„Mheit, Aild«»i str M " Rr. Kreiwg, J«»i tS««. V. Jahrgang. Die ^Marburger Zeitung" erscheint jedtn Soniitas,, Mittwoch und Freitaq. Preise — für Maiburg: ganzjährig e fl., halbjqhug 3 fl.. vierteljährig 1 fl. 50 kr', fsir Zllstellung in« Hau» monatlich 10 kr. — mit Postversendling: ganzjährig 3 fl., halbjährig 4 fl.. vierteljährig 2 fl. Die ein Mal gespaltene lSarmondzeile wird bei einmalige» Einschaltung mit 1V, bei zweimaliger mit 15, bei dreimaliger mit 20 kr. berechnet, wozu für jedesmalige Einschaltung 30 kr. Jnseraten-Siempel^elial)? kommen. Zur Geschichte des Tages. Eine Utb er sch reitung der österreichischen Grenze durch die Preußen hat bis heute noch nicht stattgefunden; dl,gegen ist beinahe ganz Sachsen in den Händen der Feinde, welche die Haupt-stadt Dresden verschmutzen, alle wehrfähigen Leute zum Kricgsdicnste zwin-gen, Post- und Kassengelder rauben und die Bürger brandschl^en. — Die ganze sächftsche Armee befinde! sich auf österreichischem Gettiele. In Preußen wird daS zweite Ausgebot der Landwehr einberufen und dadurch daS Heer auf 600.000 Mann gebracht. DaS gesammte TardetorpS lvird nun, der frilheren Bestimmung entgegen, nach Oberschle-sie» dirigirt und der Einmarsch desselben ,nit größter Eile betrieben. Die Armee in Obeschlesien wird der König persönlich tommandiren. — Nach einer Privatmcldung soll eine größere Menge Preußen von österreichischen Husaren gegen Tckönborn gedrängt und dort gefangen tvord^n sein. Baden hält, ivie wir vorhergesagt. treu zum Bunde und läßt bereits 5000 Mann nach Frankfurt marschiren, wo sich ein starkes Nun-desheer sammelt. — Die Bmern haben Koburg besetzt, dessen Herzog ans preußischer Srite sieht und sich mit seinen Schäden und Kostbarkeiten nach Gotha geflüchtet lzat. — Die Hannoveraner lagern in der Nähe von Bebra in Kurhefjen. biSwohin die Aufstsllung des achten Bundesarmee-korps reicht. Zwischen Hannover und Preußen fanden bereits Feind-seligk'iten statt. lZ?in hannoversche? Zollkrenzer wurde von den Preußen genommen: daS Panzerschiff ,.ArininiuS" soll die hannoverschen StranS-batterien bei Stade beschossen und zum Schiveigen gebracht haben: die hannoverschen Truppen kamen, zu spät. Das militärische gachblatt der „Kamerad" glaubt, daß man den Bortheil überschätze, den Preußen auS der Besetzung Dresdens ziehen tS^ne: er schreibt: „Es würde hente, nach der Ciafül)run.i der weittragenden gezogenen Geschiitze. keinem Feldherrn mehr einfallen, das von dominirenden Höhen auf allen Seiten nmgebene Dresden zu einer Festung machen zu wollen, oder selbst nur mit Feldbefestigungen zu ver. sehen, wie dies Napoleon I. vor der Schlacht von Dresden gcthan. um sich den Uebergang auf das rechte Elbe Ufer zu fichern und daS Debou-chiren seiner Truppen aus der Stlidt zu decken. Selbst wenn den Preußen noch die Zeit bliebe, die Höhen von Dresden mit Feldschanzen zu versehen, ivozu mindestens ein Zeitraum von einem Monat und 30« bis 40.000 Arbeiter gehören lvürden. Verlöre dieser Platz jede Wichtigkeit und wäre dessen Festhaltung im höchsten Grade gesährlich, wenn ein Stoß gegen die Operationsbasis der Preußen von irgcnd einer andern Seile her gefuhrt tvilrde. Das Verbleiben der sächsischen Armee in oder vor Dresden, um dicfe Stadt zu verth idigen und zu heilten, winde höchstens oazu geführt haben, den Sachjen eine Niederlage zu bereiten, da ein Erfolg der 30.000 Sachsen gegen eine preußische Armee von 120.000 Mann doch nicht als möglich angesehen werden kann. Eine Verstärkung der S'.chscn durch ein österreichisches Korps wäre ein Anfgeben aller Vortheilt gewesen, welche die koneentrirte Stellung unserer Nordarmee in sich schließt, und hätte nur lvieder das alte Kordonssystem und das grund-falsche Prilttip. jeden Fußbreit Landes besitzen zu wollen, zu einer höchst zweifelhasten Geltung gebracht. Wer Alles vertheidigen will, vertheidigt gar nichts, das ist ein strategischer und taktischer Grundsatz, der sich stets bewährt und seine Zllustralionen in allen Niederlagen gefunden hat. die noch immer alle Jene erlitten, tvelche gegen ihn fehlten. Daß die Preußen Dresden besetzen wtirden. war vorausztlsehcn, nachdem die Nachrichten von dem Rückmärsche der Sachsen und von der Reise der königlichen amilie nach Prag schon vor mehreren T^'gm hierher gelangten, und edcrmann darf überzeugt sein, daß die Besetzung Dresdens unsererseits nicht etwa aus Mangel an Zeit oder Truppen, oder an Energie unterlassen wurde, sondern, daß diese Unterlassung wohl überdacht ist und mit dem ganzen FeldzugSplane Benedek's im vollen Einklänge steht. Aller- Der ^ t n t t tj a l t e r. Bon z. Frey. lgortsetzung.) Als Röschen nach einer zweisrlvoUen und »mruhig durchwachten Nacht ausstand, trat ihm der BiNer schon völlig angekleidet mit einem heitern Gruße entgegen und sagte, er wolle gleich den Morgen mit Martin nach Rued hinüber, vielleicht dann nsch »vciter. um Erkundigung über den Weg einzuziehen, den der französische Spitzbube mit dem Braunen eingeschlagen h>ibe. Wie die Beiden fort waren, ließ rs Röschen keine Ruhe rnehr; eS mußte hinüber nach dem Kornboden, uin dem nächtlichen Geheimnisse nachzuspüren. Nach ltingem Suchen fand eS die drei Säcke liinter Strolz-bündeln vcrsteckt; als rs einen derselben öffnete, war er mit blanken Gewehren und scharsgeschlieffenen Säbeln angefüllt. Bei dieser Entdeckung war'S dem armen Mädchen, als sei ihm selbst ein scharfer Stahl ins Herz grdrul,gen. „So ist noch nicht genua Äam-mer dagewefen und noch nicht genug Blut vergossen worden," seufzte es. die Hände faltend und den trüben Blick zum Himmel erhebend; „ach. soll das die Rechnung sein, von der dcr B.tter sagte, so nimm mich, gü-tiger Gott, von dieser Wclt zu dir. ehe neue Elend, das ich nicht mehr zu ertragen vermöchte, herankommen tvird." Der lange Tag schien ihm zu einer Eivigkeit werden zu wollen; rs zählte Stunde um Stunde, Minule utn Minute, bis d^r V^'ter und Martin heimkommen lvürden; aber schon war eS spät am Nachmittage und noch »var Keiner erschienen. Die Mägde waren draußen aus dem Felde und eine drückende Bangigkeit ließ Röschen keine in dem menschenleeren Hnuse. wo eS von Stube zu Stube, von Kämmerchen zu Kammerchen ging, ohne eigentlich zu wissen, was es suchen wollte. Als sich die Sonne bereits auf dem Wald nirderneigte und immer noch Nie-mand heimkehrte, schieß es die Ttiüre und ging das Dorf hinunter, nach dem Kirchhofe; dort hatte eS schon so oft in trüber Stunde Trost und neue Kraft znm Dulde» gefunden und auf dem Grabe seiner und Christians Mutter den schwersten Kummer niederlegen könne». Drunten beim Gemeindehause kam ihm schnaufend, mit großen Schweißtropfen auf der Stirn, der FranzosenfriA entgegen. ^Nosel." rief er dem Mädchen von Weitem entgegen, „ist dir der Statthalter nicht begegnet da daS Dorf hinauf?" — ,,Nein." sagte RöScheiz leicht errö- «lhrnd. „ich Hab' ihn nicht gesehen. Hab' aber auch nicht Acht gegeben." — „Puh. ah,- pustete der Alte, sich mit dem Dreiröhrenhute Kühlung »uwehend. „würdest den doch sehen, wenn er c>n dir vorbeiginge — freilich — freilich, pressir' nur nicht so; ich sollt' ihn suchen, von wegen, eS ist Bericht gekommen von iZuertn Braunen. Bomben und Granaten gab das zu laufen! Der Statthalter ist gestern Nacht noch selbst nach Aarau geritten, um die Anzeige schnell zu mctchen und dann noch bis Aarburg und Zofingen, um Erkundigung einzuzieheti; es ivar Heller, lich-ter Morgen, nls er heimkatn und sein Roß war halb todtgespreugt. Jetzt ist ein Erpresser da van Aarau; mau bat den Braunen sammt dem Schelm, der io schändlich gtl0lien. ich bab' ihm den Weg gezeigt ^ der Spitzbube. Nun weißt du's und kannsts dem Martin sagen. Oli — brauchst nicht so roth zu iverden — glaub' b^ild selbst, alte Liebe rostet nit; mein' lvohl. der Statthalter lvär' andrer Leute wegen nicht bei Nacht in der lialben Welt lierumheriiten; aber jctzt muß ich ilzn suchen, er soll da hinaufgegangen sein Granaten, gibt daS zu laufen." Der Gerechtigkeitsdiener troltirte geschäftig weiter und Röschen selbst ging mit ivirren Gedanken »vie im Traume dem Kirchhofe zu, alle seine Pulse pochten in btUiqer Freude zusammen und manchmal glitt um die Lippen ein Lächeln, das sagen wollte: ich Hab s wohl g dacht, ich Hab' es ge-lvußt. daß er l^en liraven Martin nicht vergessen tverde — wenn er mir selbst nuch keinen D^'Nk schuldig ist; ach. wußten nur alle Leule. wie gut er ist. — So mit seinen Gedanken beschäftiget, blies» es. in immer schnellerm Schritte um die Ecke dcr Kirchhosmauer biegend, plötzlich erichreckt, errö-thend und verwirrt stille stehen. Kc.um zetzn Schritte vor ihm saß Chri-ftian auf dem Gr che seiner Mutter, da? entblößte H.iupt sinnend in die hohle Hand gestützt. Als er von drm Geräusch in seinen Betrachtungen gestört ausschaute und Rüschen bemerkte, trocknete er baslig die Tbränen und erhob sich. Einen Augenblick st.ind er. als oti er sich aus Etwas besinnen miißte; dann trat er langsam und ernst heran. l)i» er Röschens Hind sassend hart vor demselben stellen blieb. Seine Lippen beivegten sich wie zum Sp'ech n', aber kein Laut trat über dieselben. Röschen vermochte nicht länger ln diesrs einst so freudighelle und jetzt matte und thränktttrübe Aul^e. das mit tausend schmerzlichen Fragen auf ihm ruhte, zu schauen; es senkte den Blick und sagte leise, fast zitternd: ..Der Aran-zosensritz sucht Tuch —- es se» ein Crpreffer von Aara« da." ^ „Ich tvill geh'n — ich will dich nicht stören." erwiederte der Stattiialter mit eben so unsicherer Stimme, „aber sag' mir. Röschen, hast Du das ge-than? — Er deutete auf das Grab der Mutter, iiber dem die grünenden Zweige der TranerlBeide säuselnd auf- und niederschwankten. Möschen dingS wird eS den Vewohnern der sächsischen Hauptstadt nicht angenehm sein, die Düppelstürmer in ihren Mauern zu sehen, aber diese Anwesenheit der Preußen wird gewiß nur von kurzer Dc^uer sein, und ihr baldiger Abmarsch dürste geschehen, ohne daß Dresden einer Beschießung ausgesetzt wird." Oesterreich ha», wie die „N. Franks. Ztg." meldet, bezüglich der Bllndesresorm den Mittelstaaten gegenüber Verpflichtungen übernommen. Der Ausgangspunkt deS vereinbarten Projekts sei daSjenig?. welches Oesterreich in Frankfurt vorgelegt hatte; aber die damit vorge-nommenen und von Oesterreich zngtstandenen Umgestaltungen seien derart, daß. zumal im Vergleiche mit dem BiSmarck'schen Plane, alle aufrichtigen Freunde Deutschlands mit dieser Bundesreform sich nur befriedet erklären könne«. Die Delegirten Versammlung sei durch ein förmliches Parlament, welches auf Grund deS WahlgeschcS von 1S49 gebildet werden soll, erM. das Fünfer-Direktorium durch ein Direktorium von Dreien, ent-sprechend dem Gedanken der Dreitheilung. welcher entschieden verwirklicht werden soll: vorläufig sei Preußen seine Stelle offen gelassen. Auf daS ständige Präsidium wäre Oesterreich bereit zu verzichten. Äe Nachricht, daß Bosnien und die Herzegowina unter österreichische Herrschaft gebracht werden sollet». h»,t man in diesen Län. dern durchaus nicht freudig begrüßt. Der Plan ist zwar aufgegeben; allein eS kann doch geschehen, daß ihn die wrise Diplomatie wieder auf den grünen Tisch legt und es ist darum nothwendig. die Stimmun^l der Bosnier und Herzegowiner kennen zu lernen. Ein Berichterstatter dcS „Wanderer" schreibt: „Es kann kein Ziveifel darüber aufkommen, daß die Christen in der Türkei daS elendste Dasein, das je ein Volk geführt hat, frifttn. Die größte Unsicherheit und Rcchtlosii^keit entwurzelt die RajahS. man macht den Unglücklichen daS Leben zur Qual, zur beständigen Pein Und dennoch erschracken die Bosnier und Herzegowiner. als sie von dem projektirten Wechsel ihrer Herren vernommen haben, warum? Kann eS denn einem Zweifel unterliegen, daß sie unter einer christlichen und civili-firten Regierung nur gewinnen könnten? Die Ursache dieser scheinbar befremdenden (Srschtinung liegt in dem Bewußtsein, daß die türkische Herr-schaft dem Ende sich zuneige, und wenn nicht früher, so doch in einem halben Jahrhunderte, die Christen der Pforte wiederum Herr ihrer Ge« schicke sein werden. Die RationalitStSidee beherrscht alle Völker deS Orients in solchem Maße, und wie ein elektrischer Strom durchzuckt sie alle Nationalitäten deS Morgenlandes, soll man aber unter die Krone der Habsburger gelangen, so muß man sich natürlich von dem Gedanken tlner nationalen Selbstständigkeit lossagen. 3ch will mit, durchaus nicht zum Richter aufwerfen, ich behaupte nicht, daß die Völker gut handeln, allein ich zeige Ihnen den Quell der Abneigung, unter Oesterreichs Herr schast zu gelangen, und so wie ich Land und ^^eute kenne, wage ich zu behaupten, daß es im hohen Interesse Oesterreichs liegt, sich niemals auf eine ahnliche Kombination einzulassen. Mit dem Besitz Bosniens unl) der Herzegowina würde Oesterreich einen Vulkan erwerben, der weit und breit Verderben schleudern würde. Diejenigen, welche dem Wiener Kabi-net die Akqnisition dieser adriatischen Hinterländer rathea, wollen einfach das höUerne Pferd der Achaier innerhalb deS Kaiserreiches stellen. Gott behüte Ihr Baterland vor diese» Freunden!" Napoleon «ad die Rheiulande. Marburg, ZI. Juni. Wenn Grenzprovinzen durch freie Willensäußerung die Einverleibung gab keine Antwort; aber einen Augenblick darauf lag rS an der Brust Christians, dessen Lippen brennend seine Sttrne berührten. E» konnte unl) mochte sich nicht wehren; eS dauerte auch nur einen Augenblick und der Statthalter stand wieder ernst und gefaßter vor ihm da. „Ich lvtll gehen," sagte er, sich zu Röschen niederbeugend, mit weichem »one. „ich muß gehen — und reten könnt' ich jetzt nicht, olischon mir daS Herz zerspringen möchte; aber versprich mir. daß ich dich daS nächste Mal wieder hier antreffe; verspr^ »nir s. den beiden Tobten zu lieb, die da drunten liegen." Röschen nickte schweigend und bestätigte doS so halb-bewußtlos gegebene Versprechen mit einem innigen Händedruck. — Lange saß eS. von dem Scheine der sinkenden Sonne umspielt, auf den Gräbern, bis dem unter baNs^en Ahnungen und freundllchlispelnder Hoffnung kampfenden Herzen heftig hervorbrechende Thränen Linderung ga« ben. „Ach." sastte es endlich aufstehend, könnt' ich doch hier bleiben für immer; guter Gott, wie schön müßt' es fein, jetzt zu sterben; mit Allen versöhnt aus der Welt zu gehcn. wo doch nur Streit und H -der ist." — Als Röschen bei schon einbrechender Dämmerung nach Hmse kam. sagten die unterdessen heimgekehrten Mägde t Martin fei dagewesen, habe aber im Auftrag des Meisters noch einit^e fchivere Säcke nach Re'nach hinanfgsführt. Der Bater iverde diese Nacht ktium heimkommen; er sei mit dem Schloßmüller ausgefahren — habe Martin gesagt. Röschen ging sogleich nach der Scheune hinüber; eS hattte richtig gemuilimaßt — die Waff nsäcke waren nicht Metir vorhanden. „Nun weis doch Martin, wa» daß zu bedeuten hat." tröstete eS sich in seinen K,danke». ..und der wird mir'S bald sagen müsse», lvenn ich iizn drum bitte; Gott verhüte nur. daß es etwas SchliMmeS sei." Aber es dauerte lan^e. bis der Alte diese Ungewißheit lösen konnte. Schon war Alles im Hause zur Ruhe gej^angen und Martin noch immer nicht heimgekommen. Röschen dachte iveder an Schlaf noch Ruhe; eine rastlose Bangigkeit trieb eS jedkN Augenblick von dem Gebetbuche, da» auf dem Tische lag. an'S Fenster, vor dem sich über das Dorf hin eine lantlofe Stille ausbreitete. Endlich kam das Wägelchei« die Straße her^ch-gerollt. Röschen mußte sich niedersetzen, um seine stürmende Unruhe »iederzu?ämpfkN; es war ihm. so sehr eS sich selbst ausscheltend stch zu bernhiqen suchte, als würd' es eine TodeSbotlckast einpfaagen. Marti« kam ganz gegen seine Gewohnheit mit fast schleichendem Tritte den HauSgang herein, wie lvenn ihn Nirmand hören sollte: kanm hatte er die Stnbenthüre geöffnet, als er sagte: „Bist noch auf. Rosele? 's war' denf Zeit, einmal ins Bett zu gehen." — „Ich wollt' nur »och a«f dich walte». »« dir ei»e Neuigkeit z» sagen, wenn dn sie nicht schon begehren, dann wird Napoleon nicht widerstreben! — hat es jüngst von der anderen Seite des Rheines herübergekrachzt. Und wollte Napoleon auch, so dürfte er nicht; denn eS ist ja seine höchste und liebste Pflicht, der Stimme deS Volkes zu gehorchen. So versichert Er — und wer soll an der Wahrheit zweifeln, wenn Er spricht? Ist er nicht „durch die Gnade Gottes und die Wahl von acht Millionen Franzosen" auf den Kaiscrthron gelangt? Und die Presse deS Landes — die sogenannte freie, wie die abhängige pfeift sie nicht in dieser Frage auS demselben Loche und befin!>et sie sich nicht- im vollsten Einklang« mit der öffentlichen Meinung Frankreichs? Wird sich aber auch den Rheinlanden Gelegenheit bieten, ihren Willen frei äußern zu können? Der Landesverrath Wilhelm I. ist so gewiß, als die Hohenzollern vor Raubgier lodern und dieselbe nur durch Napoleons Hilfe befriedlgen können. Die EntblößuNi; der Rheinlande von allen Truppen ist ein abgekartetes Spiel, das man auf den ersten Blick durchschaut. Gelingt eS dem Bunde, die Rheinlande zu besetzen, dann ist für Napoleon der willkommene Anlaß zum Einschreiten gegeben; dann wird er behaupten, die Ansammlung so massenhafter Streitkräfte an der Grenze Frankreichs bedrohe die Sicherheit deS Landes. Der Weigerung von Sei-ten des Bundes, daS Heer zurückzuziehen, wird zunächst die Aufftellung französischer Truppe.n hart an der Grenze folgen. Die weitere Erklärung, daß Napoleon seinem bedrängten Freunde Wilhelm I. auf dessen Verlan-gen beistehen und deßwegen in die von Feinden desselben besetzten Gebiete einrücken müsse, entzündet den Krieg auch mit Krankreich. Siegen Napoleon und sein Bundesgenosse, und „schirmen" dreimal-hunderttausend Franzosen die befreiten Rheinlande, dann wird Napoleon, versteht sich mit Einwilligung des bisherigen Herrschers, des Königs Wilhelm des Frommen und Eroberers, die allgemeine Abstimmung vorneh. men lassen.» damit die Bevölkerung, welche nach amtlichen Berichten die Vereinigung mit Frankreich herbeischnt, endlich ihren Wunsch frei und in gesetzlicher Form aussprechen könne. Und gerade so frei, tvie Frankreich unter den eisernen, blutigen Tritten Napoleons, wie Prenßrn unter Bismarck und Wilhelm I. es gewesen, so frei werden auch die Rheinlande vor und «vähreud der Abstimmung sein — und ein Gesetz, dessen Hüter Meineid, GotteS- und Volks, lästerung und alle Verbrechen sind, vor deren bloßer Nennung die Mensch» heit erbleicht — eii» solches Gesetz wird die Willensäußerung der Rheinländer schützen. Je gefährlicher aber der Tirannei und dem VaterlandSverrathe die verständige, lebhafte Art, daS kerndeutsche und franke Wesen der Rhein-länder; je schtverer die Krast dieses Volkes zu brechen . . . desto verwerflicher. ja teuflischer werden die Mittel sein, die Napoleon antvendet, um die Abstimmung in den Rheinlanden zu fälschen^: das Ergebniß wird dem Staatsstreicher von Paris Ehre machen. (Schluß folgt.) Marburger Berichte. (Zu den G e m ein de »va hl e n.) Die Wühlerliften, die biS zum 1ö. d. M. in der Gemeindekat^ei zur Einsicht aufgelegen, find nicht beanständet worden. Der erste Wahlkörper zählt 213, der zweite 125, der dritte 747 Stimmberechtigte; die Gesammtheit unserer Wahler be« läuft sich demnach auf 108S. Die Listen find bereits gedruckt^nd wird erfahren hast," entgegnete das Müdchen „weißt fcho«. das der Braune wieder „esunden und der Elsäßer gefangen ist?" — „Wa — waS sagst du," rief der Alte, sich vorbeugend, „der Braune? Willst mich zum Rarren halten. Rosel?" — „Gewiß nicht." versicherte Röschen, „denk' dir nur, der Statthalter ist die ganze Nacht herumgeritten, nach Aarburg und Zofingen. biS er dem Braunen auf der Spur war — seinen eigenen Schimmel hat er dabei ganz zu Grunde gerichtet und ist erst heut' am hcllen Tag heimgekommen; — ja schau' nur. das hat er vir ju lieb ge-than, Martin —^ er war dir immer so gut; aber sag', wo ist auch der Vater?" „Ist das Alles wahr?" fragte der Alte, Röschen starr anblickend — „der Christian hätt' das gethan — für den Braunen?" — „Für den Braunen und dich — ganz gewiß, es ist den Nachmittag deshalb noch expreß eiu Poftläufer von Aalau gekommen." — „Dann bin ich verloren." murmelte Martin, nach der Ofenbank hiuschwankend, „dann bin ich verloren und meine grauen Haare sollen verflacht sein." Röschen sprang erschrocken auf und wollte den Alten, der fich wankend mit beiden Händen am Ofen festhielt, stützen helfen. — „Gott — Martin. Martin, ivaS ist dir?" — „Still, still." stöhnte er, nach Athem ringend, „lauf — bevors zu spät ist. Ich kann nicht — ich Hab' einen Eid gethan. ihm Nichts zu verrathen — o ich alter Hund." — „Um Gottes Willen. Martin beruhige dich doch und sprich deutlich." bat Rös-chen. vor Angst zitternd, „komm' setze dich und erzähl' es." — „Lauf, lauft" — drängte der Arme, „'s ist über eilf Uhr — sie wollen den Christian fangen, vielleicht tödten — der Major ist da und dein Bater; oenen droben im Thal Hab' ich Gewehre gebracht sie ziehen über ben Berg, den Wald herab nach dem Ebnat — ich Hab' einen Eid gethan. dem Statthalter Nichts zn verrathen; aber mithelse» wollt' ich nicht. Man muß' ihn lebendig oder todt haben — sagt der Major, lieber todt — und dann daS ganze Thal unter Waffen ruf,« und die Regierung auSjagen. Heiliger ^ott — eS wild zu spät sein — auf Mitter»acht ist's abgestellt;--er that so brav an mir." — „Gnädiger Himmel," seufzte Röschen, bleich wie eine Leiche, die Hand auf's Herz pressend, „das also soll die Abrechnung sein und meine Ahnung hat mich nicht betrogen; — lieber todt als lebendig — geh' Martin, lauf — nimm dich zusam-men. und sag dem Bater. wat Christian gethan hat — lanf, dn weißt, wo er ist — ich — ich werde meinen Weg auch finde». — mit Gottes Hülfe." — Das Lämpchen erlosch »ad Martin blieb allein in der Finsternih zurück. jedem Wähler ein Exemplar zugestellt. Die Wahlen werden am 2.. 3. und 4. Juli vorgenommen. /Einbruch.) Am 18. d. M. liaben ans demMaierhofedeS Herrn M. Löschnigg neben der Bahnbrücke unbekannte Diebe einen Einbruch verübt und vom Dachboden alle Kleider und die ganze Wäsche der Haus-magd gestohlen. (..Nicht Alles, wa» g lä n zt. ist G o l d.") Cm dienstliarer Geist in Marburg hatte seinem Herrn zu verschiedenen Malen, acht Kaffee löffrl von Chinasilber entwendet und sie einer .,Frau," die sich auf solche Geschäfte versteht, zum Verkaufe übergeben. Zwei Eßlöffel und vier Kaffeelöffel von i^hinafilber wurden dieser Vermittlerin von anderer ^eitc zu dem gleichen Zwccke anvertraut. Eine leichtgläubige Wirthin kaufte sämmtliche Löffel als echtstlberne und lieh sich von der Gaunerin auhkr-dem noch l^thören. bronzen^ Schmucksachen als goldene anzunehmen: sie bezahlte im Ganzen einen Betrag von 21 fl. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. (Veruntreuung.) Ein Mühlepächter von Frauheim, der sich in schwerer Noth befand, ersuchte den Bäckermeister. Hr. Scherbaum, er möchte ihm doch Arbeit verschaffen. Herr Scherbaum erbarmte sich deö Bedräng, ten und gab ihm Weizen im Betnige von 200 ft. Anstatt jedoch das Getreide zu mahlen, verkaufte der Pächter dasselbe und hat nun für seine Handlungsweise die Strafe de» Gerichte» zu erwarten. (Da< Bittgesuch unserer landlvirthschaftlichen Filiale) an daS Kriegöminifterium. betreffend die Lieferungen für den Heeresbcdarf, wird von den öffentlichen Blättern günstig aufgrnommen: so weit unS Nachrichten verliel,en. hat man eS überall lobend anerkannt, daß die Ailiale ein mannhaftes Wort zu rechter Zeit gesprochen. Vermischte Nachrichten. (Genossenschaftliche A kkor d-Arbei t.) Der „Borbote," Organ der vereinigten Arbeitergenoffenschaften. herausgegeben von Job. PH. Becker in Genf, berichtet, daß 60 Arbeiter der Genossenschaft in Lau-sänne von der Stadtbehörde Erdarbeiten im Betrage von 24,000 Fr. für gemeinsame eigene Rechnung übernommen haben. Unter diesen 60 Arbeitern befinden sich Schreiner. Zimmerleute und Schlosser, bieder Winterzeit wegen ohne Beschäftigung waren. Die Arbeiten rücken derart vorwärts, daß Augenzeugen sagen, man sieht's den Leuten an dem rastlo-sen Eifer an. daß Arbeiter und Unternehmer in einer Person vereinigt sind, und daß sie nicht für einen Brodherrn schwitzen. Ein Theil des Ertrags dieser Arbeiten soll zur Gründung einer VolkSbauk verwendet werden. (An die Sänger.) Der Gesammtausschuß des deutschen Sänger-bundeS erlaß: von ^reSden ans fol^^enden Aufruf: „Deutsche Sanges-genossen l Der Dämon der Zwietracht schwin^^t über das theure Baterland vie Brandfackel des Bruderkriegs, ^er GeniuS deS deutschen LiedeS aber ruft eS in alle Gauen hinein: ..Friede sei mit euch!" Dieser Ruf. getragen von der Harmonie der versöhnenden Liebe, treffe daS Ohr der Schul-digen wie der Posaunenschall des jüngsten Gerichts! WaS wir in Rürn-berg und Dresden unS gelobt, daran halten wir fest für und für. Unsere Herzen und Hände sind dem geweiht. waS auf unserem Banner geschrieben steht! „Das ganze Deutschland soll eS sein!" Dafür liiffct uns einstehen in gerechtem, heiligem Zorne — mit der Leier und. wenn ihre Saiten zerriffen herabhängen — mit dem Schwert! Zeigen wir in Worr und Der Abend, den Röschen unter so schwerer Bangniß verbrachte, war für Christian der glücklichste, den er seit der Nacht verlebt, da er den Major im Bären zu Kulm verwundet hatte. Er kam sich selber vor wie ein Kranker, der plötzlich vom dumpfen SchmerzenSlager erstanden, verjüngt und neugestärkt am milden Sonnenscheine wandelt; wie ein Blinder, deffen lang umnachteter Blick wieder hell wird und mit Ent-zücken in die blühende Frühlingsschönheit der Welt hinausschaut. Bor dem einen, allmächtigen Gedanken: Röschen — das arme, gute Röschen liebt dich wieder, oder hat dich wohl im Stillen nie zu lieben aufgehört, der wie ein ftisch sprudelnder Quell tausend neue Wellen schimmernder Hoffnung in da< öde. erstorbene Herz ergoß, mußte aUeS Andere ver-schwinde», das gestern noch ncue Erbitterung und Besorgniß erregt haben würde. Der Postläufer hatte von Aarau neben der Nachricht von der Gefangennahme deS Pferdediebes noch ein Schreiben gebracht, das weniger Erfreuliches enthielt Man H^Me dafür, lautete dasselbe, daß die be-deutliche Unruhe, welche sich allerwärts. aber am meisten in den Gegen-den. wo die Junker von Bern ihre Schlöffer Haben, unter dem Land-Volke zeige, von östreichischen und berner patrizischen Spionen und Emifsa-ren erregt werde in Biberstein habe man letzte Nacht einen Offizier der Legion Roverea aefangen. der die Bau rn mit allerhand Borspiegelung von naher östreichischer Unterstützung gegen die Franzosen und die beste hende Regierung aufgewiegelt habe; der Statttialter werde deshalb ermahnt. in seinem «reise die schärfste Wachsamkeit zu beobachten, da ein Aufruhr in gegenivärtiger Zeit, wo die französische» Heere am Rheine schwer bedrängt waren, von den verderblichsten Folgen sein müßte. Diese Nachrichten würden, wie l^rsagt. vor ter Begegnung mit Röschen auf dem Kirchhofe des Stat-Haiters Erbttterung und Strenge g^en die Aristokraten erhöht haben; jetzt machten sie einen ganz andern Mn druck. Ehristian saß. HUb liegend, in einem großen Lehnstuhle in seiner Stube; er hatte das L?icht ausgelöscht und schaute träumerisch auf die wankenden Schatten, mit denen der durch s Fenster hereinbrechende Mond schein auf dem Boden und an den Wänden herumspiegelte. ..Bab." jagte er endlich' lvie durch einen festgesaßten Entschluß erleichtert, „ich will mich nicht mehr langcr mit der l',anzen Welt und meinem eigene» Glücke verfeinden — iäl lege meiae Stelle nieder und lasse Streit und Hader denen, die noch länger Freude daran finden. Hat Jeder so lange gelitten und gestritten wie ich. mag er auch Ruhe wünschen — Hab' ich doch seit anderthalb Jahren keine stille, gliickliche Minute mehr gehabt. Der alte Untervogt wird sich dann versöhnen lassen und ich und Röschen — ach. all' ihr guten Engel wacht über »ir. daß ich das Glück zu er- That. daß unser Volk nicht leichtfertig seine Kultur mittelalterlichen Ge-lüften preisgibt und daß noch so viel Kraft in ihm wohnt, um den ver-rälherischen Frevel und die anarchische Unfähigkeit derer, von denen daS Unheil stammt, zu überwinden!" (Ergebnisse des österreichischen TabakverschleißeS im Jahre 1865.) Nach Ausweisen der „Austria" betrug der Erlös aus dem Tabakverschleiße im Jahre 1865 54.374.148 fl.. daher gegen die Verschleißeinnahmt im Jahre 1864 (55.505.4P7 fl.) um 1.131.399 fl. oder um 2°/o we üger. Dieses ungünstige Ergebniß wurde vorzüglich durch den verminderten Absatz an Pfeifentabak (30.725 Wr. Ztr.) und an inländischen Zigarren (11.922.254 Sj.) herbeigeführt. (Ein merkwürdiger Rechtssall.) Der flüchtige AdvokaturS-konzipient Pollitzer hatte auf Grund einer schriftlichen Vollmacht de< Dr. Zelinka die Crfolglaffung von 12.000 fl. durch das Landesgericht Wien bewilligt erhalten und diese Summe auch wirklich behoben. Dr.Z., welcher von diesem Borgange erst spät Nachricht erhielt, behauptet aber, daß er Pollitzer nicht zum Geldempsange ermächtigt habe, und daß daher die dem Gerichte vorgeleate Bollmacht falsch sein müsse. Als eS sich nun NM Feststellung dieses Thatbestandes handelte, zeigte sich, daß mit dem Fälscher und dem Gelde auch die beanständete Bollmacht aus den Gerichts-akten verschwunden war. welche Pollitzer nebst dem ErfolglaflungSfchreiben bei Einsichtnahme der Akten aus der landest,erichtlichen Registratur entwendet hat. Es war dies der letzte Streich Pollitzers vor dessen Flucht, für welche jene 12.000 fl. als Zehrpfennig dienten. Nun entsteht die interessante Rechtsfrage: Wer den Schaden zu tragen habe? Dr. Z. hält sich nämlich zur Ersatzleistung nicht verpflichtet, so lange ihm daS betreffende Gericht das Erfolglassungsgesuch, welches von ihm unterzeichnet sein soll, und die sragliche Bollmacht nicht vorweise. (Patriotismus?!) AuS Wien erhalten wir die Nachricht: Am 15. d. M. Nachmittag 3 Uhr verließen unS die Tiroler Freiwilligen. Da sich derzeit keine Musikkapelle hier befindet, die ausziehenden Schützen jedoch mit klingendem Spiele abmarschiren wollten, so wurden sie von der Musikkapelle des hiesigen Turnvereins begleitet, der sie aber für dieseS Vergnügen auf dem Wege von der Laudongasse bis zum Westbahnhofe 50 fl.. sage: fünfzig Gulden, zahlen mußten. (Auf der Anklagebank) dcS Wiener Landesgerichtes saß dieser Tage die Edle v. Angelis. eine wohl erst dreißig Sommer zählende, aber dennoch schon welkende Schöne, die Gattin eines 78jährillen Staatsbeamten. Auguste v. Angetis. die Tochter deS zuletzt in Marburg statio-nirten Finanzwach Ober Kommissärs Lindner, erhielt die erste Anleitung zum liederlichen Leben zunächst von ihren natürlichen Eltern. Bater und Mutter lebten, daS Eine in Graz. daS Andere in Marburg, von einander getrennt und in ewigem Hader. Die Tochter Auguste versah Postillionsdienste für ihre Eltern und war beständig auf dem Wege zwischen Marburg und Graz. Endlich dieser Beschästigung müde und dadurch nach einer gewissen Richtung sattsam ausgebildet, verließ sie ihre Eltern, wendete sich nach Wien und wurde — eine leichte Person. Mit ^bun-dener Marschroute in die Heimat befördert, bequemte sie sich zur Arbeit und kam zu dem 78jährigen Ober-LandeSgerichtS Official Franz v. Angelis als Haushälterin. Der alte Mann hatte feine schwachen Stunden, und so wurde denn Auguste bald die Frau vom Hause. ES fehlte zur Bollendung dessen nur noch der geistliche Segen, und der alte Herr, der dazu sich nicht entschließen wollte, wurde in einer ganz ei.,enthümlichen Weise gegen seinen Willen der angebetete Gatte seiner Wirthschafterin tragen vermag." Er legte die Hand über die Augen, als fürchte er sich, den glänzenden Bildern der frohen Zukunft in'S Gesicht zu schauen. — Allmälig senkte sich der Schlaf auf den Ermüdeten und mit demselben die Träume, welche die Gedanken deS Wachenden mit phantastischem Zauberfinger weiter spannen. Es war ihm. als ob er sich schwebend emporhebe und mit leichtem beflügeltem Schritte auf den Strahlen deS Mondscheines dahin wandle — tief unten lag die Erde in dämmerndes Dunkel gehüllt; aber droben in dem endlosen Räume schwebte Röschen von einer Sternenwolke, wie von einem weitflatternden Gewände umhüllt und winkte und nickte lächelnd herab, ihm nachzukommen. Der Trän-wende flog durch die Lüfte dahin wie vom Sturme getragen; doch eben so rasch hob sich die S'ernenwolke und schien endlich dem bang Nachschauenden mit ihrer süßen Beute in dem endlosen Lichtmeere zu entschwinden — d., ries er mit attiemloser Bangigkeit: Röschen, Röschen --und Röschens Stimme flüsterte hart an seinem Ohre: „Ehristian, Christian — um GotteswiUen. erwache!" Er öffnete die Augen und streckte beide Hände aus. um die leuchtende Erscheinung festzuhalten, aber er selbst wurde von einer zitternden Hand angesast und der Traum war Wirklichkeit geworden. Bor dem Erwachenden stand Röschen vom vollen Lichte des Mondes, wie von einem heiligen Scheine umfloffen.-- Wenige Minuten später floli der Statthalter, den Schatten der Käutne suchend, über die mondb'schienene Fläche hinter dem Hause abwärts. im Helzen Schreck und Zorn, aber mehr noch unsäl^lichen Dank und Liebe für das lieldenmüthige Madch n. daS ihn vor dem drohenden Tade gerettet und ^em er so bitteres Unrecht gethan. Unwillkürlich sprachen die Lippen, auf denen noch ein letzter BersöhnungS- und Abschieds-kuß schwebte: Es ist ein Enget — zu gut für diese Welt. Als der Flüchtling etwa tausend Schritte weiter abwärts auf dem Fußwege angekommen ivar. der den Wald entlang ln'S Thal nach Grä-nlchen gegen Aarau herabführt, hörte er droben am AbHange des Ebnat einen Schuß fallen. Er blieb erschreckt nach der Gegend hinborchend stehen, bis ein dumpfes Gewirr von sich gegenseitig zurufendeil Stimme» und der helle Klang eines Jagdhornes, dem auf verschiedenen Punkten von der Höhe des WaldeS geantwortet wurde, ihm zu verkündigen schien, daß die wilden Jäger die Jährte des l^ehetzten WildeS suchten. Kau» hatte er mit fliegenden Schritten den einsamen Hof in der „Wässere" erreicht, in dem Alles todt und stille lag. so ertönte von K»lm hera^ die Sturmj^locke. Christian schaute athemdolend zurück; auS seinem väterlichen Hause stieg eine mächtige Flammensäule. die mit gluthrottze« Scheine vom Ebnat ins Thal herableuchtete. (Schluß folgt.) Auguste. Eines Tagcs verschwand nämlich AUjwste mit einem reisenden Magier, und Franz v. Angelis erstaltetc eine Anzeige bei d^r Polizei, mit dem Beifiigen. die Flüchtigc hätte ilim eine t^oldrne Uhr gestohini. Als jedoch NM stlbei, Ta^e Auguste zurückgekehrt mar und in Usberein-stimmung mit dem Magier angegeben hatte, sie hc,be sich nur auf einige Stunden entfernt gcliabt. um ein neueS Experiment in Augenschein zu nehmen, war der GrriS zu Thiänen gerühtt; Au^u'ste. welche zur Polizn geholt wurde, erklärte sich durch die Anzeige ihicr tihrc beraubt, deren Batcr schwang den Donnerkeil ober dem Haupte des Greises, und dieser rettrte die Ehre seiner durchgegangenen Haustiälterin durch einen HtinUs-antrag. Auguste wurde die Gattin des Franz v. Augclis. und nachdem das eheliche »-^^and Beide 22 Tage umschlungen hatte, reiste die junge grau nach Wien, weil ihr von da au» c>ie Aussicht geboten war. die „Freundin" des Fürsten E. zu werden. Der Gatte, »velchem dieses Vor-haben kein Geheimnih war. begleitete einverständlich die junge Frau auf den Bahnhof und machte ihr später nur bricfliche Vorwürfe darüber, daß Auguste sich nicht ernstlich um den Fürsten beworben und es vorgezogen habe, sich in Wien mit allerlei schlechtem Volk hcrumzulreiben. Auguste v. Angelis spielte itlzwischen in Wien .Komödie im Volksgarte.» und anderen öffentlichen Vergnügungsorten, und es gelang ihr unter der listigen Bor spiegelung. sie sei die natürliche Tochler einer Grafin Revillan ans Stutt-Mt von mehreren Perss'^en Darleihen zu erschwindeln. Namentlich ent-lockte sie Herrn Michael Mathie. dem sie Heiratsaussicht- n machte. 600 fl. und durch dessen Vermittlung dem Vineenz Tschcden. Portier im Land-Hause. 2750 fl. Ihrer UntcrslandSgeberin entlockte sie einen Kredit von 200 fl.. uud als alle Qucllen versiegt schienen und d^r Kredit gänzlich erschöpft war. stellte sie sich, als wollte sie einen Selbstmord begehen, wurde, als sie sich eben in die Wellen der Donau stürzen wollte, von ih'em Vorhaben abgehalten und znr SicherheilSbeborde geführt. Die bleiche Gestalt der Unglücklichen erregte das Mitleid der Menge, und unter diesen war es besonders Herr Bartholomäus Fauschamp, welcher sich der Unglücklichen näherte und. sie um die Ursache ihres unglücklichen, verzwtistuttgsvollen Entschlusses befragte. Auguste v. Angelis erzählte !>em Herrn Fauschamp, sie sei die unglückliche Gattin eines ?.lkannes. der mit einer Lchauspielcrin nach Amerika dnrchgegang'n sei und ihr zweiitinder. deren Muttcr sie nicht lvar. zurückgelassen habe. Solcher Art erweckte sie das Mitlcid deS thcilnehmenden Fremden ; er nahm sie mit in den Gast« hos „zum römischen Kaiser," bewirthete sie daselbst, miethete ihr ein Zim-mer und fand sich bereit, ihr in kleinen Beträgen 245 fl. vorzustrecken. Auguste v. Angelis üliergab dem Herrn Wechsel, die ihr »vgeblich ihr Mann zurückgelassen hattediese stellten sich jedoch als Fälschungen dar. Das liunte Treiben der Angelis kam zur Kenntniß deS Strafgerichtes; sie wurde eingezogen und verfällt auf Grund ihreS eigenen GeständnifseS in einen Strafsatz tion fünf bis zu zehn Iahren schweren Kerkers. Der Vertheidiljer machte Milderungs Umstände für die Angeklagte geltend, hob insbesondere hertiot die sch!echte Einwirkung des BerlzältnisseS zwischen Vater und Mutter der Angeklagten. daS Alter und den Schwachsinn ihreS Gemahls und die leichte Gelegenheit, welche der Angeklagten durch frem» den Leichtsinn geboten war. Der Gerichtehos erkannte in Erwägung dieser MilderungS-Umstände sür Auguste v. AngeliS auf eine nur zweijährige schwere Kerkerstrafe. Ttlegraphischer Wiener Cours vom Ll. Juiii. S'/, Metallique» ..... 57.25 ! Kreditaktien....... K'/. Rational'Aiilehen.... 6l.6ü London........ 1860er StaatS-Anlehen . . . 75.— j Silber........ Bantaktien.......687.— > K. K. Miinz-Dukaten. . . . lSü.üo 183.— 133.50 6.87 Nr. 1199. Kundmachung. (245 Wodurch von der gefertigten Gemeindevorstehung kundgemacht wird, daß die Wahl deS Gemeinde-Ausschusses an den nachstehenden Tagen im Gemeinderathssaale der Stadt Marburg, u. z. für die Wahlberechtigten deS III. Wahlköpers am ». Juli d. I. Bormittags von 8 bis 12 Uhr, dann Rachmittags von 2 biS 6 Uhr, des II. WahlkSrperS am S. Juli d. 3. Vormittags von 8 bis 12 Uhr. und deS I. Wahlkörpers am 4. Juli d. 3. Vormittags von 9 bis 12 Uhr stattfinden werde, wobei jeder Wal)lkörper acht Ausschuftmit-glieder und vier Erschmäuner zu wählen hat. Gemeindevorstehung Marburg den 20. Juni 1866. Der Bürgermeister: ki» »»»8 i» ller Kmervorslsill ist unter billigen Bedingungen zu verkaufen oder auch zu verpachten. Dasselbe hat eine sehr günstige Lage an der Hauptstraße und eignet sich ganz besonders zum Betriebe einer Bäckerei oder eincS WirthSgeschäfteS. Anzufragen im Komptoir dieses BlatteS.___(247 Kanaritnvogei Gastard ist entstogt». Der Zustandtbringer rrhült eine gute Z'clobnung in der Domgaffe Rr. Z0l> w» sich da« k. t. gilialposlamt befind«». (248 Rr. S0ö0. (241 «xekutiv- Vaheniffe« - «erst-lg-ruVg. Vom k. k. B-zirkSgerichte Marburg wird bekannt gem cht: Es sri über Ansuchen des 3ohann Meglitsch durch Herrn Dr. Duchatsch die exekutive Feilbietung der dem Johann Fingust in Kranichsfeld gehörigen, mit gerichtlichem Pfandrechte beligten, und auf 363 fl. 50 kr. geschlitzten Fahrnisse, als: zweier Kühe, zweier Schweine. Wägen. 1 Stutte und einiger HauSeinrichtung bewilligtet, und hiezu zwei Feilbietungs Tagsatzun-gen. die erste auf den l>. Juli, die zweite auf den »S. Juli j866 jedesmal von 10 biS 12 Uhr Bor- und nöthigenfalls von 2 bis 3 Uhr Nachmittags in Kranichsfeld, Haus Nr. 47 mit d.m Beisatze angeordnet worden, daß die Piandstücke bei der ersten geilbietung nur um oder über den SchäKnngSwerth. bei der zweit.n geilbietung aber auch unter demselben gegen soglciche Barzahlung und Wegschaffung hintangegeben werden. Marburg am 26. Mai 1866. ___^ Samstag den l«. uud »S. Juni lA«« werden gekauft (232 Gilt Mtchscl lÄ ZchMschti«. Hotel ..Erzherzog Johann", Zimmer Rr. II). Vormittag von 11 bis S Uhr. _ Rr. 6808. Edikt. (WS »r. 64d6. Edikt. (235 Bon dem k. k. Bezirksl^erichte in Marburg wird bekannt gemacht: ES sei über E'nverständniß der Erben nach Frant glucher zu Pöllitsch-darf zur Vornahme der freiwilligen öffentlichen Versteigerung der znm Verlasse deS Letzteren gehörigen, noch vorhandenen Fatzrnisse a!S: Pferde. Ochsen. Kühe. Ächafe, Schweine, verschiedene Grtreidegattungen. G fäße, dann Wirthschafts- und HauSeinrichtungsstücke u. s. w. die Tagsatzung a«f den AS. Juni l. I. Vormittags vc-n 9 bis 12 Uhr und Nach-«ittagS von 2 bis 5 Uhr in loko Pöljitsä)dors bestimmt, wobei die zu veränßernde» gahrn'ffe um oder über den inventarischen Schätzungswerth. «ach Umständen auch allenfalls unter demselben gegen sogleiche Barzah-nng des Meiftbote» und Hinwegschaffung werden veräußert werden. Marburg am 29. Mai 1866^_ Vom k. k. Bezirksgerichte in Marburg wird bekannt gemacht: ES seien zur Vornahme der bewilligten freiw. Lizitation der zum Nachlasse deS Lorenz Matella von Unterklappenberg gehörten sammtlichen Realitäten, und hiebei noch vorhandenen Fahrnisse, als: Vieh, Getreide, Futter, Wein-Gebünde. verschiedene WirthschaftS- und Hauseinrichtungsstücke, die Tag-satzungen in nachstehender Art bestimmt. a) am 4. Juli l. 3. in der Gemeinde Oberklappenberg für die-Realität »üb Berg Nr. 30. 31 und 47 aä Gült St. 3akob; Berg Nr. 1231 sä Gutenhaag und Berg Nr. 720 aä Herbersdorf, bestehend auS dem Weingarthause E. Nr. 13 sammt WirthschastSgebäuden. Weingart. Acker, und Weidenparzellen im Flächenmaße von 2 3och 1414.^ Ü.Kl. Und SchätzungSwerthe pr. 2137 st. österr. W.; für die Realität Berg Nr. 78 und 1233 aä Gutenhaag, bestehend aus dem Weingarthause C. Nr. 15 sammt WirthschastSgebäuden. Hausgart', Weingart« und Ackerparzellen im Flächenmaße von 2 3och 989.' Q. Kl. und SchätzungSwerthe pr. 2382 fl. 50 kr. österr. W.; ftr die zufolge Kaufvertrages vom 19. Sep-tember 1865 von der Realität der Josefa Schmiermaul Urb. Rr. 261 Gült Tessenberg abgekauften, jedoch noch nicht abgetrennten Grund» theile. bestetzend in Weingart-. Acker«. Wiesen-. Weide, und Hochwaldpar-zellen im Flächenmaße von 10 3och 56.^ Q.'Kl. und Schätzungsw erthe pr. 1061 fl. 25 tr., und der bei diesen Realitäten befindlichen Kahrniffe. d) am S. Juli l. 3. in der Gemeinde Rothschitzen für die unbe-hauste Realität sub Berg Nr. 178 uä Weitensfeld. bestehend auS Wein, gart', Wirse. und Hutweidenparzellen im Flächenmaße von 1 3och 453.^ O.K!. und SchätzungSwerthe pr. 746 fl. österr. W.; in der Gemeinde Unterklappmberg für die Realität 8ub Berg Nr. 2 »c! Platzerhof. be-stehend aus dem Weiugarthause C. Nr. 33. dann Weiugart-, Acker, und Wiesenparzellcn im Flächenmaße von 751 Q.-Kl. und SchätznngSwerthe pr. 686 fl. 24 kr. osterr. W., sowie der bei derselben vorhandenen Fahrnisse. IN derselben Gemeinde für die Hnbrealitat snd Urb. Nr. 494 »ä Gutenhaag, b.st.hend aus dem Wohnhause C.Nr. 11 nebst WirthschaftS« gebäuden. dann Garten-. Acker-. Wiesen-. Weingart-, Hutweiden, und Hochwaldparzellcn im Flächenmaße von 18 3och 1120 Q.-Kl. und im Scdätzungswerthe von 5870 fl. österr. W. e) am tt. Juli l. 3. sür die bei der letzterwähnten' Hubrealität vorhandenen Fahrnisse. an jedem dieier Lizitationstage Bormittags von 9 biS 12 Uhr und Nachmittasis von 2 biS 5 Uhr. Sowohl die Realitäten als auch die Fahrnisse werden nur um oder über den Schätzungswerth, letzere gegen sogleiche Barzahlung und WejMasfung hintangeg'ben werden. Bor der Bersteigeruug der Realitäten hat jeder Lizitant von dem Anbote zehn Prozent deS SchätzungS. und Au<>russpreises jeder einzelnen Realität in Barem oder steierm. Spar-kassabüchcln oder öffentlichen Obligationen nach dem Kourswerthe des der Lizitation vorans^ehenden BörscntageS berechnet, als Vadium zu Han-den der Lizitations Kommission zu erlegen. Die übrigen näheren Lizitationsbcdingnisse, das 3nventurs. und Schatzungsprotokoll und die Grundbuchseprakte können in der hiergericht-lichen Registratur, sowie bei dem k. t. Notar Herrn Dr. Franz Radey in Marburg und dem Advokaten Herrn Dr. MathiaS Kotzmuth in Graz eingesehen lverde». Marburg am 20. Mai 1866. Ein Lehrling (219 wird für ein Cpezereigeschäft in einer Stadt Steiermarks aufzunehmen gesucht, derselbe muß die 2. Unterrealklasse gut absolvirt und daS 14. Ltbensilter zurückgelegt haben. Näheres bei Herrn SleDRA in Mar» bürg und bei Herrn I«r)a in Pettau. V««»twortl>cher Redakteur: Kra«z Wießthatee. 2 kl St v Dru< u»d —« »»»a?» I«»schitz i» «arb«rß.