lnr Kmlst, Literatur, Theater u. geselliges Leben. —-K'G^!-- Nedigirt von Leopold Kordesch. ^ 3B. Montag am AuZult Ä83V. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Wal ein halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in Laibach ganziähri« ü, halbjähr,g ^ sl. Durch die k. s. Post unier l^nuvert, mit portofreier Zusendung ganzjährig u, halbjährig 4 ft, C, M,, und w,rd halbjäbrio, ooraus' bezahl!. Alle s. f. Postämter nehnicn Pränumeration »n. In Laibach pränumerirt man beim Verleger am Raan, Nr. >yu, ,m ersten Otocke, offene Tafel. Eeyd jetz.! wohl bei,» reichen Male, Denket an den Fernen kau,». Der !»> fühlen Schattenthale Liegt «»> dunklen Waldessaum. Gast an Gast bei eurem Tische, Gast au Gast bei meinem Mahl, lim die hingeworf'ne Ninde Bunter Vögel reiche Zahl. Musikanten streichen, scharren, Labung ist's für euer Ohr; Mein e Gäste singen fröhlich Tafellieder selbst mir vor. Könnt ihr wohl euch kau,» erheben, Hebt vom Tisch die Gläser »uf, Lallet „Auf ein fröhlich Leben »I n der Stunde fernem Lauf.« Doch ich bücke mich hinunter. In der Hand das kleine Glas, Trink' auf euer Wohlergehen Aus der Quelle klare,» Naß. Eur e Gaste taumeln, wanken Treppen ab mit schwerem Schritt; Mein e ziehen, heiter singend, Eine Strecke Weges mit. Alexander Pat >, zzi. Gin Veitvag zur Geschichte der krainischen Slaveu. Von Joseph Buche »Hain. I. Hochzeitgebräuche der Unterkrainer. Ehret die Sitten, ehret die Gebräuche der Völker, Sie sind uns Zeugen alter »nd schönerer Zeiten. General Desaif. Der Krainer hat seine eigenen Weisen und Gebräu­che, welche sich in mancher Beziehung von jenen der übri­gen Volker weit unterscheiden, woraus sich eben beinahe mit Gewißheit schließen läßt, daß er ursprünglich zu ei­nem eigenen Stamme gehört haben müsse. Die Regierung der Urslaven, zu welchen auch der der Unterkrainer- diesen Beweis, den wir hier, ohne uns anderweitig auszudehnen, schon durch die Hochzeitgebräu­che, von denen hier die Rede ist, herzustellen glauben.*) Der Unterkrainer hat bei seiner Heirat!) selten seinen eige­nen Willen; Freunde, Anverwandte, auch oft selbst El­tern, werben für ihn um die Hand einer Jungfrau, und es wird selten um die beiderseitige Neigung gefragt. Die eigentliche Frage ist nur immer, wie viel die Braut, und wie viel der ihr bestimmte Bräutigam in die Wirthschaft zu bringen vermögen; ist dieses ausgemittelt, dann verfügt man sich zu dem einen oder andern Theile, preis't bei einer Flasche Wein mit schlauer Zuziehung der Anverwandten oder Eltern des andern Theils die Vorzüge, die guten Ei­genschaften und die pecuniären Verhältnis;« des Günstlings, doch holt man alle Gespräche nur von Weitem her, um vorläufig die gegenseitige Meinung zu erfahren, weil eine runde Abweisung immer eine Schande für die Werber bleibt. Diese Brautwerber heißen in der Landessprache ln»l„i/.!>i. Zu diesen gesellen sich gewöhnlich einige Mäkler, welche bald für die eine, bald für die andere Partei das Wort nehmen, und indem sie das Gesagte nach Kräften unterstützen, langen sie immer sehr fleißig nach dem Glase. Verstehen sie ihr Handwerk nicht gut, so geschieht es oft, das; sie als unnütz, wie die Drohnen, aus dem Vereine tu­multuarisch hinausgeworfen werden. Sind nun die Parteien im Punkte des Habens und Zubringens einig, so wird dann ein Tag, «-gewöhnlich der Sonntag nach dem nachmittägigen Gottesdienste) anbe­räumt, wo die beiden, bis dahin oft einander gar nicht kennenden, Brautleute unter zahlreicher Assistenz der An­verwandten, Bekannten und Mäkler sich gegenüber, gleich­sam zur Schau, gestellt werden. Verschämt und sittlich sitzt die junge Braut »sve»^) in ihrem Sonncagsputz am ") Die Gebräuche der Unterkrainer bei Hochzeiten , Taufen und Begrab­nissen, die hier der Reihe nach folgen werden, sind mit großen» Fleiße theils aus eigener Erfahrung, theils aus glaubwürdige», mündlichen Traditionen gesammelt worden. Sollte trotzdem hie und da etwas ver« gessen worden sc,m, so werden wir jede Berichtigung oder Belehrung Von Naterlandsfreundcn mit Dank annehmen «nd veröffentlichen. Die Ned. Krainer sich rechnet, war patriarchalisch; theuer wahrt noch ÄIO Tische, ihr weißes Haupttuch weit über das Gesicht her­ vorgezogen ; sie hält ihr Antlitz gewöhnlich mit beiden Hän­ den bedecke, und schielt verstohlen nach dem ihr gegenüber sitzenden Bräutigam («ii^ni»), der auch schweigend bis zum erhaltenen Iaworte nach jedem Augenblicke hascht, seine Braut in'? Gesicht zu fassen. ,Ist das Jawort von Seite der Braut erfolgt, dann findet sich wohl ein Vorwand, daß die jungen Leute sich einander nähern und sprechen; die Weinflasche geht dann fleißig herum, Alles wird fröh­ lich und guter Laune, und diese Verlobung dauert oft bis zum hellen Morgen, worauf sich alle Anwesenden erheben, um die Verbriefung bei ihrer vorgesetzten Grundobrigkeit oder bei der Bezirksherrschaft abzuschließen. Zu diesem Geschäfte werden, außer den Eltern oder Vermögensüber­ gebern beider Theile, zwei der Klügsten als Zeugen mit­ genommen. Dies heißt „pil,«« >ll,>ulr) und zwei Anver­wandten zur Braut, um ihre Mitgabe, bestehend aus Bett, gewand, Wäsche, Kleidern und einem Spinnrade (zum Zeichen der häuslichen Arbeitsamkeit) nach einem dort ein­genommenen Nachtmahle aufzuladen und nach Hause zu führen. Diese Mitgabe wird w,w genannt. Der Braut­führer (>l!l-ii5!i,!i!<, ill'o«) schließt sich gewöhnlich an, dessen Hauptaugenmerk darauf geht, Alles, was nur möglich ist, zu Gunsten der Braut im Hause zu stehlen und auf den Wagen zu bringen. Was einmal auf dem Wagen liegt, gehört der Braut, weshalb Alles, was im Hause der Braut lebt, den Brautführer bewachen muß. Nachdem die Gäste eingeladen worden, die einige Tage vorher durch den Bräutigam in Begleitung des Braut­fuhrers, und durch die Braut mit der Kranzeljungfer (i­«!>>/,il) zur Hochzeit gebeten waren (den Einladenden pflegt man überall einen Imbiß vorzusetzen), versammeln sich diese am bestimmten Tage des Morgens bei der Braut. Von da geht der Zug in aller Stille, oder unter dem Gejauchze der Dorfjugend zur Kirche. Vermöglichere fahren auch oft in der sogenannten K> i,>/,!>, (leichter Wagen, worauf Heu mit grünen Kotzen überdeckt, zum Sitze für 2 Per­sonen). Mächtige Hochzeicsträuße mit rothen oder weißen Bändern fehlen nicht. Nach Anhörung der heiligen Messe, bei welcher sich auch oft die Ortschaftsmusikanten zu produ­ciren pflegen, geschieht die Einsegnung der Brautteure. Nach beendigter Ccremonie bringen alle Hochzeitleute, zu­erst die Männer, dann das Frauenuolk, indem sie um den Hochaltar herum gehen, eine kleine Gabe der Kirche dar. Nach einem kurzen Gebete begibt sich der Zug in die Woh­nung der Braut zurück. I n einigen Gegenden ist auch der Gebrauch, beson­ders, wo die Braut aus dem Dorfe heirathet, daß sich die jungen Bursche scharenweise vor der Kirche versammeln und die Braut auf eine schlaue Weise zu entführen sich bemühen. Gelingt ihnen dies, so muß sie der Brautfüh­rer mit einigen Eimern Wein von denselben erlaufen. Die Forderung richtet sich hier nach den Vermögensumständen des Brautführers. Auch pflegt man Wege und Strassen, durch welche die Brautleute nach der Einsegnung ziehen, so lange versperrt zu halten, bis die unberufenen Zollfor­derer ein bedeutendes Geschenk erhalten haben. (Fortsetzung folgt.) Italienische Studien. Von Adolph Ritter ». T sch a b u schn igg. (Beschluß.) Aber muß uns nicht nothwendigerweise Erstaunen er­greifen , das; schon vor so vielen Jahrhunderten das neue Italien so weit fortgebildet war. Allerdings trat dorr seit­dem in vielen Fächern, und insbesondere in der Dichtkunst, ein seltsamer Stillstand ein, dessen Ende erst die neuesten Bestrebungen erwarten lassen. Sollte man gleichwohl den eben besprochenen Meister­werken einen Vorwurf machen, so träfe er zugleich die ganze italienische Poesie und bestände darin, daß die vie­len Zusammenziehungen, ja gerade die zu große Sucht nach Weichheit manchmal zu Härten führt, und daß die Silben für den wälschen Vers gezahlt, aber nicht gemessen werden. Die feste, meist unveränderliche Silbenlänge griechischer und lateinischer Worte gibt dem Rhytmus dieser Sprache eine überlegene Sicherheit, Klarheit und Reinheit. Das schwankende, häufig nur auf dem Sinne des Satzes beru­hende Silbenmasi der Deutschen kann diese Vorzüge nicht erreichen, und unsere Verse erscheinen daher beinahe bar­barisch. Aber der eben bemerkte Grundsatz der italieni­schen Prosodie scheint wenigstens der Theorie einen noch niedrigeren Standpunkt, als ihn die deutsche inne hat, an­zuweisen. I n der Praxis ist dieser Mangel minder be­merkbar, da de^ italienische Dichter seine gezählten Silben noch einmal nach dem Ohre mißt, und italienische Ohren den Instinkt des Wohllautes besitzen. Aber wie sehr über­haupt ist der Italiener (doch minder als der Lateiner) durch das Befugnis; begünstigt, die Worte seines Satzes vielfach zu versetzen, und wie noch mehr dadurch, daß die italie­nische Sprache fast nur zwanzig beliebte Wortausgänge hat. Die Reime strömen ihm zu, und sind bei den weni­gen Tonnuaneen der italienischen Aussprache, bei einfache­ rer Ortographie fast durchaus reine Reime. Der deutsche Poet arbeitet dagegen im Schweiße seines Angesichtes. Bücherwissenschaft und Lebenserfahrung müssen gleich­mäßig, einander unterstützend vorwärts schreiten; der Acker deö Geistes bedarf seiner vielfältigen zweckmäßigen Bebau­ung und Aussaat. Aber auch das Gefühl kommt bei sol­chen Bestrebungen in Wissenschaft und Kunst nicht zu kurz; es wächst und veredelt sich mit den Fortschritten, die wir in beiden machen. Das Gefühl steht nicht im Widerspru­che mit dem höchsten Ziele des Daseyns, es ist vielmehr auf dasselbe gegründet, seine Vollendung und sein Glück davon abhängig. Das Gefühl wirft einen verklärenden Glanz auf das Leben; durch die Schönheiten der Nacur durch die Wunder der Kunst und zwischen den ernsten Li­nien der Wissenschaft wandelt es als stiller, segnender En­ KI? gel, dessen stille Gegenwart jedes Bestreben gedeihen läßt, unter dessen Schritten sich der Rasen mit Blumen bedeckt. Und wer konnte in Italien der Liebe vergessen — und wenn auch nur einer künftigen oder gebrochenen?! Sind Wälschlands Fluren nicht so unendlich schon, dasi das Be­dürfnis) nach Gluck dort lebhafter wird, als irgendwo? Ist seine Meerflut, sein Himmel nicht so sehnsüchtig bfau, daß sie zu seligen Thränen rühren?—welches junge Herz kann den Duft der Orangenblüten, der »^llen ^»ue-l ein­athmen, ohne in Schauern der L,ebe zu beben, — einer wirklichen oder geahnten? Wie glücklich verlangt der Mensch unter diesen Nachtigallgebüschen zu seyn, wie berechtigt zur Liebe fühlt er sich unter diesen blühenden Mirchenlau­ben! Da erwacht jede vergessene Klage der Sehnsucht, ver­lorene Erinnerungen tauchen wieder empor, und wie die f-u-l !»«,->:!>uk ziehen die alten Bilder der Liebe in golde­nen Nebeln. Die Sehnsucht nach Glück ist so schuldlos und erhaben, als irgend ein ewiger Trieb in unserem Her­zen, — aber nur die Liebe tonnte den Menschen so selig machen, um eine würdige Staffage hesp-erischer Fluren zu seyn. Neapel ist der Brennpunkt dieser Schönheiten: klare Lüfte zittern über dem Posilippo und der abendrothen Flut und draussen liegt die reizende Inselgruppe von Capri, Ischia und Procida; der Vesuv mit seinem ewigen Rau­che, den die untergehende Sonne feuerroch färbt, ist der magische Hintergrund der entzückenden Scene. Kann man dich aber auch ungerührt sehen, schöne, wunderbare Parthenoue? Streckt nicht selbst der alte Ote­anos seine blauen Arme sehnsüchtig nach dir aus, und sen­det dir nicht auch der Hades seine liebeglühenden Grüsse aus dem Krater des Feuerbergs? Du aber kümmerst dich wenig um die greisen Götter, und liebäugelst mit dem hei­lern Genius der Gegenwart. Deine Strassen sind mit tausendjährigen Lavablöcken ausgelegt, doch das leichtfer­tigste Mädchen, der jüngste Lazzaroni ist dir lieber, als der klassische Moder der Vergangenheit. Du schmückst dich im­mer neu und heiter mit blühendem Oleander, mit goldenen Orangen, mit Blumen und Flitterwert und mit der leben­digen Perlenschnur schöner Gestalten. Dein Stolz jedoch ist und bleibt die herrliche Strasse Toledo, der Mittel­punkt deines Lebens, das Herz d.eines Daftyns. Selbst der Wanderer aus Norden, der diese Fest- und Prunk­gasse sieht, muß in den Jubel des echten Neapolitaners einstimmen: Vecli >sni>nli e pui muuri! Palläste drängen sich eine halbe Stunde lang zu beiden Seiten aneinander; die Erdgeschoß« bilden einen glänzen­den Bazar. Was die Mode und der Luxus erfand, wird hier in geschmackvoller Vertheilung ausgeboten, und darü­ber hebt sich die schlanke, prächtige Säule, und die heilere Kuppel schwebt in sicherer Freiheit, Dreißig Fuß beträgt die Breite der Strasse Toledo, aber doch vermag sie kaum das Gewühl drängender und eilender Menschen zu fassen, die alle sich in ihrem Räume umhertreiben wollen. Wenn man sich hier glücklich durchgearbeitet hat, kommt man am königlichen Pallaste vorüber auf den weniger bestürmten Kai und zu dem herrlichen Spaziergange Vül-, renls. H'ier in den weitläufigen Gartenanlagen findet die Lust des Volkes hinlänglichen Raum und besonderen Stoff. Eßwa­ren, kühles Getränke, Palmenfächer und tausend Kleinig­keiten werden hier ausgeboten. Ein altes Weib rührt die goldene Polenta, und schneidet bald darauf für einen Ca­vallo noch rauchende Scheibe»; um dieselbe Münze erhält man daneben ein purpurnes Stück der kühlen Angurie; aber der Dampf des Makaronikessels lockt die neapolitani­schen Feinschmecker am meisten. Auch wer kein Geld aus­geben will, findet für sich gesorgt; ein alter, zerlumpter Improvisator kündet im Lorberschatten eine Probe seiner Dichtkunst an. Er bemerkt ausdrücklich, daß nur, wer be­liebe, etwas zahlen möge. Der Alte hält auch auf Ruhm: sein Stolz ist der volle, horchende Kreis. Seine Fantasie ergeht sich am liebsten in der Beschreibung eines herrlichen Gastmals. Er malt die einzelnen Gänge mit solcher Ge­nauigkeit, daß man Trüffeln zu riechen vermeint. Auch des kostlichen Weins wird nicht geschont. Dabei ladet er beständig zum Essen, und versichert wieder, daß er selbst nicht mehr zuzulangen vermöge. Er wischt sich häufig den Mund, das genossene Fett droht überzulaufen. Aber um ihn stehen, kauern und liegen gerührte, hungerige Zuhörer; sie vergessen den Mund offen und lächeln über die Fülle der Speisen naiv und erstaunt, wie ein junges Mädchen beim ersten Geständnis;' der Liebe. Emsig sucht der Laza­roni in den Taschen und kaut zuletzt vergnügt am Ende eines gebratenen Maiskolbens. Daneben ist ein Mario­nettentheater aufgestellt. Die jüngsten Scherze des Volkes, so wie die ältesten Geschichten der Genesis erscheinen auf den luftigen Bretern. Wenn aber die abendliche Gebet­glocke ertönt, da erheben sich die Zuschauer ohne Zaudern und sagen den englischen Gruß. Die Vorstellung setzt aus, und selbst Gott Vater, der das erste Menschenpaar so eben aus dem Paradiese verwies, muß zur eigenen Ehre die Bühne verlassen. Nach der kurzen Unterbrechung wird der Fortgang des Schauspiels mit desto größerer Lust er­wartet. I n den Alleen treiben sich Gaukler und Taschenspie­ler umher, Lieder werden vorgetragen, und wo die Man­doline klingt, sammelt sich eine Schar von Tanzlustigen. Sie stellen sich zum Monfrine an; aber ihre Lust am Tan­zcn ist so unschuldig, daß die Geschlechter meistens abge­sondert tanzen, und eine greise Mutter nicht selten die Partnerin ihrer blühenden Tochter ist. Dies harmlose Voltstreiben stimmt heiter und weh­müthig; man weiß nicht, soll man diese Massen bedauern oder beneiden! 3levue des Mannigfaltigen. Die Stadt Callao bei Lima in Peru wurde im Jah­re 174« durch ein Erdbeben vom Meere verschlungen. Wenn die See ruhig ist und die Sonne nahe am Unter­gehen, kann man diese Stadt deutlich am Meeresboden sehen; es ist gar nicht, als habe die Stadt eine Zerstörung erlitten, es stehen die Strassen und Häuser, selbst Kirchen ^, RT8 und Thürme so unter dem Wasser, wie Pompeji und Her­kulanum unter der Erde, und die Haifische und Delphine spazieren in die Häuser durch die Thüren und Fenster hin­ein, die zahllose Brut der kleinen Fische verfolgend. Kein Taucher hat sich noch hinabgewagt, um die Schätze, die dort seyn müssen, herauf zu holen; am Strande aber steht eine Wache, welche alles, was etwa ausgespühlt wird, auf­fangen muß. »Der Adler«, den wir bei Copirung einer erhebli­cher» Notiz immer citiren, und hiermit ersuchen, künftig bei Aufnahme der größer» Aufsätze aus unserer „<^rniuii!l" dasselbe zu thun *) erzählt folgendes Ereigniß aus Frank­reich , das einen traurigen Begriff von dem Stande des Volksuncerrichtes in einem Lande, wo es Statt finden konnte, gibt: „I n den erstern Tagen des Monates Juli hatte der Hagelschlag mehrere Gemeinden von Poitou be­schädigt. Der Pfarrer von Chavigni, einer kleinen Stadt in der Vienne, ergriff diese Gelegenheit, um seinen Zuhö­rern in der Kirche dies Ereignis; als eine Strafe Gottes für ihre Sünden anzugeben, und fügte hinzu, daß, wenn sie sich nicht bessern würden, noch weit furchtbarere Stra­fen über sie ergehen werden. Nach beendigter Predigt, als die Einwohner Chavigni's, noch ganz bestürzt über die furchtbare Prophezeihung, die heilige Stätte verließen, entlud sich ein schreckliches Gewitter mit Donner, Blitz, Hagel und den heftigsten Windstößen über ihren Häup­tern, Da sie nun die angedrohece Strafe so schnell und so heftig ausbrechen sahen, erfaßte sie die größte Erbitte­rung gegen den Pfarrer, den sie für die Ursache dieses Ereignisses hielten. Sie liefen tumultuarisch zu der Woh­nung des Maire, wohin der Pfarrer sich geflüchtet hatte, und begehrten seine Auslieferung. Der Maire suchte den aufgeregten Haufen zu beruhigen; allein dieser ward im­mer ungestümer. Verworrenes Geschrei herrschte. Der Eine behauptete, den Pfarrer im Ornate auf den Wolken reiten, der Andere ihn das Gewitter heraufbeschwören ge­sehen zu haben. Der Haufe begann förmlich das Haus des Maire zu stürmen und es niederzerreißen, als glückli­cherweise Gensd'armerie von Cioray ankam, welche, nicht ohne Gewalt zu brauchen, die. Menge zerstreute und die Hauptunruhestifter gefangen nahm." I n Irland ist gegenwärtig die Hungersnoth so groß, daß die Armen das Blut der Thiere kochen, bis es dick wird, und es dann essen; auch Seegras und kleine Mu­scheln werden gegessen. Viele Personen haben durch 4 8 Stunden nichts zu essen. Viele Familien leiden am Fie­ber, und das Schlimmste ist, daß der Mangel für Viele auch mit der Ernte, die hier spät eintreffen wird, noch nicht aufhört, da sie gezwungen sind, Kartoffeln zu rösten, bevor dieselben ein Achtel ihrer Größe erreicht haben, so, daß in einer Woche zerstört wird, was auf zwei Monate ausgereicht haben würde, wenn es die volle Größe erreicht hätte. I n Mannheim erscheint bei dem Buchhändler Heinrich Hoff seit August dieses Jahres wöchentlich zwei Mal ein Journal unter dem Titel: „Allgemeine Gasthaus-Zeitung " für Gastwirche, Reisende und Freunde der Ta­fel, herausgegeben von einer Gesellschaft reisender Fein- F e^ ' ^ ö' ^ sehr schätzbare,! Zeilschrift erscheint nämlich unser ^üMatz : Ausflug « on Triest noch Krainburg« aus den, Ita­lien,,chen übersetzt von R»d . Rialer , wörtlich abaedruckt, wobei aber l»w-,hi d,e Bezeichnung der Quelle als des Autors, ohne Zweifel aus Veilchen, gänzlich unterblieben ist. Nie Redaktion. schmecker. Nun haben also die Gourmand's auch ihre Zeitung, und wir wollen sehen, wie sich die Feinschmecker in der Iournalküche ausnehmen werden. Korrespondenz. Pcsth am 8, August lnzy. »Nächstens etwas über Literatur« waren die Schlußworte meiner Korrespondenz im Juni ; allein es «erging der glühende Juli ; August, der wcinreifendc tom heran und noch immer erschien kein Bericht, — nicht wahr? Endlich ist einer da. Sie öffnen, überstiegen die Zeilen und finden — eine Tagsbcgebenhcit aus Pesth! Allein Freund, Sie werden den­noch meinen guten Willen nicht verkennen, wenn ich Ihnen in ein Paar Worten sage, daß an alle,» dem einzig eine Krankheit Schuld ist, die mich bis jetzt gefangen hielt, daß ich weder das Theater, noch sonst einen öffent­ lichen Ort besuchen tonnte, und nun, um Ihnen doch nur etwas zu bringen, uon einer Begebenheit rede, die mir meine Besucher erzählten, und die jetzt das Tagsgespräch unserer Nachbarstädtc ist ^ Lozn r Hirsch , ein israeliti­scher Juwelenhändler aus Ofen, sehr wohlhabend und geachtet, begab sich am 22, Juli in der Früh mit dem Vorgebe», daß er in einem Hause einen Iuwelenhandcl zu schließen habe, welches er nicht näher angab, Von, Hause. Er nahm an Juwelen, Obligationen und bare,» Geldc, wie man beiläufig angibt, gegen i? — innuu fl. C. M. zu sich, fuhr auf einen, Stellwa­gen von Ällofe» bis zur Schiffsbrücke, und ist und bleibt seit der Zeit Verschwunden. Seine Frau mit ü Kindern wartete vergebens denselben Tag auf seine Rückkehr. Als er auch am folgenden Tage verschwunden blieb, wußte die trostlose Gatiin tein Mittel, als den Vorfall bei Gericht anzuge­ben. Obscho» die Behörde» ihr Möglichstes zur Erforschung des Nernüßten thaten, so mußte man sich längere Zeit nur in Muthmaßungen über diesen Fall ergehen. Einige glaubten, der Vermißte sey, dringender Geschäfte wegen, plötzlich verreist; andere wollten, wie schon die böse Welt ist, sein Ver­schwinden der Thcilnahme »n irgend eine,» Verbrechen zuschreiben; allein wie tonnte der treue, redliche Familienvater es über's Herz bringen, die Scinigc» ohne Abschied, ohne Notiz Von sich, zu verlassen? und ein Verbre­chen? wie sollte sich der überall geachtete Mann eines solchen schuldig gemacht haben? Endlich wurde durch die Thätigteit der Behörden als gewiß crmit­teli, daß sich der in der Rede Stehende nicht freiwillig entf rnt oder geflüch­tet, sonder» daß er wahrscheinlich ermordet worden sey. Obscho» man Von de,» Körper noch teine Spur gefunden, so sind doch schon mehrere von den Prätiosen, die sein waren und verkauft wurden, entdeckt, und mehrere ver­dächtige Personen Verhaftet. Bei dem Eifer der Untersuchungscommission, bei der Thätigkeit aller beireffendcn Behörden hofft man in Kürze da? Ver­brechen an's 3,cht zu ziehen. Ein ncner Beweis, daß man selbst in einer volkreichen Stadt mit einer großen Barschaft in der Tasche nicht viel siche­rer s>u, als in einem einsamen Walde.— Mein nächster Bericht soll mein Versprechen besser lösen und Ihnen Verschiedenes über Pesther-Zustände bringen, diesmal aber nehmen Sie mit einen, Patienten freundliche Rücksicht, daß er Ihnen Erzähltes erzählt und leben Sie wohl. 3. Krain's Flora. Mitgetheilt von A n d r e as Flei sch », a n „. Von den vorzüglichsten Gewachsen des t. s. bosnische» Gartens zu Laibach stnd bis zu,» ly. August folgende zur Blüte getomme» : ^müriintnuz -iclsceneli-nZ, aufsteigender Amarant!). — H,». viri­6,5, grüner Amaranth. — ^,» . tUitum, wilder Amarant!). — «Ulienur,«. ellum nidui», weißer Gänsefuß. — Oneu, Kj'brillum, Bastard-Gänsetuß. — ^i,en. gii-iK-um, grauer Gänsefuß. — (^nen. urbirum, Stadt-Gänse­fuß. — lVIknil,-! Zllibr.,, kahle Münze. — «eu . nemuruZ« , Hmn-Münze. — «ü„. vlrieli«, grüne Münze. - iUen. 3l,l<,>lic,i, Wasser-Münze. — Neu. liir^irt-,, rauhe Münze. — Äeu. ü^livi,, zahme Münze. —Äen, cu­bri>, roihblumige Münze. G h a r a l» e Dreisilbig. Flüchtig, eilig und leicht ist stets die erste der Silben, Immer bewegt chnc Rast; ruht sse, so ist sie nicht mehr. Schwer von Silber und G^ld sey, was die letzten bezeichnen, Und das sprödeste Herz schließet sich willig dir auf. Vieles erzeugt zwar die Welt, das lustig und ohne Gehalt ist, Aber Leereres nicht, als mein Ganze s dir nennt. — d- Laibach. Druck und Verlag von Joseph Vlasnik.