission vor dem Mahdiausstand erinnerten, verschwun- den. Die öden Ruinen, welche die wilden Horden des Mahdi von dem stattlichen Missionsgebäude übrig gelassen, mußten nach Niederwerfung des Kalifenreiches (1898) einem deutschen Hotel Platz machen. Um so mehr Erinnerungen ruft Omdurman in der Seele hervor, Erinnerungen weniger zwar an das Wirken der alten Missionäre, als vielmehr an ihre Leiden während langer Gefangenschaft. Denn zu jener Zeit bestand Omdurman überhaupt noch nicht; die Stelle, wo sich heutzutage die Stadt erhebt, war eben nichts anderes als eine öde, steinige Wüste, ohne auch nur einen grünen Grashalm aufzuweisen. Dem Mahdi war es vorbehalten, nach der Zerstörung Alt-Khartoums in jener Wüste eine Stadt aus dem Boden zu zaubern mit mehreren hunderttausend Einwohnern. Wie schon gesagt, sind es vielmehr Erinnerungen an die Leiden, welche unsere zu Khartoum und an sonstigen Orten gefangen genommenen Missionäre und Schwestern in harter Gefangenschaft durchmachen mußten. Aus diesem Grund wollte auch ich sobald als möglich diesen historisch wichtigen Boden besuchen. Dazu kam noch, daß mich einer meiner Mitbrüder, der den alten „Sterns-Lesern durch seine humoristischen Berichte wohl-bekannte hochm. P. Münch, einlud, einige Tage in der würzigen Wüstenluft Omdurmans zuzubringen und mich so von der überstandenen Krankheit ganz zu erholen. Dieser gütigen Einladung leistete ich natürlich mit Freude Folge. Am Abend vor dem für den Ausflug festgesetzten Tag ging noch ein gewaltiger Platzregen hernieder, der alles zu vernichten drohte. Ich jedoch freute mich im Herzen; wenigstens ist morgen die Luft etwas abgekühlt und dann brauchen wir auch nicht gar so viel Staub zu schlucken, der sonst nie fehlt. So dachte ich bei mir; doch, wie wir sehen werden, sollte ich am andern Tag eines bessern belehrt werden und hätte gern die Hitze samt dem Staub mit in Kauf genommen. Am festgesetzten Tage brach ich also mit noch drei Geführten in aller Frühe auf, um mit der Tramway zur Fähre zu gelangen. Mit knapper Not waren wir endlich noch zur rechten Zeit angelangt. Doch, o Schrecken, der ganze Platz stand unter Wasser und doch mußten wir auf die andere Seite gelangen! Die Araber machten kurzen Prozeß: die Hose etwas höher gehoben und mitten durchgewatet; wir jedoch konnten sie nicht nachahmen, hatten auch wenig Lust dazu. Es blieb also nichts anderes übrig, als zu versuchen, ob wir nicht am Rande in der Nähe der Häuser vorbeikommen könnten. Der Versuch gelang vorzüglich; daß hie und da einer einen Fehltritt tat und mit einem Fuß ins kühle Naß tappte, hatte weiter nichts zu bedeuten: wir waren froh, an Ort und Stelle zu sein. Fahrplanmäßig hätte der Zug schon längst hier sein sollen, trotzdem ließ er noch immer auf sich warten, so daß in uns schon der Verdacht aufstieg, wir seien gar zu spät angekommen. Von dieser Furcht befreiten uns jedoch die Vorübergehenden; einige sagten uns sogar, daß der Zug überhaupt nicht bis hierhin kommen werde, da die Strecke teilweise unter Wasser stehe. Inzwischen war auch unser fünfter Gefährte hoch zu Esel angelangt. Er gab jedoch dem Langohr gleich wieder die Sporen, um sich über die Sachlage genau zu erkundigen und zu sehen, wo wir etwa auf den Zug stoßen könnten. Wir suchten unterdessen, so gut es ging, weiterzukommen, indem wir die gefährlichen Stellen so gut als möglich vermieden. Bald kam uns unser Kundschafter mit dem Hute winkend entgegen geritten. „Schnell hinten hingehen, dort können wir den Zug vielleicht noch erreichen," war die kurze Anweisung; es war jedoch schneller gesagt, als ausgeführt. Jetzt begann ein Rennen und Laufen durch die Straßen oder, besser gesagt, am Rande der Straßen, denn in der Mitte standen alle unter Wasser. Waren wir glücklich am Ende einer Gasse angelangt, so hieß es gewöhnlich wieder umkehren, da die nächste Straße kniehoch unter Wasser stand und uns Europäern das Weitergehen verwehrte; es hieß also umkehren und auf einem anderen Weg unser Glück versuchen. Da, ein Pfiff, bald darauf ein zweiter und der Zug setzte sich in Bewegung, während wir wieder von neuem umkehren mußten, um unseren Angriff zum dritten- und viertenmal zu erneuern; endlich erreichte!: wir auch, über alte, eingestürzte Mauern und Geröll hinweg springend, die verhängnisvolle Station. Der Zug war uns jedoch entschlüpft und hatte einen Vorsprung von gut^'500 Meter. Bei uns zu Hause wäre in dem-Falle nichts anderes übrig geblieben, als den Weg zur Fähre zu Fuß zurückzulegen, auf die Ge- fahr hin, zu sehen, wie auch das Schiff vorder Nase abfährt, oder aber auf die Abfahrt des nächsten Zuges zrr warten. Doch wir befanden uns in Afrika: und nimmt auch Khartoum immer mehr das Gepräge einer-europäischen Großstadt an, so bleibt es einstweilen doch noch in Afrika. Anstatt also zu warten, verlegten wir uns augenblicklich ans Laufen, um den Zug ebenfalls einzuholen oder, worauf wir mehr rechneten, um ihn zum Stehen zu bringen, denn wir waren gewiß, daß er auf uns warten würde, wenn uns nur der Zugsführer bemerkte. Es war wirklich ein drolliges Bild, wie wir fünf um die Wette dem davoneilenden Zuge nachliefen, von Zeit zu Zeit mit dem Hute schwenkend; wäre ein Amateur-Photograph in der Nähe gewesen, so hätte er seine Sammlung gewiß mit einem interessanten Bilde bereichert. Wir hatten unsere Rechnung auch dieses Mal wirklich nicht ohne den Wirt gemacht, denn schon bald bemerkte uns der Kondukteur und ließ den Zug halten. So gingen wir denn jetzt ganz gemütlich zum Zug und nahmen Platz, um von der ermüdenden Hetztour etwas auszuruhen. Bei der Fähre angelangt, erfuhren wir zu unserem Schrecken, daß Omdurman ganz unter Wasser stehe und daß es unmöglich sei, voranzukommen, wenn man nicht durch das Wasser waten wolle. Was jetzt tun P Umkehren und sich wieder durch die überschwemmten Straßen Khartoums durchschlagen oder weitergehen und in Omdurman unser Glück versuchen? Das letztere wurde beschlossen, da ja die Fahrt schon bezahlt war, wenigstens für vier: ich konnte keine Retourkarte nehmen, da ich einige Tage in Omdurman bleiben wollte; im schlimmsten Fall konnten wir ja hoch zu Esel durch die Straßen Omdurmans reiten. Im Eifer der Beratung hatten wir ganz vergessen, für mich, den fünften, eine Fahrkarte zu lösen. Zur steten Erinnerung mußte ich nachher bei der Revision das Doppelte zahlen; wenigstens werde ich bei einem nächsten Besuch in Omdurman mich an die Fahrkarte erinnern. Die Ueberfahrtsstelle von Khartoum nach Omdurman ist gerade an der Landzunge gelegen, welche den Zusammenfluß des Weißen und Blauen Nil bildet, jedoch noch am Blauen Flusse. Wir fuhren also aus dem Blauen Nil in den Weißen und dann an das jenseitige Ufer des letzteren. Das Wasser der beiden Flüsse läßt sich während der trockenen Jahreszeit noch weit unter dem Zusammenfluß gut unterscheiden; während das eine himmelblau ist, ist das andere ganz trüb und lehmig. Jenseits angelangt, stiegen wir gleich wieder in den Zug und unter Gepolter ging es to etter durch die Straßen Omdurmans, wenn ich den Namen so profanieren darf. Sollte jemand an Verdauungsbeschwerden leiden, so kann ich ihm nichts Besseres anempfehlen als eine Fahrt auf dem Tram zu Omdurman, denn der Magen wird auf demselben gründlich durchgerüttelt. So lange wir auf dem Tram saßen, ging alles gut und das Wasser auf den Straßen machte uns wenig Sorgen und noch weniger Beschwerden; ja wir dachten nicht einmal daran, da die Stadt unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Erst als wir an der Endstation angelangt waren, kam uns die tragische Wirklichkeit wieder zum Bewußtsein. Wir befanden uns in einem förmlichen See, aus dem nur die elenden Lehmhütten hervorragten. Es blieb also nichts anderes übrig, als zu den Eseln zu greifen, deren genug in Bereitschaft standen. Die Schwierigkeit war nur, auf einen hinaufzukommen; denn glaubte man, glücklich einen bestiegen zu haben, so zerrte ein anderer Eseltreiber einen förmlich herunter oder ließ einen nicht hinauf, um seinen Esel an den Mann zu bringen. So gab es dann ein förmliches Gedränge; besonders einem meiner Gefähr-en wollte es nicht gelingen, auf den Esel hinaufzukommen. Von allen Seiten wurde er gestoßen und gezerrt, bis ihn endlich ein Soldat aus dem Gedränge befreite, indem er mit seinein Spanischen nach rechts und links Hiebe austeilte, ohne lange zuschauen, ob sie auf einen Esel oder auf dessen Eigentümer niedersausten. Jetzt wurde endlich Platz und mir konnten unseren Ritt beginnen. Ich hatte mich schon in Assuan mit beut Reiten auf dem afrikanischen Langohr bekannt gemacht, so daß es gut und ohne die geringste Furcht abging; es wäre auch wirklich kein Vergnügen gewesen, hierin eine der schmutzigen Pfützen hineinzufallen; abgesehen von dem allgemeinen Gaudium, hätte man noch tnehrere Tage nachher zu reinigen gehabt. So kamen wir denn glücklich trockenen Fußes in unserem Missionshaus an. Auch hatte es in der ver- gangenen Nacht an verschiedenen Stellen ins Hans hineingeregnet; weiter hatte der Regen jedoch keinen Schaden angerichtet. Am Nachmittag versnchten wir unter Führung des hochw. P. Münch etwas tiefer in die Stadt einzudringen, um wenigstens ein ungefähres Bild von der Größe und vom Aussehen der Stadt zu bekommen; doch kaum waren wir vor der Tür, als sich auch wieder das alte Uebel bemerkbar machte. Es gab keine einzige Straße, die wasserfrei gewesen wäre; zum mindesten mußten wir an den Lehmmaueru, welche die Straßen begrenzen, hinkriechen, da dort der Boden etwas erhöht war; natürlich ging das nicht ab, ohne daß der eine oder andere ein tüchtiges Fußbad nahm. Sehr häufig mußten wir auch ganz umkehren, nachdem wir uns schon eine Halbe Stunde abgeplagt hatten, um bis zu einem Punkte zu gelangen. Die beigegebenen Bilder werden dem geehrten Leser ein klareres Bild von dem Aussehen Lmdurmaus geben, als es eine Beschreibung vermag; ohne weitere Auswahl wurden sie auf der erstbesten freien Stelle aufgenommen. Die ganze Stadt besteht aus solchen Lehmhütten, wie sie das Bild auf Seite 285 zeigt; auch die Straßen sind ganz genau so. Das eine Bild zeigt uns eine Straße, wie wir sie auf unserem Ausfluge vorfanden; an den wasserfreien Stellen, nahe den Hütten oder sonstigen Mauern, mußten wir uns durchschlagen. Nach einem mehrstündigen Gange durch die Straßen wandten wir uns wieder der Tramstation zu, wo meine Gefährten den Zug bestiegen, um nach Khartoum zurückzukehren, während ich mit hochw. P. Münch in unsere Misstonsstation zurückkehrte. Ein Besuch des Schlachtfeldes von Seren, den ich für einen der nächsten Tage geplant hatte, mußte leider wegen der allzugroßeu Hitze unterbleiben. Keren heißt eigentlich ein Hügel, der sich mitten in der Wüste erhebt. Auf dem Wüstenstriche, der sich zwischen ihm und dem 9äi ausdehnt, wurde die blutige Schlacht am 2. September 1898 geschlagen, in welcher die Macht des Kalifen gänzlich vernichtet wurde. Hingegen stattete ich der alten Wohnung des Kalifen und dem zerstörten Grabmal des Mahdi einen längeren Besuch ab, der umso interessanter war, als unser Führer ein Gefangener des Mahdi war und vom Beginn des Aufstandes 1882 bis zu dessen Niederwerfung 1898 in harter Gefangenschaft geschmachtet hatte; von diesen 16 Jahren hatte er mehr als 2 Jahre mit Ketten gefesselt int Kerker gelegen. Das Haus des Kalifen und das Grabmal des Mahdi sind die einzigen Gebäude Omdur-mans, welche aus gebrannten Ziegeln aufgeführt sind. Das Material dazu lieferten die zerstörten Paläste Alt-Khartoums, nicht zum geringen Teile auch unser Misstonsgebäude. Gerade so gut wie ich von dem Hause des Kalifen spreche, könnte ich auch von dessen Häusern sprechen, denn das Ganze ist ein großes Viereck, in dem sich verschiedene Hütten befinden, die allerdings durch gedeckte Gänge mit einander verbunden sind. Soweit man jetzt noch urteilen kann, waren sie alle ziemlich gut eingerichtet; im Vergleich mit den anderen Hütten glaubt man sich in einem Palaste zu befinden. Unser Führer zeigte uns auch ganz gern die Stelle, wo sie, die gefangenen Europäer, vor dem Kalifen zu erscheinen hatten; während der Kalif auf seinem Angareb saß, mußten sie sich in einer gewissen Entfernung auf den Boden kauern, um seine Ermahnungen oder Vorwürfe anzuhören. Wehe, wenn es einer gewagt hätte, seine Augen zu erheben, um den Kalifen anzuschauen; es hätte ihm den Kopf kosten können. „Verstohlen habe ich ihm doch oft in die Augen geschaut," bemerkte unser Führer. Das Grabmal des Mahdi ist nur noch eine Ruine. Gleich nach der Schlacht bei Kereri richteten die Engländer ihre Kanonen zuerst auf dieses Heiligtum, denn für ein solches wurde es von den Anhängern des Kalifen gehalten. War dieser Punkt erobert, so war auch die ganze Stadt eingenommen; schon nach einigen Schüssen war die Kuppel durchlöchert. Nach Eroberung der Stadt wurde dann der Leichnam ausgegraben und die Kuppel ganz zertrümmert; in diesem Zustande steht das Grabmal auch heute noch da. Der Erbauer dieses Gebäudes lebt heute noch in Khartoum ; er ist ein altes Mitglied unserer Mission ; jetzt ist er schon 53 Jahre im Sudan. Auf dem Heimwege zeigte uns unser Führer auch die Stellen, wo die berüchtigten 12 Galgen standen, an denen so viele Tausende ihr Leben lassen mußten; ferner den Kerker, in welchem er selbst nach der Flucht des hochw. P. Rosignoli durch 2 Jahre, in Ketten geschlagen, schmachten mußte. Nachdem ich mich in Omdurman etwas erholt hatte, kehrte ich wieder nach Khartoum zurück, diesmal aber ohne die fatalen Erlebnisse von damals. Khartoum, 10. Oktober 1906. SD m Bach Afrika. Ikelsesktzze von Ibocbw. P. Alois Miltting F. 8. C. Mnt folgenden bringen wir einen inter-effanten Reisebericht des zuletzt abgereisten Missionärs, der erst vor kurzem sein Erstlingsopfer am Altare Gott dem Herrn dargebracht hat. Wir veröffentlichen einfachhin sein Tagebuch, das in seiner schlichten Form lebhaft und spannend die Erlebnisse seiner Seereise dem geneigten Leser vor Augen führt: Montag, 29. Oktober. Abends kam ich glücklich in Venedig an. Dienstag, 30. Oktober. Ich lese die heilige Messe in der Kirche S. Geremia auf dem Altar, in welchem der heilige Leib der syrakusischen Märtyrin Luzia ruht. In Eile packe ich meine Sachen zusammen und dann fort, fort: es ist höchste Zeit! — Mehrerseits spricht man sich schon aus, ich würde nicht mehr rechtzeitig ankommen. Und wies schon einmal ist, wenn man Pech hat, fährt mir der Tramdampfer knapp vor der Nase weg, so daß ich wieder zehn Minuten warten darf. „Du himmelblauer See!" denkeich —und wenn ich wirklich zu spät komme! Bin so in Gedanken verlieft, als mich plötzlich die lustigen Töne einer italienischen Musikbanda zerstreuen: Rekruten halten auf zwei großen Barken ihren Einzug; ein recht hübscher Anblick. Auf halbemWege verlassen wir denDampfer, um den Weg zu kürzen; mein Glück! Mein Führer, der Sakristan von S. Geremia, weiß die engsten und verborgensten Schlupfwinkel aufzufinden und so komme ich nicht nur früh genug, sondern habe auch Zeit, in aller Gemütlichkeit meine Sachen in Ordnung zu bringen. Will eben in eine Kabine eintreten. Welch eine Ueberraschung; da begegnen mir zwei von unseren Missionsschwestern: die ehrwürdige General-Oberin und eine jüngere, die sich ebenfalls nach Kairo einschifften; bin herzlich erfreut. Das Schiff, das uns trägt, ist der italienische Postdampfer „Nilo" von Palermo, hat eine Länge von 114 Meter, ist nett eingerichtet und dampft recht flott dahin. Punkt 8 Uhr Abfahrt von Venedig. Der Himmel ist wolkig, das Meer ziemlich bewegt, ein frischer, heftiger Morgenwind pfeift übers Verdeck dahin. Es dauert keine Stunde und ich spüre schon gewisse Unannehmlichkeiten, die jedoch bald vergehen; es ist eben der erste Einfluß der eigenartigen Schwankungen des Schiffes. Allmählich schwindet das Land, nur hie und da noch ein Turm, der von der fernen italienischen Küste aufragt. Die Winde legen sich, das Meer wird ruhiger. Auf dem Verdecke herrscht reges Leben. Die Reisegesellschaft ist aus Deutschen, Italienern, Engländern und Franzosen zusammengesetzt; es sind zumeist Beamtenfamilien, die von ihren Sommerferien nach Aegypten oder Khartoum zurückkehren, durchwegs freundliche Leute. Mansprichtindenverschiedenen Sprachen, so gut es eben geht. Fehlt ein Wort, so nimmt man es von einer anderen Sprache, denn diese Leute sind ja alle polyglottisch ; schließlich hilft man sich noch mit Zeichen. Was die heitere Stimmung noch erhöht, sind die Kinder; es sind mindestens 20 solche hier im Alter von sechs bis zwölf Jahren; da kann man sich denken, welch ein Leben da herrscht. Gegen 6 Uhr abends landen wir vor Ancona: eine alte Bischofstadt mit 60.000 Einwohnern; ans einer bogenförmigen, felsigen Landzunge gelegen, ragt es wirklich romantisch vom Meer auf; die rötliche Beleuchtung der Abendsonne erhöht noch den Reiz. Der erste Tag wäre also glücklich vorüber, jedoch nicht so die Nacht. Während ich den Tag großenteils ans Deck des Schiffes zugebracht, muß ich nun in meine Kabine. Dieselbe, ein kleinwinziges Kämmerlein, birgt vier Lagerstätten, zu beiden Seiten eine über der anderen; in der Mitte ist ein Gang von einem halben Meter Breite. Zuerst bin ich allein, dann kommt ein Franziskanerpater, der nach Jerusalem reist und hier in Ancona eingestiegen ist. Alles recht schön bis jetzt; ich grüße den guten Pater und schlafe weiter. Da auf einmal gegen 12 Uhr weckt mich ein Kreischen und Brummen. Zum Durchgeh';:, was ist das schon wieder, denke ich und will eben hinausgucken, da öffnet sich der Vorhang und ein barsches, krummnasiges Jnden-gesicht glotzt mich erbittert an. Es ist unser neuer Reisegefährte, ich gratuliere! — Der Mönchshabit des Franziskaners hat ihn erschreckt, von mir sah er nichts als den Bart — mußte mich also auch als Mönch ansehen — und so ging ihm die Galle über: „Schmutzige Gesellschaft, Schurken, umbringen soll man sie" usw. beginnt er zu schimpfen und es dauert eine hübsche Zeit, bis sich sein Brummen in ein verhältnismäßig angenehmes Schnarchen verwandelt. Gute Nacht! Mittwoch, 31. Oktober, Vorabend von Allerheiligen. Ein unliebsames Erwachen. Der Dampfer ist seit gestern abends 10 Uhr wieder in Gang; das Meer ist sehr unruhig, das Schaukeln stark, dazu noch die Geschichten von gestern und die gute Kabinenluft und man kann sich eine Vorstellung machen. Ich habe nicht Zeit, mich zu waschen oder auch nur den Mantel zunehmen, sondern laufe, was ich nur laufen kann, um am Verdecke frische Luft zu schöpfen und den Magen etwas leichter zu machen. — Es ist dies das einzige Opfer, das ich den Meeresgeistern brachte. Auch die Schwestern ver- spüren es ein wenig. Schwester Oberin gibt uns ein Gläschen von einem gewissen Geist und ich spüre bald, daß er äußerst wohltätig wirkte. Zum Glücke genügte all dies noch nicht, mir die gute Stimmung zu rauben; es wäre auch ganz unmöglich an einem so prächtigen Morgen. Es ist gegen 6 Uhr. Feurige Wolkenstreifen ziehen am Osten des Himmels dahin, die schlagenden Wellen schimmern weiß-golden im glühenden Morgenrot, einige Augenblicke noch und eine große Feuerkugel taucht aus dem Wasser hervor: es ist die Sonne, die wie neugewaschen, um vieles vergrößert, vom Meere aufsteigt; ein unbezahlbarer Anblick! Dieser Tag vergeht so ziemlich ruhig, doch hat die lustige Stimmung von gestern um vieles abgenommen. Wir fahren längs der italienischen Küste dahin ; romantische Städtchen und Dörfer liegen zerstreut am gebirgigen Ufer. Die Verschiedenheiten der Gegenden zu betrachten, bietet eine schöne Zerstreuung. Mit besonderem Interesse sehe ich auch den Delphinen zu, die in großen, raschen Luftsprüngen dem Dampfer folgen. Häufiger noch sind die weißen Meergeier, die gierig nach Beute ausspähen. Auch kleine Vögelchen folgen uns gerne, die sich dann von Zeit zu Zeit vertraulich auf dem Verdecke niederlassen. Es mögen darunter auch Zugvögel sein, die die Afrikareise mit uns machen. Um 5 Uhr abends landen wir vor Bari. Ich steige herzlich gerne aus und besuche die Kirche, wo der Leib des so berühmten heiligen Bischofs Nikolaus aufbewahrt wird. Ein hübscher Abend; alles ist wieder voll Leben: während des Abendessens geben uns einige barische Musikanten mehrere Stücke zum Besten und als erstes — man möcht's nicht glauben — den „österreichischen Doppeladler". Die Nacht macht sich. Der obengenannte Herr hat sich vollends geändert. Die Wahrnehmung, daß wir mit besseren Herren und Familien auf gutem Fuße stehen — wir haben nämlich schon am ersten Tage hinlänglich Bekanntschaft gemacht — ließ ihn erkennen, daß wir im großen und ganzen nicht so schmutzig seien, lute er es anfangs meinte. Nun ja, irren ist menschlich, nur gut, daß er darin nicht verharrte. Donnerstag, 1. November — Allerheiligen. Beim Erwachen finde ich alles in Ruhe: wir stehen im Hafen von Brindisi. Ich erwarte auf dem Verdecke die ehrwürdigen Schwestern, um in die Kirche zu gehen. Es ist uns eine große Freude, wenigstens diesen Festtag feiern zu können. In der St. Paulskirche lese ich die heilige Messe. Nach derselben besuche ich den liebenswürdigen Herrn Erzbischof von Brindisi. Dortselbst treffe ich auch die Schwestern. Mit vieler Freundlichkeit und dem heiligen Segen entlassen, kehren diese zum Schiffe zurück, während ich noch längere Zeit in der Stadt herumstreife, um mir eine Idee von einer süditalienischen Stadt zu bilden. Die Lage im allgemeinen ist recht schön, die Straßen mit wenigen Ausnahmen eng und winkelig, jedoch reiner, als ich mir dachte. In den Gassen herrscht überaus reges Leben; Kranke, Arme, Altersschwache u. dgl. betteln in Menge herum. Mittags bin ich wieder an Bord des Schiffes. Um 1 Uhr lichten sich wieder die Anker und es geht munter dahin, direkt auf Alexandrien los. Im allgemeinen herrscht auf dem Schiffe Ruhe, auch von der Seekrankheit sind alle wohl ans. Doch kaum sind wir im offenen Meere, kommt der Wind und wird immer heftiger, die Wellen steigen ungewöhnlich hoch. Man spannt Schutzdecken auf, es nützt aber wenig. Gegen 6 Uhr schlagen die Wellen schon über das Verdeck herein. Der Schiffskapitän ersucht, man möge sich in die. Kabinen begeben, was bei solchen Verhältnissen unangenehm ist. Uebrigens hätte er es nicht sagen brauchen, denn man flüchtet sich notgedrungen hinein. Einige stehen noch oben, auch ich möchte noch das Brevier beendigen, bis nach einigen Augenblicken eine hohe Woge mit Wucht hereinschlägt und gerade auf mich niederfällt. Pudelnaß laufe ich auch davon, hinab in die Kabine und hinein ins Bett, das Einzige, was man tun kann. Doch da, welche Szene! Die Seekrankheit treibt ihr grausames Spiel. In den verschiedenen Kabinen hört man jammern, stöhnen und erbrechen, als ob es zum Sterben ginge; auch meine beiden Gefährten nimmt es elendiglich mit. Ich selbst zu meiner Ueberraschung bleibe verschont; mir ist's aber so kläglich im Magen, daß ich mich nicht einmal zu rühren getraue, um nicht...! — Vom Abendessen keine Spur; von 50 aus unserem Speisesaale nehmen es nur drei Personen. Die Nacht ist unruhig, aber schließlich vergeht auch sie. Freitag, 2. November — Allerseelen. Natürlich keine heilige Messe, kein Fricd-hofgang, nichts, was an den Allerseelentag erinnert, ausgenommen die drückende Stimmung und die bleichen Gesichter von gestern her. Ich besuche im Geiste die fernen, zum Teile noch allzufrischen Gräber meiner Lieben. Wir fahren längs der jonischen Inseln dahin; alle sind vom selben Schlage; mäßig gewölbte Felsberge, mit niederem Gehölz be-, deckt oder auch kahl. Hie und da ein Dorf oder ein Gehöfte und das ist alles; sie sind wohl gar nicht so einladend. Samstag, 3. November. Auf dem Verdeck angekommen, erblicken wir noch den letzten Zipfel einer langgestreckten Insel, es ist die durch den Kretakrieg hinlänglich bekannte Insel, auch Kandia genannt. Da ich nur mehr das Nachsehen hatte, muß ich mich schon des Urteils enthalten; übrigens scheint sie den Charakter mit den jonischen Inseln und mit Griechenland zu teilen, während sie in bezug auf Bevölkerung in der Mitte zwischen beiden stehen dürfte. Das Meer ist heute recht ruhig, die Stimmung um vieles gehoben; ich glaube, daß alles gesund ist. Sonntag, 4. November. Tag der Freude! Ich eile sehr früh aufs Verdeck; ein überaus freundlicher Morgen begrüßt mich da. Man merkt die Nähe der ägyptischen Küste: der Himmel tiefblau, die Sterne naßschimmernd, wie vom Tau benetzt. Den Horizont verhüllt ein leichter Nebelstreifen, der im Norden mit dem Dnnkelgrau des Meeres verschwindet, gegen Osten aber in gelbroter Färbung als Morgenrot sein sanftes Licht über das Meer ergießt. Ein lauwarmes Lüftchen bewegt sanft den Wasserspiegel. Kurz, alles wirkt zusammen, das Herz zu erheben, ein wahrer Sonntagsmorgen und dazu noch das erhebende Bewußtsein, dem lieben Afrika so nahe zu stehen. Den Blick bewegungslos in die dunklen Fluten gesenkt, stehe ich da und sinne: Afrika, Tirol, die liebe Heimat, sie alle ziehen in verschiedenen Bildern durch die Seele. Nicht Trauer, Wehmut oder Trennungsschmerzerfüllen die Brust, nein, ein ruhiges Gefühl der Freude, Zufriedenheit und Erwartung erhebt das Herz und manch fchöner Gedanke hätte mich noch erfreut, wenn nicht das plötzliche Aufblitzen der prachtvollen Sonne mich zerstreut hätte. Mit Freuden begrüße ich sie als die Verkünderin dieses Freudentages, als den Anfangspunkt einer neuen Lebensära. Ihr vertraue ich auch meinen letzten Abschiedsgruß an die lieben Zurückgebliebenen an. Auf dem Schiffe herrscht natürlich die heiterste Stimmung und reges Leben; alle stehen im besten Schmucke da; man bereitet sich langsam auf die Landung vor. Schon eine gute Weile spähe ich aus, endlich einmal die so heißersehnte Küste zu entdecken, es ist vergebens. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, die Uhr zeigt gegen 11 Uhr. Da plötzlich heißt es auf verschiedenen Seiten: Oh, die Küste — Land — Alexandrien — Aegypten — Afrika ■— ein jeder eben nach seinen Verhältnissen, nach seinem Ziele. Ich schau' und schau' und fast kann ich's nicht glauben. Da liegt sie also, die teure Küste, das vielgeträumte Afrika. Endlich ist mein heißes Sehnen gestillt. Wie so manche Hindernisse schienen diese glückliche Stunde ins Unendliche hinausziehen zu wollen und jetzt sind sie überwunden; was liegt nun daran! Nur eines liegt mir noch am Herzen, daß nämlich all dieses nicht nutzlos sein möge, daß es zum Heile der Seelen sei, wenigstens für einige aus jenen Tausenden und Millionen von verlassenen Negern, die sehnsüchtig noch der rettenden Heilsbotschaft und der Missionäre harren. Möge das Gebet der freundlichen Leser mich begleiten! Aus dem Aus AMgo. Gerade zur rechten Zeit bin ich aus Lul in diese Station von der Schmerzhaften Mutter von Attigo zurückgekehrt, um einer unschuldigen Seele die Pforten des Himmels zu offnen. Am nächsten Morgen nach meiner Ankunft dahier betete ich das Brevier vor unserem Hause. Da tritt plötzlich ein Weib ganz schmerzerfüllt vor mich hin und bittet mich, nur schnell zu kommen, um ihre schwerkranke Tochter zu retten. Ich fragte sie nach dem Orte, wo sie wohne, und versprach ihr, sogleich zu kommen. „Aber, mein Vater, ich bitte dich, mache schnell, denn meine Tochter ist gestorben." Es ist dies eine Redeweise im Munde der Neger, weshalb ich sie nicht beachtete und dachte, zuerst mein Brevier zu beenden — es war nur sehr wenig — und dann gleich zur Krmcken zu eilen. Aber unmöglich! Ich wurde so verwirrt, daß ich nicht mehr weiter konnte. Ich unterbrach das Offizium mitten im Psalm und eilte zur Kranken. Ein ganzer Schwarm von Zauberinnen steht beim Eingang in die Hütte; sie lassen mir Zutritt und begrüßen mich mit Geschrei. Die arme Mutter hält in ihren Armen das zum Skelett abgemagerte, sieben Jahre alte Kind. „Ach, Pater, nachdem ich von dir zurückgekehrt war, hab' ich mein Kind tot gefunden!" und sie fing an heftig zu weinen und bedeckte mit Tränen und Küssen das Angesicht des Kindes. Wirklich konnte man das arme Geschöpf tot nennen: die Augen waren verdreht itnb es atmete kaum mehr. Da war keine Zeit zu verlieren; ich griff nach dem Wasser und spendete dem sterbenden Kinde die heilige Taufe, indem ich ihm den Namen meiner Mutter gab. Jetzt schien wieder etwas Leben in das Kind zu kommen. Hoffnung auf Rettung war nicht vorhanden, doch suchte ich, das Leben desselben um einige Stunden zu verlängern. Ich lief schnell zur Missionsstation, um eine Medizin zu holen, und siehe da, das Mittel brachte seine Wirkung hervor zum nicht geringen Staunen der Zauberinnen, die alle meine Handlungen genau beobachtet hatten. Die Kleine öffnete ihre großen Augen, schaute mich starr an und erkannte mich. Sie bat um Wasser und belebte sich wieder etwas. Die Zauberinnen verwunderten sich immer mehr. Das Kind zeigte nun heftigen Brechreiz, wurde stets unruhiger und befreite endlich feinen Magen von einer großen Menge Wassers und wenig gekauter Durrah durch Erbrechen. Die Arme hatte die Hungerkrankheit, die sie vollständig aufgezehrt hatte. Jetzt fingen die Zauberinnen an, mir großes Lob zu spenden, ja sie wollten damit nicht mehr aufhören, gerade als ob ich einen von den Toten auferweckt hätte. Ich ließ mich jedoch nicht dadurch täuschen; der Tod stand bereits vor der Tür und wartete nur noch, daß ich sie noch besser auf die Reise zum Himmel vorbereite und die Gnade der heilige Taufe, die sie eben empfangen hatte, noch mehr bekräftige. — Das Erbrechen hatte ihr eine große Erleichterung verursacht: das Auge, früher verglast, klärte sich auf, der Atem wurde ruhig und ziemlich regelmäßig, auch den Gebrauch der Sinne erhielt sie teilweise wieder. „Mein liebes Kind," sagte ich dann, „erhebe deine Augen zum Himmel und rufe Gott, der dich erschaffen, um feine Hilfe an. Er allein kann dir helfen." Ein langes Ah! ertönte zur Bestätigung meiner Worte aus dem Chore der Zauberinnen und während eine von ihnen mit rauher Stimme rief: „Uitedo, i ja mal!“ „O Vater der Völker, der du bist im Himmel, hilf deinem Kind, es gehört dir!" öffnete die Sterbende, durch diese Worte angeregt, ihre Augen und richtete sie zum Himmel, um den himmlischen Vater anzurufen. „Meine liebe Kleine," fuhr ich dann fort, „nicht wahr, du liebst den Herrn des Himmels und der Erde, Gott, der dich erschaffen und deshalb dein Vater ist, und du glaubst auch alles, was er uns gelehrt hat?" „Aber freilich glaubt sie das alles," ruft eine andere Zauberin; „sie glaubt alles, was du lehrst" — und die Sterbende nickte bejahend mehrmals mit dem Kopfe. Sodann belehrte ich das Kind über die hauptsächlichsten Wahrheiten unseres heiligen Glaubens, denen es in allein zustimmte, wobei es von den Zauberinnen unterstützt wurde. Mehr als sechs Jahre lang habe ich erfahren, wie sie dem Missionär entgegenarbeiten; ich wunderte mich deshalb, wie sie mich heute bei dieser Katechese unterstützten; das war gewiß die Sorgfalt, mit der ich die Kranke behandelte. Ich wollte diese Weiber gerne hinaus haben und forderte sie freundlich dazu auf; auch hierin willfahrten sie meinem Wunsche, was ich bisher noch nie erreicht hatte, und es waren deren nicht wenige und noch dazu wahre Hexen! Selbst die Mutter, die noch voller Hoffnung für ihr Kind war, motite hinausgehen, indem sie sagte: „Lassen wir den Pater, daß er die Kranke bearbeite." — Ja, ich konnte ihre Seele fast zwei Stunden lang bearbeiten, bis der Todesengel anklopfte. So war sie nun bereit, den Weg zur Ewigkeit zu betreten. Neue, heftige Schmerzen stellten sich wieder ein. Die Arme krümmte sich vor Schmerz. Ich neigte mich zu ihr (sie lag auf dem Erdboden; hier hat man keine Betten) und bemühte mich, sie zu trösten und zu beruhigen, so gut ich konnte. Aber was konnte ich noch tun? Es waren die letzten, heftigsten Schmerzen des Hungers, der dieses Opfer quälte. Nachdem sie sich vor lauter Schmerz auf entsetzliche Weife auf dem nassen Boden gewälzt und vergebens auf dem Schoße der Mutter Hilfe gesucht, stürzte sie sich mir in die Arme, legte das Haupt auf meine Schltlter und, indem ich sie mehrmals wiederholen ließ: „Jesus, Jesus", flog ihre Seele zum Himmel empor, wo sie, wie ich fest hoffe, für mich, meine Mutter und alle ihre Wohltäter beten wird. p. 3. ». D. F. s. c. Wie sich Gott der geringsten Werkzeuge bedient. Sabya und Lebena hieß ein heidnisches Ehepaar, das sich der Tod heimzuholen anschickte. Lebena, die junge Frau, starb au Brustleiden. Einer meiner mehr als lauen Christen, die mit diesen braven Leuten vertraut waren, ließ eS sich einfallen, die Kranke eines Tages zu ermahnen. Da er besser redete, als handelte, so hörte ihn diese mit lebhaftem Interesse an; dann sagte sie int Tone des Vorwurfes: „Wie, du hast eine so schöne Glaubenslehre und sagtest uns nichts davon? Du selbst, du übst sie nicht?" „Es ist wahr," erwiderte der andere, „ich habe Unrecht; ich habe die Gnade Gottes mißbraucht; da feine Barmherzigkeit mich bis auf diesen Tag verschont hat, so will ich mich bekehren." Er hat sein Versprechen gehalten. Nachdem er dieser jungen Brustkranken als Werkzeug des Heiles gedient, iildem er sie taufte, dachte er ernstlich auch an das seinige und kehrte zu den Uebungen der Religion zurück. Möge ihm der Herr Beharrlichkeit verleihen! Die junge Frau, welche mit ihrer Taufunschuld in den Himmel eingegangen war, schien indes denjenigen anziehen zu wollen, den sie auf Erden geliebt hatte. Ein gefährliches Fieber ergriff ihren Mann und führte ihn in wenigen Tagen an den Rand des Grabes. Die Christen aber verloren ihn nicht aus den Augen. Eines Tages suchte mich einer aus ihnen ganz traurig auf und sagte: „Vater, der Mann dieser Auszehrenden, die wir getauft haben, ist am Sterben: ich habe ihn ermahnt, Christ zu werden und die Taufe zu empfangen; aber er hat nicht einmal mit mir reden wollen, er, der früher so gut gesinnt schien!" „Es ist vielleicht deswegen," antwortete ich, „weil er wegen der Heftigkeit des Uebels nicht hört und nicht sprechen kann. Vielleicht auch macht der Teufel eine letzte Anstrengung, um diese Seele zu gewinnen. Kehre zu dem Kranken zurück, besprenge sein Zimmer und sein Bett mit Weihwasser!" Nach einigen Augenblicken kam er ganz freudig zurück: „Vater, es war wirklich der Teufel; ich habe nach deiner Weisung getan und alsbald bezeugte der Kranke seinen lebhaften Wunsch, als Christ zu sterben wie seine Frau. Ich habe ihn gefragt, ob er mich soeben gehört, als ich ihn ermahnte, die Taufe zu empfangen. ,Ja/ sagte er, ,ich hörte alles, aber ein Teufel hat sich über mich hergemacht; er hat mich so sehr erschreckt, daß ich es nicht wagte, meine Einwilligung zu geben; nun aber, da du ihn mit dem heiligen Wasser vertrieben hast, erkläre ich vor allen, daß es mein innigster Wunsch ist, auch als Christ zu sterben/" Er wurde noch besser unterrichtet und dann getauft. Nach wenigen Stunden entschlief er sanft und selig im Herrn. slßarienveretn für Afrika. Die Pfarrgruppe St. Rochus in Wien hielt am 21. Oktober im großen Gemeinderatssaale eine Plenarversammlung ab, die außerordentlich gut besucht war. Es waren u. a. erschienen: die hochw. Herren Domkapitular Schöpsleuthner, geistl. Rat Gold, Kooperator Stadlmayer, Frau Baronin Pillersdorf usw. Der hochw. Konsulent Herr Kooperator Pflüger eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anwesenden aufs herzlichste und bat den hochw. Herrn Kanonikus um eine Ansprache. Da Mitglieder des Apostolates auf der Landstraße die große Güte hatten, das Drama: „Die hl. Cücilia" aufzufüyren, begrüßte der hochw. Redner dieselben als Missionsschwestern, die durch Vorführung des Stückes: „Die hl. Cücilia" uns auch zeigen wollen, wie wir zur Bekehrung der Heiden, auch der Nenheiden, die jetzt überall auftreten, durch gutes Beispiel und Gebet wirken sollen. Die Legende der hl. Cücilia wurde mit praktischen Anwendungen zu diesem Zweck erzählt. In herzlicher Weise wurde den vielen anwesenden Kindern ans Herz gelegt, für die Heiden täglich zu beten und kleine Opfer zu bringen, wenn auch nicht monatlich die kleine Summe von 10 Hellern als Mitgliedsbeitrag, so doch ein paar Heller als Spende in die Sakristei von St. Rochus zu bringen, wo jeden ersten Monatssonntag nach der Herz Jesn-Andacht Gaben entgegengenommen und auch neue Mitglieder aufgenommen werden. Die anwesenden Frauen wurden auf die christliche Frauenorganisation aufmerksam gemacht, nach welcher in allen Bezirken Wiens Müttervereine und für die Töchter Apostolate gegründet werden sollen, um besonders den Bestrebungen der Ehestands-Reformen organisiert entgegenarbeiten zu können. Hochw. Herr Pflüger er- stattete einen Rechenschaftsbericht ab über die Einnahmen der Pfarrgruppe und erwähnte -besonders, daß ein ungenannter Wohltäter dem hochw. Pfarrer Gold Kr. 100 übergeben hatte,, um die etwaigen Ausfälle in den Einnahmen des Marienvereines während der Kirchenrestaurierung von St. Rochus zu decken; dann wurden schon im September dem hochw. Herrn Kanonikus Kr. 300 ab geliefert und auch bei der heutigen Versammlung wurden ihm wieder Kr. 250 übergeben. Hochw. Herr Konsulent gedachte auch mit dankbarer Erinnerung des hochw. P. Kösters, der so oft durch seine herrlichen Ansprachen die Mitglieder dieser Pfarrgruppe zu begeistern wußte und nun als Missionär nach China gesandt wurde, und empfahl denselben dem Gebete der Mitglieder. Hieraus folgte das Drama: „Die heilige Cäcilia." Die Mitglieder des Landstraßer Apostolates und ihre geehrte Patronesse haben sich wirklich großen Tank damit verdient. Alle Mitwirkenden wußten ihre Rollen zur besten Geltung zu bringen und spielten sehr gut; auch die schönen Chöre wurden mit Präzision und sehr gutem Ausdrucke vorgetragen. Großer, verdienter Beifall wurde gespendet. Es wäre gewiß vom Guten, wenn allüberall die Apostolate und andere Vereine das Beispiel des Landstraßer Apostolates nachahmen und dadurch die Tätigkeit des Marienvereines fördern möchten! Der %öwe im Eisenbahnwagen. An der Ugandabahn lag eine kleine provisorische Eisenbahnstation namens Kima mitten in wunderbarer Parklandschaft und in der Nähe eines trockenen Flußbettes. Hier war die Stätte des Unheils und seit mehreren Monaten der Schreckensplatz für säintliche indische Kulis; denn die Löwen hatten sich schon mehrere davon zu Gemüte gezogen und verspeist. Früher passierten die Züge diese Station gegen Abend, allein die Fahrzeiten mußten infolge der Löwenplage abgeändert werden, da sich die Kulis weigerten, die Weichen zu bedienen. Späterhin passierten die Züge gegen Mittag, so daß das Personal imstande war, seine Obliegenheiten bis gegen 6 Uhr abends zu erfüllen, um sich dann in seine Blechbude zurückzuziehen, die vor 7 Uhr morgens nicht geöffnet wurde. Es ist ja klar, daß es einen jeden Sportsmann in den Fingern kribbeln mußte, wenn er an dieses Löwendorado dachte; so ging es auch uns, als wir, nämlich Mr. Ryall, ein Polizeioffizier, Mr. Pärenti und ich, alles gute Freunde, gegen Mittag diese Station erreichten. Kurz vor der Einfahrt in dieselbe sahen wir einen Löwen gemütlich in einer Entfernung von ca. 150 Meter von der Strecke unter einem schattigen Baume fitzen und wenn wir vorher unseres Entschlusses, in Kima zu bleiben, noch nicht ganz sicher waren, so brachte uns dieser letztere Umstand dazu, diese Angelegenheit perfekt zu machen. Mr. Ryall hatte zu seiner Verfügung einen sogenannten Offizierswagen mit kleinem Salon, Badezimmer und Küche. Derselbe wurde nun ohne weiteres Zeremoniell aus dem Zuge gepackt und in ein paar Minuten dampfte der Personenzug ab und wir richteten uns ein. Unser Nächstes war nun, ohne Säumen die Strecke nach dem vom Zuge aus erspähten Löwen abzusuchen; leider hatten wir keinen Erfolg und etwas mißmutig kehrten wir nach der Station zurück, um mit dem Stationsbeamten weiteren Kriegsrat zu halten. Vergnügt empfing uns derselbe und versicherte uns hoch und teuer, daß wir nicht umsonst hergekommen seien, sondern daß uns noch viel zu tun übrig bliebe; er warnte uns eindringlich vor den „Man-eaters" und empfahl uns die denkbar größte Vorsicht an, „denn", sagte der alte Mann, „ich weiß aus Erfahrung, daß der Tiger in meiner Heimat sehr zu fürchten ist, daß aber die Man-eaters' hier in Kima bei weitem gefährlicher sind, denn sie kommen ungehört und ungesehen". Hätten wir den Rat des alten Mannes befolgt, wäre vieles anders gekommen, aber wie leicht ist man geneigt, derartige Aeußerungen in den Wind zu schlagen und sie auf Uebertreibungen zurückzuführen, die solche Leute einem Europäer zu Gefallen gern anbringen! Unsere Laune heiterte sich indes ein wenig auf und wir begaben uns nach unserem Salonwagen, um dort mal erst Ordnung zu schaffen und uns zu stärken. Ehe ich in der Erzählung fortfahre, muß ich, um die Situation später genau darstellen zu können, eine eingehende Beschreibung vom Inneren des Wagens geben und zwar beginne ich mit der Tür, durch die man den kleinen Salon von der äußeren Plattform aus betritt. Es war dies eine Tür, die auf Rollen ar- Leitete, also nicht in Angeln hing, sondern zum Oeffnen und Schließenhin- und hergeschoben werden mußte. Wichtig für die Erzählung ist es, daß diese sehr leicht arbeitete und infolgedessen bei jeder Neigung des Wagens hin-und herrollte. Im Inneren des Wagens befand sich zur Linken eine Polsterbank, die parallel zu den Längsseiten des Wagens angebracht war: zur wandeln lassen: Ein Mann schläft auf der linken Bank, der andere auf der Schwebebank und der dritte im Gang auf dem Boden.' Bezüglich des Standortes des Wagens bemerke ich folgendes: Derselbe wurde aus einen toten Strang geleitet und befand sich zirka 200 Meter vom Stationsgebäude entfernt. Infolge großer Regengüsse hatte sich die eine Schiene des toten Geleises etwas gesenkt und Ißt'. Seitöfter lernt öte Schwaben Bretter scbnetöen. Rechten befand sich ein Tisch und zwei Fuß darüber eine in Ketten schwebende weitere Polsterbank. In der Mitte war ein drei Fuß breiter Gang. Der Salonteil des Wagens hatte an jeder der Längsseiten drei Fenster und stand mit dem Badezimmer durch eine Tür in Verbindung, die in Angeln hing und sich nach beut Badezimmer zu öffnete. Das letztere stand mit der Küche durch eine ähnliche Angeltür int Zusammenhang. Zum Schlafzimmer würde sich der Salon also wie folgt um- stand somit der Wagen etwas schief, was Veranlassung gab, daß die Rolltür bei der geringsten Erschütterung des Wagens zu mtferan großen Aerger öfters zurollte. Um den Wagen herum erstreckte sich auf 100 Meter ein freier, offener, mit schönem, weißem Sand bedeckter Platz. Außer uns beherbergte der Wagen in der Küche auch noch einen Kochboy und meinen Somalijungen. Dies wäre alles, was zur weiteren Erklärung des Abenteuers von Wichtigkeit sein könnte. Ich nehme den Faden meiner Erzählung von dem Punkte wieder auf, wo wir uns „gestärkt" hatten. Unser Entschluß war bald gefaßt: sollten uns die Tiere bei Tag keine Chance geben, dann müßten wir es eben bei Nacht probieren. Den Ermahnungen des Stationsmeisters Rechnung tragend, der uns besonders das „un-gehörte und ungesehene" Anschleichen der Löwen vor Augen führte, entschieden wir uns, die Löwen im Wagen abzuwarten. Der famose Mond sowie die weiße Sandstäche vor dem Wagen erweckten in uns den Gedanken, daß wir schlimmsten Falles imstande sein müßten, die Bestien schwer zu verwunden, so daß wir ihnen dann am nächsten Tage mit Erfolg au den Leib rücken könnten. Gesagt, getan. Beim Dunkelwerden hatten wir unsere Mahlzeit gehalten, Fenster und Tür des Salons geöffnet und saßen verteilt an der rechten und linken Fensterseite sowie an der Tür und warteten auf die Löwen. Ueber die Lampe im Wagen war ein dicker, grüner Flanellsack gedeckt, so daß wir in tiefer Dämmerung saßen; unsere Leute waren wohl eingenickt und wir vernahmen nur das entfernte Geschnatter einiger Leute in der. Blechbude und das Zirpen der Zikaden; das erstere verstummte bald und wir spähten scharf von unseren Posten aus. Bald sah der eine dort etwas Verdächtiges, während sich hier der Busch auf unerklärliche Weise zu bewegen schien, bald huschte eine Ratte auf den vom Monde glänzenden Schienen entlang, kurz, unsere Aufmerksamkeit war bis zum höchsten Grade gespannt und um uns herrschte Totenstille, denn das Zirpen der Zikaden, welches uns anfangs grell in die Ohren schrillte, überhörten wir mit der Zeit vollständig. Ganz leise tauschten wir unsere nötigsten Meinungen aus und ungeduldig warteten wir bis gegen 10 Uhr. Da wir bis dahin nichts von Bedeutung wahrgenommen hatten, änderten wir die Situation und beschlossen folgendes: Ryall sollte die Nachtwache bis 1 Uhr, ich bis 3 Uhr und Parenti bis 5 Uhr übernehmen. Wir hielten es für nutzlos, alle drei aufzubleiben, da die Zeit vorüber zu sein schien, in der sich die Löwen regelmäßig einstellten. Ich suchte daher meine Schlafstelle auf dein Schwebepolster aus und Parenti streckte sich im Gang auf dem Boden aus und versteckte sich vollständig unter seiner schwarzenReisedecke, während Ryall, bekleidet mit einem Weißen Schlafanzug,, auf dein Polster zur Linken saß und zuin Fenster hinausspähte. Ich hatte meine Doppelbüchse, scharf geladen, zu mir ins Bett genommen, hielt es aber später für ratsam, die Patronen herauszunehmen, da ich fürchtete,, ich könnte im Schlafe die Büchse auf irgend eine Weise zum Nachteil meiner Kameraden zur Entladung bringen. Einige Spässe wurden noch im Flüsterton gewechselt, indem Ryall Parenti darauf aufmerksam machte, daß ich sehr leicht tut Traum auf Parenti fallen könnte und daß letzterer daun um Gotteswillen nicht annehmen möchte, es wäre der Löwe, der auf ihm säße, anstatt meiner, wenn ich auch 236 Pfund wöge. Welch ahnungsvolle Bemerkung ! Parenti steckte endlich seinen Kopf auch noch unter die Decke und antwortete nicht mehr; ich lag noch einige Zeit wach und schlief dann auch eilt. Instinktiv erwachte ich gegen 1 Uhr nachts; mein erster Blick traf Ryall, schlafend auf der Polsterbank — mit den Füßen nach der Rolltür zu — und mein zweiter Blick wanderte nach der offenen Tür und zu meinem Entsetzen sehe ich zuerst ein ungewisses Etwas mit einem langen Leibe durch die Tür kommen. — Im nächsten Augenblicke spielte sich folgendes ab: Die wohlgeschmierte Tür klappte zu, ein Some' stand mit den Vorderpranken auf dem Rande des Polsters, auf dem Ryall ahnungslos schlummerte, und ein kurzer Aufschrei zeigte mir an, daß mein Freund Ryall nicht mehr war: der Mond, der während der letzten Augenblicke sein Gesicht etwas verborgen hatte, schien wieder. Der Löwe hatte sich in dessen linke Brust in der Nähe der Armhöhle eingebissen, während seine rechte Pranke noch auf Ryalls Kopf lag. Die Idee, auf den von mir zirka drei Fuß entfernten Löwen zu schießen, habe ich wohl gehabt, war im Moment aber unschlüssig, da mir die Bestie keine Zeit zur Ueberlegung ließ, und es hätte wohl kaum etwas genützt, da ich das Gewehr erst zu laden hatte und nicht in der Lage gewesen wäre, dasselbe infolge der Nähe des Tieres wirkungsvoll zu gebrauchen. Meine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf den Löwen, der jetzt den Körper des Mannes, im Maule haltend, vom Bette herabzog und in den Gang legte, wo Parenti geschlafen hatte. Nun zuckte es durch mein Hirn, daß Parenti ja dort gelegen sei; nichts war von dessen Anwesenheit zu merken. Er mußte also auch tot sein. — Mein nächster Gedanke war daher, daß ich der dritte im Bunde sein werde. Wie ich es fertig bekommen habe, weiß ich heute noch nicht, doch geschehen ist es: ich sprang von meinem Schwebebette herab, indem ich das gegenüberliegende Bett Ryalls als Stufe benützte, und wollte durch die Tür ins Badezimmer hinein — aber — o Schrecken, dieselbe wurde von der andern Seite zugehalten und zwar in Todesangst durch die vorher-erwühnten Boys. Die Leute aber haben damit nicht gerechnet, daß 236 Pfund mit dem nötigen Druck eines Löwen dahinter Wunder verrichten können, und es gelang mir, die Hand durch die Türspalte zu stecken. Das beruhigte die Boys etwas, so daß sie mich, nachdem sie mich nochmals mit der Tür festgeklemmt hatten, endlich durchließen. Jetzt war ich also glücklich im Badezimmer. Die Leute drinnen empfingen mich mit einem Wehmutsgeheul um ihren Herrn und die ganze Gesellschaft war derart perplex, daß keiner von ihnen im Moment daran dachte, mir bei Befestigung der Tür behilflich zu sein. Der Turban des einen Boys diente mir dazu und nun konnten wir uns beruhigt in die Küche zurückziehen. Von hier aus rief ich durch das Fenster, mich nach den Sälonfenstern beugend: „Ryall, Parenti!" Ich hatte die Hoffnung, irgend ein Lebenszeichen zu erhalten, noch nicht aufgegeben und zu meiner größten Freude hörte ich Parentis Stimme zirka 100 Meter weit im Busch nach der Station zu ertönen. Ich fragte ihn, ob er irgend etwas abbekommen hätte, und er antwortete mir, daß er es nicht wüßte; jedenfalls hatte er noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Meine weiteren Rufe ließ er unbeachtet; Parenti erklärte mir dies später dahin, daß er durch weitere Unterhaltung die Aufmerksamkeit anderer Löwen nicht auf sich lenken wollte. Ich versuchte nun von der Küche aus eine Unterhaltung mit dem Stationsmeister anzuknüpfen, die mir auch gelang, indes aber sehr undeutlich aus der verschlossenen Bahnbude herausschallte. Da ich völlig ohne Waffe war, wagte ich die Küche nicht mehr zu verlassen und die beiden Askaris, die der Stationsmeister beauftragte, mich zu holen, verweigerten demselben den Gehorsam. Endlich kamen wir zu dem Entschlüsse, daß die Askaris mir auf dem halben Wege entgegenkommen sollten, und ich war damit einverstanden. Die Askaris öffneten nun zunächst die Tür der Bahnbude und feuerten mehrere Male durch die Türspalte. Die Folge war, daß der Löwe, der noch im Salon saß, sich zum Ausbruch rüstete und, rückwärts durch das Mittelfenster des Wagens kletternd, den Körper Ryalls im Maule nach sich schleifte. Die Passage des Löwen glückte, indes fand er Schwierigkeiten, den Mann durchzuziehen; er überwand dieselben aber durch einen mächtigen Ruck, der den ganzen Wagen erschütterte und dabei die hölzerne äußere Verkleidung der Fenster durchbrach. Die Außenseite des weißen Wagens zeigte unter dem Mittelfenster einen zirka 20 Zentimeter breiten blutigen Streifen, den der Körper beim Herabgleiten aus dem Fenster hinterlassen hatte. Ich traf dann die Askaris auf dem Wege zu mir und wir begaben uns zur Salontür, die wir erst ein wenig, dann aber ganz öffneten. Im Coupe sah es bös aus; von oben bis nuten mit Blut besudelt, lag alles Mögliche durcheinander: Zigaretten, Stiefel, Hosen, Gläser re. und auch meine Decke, die unzweifelhaft bei meinem Herabspringen vom Bette auf den Löwen gefallen sein muß. Wir überzeugten uns, daß Ryall wirklich fort war, und kehrten dann betrübt nach der Station zurück. Hier fand ich Parenti vor und erfuhr von ihm folgendes: Den Löwen hatte Parenti beim Betreten des Wagens unter der schwarzen Decke erst dann bemerkt, als er ihn mit seinem Gewichte unangenehm aufweckte. Parenti schlug beim Aufrichten seines Körpers in sitzende Stellung dem Löwen direkt mit der Nase in den Bauch und gab dann durch das mittlere Fenster unterhalb meines Bettes mittelst eines gewagten Sprunges Fersengeld. Ryall fanden wir am nächsten Morgen eine halbe englische Meile von Kima furchtbar zerfleischt vor. Aus den drei verschieden großen Spuren im Sande unmittelbar vor dem Wagen ist deutlich ersichtlich, daß wenigstens drei Löwen an diesem Raubzug beteiligt waren. Daß uns der Löwe nicht alle zusammen massakriert hat, ist ein großes Wunder und vielleicht nur dadurch zu erklären, daß er selbst durch die unerwartete und schnelle Aufeinanderfolge verschiedener Umstände völlig verwirrt und bestürzt gewesen sein muß. Ich hebe hiebei hervor das Schließen der Tür, ferner die unmittelbare Berührung durch Parents dann meine Reisedecke und mein plötzliches Erscheinen von oben. Die Schlafkrankheit. Schreckliche Verheerungen richtet die Schlafkrankheit südlich vom Aeguator in Afrika an. Uganda ist wohl der Mittelpunkt dieser Seuche nach und nach verschwanden. Gegenwärtig zeigt sich die Krankheit auch schon stark im Innern und scheint von solchen eingeschleppt worden zu sein, die schon an den Küsten des großen Sees davon behaftet waren. Das Spital, das von den Patres sofort errichtet wurde, ist von diesen Unglücklichen bereits überfüllt. Bon allen Seiten, schreibt ein Missionär, Am Ulfer des Klauen Nil. 1. Sagbia (TKflasserrah). — P. 2. Schumann. — 3. 1RiI=%anb schaff. zu nennen. Die Weißen Väter haben dort fünf Spitäler errichtet, um die von der Krankheit Befallenen ju pflegen. Von den 710 Kranken, die dort beherbergt wurden, sind 479 gestorben und die andern suchen vergebens den Keim des Todes, den die schreckliche Tsetsefliege ihrem Blute eingeimpft hat, in sich zu ertöten. Anfangs war die Krankheit nur auf den Inseln und längs der Küste des Viktoria-Nyanza aufgetreten, wo ganze Volksstämme werden die von der Krankheit Betroffenen in unser Spital gebracht. Der Gouverneur selbst, obwohl Protestant, schickt alle zu uns, die zu ihm gebracht werden. Oft müssen wir diese Opfer von der Straße auflesen. Eine katholische Frau, die von der Krankheit befallen war, wurde unbarmherzig aus ihrem Dorfe gejagt, dessen Vorsteher protestantisch war. Die arme Frail konnte sich kaum auf den Beinen erhalten, machte sich aber doch auf den Weg zur Mission. Das war über- ihre Kräfte und sie fiel ermattet zur Erde in der Nähe eines Dorfes, das von Protestanten bewohnt wird. Diese wollten sie jedoch nicht aufnehmen, banden sie auf eine Art Tragbahre und brachten sie in die Nähe eines Sumpfes, wo sie dieselbe ihrem Schicksal überließen. Glücklicherweise ging dort einer unserer Katechnmenen vorüber, sah sie und kam sofort Noch einen Fall möchte ich von einer Sterbenden erzählen, dessen E laubwürdigkeit ein Missionär ganz sicher garai tiert, der aber anderswo als unmöglich bezeichnet werden könnte: Ein kleines Mädchen zwischen fünf mit) sechs Jahren, namens Dorothea, von unseren Christen auferzogen, war zu isrett noch heidnischen Eltern auf Besuch gegangen. Eben Ansichten von ©möurman. (Siehe S. 273.) gelaufen, es uns anzuzeigen. Es war schon Nacht. Ich ging gleich zu dem Orte und traf dort die arme Frau zitternd Vor Frost. Da ich fürchtete, sie könnte auf dem Wege zur Mission unterliegen, spendete ich ihr zuerst die heiligen Sterbsakrameute. Dank der großen Vorsicht, mit der sie von unseren Leuten getragen wurde, gelangte sie doch gut zum Spital. Mit großer Sorgfalt wurde sie daselbst gepflegt und wurde so ihr Leben noch um einen Monat verlängert. bort' angekommen, hörte die Kleine, daß eine Nachbarin, die noch nicht getauft war, im Sterben liege. Sie läuft dahin und fragt die Kranke, ob sie die heilige Taufe empfangen will, und nachdem das Kind ihr die notwendigsten Wahrheiten unserer heiligen Religion ins Gedächtnis zurückgerufen hatte, taufte es die Sterbende. Zwei Tage darauf war sie eine Leiche. Könnte man nicht dieses unschuldige Kind, das so voll Eifer für das Seelenheil des Nächsten war, mit dem hl. Thomas jenen Engel nennen, den der liebe Gott den Heiden schickt, die guten Willens sind, um ihnen die Pforten des Himmels zu öffnen und sie so zu retten? Die meisten Opfer fordert diese fatale Krankheit an den Ufern des großen Sees. Die Gegend ist dort entzückend schön: ewiger Frühling herrscht dort; ein wunderbar schöner See, da und dort besät mit grünenden Inseln; längs des buchtenreichen Ufers dehnen sich Urwälder aus, wo sich zahllose Lianen um riesenhafte Baumstämme winden. Das Land scheint ein kleines Paradies zu sein; es ist die Gegend von Kissnbi. Mitten in diesen wundersamen Schönheiten, da, wo die Natur solche Macht entfaltet, hat der Schlaf sein Reich errichtet, ein Reich der Verheerung und des Todes. In den Orten, die einst voll Leben waren und heute öde und verlassen sind, hausen nun Leoparden und andere wilde Tiere. Die Hütten verfallen den alles zernagenden Ameisen zum Raube oder werden eine Zuflnchtstätte für Schlangen. Die Felder sind verwüstet und mit hohem Grase bewachsen, weil niemand ist, der sie bebaut. Die Bevölkerungszahl ist sehr gesunken und auch die wenigen, die noch den gewöhnlichen Beschäftigungen nachgehen, sind ebenfalls von der fürchterlichen Krankheit angesteckt und siechen dahin. Scharenweise begegnet man Männern, Weibern und Kindern, die ganz abgezehrt sind. Die armen Geschöpfe sind so stumpfsinnig geworden, daß man es ihnen sofort ankennt. Sie werden überall verjagt, oft auch mit Stockstreichen fortgetrieben und werden so eine Beute des Todes. Sie streifen umher, bis sie der gute Engel zur Mission führt, wo sie mitleidige Herzen finden, die sich für sie opfern und ihnen manche Erleichterung verschaffen. In dem Lokale, das früher über sechzig hoffnungsvolle Kinder voll Leben und Eifer beherbergte, finden jetzt die armen Kranken eine Unterkunft. Dieses Haus, das vor kurzem noch vom Frendengeschrei dieser Jugend widerhallte, ist heute zum Vorhofe des Friedhofes geworden. Wir unterlassen es, die herzzerreißenden Szenen zu schildern, die sich dem Besucher dieses Spitals darbieten. Da die Krankheit verschiedene Stadien aufweist, sind auch die Kranken auf verschiedene Lokale verteilt, je nachdem die Krankheit mehr oder weniger vorangeschritten ist. Die Missionäre sorgen nicht nur für die körperlichenBedürfnisse, sondern achtenbesonders darauf, daß ihnen die geistliche Hilfe nicht mangle, deren sie ja sehr bedürftig sind, um das schwere Kreuz mit Geduld und Ergebung zu tragen. Man betet darum gemeinschaftlich, sorgt für öfteren Empfang der heiligen Sakramente und für Anhörung der heiligen Messe, singt häufig und die Patres besuchen oft die Kranken. Alles dies zusammen bereitet ihnen, besonders denen, die im Anfangsstadium sind und darum den Verstand noch ziemlich frei haben, eine große Ruhe, die sich oft in wahre Freude verwandelt. So verbringen sie ruhig und ohne ihres traurigen Loses recht bewußt zu sein, ganze Tage und bereiten sich so langsam mit der größten Ergebung auf den Tod vor. Alle sterben gut, so daß wir die beste Hoffnung für ihr ewiges Heil haben. Im allgemeinen haben sie keine Furcht vor dem Tode und sprechen davon mit großer Gleichgültigkeit, als von einer Sache, die ihnen nur wünschenswert ist: ihre Leiden haben ja dann ein Ende und es erschließen sich ihnen die Pforten des Himmels; das wissen sie und sagen es auch oft mit Freuden. Ein Beispiel hievon sei das folgende, entnommen dem Berichte eines Missionärs: Die kleine Angela lag unter einem Bananenbaum und ist nur dürftig mit dessen Rinde bedeckt. Ihre verschlafenen Augen und ihre äußerste Magerkeit sagen nur zu deutlich, daß der Himmel bald einen Engel mehr zählen wird. Ich weckte sie aus dem Schlafe. Der hochwst. Bischof, den ich begleitete, fragte sic und die Kranke antwortete mit einer kaum vernehmbaren Stimme. „Angela, kennst du mich?" >v5fr." „Wer bin ich denn?" „Der Bischof." „Sag' mir, leidest du wirklich viel?" ^a' sebr viel " Mitist du etwas Salz?" (Die Neger-lieben es mehr als den Zucker.) „Aber wie könnte ich es essen! Ich habe keine Kraft mehr." „Es ist wahr, mein Kind, im Himmel wirst tut es besser haben. Willst du auch in den Himmel?" „O gewiß, ich wünsche mir dieses." Das arme Kind bemühte sich hierauf, den kleinen Krug Wasser, den es neben sich stehen hatte, zum Munde zu führen. Gewiß verzehrte es das Fieber, denn es hatte beständig Durst. Sein schwacher Arm fiel jedoch wieder zurück, ohne den Krug erreichen zu können. Ich half ihm, so gut ich konnte, seinen Durst zu löschen, dann aber verfiel das Mädchen wieder in seinen Schlaf, der ein Vorbote des Todes ist. Unglückliche Opfer! Möchten doch diese Seelen, die so gut vorbereitet ihr Sehen beschließen, durch ihr Opfer bei Gott erlangen, daß dieser so furchtbaren Geißel auf Afrikas Boden bald Einhalt getan werde. Die Blutrache bet den Basida. Bei einer Reihe von Negerstämmen steht noch die Blutrache in Blüte. Kommt irgend ein Neger durch die Schuld eines andern ums Leben — ganz gleich, ob die Tötung absichtlich war oder nicht — so hält sich die ganze Familie des Verstorbenen für verpflichtet, seinen Tod zu rächen. Ein solcher Fall hat sich noch soeben in Jhangiro zugetragen. Wir stehen gerade gegen Ende September. Seit Monaten währt bereits die Trockenzeit; die Schwarzen haben das lange Gras in Brand gesteckt und die Steppenlandschaft entrollt sich völlig kahl und frei vor unseren Augen. Büffel und Gnu, Zebra und Antilope weiden gierig die Paar armseligen Grashalme ab, die der erste Regen dem Aschenboden entlockt Hat. Die Zeit der Jagd Hebt an. Die schwarzen Nimrode von Jhangiro nehmen Pfeil und Bogen, Schild und Lanze von der Hüttenwand und hinaus geht es in die weite Steppe. Die Bewohner der Nachbardörfer Jhunga und Mulera folgen dem Beispiele Ihan giro s. Ein Sieger aus Mulera hat das Unglück, im Eifer der Jagd einen seiner Kameraden tödlich zu verletzen. Sogleich hat die Jagd ein Ende; die schwarzen Jäger treten zusammen. „Ein Mann tödlich verwundet!" heißt es. Der unglückliche Täter hat bereits die Flucht ergriffen. Aber sobald die erste Bestürzung sich gelegt, legen die Familien- gliederdes Sterbenden Hand an einen Angehörigen des Flüchtlings. Der Ergriffene ist ein Mann in den besten Jahren; sein fünfzehnjähriger Sohn ist bei ihm. Das Urteil wird gefällt. Weder Beredsamkeit noch Mitleid mit dem Kinde vermögen etwas an dem Spruch zu rütteln, daß Blut nur durch Blut gesühnt werden kann. Der unglückliche Vater hört lautlos sein Todesurteil. Kein Wort der Verteivigung kommt über seine Lippen. Schluchzend schmiegt sich das Kind an den Vater. „Laß mich für dich sterben," so lautet seine rührende Bitte. „Mein Sohn, es ist besser, ich sterbe. Du bist noch jung; in dir wird mein Stamm fortleben. £>ier nimm meine Lanze, meinen Bogen und die Pfeile und bring' sie der Mutter!" Keine Spur von Verwunderung malt sich auf den ehernen Gesichtern der Krieger; kein Wort der Anerkennung für den edlen Vater wird laut. Die nächststehenden schwarzen Jäger werfen Bogen und Pfeile zur Erde; kräftige Negerarme schwingen die furchtbaren Lanzen und das Opfer stuft in seinem eigenen Blute nieder. Der Gerechtigkeit ist Genüge geschehen: Blut will wieder Bütt. Die Leichen der beiden Schwarzen werden in ihre Lubugos (Stück Baumrinde, das als Kleidung bient) gewickelt und finden nicht weit davon ihr Grab. protestantische Missionen. Die Gesamteinnahmen der protestantischen Missionsgesellschaften in England und Schottland betrugen 1905 gegen 25 Millionen Kronen, also bedeutend mehr als die Missionsbeträge der 260 Millionen Katholiken aller Länder zusammen. In Kairo tagte vom 4. bis 9. April 1906 eine Konferenz von 62 Delegierten protestantischer Missionen in mohammedanischen Ländern. Mau will die Mohammedanermission mit größerem Nachdruck aufnehmen und namentlich durch die Presse und die Krankeitpflege wirken. Wie man auf protestantischer Seite das Missionsinteresse tveckt, zeigt unter anderem die Hauptversammlung der amerikanischen Studentenvereine für Missionen, die vom 28. Februar bis 4. März zu Nashville im Staate Tennessee tagte. 6000 Teilnehmer, der Mehrzahl nach Besucher von 700 Mittelund Hochschulen, waren zu dieser Versammlung erschienen und wurden für die Mission erwärmt. Abreise in die Mission. P. Alois Wilfling schiffte sich am 30. Oktober in Venedig nach Aegypten ein. Am 15. August feierte er seine Primiz in Heiligenkreuz am Waasen (Steiermark). dös) (Bebetserbömngen und ^Empfehlungen. — Gebetserhörungen und -Empfehlungen, bei welchen Name und Wohnort der Redaktion nicht angegeben werden, werden nicht veröffentlicht. — Die Abkürzung wird durch die Redaktion besorgt. Aus Oberöstcrreich. Ewigen Dank dem heiligsten Herzen Jesu und dem hl. Antonius von Padua für Erhörung in einem schwierigen Anliegen. Die gleiche Person bittet auch ums Gebet für eine Witwe um baldige, glückliche Wendung in ihrer trostlosen Lage. Aus Tirol. „Unser Kranke hatte entsetzliche Schmerzen; sein Leben war nach Aussage des Arztes in Gefahr und er empfing deshalb die heiligen Sterbsakramente. — Da faßten wir Vertrauen zum hlst. Herzen Jesu und zur unbefleckten Gottesmutter Maria, beteten und ließen beten, auch versprachen wir, wenn die Erhörung erfolgt, es im „Stern der Neger" zum Danke zu veröffentlichen, und siehe da, wir wurden erhört: der Kranke befindet sich auf dem Wege steter Besserung. — Unendlichen Dank dem hlst. Herzen Jesu und Mariä." L. R. in R. bittet ums Gebet zum heilig- sten Herzen Jesu, zur seligsten Jungfrau Maria, zum hl. Josef und Antonius, deren Hilfe er schon so oft und in auffälliger Weise zuteil wurde, in mehreren wichtigen, besonders Familienanliegen. Ans Salzburg. Eine Familie empfiehlt sich in einem großen Anliegen dem frommen Gebete der Söhne des hlst. Herzens Jesu. Veröffentlichung im Falle der Erhörung versprochen. Familie St. in Vorarlberg. Wir empfehlen uns dein Gebete zum hlst. Herzen Jesu und zum unbefleckten Herzen Mariä, um in einem zeitlichen Anliegen Erhörung zu finden. N. N. bittet vertrauensvoll um das Gebet zum hlst. Herzen Jesu und der unbefleckten Gottesmutter, um glücklichen Erfolg in seinen Studien und das davon abhängige hohe Ziel des Priestertums zu erreichen. Ferner werden empfohlen mehrere Ordensund Missionsberufe. Unsere Bitten. Sollte einer unserer verehrten Leser und Gönner die Zeitschrift „Stimmen ans Maria-Laach" entbehren können, so möchten wir recht herzlich um die letzten sechs Jahrgänge bitten. Wer unserer lieben Leser möchte unserem Bruder Schuster zu einer Nähmaschine verhelfen? Er hat ungefähr 80 Personen mit Schuhen zu versehen, was er aber ohne Maschine kaum leisten kann. — Dankbarst nehmen wir jede Gabe zu diesem Zweck entgegen und können die P. T. Wohltäter den Beitrag unter dem Titel „Schuster" dem Missionshause zuschicken. Dem Memento der hochw. Missionäre und dein Gebete aller Leser werden die folgenden Verstorbenen empfohlen: Se. k. u. k. Hoheit der Herr Erzherzog Otto von Oesterreich, Herr Vinzenz Nicdcrkofkcr, Frau Maria Ille, Frau Proßlincr. — „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!" öerantwortlicbev Scčriftlelter i IRefttor P. slß, IRafEtiner F. S.C. — $>t'eBvevdiis=:ßudb6vudierti ffiviien, Lüdtirol. Jur WesteüTmg d cs neuen Jahrganges oder auch zu anderen Zwecken haben wir unsern verehrten Lesern in Oesterreich zn ihrer Bequemlichkeit einen Postscheck (Erlagscheins beigelegt. Austcrösterreichische Abonnenten bestellen am besten mittels Postanweisung. ABorrrrernents-Grrneuevungen. Vom 20. Oktober bis 20. November haben folgende Nummern ihr Wonnement erneuert: 96 216 329 397 399 415 474 497 581 626 752 961 1241 1249 1423 1503 1520 1575 1616 1724 1727 2220 2264 2292 2406 2539 2850 3197 3248 3433 3485 3503 3546 3596 4192 4229 5094 5095 5192 5491 5727 5828 6636. KaBerr-Wevzsichnis vorn 20. HKtoBsv Bis 20. WovsmBsv 1906. -----------In Kronen.----------— Opferstock: Bach M. W. 1.17, item f. d. SB.' d. Erl. 7.02; St. Ulrich gerb. St. 5.— ; Hohenems N. N. 10.—; Denn P. K. —.59; Wien O. M. —.68, P. M. Hansal 8.—, item 8.—; Brixen d. H. H. Pr. Jochum 20.—, N. N. 10.—, H. H. Airstb. Dr. Slltenwcisel 500.—, H. H. B. F. N. HO.—,; A. Ob. 4.48; Stadl Paura K. P. 2.— ; Nenstift-Stnbai M. D. 2.—; Wasserburg Fr. G. 1.17; Graun Th. N. 15.— ; Maishofen I. u. Th. H. 10.—; Neninarkt i. T. Dr. B. 1.—; Dornbirn M. Rh. 3.—; Kurtatsch I. K. 3.—; Innsbruck b. M. Pl. 2.— ; Schlanders H. K. 3.—, I. I. 4.— ; Weiler Kr. A. 8.— ; Mittelberg K. 2l. M. 24.52 (davon 9.36 Antvniusbrvt); Welsberg H. N. 1.—; Altschwendt M. K. 3.-—; St. Peter J. M. 1,—; Aigen H. K. 2.— ; Straßengl. P. G. P. O. Cist. 6.— ; Kitzbühel P. G. 6.— ; Pfalzen A. Ob. 5.— (samt Abonn.); Bruck i. P. P. St. 1.—. Für den Br. Schuster: Oberrieb I. K. 2.35; Traunkirchen R. Sch. 3.—. An Effekten sandten ein: F. Wctlenzou einen Sack Kastanien; N. N. Brixen neue Socken; I. B. Innsbruck Schirme, Stoffreste, Briefmarken, Ansichtskarten :c.; H. H. C. Sch. Talare; mehrere andere Briefmarken. Zur Persolvierung von heiligen Messen sandten ein: Mar. Wolf 1.75; Theol. SB. 4.—; Bar. B. ti. Nagel 23.50; Magd. Achter 20.— ; P. Koßmann 8.08; L. Rettl 3.— ; Gräfin von Merveldt 49.32; Fr. Waldner 10.—; M. Kap finger 6.— ; A. H. 4.—; Fr. Schachinger 5.—; L. Spiesiberger 2.— ; B. Schwaibold 20.70; M. Ragginer 4.80; A. Müller 14.— ; A. Bühl 3.— ; L. S. 5.—; L. Fröhlich 18.79; J. Schmid 6.—; K. Neuhauser 2.03; Val. Trunk 9.36; Marg. Wicmer 42.08. Für die Mission: H. Wiedmann —.60; C. Eibl 2.—; P, Eibl 2.-; P. Gr. Peril O. Cist. 6.—; Fr. Legat 180.— ;H. H. S. Bachmahr 48.—. Für Aivns. Geher: durch die Redaktion der „Kath. Missionen" 122.26. Für P. Banholzer (Lul-Pnmpe): P. Gr. Peril 6.—; durch die St. Petr. Claver-Sodäli-tät 702.—. Zur Taufe von Heidenkindern: M. Pl. Innsbruck 20.— (Robertas). * * * „O Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" dlbarienverem für Afrika. Derselbe stellt unter dem Lebntze tarnt lieb er Bischöfe des diesseitigen ©efterreteb. 2\vedi. Der Zweck des Vereines ist die Förderung der katholischen Missionen, der Sklavenbesreinng bl Afrika und der Missionshäuser in Europa, in welchen Missionäre für Afrika herangebildet werden. Zn diesen BWionshänsern zählt auch das der „Söhne des hlst. Herzens Jesu" in Milland bei Brixen (Tirol). Dieses Missionshaus bedarf ganz besonders der Unterstützung. /liMttel zur Erreichung des Vereinszweckes sind: 1. Das tägliche Vereinsgebet, ein Vaterunser und ein 9(tic mit dem Zusätze: „Bitte, o Hinnnclskönigin Maria, für die unglücklichen Neger!" Ip. „Stuf daß sie mit uns würdig werden der Verheißungen Christi!" 2. Beiträge für Mitglieder mindestens 10 Heller int Monate; für Teilnehmer Kr. 2 jährlich. Letztere übernehmen keine Gebetspflicht. Das Grgnn des Marienvereines für Afrika ist die Monatsschrift „Stern der Sieger"; sic kostet per Post jährlich Kr. 2 und wird abonniert unter der Adresse: „MissionsMus in Milland bei Brixen, Tirol." Das 'fbauptfest des Vereines ist das Fest Mariä Geburt a m 8. S e p t e m b e r. — Jährlich wird im Monate November eine Seelenmesse für die verstorbenen Mitglieder der einzelnen Pfarrabteilungen gelesen. Das jedem uni» gemütvollste aller Ijausittjlvimtenfe: armoiiHDS mit wundervollem Orgelton, von V8 Ulk. aufm. - Illustrierte Pracht-Kataloge gratis. Hlois Maler, Hoflieferant, fulda. Spezialität: rropenlSnäer Harmoniüins für Mittionen. Export nach allen Weltteilen. flDtßlOnSfVCUUbC, nbomtici'tititb verbreitet den - „Stern der Aeger". Der „Stern der Neger" erscheint jährlich Zwölfmal. preis pro Jahrgang für Oesterreich-Ungarn Kr. 2.-, für Deutschland Mk. 2. — , für die übrigen Länder des 2veltpostvereins Frk. 3. — . Missionshaus in Millaud bei Brixen in Tirol. Zur Leitung einer Filmte oder zu sonstiger intellektueller Mitarbeit sucht die @t. Petrus Claver-Sodalität für die afrikanischen ■ Missionen Fräulein, welche mit der Feder gewandt sind und nebst gründlicher Kenntnis der deutschen Sprache auch anderer europäischer Sprachen ganz mächtig sind. Liebe und Eifer für die afrikanischen Missionen sind Vorbedingung. Alle näheren Aufschlüsse erfährt man von der Generalleiterin der St. Petrus Claver-Sodalität, Frau Gräfin Ledüchawzka, Rom, via dell' Dimita 16, oder von der Leiterin des Hauses Maria-§org, post Rasern bei Salzburg, Oesterreich. IRongregation ber „Bobne des heiligsten Derzens Jesu", ^ ~ ^ Missionare für Zentralafrifta, Außer Priestern und Theologen, meldje Neigung und Beruf zum Ordensstande haben und sich dieser Mission widmen wollen, ftnden in dieser Kongregation Aufnahme Studenten der oberen Gymnasialklassen, welche in entsprechendem Alter stehen und Neigung zum Ordensstande haben: endlich sind auch Laien (als Handwerker, Bauern usw.) als Ordensbrüder sehr erwünscht und für das Wirken der Kongregation von großer Wichtigkeit. — Es werden auch brave und talentierte Knaben ausgenommen und zu Missionspriestern ausgebildet, sowohl solche, welche noch keine, als solche, welche bereits eine oder mehrere Gymnasialklassen gemacht haben. Wegen der sonstigen Aufnahmsbedingungen wende man sich vertrauensvoll an den Obern des Missionshauses der „Söhne des heiligsten Herzens 3efu" in Milland bei Brixen, Tirol. Inhalt: Die Schilluk (Schluß)........................265 Ein Ausflug nach Omburmnn .... 270 Nach Afrika .................................274 Aus dem Missionsleben: Aus Attigo . . 277 Wie sich Gott der geringsten Werkzeuge bedient.................................278 Verschiedenes: Marienverein für Afrika . 279 Der Löwe im Eisenbahnwagen . . . 280 Die Schlafkrankheit.......................284 Die Blutrache bei den Basiba . . . 287 Protestantische Missionen............287 Abreise in die Mission..............288 Gebctscrhörnngen und Empfehlungen . . 288 Unsere Bitten ..........................288 Abbildungen: Ein afrikanischer Gitarrespieler. — Insel Phylä. — Br. Sendker lernt die Schwarzen Bretter schneiden. — Am User des Blauen Nil. — Ansichten von Omdurman.