TelMon Nr. 2325. Wahlsvnich r Was rotr begehren von der Rutimft Ferne«, Dah Brot und Arbeit uns gerüstet stehen, Dah unsere Kinder in der Schule lernen Und unsere Greise nicht mehr betteln gehen. G. Herwegh. Zer SÄeckkMto 38.415 . Zentralorgmr des Oesterreichischen Eisenbahn-Personales. NedaMon: Wien V/i, zentagaffe Nr. 5. Rcdattlonsschlub: Iw,I Sage vor dem Erscheinen de» ®lalle». Sprechstunden sind jeden Tag mit Ausnahme der Toim- und Feiertage von lu Uhr ” vormittags bis */«4 Uhr nachmittags. InserÜonspreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 14 Heller. Bei Iahresauftrag Rabatt. Abonnements-Bedingungen: Halbjährlich .............................Kr. 2*88 Ganzjährlich............................... 5 76 Fiir das Deutsche Reich ganzjährlich Mk. 6'—. Für das übrige Ausland ganzjährlich 9 Franken. Erscheint jeden 1., 10. und 20. im Monat. 6 Wie«, den 20. Februar 1913. 21. Softta. vchuhmem Franz Er war unser! Mag das stolze Wort Den lauten Schmerz gewaltig übertönen. Goethe. Schmerzliches Leid ist über die österreichische Arbeiterschaft gekommen und tiefe Trauer senkte sich über die Welt der proletarischen Internationale. Das, was im ersten Moment des lähmenden Schreckens, als die Hiobsbotschaft durch alle Straßen unserer Rcichshauptstadt flog, kaum zu fassen war, nun ist es allen zur fürchterlichen Gewißheit geworden: Franz S ch u h m e i e r, der unermüdliche Kämpfer der proletarischen Klassen, sein beredter Anwalt, liegt unter dem kühlen Rasen des Ottakringer Friedhofes, niedergestreckt als Blutopfer eines chrichlichsozialcn Fanatikers, dessen mörderische Äuget den rastlosen Arbeiter für die große Sache des Voltes aus heimtückischem Hinterhalt traf. Auf dem Heimwege von einer Versammlung, als er von Stocke rau auf dem Wiener Nordwestbahnhof anlangte, ist Franz Schuhmeier von der Browningpistole eines christlichsozialen Desperados rücklings gemeuchelt worden. Ein Licht ist uns allen jählings erloschen, das wegmüden Wanderern die Pfade erhellte, und ein Suchender und Führender ist aus der Bahn geschleudert worden, die er all den Tausenden, die heute trauern, voranschritt zum Aufstieg aus der sozialen Erniedrigung. Ein Aufrechter ist gefallen, einer, der mit gewaltiger Kraft an dem werdenden Tempel bet Menschheit zimmerte, ist von frivoler Meuchlerhand feig gemordet worden. Und um ihn trauert das arbeitende Volk eines Reiches, wie einst das Volk der Griechen um den Göttcrfreund Jbykus geweint hat. Schuhmeier war einer der bekanntesten Politiker Oesterreichs, und seine hohen Gaben rangen den Feinden nicht weniger Achtung ab, als sie die Arbeiter mit hoher Freude an diesem in allem prächtigen Menschen erfüllten. Es gab fast kein Gebiet in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen der proletarischen Bewegung, auf dem Schuhmeier sich nicht glänzend bewährt hat. Er war ein guter Journalist! Die „Volkstribüne", das verbreitetste Blatt der Sozialdemokratie Oesterreichs, leitete er all die 21 Jahre, die sie besteht. Er war ein ausgezeichneter politischer Organisator! lieber zwei Jahrzehnte war er der führende Mann auch in organisatorischen Fragen der Partei in Wien. Aber sein Bestes zeigte er als Redner und als Parlamentarier. Wer ihn nicht gehört hat, hat keine Vorstellung von der Eigenart, der Kraft und dem Reiz seiner Rede. Im ganzen österreichischen Parlament — und innerhalb der bürgerlichen Parteien erst recht — gab cs keinen glänzenderen, bedeutenderen Redner als Schuhmeier. Er war der Witzigste und Humoristischste und immer fand er das heitere, aber auch treffende Wort, das den Gegner niedcrschmetterte. Die österreichische Art des Debat-tierens und Zwischenrufens war niemand angenehmer als ihm. Mit einer überraschenden Wendung voll Mut gab er den Vorwitzigen, der ihm in die Rede fuhr, dem Gelächter preis. Aber so gern man Schuhmeier hörte, weil er immer treffsicheren Witz hatte, weil sein Humor niemals versiegte, ebensosehr gefürchtet war als Redner, denn der Mann mit der guten Laune war auch von tiefem Ernst und seine Rede war ausgezeichnet auch durch die gründliche Beherrschung des Sachlichen. Wer eine Rede Schuhmeiers gehört, dem blieb sie unvergeßlich und nicht verbleichen konnte der Eindruck. Er beherrschte alle \ Töne. Seine Worte und Sätze waren echt wienerisch der Klangfarbe nach, aber grundverschieden von den Untugenden des Wieners, der Leichtfertigkeit und der Rührseligkeit. Er konnte den schwierigsten Gegenstand dem Verstand des Zuhörers beibringen, denn seine Rede war immer umflossen von Anmut und sie prägte sich tief in die Seele des Hörers ein. Aber auch der Zorn der Rede des freien Mannes war ihm gegeben, und wuchtiger hat in Versammlung und Parlament niemand gesprochen als Schuhmeier. Und nichts kann erschütternder klingen als eine Anklage gegen Unrecht, die sich Schuhmeiers Brust entwand. Mit der unwiderstehlichen Kraft seiner Rede hat er den unmittelbarsten Erfolg erzielt, der jemals einem Redner im österreichischen Abgeordnetenhaus«: beschieden war. Der Mann, der Sachkundige in den großen Fragen der inneren und der auswärtigen Politik, war aber auch der tüchtigste Kommunalpolitiker Wiens. Er beherrschte dieses Gebiet mit einer unübertrefflichen Vollkommenheit, und • er hat für die Stadt Wien den größten Nutzen gestiftet. Tief eingefressen war die Korruption in der christlichsozialen Kommunalvrrw«!: zng Wiens, aber Schuhmeier hob den Schleier vom Schändlichen cch, und vor dem, was er enthüllte, sind selbst die Abgeklärtesten erschrocken. Die er moralisch hingcrichtet hatte, versuchten zweimal in Prozessen das Bild zu verwirren, das er von ihnen gezeigt, aber der glänzende Sieger in dem Prozeß blieb Schuhmeier. Seine letzte Großtat war die Wegfegung des Wiener Bürgermeisters Neumayer, des Nachfolgers Luegers! Mit ein paar Worten hat er den Rücktritt des Mannes erzwungen. Niemand haßten die erbittertsten Feinde der Arbeiterbewegung in Oesterreich, die Christlichsozialen, mehr als Schuhmeier. Sie standen ehrfürchtig vor dieser proletarischen Begabung, aber daß ein Proletarier ihre Scheußlichkeiten bloßlegte, daß e r der größte und erfolgreichste Reiniger des öffentlichen Lebens in Wien war, das konnten sie nicht ertragen. Der Mann, der so sehr die Liebe des Proletariats, des ganzen Standes und die Achtung erworben, die Geradheit, Aufrichtigkeit und Redlichkeit erzwingen müssen, war gehaßt von denen, die das Volk täuschen, ihre Macht mißbrauchen, von denjenigen, deren Wesen Unehrlichkeit und Verrat ist. Nun ist dieses reiche Leben ausgelöscht von der Kugel eines christlichsozialen Mordbuben, der, wohl vom tiefsten bohpenden Haß erfüllt, die Partei zu rächen beschloß, der Schuhmeicr ein so gefährlicher und gefürchteter Gegner war. Seit zwei Jahren, das ist seit der großen ch r i st l i ch s o z i aIe n Niederlage in Wien, vermied es Paul K u n-s ch a k, irgendwo Arbeit überhaupt zu suchen und widmete sich, wie nachgewiesen ist, ausschließlich der christlichsozialen Parteiarbeit. Und die Tatsache, daß er Monate hindurch in seiner Wohnung eine förmliche Werkstatt eingerichtet hatte, wo er Geschosse Prä-prarierte, um ihre Wirkung fürchterlich zu gestalten, beweist wohl am besten, wie planmäßig und kalt-berechnend der Mord von dem Bruder des christlich-sozialen Landtagsabgeordnctcn Leopold Kunschak und dem Schwager des christlichsozialen Gemeinderates M c n d e r vorbereitet war. In Poul Kunschak hat sich gleichsam die ganze Vergiftung des öffentlichen Lebens durch die christlichsoziale Partei .in ihrem ganzen moralisch zersetzenden Niedcrschlag kristallisiert. Hier war die Roheit, Mn der die Politik der Christlichsozialen die letzten Jahre hindurch reichlich gezeugt hat, bis zur höchsten Potenz, zur viehischen Bestialität gesteigert. Es.ist ein größer und unersetzlicher Verlust für uns alle, daß du, Franz Schuhmeicr, dafür als Blutzeuge hast fallen müssen! Mehr Macht! Die Lehren der letzten parlamentarischen Abstimmungen. Der Verrat an den Interessen der Eisenbahner durch die bürgerliche Parlamcntsmchrheit wird in den verschiedenen Eisenbahnerfachblättern noch immer eifrig kommentiert. Und aus den unterschiedlichen Betrachtungen klingt vielfach ein Ton der Resignation, der eine Art starke Enttäuschung erkennen läßt, die die Hoffnung auf das, Haus der Gesetzgebung bei vielen Leuten erfahren hat. Das ist einerseits gewiß nicht weiter verwunderlich, beweist aber anderseits nur, daß eine starke Verkennung der wirtschaftspolitischen Tatsachen gerade bei den Eisenbahnern vorherrscht. Aber auch das wird vielleicht verständlich, wenn man das Wesen und den Werdegang des österreichischen Parlamentarismus ein wenig näher verfolgt. Die österreichische Arbeiterschaft mußte c*. fahrungsgemäß einen langen und schwierigen Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht führen, um sich damit erst einen Einfluß auf die Geschichte und Schicksale dieses Staates zu sichern. Daß man in einem Kampf für eine Idee vor allem Begeisterung, Hingabe und eines starken inneren Glaubens bedarf, das hat die ganze Geschichte des österreichischen Wahl-rechtskampfcs gelehrt. Daß alle diese Voraussetzungen im reichen Maße vorhanden waren, ist aber vor allem auch aus der vollständigen Politischen Rechtlosigkeit, die der Arbeiterschaft zugemesscn war, zu verstehen, und die es bewirkte, daß es damals ein Recht auf Versammlungen, Vereinsbildung und Preßfreiheit einfach nicht gab. Das Maß der Arrest- und Geldstrafen, die damals verhängt wurden, nur weil der österreichische Burcaukratismus eine Bewegungsfreiheit einfach nicht duldete, ist ein unendliches, und für die jüngere Generation unter den organisierten Arbeitern vielleicht gar nicht mehr recht verständlich. Daß sich diese vormärzlichen Zustände recht gründlich änderten und damit die Bahn für den Ausbau und die Entwicklung der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen frei wurde, ist heute zunächst ein Erfolg jener gewaltigen Bewegung, die der Arbeiterschaft einen Einfluß auf die Gesetzgebung brachte und sie wenigstens politisch zu ebenbürtigen Staatsbürgern machte. Aber es ist nicht zu leugnen, daß heute trotzdem ein Teil der Arbeiterschaft von dem Parlamentarismus enttäuscht ist. Gewiß wird ja auch van diesen „Parlamentsmüden" die Tatsache kaum geleugnet, daß die bisherige parlamentarische Arbeit uns eine ganze Reihe von Gesetzen, insbesondere von Verbesserungen, die an diesen vorgenommen wurden, gebracht hat, und daß verschiedene, auf die Rechte der Arbeiterschaft abzielende Verschlechterungen erfolgreich abgewehrt werden konnten. Aber was viele Leute verdrießt, das ist, daß es zu langsam geht, und daß Anträge, die von den Vertretern der Arbeiterschaft in deren Interesse immer wieder gestellt werden, ebenso regelmäßig von den bürgerlichen Politikern abgelchnt werden. Und cs gibt sogar Leute, die meinen, daß es, wenn dieses oder jenes nicht gelingt, schon gleich besser wäre, dieses Parlament zu zerschlagen, indem man zur O b st r u k-t i o n greift. Was aber freilich solche Ansichten, die hie und da auftauchen, von vornherein stark diskreditiert, das ist, daß sie sich in einer ganz merkwürdigen Uebcrcinstiinmung mit jenen Leuten befinden, die als Klasse im Parlament regelmäßig die sozialdemokratischen Anträge niederslimmcn helfen, und die in ihren Blättern hinterher beweisen, daß das Volksparlament zu nichts nütze sei, und daß darin kein Fortschritt für die Arbeiter zu erzielen sei. Schon j darin drückt sich natürlich der Beweis aus, daß es den i bürgerlichen Klassengegnern der Arbeiterschaft eigent-1 lieh darum zu tun ist, diesen das Vertrauen zum "ffgr Der „Eisenbahner" erscheint in einer Auslage von 50.0Ö0 Exemplaren. "“Wi nammm Parlamentarismus zu erschüttern, um auf diese Art dem versteckten Absolutismus, der in Oesterreich bekanntlich durch den § 14 seine Hintertür findet, die Wege zu ebnen. Und es würde den bürgerlichen Parteien, deren Vorfahren einst auf den Barrikaden um die Verfassung kämpften, auch gar nichts daran gelegen sein, wenn die absolutistische Bureaukratie gleich ganz wieder in ihre Rechte treten würde. Das Bürgertum als besitzende Klasse hat eben heute seine Stellung gegen e i n st grundsätzlich verändert. Ursprünglich rang das Bürgertum um die politische Demokratie in den alten Feudalstaaten mit dem Adel und der kirchlichen Hierarchie, und es galt, seine Macht gegenüber diesen allein herrschenden Faktoren durchzusehen. In dieser Periode, die die Zeit der bürgerlichen Revolutionen darstellt, hatte die Bourgeoisie auch das Proletariat an seiner Seite, denn cs handelte sich um verträgliche Bundesgenossenschaft gegen Adel und Klerus. Es war der rein politische Kampf um die Entwicklung des Staatslebens, der die Entwicklung und den Aufstieg der Bougeoisie selbst bedeutete. Aber mit der politischen Bedeutung, die die Bourgeoisie erlangt hatte, mit der Bewegungsfreiheit, die ihr die Demokratisierung des Staatslebens brachte, wuchs auch ihre wirtschaftliche und soziale Macht, und der Kapitalismus betrat die Bahnen seines riesenhaften Aufstieges. Mit der Macht des Bürgertums, mit der Entwicklung seines Wohlstandes und seines Reichtums wuchs aber auch die Zahl der Abhängige n, derLoh narb eite r. Und so landete der ganze soziale Prozeß einfach dort, wo die Lohnarbeiter sich gegen jede Form von Ausbeutung zur Wehr setzten, wo der Kampf, der vordem ein rein politischer war, immer mehr ein Kampf um den Lohn oder um den Ertrag der Arbeit wurde, j „Immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen den einzelnen Bourgeois den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an. Die Arbeiter beginnen damit Kollisionen gegen die Bourgeoisie zu bilden; s i e treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohnes. Sie stiften selbst dauernd Assoziationen, um sich für die gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren. Stellenweise bricht der Kampf in Erneuten aus. Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend. Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg, sondern die immer weiter greifende Vereinigung der Arbeiter. Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lohn kämpfe mit überall gleichem Charakter zu einem nationalen, zu eine in Klassenkampf zu zentralisieren." (Das „Kommunistische Manifest.") Wir sehen diese Tendenzen, die hier von Marx und E n g e l s in so klaren Worten aufgezeigt wurden, in der heutigen kapitalistischen Volkswirtschaft immer deutlicher wirksam werden. Aber diese Kämpfe, die sich draußen im wirtschaftlichen Leben abspielen, die als Streiks um einen höheren Lohn oder um kürzere Arbeitszeit in die Erscheinung treten, blieben auf die Parlamente nicht ohne Wirkung. Vor allem ist es die Arbeiterklasse selbst, die, je heftiger diese sozialen Kämpfe werden und je erbitterter "sie zwischen Arbeitern und Unternehmern geführt werden, die Parlamente zur Unterstützung der Arbeitersorde-rungen benützt. Sie läßt keine Gelegenheit vorüber-gehen, wo sie nicht durch ihre parlamentarischen Vertreter ihre Anträge stellt, und aus diese Art die bürgerlichen Vertreter zwingt, zu allen Fragen der Arbeiterpolitik klare Stellung zu nehmen. Aber je mehr und je öfter das geschieht, desto einheitlicher und geschlossener wehren sich die bürgerlichen Parlamentarier dagegen. Die Bourgeoisie kennt der positiven Sozialpolitik der Arbeiterklasse gegenüber eben nur einen Standpunkt: „Bei jeder Arbeiterforderung fragt sie sich, wie sie auf die Produktionsentwicklung wirken, und wie sie mit den Interessen der anderen Volks- schichten, selbst mit dem Konkurrenzinteresse der Kapitalistenklasse, in Einklang zu bringen sei. Man vergleiche demgegenüber zum Beispiel die Taktik der Agrarier. Wenn die Agrarier hohe Getreidepreise haben wollen, diktieren sic Getreidezölle', die Industrie und die Massen des konsumierenden Volkes mögen daun sehen, wie sic dabei wegkommen, das geht die anderen nichts an! Nein, nicht an dem Willen und an der Taktik der Sozialdemokratie liegt es, wenn. sie keine gesetzgeberischen Erfolge aufzuweisen hat, sondern daran, daß man der geringsten Anregung ihrerseits den größten Widerstand der Parteien und der Regierung entgegensetzt. Jede Maßnahme der kapitalistischen Regierungen, jede Handlung der bürgerlichen Parteien wird darauf geprüft, ob nicht etwa dadurch die Sozialdemokratie gestärkt werde. Die Bourgeoisie gibt lieber ihre eigenen Vorteile Preis, um nicht nur das Proletariat aufkom-men zu lassen." (Parvus: „Die Sozialdemokratie und der Parlamentarismus.") Die Bourgeoisie, die wirtschaftlich die Staatsmacht darstellt, hat den Klassenkampf einfach auf die Parlamente übertragen. Aber bei allen Widerständen, die sie politisch als eine einheitlich geschlossene Klasse den Arbcitcrsorderungen entgegensetzt, kann sie nicht verhindern, daß gerade den Arbeitern dadurch immer deutlicher zum Bewußtsein gebracht wird, daß alle Kämpfe, die irgend um den kleinsten sozialen Fortschritt geführt werden, sich zu Machtproben zwischen Bourgeoisie und Proletariat gestalten. Und das ist zunächst der unschätzbare Vorteil, den dijr Parlamentarismus für die gesamte Arbeiterklasse besitzt: der Kampf der besitzenden Klassen, der sich im absolutistischen Staat verhüllt, als Kampf der Staatsmacht gegen die Arbeiter abspielen müßte, offenbart sich durch das Parlament als das, was er ist, als einKampf der Bourgeoisie gegen das besitzlose Proletariat. Staatsmacht und Parlament erweisen sich solcherart als Instrument e d e s K l a s s e n st a a t e s. der sich mit allen seinen Machtmitteln gegen den wirtschaftlichen Aufstieg der Arbeiter zur Wehr setzt. Und wenn einst, als die Sozialdemokratie im Parlament keine Vertretung hatte, die bürgerlichen Parteien gegen diese den Vorwurf erhoben, daß sie feine positive Arbeit wolle, so zeigt sich jetzt, wo die Sozialdemokratie durch das Parlament zur Mitarbeit berufen ist, daß in Wahrheit die bürgerlichen Parteien keine positive Arbeit im Jntcrcsseder Arbeiter wollen, und sie verhindern, wo sie nur können! So wird also das Streben der Arbeiterklasse nach wirtschaftlichen Erfolgen immer mehr zu einer reinen Machtfrage. Und da sollte nun vor allem für die österreichischen Eisenbahner die Betrachtungsweise einsetzen und die Frage aufgeworfen werden, ob diese Umstände bisher allseits richtig gewürdigt worden sind. Leider waren die Eisenbahner vielleicht von allen Branchen unter der Arbeiterschaft bisher am meisten in alle möglichen „Richtungen" gespalten. Während allerdings der weitaus größte Teil im Lager der Sozialdemokratie stand, sammelte sich ein anderer Teil bei den Christlichsozialen. bei den Nationalen oder in Dutzenden von sogenannten Kategorien-vereinen, und bewirkte auf diese Weise Zersplitterung statt Geschlossenheit, Schwächung und Ohnmacht, anstatt wachsenden Einfluß und zunehmende Macht. Und die Regierung und die bürgerlichen Parteien sahen mit Vergnügen zu, und verstanden es daraus bei jedem Antrag, der für die Eisenbahner im Parlament gestellt wurde, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Je mehr die sogenannten „Christlichen" und „Nationalen" unter den Eisenbahnern Anhang sammelten, desto leichter wurde der Regierung ihr Widerstand und den bürgerlichen Parteien ihr Verrat. Und so zeigt sich immer deutlicher, daß sich Eigenbrötelei und Verkennung der Klasscninteressen unter den Eisenbahnern schwer rächt Wird die österreichische Eisenbahncrschaft geschlossen wie ein Mann einmal in der viel verlästerten und verleumdeten sozialdemokratischen Organisation stehen, dann erst wird es den Feinden klar werden, daß sie das Spiel mit dem Feuer nicht mehr wagen dürfen, und sie werden der Macht und dem Zwang gehorchen, wenn sie den aus der Not geborenen Wünschen der Eisenbahner Rechnung tragen. Heute ist der schlimmste Feind, den wir zu bekämpfen haben, das mangelnde Klassen-Bewußtsein in den eigenen Reihen, das leider, bewirkt, daß noch ein Teil der Eisenbahner in den nationalen und christlichsozialen Organisationen den bürgerlichen Verrätern die Mauer macht. Die Losung für die Zukunft muß daher sein: Mehr Macht! durch eine große, einheitliche, auf den Boden des Klassenkarnpfcs stehende Gewerkschaft! „Bas Ltzler liegt, die Raben steigen nieder..." Der christlichsozialc Meuchelmord an dem Abgeordneten Schuhmeier. In diesen Tagen, wo die österreichische Arbeiterschaft von tiefer Trauer über den tragischen Verlust eines ihrer Besten erfüllt ist, hat sich so recht der wütende Haß der bürgerlichen Scharfmacher christlich-sozialer und uationalverbändlerischer Couleur gegen die organisierte Arbeiterschaft enthüllt. Während Die verschiedenen bürgerlichen Korporationen heuchlerisch ihr Beileid ausdrücken, rückt fast zur selben Zeit die Feuilleton. Am Bahnhof. DaS ist ein Drängen und ein Hasten, Ein Jagen wie nach fernem Glück. Vorüber Reisende und Lasten, Und stille Wehmut bleibt zurück. n Noch brennt ein Kuh auf meinen Lippen, Ein Pfiff erklingt wie Schmerzensschrei; DaS Eisentier hebt seine Rippen. Nun braust schon Zug und Zeit vorbei« Am Strahenrand vor dem Portale Streckt stch mir eines Bettlers Hand Verwert entgegen, die im Tale De« Schicksals keine Stühe fand. Mit Zügen, unbewegt, ergeben, Vom überlauten Tag umkreischt, Gleicht er dem seelenlosen Leben, Das starr den Zoll des Leides heischt. Otto Krille. Der entlassene Sträfling*). Steht da ein Mensch, fern der Straße, einsam auf einer Wiese. Stünde er um die Zeit des Abenddämmerns hier, so lehnte sein Schatten an der stahlgrauen Tannenmaner des Waldes. Aber es ist Nacht. Im Forste hängt ein Sturm wie ein Flughund auf einem Baum und heult. Ganz hoch oben, im schiebenden Gewölk des Himmels baumelt ein Stern. Gleich einer Kellerlaterne wirft er sein mattes Lichtlein in den Waldschacht und entzündet die rote Steinfackel eines mächtigen Fabrikschornsteins, auf den fein weifoeS Gesprühe fällt und der aus dem tiefen Tal zur Höhe der Bergwiesen und Wälder ragt. *) AlfonS Petzold: „Heimat Welt". Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand, Wien VI, Gumpen-dorferstraße 18. Preis Kr. 120. Mit singenden Augen ersaht der einsame Mensch auf dem Wiesenhange doS riesige Feldzeichen der Jnduslrie. Sein kurz vorher noch frierendes Herz glüht in heiher Freude. Nicht achtet er des Sturmes, der kahenariig auf feinen Rücken springt, nicht des schweren regenträchligen Gewölkes, das auf ihn herabdräut. Was kümmert ihn diese stürmische Nacht! Morgen früh wird er dort unten in der großen Zementfabrik Arbeit finden. Von weither ist er gekommen, alS er hörte, dah man hier die Leute braucht zum Steinbrechen und Brennen und nicht viel fragt nach Herkunft und Vergangenheit des Arbeitsuchenden. Nun wird er, der entlassene Sträfling, endlich ein Ziel für fein Wandern finden, das ihm nichts eintrug als Schmach, Demütigung, Hunger und wunde Fühe. Noch einmal grüßen feine Augen die winkende Rieseneffe. „Morgen früh!" Dann legte er sich in den Schuh einer Scheuer zum Schlafe nieder. Die ganze Nacht hat eS geregnet. Hie und da fällt noch ein Wassertropfen aus dem stumzerwirrten Haar einer schmalen Wolke auf die morgendliche Erde. Der ausgewaschene Himmel kloht mit feinem unbarmherzigen erstarrten Hellblau, das der Hornhaut des mordtiefen .Auges eines Riesenfisches ähnlich ist. den zu Tale steigenden Wanderer an. Der hat alles vergessen, was an seelischer Qual und körperlicher Not hinter ihm liegt, die mißtrauischen Blicke der Unternehmer, bei denen er um Arbeit vorsprach, das knarrende, beschimpfende Geräusch der Schlüsseln, die vor ihm Tür und Tor sperrten, die heißen, brennenden Straßen am Tage, die kalten, feuchten Lagerstätten der Nächte, die Roheit der Gendarmen, der Stadt- und Dorfvorsteher und den Hunger. Jeht trägt sein Herz die Wärme der Hoffnung durch die kühle Landschaft und sein Blick sagt zu jedem Arbeiter, den er auf dem Wege zur Fabrik trifft: „Kamerad, heut ist ein seiner Tag, was? Brennt keine Sonne und man verdurstet nit beim Schaffen. Juhu, das wird ein gutes Arbeiten fein! Juhul" Und zieht er an einem vorbei, der ein wenig kränklich ausschaut oder gar schon alt und schwach ist, tröstet er ihn in der Stille: „Brauchst keine Angst haben. Ich bin ein baumstarker Kerl, kann für drei Arbeiter, wenn es not tut, arbeiten; werd' Dir schon helfen!" Mit allen ist er schon gut Freund, wenn auch noch keiner mit ihm ein Wort gesprochen hat und ihn höchstens voll Neugier von der Seite anblinzelt. Nur ganz in der Tiefe seines Lebens, unter der Asche des Erinnernd glost die Furcht, wieder äbgewiesen zu werden, zurück auf die Strahe geschleudert, in deren Sand und Staub das Verbrechen brütet, und wenn er zufällig einen der ihn bekriechenden, mißtrauischen Blicke saht, glimmt der glosende Funke zu einer feurigen Lohe auf, die ihm Hirn und Herz in eine Glut des Entsetzens hüllt. Aber nur auf einen Augenblick. Die Flamme der Angst sinkt sogleich zum versteckten Fünkchen zusammen, daS in der Nähe der Fabrik sogar aus dem Hetzen des arbeitsuchenden Mannes fällt und unter dem zulunstsfrohen Schritt feiner Fühe verlischt. „Bitf schön, Herr Portier, ich komm' um Arbeit anf ragen!" „So! Na, da gehns die Stieg'n da «auf, im ersten Stock rechts. Steht eh auf der Tür »Privateomptoir«. Der Herr Direktor ist grad' kommen!" Er nimmt zwei Stufen auf einmal und klopft mit zurückgchaltcnem Atem an der bezeichneten Tür---------------------------------- „Herrrein!" Die schweren „r" rollen über den ganzen Gang. Die Angeln der Tür kreischen auf, so wie die Riegeln der Türen im Gefangenhaus kreischten . Und der Mann weih auf einmal, dah seine letzte Hoffnung auf Arbeit zuschanden wird, dah es ein Unsinn ist, dem Herrn mit dem gelben Gesicht, der vor ihm an einem Schreib-tisch klebt, darum zu bitten. Stolpernd kommen die Worte aus seinem Mund: „Küßt Hand, Herr Direktor — ich — ich — möcht — gern um — a Arbeit — bitten!" „Arbeitsbuch!" Dieses Wort, das der Direktor au9 einer Wolke Tabak. dampfeS springen läßt, trifft den Bittenden wie eine erwartete Ohrfeige. Geduckt, wie einer, der Prügel empfangen soll, reicht er das, in ZeitungSpapier eingeschlagene Arbeitsbuch in die Rauchwolke hinein. Was nun kommt, ist ihm so unerträglich klar und bewußt, wie dort draußen des Himmels wässerige Bläue. Sorget dafür, datz der «Eiseubahner" auck vom reisenden Publikum gelesen werde! ’QU ganze korrupte Preßkanaille aus, um diesen scheußlichen Meuchelmord zu einer Hetze gegen die Organisationen der Arbeiter zu fnotifizieren. Die Wiener Blätter freilich getrauten sich im ersten Augenblick nicht „loszulegen", und mußten sich mit Rücksicht aus das einstimmige Urteil, das unter der Bevölkerung über das scheußliche Verbrechen herrschte, weise Zurückhaltung auserlegen. Dafür aber brach die Diente in der Provinz los, die es sofort heraus hatte, daß Paul Kunschak als „Opfer des gewerkschaftlichen Terrors" in der Verzweiflung seinen Nacheplan geschmiedet hatte. So schreibt das führende Blatt des deutschböhmischen Bürgertums, die „Bohemia": Nichts ohne Mitleid kann man sich fccm unglücklichen Täter Paul Kunschak zuwenden. Wie grost muß die Verbitterung dieses Menschen, wie grvi; die durch eine solche Verbitterung hervorgerufene Verschiebung der RechtLbegriffe gewesen sein, wenn dieser intelligente Arbeiter den Tod eines unschuldigen und unbeteiligten Menschen für ein Aequivalent des ihm geschehenen Unrechtes betrachtete. Denn Unrecht war diesem Manne, der nicht den Arbeitgeber, den „Ausbeuter", sondern seinen natürlichen Verbündeten, den Arbeiterführer mit dem Revolver anging, seit Jahren geschehen. Jenes Unrecht, das die sozialdemokratischen Organisationen im Bewußtsein ihrer starken Macht und mit unbarmherziger Energie allen denen a »t u n, die sich ihrem SD i £ t a t nicht fügen. Der Terrorismus, mit dem die sozial-dcmokratischen Organisationen, dort, wo sie das Heft in Händen Hab eit, allen Andersgesinnte n das Brot entziehen, ist noch nie in fn scharfe Beleuchtung gerückt worden, wie durch die b e r d a m m e n s w e r t e Tat jenes Unglücklichen. der den Schuh auf Schuhmeier abgab. Seine Lat ist mit dem Martyrium, das er erlitten, nicht gerechtfertigt und nicht entschuldigt. Sie wird auch ohne Einfluß auf die Taktik der sozialdemokratischen Partei sein. Keine Todesopfer und keine Strafen wegen Erpressung werden diese Partei abhalten, von ihrer Macht Gebrauch zu machen. Die Geschichten. welche auf dem Welttheater spielen, schließen nicht, trie in den Schullesebüchern. mit Moralsvrüchlein. Und die nationalverbändlerische „Rcichcnbergcr Volkszeitung" sagt dazu: Der Mörder ist ein christlichsozialcr Parteigänger, cr ist, was von der Sozialdemokratie besonders verwertet wer* düngen hervorgeht, von der sozialdemokratischen tischen Abgeordneten Volkert unterlegenen ehemaligen Abgeordneten Sfunfchal, er ist aber, wie aus vorliegenden Meldungen hervorgeht, von der sozialdemkratifchen Gewerkschaft auch in seiner Existenz bedroht worden. Sozialdemokratischer Terrorismus vertrieb ihn von den Arbeitsstätten, überantwortete ihn li lt d vielleicht auch seine Familie r erbarmungslos der Not — aus politischem Gegensatz. Das^macht es begreiflich, daß der Haß in ihm gegen die Sozialdemokratie anwuchs und aus dieser Stimmung heraus muß die verbrecherische Tat erklärt werden. Eine Entschuldigung gibt es für 11? ab>>r eine Mahnung mag sie an die so zraidemokratische Führung sein, von dem Ter rot 18 m u 6, der selbst über vernichtete t'i a Mrl ienexistenzen und über Leichen hin« tocgfch reitet, wenn cs die Wahrung oder Durch, etzung der P a r t eiin t er e ssc n gilt, abzulassen. r, Das deutschnationale ,.Grazer Tag-bla11 — Chefredakteur Dr. Weidenhoffer — schleimt sich folgendermaßen aus: DaS tragische Geschick Schuhmeiers wird man allgemein bedauern, die Tat Kunschaks verdammen. Es muß aber doch festgestellt werden, daß Schuhmeier nur c i n O p fer der P olitil seiner eigenen Partei „9IH! Sie kommen erst aus dem Zuchthaufe — zwei Jahre wegen Totschlages. Hml Hm! Ja, da muß ich bedauern. Sie nicht aufnehmen zu können. Die Rücksichten auf die Arbeiterschaft des Gewerkes verbieten. —__________________________________ Mährend der Direktor so spricht, steigt vor den starren Augen de» entlassenen.Sträflings ein Bild auf: Wie feine Mutter starb. In einem reinen, blütenweißen Spitalbett, die sorgende Pflegenonne am Kopfende stehend, zu Füßen die weinenden Sünder. Und mit abgearbeiteten Händen den Frieden des Todes greifend. Voll Dankbarkeit für das Leben, das ihr immer an Arbeit genug gab, um Brot für sich und die Kinder zu erwerben. 0 Sein Sterben wird anders sein, irgendwo in einem schmutzigen Jnquisitcnspital oder auf einem Misthaufen................. Mit einem verschämten Lächeln nimmt er seine Dokumente und geht langsam ohne Gruß zur Tür hinaus und die Treppe hinunter. Auf der letzten Stufe beginnt er zu singen: Ich bin da Turlhofer Von da Sunnseit'n, Hab’ zwa Gas im Stall Und a Habernleit'n, Hab' zwa Roß vurn Wag'n Und a schwarze Kuah Saubre Mad'ln a Dö hob’ i gnua. Jodelnd schlenkert er an dem verdutzten, Portier vorbet. Was braucht dieser Freßling zu sehen, wie armselig es in ihm auSschaut. Wo die Straße in» Dorf biegt, lehnt er sich an einen Baum. Ihm ist entsetzlich zumute. Er glaubt nicht mehr weiter zu können. Der wühlende Hunger und diese wehe, zertretene Seele. Ein armer Häusler, der eine Kuh zum Verkauf in die Stadt treibt, sieht den Mann- an dem Baume lehnen, tritt herzu und fragt mitleidig: ..Js enl vielleicht übel toom? Kommis, loahnts en! af mi, i weis' enl inS Dürfe! eint!" Da springt ein furchtbarer grausiger Hatz auf alles, was da Leben heißt, in dem Herzen des entlassenen Sträflings auf. Er stößt das erschrockene Bäuerlein weit von sich: „Trottel I" Und läuft wie ein hafengieriger Hund über die Felder Cent schwarzen Walde zu. wurde. Dieselbe Partei, die sich stets als Hüterin der Freiheit ausgibt. zu bereit grundlegenden Forderungen das Recht auf Koalitionsfreiheit gehört, raubt dem politischen Gegner das Recht auf Arbdit, nur weil er — ein politischer Gegner ist. Von Werkstätte zu Werk-?tättc_ wurde der Mörder Schuhmeiers gehetzt, weil er sich der sozialdemokratischen Organisation nicht fügen wollte. An ihm erfüllte sich die sozialdemokratische Kampfweise: ..Und willst du nicht mein Bruder sein, fo 1 ch I a g' t ch dir den Schädel c i n." Unzählige Arbeitswillige, die oft nur bei einem Streik nicht mittun wollten, der nicht aus wirtschaftlicher Not als wirtschaftlicher Kampf entstand, sondern de t von sozialdemokratischen Führernheraufbeschworenwurde zurBegniitdung und Führung ihrer unumschränkten Macht, mußten sich hiebei nicht nur Schmähungen und V c t-f o l g u n g c it, sondern auch schweren Gefahren für Leib und Leben aus setzen. Die tat Knnfchakö wird dadurch, es fei dies neuerlich hervorgehoben, nicht ont-fchuldigt. Aber die Sozialdemokratie, die so viel Haß gegen alle Andersdenkenden sät, erntete hier verbif sen c Feindschaft, die selbst vor der Mordwaffe nicht zurückfchreckt. Die ch r i st l i ch s o z i a l e „O l, e r ö st c r-x e i ch i f ch c Volkszeituug" geht direkt aufs Ziel los. Sie redet einer Einschränkung des K o a-! i t i o n s r e ch t e s das Wort, indem sie schreibt: -Für den Staat Muß diese schreckliche Bluttat der Anlaß feilt, in Zukunft auch a u f d e n S ch u tz d c r A rb e i t L-willigen bedacht zu fein. Wie feststeht, hat Paul Kunfchak die Tat aus Verzweiflung über die Verfolgungen, denen er feiten» der sozialdemo-kratifchen Partei arisge setzt war, begangen. Er, der Arbeitswillige, konnte infolge dieser Verfolgungen nirgends Arbeit finden. Im Hinblick darauf wird, wie berichtet wird, die christlichsoziale Vereinigung des Abgeordnetenhauses die fchleunige Vortage eines Gesetzentwurfes ii b c r den Schutz der Arbeitswilligen vorlegen. Der Terrorismus, der außerhalb der sozialdemokratischen Organisation stehende Arbeiter erbarmungslos aus der Werkstätte hinaus stößt, muß ein Ende finden. Das Recht auf Arbeit muß gewahrt werden, dies ist die Pflicht d c S Staate s." Auf denselben Ton sind natürlich die Auslassungen des Wiener „Deu tschc n Volksblattes" gestimmt. Es weiß nämlich zu melden, daß die E l) r i st l i ch s o z i a l e Verein igung im Parlament beit kürzlich vom Abgeordneten Doktor Schöpfer eingebrachten Gesetzentwurf „zum Schutz der Arbeitswilligen" u r g i e r e n werde, und sagt dann: Wie nunmehr feststeht, hat Paul Kunfchak die Tat ans Verzweiflung über die Verfol-g u it g e n, denen er seitens der sozialdemokratischen Partei ausgefetzt war, begangen. Er, der Arbeitswillige, konnte infolge dieser Verfolgungen nirgends Arbeit finden. Im Hinblick darauf wird, wie uns berichtet wird, die Christlichsoziale Vereinigung des Abgeordnetenhauses die schleunige Vorlage eines G e fctzentwurfcs über den Schutz der Arbeitswilligen urgteren. In Wirklichkeit ist aber die Schauermär von dem sozialdemokratischen Gewertschaststerrorismus, den die ex offo-Verteidiger Kunschaks zur Erklärung seiner Tat vorschützen, erstunken und erlogen. Ob Kunschak unter den Verfolgungen der Arbeiter viel zu leiden hatte, darüber kann man aus dem Arbeitsbuch Aufschluß erhalten. Das Arbeitsbuch erzählt uns, daß Paul Kunschak immer ein Wandervogel war und nirgends lange geblieben ist, und es zeigt, daß er schon vor dem Jahre 1005, wo cs mit den Siemens-Schuckert-Werken zum Konflikt kam, seine Arbeitsplätze ebenso oft gewechselt hat, wie nachher. Was den Konflikt in den Siemens-Schuckert-Werfcit betrifft, den er zu der Denunziation zweier Vertrauensmänner bei Gericht benutzt hat. so ist durch die seinerzeitige gerichtliche Verhandlung fest-gestellt worden, daß von dem Kunschak gar nichts anderes verlangt worden war, als das Selbstverständliche, daß er sich von der gewerkschaftlichen Organisation des Betriebes nicht ausschlicße, was er aber, den offenbar die perverse Lust nach einer Mär-tyrerrolle antrieb, absichtlich tat. Natürlich wurde cr von der Arbeiterschaft darauf überall einfach g c m i e-d c n, niemals wurde er aber auf seinen Arbeitsplätzen behelligt. Er konnte arbeiten, wo cr wollte, solange cr wollte. Um den Lügen über den „sozialdemokratischen Terrorismus" ganz gründlich den Garaus zu machen, wollen wir genau erzählen, wie es ihm auf seinen drei letzten Arbeitsplätzen erging: Er war vom 2. November 1007 bis zum 2. August 1910 in der Fabrik von Roth. Die Betriebskanzlei berichtet darüber: „Laut Protokollbuch ist Paul Kunfchak auS dem Betrieb freiwillig ausgetreten. Vorher hat sich allerdings noch etwas abgespielt. Paul Kunschak ist nicht zur Arbeit gekommen, weil er erklärte, immer zur Versammlung gehenzu müssen." Paul Kunschak hat seine eigenen Gesinnungsgenossen, christlichsoziale Arbeiter, wiederholt bei seinem Werksdirektor denunziert. Der frühere Werksdirektor war selbst ein Christlichsozialer, der ihn wieder aufnahm, weil Paul Kunschak christlichsozial gesinnt war. Als er aber bei seiner Arbeit immer nachlässiger wurde, hat ihm der Wcrksdirektor. sein eigener Parteigenosse. deshalb wiederholt Vorstellungen gemacht. Paul Kunschak trat dann mit der Begründung aus dem Betrieb aus, er habe in den städtischen Gaswerken eine Anstellung erhalten. Dann war Paul Kunschak in der Fabrik des Reichsratsabgeordneten Friedmann vom 5. Oktober 1910 biß 8. Jänner 1911 beschäftigt. Darüber berichtet Abgeordneter Friedmann: „Mir ist unbekannt, daß die Arbeiter in unserem Bc- trieb jemals das Verlangen gestellt hätten, Kunfchak zu ent lassen. Wenn das der Fall gewesen wäre, müßte ich unter allen Umständen davon wissen. Es ist weder zu politischen, noch zu anderen Reibereien zwischen Kunfchak und den anderen Arbeitern gekommen. Und nun zur letzten Firma, bei der Kunschak arbeitete: es ist die Kraftwagengesellschcift auf dem Alsergrund in Wien. Der Betriebsleiter Robert Klein teilt darüber folgendes mit: „Paul Kunschak ist von uns nicht entlassen worden, feit-dem cr ist selbst gegang n. Niemand hat ihm etwas in den Weg gelegt, auch die Arbeiter nicht. Von den Ar Leitern ist ihm keiner zunahe getreten, sonst hätte cr auch nicht ein halbes Jahr hier sein können." Damit sind die Erfindungen von den Verfolgungen, mit denen seine Freunde den Mörder entlasten wollen, erledigt. Warum hat nun Paul Kunschak seit anderthalb Jahren keine Arbeit bekommen? Darüber können freilich weder das Arbeitsbuch, noch die Unternehmer Aufschluß geben. Aber das ist nun mich auf geklärt: Der Mörder hat dem Polizeirat Stukkart beim Verhör selbst erklärt: „Seit Dezember 1911 habe ich keine Arbeit mehr gehabt-, i ch h a b c s e i t d i c s e r Zeit a u ch keine Arbeit m ehr gesnch t." Damit steht fest, daß es nicht die Verfolgung der Sozialdemokraten, sondern seine e i g e n e A r b e i t s-s ch e n war, warum er anderthalb Jahre ohne Arbeit blieb. Arbeitsscheu war cs eigentlich nicht; cr hat an dem Mordwerk gearbeitet! Er hat Dumdum-geschosse gegen die Sozialdemokraten fabriziert. Mit kaltem Blut hat er dcit Mord geplant, mit kalter Ueberlegnng ihn vorbereitet uud mit Tücke jede Einzelheit vorbedacht. Aber das hindert setzt das arbeiterfeindliche Gesindel nicht, den Meuchelmord für seine Zwecke ansznschlachten. indem man mit kalter Be rech nnng daraus A nschlagspIäne gegen das Koalitionsrecht und damit gegen den wirtschaftlichen Fortschritt der Arbeiterklasse zu schmieden sucht'. Sie sind einander würdig, der Paul Kunschak und sie, die au dessen bestialischem Meuchelmord ihr Süpplcin kochen möchten. 9ns tzndr einer deutschvMschen Arbeiterbetrusr». „Das dcutfchvülkifche Ar-beiterfclrctariat im Hotel »Europäischer Hof« wurde gestern geschloffen. Tie dort unteigebra&te Stellenvermittlung der Sektion Karlsbad der deutschvölkischen Zentralstellenvermittlung in Wien wurde vorläufig vom hiesigen Verein „Deutfdu-. Herberge" übernommen, deren Zentral stellenvermittlung sich in der Gastwirtschaft »Deutsches Heim«, Ostend, befindet." „Karlbader Badeblatt" vom 2. Februar Mit dürren Worten ist hier eine Tatsache fcstßc-halten, die es verdient, etwas ausführlicher behandelt zu werden, denn die Schaffung des Karlsbader deutschvölkischen Arbeitersekretariats, sein Wirken — wenigstens im ersten Jahre — und sein elender Zusammenbruch, das alles ist für die Arbeiterschaft und für das Unternehmertum eine sehr lehrreiche Geschichte. Im Jahre 1905 errangen die Karlsbader Bauarbeiter nach einem kurzen partiellen Streik einen schönen Erfolg. Die Bauunternehmer, die bis dahin jede Vereinbarung mit der Arbeiterschaft abgelehnt hatten, sahen sich gezwungen, die Organisation der Arbeiter anzuerkennen und ihr Zugeständnisse zu machen. Nach Ablauf des zweijährigen Vertrages verlangten die Arbeiter mit Rücksicht auf die inzwischen eingetretene bedeutende Verteuerung aller Bedarfsartikel des täglichen Lebens eine Erhöhung der Lohnsätze. Das wurde abgelehnt. Ei» ganzes Jahr hindurch verhandelten die -Organisationen der Bauarbeiter mit den inzwischen ebenfalls organisierten Baumeistern und Bauunternehmern, um im Wege friedlicher Vereinbarung — ohne Streik — ein neues, den geänderten Lebensbedingnissen angepatztes Vertragsverhältnis zu schassen. ES war vergeblich. Als die Ban saison 1908—1909 begann, merkte man, dah die Unternehmer zum Kampfe gegen die Arbeiter, die noch immer nicht einen Streik wollten, rüsteten. Auf einigen Bauten prangten bereits Tafeln mit der Kundmachung, daß „nur solche Bauarbeiter ausgenommen würden, die der deutsch-völkischen Organisation angehören". Diese „deutsch völkische Organisation" bestand aber noch nicht einmal! Sie war vorläufig nur ein Plan der Unternehmerorganisation und sollte aus all den Leuten gebildet werden, die bereit waren, sich der Unternehmer» Organisation anzuschlietzen. So mußte e8 zum Streik kommen, da die Arbeiterorganisationen nicht tatenlos zu« sehen konnten, wie man Arbeiter in eine Organisation preßte, die gegen die Interessen der Arbeiter zu schaffen war. Als der Streik begann, war die ganze nationale Sippschaft auf den Beinen, Streikbrecher zu sammeln. Jeder gefundene Streikbrecher wurde der „deutschvölkischen Organisation" eingereiht,, die während des Streiks gegründet wurde. Nun wurde auch das „deutschvölkische Arbeitersekretariat" geschaffen. Als der Streik mit der Niederlage der Arbeiter geendigt hatte, begann dieses Sekretariat seine schändliche Tätigkeit mit großem Eifer. Es ist nicht zu viel gesagt. wenn wir diese Tätigkeit eine schändliche nennen, denn ein gewesener Arbeiter stand in diesem Sekretariat als Sekretär, Arbeiter — allerdings „deutsch-völkische" Arbeiter — bildeten seinen Vorstand, und nun setzte ein schamloser Terrorismus ein. Man knöpfte den Arbeitsuchenden die letzten Heller ob. ohne ihnen Arbeit zu garantieren, brachte als Sozialdemokraten bekannte Bauarbeiter um jede Arbeitsmöglichkeit und überlieferte Besucht nur Lokale, in welchen der »Eisenbahner" anfliegt! ihre Familien dem Hunger, die Unternehmer glaubten schon, gewonnenes Spiel zu hoben. Allein: „manchmal und überhaupt kommt es anders als man glaubt." Es waren nicht gerade die „Edelsten der Nation", die man für die Leitung der Geschäfte nehmen mußte. Bald gab es einen Krach. Ein Sekretär war geflogen. Dann kam einer daran, der schon früher in einem von Sozialdemokraten verwalteten Institut gesessen, damals aber jene ehrgeizigen Pläne nicht zur Reife bringen konnte, die ihn beseelten. Auch er stürzte. Die Arbeiter wurden nach und nach immer mehr und mehr der Plage überdrüssig, setzten sich gegen den Terror zur Wehr, und so starb mit der „deutschvölkischen Arbeiterbewegung" in Karlsbad auch das Sekretariat. Zur Zeit der letzten Reichsratswahl machte es noch viel von sich reden. Aber es war alles Schwindel. An einem Buchauszug, den wir veröffentlichten, konnten wir Nachweisen, daß ü ber-Haupt fast keine Beiträge von Arbeitern mehr einkamen, daß alle Ausgaben für Lokal mie te. Gehälter u. s. w. gedeckt wurden aus Spenden der Stadtgemeinde Karlsbad und der Unternehmer. Noch einmal rückte um diese Zeit die Stadtgemeinde mit einem Lausender heraus, aber damals wurde im Stadtverordnetenkollegium bereits gemurrt, und die Deutschnatio-1 ualen erklärten schon, daß diese deutsche Arbeiterpartei und ihr Sekretariat das Geld nicht wert seien. Schließlich mußte aber der städtische Steuersäckel doch wieder herhalten: einige Hunderter für Kartoffel — dann scheint man auch in diesen Kreisen der Schmarotzer völlig überdrüssig geworden zu sein. Dos „Sekretariat" sank zu einer bloßen Stellenvermittlung herab, in der neben dem Sekretär, Herrn Sepp Mothe, noch ein junger Mensch angestellt war. Zu vermitteln werden sie wenig gehabt haben, die Leitung des Gaues der „Deutschen Arbeiter-Partei" war von Karlsbad infolge des Mangels an Mitgliedern nach Eger verlegt worden, wo noch genügend „deutschvölkische Arbeiter" sein dürften, um alle Aus-:chnßmandate im Gau zu besetzen, die Redaktion der ..Deutschen Worte" wurde bereits seit längerer Zeit in Dux besorgt — es gab übrigens nicht viel mehr zu besorgen — und die beiden Beamten saßen da und warteten mit saurer Miene auf ihren Gehalt. Diese „Tätigkeit" wurde unangenehm, da der Gehalt beharrlich ausblieb. Den beiden wurde vollends übel, als sie daraufkamen, daß Herr Grimm, der gewesene Kandidat der „Deutschen Arbeiterpartei" im Karlsbader Landgemeindenbezirk, in väterlicher Sorge um das Wohlergehen der zwei Beamten das Notwendige veranlaßt hatte, um ihnen die Mühe, Ge-baltsbelege zu unterschreiben, zu ersparen. Mit einem Wort: die beiden Herren Beamten kamen zn der Hebet» zeugung, daß alles verloren sei und meldeten sich trank. Dann wurde das Sekretariat geschlossen. Sanglos und klanglos. Noch einmal allerdings wird sich die Stadt-Vertretung mit dem Sekretariat zn beschäftigen haben, denn die Herren Sekretäre sollen d a L A u suche n a n die S t a d t g e m e i n d e g e st c 111 habe n. i l) » c lt den rückstä ndi ge n Gehalt au szuzah le n ... Wird sie dies als ein Werk der Barmherzigkeit erfüllen? Oder wird sie sich besinnen, daß sie dazu kein Recht be-Ntzt? Wir werden ja sehen. — Alles in allem: Bor etwas über vier Jahren setzte die „Deutsche Arbeiterpartei" in Karlsbad ein. Geschaffen von den Unternehmern, aufge-doppelt und reich beschänkt von Fabrikanten, Großgrund-dentzern und öffentlichen Körperschaften, wuchs sic rasch empor. Mit der Himgerpcitschc wurden ihr die Mitglieder Zugetrieben. Das Weinen ihrer hungernde» Kinder trieb verzweifelnde Arbeiter in das von ihren Unterdrückern gegründete „deutsche Arbeitersekretariat", wo man ihnen daö letzte Geld abnahm. Bon Soldschreibern der Kapitalistenklasse journalistisch bedient, wurde das . deutsche Arbeitcrblatt" geschaffen. Kübel voll Unrat wurde auf die sozialdemokratischen Vertrauensmänner vergehen. Mit Hunger die Arbeiter knebeln, mit Verleumdungen und Niederträchtigkeiten aller Art ihre Vertrauensmänner zu überschütten, war die Parole gewor-Dann wurde aus dem Wochenblatt ein zweimal wöchentlich erscheinendes Blatt „Deutsche Worte" geichaffen. Aber die Bewegung, die auf nichts anderes auf» gebaut war, als auf den Betrug an den Arbeitern, mußte zerfallen. Und sie zerfiel. Wie lange ist es doch her, als der in der Doroschkinschen Bezirkskrankentasse angeftcCte Führer Trahorsch die 1800 Kr. ein-kassierter Gelder verlor? Nicht allzulange. Vor zwei fahren noch zog Herr Dr. R iehl von Ort zn Ort um als „geistiger Führer" der „Deutschen Arbeiterpartei" die Sozialdemokraten zu vernichten. Daun ging es schlag auf Schlag. Bald erschien das Blatt nur noch einmal wock-entlich. Dann sank cs zum Kopfblatt der ^uxer „Deutschen Volksstimme" hinab, dann hörte es ganz aus, während einige Dutzend Blätter des Duxer ..Organes" lediglich noch der Schande halber einen Auf-druck „Deutsche Worte" bekommen, Und heute — ist alles aus. Das viele Geld, das man in den herrlichen Beiten nach der Niederringung des Bauarbeiterkampfes den Arbeitern abgenommen hatte, das viele, viele Geld das die Unternehmer und die Stadtgemeinde beigesteuert naben — alles, alles verloren! Ein Verwesungsprozeß, der mit unheimlicher Schnelligkeit arbeitete, hat alles vernichtet. Kein Arbeiter, der nicht vor Ekel ansspuckt v°r diesem Leichnam, kein Unternehmer, dein nicht tiefe Beschämung ubertame, wenn er sich daran erinnert, daß er dieser Partei Gelder zur Verfügung gestellt hat. — Di e Unternehmerverbände werden wohl au» yieiem Beispiel etwas zulernen und daran in der Erkenntnis bestärkt werde», daß man nicht auf die iwQUCt ,n,f Erfolg die Arbeiter in Organisationen zu-lamnienhalten kann, in denen nur Schwachköpfe o£>cr ruinpcii sich wohlfühlen können. Der elende und restlose Zusammenbruch der „Deutschen Arbeiterpartei" in Karlsbad ist nicht nur ein Beweis dafür, daß die Ar-beiter,chaft des Karlsbader Bezirkes zu klug ist, um sich lelbst ohnmächtig zu machen, sondern auch dafür, daß eine Partei auf anderen Grundsätzen aufgebaut sein muß, um leben zu können, als auf dem Prinzip des Be-fntgeS und der Unehrlichkeit! ... .. der ..Volkswille''. Für die Eisenbahner ift die wirmmfe hnonhers in unserem jetzigen Stadium i ungemein lehrreich. Sie beweist nämlich schlagend, wie | die Unternehmer und das besitzende Bürgertum mit i allen ihren zu Gebote stehenden Mitteln die sogenannten ! nationalen „Arbeiterorganisationen" fördern, und ihnen auch materielle Unterstützung angedeihen lassen, nur weil sie glauben, daß sie sich auf solche Weise willige und für den Kapitalismus ungefährliche Elemente erziehen, mit denen der Sozialdemokratie der Wind aus den Segeln genommen werden kann. Heute sind die Eisenbahner unter den Arbeitern so ziemlich die einzige Schichte, unter der der Schwindel mit der nationalen Organisation leider noch einigermaßen verfängt. Sie werden sich, solange das der Fall ist, nach den hier dargelegten Erfahrungen aber auch nicht wundern dürfen weshalb bisher kein besserer sozialer Fortschritt erzielt werden konnte. Ile nationale Erfahr. Sehr oft hören wir unsere Deutschnationalen von einer nationalen Gefahr reden, die nicht besteht, die man nur im Interesse der Nationalverbändler vortäuscht, wir wollen heute von einer nationalen Gefahr sprechen, die tatsächlich besteht, von der aber die Herren Nationalverbändler nicht gern sprechen, weil sie hier nicht nur den Arbeitern, sondern der Nation gegenüber schuldig werden. Gerade die, die am meisten von der Größe, der Macht und dem Ansehen der Nation schwärmen, haben sich wahrscheinlich noch nie Gedanken gemacht, wer denn eigentlich die Nation ist, denn das ist ein Begriff, von dem man ganz genau weiß, was er ist — so lange man nicht darum gefragt wird. Freilich gibt es Schwätzer genug, die sogleich mit der Antwort zur Hand sind: Die Nation? Das ist unser herrliches, deutsches Edelvolk, die germanische Rasse! Nichts lächerlicher, als nach der Rassenmischung vergangener Jahrhunderte und nach der Mischung, die heute gerade in den Zentren des Nationalismus, in den Städten, vor sich geht, noch von der germanischen Rasse zu reden. Der Rassentheoretiker ist heute so weit, daß er, wie ein köstliches Büchlein aus dem alldeutschen „Ostara-Verlag" beweist, die heutigen Deutschen als „mongoloide" Rasse verwirft und die heutigen Tschechen als tschechischsprechende Germanen anerkennt. Nichts lächerlicher, als in einer Partei, in welcher der Jude Licht, der jüdisch-tschechische Stransky und der Dr. Schreiner, der die Tschamarra getragen hat, einträchtig beisammensitzen, die Vertreter des Rassennationalismus zu suchen. Nein, der Nationalismus ist keine Rassenfrage, er ist eine Kulturfrage. Stets hat sich jene Schichte, welche vermöge ihrer besseren sozialen Lage die Möglichkeit hatte die Kultur der Nation zn genießen, sich ihrer Dichter, ihrer Musiker, ihrer Denker, ihrer höheren Schulen zu erfreuen, schlechtweg „die Nation" genannt. Der Dünkel, die Nation zu sein, hat sich auch in unseren Nationalen derart eingesressen, daß sie gar nicht daran denken, daß auch der Arbeiter zur Nation gehört. Und hoch strebt der Arbeiter danach, sich das Recht auf die Nation zu erkämpfen, nicht aus ideologischen Gründen, nicht, weil die nationalistischen Phrasen auf uns gewirkt hätten, nein, sondern weil der Kampf um die Güter der Nation, um die ideellen Genüsse, ein Teil des Klassenkampfes ist, den die Arbeiterschaft heute führt. Worin liegt nun aber die Macht, die Größe und daZ Ansehen der Nation? In erster Linie in drr Volkszahl, des weiteren in der Volksgesundheit und endlich in der Wohlhabenheit und in der Bildung des Volkes. Die Deutschen sind nun allerdings das älteste der Kulturvölker Oesterreichs. Jahrhunderte lang haben sie die anderen Völker beherrscht und die herrschende Klasse der deutschen Nation hat ihren Reichtum der Ausbeutung aller anderen Nationen zuzuschreiben. Die herrschende Klasse des deutschen Volkes mag in Bezug auf Gesundheit, Wohlhabenheit und Bildung sich wohl in erste Reihe stellen. Die Gesamtheit des deutschen Volkes, des Träaers der Kultur und der Industrie, steht vor allem im Hinblick auf die Zunahme der Bevölkerung, aber auch bezüglich der Volksgesundheit, ja. auch der Volksbildung längst nicht mehr in erster Reihe. Einige Ziffern, die den Verhältnissen Böhmens, des klassischen Landes des Na-tionalitätenkampfes, entnommen sind, mögen darüber Aufschluß geben. Die Ziffern sind dem Werke Ranch-bergs entnommen und geben ein klares Bild über den Rückgang der Deutschen in Böhmen. Betrachten wir zunächst die Geburten. Wir unterscheiden hier zwischen deutschen Bezirken (mit vorwiegend industrieller Bevölkerung) und Bezirken mit deutscher Mehrheit (50 bis 80 Prozent Deutsche: auch diese Bezirke sind zumeist Jrt-dustriebezirke), zwischen Bezirken mit tschechischer Mehrheit (50 bis 80 Prozent Tschechen) und tschechischen Bezirken (vorwiegend agrarisch). Da erfahren wir nun, daß in Bezug auf die Geburten gerade die deutschen Bezirke am schlechtesten daran sind, nicht mir hinsichtlich der Geburtenzahl, sondern auch hinsichtlich der hohen Zahl der Totgeburten. Die Statistik sagt darüber: Bon ie 1000 «he- Sott je 1000 utt- lidjeit Geburten ehelich. Geburten lind Totgeburten sind Totgeburten Deutsche Bezirke........................ 34 8 42 6 Bezirke mit deutscher Mehrheit. . . 27 8 36-6 „ „ tschechischer Mehrheit . 26 8 38 8 Tschechische Bezirke.....................28'8 417 Die erschreckend hohe Ziffer der Totgeburten in den deutschen Bezirken und in denjenigen mit deutscher Mehrheit findet ihre Erklärung eben in dem industriellen Charakter dieser Bezirke. Die Fabrikarbeit der verheirateten Frauen ist es, die derartige Resultate zeitigt. Wenn aber die Frau gezwungen ist, in die Fabrik zu geben und bis zn ihrer schwersten Stunde fast im Arbeits-loche zu bleiben, so geschieht dies eben, weil die Not, die Teuerung, die geringen Löhne die Frau zwingen, mit. zuderdienen und zum Haushalt das ihre beizutragen. •A-ie tschechische Frau, die vorwiegend in agrarischen Bezirken lebt, kann sich mehr schonen, den Nutzen davon hat die Nation. Denn nicht nur die Zahl der Totgeburten schädigt die Größe der Nation, in noch höherem Maße geichieht dies durch die Kindersterblichkeit. Von 1000 Kindern starben von j 891 bis 1900: Bor KBIaiif de« Snt TOIauf bei ersten fünften Lebeni»<>hre» Lebenriahre« Deutsche Bezirke. . . ....................381 358 Bezirke mit deutscher Mehrheit ... 289 369 » , tschechischer Mehrheit . . 239 329 Tschechische Bezirke ........ 237 327 Hier überrascht uns die Tatsache, daß in Bezirken mit deutscher Mehrheit die Kindersterblichkeit am größten ist- In deutschen Bezirken hat der arbeitende Mann nur die Konkurrenz der Frau neben sich, daher ist die Anzahl der Totgeburten in deutschen Bezirken am höchsten. In Bezirken mit tschechischer Mehrheit leidet der Arbeiter unter dem Lohndruck des von agrarischen Gegenden kommenden, an niedere Löhne gewöhnten tschechischen Arbeiters, und der deutsche Fabrikant ist es, der den Tschechen gern ansnimmt, wenn er als Lohndrücker ober gar als Streikbrecher kommt. Daher ist in solchen Bezirken der Lohn niedriger, die Ernährung schlechter, die Kindersterblichkeit größer. Die Konsequenz dieser Verhältnisse tritt uns endlich entgegen, wenn wir die Sterbefälle im Gesamten betrachten. Auf 1000 Personen entfielen int Jahrzehnt: 1881 BIS 1S00 18916iS 1800 Deutsche Bezirke.........................308 2 269-0 Bezirke mit deutscher Mehrheit . . 305 6 283 0 „ tschechischer Me.,rheit . 267 8 248'2 Tschechische Bezirke..................... 278-8 246'9 Die Sterblichkeit ist also im deutschen Industrie- gebiet größer als im tschechischen Gebiet. Aber in beiden Gebieten sinkt von 1890 an bedeutend die Anzahl der Sterbefälle. Wir erkennen hier, welch ein bedeutender Faktor für das Gedeihen der Nationen die Gewerkschaftsbewegung geworden ist. Von 1890 an beginnt der Aufschwung der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, die Löhne steigen, die Lebenshaltung bessert sich, die Sterblichkeit sinkt. Die Nationalen sehen nur ein Mittel, die Volkszahl zu heben, sie wollen den anderen Nationen Menschen abgewinnen und das mißlingt immer. Dabei aber vernichtet die Profitwnt des Kapitalismus den Nachwuchs der eigenen Nation — und das gelingt leider nur zu gut. Die internationalen Gewerkschaften mußten also für den einzelnen Arbeirer und damit für die Nationen gutmachim,. was die nationalen Unternehmer verschuldet haben. Diese Internationalen sind die wahren Nationalen, die „Nationalen" hingegen die wahren Feinde ihrer Nation. Ein Schlagwort, das unsere Nationalen so gern im Munde führen, ist: „Wir müssen unseren nationalen Besitzstand verteidigen." In Wahrheit aber sind es gerade die Kapitalisten seiner Nation, welche den Deutschen vom „Boden seiner Nation" verdrängen, wieder um deS erhöhten Profits willen. Der eingearbeitete deutsche Arbeiter verlangt weit einen höheren Lohn, als der ungelernte tschechische Arbeiter, also ruft man den billigeren tschechischen Arbeiter herein und verdrängt damit den deutschen, der dann meist seine Arbeitskraft dem Ausland widmet. Dies disqualifiziert nicht nur die österreichische Industrie, sondern überliefert den bisher von Deutschen bewohnten Boden nach und nach ganz sicher de» Tschechen. Betrachten wir unS einmal die Wanderbilanz eines deutschen Bezirk» im Verkehr mit anderen Bezirken: Susufl Wegzug nach aus den deutschen Bezirken 3m St** mit ben deutschen l| 1|I K « S Sfc = = St- 2 23>| 5 S.5 ^ Bezirken mit deutsch. Mehrheit. 26.807 31.502 — 5.195 — 0 3 „ tfehech. „ ' . 23.860 7.518 +16.312 + 0 9 Tschechischen Bezirken .... 127.510 45.678 + 80.832 -f 4 6 Und zur größeren Deutlichkeit möge hier die Wanderbilanz eines Bezirks mit deutscher Mehrheit folgen: I ■ 1»^ es» OhM Verkehr mH den Zuzug Wegzug nach aus den Bezirken mit l| brutjrfift Mehrheit s5|p -| 5s. 2Sf> = 8.5° Deutschen Bezirken i 31.502 26.307 4- 5.195 + 1-3 Bezirken mit tschech. Mehrheit . 13.049 5 653 4- 7.396 + 1-8 4-9-9 Tschechischen Bezirken.... . 51.116 13.683 4- 40.433 Aus beiden Statistiken sehen wir, daß aus tschechische» Landesteilen viel mehr Menschen in die deutschen Bezirke auswandern, als aus deutschen. Die deutschen Bezirke müssen also naturgemäß aus wirtschaftlichen Ursachen gemischtsprachig, die Bezirke mit deutscher Mehrheit zu Bezirken mit tschechischer Mehrheit werden. Aus diese Weise ging Budweis verloren. Nimmt man noch dazu, daß die Nationalen von heute geradezu zu Reaktionären auf dem Gebiet des Bildungswesens geworden sind (Steinwender!), dann erkennt man, daß es keine andere nationale Gefahr gibt, als das internationale, sich national neiinende Ausbeutertum. Sie andere Sette der schönen Bilanz. Eine der beliebtesten Phrasen des tschechoslawischen Separatismus, mit der er unausgesetzt gegen die Zentral-Organisationen, gegen die „Wiener" ankämpste, war die Behauptung, daß selbständige, von Wien nicht abhängige Gewerkschaften eine viel erfolgreichere Bekämpfung der Nationalsozialen ermöglichen werden. Ein Zufall will es nun, daß nahezu auf den Tag genau die Jahresberichte beider Abarten der nationalen Seuche, der Organisationszersplitterung, erschienen sind. Beide aber wissen von Erfolgen zu berichten. Unterdes erscheint aber im Hintergrund eine sehr bedenkliche Erscheinung, die die denkbar schauerlic. ste Folie für die großen Erfolge abgibt. Bevor wir auf die Besprechung des Inhalts beider Berichte eingehen, sollen der genannten Erscheinung einige Warte gewidmet werden. Das separatistische Metallarbeiterorgan berichtet, daß [‘“Vf1 Prag am 2. Februar eine neue Organisation gc. i hat. Der „Erste Metalldreher-Unterstützungsoerein für Prag und Umgebung" hat sich in eine ReichSorgani-Kiiton ..für das Königreich Böhmen und die im Reichs- Str. 6 Wien, DonnerStckg ».Dev Ms-nbichner.* 50. Februar 1913 Sette 5 ....» «.. ,.m, > II ■«MMmiiMMHMaiiniii — ........................ .................................................... rat Vertretenen Königreiche- und Länder" umgewandelt. Als politisch absolut neutrale Organisation will der neue Verein/ der bislang einen Teil der separatistischen Bewegung bildete und sich nun bewußt und direkt gegen den Separatismus in Gegensatz stellt, seinen Mitgliedern dienen. Natürlich paßt diese Absplitterung den Separatisten nicht. Mer können sie jemand einen Vorwurf machen, der doch nur ihr Schüler ist? Also Separatismus im i Separatismus. Warum denn auch nicht? Wo sind die. Grenzen für die Absplitterungsmöglichkeiten? Welche Phantasie vermag alle die Möglichkeiten auszudenken, die Kraft der Arbeiterklasse durch Spaltung und Zersplitterung bestehender Organisationen zu schwächen? Aber das eine ist für jedermann sicher: Wird einmal die Zersplitterung sanktioniert, wie es durch die tschecho-stawische Partei dem Separatismus geschehen ist, muß man auf weitere Wirkungen der Ideologie des Separatismus gefaßt sein, und zwar nach allen Richtungen: territorial, beruflich, nach Religionsbekenntnissen u. s, w. Das Wehklagen des separatistischen Organs ist eben nur das traurige Eingeständnis, daß die Herren die Konsequenzen ihres Vorgehens, daß sie vor allem diese Möglichkeiten, die ja doch die natürlichsten Folgen ihrer Verhetzungen sind, nicht durchgedacht, ja nicht einmal in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen haben. Aber, sie dürfen sich nicht ausrcden: sie sind auf^all dies aufmerksam gemacht worden. Die Metalldreher wollen also ihre eigene Reichs-Organisation. Welche erhebende Aspekte eröffnen sich da den Ausbeutern, wenn dann jede einzelne Arbeiter-kategorie mit ihren berufsseparatistischen Schmerzen auf-treten würde. Welche Schwerfälligkeit bei den Lohnkämpfen möchte daraus entstehen, gerade in einer Zeit, wo uns daran gelegen sein muß, die Einheitlichkeit möglichst zu erreichen. Und wo bleibt denn der Beschluß über die Betriebsorganisation, den übrigens auch die Separatisten gefaßt haben? Natürlich können sie auch da nicht auftreten, denn sie haben ja durch ihre Tätigkeit die Bildung der Betriebsorganisation am meisten gefährdet. Aber die Prager Gründung hat noch eine zweite, schon seit längerer Zeit zu gewärtigende Erscheinung ans Tageslicht gebracht. Die neue Organisation nennt sich politisch absolut neutral. Warum diese Betonung der Neutralität, wenn sie nicht anders sein soll, als die von den Gewerkschaften allgemein praktizierte, daß man kein Mitglied bei der Aufnahme um sein politisches Bekenntnis fragt, es aber herüber nicht im Zweifel läßt, daß ihn die Kenntnis der wirtschaftlichen Dinge zu einem verläßlichen Klassenkämpfer machen wird und daß die Gewerkschaft dabei behilflich zu sein für ihre Pflicht erachtet. Politisch neutral heißt in dem Falle der neuen Organisation: Gegen jede politische Betätigung! Da haben wir also als direkte Folge des tschechoslawischen Separatismus die östereichische Ausgabe des S y n d i k a l i s m u s. Zu dem großen Jammer unserer organisatorischen Verhält-nissa auch noch der Jammer der Verwirrung in den Anschauungen über die Methoden des Kampfes. Das ist eine glorreiche Tat des Separatismus! Man erinnere sich nur, daß schon einmal ein ähnlicher Versuch austauchte, der dann allerdings von der separatistischen Presse unterdrückt wurde. Beim Textilarbeiter-kampf in Ostböhmen wurde von einer Vertrauens-männerversammlung der Separatisten, Anarchisten, Nationalen und Klerikalen eine Resolution gefaßt, in der die Bildung bloß tschechaslawischer Organisationen ohne Zusammenhang mit irgendeiner bestimmten Partei angeregt wurde, damit die Zersplitterung endlich beseitigt werde. Und nun kehrt die Sache in einem anderen Gewand wieder, ohne daß es diesmal der separatistischen Presse gelungen wäre, Wandel zu schaffen. Der Syndikalismus hält durch die Schuld des Separatismus seinen Einzug in Böhmen, wo die Arbeiterschaft wohl anderes zu tun hätte, als noch eine Organisation zu gründen. Vor dieser Tatsache verblaßt die Bedeutung der übrigen Leistungen des Separatismus, vor allem die Tatsache, die jetzt mit überschwänglichen Worten in die Welt hinausposaunt wird, daß die separatistische Kommission mit Anfang dieses Jahres über 100.000 Mitglieder zählt. 109.000 sind festgestellt worden, nicht bloß Mitglieder, sondern Agitatoren, wie die separatistische Presse hervorhebt. Wir wollen nicht die Zweifel reden lassen, die sich in jedem von uns nach den Erfahrungen, die wir mit den separatistischen Statistikern und Rechenkünstlern gemacht haben, regen. Wir wollen nicht davon reden, daß man in diesen Kreisen auch alle jene mit-zählt, die man zur Einschreibung „gewonnen" hat, die dann aber an die Beitragszahlung vergessen haben. Nichts von all dem: die tschechoslawische Bewegung behauptet, 109.000 Mitglieder zu haben, wir wollen es als Tatsache hinnehmen. Wie groß erscheint aber dann das Verbrechen des Separatismus an der österreichischen Arbeiterbewegung, wenn diese' 100.000 Arbeiter andere Wege gehen als die übrige Arbeiterschaft, andere Wege gehen, weil sie geführt werden, mit Absicht und nicht aus Unkenntnis der Sachlage geführt werden, wenn diese 100.000 Arbeiter die Position ihrer Klassengenossen zur Freude der Ausbeuter schwächen I Wie kindischer Starrsinn muß es jeden berühren, wenn die Separatisten den tschechischen Arbeitern — oder auch sich selbst? — einreden wollen, daß die gewerkschaft-liche Internationale sie wegen ihrer großen Zahl anerkennen muß, weil sie 100.000 Arbeiter zu Verrätern an der eigenen Klasse gemacht haben. Und wie ganz ungetrübte gewerkschaftliche Ignoranz, wenn nicht wie Mangel an Solidarität, muß eS anmuten, wenn die tschechoslawische Presse die Behauptung wagt/das Wachstum auf 100.000 beweise, daß die freiwillige Vereinsamung — man spricht nicht einmal mehr von der berühmten Verselbständigung, sondern stolz von Vereinsamung — der Organisation nicht den geringsten Schaden, sondern im Gegenteil, nur Nutzen gebracht hat, wenn man weiß, daß die gesamte Arbeiterschaft in Oesterreich dadurch in Mitleidenschaft gezogen ist. Zu dem Nutzen, den die separatistischen Gewerkschaften den tschechischen Arbeitern gebracht haben, gehören wahrscheinlich die Ausspcrung der Prager Maschinengrbeiter, der Brunner Textilarbeiterkampf, das Ringen der Bergarbeiter in Nordböhmen, die verschiedenen . Gewerbe-gerichtswablen und die Wahlen in die böhmische Unfall- Versicherungsanstalt. Den eigenen Mitgliedern brachten sie wenig, der übrigen Arbeiterschaft haben sie aberschwere Wunden geschlagen. Das ist auch die eine Seite der separatistischen Bilanz. Nun bemüht man sich in Prag krampfhaft, der Welt einzureden, daß die agitatorischen Erfolge — das Wachstum der separatistischen Organisationen beträgt 20.000 — aus den Reihen der indifferenten Arbeiter stammen. Nichts mehr vom Kampf gegen die National-sozialen. Der Separatismus lockt die Indifferenten durch seinen Kampf gegen die internationalen Gewerkschaften au. Es stimmt: er macht den Nationalen Konkurrenz, aber er nimmt ihnen kein einziges Mitglied ab. Kommen indifferente Arbeiter zu ihm, so deshalb, weil er mit seiner Agitation den Klovaö- und Fresl-Leuten zuvorkam, nicht aber weil er sie zu Sozialdemo-., traten machen will. Wie wenig Erfolg die Separatisten im Kampfe gegen die Nationalen hatten, ersieht man aus dem Bericht der nationalsozialen „Arbeitergcmeinde", wie sie ihre Zentrale nennen, die seit einiger Zeit ein eigenes Publikationsorgan herausgibt, über das Jahr 1912. Mit welchem Hohn wird da aus dem Resultat der Unfall-versicheruugswahlen der vollständige Mißerfolg des Separatismus in der „Bekämpfung" bewiesen: in allen Gruppen ein Wachstum der nationalsozialen Stimmen. Und damit ist auch der Gcwerkschaftsbcricht im Einklang, denn er teilt mit, daß der nationalsozialen Zentrale jetzt 64.243 Mitglieder angeschlossen sind, ein Zuwachs von 9400. Von den nationalen Organisationen, deren cs 49 gibt — zwei neue kommen jetzt dazu: die Gemeindearbeiter und die chemischen — sind die Eisenbahner mit 31.243 die stärksten; ihnen folgen die Metallarbeiter (6369), die Textilarbeiter (3814), Bauarbeiter (3446), Schuhmacher (2929), Brauer (2063) und Holzarbeiter (1569). Die übrigen haben weniger als 1000. Die Einrichtungen dieser Organisationen sind den unseren nachgemacht. Für Unterstützungen wurden 202.000 Kr., für Bildung und Agitation 118.000 Kr., aber für Streiks nur 12.447 Kr. ausgegeben. Darin äußert sich der wahre Charakter dieser Organisationen. Das Gesamtvermögen war 226.000 Kr.; über 10.000 Kr. hatten vier Organisationen (Eisenbahner, Metall- und: Textilarbeiter, Buchdrucker). Die Meisten Lohnbewegungen hatten Metallarbeiter (12) und Brauer (11). Es wurden 5800 Versammlungen und Vorträge abgehalten, ein Beweis, wie wenig der Separatismus den National-sozialen Abbruch gemacht hat. Hält man sich nun diese zwei Tatsachen: die Stärke der Nationalen und das Eindringen des Syndikalismus in Böhmen zu den allgemeinen Schäden, die der Separatismus verschuldet hat, ersieht man, wie wenig berechtigt die große Freude der Separatisten ist. Me die Sädbehn ihr Personal h'rNrraeht. Zur Zeit der großen Lohnbewegung im Jahre 1907 wurde von den damaligen Personalkomiuissionsmit-gliedern und Vertretern der Verwaltung das Zirkular 385 a stilisiert. Auf Seite 15des st e nograp hi-schen Protokolls heißt es: „Jede Verbesserung der k. k. Staatsbahn" — im Zirkular 385 a — die Uebersetzung des stenographischen Protokolls — auf Seite 13, Allgemeine Bestimmungen, Punkt 1, sollten die 'Wörter: „jede Verbesserung der k. k. Staatsbahn" enthalten sein. Die Herren Juristen der Verwaltung sollen diesen Satz vor Drucklegung des Zirkulars beseitigt hüben. Diese Beseitigung bedeutet aber für das gesamte Personal einen empfindlichen Nachteil. Seit Anfang der Neunzigerjahre kämpfen die Zugsbegleiter der Südbahn um die Anrechnung der anderthalbfachen Dienstzeit. Kein Mensch, der den verantwortungsvollen Dienst der Zugsbegleiter kennt, bezweifelt die Notwendigkeit dieser Reform. Nur dem Pensionsfondsausschuß — die gewählten Vertreter mit inbegriffen — mangelt es an Einsicht. Immer bleibt diese längst fällige Reform liegen und wird verschleppt. Bei allen Konferenzen, in Eingaben, bei un-zähligen Zugsbegleiterversammlungen wurde dieser Forderung Nachdruck verliehen und hingewiesen, daß die Zugsbegleiter der Staatsbahn dieser Begünstigung schon seit 1908 teilhaftig wurden — alles vergebens. Der Pensionsfondsansschuß hat zu allen möglichen Neuem-führungen Zeit, nur nicht zur Anrechnung der anderthalbfachen Dienstzeit. . . ^ , Auf Grund des gegenseitigen Vertrages vom Jahre 1907 und dem Wortlaut des stenographischen Protokolls. Seite 15, wäre die Südbahnverwaltung verpflichtet, ab 1908 dem Zugbcglcitungspersonal die Anrechnung der anderthalbfachen Dienstzeit zü gewähren. Als am 27. April 1911 in der Personalkommissions-sitzung der Zugsbegleiter die anderthalbfache Anrechnung für das Zuabegleitungspersonal auf der Tagesordnung stand, gab Dr. D o m i n e g o als Generalsekretär (Bericht im „Eisenbahner" Nr. 20, 1911) die Erklärung ab. daß die Angelegenheit der anderthalbfachen Anrechnung voraussichtlich im Juli (1911) den Verwaltungsaus-schüssen der Pcnsionsinstitute zur Beschlußfassung vor-gelegt wird. Das Personal erhoffte bestimmt, doß mit |1. Jänner 1912 die Anrechnung der anderthalbfachen Dienstzeit für die Zugsbegleiter Tatsache wird. Wenn sich die Südbahnverwaltung herausnehmen kann, alle sozialpolitischen Maßnahmen, dje bei den k. k. Staatsbahnen zugunsten des Personals gemacht werden. zu ignorieren, so muß das insbesondere für die gewählten Vertreter im Pensionsausschuß ein Fingerzeig sein. Wir verlangen deshalb von den gewählten Vertretern im. Pensionsfonds, endlich zu dieser Frage Stellung zu nehmen und dafür einzutreten, daß diese Angelegenheit wie bei den k. k. Staatsbahnen geordnet wird. Eine weitere Frage: War die Südbahnverwaltung berechtigt, die Fahrgebühren der Wien-Matzleinsdorfer und Wiener-Neustadter Zugsführer und die Zehrgelder für die Stunde „ohne Dienst" und „Aufenthalt :auswärts" in allen übrigen Stationen zu kürzen? Auch hier hat die Südbahnvcrwaltung das Fahrpersonal, insbe- sondere die Zugsführer, verkürzt. Im Punkt 4 des Zirkulars 385 a wird zugcsichert, daß durch die Gehaltregulierung keinerlei Verkürzung der Nebenbezüge — und dazu gehören die Fahrgebühren — erfolgen werde. So die vertragsmäßige Zusicherung. Und die Südbahnvei waltung? Mit einer Hand mußte sie geben — weil die ^taatsbahn die Gebühren, für ihre Zugsbegleiter er hohte — und mit der anderen Hand konnte sie ihre alte Gewohnheit nicht lassen und eignete sich den größten Teil — aber nur bei den Gebühren der Zugsführer — wieder rechtlich an, indem sie den Wiener und Wiener- Neu städter Zugsführern bei Schnell- und Personenzügeu die Fahrstundeugebühr von 31 H. auf 30 H. und die Wartegebuhr von 11 auf 8 H. per Stunde reduzierte. Den Mqtzleinsdorfer und Wiener-Neustädter Zugssührern gab man 4 H. per Stunde, dafür nahm man ihnen 3 H. per Stunde weg. In allen übrigen Stationen wendete man dasselbe Mittel an. Die Südbahnvcrwaltung ist dadurch zum Schaden einer Kategorie einseitig vorgegangen. Die Einseitigkeit besteht darin, daß man einige Einheitssätze bestehen ließ, jedoch bei den ZugSsührcrn empfindlich reduzierte. Das Vorgehen der Südbahuver-waltung gegen die Zugsfübrcr ist eine Verhöhnung des verantwortungsvollen Dienstes der Zugsführer. Kondukteure, Packer, Bremser dürfen für „Ohne Dienst"-Fahrten und „Aufenthalt auswärts" 8-5 H. per Stunde verrechnen — der ZugSsührer aus Grund der letzten Fahrgebührenregulierung nur 8 H. per Stunde. Noch mehr Zurücksetzung wird ihnen'zuteil bei Verspätungen;, da dürfen alle — ausgenommen der Zugsführcr — von zwei Stunden Verspätung an die Zeit als „i m D i e n st" verrechnen; der Zugsfuhrer aber von drei Stunden an. Aber nicht als „im Dienst", sondern „ohne Dienst". Macht ein Zug von der Heimatstation aus Verspätung, so bekommt der Zugsführcr überhaupt nichts, auch daun nicht, wenn der Zug zehn Stunden Verspätung hat. Die Dienstesstellung des Zugsführers ist eine sehr verantwortungsvolle. Er ist dem Verkehrsbeamten unterstellt — muß aber diesen, wenn er etwas übersieht oder vergißt, aufmerksam machen. Ein großer Teil der Beamten* arbeit wurde dem Zugsführer übertragen, weil die Arbeit der Beamten, speziell in den Mittelstationen, sich verdoppelt hat. Der Beamte kann in den meisten Fällen nicht mehr die ihm übertragene Arbeit leisten, weil er miß dem Apparat, der Kasse, Kartenausgabe, dem Gepäck, den Ein- und Ausfahrten, Avisoschreiben und dem Kartieren ac. mehr als überbürdet ist. Das muß doch die Verwaltung wissen. Die Südbahnverwaltung weist immer auf die Staatsbahn hin. Eine solche Ausrede ist aber nicht stichhaltig: die Staatsbahner haben mit den gleichen Dienstjahren einen ganz anderen Gehalt als wir. Seit dem zweijährigen Avancement wurde bei den Staatsbahuen das „Kannjahr" um ein halbes Jahr gekürzt. Fast alle Oberkondukteure, welche qualifiziert sind, rücken mit anderthalb Jahren Wartezeit in die nächsthöhere Ge-haltstufe vor. Die Staatsbahnkollegen haben in den meisten Fällen um 200 und 400 Kr. bei gleichem Jahrgang an Gehalt mehr als wir Südbahner. Aufreizend wirkt es, daß es die Südbahnverwaltung wagte, Einheitssätze bei den Fahrgebühren zu reduzieren, obwohl keine Kategorie, ausgenommen die Lokomotivführer und Heizer, den Teuerungsverhältnissen so ausgesctzt ist wie das Zugbcgleitungspersonal. Dazu sind in den Restaurationen die Gulyasteller, Kaffeeschalen, Zervelatwürste y. s. w., nebst der zunehmenden Teuerung im allgemeinen, viel kleiner geworden. Durch die Reduzierung der Fahrzeiten hat sich ohnehin der Verdienst der Zugsbegleiter verringert. Der Vertreter in der Pcrsonalkominissionssitzung am 27. April 1911 (Siche „Eisenbahner" Nummer 20 von 1911), Herr Oberinspektor PölIeritzer, erklärte: „Der geringere Verdienst liegt in der Turnuserweiterung." Diese Begündung ist zwar nicht richtig: wahr ist, daß die Zugsführcr gegen früher noch einmal soviel Arbeit haben, wahr ist. daß die Fahrzeiten, insbesondere durch Einschiebung der Eilgüter- und direkten Züge, viel kürzere wurde», und wahr ist, daß infolge Zunahme von Schnell- und Personenzügeu die Güterzüge nur mehr bei Nacht verkehren können, wodurch eine Reduzierung der Dienstleistung durch die Normen über Dienst- und Ruhezeiten bedingt ist. Die Turnusse sind im allgemeinen gegen früher keineswegs besser geworden. Es ist richtig, daß die Zugsbegleiter mit den übrigen Dienern und Unterbeamten verrücken. Aber dcr Nebenverdienst der Zugsbegleiter reicht nicht mehr aus. ■ um auswärts leben zu können. Wir verlangen deshalb von der Südbahnverwaltung eine Regelung der Fahr-gcbühren für alle Zugsbegleiter und für die Zugs-führet Zurückgabe dessen, was ihnen widerrechtlich weg-genommen wurde. ____________________ Aur dem Korruvtionssumvs der Kategorienvereine. Die stolzen Männer, welche berufsmäßig die Sozialdemokraten ankläffen, haben sich bekanntermaßen jederzeit als traurige Helden erwiesen. Diese Tatsache wird abermals durch die Führer des ehemaligen Kanzleiexpedientenvereines, der sich seit kurzer Zeit mit Erlaubnis der Südbahnvcrwaltung (!) „Verein der Südbahnbeamten und Beamtenanwärter" nennt und deren Titeländerung sogar im Amtsblatt der Südbahn kostenlos publiziert wurde, bestätigt. . Als vor einigen Monaten der Ruf nach der Vereinigung aller Südbahner in einer Organisation erscholl, als diejenigen Organisationen, welche am lautesten nach Kooperierung schrien, sich immer mehr als Vertragstei^ entpuppten, mit denen man unter keinen Umständen sich verbinden kann, da war es der Kanzleiexpedientenverein, der im zudringlichsten und schrillsten Diskant nach Pereinigung schrie. Schon damals wußten wir, mit welchen Leuten wir cs zu tun haben, denn es war uns ja nicht ganz unbekannt, daß eine Reihe sehr schmutziger Ge-schichten langsam, aber sicher an die Oberfläche des Sumpfes emporsteigen werden, in dem der Kanzleiexpedientenverein watet. Den Eingeweihten ist es schon lange klar, daß me sogenannten Führer dieses VereinchenS ihre sogenannt^ Organisation und somit sich selbst nur unter Anwendung der gemeinsten Erpressermittel erhalten konnten. Heimlich entwendeteBuchauszüge, Photo-araphierte Kontiß, beiseite geschasste Privat» Korrespondenzen und mehrere ähnliche seine Behelfe bildeten das Arsenal, aus dem die Waffen zum Scheinkampf gegen die Verwaltung der Südbahn hervor-geholt wurden. Gegen ein entsprechendes Entgelt an manche Vereinsfunktionäre und gegen Erfüllung einiger Forderungen, mit denen man den Mitgliedern Sand in die Augen zu streuen suchte, wurden die kompromittierenden Aktenstücke ausgefolgt, dieselben Belege, deren Existenz der Gewerkschaft schon früher bekannt waren. Es fiel uns aber selbstverständlich nicht ein. mit solch unlauteren Mitteln einen Erpresserfeldzug gegen die Verwaltung zu führen, ahnten wir doch, daß sich schon Kumpane schäbigster Gesinnung finden werden, welche gegen ein Schandgeld von diesen Papieren, die tatsächlich einigen Südbahngrößen den Kragen zu brechen geeignet wären, Gebrauch machen würden. Unsere Ahnungen haben sich erfüllt, die Führer des Kanzleiexpedientenvereines gingen hin, kauften und — erpreßten. Leute, die vor einigen Jahren noch in zerrissenen Hosen zwischen Gürtel und Gheaaplätz hin- und herpendelten, wurden rangiert, spielten bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten Kavaliere und verstanden es, bei jenen Machern, die entweder selbst Butter auf dem Kopfe hatten oder nur aus kollegialer Freundschaft für die Betroffenen handeln zu müssen glaubten, Angst und Schrecken zu erwecken. Insbesondere die Baudirektion konnte nicht genüg Worte des Lobes und der Anerkennung für die Leiter des Kanzleiexpedientenvereines finden. Aber auch die administrative Abteilung, bei der die geehrten Herren Erpresser aus und ein gingen, stand mit denselben in ständiger zärtlichster Verbindung. Schon lange schwirren Gerüchte in der Lust, die besagten, daß die höheren Orts liebevoll behandelten Vereinsführer ihre Tätigkeit im Interesse der Südbahn nicht umsonst entfalteten. Vorschüsse und Unterstützungen wurden über Verlangen jederzeit bereitwilligst gewährt und auch Entschuldungen wurden durchgesührt, aber bedauerlicherweise ohne Erfolg, denn mit dem Essen kommt der Appetit und die individuelle Sanierung gab immer wieder Anlaß zur neuerlichen bettlerischen Pumpversuchen. Einige der jungen Herrchen führten ein wahres Loterleben. Mit dem auf so ganz eigentümliche Weise erworbenen Gelde fuhr man zum Rennen, spielte Nacht für Nacht im Cafe das berüchtigte „Buki" oder andere Hazardspiele und trieb untereinander Ehebruck, kurz, manche Funktionäre praßten lustig drauflos. Versagte manchmal der Pump bei der Verwaltung, so war man um die Beschaffung der für die Befriedigung der Eigenbedürfnisse notwendigen Mittel nicht verlegen wozu war man denn V'reinssunktionär? Der eine — er war Kassier des Vereines, ist noch immer als Vertreter der Kanzleiexpedienten Personalkommissionsmitglied und heißt Scherer — vergriff sich an der Vereinskasse und entnahm derselben das Sümmchen von 1080 Kr. Statt den Schaden dem Verein gutzumachen, schob er die Be-gleichung der längst fälligen Rechnungen hinaus und verwendete dieses der Kasse entnommene Geld für sich. Dieses 3picl trieb er fast ein halbs Jahr hindurch, bis endlich die drängenden Vereinsgläubiger die eigentümliche Bilanzgebarung des Kassiers aufdeckten. Rasch wurde vom Präsidenten S e y d l ein Vorschuß ausgenommen, um das Defizit zu decken. Zur Erlangung des Vorschusses wurde ein Bürge engagiert, der nur so lange haften sollte, bis der saubere Kassier auf irgendeinem Wege das Geld rück-erstatten kann. Als jedoch vor kurzer Zeit tatsächlich diese Refundierung erfolgte, benützte Herr Seydl die erhaltene Summe nicht zur Abstattung der Schuld, sondern ließ den Bürgen hängen. Herr Seydl fand auch den Mut, dem Obmann einer Ortsgruppe, der mit Rücksicht ans seine, nach Ansicht des Herrn Seydl notwendige Transferierung nach Wien, auf feine mißliche finanzielle Lage hinwies, den Rat zu erteilen: „Das macht nichts. Sie können ja die ein laufend e u Beiträge der Ortsgruppen Mitglieder so langefürsichverwenden, alsdiesnotwen-d i g ist; ich bin ja d e r P r ä s i d e n t und kort-trolliert wird ohnehin n i ch t." Ein anderer Führer des Kanzleiexpedientenvereines, Herr Z i innrer l, mußte vor einiger Zeit sein Mandat als Personal-kommissionsmitglied niederlegen, weil er dem Drange, die Stationskasse in Wien um Kr. 110016 zu erleichtern, nicht widerstehen konnte. Offenbar nur aus Rücksicht auf seine Vertrauensmannstelle des Kanzleiexpedientenvereines wurde von einer Ahndung des Falles Abstand genommen, man begnügte sich damit, diesen zum Kassier wenig geeigneten Unterbeamten unter gleichzeitiger Versetzung nach Wiener-Neustadt zum Beamten zu c nennen. Eine mehr als merkwürdige Gebarung wird auch in der Administration des offiziellen Organs des Kanzlei-exvedientenvereines. „Südbahnbeamten-Zeitung". geübt. Von einer ordnungsmäßigen Kontrolle scheint man längst abgekommen zu sein, denn andernfalls wäre es nicht mög-lick),, daß Autorenhonorare doppelt angewiesen werden. Selbstverständlich erhalten diese Superdividende nur die Günstlinge des Zaren, die sich allerdings moralisch verpflichtet fühlen, einen Teil dieses Mehrgewinnes den Familien einiger ^besonders vertrauter Funktionäre in Form von Boas, Schmuckgegenständen :c. abzugeben. Man wird es nach dieser Schilderung der Zustände im Kanzleiexpedientenverein begreiflich finden, wenn wir, die wir schon zur Zeit der sogannten Einigungs-Versammlung die sauberen Funktionäre dieses Katego-rienvereinchens durchschauten, uns energisch dagegen ver-wahrt haben, eine Koalition mit Leuten emzugehen, deren Hände durch ganz gemeine Korruption über und über mit Schmutz bedeckt sind, deren seile und käufliche Gesinnung bei jedem anständigen Menschen ehrliche Abscheu auslösen muß. Wenn sich zu jugendlicher Dumm-Dreistigkeit noch gemeiner Schwindel gesellt, wenn söge-nannte „Führer" so tief sinken, daß sie mein und dein nicht unterscheiden können, dann kann man sich nicht darob verwundern, daß man jede Gemeinschaft mit einem solchen Gesindel weit von sich weisen muß. Die ^Größen dieses kleinen Vereines spielen sehr gern den Sittenrichter und nehmen bei jeder Gelegenheit den Mund voll, um über Kollegialität und Zusammen- I gehörigkeitsgefuhl in blödsinniger und öder Manier zu j faseln. Als Beweis dafür, daß diesen Moralpredigern jedes Gefühl für wahre Kameradschaft fehlt und daß ihre dozierenden Abhandlungen über diesen Punkt nichts als leeres Geflunker und platte Phrasendrescherei sind, diene der nachstehende Fall, der überdies auch ein ganz eigentümliches Licht auf die Machenschaften wirft, welche zwischen der Verwaltung der k. k. priv. Südbahngesellschaft lind dem Kanzleiexpedientenverein bestehen. Eines TageS fand es der wohlweise Präsident Seydl als im Interesse seines Vereines gelegen, das Personalkommissionsmitglied V e r h o u c, welches in Bozen ein beschauliches Dasein fristete, nach Wien versetzen zu lassen. Gedacht, getan. Kaum war der Wunsch ausgesprochen, als man es auch schon höheren Orts aus „D i e n st e s r ii ck s i ch t e n" für gut fand. Herrn Ver-h o n c in das Heizhaus Wien zu versetzen. Diese Art der Versetzung genügte aber den: löblichen Präsidium des Kanzleiexpedientenvereines nicht, man wollte das geliebte Personalkommissionsmitglied noch näher beim Schuß haben. So ging man denn hin. wählte den engeren Kollegen Kolbenschlag zum Opfer und ließ denselben vom Jnspekrorat Wien nach dem Heizhaus versetzen, während P e r h o u c von dieser Dienstesstelle nach dem Betriebsinfpektorat einrückte. Herrn Kolbenschlag, der durch diese Transferierung äußerst unangenehm berührt wurde, sagte man, er wäre mit Rücksicht auf seine pflichtwidrige Dienstausübung ohnehin versetzt worden. K o l b e n s ch l a g ging der Sache auf den Grund und erhielt bei dieser Gelegenheit von seinem Chef die offizielle Versickerung, er sehe ihn nur ungern von seinem Bureau scheiden, da er mit Bedauern einen tüchtigen und pflichttreuen Beamten verliere. Was war also geschehen? Seydl wußte bei der Ma^chinendirek-tioit durchzusetzen, daß die von ihm gewünschte Trans--fetieruna a»f Kosten eines aanz nnsck"ldigen Kameraden durchgeführt wnrde. D'elelbe Maschinendirektion, derselbe Personalreferent, Oberinspektor Muhr, der in der persönlich gehässigsten Weise konsequent in der Zeitung des Kanzleiexpedientenvereines angegriffen worden war, ging gegen alle sonstige Gewohnheiten iiberrasckend schnell ans die unlauteren Wünsche des hochgeschätzten Präsidenten Seydl und des werten Per» sonalbertreters Verhouc ein. Seit dieser Zeit herrscht aber auch völlige St'lle und lautlose Ruhe im Blätterwald des Vereinchens. keine Angriffssilbe stört die nunmehr idylliscke Ruhe des Herrn Oberinspektors Muhr. Die Hand der Verwaltung wäscht die Hand des Kanzleiervedientenvereines. Die Kämpen, welche sick das lächerliche Unternehmen, unserer Gewerkschaft eins am Zeug zu flicken, leisten wollten, sind entlarvt, sie haben wieder einmal den Beweis dafür geliefert, daß jene hämischen Feinde unserer Organisation, welche gegen Bezahlung ober zur Erreichung von Sonderinteressen die Gewerkschaft anbellen, in der Regel Lumpen sind. Die Herren Seydl, Scherer. Zimmerl. Verhouc und einige ihrer Kameraden an der Vereinskrippe sind in den Augen jedes ehrlichen-den Südbahners gerichtet. Und die Verwaltung der k. k. priv. Siidbahngesell-i'chast? Wird sie auch, fernerhin das durch ihre oberen Funktionäre liebevoll und gleichzeitig ängstlich gehütete Freundschaftsband mit den großmäuligen Führern ihres Schoßkindes, des Kainleierpedienten Vereines, festgeknüpt erhalten? Oder wird sie so viel Sckawaesühl aii^rtngeh, den Verkehr mit diesen sauberen Helden endgültig ab-zubrechen? Maßnahme« zur Erziel»« einer höheren Wirtschaftlichkeit im Staats-bahabetrieb. Die .Zahl der sogenannten Sparerlässe hat sich wiederum vermehrt, und dies ist an und für sich nicht verwunderlich, ist doch die Produktion von Erlässen die hervorragendste Tätigkeit unserer leitenden Staatsbahnbehörden. Der neue Sparerlab. es handelt sich um einen solchen der k. k. Nordbahndirektion, schreitet rüstig auf dem Wege, auf Kosten des niederen Personals Ersparungen zu machen, weiter. Dabei beweist er neuerlich, daß die Urlaubserteilung, die dem Personal so hoch angerechnet wird, bei der herrschenden Praxis der Substituierung nur mini-male Kosten verursa.cht. Die k. k. Nordbahn, direktion ordnet in ihrem neuen Erlaß die größte Spar-samkeit bei der Reinigung, Beleuchtung und B e h e i zu n g der Kasernen an, während doch das Eisenbahnministerium durch Zeitungß. Meldungen in den Tagesblättern eine große Reform des Kasernenwesens verkünden und mitteilen ließ, es seien Grundsätze für den Bau und die Eiimchtuiigen von Unterfunfts» und Uebernachtungsgebäuden bereits ausgegeben worden, die Durchführung dieser mit erheblichen Kosten verbundenen Neuerungen solle sukzessive erfolgen. Die Anordnung der Nordbahndirektion zerstört sehr bald die schönen Zukunftsträume betreffs endlicher Verbesserung der Kasernenzustände, versetzt uns in die nackte Wirklichkeit des Kasernenelends zurück und läßt feinen Zweifel über den Grad der tatsächlichen Fürsorglichkeit atifkommen, den die Staatsbahnverwaltung ihrem Personal gegenüber erübrigt. Der Gipfel der Staatsbahnverwaltungskunst ist die Ersparung an Brennmaterial für Natural Wohnungen, die Ersparung einzelner Re.giesahrten, einzelner aushilfsweise beschäftigter Bediensteter und Ersparungen bei den Urlauben auf Kosten der Bediensteten. Mit der-artigen kleinlichen Maßnahmen, die wohl den einzelnen Bediensteten empfindlich treffen, aber keineswegs irgendwelchen Einfluß auf das Gebarungsergebnis der Staats-bahnverwaltnng ausüben können, will man die öfter-reichifchen Staatsbahnen retten. An große Dinge getraut man sich nicht heran. Man zögert, in das Wespennest der Diatenrnacherei zu stechen und weicht im großen Bogen lener angekllndigten großen Reform aus, nach welcher die k. k. Staatsbahnen nicht mckir länger einzig und allein die Unterbringung^, und Versorgungsanstalten für die Söhnchen der österreichischen Bourgeoisie sein sollen. Der neue Sparerlaß der Nordbahndirektion hat folgenden Wortlaut: K. f. Nordbahndirektion. Akt Nr. 112.608 ex 1612. Wien, am 4. Februar 1913. Erlaß an die k. f. Betriebsiuspektorate und an sämtliche k. k. Bahnbetriebs- und Bahnstationsämter. Inhalt: Aufforderung zur größten Sparsamkeit in allen Zweigen des Stations- und Fahrdienstes, insbesondere in Kapitel XI1/2 (Löhne,) Xll/lOa (Stucksorten), XII/lOc (Beleuchtung. Beheizung), dann Kaxitel XIII/8 (Löhne). XII1/9 (Brennmaterial für Naturalwohnungen). XIII/ll (Beleuchtung der Wagen und Züge). XIIT,/12 (Erhaltung und Erneuerung der ZugauSrüstungsgegen-stänoe) und XIII/13 (Beleuchtung, Beheizung und 'Reinigung der Kasernen des Zug-begleitungspersonals, dann Erhaltung und Erneuerung der Kasernenei nrichtung S-g eg e n st ä n d e). Das k. k. Eisenbahnministerium hat die nötigen Kredite für das laufende Jahr mit der Weisung bewilligt, daß ein Ueberschreiten dieser Kredite — unvorhergesehene abnormale Vorfälle ausgenommen — nicht stattfi iden darf. Ilm dieser Weisung entsprechen zu können, ist es unbedingt nötig, daß die Herren Vorstände der obengenannt:» Dienststellen diesem Gegenstände das ganze Jahr hindurch unouSi gesetzt, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zuwenden. Bemerkt wird, daß in einzelnen Belangen die faktischen Ausgaben de3 JahreS 1912 ebenso groß und auch größer sind, ass die für das laufende Jahr für diese Dienstzweige bewilligten Kredite. Letzteres gilt insbesondere bezüglich der Kapitel XI1/2, XII1/2, XIII/9, XIII/ll, XIII/12 und XIII/13. Um dennoch zu erzielen, daß die Ansg-iben im laufenden Jahre die knapp bemessenen Kredite nicht überschreiten, wird nachstehendes gewissenhaft zu beachten sein: ad Kapitel X1I/2 (Löhne). D i e nichtständigen Aushilfen sind sofort auf das unuingä n g-l ich nötige Maß zu re st rin gieren, lieber die vor-genommenen Reduzierungen ist umgehend an daS Bureau V/1 zu berichten. 'Be i anhaltendem s ch w ä ch e r e n G e s ch ä f t s-ggitge, w i e d'. es in den abgelaufenen Mo-n a t en' D e z e m b e r und Jänner in den Magazinen z u m e i st der Fall war, ist zu trachten, mit: einer verminderten Zahl von A r b e i t s-l r äf t e n das Auslangen zu finden. Kranke und Beurlaubte nicht zu ersetzen und könnte tun I ich st mit der Absolvierung der Erholungsurlaube begonnen werden. Die Erholungsurlaube sollen d i c n st o r d.. u n g s-g ent aß ohne auswärtig Substituten, bas heißt derart absolviert werden, daß der Bahnamtsvorstand durch seinen SteIlver-treter, bezieh ungsweisetunlich st duiche.in «n g e e i g n e t e n B e a m t e >, d e r e i g e n e >i S t a t i o n, d e r 'Beamte durch einen entsprechend ein geübten II n t c r 6 e a m t e ii, letzterer durch einen hiezu geeigneten Diener und dieser durch einen älteren Arbeiter vertreten wird. SD üc Aufnahme eines Aushilfsarbeiters ist aus ErfparungSrücksichten, wenn irgend tun!ich, z u i. v e r m e i d e n. Damit auch während der Absolvierung der Erholungsurlaube der Dienst sich anstandslos abwickelt, wird vor allem daraus Bedacht zu nehmen sein, daß. ftk ©ubstituten mit den Agenden der zu Substituierenden rechtzeitig vertraut gemacht werden. " ad Kapitel XIII/2 (Löhne). Das bezüglich des Kapitels XII/2 Gesagte gilt im allgemeinen auch bezüglich des Kapitels XIII/2. Die Herren Vorstände der Zug-begleitsrdomizilstationen werden diesem Dienstzweige unausgesetzt ihr Augenmerk zuzuwenden haben. Unnötige Regiefahrten der Zugsbegleiter sind unbedingt zU vermeiden. Die Zahl der die s o genannte Reserve haltenden Zugsbegleiter in den Z u g a u s r ü st u n g s st a t i o n e n ist t u nti.ch.si z u re st ringieren. Beim Abflauen des G ü t c r-zugsverkehres find sofort eine entsprechende Anzahl A u s h i l f s b r e in s e r a b z u r u ft e n und ist in jedem einzelnen Falle hierüber aniaä Bureau V/1 z u berichten. Es ist überhaupt zu trachten, mit der verminderten Zabl von Zugsbegleitern, das heißt mit den in den Turnusblättern fixierten Zahl das Auslangen zu finden, was mit einer Erhöhung deZ Verdienstes der Zugsbegleiter an Fahrgebühr:n verbunden und im Interesse der letzteren gelegen ist. ;• , Ferner wird bei den Ausgaben in Kapitel XIII/8 (B r ennmaterial für N a t u r a l w o h n u n g e n)i Kqpitel XIII/ll (Beleuchtung der Wagen und Züge), Kapitel XIII/12 (Erhaltung und Erneuerung der Zug-ausrüstungsgegenstände), Kapitel XIII/13 (93e leuch-tung, Beheizung und Reinigung der Kasernen des Zugbegleitungspersonals, dann Erhaltung und Erneuerung der KaserneneinrichtUngS-geenstande) den Herren DienstvorstSndsn die größte Sparsamkeit zur Pflicht gemacht. Mit Rücksicht auf die noch immer nicht in jeder Richtung hin befriedigenden Ergebnisse der Gesamtwirt-schaff werden die k. t Betriebsinspektorate und sämtliche k^ k> Bahnbetriebs- und Bahnstationsämter beauftragt, der Personalgebarung das vollste Augenmerk zuzuwenden und speziell die Aufnahme zeitweiliger Hilfskräfte für Erkrankte und Beurlaubte nur auf den absolut unerläßlichen Bedarf zu. beschränken. Anschaffungen und Herstellungen jeder Art nach Möglichkeit aufzuschieben und durch weitestgehende Ausnutzung der Belastungsfähigkeit der Personen, und Güter-zütze auf die möglichste Herabmindermig der unproduktiven Verkehrsleistungen sowie auf die zulässige Einschränkung der Jnstandhaltungskosten hinzuwirken. Durch eine sparsamere Gebarung mit Inventar, Drucksorten unb Material (Kleinmaterial. Petroleum. Oel, Kohle, Gas, Elektrizität re. re.), insbesondere burch eine Verringerung ber Zug- unb Stationsbeleuchtungskosten durch zweckmäßige Vereinfachung der gesamten Geschäftsabwicklung ist die gebotene Herabminderung des Betriebs- und VerwäliungsauswandeS anzustreben. Unter Hinweis auf die besonders ernste Situation der Gesqmtwirtschaftslage wird von der Einsicht und dem Pflichtbcwußtsein aller beteiligt'.» und verantwortlichen Organe in .Hinkunft die gewissenhafteste Beobachtung einer streng vorschriftsmäßigen und äußerst sparsamen Gebarung erwartet und haben die Herren Dienstvorstände unter persönlicher Verantwortung in dieser Richtung ohne Aufschub alle notwendigen Einleitungen und Vorkehrungen mit Hinsicht und Energie zu treffen. Anderseits ist man entschlossen, in allen Fällen, in welchen die Ueberpriifung oder eine etwa einzuleitenhe Untersuchung eine Außerachtlassung der einschlägigen Vorschriften in Bezug auf die Verwendung deS Personals. auf drc Gebarung mit Inventar, Drucksorten, Material :c. fest, siellen sollte, gegen die an einer ungerechtfertigten lieber» schreitung der zugewiesenen Präliminarbeträge schuld-tragenden Organe mit aller Strenge vorzugehen. Die Bestimmungen dieses Erlasses sind den beteiligten Organen nachweislich zur Kenntnis zu bringen. Für den k. t Direktor: Unterschrift unleserlich. Menbahnerlor. Bilder aus dem Leben des Eisenbahnprolctariats. In der „Salzburger Wacht" veröffentlicht Genoffe Josef W i t t e r n t g g soziale Streifzüge aus dem Leben der Arbeiterschaft von Bischofshofen, eines vorwiegend von Eisenbahnern bewohnten Ortes in Salzburg. Wir geben daraus einige Schilderungen, die die Verhältnisse, unter denen k. k. Staatsbahner leben, kennzeichnen, wieder. Genosse Witternigg schreibt unter anderem: Eine Hölle als Wohnung für eine Oberbnuarbeiter-familie. — Die Not als Engelmacherin. Ich wandere die Straße im Rosental weiter. Bei dem Hause Nr. 64 an der Straße bleibe ich stehen. Knapp hinter dem Hause fließt der Gainfeldbach vorüber. Etwas tiefer gelegen sehe ich. der Straßenseite zugekehrt, durch das Fenster einer Glastür ein Mädchengesicht. Die Tür war ohne Verschluß. Rasch trete ich ein. Ein Qualm von feuchter, modriger Luft strömt mir entgegen. Ich traue meinen Augen nicht, es ist eine menschliche Behausung. Eine Küche und ein Zimmer soll cs sein. Die Küche wird durch einige Glastafeln an der Tür und einen halben kleinen Flügelfenster, das Zimmer (Hölle ist besser gesagt) wird auch nur von einem halben Flügelfenster erleuchtet. In der Küche stehen ein alter Diwan, ein Sessel, ein Kasten, auf dem vielerlei Geschirr steht, ein Herd, auf dem eine Pfanne mit Kartoffeln schmort. Das alles bildet das Küchenmobiliar. In der Mitte des Zimmers stehen hintereinander drei Betten, alle sind von der Wand weit weggerückt. Die Wände sind ringsum vom Boden bis zum Plafond feucht. In dieser Woh-nuftg wohnen vier Menschen. Ein 65jähriger Mann, Oberbauarbeiter der k. k. Staatsbahn; eine 69jährige Frau; zwei Töchter, eine mit 23 und eine Mit 13 Jahren. Der Oberbauarbeiter verdient täglich K r. 3'30. Sehr oft ist er krank. So oft er zu Hause bleiben muß, so vielmal verliert er den Taglohn. Für die Wohnung müssen die Leute monatlich 11 Kr. Zins zahlen. Fleisch kommt bei dieser Familie das ganze Jahr nicht auf den Tisch. Jlste Mahlzeiten bestehen aus Nocken, Erdäpfclgulasch, Polenta u. s. w. Die alte Frau ist ebenfalls krank und gichtleidend. Die 28jährige Tochter hat schon von Kindheit an schlechte Augen, sie sind ganz rot unterlaufen. Trotz des Elends hat die Natur im Menschen, das Herz der jungen Tochter Liebe empfunden. Ein junger Mann, auch ein Proletarier, welcher erst vom Militär zurückgekommcn war, bat das Herz der Armen erobert. H>er Liebesbund blieb nicht obne Folgen. Ern zartes Mäderl erblickte in dieser Proletarierstube das Licht der Welt. Die Augen des neuen Menschenbürgers leuchteten voll Sehnsucht nach gedeihlicher Pflege in die Welt. Menschen sollen helfen? Nach 6 Monaten und 14 Tagen Erdendasein hat der 11«ine Weltbürger ausgerungen. „Ein Engerl ist in den Himmel geflogen." Während die junge Mutter von Kummer und Sorgen heimgesucht wird, wird ihr Tröster und Helfer in der Not vom Vater Staat unter die Fahne gerufen. Der junge Vater steht an der Grenze auf der Wacht Lieb Vaterland, magst ruhig sein. .... Ein junger Arbeiter in Verzweiflung. — Der gewaltige Heizhausvorstand. Im Hause Nr. 70 trete ich unerwartet im ersten Stock in eine Wohnung. Am Boden spielen ein zweijähriges Und ein einjähriges Kind. AuS den Augen der zwei Kleinen leuchtet die Unschuld. An einem Fenster steht ein Mann. Ich frage: „Sind Sie der Vater?" „Ja!" „Sind wohl Eisenbahner und heute frei?" „Ja, ganz frei." „Wieso ganz frei?' „Entlassen wurde ich." „Wo waren Sie beschäftigt?" „Im Heizhaus war ich Kohlenarbeiter." „Warum wurden Sic entlassen?" „Am 4. August 1912 als ich in den Dienst ging, siel ich über eine Schiene und brach mit die linke Hand. Heute bin ich noch krank. Sechs Wochen bekam ich Krankengeld, dann die lln-fallsrente Kr. 181 per Tag. Am 8. Dezember wurde mir gekündigt und am 14. Jänner 1913 erhielt ich folgendes Zeugnis : »Inhaber stand während vorgenannter Zeit, 10. Juni 1912, im hierortigen Dienst und wurde krankheitshalber aus dem Dienst entlassen. K. k. Heizhausleitung Bischofshofen. Der Heizhausvorstand: Höfler.« Ich bin im Lebensmittclmagazin 40 Kr. schuldig. Die Schulden mußte ich während meiner Krankheit machen. Mit Kr. 1 81 per Tag zwei Erwachsene und zwei Kinder ernähren, war mir nicht möglich. Heute, am 27. Jänner, war ich beim Heizhausvorstand und bat ihn, er möge mir die Schuld von 40 Kr. nicht auf einmal abziehen, sondern monatlich nur 10 Kr. Der Vorstand erhörte mich nicht, er war kurz gebunden. Ich bin nur froh, daß er mich nicht noch hinausgeworfen hat. Am 8. Februar soll ich 56 Kr. von der Unfallversicherung erhalten. Davon zieht, mir der Vorstand 40 Kr. ab. 11 Kr. habe ich ZinS zu zahlen. W i e soll ich mit 6 Kr. einen Monat lang meine Kinder, meine Frau und mich ernähren?" Tränen treten dem jungen Mann in die Augen. Die junge Mutter in gesegneten Umstände« steht daneben, hat ein Kind am Arm, eines hält sich an ihren Kleidern fest und weint. Es ist ein Bild voll Jammer und Schmerz. Verzweifelnd ringt der junge Mann die Hände und sagt: „Meine Familie mutz ich durch die Gemeinde nach Schladming überstellen lassen. Die Wohnung wurde mir, weil ich den Zins schuldig blieb, gerichtlich gekündigt." ES fallen Tränen im Rosental. So unerbittlich handeln Menschen an den Mitmenschen. Würde der HeizhauSvor-stand in die unschuldigen Kinderaugen geblickt haben, er hätte nicht so handeln können. Wäre der junge Kohlenarbeiter beim Allgemeinen Rechtsschutz- und Gewerkschaftsberein, die Organisation ließe sich solch eine Behandlung nicht bieten. Daß der HeizhauSvor- stand so barbarisch Vorgehen kann — auch andere Arbeiter erheben Klage gegen ihn — daran sind die dort Beschäftigten selber schuld. Zuerst tut ihnen jeder Heller, den sie für die Organisation ausgeben sollen leid, wenn sie dann zu Schaden kommen, erkennen sie, daß es zu spät ist. Einem organisierten Eisenbahner gegenüber wird sich der Heizhausvorstand einer solchen Behandlung nicht bedienen. Für die k. k. Staatsbahn ist das ausgestellte Zeugnis im Arbeitsbuch, wo es heißt: „Wurde krankheitshalber entlassen", kein Ruhmesblatt. Es zeigt nur die profitgierige Seele des Staates als Arbeitgeber. Für 26jährige Dienstleistung eine Gnadengabe. — Das Los der Eisenbahnerpensionäre. Zu ebener Erde im Hause Nr. 63 wohnt ein Eisenbahnerpensionistenpaar. Ein Mann mit 67 Jahren liegt seit einem halben Jahr schwer krank im Bett. Er war 26 Jahre lang Nachtwächter bei der k. k. Staatsbahn in Bischofshofen. Er bezieht eine fortlaufende Gnadengabe von 29 K r. m o-n a t l i ch. Mit diesem Geld soll er leben. Die Gnadengabe erhält der im Dienst grau gewordene Mann mit folgendem Begleitschreiben: „Die Einstellung der Gnadengabe bleibt in dem Falle Vorbehalten, wenn die gegenwärtigen Voraussetzungen h i n-sichtlich der Würdigkeit und Bedürftigkeit nicht mehr in gleichem Maß zutreffen sollen." Die Würdigkeit und Bedürftigkeit dieses Mannes hört auf, wenn er tot ist. Dieselbe Wohnung, Kabinett und Küche, sehr klein, teilt mit dem Kranken eine Eisenbahnerswitwc mit einem zwölfjährigen Mädchen. Sie erhält 25 Kr. monatlich aus dem Pensionsfonds und 6 Kr. Erziehungsbeitrag. Zusammen 69 Kr. Davon werden 10 Kr. für die Wohnung, das übrige zum Leben und Kleiden für drei Menschen verwendet. Es fallen auf jeden 18 Kr. monatlich, täglich 60 H. Wären diese beiden Pensionisten nicht zusammengezogcn, eines allein hätte ein noch schlimmeres Dasein. Die Witwe betreut den Kranken und pflegt ihn wie eine Mutter. DaS zwölfjährige Mädchen ist skrofulös. Infolge der Krankheit ist cs in der Schule zurückgeblieben. Was mag wohl dieses Eisenbahnerkind für eine Zukunft haben? Sv leben die Pensionäre, Witwen und Waisen der k. k. Staatsbahn im Gnadenweg. Ein „adeliger" Eisenbahner. Im ersten Stock des Hauses Nr. 59 wohnt ein organisierter Magazinsarbeiter. Er ist schon 17 Jahre bei der k. k. Staatsbahn und bezieht einen Taglohn von 3 K r. Die Wohnung besteht aus einer Küche und einem größeren Zimmer, bewohnt werden die Räume von Mann und Frau. Der monatliche Zins beträgt 15 Kr. So freundlich die Wohnung ist, ist sie feucht. In der Küche und im Zimmer sind die Wände mit Nässeflecken bedeckt. Der Mann sitzt gerade bei seiner kargen Mahlzeit. An der Wand in der Küche hängt ein ritterliches Wappen. Ich frage den Mann, was das zu bedeuten habe. „Unser Wappen ist es." wird mir geantwortet, „es stammt aus dem 13. Jahrhundert." Der Mann nimmt das Wappen von der Wand. Auf der Rückseite steht folgende Erklärung: „Die Familie Rickl entstammt einem angesehenen Geschlecht aus Rackl in Ocfterrcichifch Schlesien, woselbst der Erste dieses Namens laut urkundlicher Aufzeichnung im allgemeinen deutschen Wappenbuch im Anfang des 13. JahrhundcrS von Kaiser Friedrich II. Wappen und Siegelrecht erhielt. Die heraldische Deutung der Wappeninsignien ist folgende: Der wag-rechte, geteilte Schild kennzeichnet die vielseitige Tätigkeit, die zusammengeknüpften silbernen Jagdhörner die Vorliebe zum Jagdwesen, der Helm die Tapferkeit, der grüne Büschel Wachstum und Gedeihen dieses Geschlechtes." „Von wo haben Sie dieses Wappen erhalten?" „Mein Großvater und mein Vater hab'n's schon immer verehrt. Mein Vater wollte sich schon den Adel kaufen, aber er hat immer g'sagt: »Was nützt der Titel ohne Mitte l.«" „Haben Sie Verwandte?" „O, große Verwandtschaft hab'n ina. In Böhmen, Ungarn, Amerika. In Preßburg is a reiche Verwandte g'storb'n, t bin aber bei der Erbschaft vorbcigegangen." „Ist das Wappen echt?" „Das echte hat mein Verwandter. A Freund auf der Bahn hat mas nachgez ,§net. Hab nur a Krone da,ue zahlt, wo anders hätt' i scho mehr dafür ausgeben müssen." Der Eisenbahner begnügt sich damit. Das Wappen kommt wieder an die Wand. Das Geschlecht Rickl wächst und gedeiht bei einem Taglohn von 3 Kr. „Wia lustig war's, wann ma a größere Wohnung hätt'n!" In einer Dachwohnung des Hauses Nr. 135 hat ein Oberbauarbeiter, ein braver Genosse, mit seiner ebenso treuen Kämpferin sein Quartier aufgeschlagen. Die Küche ist eng und länglich. Das Kabinett ist schmal, mit der Hand erreicht man den Plafond. Unter dieser schiefen Dachwand stehen zwei Betten und ein Tisch. A u ch d i e s e W o h n u n g i st feucht. Der Zins beträgt 11 Kr. In der kleinen Wohnung wohnen zwei Erwachsene und zwei Kinder. Die Folge der feuchten Wohnung ist Krankheit. Die Frau lag erst krank danieder. Diese vier Personen Paßen natürlich nicht viel Platz und leiden darunter. Die Mutter sprach den Wunsch aus: „Wia lustig war’s, wann ma a größere Wohnung hätt’n." Die arme Frau wünscht sich nur eine größere Wohnung und sie wäre luftig, fröhlich, trotz des harten Proletarierschicksals. Inland. Die Erpresserpraktiken bei der Aussig-Tepliber Eisenbahn. Es ist noch gar nicht allzulange her. daß in Oesterreich, und zwar vom Wiener Landesgerichte, Arbeiter rechtskräftig wegen des schimpflichen Verbrechens der Erpressung verurteilt wurden, weil ihre Weigerung, mit Unorganisierten in einem Betrieb zusammen zu arbeiten, den betreffenden Unternehmer veranlagte, diese zu entlassen. Die Erinnerung an diesen Fall wurde übrigens erst vor einigen Wochen durch ein ähnliches Erkenntnis geweckt, das das Bezirksgericht in Salzburg gefällt hat. Der Fall, um den es sich dabei handelt, betraf damals zwei Arbeiter, die wegen Ilebertretung deS Koalitionsgesetzes zu einer mehrtägigen Arreststrafe verurteilt wurden, weil sie mehreren ihrer Kollegen, die in einem Betrieb, wo der mit der Organisation abge- schlossene Kollektivvertrag nicht > eingehalten wurde, arbeiteten, nahegelegt haben sollen, sich nicht zu weiteren Vertragsbrüchen mißbrauchen zu lassen. Daß ein derartiges Urteil, wenn seine Konsequenzen zu einer Norm in der Rechtsprechung führen würden, geeignet wäre, den Gewerkschaften eines der wesentlichsten Fundamente zu ihrer praktischen Betätigung auf dem Gebiet des Arbeitsvertrages einfach zu entziehen, bedarf wohl keiner weiteren Begründung. Der korporative Arbeitsvertrag, der heute nicht nur in der gewerkschaftlichen Praxis eine immer größere Nolle spielt, sondern der auch bei den ernst zu nehmenden bürgerlichen Sozialpolitikern als die einzig mögliche Form des zukünftigen Arbeitsvertrages überhaupt angesehen wird, hängt einfach in der Luft, wenn es rechtlich verboten sein soll, auf seine Einhaltung und Durchführung zu dringen. Wo das Gesetz der Wirksamkeit des Kollektivvertrages den ausreichenden rechtlichen Schutz versagt, ist der Selbstschutz durch das solidarische Handeln der Arbeiter die einzige Möglichkeit, ernsthaft von einem foltef -tiven Uebereinroinmen überhaupt reden zu können. Da« ist auch der Standpunkt, der von den bürgerlichen Nationalökonomen von Ruf und Bedeutung, wie B r e n-t a n o und S o in b a r t, wiederholt mit allem Nachdruck betont worden ist. Aber es ist gut, daß solche Dinge, die natürlich von der bürgerlichen Presse immer wieder mit Behagen als Beiträge zu dem Kapitel vom „sozialdemokratischen Organisationszwang" fruktifiziert werden, ihre mehr als reichlichen Gegenstücke aus der Praxis der Unternehmer finden. Vor ein paar Tagen erst hat unser Aussiger Parteiblatt einen solchen Beitrag zu dem Kapitel „U n t e r n c h m e r t e r r o r i s m u s" geliefert: Der Inspektor D i t t r i ch der A u s s i g - T e p l i tz c r Eisenbahn läßt nämlich Eisenbahner, die Mitglieder des Allgemeinen Rechtsschutz- und Gewerkschaftsvereines sind, in seine Kanzlei rufen und sagt ihnen, daß sic entlassen oder pensioniert werden, wenn sie nicht aus der Organisation austreteu und dem gelben Verein der U n t c r b e a m t e n und Diener b e i t r c t e u. Der Aussiger Staatsanwalt hat den Herrn Inspektor bisher nicht des Verbrechens der Erpressung angeklagt. Aber es bedarf wohl kaum viel kriminalistischen Scharfsinnes, um nachzuweisen, daß dieser Fall rücksichtslosesten Unternehmerterrorismus alle Merkmale der E r p r e s s u n g au sich trägt, denn nach § 98 des österreichi scheu Strafgesetzbuches begeht das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit durch Erpressung nicht bloß derjenige, der a) „einer Person wirklich Gewalt antut. um. sie zu einer L e i st u n g, D n l d u n g o d e r ll n t c r lassung zu zwingen", sondern unter derselben Voraussetzung begeht aber dieses Verbrechen derjenige, der b) „mittelbar oder unmittelbar, schriftlich oder mündlich, oder auf eine andere Art, mit oder ohne Angabe seines Namens, jemand mit einer Verletzung am Körper. Freiheit, Ehre oder Eigentum in der Absicht bedroht, um von dem Bedrohten eine Leistung. Duldung oder Unterlassung zu erzwingen". und es ist, wenn das angedrohte Uebel geeignet war, dem Bedrohten Besorgnisse einzuflößen, gleichgültig, ob die Drohung einen Erfolg hatte oder nicht. Die Frage ist also wohl hier am Platze, Ivas geschehen würde, wenn die Sache umgekehrt läge und organisierte Arbeiter einen Unternehmer gedroht hätten, um ihn zur Entlassung Unorganisierter zu zwingen? Man kann überzeugt sein, daß das Einschreiten der Staatsgewalt todsicher wäre, und daß der Staatsanwalt ein leichtes Spiel hätte, die Anklage haltbar zu begrün den. Und wie würde die ganze gutgesinnte Preßmeuse ausheulen, über einen so eklatanten Fall von erpresserischem Organisationszwang, der ein energisches und gründliches Einschreiten der Staatsgewalt erheische, wenn inan nicht will, daß alle staatsbürgerliche Freiheit, die der einzelne genießt, für ausgehoben erklärt wird. So aber handelt es sich um einen Erpresserakt eines Unternehmers, der freilich so kraß ist, daß er kaum jnit irgendeinem ähnlichen Fall, der von Arbeitern verübt wurde, verglichen werden kann. Aber eben deshalb schweigt die ganze bürgerliche Presse, die sonst getreulich jedes Schimpfwort registriert, das irgendeinem Streikbrecher zugerufen wurde. Und auch die staatliche Gerechtigkeit wird die berühmte Binde kaum von den Augen nehmen und jenen Scharfsinn walten lassen, den man sonst gewohnt ist. wenn der Verüber einer vermeintlickien strafbaren Tat zufällig ein Arbeiter ist. * Tie Zündmittelsteuer. Ter Finanzminister hat dieser Tage die Regierungsvorlage über die „Zündmittelsteuer" im Abgeordnetenhäuser eingebracht. Die Steuer soll betragen: für S ch w e f e l z ü n d h ö l z ch e n 2 H. für jede Packung mit nicht mehr als 80 Stück Inhalt; für andere Zündhölzchen 2 H. für rede Packung mit nicht mehr als 60 Stück Inhalt; für Wachszünder 10 H. für jede Packung. 1 Die Steuer muß von den Fabrikanten vor der Weg bringung der Zündhölzer aus der Fabrik entrichtet wer den. Die Fabriken werden daher unter die ständige Kontrolle der Finanzbehörden gestellt. Auf jede Packung wird das Zeichen der Finanzbehörde gesetzt, daß die Zündhölzer besteuert wurden. Zündhölzer, deren Packung dieses Zeichen nicht trägt, verfallen dem Staat. Der Tag. an dem die Steuerpflicht in Wirksamkeit tritt, wird durch Verordnung bestimmt. Wer an diesem Tage Vorräte von Zündhölzern besitzt, muß die Steuer nachzahlen: doch bleiben Vorräte der Haushaltungen steuerfrei, wenn die Nachsteuer nicht mehr als eine Krone betrüge. Das Er trägnis der Steuer wird auf zehn bis zwölf Millionen Kronen geschätzt. Tie Regierung will also eine Steuer einführen, die den Preis der Zündhölzer auf weit mehr als das Doppelte erhöhen würde! Heute kostet ein Paket Zündhölzchen mit zehn Schachteln 12 bis 14 Heller; erlangt die Regierungsvorlage Gesetzeskraft, dann wird es 32 bis 34 Heller kosten! Die Regierung fürchtet nun. man werde, wenn die Zündhölzersteuer in Kraft tritt, zu Ersatzmitteln greifen: statt Zündhölzchen automatische Feuerzeuge verwenden. Darum legt sie auch auf diese Feuerzeuge eine Steuer! Die Höhe dieser Steuer soll „unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Feuerzeugtypen" durch Verordnung festgesetzt werden, keinesfalls aber mehr als zwei Kronen für jedes Feuerzeug betragen! Diese Feuerzeuge werden sogar noch schlechter behandelt als die Zündhölzer. Während nämlich Zündhölzer, die in da§ Ausland ausgeführt werden, von der Steuer befreit sind, ist von einer solchen Steuerbefreiung für in das Ausland ausgcführte Feuerzeuge im Gesetz nicht die Rede! So gefährdet das Gesetz die Lebensfähigkeit einer aufblühenden Industrie, die nicht wenige Arbeiter beschäftigt! Was wird daS Parlament mit dieser Vorlage beginnen? Die Erhöhung der Einkommensteuer für die Millionäre, für die Agrarier, für die reichen Klöster hat der Finanzausschuß abgelehnt. Will er trotzdem eine Steuer auf einen Bedarfsgegenstand bewilligen, den der ärmste Arbeiter, den die dürftigste Haushaltung nicht entbehren können? * Die Wirkungen dcS Krieges. Von den noch-jungen Gewerkschaften in BoSnien» i 'i.rzegowiua wird uns über die augenblickliche Situation geschrieben: Unsere junge Arbeiterbewegung hat jetzt eine schwere Krise durchzumachen. Alle Verhältnisse unseres Landes werden nämlich stark durch den Kriegsrummel in den Balkanländern, die unsere unmittelbaren Nachbarn sind, beeinflußt. Die wirtschaftliche Krise, die uns besonders tut Baugewerbe schon seit einem vollen Jahre drückt, ist durch die Kriegsgefahr allgemein geworden. Ein großer Teil der erwachsenen Männer ist schon zum Militär einbcrnfen und so den Familien entzogen, während die Zurückgebliebenen unter einer von Tag zu Tag größer werdenden Arbeitslosigkeit leiden, weil alle Geschäfte und Betriebe durch die Kriegsgefahr, in der das Land schwebt, stocken. All das würde uns noch nicht so schwer treffen, wenn uns nicht obendrein jede Bewegungsfreiheit genommen wäre. Das Vereins- und Versammlungsgcsctz wird von der Regierung völlig mißachtet. Sogar die üblichen Statuten der jüngst gegründeten Ortsgruppen unserer Verbände wurden von der Regierung, der sie eingereicht werden müssen, nicht „zur Kenntnis genommen", sondern untersagt. Sogar die Gründung eines Musikvereines wurde von der Regierung als staatsgefährlich untersagt. Alle diese Vereine und Statuten wurden sogar unter dem absolutistischen Regime vor sechs Jahren genehmigt. Unser Parteiorgan „Glas Slobode", das zugleich obligatorisches Organ aller Gewerkschaften ist, bleibt seit einiger Zeit ständigen Konfiskationen ausgcsetzt, die nach den hiesigen Preßgesetzen große Geldstrafen und andere Repressalien zur Folge haben, neben den üblichen Freiheitsstrafen. Unsere junge Bewegung wird dadurch auf eine Probe gestellt, von der das Resultat gar nicht vorausgesagt werden kamt. Sollte cs tatsächlich zu kriegerischen Verwicklungen kommen, dann ist die Bewegung zweifellos für lange Zeit gestört, wenn nicht gar vernichtet. Daher möchten wir die Augen der Internationale auf die Zustände hier lenken und ihre moralische Mithilfe, besonders durch die Presse, erbitten, damit die asiatische Willkür der Herrschenden gegen unsere kulturfördernde Tätigkeit in der Arbeiterbewegung nicht noch mehr erschwere. Der alleinige Herrscher in diesem Lande ist jetzt General Potiorek, der dem liberalen Ministerium Bilinsky in Wien untersteht. Dieses „liberale" Ministerium ist dabei bedeutend reaktionärer und rücksichtsloser als das absolutistische Regime, dessen wir uns vorher erfreuten. Um ganz freies Spiel zu haben, will man jetzt noch die letzte Stimme des Protestes, die aus der gedrückten Arbeiterschaft sich erhebt, ersticken, damit der Chauvinismus, der Absolutismus und ihre Begleit- und Folgeerscheinungen ihre üblichen Orgien feiern können auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, die heute schon von den Schatten des Krieges zu Rechtlosigkeit und wirtschaftlichen Not verurteilt ist.... * SchnapS- oder Fleischprämirn? Bekanntlich fördert der Staat die Gründung von Schnapsbrennereien, indem er den Brennern Prämien aus Steuergeldern zahlt — Prämien, die dem Staat alljährlich gegen 30 Millionen Kronen kosten. Nun schämt man sich aber doch, die Erzeugung des Fusels, der das Volk vergiftet, auch noch mit Millionen zu belohnen. Also hat man die Ausrede gefunden, die Schnapsprämien seien dazu notwendig, um die — Fleischversorgung zu erleichtern I DaS Abfallprodukt der Spirituserzengung, die Schlempe, wird nämlich als Futtermittel verwendet; die Spiritusbrennereien sind zugleich große Mastanstalten. Nicht Schnapsprämien, sondern Fleischprämien seien die Liebesgaben an das Alkoholkapital. Der Bericht über die Schnapsprämien. den der Abgeordnete Diamand an das Abgeordnetenhaus erstattet hat, reißt nun der Schnapspolitik sehr geschickt dieses Mäntelchen vom Leibe. Diamand weist nach, daß die Schlempe, die in den Spiritusbrennereien gewonnen wird, kaum zureicht, ein Hundertstel des österreichischen Viehstandes zu füttern. In der Tat hat trotz der Förderung der Schnapsproduk-tron der Viehstand abgenommen. Von 1900 bis 1910 ist die Zahl der Schnapsbrennereien von 1180 auf 1434 gestiegen, der Diehstand trotzdem von 9,511.000 auf 9,159.000 Stück gefallen. Die Liebesgaben an die Schnapsbrenner sind also kein brauchbares Mittel, unsere Fleischversorgung zu erleichtern. Nicht die Fleischproduk-tion, sondern die Schnapsproduktion fördert der Staat mit einem Aufwand von dreißig Millionen jährlich! Und dieses Opfer des Staates bereichert ein Häuflein reicher Kapitalisten und großer Grundbesitzer auf Kosten der Volksgesundheit, die der Alkoholismus zerstört. * Zur Sanierung oer Südbahn. Der „Frankfurter Zeitung" wird aus Wien telegraphiert: „Nächster Tage sollen die Verhandlungen der Vertreter der Südbahn mit der Regierung wegen der Sanierung wieder ausgenommen werden. Nach wie vor wird von seiten einer Großbank, die bisher dem Südbahnkonsortium nicht angehört, die Verstaatlichung oder eine Betriebsgemeinschaft mit den Staatsbahnen ange- regt, und man bringt mit dielen Absichten die zeitweilig größeren Käufe in Südbahnaktien in Zusammenhang, aber, die Schwierigkeiten werden nach tote vor als unüberwindlich gehalten. Für unerläßlich zur Sanierung hält man es, daß die Obligationäre noch größere Kapi-talsopser bringen, als im seinerzeitigen Projekt in Aussicht genommen waren." Ausland. Die Gewerkschaften in Serbien und der Krieg. Aus den letzten Schilderungen der Gewerkschasts-genosscn in den Balkanländcrn geht immer wieder hervor. welch ein entsetzliches Unglück der Krieg besonders für die Werktätige Bevölkerung ist. Solange eine solche Schilderung Ueberlieferng ist, kann sie mit allerlei echten oder vermeintlichen Heldentaten oder phantasie-belebenden Abenteuern beschönigt werden. Die Kehrseite der Medaille aber erkennen wir ans den Beschreibungen des Krieges der Gegenwart, aus den Beschreibungen solcher, die nicht auf Kommando, nicht zur Erhöhung des eigenen oder fremden Ruhmes, nicht auf Bestellung eine Darstellung des Krieges und seiner Begleitumstände geben, die vielmehr bei der Wirklichkeit bleiben und vor allen Dingen die kulturelle Seite dabei beleuchten. Auch der nachfolgende Bericht der serbischen Gewerkschafts-zeutrale zeigt die Wirkungen des Krieges auf das ganze Volk in einer Weise, die besonders für alle jene Arbeiter belehrend sein sollte, die sich bisher im Schlepptau der nationalistischen Phrasenhelden und Kriegshetzer befinden. Die serbischen Genossen schreiben unter anderem: ... Tie zu Anfangs September erfolgte Mobilisation bat die Reihen unserer Gewerkschaften 'rasch geleert. Etliche Tage später standen schon 90 Prozent aller organisierten Arbeiter unter der Militärgcwalt, in der Kaserne, auf dem Wege zum Schlachtleben. Sie hatten aufgehört, Privatpersonen mit einigen Freiheiten zu sein; sie waren zu Teilen der großen Militärmaschine geworden, deren Schicksal in den Händen einiger weniger liegt und die diese dazu benützen, Tod und Elend unter uns und unseren Nachbarn zu verbreiten. Aus ihrer friedlichen Kulturarbeit in Heim und Werkstatt, in der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung, waren sie herausgerissen und in den Dienst der Pseudo-Kultur des Schwertes gepreßt worden. Mord und Totschlag sind die Mittel. Ruhm und Beute für die Gewaltigen, und Not und Elend für die Masse des Volkes sind die Resultate dieser blutigen „Kulturarbeit". In den Tagen der Mobilisation, als die einzelnen Regimenter aus Belgrad an die Grenze zu ziehen begannen. kamen manche Genossen deprimiert und verzweifelt zu uns, ihr vielleicht letztes Lcbewobl zu sagen, in dem niederschmetternden Bewußtsein, ihre unversorgten Familien, ihre Partei und Gewerkschaft für ungewisse Zeit, vielleicht gar für immer, verlassen zu müssen. Wer immer noch einige Dinars besaß, hinterstest sie seinen Lieben, dabei selbst den schrecklichsten Entbehrungen und Strapazen entgegensetzend. Wer vermag ihre Leiden bei den Märschen, im Kampf, ia sogar während des Waffenstillstandes zu schildern? Viele mußten 500 und gar 800 Kilometer zu Fuß zurücklegen. obne Schlaf fast, hungrig, frierend und ermattet. Und alles das. ohne je die geringste Nachricht von den Ihren erhalten zu können, ohne zu wissen, was deren Schicksal geworden . Das Unternehmertum, triefend von Patriotismus, beeilte sich, die Kriegswirren in Profit für den, eigenen Geldbeutel umzumünzen. Alle Löhne wurden willkürlich herabgesetzt oder überhaupt ganz cinbebalten. Sicher sind Millionen den Arbeitern ans diese Weise genommen worden. Für viele Arbeiter, besonders für einige Tausend Bergarbeiter, wurde der rückständige Lohn für zwei und drei Monate einbehalten. DaS führte natürlich zu mancherlei Revolten, aber die Polizei stand wie immer den räuberischen Unternehmern bei. Sogar die große Gesellschaft für Eisenbahnbau in Ostserbten verweigerte die Auszahlung der Arbeitslöhne, und die Polizei lehnte es ab, für die notleidenden Arbeiter zu intervenieren. Entsprechend einem Beschlüsse der Gewerkschaft?-zentrale wurden sofort nach der Mobilisterungserklärung alle Arbeiterveremigungen in unser Volksheini verlegt und dorthin auch deren gesamtes Inventar geschafft. Bald waren alle Räume mit Schränken, Schreibtischen, Büchern u. s. w. gefüllt. Auch alle Wertsachen und Goldbestände wurden dem Kassier der Zentrale übergeben und Vorsorge getroffen, daß im Falle außerordentlicher Komplikationen alles in Sicherheit gebracht werden könnte. Den wenigen zurückgebliebenen Genossen, fast nur ganz junge oder ganz alte, wurden dann für ihre weitere Tätigkeit in unserem Sinne Anweisung durch besondere Zirkulare gegeben. Besonders ward auf die Notwendigkeit hingcwiescn, unser Zentralorgan zu verbreiten. Eine Anzahl von Streiks mußten sofort abgebrochen werden. Insgesamt gaben wir elf Streiks auf, an denen über 1000 Arbeiter beteiligt waren und für die wir schon über 15.000 Dinars auSgegeben hatten. Den Unternehmer war der Krieg auch eine willkommene Gelegenheit, die Gewerbegerichte zu suspendieren und so dem Arbeiter jede Möglichkeit ßu nehmen, ihr Recht zu suchen. Die wenigen noch beschäftigten Arbeiter sind also völlig der Willkür und Laune des Unternehmers ausgesetzt. In allen Werkstätten und Fabriken, wo für die Armee gearbeitet wird, hat man auf Kommando die Löhne bedeutend herabgesetzt und die Arbeitszeit um 20 bis 50 Prozent verlängert. In allen Staatsbetrieben werden den Arbeitern obendrein regelmäßige Abzüge für das „Rote Kreuz" gemacht! Jede sozialpolitische Aktion ist leider ebenfalls unterbunden, während die Negierung nach Belieben Verschlechterungen der dürftigen Schutzbestimmungen vornimmt, die wir mit so viel Mühe im Parlament früher errungen haben. Schon am 5. September v. I. hielt die Arbeiterkammer eine Plenarsitzung ab, um gegen die Sabotage zu protestieren, wie sie die Herrschenden gegen alle sozialen Gesetze anwenden. Wie sehr die Tätigkeit der Organisationen durch den Kriea behindert ist, beweist der Umstand, daß wir in der ganzen Zeit von den angeschlossenen 300 Gruppen nur acht Briefe erhalten konnten. Dabei werden die Genossen im Innern des Landes in der schlimmsten Weise behandelt. Ihre Zusammenkunfträume sind geschlossen oder in Ställe und Magazine verwandelt, die geringe Habe der Organisationen ihnen genommen und vielfach vernichtet worden. Militär- und Polizeigewalt, die sich als die Herren der Situation fühlen, wetteifern in der Schikanierung der werktätigen Bevölkerung. Die Gendarmen treiben Männer und Frauen, die sie arbeitslos in der Straße oder im Kafschause sehen, sogar solche, die zu Hause sitzen, mit Gewalt zur Arbeit in den Werkstätten, die überall für die Armee errichtet sind, oder auf die Bahnhöfe, ja sogar in Privatbetriebe. Fast alle unsere alte» und ganz jungen Genossen, die zum Heeresdienst untauglich waren, sind so gezwungen worden. 15 bis 20 Stunden ohne Lolin zu arbeiten. Ihre Entschädigung besteht in einem Brot per Tag und in der. Militärtortur, der auch sie ausgcsetzt sind.... Die Tätigkeit der Polizei aber stellt in der Tat den Höhepunkt der mittelalterlichen Roheit dar, wie sie nur der Krieg mit sich bringt. Die Polizei fängt alle unbeschäftigten Arbeiter, auch solche, die fast ganz unfähig zur Arbeit sind, auf, um ihre Arbeitskraft den Unternehmern, in der Bauindustrie und im TranSPortgcwcrbe gratis zur Verfügung zu stellen. Erst kürzlich ist es uns durch Proteste bei den Behörden gelungen, diesem gesetzwidrigem Treiben der Polizei etwas Einhalt zu gebieten. Jetzt hat man die „freien" Arbeiter nach Möglichkeit durch Zuchthäusler ersetzt. So arbeitet z. B. die deutsche (!) Zuckerfabrik in Belgrad mit 200 solcher Zuchthäusler. Um ihren Patriotismus zu zeigen, richtete sie in ihren Arbeiterwohnungen ein kleines Krankenhaus für die Verwundeten ein. Die betreffenden Arbeiterfamilien aber wurden einfach auf die Straße gesetzt! Während die Masse des Volkes hungert und nach Brot schreit, ersetzen die Fabrikanten sogar die früher so bevorzugten Frauen und Kinder durch die noch billigeren Zuchthäusler. Wie weit die Raubgier mancher Leute geht, zeigten die Kommentare der bürgerlichen Presse beim Eintreffen der ersten Kriegsgefangenen, Türken und Albaner, die als wohlfeile Arbeitskraft begrüßt wurden Die im Felde stehenden serbischen Arbeiter müssen ibr Blut vergießen und Gefangene machen, damit zu Hause ihren Frauen und Kindern die letzte Arbeits- und Verdienstmöglichkcit genommen werde. Welch ein Hohn auf die patriotische Begeisterung gewisser Schichten! * Chinesische Eisenbahnprojekte. Daß daS angelsächsische Kapital mehr als daS Zitier anderen Nation von der wirtschaftlichen Eröffnung Chinas profitieren werde, war nach, Lage der Dinge zu erwarten. Seit einiger Zeit wird mit britischen Finanz-Instituten über den Bau von Eisenbahnen unterhandelt. Jetzt ist Suuiatscn von feiner Regierung beauftragt worden, demnächst in London die Unterhandlungen durch feste Verträge ab'uschließen. Mit dem Eisenbahnbau werden eine Anzahl wichtiaer Minenkcnzesstouen verbunden sein. Daß es sich hier um eine Milliardenbent-' handelt, ist hinlänglich bekannt. Ehe aber mit dem Abbau der ungeheuren Naturschätze des Riesenreichs begonnen werden kann, muß natürlich das Eisenbahnprojekt. teillveise wenigstens, realisiert sein. Zur Ausarbeitung der Pläne für das Bahnnetz wurde schon vor Monaten die „Korporation der chinesischen Nationntbahu" mit dem Sitz in Schanghai gc-geschaffcn. Wenn ihre Pläne irgend etwas vermissen lassen sollten, dann jedenfalls nicht die Großzügigkeit. Es wird der Bau von ?nn nno Li (96.000 Kilometer) Brünen innerhalb zehn Iabrem beabsichtigt. T' führung dieses gigantischen Unternehmens soll von Anfang bis nt Ende als reine GrfchästSfockw, ohne icdc politische Beeinflussung oder politische Vorteile, betrachtet werden. , ; , Nun ist bis jetzt der chinesische Geist nicht an große Geschäfte gewäbnt g....,.n. Er hat bislang mit irnev' > kleineren Zahlen und ^ • n<”-»*net Ganz mit Recht wird befürchtet, daß die Chinesen kein Verständnis für die Größe des Planes baben. ihm mit Angl- "b-a-feit oder bangen Zweifeln begegnen würden. Dieser Eventualität versucht Suniatten mit der Ausführung deS amerikanischen Beispiels vorzubniaen. In den Bereinigten Staaten seien zwischen 1881 und 1890 60.000 Meilen Bahn gebaut worden, obgleich damals dort die Hilfsmittel, Arbeiter u. s. w. nicht in dem Maße vor-handen gewesen seien wie in China. Ter Bau von 96.000 Kilometern Bahn erfordert 12.500 Millionen Mark. DaS ist ohne Zweifel eine sehr-große Summe; allein sie ist unbedeutend im Vergleich zu den ungeheuren Vorteilen, die diese Bahnen bringen, wenn sie vollendet sind. .. r.. Nach Sunjatfen bietet die Aufbringung der 12.500 Millionen keine unübersteigbaren Hindernisse. Die Hauptsache bei dieser Frage sei die Stellung des chinesi-scheu Volkes. Wenn dieses die Vorteile eines ausgebauten Bahnnetzes, wodurch ein sicherer, schneller und billiget-Transport gewährleistet wird, einsehe dann würde die Realisierung deS Bahnprojekts gesichert sein. * Die Lage der Transport- und VerkehrSarbrtter in Bulgarien während des Krieges. Von einem unserer Vertrauensleute erhalten wir aus Sofia folgenden Situationsbericht: Die Mobilisation und die Kriegserklärung haben bei uns eine Stockung in der ganzen Arbeiterbewegung hervorgerufen. Von den 10.000 in unserem Gewerkschaftsbund organisierten Arbeitern sind kaum 500 außerhalb der Armee — hauptsächlich sind es Arbeiterinnen — geblieben. Die Eisenbahnen, die Telegraphen und die P o st wurden sofort militarisiert und gleichzeitig wurden die Eisenbahn-, Telegraphen- und Postangestellten unter die Kasernendisziplin, die bet uns sehr streng und unmenschlich ist, gestellt. Unser Transportarbeiterbund war gezwungen, feine ordentliche Tätigkeit und das Erscheinen seiner Zeitungen einzustellen. Letzteres wurde von der groben Militärzensur, die keine Arbeiterorgane, besonders keine sozialdemokratischen, duldet, herbeigeführt. Lange Zeit nach der Mobilisation (30. September 1912) hat die Direktion der Straßenbahn in Sofia den Betrieb wieder hergestellt, indem sie sich der nicht zum Militär einge-zogenenArbeiter, nebst anderen neuen Angestellten, hauptsächlich Schülern der oberen Gymnasialklassen. bediente. Die Lage dieses Presonals ist elend. Die Linien und die Wagen sind beschädigt, das Personal ist ungenügend und unerfahren. Der Arbeitstag dauert 15 bis 18 Stunden und die Üebeltaten der Direktion, die skrupellos die gegenwärtige außerordentliche Lage ausnützt, sind renzenlos. Infolgedessen sind die Katastrophen sehr äufig. Seit der Mobilisation hat es fünf Katastrophen gegeben, unter denen eine Katastrophe mit schweren Folgen für die Arbeiter Verbunden war. Bei dieser Katastrophe verunglückten acht Personen, darunter sechs schwer, die mehr als einen Monat in einem der Militärkrankenhäuser in Sofia als Patienten Verbleiben mußten. Die Direktion lehnte cs ab, für die Verunglückten Arbeiter und für ihre unglücklichen Familien zu sorgen. Fast alle Hafenarbeiter sind auf dem Schlachtfeld. Die wenigen, die aus Verschiedenen Gründen zurückgeblieben sind, wie cs der Fall in 23cmm ist, sind ohne Arbeit und infolge der Sperrung des Hafens am Schwarzen Meer (für die Handelsschiffe) dem Hunger ausgesetzt. Die militarisierten Telegraphen- und Postang:-siellten haben eine riesige Arbeit zu bewältigen. Ihre Zahl im Frieden war nicht genügend, jetzt aber ist ein großer Teil Von ihnen, außer für die Befriedigung der Armcebedürfnisse, in die in den neueroberten Ländern Hingerichteten neuen Bahnhöfe und Telegraphenstationen geschickt, wo sie ohne Bequemlichkeiten eine ihre Kräfte übersteeigende Arbeit zu machen gezwungen sind. Das Schicksal der Eisenbahnarbeiter ist am schwersten. Mit der Eisenbahnverwaltung wurde ein höherer Offizier betraut. Der Eisenbahnminister wurde vom Miinsterrat als General ernannt. In jedem wichtigeren Bahnhof wurde ein Kommandant angestellt. Die ganze Verwaltung des Eisenbahnverkehrs liegt in den Händen van Militärpersonen, die vom Eisenbahndienst nichts verstehen: überall mischte sich das Militär ein und gab Befehle, ohne Erklärungen zu dulden. Außerdem verfügen unsere Eisenbahnen je nach ihrer Größe über kein genügendes bewegliches Material, noch weniger über genügendes Versonal. und die Bahnhöfe sind mit ungenügenden Ausweich- und Abstell-geleisen versehen. ___ Bei diesem Stand der Dinge war der Transport des Heeres an die türkische Grenze und der bis jetzt dauernde Transport von Nahrungsmitteln und Munition eine schreckliche Strafe für die Eisenbahner. Seit 3\4 Monaten wurde keine Lokomotive ausgelöscht und kein Waggon aufgehalten. Lokomotivführer und Heizer fahren ununterbrochen, ohne Ruhe, nicht stundenlang, sondern Tag und Nacht. Zugsführer, Schaffner und Bremser fahren ganze Wochen ununterbrochen. Die Klagen des Eisenbahners, daß er müde sei und keine Kräfte mehr habe, zu arbeiten, wird von den Militärkommandanten mit Schimpfen. Arretierungen und der Bedrohung mit dem Kriegsgericht beantwortet. , Die Lokomotiven sind infolge der langen und ununter- j brochenen Arbeit beschädigt und reparaturbedürftig. Sie müssen anormale Güterlasten über unsere gefährlichen und mit großen Steigungen versehenen Linien bewegen und wehe dem Lokomotivführer, der zu sagen gewagt hätte, daß die Lokomotive beschädigt und für keine Arbeit geeignet sei. Nein, nach der militärischen Auffassung muß er sogar mit defekter Lokomotive fahren. Hiefür ein Beispiel: Die Entfernung zwischen Philippopel und Tir-nowo-Seimen — der letzte Bahnhof bei der türkischen Grenze gegenüber Adrianopel — beträgt 100 Kilometer. Diese Strecke wird jetzt gewöhnlich in zwei bis drei Tagen durchgefahren, weil nmn vor dem Semaphor eines jeden Bahnhofes so lange warten muß, bis man eine Linie im Bahnhof freigemacht hat: manchmal muß man 24 Stunden auf dem Bahnhof bleiben, weil andere früher angekommene Züge weiterfahren müssen oder bis aus nächster Station mitgeteilt wird, daß eine Linie oder ein Stück der Linie frei ist u. s. w. Während dieser Zeit muß das Personal auf seinem Posten sein, die Maschinen unter Dampf bereit halten, weil man jede Minute den Befehl bekommen kann, weiterzufahren. Man trifft auf dem letzten Bahnhof ein. Sehr oft kommt es vor. das; man gar keine Zeit hat, um zu essen (von Ruhe ist keine Rede), weil man einen anderen Zug denselben Weg zurückfahren muß. Wenn das Personal in der ersten Zeit diese Lage noch ertragen konnte, so ist es jetzt aber ganz ermüdet und niefit mehr imstande, über die Sicherheit des Verkehres zu wachen. Viele von unseren Kollegen sind krank, aber eS gibt auch, infolge dieser unerträglichen Verwaltung, einige tödliche Unfälle. In letzter Zeit sind sechs Unfälle bei unseren und bei den in der Türkei eroberten Eisenbahnen borge-kommen. Es waren jedoch wenige Menschenopfer zu beklagen. weil es sich um Giitmiiric handelte. Seit der Eroberung der türkischen Eisenbahnlinien, die noch primitivere Einrichtungen auf ihren kleinen Bahnhöfen haben als wir (ahne Semaphore), hat sich die unterträgliche Lage der Eisenbahner unglaublich verschlechtert. Die in die neueroberten Länder gesandten Eisenbahner haben nicht die notwendigsten Nahrungsmittel. Sie sind oft gezwungen, für ein Kilogramm Brot 1 Frank, oft sogar mehr zu zahlen. Während die Minister und die Militärkommandanten früher ihrer Zufriedenheit mit der hervorragen, den Leistung der Eisenbahner offen Ausdruck gaben, bekommen die Eisenbahner nun. nachdem viele von ihnen ihre Gesundheit eingebüßt haben, die eiserne Faust des Militarismus zu spüren. Sie werden für die kleinsten Vergeheil den Kriegsgerichten übergeben und sehr streng bestraft. Fünf Lokomotivführer und zehn andere Eisenbahner wurden entlassen, einige Lokomotivführer wurden den Kriegsgerichten übergeben. Ein Prozeß wegen Ungehorsams der Behörde gegenüber ist schon beendet und der Angeklagte mit der mildesten Strafe — mit zwei Monaten Zuchthaus — bedacht worden. Das Kriegsgericht will gar nichts davon wissen, daß das Personal von der schweren Arbeit erdrückt wird, daß das bewegliche Material ganz ungenügend ist und daß die einfachsten Anordnungen von den Militärbehör- den nicht angewandt werden. Für das Kriegsgericht gibt es nur „schuldige" Eisenbahner, die sehr streng behandelt werden müssen, um als abschreckende Beispiele für die übrigen Eisenbahner zu dienen. Nach dem Kriege erwartet uns eine riesige,Arbeit, um uns vo>i diesen Schlägen zu erholen. Es wird viel davon abhängen, wie viele und welche unserer Genossen aus dem Kriege zurückkehren werden: aber es wird auch vom moralischen und materiellen Beistand abbäiigen, den wir vom internationalen Proletariat erwarten. * Zentralisation der englischen Eisenbahnerverbände. Die drei wichtigsten Verbände der englischen Eisenbahnangestellten, nämlich die Genossenschaft der vereinigten Eisenbahnangestellten, der Allgemeine Eisen-bahnarbeiterverband und die Genossenschaft der vereinigten Signalwärter und Weichensteller haben beschlossen. sich unter dem Namen N a t i o n a l v e r b a ii d der E i s e n b a h n a n g e st e l l t e n zusammenzu-schließen. Der neue Reichsverband der Eisenbahner umfaßt über 180.000 Mitglieder und ist somit die st ä r k st e Einzelorganisation unter den englischen Gewerkschaften. Er besitzt ein Vermögen von 10 Millionen Mark. Nur eine Eisenbahnergewerkschaft, in der etwa die Hälfte der Lokomotivführer und Heizer organisiert sind, steht noch außerhalb des Reichsverbandes: ihre Mitglieder stimmten für Föderation und gegen Verschmelzung. Der neue Verband dürfte sechs Siebentel aller organisierten Eisenbahner umfassen, und man erwartet zuversichtlich, daß seine Bildung die Zentralisationsbestrebung innerhalb der britischen Gewerkschaftsbewegung mächtig fördern wird. Aus dem Gerichtssaal. Eine Verleumdung dkS Simon Starck. F alk c n o u a. d. E.g e r. Der berüchtigte Jnlerpellationshändler und freisozin-listische Abgeordnete Simon S t a r ä hatte sich in einer vor dem hiesigen Bezirksgericht am 10. d. M. stattgefundenen Verhandlung über eine EhrenbeleidigungSklage zu verantworten, die die Leitung des Allgemeinen Rechtsschutz - und Gewerkschaftsvereines gegen ihn eingebracht hatte. Starck batte nämlich vor einigen Monaten behauptet, die sozialdemokratische EifenBahnerorganifation sei eine Betrugsaustalt. Wie immer, wenn diesen Menschen eine der vielen EhrenBeleidigungS-klagen zu erreichen droht, hatte Starck auch diesmal seine vom Parlament verlangte Auslieferung über die Verjährungsfrist hinauszuziehen verstanden, um auf diese Weise einer stras-gerichtlichen Verurteilung auszuweichen. Wie vorauszusehen war, fällte auch aus diesem Grunde der Richter ein freisprechendes Urteil, da er annahm, daß das begangene Delikt bereits verjährt sei. Daß Herr Simon Starck ein Ehrenmann ist, der von seiner Immunität den entsprechenden Gebrauch macht, ist also wieder einmal im Gerichtssaal bewiesen worden! Rentenerhöhung. Alois P s e s f e r. Verschieber der £. k. StaatSbahnen, erlitt am 27. März 1008 in der Station Ahling einen Unfall. Pfeffer war in der Nacht des 27. Marz als Verschieber tätig und stieß beim Aussteigen aus einem verschobenen Wagen in der Finsternis mit dem rechten Fuß an einen Bremsklotz an. Psefser war infolge dieses Unfalles fünf Wochen krank und arbeitsunfähig, trat aber nach dieser Seit wieder seinen Dienst an. Im September 1012 wurde Pfeffer pensioniert und machte nunmehr für die Folgen des Unfalles, da er noch immer Schmerzen im rechten Futz litt, Ansprüche bei der BcrufSgenossenschaftlichen Unfallverjiche-rungsanstalt geltend. Die Unfallversicherungsanstalt wies Pfeffers Ansprüche ab, mit der Behauptung, datz Unfalls-solgen nicht mehr vorliegen. Gegen diese Entscheidung brachte Pfeffer durch Doktor Leopold Ehrlich beim Schiedsgericht der Berussgeuossen-schaftlichen Unfallversicherungsanstalt Klage ein, in welcher er ausführte, daß er infolge des Unfalles noch immer an Schmerzen und Beschwerden am Fuß leide. Der Umstand, daß er vier Jahre nach dem Unfall noch Dienst gemacht habe, könnte zu seinem Nachteil nicht geltend gemacht werden, da er eben bemüht war, trotz der Schmerzen, solange e5 ging, seine dienstlichen Obliegenheiten zu erfüllen. Bei der am 25. Immer 1018 vor dem Schiedsgericht unter Vorsitz des OberlandcsgerichtSrates Dr. Cap durch-geführten Verhandlung gaben die Sachverständigen Professor Dr. v. Stejskal und Professor Dr. Reuter ihr Gutachten dahin ab, dah bei Pfeffer allerdings noch gewisse Beschwerden im rechten Futz vorhanden seien, deren Zusammenhang mit dem Unfall angenommen werden könne, und datz die Einbuße an Erwerbsfähigkeit mit zirka 20 bis 25 Prozent geschätzt werden könne. Angesichts dieses Gutachtens erklärte sich die beklagte Anstalt bereit, die Ansprüche Pfeffers anzuerkennen und verpflichtete sich, Herrn Pfeffer eine in o n a t-li ch e R e n t e v o n 2 2'5 P r o z e n t und an Nachzahlung einen Betrag von K r. 113 — sowie die Gericht 5 koste n zu Bezahlen. Streiflichter. Die Sißimllcine um Rücken der Zugbegleiter. Ist eS denn überbaupt wahr, datz die Menschheit in puncto Kultur-fortschritt sich in dem Matze entwickelt, wie eS die Gelehrten in Büchern und Schriften, in Vorlesungen und Vorträgen behaupten? Gehen wir nicht unmerklich wieder zurück zum Mittelalter, um schließlich dort zu landen, wo unsere Urahnen gestanden sind? So oder ähnlich möchte man fragen, wenn man die letzten Verfügungen des Eisenbahnministeriums durchlieft, iu welchen den Zugsbegleitern als personelle Ausrüstung, welche im Dienste stets mitzuführen ist, der Heizschlauch und dreißig Meter Signalleine aufgehalst wird. Abgesehen davon, dah die Zugsbegleiter ohnehin schon mit Zugausrüstungsgegenftänden reichlich ausgestattet sind, kommt bei diesen zwei Gegenständen doch hauptsächlich iu Betracht, ob diese Anordnung bei Abwicklung des Verkehres sich als praktisch erweisen wird. Zum Beispiel, ein Güterzug soll von Wien-Westbahnhof nach Amstetien abgehen, die ZugS-lokomotive kommt erst drei Minuten vor der Abfahrt zum Zuge, weil die Verschiebung in der Regel nie früher beendet ist. Nun kommt der Kondukteur mit der Signalleine, hat ein Ende derselben dem Heizer zum Befestigen an der Dampfpfeife zu übergeben und dann die Leine über Lokomotive und Tender bis zum erster Bremsposten zu spannen. Ein anderer Kondukteur kommt mit dein Heizschlauch, um Lokomotive und Dienstwaaen damit zu verbinden. Wird sich daS alles in drei Minuten abwickeln lassen? Wird durch daS Spannen der Signalleine der Zug nicht ost sehr beträchtliche Verspätungen erleiden, weil das Verwickeln und Hängenbleiben einer Leine, welche sich meistens in zusammengerolltem Zustande befindet, unvermeidlich ist? Anderseits wird sich die Zahl der Unfälle auch sehr stark steigern, weil durch das Spannen der Leine in der AuSgangöstation, sowie daS ABnehmen in der End-oder Personalwechselstatiou das Besteigen der Lokomotive, 6c-ziehungsweife des Tenders und Dienstwagens, notwendig ist und deshalb Abrutschungen und Abstürze häufige Erscheinungen sein werden. Wir fragen unS nun, waS Wohl der Anlatz zu diesen ministeriellen Matznahmen gewesen sein kann, können aber trotz eifrigen Nachdenkens keinen stichhältigen Grund entdecken, cs wäre höchstens der Abschluß mit der zu liefernden Firma, welche unter Umständen den betreffenden Referenten auf diese geniale Idee gebracht haben könnte. Wenn wir in Betracht ziehen, datz die Signalleine bis; vor kurzer Zeit auf jeder Lokomotive als JnventargegenstaNd ' gegolten hat und diese Leine auch stets in gespanntem Zustande an der Darnpfpseife und an der Rückwand des Tenders befestigt war, so datz die Verbindung der Lokomotive mit dem Dienstwagen, ohne Gefährdung der persönlichen Sicherheit, in stehender Stellung meistens in einer Minute möglich war, währenddem heute die Signalleine erst zur Lokomotive getragen. dort ausgerollt uno mit Hilfe des Heizers befestigt und gespannt werden mutz, um nach beendeter Fahrt dieselbe wieder abzunehmen, zusammenzurollen und wieder mit den anderen Ausrüstungsgegcnständen zu deponieren, so bedeutet dies nicht nur Zeitverlust und Absturzgefahr, sondern cs geh: auch ins Lächerliche und nennen die Zugsbegleiter diese Neu-einführung: das Rotz beim Schwanz aufzäunen. Ein ähnliches Verhältnis würde es auch fein, wenn die SchiffSleute nach beendeter Fahrt die Anker, Ketten und Seile mit nach Hause nehmen mutzten, oder der Kutscher nach jeder Fabrt gezwungen wäre, die Schleife oder den Hemmschuh seines Wagens abzumontieren, um diese Gegenstände biS zur Wiederverwendung in seiner Wohnung zu verwahren. Man liest sehr oft von der Vereinfachung des Dienstes beim Eisenbahnministerium und hofft deShaib auch auf eine Vereinfachung bei der praktischen Durchführung des Verkehres. Aber wir hofften in der Regel umsonst, anstatt vereinfacht und erleichtert komplizierter und beschwerlicher, anstatt Einführung moderner Reformen Rückgang in die Kinderjahre der Eisenbahnen. Am meisten leiden unter dieser Anordnung die Zugs Begleiter und von diesen wieder am empfindlichsten jene, welche mit Güterzügen fahren, weil die Leinen derart mit Del getränkt sind, datz sie tropfen und von diesem Personal fori-während hin und hergetragcn. Bei jedem Zug angebracht und abgenommen werden müssen, wodurch die Stlcidcr der betreffenden Zugsbegleiter vorzeitig unbrauchbar werden und nicht einmal die halbe Tragzeit damit ausreichen. Endlich wollen wir jene Faktoren, durch welche diese Anordnung zustande kam, aufmerksam machen, datz sie die dadurch eintretenden Unfälle am Gewissen haben und dieselben nicht imstande sind einem eventuell durch diese Einführung verunglückten Kondukteur feine geraden Glieder, beziehungsweise seine Gesundheit wieder zu geben. Mit der schwachen Hoffnung, datz diese Zeilen dazu beitragen, damit diese rückständige Verfügung wieder zurückgenommen und Heizschlauch und Signalleine wieder als permanente Ausrüstung der Lokomotive zu gelten hat, wollen wir einstweilen abwarten, wie weit unsere Eisenbahnbureaukraien noch vernünftigen Erwägungen zugänglich sind. Die Unsicherheit des Verkehres mif der Wiener Dona» nferbahn. Die Donauuferbahn, welche von Kaifer-Ebersdors Bis Wien Brigittenau eine Ausdehnung von dreizehn Kilo Metern hat, ist eine Linie mit Sekundärbctrieb, das heitzt, die Bahii ist nirgends durch Schranken oder Einfriedung abgesperrt. Aus diesem Grnnde ist cs nicht nur Fußgängern, sondern auch Fuhrwerken aller Art möglich, noch kurz vor Passieruug eines Zuges die Geleise zu übersetzen. Uneingeweihte werden nun sagen, datz dieö auf jeder Sekundärbahn der Fall ist und aus diesem Grunde die Züge ja auch eine den Verhältnissen entsprechend lange Fahrzeit haben. Diese Behauptung mag im Allgemeinen auch zutressen. doch auf der Wiener Donauuferbabn können diese Argumente deshalb keine Anwendung finden, weil auf den dreizehn Kilometern Bahnlänge zirka dreißig unbewachte, meistens statt frequentierte Ucbcrsetzuiigcn kommen. Ans diesem Grunde ist cs auf dieser Strecke auch schon sehr oft zu Karambolagen mit Fuhrwerken, Verletzung, beziehungsweise Tötung von Menschen und Tieren gekommen. Die Kosten der aus diesem Grunde gezahlten Entschädigungen und Renten haben gewitz eine beträchtliche Höhe erreicht und sollte der Bahnverwaltung doch eigentlich ganz von der Gedanke gekommen fein, auf irgendeine Art hier Abhilfe zu schaffen. Doch daS scheint bis heute nickt der Fall gewesen zu sein, denn sonst mühte sich in dieser Beziehung doch bereits so viel geändert haBen, daß anf den am stärksten frequentierten Übersetzungen Wächterposten ausgestellt werden. Bi-, heute Bat sich die Bahnverwaltuitg nur darauf beschränkt, nach jedem vorgekommenen Unfall umständliche Untersuchungen und Erhebungen durchzuführen, um eventuell diesem oder jenem Bediensteten vielleicht doch irgendeine Außerachtlassung der Dienstvorschriften nachzuweisen, um ihn dann als Sünden-bock empfindlich zn strafen. Es ist, wenn man die Verkehrsverhältnisse auf dieser Strecke näher betrachtet, fast unglaublich, datz heute solche Zustände auf einer Eisenbahn, welche im GeineindegcBict von Wien liegt, üBerhanpt noch existieren. Knapp vor Passierung der Züge fahren die Fuhrwerke über die Geleise und niemand ist da, welcher diescIBen auf die Bestehende Gefahr aufmerksam macht, beziehungsweise im kritischen Moment vom Ucbcrset>'N der Geleise zurückhält. Am Besten können in dieser Beziehung auf folgende» Uebersetzungen die Beobachtungen gemacht werden: Bei den Donau-Sandwerken, beim Lagerhaus der Donau-DampffchiffahrtSgefellschaft, Beim Haferdepot Sieg mund Kaufmann, bei der Zollexpositur Zwischen!)rücken, bei der Ersten Wiener Walzmühle, Beim Dampffchifflandung^ Platz, bei dem Lagerhaus der ungarischen Fluß- und Seeschiff-fahrtsgesellschaft und Bei der Zollexpositur Donaukai. Wenn ein Zug diese Strecke ohne Zwischenfall passiert hat, so kann das betreffende Personal vom Glück sagen. Am meisten hat durch diese Zustände aber das Personal der dort verkehrenden Personenzüge zu leiden, weil dir Geschwindigkeit dieser Züge doch eine erheblich größere a!8 der dortigen Güterzüge ist und im Gcsahrsfalle dem Lokomotivführer nur die einfache Vakuumbreinse zur Verfügung steht. Seite 10 Wien, Donnerstaq - — «»»„»>»» --------------------------------------------- Taucht kurz vor solchen Zügen ein Hindernis auf, so kann der ! Zug nicht so schnell als notwendig anhallen, weil die Wirkung »er einfachen Vakuumbremse für solche Fülle eine viel zu lang« iernte ist und es kommt deshalb meistens zu einem Karambol, i iiiodurch nicht nur das Zugspersonal, sondern auch die weisenden in ihrer persönlichen Sicherheit gefährdet sind. Würden diese Züge automatisch gebremst, so würden sich durch Anwendung der Schnellbremse viele Unfälle verhüten lassen. Also weg mit der altmodischen, überlebten und unverläßlichen einfachen Bremse und heraus mit der automatischen Bremsung dieser Züge, denn diese Anordnung würde nicht einmal Kosten verursachen, weil Wagen und Lokomotiven für automatische Bremsung eingerichtet sind. Zum Schluß fragen wir nun, ob denn dies alles so sein muß. beziehungsweise ob denn keine Behörde da ist, welche die Erkenntnis ausbringt, daß das Fortwursteln in oben geschilderter Weise endlich ein Ende nehmen muß? Hat v§ der Verkehrskonirollor dieser Strecke noch nicht für notwendig befunden, eine Eingabe zu machen welche die Ab-schließnng der Uebersetzungen mit Schranken als dringend notwendig verlangt? Haben die Organe der Generalinspektion auf dieser Strecke noch nie etwas bemerkt, welches reform-, beziehungsweise abänderungsbedürftig wäre, oder inangelt es diesen Herren an Erkenntnis, beziehungsweise Auffassungsvermögen? Schließlich machen wir auch die Sicherheitsbehörde auf diese schrankenlose Bahn aufmerksam und hoffen, daß es dein Zusammenwirken aller hier genannten Faktoren gelingen wird, aus dieser in puncto Verkehrssicherheit zurückgebliebenen Strecke eine moderne, dem heutigen Verkehr entsprechende Anlage zu machen. Sljflcmlotigtcit bei Verhängung von Disziplinarstrafen hei der SÜdbah». Die Südbahndireltionen wollen sich den Ruhm erwerben, durch Verhängung von drakonischen Strafen ihren Bediensteten Moral und Pflichtbewußtsein beiznbringen. Vorerst müssen wir uns die Frage verlege», ob die Südbahnverwaltung stets eine solche Strenge bei Bestrafungen an-gewendet hat, alö dies in' letzter Zeit geschieht. Durch viele -itahrc hindurch war die Verhängung einer Disziplinarstrafe l-edingt durch das Kontrollorgan, das das Protokoll aufge-tommen hat. Der Bedienstete war bisher der Launenhaftigkeit des Kontrollors cmsge setzt und wird cs bleiben, solange eine derartige Judikatur sich das Personal gefallen lassen wird. Wenn in früheren Jahren ein Kondukteur bei Personen- oder Schnellzügen sich eine sträfliche Nachlässigkeit zuschulden kommen ließ, so hatte man sehr unterschiedlich be-jtraft: den einen Zugsbcgleilcr versetzte man, ohne ihm ein Haar zu krümmen und in keiner Weise seine Rechte zu schmälern — siehe K., welcher sich Graz oder Innsbruck als Station wählen konnte; dazu ließ man ihn noch krank melden, damit er von Villach nach Lembeck fahren konnte, um mit dein Viehhändler die Kartengeschichte „zu seinen Gunsten" ordnen — nach Innsbruck. Andere Zugsbegleiler wurden gänzlich abgezogen und trotz vorgelegter Gesuche und braver Aufführung nicht wieder berücksichtigt. Kurz gesagt: Bisher herrschte in der Bestrafung eine Willkür, die ihresgleichen sucht. Jede Direktion hat ein anderes Strafsystem. In letzter Zeit geht man auf die PersonenzugSkondukteurc los. Wir wollen durch diesen Artikel nicht den Anschein erwecken, daß wir das grobe Vergehen in Schutz nehmen wollten; aber das «ne müssen wir schon sagen, daß die jetzige Strafweise für begangene Delikte durch Personenkandukteure die größte Ungerechtigkeit ist, die jemals einer Gruppe zuteil wurde, und zwar dadurch, weil man jedes Delikt, wer immer der Anzeiger sei, gleich Bestraft. Darin liegt eine große Gefahr für die Personenkandukteure der Südbahn. Wir sind von dem Wohlwollen des Verkehrsdirektors N eßl er gegenüber dem Personal überzeugt und wollen die Objektivität des Herrn Oberinspektors Pölleritzer nicht bezweifeln, nur glauben wir annehmen zu dürfen, daß die Verkehrsdirektion mit . dem sehr jungen DirektionSkonlrollor. sie für diese Erledigungen bestimmt hat, einen argen Mißgriff gemacht hat. FürS erste mange't es dem jungen Herrn an Objektivität, denn dieser erblickt in jedem Bediensteten einen Gauner. Der junge Direktionökontrollor greift vereinzelte Fälle cmf, generalisiert dieselben und macht dann seine übertriebenen Berichte, denen die Verkehrsdirektion Glauben schenkt. Auch gegenüber anderen Kategorien geht die Direktion ungleich m der Bestrafung vor. So wurde vor kurzer Zeit _ ein braver, bisher strafloser Unter-beamter, weil er seiner Schwtster, die krank im Klagenfurter Spital gelegen ist, ein Kistchen Eßwaren mit 7 Kilogramm ZU den Feiertagen mittels gelben Frachtbriefs gesendet hat, sehr hart dadurch bestraft, daß man ihm und seiner Familie alle Begünstigungen, wie Legitimationen, Freifcheine, Anspruch auf Freikarten für ein Jahr genommen hat, obwohl es auf der Hand liegt, daß dieser Bedienstete nur in Unkenntnis gehandelt hat und der irrigen Meinung war, daß eine kranke Schwester, die im Spital liegt und unterstützungsbedürftig ist, als Familienmitglied zu betrachten ist. Dagegen hat in Innsbruck ein Bediensteter waggonweise von Kirchbichl Kohle, ebenfalls mit gelbem Frachtbrief, bezogen, an Parteien in gewinnsüchtiger Weife verkauft; die Strafe hiefiir war für diesen Unterbeamten der Entzug aller Begünstigungen auf zwei Jahre. Dazu hat letzterer sehr viel Butter auf dem Kopf, seine Diensttabelle weist dunkle Flecken auf. Hai durch seine Monturgeschichte das Landesgericht gestreift, nur schlauer ijt der Fuchs: „er hat nichts gemacht, alles seine 'V r a u", weshalb man ihm nichts machen könne. Also auch hier müssen. wir die Wahrnehmung machen, daß es der Direktion an Gerechtigkeitssinn mangelt. Christlichsoziale Eisenbahner in der Bukowina. Bis zum Jahre 1000 gab es in Czernowitz für die Verräter, Denunzianten und sonstigen lichtscheuen Individuen keine eigene Organisation, da sich sämtliche Vereinigungen gegen die Aufnahme „wurmstichiger Elemente" aus Reinlichkeits-gcfüljl wehrten. Erst durch die im Jahre 1000 erfolgte Gründung einer Ortsgruppe des „Verkehrsbundes" wurde eine ^aminclstette dieser anrüchigen Leute geschaffen. Wie an einem heißen Sommertage die hungrigen Fliegen den duftenden Dungerhaufcn eines Zigeuners umkreisen und sich unter Stoßen und Drängen bemühen, je recht tief in das Innere einzudringen, fo kamen auch all die diversen bekannten Gestalten, um in dem neuen Verein ihr Christentum beweisen zu können. Die Werbetrommel wurde kräftig gerührt, und bald kamen die Christen mit dem nnchristlichen Vorleben zusammen im christlichsozialen „Verkehrsbund". Drei volle Jahre besteht die Ortsgruppe und, offen gestanden, die Häuptlinge dieser Vereinigung haben cs ausgezeichnet verstanden, sich den vaß und die Verachtung aller ehrlich denkenden und handelnden Eisenbahner in der Bukowina zuzuziehen. Drei Jahre Beschimpfungen, Denunziationen und Verrat bleibt das Wahrzeichen ihrer christlichen Vereinstätigkeit. Kein ehrlich denkender Eisenbahner in der Bukowina wird diesem Gelichter verzeihen, wie das erst vor kurzem angegangene christlichsoziale „Bnkowinaer Volksblatt" im Verein mit der christlichsozialen „Oe^ 'rreichisch-ungarischen Eisenbahner-Zeitung" die Staats» anwaUschaft und die Vorgesetzten Dienststellen gegen unsere Mitglieder gehetzt hat. Wie schmutzig und hinterlistig sind diese Leute gegen die Genossen K. und F. unter dem Deckmantel des Christentums borge gongen? Was haben sich dieser Verein und das Volksblatt bemüht, um unsere Vertrauens- männer zu beschimpfen und zu verdächtigen. Wie viele Wahlschwindel und diverse Nötigungen bei Aufnahme von Mitgliedern mußten sich die Eisenbahner in der Bukowina gefallen lassen? Wenn es nach dem Wnnsche dieser Leute gegangen wäre, so wären unzählige Bedienstete brotlos gemacht worden. Goit sei dank! den Christlichsozialen ist ihr „christliches Werk" in der Bukowina nicht gelungen. In ohnmächtiger Wut suchen sich nun die Verkehrsbiindler zu rächen. Ihr neuestes Stückchen ist die Ausstellung des Wagenrevisors Rokosz und des Lokomotivführers Bednar als Kandidaten in die Berufsgenossenschaftliche Unsallverjichernngs-anstalt. Diese Kandidatur ist eine direkte Beleidigung des Personals. Selbstredend ist cs ausgeschlossen, daß die beiden Christlichsozialen jemals die Majorität der Stimmen auf_ sich vereinigen würden, denn schon die Zumutung, daß matt einen RokoSz wählen soll, zeugt von ausgerechneter Frechheit. Das Wahlergebnis wird bezeugen, wie das Personal über diese Leute denkt. Stiftern Suöke. Man schreibt unS auS Innsbruck: Nicht als Politiker, sondern als Ingenieur hat sich der Herr S u 8 k e in ein System hineingelebt. Als Politiker wird er wahrscheinlich auch in der Zukunft bleiben, was er in der Vergangenheit war und in der Gegenwart ist: ein wetterwendischer Mensch, der seine undefinierbare Gesinnung an allen Prinzipien und Grundsätzen aufwärmt. Herr Suske hat. um die Bezeichnung, die wir ihm soeben verliehen haben, zu beweisen, als Nationalverbändler kandidiert und knappe Zeit hernach öffentlich den Nationalverband verleugnet; er hat seine 'Überzeugung maschinenschriftlich in einer Resolution nieder» gelegt, um sie dann — weil er wohlweislich vermutet haben wird, daß ihm niemand glaubt, was er niederschreibt — so zu korrigieren, daß nichts davon übrig blieb. Er ließ im vollen Bewußtsein, daß ein angekündigter Kamps von seiner Organisation abgelehnt wird, diesen Kampf in einer Versammlung doch beschließen. Kurz und gut: ein Mann, der als Politiker zu allem neigt, nur nicht zu einem systematischen und grundsätzlichen Handeln. Als Ingenieur der hiesigen Südbahnwerkstätte aber wirkt dieser Mann konsequent und systematisch, nach einem System. Ans nichtigen Gründen bestraft er Arbeiter ans da§ schwerste, schnauzt sie in einem Tone an, der in der Innsbrucker Südbahnwerkstätte gerade nicht üblich ist. Damit wir gerecht sind: Nicht alle Arbeiter behandelt Suske so. Er hat die Eigenschaft, bei den einen Arbeitern alles zu sehen und bei anderen alles zu übersehen. In der jüngsten Zeit wurden mehrere Arbeiter auf die Verfügung des Herrn Suske hin vom Akkord abgezogen oder bestraft. Was hatten diese Arbeiter am Gewissen? Einer stellte auf einen Ofen einige Blättchen gefrorener Wurst zum Wärmen, um sie zur Jause zu verzehren. In der Südbahn-werkstäite ist cs allerdings verboten, während der Arbeitszeit einen Bissen Brot zu sich zu nehmen. Aber dieses Verbot ist bisher nicht allzu streng gehandhabt worden. Man sah eben ein, daß viele Arbeiter, die in Absam, Hall, Hölting oder sonst in einem von der Werkstätte weit entfernten Ort oder Stadtteil wohnen, daher bereits nach 5 Uhr das Frühstück zu sich nehmen müssen, am Vormittag ein dringendes Bedürfnis nach einem Stückchen Brot haben, und sah es nach, wenn jemand etwas zu sich nahm. Herr Suske Hai diese Einsicht nicht, wenigstens nicht bei allen Arbeitern. Diese mangelnde Einsicht überrascht uns nicht; denn er, der um 0 Uh r, oft gar c r st um halb 10 Uhr in die Werkstätte k o m nt t, kann so spät frühstücken, daß er eS leicht bis 12 Uhr aushält. Nu» wieder zur Sache: Der betreffende Arbeiter ist auf das Vergehen hin, nämlich daß er sich ein Stück Wurst aufwärmte, vom Herrn Suske auf zwölf Tage vom Akkord^abgezogeit worden, waZ, da die Schichtlöhne in der Südbahnwerlstätte sehr gering sind, für de» Mann eine Lohneinbuße von mindestens 86 Kr. bedeutet. Wie ungerecht diese Strafe war, beweist die Tatsache, daß der Werkstättenchef, der ein korrekter Mann ist, auf die Fürsprache der Vertrauensmänner hin diese Strafe milderte. Wenn die Werkstättenordnung fchvn da ist, dann soll sie von allen ein gehalten werden. Herr Suöke soll nicht die einen Arbeiter essen sehen und andere geflissentlich übersehe u. Diese auffällig zwicfchlächtigc Beobachtungsgabe bat Herr Suske auch sonst geoffenbarl. Zum Beispiel sind Arbeiter von ihm wegen angebliche» Herumstehens mit dem Abziehen vom Akkord, also mit einer schweren Lohneinbuße, bestraft worden und dazu in Fällen, w o den Arbeitern das Öc rum st ehe» gar nicht n achgew ies e n werden konnte. Gewisse 'Arbeiter aber können Konferenzen abhalten, wenn auch der Herr Suske vorübergcht. Er sieht es nicht! Das ist das System Suske — bei den einen alles, jede Kleinigkeit, ja mehr zu sehen, als Tatsache ist, und die tatsächlichen oder vermeintlichen Vergehen schwer zu bestrafen, bei den anderen aber alles zu übersehen, lind in diesem System ist Herr Suske konsequent! Die Zustände im CeOciiSmitlelmaflitziit der k. k. Nord-bithn. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Gründer des Lebenkmittelmagazins von der großen Idee geleitet waren, den Bediensteten eine Vermittlungsstelle zwischen Produzenten und Konsumenten unter Ausschluß des Zwischenhandels zu schaffen, um auf diese Weise denselben eine möglichst billige Einkaufsquelle zu eröffnen. Der Grundgedanke war ein guter und das'Gcfamtpcrfonal der ehemaligen K. F. N. B. konnte diese Aktion nur mit Freuden begrüßen. Was ist aber durch die bureaukratische Verwaltung ans diesem Institut geworden? Eine Versorgungsanftalt für eine Anzahl von Oberbeamten der k. k. Nordbahndirektion, die sich einer besonderen Protektion erfreuen und sich aus den Mitteln des LcbensmittelmagazinS mästen, ohne hicfür eine entsprechende Gegenleistung aufweisen zu können. Anstatt daö Lebensmittelmagazin modern auszugestalten und kaufmännisch zu führen, hat die k. k. Nordbahndirektion nach der Verstaatlichung drei Direktionsbeantte an die Spitze dieses sogenannten Wohlfahrtsinstituts gestellt, die von einem solchen Geschäft nicht die geringste Ahnung haben und ihre ganze Tätigkeit darauf beschränken, die Aufträge der hohen Obrigkeit durch-zuführen, ohne Rücksicht darauf, ob dieselben im Interesse des Geschäftes gelogen sind oder nicht. Äon einer eigenen Initiative aber, einer Erkenntnis der Sachlage, wie sie ein solches Unternehmen erfordert, ist natürlich keine Spur zu finden, sondern nur das Bestreben, sich nach oben als willenloses Werkzeug zu zeigen, macht sich bei allen Handlungen geltend. Die Triebfeder zu diesem Verhalten ist die Furcht um den Verlust der mühelos in den Schoß fallenden Pfründe, die diesen Herren zukommt. Nach oben servil, nach unter brutal, das ist das Leit-moliv dieses sogenannten Komitees. Ein Beweis, wie sorgenlos diese Herren leben, ist, daß der Herr Obmann des Komitees, ein Inspektor der Nordbahndirektion, bereits zwei Jahre seines Amtes waltet, für welche Mühe er eine jährliche Pfründe von 2000 Kr. aus den Taschen der Konsumenten bezieht, nur ein einzigeSmal, und da eigens berufen, das Lebensmittelmcigazin in Floridsdorf mit feinem hohen Besuch beehrte, daher nicht einmal die Lokale kennt, wo daS Lebensmittelmagazin unter* gebracht ist Und solche Herren verwalten mit Zustimmung der k. k. Nordbahndirektion vom grünen Tisch auS ein Wohlfahrtsinstitut, welches einen jährlichen Umsatz von 5 >5 Millionen Kronen aufweist. Ein solcher Zustand ist doch unhaltbar und wäre gewiß nicht möglich, wenn erstens einmal die Kon- sunteitfen darüber informiert wären und weitere ein größeres Interesse an diesem Institut hätten. Und gerade das letztere ist unbegreiflich, in der gegenwärtig schweren Zeit der allgemeinen Teuerung aller Lebensmittel, wo den Konsumvereinen ein besonderes Augenmerk zugewendet werden sollte. Ein Sturm der Entrüstung müßte eine solche Verwaltung hinwegfegen, die nur bestrebt ist, sich die persönlichen Vorteile zu sichern, aber sich nicht darum kümmert, waö das allgemeine Interesse des Konsumenten erheischt. Die k. k. Staaisbahnverwaltung prunkt bei jeder Gelegenheit mit den Benesizien, die sie den LebenSmittelmaga-zinen gewährt. Und tatsächlich sind dieselben nennenswert. Aber kommen diese Zugeständnisse im LebenSmittelmagazin der Nordbahn zur Geltung? Nein, sagen wir, weil die Verwaltung eine schlechte, bureaukratische ist. Und da hätte doch die f. k. Staaisbahnverwaltung die Pflicht, einzugreifen und die Hindernisse, die sich der modernen demokratischen Entwicklung dieses Unternehmens entgegenstellen, zu beseitigen. Die Herren der Nordbahndirektion sagen, cs sei ein Beweis, daß die Konsumteilnehmer mit der Leitung zufrieden sind, weil sich der Jahresumsatz von Jahr zu Jahr steigert. Ist aber damit der Beweis erbracht, daß nicht Besseres geleistet werden konnte? Die Herren vergessen darauf, daß der größte Teil der Streckenkansuinenlen aus das Lebensmitleliuagazin angewiesen ist, weil die Domizilierung derselben so ungünstig ist, daß sie wo anders gar nicht einkausen können. Nichtig ist, das die Unkenntnis des Personals über die innere Wirtschaft im Lebensmittelmagazin diese noch als still ■ schweigende Kunden erhält, und ebenso die ganz iustruktions-widrigc, künstlich erzeugte Dividende, die dem Komitee angenehme Irreführung der Konsumenten besorgt. Wenn aber das Personal einmal erfährt, wie mit ihren sauer erworbenen Groschen im LebenSmittelmagazin gewirt-fchaftet wird, dann werden die Herren des Komitees bald in ! das Reich der Vergangenheit einziehen. Die Abänderungsan-träge, welche wiederholt von den gewählten Vertrauensmännern der Konsumenten eingebracht wurde», sind bisnun vollständig unberücksichtigt geblieben. Nun liegt cs iit den Händen dto Personals, durch eigene Kraft und im geeigneten Moment in diese Korruptionsburg Bresche zu legen. Gräßliches Eisenbahnunglück auf der Südüahn. Mittwoch den 12. d. M. führte Genosse Kasch als Lokomotivführer den Zug Nr. 76 ab Laibach in der Richtung gegen Marburg. Unweit der Station „Sava" stieß er mit demselben an einen auf das Geleise gefallenen Granitblock von großer Dimension. Die Wirkung war einfach fürchterlich. Die Fernsicht war infolge Dunkelheit vollkommen behindert, denn daS Unglück geschah um 148 Uhr abends; trotzdem behielt Genosse Kasch die nötige Ruhe, bremste den Zug uud tat alles Menschenmögliche, um denselben zum Stillstand zu bringen. Dies gelang ihm insofern, daß der Zug wohl unbeschädigt blieb, die Lokomotive jedoch einem Trümmerhaufen glich, auf welchem noch immer 5t a f ch mittig den Vakuumhebel fest umschlossen hielt. Durch den starken Anprall an den FelLblock entgleiste die Lokomotive und sprang auf das Ncbengelcife über, welches soeben vom Güterzug befahren wurde. Zum Glück stieß die Lokomotive an einen unbesetzten Güterwagen, dein ein besetzter voran-fuhr und ein ebensolcher folgte. Die Kondukteure waren gerettet. Die entgleiste Lokomotive durchstieß den Kohlenzug mit sechs Wagen dieses Zuges wurden über die Böschung geworfen, weitere elf jedoch blieben am Geleise stehen. Die Lokomotive und der Dienstwagen des Postzugcs waren vollkommen demoliert. Der Lokomotivführer Joses Kasch blieb bis zum letzten Moment auf feinem Posten, trotzdem er von den abgerissenen Maschincnietlcn stark beschädigt war. Verletzt wurde er am Kops, überdies trug er eine Zerreißung der Leber und der Gedärme davon. Auch die Brust wurde ihm eingedrückt. Der Zyliuderd'eckel, der ihm diese Verletzungen beibrachte, lag vor ihm auf dem Führerstand. Der Heizer Sibret rettete sich nur dadurch, daß er sich an der Vakuurnleilung festhielt uud feinen Körper hiedurch in schwebende» Zustand brachte. Die Passagiere batten keine Ahnung vou der großen Gesahr, in der sie sich befanden, denn der Stoß, der durch das rasche Anhalten erfolgte, war so minimal, daß er kaum wahrge-noiumcu wurde. Erst beim Entsteigen aus dem Zuge wurden sie die schreckliche Gesahr gewahr. Vor ihnen lag ein Trümmerhaufen, bervorgeruseu durch aufgetürmte Holz- und Eisen-bestandteile der umgekippten Wagen. Die Schwellen waren auf einer langen Strecke gebrochen wie schwache Zündhölzchen, die Eisenbahnschienen lagen, Drähten gleich verbogen, in Unordnung. Ein unvergeßlicher Anblick. Aus Laibach und Marburg wurden unverzüglich Hilss-züge entsendete, welche die nötigen Bediensteten an die Un-sallstellc beförderten, um schleunigst die Räumungsarbeiten vorzunehmen. Daß diese Arbeit äußerst schwierig war, ist wohl verständlich, denn beide Geleise waren vollkommen verlegt. Der Verkehr war stillgelegt und konnte nur durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Um >«12 Uhr war ein Geleise geräumt, jedoch wird es noch einige Tage dauern, bis der Verkehr wird vollkommen und normal aiifgciiommeit werden können.. Der Schaden ist beträchtlich, dürfte aber etwas dazu beitragen, um der Südbahnverwaltung begreiflich zu machen, daß sich jede Knauserei früher oder später rächt. Wir konstatieren nämlich schon heule, daß die Beaufsichtigung des Geländes alles zu wünschen übrig läßt. Außer dem schwerverletzten Lokomotivführer Kasch sind keine weiteren Menschenopfer zu beklagen, was eben nur der mutigen Umsicht desselben zuzuschreiben ist. Kasch wurde nach Laibach in das Krankenhaus überführt und dorifelbst einer Operalirn unterzogen, die jedoch leider erfolglos blieb, den er starb um 'AG Uhr abends an den schweren Verletzungen. Korrespondenzen. Mallniv. Der als Weichenwächter in Verwendung stehende Stationsarbeiter Johann Burg ft aller fuhr am 1. November v. I. mit seiner Frau nach Rothenlhurn und löste sich rechtzeitig auf Grund einer Anweisung zwei Regie-karten nach dorthin. Der diensthabende Beamte Gerstenberger gab ihm aber die Karlen nur bis SpittaUM. mit dem Bemerken, „daß er keinen Tarif habe und B u r a st a 11 e r soll sich nur in Spittal Karten weiter lösen". Der Schallerbcamte in Spittal konnte Bürgst all er keine Rcgiefarten verabfolgen, weil für Spittal-M.-Rothentburn der Südbahntarif anzuwenden ist. Burgstaller mußte somit für sich und feine Frau de» ZivilfahrpreiS entrichten. Burg st aller machte von diesem Vorkommnis seinem Vorstand, Adjunkten K u p k a. auf einer Karle Meldung. Als Burg st aller nach Malluitz zuruckkehrlc, schrie ihn Adjunkt Kupka gleich an: „Wenn Sie jemandem schreiben wollen, so können Sic dies Ihren Kollegen oder Genossen tun, nicht aber Ihrem Dienstvorstand!" Als hierauf die Frau des Bürgst a 11 e r über die Vorgangsweife des Vorstandes sowie des Beamten Gerstenberger bei der k. k. Staatsbahndirektion vorstellig wurde, nahm dies Herr K u p k a zum Anlaß, Burg-staller mit 3 Kr. wegen Nichteinhaltung des Dienstweges zu bestrafen. Trotzdem der Arbeiter sich weigerte, die Strafe zur Kenntnis zu nehmen, zumal es für die Frauen der Bediensteten heute doch noch keinen „Dienstweg" gibt, wurden demselben die 3 Kr. abgezogen. Auf die nun diesbezüglich erfolgten Vorstellungen bei der Direktion erhielt Burg st aller am 11. Dezember die Dienslesküirdigung. Alle Einwendungen desselben bezüglich feiner Schuldlosigkeit blieben erfolglos. Burg st aller ist seit 24. Juni 1009 im Bahndienste, seit Juli 1010 im Provisionsfonds und wurde zu verschiedenen Diensten ohne Anstand verwendet. Herr Kupka kann ganz für sich das Verdienst beanspruchen, einen armen Arbeiter, der sich Zeit seines Lebens redlich Plagte, um seine Hoffnungen auf eine Existenz und Altersversorgung gebracht zu haben. Ob dieses „Verdienst" mit seinen christlichen Anschauungen, die ja Nächstenliebe u. s. w. beinhalten, übereinstimmt, wollen wir nicht weiter erörtern. Tatsache ist. das; dieser Herr, dessen Frau eine temporäre Freikarte nach Badgastein zum Besuche des Bades besitzt, kein Verständnis dafür hat. wie einem armen Teufel zumute ist. wenn er mit schwerer Mühe und Not einmal eine Regieanweisung erhält, dieser Begünstigung auch teilhaftig werden möchte, durch die Bequemlichkeit eines Beamten aber auch noch diese verliert. Bregenz. „Herr, es will Abend werden I" wird sich der Obmann der Ortsgruppe Bregenz des Reichsbundes deutscher Eisenbahner, Herr Kreml, gedacht haben, als sich zu der für 8. Februar anberaumten Generalversammlung wohlgezählte „vier Stück deutsche Recken" inklusive Obmann einfanden. Zwei davon mutzten gewiß von der eisenbahnerfreund-lichcn Haltung des Nationalverbandes so erbaut gewesen sein, daß sie ihren Austritt erklärten. Ob die Versammlung beschlutzfähig war, ist uns leider nicht bekannt. Wenigstens wurde der Rechenschaftsbericht sicher mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Wie mag da dem Herrn Obmann das Herz gezittert haben. Er, der so grotze Hoffnungen auf das nationale Vewutztscin der Bregenzer Eisenbahner gesetzt hat. Kein Wunder, datz er von der Staatsbahnverwaltung für seine Gesinnungstreue und verdienstvolles Wirken im Interesse des deutschnationalen Hochgcdankcns belohnt wurde. Und jetzt so schnöder Undank seitens seiner Mitstreiter. Hossen wir, datz der wackere Teutone beim nächsten Avancement auf die schmerzende Wunde ein Pflaster bekommt. Amstelten. (Todesfall.) Am 6. Februar hat unser guter alter Genosse Josef S t r a u tz sein arbcits- und entbehrungsreiches Leben nach langer und schwerer Krankheit beschlossen. S t ra u tz war einer unserer ältesten und treuesten Mitarbeiter. Seine allseitige Beliebtheit wurde am Vcgräbnis-tag durch Die grotze Zahl der Leidtragenden aus allen Kreisen der Bevölkerung bewiesen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen sprechen allen, die sich am Leichenbegängnis beteiligten, besonders den Herren Beamten, ihren besten Dank aus. Wir werden unserem Genossen Strautz ein treues und ehrendes Angedenken bewahren. Villach. (K. k. S t a a t s b a h n.) Im Unterrichtsblatt 51, Beilage zum Amtsblatt Nr. 6 vom 20. Jänner 1913, wurde dem gesamten Personal die Bestimmung der Instruktion XIX. Artikel 121, und Instruktion XX, Artikel 94, Punkt 2, in Erinnerung gebracht. Der Herr Assistent Kirch-lechner dürste dieses Unterrichtsblatt nicht gelesen haben, denn sonst könnte es nicht Vorkommen, datz dieser gute Mann einen Telegraphisten beauftragt, diesen oder jenen Zug zu expedieren. Er selbst bleibt schön in seiner warmen Kanzlei und überläßt das warme „Epedieren der Züge" den anderen. Eine autzergewöhnliche Leistung Kirchlechners ,ist es, wenn er bei der Kanzlcitür herausruft: „Schauts, datz hinaus, kommtsl" Assistent Kirchlcchner ist in dienstlicher Beziehung dem Adjunkten G u l d i n g e r gleichzustellen. Die k. k. Staatsbahndirektion in Villach würde gut tun, wenn sie die Herren Kirchlcchner und Guldinger nach St.-Michael versetzen würde, damit diese beiden Herren im Verein mit Offizial Sumetinger ein „Eisenbahnerkleeblatt" bilden könnten. Hallcin. Seitdem unser früherer Vorstand Ritter v. Ruff unsere Station verlassen hat, haben sich die Verhältnisse bedeutend verschlechtert. Dem neuen Vorstand Herrn Gerscha dürfte es niemals gelingen, jene Korrektheit und Dienstcsfreude wieder hcrzustellen, die unter Herrn Ritter v. Ruff bestanden hat. Besonders aufreizend wirkt das eigentümliche Strafst,stein des Herrn Gerscha. Im Monat Jänner wurden nicht weniger als 19 Bedienstete laut Ausweis der Gchaltliste bestraft. Selbst der Staatsbahndirektion in Innsbruck dürften die Strafen etwas zu hoch gewesen sein, da auf der Gehaltliste ein Vermerk: „Was sollen die vielen Strafen ohne Ausweis?" angebracht war. Und warum Herr Gerscha bestraft, wollen wir an einigen Fällen aufzeigen: Ein Blockwächter trug einige Unkorrektheiten der diensthabenden Beamten bei Freigabe der Ein- und Ausfahrten im Dienstbuch ein. Herr Gerscha erklärte dem Block-wächscr, datz er nicht berechtigt sei, ohne Wissen des Vorstandes Eintragungen im Dienstbuch vorzunehmen. Der Blockwächter berief sich auf die Vorschriften der Instruktion 18, doch Herr Herr Gerscha drohte dem Wächter, „datz er ihn im Wiederholungsfall strafen werd e". Ein anderer Blockwächter hielt einige Züge auf, weil kein Glockensignal gegeben wurde. Der Vorstand Gerscha liefe den Wächter kommen und erklärte, „er sei nicht berechtigt, die Züge aufzuhalten, er (der Vorstand) kenne keine solche I n st r u k t i o n". Kürzlich wurde ein Wechselkörper repcralurbedürftig. Vorstand Gerscha sagte, ein Wechsel-körper sei auf der Eisenbahn das über-flüssigste Ding u. s. w. Tatsächlich sind in der Station Hallcin zwei Wechsel, welche in der Blockierung, einbezogcn sind und in das Muttcrgcleise einmünden, ohne Wechsel-körper. Durch diese wenigen Fälle, die wir vorderhand aufzeigen, durfte zu ersehen sein, datz Herr Gerscha für den Vor-standspostcn einer so verkehrsreichen Station wie Hallein nicht geeignet ist. Es ist nun Sache der k. k. StaaSbahn-direktion in Innsbruck, das Treiben des Herrn Vorstandes Gerscha schon aus dienstlichem Interesse genau zu überwachen. Cilli. (A b s ch i e d s f e i e r.) Am 11. Februar fand zu Ehren des nach Abbazia versetzten Genossen K. F t1 i c i u n eine kameradschaftliche AbschicdSfeier statt. Der Ardener-Gesangverein „Vorwärts" sowie die Eisenbahner-Musikkapelle sorgten reichlich für den unterhaltenden Teil. Die organisierten Eisenbahner und Kollegen rufen dem allseits beliebten Gcnosien Karl F e l i c i a n sowie seiner Frau ein herzliche^ Lebewohl nach. St.-Bakentin. In der Station Haag, Niederösterreich, sind in letzter Zeit mehrere Diebslähle vorgekommen, ohne datz man den Täter gepackt hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, datz sowohl der Herr Vorstand Adjunkt Kral als auch der Herr De sch mann den Missetäter genau kennen doch will man den Gauner nicht fassen, trotzdem gewisse Anhaltspunkte direkt auf den Dieb Hinweisen. Um wenigstens ettuu* zur Eruierung. des vermeintlichen Täters beizutrage... hat Herr D e s ch m a n n im Wächterhause eine Hausdurchsuchung vor« genommen, die selbstverständlich ein negatives Resultat ergeben mutzte. Warum Herr D e s ch m a n n direkt an oem Dieb vorübergeht und durch die überflüssige Hausdurchsuchung die Wächter unschuldig verdächtigt, ist sehr auffallend. Sollte dem Herrn die ominöse Geschichte mit den zwei verschwundenen Pctroleumsässern in Vergessenheit geraten sein? Durch die in der Station Haag (Nicderöstcrrcich) herrschende Schlamperei wird den Langfingern das Handwerk geradezu erleichtert. Die ausgcladenen Kolli bleiben einfach liegen, wo sie aus-geladen werden. Warum soll dann ein im Stehlen gewandter Mensch diese so günstige Gelegenheit nicht benützen, um sich eine» oder mehrere Gegenstände anzueignen? Der Dieb lacht sich ins Fäustchen, denn er weife, Herr Kral ist schwerkrank und Herr D c s ch m a n n wird ja nur bei den Wächtern hauS-durchsuchcn. Warum sucht man die gestohlenen Sachen nicht auch im Stationsgebäude oder an sonstigen Verstecken? Wir ersuchen die k. k. Staatsbahndirektion, dieser Diebstahls-geschichten in der Station Haag etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen, dann wird es ein leichtes fein, nicht nur den oder die Täter zu eruieren, sondern derartigen Vorfällen auch für die Zukunft vorzubeugen. Ried im Jnnkreis. Schon in der Nummer 4 unseres rrachblattes vom 1. Februar 1913 haben wir uns mit dem Vorarbeiter Josef Weinberger befaßt. Der junge Mann behauptet, datz er durch die Protektion des Reichsratsabgeordneten Pfarrer Lang den sreigewordcncn Bahnrichicrposten seines Vaters erhalten wird, lim sich dieser Fürsprache würdig zu erweisen, benimmt sich Weinberger den Arbeitern gegenüber wie ein alter, erfahrener Christlichsozialer. Spionieren. denunzierest und herumbrüllen sind seine ganzen Fähigkeiten, die er zu dem angestrebten Posten mitbringen könnte. In dienstlicher Beziehung bedeutet dieser junge, unerfahrene Mann eine direkte Gefahr, ganz abgesehen, datz dieser junge Mann die vorgeschriebenen Dienststunden statt auf der Streck- im Wirtshaus oder bei seinem Liebchen verbringt (siehe 2. und 10. Jänner 1913). So ist es vorgekommen, datz unter der Aufsicht Weinbergers schon Züge mit voller Geschwindigkeit über Schienen fuhren, die untereinander nicht gekuppelt waren. Ob sich nun ein so sorgloser und leichtsinniger junger Mann zu einem Bahnrichter im k. k. Staatsbahnbetriebe eignet, ist wohl sehr zu bezweifeln. Bis jetzt war es Usus, datz die k. k. Staatsbahndircktion in Linz in erster Linie jene Vorarbeiter berücksichtigte, die sich durch Dienstalter, Fleitz und Fähigkeit Anspruch auf derartige Posten erworben hatten. Cilli (Bahnhof). Ruhe und Frieden herrschte in der Station. Züge kamen und gingen, das Personal vertrug sich untereinander, keiner frug den anderen, ob er ein Deutscher oder Slowene ist. Nicht so ruhig ging es im Innern eines Menschen vor, welcher tagtäglich seine» Kessel anheizte und Wasser für die Station pumpte. Der Dampf zischte und die Maschine machte ihr Konzert dazu. Bei dieser Musik dachte sich dieser Bediensletete, warum er nicht zu etwas Besserem geboren, denn seinen Namen hörte man nirgends nennen und das schmerzte ihn. Er studierte bei dieser eintönigen Melodie einige Jahre, bis es ihm endlich einfiel, wie man „populär" wird. Und er trat von seinem Versteck hervor, warf die Kohlenschaufel beiseite, blies in die grotze Trompete und rief: Ich bitf der Messias der Eisenbahner, reitzet euch los von den bösen Sozi, welche euch in die Hölle bringen wollen; ich gründe eine Ortsgruppe des Reichsbundes deutscher Eisenbahner und nur in diesem Verein werdet ihr selig werden. Dieser schlichte Pumpenwärter war über Nacht Obmann des Reichsbundes; gewaltig schwoll dem Herrn Obmann der Kamm. Die Leute in der Stadt und Umgebung flüsterten einander ins Ohr: Haben Sie schon gehört den Namen Gras? Nein — gaben sie zur Antwort — was ist denn geschehen? Ja. das wissen Sie noch nicht? Der Graf ist zum Obmann des Reichs-bundcS deutscher Eisenbahner gewählt worden. Ja. von wem denn? Na, das sollten Sie schon wifsen: von Herrn Findeisen, dem zweiten Obmann des deutschvölkischen Vereines. Das ist doch kein Eisenbahner! Das macht doch nichts. Die Leute bekamen einen grotzen Respekt vor Herrn Gras, denn er war Obmann des Reichsbundes und auch sonst massig an Verstand. Als einige Beamte der Station Cilli, welche Mitglieder dieses Vereines waren, erfuhren, was für einen 'Respekt die Leute vor ihrem Herrn Obmann hatten, zogen sie sich zurück. Seit dieser Zeit als der Pumpenwärter Graf den Titel „Obmann" erhielt, gab es keine Ruhe mehr am Bahnhof. Überhaupt auf die bösen Sozi ist er sehr schlecht z» sprechen. Warum? Das wird der Herr Obmann schon wissen I Sache des Herrn Stationschef Kügler wäre es, Graf zu belehren, datz es nicht angeht, Bedienstete untereinander zu hetzen, und dann Her Chef, etwas mehr Unparteilichkeit von Ihnen und es wird wieder Ruhe einkehren, wie vordem, als der Pumpenwärter Graf noch nicht Obmann war. Und Ihnen, Herr Graf, geben wir den guten Rat, kehren Sie wieder zurück zu Ihrem Kessel und begraben Sie Ihre Obmannstellc des Reichsbundes mit einigen Schaufeln Kohle, und wir organisierten Eisenbahner werden sagen: das ewige Licht leuchte dem verstorbenen Obmann des Reichs-bundes Amen! Sollten Sie aber unseren Rat nicht beherzigen und in der Station weiter hetzen und beschimpfen, so werden wir so frei sein und bei Puntigam nachschauen, ob nicht für einige Zeit ein Platz dort für Sie wäre. Jglau, (Aus dem Heizhaus.) Im Heizhaus herrschen infolge der T a n t i e m e n A i rt s ch a f t Zustände, die mit dem Worte skandalös noch viel zu milde genannt sind. Entlassungen der älteren Arbeiter, damit sie um geringeren Lohn wieder frische auSschinden können, sind die Regel. Strafen der Angestellten für die geringfügigsten Vergehen, die meist unverschuldet und nur dadurch entstehen, weil die vorhandenen Maschinen leichtsinnigerweise zusammengepfuscht werden, um selbe nur laufen zu lassen, sind Usus. Es kommt vor. datz Maschinenführer mit monatlich 1 5 bis 17 Kronen bestraft werden. Rapportiert ein Maschincnführer etwas über den Zu-stand der Maschine, datz selbe nicht mehr kauffähig, ja direkt lebensgefährlich ist. so kann er sich auf Grobheiten vom Herrn Neu mann gefaßt machen. Nicht genug der Grobheiten, die man für das Rapportieren erhält, es wird an den Maschinen nichts gemacht. Revisionen werden nur vom Anstreicher durchgeführt. indem er an der Skala die Revisionszeichen hinmalt, doch die Maschine wird gar nicht untersucht. Der nächste Führer mit seinem Heizer soll sich mit dem Karren erwürgen, was geht das einen N e u m a n n mitsamt seinen zahlreichen Vorgesetzten an? Der Herr Revident Führer droht sogar den Maschinenführern, wenn sie nochmals ihre Maschinen in fremden Heizhäusern untersuchen lasten, müssen sie (die Führer) diese Untersuchung selbst bezahlen. Die Maschinen j sind nur zusammengepfuscht. Ce” fehlen Kolbenringe, die DuNtpfschieberstangen sind meist angebrochen, die Kreuzkopf-tioizcti sind unsgeschlagen. Die Führer brauchen wegen ungerechtfertigter Untersuchung in „fremden" Heizhäusern nicht besorgt sein. Mehr besorgt müssen sie um ihr und des Heizers Leben fein. Wir wollen hier ein Stückchen verraten, das zwar unter dem Mantel der christlichen Nächstenliebe vertuscht wurde, weil der Schuldige eben jener war, den der Arm der Gerechtigkeit nicht erlangen soll: Am 17. Jänner wurde bei der Revision der Kuppelung der Reibnagel st a t t ins Kuppelungsauge — daneben eingesteckt. Der Maschinenführer Gregor kam mit dieser Maschine bis Svötla; erst dort bemerkte er, wie sich die Lokomotive v 0 m T e n d e r t r e n n t e. Um weiterfahren zu können, mutzte er sich die Maschine selbst reparieren. Misten Sie. Herr N e u-m a n n, welches Unglück da hätte entstehen können? Haben Sie die Lokomotive untersucht? Oder haben Sie das nicht verstanden? Nun wollen wir uns mit der Lokomotive Nr. 7105 etwas näher befassen, die am 7. Jänner es so weit brachte, datz ein Mensch in Deutsch-Brod im Krankenhaus schwerkrank danieder« liegt. Schon am 17. Dezember v. I. hat der Maschincnführer Smejkal dem übernehmenden Führer gesagt: „Die Maschine ist unter dem Hund schlecht." Herr N c u m a n n, Sie haben schon damals davon gewußt, denn Sie äußerten sich doch: „28 enn s' nur ein Rad! hat, so mutz die Maschine Weggehen!" Der Lokomotivführer konnte dann nicht die volle Belastung nehmen; deshalb kam in Deutschbrod ein Beamter und drohte dem Führer, „er s 0 ll nur die Be-lastung nehmen, er werde mitfabrenl" Doch wo war der Beamte? Es kam der Schnellzug 7 und der Beamte — fuhr mit dem Schnellzug. In Wossek mußte dann der Lokomotivführer die Maschine untersuchen lasten und siehe da, es war der rechte Schieber angebrochen. Der Führer mutzte dann als Vorspann nach Hause fahren. Wie die Maschine repariert wurde, hat sich eben gezeigt! Selbe wurde geflickt und lief weiter bis kurz vor dem Unfall. Auch der Lokomotivführer Podlutzky stellte diese Maschine ab und rapportierte: Untersuchen Der Kreuzkopfbolzen, da die Maschine die ganze Strecke fürchterlich geschlagen hat. Es fuhr dann noch der Bruder des Maschinenmeisters Neumann mit diesem Karre» und auch dieser trug inS Rapportbuch ein: Rechten Zylinderdcckel dichten. Die Maschine wurde gm^ 6. Jänner vom Lokomotivführer Politika zu Zug 63 über i nommen. Die ganze Strecke bis Wostek verging mit Dampfsammeln. In Wostek wurde statt Ruhezeit an der Maschine repariert und retour sollte sie bis Jglau mit Zug 76 gehen. Ab Jcnikau, in Kilometer 237, mutzte auf der Strecke stehen geblieben werden, um Dampf zu sammeln, und so ging es mit Ach und Krach weiter, bis endlich die Zhlinderdeckel mit großem Krach auf der Strecke herausflogen. Bei diesem Anhalten wäre ein Mensch beinahe zugrunde gegangen, an dessen Aufkommen bis heute noch gezweifelt wird. Wer ist der Schuldtragende? wird wieder gefragt werden. Der Beamte S w 0 b 0 d a wüßte in seiner Weisheit sofort das Richtige, denn er hatte noch den Mut, dem Maschincnführer zu sagen: „Wenn Sie nicht so ein alter Diener wären, so würden wir Sie sofort entlassen!". Man hat den alten Lokomotivführer nach 31jähriger Dienstzeit vom Streckendienst abgezogen. Wären die Lokomotivführer und Heizer des Heizhauses Jglau bester organisiert, wäre es nicht möglich, mit ihnen so zu verfahren. Hier mutz mit einem eisernen Besen in diese Tantiemenjäger hineingefahren und an zuständiger Stelle auf diese betricbsgefährlichen Maschinen hingewiesen werden und die schönen Zeiten für einen Herrn N e u m a n n „mit dem einen Radl" wären vorbei. W olkerSdorf. (A r b e i t s j u b i l ä u m.) Am 19. Jänner fand anläßlich des vierzigjährigen Arbeitsjubiläums der Genossen Jganz Eder und Josef Vogl, beide Oberbauarbeiter der St. E. G. in Slaatz, in der Restauration NothardSbergcr eine Festfeier statt. Die ElnleitungSrede zur Festfeier hielt Herr Bahnmeister Schritter, worauf Herr Oberkommissär Datier er an die Jubilare eine Ansprache hielt und den beiden Genossen die Medaille für vierzigjährige treue Dienste überreichte. Nach verschiedenen Ansprachen und Beglückwünschungen von seiten der Festgäste wurde zum heiteren Teil geschritten und mit Musik, Gesang und komischen Vorträgen ausgefüllt. Allen jenen, die zur Verherrlichung dieses schönen Festes beigetragen, sei auf diesem Wege der beste Dank ausgesprochen. Den beiden Jubilaren wünschen wir, datz sie noch viele solche zufriedene Stunden erleben mögen. Versammlungsberichte. St. Pölten. Am Sonntag den 9. Februar l. I. fand in St. Pölten im Saale des Gasthauses Fuger eine von zirka 1000 Eisenbahnern besuchte Eisenbahncrvcrsammlung mit der Tagesordnung: „Die Forderungen der Eisenbahner im Parlament und die gewerkschaftliche Organisation der > Eisenbahner" statt. Als Referent sprach Rcichsratsabgcordneter Genosse T 0 m s ch i k, wiederholt durch Beifall unterbrochen, zu diesem Thema. Nach dem Referenten meldeten sich einige Versammlungsteilnehmer zum Wort und stellten Anfragen an den Abgeordneten T 0 m s ch i k, welche derselbe unter dem Beifall der Versammlung beantwortete. Abgeordneter Polke war ebenfalls in der Versammlung erschienen, mußte sich aber entschuldigen, da er stark heiser war und daher an die Versammlung keine Ansprache halten konnte. Zum Schlüsse wurde folgende Resolution einstimmig von der Versammlung angenommen: Die am 9. Februar 1918 in St. Pölten, FuggerS Gasthaus, abgehaltcne öffentliche Eisenbahnerversammlung verurteilt entschieden das verräterische Vorgehen der deutschnationalen und christlichsozialen Abgeordneten bei Ser Beratung des Budgetprovisoriums in der Frage des Antrages deS RcichSratsabgeordneten Genosten Tomschik auf Einstellung von 17 Millionen Kronen zur Aufbesserung der Bezüge der Eisenbahner. Die Demagogie ist offenkundig dadurch bewiesen, daß die deutsch-christliche Mehrheit des Abgeordnetenhauses ihren eigenen Antrag niederstimmte und die notleidenden Bediensteten, statt ihnen Brot zu geben, noch verhöhnte. Der Verrat wurde dadurch von obgenannten Parteien begangen, daß die Anhänger derselben im entscheidenden Moment der Abstimmung sich feige entfernten oder dagegen stimmten. Aus dem Vorgehen der deutschen und christlichen Abgeordneten, welche für Kanonen und Kriegsschiffe stets bereit sind, alle, wie ein Mann, zu stimmen, dagegen für den Hunger und die Not der Eisenbahner nur nichtssagende, von vornherein für den Papierkorb bestimmte Resolutionen haben, ersehen die Versammelten. datz sie von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten haben, und sie sprechen denselben ihr schärfstes Mißtrauen aus. Ferner spricht die Versammlung derjenigen Partei des Abgeordnetenhauses, welche sich diesmal, wie stets früher, mannhast und ehrlich bemühte, die Not der Eisenbahner zu mildern, den Dank und bas größte Vertrauen aus, iftib ersucht Die sozialdemokratische Fraktion, insbesondere den Abgeordneten Tomschik, mit der gewohnten Zähigkeit und Ausdauer künftig wie bisher für die Eisenbahner zu wirken. Die Versammelten erklären, an dem Ausbau der Organisation unentwegt weiter zu arbeiten, so daß in Zukunft den bürgerlichen Demagogen die Lust zu weiterem Verrat gründlich benommen werben kann. Graz. (Südbahn.) Am 6., 7. und 8. Jänner fanden in Gloggnitz, Graz und Villach gut besuchte Ber-sammlungen des Wächterpersonals statt, in welcher Personal-koinmissionZmitglied Genosse Pfeffer über den gegenwärtigen Stand der in der Personalkommission eingebrachten Anträge Bericht erstattete.__________________________ Aus den Organisationen. Penzing. Bei der am 12. Februar stattgefundenen Ge-neralversammlubng, welche massenhaft besucht tvar, wurden folgende Genossen in die Ortsgruppenleitung gewählt: Josef Sommerfeld, Obmann, Josef SühS, Stellvertreter; Johann L u k a b a u e r, Kassier, Josef S ch n 0 b r i ch, Stellvertreter; Franz Gittenberger, Schriftführer, Franz Kronawetter, Stellvertreter; Josef Seemann und Alois Hinterberger, Revisoren; Franz Motz, Josef Schoderböck, Josef Lukastik, Wilhelm Unter than, Johann Blumauer, Josef H0M0lIa und Martin Lau#/ Ausschutzmitglieder. I Weißkirchlitz. Die Mitglieder werden ersucht, die In-terimökarten und Mitgliedsbücher behufs Kontrolle abzugeben; Ebenso sind die aus der Bibliothek entliehenen Bücher ehestens urückzugeben. Die Mitglieder des Sterbefonds werden aufgeordert, die Beiträge für die verstorbenen Mitglieder Tous, H e l m s ch m i d t und G r 0 h sofort zu bezahlen. 1 Szczakowr,. Am 15. Jänner l. I. fand die Gencralvcr-sammlung und Neuwahl der Auskchutzmitglieder statt. Gewählt wurden: Friedrich S 0 m a g q i, Obmann, Johann R y ch l i k. Stellvertreter: Anton Zygmunt, Sekretär; Johann iZteltna, Kassier; Michael 91 um tan, Archivar; Michael fiomanek und Adalbert Janikorski, Äaffcnrcvisoren; Johann Pasternak und Josef Janczasa, Ersatzmänner. I Böhmisch-fiamnitz. Bei der am 2. Februar abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Funktionäre gewählt: Josef Püriert, Obmann, Rudolf Urban, Stellvertreter; Josef Morche, Kassier, Karl Ritschl, Stellvertreter; Franz Schiller, Schriftführer, Friedrich H a u p t m a n n, Stellvertreter; Franz Janku und St. Schiller, Kontrolle. Zuschriften sind an den Obmann: Josef Püriert, Markersdorf 2 7 2, zu adressieren. Neu-Aigen Bei der am 2. Februar 1918 stattgefundencn Generalversammlung wurden nachstehende Genoffen in den Ausschutz gewählt: Ferdinand Pölzinger. Obmann, Franz Wirth, Stellvertreter; Leopold Brater, Schriftführer; , Anton Rothbauer, Kassier; Johann Ruhr und Johann 121 i g n c r, Subkassiere; Johann «Schlager, Bibliothekar; Ignaz Pap r, Kontrolle. Alle Zuschriften in Vereinsangelegenheiten sind an Genossen Ferdinand Pölzingcr, Wüchterhaus 3 0a, Post Neu-Aigen, in Geldangelegenheiten an Genoffen Slnton Rothbauer, Wächterhaus 3 0, Trübensee, Post Neu-Aigen, zu richten. Cilli. (Nachtrag zur Generalversammlung vom 20. Jänner 1913.) Genosse Matthias Kaudolf, Kondukteur der L k. Staatsbahn, wurde als Schriftführerstellvertreter und als Bibliothekar gewählt. Bibliotheksstunden jeden Dienstag von 7 bis 8 Uhr abends im Vereinslokal. Gleichzeitig wurde Genosse Alois Bisner, Verschieber der k. k. priv. Südbahn, für den verstorbenen Genoffen Blaz. Bruncc als Ausschutzmitglied gewählt. Aßling. Die Mitglieder der Ortsgruppe Aßling werden aufgefordert, die Mitgliedsbücher behufs Kontrolle beim Kassier Genossen Oman, Portier in Aßling, abzugeben. Maricnbad. Die Genoffen Mitglieder werden höflichst ersucht, die Mitgliedsbücher als auch Jnterimskarten Behufs Revision an unseren Kassier abzuführen. I Marchcgg. Jene Kollegen, die Kalender gekauft haben, 1 werben ersucht, die Unfallversicherungspolizze an den Kassier der Ortsgruppe abzugebcn. Wien. (Ortsgruppe XV, Fünfhaus.) Am Dienstag den 11. März d. I. findet die Generalversammlung der Ortsgruppe in Baumanns Speisesaal, XIV, Sechshauserstraße Nr. 3, mit der üblichen Tagesordnung um 7 Uhr abends statt. Die Mitglieder und deren Frauen sind hiemit höflichst hiezu -eingeladen. Ebenso laden wir hiemit die geehrten Mitglieder |sowie deren Frauen und von ihnen eingeführte Gäste, zu dem \am selben Abend zu Ehren der Zugsbegleiterdelegierten statt« findenden, von der Ortsgruppe veranstalteten, _ gemütlichen !Familienabend im großen Saal desselben Etabliffements ein. Mistel. Laut Beschluß der Gceneralversammlung finden die Vereinsabende jeden Montag nach dem 1. und 15. statt. Trifft der 1. und 15. an einem Monta, so an demselben Tag. Die Ausgabe der Bücher aus der Vereinsbibliothek wird mit 1. März bis 1. April behufs Revision eingestellt und sind ausgeborgte Bücher bis 1. März den Bibliothekaren Arnold Jakritz etzk y, Lokomotivführer, und Otto P r o ch a S l a, Kondukteur, abzugehen. Triest I. Am 15. Jänner fand die diesjährige Generalversammlung der Ortsgruppe statt. In den neuen Ausschuß wurden folgende Genossen gewählt: Andreas Bahun, Obimann, Alois Kos, Stellvertreter; Max Zuzzi, Schriftführer; iJvan MiSlej, Kassier, Anton Bajec, Stellvertreter; Stefan Zuzzi I und Ivan Fa tu r. Kontrolle; Richard Trost, Alois Zuzzi, Stefan Zuzzi II, Ivan Ivancic, IJofcf Kozar, Josef Hebein, Anton P e r t o t, Ivan P r c l c, Josef Sega, Johann B o Z i c und Matthäus 1t h a n, Ausschußmitglieder. Sämtliche Zuschriften sind an Genossen Andrea» Baff u n, Triest, Gretta Nr. 118, zu adressieren. Oberlcutensdorf. (S t e r b e k a s s e.) Den Mitgliedern der Slerbckaffe diene zur Kenntnis, daß am 28. Jänner 1913 Genosse filement Gr oh in Klostergrab gestorben ist. Die Beiträge für den Verstorbenen sind chebaldigst an den Haupt-lassier einzusenden. Die Unterstützung wurde bereits auögefolgt. Lichtenau. Bei der am 9. Februar abgchaltcncn General. Versammlung wurden folgende Funktionäre gewählt: Johann Richter, Obmann, Franz fiatzer und Josef Kober, Stellvertreter; Dominik Bergmann, Kassier, Wenzel Berg-mann. Stellvertreter: Josef Karger, Schriftführer. August Hürdler, Stellvertreter; Sllois Karger und Eduard GaII, Bibliothekare; Josef Becker. Peter Hornig und Franz Riem, Kontrollore; Friedrich H ö r d l e r und Franz S t e p a n. Sichkassiere; Wenzel Bergmann. ZeitungSkolportcur, Johann Bergmann, ArbeiterauSschutzmitglicd. Korrespondenzen in VereinSangelegenhciten sind cm den Obmann Johann Richter, Weichenwächter, Lichtenau, in Geldangelegenheiten an den Kassier Dominik 93 erg nt an n, Weichenwächter. Lichtenau, zu richten. Bischofs!,»feit. Genaffe Oberschneider dankt den Mitgliedern für das Vertrauen, das sie ihm durch seine Wieder, wähl als Kassier bekundeten und ersucht die Genoffen und Experten, längstens bis 20. alle Monate die Beiträge abzuführen. Genosse Oberschneider wird sich erlauben, alle Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen zwei Monate im Rückstand sind, durch ein Mahnschreiben zu mahnen. Die Genoffen sahen das nicht als eine Beleidigung auffassen, denn eine tadellose Ordnung kommt allen zugute. Den Mitgliedern sowie da-Organisation auch werden durch diese Einrichtung diese immerwährenden Austritte vorgebeugt, da ein Genosse nicht so weit in Rückstand kommen kann, daß ihm die weitere Mitgliedschaft erschwert würde. Die Ortsgruppenleitung gibt überdies bekannt, daß die weiteren DiSkussionSabende von nun an allgemeine sind, in welchen vom ncugegründeten Bildungsausschuffe Vorträge aus allen Gebieten gehalten werden und zu selben auch die Ge-nossinnen freundlichst eingcladen werden. DaS weitere wird jeweils in der „Salzburger Wacht" bckanntgegebcn werden. Penzing. Am 15. Februar fand in Freis Restauration, XIV, Mariahilferstratze 176, eine sehr gut besuchte Versamm-lung der Blocksignaldiener und Wächter statt, bei welcher Genosse Sommerfeld über die Anträge der genannten Kate-gorien Bericht erstattete. Als Vertreter der Zentrale war Gc--!noffc Adolf Müller erschienen, welcher in einem ausgezeich. j neten Referat die Fragen der Blocksignaldiencr und Wächter be. ! handelte, wofür ihm lebhafter Beifall gespendet wurde. Beim | Punkt „Neuwahl der Vertrauensmänner" wurde Genoffe '.Sommerfeld als Obmann, Schoderböck und Sch » o« >brich als Stellvertreter, Gittenbcrger und Stangl als Schriftführer gewählt. _TTT_ Anträge re. sind an Josef Sommerfeld, Wien XIII/2, Gurkgasse 6, zu richten. Paffau. Die Zahlstelle hielt am 8. Februar ihre dies-jährige Hauptversammlung, ab. Gewählt wurden folgende Ge-nassen: Josef Fröschl, Zahlstellenleiter. Zaine, Stellvertreter; Fet schl, Schriftführer Denk, S ellver re er; IS ch m i d t. Kassier. Fritz Fuchsberg er, Stellvertreter; Hainzlmayer und Feichter, Revisoren; MartmMayr-chofer und Gruber. Bibliothekare; Alois Klimmstern stmd Lechner. Ausschüsse. • • ,*, Sämtliche Zuschriften sind zu richten an Josef Frosch! Paffau. Hochstraße 15. r , , i Prag-Karvlinentlml. Bei der am 6. Februar abgebal l lenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewahrt: I Emil Thl. Obmann, Josef Z a h r a d n i k und Jaroslav S v o- boda, Stellvertreter; Franz Liska, Kassier, Franz Pot-mösil, Stellvertreter; Franz Falta, Schriftführer, StaniS-lav Richter, Stellvertreter; Franz Sourek und Paul L a n n a, Bibliothekare; Josef Dvorak und Josef E a p, Kon-trollore. Monatsversammlung ist jeden ersten Donnerstag nach dem 1., Ausschutzsitzung ist jeden ersten Donnerstag nach dem 15. Verschiedenes. Analphabeten in den verschiedenen Länder«. Troß der in den meisten Ländern eingefübrten Schulpflicht ist die Zahl der Analphabeten noch immer sehr groß und ihr Rückgang ein sehr langsamer. Wie einer Zusammenstellung der Statistischen Monatsschrift für den Monat Oktober 1910 entnommen werden kann, entfielen auf je 100 Einwohner Analphabeten, das heißt Personen über sechs Jahre, die weder schreiben noch lesen konnten: Land J-Hr Prozent Belgien n > . . *.1880 34 3 Bulgarien ....... 1901 72 87 ............... 1905 65-24 Finnland -..................... 1880 1 9 ............... 1900 12 Frankreich.................... 1901 1770 „ e? f. * ,h ß . • 190b 13 82 Italien -> p -. . . ■. . . 1881 619 « n n ;• * . !«* * . 1881 48 5 Kroatien . 1890 67 „ n r. « 1890 o5 6 Oesterreich . . 1890 29"9 1900 23-8 Portugal gr. >i . . . 1900 75’78 Preußen . ,« <• *i • .1871 12"17 Rumänien ,w r. . . . 1899 78 Rußland . . - r« * . . 1897 70"15 Russisch-Polen 5. . . . 1897 5986 Serbien . . a, -. . . . 1890 85-8 , „ . . «. n ,. . 1900 79 Spanien . . -z @ c i* * 1877 . . ., ,-r t. . 1900 68-78 Ungarn r. • sr. r., > • 1890 48 .. ,. .' . 1900 38-6 Brasilien . . 1900 858 Nordamerika: 1880: schwarze Bevölkerung .---.-r.-. r.-r* » « > 44 47 weiße „ ............... • • 6*2 In der Statistik fehlen Deutschland außer Preußen, die Schweiz, die Niederlande. Dänemark und England. Das ist darauf zurückzufiihren, daß hier die Resultate einer anderen Zählungsmethode vorliegen, nämlich die Zählung nach Rekruten. Auf je 100 Rekruten ent-fielen Analphabeten in Deutschland 0°02, in der Schwerz 0*11, in den Niederlanden 2*1, Dänemark 0*4 und in Japan 5*76. In England wurden auf je 100 Eheschließungen 1*2 Analphabeten gezählt. Das ist jedoch kein richtiger Maßstab, weil jemand seinen Namen zur Not einkritzeln und trotzdem Analphabet sein kann. Die Zusammenstellung ist aus verschiedenen Gründen interessant: sic zeigt uns Rußland als dem jenigen Großstaat, der in Bezug auf Analphabeten noch immer an der Spitze der Länder marschiert. Merkwürdig ist, daß Finnland fast keine Analphabeten und daß Japan deren nur 5*75 Prozent hat. Der Fortschritt dieses ostasiatischen Staates flößt Respekt ein. Dir österreichische Staatsschuld. In den Jahren 1862 bis 1912 ist die österreichische Staatsschuld von 4912 Millionen Kronen am Jahre 1862 auf 12.372 Mil lioncn Kronen im Jahre 1912 gestiegen. Das Zinsen erfordernis für die Staatsschuld stieg in diesem Zen raum von 220 Millionen auf 488 Millionen Kronen jährlich. Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen vor 50 Jahren 256 Kr. und entfallen jetzt 429 Kr. der Staatsschuld. Während die Bevölkerung in diesem Zeitraum um rund 50 Prozent zunahm, weist die Steigerung der Staatsschulden eine Vermehrung um rund 152 Prozent auf. Der Ertrag der Steuern stieg in den letzten 50 Jahren um 207 Prozent, überschreitet daher die Zunahme der Staatsschulden um weitere 55 Prozent. Und jetzt kriegen wir wieder neue Steuern und wieder neue Schulden. So geht es fort. Und die Bevölkerung muß zahlen, ohne daß sie gefragt würde, ob sie auch damit einverstanden ist. Die Einkommensverteilung in Oesterreich. Nach den vom Finanzministerium veröffentlichten Ergebnissen der Pcrsonaleinkommensteuerveranlagung im Jahre 1910 waren von den 28,321.088 Einwohnern, die Oesterreich mit Ende des erwähnten Jahres zählte» 1,304. ankaufe widmen sollte. ES ist niemand so reich, um unter so>. günstigen Bedingungen auf einen Haupttreffer verzichten zu können. Wir machen deshalb unsere Leser auf den heute beigelegten Prospekt der Firma „Glücksrad" in Brünn, die wir äW«t Losankauf bestens empfehlen, aufmerksam, wohin alle Bestellungen, Anfragen rc. zu richten sind. Wer diese Beilage durch Zufall, nicht erhalten sollte, der fordere sie von der genannten Firma. Sprechsaal. Achtttng!^ Bedienstete und Arbeiter der Mnrtalbahu, der Steiermärkischen Landesbasinen, der Zillertalbahn und der Lokalbahn Friedland-Bila, Achtung! Demnächst finden im Sinne deS § 9 dc8 Statuts die Wahle» des Delegierten und dessen Ersatzmaünes in die Berufsgenofsenschofttiche Unfallversicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahnen für den Bereich eurer Lokalbahn statt. Dit Exekutive der Eisenbahner Oesterreichs tritt diesmal an euch, geehrte Kollegen und Genossen, unter dem Eindruck der von der k. k. Regierung geplanten Entrechtung der Eisenbahner Oesterreichs, die in dem dem Abgeordneten-hause bereits vorliegenden Gesetzentwurf über die Sozial-Versicherung enthalten ist, heran. Die Eisenbahner Österreichs können sich eine solche Verletzung erworbener Rechte nicht bieten lassen und die Wahl der Delegierten in die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt soll einen Protest bedeuten gegen die Absichten der Regierung. Wir ersuchen euch, werte Kollegen und Genoffen, einmütig für die nachstehenden, von den Vertrauensmännern der organisierten Eisenbahner Oesterreichs empfohlenen Kandidaten zu stimmen: Für die Murtalbahu: 211 s Delegierter: Iran» Dworschek, Bahnmeister. F r o j a ch. Als Ersatzmann: Anto« Lindner, Lokomotivführer, Murau> bcrg. gilt ble Steiermärkischen LandeSbahnen: Als Delegierter: August Sammet, Lotomotivführeranwarter, Köpfen» Als Ersatzmann: Johann Willi dal, ZugSführer, Kapfenberg. Für die Zillertalbahn: Als Delegierter: Wilhelm Silbermayer, Bahnmeister, Fügen. AIS Ersatzmann: Alois Rieger, Stationsleiter, Kaltenbach-Stumm. Für die Lokalbahn Friedland-Bila: AIS Delegierter: Franz Consal, Lokomotivführer, F r i e d l a n d. Als Ersatzmann: Ottokar Malek, Expedient, Friedland. Die Exekutive der organisierten -Exekutive der organ,,,er Eisenbahner Oesterreichs. BcrtraucnSmännerorganisatton der Zugsbegleiter NicdervsterreichS. Am Dienstag den 11. März d. I. findet die Plenarversammlung der Zugsbegleiter (VertrauenS-männerorganisation Niederösterreichs) in Baumanns Saal. XIV, Sechshauscrsttatze 3. statt. Beginn 0 Uhr vor-mittags. Die Tagesordnung wurde auf den den Bahnlinien-und Stationsvertrauensmännern bereits zugesendeten Ein» ladunge» schon bekanntgegeben. Die Versammlung findet nach § 2 des Versammlungsgesetzes statt. Mitglieder unserer Organisation können gegen Vorweis des Mitgliedsbuches an den Verhandlungen als Gäste teilnehmen. Abends im großen Saal zu Ehren der Delegierten gemütlicher Familienabend mit auSgewähltem Programm. Die Leitung der Ortsgruppe XV (FünfhauS) als Einberufer. An die Mitglieder des Lebensmittelmagazins der k. k. Staatsbahnen in Görz. Bei der am 20. Jänn erstattgefundenen Auslosung zweier Vorstandsmitglieder wurden unglücklicherweise gerade zwei der Unentbehrlichsten zum Ausscheiden aus dem Vorstand dieses Magazins gezwungen. Es sind dies der Obmann des Vorstandes Herr S o m m e r sowie der BahnerhaltungSingenicur Herr Schwarz, die sich um das wirtschaftliche Gedeihen dieses Magazins wirklich ehrliche Verdienste erwarben. ES ergeht daher an alle Mitglieder dieses Magazins, ohne Unterschied der Nationalität, die Aufforderung, bei der am 16. März d. I. stattfindenden General- versa m m 1 u n g diese beiden Vorstandsmitglieder einstimmig wiederzuwählen, da diese beiden Herten bisher gezeigt und bewiesen haben, das; sie eS mit der ihnen übertragenen Vorstandsmitgliederarbeit auch ernst genommen haben, insbesondere aber Herr H o m m e r, der in seiner Eigenschaft als Stationskassier den Abzug an den kreditnehmenden Mitgliedern in vollständig anstandsloser Weise bewirkt, durch diese Tätigkeit fast, unersetzlich geworden ist. Vertrauensmänner der Bahnerhaltnng des k. f. Staats-bahndirektionsbezirkes Wien. Am 2. März 1913, halb 2 Uhr nachmittags, findet in Herrn RudofS Gasthaus in Wien XII, Jgnazgaffe 12. die Generalversammlung der BabnerhaltnngSvertrauens-mnfmer der k. I. StaatSbahndirektion Wien statt. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Offene Anfragen. An die k. k. StaatSbahndirektion in Innsbruck. Die Bediensteten der Station BischafShofen bitten eine k. k. Staatsbahndirektion, geeignete Vorkehrungen zu treffen, das; dieselben die bestellte und bezahlte Regiekohle (Schwarz, kohle) jederzeit ausgefolgt erhalten. ES kommt in BischosShose» vor, daß oft zwei bis drei Wochen keine Schwarzkohlen lagernd sind, infolgedessen dann die Bediensteten sich Kohlen beim Kaufmann kaufen müssen, trotzdem ihnen bet Betrag für bestellte Kohle im vorhinein in Abzug gebracht wurde. An die k. k. Staatsbahndirektion in Villach. Im Interesse einer einheitlichen und ruhigen Dienstes» aüwicklung bittet eine Anzahl von Wächtern und Wächter« fuMtitutcn um gefällige Aufklärung respektive Abstellung nachstehender MitzstLnde: Der Bahnmeister Stadler in Bad» Gastein verweigert den Wächtern den monatlichen dienstfreien Tag und bewilligt denselben nur an jenen Tagen, wo die Wächter vvu 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends in der Tour sind. An allen anderen Tagen ist nach der Ansicht des Bahnmeisters Stadler die Bewilligung eiitcS freien TageS vollständig ausgeschlossen. Mit welchem Recht entzieht der Bahnmeister Stadler den Wächtersubstituten die ihnen laut Arbeitsordnung 6 5 und § 15 gebührende Ruhezeit? Zum Beispiel: Ein Suäctjterfu&ftitut arbeitet von 6 Uhr früh bi? 10 Uhr vormittags. Um 10 Uhr vormittags tritt er den Dienst an, der hiS 2 Uhr nachts dauert. Um 6 Uhr morgens mutz bet betreffende Mann schon wieder am Arbeitsort eintreffen, wenn er keinen Lahnausfall durch Abzüge erleiden will. Da der Weg vorn Posten zur Wohnung und von der Wohnung zur Arbeitsstelle oft seht weit ist, so ist in solchen Fällen ein nur zweistündige« AuSruhen vollständig ausgeschlossen. Um gefällige Auskunft in dieser Angelegenheit wird gebeten. Hn bi: k. f. StaatSbahndirektion in Villach. Das Güterzugspersonal in Villach-Staatsbahn erlaubt sich die höfliche Anfrage, in wessen Auftrag der Herr Station»-Vorstand in Kolbnitz die Partie deS Zuges 771 zur Komplettierung von Rundholzwagen verwenden darf. An die k. k. StaatSbahndirektion in Innsbruck. DaS Wächterpersonal der Station Imst wird bei dienstlichen Meldungen, insbesondere aber bei dienstlichen tele» phänischen Gesprächen mit dem Aspiranten Meesen in einer den Dienstvorschriften widersprechenden Weise beschimpft und beleidigt. Bezeichnungen wie »Schweinehunde, faule Individuen" u. s. w. sind an der Tagesordnung. Die Betroffen bitten eine L k. StaatSbahndirektion, diesen angehenden Beamten zu belehren, daß er im dienstlichen Verkehr mit den Untergebenen, sich genau nach der Dienstordnung zu verhalten hat. ______________ Alt dic Direktion der Oesterreichischen Nordwestbahn in Wien. Die Magazinsarbeiter der Station Reichenberg erlauben sich die Anfrage, ob es einer k. k. Direktion bekannt ist, dah in der Station Rcickjenbcrn nach 6 Uhr abends noch Güter von den Spediteuren zugeführt, im Magazin deponiert und den nächsten Tag erst aufgegeben werden. Wer Übernimmt in solchen Fällen die Verantwortung über diese Güter? Laut den bestehenden Bestimmungen sollen nach 6 Uhr abends keine Frachtgüter mehr ausgenommen werden. Um Abstellung dieses UebelstandeS wirb gebeten. Versammlungsanzeigen. In nachfolgenden Orten finden Versammlungen statt: Admont. Am 22. Februar in Kraus' Gasthaus 2uSschuft* sitzung. . Krems a. d. Donau. Am 22. Februar um 8 Uhr abends tn Frau HuberS Gasthaus Wähierversammlung. Schwarzenau. Am 23. Februar um 2 Uhr nachmittags in SalmayerS Bahnhafrestauration. Obertraun. Am 23. Februar im Gasthaus „zum Fuchs" Generalversammlung. Manlhauscn. Am 23. Februar um 8 Uhr vormittags im Gasthaus „zu den drei Kronen" Generalversammlung. Aspang. Am 28. Februar tun 3 Uhr nachmittags im Cafü Köttl. HaderSdorf am Kamp. Am 28. Februar um 9 Uhr vormittag? in Hollensteincrs Gasthaus. Weihenkirchen in der Wachau. Am 23. Februar um %3 Uhr nachmittags im Gasthaus deS Herrn iüZaug. Marchcgg. Am 24. Februar im Gasthaus des Herrn K. Teusch. Wien. Am 25. Februar um 7 Uhr abend? in Herrn Salauwns Gasthaus, XV, GaSgasse 8, Versammlung der Kanzleidiener und Drucker. Mistet. Am 27. Februar im Hotel Deutscher Öffentliche Vereinsversammlung. Lnditz. Am 2. März in NürnbergerS Gasthaus Generalversammlung. Nudig. Am 2. März um 4 Uhr nachmittag« im Gasthaus „zum Morgenstern" Generalversammlung. Send. Am 2. März um 2 Uhr nachmittags in RohtingerS Gasthaus Generalversammlung. Parschniti. Am 2. Marz um 2 Uhr nachmittags in KolbeS Gasthaus Generalversammlung. Böhmisch-Kamnitz. Am 2. März um 3 Uhr nachmittags im Gasthaus „zur Nordbahn". Dux. Am 2. März Generalversammlung. Mitgliedsbücher sind mitzubringan. Stehrling. Am 2. März um 1 Uhr nachmittags int Gasthaus des Herrn Preiöegg in Stehrling Wächterkonferenz. Teichstadt. Am 2. März um 2 Uhr nachmittags Generalversammlung. Steyr. Am 2. März um 2 Uhr nachmittags int Gasthaus .zum goldenen Pflug" Generalversammlung. Nenlengbach. Am 2. März um >44 Uhr nachmittags in LatzelbergerS Gasthaus. Klostergrab. Am 2. März um HO Uhr abends int Vereinslokal Generalversammlung, Mitgliedsbücher sind mit» znbtingen. Jammer. Am 3. März um 8 Uhr abends im Gasthaus Stolin (am Ziegslschlag). WelS. Am 8. Marz um 8 Uhr abends im Gasthaus „zum bayrischen Hof" öffentliche Vereinsversammlung. NauSnitz. Am 0. März um 5 Uhr nachmittags im Gasthaus Dworak in Slavikowitz. • - St. Pültc». Am 0. März um 'AS Uhr vormittags im Gasthaus „zum goldenen Ochsen", Wienerstrahe 48, General» Versammlung. Marburg III. Am 10. März um 0 Uhr vormittags im Vereinslokal, SerscbönS Gasthaus, Generalversammlung. — Um 8 Uhr abends im Kreuzhaf gemütlicher Familienabend. WeiSkirchlili. Am 16. März im VeteinSIokal General-Versammlung. gthimlmniliniig irtBiniii ifltafioit, Trotz wiederholter Aufforderung ist eS uns »och immer nicht gelungen, den statistischen Fragebogen von den unten angeführten Ortsgruppen zu erhalten, obwohl derselbe bi» IfinnftcitS 10. Jänner 1. I. einzufenben neiueftit wäre. Wir ersuchen daher die betreffenden Funktionäre dieser säumigen Ortsgruppen, auf daS nachdrücklichste dafür Sorge zu tragen, damit der in ihren Händen befindliche Fragebogen in allen seinen Teilen genau auögcfUOt und sofort an uns bchufS Anlegung deS Gesamtberichtes eingcfcitbet wird. Solange wir S5!Ltom„n. «lcht im Besitze aller dieser Bögen sind, solange kann von einer Fertigstellung deS Gesamtberichtes keine Rede sein. Beschin, Böliiiiisch-Trüba», Bubna, Ch»row, Tembica, Deutsch-Wagram, OlUrfnn, Ohminben, Haidenschaft, Haljcz, Hirslau, JiLin, Innsbruck I, .NaluSz, 5ilvstergrab» Kojetein, Komphczynce, LandSkron, Lctua, Pöltschach, Prag, Pkiüram, Rudolfswerth, Nzeszow, Nzochow, Sanibor, St. Michele, Zternberg, Tarnopol, Triest III, Triest V, Wallachisch-Mese-ritsch, Weiz, Wesely it. d. March, Wien-Favoriten II, Floridsdorf I, Marialiilf, Zablotow, Zelenila. vtigx beste existierende Marko für Herren and Damen, per Dutzend 4, 6, 8 und 10 Kronen. ffeuheit für jCcrren X®™« dauernd zu gebrau-eben, per Stück 2 uni' 4 Kronen. M'jiggjjj Frauenschutz, jahrc-lang haltbar, per Stiick 3, 6 und 10 Kronen. Preisliste der neuesten Schutzmittel, ver-schlosccn. gegen 20 h- S. GÜUNER Wien V/2, Schönbrunnerstr. 141/E. Adresse authelcn, cs wird Sie nie reuen. k. u. k. 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