Nro. 5. LMcher ^M Ztiimg. Dienstag den 18. Ianer i79r. Inlandische Nachrichten. L.aibach den 1^7. Iäner. Am 2ten dieses traf in Wien ein Kurrier aus Bukarest mit der Nachricht ein, daß der Großwesyr endlich den Versuch gewagt habe, Ismail zu entsetzen, oder wenigstens mit mehr Mannschaft und Lebensmitteln zu versehen. Es entstand hierüber ein sehr hartnäckiges Gefecht, in welchem äber die Türken mit großen Verluste an Mannschaft und Schissen zurückgeschlagen und dieFestung endlich mit Sturm eingenomen worden ist. Die Besatzung dieser Festung in ,8,QOQ Mann bestehend, ist bis auf 5002 , die gefangen wurden, niedergemacht worden. Die Sieger verloren bey dem dreymal erneuerten Sturm nur 2OOO Mann. Die Russen erhielten nebst dem ganzen sehr betrachtlichen schweren Geschütze , Munizion , und einem monatlichen Wundvorrath eine reiche Beute.'— Der neu für Gör; ernannte Landeshauptmann Raymund Gras von Thurn hat den Eid der Treue in der böhmischösterreichischeu Hofkanzley bereits abgelegt. N)ien den 7. Iänev. Gestern Abends ist ein Kurrier aus Madrit mit der trau-rigen Nachricht hier eingetroffen, daß der spanische Prin; Anton Paschal, ein Bruder unsrer Kaiserin Maj., des Königs von Neapel, und des Königs von Spanien im 36 Jahre seines Alters mit Tode abgegangen sey. Man glaubt, daß dieser Todesfall die Faschingslustbarketten unterbrechen werde, wenigstens sind hier schon die öffentlichen Schauspiele und Musiken untersagt worden. — Man ist hier sehr be» gierig zu fthen, ob die mit den Ministern der vermittelnden Machte im Haag unterm ic>. Christm. v. I. getroffene Kon-venzion so ganz nach dem Inhalte, wie sie unterzeichnet wurde, von dem hiesigen Hofe ratifi'^irt werden dürfte. — Der Kongreß zu Szistow soll nach den neuestm Nachrichten erst am 29. v. M. eröfntt worden seyn, und einige von den türkischen Aogesandttn gemachte sehr unbedeutende Formalraten sollen zu diestm Allf'> fthllbe Anlaß gegeben haben. Nun fangt England ( mit Veytrettunq des preußischen Hofes) an, sich auch in den zwischen Ruftland und der Pforte abzuschließenden Frieden unter solchen Vedin,Mssen zu mischen , welche mit der bisherigen Behandlungsart derselben ganz übernnuistimmen scheinen. Nußland wird aber solchen Fo-derungen um so weniger Gehör geben / da die Russen nach den ley verschiedenen griechischen Handelsleuten allhier eingegangenen Berichten , bereits Ismail auf das > Aeußerste gebracht haben sollen, und wor- ^ nber man den offiziellen Bericht von dem Fürsten von Potemkin von Bender aus-in wenigen Tagen hier erwartet. Es scheint also das von gewissen Personen aus gesprengte Gerücht, als hatten die Russen eme gänzliche Niederlage erlitten, waren Von Issazy und Tulkzn; vertrieben, und «hre Flone gänzlich zerstreut worden, ganz ungegrilndet zu seyn.— Schon hac man von dcr Wirksamkeit der vom Monarchen medergesezten Kommission üder die Abstellung der übermässigten Theurung an Le-bensmttteln die glücklichen Folgen, daß heute zum erstenmal eine neue Mehlsa.ung erschienen, vermög welcher nicht nur ver-schieden? Gattungen von Mehl wohlfeiler, sondern auch das weiße und schwarze Brod im Gewichte, nahmhaft erhöhet worden.—, Es soll ehestens eine höchste Verordnung erscheinen, vermög welcher der Vorkauf an fruchten und Lebensrnitteln gänzlich verbothen, und gegen die Uibertrettcr dieses Verbochs mit allem Ernsi auf das scyarfeste furgegangen werden, weil dieses ganz das sicher vorausgesetzte Mittel sc^n wird, wodurch allem Wucher Einhalt geschieht, und der Thenrung abgeholfen wird. Der Reichs-Vize-Kanzler Fürst v. Kol« loredo giebt das gan-e Jahr hindurch Pedell Montag Minister - Tafel, und so lang der Fasching dauert alle Mittwoche einen glanzenden Ball , welchen meistens die hohe Gegenwart des allerhöchsten Hofes verherrlichen wird. — Dcr päbsiliche Nunzius qiebt der hohen Noblesse alle Sonntage Assamblee und Soupee , das letztemal warm auch Se. Sizil. Majestäten anwesend. — Der Major Lenoble von Michael Wallis, Infanterie ist mit Tode abgegangen. — Der für die Wittwen dcr Ton-skünstler abgehaltenen Musikalischen Akademie , wobey sich das Fraulein v. Paradies hören ließ, wohnte der höchste Hof bey. Se. Maj. der Kaiser schenkte ioc?, der König von Neapel 50, der Ercher-zog Franz 2s , der Erzherzog Ferdinand 24, und der Erzherzog Leopold 12 Dukaten; es sind in allen 170^ fl. eingegangen, indessen soll der Fond schon so ergiebig seyn, daß eine jede Wittwe 200 Gulden Pension jahrlich erhaltet. Brüssel den zo. Lhristm. Da sich die Wiederherstellung des Slaatsrathcs, des geheimen Rathes und des Finanzrathes uicht so gcsthwinde bewirken laßt, so haben Se. k. f. Maj. eine Junta für die Angelegenheiten des geheimen Rathes und z Ausschüsse, den einm für die Angc» legenheiten, der geheimen Rathes, den andern für jenen des Finan^rathcs, und den zlen für jemn d'r Rechenlammer nieder-gcsezt, auch für die Wiederherstellung des z Staars -und Kriegssekretariats das nöthi- , ge bewerkstelliqet. Die An ahl der in dm Niederlanden befindlichen Oestcrreichischen Truppen beläuft sich aus 45 Pferde für ihn bestellt. Indessen wird er aber nicht von dem preußischen Herrn Gesandten in Konsiantinopel, Baron von Lust, wie anfänglich die Rede war, sondern von zwen preußischen Feldjägern begleitet, die sonst Kurricrdlen-ste leisten. Ein neueres Schreiben aus Szißww vom 20. Christm. enthält. " Wie es nunmehr das Ansehen hat / werden die Kongreßgesandten sich ohne weitere Ver-zögcrung sogleich in Thätigkeit setzen, und vor Unterzeichnung der vorläufigen Arti-l'cl nicht wieder auseinander gehen. Von dem ersten oder vornehmsten Gesandten der Pforte kann man versichern, daß er ein ganz artiger Weltmann ist; er spricht Verschiedene Europaische Sprachen ziemlich verständlich, und bezeigt sich gegen jedermann gut und gerecht. Er und der Kom-ncnldimt des Qtts sind llncmlüdtt, um den Herren Bevollmächtigten alle Bequemlichkeit zu verschaffen. Anfänglich fehlte es freylich wohl an manchen Artikeln, und wir mußten uns bloß mit Reiß und Hammelfleisch begnügen, bis aus Qrost-schuk oder RusMuk stärkere Zufuhr