Schriftlcitung: «»thausgasse Str. 5. Ill-Pd-» Nr. »1, litnntii. Ceicch lnjua (alt talinlisu ht Conti» u. jdn-t«4<) c»n 11—11 tUt vorm. tartliftttit«« mtta nicht «Jtfiieart ra, nowrolok ®n-inrtmtjra mcht dkrüu irttn möluotfi IM» Com«i»g •MM. ?»IId«ll,fl<,.«»»t» SfcMO. Hlr. 8Q | Killi, Aamstag, den 7. chktoöer Lerwaltnng: Rathausgass« Nr. ö. r«le»d„ lii. ZI, taltmto«. Ve;ug§t>edi»gmigt» Durch die V»st : BUttdiäJrtl ...KIM g*lb!Üit«ji . . , . K « t# »OTHJüitiä . . . . K lfM gilt 411(1 mit BaStOsn« im - M»n»tlich . ... K 110 Sirtttliurig . . . K >•— Hoidjüzri, ®an|jiftria . . . . K II'— KSr« fluüoas ntztdea »Ich tl« B;ju^»,)<6ulITfn um dirdHrrc» 9tn#ctrltcte Httnaanratl gettat dl» iut RbtxOcBii« 1911. 36. Jahrgang. Traurige Folgen der roten Hetze. Füns scharfe Schüsse sind im Abgeordnetenhaus« gefallen. Sie waren dem Justizminister Dr. R. v. Hochenburger zugedacht, verfehlten aber ihr Ziel und nur einem glücklichen Zufalle ist eS zu danken, daß daß .BolkShauS" vor dem traurigen Ruhme bewahrt wurde, als Stätte eines arnarchistifchen Mordes in der Geschichte unseres Parlamentarismus verewigt zu werden. Ein der sozialdemokraiischen Parteiorganisation augchönger Tischleigeselle, aus Dalmatien zugereist «id irregeleitet durch die verhetzende Kritik, die von der sozialdemokratischen Presse an den auS An-laß der Wiener Ausschreitungen gefällten Strasur. teilen geübt wurde und die aus purer Böswilligkeit m der bekannten jüdisch-anarchistischen Weise den Zuftizminifier der urteilslosen Masse gegenüber sür das Ausmaß der diktierten Strafen verantwortlich machic, griff zur Mordwaffe, um schließlich bis zum Wahnsinn ausgestachelt durch die demagogische Hetz« lebt des jüdischen Führers der österreichischen roten Internationale und durch unflätige Beschimpfungen, die einige Mitglieder dieser Partei in ihrer wohl nur unter dem Schutzdache der Abgeordnetenimmuni-tät emporgewachsenen Kühnheit dem Justizmiuister pischleuderten, aus diesen fünf scharfe Schüsse in of-jener Parlamentssitzung abzugeben. Wer trägt die Verantwortung für diesen feigen Mordanschlag? Schon durch Monate hindurch wnr-bot von der rote» Führerschaft unter demagogischer Au»imyung der durch die herrschende Teuerung her-vorgerufenen Notlage in zahlreichen Versammlungen praktischer Bedeutung zu gewinnen. Je mehr sie sich anscheinend auch zerteilen und gliedern, uni so irmgir stehen sie doch in einem untrennbaren Zu-sz«incnhang. von dem uns vor allen Dingen stets «eder die Forscher überzeugen, die sich mit kühnem Ltgemute in daS Unerforschte und Ungekannte hin-oilsMgen. Zu diesen kühnen Männern, aus die die ztfamie Kulturwelt stolz sein darf, gehört auch der "»rwrzer Fridtjos Nansen, dem, in Anbetracht sei-«t fünfzigsten Geburtstages, die folgenden Zeilen gelten sollen. Fridtjos Nansen wurde am 10. Oktober 1861 in der Nähe von Kristiania geboren. Seine Jugend zibt nicht allzu viel Auslegendes und Absonderliches: n war ein Lind, wie es andere auch sind. Seine Studienzeit fällt in die Jahre 1380 und 1881. Er «d«ete sich der Natnrwiffenschast, ganz besonders aber der Zoologie und der Erdkunde, wo er von llchng an nach praktischen Erfolgen trachtete. Bereits im Sommer des Jahres 1882 machte ß an Bord des SeehundsfängerS „Viking" seine ttsi« wissenschaftliche Reife inS nördliche Eismeer. und in der sozialdemokratischen Presse in der wüste-ften Weise die breiten Massen haranguiert. Man kennt ja die Manier! Vorerst blutrünstige Ausrei-zung, giftgefchwollene stundenlange Hetzphrasen und dann ganz zum Schuße eine lahme zarte Warnung vor Ausschreitungen — zur eigenen Deckung! Blind-wütig suchte sich die rote Horde für die empfindliche Niederlage, die sie bei den letzten Reichsratswahlen in der Provinz erlitten, an den bürgerlichen Kreisen zu räche», dabei auch »och den billigen Nebenzweck verfolgend, die breiten Massen über ihre eigene Un-sähigkeit, durch positive Vorschläge und Leistungen an der Abhilssaktion mitzuarbeiten, und über die Zerissenheit ihrer Parteiorganisation hinwegzutäuschen. Es wurde von der jüdischn evolutionären Zentrale in Wien die Losung ausgegeben, allüberall, soweit die Organisation reicht, gegen die bürgerlichen Parteien und Abgeordneten, insbesondere gegen den Deutschen Nalionalverband loszugehen und zu Hetzen, und dies« Weisung wurde von den gehorsamen Unterverbänden mil einem Eiser, der einer besseren Sache wert ge-wese« wäre, befolgt. Aufreizende Kundgebungen und Entschließungen der Unterorganisationen waren in allen Teilen der Provinz und in Wien auf der Ta-geSordnung und mit einer Spitzfindigkeit und Drei-stigkeit sondergleiche» suchte man die Massen dadurch, daß man mit Beharrlichkeit die Fleischnot in den Vordergrund stellte, darüber hinwegzutäuschen, daß die Teuerung eine allgemeine, ja internationale ist, so daß nur hohler Unverstand sie unseren bürgerli-chen Parteien zur Last legen kann, daß dieser allge-meinen Not mit der Einfuhr ausländischen Fleisches allein nicht abgeholfen werden kann, daß vielmehr Maßnahmen notwendig sind, die naturgemäß einen längeren Zeitraum beanspruchen, ehe sie ihre mildernde Wirkung äußern und die oft nur bei Mitwirkung der betroffenen selbst zum Ziele sühren können. Diese Fahrt war für den jungen Gelehrte» gewisser-niaßcn die Schule, in der er feine späteren Ersah« rungen sammelte. Bald daraus ward er zum Ku-stoS am Zoologischen Museuiu in Bergen ernannt. Aber eine Wirksamkeit als Stubengelehrter vermochte auf Nansen keinen großen Reiz auszuüben. Studien-reisen brachten ihn ». a. dann auch nach Neapel, wo er die zoologisch« Station besuchte und sich manches praktische Wissen zu eigen machte. Bald aber hatte sich in dem jungen, strebsamen Gelehrten der Plan festgesetzt, Grönland auf Schnee» schnhen zu durchqueren. Am 9. Mai 1888 brach er auf zu einer Grönlandsreise. Die Expedition hatte er teils ans eigenes Risiko ausgerüstet, teils wa> reu ihm die Mittel hiefür durch den Kopenhagener Kaufmann Gamel zugänglich gemacht worden. Fünf Mann nahmen an der Expedition, die von Leith ausging, teil. Und dieser erste tastende Versuch war alleS an-dere, nur nicht leicht. Vielfache Irrfahrten er-fchwerten den Weg. Die Eisverhältnisse waren die denkbar ungünstigsten. Besonders an der grönländi-schen Ostlüste hatte es seine Schwierigkeiten. Aber frohgemut begann der junge, kühne Polarforscher am 15». August auf fünf Schlitten seine Fahrt durch daS JnnlandeiS: ein Wagnis, das von Fachgelehr« ten und Laien gebührend bestaunt wurde. Von Gyl-denlöwefjord im grönländischen Osten ging es nach Godthaab an der Westküste, woselbst man am 12. Oktober anlangte; er hatte sein Ziel erreicht und sich durch nichts zurückschrecken lassen. Man verstand es vortrefflich, mit dem billigen Schlagworte: „Die Bürgerlichen und ihre Abgeord-net«n sind an der Teuerung schuld" den unter d«r Teuerung am schwersten leidenden und daher für Schlagworte am empfänglichsten Volksschichten Sand in die Augen zu streuen und sich über die nolwendlge sachliche Erörterung hinwegzusetzen. Ein Neuster einer derartigen demagogisch-dreisten Knndgebung ist die Entschließung, die auf der Be-zirkskonferenz der roten Vertrauensmänner des arbeiterreichen Bezirkes Marburg gefaßt und in dem bekannten blutroten Grazer „Arbeiterwille" vom 1. Oktober l. I. veröffentlicht wurde. Darin werden die bürgerlichen Parteien ohne nähere Begründung unter dem allgemeinen Hinweis auf die Abstimmung in der sommerlichen Teuerungsdebatte kurzerhand Verbrechen geziehen und, um den Schimpserguß entsprechend zu würzen, in Aussicht gestellt, daß die Geduld von Millionen hungernder ArbeitSmenschen im ganzen Reich spontan reißen könne „und großen eintritt, was Wien bereits gezeigt hat. Wenn zum Schlüsse allen bürgerlichen Parteien und insbesondere dem Nationalverbande („welchem auch die Vertreter der Stadt Marburg und Brunn« dors angehören", fügen die roten Bezirksobern im schlechten Sozideutsch bei, um ja nicht mißverstanden zu werden) die „vollständige Mißachtung" ansge« sprochen wird, so zeigt dieS deutlich genug den demagogischen Endzweck derartiger dummdreister Enunziationen. Die angerempelten bürgerlichen Par> teien und Abgeordneten werden sich über dies« „voll-ständige Mißachtung" wohl leicht hinwegsetzen und derartige auf Gimpelfang berechnete knabenhafte Lümmeleien richtig einzuschätzen wissen. Wird doch die Zahl derer, die aus derartige niedrige Auslassun« gen edler Genossenseelen hineinsallen, von Tag zu Tag kleiner. Schließlich und endlich müssen auch die Die zurückgelegte Tour, die stellenweise über Höhen von 3000 Metern führte, umfaßte im gan« zen f>60 Kilometer. Das war eine respektable Lei-stung, aus die man ohne Ueberhebung stolz sein durfte. Man überwinterte und im Frühjahr des kommenden Jahres kehrte die ganze Expedition wohl-behalten nach Europa zurück, beglückwünscht von huldigenden Zuschriften der Zeitschriften und Zei« tungen. Bier Jahre später schickte sich Nansen an. dem Nordpol zu Leibe zu gehen, nachdem er nach dieser Richtung hin in aller Stille eisrigste Studien ge« trieben und sich die Ersahrungen früherer Polarrei« sender zunutzen gemacht hatte. Mit Hilfe der Mee-reSströmungen suchte er seinen Weg an den uord« sibirischen Inseln vorbeiznnehmen, um sich so, ge-wissermaßcn durch die Naturkräste selbst, dem Pol nähcr treiben z« lassen. Am 24. Juni 1893 brach der unerschrockene Forscher auf, der diesmal eine Begleiterschar von zwölf kühnen Männern um sich geschart hatte. Auch ein nach eigenen Plän«» konstruiertes Schiff führte er auf dieser Entdeckungs-fahrt mit sich. Das war die rühmlichst bekannte „Fram", ein Schiff daS sich auf dieser Polarsahrt Weltruhm errang. Diesmal ging es von Kristiania aus nach der Lenamündung und den neusibirischen Inseln. Nan-sen ließ das Schiff mit dem Eise treiben und kam aus diese Art nur in wunderlichen Zickzacklinien vor« wärtS. Am 14. März 1895 war er endlich so weit, daß er sein Fahrzeug verlassen und nunmehr den Seite 2 verbohrtesten Nachläufer der roten VolkSbeglücker mit der Zeit darauf kommen, daß ihr wüsteS Ge-schimpfe über die anderen Parteien lediglich den Zweck ha«, eigenes Unvermögen zu verdecken und die herrschende Notlage und Unzufriedenheit zu selbst-süchtigen Parteizwecken auszubeuten. Immerhin gibt eS aber heute noch Elemente, die durch Redensarten, deren sich der semitische Ge-nossenhäuptling in letzterer Zeit bedient hat, auf daS äußerste gereizt werden und die begreiflicherweise in die wildeste Extase geraten, wenn sie zum Beispiel ein anderer.Führer" daraus aufmerksam macht, daß heute die Laternenkandelaber nicht mehr aus Holz, sondern auS Eisen sind und mehr Arme haben, alS jene im 48 er Jahre. DaS Resultat solcher und ähn-licher nur im stolzen Vollbewußtsein schützender Im-munität gemachter blutrünstiger Andeutungen sehen wir in der Verwüstung von VolksbildungSstätten, in der Plünderung armseliger Greislerläden und ähn. lichtn roten Kulturtaten. Zielen aber derartige Un-zweideutigkeiten gegen eine bestimmte Person ab, wie dies in letzterer Zeit der Fall war, dann nehmen sie einen noch gefährlicheren Charakter an und ihr Erfolg äußert sich in meuchlerischen Schandtaten, wie wir sie nun erlebt haben. Danach weiß nun auch jeder Denkende, wer die Verantwortung für das frevelhafte und meuchlerisch« Attentat auf den Justiz-minister zu tragen hat. Die gefallenen Schüsse sollen aber und werden Alarmschüsse für das bürgerliche wie überhaupt für jedes ordnungsliebende Element in diesem Staate sein, Alarmschüsse, die uns ermähnen zu einem einigen und energischen Vorgehen gegen das rote Demagogen»«« und insbesondere gegen seine semitischen Gewalthaber, die das Feld der Sozial« demokratie zu ihrer zersetzenden Tätigkeit auserkoren haben, seitdem es ihnen der Wandel der Zeiten un» möglich gemacht hat, als „Liberale" eine Rolle zu spielen und von sich reden zu machen. Diesen Demagogen muß bewiesen werden, daß in einem ge« ordneten StaatSwesen Elemente nicht geduldet wer-den, die nur um ihrer eigenen Eitelkeit, ihres Bor-teileS willen und der Parteimacht zuliebe mit den Leidenschaften und der durch die Not der Zeiten ge-steigerten Erregbarkeit der breiten Massen ein frevles Spiel treiben. Der von staatswegen bisher geduldete Anarchismus muß beseitigt werden, russische Zustände können wir nicht brauchen. Darum hinweg mit dem jüdisch roten Demagogentum! Weg teils zu Fuß, teils auf dem Hundeschlitten nordwärts einschlagen konnte. Das wurde ein« äußerst beschwerliche Fahrt, die viel Mut und Zä-higkeit erforderte. Aber sie glückte dafür auch. Drei Wochen später hatte Nansen die respektable Leistung vollbracht, daß er den 36. Breitegrad überschritten hatte, also in die unmittelbare Nähe des Nordpols gelangt war. Die Verhältnisse zwangen den kühnen Forscher, von einem weiteren Vordringen vorderhand Ab-stand zu nehmen. So schwer ihm daS auch wurde, er mußte sich in daS Unvermeidliche schicken. Er ging daraus nach Franz Joses-Land, überwinterte dort und kehrte später wohlbehalten heim; auch der übrige Teil seiner Expedition kam glücklich nach Hause, obwohl die »Fram" über vier Monate lang im Eise festgehalten war und ihre Insassen schreck-liche Strapazen durchzumachen gehabt haben. Nansens rasch steigende Berühmtheit war in erster Linie seiner persönlichen Kühnheit und den allgemeinen Glücksnmständen zu danken die ihm unent-wegt auf all.-n seinen Fahrten und Forschungen treu blieben. Der Glaube an seine „Mission" war all-zeit unerschütterlich sest in chm. Seine Forschungen erweiterten jedoch nicht nur in geographischer Hin-ficht, sonder» erwiesen auch auf allen Gebieten der Naturwissenschaft unserem Wissen große Dienste. Tier- und Pflanzenwelt sah sich wesentlich nach ver-fchiedenen Richtungen hin erweitert. Die Lehren vom Erdmagnetismus, von den meteorologischen Verhältnissen im Norden der Erde erhielten durch Deutsche Wach« Itulirnische Politik. Der „Wiener Deutschen Korrespondenz" gehen aus diplomatischen Kreisen folgende Informationen zu: Man kann nicht sagen, daß die italienische Po-litik sich in neuester Zeit bemühte, Sympathien zu erwecken. Die Art und Weise, wie man in Rom die Dinge überstürzte, um den Streit mit der Türkei sozusagen vom Zaune zu brechen, hatte aller Orten Kopsschütteln erregt. Fernerhin konnte man in Rom noch darauf hinweisen, daß nach den bisherigen Er-sahrungen Verhandlungen mit der Piorte wegen Tripolis keinen Zweck hätten, da von türkischer Seite nichts anderes zu erwarten sei als neuerliche Ver-schleppungen. UeberdieS aber versicherte man in Rom allen Kabinetten, daß ein eventueller Konflikt sich ausschließlich auf Tripolis beschränken und Italien alles aufbieten werde, um etwaige Verwicklungen auf die Balkanhalbinsel zu verhindern. Nur mit Rücksicht auf diese Erklärungen wur-den der Aktion Italiens in der tripolitanischen Sache keine Hindernisse in den Weg gelegt, und zwar selbst dann nicht, als Italien nicht mehr, wie kurz zuvor, noch lediglich die wirtschaftspolitische Priorität in Tripolis, sondern seine dauernde faktische Besitz-nähme als Ziel seiner Aktion bezeichnete. Um so mehr und um so peinlicher mußte es daher überraschen, als die italienische Flotte sich nicht daraus beschränkte, die Landung und Besetzung von Tripolis zu sichern, sondern ihre Aktion aus die europäischen Gewässer der Türkei ausdehnte und ihren Hauptstoß nunmehr gegen die albanische und epirotische Küste richtete. Ob das bereits im ur-sprünglichen Plane des italienischen Kabinetts lag oder ob dieses durch die Spannung zwischen Zwei-bund und Tripelallianz ermutigt, die Gelegenheit für günstig hielt, nicht nur in Tripolis, sondern auch in Albanien ein Geschäft zu machen, ist gleich-giltig; zur Beurteilung des Vorgehens Italiens ge-nügt die Tatsache, daß Italien eS mindestens versucht hat, die Brandfackel des Krieges nach dem Balkan zu werfen und sich damit zu den Bestre-bungen aller Großmächte in schroffen Widerspruch gesetzt hat. Die italienische Flotte hat an der alba-nesischen Küste vor Durazzo demonstriert und vor Prevesa zwei von dem Ausbruche der Feindselig-keilen noch gar nicht verständigte türkische Torpedo-boote überfallen, wobei aus die noch unbestätigten Meldungen von einer italienischen Truppenlandung bei Prevesa gar nicht Rücksicht genommen ist. — Bedenkt man, daß in Albanien wieder die Flamme des Aufruhrs emporzüngelt und erwiesenermaßen italo-albanische Emissäre sie nähren, dann kann die Versicherung des italienischen Kabinetts, daß die italienischen Vorstöße gegen die albanische und eprirei-sche Küste dadurch gerechtfertigt seien, daß die tür-kische Flotte bei Prevesa ihren Stützpunkt habe, um von dort auS „kühne" Unternehmungen gegen die italienische Küste nnd den italienischen Handel ein-zuleiten, um so weniger ernst genommen werden. Nansens Mitteilungen teilweise ganz neue Perspek-tiven. Seine Messungen der MeereSliesen erweiterten und reformierten die diesbezüglichen herrschenden Anschauungen: man sah das Polargebiet fortan mit ganz anderen Augen an. Dazu kamen neben tiefgründigen wissenschaftli» cheu Arbeiten auch Publikationen äußerst gefälliger und volkstümlicher Art aus Nansens Feder, die rasch in fast alle europäischen Kultursprachen übersetzt wurden. Zu den bekanntesten Schriften der Polar-sorschung gehören wenigsten« sicherlich die Werke „Aus Schneeschuhen durch Grönland", „Wir Fram-leute" und „In Nacht und EiS"; daS letztere Buch im besonderen gewann die Gunst des breiten Pnb-likums förmlich im Sturm. Unter solchen populä-ren Publikationen litt natürlich der wissenschaftliche Name Nansens in keiner Weise. Im Gegenteil: diese volkstümliche» Schriften vermehrten seinen in-ternationalen Forscherruhm Immer mehr ward man aus diesen seltenen Mann aufmerksam und überschüt-tete ihn mit Ehren. So kam eS, daß im Jahre 1897 sür Nansen an der Universität Kristiania eine außerordentliche Professur sür Zoologie geschaffen wurde. Die Zuhörer strömten ihm in helle» Scharen zu. An der Jahrhundertwende finden wir Nansen wieder auf einer Forschungsreise. Diesmal hat er sich einer Tiefseexpedition angeschlossen. An Bord der „Hjort" wirkte er hier in seiner eingehenden, angenehmen Art. Und dann kam etwas, was die Welt ein wenig Nummer 80 als bei Prevesa eben nur zwei nichtsahnende türki-sche Torpedoboote „versammelt" waren. Die Absichten Italiens bei seinem Vorstoße gegen Albanien und EpiruS waren andere und eS existieren zwei Versionen darüber. Nach der einen wollte Italien damit eine Prestigepolitik treiben und hauptsächlich bei den Albanern den Eindruck her-vorrufe», daß Italien trotz aller bestehenden, auf dem Balkan bezüglichen Abmachungen in der Lage sei, den Fuß auch auf türkischen Boden in Europa zu fetzen; nach der anderen handelte eS sich dem italienischen Kabinett jedoch lediglich darum, die albanische und epireische Küste von türkischen Krieg»-fahrzeugen zu säubern, um dadurch dem Waffen-schmuggel nach Albanien Tür und Tor zu öffnen. — In beiden Fällen, die sich ganz gut kombinieren lassen, handelt es sich jedoch nicht nur um einen Stoß gegen die Türkei, sondern auch gegen Oester-reich-Ungarn. — ES ist nicht bekannt, ob in den Vereinbarungen von Desto ein solcher Fall vorge-sehen worden ist; sicher ist jedoch, daß in Rom be-reitS energische Schritte unternommen worden sind, um eS zur sofortigen Einstellung seiner Operationen in den europäischen Gewässern der Türkei zu ver-anlassen. — Die «euesteu Noten der italienischen Regierung, die jeden Angriff auf die albanische und epireische Küste leugnen, sind wohl «in Beweis, daß man in Rom sich der Gefahren, die man sich selbst geschaffen hat, bewußt geworden ist; allein es hat selbst dafür gesorgt, daß man sich in Zukunft nicht mehr an seine diplomatischen Noten halten, sondern darauf bestehen wird, daß auch seine Handlungen seinen Versicherungen entsprechen. — Die italienische Politik hat in den letzten Tagen die Sym> pathien, die sie genoß, vollständig eingebüßt, und soll dieser Verlust nicht ein dauernder sein und nicht zu seiner Isolierung führen, dann wird man au maßgebender Stelle in Rom dafür sorgen müssen, daß nicht, wie bisher, unverantwortliche Ratgeber das Kabinett weiter in eine Richtung drängen, ur der Italien als ein Staat erscheinen müßte, mit dem verbündet zu sein, weder Ehren noch Gewinn bringt. Völkische Werbrarbrit. Hierüber erstattete der BereinSsekretär Franz O. Nowotny bei der Jahreshauptversammlung de» Deutschen SchulvereiuS folgenden fesselnden Berichte Wenn das kräftige Wachstum eines Vereins-körperS ein Zeichen von Gesundheit ist, dann ist »»> ser lieber Deutscher Schuloerein kerngesund. 3lS neue Ortsgruppen haben sich unserer großen Or-ganisation im abgelaufenen Jahre angeschlossen uod uugesähr 12.000 neue Mitglieder haben wir je-wonnen. DaS schöne Bild von der mächtigen Schal-vereinSeiche, die ihre breiten Zweige schirmend über alles deutsche Land breitet, nnrv immer mehr zm schönen blühenden Wahrheit. überraschte: Nansen ward in den Jahren 190S nnJ> 1907 zum norwegischen Gesandten an London nannt. Sollte dies auch in gewisser Weise nur ei« mehr äußerliche Ehrung des kühnen Forschers fern, so verdient sie darum doch nicht minder an dieser Stelle registriert zu werden. Es ist interessant und charakteristisch zuglcch daß die beiden bedeutendsten Forscher der Gegn-wart den skandinavischen Landen entstammen, Wd daß sich beide einer Popularität in verhältniSllüßi; jungen Jahren erfreuen konnten, wie eine solche selten bisher Männern der Wissenschaft zuteil je-worden ist. Fridtjof Nansen und Sven Hedin, den» das sind die beiden Männer, die wir meinen, haben beide eine gewisse Aehnlichkeit miteinander. Aus idrei Physionomien spricht eine unbeugsame Entschlossen heit, die sich durch nichts von dem einmal sest «s Auge gefaßte» Ziel abbringen läßt. Solche Miiva aber braucht die Wissenschaft. Denn nur eine zäh» Energie vermag das zu vollbringen, was nottiit. was gebraucht wird. Und wenn auch fünf vollende Jahrzehnte noch kein Grund sind, zu großen iinei-nationalen Feiern aufzurufen, so verdient «S Fridl-jof Nansen dennoch, daß man an feinem Wiegeineftt geziemend seiner gedenkt und die Welt, der sei» „3° Nacht und Eis" so manche belehrende und mitct' haltende Stunde bereitet, an seine kühnen Forschn»-gen. an seine Verdienste um die erdgeschichtliche M seuschaft erinnert. Mögen ihm noch lange Jahre er-folgreicher Forschertätigkeit beschiede» sein! Nuiiraur 80 Und der Regen, der diesen mächtigen Baum befruchtete, war die Werbearbeit, die Ausklärungs-arbeit in Wort und Schrift, die von der Vereins-leitnng und ihren Organen, den Gauleitungen und den Ortsgruppen geleistet wurde. Weit mehr als 1000 Versammlungen wurden von den Sendboten der Vereinsleitung, unseren wackeren Wanderrednern, im Haupt« und Nebenberufe veranstaltet und dazu kommen wohl doppelt soviel Jahres- und Werbeversammlungen, welche von un-seren Ortsgruppen ohne auswärtige Hilfe abgehal-ten wurden. Wohl wickelt sich die Werbearbeit trotz aller osfiziellen Anerkennung, die der Deutsche Schulverein bei allen deutschen Parteien findet, noch immer nicht überall glatt ab, aber es sind keine prinzipiellen Widerstände, die zu überwinden sind. In den meisten Fällen ist es entweder die kleinliche Besorgnis, eine bestehende Körperschaft könnte durch die Gründung einer SchnlvereinsortSgruppe Einbuße erleiden, oder es sind die Reste veralteter Vorurteile, welche trotz aller Aufklärungsarbeit in manchen vom Weltver-kehr weiter abliegenden kleinen Gemeinden unserer Werbearbeit noch immer hemmend im Wege stehen. Unsere Schulvereinsortsgruppen haben «US bei der Werbearbeit fleißig unterstützt. Während in den früheren Jahren die Gründung neuer Ortsgruppen, soweit dieselben nicht spon-tan entstanden, der VereinSleitung und deren Or-ganen überlassen war, haben im abgelaufenen Ver-einsjahr unsere Ortsgruppen ihren redlichen Anteil an dem schönen Erfolge. Sie haben uns Vertrauens-männer namhaft gemacht, an welche wir uns behusö Einberufung der Versammlung wenden konnten, sie haben zu den GründungSvcrsammluugen Abordnun' zen entsandt, ja einzelne Gruppen haben in sehr dankenswerter Weise die gesamten, für die Grün-düng der Ortsgruppe notwendigen Borarbeiten selbst zeleifiet und so die Gründung erfolgreich in die Wege geleitet. Wie mächtig könnte sich unsere Organisation enuvickeln, wenn dies überall der Fall wäre, wenn jede Ortsgruppe bemüht wäre, aus die Nachbarorte, welche noch keine Ortsgruppe besitzen, entsprechend einzuwirken, indem sie dort Mitglieder wirbt, Wan-derversammlungen und Wanderveranstaltungen ab-hält und, wenn die Frucht dieser Bemühungen reis geworden ist, eine OrtSgruppengründuug durchführt! Es gäbe bald keine Gemeinde mehr, welche unserer großen Organisation nicht angehören würde! Heute stehen noch immer, selbst «venn wir den Umstand berücksichtigen, daß ost mehrere Gemeinden zu einer Ortsgruppe vereinigt sind, wenigstens 3000 dentsche Gemeinden unserer Organisation ferne. Sie zu ge-winnen ist die vornehmste Pflicht unserer geschätzten Ortsgruppen! Wie wichtig und notwendig diese Mitarbeit un-serer geehrten Ortsgruppen sür eine erfolgreiche Werbearbeit ist, zeigt am besten unser neuestes Werbemittel, unsere Vierteljahrsschrift „Der Kamps ums Deutschtum". Warum wurde diese neue Zeit« schrist geschaffen, trotzdem der Schulverein an fei-«in „Eckart" bereits ein treffliches Organ besaß? llm eine direkte Verbindung zwischen der Vereins-leitung und den Mitgliedern herzustellen und um der VereinSleitung die Möglichkeit zu bieten, zu 190.000 Mitarbeitern zu sprechen, ihnen zu er-zählen, wie gefährdet unser Volkstum an den Sprach-grenzen ist. und sie zu regster Werbe« und HilfS-arbeit anzuleiten. Der Zweck, den diese Zeitschrist verfolgt, kann »der nur erreicht werden, wenn uns unsere geehrten Ortsgruppen ihre Unterstützung nicht versagen. Nur »tun die OrtSgruppenleitungen sür eine passende Verteilung der Zeitschrist Sorge tragen, kann sie ihren nationalen erziehlichen und werbenden Einfluß | erfüllen. Und da können wir denn mit Freude feststellen, dag weit mehr Ortsgruppen, als wir gehofft, un-serer Bitte entsprochen haben. Wir wären zufrieden gewesen, wenn von den Ortsgruppen die Hälfte mi ersten Anlauf unserer Bitte entsprochen hätte, die Gewinnung der übrigen, so glaubten wir, müffe Loche nnserer Gaue und Wanderlehrer sein. Zu »serer angenehmen Ueberraschung wurden bereits die ersten Nummern unserer Zeitschrift von mehr Ials 1600 Ortsgruppen verteilt, ein Erfolg, mit dem mr vollkommen zufrieden sein können. Viele OrtS-zruppen berichten über einen stattlichen Mitglieder-pnvachs als Folge der Verteilung, die meisten er-kennen in der Zeitschrist ein wichtiges Ausklärungs-»ad Werbemittel. Mitglieder, die bisher nur des-halb, weil sie einmal angeworben wurden, aus Ge-ftlligkeit gegenüber einem Ausschußmitgliede unserer Vereinigung angehörten, sie werden über die Lei« tzjemsche stungen unseres Vereines, über die Notwendigkeit deutscher Schutzarbeit ausgeklärt und arbeiten nun-mehr aus Ueberzeugung mit. Dabei ist die Zeit-schrift wohl eines der billigsten Werbemittel. „Der Kamps ums Deutschtum" ist unser nationales Heller« blatt, nicht viel mehr als 1 Heller kostet der Druck einer Nummer von 16 Seiten, nicht mehr als sonst bei kleineren Auslagen das einfachste einseitige Flug-blatt kosten würde. Mit einer Ausgabe von 1 Krone kann man, wenn die Verteilung, wie dies beinahe überall der Fall ist, keine Auslagen verursacht, 100 Volksgenossen eine ganze Sammlung von Aus-sätzeu und Mitteilungen übergeben, welche sie sür die SchulvereinSsachc erwärmen und zu nationaler Opferwilligkeit begeistern. Man darf natürlich nicht erwarten, daß es gleich nach der ersten oder zwei-te» Verteilung der Zeilschrist Kronen regnen werde, aber die Beteilten werden die Zeitschrift lesen und bei den nächsten Veranstaltungen und Versammlun« gen, bei der nächsten Mitgliederwerbung oder Wei-nachtssammlung wird die Ortsgruppenleitung die Wirkung der Zeitschrift verspüren. Da wird nie-mand mehr sagen, ich weiß nicht, was der Deutsche Schulvercin leistet, und warum ich sür denselben etwas hergeben soll. Der Deutsche Schulverein hat nunmehr im „Kampf ums Deutschtum" seine Massenzeitschrift, wie sie die Sozialdemotraten in der „Bolkstribüne", die Klerikalen im „BonifaziuSblatt" längst besitzen. Daß sie nicht vollkommen ist, weiß niemand besser als die Herausgeber, aber alle sind freundlichst ein« geladen, an der Verbesserung und Ausgestaltung mit« zuarbeiten. Jeder Ratschlag, jede Einsendung wird sorgfältig aus ihre Brauchbarkeil erwogen werden. Wohl macht die kostenlose Verteilung in grö-ßeren Orten besondere Schwierigkeiten. Aber wenn es möglich war, die Zeitschrist in Graz mit Ersolg zur Verteilung zu bringen, dann mnß die» auch in Rnmburg oder Gablouz möglich sein. Viermal im Jahre tritt jede gesunde arbeits-fieudige Ortsgruppe an ihre Mitglieder heran: bei der Jahresversammlung, der Einhebnng der Mit« gliedsbeiträge, der Sommer- und Winterveranstal« tung. Bei diesen vier Anlässe» kann die Zeitschrift mit dcu Einladungen kostenlos versandt werden. Ihre Verteilung wird den Zweck dieser Veraustal-tung sicherlich fördern. ..Benützt euren Sommeraufenthalt für völkische Schutz- und Kleinarbeit!" So lautete der Ruf, der im .Eckart" und „Kamps" an unsere getreuen Mitarbeiter erging. Und sie haben dem Rufe treue Gefolgschaft geleistet. Aus zahlreichen Sommerfrischen kamen uns oft recht stattliche Erträgnisse von Fest-Veranstaltungen zu, manche Ortsgruppe wurde in ihrem Bestände wesentlich gekräftigt, manch neues Mitglied gewonnen. Zu den erfolgreichsten Veranstaltungen des letz-ten Jahres gehöre» die Blumen- oder Blütentage. Ein schöner und glücklicher Gedanke liegt ihnen zu Grunde: Schöne Frauen nnd Mädchen stellen sich sür einen Tag selbstlos in den Dienst deutscher Schutzarbeit, überreichen jedem dem sie begegnen, eine Blume und fordern dafür eine Spende sür die armen Kinder an der Sprachgrenze. Wer sollte sich weigern, einer solchen Bitte zu entsprechen? Die Erklärung für den überraschenden Erfolg dieser Blumentage finden wir wohl darin, daß wieder ein« mal ein Weg gefunden wurde, wie man in liebenS-würdiger Form Tausenden von Volksgenossen einen kleinen, gerne gegebenen Betrag abnehmen kann, den niemand als Opser empfindet, eine Methode, die ju auch der nationalen Schutzmarke zum durch-schlagenden Erfolge verhalf. Wir können unseren geehrten Ortsgrnppen nicht warm genug die Veran« staltung solcher Blumentage empfehlen, weil es kaum eine Art von Festlichkeiten gibt, die bei gleicher Er-giebigkeit so wenig Vorarbeiten und so wenig Vor-auSlagen erfordern, wie Blumentage. Eine völlig neue originelle Art der Durchführung solcher Blu-mentage verraten wir gerne jenen Ortsgruppen, die sich bereit erlären, ein solches Fest zu veranstalten. Borläufig bleibt sie unser Geschäftsgeheimnis. Eine überaus wertvolle Förderung unserer Werbearbeit erblicken wir in dem Beschlusse des großen deutschen Sängerbundes, mit welchem er seine 3000 Zweigvereine aufforderte, die SchulvereinSsachc in ihrem Rahmen »ach besten Kräften zu unterstützen. Dieser Beschluß bietet uns nunmehr die erwünschte Gelegenheit, mit den vielen Taufen« den reichSdeutscher Sängervereinigungen in Verbin-dung zu treten und die Werbe- und.Sammelarbeit rm Reiche aus eine feste Grundlage zu stellen. Aber auch über Deutschland und über Europa hinaus wollen wir werbend eingreifen. Eine erst vor kurzem geschaffene Werbestelle für Amerika stellt den Seile 3 ersten planmäßigen Versuch, die geldkräftigen deutsch-amerikanischen Kreise für unsere Arbeit zu interessieren und vielleicht wird es uns in, Laufe der Zeit gelingen, dort ähnliche Erfolge zu erzielen, wie sie die Tschechen bereits erzielt haben, denen im Vor-jähre aus Amerika nicht weniger als K. 153.000 zugekommen sind. Eine Satzungsänderung, welche Ihnen sehr ge« ehrte Damen und Herren, heute zur Beschlußfassung vorgelegt werden wird, und welche unS in Hinkunft die Möglichkeit bieten soll, auch außerhalb Oester« reichs Ortsgruppen zu gründen, wird der Werbe' arbeit außerhalb Oesterreichs erst die rechte Grund-läge geben. Wenn so unsere Werbearbeit über die Grenzen des Reiches mächtig hinausgreisen wird, um die stammeSverwandten Brüder Deutschlands und Ame-rikaS sür unsere Schutzarbeit zu gewinnen, so wird eS unsere vornehmste Arbeit innerhalb unseres en« geren Arbeitsgebietes Oesterreich sein, die Organisation auszubaueu und straffer zu gestalte», indem die Ortsgruppen eines kleinen Gebietes zu Bezirks« verbänden zusammengefaßt werden. Diese neue Or-ganisationsform. welche sich bei ter Südmark, dem Nordmährerbunde. dem Bunde der Deutschen in Böhmen glänzend bewährt hat, bedeutet keine De» zentralisation unserer Schutztätigkeit, ihre Aufgabe» werden vielmehr ausschließlich aus dem Gebiete der Werbearbeit liegen. Die Bezirksverbände werden da« für Sorge tragen, daß jene Kreise unseres Volkes, die an unserer Arbeit noch nicht teilnehme», sür die SchulvereinSsachc gewonnen werden, und daß die Tätigkeit aller Ortsgruppen eines Bezirkes auf allen Tätigkeitsgebieten gleichmäßig ausgestaltet wird. So werden wir eines erreichen, daß die allgemeine na-tionale Wehrsteuer, die wir im Schulverein freiwil» lig ausbringen, auf möglichst viele Schillern ver-teilt wird. Auch sür diese Bezirksverbände soll die heurige Hauptversammlung die gesetzliche Form schaffen. Endlich sollen Sie, verehrte Anwesende, heute über die Einführung eines SchulvereinStages ent-scheid«,. Es soll dies ein großer deutscher Fest und Sammeltag sein, durch seine Einführung soll eine großzügige Sammelarbeit, wie sie bisher immer nur ans besonderen Anlässen stattfand, als ständige Ein-richtung festgelegt werden. Große Ziele sind eS, wie Sie sehen, verehrte Anwesende, denen unser mächtiger Verein zustrebt: Die straffe Organisation und Ausgestaltung der Werbearbeit in Oesterreich durch Gründung von Bezirksverbünden, die Ausdehnung der Werbearbeit aus Deutschland und Amerika, die Einführung eines großen völkischen Sammeltages, das sind die drei große» Aufgaben, die unser Verein in nächster Zeit zu lösen haben wird und die er sicherlich lösen wird, wenn ihm wie bisher die opferfreudige Mitarbeit der Ortsgruppen erhalten bleibt. 2200 OrtS« gruppen, 190.000 Mitglieder können etwas erreichen, wenn sie einer Fahne folgen, wenn in allen Herzen die rechte Begeisterung für »nfere hehre Sache glüht. Der Weg ist steil, aber ans der Höhe leuchtet ein herrliches Ziel, das unsere Schritte beflügeln soll. Durch die glückliche Ausführung dieser drei großen Aufgaben werden wir unseren Verein dauernd aus einer Höhe erhalten, die ihm sür alle Zukunft «in gleich machtvolles Wirken sichert, wie es im Rosegger-Jahre dank der Rosegger-Sammlung, die wir wohl als OlückSfall betrachten muffen, möglich war. Der Deutsche Schulverein. den einer der hervor» ragendste» Dichter unserer Tage den edelste» Kultur-verein deS deutschen Volkes genannt Hai, er darf nie und nimmer von der glänzenden Höhe herabsteigen, die er derzeit inne hat. Dafür sollen alle sorgen, die sich mit Stolz Mitglieder unseres Vereines nenne» l Heil deutscher Werbearbeit allüberall l Politische Rundschau. Antimilitärifche Umtriebe in Wien. DaS Wiener Polizeipräsidium hat an sämtliche Kommissariate der Stadt ein Zirkulartelegramm ge-richtet, in dem davon Mitteilung gemacht wird, daß in den Vorortebezirken maffenhaft rote Flugzettel in tschechischer Sprache zur Verteilung gelangten. Der an die „Jungherrnschaft" gerichtete Text beginnt mit den Worten: „Wir rufen euch" und ist hochverrä» terischer Natur, indem er zur Nichterfüllung der mi-litärischen Dienstpflicht ausfordert. Mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit dieser Propaganda wurde allen Sicherheitsorganen die eifrigste Nachforschung nach dem Verbreiter dieser Flugzettel ausgetragen. K^chche Wacht 'Kv nji«a 80 Ein tschechischer Ueberfall im Parlamente. Bor Beginn der Sitzung erschiene» ungefähr hundert tschechische Frauen und Kinder, welche beim Ministerpräsidenten Gautsch und den tschechischen Führern Audienz verlangten, um gegen die Sperrung der Komensky-Schulen in Wien zu protestieren. Die deutschen Abgeordneten protestierten gegen den Ein-tritt der Frauen in das Abgeordnetenhaus. Der Präsident Sylvester gestattete jedoch einer kleinen Gruppe den Eintritt in dasselbe. Als jedoch plötzlich sämtliche Frauen in daS Haus drängten, protestierten dir deutschen Abgeordneten, wobei es zwischen den Tschechen Nemec uiid Tomaschek und den deutschen Abgeordnete» Hummel, Teusel und Kroy zu einem heftigen Streit kam, der bald in Tätlichkeiten zwischen den genannten Abgeordneten ausartete, die wie wütend aufeinander losschlugen. AlS immer neue tschechische Demonstranten nachdrängten, mengten sich andere deutsche Abgeordnete ein und eS entstand nun eine förmliche Prügelei, in welche auch Journalisten verwickelt wurden. Diener und Kanzleipersonal ver-suchten Ordnung herzustellen, erwiesen sich aber der Uebermacht gegenüber als viel zu schwach. Eine tsche chische Frau, ein DeputationSmitglied, verstieg sich so weit, den deutschen Abgeordneten Hummer anzuspeien und den deutschen Abgeordneten Roller beim Kragen zu packen und zu würgen. Viele Frauen und Kinder weinten. Der Skandal dauerte nahezu eine Stunde. Ruhe trat erst ein, als die Glocke zum Sitzungs-beginn ertönte. Ministerpräsident Freiherr v. Gauisch empfing eine kleine Abordnung, welche die Bitte vor« trug, die Wiener Komenskyschulen wieder zu öffnen. In Hinkunst wird die Säulenhalle für Massen-deputationen abgesperrt werden. Ein interkonfessionelles Gesetz für Bosnien. Die bosnische Landesregierung besaßt sich, wie man auS Serajewo berichtet, bereits seit längerer Zeit mit der Schaffung eines Gesetzes über die Glaubensfreiheit, über Erleichterungen bei Glaubens-Wechsel und die Ermöglichung der KoniefsionSlosig-seit sür Bosnien und der Herzegowina. Sie wollte die alten Bestimmungen, die sehr rückschrittlich und und in der Praxis undurchführbar waren, noch vor der Annexion abändern. Es ist wahrscheinlich, das ein entsprechender Entwurf noch in dieser Session deS bosnischen Landtages eingebracht wird, doch wird die Durchdringung desselben sehr schwierig sein. Nach § 36 des Landesstatuts ist zu einem Beschluß, welcher die Gesetzgebung in Kultusangelegenheiten betrifft, die Anwesenheit von vier Fünfteln aller Abgeordneten und eine Zweidrittelmajorität erforder-lich, demnach müßten alle drei Konfessionen der Schaffung des Gesetze» zustimmen, was jedoch unwahrscheinlich ist. Die Regelung der Gebäudesteuer. Die in der 18. und 20. Session des ReichS-rateS eingebrachten umsangreichen Gebäudesteuer-Bor« lagen sind nicht zur parlamentarischen Beratung ge-langt. Der nunmehr eingebrachte Entwurf bezweckt, den wohnungSpolitisch wirksamsten Teil der Bestim-mungen der vorerwähnten Vorlagen unter entfpre-chender Ausgestaltung — unbeschadet der in Hin« kunst bevorstehenden durchgreisenden Kodifikation — möglichst rasch in Wirksamkeit zu setzen, um so auch aus dem Gebiete der Steuergesetzgebung der allge-«ein beklagten Wohnungsnot entgegenzuwirken. Die Abkürzung der Steuersreiheits-Periode aus sechs Jahre unter gleichzeitigem Wegfalle der bisherigen Sproz. Steuer sowie die Ermäßigung des darauffol-genden SteuerfußeS aus 19 v. H. übernimmt der Gesetzentwurf aus den früheren Vorlagen. Für Kleinwohnungsbauten soll durch eine weitere Ermäßigung des SteuerfußeS auf 17 v. H. »och »m einen Schritt weiter gegangen werden. Für die Umbauten soll mit Rücksicht aus die gerade aus diesem Gebiet iu der letzten Zeit zutage getretene Bauspekulation die bisherige 5proz. Steuer aufrecht bleiben. In Be-zug auf die Definition der Kleinwohnhausbauten ist der Gesetzentwurf so viel als möglich dem Gesetz über den staatlichen WohnungSfürforgefonds ange-paßt, um nach Tunlichkeit die Anwendung beider Gesetze für dieselben Bauführungen zu ermöglichen. Aus Stadt und Land. Aus dem Mittelschuldienfte. Der Unter-richtSminister hat dem Direktor des Staatsgymnasi-üms in Marburg, Herrn Professor Julius Glo-wacki, einen längeren Urlaub bewilligt und Herrn Professor Dr. Josef Sorn zu dessen Vertreter be-stellt. Direktor Glowacki dürste von diesen« Urlaub nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren, da er bereits um die Uebernahme in den dauernden Ruhe-stand angesucht hat. Ernennungen im Iustizdienste. Die „Wiener Zeitung" meldet: Der Justizminister hat den Richter in Kirchbach, Dr. Ernst Kammer, nach Stainz versetzt und ernannte zum Bezirksrichter und Gerichte Vorsteher in Kötschach den Richter Dr. Wil» sried Seemann in Stainz, zu Richtern die AuSkul-tanten Alois Komljanc sür Logisch und Dr. Adols Pernat sür Franz. Ernennungen im Finanzdienst. Die Finanz-LandeS-Direklion für Steiennark ernannte die Steuerassistenten Hugo Hein, Johann Ladinig, Bin» zenz Lauko, Gustav Schwarfchnig. Philipp Slavic und Franz Gala zu Steuerosfizialen in der zehnten Rangsklasse. Der Bau des GymnafialgebSudes rückt in greifbare Nähe. Wie wir dem Staatsvor-anschlage für das Jahr 1912, der Freitag im Ab-geordnetenhaufe ausgelegt wurde, entnehmen, ist sür das Jahr 1912 zur „Unterbringung des Staats-gymnasiums in Cillt" ein Betrag von 150.000 Kr. eingestellt. Wir wollen nur im Interesse der das Gymnasium besuchenden Jugend wünschen, daß mit dem Baue demnächst begonnen werde, denn in dem gegenwärtigen Gymnasialgebäude ist die Gesundheit der Jugend in der Tat überaus gefährdet. Herbstmessepokal. Morgen Sonntag trägt die Mannschaft des hiesigen Athletiksportklubs in Graz das letzte Wettspiel um den Herbstmessepokal aus. Infolge der beiden Siege über den Marburger und Knittelfelder Sportverein kommen die Cillier mit der ersten Mannschaft deS Grazcr Athletiksportklubs, welche in dem Wettspiele mit der Graz« Sportver-eiuigung als Sieger hervorging, in die Schlußrnnde, und wird dem Ergebnisse mit Rücksicht darauf, als der Eillier Athletikfportklud das erste Mal mit einer erstklassigen Mannschaft ein Wettspiel austrägt, mit großer Spannung entgegengesehen. Ehrung eines Brunndorfer Ober-lehrers. Aus Brunndors wird der „Marburger Zeitung" berichtet: Die Ernennung des Oberlehrers Herrn Karl Mayer an der hiesigen Mädchenschule erweckte in allen Kreisen der sortschrittlichen Be-völkerung BrunndorsS lebhasten freudigen Widerhall. Dieser äußerte sich am 2. Oktober offen in der Ehrung, die ihm die Bevölkerung durch ihre Teil» nähme an dem von der Bauerurunde, deren Mit-gründ« und eifriger Förderer Karl Mayer ist, ver-anstalteten Fackelzuge. Während die Sängerrunde vor den Fenstern des Geseierten .Die Ehre GvtteS" und „Das treue deutsche Herz" zum Vortrage brachte, übermittelten der Großbauer Herr Muster und der Obmann der Sängerrunde Herr Hofer Herrn Mayer die Glückwünsche des Vereines. Gerührt dankte Herr Mayer vom Fenster aus sür die bereitete Ehrung. Die Teilnehmer am Fackelzuge vereinigten sich hieraus mit dem Gefeierten beim „Grünen Baum", wo die Sängerrunde unter Leitung ihres tüchtigen Sang-wartes Herrn Weixler den Abend mit Gefangvor-trägen verschönte. In den verschiedenen Ansprachen zeigte es sich, welcher Wertschätzung sich der neue Oberlehrer unter der denkende» Arbeiterschast des Ortes erfreut, wie sehr diese seine Arbeit für das Schulwesen Brunndorfs und die Gemeinde Brunn-dorf anerkennt. Festes und treues Zusammenhalten aller Kreise wurde neuerdings gelobt, damit Brunndorf bleibe was es ist — ein deutscher Vorort Mar-burgs. Amtstage der Bezirkshauptmann-fchaften. Im Monate Oktober finden in nachbe-bezeichneten Orten Amtstage der Be.irkshauptmann-fchaften statt, und zwar: ?lm 11. im politische» Bezirke Luttenberg in Oberradkersburg; im politischen Bezirk Rann in Drachenburg; im politischen Bezirk Windischgraz in Schönstein und Wöllan. — Am 12. im politischen Bezirk Marburg in St. Leonhard. — Am 14. im politischen Bezirk Cilli in St. Marein. — Am 16. im politischen Bezirk Rann in Lichten-wald. — Am 18. im politischen Bezirk Praßberg in Leutsch. — Am 19. im politischen Bezirk Praßberg in Sulzbach. — Am 20. im politischen Bezirk Gonobitz in Meilenstein. — Am 26. im politischen Bezirk Cilli in Trifail. Schulhauseröffnung in Brunndorf. Morgen Sonntag findet die feierliche Uebergabe des neuerbauten Mädchenschulhauses in Brunndorf an den Ortsschuliat und den neuernannte» Oberlehrer Herr» Karl Mayer statt Mit dieser Feier verbindet die Gemeindevertretung eine Ehrung für den Refe» renten des Deutsche» Schulvereines Herrn Dr. Baum, der durch sein Eintreten in der Hauptleitung des SchulvereineS der Gemeinde den Bau ermöglichte. Gäste sind willkommen! Eröffnung der ersten Rosegge rschule in Untersteier. Sonntag den 22. d., 12 Uhr mittag, findet die Schuleröffnung der ersten Rosegger-schule in Untersteier statt: jener zu Hölldorf, sta-tio» Pöltfchach. Der feierliche» Eröffnung, bei der auch die Hauptleitung des Deutschen Schulvereines vertreten sein wird, .folgt um ein Uhr mittags im Gasthose des Herrn Joses Baumann ein Festmahl. Evangelische Gemeinde. Morgen Sonn-tag findet in der Christuskirche um 9 Uhr vocmit-tags ein Schulgottesdienst, um 10 Uhr der öffentliche Gemeindegottesdienst statt. Am Montag abend treffen sich Glaubensgenossen und Freunde der evan-gelischen Sache im Sonderzimmcr des Hotels „Erzherzog Johann". Frühling im Herbst. Im Garten des Herrn Walzer in Gaberje steht ein Fliederbaum in schönster Blüte. Das so vorzeitige Bordrängen deS Frühling» wird auf dir ungewöhnliche Sommerhitze zurückgeführt. Bürgerliche Schützengefellschaft. Mor-gen Sonntag findet auf der bürgerlichen Schießstätte um 2 Uhr nachmittags ein UebungSfchießen und ein Preisschießen mit dem Manlichergewehre statt. Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich zu beieilige». Gäste sind willkommen und stehen diese« Gewehre und Munition zur Bersügung. Ein ReKonter. Freitag abends kam kS in einem hiesigen Kaffeehause zwischen einem Landwehr-leutnant und dem Pharmazeuten S. zu «inem Zusammenstoße. Der Pharmazeut soll dem Offizier, der seine Vorstellung nicht entgegennehmen wollte, ein beleidigendes Wort zugerufen haben, worauf der Offizier vom Leder zog und dem Pharmazeuten einen Säbelhieb über den Kopf versetzte, der eine, ziemlich. schwere Verletzung zur Folge hatte. Vom Theater. Montag gelangt „Die keusche Susanne" zur Erstausführung. Die lustige Operette, die reich ist an wirkungsvolle» musikalischen Schlagen, und lustigen Szenen, hat bei der Aufführung in Marburg den vollsten Beifall des Publikums gefunden und wurde von der Kritik allen Mitwirkend» die größte Anerkennung ausgesprochen. Die Titel-rolle singt Frl. Jda Bayer, während an den übrige» Hauptrollen die Damen Sapps und Urban un» die Herren Burger, Degen, Eghart, Fabro, Gerald. Golda und Lauser beschäftigt sind. Die Inszenierung besorgt Herr Golda. Dirigent Herr Kapellmeister Körner. Für den Freitag ist die Ausführung deS unverwüstlichen Schwankes Eharley's Tant« angeseyi, dessen zwerchfellerschütternde Komik stets den voll»» Beifall findet. Ein weißer — Spatz. Seit 14 Tage, bemerkt man in der Nähe dcS Gasthofes zur „Grünen Wiese" unter den zahlreichen Sperlingen einen ganz weißen Spatzen mit Rosaschnäbelchen und roia Augen. Der AlbiniSmus in der Spatzenwelt ist ge-wiß eine bisher wenig bemerkte Erscheinung. Postbotenfahrt nach Süßenheim. Sa 5. Oktober wurde zwischeu Laak bei Süßcnheim und Pristova eine wöchentlich dreimalige Boteusahrt eingerichtet. Slowenischer Sprachkurs! Die Unterrichtsstunden des slowenischen Sprachkurse» finde» jede» DienStag, Mittwoch und Donnerstag von '/t8 bis 7,9 Uhr abends in der LandeSbürgerschnle, 1. Stock, Lehrzimmer der 3. Klasse, statt. Der Un> terricht beginnt DienStag den 10. Oktober. Weiten ; Anmeldungen zur Teilnahme an dem Kurse nimmt i entgegen der KurSleiter Herr Oberlehrer Franz Zmerescheg in Stor6. Gräßliches Unglück beim Böller-schießen. Am 3. d. wollte in Raune bei Schön-stein ein 16 jähriger Bursche seinem Vater Franz Ä. anläßlich seines Namenstages durch das Abfeuern von Böllerschüssen besonder« Freud« bereiten, irr wußte nicht, daß d«r Böller geladen war, und stocherte am Zündloche herum, um «S zu putzen. Plötzlich entlud sich der Böller, wodurch der arme Jung« schwer verletzt wurde Die recht« Hand und den Unterarm verlor er ganz, von der linken Hand wuiden ihm Daumen u»d Zeigefinger weggeriise» und außerdem wurde ihm ein Auge ausgeschossen. ES wäre Zeit, daß dem Unfug« dtS Böllerschießent endlich gesteuert werde. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Haus und Familie $«Bnt«4s0eifog< »er „Veatschea Vacht^ i» Ltlli. Nr. 40 .Die Gübmart" erscheint jeden Sonnlag als unentgeltliche Beilage für die Leser der .Deutschen Wackt". — Einzeln ist „Die Südmart" nicht läustich. 1911 (Nachdruck verboten) Z>ie Freißetöeere. Plauderei von Dr. G. Schütte. Die erste Ernte der Preißelbeere hat begonnen» die zweite, die der dauerhafteren GebirgSpreißelbeere» erfolgt erst im Oktober. DaS Erscheinen der Preißel-beere wird von sehr vielen Hausfrauen mit großer Freude begrüßt, weil die schönen roten Beeren sich leicht einkochen lassen, gut haltbar sind und ein schmackhaftes Kompott sind. Frisch mit Zucker eingekocht und nach dem Erkalten mit süßer Sahne übergössen, sind sie gleichfalls ein köstliches Gericht. Der Name Preißelbeere hängt mit dem Mittel-hochdeutschen brozzen, daS heißt emporschießen, zusam-men. In Mecklenburg nennt man sie Tütenbeeren, von dem schwedischen „Tytebaern", «eil sie früher in Fäs-fern und mittels Sckiffe nach dort gebracht wurden. Die Bezeichnung „Kronsbeere" ist auch sehr ge-bräuchlich und soll andeuten, daß die Beere eine Lieb-lingSfpeise der Kraniche ist. Die Preißelbeere kommt nicht so reichlich vor wie ihre blau« Schwester, die Blau- oder Heidelbeere. Diese ist auch mehr die Freun-din der Armut, weil sie in großen Mengen von den ärmeren Waldanwohnern gesammelt und gewinnbrin? gend verkauft wird. Auch kann man sie bequem von den niedrig:» Sträuchern pflücken und ohne weiteres essen. Die Preißelbeere aber ist vornehm, sie verlangt, um genießbar zu sein, eine sorgsame Reinigung, einen reichlichen Zuckerzusatz und will erst gekocht sein. DeS-halb gelangt sie nicht so leicht in die Hütte der Armut. Nur die Vögel verspeisen die Beere, so wie der Wald sie ihnen bi«t«t. Dir Preißelbeere ist ein immergrüner Strauch mit kriechendem Wurzelstock, welcher ausstei' gende, fünfzehn bis dreißig Zentimeter hohe, flaumig-filzige Stengel treibt. Die Blätter sind kurz gestielt, verkehrt eirund und am Rande zurückgerollt. Zur Zeit der Reife ficht der kleine Strauch reizend aus, wenn auS dem Grün'der Blätter die Beeren hervorleuchten, vom zartesten Weiß bis zum tiefen Rot. Früher, als es noch nicht so zahlreiche Konserven-fabrik-n gab, da war die Preißelbeere diejenige Frucht, die am häufigsten eingemacht wurde. Man nimmt sogar" an, daß diese Beere die erste Konserve unserer Vorfahren gewesen ist, lebten doch die alten Deutsche« zumeist im Wald«, und e« liegt daher die Vermutung und Gewißheit nahe, daß ihnen die Preißelbeere am vertrautesten war. Wie man die Blaubeeren heute noch vielfach trocknet, so hat man auch in früheren Zeiten ihre roten Schwestern aufbewahrt. Dieses Verfahren ist b«i keiner andere!, Frucht so leicht, wie bei dieser. Schon ein mäßiges Erhitzen der schwarzen und roten Beeren gt-nügt zum Konservieren. Heut« werden in zahlreichen und großartig einge-richteten Konservenfabriken alle möglichen Früchte ein-gekocht, im Verhältnis am wenigsten die beliebte Preißel» beere. Das hat allerdings seinen besonderen Grund. Die rote Beere will liebevoll behandelt und sorgsam auSgelesen werden. Dazu aber haben die Fabriken keine Zeit, das ist zu kostspielig, so was kann nur die sorg-same Hausfrau leisten. Beim Einmachen von Preißel« beeren muß man nämlich ganz besonder« vorsichtig sein. Vor allen Dingen müssen die Beeren mehrmals auSge-lesen werden. Zwischen die Tausende kleiner Früchte verlieren sich gar zu leicht die kleinen Blättchen deS Strauche», und diese Blättchen haben einen herben Ge-schmack, der den Wohlgeschmack der Beere leicht ver-dirbt. Auch dürfen keine zu unreifen und keine faulen Beeren mit eingekocht werden, kurz, die Reinigung der einzumachenden Preißelbeere» ist so umständlich und zeitraubend, daß sie in den Fabriken nicht lohnend aus-geführt werden kann. Deshalb erreichen die gekauften konservierten Preißelbeeren nur selten den Wohlgeschmack der von den Hausfrauen selbst eingekochten. In vielen Gegenden gilt die Preißelbeere als eine Heilpflanze. Man rühmt den Früchten eine blutreinigend« Kraft »ach, nanrentlich bei Blutgeschwüren. I» den Alpen« gegenden quetscht man die rohen Beeren zu Brei und bestreicht damit Flechten und sonstige HautauSschläge. AuS den gerbstosfhaltigen Blättern, die man im Früh- o iaht sammelte, bereitet« man einen Tee, der schweiß« ^reibend wirkte, und dem man allerlei Heilerfolge nach-rühmte. Die jungen Blätter einer in Kleinasien wach' senden An liefen», leicht geröstet und gerollt, den so-genannten kaukasischen oder Batum-Tee, der zum Teil zum Bersälschen deS chinesischen benutzt wird. In Ruß-land bereite« man auS den Beeren einen trinkbaren Schnap», da« beliebte .Steinbeerwasser'. Ja Amerika, wo weite Strecken mit Preißelbeeren übersät sind, be-reitet man au« ihnen einen sehr schmackhaften Frucht-fast, der dort die Stelle unsere« Himbeersäfte« vertritt. Auch Brause- und andere Limonaden bereitet man au« dem Saft und bringt sie mit großem Erfolg in den Handel. So ist e« kein Wunder, daß in Amerika die Großunternehmer den Handel mit Preißeldeeren in der Hand haben. Sie schicken tausend« von Pflückern in die rndlostn Wälder und bezahlen sie in Akkord nach Fässern. Ja Amerika bevorzugt man die Preißelbeere, die auf sumpfigem Boden wächst und die man Cran-berry nennt, woher wohl unsere Benennung Kron»beer« stammt. Unsere heimische Pflanze gedeiht nur aus trockenem Heideboden und pflanzt sich unter den dürftigsten Ver-hältnissrn fort. An sonnigen Plätzchen der deutschen Heide erscheinen im Spätsrühling ihre weißen und rosa-roten, kleinen Glockenblümchen iit Mengen, die dann im frühen Herbst die ersten reifen Früchte bringen. Seit Jahrtausenden ist die Preißelbeere der Mensch-heil bekannt, und wie belieb« sie war, beweist der groß« Sagenkrei«, der Ihr Entstehen erzählt. Die drei bekann-testen Legenden find die folgenden: Nach der ersten bat ein frommer Einsiedler die heilige Mutter Gotte«, sie möge doch d«n armrn Leuten der Gegend, die von dem Wenigen, wa« sie besaßen, ihm da« zum Fristen d<« Leben» nötige zuwandten, doch Pflanzen wachsen lassen, deren Früchte ihnen «ine Labe und einen Gewinn böten. Da nahm Maria den Kranz au» jungem Grün von ihrem Haupt«, band ihn auf und strrut« seine Teile in d«n Wind. Und si«h« da, wo ein Blatt zur Erde fiel, da sprossen sofort Preißelbeeren hervor. Daher wird auch der kleine Strauch an manchen OUen »Liebfrauenstrauch" oder „Marien-palme" genannt. Die zweite Sage meldet, als Gott die Pflanzen geschaffen hatte, da prahlte der Teufel, da» könn« er auch, und erbat stch die Erlaubnis, den Bewei« zu lie-fern. Al« der Herr ihm da» gestattet, fei die Preißel-beere unter seinen Händen entsprossen, doch habe er dabei im stillen geflucht: «Wer sie ißt, der ist mir mit Leib und S«ele verfallen." Der allwissend« Gott aber durchkreuzte d«» Teufel» Absicht. Schnell setzte der Herr oben auf jede Beere ein weiße» Kreuzlein. Da« sah da« Volk in den vier die Preißelbeere oben krönenden Kelchlappen. So machte nach der Gläubigen Anficht Gott die Preißelbeere für den Menschen in jeder Be« ziehung unschädlich. Die dritte Sag« stammt au« drm Russischen und lautet also: E« war einst «ine stolz« Priaz«ssin, dir hart gegen ihre Untergebenen war. Sie liebte den Schmuck und trug die kostbarsten Edelsteine. Niemand von ihrrn Untertanen durfte auch nur annähernd ähn-lichen Schmuck tragen. So empfing sie im Glänze ihrer Diamantenpracht die Fürsten und Prinzen, die stch um ihre Gunst und Hand bewarbcn. Sie wählte den schön-sten Prinzen, aber dieser lehnte zum Erstaunen aller die Wahl ab mit den Worten: .Ich mag Dich nicht, stolze Prinzessin, denn ich habe auf dem Wege zu Dir eine Jungfrau gesehen, die war viel schöner al» Du, obwohl st« kein Gold und keine Diamanten trug, soa-dern nur mit scdönen roten Korallen geschmückt war." Da erteilte die eitle Prinzessin schnell den Befehl, daß alle Korallen im ganzen Lande ihr abgeliefert würden. Da« geschah auch, und sie ließ au» all den Korallen eine Riesenkette machen, deren Last zahlreiche Diener ihr nachschleppen mußten. In dem Augenblicke aber, wo die Prinzessin au» dem Schlosse trat, behängen mit der Ricsenkettc, riß dieselbe und alle Korallen koller-ten in den Wald. Wütend gab die Prinzessin den Be-fehl, daß man sofort die Korallen wieder sammle, aber siehe da, alle die kleinen Korallen hatten Wurzeln ge-schlagen und waren schöne rote Kron«bcere» geworden» Der schöne Prinz aber drehte der im Zorne erst recht häßlichen Prinzessin den Rücken und ging zu jener Juagsrau, der auch die Korallen durch die Boten der Prinzessin abgenommen waren, die ihm aber ohne Schmuck erst recht schön erschien und die er freite. Am See. Novelle«« von O. CzilinSkp. Bogelgezwitscher — ab und zu «in flüchtig«! Huf-schlag. In der Luft ein schwüler Ja«mindust. Auf einem Haufen Pferdemist eine Schar stch zankender, lärmender Spatzen. Dazu in der Ferne Glockengeläute. E« war ein Sonntag. Am Arm de» Herrn Kommi» hing da» kleine Nähmädel, stolz auf feinen Sonntagtputz. Die Buben liefen barfuß durch da» hohe Gra«, üb«r dem dir Mücken tanzten. Die Dame im lichten Seidenklrid aus d«r Bank am Serufer sah da» alle« mit nachlässiger, gemachter Gleichgültigkeit durch« goldene Lorgnon b eobachterd. gleich dem Mann entgegen, der stch von der »rückt der ihr näherte. Ihr Blick hatte etwa« Gespannte«, Schiftende«. .Also doch I endlich! Willkommen 1" Einen Moment ruhten ihre Hände fest ineinander, und auch ihre Blicke. „Sie sind wirklich noch ganz der Alte, lieber Klau«!" „Und Sie nur noch schöner, Cilly." Sie lachte- „Schmeichler I Heftigen« — al« ob Sie al« Gentlemann ander« hätten sprechen dürfen." — «lau« setzte stch neben ihr und betrachte ste in-»testiert. .Nein, nein, Sie haben sich nnt zum Vorteil eer&ndctt. Mich däucht, Sie find schlanker, noch mäd« chenhafter; al« ob diese »ehn Jahre spurlo« an Ihnen vorübergegangen wären." »Ja, ja, zehn Jahre." Sie seufzte komisch. „Man wird alt, teurer Klau»; da« hätten wir zwei un» nicht tränmen lassen — nach so langer Zeit — ein regelrechte» Rendenzvou« Z Wissen Sie, daß ich zu kommen zögert' 7 Bedenken Sie — meinen Ruf — in dem kleinen Rest." .Ich muß um Verzeihung bitten, Frau Cilly. Aber eben wegen de« kleinen Neste« schrieb ich Ihnen, bat ich um die« Stelldichein am alten Platze. Hier knüpfen wir gleichsam an, wo wir aufgehört. Wa« hätte ich Ihnen unter neugierigen Augen dritter sagen sollen?" „Nun gut, da« letztere lasse ich gelten. Aber da« Wiederanknüpfen--," e« klang mehr neckend al« abweichend. Klau« faßte denn auch ihre Hand. „Sind wir un« etwa nicht die Alten, Eilly? Jetzt, wo ich Sie leibhaftig vor mir habe, fühle ich'«; Sie sind mir wert wie einst." „O — o — sentimental? — nach allem? Und wir wollten doch nur gute Freunde sein. Erinnern Sie stch — f» schrieben wir wenigsten«.* „Freilich, so schrieben wir. Aber wir find frei. Ihr Man» ist tot — wa« hindert un« — .Halt," — ste hob den Finger und stellte den Sonnenschirm gleichsam trennend zwischen fich und Klau«. .Da« stimmt doch alle« wohl nicht so ganz. Wir haben un« einst sehr gern gehabt, und ich gestehe — ein gut Teil Sympathie ist zurückgeblieben. Sie haben mir verziehen, daß ich da« unsichere Lo» der Swig-Heimiichverlobten mit der Ehe vertauschte. Da« war nobel. Ich war hingegen nachsichtig und überging Ihre — sagen wir — Schteibfaulheit —, obwohl ich ohne sie wohl nie die Sattin meine« verstorbenen Manne« geworden wäre. 2?fr kennen da« Leben und haben überflüssige Jllufivnen b acta gelegt. Un« wie» derzusehen, alte Erinnerungen aufzufrischen, tvat un« Bedürfnis und Freude. Sie gehen wieder zurück nach Singapore, oder nicht 7" »Da« heißt: die Frage ist eine Verabschiedung " . Aber lieber Klau«, wie empfindlich! Ich dachte nicht daran! Ich bin nur vernünftig geworden." »Da« heißt: Sie lieben mich nicht mehr. Also kann ich wieder ruhig abreisen." »Eiel, Ihr Männer seid komisch! verlangen Sie von mir die Unüberlegtheit de« Backfische«?" „Nein nur viel mehr Liebe." .Schwärmer!" Sie sagte e« halb gerührt, halb spöttisch. Sie war eine Weltdame geworden. Er fühlte e« schmerzlich, und übet sein von der Tropensonne ge-bräunte« Gesicht huschte e« wie Enttäuschung. Nein sie war nicht die alte geblieben. Hatte er schuld daran? Oder ihre Ehe? .Eilly, ich weiß so wenig von Ihnen." .Wie ich von Ihnen, lieber lklau«." „Ich habe nur immer Sie geliebt, Cilly." Sie lachte — hell — girrend — amüstnt, wie über einen guten Witz. „Aber — aber; halten Sie mich für so naiv oder waren Sie wirklich solch ein Phantast? Liebster Klau« — da» hätte ich höchsten» verlangt, wenn ich zu der Sorte Frauen gehörte, die stch zeitleben« ihre Backsischnatur bewahren. Ich abet bin doch eine so et-fahtene, nachsichtige, vetständige Frau. Nein, nein — da« brauchen Sie mit wirklich nicht au« falschem Mit-leid oder falscher Galanterie vorzuflunkern. Soweit gehen meine Ansprüche an Ihr Geschlecht nicht." „Cilly I" Sie hob die Schultet. „Liebstet Klau«, wa» wol-len Sie? Ich habe gelernt mich zu bescheiden und — zu verstehen. Zehn Jahre waren Sie fern von mir — Sie wußten außerdem, daß ich einem anderen ge-hörte — ist e» da nicht selbstverständlich, daß Ihr Hetz auch für andere Frauen geschlagen hat?" „Mein Hetz? Nie —" Sie wiegte den Kopf. „Al« ob da« nicht auf da« gleiche hinau«käme — bei Euch Männern I Die Erin nerung steht durch die bekannte rosa Brille; noch dc zu. wenn ste einer Jugendliebe gilt." „Trifft da« auch nur auf un« Männern zu?" E« klang nicht ohne Bitterkeit. Ihre weiße Hand legte sich begütigend auf seinen Arm. „Sie sind mir böse, daß ich mich nicht zum Hö-henstug Ihre« Jdeali«mu« aufschwingen kann. Bedenken Sie — ich habe viel durchgemacht. Mein erste« Leid erfuhr ich durch Sie. Warum schwiegen Sie so lange? So ein kleine« Mädchenherz verzagt s« rasch, noch dazu, wenn alle Vettern, Tanten und Basen ihre 4 gu»0tmci*Uit «attchläac, NefSrchtungen »um Besten ge« »cn. Und meine «he? Sie war nicht besser und nicht schlechter, al» di« meisten. AIS mein Mann starb, hab« ich geweint, wie e» einer Witwe geziemt, und dann kam--da« Aufatmen Ich war wieder frei, und da», »»ein Freund, will ich bleiben. Verstehen Sie mich jetzt? Ja, ich bin egoistisch und auch pessimistisch geworden. Da» vollkommene Glück besteht doch wohl nur in der Einbildung. Vielleicht würden auch wir nur eine Durchschnitt»ehe führen — nach den Flitterwochen. Besitz vermindert den Wert. Sie sagen dazu kein Wort?" .Gnädige Frau ..." grau Cilly erhob sich seufzend. .Soll da» da« End« sein? Kann ich dafür, daß meine Seele flügel-lahm geworden ist? Sehen Sie die Wellen — gleichmäßig fluten sie dahin — kein Frühlingtsturm peitscht die Wasser mehr. Sehen Sie die Möwen — friedlich Hausen Sie miteinander. Der Kampf, die Aufregungen der Liebetzeit sind vorüber. Auch in mir ist e« still geworden, Klau»; schellen ste mich drob? Tun Sie'» immerhin — aber seien Sie dankbar für meine rück-haltlose, vielleicht schonungslose Ehrlichkeit. Lassen Sie un» al» Freunde scheiden." Er schüttelte den Kovf. »Den billigen Trost habe ich stet» verschmäht. Vielleicht haben Sie mich nie ge-liebt, wie ei« deutsches Mädchen lieben kann und soll." „Soll? Läßt sich d!e Gefühlsskala diktieren, vor« schreiben? Lieber Klau», Sie sind nuiv und selbstgefällig, wie alle Männer. Einst ließen Sie — vergessen Sie da» nicht — einst ließen Sie da» haltlose Mädchen im Stich; heule verlangen Sie die blinde Vertrauensseligkeit und die Hingab« der Siebzehnjährigen vom reifen Weibe, Ist da« gerecht und logisch?" „Sie sind eine gewandte Dialektikterin geworden, Cilly. Mir aber ist nicht darnach zu Mute, eine in-leressante Streitfrage gleichsam cn Passant beim Jour-fix zu erledigen. Ich kam mit übervollem Herzen hier-her — an die Stätte unsere« ersten jungen Glücke« — ich dachte es wiederzufinden. E» war eine Fata Morgana, der ich nachjagte. Verzeihen Sie die Torheit und leb«n Sie wohl." »Klau» l" Sie sagte e« weich bittend, und streckte ihm die Hand en!geg«n. „Sagen Sie mir, daß Sie mir nicht böse sind — daß Sie schreiben werden, daß-- Er küßte flüchtig ihre Finger. »Wozu!? Sie lieben doch keine falschen Sentimentalitäten. Machen » wir also einen Strich unter alte Dummheiten. Da wir doch vernünftige Leute lein wollen, ist eS besser ' so.' — Er sagte e» blaß aber mit fester Stimme. Nach einem tiefen förmlichen Gruß ging er davon. Frau «illy lieb sich zurückfalle» auf die Bank. Ihr war sonderbar weh zu Mute. Gern hätte ste Klau« zurückgerufen; aber wäre da» nicht lächerlich gewesen? Hatte Sie von seiner Seite noch längere« Bitten erwartet? Sie schaute ihm au« verschleierten Bugen nach. Ging da da« Glück von ihr? Sie wußte e« nicht. Ein Buchfink lockle sein Junge«. Warnend schlug eine Amsel im Busch. Sie achtete e« nicht. Eine dumpfe weh« Stimmung war über fie gekommen. Hatte ste doch töricht gehandelt — bei aller Vernunft ? — Spaziergänger kamen. Ein Fremder, dandyhaft ange-zogen musterte kühn die einsame elegante Frau. Da« gab ihr ihre Haltung wieder. Mit der ihr eigenen läs-sigen Anmut erhob sie stch und trat den Rückweg an. Hinter ihr sollte die Vergangenheit zurückbleiben. Den langweiligen, garstigen See aber würde sie in Zukunft meiden. Vermischtes. Wie man das Volk — aufklärt. Im Abreißkalender des „Christlichen Hausfreundes" hat das Blatt sür den 6. Mai folgendes nettes Ge-schichtchen: „Selige Gewißheit. Eine Missionär trifft eine alte Frau unter dem Vorsprunge eines Daches stehend und sängt mit ihr ein Gespräch an. Sie ist bitterarm, der Eigentümer des Hauses hat ihr erlaubt, unter dem Dache zu stehen, sonst hat fie keine Heimat. Dennoch ist sie sehr glücklich, denn sie trägt einen Schatz unter dem Gewände. Aus Bitten des Missionärs zeigt sie eS ihm freudestrahlend. Nachdem sie mehrere Lumpen abgewickelt, kommt ein Zettel zum Vorschein. Aus dem Zettel steht: Ich, Priester N. bescheinige, daß ich der Frau N. für zwanzig Franks eine Quadratello Bodenraum im Himmel verkauft habe. St. Petrus ist benachrichtigt, diese Frau alsbald nach ihrem Tode auf ihr Eigentum zu bringen." Mit diesen 20 Franks war ihr ganzes Vermögen dahingegeben, aber wie glücklich war sie trotzdem, hatte sie doch die Gewiß-heit einer Heimat im Himmel, die sie bald beziehen konnte. Deutsche, unte-ftützt eure Schutzvereine durch die Verbreitung der von ihnen heraus-gegebenen Wirtschaftsgegenstände (Zündhölzer, Seife u> dgl.) das euch nichts kostet und den Bereuten Nutzen bringt! Gebraucht fleißig die Wehrschatzmarken! Gedenket bei Wetten und Spielen der deutschen Schutzvereine! Deutsche Macht Seite s Delegiertentag der Gastgewerbeange- stellten. Der auf vollständig unpolitischer Grund-läge stehende „Bund österreichischer Gastgewerbeange. stellt« • (Zentral'itz Wien 8, Piaristengasse 34), kili in den Tagen vom 17. bis 19. Oktober seine« 11. ordentlichen Delegierteniag in Trieft ab. Diese Fachvereinigung hat in Oesterreich 40 Sektionen und 12 Zahlstellen, besitzt auch in Deutschland, Frank-reich, der Schweiz und England je eine Zahlstelle uns zählt derzeit über 2000 ordentliche Mitglieder. Die Bereinigung gewährt ihren Mitgliedern: ein Fachblatt, neun Slellenvermitlluiige», Rechtschutz, drei Rekonvaleszeiitenheime: in Baden bei Wien, Karlsbad und Meran, ttrankeiiunlcrstützung und Leichenkostenbeiträge an die Hinterbliebenen. Di« Zentralleitung' des Bundes besitzt derzeit ein nach Fonds geteiltes Vermögen von 14.027 Kronen. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung des elften DelegiertentageS wird die Beratung betreffend Einführung der Altersunterstützung im Bund bilden. In den Kreisen der Hotel-, Restaurant- und Kaffee-Hausangestellten sieht man dieser Tagung mit leb-hastem Interesse enrgegen. Lichtenroald. Morgen Sonntag findet um 4V, Uhr nachmittags im Saale .Neuheim" ein öffentlicher evangelischer Gottesdienst statt. Jeder deutsch und freiheitlich Hestnnte ist Mitglied des Wer» eines „Areie deutsche Schute!" Ein in Wien. Lbmann: Hermann Braß in Hohenstadt. — Seschüftsstelle. Wien 7. Lerchenselderstraße 5. tmtiittkgcdohr l K. Mrtgliedsbcittag mindestens I K. Grtndungsbeilrag Sv St., Lebenibeitrag 30 R. Die Der-«ia^^itichrifl tojlet sür Mitglieder i ft. Im Buchhandel 3 ft-Znschristen find im allgemeinen an die Geschäftsstelle zu senden. Schauliühnc. Taifun. (Sensationsdrama in 1 Akten von Melchior Lengycl.) Bor einem gutbesuchte» Hause stellte sich uns gestern im Sensalionsdrama „Taifun" unser Schauspielensemdle vor. Der Dichter hat unS in diesem Weike, — das Wort Toisun bezeichnet die Wirbelstürme, die ost an den ostasiatischen Kü ste» alleS vernichten, was ihnen im Wege steht — zwei Wellen gegenübergestellt, nämlich den fernsten Orient, dessen verborgene Kräfte sich nun zu entfal-ten beginnen, und den im Absterbe» begriffene» We-»ten, der an seiner Ueberkultur zugrunde geht. Die Handlung läßt der Dicktcr in Paris spielen. In km vieraktigen Drama 'zeigt er uns die schwärme-riichc Vaterlandsliebe der Japaner, ihre beispiellos« Hingabe an die Heimat und Familie, andrerseits aber die Zerrisienheit, Selbstsucht und eine Zweifel-sucht der Europäer, die selbst vor dem eigenen Ich nicht einmal Halt macht und schließlich zur Welt-«id Selbstverachlung sühn. Die schlauen Söhne Japans sind eifrig bemüht, sich die europäische Kultur anzueignen und sich aus die Höhe der heutigen »ropäifchni Wissenschaft emporzuarbeiten, über all» dem sie aber nicht ihr Vaterland vt.rgesseu, und Hof-fen. durch rastlose Arbeit u»d volle Einigkeit nnS zu überflügeln. Der japanische Dr. Tokeramo bezeichnet k» europäischen Rückgang als ..moralisch«» Taifun', wjj jedoch bald fühle», daß das Weib, die Blüte der europäischen Kultur, ihn zugrunde richten wird und er tötet deshalb Helene Laroche. Der japanische Patriotismus ?eigt sich nun im vollen Lichte, indem sich ein unschuldiger, hoffnungsvoller Jüngling als ten Mörder ausgibt, um Tokeramo, der seinem Va-lalande mehr nützen kann als er, zu retr«n. Europa trögt jedoch de« Sieg davon, denn Tokeramo stirbt, »achdcm er seine Mission vollendet, an der Kultur to Westens, die iym Leib und Seele verdorben hat. liefen Gedanken bat Lengyel in seinem Drama ! trßnst lebensvoll verkörpert. Die Aufführung, die unter der Leitung des Herrn Direktor Dr. SchliSmann-Braudt iu Szene »i-z. kaun als eine ganz vortreffliche bezeichnet wer-teil. Jeder Darsteller war sichtlich bemüht, dem Glücke zu d>m Erfolge zu verhelfen, den es auch weicht hat. Besonders hervorzuheben ist die Glanz-ieijtulig des Herrn Alfred. Bürger (Dr. Tokeramo), ter eine wurzelechte Gestalt aus die Bretter stellte md sich seiner äußerst schwierigen Ausgabe aus das Lest« entledigte. Nur stellen wir uns einen Japaner von heuzulage als keinen so schleichenden und devoten Mensche» vor. Seine Partnerin Frl. Jella Gre-gorow wußte in die Rolle der Helene Laroche Lei-denschaut und Temperament zu lege». Sie trug aller-dings etwaS zu stärk Farbe auf, so daß die frauzö-fische Grazie nicht voll zum Ausdrucke kam. Sonst ging sie jedoch ganz in ihrer Rolle auf. Hen' Di-rektor SchliämanuBrandt stattete die Rolle deS mit Welt-, Menschen- und Selbstverachtung erfüllten Schriftstellers Renard-Beinsky mit einer lebenswah-ren Charakterisierung aus. Auch Fräulein Ady Halmschlager bot uns eine schöne Leistung ihrer Bühnengewandlheit und holte aus der Rolle der The-rese Meuniers heraus, wa« herauszuholen war. Auch die übrigen Darsteller leisteten ihr bestes, um die Darstellung zu einer wohlgerundeten zu gestalten. Die Zuhörerfchakt war über die schöne» Lei>lu»geu des gestrigen Abends st 'tlich erfreut, was die mehr» maligen Hervorrufe der einzelnen Darsteller be» wiesen. — ES wäre zu wünschen, daß in Hinkunft die auf dem Theaterzettel angegebene Stunde des Be-ginnes des Kartenverkaufes auch eingehalten werden würde. Ebenso mnß auch die Abfertigung deS Publikums beim Schalter etwas flinker vor sich gehen. V. >V. Tagesneuigkeiten. Selbstmord der ehemalige »Geliebten L asja lleS. Ferdinand LaffalleS ehemalige Geliebte, wegen der er von ihrer» damaligen Bräutigam, dem wallachischen Edle» von Racoiritza, am 28. August 1864 bei Gens im Duell erschösse» wurde, hat sich wenige Tage nach dem Tode ihres dritten Gatten. deS russischen Schriftstellers von Tchewifch, mit dem sie seit längerer Zeit in München lebte, mit Chloral-Hydrat vergiftet und ist wenige Tlunden später im Krankenhaus gestorben. Die Verzweiflung über ihre Vereinsamung und die zunehmenden materiellen Sorgen bärsten sie in den Tod getrieben habe». Sie stand im 6r>. Lebensjahre. Z» München geht das Gerücht, daß auch ihr Gatte Schewi'ch wegen der drückenden Sorgen freiwillig aus dem Leben ge-schieden sei Sie wird an seiner Seite beigesetzt werden. Ueber BolkSrcstanrants für r a t i o » e l l e M a s s e n v e r p s l e g u n g be-richten die „Blätter sür BolkSgesuudheitSpslege" des Deutsche« Vereins für Volkshygiene u. a.: Die Stadt Zürich ist darin vorbildlich zn nennen: dort gründete eine gemeinnützige Gesellschaft schon 1893 acht eigene große Lokale dieser Ar», in denen, ohne Alkoholgetränkt, zu den festen Tarifen von 40 Cts. bis zu 1 50 Francs das tägliche, vorzüglich bereitete Mittagesien abgegeben wird. Am meisten wird das ersterwähnte, billigste Essen begehrt, das anS reich-licher Fleischspeise, Suppe, Gemüse und Nachlisch besteht und in solcher Menge verbraucht wird, daß pro Tag über 4000 FrcS. Absatz erzielt und so-gar gut verdient wird; denn im ersten Jahrzehnt hatte die Berivaltung schon über eine halbe Million Francs Ersparnisse gemacht. Diese „Bolksrestan-rantS" sind anziehend und geschmackvoll eingerichtet. Peinlichste Sauberkeit in allem, hohe, lustige Säle, die vorzüglich beleuchtet und ventiliert sind, und sachkundige Leitung mit entsprechenden Leistungen in der Bolksverpflegung großen Stils sichern das Gedeihen und die weitere Ausgestaltung. In der englischen Weltstadt ist eS die Speisestrom „Lyons and Company", die im allergrößten Stile mit einer Menge befferer und einfacher Lokale — ohne Bier — bei einer Dividende von 32'/,°/^ einen^volkSlüm-lichen Restaurationsbetrieb, der einzig dasteht, eingerichtet hat. In Deutsch! rnd dagegen heißt eS, daß „der Wirt beim Essen nichts verdient", was schon vor Jahrzehnten durch die weitbekannte», originelle» „Akademischen Bierhallen" in Berlin (ohne Bierzwang für die Gäste?) widerlegt wurde, den.« deren Besitzer war damit ein sehr reicher Mann geworden — trotz unglaublich billigen Preisen bei den großen Portionen, die eben wieder den Massenbesuch brach-ten, wozu der kluge Masseueiukaus an erster Quelle und die Verwertung aller Vorräte zur vollsten AnS-nützung vorteilhaft mitwirkten. Ein kleines, räumlich beschränktes Lokal kann allerdings mit derart nie-deren Speifetarifen nicht konkurrieren, hier wird nach wie vor „der geförderte Bierkonsnm" der ein-zige Rückhalt bleiben. Sehr zweckdienlich angelegt sind zweiselloS die Dresdener „VolkSwohl-Lokale", die in eigene» Heimen zugleich bessere Geselligkeit und edlere Volksunterhaltungen bieten, eine kombi-nierte, durchaus zeltgemäße Wohlfahrtspflege. WaS dort erreicht wurde in der körperlichen und geistigen Wohlfahrtspflege, kann weithin als mustergültig dienen, auch die Bibliotheken, Lehrkurse im Winter und Waldfahrten im Sommer, alles Mittel zum guten Zwecke, die große Menge auS dem gewohnten, gesundheitsschädlichen und geldfordernden Knei-penleben mit den vielen Exzessegesahren herauszu-bringen, den Sparsinn und die Familien»»terhal-timg dagegen mit Nachdruck zu heben. Ein Bestrc-den, daS die vollste Anerkennung aller derer, die für die gedeihliche Zukunft unserer deutschen Volkskraft Berständnis haben, verdient! Weibliche Richter in Marokko. Ein verdienter Asrikasorscher hat Marokka das Land der unglaublichsten Widersprüche genannt, und rvcnri dem so ist, so kann es »ich« wunder nehmen, daß dem Fremden auch in der marokkanischen Frauenwelt krasse Widersprüche begegnen. In einem Aussatz deZ OktoberhesteS von .WestermannS Monatsheften' schildert Else Mund auS eigner Anschauung die marokkanische Frau nach ihren verschiedenen SpezieS: die graziöse Haremsdame, die mühselige Proletarier-sran, d:e eingeborene Dienerin im Europäerhause, die stumpfsinnige Bäuerin, die wilde und grauiame Mal-Ainin der Wüstenoasen, die kluge Berberin. Ein besonders interessanter TypuS ist die Ari a, die an-gesehenste und wichtigste Persönlichkeit unter den Frauen einer marokkanischen Stadt. Die Arisa hat ihr Amt mit einem wohlgesüllten Geldbeutel erkauft, denn ihr Amt ist ehrenvoll, höchst einträglich und infolgedessen stark begehrt. Ihre Tätigkeit besteht in erster Linie darin, daß sie die Gerichtsverhandlungen führt, in denen Frauen angeklagt sind. Auch ist sie die Verwalterin deS Fr-uengefängnIsseS, da? sich M ihrem Haufe befindet. Allerdings darf sie nicht ganz selbständig urteilen, da sie unter dem K^di, dem Richter, steht, der seinerseits als Mann keine mohammedanische Frau verhören karrn. Sie hat sich aus der Straße ebenso irr den Haik zu hüllen wie jede andere Frau, und doch macht ihr jedermann respektvoll Platz, denn man erkennt sie an der tadel-losen Sauberkeit ihreS großen Tuches — ein ungewohnter Anblick in Marokko! —, dem würdevollen langsamen Gang u»d dem kleinen Gesolge von Frauen in ehrerbietiger Haltung, ohne daS ste niemals ansgeht. Ihre Meinung ist in allen daS weibliche Ge/chlecht interessierenden Fragen ausschlag-gebend; sie ist überhaupt die einzige Frau, die im öffentliche» Lebe» der westmarokkanischen Städte eine Rolle spielt, und von ihren persönliche» Sympathien und Antipathien hängt viel ab. Deshalb sucht sich jede in ihre Gunst zu setzen. An Festtagen wird sie von reich und arm mit Geschenken überhäuft und auch zu Tanzfesten in ihrem Hause pflegen die Ge-ladenen eine Gabe in Naturalien mitzubringen. Die Maurin freut sich auf diesen Tanz wiegeln deutscher Backfisch aus den Tanzstundenball. Sie zieht ihr bestes Fähnchen an, schwärzt Augenbrauen und Wim-per» ganz besonders sorgfältig, steckt die fingerdicken, handtellergroßen Ohrringe ein und hüllt sich klopfen-den Herzens i» ihren großen Haik. Und doch er-wartet sie im Hause der Arifa nichts als grüner Tee und Süßigkeiten, ein wenig Klatsch und der Tanz einzelner Frauen vor den kritischen Augen der anderen. Der Zukunstskrieg und die Technik. Wer die Manöverberichte der letzten Jahre genauer verfolgt ha», wird bemerkt haben, welche wichtige und heute fast selbstverständliche Rolle die technischen Truppe» bei diese» Kriegsübnngen spielen, und der Laie hört mit Verwunderung von einem sachkun-digen Schriftsteller wie dem Oberstleutnant a. D. Hermann FrobeninS im Okloberheft von „Wester-mannS Monatshesten", wie außerordentlich langsam sich die Erkenntnis von der Bedeutung dieser Trup» penteile durchgesetzt hat, wie lange man in ihnen nur teure Spielereien sah, wie wenig man mit ihnen anzusangen wnßte und wie gering man insolgedessen ihre kriegerische Brauchbarkeit einschätzte. Jetzt ist das glücklicherweise anders geworden, und man weiß, daß die einheitliche Leitung moderner ungeheurer Heeresmassen in Bewegung und Kampf nicht denk-bar wäre ohne die Hilfe aller Glieder nnsereS Ver-kehrS- und Nachrichtenwesens. Napoleon konnte bei Austerlitz noch von einem überragenden Punkte aus den Gang der Schlacht beobachten und durch Ad-jutauten im geeigneten Augenblick die zusammenge-drängten Massen seiner Bataillone in Bewegung setzen; aber schon Moltke war der Ueberblick über seine KorpS in den Schlachten vor Metz unmöglich, und General Oyama mußte 1905, um die Leitung der über eine Front bis zu 100 Kilometer auSge-dehnten japanischen Armeen sich nicht entgleiten zu lassen, sein Hauptquartier ans Tagemärsche rück-wärtS verlegen. Das Geschäftszimmer des Haupt« quartier» gestaltet sich fo zu einem weiträumigen fikitc 6 he»w,I®5) Gedenket Betten nnö Legate«'. öu« lele«. Deutsche Wacht Wie fich der Arbeiter Rudolf Hudolin als Wachmann benahm. Nummer 3«) In Lemberg, Bez. Cilli, war am 9. Juli der Gemeindewachmann vom Markte abwesend. Um nun »en Markt nicht ohn« einen Wächter deS Gesetzes zu lassen, ersuchte der Gemeindevorsteher den 25jäh« rigen Arbeiter Rudolf Hudolin, diese Funktion zu übernehmen und gestattete ihm auch, die Uniform des Wachmannes anzulegen, um in seiner neuen Stellung mit mehr Würde und Nachdruck auftreten zu können. Rudolf Hudolin stieg in dieser Uniform wie ein Hahn auf dem' Misthaufen und legte ein herausforderndes Benehmen an den Tag. Statt entstandene Streitig-leiten, die hier im Unterlande gewöhnlich in Raufereien ausarten, gütlich zu schlichten, suchte er fast selbst Keilereien auf. Gegen Abend entstand nun richtig unter den Bauerndurschen auf der Straße ein Streit. Als Hudolin davon erfuhr, eilte er stolzen Schrittes herbei und mischte sich ein. Der Bauernbursche Florian Prah begann ihn nun zu frotzeln, stieß ihn und wollte auch mit seinem Stocke gegen ihn losgehen. Hudolin ließ sich dieS nicht gefallen und zog vom Leder. Mit seinem Säbel hieb er dem Prah so heutig über die rechte gopfhälfte, daß er ihm zwei Zähne ausschlug, die Wange durchschnitt und die Zunge ver« letzte. Rudolf Hudolin halte sich deshalb wegen schwerer Körperverletzung zu verantworten und büszt nun die kurze Zeit seines Glückes, eint Wachmann-uniform getragen zu haben, mit einer zweimonatigen Kerkerstraft. Zahn-Creme t\\ Mundwasser Telegraphenamt, in dem die Meldungen von allen Beobachtungen und Erkundungen zusammenströmen, mögen sie durch Kavallcriepatrouillen. die sich kühn an den Gegner anhängten, mögen sie durch Lust« schifft, die die Luft über ihrer Stillung durchkreuz ten. mögen sie durch Flieger, die ihre Schleife» übn den Häuptern des Feinde« zogen, mögen durch Pioniere, die bei Nacht und Nebel sich an Hmder-niSlinien heranschlichen, mögen sie durch Fesselballons oder Radfahrer ausgeführt und durch Fnnkcnspruch oder Drahtleitung überbracht werden. Und von hier aus laßt der Oberkommandierendt, der wie im Krieasfpiel auf der Karte die Bewegungen von Freund und Feind verfolgt, feine Befehlt und Direktiven auf demselben Wege zu den Unterführern hinausflitgtn, llkrjengl, daß Meldungen und Be-fehl auf die vervielfachte Entfernung, dank der exak-ten Arbeit seiner Telegraphentruppe», schneller und sicherer ihr Ziel erreichen, als es auf fo kleine Ent> fernnnacn früher mit Adjutanten und Ordonnanzen zu ermöglichen war. DaS Kampffeld — ,rn Manöver sowie im Kriege —, daS früher Freund und Feind in langen Linien und in tiefen Han,en erkennen ließ wenn nicht dichte Rauchwolken sie dem Auge verhüllten, das den Gang der Schlacht, die Wucht des Angriffs und die Ermattung der Verteidigung vom ersten Kanonenschuß au aus der Richtung und dem anschwellenden oder nachlassenden Donnerrollen des Artilleriefeuers und an dem Geknatter des Ge wehrfeuerS erkennen ließ, eS ist in Zukunft zu einer unheimlichen Oede erstarrt. Nach Einführung der Schalldämpfer wird man nur noch daS Pfeifen der Kugeln vernehmen, aber kein Anzeichen haben, das den Standpunkt der Schützen verriete. Längst^ schon wissen sie sich dem Gelände, dessen Farben auch ihre Kleidung angepaßt ist. so anzuschmiegen, daß von den Tausenden und Hunderttausenden nicht einer zn sehen ist. Und in dieser unheimlichen Oede ist nicht einmal ein Adjutant, ein in fliegender Eile über das Feld jagender Ordonnanzoffizier zu erblicke»; nur hoch über der Oede ertönt das Surren der Propeller, die den Lnftkreuzer oder den Aeroplan mit EilzngS-aeschwindigkeit über daS Kampffeld treiben — das einzige sichtbar« und hörbare Zeichen der daS Kampf-feld beherrschenden Kriegstechnik. Gingesendet. Friedrich-Wilhelm. Preußische Lebens- und Garantie-Bersicherungs-Aktien Gesellschaft. Diese im >.ahre 1866 begründete erstklassige Persicherungs-Gesellschaft, deren Sitz sich in Berlin befindet, hat. allseitigen Wünschen entsprechend, sür Oesterreich eine eigene Direktion in Wien. 1., Kärntnerrivg 1?, errichtet. — Im eigensten Interesse versäume niemand, vor Abschluß einer Lebensversicherung Prospekte von der Friedrich-Wilhelm zu verlangen, die als eine der bedeutendsten und größten Versichernngs-Gesellschaflen auf dem ganzen Kontinente glänzenden Ruf genießt. Schutzmarle: „Unser" Liniment.Capsici comp., «Wo» flit flnUer-Pain-Expeller ist al» var,»glichst-. sch»«Mllendc und ableitende Einreibung be, t*tfalwn«en tritt*, allgemein anerkannt: jum Preise von 80 h, K 1.40 und 2 K vvrrätia m den meisten Ävothelen. Beim Einlaus dieses überall 6e» liebten Hausmittels nehme man nur Onginal-Naschen in Schachteln mit unsrer -chx&marfe Anker" an, dann ist man ncher, das Originalerzeugnis erhalten zu haben. ,»r. Richter» zum „Koldeneu LS«e»" i« Prag. Sliiabethstrab« Nr. 5 neu. 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Spengler-fiesdiiftl Ecke;Carnerle-«. HUarlMstna«. i 1 Nummer 80 ^evtfche zzUacht Seile 7 Auf dn« k »(».000 Oercs-Prcis-Aussrlireibeii nicht TcrKi'NHPn! Hcthere Bedingungen fiel allen Kaufleuten. ZI: 12.129/11. Kundmachung. Auf Grund des Gesetzes vom 10. Mai 1894 haben sich diejenigen Landsturmpflichtigen, welche Angehörige des Heeres, der Kriegsmarine, Landwehr (Landesscbötzen) [einschliesslich der Ersatz-Resenen) oder der k. k. Gendarmerie waren, sowie sonstige Landsturmpflichtige, welche für den Fall der Aufbietung des Landsturmes zu besonderen Dienstleistungen designiert und zu solchem Zwecke mit Widmungskarten versehen sind und sich im Bereiche der Stadt Cilli aushalten am 16. und 17. Oktober 1911 mit ihrem Landsturmpas^e, beziehungsweise militärischem Enllassungs-dokumente beim Stadtamte Cilli zwischen 9 uud 12 Ubr vormittags persönlich vorzustellen, bezw. zu melden. Diejenigen Meldepflichtigen, welche wegen unüberwindlicher Hindernisse an vorstehenden Tagen sich nicht vorstellen können, haben die Vorstellung am £3. Oktober 1011 bei der obigen Meldestelle nach» tntragen. St ad tarnt Cilli. am 23. September 1911. Der Bürgermeister: Dr. H. von Jabornegg. Kundmachung. Für die geferligte Anstalt wird hierait pro 1912 die Lieferung von Fleisch. Mehl, Gebäck, Milch, Spezerei- u. Kolonialwaren, Hülsenfrüchtsn, Bier, Holz, Steinkohlen, Bettenstrob, Totensärgen und die Beistellutig von Wirtschaftsfuhren im Offertwege ausgeschrieben. Die mit einem 1 Kroneustempel versehenen Offfrto sind unter An-kehrung des Namens des Offerenten und des offerierten Artikels aiu Umschlage des Offertes geschlossen bis längstens 31. Oktober 1911 bei der gefertigten Verwaltung zu überreichen. Hievon ergeht die allgemeine Bekanntgabe mit der Einladung zur Beteiligung mit dem Bemerken, daß die Lieferungsbedingnisse, welche für die Lieferanten, deren Offerte angenommen werden, in allen darin enthaltenen Punkten unbedingt bindend sind, bei der gefertigten Veiwaltuug eingesehen werden können. Landes Siechenanstaltsverwaltung in Hochenegg k Gilli am 1. Oktober 1911. Graml Prix Weltausstellung Paris 1900. Kwizda's Korneuburger Viehpulver. Diättsehrs Hltt«l fflr Pferde. Hornvieh und Schafe. Freit I Sclmebt»! K 1.40, 1 i Schachtel K -.70. Ueber 50 Jahre in den meinten Stellungen im Oebrattch bei Hansel an FreasItut.seMeeliter Verdammte, *ar Verbenaeran* der Milch u. Vermehrung der Mllchergiblgkeit d. Kühe. Kwltdaa Korncabarger y Vlehpnlrer echt nur mit l; nebenstehender Schuti- marke, zu belieben In 9 > allen Apotheken and Drogerlen. Hauptdepot: Franz Joh. Kwizda, Krei*apotlioker. Konicuturg bei Wien Du» berthmte Oberstabsarit und Pby-sikus Or. G. 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