LmlmcherWMtu ng. sll>^ «A >/^ Vl«nnm,l«l«on«pr«l«: I» «°mpt°il „an,!. ><>. ». . ,» /-^- , <- Ä»'«l tlon«g«bi< hl t>« >l» feilen: im»! b"ll.. t^i'T'»^ ^»^ f^K,. halbj.5s»lr, Vtilbe»P°Naan»j. ft. ,Vha!bI.,,.7.kU (1^^»^"^)/ R »I. V^l-^ t », »«»Vi, <, ,m. ,<» fr. .,. ,. w. ^n'crti«! »fi.mpll ,s^"r,. i»l) li, » ^ , »^. Amtlicher Theil. ever Minister des Intern ha! den Herren Johann Schubert!), Julius Koch, Karl Oagst älter, Dr. W. Ex» cr l,nd Adolf Esünt die Bcwillignng zur Errichtung einer Acliengcsellschaft unter der Firma „Holzindustrie- und Cotlage'Eompagnie" mit dein Sitze in Wien ertheilt und deren Statuten genehmigt. Statut sUr die t. l, Akademie der bildenden Künfte in Wien. (Schluß.) s 13. Dle Akademie veranstallct jährlich Schul' llussteUungen und außerdem in entsprechenden Zeilräu wen größere siusslellungcn, welch' letztere sowohl den Mitgliedern des alademischen Lehrkörpers als dcn in ben Atelier« der Akademie und der Spccialschulcn wir^ »enden Kunstjüngcrn so wie hervorragenden üslerreichi' schen Künstlern (welchem Volksstamme dieselben angehören mögen) Gelegenheit bieten sollen, ihre Leistungen zur Geltung zu biingen. 8 14. Die Akademie ist dem Unterrichtsministerium untergeordnet. Dle Leitung dcr Akademie isl dcm Profcssorc,.lol-lrgium übertragen, a:, dlsslN spitze dcr Rcctor steht. § 15. Da« ProfcssorencoUsssium der Akademie be. stcht aus den ordentliche,, Proflssorcn der Haiip'fächc, und den außerordeütlichcn Professoren der Hllfssäycr. An den Sitzungen desselben nehmen in dcn Fällen, in denen eS sich um A'gcl:qenheitcn t»-r Vibliolhel. dee Gipsmuseums oder der Gemäldegalerie handelt, tie be» züglichcn Borslände dcr Institute und wenn Fragen dce> Unterrichtes in den Hilfswissenschaften zur Discussion ßelai'aen, die Professoren oder Docenten desselben mil berathender Stimme anlhcil. Der Lehllörpcr versammelt sich auf Äufforderuüg des RcclorS mindestens ein mal im Monat. 8 16. In dcn Wirkungskreis dcs Prostssorencol' legiums gehören alle Unterrichts- und DiSciplinarangc. lcgcnheiten dcr Akademie. Insbesondere hat dasselbe die Schulordnungen und das VcrleslVerzeichnis für jedcS Semester so zu ordncl', daß die Studierenden an dcr Akademie Gelegenheit haben, die Hilssfächer und Hilfswissenschaften in angc« lmssencr Reihenfolge zu hören. E« hat das Recht, für Besetzung dcr Professoren-stellen und für Zulassung von Docenten Vorschläge an bas UtiterrichlSministcrillM zu erstatten so wie Ehrcn» Mitglieder dcr Akademie zu wählen. Ueber die Verleihung dcr akademischen Preise, dann dtr Ncisc« und Künstlers!ipctidicn hat daösclbe, iüsofcrnc der Sliftsbricf nicht eine andcrc Bestimmung cnlhäll, elbständig zu entscheiden und ist nur vespflichlct. hier» »ber dcm Ministerium Bericht zu erstatten. Rüclsichllich dcS Assisicnlcn (tj Y) steht dem Pro. cssorencollegium das Ncchl z„, über die von dcm de» llffcndcn Professor acmachten Brslßungsvorschläae zu nischeidcn und die get,offenen Beifügungen dem Mini» terium zur Kenülnis zu bringen. Dem PlofessorclicM'giinn obliegt flrrcr die Ober« lufsicht über dic an dll Aka^mie bcstchcnden Samm-nngen, Instilule, artistischen und wissenschaftlichen ^lfsmittel und die Sorgt fli5 die Ei Haltung und Ver« Gehrung dcrfelbcn. tz 17. Der Rcctor rrird auf die Dauer von je lwel Jahren von dcm Prof ssarencollegium aus den or> zenllichcn Professoren dcr Al.,demic gewählt. Die Wiederwahl desselben Rectors in dcm unmittelbar dasauffol-zcndcn Turnus isl nickt gestalt:!. Die Wahl unterliegt dcr Vcslätisiiiria, ccs MinislcriumS. Dcr Nlllor trägt die nächste Vcianlworluna für die Gcschäflssührung dcS Proflssorcncoll'giumS und h1,l die Pflicht, die Vollzichilna dcr bestehenden Gesetze und Verordnungen zu bcaufsichliqcn, auf Mängel derselben autmcrlsam zu machen und sie dcm Lch'lösp^r und dcm Ministerium z"r Kenntnis zu tningcn. Glalibt er einen Beschluß des Proscfforenlnll^iums nicht verantwollcn zu können, so lcgl er i>cn Fall dcm UnlcrrichlSininislcrium zur Elilschcidung vor. Cnslcnlc Gcschäfleslücke und allc, wclche nur cinc ciüfache Anwendung blstchcuder Vor ,'chriflcn bedürfen, crlcdigl er stll'st und berichtet daiübcl !)sm Prosssforcn>ollegiu!N in dcr nächsten Sitzung. Wo Hefahr am Verzu,;e ist, tliffl er selbständig dic bcllcf> senden Alwrdliungcn. Er führt dcn Vorsitz im Professorencollessinm Seine Ol'licgüchcil ist c«, ichcr alle Thnlc dcr Afadcmic natme Aufsicht zu filhicn^auch iri Sorgfalt tarülicr zu wache!», daß l-cn SlatullN die aenautste Folge c,eleistel wird. Ihm ist das gcsamültc Pcrsonalc dcr Aladcmir dienstlich m'lcrgeordncl. <^r macht die Eil'ladunq z» allen Veisammlungcn dcr P'ofefsorcncollcaicn, unterfcr> tigl alle Acte, deren Cilcdiyuna lnilcr seiner ^cituiis, crfolgk, so wi: die Piololollc dcs Profcssoi'encolleaiums, Im Falle der Erkraülnng odcr besonderen Vcrhin dellMij sunctionicrt für dln Ntilor der Prureclor und in dessen Pcchiüdcruüg der rangeälleste Prosisjor dle ^chrtlcoll^iums. l; 18. Zu cincm giltia/n Bcschlusfe dcs Professoren» collcgiums ist dic Anwesenheit dcr Hälfte der Proses-soren, wclchc Mitglieder des CollcgiuillS sind, nothwendig. VcrhandlungSgcgenstand?. bci dcnen cS sich nm dic Hulcrlsscn eines bcstimmtcn VchrfachcS handelt, si:>d de» belrefscilden Professoren volh^r anzuzcigen. ^ 19. Die Protokolle der Proscssorencollegicn sind dem Unterrichtsmiinftcrium vo>zulrgcn. 8 20. Die admin strativln Gc!chäfte dcr »lademie bcsorgt auf Grund eincs dcsondcren RcglcmeüleS ein ländißer Secrelür, wclchcm eine mit der Kanzlei- und Rcchnunq?iüh:u^g bclllllUe Pci' l,r Slelle steht. 8 21. T >,c ^citul'g ter ,! und der mit ihr vcrcimglen >lop! islich« und Ha^dzeichncnsllmmlung untclstrhl dlm Bibliothekar, jenc der Gemäldegalerie dem aladlmischsn Cusns. Die Slcllcn dc« Ochliothülar und c>' 'N Cuslos, fo wie die des S^rcläss und bee . i?n und RechnuiigefühlllS wcrdcn nach Einvernehmung deS Rcclors vom UnlellichlSminislerium brsetzt. l; 22. Zu dcm Zwecke cines yerea:llen Borganges in den V^samlllllngell dcS Prosessorencollegiums dient cine GeschäslSoldnunti, welche von demselben zu versaf» sen und dem Ministerium zur Geliehmiljung vorzu« lcgcn ist. Äm 10. SfP!tnil>cr 1^72 >l,,n^i »,, i ^: »niclelll in Wir» da« XI.VI» 3<^cl ds« lälifiss l>lo« in tls dnuschsl: Äusgobe au^>^" >> >><,^ l^,,^^,s!. Dnilsrlbs rlühäll lliiler ^)ir, I.j) dir Ciüirrffio» vom K). N»ss»sl 1^7^l ynn Vau »«b Vc-Nisbc riucr ^ocomliuliriisichahii »nil ,^llli!u^idbrti!sl, von Nllfidorf auf t.as Pllltls.u dr« Kahllüblig,^ ^ Nr, 1.U die Emlclssic,,, vom 1<». August I«?»' z»m ^nil m,d V,. incbc eiiisr i.'ocomolll)sisei!d ^ju mil ^hmaodtliisb von 3>. Woljgclüg aus dic ^l süich< vom "5» Äiigiifl ^ttž^, lrlü!! >>d da? Ü'l liiml'slül!!! sitr dis Nladsmif ds^ bild-übn! silinft'- il> )ir. l.'^6 dic Kiliidinlichiiüss d<>- l^ tsMl'kl 1^7^, l'slllftslld s !>' äiidriuliq dir Vssia!ioiiln, ililchr». S!>!,»,,,^,, <> l ^, niuilii, (2ür, Zl«. M > ch e l, ficsultate n dcr .siaiscr.Zllscimlnenlunfl nus^eipiochen wiro - cs sei eil,c r>öil!ae Blsslälidl^uog mit Picuhen< Oni1>chlllnd und nllmcllllich mit Rußland erzielt, so duß m allen Fragen die Äction nur aus Grund vorangehender Einigung erfolgn wcrde. R:lßlüud r jci eine lölmliche Umwaljunz dlr o>lclll>cl, . . ilil tingc» irclcn; alle anti russischen Kundjjcduüg.n werden deS» ovouirt und ein Ucbcrwlcgen der gemeinsamen Interessen über die trennenden ane'lannt. Von P-luhcn und Rußland wxrde die entschiedenste MlSvilligung aller staatsfeindlichen Fcsllcl,u,iycn in Oe >lerrcich iu«gesp7vchrn. In Bczilg auf Preußen und Deutschland alicllcnnl Ocstcileich die Vortheile eines innigen Än» schlusscS für Oesterreichs Machtstellung. /mil Kl ml. In eiserner /aust. Ein Roman aus der neuesten Icit von I. Sltinmanli. V. «apitel. Irrsinnig! ,.n» «?f^^^'^.7^'" ''"'" ^Hlüssel aus dcr Tasche und öff"ell dle T^l ^,„ Nel'cn^immcr. Das Gas» l.cht war '" d.esem sch^ anaezündel. als wenn es selbst» verstandllch sc», daß es benutzt werde ,.Er hat mir fü.f Tha'er für die Anmeldung ge-geben," sagtc der Dlcncr zu scinem H^l„, als er die Karte überreichle, „es scheint ein fcmcr M^nn zu scin " „Zünde das Gas im Hinlerchnmcr an!" Das Nebenzimmer war sehr wohnlich eingerichtet. Ein bequemer und tleg-mler Sopha. schön acpolste'le Sessel, ein Hlißtüppich war ocrhalidcn. Es war ftriur line zwcile Thür an.eorachl, dic, mit dichtem Tuch bc> plagen, jegliches Horchen unmöglich machlc. Die sscnstcr warcn mit Vadcn verschlossen und zum ttcbcrstuß mit ächten Vorhängn velschen. Außerdem befanden sich un feuerfeslcr Schrat, cinc Toilette und ein Wand-lchranl >n dlin Zimllll. Dcr Äcamle bot Herrn von Stjour dcn Sopha °n, tr selber schle sich auf einen der Fauteuils, schlug die Bcine übereinander und blickte Hcrrn von Scjour an, als' wenn er sagcn wollte: „Ich bin bereit, zu hören, abcr bceilcn Sie sich." Oicscr lc^ann.- «Ich wcrdc in nächster Zeit der Schwieatlsohn deS Hcnn Dolonlie, i:i Firma ^l olomie «55 Sohn." „?!h." machte dcr Geamlc. „Herr Dolomic hat außcr dcl einzigen Tochter eincn Sohn, dcr cil'st der Etdc dcr Fillua uud dcr glö-ßcren Hälfte dcs Vcrmögcns sein wird. Nun haben wir lc'dcr in Erfahrung gcdracht, daß der Sohn im Äcg'iss stchl, einc ^ie^schasl zu bcgini-.cn, die, wie es schcillt, cllistcrcr Natur zu wcrdcn verspricht, als dice sonst mit jungen beulen bcsscrcr Sländc und Pcisonen dcr niederen Klasse dcr Fall ist." „vas passicrt oft. Allein waS. ßch! mich dcr Han» dcl an?" „Pill, sehr vicl. C« kommt tarauf an. sichcic Vc» wcise zu erhallen, dah da? bcltlsfcn^e Nlädchcn eine Un» wNrlige »st. Und taS würden Sie am besten können." „Ich sche aber gar nichl ein, wcshalb das gcradc nothivcndig isl." „Um die Familie rechts lig vor cincr Blamagi zu schützen." Dcr Bcamte lüchclle ungläubig. „Hüll dcr mich für dumm." dachte er. „Glauben S e, daß dcr jilnczc Mann so toll sein wiirde, das Mädchen zu hcirnlen?" „Das tüiinle möglich scin, uiuß aber vcrmicdcn werden." Dcr Bcamte lächelte wieder. „Wäre cs Ih»cn ücbcr, derartige Beweise vor ober nach dlr Hlirat dcr beiden zu erhallen? Ich glaube, daS letzlcic würde Ihnen sehr angenehm fein." Hcrr von Scjour erlülhele, er sah, daß scin Plan durchschaut war. Er faßte sich jedoch glcich wieder und faglc luhia: „Also Sie glaubcu, deralli^e Beweise, wie sie gl-wünscht wcrden, herbeifchoffen zu können?" „Wenn das Mädchen, wie Sie fassen, nitbcrer Heilunfl ist, wird sich n anchS mc:" l-^^ist nintz ich dcn Namm und Wohl,ort , ^ " " ..Wie ich m Enahiung gebracht habe, wohnt sie in dcr tkirnn Gäilnllsliahc No. ^ " Der Beamte horchte auf. ,.S't hat e>!,c Ficunom, c!»c V!»>. c.,..,^chelin. namens Eoa, ein llemcs. mnnlereS Ding, und a'beitct wie dilsc i» dcmsllbcn Fache." «Nh! ich wcch schon B.scheid. Hc'ßt Ihr zulünsti. gcr Schwager etwa Giorg?" ^. . ..Ga„z recht," erwiderte Herr von ^tjour eislaunt. „Abcr woher wissen Sie - " ^D,c Polizei wc'h "lleS," sal,le tc: Vc^mlc. sclbst« zufrieden lgchdnd. ..«cm'cl, sic dae Madchn, pclsoiülch, odcr wisscn sie nahest? von ihren Velhällnlsjrl,?' „Ich elfuhr clsl vor einigen Ta^en. ums ich so eben mittheilte, und eS war nnr nicht mi^Ilch, weilcie Erkundigungen einzuzichcn." Der Bcamle schaule nachdenklich ror sich nieder. Es alblitete in seinem Gehirn. Ja, ei überlegte manches. 1496 Bei den Ministerbesprechungen wurden keine Der» träze festgestellt und feine Protokolle geführt, aber wahr» scheinlich standen übereinstimmende diplomatische Kund« zebungen bevor. Als allgemeine Zwecke der Entrevue bezeichnet man Stärkung der staatlichen Autorität, Auf« rechthaltung des bestehenden Zustande« und Er Hal« tung des Friedens. Die „Sven. Ztg." schreibt über die Bebeutng der Ka!ser»Entreoue nachstehendes: „Die von uns erwähnte Mittheilung verschiedener Blätter, daß die drei Kaiser sich am Sonntag mit ihren auswärtigen Ministern zu einer Conferenz vereinigen würden, ist inzwischen durch die Thatsachen widerlegt. Aber auch die drei Minister werden vermuthlich leine gemeinsame Conferenz abhalten. Auch unter den drei Staatsmännern werden demnach allem Anschein nach politische Verhandlungen in geschäft» licher Form nicht stattfinden, sondern man wird sich auf den frei«< Meinungsaustausch beschränken, wie er sich in dcn einzelnen Unterredungen von selbst ergibt. Die Entrevue bewahrt den Charakter eines überwiegend militärischen Festes, dem eigentliche politische Verhandlungen fernblieben. Die hohe Gedeutung des Drei-Kaiser-Zu< sammenlunst wird dadurch nicht geschmälert, sie liegt, wlt wir wiederholt hervorhoben, nicht in irgend welcher positiven Abmachnng, sondern in der pe rsö n li ch e n Begegnung der drei Herrscher, die eben dadurch vor aller Welt bezeugen, daß sie gewillt sind, durch freund» sch afl l ich e Verständigung die Wolken zu zerstreuen, die an dem heute ziemlich heiteren Horizont Europa'S späterhin etwa auftauchen möchten." Die berliner autographicrte Correspondenz läßt sich über dcn Verlauf der Monarchenbegcgnungen folgender Weise vernehmen: „In diplomatischen Kreisen verlautet bestimmt, daß eigentliche Canfercnzen zwischen dcn Kaisern und ihren ersten Ministern nicht beabsichtigt waren. Von Vorlagen definitiver Programme sei leine Rebe. am wenigsten von schriftlichen Abmachungen. Gewisse gemeinsame Fragen werden mehr beim Nachmittagskaffee und am Thcelisch, alö am grünen Tische, in leichten Pour-^ parlers zur Sprache gebracht und werden auch leine ProloloUe aufgenommen. Für eigentliche Conferenzen wären Zeit und Ort nictt gut gewühlt, da militärische und Horste den meisten Theil der kurzen Heil absor^ vieren. Die Entrevue halte dcn Hauptzweck, die innige! Freundschaft der drei Kaiser zu befestigen und! diesen Bund vor ganz Europa zu constaticren. Dies, ist vollkommen gelungen. Als aufrichtige Freunde scheiden die Monarchen von einander, um sich in nicht ferner Zeit wieder zu sehen, da alljährlich derartige Con-ferenzcn und Ministerbe^egnun^en sehr wahrscheinlich sind. Auch nicht die leiseste Spur frühereu Antagonismus und Zerwürfnisses ist zurückgeblieben. Insoferne könne man von der Schaffung einer Friedensliga durch die Entrevue sprechen. Einen offensiven Charakter tonne die Entrevue gar nicht haben, da gar kein Anlaß vor« liege und bis heule niemand den Frieden zu stören vco suchte. Wer immer sich dieS unterfangen möchte, würde dann die Conscqucnzen der Entrevue zu fühlen haben und die drei Mächte vereint gegen sich finden. Insoferne könne, wenngleich viele Fragen auch nach der Entrevue offen bleiben, versichert werden, daß durch diese derFri«de auf eine Reihe von Jahren gesichert sei. WaS darüber hinaus in Zeitungen verlautete oder von der aroßen Zahl der anwesenden SpecialrcporterS mit wichtigthueudcr Miene erzählt werden dürfte, gehört in den Bereich der Conjecturalpolitik oder der dreisten Erfindung." DaS „Neue Fremdenblatt" erhielt von seinem berliner Correspondent«!, über die Kaiser.Cnlrevue und dieDi« plomatenbesprechungen nachfolgenden sehr beachtuncMer« then Bericht: „Einer unserer hervorragendsten Diplomaten sagte mir heute morgens: «Die moderne Diplomatie will alle Fragen, auch wenn sie secundärer Natur sind, sofort, und wenns noth thut, wit Gewalt losen, die alte Diplomatie hatte, was man ihr auch sonst übles nachsagen mag. die gute Gewohnheit, jede Frage erst zu untersuchen, alle nur möglichen Lösungen anzubahnen und jeder, auch der brennendsten Frage ihre Bedeutung dadurch zu nehmen, daß man die Erhaltung des Friedens als eine Gedingung hinstellte, an der .licht gerüttelt werden dürfe. Ich glaube, wir lrhren nach und nach zur alten Schule zurück, und die berliner Entrevue ist ein guter Anfang zu dieser Rückkehr." Diese Wone kennzeichnen die Situation vortrefflich. Es mag dem österreichischen Kaiser einen großen Kampf und eine große Selbstüberwindung gelostet haben, ehe er den Ent« schluß zur Reise nach Berlin- faßte — aber er sah die Nothwendigkeit einer persönlichen Begegnung, ich möchte sagen, einer persönlichen Manifestation ein und nahm die Einladung zu dcn berliner Manövern an. Der Kaiser von Rußland halte vielleicht an eine Reise nach Berlin nicht gedacht, aver auch seine Diplomaten fühlten die Nothwendigkeit einer persönlichen Verständigung, sie fühltrn. daß. wenn Nußland in Verlin nicht anwesend sein würde, leicht etwas ohne Rußland geschehen könnte, waS später gegen Rußland gedreht würde, und so lam auch der C;ar nach Berlin. Die drei Kaiser haben sich gesehen, geküßt und besprochen, ihre ersten Minister hielten wohl leine förmlichen Confercnzen ab, aber sic be« sprachen sich über die Situation — und die gcaenseitige Conversation führte auch zur gegenseitigen Klärung. Und das Resultat dieser Entrevue? wird man fragen. Nun eS ist lein positives, aber doch immer ein bedeutendes. Man schließt in Berlin weder eine Allianz, noch einen Vertrag, abcr man ist sich darüber llar geworden, daß jene Macht, die zuerst Anlaß zum Friedensbruche geben sollte, sofort die Allianz der beiden anderen, die heute noch nicht einmal in ihren Grundzü' gen festgestellt ist, zu einem tM uccmniill machen würde. Der Kaiser von Rußland und seine Minister nehmen die Ueberzeugung von hier mit. daß bei der ersten Provocation der österreichischen Slaven, bei der ersten Constatierung einer russischen Intrigue in der Türkei, die darauf berechnet ist, den Weltfrieden zu gefährden, die Allianz zwischen Oesterreich und Deutschland gegen Rußland sofort ins ?eben tritt. Abcr auch die österreichisch? Diplomatie wird sich der Erle,mtnis nicht verschließen, daß sollte sie jcmals — etwa durch eine Regenerierung dcs föderalistischen Systems — in die Lage kommen, gegen Nußland aufzutreten, sie durch ihre Politik im Innern den Abschluß der Allianz zwischen Deutschland und Rußland beschleunigen würde. So ist die Sachlage. Eine Allianz zwischen dreien ist unmöglich und unpraktisch, weil sie gegen das übrige Europa provocalorisch wirken würde; man begnügt sich daher mit der Anbahnung freundnachbarlicher Verhält» nisse und dem Bewußtsein, daß die Entfernung der einen Macht von dem friedlichen Wege sofort die Allianz der zwei anderen Mächte zur Folge halle. Es wird gewiß viele Leute geben, die eine feste Allianz diesem Zustand vorziehen werden, der Diplomatie aber ist dieser Zustand lieber, weil er die praktischen Verhältnisse be. rücksichligt und für den Fiieden größere Garantien ge-währt. Die praktische Nothwendigkeit hat in der Welt noch immer mehr Nutz:n gebracht, als die verllausulier-testen Verträge. Ihren heimischen Politikern in Oesterreich wird sich gewiß vor allem die Frage aufdrängen, welche Fol. gen die Kaiser»Entrevue in Berlin auf die österreichische innere Politik haben werde. Nun. in dieser Richtung kann man sich schon ohne alle Reserve aussprechen. Die Verfassungspartei kann von dieser Kaiser-Entreoue-voll-ständig befriedigt sein. Denn darüber müssen bi« österreichischen Diplomaten und der erhabene Träger der Krone des Kaiserreichs in Berlin sich klar geworden sein, daß nichts dem Arischen Oesterreichs und seiner Gellung im Rathe Europa's so sehr geschadet hat, als seine ewig wechselnde Politik im Innern, als die staatsrechtliche Verwirrung der letzten Jahre. Und daß diese Verwirrung unter Hohenwart dcn höchsten Grad er« reichte, darüber haben sich die Fürsten Bismarck und Gorlschakoff schon früher deutlich genug ausgesprochen, ebenso wie sie aus der Thatsache kein H,hl machen, daß eine neue föderalistische Politik in Oesterreich so-> fort Rußland und Deutschland zu Gegnern der Fö< deration Oesterreichs machen müßte. Darum bsgrüßt man auch hier die sichere Stellung, welche sich das Ministerium AuerSperg errungen, mit Freuden ui'd ist überzeugt, daß eine Reihe von Frieoensjahrcn nur dazu beitragen würde, die Consolidierung Oesterreichs zu sichern. Und noch eine Uebeizfugung nehmen die österreichischen Staatsmänner von den beiliner Conferenzen mit sich, die Ueberzeugung, daß Kaiser Wilhelm Oesterreich nun als einen gleichglstelllen, ebenbürtigen Bun« desgenossen betrachtet, und daß er übcrall. wo Oester« reichS Interessen bedroht erscheinen, un der Seile beS Bedrohten stehen wird. Darum w?ist man aucli hier die Bestrebungen einer Partei in Oesterreich, die auf die Zersetzung Oesterreichs und eine Gravitierung nach Berlin abzielen, entschieden zurück, und es dürfte sich bald eine Gelegenheit bieten, dieS öffentlich zu manlft» stieren. Die preußische Diplomatie findet es im Gegen« theile ganz unbegreiflich, daß in Oesterreich eltie solche Partei überhaupt möglich sei, und man citiert hier ein Wort dcs Fürsten Bismarck, der an eine Consolidicrung der österreichischen Zustände insolange nicht glauben will, als man nicht Mittel findet, dem Treibn einer solchen Partei ein Ende zu machen. Daß sich an Besprechungen solcher Natur auch die Klage knüpft, es werde in Otsler« reich zu wenig regiert, eine Klage, die unmittelbar zu DiScussioncn über gewisse Priß^uslände führen muß, ist nur logisch. Wenn also wirtlich die Kaiser. Entrevue in Berlin ein strammeres Regiment in Oesterreich zur Folge haben dürfte, so darf man sich durch das Geschrei bekannter Schwätzer über die hereinbrechende Reaction nicht beirren lassen — daS strammere Regiment soll eben gegen alle nationalen Parteien in Anwen» dung kommen, von deren reichsfeindlichen Bestrebungen die Regierung überzeugt ist. Wmn ich diesen Zeilen noch hinzufügt, daß dcr Verkehr zwischen den Diplomaten ein herzlicher und auf» richtiger, und daß man sich über die gegenseitigen Vc« schwerden mit der größten Offenheit aussprach, so habe ich Ihnen alleS mitgetheilt, waS hier in unterrichteten Kreisen über die Entrevue und ihre Folgen eesprochen wird." Politische Uebersicht Laibach, 12. September. Zweck und Ziele der eben zu Ende gegangenen Monarchen - Zusammenkunft werden seitens der deutschen und insbesondere der berliner Prefsc lebhaft discuticrt. Mit großer Einstimmigkeit sindct die Ueberzeugung Ausdruck, daß das Ziel der Entrevue lediglich in der Befestigung des Einverständnisses der drei Reiche über die Nothwendigkeit einer aufrichtigen Friedenspolitik nach allen Seilen hin bestehe. Der von .Ihr Vater ist ein Selbstmörder." sagte er zu sich. „ein Banqucrotleur. Und wenn sie auch jetzt noch tu» gendhaft ist, sind sie und ihre Mutter dennoch ganz in meiner Gewalt. Ich lann machen mit ihr, was ich will, ich kann sie zwingen, sich eincm Leben zu ergeben, das mir passend erscheint. Sie muß, wenn ich will." Er lächelte satanisch. „Wie viel ist ihnen der gute Ruf dcs Mädchens werth?" fragte er. „Fordern sie." „Fünftausend Thaler." /Das ist viel." ..Ich handle ungern gcgen mein Gewissen." Herr von Sejour war auch Geschäftsmann. „Sollten zweitausend nicht auch genug sein?" ..Ich tpbc ihn.n die Summe genannt und das ist, bei Gott, nicht zu viel. Glauben sie, daß ich gar leine Auslagen habe?" «Ich gebe ihnen dreitausend." ..Nicht unter fünf." Herr von Sejour wollte aufbrausen, allem er mußte seinen Aerger niederschlucken. Hatte er sich nicht enl> d!öd«t. sei«« niedrigen Absichten einem Zweiten anzuoer-ttau«n, mußte er die Rohheilen dcS Vertrauten ruhig ertragen. „Nun denn. wie sie wollen." „Und welch« Sicherheit geben sie?" „Ich deponiere Werthpapiere wo und wann Sie wollen." „Angenommen.- „Und die Garantie Ihrerseits?" ..Herr!" brauste der Beamte auf. ..Gin ich ein Schurle? Ich bin ein Ehrenmann, der hält, was er versprochen hat." „Ich zweifle nicht daran," erwiderte Herr von Se» jour ironisch. „Ich will Ihnen beweisen, daß Sie rechtlich behandelt werden." sagte der Beamte. Er stand auf und öffnete dcn feuerfesten Schrank. Nach einigem Suchen zog er ein lleines Papier hervor, dessen numerierten Umschlag er entfernte. Es waren einige Griefe. „Kennen Sie diese Handschrift?" fragte er. Herr von Sejour machte einen Ausruf d'S Erstaunens. „Diese Schrift sollte ich kennen." „Nicht wahr?"- „Es ist die meines zukünftigen Schwagers." „Sehen Sie, wie genau wir unterrichtet sind. Diese Briefe, Liebesbriefe, haben vielleicht Werth fü? Sie." ..Erst muß ich sie lesen." „Erst werden Sie zahlen." „Aber Sie erhalten doch eine ganz cnorire Summe." „Die Briefe sind extra. Hier drei Briefe, jeder ist seinen LouiSd'or werth." Herr von Sejour biß sich auf die Lippen. Dann zog er fein Portemonnaie und legte die betreffende Summe auf den Tisch. Der Beamte zählte nach und übergab ihm dann die Briefe., Herr von Sejour legte sie in seine Brieftasche. „Wegen der Auszahlung der verabredcten Summe oder Deponierung, wie Sie wollen, müssen Sie wieder vorkommen. Ich habe jetzt leine Zeit m hr," sagte der Beamte. „Je coulanter Sie sind. um so prompter wer« den Ihre Wünsche erfüllt. DaS ist einmal nicht anders." „Ich werde morgen um diese Zeit wieder lommcn." „Sie treffen mich zu Hause." Herr von Sejour entfernte sich. Als er lm Freien war, stampfte er mit dem Fuß in den frischgefallencn Schnee. „Er behandelt mich ganz wie seines Gleichen," murmelte er, ..und mit einer rohen Cordialilät, die mir durchaus nicht pißt. Aber was hilft ,S, man muh oielerlerlei unangenehmes dulden, um zum herrlichen Ziel zu gelangen." War Herr von Scjour auch nicht von dem so eben gemachten Versuche nach allen Seiten hin angenehm berührt, machte der Beamte ein um so zufriedeneres Gesicht. „DaS Mädchen muß noch viel Geld einbringen," murmelte er. „Sie ist jung und hübsch. Die funftau» send Thaler hätten wir so wir gut als sicher, das U'b'lge wird sich finden. Nur muß ich wissen, ob sic verhci-ratet werden soll oder nicht. Mir wäre daS letztere angenehmer." Er löschte daS Licht aus und begab sich in sclnc Priwalwohnung. Sie war pompös, diese Wohnung. Die schwersten seidenen Vorhänge fielen vor den Fenstern herab. Die lostbarstln Tapeten bedeckten die 1499 Hagesnmisskeiten. — Ihre Majestät die Königin von Schweden und Norwegen sind mit großem Gefolge in Wien ein» getroffen und zum mehrtägigen Aufenthalte im Hotel „Munsch" abgestiegen. — (Perfonaln ach richten). Se. Excellenz der hcrr Minister Dr. Unger ist am 8. d. M. von Belgien in Salzburg eingetroffen und hat sich von dort nach Gmunden und Ifchl begeben. — Se. Excellenz der l. l. Ackerbauminsster Ritter v. ChlumeclY ist Sonntag abend« von seiner Reise nach Salzburg und Oberüsterreich nach Wien zurückgekehrt. — (Seltener TrauungSact). Vor einigen Tagen fand im Vetsaale des iisterr. allgemeinen Taub» stummeninstiluteS in Wien eine Trauung seltener Art stall. Vraut und Bräutigam, beide taubstumm, schlössen in Gegenwart ihrer Verwandten und Schicksalsgenossen den Bund der Ehe. Iostitutsdireclor Deutsch, der die TrauungSfunc-lion vornahm, fehle den Brautleuten in phonischer Sprache die wichtige Bedeutung des Momentes auseinander und nahm ihnen hierauf das Gelöbnis gegenseitiger ^iebe und Tttue ab. — (Bei der Ziehung der salzburger Lose) war Frau Fortuna der Handelsbank in Wien, in deren Bureaux die erste Verlosung vorgenommen wurde, be< sonders glinstlg. Wie da« «N. Frdbl." erfährt, befinden sich die i'ofe: Nr. 75.475, auf welche der Haupttreffer, und Nummer 73.080, auf welche der zweite Treffer entfiel, im Besitze der genannten Bank. — (Iagbergevnis in Salzbnrg. ) Das Herzogthum Salzburg zählt 121 Gemeinde», 23 ärarische-79 Privat«, zufammen 217 Jagdgebiete. Im Jahre 1.871 wurden abgeschossen: 128 Hirsche, 5i:l Gemsen, 488 3tehe, 558 Illchf.', 2108 Hasen, 49 Dachfe. 7 Murmellhlere, 4 Fifcholler, 116 Marder und Iltisse, 174 Uuerhöhne, 214 Sctnldhahne. 1 Sleinlmhn, 23 Schneehühner, 134 .Vasclbtthner, 13 Fasanen, 532 Rebhühner. 17 Wachteln, 43 Waldschnepfen, .12 Moosfchnepfen. 6 Wildgänse, 169 Wildenten, 13 Nohrhllhner, 2 Fischreiher, 107 Wildlauben, 2 Adler, 63 Geier und Habichte, 4 Uhu und 22 Eulen. — (Die Cholera) herrschte in Galizien während der Zeit vom 15. «ugust bis 1. September d. I. in 95 Ortschaften, in denen zu den am 15. August vorgekommenen 294 Krankheitsfällen bis zum 1. September d. I. 3368 hinzukamen. Bon dieser Zahl genasen 1722, starben 1239 und verblieben in ärztlicher Behandlung 721 Personen. — (Die Armeen der drei Kaiser) zählen nahezu 3,500.000 Mann, 700.000 Pferde und 6.L00 Geschütze. Diese Niesenmacht stellt sich nach den zulchl veröffentlichten officiellcn Angaben fllr Rußland, ohne die Local», Polizei» und Vesahungslruppen, wie ohne die außereuropäischen Kosalenheere in 870 Bat., 021 ÜScdr., 219 Batterien auf 1,302.434 M. mit 324.760 Pferden und 2084 Geschützen, fllr Oesterreich-Ungarn in 703 Bat., 387 Eacadr., 178 Bat. auf 963,051 Vl. mit 132.323 Pf. und 1424 Gesch., und fllr Deutschland in 878 Bat., 585 Escadr. und 337 Bat. auf 1,152.506 Mann mit 239.314 Pf. und 2022 Geschützen. — (Fttr die Kaiserin in Lhina) wurde vor kurzem von London ein prächtiges Clavier gesandt. Der Fabrikant sligte dem Instrument sUrsorglich einen Dreh» Apparat hinzu. Die auserkorenen Melodien sind die britische „National « Hymne", da« Miserere auS dem „Troubador," die „Lancero - Quadrille" und die „Mar» seillaise." Locales. — (Der Herr l. l. Landespräsident) Ale-xander Graf Nuersperg inspicierle auf sener letzten Anns» reise auch die l. l. Aemter in Gurlseld. Der Herr Lande«, chef trat mit den dortigen Herren Beamten und Ge-meinderepräsenlanlen in mUndlichen Verkehr, empfina auch eine Deputation der dortigen freiwilligen Feuerwehr und begleitete den Ausdruck seiner Sympathie slir das Institut der Feuerwehr mit einer Geldspende zu Zwecken der gurl» felder Feuerwehr. — (Ernennungen.) Die Herren Raimund Zhuber v. Olrog, derzeit Landesgerichlsralh in Ru» dolfsiverlh, und Franz Ritler v. Gariboldi, derzeit Bezirlsrichter in Wippach, wurden zu Landesgtrichlsrälhen in Laibach ernannt. — (Beim gestrigen Abschied «»Concert e) der Musikkapelle des l. l. 47. L.'Inf. Reg. FML. har, tung fanden sich nahezu 750 Gäste ein. Von den mit Virtuosität ausgeführten zehn Programm-Nummern wur« den die Ouvertüre zu „Oberou," eine Fantasie mit Varia» tionen sllrS Flllgelhorn, das Divertissement aus „Trovalore" und der Nrdili'Walzer mit großem Beisalle ausgezeichnet. Der Flllgelhornist Herr Toinko war durch seine eminen» ten Leistungen der Held des Abends. Wir danken der Kapelle Härtung und ihrem liichtigen Kapellmeister Herrn Kaschte fUr die genußreichen Abende und rufen ihnen ein freundlich .Wiedersehen aufs Jahr" zu. — (Das V est fch eibe n ) auf der Kegelbahn im Gasthause ..zum Lamm" zum Vortheile des hiesigen Feuer» wehr'KranleN'Vereines fand gestern 11 Uhr abends seinen «lbfchluß. Preise (Beste) erhielten die Herren I. Girod (24 Kegel), A. Koschal (21 Kegel), T. Munder. H. Reichmann, F. Eger und I. Rumzucker. Im ganzen wurden 920 Serien geschoben. Dem obgenanmen Vereine wnd i ein bedeutender Betrag zugeführt werden. Der vom Brauer» meister Herrn Perles gespendete Eimer Bier wurde nach Schluß des Scheiden« in heiterster Stimmung consumiert. — (Bei der Gemeindewahl in Tersain) wurden die Herren Johann LcHar zum Gemeindevorsteher und Varlholamäus Dimic und Franz Narobe zu Gemeinde-rälhen gewählt. —.(Der erste lrainischeSeidenbau-Verein in Mottling) Hal vom h. l. und l. österr, Acker« bauministerium zur Lrmöglichung der Reise des Vereins» secrelärs Herrn Joseph Pohlin zu dem am 16. d. in No» veredo stattfindenden dritten internationalen Scidenbau-Con-gresse und der unter einem in Szene gehenden Seidenbau« Ausstellung eine Subvention, und da« h. l. und l. österr. Handelsministerium eine Eisenbahn-Freikarte mil dem Auf» trage erfolgt, daß der obengenannte Vereinedelegierte feiner» zeit Über die in Roveredo gemachten Erfahrungen in der Zuchts» und Grainirungs « Abtheilung, unter einem auch Über die wahrgenommenen Neuerungen bei Apparaten und Gerathen Bericht zu erstatten hat. Dicfer Bericht wird seinerzeit auch den lrainifchen Seidenzllchlern mitgetheilt werden. — Bei diesem Anl«sse wollen wir fllr heule noch mittheilen, daß die görzer Landwirlhschaflliche Zeilung vom 1. v. M. in ihrem Berichte Über die heurige Seibenzuchl» Campagne in Ilalien zur öffentlichen Kenntnis brachte, daß der Pafleur'sche und mölllinger Äaupensamen aus Kram Über alle Erwartung günstige Ergebnisse geliefert haben. Herr Joseph Pohlin ist bereit, auf specielle Anfragen Auskünfte llber ausgestellte Geräthe u. s. w. brieflich zu geben. Die diesfälligen Anfragen wollen b>« einschließlich 16. d. M. an seine Adresse nach Roveredo „OomidLw oi-diulltolo'- gerichtet werden. — (Von der R u dol f « bah n). Die ,N. Fr. Pr." schreibt: ,ES wurde die Nachricht verbreitet, daß die Regierung geneigt fei, der Rudolfebahn die Concession zum Baue einer Eisenbahn zu ertheilen, welche von Wien durch das Triestinglhal Über Hainfelb. Kirchberg, Scheibbs, Gaming nach Waidhofen an der Rudolfbahn fuhren soll. Der Westbahn'Gesellschaft wUrde zu Entschädigung die Concession sllr die Giselabahn ertheilt werden. Wir wUrden diesem Projecte wenig hinzuzufügen haben, wenn dasselbe nicht mehr» seilig al« die Lösung einer wichiigen Verlehrsaufgabe angesehen wllrde, die in Wahrheit durch die fragliche Eisenbahn Wien'Waidhosen ihrer Erledigung nicht näher geführt ist — wir meinen die Schaffung einer zweiten, von der Slldbahn vollkommen unabhängigen Verbindung zwischen Wien und Triest. Nun kann eine solche allerdings am besten und mit den geringsten Opfern durch eine unmitel-bare Verbindung der Rudolfbahn mit Wien hergestelt wer-den; nur dllrfle dieselbe nicht bei Waidhofen. sondern weiter südlich, in dec Gegend Leobens von der Rudolfbahn abzweigen. Wollte man die gewünschte zweiie Erporlltnie nach dem Süden über den 20 Meilen betragenden Um» weg von Waidhofen bis Leoben leiten, so wäre deren Hon» currenz»Fähigkeit ber Südbahn gegenüber umsomehr ge, schädigt, al« gerade diese« überflüssige Zwischenglied die fchwierigsten TerraiN'Verhältnisse uuszuroeifen hat. Durch den Nnfchluß bei Waidhofen scheint auch der Zweck verfolgt zu werden, der Westbahn im Exporte nach SUbbeutschlano Concurrenz zu machen; wie erfolglos auch die« Streben bleiben müßte, wenn die Giselabah» der Wcstbahn zufällt — was aus mancherlei Gründen gewünscht werben muß — liegt auf der Hand. Die Linie Waidhosen, Wien hätte also leine andere Bedeutung, als die einer Provinz-bahn, die den allerdings wichtigen Interessen der nieder-österreichischen Industriebezirle zu dienen berufen wäre." — (Nu« dem Amtsblatt e.) Kundmachung betreffend die Verpachtung der Verzehrungsteuer. und Maut» gefülle in ^lnz; Besehung einer BezilkSgenchlslanzlisteu-stelle in Ill,.Feistntz; Lieferung ärztlich« Vedürsmsse sllr das hiesige Garnisonsspital. — (Zwei Fliegen mit einem Schlag.) Die «Klagenfurler Zeilung" erzählt: «Dieser Tage abend« kam eine Frauensperf,n zur hiesigen Gendarmerie und machte die Anzeige, daß sie von einem Manne, einen Krainer, bestohlen worden sei; die Gendarm»ie erkannie jedoch in ihr die von hier abgeschaffle und l)vm Bezirks» genchle steckbrieflich verfolgte Baganlin Gertraud Varll. Ter Sicheiheilsbehörde ist es auch bereits gelungen, den Dieb ^in dem gerichisbekannteu Urban Meglilsch au« St. Nnoa Vezirl Aeumarlll in Krain, zu Stande zu bringen." Neueste Post. Verlin. 12. September. Der russische Kaiser bttonle bcim Empfange Karolyl'« da« Wachsen ber freund» schaftllchcn Gczilhungcn zwlschen Oesterreich und Ruß-land und sprach darüber seine vollste Vefriedi^ung aus. Da« Gesinde« deS Prinzen Albrecht ist ungünsti«. Die Zunge und oje rechte K0sperseile sind noch gelühml. Telegraphischer Weckselcur« vom 12. September, Papier-Rente «6.30. - Silber-R-ule 7125 - IN60« »39 70. - vondon 108 80. - Silk'r W7 bö. , « l «un?Du° caieu 5.24. - Nap°leoi.«d'or 8.69'/, Angekommene Fremde. Nm I I. September. ««e»s»««. hün'iamann. Vottschte. — Mangel. GutSbefcher. ^illi — Zaftla, «aufm.; Dr. Schmidt, Ädoocat. lind v, Dvrotl« 3'^'^^"^'«..?^ ^ H'sler. Vtatjchach. ^ Charlotte «.oitjck, Trirst. Wüiterbalter. Vvrz ^!.n„^"' - b»r.m»..... «""N°^ ^'«ch«?°. »«»5l»e>,«5 »>»s. Eibrer, Marburg. — Ostermann Vli. schcndorf. Krider, Lilli. ' »>«»>»5SN. Svaill, l.l. Hauptm, und Globoinia, »a,nt Ilieü - ^'iilsborf, Agram. ^ Meleorolollische »eohachwilgen in küibuch. Z "i W N »' -,- ^zi '6U. Mg, 74».,? -i-l4, windstill Nebel ^ ^ !2. 2 „ ?l 74l.z», 4 2<, wind'lill heiter 0«, 10« »b. ?4nha1te«b. ?lbendroth Mondhof. Moorrauch. D.,» Tage«mi l^Nl'll'Nsll'sliiii Wien, ll. Tlptcmlicr. Im Vor. und MillagSssslchiii'l' Nalen weitere mähige Cl»?lllclglll>ge rin. die nicht so sehr auf Nechmmg o,r angenblicklichsn Geldverbilllnisse l>, <^v^^NUlTlU/t. ftclll», sondflu der Bcsllrchllmg, daß drr molssiqe Vanlail^vei« sine l,ngl!»sNqslc SituaNon de« Geldmaslie« llufdkllen werde, zuzuschreiben si,id. Die Ep'clllation welcke sicl) in Ecwlllluiist cincr Hausse auS Alilali der bnlmer Entrevue mil Effrcle» überlaben halle, realisieltc theils infolge de» Ausbleiben» der Hausie, theil« eben wegen der Oclbv'shüllmsse ßllr 100 sl. inN°t«nv^ Nltber-Oesterreich. . « l> ^ ^4- 3b. oder-Oefterreich . . ^b« 93.5c 94-Giebenbllrgen ... » b „ 7950 8050 G,e»'rumt, ... „b. 91 50 92 l>(> Unzarn .... „ 5 „ bi 75 K2.25 ti. Andere öffentliche Nnleken Donaurrgillilimgslose zu 5 pl. «etlln von Fran4por»«l,«rrneh» mungen. Veld waar, Älf«ld-zi„maner «ahn . . 178.50 179.75 V"hm, «tsibahn .__________ «^« »e» Gel»l»»t«>« « MUnz.Dnca'ei, 5 ft/24 ,r. k?°z"'tr N°p°le°n«b'°l . . 8 , 70 8 70l Silber . ,Y7 . 50 . ,07 I SK " <«»ini einigten Staaten zu zahlen hat, einschließlich der Zinsen für neun Jahre (zu 7 Percent) fünfzig Millionen Dol< lars betrage. Die Liberalen in Brasilien haben sich fast ln allen Provinzen von den Wahlen zurückgezogen. Das Resultat dürfte wahrscheinlich der Regierung günstig sein. In Rio Janeiro fanden blutige Schlägereien statt, die gewaltsam unterdrückt wurden. Mehrere bedeutende Pcrslwlichleitm wurden gelöolet. Die franMche Armee wird einer totalen Reorganisation unterzogen. Der .Rappel" theilt einige Einzelheiten über die zukünftige Organisation der französischen Armee mit, welche vom l. Jänner l873 an zugleich mit dem neuen Relrutie-rungsgefttz in Kraft treten soll.^ Auf die Bildung der Reserven der activen Armee soll das Regioualsystem seine Anwendung finden. Diese Reserven werden in jeder Region durch Cantonalcornpagnien gebildet werden. Die Zahl der Eantone ln Frankreich beträgt 2989. Jeder Canton wird zum wenigsten eine. manche Can» tone auch mehrere stellen, so daß man im ganzen auf 4000 Compagnien zählt. Da jede dieser Compagnien drei Offiziere und sechs Unteroffiziere erhallen soll. so werden im ganzen 12,000 Offiziere und 24.000 Unteroffiziere nothwendig sein. W«e es scheint, will man für die erste Organisation einen Theil der Cadres der activen Armee benutzen und dann die zahlreichen Offiziere, welche infolge der Reorganisation der Ärmce nach dcm Kriege entlassen wurden. Außer der Frage betreffs der Bildung der Reserven beschäftigt man sich in Trouoille auch mi» der Vllduna der permanenten Armeecorps, in welche die activ: Armee eingccheilt werden soll. Bekanntlich soll dieselbe aus zwölf Regionalcorps und vier anderen Corps bestehen, von denen zwei für Paris, eines für Lyon und das vierte für Algerien bestimmt sind. Diese Organisation erheischt die Bildung von zehn neuen Infantcrieregimentern, sechs neuen Reiterregimentern und sechs neuen Artillerieregimentern, jcdes zu 14 Batterien. Die active Armee würde demnach aus 132 Infanlerie-regimcntern. ^2 Reiterregimentern und 3ll Nrlillerie-regimentern (im ganzen 504 Batterien) bestehen. Was das algerische Corps anbelangt, so würde dasselbe aus vier Zuavenregimcntcrn, drei eingeborenen Tirailleur» regimuitern, einem Fremdenregiment und vier gewöhnlichen Infknterieregimentern zusammengesetzt sein. Der Internationale zwölfte Stunde dürfte wohl auch schon geschlagen haben. Wohlunterrichtete Blätter melden, daß im Schoße der Internationale ein Conflict nach dem andern ausbrich! und das lose Gefüge dieser Gesellschaft vollends er, schultert. Am 7. kam es zu einem Sturme, da eine Partei gegen die Virlegung des Sitzes des General-ratheS von London nach New-Aort protestierte. Vaillanl, Cournct, Dereure, Lemossu und Ranvier sprachen namentlich sehr heftig dagegen und verließen den Congreh. nachdem es ihnen nicht gelungen war, eine Organisa« lion der Internationale nach ihrem Sinne durchzusetzen. Nun bedroht aber die andere Streitfrage die Gesellschaft geradezu mit dcm Zerfall. Die Majorität beschloß nämlich, daß die Internationale zugleich ein politischer Verband sei und ihre Mitglieder deshalb an den politi« schen Kämpfen in den einzelnen Staaten theilnehmen müßten. Die Gegner dieses Beschlusses drohen nun mit ihrem Austritt. So hat die Freiheit der Berathungen, die man der Internationale gewährte, sie heftiger erschüttert, als alles, was von Seite der Regierungen gegen sie geplant wurde. Der Eongreß der Internationale hielt wohl seine Sitzungen ab, aber diesmal wie ein Veilchen, das im Wände, die Möbel waren mit dem theuersten RippS überzogen, den pariser Fabriken auszuweisen halten. Bit» der in großen Goldrahmen hingen auf den Wänden. Auf einer Marmorconsole des Woh»iimmers sland eine Stutzuhr von wundervoller Arbeit und hchem Wertb/, denn der Aufsatz derselben war aus getlicbenem Golde und der sichtbare Perpendikel, der die Gestalt eines Sterne« hatte, war m,t Edelstcinen, Rubinen und Dia» manten beseht, die bei dem stelen Hin. und Herschautet« im schönsten Farbenspiele funkelten. Der Beamte legte sich in vollster LLnge auf den bequemen, mit grünem, blumendurchgewirttem Stoss überzogenen Dioan. Er selber trug einen weiten Schlaf-rock von ponceaurolher Farbe und blaue Morgen» schuhe. Nus der gehörigen Entfernung gesehen, nament« lich aus der Vogclperspcctioe, hätten der grüne Sopha und der roth und blau gekleidete Beamte den Eindruck eine« bunten Papageies machen müssen. «uf dem mit eleganter Decke versehenen Tische standen zwei massive silberne Armleuchter, in denen Wachskerzen brannten. Da« Kaffeegeschirr bestand ebenfalls aus massivem Silber. Der Veamle lieble dies Mtall. Er konnte sich nicht satt sehen an dem Silber, und wenn er so ein Stück betrachtet« und an den Werth dachte, den eS repräsentierte, erfreute sich seine Seele. Wenn er zu Mittag speiste und er die schwere silberne Gabel in der gewichtigen Faust hielt, war der Genuß ein doppelter. Die auser, lesen Speisen wurden doppelt »erthooll durch den Um« stand, daß sie von Silber und mit Silber genossen wurden, denn Silber behält seinen Werth. Porzellan und dergleichen kann zerbrechen, und dann ist der Werth dahin, aber Silber gilt immer dasselbe, ob es ein formloser Klumpen ist. oder zum Teller gestaltet wurde. Nur der Arbeitslohn bei Kunstsachcn aus Silber wird nicht wieder bezahlt, wenn es eingcschmolzn wird. Deshalb hatte der Beamte alles massiv, so massiv als möglich machen lassen. Der alte Diener präsentiert dem Gestrengen den Kaffee auf silbernem Teller. „Meine Cigarrenpfeifc", herrschte dieser. ! Der Bediente ging und Holle ein pfeifenartiges Instrument, das ebenfalls aus Silber verfertigt und oben mit einer großen Bernsteinspitze versehen war. „Du kannst gehen", sagte er dann. „Wenn der Herr, der eben hier war, wiederkommt, führe ihn gleich in das hintere Zimmer und behandle ihn anständig." Der Diener ging. Der Beamte machte es sich sehr bequem, blies runde Dampfringe in die Luft und freute sich über das heute angebahnte Geschäfte. Ja, er war ausnahmsweise vergnügt. Leider sollte dieser Moment der Behaglichkeit nicht lange dauern. Die Thür ocn dem neben dem Wohnzimmer lie« genden Speisesaal öffnete sich, und eine Frauengestalt schritt langsam herein. (Fortsetzung folgt.) verborgenen blüht und sich voll Bescheidenheit den Blicken der Welt entzieht. Der Correspondent der ..Presse" meldet über die Action der Internationale in Haag folgendes: „In dem Parterre einer Art Scheuer spielen sich hinter zwei festgeschlossenen Fenstern mit sorgfällig herab«-gelassenen Jalousien die Acte des Dramas ab, dessen Abschluß wir wohl einen schönen Tages werden erfahren müssen, deren Peripetien man aber sorgfältig nor dcm Publicum geheim hält. Der Grund dieses Mysteriums ist nicht schwer zu errathen. Die Delegierten sind bis jetzt in so geringer Zahl eingetroffen, daß die winzige Truppe nicht einmal zu einer Generalprobe, geschweige denn zu einer öffentlichen Vorstellung hinreicht. Die Inter-nalioilale liebt eS bekanntlich, einen Nimbus um sich zu verbreiten. Der Schleier, mit dem sie sich umgibt, ist ein Mitlcl, kolossale Vorstellungen von ihrer Größe zu erwecken, und viele wollen wissen, daß darin ihre einzige wirkliche Kraft liege. Ihre Legende dient ihr als Ge-schichte: sie schüchtert die Leute gerne ein und unglücklicher Weise kommt ihr dabei eine Menge schreckhafter Menschen ccmz nach Wunsch zu Hilfe. Wie Voltaire von den Priestern sagt: „Unsere Leichtgläubigkeit ist ihr ganze Wissenschaft" — so kann man von der Inter» nationale sagen: „Unsere Leichtgläubigkeit ist ihre Machl!" Unsere Befürchtungen sind es, die ihr in den Augen der Müssen eine Wichtigkeit geben, die sie nie» malS habcn könnte, wenn wir uns etwas weniger mit ihr, und etwas mehr mit der Menge beschäftigten, die sie knechtet und der sie die Köpfe verdreht. Nun aber sind die Delegierten diesmal, höchstens fünfzig an dcr Zahl, beiwcitem weniger zahlreich als in den letzten Versammlungen. Man läßt also einfach keine Laien zu, damit sie nicht bei dem elwaS ernüchternden Anblicke dicser wilden Ansiürmer gegen die sociale Ordnung, die den Arbeiterstand des ganzen Erdballs repräsentieren wollen, über ihre eigene kindische Angst zu lachen anfangen; damit die Flaneurs nicht ausrufen: „Wie, das ist alles? Das war wirklich des Lärmeiis werth!" Die Herren befinden sich in der That in einer trübseligen Lage, sie empfinden das selbst. Als der Correspondent der „Times" bei Marx um Zutritt für die Journalisten ansuchte, erhielt er eine höfliche, doch bestimmte Weigerung zur Antwort: „später werde man sehen; für den Augenblck unmög« lich — man könne nicht wissen, was vorkommen werde." Die Versammlung wollte aber weder ihre Ohnmacht, noch ihre Spaltungen zur Schau tragen; sie zog es vor, ihre schmutzige Wäsche in dcr Familie zu waschen. So ist ein heftiger Streit darüber ausgebrochen, daß viele ihren Beitrag nicht gezahlt haben und daß man diesen jetzt ihr Stimmrecht bestreilel; Census und Kapital stehen also doch nicht in so schlechtem Gerüche bei der Internationale. Italien ist nicht vertreten, weil die italienischen Sectioncn auf ihrem Congresse in Ri< mini mit dem Generalrathe in London gebrochen und einen Gegcncongreß nach Neufchatel einberufen haben. Ebenso wcrden die englischen Section«» am 24. September ihren eigenen Congreß in London abHallen, dessen Seele Vesinier scln soll. Letzterer hat bereits Marx in einer furchtbar heftigen Broschüre angegriffen. Es sind daher auch fast gar keine Engländer hier in Haag, wie denn überhaupt die Zahl der Abwesenden die der Er» schienenen weitaus übertrifft. Dänen und Schweden, die Neulinge unter den Beigetretenen, erwartete man. Einige Spanier, drei aus Madrid und zwei aus Gar» cellona sind glücklich aufgefunden. Für Nmerila scheint Dereure sich selbst delegiert zu haben; man versichert, auch aus Australien sei jemand angelangt — vielleicht ein Höhlenbewohner? Die Deutschen hallen ebenfalls zum Cenlralcomilä und ein biederer Sachse aus Leipzig geriert sich als Vertreter Oesterreichs. Grund der Spaltungen ist einerseits, daß die Anhänger der Localgruppen dem londoner Comilü autoritative, cenlralistischc, lyranlnsche Tendenzen vorwerfen; andererseits, daß das Ccnlralcomit^ von den Mitgliedern verlangt., sie sollen sich auch in ihren Einzelländern als politische Opposition const,luieren. Diese politisch-socialistische Mischung nun findet heftige Widersacher in Belgien, in der Schweiz in Spanien und im südlichen Frankreich. Korl Marx, der „Gründer" der Internationale, der aber heule seine Herrschaft arg bedroht sieht, in seiner durchwegs grauen Kleidung und mit dcn grauen Barl, von dem die Augen u»d Grauen sich schwarz wie Ebenholz abheben, mit semer solratischen Nase und der kurzen, kräftigen, gedrungenen Büste, macht ganz den Eindruck eines reichen Viehzüchters, der seine Heerde auf den Markt zum Verkaufe gebracht. Dann sind da: dcr Schneider Eccarius, ein seit langem in London etablierter Deutscher, der eine Rolle auf dem brüsseler Com-munistenconareh gespielt; Cournet. Longuet, der Journalist Lissagaray und der famose Belgier Brismut, der den Menschenfresser zur Schau trägt, ohne einer Seele zu imponieren. Dazu kommen noch dreißig Delec,icrle, unter denen ein paar wirkliche Arbeiter sind; die Mhr-zahl aber sind socialistische Bummler, die hier lediglich eine Aufregung für ihr ödes Dasein suchen."